Wagnis Unvollständigkeit: Historische Gebäude tragen Spuren ihrer Zeit: Risse in den Wänden, unebene Böden, Patina. Was passiert, wenn diese Spuren nicht beseitigt werden, sondern bewusst Teil der Architektur bleiben?
Alte Ställe, Industriehallen oder vergessene Räume erzählen Geschichten. Zwischen Erhalt und Veränderung entsteht ein Spannungsfeld: Wie viel Eingriff ist nötig? Wie viel Unvollständigkeit kann bleiben? Und welche neuen Möglichkeiten entstehen gerade dort, wo nicht alles perfekt ist?
«Wagnis Unvollständigkeit» nähert sich der Idee einer Architektur, die nicht alles glättet, repariert oder vollständig definiert. Eine Architektur, die Raum für Interpretation lässt – und für neue kulturelle Nutzungen.
Ein Blick auf die ästhetische und räumliche Kraft des fragmentarischen Unvollendeten.
Vortrag von Chasper Schmidlin, im Anschluss Podiumsdiskussion mit Maj Lisa Dörig, moderiert durch Martin Tschanz.
Eintritt CHF 10.– / Mitglieder AFO Eintritt frei
Gratis Studenten-Mitgliedschaft
Chasper Schmidlin
Chasper Schmidlin stammt aus der Engadiner Künstlerfamilie Könz. Sein Urgrossvater Iachen Ulrich Könz prägte mit der Bewahrung der historischen Bausubstanz das Dorfbild von Guarda, seine Urgrossmutter Selina Chönz schrieb das bekannte Kinderbuch des 'Schellen-Ursli', welche Alois Carigiet illustrierte. Diese familiäre Bautradition und die kulturelle Geschichte des Engadins bilden eine zentrale Inspirationsquelle seiner Arbeit.
Zu seinen bekannten Projekten zählen das Museum Susch (in Zusammenarbeit mit Lukas Voellmy), die Von Bartha Galerie in Basel sowie der Umbau und Betrieb der Stalla Madulain, einer Kunstgalerie, gemeinsam mit Gian Tumasch Appenzeller. Schmidlin Architekten haben im August 2024 den Architekturwettbewerb für den Neubau und die Sanierung des Kunstmuseums Bern gewonnen.
Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Dialog zwischen Kunst und Architektur, im Bauen im Bestand sowie im alpinen Raum, insbesondere im Engadin. Nachhaltigkeit und der respektvolle Umgang mit bestehender Bausubstanz nehmen dabei eine zentrale Rolle ein.
Maj Lisa Dörig
Maj Lisa Dörig wurde 1997 in St.Gallen geboren und ist dort aufgewachsen. Sie absolvierte den Bachelorstudiengang Illustration Fiction an der Hochschule für Design & Kunst in Luzern sowie ein Austauschsemester an der Kingston School of Art in London. Anschliessend studierte sie anderthalb Jahre an der Royal Drawing School in London und schloss dort 2024 das «Drawing Year» ab.
Seither arbeitet sie als freischaffende Illustratorin und Künstlerin in St.Gallen, Zürich und London. Atelieraufenthalte führten sie 2022 in die Sasso Residenz in Vairano, 2024 in die «The Moritz-Heyman Residency» in Borgo Pignano sowie 2025 zur «Dumfries House Artist Residency» in Schottland.
Maj Lisa Dörig hat 2025 einen Werkbeitrag der Stadt St.Gallen erhalten. Die Künstlerin zeigt ihre aktuellen Werke im Architektur Forum Ostschweiz. Die Ausstellung dauert bis So 5. April 2026 und ist Di-So jeweils 14-17 Uhr geöffnet.