Architektur Forum Ostschweiz

Jahresthema 2021

Werte

Immobilien gelten als Wertanlage der Stunde. Das billige Geld befeuert die Bautätigkeit, unabhängig von einem echten Nachfragebedürfnis. Das lässt darauf schliessen, dass der Wert unserer gebauten Umwelt aktuell nicht immer sehr umsichtig betrachtet wird. Den Blick dafür zu öffnen scheint dringender denn je, denn die Art, wie wir bauen, war seit jeher prägend für jede Art von menschlicher Kultur.
Architekt*innen versuchen in ihrer Arbeit auf der einen Seite, zwischen ganz individuellen Bedürfnissen der Benutzer abzuwägen, wie beispielsweise einer repräsentativen Erscheinung, einem praktischen Nutzwert oder Schutz und Geborgenheit. Auf der anderen Seite gilt es, auch den kollektiven Anforderungen unserer Gesellschaft in angemessener Weise gerecht zu werden, was die Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raums, den Erhalt unseres bauhistorischen Erbes oder den Verbrauch zunehmend knapper werdender Ressourcen beinhalten kann.
Ein gelungenes Gebäude kann unmittelbar mit äusseren Werten begeistern, aber auch innere Werte, in hoher Qualität, bereit halten, welche es zu entdecken und wertzuschätzen gilt. Sei das in Form einer eleganten Konstruktion oder einer sinnigen Anordnung wohlproportionierter Räume. Ein intensiver Entwicklungsprozess führt zu qualitativer Wertschöpfung in der Architektur.

Das soll alle Beteiligten dazu ermutigen, sich in einem Mass zu engagieren, das über die zugewiesenen Rollen im ordentlichen Planungs- und Bauprozess hinausgeht. Dazu gibt es einiges, wofür es sich lohnt, das Bewusstsein zu fördern: Was macht Gebautes wertvoll? Welche und wie viele Ressourcen können und müssen wir dafür aufbringen? Welche Werte zählten gestern, welche sind heute und welche morgen gültig? Viele Fragen, die uns gerne einige anregende und inspirierende Stunden kosten dürfen – denn was nichts kostet, ist nichts wert.

Im Jahr 2021 möchte sich das Architektur Forum Ostschweiz mit den grundlegenden Fragen zum Thema «Werte» intensiv auseinandersetzen. Wir freuen uns auf die moderierten Fachreferate und die anschliessenden Diskussionen mit den eingeladenen Gästen und dem Publikum. Die Moderation übernehme in diesem Jahr Susanne Brauer und
Jean-Daniel Strub.

Moderationen
Susanne Brauer, Philosophin, Zürich
Susanne Brauer hat in Wuppertal und Münster Philosophie, Germanistik, Erziehungs- und Sozialwissenschaften studiert und an der University of Chicago in Philosophie promoviert. Die Programmierung, Konzeption und Moderation von öffentlichen Veranstaltungen mit Formaten von klassisch über partizipativ bis experiementell bildeten den Schwerpunkt an ihren Arbeitstellen der letzten Jahre. Als Programmleiterin hat sie den Veranstaltungsort «Alten Anatomie – Forum für Medizin
& Gesellschaft» aufgebaut, der von Universitätsspital Zürich, Universität Zürich und ETH getragen wurde. Zuvor entwickelte sie für die Paulus Akademie einen neuen Fachbereich für Bioethik, Medizin und Life Sciences, den sie von 2011–2019 leitete. Ausserdem geht sie Lehraufträgen in Bereichen der angewandten Ethik an verschiedenen Fachhochschulen und Universitäten nach. Susanne Brauer ist Mitbegründerin von
Brauer & Strub | Medizin Ethik Politik.

Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich
Jean-Daniel Strub ist selbständiger Ethiker in Zürich. Er ist Mitgründer und Co-Geschäftsführer von ethix – Lab für Innovationsethik und des Büros Brauer & Strub | Medizin Ethik Politik. Ebenso ist er Geschäftsführer der Stiftung Wissenschaftliche Politikstipendien in Bern. Er ist regelmässig als Moderator von Tagungen und Diskussionsveranstaltungen im Einsatz. Ausserdem moderiert er regelmässig Podien im Rahmen von politischen Anlässen im Grossraum Zürich, wozu wiederholt auch Veranstaltungen zu städtebaulichen und raumplanerischen Fragen gehören.