Die Auseinandersetzung mit dem Vorhandenen in all seinen Ausprägungen der Infrastruktur, des Städtebaus, der Raum- und Baustruktur, der Technik und der Gesellschaft ist ein zentraler Bestandteil des Metiers. Instandhalten, Instandsetzen, Umbauen und Erweitern legen nicht selten ideelle und materielle Schätze offen, liefern uns wertvolle Hinweise für unser Verhalten und setzen Fragmente in ebenso geheimnisvolle wie überraschende Zusammenhänge. Im Vorhandenen ist in aller Regel eine tragfähige städtebauliche und freiräumliche Ordnung mit hohem Identitätspotential eingeschrieben. Darin eröffnen sich einmalige Chancen, die Planung aus der Transformation heraus zu verstehen. Die intellektuell wie baulich sukzessiv voranschreitende Aneignung lässt Zeit und Raum, die Seele des Ortes und damit den Menschen teilhaben zu lassen an seiner Stadt-, Dorf-, Quartier- und Hausentwicklung. Bauen im Bestand, Planen und Bauen mit Fragmenten und Neubauen heisst, sich auf verschiedene Geschwindigkeiten einzulassen. Geduld und Langsamkeit sind dringende Tugenden, da im Voraus keine Gewissheiten das Endresultat erahnen lassen. Reflexion und Aufbruch, Tradition und Zukunft sind in jedem Strich den Fragen der Angemessenheit zu unterwerfen. Die Projekte Wohnkolonie im Hard Langenthal, Industriestrasse in Luzern und WankdorfCity 3 in Bern loten das Verhältnis zwischen dem Brauchbaren und dem Neuen aus.
Vortrag von Rolf Mühlethaler, im Anschluss Podiumsdiskussion mit Konstanze Domhardt, moderiert durch Martin Tschanz.
Eintritt CHF 10.– / Mitglieder AFO Eintritt frei
Gratis Studenten-Mitgliedschaft
Rolf Mühlethaler
Rolf Mühlethaler wurde 1956 in Bern geboren. Nach dem Lehrabschluss als Hochbauzeichner studierte er Architektur an der HTL Burgdorf. Nach der Mitarbeit bei Max Schlup in Biel und bei Frank Geiser in Bern gründete Rolf Mühlethaler 1985 ein eigenes Büro und realisierte seither zahlreiche, teils wegweisende Projekte für private und öffentliche Bauherrschaften, darunter Wohn-, Büro-, Schul-, Sport- und Infrastrukturbauten. Es folgten vielfache Auszeichnungen sowie Wettbewerbserfolge im In- und Ausland. Ein Kerngebiet ist die Beschäftigung mit städtebaulichen, architektonischen und infrastrukturellen Fragen sowie dem sorgfältigen Weiterbauen im Bestand. 2015/16 war er Gastprofessor für das Entwerfen und die Gebäudeplanung an der Universität der Künste in Berlin. Rolf Mühlethaler wirkt in mehreren Wettbewerbsjurys, Stadtbaukommissionen und Beiräten mit; er war Teil der Stadtbaukommission Luzern (2000–2008), Präsident der Stadtbildkommission Bern (2004) und ist Gestaltungsbeirat beim Neubau Semmering Basistunnel in Österreich (ab 2011). Neben dem Prix Lignum für die drei Langhäuser des Freilagers in Zürich erhielt er auch die Auszeichnung guter Bauten im Kanton Luzern (1999) und Kanton Zürich (2006). Mehrere Ausstellungen und Publikationen würdigen seine Arbeiten.
Konstanze Domhardt
Die Architektin und promovierte Städtebauhistorikerin leitet seit 2018 die Fachstelle Denkmalpflege der Stadt Winterthur. Nach Forschungsaufenthalten in den USA war sie Dozentin an der ETH Zürich, heute lehrt sie an der Universität Zürich sowie an der ZHAW. Sie versteht Denkmalpflege als interdisziplinäres Projekt.