Architektur Forum Ostschweiz

← Zurück

Pressemitteilung AFO

Flickwerk am Marktplatz

Das Projekt für den neuen Marktplatz setzt ohne Inspiration und Zusammenhang einzelne Interessen um. Es fehlt dem Vorschlag eine ganzheitliche Betrachtung, die für einen zentralen öffentlichen Platz unabdingbar ist. Abhilfe kann nur ein neuer Wettbewerb schaffen.

Nachdem das erste Projekt für die Neugestaltung des Markplatzes 2011 an der Urne gescheitert war, haben Stadtrat und Parlament die Rahmenbedingungen für das Projekt fundamental geändert. Der Stadtrat liess mit einer Vox-Analyse die Gründe für die Ablehnung ermitteln. Die kritischen Punkte wurden daraufhin aus dem Pflichtenheft gestrichen – was unumstritten schien, verblieb im Projekt. Das Resultat ist ein Flickwerk von einzelnen, aus dem Zusammenhang gerissen Projektbausteinen: Der Marktplatz soll autofrei werden und die Bushaltestelle Richtung Bahnhof rücken, Rondelle und Calatrava-Wartehalle müssen erhalten bleiben. Ein paar Bäume sollen für Aufenthaltsqualität sorgen, während der Ersatz der Parkfelder von einer privaten Initiative abhängt.

Jedes Problem wird isoliert betrachtet. In der Summe entsteht daraus jedoch noch kein überzeugendes Projekt für die einmalige Platzfolge von Blumenmarkt, Marktplatz und Bohl. Anstatt die Bedürfnisse der Bevölkerung bereits vor dem Wettbewerb in einem partizipativen Prozess abzuholen, wird nun der kleinste gemeinsame Nenner gesucht und damit die Entwicklung auf Jahrzehnte hinaus verbaut. Wie lässt sich dieser Gordische Knoten lösen? Wohl nur mit einem neuen Wettbewerb, der auf den veränderten Rahmenbedingungen aufbaut und den komplexen Anforderungen an diesen zentralen städtischen Platz gerecht wird.

St. Gallen, 17.02.2015