Archiv des Autors: Marion Pohlke

Die Moderne im Kleinen

Die Architektur der 1930er-Jahre im Film

Di 15. September 2020, 20.15 Uhr im «Palace», Zwinglistrasse 3, St. Gallen

Marcel Bächtiger, Architekturhistoriker und Redaktor «Hochparterre», Zürich / Nina Keel, Kunsthistorikerin, St. Gallen

Marcel Bächtiger stellt im Palace, das 1924 von Moritz Hauser als Cinema erbaut wurde, Architekturfilme aus den 1930er Jahren vor: Anlässlich der Basler «WOBA» entstand «Die neue Wohnung» (1930), ein vom experimentellen Filmkünstler und Dadaisten Hans Richter geschaffener Film.

Marcel Bächtiger ist Architekturhistoriker, Hochparterre-Redaktor und Filmemacher und kommentiert den Film aus heutiger Perspektive, ebenso «Bâtir» (1930), ein Kurzfilm von Pierre Chenal in Zusammenarbeit mit Le Corbusier.

Eine Kooperation mit der Ausstellung DIE MODERNE IM KLEINEN und dem Palace.

Türöffnung 19:45, Beginn 20:15

Kollekte

Bildnachweis: © F.L.C 2020, ProLitteris, Zürich

Schönheit und Berechnung

Alex Herter, Architekt, Erlenbach / Paul Knill, Architekt, Herisau / Martin Bühler, Architekt, Zürich / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 7. September 2020, 19.30 Uhr im Forum

Denkt man an Berechnung im Zusammenhang mit Architektur, kommt einem nicht unbedingt zuerst der Begriff Schönheit in den Sinn. Eher denkt man z.B. an Statik,  Bauphysik oder Kosten. Der Ingenieur bemisst z.B. die Stärke einer Stütze nach Traglast und Materialfestigkeit und kommt so auf einen notwendigen Querschnitt in Form von Masszahlen. Wenn ich als Architekt aber die Stütze entwerfe, möchte ich sie vielleicht schlanker oder aber auch breiter haben, weil ich sie so als schöner empfinde. Damit beginnt es.

Die Frage ist: Welches Mass wähle ich? Die Begriffe Schönheit und Berechnung sind für den Architekten also über die Masszahl auf das Engste miteinander verbunden. Setzt man mehrere Masse zueinander in Beziehung, spricht man von Proportionen. Es ist vermutlich die älteste Frage in der Geschichte der Architektur: was sind gute, schöne oder harmonische Proportionen?
Der Erste, der sich über diese Frage Gedanken gemacht hat, ist Pythagoras. In der antiken Legende von Pythagoras in der Schmiede entdeckt dieser den Zusammenhang von Tönen und Masszahlen und formuliert daraus die erste Musiktheorie der Wissenschaft. Er begründet die fortan bis in die Gegenwart präsente Theorie der harmonischen Konsonanzen, die sowohl für die Architektur der Antike, des Mittelalters und insbesondere auch der Renaissance von hoher Gültigkeit war.

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Die Veranstaltung findet unter Einhaltung des aktuellen Schutzkonzeptes für öffentliche Veranstaltungen statt. Deswegen werden die künftigen Anlässe mit Anmeldung  durchgeführt. Wir nehmen die Kontaktdaten aller Besuchenden auf und informieren Sie, dass es allenfalls zu einer Quarantäne kommen kann, wenn es während der  Veranstaltung enge Kontakte mit COVID-19-Erkrankten gab. Anpassung an Schutzkonzept gemäss Vorgaben BAG vorbehalten.

Anmeldung erforderlich
bis Fr 4. September 2020 unter info@nulla-f-o.ch
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt

Alex Herter | Architekt

Paul Knill Architekt BSA

Veranstaltungssponsor:
Helvetia Versicherungen – General­agentur St. Gallen-Appenzell

Einladungskarte September

Bildnachweis: Kayser, «Harmonikalisches Grunddiagramm, Tafel 2» aus Dr. Hans Kayser, «Akroasis – Die Lehre von der Harmonik der Welt», 4. Auflage, Basel, 1984

Der Durchbruch zum Klostergarten

Kluge Planer können auch mit kleinen Eingriffen viel bewirken. Das beweist die Umgestaltung des Klinikareals St. Pirminsberg in Pfäfers.

05.09.2020 von Deborah Fehlmann

Das Postauto arbeitet sich im Zickzack den steilen Hang von Bad Ragaz nach Pfäfers hoch. Kurz vor dem Dorfzentrum thront direkt über der  Hauptstrasse auf felsigem Grund die Klosterkirche, das Wahrzeichen des Ortes. Zusammen mit den drei Gebäudeflügeln dahinter umschliesst  sie einen nahezu quadratischen Hof. Die frühbarocke Anlage stammt aus dem 17. Jahrhundert, doch die ersten Benediktinermönche zogen bereits 731 von der Inselabtei Reichenau ins Taminatal und gründeten hier das Kloster Fabaria. Fünfhundert Jahre später entdeckten sie weiter oben in der Schlucht eine Quelle, deren Wasser sogar der berühmte Paracelsus eine heilende Wirkung attestierte. Fortan war Pfäfers nicht nur ein Reiseziel-Gläubiger, sondern auch Heilsuchender aus dem In- und Ausland.
1838 hob der Kanton St. Gallen die Abtei auf und zog deren Geld und Güter ein. Eine Heilstätte blieb der Ort aber: Fünf Jahre später eröffnete  in den alten Gemäuern die Heil- und Pflegeanstalt St. Pirminsberg. Heute beherbergt das frisch restaurierte Kloster Behandlungsstationen, Büros und Sitzungsräume. Das jetzige Hauptgebäude der Klinik, ein pragmatischer Spitalbau aus den Siebzigern, wird dem barocken Denkmal nicht gerecht. Am fernen Ende ergänzt seit 2010 das Zentrum für Alterspsychiatrie die Anlage. Die grosse Qualität des Ortes liegt zwischen den Bauten: Inmitten der Bergkulisse geniessen Mitarbeitende, Patienten und Gäste sorgsam gepflegte Gärten, naturnahe Wiesen und einen guten  Kilometer Spazierwege auf dem Klinikareal. Sie sind das einstweilige Resultat eines 20-jährigen Entwicklungsprozesses.

Veränderung als Gemeinschaftswerk

«Als ich Mitte der Neunzigerjahre hierherkam war das Areal zwar gepflegt, aber eher funktional und freudlos gestaltet. Es gab viel ungenutztes Potenzial», erinnert sich Christoph Eicher. Als CEO der St. Gallischen Psychiatrie-Dienste Süd trägt er die Gesamtverantwortung für die Klinik in Pfäfers und drei weitere Psychiatriezentren. Er schwärmt von der Kraft des geschichtsträchtigen Ortes und von der umliegenden Natur, die zur Gesundung der Menschen beiträgt. Denn: «Die Vorstellung einer psychiatrischen Klinik als Versorgungsbetrieb ist überholt – heute steht die Gesundung im Zentrum. Die Patienten sollen sich hier aufgehoben fühlen, aber auch so bald als möglich nach Hause zurückkehren.»
Eicher beschloss, die Klinik in einen einladenden und inspirierenden Ort zu verwandeln. Zufällig lernte er in jener Zeit den St. Galler  Landschaftsarchitekten Tobias Pauli kennen. Die beiden verstanden sich auf Anhieb und Eicher beauftragte Pauli mit der Erarbeitung einer Gesamtschau über die Qualitäten und Entwicklungspotenziale des Areals. Ein einziger grosser Wurf, das wusste er, würde es nicht werden.  Dazu fehlten die Eigenmittel, und das Projekt war kaum dringlich genug, um sich rasch finanzielle Unterstützung durch den Kanton zu  erhoffen. Von Paulis Gesamtkonzept ausgehend, entschied Eicher sich deshalb für einen Wandel in kleinen Schritten. Deren Umsetzung in den Folgejahren gelang auch dank Drittmittel und der Begleitung durch das kantonale Hochbauamt.
Pauli erinnert sich gerne an den jahrelangen Prozess: «Wir trafen uns alle paar Monate, zogen Bilanz und diskutierten, was wir als Nächstes in  Angriff nehmen. Ärzte, Pflegepersonen und auch ein Koch wirkten bei diesen Beratungen mit – ein partizipatives Vorgehen.» Den Auftakt  machte Ende der Neunzigerjahre der Aussenraum der Cafeteria und des Haupteingangs, die im Zuge der Neugestaltung unter anderem zwei Wasserbecken erhielten. Als Nächstes gestaltete Pauli die terrassierten Torkelgärten um, wo die Mönche einst Reben und andere Nutzpflanzen gezogen hatten. Nun finden Ruhesuchende zwischen dem Grün geschützte Aufenthaltsnischen mit Blick in die Landschaft. Über einen  Mauerdurchbruch verband er die vormals abgeschlossenen  Torkelterrassen mit dem Zentrum der Anlage. Von der Cafeteria her gesehen, gibt der türgrosse Ausschnitt zugleich den Blick in die Berge frei. Dann entwarf der Landschaftsarchitekt die Spazierwege am Hügel oberhalb der Anlage, leitete eine umfassende Renaturierung in die Wege und wertete den Klosterhof mit feinen Eingriffen auf.

Eine Klinik, die ein offenes Haus sein will

Letzteres Projekt übergab er, der bis 2007 allein gearbeitet hatte, seiner Mitarbeiterin Susanna Stricker. Pauli bereitete in jenen Jahren seinen  Ruhestand vor und die beiden sprachen bald über eine mögliche Übernahme. Doch Pauli wollte seine potenzielle Nachfolgerin erst auf die Probe stellen: «Wir zeichneten je ein Projekt für die Umgestaltung des Klostergartens und legten die Entwürfe Christoph Eicher vor. Er entschied sich für ihren Vorschlag.» Das habe ihm Vertrauen gegeben, um sich 2013 vom Geschäft zu lösen.
Unter Strickers Leitung erfolgte die Neugestaltung des Klostergartens und der Aufgänge zum südlichen Hauptportal bis 2019. Zeitgleich liess der Kanton die Bauten sanieren. Der Wildwuchs wich einer üppigen Staudenbepflanzung, durchsetzt mit geschwungenen Wegen. Die barocke   Hauptfassade mit Freitreppe und geschmücktem Eingangsportal erscheint durch die Erweiterung mit Balustraden aus Sichtbeton nunmehr  repräsentativer. Geblieben sind nur eine mächtige Blutbuche und die alten Umfassungsmauern gegen die Strasse. Auch hier entstand dank  eines nur schmalen Mauerdurchbruchs eine neue räumliche Situation: Während der Weg vom Garten zum Eingang der Klosterkirche früher  umständlich über die Strasse führte, verbinden heute wenige Treppentritte die beiden Orte. Es ist eine von vielen Gesten, durch die auch  Aussenstehende den Weg in das durchwegs zugängliche Klinikareal finden. Denn auch das, sagt CEO Eicher, will die Klinik sein: ein offenes  Haus, das dazu beiträgt, die in unserer Gesellschaft noch immer vorhandene Zurückhaltung gegenüber psychisch kranken Menschen  abzubauen.

Bilder: Hanspeter Schiess

Hauptversammlung

2020

Die Hauptversammlung 2020 wurde in diesem Jahr schriftlich durchgeführt

Alle Mitglieder, Fachverbände und Sponsoren erhielten ein Schreiben sowie ein Abstimmungsformular, mit der Bitte, dieses bis zum 21.08. 2020 per Post oder Email zu retournieren.

Hier sind folgende Unterlagen einsehrbar, welche Bestandteil der Beschlussfassung sind:

Protokoll der HV 2019
Jahresrechnung 2019
Revisorenbericht
Budget 2020
Wahl Vorstand

Statuten

 

Das Protokoll der Hauptversammlung 2020 ist hier abrufbar:

Protokoll der HV 2020

Schattenseiten und Chancen von Pop-ups

Der Lockdown führte zu leeren Ladenlokalen, begünstigte aber auch Flächen für Pop-ups. Zwei Beispiele in Diessenhofen und in Chur.

08.08.2020 von Susanna Koeberle

Das Wort Pop-up ist in aller Munde, «aufzupoppen» scheint heutzutage im städtischen Umfeld das  Gebot der Stunde zu sein. Das hat verschiedene Gründe. Einer davon ist ein allgemeiner Strukturwandel im Einzelhandel. Das Ladensterben, das auch auf die wachsende Verlagerung des  Handels in den Online-Bereich zurückzuführen ist, bewegt viele Hersteller und Händler dazu, neue Wege zu gehen. Wer verkaufen will, muss in erster Linie Aufmerksamkeit generieren und diese ist durch ein plötzliches Auftauchen garantiert. Ein Pop-up-Store ist ein geeignetes Tool zur  Imagepflege und wird meist als Ergänzung zu bestehenden Verkaufsplattformen eingesetzt, etwa um ein neues Produkt zu lancieren oder einen Standort zu testen. Ein weiterer Vorteil von Pop-up- Formaten ist, dass sie günstiger sind als eine fixe Ladenmiete. Zudem entsprechen sie durch ihr temporäres Bestehen der heutigen schnelllebigen Kultur, in der Flexibilität quasi zum  Pflichtprogramm gehört – was umgekehrt bedeutet, dass Verbindlichkeit in der Regel möglichst  gering gehalten wird.
Diese Situation hat auch ihre Schattenseiten, denn angesichts der aktuellen Situation zum Beispiel  sind viele Geschäfte in eine prekäre Lage geraten; der Lockdown bedeutet vor allem für kleinere  Läden das Aus, was wiederum zu noch mehr Leerstand von Ladenlokalen führen wird. Und zu  neuen Flächen für Pop-ups. Die Leerstandaktivierung durch temporäre Projekte ist für  Immobilienbesitzer eine attraktive Lösung. Als Scharnier zwischen Anbietern und Suchenden  funktionieren Online-Marktplätze. Das Forschungsprojekt «Pop Up City» etwa – eine  Kollaboration zwischen der FHS St. Gallen, der NTB Buchs, Popupshops.ch, der Stadt St. Gallen und der Stadt Zürich – lanciert im Juli 2020 eine digitale Plattform, die Anbieter von Räumen und  interessierte Firmen zusammenbringt; Ziel ist ein effizientes «Matching».

Baukultur ist auch bei temporären Bauten wichtig

Auch aus ökologischer Sicht können mobile und flexible Architekturen sinnvoll sein. Sie können  sowohl bei bestehenden Bauten wie auch im öffentlichen Raum mit wenig Materialaufwand in kurzer Zeit aufgestellt und wieder abgebaut werden. Allerdings stellt sich dabei die Frage nach der Wertschöpfung für die Allgemeinheit, denn die Nutzung von öffentlichem Raum zu kommerziellen  Zwecken im urbanen Kontext kann langfristig den Prozess der Gentrifizierung fördern. Nicht zu  unterschätzen ist das Aussehen solcher Architekturen. Wenn der Fokus auf maximaler Rentabilität  liegt, geht die Ästhetik nämlich häufig vergessen. Die Pflege der Baukultur ist auch bei temporären  Bauten wichtig. Viele Marken bieten für ihre Boutiquen bekannte Baukünstlerinnen und  Baukünstler auf, doch es geht auch bescheiden – und dennoch optisch ansprechend.
Im Idealfall verbinden sich die positiven Faktoren von Pop-up-Projekten zu einem Erlebnis, das  sowohl Verbraucherinnen und Verbraucher für Themen sensibilisiert als auch für Umsetzende auf verschiedenen Ebenen profitabel ist. Interessanterweise finden Pop-up-Konzepte auch in  ländlichen Gegenden Anklang. So macht etwa Thurgau Tourismus mit mehreren temporären und  mobilen «Hotelprojekten» auf die Sehenswürdigkeiten des Kantons aufmerksam. Diese befinden  sich eben auch mitten in der Natur oder zumindest fern von grösseren Städten. Seit 2016 gastiert  das Bubble-Hotel, ein aufblasbares Gästezimmer, das freie Sicht auf den Sternenhimmel und die Umgebung bietet, an verschiedenen Standorten. Von Anfang an dabei war die Kartause Ittingen,  dieses Jahr gibt es bereits fünf Partner, die zwischen April und Oktober ein Paket anbieten, teilweise inklusive Abendessen. Ein solches Himmelbett steht etwa im Rosengarten des ehemaligen  Klosters St. Katharinental auf einem Holzpodest. Das Angebot wird gut genutzt, das Echo sei positiv und auch finanziell scheint die Rechnung aufzugehen, wie eine  Medienverantwortliche von Thurgau Tourismus berichtet.

Eigene Interpretation eines Zimmers im Freien

Auf einer ähnlichen Idee beruht «Zero Real Estate», sogenannte «immobilienbefreite Hotelzimmer  in der Ostschweiz»; das Projekt kann auch als schmunzelnder Seitenhieb auf Immobilienspekulation verstanden werden, vielleicht sogar auf den Pop-up-Hype als solchen. Die beiden Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin haben ihr «Null Stern Hotel» zusammen mit dem Hotelexperten Daniel Charbonnier 2018 adaptiert und eine Landversion entwickelt, ein Zimmer  ohne Wände und Dach. Mehrere lokale Tourismusdestinationen in der Ostschweiz können so eine eigene Interpretation des Zimmers im Freien anbieten. Auch der Schweizer Laufschuhe-Hersteller «On» setzt auf Natur als Trägerin der Markenbotschaft. Die von Thilo Alex Brunner, Head of  Design bei On, entworfene Hütte aus nachhaltigen Materialien stand letztes Jahr im Engadin zwischen dem Piz Lunghin und dem Lunghin-Pass. Demgegenüber kann es im vielschichtigen urbanen Kontext interessant sein durch Zwischennutzungen, leer stehende Gebäude mit Inhalten  zu beleben und damit zur städtischen Vielfalt beizutragen. Gerade der Lockdown hat gezeigt, wie  sich Menschen den öffentlichen Raum auf unkonventionelle und kreative Art aneigneten. Solche Sondersituationen könnten auch ein Denkanstoss sein. Etwa dazu sich die Frage zu stellen, welche Rolle Zwischennutzungen für Stadtteil-Entwicklungen spielen. Welche zeitlich befristeten Nutzungsmöglichkeiten führen zu einer Aufwertung von Öffentlichkeit und zu einem Bewusstsein  für den Wert von Stadt als gemeinschaftlichem Raum?
Die Verbindung von Kulturangebot und Zwischennutzung kann eine Aufwertung des öffentlichen  Lebens sein. Ein solches Projekt ist «Hallo Chur», das bereits früher kleine Veranstaltungen organisierte. Letztes Jahr stiessen die Initiatoren auf eine leer stehende Liegenschaft beim Bahnhof  Chur, die abgerissen werden soll. Sie fragten die Besitzer an, ob sie das Haus befristet mieten können. So entstand ein Pop-up-Kulturhaus, das zwischen Frühling und Herbst ein  reichhaltiges Programm anbot. Da ein Grossteil des Programms dieses Jahr wegen Corona  gestrichen werden musste, kam spontan die Idee für eine Gartenbeiz auf, die nun vom «Hallo  Chur»-Team je nach Zeit und Lust betrieben wird. Manchmal entstehen temporäre Nutzungen ganz unkompliziert und auf Initiative der Bevölkerung.

Bilder: Hanspeter Schiess

Schönheit und Orte

Vittorio Lampugnani, Architekt, Zürich / Samuel Zuberbühler, Leiter Standortförderung St. Gallen / Rahel Lämmler, Architektin, Zürich / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 7. Dezember 2020, 19.30 Uhr im Forum

Bildnachweis: V. Lampugnani

Energieagentur@AFO

33 und mehr Ideen: Wie Architekten gegen die Klimakrise entwerfen können

Mo 16. November 2020, 19.30 Uhr im Forum

Der runde Tisch Energie und Bauen und das Architektur Forum Ostschweiz laden zur jährlichen Informationsveranstaltung ein.

Bis zum Jahr 2050 muss die Baubranche ihre CO2-Abhängigkeit loswerden. Hochparterre hat dazu 33 Ideen veröffentlicht, wie Architekten gegen die Klimakrise entwerfen können.

Der Name Countdown 2030 versinnbildlicht die dringende Handlungsnotwendigkeit. Das Kollektiv sieht diese Herausforderung als Chance für die Architektur, sich neu zu erfinden. Dazu will es inspirieren.

Begrüssung und Moderation
Silvia Gemperle
Leiterin Energie und Bauen, Energieagentur St.Gallen

12 Irrtümer rund um klimagerechtes Bauen
Andres Herzog, Heftleiter und Redaktor Architektur, Hochparterre

Die Neuerfindung der Moderne
Mitglied Geschäftsleitung Salathé Architekten, Basel
Mitglied Architektengruppe countdown2030.ch

Anschliessend Fachgespräche beim Apéro.

Eintritt frei. Wir freuen uns über Ihre Anmeldung auf www.energieagentur-sg.ch

Einladungskarte

Bildnachweis: bürobureau

 

Städtische Ausstellung im Forum

Fabienne Lussmann

Ausstellung: Fr 13. November bis So 6. Dezember 2020
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Do 12. November 2020 um 18.30 Uhr, Einführung: Kristin Schmid

Schönheit und Pflege

Claudia Moll, Landschaftsarchitektin, Co-Präsidentin BSLA, Zürich / Brigitte Frei-Heitz, Kunsthistorikerin, Denkmalpflege Basel-Landschaft / Vreni Härdi, Kantonale Denkmalpflege Appenzell Ausserrhoden / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 2. November 2020, 19.30 Uhr im Forum

Bildnachweis: Stéphanie Gygax / Claudia Moll

Architektur im Film

Precise Poetry – Lina Bo Bardi’s Architecture

Di 20. Oktober 2020, 20 Uhr im Kinok

Einführung durch Sabine von Fischer, Architektin und Autorin, Zürich

Die italienisch-brasilianische Architektin Lina Bo Bardi (1914 – 1992) schuf Poesie durch architektonische  Präzision. Enttäuscht über den Konservativismus in  ihrer Heimat Italien nach dem Ende des faschistischen Regimes, fand sie 1957 in Brasilien eine neue Heimat und etablierte sich dort als die wichtigste Architektin  ihrer Zeit. Bo Bardis Kollegen und Freunde erzählen von den soziopolitischen Bedingungen und den persönlichen Ereignissen, die die Zeitlosigkeit ihres Werks bestimmen.
Belinda Rukschios filmische Reise zu Lina Bo Bardis  Bauten in São Paulo und Salvador da Bahia versucht die Frage zu beantworten, was von einer Person bleibt in dem Werk, das sie hinterlässt.

Zum Trailer

Regie: Belinda Rukschcio DE/A 2013, port., engl. UT, 53’

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72
www.kinok.ch

Weitere Vorführung So 25. Oktober, 11 Uhr

Veranstaltungssponsor:
ZZ Wancor AG

Bildnachweis: Markus Lanz, SESC Pompeia 2011 © Markus Lanz

Schönheit und Kunst

Katja Schenker, Künstlerin, Zürich / Josef Felix Müller, Künstler und Verleger, St. Gallen / Gabrielle Schaad, Kunst- und Architekturhistorikerin, Zürich / Moderation Barbara Bleisch, Philosophin, Zürich

Mo 28. September 2020, 19.30 Uhr im Forum

Ein archäologisches Ereignis mit hoher ästhetischer Wirkung

«Im Lichthof des Neubaus der Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz realisierte ich mein bisher spektakulärstes Kunstprojekt: einen über 100 Tonnen schweren, 11 Meter hohen Monolithen aus Beton, prall gefüllt mit eingegossenen Naturgegenständen, die ich sorgfältig gesammelt und ausgewählt hatte.

Thematisch befasst sich die Arbeit mit der Herausforderung, innere Stabilität und existenzielle Sicherheit zu wahren oder wiederzugewinnen in einer Welt, die zusehends virtueller – d.h. gegenstands- und substanzloser – wird. Eine Herausforderung, der sich auch all jene stellen müssen, die an der FHNW in Architektur, Life Sciences, Pädagogik oder Sozialer Arbeit lehren und studieren.

Der gigantische Monolith enthält in der Natur vorgefundene Materialien, in denen der bewegte Lauf der Zeit bereits kondensiert und zur Ruhe gekommen ist: Holz, Gestein, Metalle.

Die Fundgegenstände wurden auf gut 4 Quadratmetern etappenweise zu einem Turm aufgeschichtet und in Beton eingegossen. Anschliessend war die Diamantseilsäge auf dem Platz, um das eingegossene Material im Längsschnitt wieder freizulegen. Dabei wurde nicht bloss ein Kunstobjekt vollendet, das buchstäblich von der Zeit erzählt. Es handelt sich um ein archäologisches Ereignis mit hoher ästhetischer Wirkung.»

Katja Schenker

Um die Schutzmassnahmen bezüglich Covid-19 einhalten zu können, bitten wir um eine Voranmeldung bis Fr 25.09.2020 unter info@nulla-f-o.ch. Es gelten die Abstandsregeln, Desinfektionsmittel und Schutzmasken stehen bereit.
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt

Katja Schenker

Josef Felix Müller

Gabrielle Schaad

Veranstaltungssponsor:
Helvetia Versicherungen – General­agentur St. Gallen-Appenzell

Einladungkarte Sept/Okt

Bildnachweis: Martin Stollenwerk

Städtische Ausstellung im Forum

Gaffa Kollektiv

Ausstellung: Fr 4. September bis So 27. September 2020
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Do 3. September 2020 um 18.30 Uhr, Einführung: Kristin Schmid

Wir freuen uns sehr, alle Mitglieder und Interessierten nach dieser langen, Corona bedingten Pause, zu unseren Vorträgen zum Jahresthema «Schönheit» und den weiteren Veranstaltungen im Architektur Forum Ostschweiz einladen zu dürfen.

Ab sofort geht es unter Einhaltung der gesetzlichen Richtlinien weiter mit unseren Programm.

Personen, die Krankheitssymptome zeigen, müssen zuhause bleiben. Bei Ansteckungsverdachtsfällen kann es zu einer Quarantäne kommen.
Die Veranstaltungen erfolgen mit Anmeldung. Die erhobenen Daten dienen ausschliesslich der behördlichen Nachverfolgung von Covid-19-Ansteckungen.

 

Aus «Hasenställen» wird «Prosa»

Die Verdichtung von Wohnquartieren gelingt nicht nur mit Mehrfamilienbauten. Zwei spezielle Siedlungen im Rheintal.

21.07.2020 von Deborah Fehlmann

«Wir wollten nicht in einen Block ziehen», sagt Marcel Specker. Der Landschaftsarchitekt wohnt mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter seit  sieben Jahren in der Siedlung Schlatt in Heerbrugg. Auf drei Seiten umschliesst ein Wohnquartier die drei flachen Häuserzeilen, auf der vierten Seite geht der Blick ins weite Feld. Mit ihren Flachdächern und Eternitfassaden sind die insgesamt 25 schmalen Reihenhäuschen inmitten von  Einfamilienhäusern ein Unikum. Ihre Gleichförmigkeit trug ihnen schon kurz nach der Fertigstellung 1968 den Spitznamen «Hühnerställe» ein. Doch die Siedlung steht hier nicht zufällig: Sie war eine Antwort auf die damalige Nachfrage nach erschwinglichem Wohnraum für Familien. Die Büchel Fertigbauten AG aus Rebstein erstellte sie nach hauseigenem System und in der rekordverdächtigen Aufrichtzeit von einem Tag pro Haus. Eine Wohneinheit kostete damals 82 000 Franken inklusive Land, was heute rund 260 000 Franken entspricht. Die Lebenskostenstruktur im Rheintal  erlaube keine höheren Hauskosten, schrieb die Zeitschrift «Bauen + Wohnen», welche die Siedlung damals porträtierte.
Auch deshalb waren die Häuser in ihrer ursprünglichen Form alle identisch: Im Erdgeschoss ein Eingangsbereich, Küche und Waschküche, ein  Abstellraum und das Wohnzimmer. Darüber ein Eltern- und zwei Kinderzimmer, dazwischen ein Bad. Vor jedem Wohnzimmer liegt ein Garten mit Pergola, den eine Mauer von jenem des Nachbarn abtrennt. Ein Untergeschoss gibt es nicht. «Die Wohneinheiten sind zwar kompakt, aber geschickt  organisiert», sagt Specker. Die junge Familie schätzt es, hier ein Haus auf zwei Stockwerken bewohnen zu können: «Man kann sich einerseits innerhalb der Wohnung gut zurückziehen und kommt andererseits direkt nach draussen. Und wir haben einen eigenen Garten. Gerade mit kleinen Kindern sind das Qualitäten, die eine Geschosswohnung nicht bietet.»
Specker ist in der Gegend aufgewachsen. Für Kinder war die Siedlung Schlatt ein Anziehungspunkt: «Hier lebten viele Familien. Auf dem Spielplatz und in der Umgebung ging immer die Post ab», erinnert er sich. Das ist heute anders. Viele der früheren Hausbesitzer leben noch hier, doch die Kinder sind entweder ausgeflogen oder wohnen inzwischen in einem eigenen Reihenhaus in der Siedlung. So ist es in den gemeinschaftlichen Grünräumen still geworden. Lebendig geblieben sind aber die privaten Bereiche: An den Fassaden und in den Vorgärten treibt der individuelle Gestaltungswille bunte Blüten.

Ein vielfältiges Ökosystem

Einen Katzensprung entfernt sitzen Judith und Peter Roduner in ihrer geräumigen Essküche, während vor der grossen Fensterfront Bäume und Büsche blühen. Seit 25 Jahren bewohnen sie eine von 14 Doppelhaushälften der Siedlung Prosa in Au. Die starke  Gemeinschaft schätzen sie hier besonders – man kümmere sich um einander und sorge zusammen für die Siedlung. Wer Gemüse aus dem eigenen Garten verschenken oder ein Werkzeug borgen will, schreibt in den Siedlungschat, und für einen kurzen Schwatz lehnt  man sich über den Gartenzaun. «Wir haben bewusst nach einer Siedlung gesucht», erzählt Judith Roduner, «auch wegen der Kinder. Im autofreien Aussenraum konnten wir sie unbesorgt spielen lassen, und Kameraden hatten sie hier zuhauf.» Ein Einfamilienhaus wäre ihnen aber auch zu teuer und zu verschwenderisch gewesen. «Das Abstandsgrün rundherum brauchen wir nicht. Ein privater Grünstreifen genügt», sagt Peter Roduner.
Tatsächlich wollte dessen früherer Besitzer das Land, wo heute die Siedlung Prosa steht, in Einfamilienhausparzellen unterteilen. Zum  Bau einer Siedlung überzeugten ihn die Architekten Köppel + Martinez. Sie ordneten die sieben Doppelhäuser in Form eines U an und sahen in der Mitte einen zentralen Parkplatz vor. Dank der minimalen Erschliessungsfläche erzielten sie eine hohe Bebauungsdichte und zugleich grosszügige Aussenräume. Backsteinmauern trennen die Privatgärten vom Fusswegnetz und dienen zugleich als Gartenschuppen und Velounterstände. Die Häuser planten die Architekten als Holzelementbauten.
Um Kosten zu sparen, strebten sie einen hohen Standardisierungsgrad an. So basieren die Häuser auf einem strengen Raster und  kommen mit nur zwei Fensterformaten aus. Das alles mutete in einem Einfamilienhausquartier Mitte der Neunzigerjahre wohl zu  exotisch an und die neue Siedlung erhielt – wenig kreativ – den Spottnamen «Hasenställe».
Wer die Prosa heute besucht, denkt kaum an Massentierhaltung, sondern eher an ein vielfältiges Ökosystem: Das Äussere der  Doppelhäuser ist zwar bis auf die Markisen identisch, aber dafür hochwertig. Die 14 gleichgerichteten Pultdächer mit den  dazwischenliegenden Dachterrassen verleihen dem Ensemble Expressivität und ihre gleichmässige Verwitterung steht den  Holzfassaden gut an. Die privaten Gärten gestaltet jeder nach seinem Geschmack und die meisten sind über ein Vierteljahrhundert üppig eingewachsen. Im Inneren konnten die Käufer viel mitbestimmen, von der Lage und Gestaltung der Küche über die Badezimmer  bis zur Raumeinteilung. «Das war sehr wertvoll», sagt Judith Roduner.
Der Argwohn im Quartier ist längst verflogen. Viele Nachbarn sind inzwischen gute Freunde und fast schon zu einem Teil der  Gemeinschaft geworden. Das Bedürfnis nach mehr Distanz hatten die Roduners nie. «Zurückziehen kann man sich auch hier», sagt  Peter Roduner. «Aber man muss sich für das Leben in einer Siedlung entscheiden. Dazu gehört auch, auf die Anderen Rücksicht zu nehmen und selbst tolerant sein, wenn zum Beispiel draussen die Kinder lärmen.»
Wieso also anstelle eines Wohnblocks nicht wieder einmal eine Siedlung bauen? Von etwas mehr Gemeinschaftssinn in der Planung profitieren am Schluss alle – im besten Fall sogar das Quartier.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Sommer Camp Architektur

Frauenfeld 2020

15. Juli 2020 – 17. Juli 2020, jeweils von 10 – 16 Uhr
Verwaltungsgebäude, Parterre, Promenadenstrasse 8, Frauenfeld

WIE SIEHTS HIER AUS – Entdeckungsreise durch die Stadt

Ausgerüstet mit Beobachtungsaufträgen und Arbeitsmaterial entdecken Erwachsene und Kinder, Familien und Gruppen Architektur in der Frauenfelder Altstadt. Die Teilnehmenden sammeln Farben und Formen, untersuchen Materialien, finden Details und tragen ihre gezeichneten, fotografierten, nachgeformten und formulierten Beobachtungen und Überlegungen zu einer gemeinsamen Ausstellung zusammen. Am Freitag laden wir ab 15 Uhr zu einem Schlussbouquet ein.

Mitmachen können alle Architektur-Neugierigen – jede/jeder bestimmt selber, wann, wie lange und wie oft er/sie dabei sein will. Das Arbeitsmaterial kann zwischen 10 und 16 Uhr abgeholt werden.

Das Sommer Camp wird vom BÜRO für BAUKULTUR (Rebekka Ray, Ueli Vogt und Team) organisiert.

Anmeldung
erwünscht per E-Mail an info@nullzeughausteufen.ch
Falls noch Plätze frei sind, können Kurzentschlossene auch spontan dazukommen.

Start und Materialstation sind im Verwaltungsgebäude an der Promenadenstrasse 8 (Glaspalast). Am Freitag laden wir ab 15 Uhr zu einem Schlussbouquet ein.

Die Teilnahme ist kostenlos.

Mehr Informationen hier

Das BÜRO für BAUKULTUR (Rebekka Ray, Ueli Vogt und Team) ist gespannt auf deine Architektur-Entdeckungen und für weitere Informationen und allfällige Fragen unter info@nullzeughausteufen.ch oder 071 335 80 30 (zu Museumsöffnungszeiten) erreichbar.

Das Projekt wird unterstützt von: Architektur Forum Ostschweiz, sia Sektion Thurgau, Zeughaus Teufen

 

Informationen Sommer Camp Architektur 2020

Artikel Tagblatt vom 09.07.2020

Artikel Tagblatt vom 20.07.2020

Lignum@AFO vor Ort

Lukas Imhof, Architekt, Zürich / Christoph Angehrn, Holzbauingenieur Josef Kolb AG, Romanshorn / Walter Hugentobler, Präsident Verwaltungsrat Ekkharthof

Mo 8. Juni 2020, 17.30 Uhr, Ekkharthof, Rütelistrasse 2, Lengwil

Der Anlass kann am 8. Juni 2020 unter Einhaltung der gesetzlichen Richtlinien durchgeführt werden

Besichtigung mit Referaten und Führung

Am Ekkharthof, südöstlich von Kreuzlingen auf dem Seerücken gelegen, arbeiten seit 1974 Menschen mit Betreuungsbedarf nach  anthroposophischen Grundsätzen. Vor 50 Jahren noch als «Wagenburg» konzipiert, lautete der Auftrag an die Architekten, die sozialpädagogische Einrichtung für den Austausch zu öffnen.

Ein wichtiges Element des ganzen Bauprojektes war der Neubau des Gastronomiegebäudes, der sich bewusst von den bestehenden Gebäuden absetzt. Auf dem steinernen Sockel steht eine Konstruktion in Eschenholz, ausgefacht mit Glas. Sie wirkt robust und kräftig. Die starke Wirkung hat mit den Proportionen zu tun, aber auch mit ihrer Ausbildung als selbstaussteifendes Rahmentragwerk.

Zur optimalen Kraftübertragung sind die Knoten leicht konisch ausgebildet. Die gestalterische Umsetzung des statischen Prinzips stellt auf elegante Art eine Nähe zur anthroposophischen Formenwelt her, weisen die Fenster doch zwangsläufig abgeschrägte Ecken auf.

Auch die Möblierung in Eschenholz trägt zur Harmonie bei. Tisch und Stuhl haben die Architekten Lukas Imhof und Carlos Wilkening eigens für den Bau entworfen. Die Fertigung erfolgte in der hauseigenen Schreinerei. Mit der konstruktiven und ortsbaulichen Öffnung des Ekkharthofs geht  eine Öffnung in Richtung integratives Menschenbild einher.

Eintritt frei

Anmeldung
bis Mi 3. Juni 2020 an vor-ort@nulla-f-o.ch
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt

Bericht und Fotos des Anlasses

In Zusammenarbeit mit Lignum Holzkette St. Gallen und Lignum Ost

Lukas Imhof Architekten GmbH

Einladungskarte Juni

Bildnachweis: lucas peters photography

abgesagt: LandschaftsarchitekTour

Fr 29. Mai 2020

Aus dem Minimum schöpfen

Aus dem vorhandenen Flickwerk unterschiedlicher Baustile eine einheitliche Lösung erarbeiten, die dennoch einen eigenständigen Ausdruck und ein klares Konzept besitzt, ist nicht selbstverständlich.

13.06.2020 von Susanna Koeberle

Zum Leben gehört der Tod: An Allgemeingültigkeit dürfte diese Aussage nicht zu übertreffen sein. Dass wir sterben müssen, verbindet alle Menschen auf dieser Erde. Zugleich gibt es wohl kaum ein Thema, das Kulturen stärker voneinander trennt als der Umgang mit dem Tod. Dies betrifft sowohl die dazu gehörenden Bräuche wie auch die entsprechenden Anlagen, die für kultische Handlungen nach dem Ableben üblich sind. In unserer multikulturellen Gesellschaft ist es deswegen besonders anspruchsvoll, Orte zu gestalten, die der Vielschichtigkeit heutiger Realitäten gerecht werden. Allein innerhalb der christlichen Kultur ist Wandel im Umgang mit dem Tod eine Konstante. Dieser Umstand widerspiegelt sich auch in der Anlage des Friedhofs Feldli in St. Gallen.

Balance zwischen Erhaltung und Erneuerung

Das Architekturbüro Keller Hubacher aus Herisau gewann den dafür ausgeschriebenen Wettbewerb und wurde von der Stadt St. Gallen mit der Aufgabe betraut, diverse Friedhofsbauten den heutigen Anforderungen und Bedürfnissen anzupassen. Der Auftrag erwies sich in verschiedener Hinsicht als komplex. Zum einen ging es darum, einen adäquaten Umgang mit der Heterogenität des Bestands zu finden. Die Anlage glich einem Flickwerk unterschiedlicher Stile. Ziel war es, diese unterschiedlichen Sprachen in eine Einheit zu überführen, ohne die Mehrstimmigkeit zu übertönen. Eine weitere Schwierigkeit bestand in den unterschiedlichen Bauaufgaben und den daraus resultierenden technischen Problemen. Bei der Analyse des Bestands erwies sich eine Schadstoffsanierung als notwendig. Der Rückbau hatte eine Verzögerung des Baubeginns zur Folge, der Prozess dauerte insgesamt zwei Jahre. Im August 2019 konnte der Umbau fertig gestellt werden.

Mit einem limitierten Budget gelang es Keller Hubacher, den Spagat zwischen der weitgehenden Erhaltung der Substanz und einem eigenständigen gestalterischen Ausdruck zu meistern. Das alte Ofenhaus wurde zu einem konfessionell neutralen Abschiedsraum umgestaltet. Durch den Abbruch der jüngeren Ofenanlagen konnte zudem die Kapelle freigestellt werden. Dieser Eingriff schuf einen neuen Aussenraum zwischen den Bauten, auf dem sich Trauernde versammeln können. Die vorgelegten Säulenreihen mit dem Betonvordach bieten Schutz und kreieren eine Brücke zwischen klassizistischer und zeitgenössischer Architektur. Die Materialisierung in Beton, die sich als Sturz bis über die bestehende Fassade zieht, markiert einen dezenten Bruch, den die Architekten auch für eine subtile ornamentale Intervention nutzen. Die horizontale Schalung der neuen Wandabschnitte beim ehemaligen Ofenhaus ziert ein eingelegtes Keilmuster.

Diese archaische anmutende Form wird im Innern erweitert und an der betonierten Decke und beim Fries zu neuen unregelmässigen Ornamenten gefügt. Dabei stand die Frage im Zentrum, wie man eine sakrale Atmosphäre schafft, ohne Symbole zu verwenden. Der Raum wird von verschiedenen Glaubensgemeinschaften genutzt und sollte deswegen auch personalisierbar sein. Der Abschiedsraum weist eine beachtliche Höhe auf, mehrere mit sandgestrahltem Muster versehene Fenster betonen die sakrale Lichtstimmung und dienen der unkomplizierten Lüftung des Raums. Ein mittlerer Betonbalken war aus statischen Gründen notwendig. Parallel dazu verlaufen mehrere Tieftonabsorber in gleicher Dimension wie der Zugbalken.

Umnutzung mit einfachen Mitteln

Aufgelockert wird die rhythmisierende Struktur durch längliche Leuchter. Sie sind ein gutes Beispiel dafür, wie die Architekten mit wenigen Mitteln etwas Besonderes schufen. Der Entwurf besteht nämlich lediglich aus sechs miteinander verbundenen Standard-Balkenleuchtkörpern. Der Boden ist mit geschliffenen Zementplatten belegt, ergänzend ergeben Quadrate aus zwei verschiedenfarbigen Natursteinen ein strukturierendes Muster. Eine Orientierung schafft der vordere Wandschild aus dunkelgrünem Naturstein, er kann auch genutzt werden, um Blumen oder Gegenstände festzumachen. Die Verbindung zwischen Aussen- und Innenraum geschieht durch die Verwendung eines einheitlichen Kellenzugputzes in einem hellen Ockerton. Der funktionale Raum strahlt eine gewisse Feierlichkeit und Wertigkeit aus, ohne sich unnötig in den Vordergrund zu stellen.

Im gegenüberliegenden Bau wurden unter anderem die Aufbahrungsräume im Untergeschoss aufgehoben. Ebenerdig entstanden vier neue, gekühlte Aufbahrungsräume, die ein würdevolles Abschiednehmen von den Verstorbenen ermöglichen. Auch hier erzeugten die Architekten mit einfachen Eingriffen Räume, die funktional und freundlich zugleich sind. So sind die Wände bis auf halber Höhe mit einer Strukturtapete versehen. Neu ist auch ein schlichtes Büro für den Friedhofsgärtner beim vorderen Zugang der Kapelle. Die baulichen Massnahmen wirken selbstverständlich und vereinfachen zugleich die Abläufe.

Das Erhalten der äusseren Gestalt der Bauten macht deutlich, dass Keller Hubacher in erster Linie an einer Balance zwischen Vereinheitlichung und Ablesbarkeit des Bestands interessiert waren. Diese Haltung zeigt sich auch im Aussenraum, wo die Architekten in Zusammenarbeit mit dem Büro für Landschaftsarchitektur Kollektiv Nordost das Rasenfeld bei den Urnenhallen frei räumten. Ein Friedhof ist schliesslich ein öffentlicher Raum, den auch Nichttrauernde nutzen. So schliesst sich der Kreis von Leben und Tod auch auf gestalterischer Ebene.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

abgesagt: Schönheit und Pflege

Johannes Stoffler, Landschaftsarchitekt, Zürich / Judith
Rohrer, Gartendenkmalpflegerin , Grün Stadt Zürich / Vreni Härdi und Hansruedi Beck, Kantonale Denkmalpflege Appenzell Ausserrhoden / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 4. Mai 2020, 19.30 Uhr im Forum

SMS Landschaftsarchitektur
Stoffler Mennel Saur

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Bildnachweis: Johannes Stoffler

Herr Klausers Gespür für Gärten

Martin Klauser führt sein Landschaftsarchitekturbüro in dritter Generation – mit Traditionsbewusstsein und Zeitgeist.

29.04.2020 von Deborah Fehlmann

Der Rorschacher Seepark liegt still in der Kälte. Die Platanen entlang der Ufermauer ragen winterlich kahl in den verhangenen Himmel. Eine Frau  jagt ihr Hündchen über die Rasenfläche und gelegentlich passiert ein eingemummter Velofahrer. Niemand mag an diesem Morgen auf den bunten Holzbänken verweilen.
Mit den ersten Sonnenstrahlen kehrt das Leben zurück. Einen Steinwurf vom Zentrum entfernt, ist der Seepark so etwas wie Rorschachs öffentliches Wohnzimmer. Dazu legte man die lang gezogene Grünfläche zwischen Bahngleis und See zu Zeiten des Ersten Weltkriegs auch an: Das beschauliche Örtchen wuchs ab Mitte des 19. Jahrhunderts zur Industriestadt heran. In jener Zeit entstand auch die Bahnlinie, die Rorschach bis heute vom  Bodensee trennt. Die Bevölkerung sehnte sich nach frischer Luft, Licht und Erholung vom städtischen Trubel. So schüttete die Stadt einen  Landstreifen auf und erstellte bis 1920 den Seepark. Der ortsansässige Landschaftsarchitekt Fritz Klauser (1885 bis 1950) hat die geometrische Anlage nach den Prinzipien der damals beliebten Architekturgärten entworfen.

«Das war der Zeitgeist – man war mutig»

«Die hohen Pappelgruppen kontrastieren die starke Horizontalität von See, Mauer und Baumreihen», erklärt Martin Klauser. Er führt heute die von seinem Grossvater gegründete Firma und begleitet die Entwicklung des Parks. Auch sein Vater Fredy (1921 bis 2007) hat hier gewirkt. Gemeinsam mit dem Architekten Heinz Stambach fügte er 1951 einen Musikpavillon hinzu. Schon der ursprüngliche Plan hatte einen solchen vorgesehen, als Ovalbau im Zentrum der Anlage. Die jungen Planer lösten die Aufgabe  jedoch ihrer Zeit gemäss: Sie rückten den Pavillon in eine Ecke am Parkeingang und stellten ihn diagonal zur rechtwinkligen  Anlage. Für die weite Freifläche davor mussten die Mauer gegen den Hafen und ein Teil der bahnseitigen Platanenallee weichen. «Aus heutiger Sicht ist es verrückt, dass sie die Symmetrie derart aufbrachen», sagt Klauser. «Doch das war der Zeitgeist nach dem  Zweiten Weltkrieg. Es herrschte Aufbruchstimmung und man war mutig.» Diese verschiedenen Zeitschichten zu zeigen, findet er heute gerade spannend. Selber verzichtet er bei der Anlage auf grosse Gesten. Vom neuen Radweg entlang der Bahn abgesehen, beschränken sich seine Eingriffe auf das Pflegen und Instandstellen.
Ein Dauerthema ist der Ersatz des hundertjährigen Baumbestands. Da die Ulmen an der Ulmenkrankheit litten, wachsen an ihrer  Stelle nun Linden. Die neuen Pappelgruppen entsprechen jedoch genau dem Original: Fritz Klauser pflanzte je fünf Bäume in  einem engen Halbkreis und stellte eine Sitzbank ins Zentrum. Die dicken Stämme umschliessen einen geborgenen Raum, der sich wie ein Kamin zum Himmel öffnet. Die geringen Abstände zueinander bekommen den Baumriesen zwar nicht sonderlich, doch hier überwiegt für Martin Klauser der denkmalpflegerische Aspekt: Das spezielle Raumgefühl soll erlebbar bleiben.

Rebellischer Naturliebhaber setzt sich durch

Klauser ist in der Auseinandersetzung mit dem Werk seiner Vorfahren geübt. Diverse öffentliche und private Anlagen befinden sich seit drei Generationen in der Obhut des Familienunternehmens. Als Bürde empfand er das nie: «Ich sehe es als Chance, aus einer Tradition zu kommen. Es zieht sich ein Faden durch alles – eine Verbindung, die darüber hinausgeht, das Geschäft zu  übernehmen.»
Ein Gespür für Pflanzen hatte schon sein Urgrossvater. Er kultivierte allerlei exotisches Gewächs, das er von seinen Geschäftsreisen mitbrachte. Von der Idee seines Sohnes, seinen Lebensunterhalt mit der Planung von Gärten zu verdienen, hielt der Kaufmann  jedoch nichts. «Er schärfte meinem Grossvater ein, Geld verdienen könne man nur mit Warenhandel, nicht mit dem Erteilen von  Ratschlägen», erzählt Klauser. Doch Fritz war ein Rebell. Nach seiner Gärtnerlehre sammelte er Arbeitserfahrung in Deutschland,  der Westschweiz und England. In seinem Büro in Rorschach wirkte er ab 1914 rein konsultierend. Das war damals höchst  ungewöhnlich, denn Gartenarchitekten besassen in der Regel eigene Baumschulen und verkauften mit ihren Dienstleistungen auch gleich ihre Produkte. Er aber wollte sich bei der Wahl der Pflanzen nicht von Eigeninteressen leiten lassen. Als einer der ersten «Unabhängigen» gründete er 1925 den Bund Schweizer Gartengestalter mit.
1950 verstarb Fritz Klauser nach mehrjähriger Krankheit und der 29-jährige Fredy übernahm notgedrungen die Firma des Vaters. Nach seiner Gärtnerlehre hatte der Krieg ihm das erhoffte Studium im Ausland vereitelt. Da die Schweiz noch kein Studium der  Landschaftsarchitektur kannte, eignete er sich Wissen und gestalterische Fähigkeiten autodidaktisch an. Dabei kam ihm das  künstlerische Talent entgegen, das er wohl geerbt hatte. «Mein Grossvater war ein eher unbeholfener Zeichner», erinnert sich  Martin Klauser. «Aber mein Vater zeichnete jeweils die Grundlagen eines Plans sorgfältig auf und ging dann eine Weile gärtnern.  Danach setzte er sich hin und brachte den kompletten Entwurf innert kürzester Zeit zu Papier.» Das Kämpferische hatte aber auch Fredy im Blut. In den 1940er-Jahren schaffte er die Aufnahme in den Bund Schweizer Gartengestalter, trat später aber aus Protest wieder aus, da sich die Vereinigung weigerte, nur noch konsultierende Gartenarchitekten als Mitglieder zu akzeptieren.
Nach drei Jahren der Zusammenarbeit übernahm Martin Klauser 1988 schliesslich die Firma. Mit ihrem Engagement für die Anerkennung ihres Berufsstands zeichneten seine Vorfahren ihm aber auch in anderer Hinsicht einen Pfad vor: Anders als sein  Vater konnte er nach seiner Lehre Landschaftsarchitektur in Rapperswil studieren. Das habe ihn das eigenständige Entwerfen  gelehrt, sagt er rückblickend. Trotz neuer Einflüsse gibt ihm das Erbe bis heute auch Halt: «Man wird durch die Vorfahren auf  einen Pfad gebracht. Von diesem schaut man zwar links und rechts, muss aber nicht alles, was man dort findet, gleich umsetzen.»

 

Bilder: Hanspeter Schiess

abgesagt: Architektur im Film

Mario Botta – The Space Beyond

Di 21. April 2020, 20 Uhr im Kinok

Einführung durch Marcel Ferrier, Architekt, Zürich/Locarno

«Am liebsten würde ich mich nur mit Sakralbauten beschäftigen», so Mario Botta in seinem Dokumentarfilm «The Space Beyond». Der Film nimmt das Publikum mit auf eine künstlerische Reise in die Welt Bottas und stellt die Sakralbauten vor, die er in China, Südkorea, Israel, Italien und in der Schweiz ins Leben gerufen hat. Der Film präsentiert Botta dabei als leidenschaftlichen und rastlosen Architekten, der sein Handwerk mit viel Begeisterung und Hingabe ausführt.
Von der initialen Besichtigung des Baugeländes über die Zusammenarbeit mit diversen Künstlern, Designern und Bildhauern bis hin zur Philosophie, die hinter Bottas Werken und seiner Weltanschauung steckt, bietet der Dokumentarfilm spannende Einblicke in das Leben eines hingebungsvollen Architekten, der nie zur Ruhe kommt. Leidenschaftlich, unermüdlich, mit 75 Jahren ist Botta einer der wenigen Architekten, der für die drei wichtigsten monotheistischen Religionen Gebetsstätten gebaut hat.

Zum Trailer

Regie: Loretta Dalpozzo, Michèle Volontè CH 2018, engl., 77’

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72
www.kinok.ch

Weitere Vorführung Mi 29. April 2020, 18:50 Uhr

Veranstaltungssponsor:
ZZ Wancor AG

Einladungskarte April 2020

Bildnachweis: Mario Botta – The Space Beyond

abgesagt: Schönheit und Mode

Sou Fujimoto, Architekt, Tokio / Moderation Jean-Daniel
Strub, Ethiker, Zürich

Mo 6. April 2020, 19.30 Uhr im Forum

«Between Architecture and Nature lies a beautiful life», so the japanese architect Sou Fujimoto. In this lecture, Sou Fujimoto will discuss the relationship between nature and architecture and its richness of living as well as that between nature and man-made environment. He believes that our life is already a part of the
architecture and that the architecture is a part of our life.
In 2018, he won the Competitions for the HSG Learning Center in Saint Gallen. Albert Kriemler collaborated for the Akris spring/summer 2016 collection with Japanese architect Sou Fujimoto.They will also discuss his thoughts on the relationship between fashion and architecture.

Der Vortrag und die Diskussion finden auf Englisch statt

Anmeldung
bis Mo 30.03.2020 unter info@nulla-f-o.ch

Sou Fujimoto Architects

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Veranstaltungssponsor:
Helvetia Generalagentur St. Gallen-Appenzell

Einladungskarte April 2020

Bildnachweis: Sou Fujimoto Architects, Forest of Music Credit SFA RENDER

Schönheit und Konstruktion

Jürg Conzett, Bauingenieur, Chur /  Clementine Hegner-van Rooden, Fachjournalistin für Ingenieurbaukunst, Oberägeri / Moderation Barbara Bleisch, Philosophin, Zürich

Mo 2. März 2020, 19.30 Uhr im Forum

Angela Deuber, Architektin, Chur, musste sich krankheitshalber leider entschuldigen.

«Es gibt eine gewisse Schule sich wissenschaftlich gebärdender Konstrukteure, für die alles Rationale schön ist. Die hässliche Wirkung von Zugstangen in Dachkonstruktionen reicht aus, diese Annahme zu widerlegen – glücklicherweise – denn wenn sie begründet wäre, müsste man sich von Inspiration und Gefühl auf dem Gebiet der Architektur verabschieden und es bliebe nichts als die kalte wissenschaftliche Formel. In Wirklichkeit führt das Rationale nicht zwangsläufig zum Schönen, auch wenn das bisweilen der Fall sein kann; hingegen ist das Schöne immer auch rational, ähnlich wie Platon sagte: das Schöne ist der Glanz des Wahren. (…) Das Rationale, das nicht schön ist, kann nicht das umfassend Rationale sein – nur das Schöne ist das umfassend Rationale. (…) Die rationalistische Schule ist unfähig, Kunst hervorzubringen, solange sie streng an ihrem Credo festhält – denn unser Verstand ist dafür zu beschränkt – er kann das Schöne allein nicht erlangen, er braucht dazu die machtvolle Hilfe einer höheren Intuition, einen besonderen Sinn, eine unbewusste Wissenschaft, die in uns enthalten ist wie das entfernte Echo jener grossen göttlichen Wissenschaft.»

Arthur Vierendeel. La construction architecturale en fonte, fer et acier. Louvain, 1901, S. 790, S. 799, S. 866 (übersetzt von JC).

«Les mathematiciens attachent une grande importance à l’élegance de leurs méthodes et de leurs résultats; ce n’est pas là du pur dilettantisme. Qu’est-ce qui nous donne en effet dans une solution, dans une déemonstration, le sentiment de l’élégance? C’est l’harmonie des diverses parties, leur symétrie, leur heureux balancement; c’est en un mot tout ce qui y met de l’ordre, tout ce qui leur donne de l’unité, ce qui nous permet par conséquent d’y voir clair et d’en comprendre l’ensemble en même temps que les détails. Mais, précisément, c’est là aussi ce qui lui donne un grand rendement; en effet, plus nou verrons cet ensemble clairement et d’un seul coup d’oeil, mieux nous apercevrons ses analogies avec d’autres objets voisins, plus par conséquent nous aurons de chances de deviner les généralisations possibles.»

Henri Poincaré: Science et Méthode, Erstausgabe 1909, Neudruck éditions Kimé 1999, Seiten 29 ff.

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Conzett Bronzini Partner AG

Angela Deuber Architect

Clementine Hegner-van Rooden

Einladungskarte März 2020

Bildnachweis: William Hogarth: The analysis of beauty: written with a view to fix the fluctuating ideas of taste, printed by J. Reeves, London, 1753, plate 1 / Vierendeel’s draft and sketches for his chapter on perturbing effects of light, dated 11th of October 1890 (Tabularium Catholic University of Leuven, Vierendeel P141/2)

Architektur im Film

Five Seasons – The Gardens of Piet Oudolf

Mi 26. Februar 2020, 18.45 Uhr im Kinok

Can a garden be art? Can a gardener be an artist? Through poetic cinematography and intimate conversation, FALL WINTER SPRING SUMMER FALL illuminates how Piet Oudolf, designer of New York’s High Line and other celebrated public spaces, has radically changed ideas about garden and landscape design and elevated himself to the highest echelons of contemporary art. An experiential portrait of a difficult and complex creative mind, Piet leads filmmaker Thomas Piper on a wandering journey across five seasons, visiting his iconic works as well as far-flung sources of  inspiration, forever changing the way we see, and think about, beauty.

Zum Trailer

Regie: Thomas Piper, USA 2014, dt. UT, 75’

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72
www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
ZZ Wancor AG

Einladungskarte Februar 2020

Bildnachweis: www.fiveseasonsmovie.com

Architektur ist mehr als Rendite

Guter Wohnungsbau ist nicht nur Teil eines Portfolios: Er prägt und verändert unseren Lebensraum.

22.02.2020 von Susanna Koeberle

Das Wort Investor ist in der Architekturszene tendenziell negativ besetzt. Häuser heissen bei Investoren Immobilien oder Anlageobjekte. Gemäss dieser Logik hat nicht die architektonische Qualität Priorität, sondern die Rendite. Dass diese stimmen muss, ist nachvollziehbar, allerdings stellt sich zugleich auch die Frage nach dem Wert von Architektur jenseits von Rendite. Dieses Thema ist insofern gerade heute aktuell, als dass aufgrund der Negativzinsen das Investieren in Immobilien für viele institutionelle Anleger  besonders attraktiv geworden ist. Versicherungen legen heute bis zu einem Viertel ihres Vermögens in Immobilien an. Dazu gehören auch Neubauten.
Dass man diesen Bauwerken nicht zwingend das Renditedenken ansehen muss, ist nicht nur wünschenswert, sondern auch machbar. Architektur ist primär für den Menschen und sollte nicht bloss als Anlagekategorie abgehandelt werden. Ein Dach über dem Kopf zu haben, gehört zu den Grundbedürfnissen der menschlichen Spezies; gerade deswegen ist guter Wohnungsbau eine wichtige Aufgabe.
Baukultur ist keine leere Worthülse, sondern ein gesellschaftliches Bedürfnis, dem Investoren und Planer Rechnung tragen sollten,  wenn sie bauen. Allerdings verleiten gerade Immobilienfonds als Anlagestrategie dazu, Verantwortung abzugeben, statt zu übernehmen. Da sind Häuser plötzlich einfach nur Teil eines Portfolios und keine physischen Objekte mehr. Das Auslagern der  Thematik ist eine problematische Entwicklung. Es gilt aber auch die Architekten in die Verantwortung zu nehmen. Zwar beklagen Baukünstler gerne, dass Investorenarchitektur die Architektur verändert habe, dagegen anzutreten ist aber schwierig. Architektinnen und Architekten fehlt es an einer politischen Lobby.
Baukulturelle Prozesse zu steuern und zu begleiten, ist eine energieraubende Angelegenheit, davon können Verbände wie etwa der  Bund Schweizer Architekten (BSA), der Bund Schweizer Landschaftsarchitekten (BSLA) oder der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) ein Lied singen. Doch die Lage ist nicht hoffnungslos, es gibt durchaus Strategien, einer gesichtslosen Effizienzarchitektur entgegenzuwirken. Diese führen auf allen Ebenen zu einem Gewinn – bezüglich architektonischer Qualität wie auch anlagestrategisch.

Mit freiwilligen Wettbewerben Gegensteuer geben

Wie sehen mögliche Strategien aus und wie steht es um die konkrete Umsetzung solcher Absichten? Ein  probates Mittel, um gute Architektur zu fördern, sind professionell jurierte Wettbewerbe. Bei  öffentlichen Bauten zwingend, gibt es bereits einzelne institutionelle Investoren, die bei ihren  Bauvorhaben freiwillig Wettbewerbe ausschreiben. Diese Massnahme garantiert eine professionelle Begutachtung, bei der nicht bloss nackte Zahlen im Vordergrund stehen, sondern konkrete Bauten. Das ist für das Niveau des Resultats entscheidend und steigert in der Regel auch die Werthaltigkeit einer  Immobilie. Ästhetisch ansprechender Wohnraum lässt sich besser vermieten als öde Mietskasernen. Wobei es festzuhalten gilt, dass schön nicht gleichbedeutend mit teuer sein muss.
Während Wettbewerbe den Nachteil haben, dass sie etwas länger dauern, kann architektonische Qualität auch durch interne Fachleute gewährleistet werden. Immer mehr werden Architekten auch von Pensionskassen angeworben. Fachliche Kompetenz im eigenen Haus zu haben, ermöglicht das frühe Einbeziehen einer architektonischen Sicht auf das Anlageobjekt. Beim Bauen geht es um mehr als nur um Kapital oder zumindest darum, dieses in Materie zu übersetzen. Das ist keine einfache Aufgabe, denn auch für Architekten ist jedes Bauwerk eigentlich ein Prototyp.
Wie gehen Architekten mit dem Thema Kostendruck und Effizienz um? Ein Blick auf ein Projekt von Egli Rohr Parner Architekten am Stadtrand von Schaffhausen zeigt mögliche Handlungsfelder. Vom Versicherer AXA Leben AG direkt nach einer Expertise bezüglich eines schwierigen Baulands angefragt, kam schliesslich ein direkter Bauauftrag zu Stande. Die Aufwertung des Ortes an sich war von Anfang an ein Thema; aufgrund von heruntergekommenen Bauten aus den 1960er-Jahren hatte das Hauental keinen guten Ruf. Für die Architekten war damit ein wichtiges Argument zu einer qualitätvollen Umsetzung des Bauvorhabens gegeben.
In zwei Etappen realisierte das Büro zuerst 17 Einfamilienhäuser sowie anschliessend fünf Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 74 Wohnungen. Die Zusammenarbeit zwischen Architekten und Bauherrin war durch gegenseitiges Vertrauen und offene Kommunikation geprägt. Die AXA hat intern eine eigene Bauabteilung. Bei den Einfamilienhäusern strahlt die Fassade aus Naturschiefer Wertigkeit aus und ist zudem auch technisch gesehen eine optimale Lösung, da die Holzbauten eine nicht brennbare Oberfläche brauchten.

Mehrkosten mit origineller Idee wettgemacht

Die Mehrkosten bei den teureren Mietobjekten machten die Architekten mit einer originellen Idee bei den günstigeren Wohnungen wett. Dort setzten sie eine vorgefertigte, kostengünstige Lochblechfassade ein. Hinter dem schwarzen Metallkleid schimmert eine rote Folie durch, welche je nach Lichteinfall das Aussehen der organisch geformten Häuser verändert. Die Loggien mit den roten Vorhängen schaffen willkommene Aussenräume und treten mit der umgebenden Natur auch farblich in einen schönen Dialog. Die Brüstungen bei den Loggien haben eine doppelte Lochblechlage. Das äussere rot gefärbte Blech schafft von aussen eine optische Kontinuität, innen ist das Metall jeweils silbern hell.
Während der Innenausbau der Wohnungen eher den Standards entspricht, sind die unterschiedliche Gestaltung der beiden Siedlungsteile, die sorgfältige Materialisierung sowie die Einbettung in den Ort wichtige Elemente, die auch die von Familien bewohnte Anlage zu einem freundlichen und lebenswerten Wohnort machen. Auch bezüglich der Energieeffizienz konnten die Architekten mit dem Einbau einer Pelletheizung eine anfangs etwas teurere, doch langfristig gesehen nachhaltigere Lösung umsetzen. Nachhaltigkeit ist ein Begriff, den man auch auf die Bauqualität ausweiten sollte.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Architektur im Film

Five Seasons – The Gardens of Piet Oudolf

Di 18. Februar 2020, 20 Uhr im Kinok

Einführung durch Matthias Krebs, Landschaftsarchitekt, Krebs und Herde Landschaftsarchitekten, Winterthur

Can a garden be art? Can a gardener be an artist? Through poetic cinematography and intimate conversation, FALL WINTER SPRING SUMMER FALL illuminates how Piet Oudolf, designer of New York’s High Line and other celebrated public spaces, has radically changed ideas about garden and landscape design and elevated himself to the highest echelons of contemporary art. An experiential portrait of a difficult and complex creative mind, Piet leads filmmaker Thomas Piper on a wandering journey across five seasons, visiting his iconic works as well as far-flung sources of  inspiration, forever changing the way we see, and think about, beauty.

Zum Trailer

Regie: Thomas Piper, USA 2014, dt. UT, 75’

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72
www.kinok.ch

Weitere Vorführung Mi 26. Februar 18:45 Uhr

Veranstaltungssponsor:
ZZ Wancor AG

Einladungskarte Februar 2020

Bildnachweis: www.fiveseasonsmovie.com

Schönheit – Eine Idee

Christoph Baumberger, Architektur-Philosoph, Zürich / Annette Gigon, Architektin, Zürich / Ludovica Molo, Architektin, Lugano / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 3. Februar 2020, 19.30 Uhr im Forum

Während Laien Bauten ganz selbstverständlich als schön (oder hässlich) beurteilen, tun sich Architektinnen und Architekten oft schwer mit dem Begriff der Schönheit. Ein Grund dafür mag sein, dass Schönheit (wie Hässlichkeit) als subjektive Empfindung gilt, während der Anspruch architektonischer Qualität objektiv einlösbar sein soll. Zweitens ist Schönheit höchstens ein Aspekt architektonischer Qualität, der zudem oft als untergeordnet begriffen wird. Funktionalisten betrachteten Schönheit als Nebenprodukt der Zweckmässigkeit. In jüngerer Zeit sind moralische Forderungen wie die der Nachhaltigkeit ins Zentrum gerückt, was bereits im Motto der Architektur-Biennale aus dem
Jahr 2000 prägnant zum Ausdruck kam: «Less aesthetics, more ethics!»
Dem ersten Bedenken ist entgegenzuhalten, dass die Reaktionsabhängigkeit der Schönheit und anderer ästhetischer Eigenschaften keineswegs ausschliesst, dass ästhetische Urteile wahr oder falsch sein können. Ästhetische  Vortrefflichkeit ist zwar tatsächlich nur ein Aspekt architektonischer Qualität. Aber das zweite Bedenken geht falsch in der Annahme, dass Aspekte wie Funktionalität und Nachhaltigkeit vorrangig und unabhängig von Schönheit sind.  Schönheit kann vielmehr zur Funktionalität und zur Nachhaltigkeit beitragen. Zudem sollte Schönheit in der Architektur als Bedingung der Möglichkeit eines guten Lebens selbst als moralisches Ziel begriffen werden.

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Einladungskarte Februar 2020

Bildnachweis: Christoph Baumberger

Mit altem Wissen zum Vorzeigeprojekt

Nachhaltiges Bauen geht auch ohne viel Technik. Das zeigt die Erweiterung des Landwirtschaftlichen Zentrums in Salez.

01.02.2020 von Deborah Fehlmann

Ob sich die Diskussion um Nahrungsmittelproduktion, die Textilindustrie oder die nächste Flugreise dreht – das Bewusstsein für die Endlichkeit der Ressourcen, auf denen unser Wohlstand fusst, ist in weiten Teilen der Gesellschaft angekommen. So auch die Bereitschaft, sie für kommende Generationen zu schonen. Auch die Immobilienwirtschaft wandelt sich unter diesem Eindruck: Holz ist als nachwachsender Baustoff auf dem Vormarsch, wir heizen mit Wärmepumpen statt Öl und packen unsere Gebäude in immer dickere Isolationsschichten. Technische Geräte versorgen uns mit Frischluft, senken den Sonnenschutz ab oder drehen die Heizung hoch. Auch Labels wie Minergie tragen dazu bei, dass energieeffizientes Bauen sich in der Schweiz zunehmend etabliert. Ihre Zertifikate garantieren zumindest in der Planung die Einhaltung vordefinierter Standards. Gerade im Wohnungsbau dienen sie auch längst der Vermarktung.
Auch der Kanton St.Gallen verlangte wie üblich den Minergie-Standard, als er 2011 einen Architekturwettbewerb für die Erweiterung und Gesamterneuerung des Landwirtschaftlichen Zentrums Salez auslobte. Er wollte die Berufsschule mit den entsprechenden Beratungs- und Fachstellen am Standort im Rheintal konzentrieren. Dazu beabsichtigte er, die  Anlage um 900 Quadratmeter Nutzfläche zu erweitern und die bestehenden Gebäude zu sanieren. Ein Trakt aus den  Siebzigerjahren sollte weichen. Andy Senn Architekten aus St.Gallen gewannen den Wettbewerb mit einem L-förmigen Holzbau. Der lange Haupttrakt erstreckt sich von Osten nach Westen. Hier befinden sich auf zwei hohen Geschossen die Eingangshalle, Unterrichtsräume und eine Mensa. Der kurze Schenkel im Westen ist bei gleicher Höhe in drei  Stockwerke aufgeteilt. Er beherbergt Internatszimmer. Die rhythmisch gegliederte Fassade besitzt anstelle von einzelnen Balkonen durchlaufende Laubengänge. Sie überblicken nach Süden weite Felder vor einer imposanten Bergkulisse. Im Norden umschliesst der Neubau mit den bestehenden Gebäuden einen Hof, wo dereinst Kräuter und Gemüse wachsen  sollen. Dank geschickter Positionierung entfallen kostspielige Provisorien während der Bauzeit. So bleibt das Projekt trotz Raumhöhen von teils über vier Metern wirtschaftlich.

Sieger mit ungeahnten Chancen

Was die Architekten nicht wussten: Sie boten dem Kanton unversehens die Chance zu einem Experiment in  nachhaltigem Bauen. «Mit der klaren Gebäudestruktur, den hohen Räumen und den Laubengängen waren die  Grundelemente für das Konzept Lowtech im Entwurf bereits enthalten», sagt Kantonsbaumeister und Jurymitglied  Werner Binotto. Lowtech bedeutet, kurz gesagt, Verzicht auf Technik: Offene Fenster statt Lüftungsgeräte,  Nachtauskühlung tatt Klimaanlage, Lichter löschen per Knopfdruck. Das ist laut Binotto nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich nachhaltig: «Haustechnik muss laufend unterhalten werden und hat eine kürzere Lebensdauer als die Grundstruktur des Gebäudes. Das führt zu hohen Betriebskosten und aufwendigen Sanierungen.» Architekten und Nutzer liessen sich auf das Experiment ein und auch das Parlament konnte der Kantonsbaumeister überzeugen – trotz Verzicht auf Minergie. Die Bevölkerung stimmte dem Baukredit von 32 Millionen Franken im Herbst 2014 zu. Im Oktober 2018 nahm die Schule ihren Betrieb auf.

Lüften wie im Kuhstall

«Was heute oft die Technik übernimmt, muss bei Lowtech die Architektur leisten. Gestaltung, Statik und Raumklima sind direkt verknüpft. Wir mussten deshalb viel enger als gewohnt zusammenarbeiten», erinnert sich Andy Senn. Das Planungsteam untersuchte diverse Konstruktionsvarianten auf ihre thermischen, ökologischen und gestalterischen Eigenschaften, aber auch hinsichtlich Kosten und Unterhalt. Der Entscheid fiel auf eine Tragstruktur aus Holzpfosten und -riegeln mit Holz-Beton-Verbunddecken. Aus Holz bestehen auch sämtliche Raumtrennwände. Der Holzbau bietet die Vorteile von Vorfabrikation und schneller Montage. Der Beton dient als thermische Speichermasse. Er verzögert die Erhitzung des Gebäudes im Sommer und dessen Auskühlen im Winter.
Auch die Laubengänge tragen zur Temperaturregelung bei. Während sie die Fenster im Sommer verschatten, dringt die tief stehende Wintersonne bis in die Innenräume und wärmt sie auf. Mit hölzernen Schiebeläden können Lehrpersonen und Schüler die Räume zusätzlich beschatten. Die schweren Läden sind mehr als nur Gestaltung: Konventionelle Sonnenstoren nähmen bei den häufigen Föhnstürmen im Rheintal binnen kurzer Zeit Schaden. Ohne Heizung kommt die Schule übrigens nicht aus. Die Wärme liefert eine Holzschnitzelanlage, welche auch die nahegelegene Schule und die Strafanstalt Saxerriet versorgt.
Das Herzstück des Baus ist sein ausgeklügeltes Lüftungssystem. Es macht sich einerseits die hohen Räume zu Nutze und andererseits die Tatsache, dass warme – und damit verbrauchte – Raumluft aufsteigt. Hochliegende Kippfenster entlang des Mittelkorridors führen in einen glasbedeckten, klimatisch offenen Lüftungsraum auf dem Dach. Öffnet man sie per  Handkurbel, kann die verbrauchte Luft entweichen. Durch wettergeschützte Lüftungsklappen an der Fassade strömt  frische Luft nach. Die Klappen und Kippfenster stehen von Frühling bis Herbst meist offen und stellen im Sommer die Nachtauskühlung sicher. Im Winter sind sie zu, und wer lüften will, öffnet das Fenster. Die Schulzimmer profitieren von
den Kippfenstern doppelt, denn durch sie fällt zusätzliches Tageslicht ins Rauminnere. «Die natürliche Belüftung von Viehställen folgt dem gleichen Prinzip. Das mag mit ein Grund sein, wieso die angehenden Landwirte sich mit dem  System sofort anfreundeten», schmunzelt Senn. Das bestätigt Binotto: «Die Nutzer übernehmen gerne die Verantwortung, das Raumklima selbst zu regeln.» Entscheidend sei aber, sagen die beiden, wie sich aus den Ansprüchen und Rahmenbedingungen ein massgeschneidertes Ganzes gefügt habe. «Die Menschen mögen das Gebäude letztlich  auch, weil es schön ist», sagt Binotto. Auch das ist Nachhaltigkeit.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Energieagentur@AFO

Nachhaltiges Bauen am Beispiel Gesamterneuerung Raiffeisen St. Gallen

Mo 20. Januar 2020, 19.30 Uhr, Kundenzone Raiffeisen, Vadianstrasse 17, St. Gallen

Der runde Tisch Energie und Bauen und das Architektur Forum Ostschweiz laden zur jährlichen Informationsveranstaltung ein.

Nachhaltiges Bauen und Planen ist im Leitbild Architektur von Raiffeisen Schweiz festgeschrieben. Die Gesamterneuerung des Bankgebäudes zeigt, dass ein schlecht nutzbares Gebäude in ein modernes Bürohaus transformiert werden kann, das attraktive, moderne und gesunde Arbeitsplätze bietet. Äusserlich kaum verändert, fallen die gebäudehohen Lichthöfe in der Mittelzone auf, die jetzt Tageslicht bis ins Erdgeschoss bringen. Das Gebäude ist nach Minergie-ECO zertifiziert und der Prozess zur  Zertifizierung nach dem Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz SNBS läuft. Erfahren Sie an diesem Themenabend alles zum SNBS aus erster Hand und machen Sie sich vor Ort ein Bild.

Begrüssung und Moderation
Silvia Gemperle
Energieagentur St.Gallen

SNBS heute
Joe Luthiger
Geschäftsführer
Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz

SIA 112/1 Nachhaltiges Bauen – Hochbau und SNBS
Jörg Lamster
Geschäftsleiter
Durable Planung und Beratung GmbH

Gesamterneuerung Raiffeisen und SNBS
Andreas Hüttenmoser
Gesamtprojektleiter
Raiffeisen Schweiz

Geführter Rundgang durch das Gebäude
Anschliessend Fachgespräche beim Apéro

Eintritt frei. Wir freuen uns über Ihre Anmeldung auf www.energieagentur-sg.ch

Bildnachweis: lucas peters photography

 

Das Architektur Forum macht Sommerpause und wünscht allen eine gute Zeit!

Wir freuen uns sehr, alle Mitglieder und Interessierten nach dieser auferlegten, Corona bedingten langen Pause bald wieder zu einem Vortrag zum Jahresthema «Schönheit» im Architektur Forum Ostschweiz einladen zu dürfen.

Am 7. September geht es, unter Einhaltung der gesetzlichen Richtlinien, weiter mit unseren Programm.

Weitere Infos folgen in demnächst.

Die Denkfabrik im Stickereiquartier

In St.Gallen macht sich die Firma Namics zwar die industrielle Backstein-Architektur zu Nutze, lässt sie aber urban neu interpretieren.

28.12.2019 von Susanna Koeberle

Die Blütezeit der Ostschweizer Textilindustrie liegt weit zurück. Auch die Stadt St.Gallen war ein wichtiges Zentrum dieses für die Schweiz lange  bedeutenden Wirtschaftszweiges. Hier wurde die bekannte St.Galler Stickerei produziert. In der Stadt selber wurde vornehmlich damit gehandelt  und auch die Lagerhäuser befanden sich im urbanen Gebiet. Zur Zeit des grossen Bauschubs gegen Ende des 19. und Anfang des 20.Jahrhunderts war die Stickereiproduktion der grösste Exportzweig der Schweizer Wirtschaft. Diese Zeiten sind definitiv vorbei, auch wenn einzelne Haute Couture Firmen nach wie vor Erzeugnisse aus der Region beziehen. Doch die stattlichen, dicht gereihten Bauten im  denkmalgeschützten Stickereiquartier zeugen bis heute von dieser Epoche.
Das 2017 fertig gestellte Bürogebäude von Corinna Menn tanzt nicht nur diesbezüglich etwas aus der Reihe. Denn mitten in diesem sonst  homogenen Strassenzug befand sich früher tatsächlich eine Baulücke. Diese wird mit dem Neubau nicht gänzlich geschlossen, da ein Teil der Brache zur Parzelle des Nebenhauses gehört. Links schliesst der Bau nun an das Nachbargebäude an, rechts klafft nach wie vor ein Leerraum, der etwas  verwaist wirkt. Dies tut dem Ausdruck des Neulings allerdings keinen Abbruch. Die gelungene städtebauliche Einbindung ist eine der Stärken dieses  Bauwerks. Der Quasi-Lückenfüller fügt sich unauffällig in die bestehende Strassenrandbebauung ein und überzeugt zugleich durch einen  eigenständigen architektonischen Charakter. Das Geschäftshaus dient als Hauptsitz der Firma Namics, ursprünglich ein Start-up-Unternehmen der HSG St.Gallen.
Aufgrund einer strukturellen Veränderung der Firma suchte die Namics für den geplanten Neubau nach einem Investor und fand diesen in der  Pensionskasse Asga. Nach Vorgabe der Stadt St.Gallen wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, aus dem das Projekt von Corinna Menn als Gewinner hervorging. Menn zog den Architekten Mark Amman sowie den Ingenieur Andrea Pedrazzini bei. Bezug nehmend auf die Geschichte des Quartiers  lehnt sich der Entwurf an der Idee der Fabrik an. Dieses Konzept ist auch auf den Wunsch der Auftraggeberin zurückzuführen, eine offene und  flexible Nutzung der Räume zu ermöglichen. Der Name «Denkfabrik», mit dem sich die Firma Namics schmückt, ist dabei Programm. In der Umsetzung dieser Vorgaben gingen die Architekten und der Ingenieur ganz eigene Wege. Die unkonventionellen Lösungen stellen sich allerdings nicht marktschreierisch in den Vordergrund, vielmehr fügt sich der Bau dezent ins städtische Gewebe ein.
Dazu trägt in erster Linie die Materialisierung der Fassade in hellgelben Backsteinen bei. Dieser Baustoff besitzt zwar eine industrielle Anmutung, wirkt aber in diesem Fall durchaus als eine zeitgemässe Interpretation der industriellen Vergangenheit. Die Backsteinarchitektur der  Stickereigeschäftshäuser ist auch heute noch in der näheren Umgebung vorzufinden und wurde neuen Nutzungen zugeführt. Das verleiht dem bahnhofsnahen Viertel eine urbane und lebendige Atmosphäre.

Ein nützliches Origami

Die topografische Situation an der nterstrasse, die auf der anderen Seite an den Hang grenzt, hat zur Folge, dass ein schmaler Graben zwischen Haus und Strasse liegt. In Kombination mit den grosszügigen Fenstern  erlaubt dies den Lichteinfall bis ins unterste Geschoss, dessen  Räumlichkeiten von der talseitigen Fassade aus erschlossen werden. Das Helle und Freundliche, das dieses Bauwerk prägt, findet auch im Innern seine Fortsetzung. Man betritt den Bau über eine Brücke und berührt als erstes einen organisch geformten Türgriff aus Eichenholz – ein warmer Werkstoff, der im Innern wiederholt seinen Auftritt hat. Die architektonischen Qualitäten des unaufgeregten Bürogebäudes zeigen  sich auch an solchen kleinen Details. Innen angelangt fällt eine weitere Besonderheit auf.
Um das Raumgefühl nicht durch zu viele Stützen zu stören, entwickelten die Architekten für die Tragwerkstruktur eine innovative und ästhetisch  ansprechende Konstruktion. Die gefalteten Deckenplatten aus  Spannbeton haben etwas Skulpturales und verleihen den Räumlichkeiten eine besondere Aura. Der Entwurf gewährleistet zum einen die gewünschte Stabilität und räumliche Offenheit, zum anderen kann diese Deckenkonstruktion auch als Reverenz an die Stahlbeton-Skelettbauten des Beton-Pioniers Robert Maillard (1872–1940) gelesen werden, der auch in St.Gallen gebaut hat. Die Faltung zeigt offen, was sie tut, und liebäugelt zugleich mit der Ästhetik dieser Funktion. Die Falttechnik, die an japanische Origamis denken lässt, wird heute in den verschiedensten Disziplinen verwendet.

Urbane Leichtigkeit

Architektonisch bildet sich das Tragwerk des Baus auch aussen ab. Die  Ziegelstein-Pilaster entlang der Längsfassade rhythmisieren den Bau  und verleihen ihm durch ihre nach oben verjüngende Form eine gewisse Leichtigkeit. Auch horizontal nimmt die Distanz zwischen den Fenstern gegen oben ab. Das Attikageschoss schliesslich ist zurückgesetzt. In den Aufenthaltsräumen der Firma findet ein ästhetischer, konstruktiver und atmosphärischer Wechsel statt. Der offene Raum wird durch eine Stahlkonstruktion geprägt, welche die untere Faltwerkoptik quasi in ein luftiges Gebilde auflöst. Von der talseitigen Terrasse aus hat man einen wunderbaren Blick über die Stadt und ist zugleich Teil davon. Der Bau  von Corinna Menn reiht sich in eine Serie architektonischer Eingriffe,  welche dem Stickereiquartier einen neuen städtischen Charakter verleihen.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Städtische Ausstellung im Forum

Larry Peters: LOOKING AT ART

Ausstellung: Fr 12. Juni bis So 5. Juli 2020
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Do 11. Juni 2020, 18.30 Uhr, Einführung: Kristin Schmidt
Buchpräsentation «LOOKING AT ART», VGS Verlagsgenossenschaft St. Gallen.
Hanspeter Spörri im Gespräch mit Larry Peters

Der Künstler ist jeweils am Samstag und am Sonntag von 14 – 17 Uhr anwesend.

So 21. Juni 2020, 14 Uhr Lesung in der Ausstellung
«Reading and Talking» with Samuel Reller and Larry Peters (in English)

Flyer Ausstellung Larry Peters

geschlossen: Städtische Ausstellung im Forum

Priska Rita Oeler: schräg vis-à-vis

Ausstellung: Fr 13. März bis So 5. April 2020
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Donnerstag, 12. März 2020, 18.30 Uhr
Einführung: Kristin Schmidt

Ausstellungsrundgang mit der Künstlerin
So 22. März 2020, 14 Uhr

Flyer Ausstellung Priska Rita Oeler

Das Architektur Forum Ostschweiz wünscht alles Gute für das neue Jahr

Das Architektur Forum Ostschweiz wünscht schöne Weihnachten und alles Gute für das kommende Jahr.

Am 3. Februar 2020 starten wir mit unserer neuen Veranstaltungsreihe zum Thema «Schönheit».

Wir freuen uns auf ein weiteres spannendes Jahr. Bis im Februar!

Auf Zeit – Temporär

Victoria Easton, Architektin, Christ & Gantenbein, Basel / Boris Gusic, Architekt, Zürich / Martin Wiedenmann, Architekt, Schmidhuber, München / Sandra Oehy, Kunsthistorikerin und Kuratorin, Zürich / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 2. Dezember 2019, 19.30 Uhr im Forum

Grundsätzlich ist alles vergänglich und somit nur für einen spezifischen Zeitraum relevant. Die Architektur wird häufig mit  Langlebigkeit und grosser Dauer in Verbindung gebracht. Oft waren es aber die kurzlebigeren Interventionen, welche den Zeitgeist der Architektur infrage stellten. Durch ihre kurze Lebensdauer und Leichtigkeit können temporäre Bauten weiter gehen und entfliehen damit dem Ernst der Ewigkeit. Pavillons, Modelle, Zeichnungen und Skizzen haben oft mehr Gemüter bewegt als die gebaute Umwelt.
Alle sprechen von Nachhaltigkeit, doch werden Gebäude immer weniger dauerhaft gebaut. Es geht nicht nur um Beständigkeit  in materieller, sondern auch in immaterieller Hinsicht: Wie kann ein Gebäude möglichst langfristig einen Lebens-, Arbeits-  oder Kulturraum schaffen? Wie kann eine Struktur für verschiedene Nutzungen offen sein, die sich im Laufe der Zeit verändern können? Nur sehr wenige Baumaterialen sind heutzutage nachhaltig im Sinne von ökologisch, man könnte also  sagen, dass nur die Erhöhung der Lebensdauer ein Gebäude wirklich nachhaltig macht.
Diesen Credos stehen immer mehr temporäre Ereignisse der Kunst- und Architekturwelt gegenüber. Fast keinem Land fehlt es  an einer Kunst- oder Architekturbiennale. Diese temporären Ereignisse und Begegnungen sind sehr grosszügig in Bezug auf  die «kreative Energie», aber verbrauchen eine enorme Menge an grauer Energie. Dennoch trägt dieses Medium seit dem 19. Jahrhundert massgeblich zum architektonischen Diskurs bei.

Victoria Easton, Associate bei Christ & Gantenbein, wird über temporäre architektonische Interventionen des Büros für  verschiedene Biennalen sowie über die Swiss Art Awards sprechen.
Boris Gusic wird über selbstinitiierte temporäre Projekte, die Lehre an der ETH und seinen Turm im Verzascatal sprechen.

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Bildnachweis: Christ & Gantenbein; Schweizer Pavillon zur 500-Jahr-Feier der Reformation in Wittenberg, 2017 ©Stefano Graziani

ArchitekTour Israel

Tel Aviv-Jaffa / Rechovot / Jerusalem

Mi 27. November – So 1. Dezember 2019

Die moderne Metropole Tel Aviv, gegründet als erste «Hebräische Stadt», zeigt uns ihre vielen Fassetten. Von der ersten jüdischen Siedlung Neve Zedek bis zum Rothschild Boulevard, dem Zentrum des modernen Tel Aviv. In Tel Aviv wurden ab den 30er-Jahren rund 4000 Bauwerke im Bauhaus- und Internationalen Stil errichtet, die das Stadtbild bis heute prägen. Durch sie ist Tel Aviv als «Weisse Stadt» bekannt und seit 2003 Unesco-Weltkulturerbe. Wir werden sehen, wie die Stadt mit diesem  Weltkulturerbe umgeht, was für Lösungen für die verschiedenen denkmalgeschützten Gebäude gefunden werden und wie der Bauboom und die politische Lage im Land die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Stadt beeinflussen.
Besichtigung im Max Liebling Haus (Dov Karmi 1936) sowie im Weizmann Haus (Erich Mendelson 1937) in Rechovot. Die zweite Generation der sogenannten Bauhaus- Architektensöhne haben die Stadt in den 50er-, 60er- und 70er- Jahren mit zahlreichen Bauten im Brutalismus-Stil beeinflusst. Eine Führung durch die Stadt bis zur Universität zeigt uns diese Epoche Tel Avivs. Auch Jaffa mit ihren 4000 Jahren Geschichte erlebt zurzeit eine gewaltige Umnutzung der historischen Gebäude, z. B. beim Hotel The Jaffa (John Pawson / Ramy Gill 2018). Wie tickt diese Stadt, was macht sie so beliebt, aber was steckt auch in den Hinterhöfen? Das werden wir gemeinsam erleben.
In Jerusalem gibt es eine Führung durch die Altstadt. Hier werden wir versuchen, die Geschichte und die Konflikte, über die ständig in den Medien berichtet wird, durch ihre Bauten noch vor der Zeitenwende bis heute zu verstehen. Besuch des Israelmuseums (Al Mansfeld / Dora Gad 1965, James Carpenter / Efrat Kowalsky 2010).

Die Reise wird von Ada Rinderer organisiert. Sie ist in Tel Aviv geboren und studierte am Technion in Haifa. Sie lebt und arbeitet seit 25 Jahren als Architektin in Dornbirn.

Bildnachweis: Rinderer Architekten, Dornbirn

Anmeldekarte ArchitekTour Israel

Detailprogramm Stand MRZ_2019

Ausstellung   «All About Tel Aviv – die Erfindung einer Stadt»
7. April 2019 – 6. Oktober 2019, Jüdisches Museum Hohenems

Gesetzte machen keine Baukultur

Die Interessengruppe Ortsplanung Rheintal will die Öffentlichkeit zur Auseinandersetzung mit ihrer gebauten Umwelt motivieren.

30.11.2019 Interview: Deborah Fehlmann

Zersiedelung stoppen, Bauzonen verkleinern, Siedlungen verdichten und Kulturland schützen – das waren die Kernanliegen des revidierten Raumplanungsgesetzes, dem 63 Prozent des Schweizer Stimmvolks 2013 zustimmten. Am 1.Mai 2014 trat das neue Bundesrecht in Kraft und den Kantonen blieben fünf Jahre, um ihre Gesetzgebungen anzupassen.
Nun sind die kommunalen Richtund Nutzungspläne an der Reihe. Raumplaner definieren im Auftrag der Gemeinden parzellengenau, wo  was und wie viel gebaut werden darf. Sie legen fest, was bewahrt wird und wo Entwicklung stattfindet. Das wirkt sich auf unseren  Lebensraum unmittelbar aus: Baugesetze prägen die Ortschaften, in denen wir wohnen, arbeiten und unsere Freizeit verbringen. Rund 30  Architekten und Landschaftsarchitektinnen aus dem St.Galler Rheintal wollen Verantwortung übernehmen und den Prozess in der Region  mitgestalten. Offene Türen rennt ihre Interessengruppe Ortsplanung Rheintal (Igor) damit nicht ein. Ein Gespräch über Baugesetz und Baukultur mit den Vorstandsmitgliedern Joshua Loher, Dominik Hutter und Mike Föllmi.

Wieso sollen Architekten an der Ausarbeitung von Baugesetzen mitwirken?
Joshua Loher: Wir arbeiten letztlich damit und machen daraus Baukultur. Wir wissen, was funktioniert und wo Verbesserungsbedarf herrscht. Die Revision ist eine in unserem Berufsleben wohl einmalige Chance, dieses Wissen einzubringen.
Dominik Hutter: Bauen ist keine Privatsache. Man trägt etwas zum gemeinsamen Lebensraum bei. Als Teil dieses Räderwerks sind wir für die Entwicklung unserer Ortschaften mitverantwortlich. Gerade die Verdichtung stellt uns vor grosse Herausforderungen. Damit sie gelingt, müssen wir die Entwicklung steuern. Dazu brauchen wir erst einmal Zielbilder.

Fehlen diese heute im Rheintal?
Loher: Voraussetzung für die Definition eines Ziels ist ein Bewusstsein für die Besonderheiten des Ortes. Gemeinden mit einem historischen Kern wie Berneck oder Altstätten fällt das leichter. Es gibt aber Gemeinden, wo auf den ersten Blick nichts Erhaltenswertes vorhanden ist. Diese meinen oft, keine Baukultur zu haben.
Hutter: Viele Gemeinden erlebten in den letzten Jahren einen starken Einwohnerzuwachs. Das Dorf, wie man es von früher kennt, geht  verloren. In den Köpfen der Menschen ist das noch nicht angekommen.
Mike Föllmi: Auch die Behörden agieren grösstenteils noch innerhalb ihrer Grenzen, obwohl einige Gemeinden baulich längst  zusammengewachsen sind. Gerade in der Raumplanung würde übergreifendes Denken vieles vereinfachen. Im Frühjahr 2018 lud die Igor  alle Gemeinden von St.Margrethen bis Rüthi zu einem Gedankenaustausch ein. Anwesend waren auch die für sie tätigen Raumplaner. Mit ihnen hatte vorab ein positiver Austausch stattgefunden. Der Start war viel versprechend: Sämtliche Gemeindepräsidenten und  Bauamtsvorsteher erschienen zu dem Anlass. Auf den Vorschlag der Igor, als gleichberechtigte Partner neben Raumplanern und Gemeinderäten in den Kommissionen Einsitz zu nehmen, ging dennoch keine Gemeinde ein.

Der Wunsch nach Mitwirkung hat sich für Sie nicht erfüllt. Trotzdem haben Sie Ende 2018 einen Verein gegründet…
Hutter: Damit haben wir unseren Zweck ausgeweitet: Wir wollen für das Thema Baukultur sensibilisieren und es in der Gesellschaft verankern. An unseren Veranstaltungen fokussieren wir nicht auf einzelne Objekte, sondern auf den gemeinsamen Lebensraum. Zudem haben wir Arbeitsgruppen gegründet. Eine davon hat einen Kommentar zum Musterbaureglement der Vereinigung St.Galler  Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten verfasst.

Was kritisieren Sie am jetzigen Gesetz?
Föllmi: Es macht fast die Architektur! Das betrifft nicht nur Grenzabstände und Gebäudehöhen, sondern zum Beispiel auch die Ausbildung der Attikageschosse. Viele Investorenbauten bilden das Gesetz praktisch eins zu eins ab.
Hutter: Wobei ein Baureglement immer ein zweischneidiges Schwert ist. Die neuen Gesetze werden mehr Freiheit bieten, indem etwa die Ausnützungsziffer und der grosse Grenzabstand fallen. Das birgt auch Gefahren. Ein restriktives Gesetz kann negative Auswüchse  verhindern. Das führt gesamtheitlich zu mehr Qualität.

Ein restriktives Gesetz kann aber auch gute Lösungen verhindern.
Loher: Die Frage ist weniger, was man reglementiert, sondern wie. Nehmen wir die erwähnten Attikageschosse: Gemäss unserem  kommunalen Baureglement müssen diese, von der maximalen Gebäudehöhe her gemessen, an den Längsfassaden unter einem Winkel von 60 Grad zurückspringen. Das führt zu Auswüchsen mit zwei Attikageschossen! Im Thurgau dagegen heisst es, das Attikageschoss müsse  entlang mindestens einer Fassade um ein definiertes Mass zurückspringen. So bleibt Spielraum, um das Volumen sinnvoll anzuordnen. Hutter: Einverstanden, doch jede Regelung bringt neue Auswüchse. Gefragt sind weitere Werkzeuge der Qualitätssicherung, wie die  Professionalisierung der Bewilligungsbehörden. Die meisten Gemeinden prüfen Baugesuche nur formell. Was dem Gesetz entspricht, wird bewilligt. Eine Beurteilung bezüglich Raumplanung oder architektonischer Qualität findet nicht statt. Eine Lösung wären Gestaltungsbeiräte,  die Fragen objektbezogen beantworten können.

Baukultur ist mehr als die Summe von Vorschriften. Sie erfordert ein öffentliches Bewusstsein für ortsspezifische Qualitäten und eine gemeinsame Zielvorstellung. Die Hafenstadt Romanshorn beispielsweise erarbeitete unter Einbezug der Bevölkerung eine räumliche Entwicklungsstrategie. Sie bildet die Grundlage des kommunalen Richtplans und setzt die Leitplanken für die Planung und Beurteilung  künftiger Entwicklungen. Nur wenn wir die Gestaltung unseres Lebensraums als gemeinschaftliche Aufgabe verstehen, kann sie qualitätsvoll gelingen.

Die Interviewpartner
Dominik Hutter und Joshua Loher haben Igor initiiert und teilen sich das Präsidium. Mike Föllmi ist Vorstandsmitglied und Aktuar. Hutter und Föllmi sind selbstständige Architekten in Heerbrugg und Berneck, Loher ist Architekt und Architekturfotograf in Balgach.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

SIA@AFO

Beat Consoni, Architekt, St. Gallen / Lukas Imhof, Architekt, Zürich / Moderation Deborah Fehlmann, Architektin und Autorin, Zürich

Mo 18. November 2019, 19.30 Uhr im Forum

Der sia Thurgau ist zu Gast im AFO. Die beiden Thurgauer Architekten Beat Consoni und Lukas Imhof referieren und diskutieren. Beide sind langjährige Mitglieder und setzten sich auf vielschichtige und konsequente Weise für die Baukultur im Kanton bzw. in der Ostschweiz ein. Sie sprechen nicht primär von ihren Bauten, sondern vielmehr von selbstbewusstem Einfügen in vorhandene Bebauung und vom Ordnen städtebaulicher Strukturen. Consoni wie auch Imhof engagieren sich in den  Berufsverbänden, pflegen die Kommunikation und suchen die Auseinandersetzung. So gelingt es ihnen Baukultur zu kultivieren und so gekonnt und gezielt Einfluss zu nehmen. Ihre Beiträge als Berater und Experte fördern nicht nur die Kultur, sondern zeigen auch, dass Baukultur mehr ist als nur Architektur zu gestalten. So z.B. initiierte Consoni vor fünfzehn Jahren den sia Gestaltungsbeirat, welcher die Gemeinden bei ortsbaulichen und architektonischen Fragestellungen berät, dem heute auch Imhof angehört.

Einführung Ueli Wepfer, Architekt und Präsident SIA Sektion Thurgau

Eintritt frei

sia Sektion Thurgau

Einladungskarte NOV 2019

Bildnachweis: Edition Panorama Mannheim, Architekt Beat Consoni

Auf Zeit – Recycling

Dirk E. Hebel, Architekt, Karlsruher Institut für Technologie (KIT) / Barbara Holzer, Holzer Kobler Architekturen, Zürich-Berlin / Markus Freitag, Co-Gründer FREITAG, Zürich / Moderation Barbara Bleisch, Philosophin, Zürich

Mo 4. November 2019, 19.30 Uhr im Forum

Der weitaus grösste Teil unserer Ressourcen wird zur Zeit aus der Erdkruste abgebaut, benutzt und dann entsorgt. Sie werden im wahrsten Sinne des Wortes konsumiert und nicht aus natürlichen oder technischen Kreisläufen ausgeliehen um anschliessend darin wieder aufzugehen. Dieser lineare Ansatz hat tiefgreifende Konsequenzen für unseren Planeten. Ökosysteme werden zerstört, das Klima gefährdet und viele Ressourcen wie Sand, Kupfer, Zink oder Helium werden bald nicht mehr technisch, ökologisch und ökonomisch sinnvoll vertretbar zur Verfügung stehen. Wir gefährden das Wohl künftiger Generationen. Wenn wir wollen, dass unsere gebaute Umwelt wirklich nachhaltig ist, können wir sie nicht länger als Dienstleister und Müllkippe verstehen.
Die gebaute Umwelt sollte dem entgegengesetzt begriffen werden als temporäre Lagerstätte von Rohstoffen in einem endlosen Kreislaufsystem – ein radikaler Paradigmenwechsel wäre nötig. Wir brauchen dringend neue Prinzipien für den Bau, die Demontage und die ständige Umgestaltung unserer gebauten Umwelt. Gleichzeitig müssen wir die Frage beantworten, wie neue Materialien hergestellt werden können, ohne noch mehr Ökosysteme zu zerstören. Wir müssen eine Verlagerung hin zum regenerativen Anbau, Zucht und Kultivierung von Ressourcen und Baumaterialien bewältigen, anstatt uns weiterhin auf endliche Vorkommen zu verlassen.

Barbara Holzer muss sich aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig entschuldigen.

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Karlsruher Institut für Technologie

Holzer Kobler Architekturen

FREITAG

Einladungskarte NOV 2019

Bildnachweise: Zooey Braun

Kleinode im Zwischenraum

Restflächen in Städten zwischen Architektur, Verkehr und Landschaftsplanung gelten als unspektakulär. Sie können zu Juwelen werden.

02.11.2019 von Franziska Quandt

In unserem Alltag bewegen wir uns durch die Stadt, ohne uns Gedanken über die vielteilige Planung des uns umgebenden Raums zu machen. Die vielen Disziplinen, die unsere Umgebung prägen wie Städtebau, Architektur, Verkehrsplanung und Landschaftsarchitektur nehmen wir als selbstverständlich hin. Oft bleiben zwischen diesen Stadtplanungselementen Teilflächen übrig, die nur wenige  Quadratmeter messen. Solche Restflächen liegen neben unserem Hauseingang, in Hinterhöfen oder an verkehrsreichen Strassen. Diese Flächen, und vor allem der Umgang mit ihnen, sind entscheidend dafür, ob eine Stadt als optisch ansprechend wahrgenommen wird.
Um den richtigen Umgang mit Restflächen bemüht sich die Stadt Rapperswil-Jona. Sie hat die qualitätvolle Entwicklung von kleinen Freiflächen in die städtebauliche Gesamtstrategie aufgenommen. Mit Blick auf die wachsende Bevölkerung der Stadt und die Frage, ob im Stadtgebiet ein genügend abwechslungsreiches Angebot an Freiräumen zur Verfügung steht, hat Rapperswil-Jona das  Landschaftsarchitekturbüro Hager Partner aus Zürich mit einer Studie beauftragt. Im «Grün- und Freiraumkonzept Rapperswil-Jona» wird der Bestand analysiert und werden Defizite und Potenziale definiert. Mit der Studie als Leitfaden konnte die Stadt Rapperswil-Jona eine konkrete Strategie entwickeln, um Aufenthaltsräume zu schaffen und diese gestalterisch und funktional aufzuwerten. Die Klein- und Restflächen der Stadt sind auch Teil dieses Konzepts.

Teppichmuster fasst grauen Falkenplatz optisch

Viele Orte sind in der Auseinandersetzung von Hager Partner mit den Freiräumen der Stadt Rapperswil-Jona konkret herausgearbeitet worden. Andere wiederum haben sich zum Beispiel durch die Implementierung des Grün- und Freiraumkonzepts in den Masterplan Siedlung und Landschaft der Stadt ergeben. So zum Beispiel der Platz am Einkaufszentrum AlbuVille, der durch einen Impuls der Eigentümerschaft im Zuge der Überarbeitung der Strassengestaltung der St.Galler-Strasse/Neue Jonastrasse entstanden ist. Die  Entwicklung der Neuen Jonastrasse zu einer attraktiven Zentrumsachse zwischen Jona und Rapperswil war eines der Ziele des Masterplans.
Der Platz, der offiziell Falkenplatz heisst, wird auf beiden Seiten von je einem Gebäude flankiert, gemeinsam bilden sie das  Einkaufszentrum. Das hintere Ende des Platzes wird von einer Passage abgeschlossen, die die beiden Bauten miteinander verbindet. Mit der Gestaltung des Falkenplatzes wurden die Landschaftsarchitekten von Atelier tp aus Rapperswil-Jona beauftragt. Sie fassten den Platz optisch, indem sie auf dem Boden einen «Teppich» ausbreiteten. Das gleichmässige Muster aus weissen, blauen und gelben Sternen definiert den Raum horizontal. Um den Platz in der Vertikalen einzugrenzen, haben die Landschaftsarchitekten jeweils an den Säulen der angrenzenden Gebäude Pflanztröge mit Rankpflanzen platziert. Mit diesen wenigen Eingriffen konnte Atelier tp den Platz  von einer undefinierten grauen Fläche zu einem gefassten Raum innerhalb der Stadtstruktur umformen.
Auch private Räume stellen innerhalb des Freiraumkonzepts mögliche Interventionsflächen dar. So ist der neue Pocketpark am Berufs-  und Weiterbildungszentrum (BWZ) Rapperswil-Jona ein gutes Beispiel, um Stadtzonen mit verschiedenen Atmosphären miteinander zu verbinden. Er bildet den Übergang zwischen einer Hauptverkehrsachse, der Zürcherstrasse und der Seepromenade. Auch für den Pocketpark BWZ zeichnete das Atelier tp verantwortlich. Er setzt sich aus mehreren Bereichen zusammen: ein befestigter Pausenplatz mit Parkplätzen, ein eigentlicher Parkteil und eine Velostellfläche, die der Turnhalle zugeordnet ist. Der Pausenplatz ist eine asphaltierte fast quadratische Fläche, die einen temporären Schulbau umgibt, der an den Altbau des BWZ anschliesst. Diese Zone wird nach Westen mit von Stahlbändern eingefassten Stauden- und Gräserbeeten abgeschlossen.

«Himmelssöhne» bieten Sichtschutz

Die Grünzone ist wiederum in zwei Bereiche unterteilt: Zum einen die südliche Zone entlang der Haldenstrasse, die mit Kies gedeckt ist, und auf der drei grosse Sitzsteine zum Verweilen einladen. Zudem die nördlich liegende Rasenfläche, die von einer grossen Kiefer dominiert wird. Weitere Bäume «Heptacodium miconioides» oder «Sieben-Söhne-des-Himmels» stehen auf beiden Flächen verteilt.  Diese halbhohen, eher buschartigen Gehölze verleihen dem Platz eine gewisse Intimität durch den Sichtschutz, den sie gewähren.
Die behutsame Erweiterung der Freizeitangebote am Seeufer ist ein weiterer Aspekt in der Entwicklung der Stadt Rapperswil-Jona und auch Teil des Konzepts von Hager Partner. Die Stadt hat dafür zum Beispiel eine Fläche im Ortsteil Kempraten ausgewiesen. Bereits seit 1998 gab es hier erste Bestrebungen, am mehrheitlich privaten Seeufer einen Zugang für die Bevölkerung zu schaffen.
Der neu geschaffene Seezugang Gubel ist ein verstecktes Kleinod, das von Fischer Landschaftsarchitekten gestaltet wurde. Entlang der  für Fussgänger und Radfahrer eher unattraktiven Zürcherstrasse liegt es hinter einem schweren schwarzen Metalltor. Durchschreitet man dieses, führt ein schmaler gezackter Weg hinab zu einem Kiesplatz mit Sitzgelegenheiten und zum Wasser, das hier mit einem  dichten Schilfgürtel zugewachsen ist. Rechter Hand des Wegs und des Sitzplatzes fliesst ein schmaler Bach in einem renaturierten Flussbett in den Zürichsee. Inmitten der Villen kann man sich hier auf den See und die in der Ferne liegenden Berge besinnen.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Hauptversammlung

2019

Fr 25. Oktober 2019, 18.30 Uhr im Forum

1. Begrüssung
2. Protokoll der HV 2018
3. Jahresbericht
4. Jahresrechnung
5. Revisorenbericht
6. Budget und Mitgliederbeiträge 2019
7. Wahl Revisoren
8. Allgemeine Umfrage
9. Aussichten

Das Forum wird bekanntlich seit 2014 nicht mehr durch einen Präsidenten sondern durch einen «Leitenden Ausschuss» geführt. Der leitende Ausschuss ist bereits ein erprobtes Team, welches sehr gut Hand in Hand arbeitet mit dem Vorteil, dass die Lasten so auf mehreren Schultern verteilt werden können. Nun sollen die Statuten gemäss diesem System angepasst werden.
Die neuen Statuten inkl. der Änderungen sind hier ersichtlich.
An der HV wird über die Änderung der Statuten abgestimmt.

Willkommen in der AFO-Küche
Im Anschluss an die Hauptversammlung sind alle Mitglieder und ihre Begleitung herzlich zum gemeinsamen Essen und gemütlichen Beisammensein eingeladen.

Anmeldung
Wir bitten um eine kurze E-Mail bis Di 22.Oktober 2019 an info@nulla-f-o.ch, damit wir wissen, wie viele Gäste wir im Anschluss an den offiziellen Teil zum Essen begrüssen dürfen.

Wir begrüssen Forster Stahlküchen – Forster Swiss Home AG als neuen Hauptsponsor. Wir freuen uns auf eine spannende Zusammenarbeit!

Einladungskarte HV 2019

BSA@AFO – Téchne: Backstein

Jonathan Sergison, Sergison Bates Architects, London-Zürich / Marco Merz, Clauss Merz Architekten, Basel

Mo 21. Oktober 2019, 18 Uhr Aula Schulhaus St. Leonhard, St. Gallen

Der Architekt als Oberbaumeister (architekton) war einer der ersten am Bau, der das Werk durch andere hat erstellen lassen. Dadurch hat er sich zwar viel Freiraum erschaffen, aber bisweilen auch den Bezug zum bauenden Tun verloren. Die Sehnsucht nach dem Bezug zum Handwerk ist in der Architektur deshalb ein immer wiederkehrender Topos. Die diesjährige Spurensuche des BSA Ostschweiz gilt dem „Stand der Technik“. Der BSA Ostschweiz möchte wissen, wo die Téchne unserer Zeit am prägnantesten lesbar ist. Wo sie uns inspiriert, bedroht, weiterbringt!

Jonathan Sergison, Architekt, London-Zürich: «Brickwork»
Marco Merz, Architekt, Basel: «Rhetorik oder Tektonik»

BSA Bund Schweizer Architekten

Einladungskarte SEPT OKT 2019

Bildnachweis: Sergison Bates Architects, Clauss Merz Architekten

Die anderen Denkmäler

Nachkriegsarchitektur hat einen schlechten Ruf – herausragende Bauten verdanken ihre Rettung oft Privaten: zwei Erfolgsgeschichten.

09.10.2019 von Deborah Fehlmann

Ein in jeder Hinsicht neuzeitliches Haus, mit modernsten Materialien und Techniken gebaut – das verlangte Hans Stoffel vom Architekten Otto Glaus, als er ihn vor bald 70 Jahren mit dem Bau einer Villa in Heerbrugg betraute. Die Faszination für technische Neuheiten lag nahe. Er arbeitete für den Ziegel und Zementhersteller Max Schmidheiny. Der knapp vierzigjährige Glaus, den man von skulpturalen Betonbauten wie dem Konvikt der Churer Kantonsschule kennt, nahm sich der Aufgabe enthusiastisch an. Er entwarf einen eingeschossigen Bau aus Backstein und Eternit unter zwei  Pultdächern. Zur Quartierstrasse im Norden hin liegen Kinder- und Gästezimmer. Die fliessenden Wohnräume und das Elternzimmer gegen Süden sind grosszügig verglast. Sie überblicken den üppig bewachsenen Garten.
Die Weitläufigkeit des 1,3 Hektaren grossen Grundstücks kann man nur noch erahnen. Auf dem grössten Teil entstand jüngst eine  Mehrfamilienhaussiedlung. Auch die Villa sollte einem Neubau weichen. Wie mancher Bau aus der Nachkriegszeit war sie nicht im Inventar  schützenswerter Bauten eingetragen. Ihre Rettung verdankt sie Einsprachen von Anwohnern und der Denkmalpflege. Sie erwirkten 2009 einen Kompromiss: Einen Grossteil des Parks durfte der Eigentümer überbauen, die Villa wurde im Gegenzug zum kantonalen Schutzobjekt erklärt. Nur standen Eigentümer und Denkmalpflege nun vor einem weiteren Problem. Niemand wollte das seit 2005 unbewohnte Haus kaufen.
«Als wir das Haus besichtigten, war es komplett eingewachsen und sanierungsbedürftig. Dennoch waren wir hingerissen», erinnert sich Vera  Purtscher. Die Architektin und ihr Mann fanden die Villa 2015 auf der Roten Liste des Schweizer Heimatschutzes – einer Plattform, die auf bedrohte Denkmäler aufmerksam macht. Nach dem Kauf restaurierten sie das Haus denkmalpflegerisch. Purtscher versteht, dass Laien vor solchen Objekten zurückschrecken: «Das Haus ist eine Energieschleuder. Die feingliedrige Gebäudehülle zu isolieren, hätte den architektonischen Ausdruck aber  zerstört.» Die originalen Fensterrahmen hat sie erhalten und nur neu verglasen lassen. Auch der Innenausbau unterlag strengen Vorgaben. Nicht nur die Böden aus massgefertigten Terrakottaplatten und die hölzernen Wandbeläge blieben bestehen, sondern auch das Farbkonzept. Es basiert auf der Farbskala von Glaus’ ehemaligem Arbeitgeber Le Corbusier. Auf dessen Proportionenlehre Modulor baut die Geometrie der ganzen Villa auf.
Dass sie das Haus nicht frei umgestalten darf, stört Purtscher nicht – im Gegenteil. Begeistert rauscht sie durch die Räume, zieht Faltwände aus  Nischen, betätigt Sonnenstoren und öffnet Wandschränke, um auf clevere Schreinerdetails hinzuweisen. Sie verraten Glaus’ Vergangenheit als  Handwerker und Innenarchitekt. «Alles ist durchdacht und von unglaublicher Qualität. Das findet man heute kaum noch», sagt sie zu Recht. Wie  Glaus die Villa bis ins kleinste Detail durchkomponierte, ist virtuos. Bemerkenswert ist auch, dass sie seit ihrer Fertigstellung 1955 kaum verändert  worden war. So erstrahlt sie als Zeuge der Wirtschaftswunderzeit heute wieder in ihrem früheren Glanz.

Ein freundlicher Bunker

In Wildhaus, eine halbe Fahrstunde entfernt, liegt ein Haus wie ein Findling im Steilhang. Die schweren Mauern aus grob geschaltem Sichtbeton besitzen nur einzelne Fensteröffnungen. Das Werk von Glaus’ Zeitgenossen Rudolf Olgiati könnte sich optisch kaum stärker von dessen luftiger Villa unterscheiden. Was die beiden Häuser aber verbindet, ist ihre Geschichte. Olgiati baute das Ferienhaus 1969 für den Zürcher Anwalt Richard  Allemann. Der Architekt hatte, vorrangig in seiner Bündner Heimat, bereits Dutzende Projekte realisiert, und Allemann liess ihm freie Hand. Seine unverkennbare Formensprache – ihn beeinflusste traditionelle Bündner Architektur genauso wie Le Corbusier und die griechische Antike – prägt auch seinen einzigen Bau im Kanton St. Gallen.
Bei der Wehrhaftigkeit des Äusseren überrascht die gemütliche Innenwelt: Ein Dacheinschnitt unterteilt das Eingangsgeschoss in Koch- und  Essplatz, Wohnbereich und Arbeitsecke. Eine geschwungene Treppe führt in die Schlafzimmer darunter. Ihre Brüstung verbindet sich mit dem  offenen Kamin und der Sitzbank daneben zu einer organischen Skulptur. Wände, Decken und Einbauten sind weiss, die Fensterrahmen und eine Bücherwand aus Sichtholz. Der Boden ist mit dunkelgrauem Teppich bespannt.
Seinen einstigen Charakter hat der Bau erst in den letzten Jahren zurückerhalten. Die jetzigen Besitzer entdeckten ihn 2007 zufällig auf Homegate.  Olgiatis Entwürfe kannte das Architektenpaar aus dem Studium. «Das Haus hatte von Beginn an konstruktive Mängel. Der Beton sog sich an vielen Stellen mit Wasser voll. Als wir es kauften, war die Fassade deshalb teilweise mit Eternit verkleidet. Im Dachbereich waren Bleche und zusätzliche Abwasserrohre montiert», erklärt Andri Gerber. Das Paar beschloss, das Haus zu sanieren und unter Schutz zu stellen. Dabei unterstützten sie die Denkmalpflege und der architekturbegeisterte Gemeindepräsident. Wie Vera Purtscher empfinden sie den Denkmalschutz nicht als Einschränkung: «Wir wollten dem Haus ohnehin seine ursprüngliche Gestalt zurückgeben.» Für die Sanierung kantonaler Schutzobjekte richtet die Denkmalpflege Subventionen aus. So konnten die Gerbers bis 2017 die Fassaden und das Dach instand stellen. Heute verbringen sie fast jedes Wochenende in Wildhaus und laden gerne Gäste ein. «Viele finden, das Haus sehe aus wie ein Bunker», erzählt Gerber, «doch sobald sie hereinkommen, sind alle begeistert.»
Ob Bunker oder Energieschleuder: Die Architektur der Fünfziger- und Sechzigerjahre hat bis heute einen schweren Stand. In vielen  Gemeindeinventaren fehlen solche Bauten gänzlich; unter Denkmalschutz steht kaum ein Bau. Sie pauschal zum Abbruch freizugeben, ist jedoch ein Fehler. Wer hinschaut, findet unter ihnen architektonische und kulturelle Schätze – wie die Villa Stoffel oder das Haus Allemann.

 

Bilder: Hanspeter Schiess, Faruk Pinjo

Auf Zeit – Konserviert

Daniel Niggli, EM2N Architekten, Zürich / Julia Lütolf, Konservatorin, Werkstoffarchiv, St. Gallen / Cornel Dora, Stiftsbibliothekar, St. Gallen / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 30. September 2019, 19.30 Uhr im Forum

André Corboz führt mit dem aus der Welt der Schrift entstammenden Wort des Palimpsests einen konzeptionellen Begriff ein, der das Territorium (und die Stadt oder das Haus) mit einem im Laufe der Zeit mehrfach überschriebenen Manuskript vergleicht. Die Stadt wird dabei zu einem Ort des kollektiven Gedächtnisses, wo sich Ereignisse und Artefakte in Schichten übereinanderlagern. Es existiert ein  permanenter Zustand der Gleichzeitigkeit von Vergangenheit und Gegenwart. Wahrscheinlich scheiterten Teile der Moderne nicht zuletzt an ihrer Unfähigkeit, diese Synchronizität zuzulassen. Das moderne Konzept der Tabula rasa führt lediglich zu einem Nacheinander, einem «Entweder-oder». Dem Wesen des Palimpsests und der Stadt dagegen liegt eine inkrementelle Logik zugrunde: ein Neben- und  Übereinander oder «Sowohl-als-auch». Die Überformung und Umnutzung bestehender Bausubstanz ist so alt wie das Bauen selber. Mit jedem neuen Bauwerk wird quasi bereits der Grundstein seiner potenziellen späteren Transformation gelegt. Neben der kulturellen Bedeutung von Häusern als Zeugen und Identitätsträger ihrer Zeit stellt ihre Bausubstanz jedoch auch einen ökologischen und  ökonomischen Wert an sich dar. Die Auseinandersetzung mit bestehender Bausubstanz geht also weit über denkmalpflegerische Fragen hinaus und berührt vielfältige Fragen des nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen.
Einige der bemerkenswertesten Bauten in der Geschichte der Architektur sind Umbauprojekte. Der Reiz dieser Entwürfe besteht in der gleichzeitigen Präsenz unterschiedlicher Zeitschichten, seien diese nun komplett verschliffen oder dialektisch ausdifferenziert. In jedem Fall stellt sich das Bestehende dem Neuen als Widerstand entgegen, der zu einer produktiven Auseinandersetzung zwingt. Oft ermöglicht erst dieser Widerstand unorthodoxe, unkonventionelle und radikale räumliche Konzepte. Im besten Fall können wir erfolgreiche Umbauten sogar als neue Typologien, also Prototypologien begreifen, die uns als
Denkmodelle für Neubauten dienen können.

EM2N

Werkstoffarchiv

Stiftsbibliothek St. Gallen

Einladungskarte SEPT OKT 2019

Bildnachweise: Atelier Kanal / Roger Frei

Hochparterre Städtebaustammtisch – Die Chancen des Stillstands

Anna Jessen, Architektin und Architekturprofessorin, St. Gallen / Florian Kessler, Stadtplaner, St. Gallen / Klauspeter Nüesch, Entwickler, St. Gallen / Stadtsoziologin Joëlle Zimmerli, Zürich

Mo 16. September 2019, 19.30 Uhr im Forum

Die Einwohnerzahl St. Gallens stagniert. Die Stadt wächst nicht. Ist das ein Problem? Für die einen ja, für die anderen nein. Dank Stillstand sind mehrere Areale an bester Lage bisher frei gebliebenen – auch entlang der im Talboden verlaufenden Bahngleise. Im Gegensatz zu anderen Städten hat sich die SBB hier als Grundeigentümerin verabschiedet und ihre Flächen der Stadt und dem Kanton St.Gallen verkauft.
Von Ost nach West handelt es sich um die Rangiergleise des Vorortsbahnhofs St.Gallen-St.Fiden, um das Areal «Bahnhof Nord» zwischen Fachhochschule und Lokremise und um den zwischengenutzten Güterbahnhof auf dem ein zusätzlicher Autobahnanschluss gebaut werden soll.  Am raschesten baureif ist die nahe am Gleis liegende Ruckhalde und schliesslich gibt es Brachen an der Oberstrasse – alles Gebiete im oder neben dem St.Galler «Bahngraben» und damit bestes erschliessbar. Für zwei Areale, für St.Fiden und Bahnhof Nord, existieren bereits Testplanungen. Sie zeigen hohes Nutzungspotenzial und ähneln darin den heute gängigen Grossüberbauungen. Für St.Fiden fordern Wirtschaftsvertreter sogar eine Überdeckung der Gleise.
Doch finden solche «Grand Projets» in einer stagnierenden Stadt überhaupt Investoren? Braucht St.Gallen diesen heute gängigen Städtebau? Wären die bisher frei gebliebenen Areale nicht eine Chance, die Stadt von öffentlichen Nutzungen her anders zu planen und zu entwickeln? Statt Stadtplätze als Restflächen zu gestalten, könnte hier von den Freiräumen her gedacht werden. Fänden nicht Quartierpärke oder Bauten mit öffentlichen Nutzungen leichter ihr Publikum als gängige Wohn- und Gewerbeneubaten? Deshalb die Frage: Welche Chancen bietet der Stillstand?

Eintritt
5.- Mitglied AFO
15.- (5.- mit Legi) für Abonnenten von Hochparterre oder hochparterre.wettbewerbe
25.- (15.- mit Legi) für Nicht-Abonnenten

Anmeldung bis 9. September 2019 hier

In Zusammenarbeit mit Hochparterre

Mit freundlicher Unterstützung von Emch Aufzüge

 

Museumsnacht

Städtische Ausstellung, Herbert Weber

Sa 7. September 2018, 18–0 Uhr im Forum

Herbert Weber seziert die Fotografie: Was kann Fotografie? Was macht sie mit dem Bild? Was passiert mit der Wirklichkeit? Der Künstler setzt die Bildfläche einer Bühne gleich und konstruiert darin Konstellationen von Dingen. Oft tritt er selbst in seinen Bildräumen auf. Auch in seinen aktuellsten Arbeiten ist er anwesend: Sie alle sind auf Herbert Webers Augenhöhe über dem Meeresspiegel bezogen. Der Künstler erforscht den Übergang von Land zu Meer und das Verschwinden der Grenzen. In der Ausstellung projiziert er Aussichten auf verschiedene Meere rund um Europa. Die Wände des Ausstellungsraumes werden zu Fenstern und gewähren den «freien Blick aufs Mittelmeer», der in den 1980er Jahren in Zürich ein geflügeltes Wort wurde und 1998 sogar Thema einer Ausstellung im Kunstmuseum Zürich war. Aber die Sehnsucht nach der See hat ihre düsteren Seiten. Herbert Webers Projektionen simulieren auch das Drama der grossen Überschwemmung. Hier hilft die Poesie nicht weiter. Die Horizontlinien verändern sich, die Realität übersteigt den Meeresspiegel, das Überleben ist wichtiger als die Schönheit. Doch das Architektur Forum Ostschweiz wird zur Arche in der Flut. Hier behalten Sie trockene Füsse.

ab 18 Uhr Barbetrieb

19 Uhr und 20 Uhr
Rumänische Lieder und Improvisationen
mit Irina Ungureanu (Gesang/Geige)

Ticket 20.– für Eintritt in alle beteiligten Museen sowie freie Fahrt mit dem Rundkurs, dem Shuttlebus (Stocken) und in der Ostwind Zone 210 inkl. Nachtzuschlag
www.museumsnachtsg.ch

Ausstellung: Fr 30. August bis So 22. September 2019
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr
Vernissage Do 29. August um 18.30 Uhr. Einführung Kristin Schmidt

Herbert Weber

Irina Ungureanu

Auf Zeit – Krisenzeiten

Daniel Kerber, Architekt, MORE THAN SHELTERS, Hamburg / Philipp Blom, Schriftsteller und Journalist, Wien / Nik Weidler, Architekt, ad-hab+, Urbach / Moderation Susanne Brauer, Philosophin, Zürich

Mo 2. September 2019, 19.30 Uhr im Forum

MORE THAN SHELTERS (MTS) ist ein Sozialunternehmen mit Standorten in Berlin, Hamburg und Amman (Jordanien). Seit 2012 bringt es Methoden, Werkzeuge und Haltungen aus Architektur, Stadtplanung und Design in  Flüchtlingslagern, auf Transitrouten und  Ankommensorten von Geflüchteten zum Einsatz. Dabei steht die menschenwürdige Unterbringung von Geflüchteten im Fokus.

Das Team von MTS hat sich vor allem auf partizipative und ermächtigende Ko-Kreation in Krisengebieten spezialisiert, wie z. B.:
• Für ein Flüchtlingslager in Jordanien wurde die weltweit erste permanente Innovationsagentur mit dem UNHCR Camp Management
von 2013 bis 2016 betrieben, um aus dem Flüchtlingslager eine lebendige «Ankommensstadt» zu bauen.
• Für die Senatskanzlei von Berlin wurde 2016 eine integrierte Rahmenplanung für ein Ankunftszentrum im ehemaligen Flughafen Tempelhof entwickelt.
• Zusammen mit dem Bezirksamt Charlottenburg und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen erarbeitet MTS einen Ansatz für die bessere sozialräumliche Integration von Geflüchteten in einem Bezirk von Berlin.
Daniel Kerber, der Gründer und Geschäftsführer von MTS, stellt Fallbeispiele seiner Arbeit vor und berichtet von seinen Erfahrungen, wie kreative Disziplinen für die humanitäre Arbeit wirksam werden können.

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

MORE THAN SHELTERS

Jean-Daniel Strub ist leider verhindert, die Moderation der Diskussion übernimmt Susanne Brauer

Philipp Blom

Creative Rise – ad hab+ by Nik Weidler

Einladungskarte SEPT 2019

Bildnachweis: Daniel Kerber

Lob der Raumplanung

Die Materie ist trocken und kompliziert. Doch der Einsatz für eine hochwertige Planung von Dörfern, Quartieren und Städten lohnt sich.

31.08.2019 von Marcel Bächtiger

Niemand weiss mit Sicherheit, welche demografischen, wirtschaftlichen oder ökologischen Veränderungen uns bevorstehen. Niemand weiss, wie die Ostschweiz in dreissig oder fünfzig Jahren aussehen  wird. Trotzdem existiert vernünftigerweise die «Raumplanung», die gleichzeitig ein Fachgebiet und ein stetiges Politikum ist. Ihr Zweck ist die Planung des Raums – doch was sich einfach anhört, entpuppt sich in der Realität des helvetischen Politikbetriebs als komplizierte Angelegenheit. Zwischen dem Raumplanungsgesetz auf Bundesebene, den kantonalen Richtplänen und den kommunalen Nutzungs-, Zonen- und Gestaltungsplänen verliert der Laie schnell die Orientierung, zumal sie im Hin und Her zwischen den verschiedenen Akteuren immerfort angepasst werden müssen und sich deshalb in einer Art ewigen Revision befinden. Techno- und Bürokratie mögen hier ihre Hände mit im Spiel haben, doch weist die nie enden wollende Überarbeitung auch auf einen fundamentalen Wesenszug hin: Es geht bei der Raumplanung eben nicht nur um Raum, sondern auch um Zeit. Anders als bei ihrer Schwesterdisziplin, der Architektur, steht nicht das vollendete Werk im Zentrum des Interesses, sondern Prozesse, Entwicklungen, Szenarien – flexibel genug, um auf den Wandel der Zeitläufe zu reagieren, ohne dabei das grosse Ziel aus den Augen zu verlieren.
Dieses Phänomen bringt mit sich, dass Raumplanung – sei es im grossen Massstab einer ganzen Region oder im kleineren Massstab eines Ortes oder eines Quartiers – erst Jahre oder Jahrzehnte später überhaupt räumlich wirksam wird. Dass sie dies tut, lässt sich indes täglich und überall erfahren, im Guten wie im Schlechten: Weder das intakte Dorf noch die zersiedelte Agglomeration, weder die gewachsene Stadt noch das anonyme Villenquartier sind blosse historische Zufälle oder ökonomische Zwangsläufigkeiten. Hinter allem Gebauten und Nichtgebauten stehen Planungs- und Baugesetze, und  hinter allen Gesetzen ein politischer Wille.

Elm – Beispiel für ein schönes Dorf

Wenn zum Beispiel Elm im Glarnerland noch heute «natürlich schön» ist, wie dies das Tourismusbüro zurecht betont, dann ist dieses Schöne nicht einfach naturgegeben, sondern verdankt sich auch dem bekannten Architekten Jakob Zweifel, der sich ab Mitte der 1950er- Jahre mit grossem Engagement für die Orts- und Regionalplanung in seinem Heimatkanton eingesetzt hatte. Der Wakkerpreis des Jahres 1981 «als Anerkennung für planerische, bauliche und rechtliche Massnahmen zum Schutze und zur rücksichtsvollen Entwicklung des Dorfes» ging zurück auf die Ortsplanung, die Zweifel im Auftrag der Gemeinde gut 25 Jahre vorher in Angriff genommen hatte. Zweifel ging es dabei aber nicht nur um den Erhalt des historischen Bauerbes, sondern auch um die Eingliederung moderner Bauten in das bestehende Ortsbild. Die planerischen Entscheide in Elm waren pointiert: Man scheute sich nicht, eine Wiese mitten im Dorf unter ein dauerndes Bauverbot zu stellen, ermöglichte aber gleichzeitig die Errichtung eines modernen Gemeindehauses. Zweifels Vorgänger und Mentor, der Glarner Architekt Hans Leuzinger, hatte hierfür das Credo vorgegeben: «Das gute Alte pflegen, das gute Neue fördern.»
Im Versuch, Heimatschutz und Modernisierung unter einen Hut zu bringen, gibt sich die Elmer Ortsplanung als ein Kind der Hochkonjunktur in den Nachkriegsjahren zu erkennen. Indem sie die Gegensätze von Alt und Neu als Teile eines räumlichen Ganzen interpretiert, taugt sie als Vorbild für die Raumplanung von heute, die der anhaltende Bauboom vor vergleichbare Probleme stellt.

Für Nichtfachleute kaum mehr zu durchschauen

Allerdings ist der Mechanismus der Raumplanung in der Zwischenzeit so komplex geworden, dass er für Nichtfachleute kaum mehr zu durchschauen ist. Die öffentliche Diskussion beschränkt sich deshalb häufig auf ideologische Grabenkämpfe. Einfrierung der Bauzonen, Landschaftsschutz oder Verdichtung sind zwar sinnvolle Anliegen, bilden aber nur den quantitativen Teil des Problems ab. Für einen  sinnstiftenden, vielfältig erlebbaren und atmosphärisch reichhaltigen Lebensraum ist das Wie des Wachstums entscheidend – nicht nur in den zu verdichtenden urbanen Zentren, sondern gerade auch dort, wo Bauzonen existieren und wo über kurz oder lang auch gebaut werden wird: an den Rändern der Dörfer und kleinen Städte. Die kollektive, flächensparende, architektonisch ambitionierte Siedlung bleibt hier häufig planerisches Wunschbild, der Traum vom Eigenheim hingegen feiert fröhliche Urständ.
Doch auch das Einfamilienhausquartier muss nicht zwangsläufig mit einem Desinteresse an der Gestaltung des öffentlichen Raums einhergehen. Es braucht bloss den politischen Willen zu einer räumlich und sozial gedachten Planung. Zu beobachten ist dies beispielsweise im Quartier Breitfeld am südöstlichen Rand von Frauenfeld, wo sich die Stadt vor über zwanzig Jahren die Mühe gemacht hat, einen  Wettbewerb für den Gestaltungsplan der neuen Siedlungsfläche auszuschreiben. Den gesellschaftlichen Realitäten wurde dabei durchaus Rechnung getragen: Gebaut werden sollte, was der Markt begehrte  und der Stadtkasse gute Steuerzahler brachte. Dennoch lässt sich heute, wo die planerische Idee im Alltag angekommen ist, feststellen, was den feinen Unterschied ausmacht. Anders als beim  konventionellen Einfamilienquartier, wo quadratische Häuser in der Mitte quadratischer Parzellen sitzen, gruppiert der Quartierplan fürs Breitfeld die Häuser entlang der Strassen, erlaubt dort kleinere  Grenzabstände und spielt dafür grosszügige zusammenhängende Grünräume hinter den Bauten frei. Zusammen mit der raumbildenden Festlegung von Strassen und Gartenniveaus, dem Einsatz verschiedener Bodenbeläge und nicht zuletzt der grosszügigen Bepflanzung mit Bäumen gelingt dem prämierten Quartierplan von Staufer & Hasler Architekten (umgesetzt mit dem lokalen Ingenieur- und Planungsbüro bhateam) ein Wohnviertel mit eigenständigem Charakter und stabilen räumlichen Qualitäten. Es ist die Planung, die neben der Individualität des Einfamilienhauses das Ideal baulichen Gemeinsinns erlebbar macht: den Wert des geteilten Raums von Strassen, Gassen und Plätzen.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Sommer Camp Architektur

Vernissage Rapperswil-Jona

Wir möchten Sie herzlich am Freitag, 9. August 2019 ab 15.30 Uhr zur Vernissage einladen, an denen die Ergebnisse des Sommer Camp Architektur präsentiert werden.

Infocenter Tourismus, Obergeschoss, Fischmarktplatz 1, Rapperswil-Jona

15.30 – 16 Uhr Präsentation in Gruppen
16 Uhr Schlusswort Thomas Furrer, Stadtrat Rapperswil-Jona
im Anschluss Apéro und Vernissage

 

In Zusammenarbeit mit

 

Weitere Unterstützungen

   

Anmeldekarte Sommer Camp Architektur 2019

Sommer Camp Architektur

Rapperswil-Jona

Das Sommer Camp Architektur findet im Moment in Rapperswil-Jona statt.

Wir experimentieren mit Formen, Materialien und Farben, wir bauen Modelle und untersuchen, wie Licht und Raum eine Stimmung erzeugen. Wir gehen auf Safari in der Stadt und treffen Architektinnen und Fachplaner.

 

In Zusammenarbeit mit

 

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Anmeldekarte Sommer Camp Architektur 2019

Städtische Ausstellung im Forum

Rachel Lumsden

Ausstellung: Fr 22. November bis So 15. Dezember 2019
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Donnerstag, 21. November 2019, 18.30 Uhr
Einführung: Kristin Schmidt

Rachel Lumsden

Städtische Ausstellung im Forum

Herbert Weber: Ende der Poesie

Ausstellung: Fr 30. August bis So 22. September 2019
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Donnerstag, 29. August 2019, 18.30 Uhr
Einführung: Kristin Schmidt

Öffnung im doppelten Sinn

Die Erweiterung und Erneuerung des Ekkharthofs ist ein bestes Beispiel für eine Architektur, die Neues aus Bekanntem schöpft.

27.07.2019 von Christoph Wieser

Der Ekkharthof, auf dem Seerücken südöstlich von Kreuzlingen gelegen, ist eine Institution in der Ostschweiz. Hier leben und arbeiten seit 1974  Menschen mit Betreuungsbedarf nach  anthroposophischen Grundsätzen. Neben dem Sonderschulheim für Kinder und Jugendliche gibt es ein  Wohnheim für Erwachsene sowie Werkstätten und Betriebe, wo verschiedene Produkte hergestellt werden. Trotz Märkten, dem traditionellen Herbstfest und  weiteren Anlässen, machte der Hof bislang eher einen introvertierten Eindruck. Die Absonderung war gewollt. Sie entsprach der damaligen Überzeugung, äussert sich im entlegenen Standort und im üppigen Baumbestand, hinter dem die Gebäude beinahe verschwinden.
Heute ist die Sicht eine andere. Wichtiges Anliegen für die Erweiterung und Erneuerung war eine sichtbare  Öffnung des Betriebes nach aussen. Das Büro Lukas Imhof Architektur gewann 2014 den Wettbewerb unter  anderem deshalb, weil sie Ordnung im Grossen schaffen und dabei die bestehende Struktur stärken.

Ein Platz zum Ankommen

Zentrales Element ist ein neu geschaffener Platz, mit dem der Ankunftsbereich entscheidend aufgewertet wird: Hier kommt man künftig mit dem Bus oder Auto an, finden grössere Anlässe statt, gelangt man zum neuen Eingang mit Café und Shop im Haupthaus, zum Anfang Jahr eröffneten Gemeinschaftshaus und Gastrogebäude sowie ins Innere des Areals, dessen Bauten wagenburgartig um eine Wiese gruppiert sind. Geschickt nutzen die Architekten das abfallende Gelände zur Inszenierung des Platzes als räumlich gefasste Terrasse. Hangseits steht der Neubau, die seitliche Rahmung bilden die beiden markantesten Bestandesbauten: das rote «Hügelhaus» und das expressive Heizungshaus in Sichtbeton.
Rex Raab realisierte den Ekkharthof in drei Etappen. Architektonisch orientierte er sich an dem, was seit dem zweiten Goetheanum in Dornach (1928), an dessen späterem Ausbau er beteiligt war, als anthroposophischer Stil bekannt war. Wie baut man ein solches Ensemble weiter, das auffällige Dachformen, teils abgeschrägte Fenster, amorphe Geometrien und unterschiedliche Farbtöne aufweist?
Lukas Imhof wählte zwei unterschiedliche Ansätze: Beim Umbau des Haupthauses und dem Anbau sowie der Aufstockung der Schule wird die Formen- und Materialsprache weitergeführt, so dass nach Vollendung im Spätherbst eine organische Einheit entstehen wird. Der Neubau hingegen setzt sich bewusst vom Bestand ab. Gleichwohl entsteht eine spürbare Nähe.

Orientierung an der Mitte

Grund dafür ist der Entwurfsansatz. Mit Zurückhaltung, Bescheidenheit und Einfühlungsvermögen, unter Berücksichtigung eines hohen Qualitätsanspruches, werden architektonische Themen des Ortes und der Tradition weiterentwickelt. Lukas Imhof verwendet dafür den Begriff «Midcomfort». Das Buch zum Wohnkomfort und der Architektur der Mitte erarbeitete er an der Professur von Miroslav Šik, dem Begründer der Analogen Architektur, an der ETH Zürich. Dieses Gedankengut prägt seine Auffassung vom Planen und Bauen im Dienst der Gemeinschaft. «Architektur muss nicht nur die funktionalen Anforderungen des täglichen Lebens, sondern auch die emotionalen Bedürfnisse möglichst vieler Menschen erfüllen», schreibt Imhof. Diese Haltung passt bestens zum gesamtheitlichen Lebens- und Therapieansatz, der am Ekkharthof gepflegt wird. Die Berücksichtigung aller Sinne zeichnet generell hochstehende Architektur aus, ist aber ein anspruchsvolles Unterfangen.
Mit ausgreifenden Stützmauern wird der Neubau des Gemeinschaftshauses und Gastrogebäudes im Terrain verankert. Ähnlich geformte Mauern finden sich beim Hügelhaus und neu beim Eingang zur Schule. Wie beim gesamten Sockelgeschoss ist der Recyclingbeton gestockt, so dass die Zusammensetzung mit Ziegelschrot schön zur Geltung kommt. Auf dieser Ebene befindet sich die Küche. Sie ist grösser als üblich, damit Platz für die Betreuung der Mitarbeitenden bleibt.
An der Stirnseite führt eine Aussentreppe zur gedeckten Terrasse hoch. Sie umfasst die gesamte Länge des Gebäudes und orientiert sich primär zur Wiese. Damit, und mit der Stellung des Volumens, wird der Hof gestärkt. Die räumliche Absicht ist auch der Grund für den asymmetrischen Gebäudeschnitt, der im Widerspruch zur regelmässigen Grundrissstruktur steht: Wie bei einer Scheune ist der Innenraum symmetrisch aufgebaut, und das Vordach seitlich so weit heruntergezogen, wie es notwendig ist. Auf dem steinernen Sockel steht eine Konstruktion in Eschenholz, ausgefacht mit Glas. Sie wirkt robust und schwer. In ihrer kraftvollen Präsenz erinnert sie gar an die Betonstruktur des Ausstellungssaals im Musée national des Travaux publics von August Perret in Paris (1939). Die starke Wirkung hat mit den Proportionen zu tun, aber auch mit ihrer  Ausbildung als selbstaussteifendes Rahmentragwerk: Zur optimalen Kraftübertragung sind die Knoten leicht konisch ausgebildet. Die gestalterische Umsetzung des statischen Prinzips stellt auf elegante Art eine Nähe zur anthroposophischen Formenwelt her, weisen die Fenster doch zwangsläufig abgeschrägte Ecken auf.
Dank der wuchtigen Dimensionen ist die Holzstruktur raumbildend. Zudem wirkt der Innenraum wegen der Symmetrie erstaunlich gefasst, obwohl das Gebäude komplett verglast ist. Auch die Möblierung in Eschenholz trägt zur Harmonie bei. Der Entwurf für Tisch und Stuhl stammt ebenfalls aus dem Büro des Architekten. Die Fertigung erfolgte in der hauseigenen Schreinerei – ein weiterer Aspekt gesamtheitlicher Denkweise.
Die grossformatigen Fenster des Saalgeschosses lenken den Blick auf die Felder und den See. Dank der Vordächer, die als Sonnenschutz fungieren, konnte besonders  durchsichtiges Glas verwendet werden. Mit der konstruktiven und ortsbaulichen Öffnung des Ekkharthofs geht eine Öffnung im übertragenen Sinn einher: Sie steht für ein integratives Menschenbild, das Zukunft hat.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Sommer Camp Architektur

Vernissage St. Gallen und Frauenfeld

Die zweite Durchführung des Sommer Camp Architektur hat begonnen, diese Woche findet die Durchführung in St. Gallen und Frauenfeld statt. Aktuell wird viel gearbeitet, recherchiert und diskutiert.

Wir möchten Sie herzlich Freitag 12. Juli 2019 zu den Vernissagen einladen, an denen die Ergebnisse des Sommer Camp Architektur an den verschiedenen Standorten präsentiert werden.

St. Gallen 16 Uhr
Architektur Forum Ostschweiz, Davidstrasse 40, 2. Stock, St. Gallen
Stellvertretende Stadtbaumeisterin Katrin Eberhard wird die Ausstellung eröffnen

Frauenfeld 15 Uhr
Verwaltungsgebäude, Parterre, Promenadenstrasse 8, Frauenfeld
Regierungsrätin Carmen Haag wird die Ausstellung um 15.15 eröffnen

 

Mehr Informationen zum Projekt unter Sommer Camp Architektur

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Sommer Camp Architektur

Durchführung St. Gallen und Frauenfeld

Nach langer Zeit der Vorbereitung und Organisation freuen wir uns, dass es endlich soweit ist: die Kinder sind da und das Programm ist gestartet.

Das Sommer Camp Architektur findet im Moment statt in St. Gallen und in Frauenfeld

Mehr Informationen zum Projekt unter Sommer Camp Architektur

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Weitere Unterstützungen:

Sommer Camp Architektur

Es geht los!

Die zwei Sommer Camp Orte Frauenfeld und St.Gallen sind eingerichtet, das Material verteilt und die letzten Vorbereitungen laufen. Es kann losgehen!

Vom langsamen Werden eines Ortes

Die neue Mensa und Mediothek am Münzweg setzt den Schlussstein der Gesamterneuerung der Bündner Kantonsschule in Chur. Zur Aufwertung des Campus tragen aber nicht nur die Bauten, sondern wesentlich auch die Gestaltung des Aussenraums bei.

22.06.2019 von Marcel Bächtiger

Als die Sanierung des ehemaligen Lehrerseminars in Chur 2012 vollendet war, gab es  Anerkennung von allen Seiten. Grosse Wertschätzung erfuhr nicht nur die sensible  Herangehensweise des Architekten Pablo Horváth, dem es gelungen war, das 50-jährige Sichtbeton-Bauwerk wärmetechnisch zu sanieren, ohne dabei Ausdruck und Charakter zu opfern. Auch dem spröden Bauwerk selbst, 1965 nach Plänen von Andres Liesch im Stil des helvetischen Brutalismus errichtet, schlug plötzlich viel Liebe entgegen: Von einem «einzigartigen Beispiel Bündner Nachkriegsmoderne» und einem «meisterhaft komponierten Baukörper» war die Rede.
Wachen Blickes registrierte der Architekturinteressierte nun filigrane Betonstützen, rhythmisierte Fensterbänder und sorgfältig gestaltete Sichtbetonflächen – Qualitäten, die dank Horváths «interpretierender Originalsanierung » durchgängig erhalten blieben. Nötig gemacht hatten die Sanierung dabei nicht nur das schiere Alter des Bauwerks, sondern auch fällige Anpassungen in der inneren Organisation: Statt des Lehrerseminars beherbergte der kleine Betoncampus seit 2005 einen Teil der Bündner  Kantonsschule. Die aus allen Nähten platzende Bildungsinstitution hatte hier die musischen und gestalterischen Fächer untergebracht.
Die neu erwachte Zuneigung zum Zeitzeugen aus den Sechzigerjahren konnte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass dessen räumliche Umgebung wenig Grund zur Freude bot.  Anders als die alte Kantonsschule, die Mitte des 19. Jahrhunderts nach Plänen von Felix Wilhelm Kubly oben am Hang, in stolzer Nachbarschaft von Kathedrale und Schloss, erbaut und 1972 durch einen Neubau am selben Ort ersetzt wurde, sitzt das ehemalige Lehrerseminar gut dreissig Meter weiter unten am Fusse von Felswänden und Rebbergen.

Spektakulärer Blick auf einen Parkplatz

Süden und dem steilen Hang im Norden befanden sich hier ursprünglich eine kleine Fabrik, einzelne Wohnhäuser und Schuppen sowie das historische Freibad Sand. Ein Potpourri unterschiedlichster Bauten, Räume und Funktionen, zu deren Zusammenhalt das auf sich selbst bezogene Schulgebäude von Andres Liesch – so viel Kritik darf sein – nur wenig beitrug. Die Aufwertung des «Standorts Plessur» zu einem gleichwertigen Teil der Bündner Kantonsschule konnte sich deshalb nicht auf Bauvolumen und deren Inhalte beschränken, sie musste notwendigerweise auch den Aussenraum mit einbeziehen: Plätze und Freiflächen, Strassen und Wege, Sicht- und Raumbeziehungen. Dabei zeigt die langsame Transformation des Areals im Verlauf der letzten Jahre beispielhaft, wie aus einer städtebaulichen Restfläche langsam, aber sicher ein Ort von eigenem Charakter entstehen kann.
Den Anfang machte 1999 der neue Naturwissenschaftstrakt der Architekten Bearth & Deplazes, der präzis zwischen Lehrerseminar und ansteigenden Felshang gesetzt ist. Das schlanke Bauwerk trug bereits zu einer ersten Gliederung des Aussenraums bei, schuf enge und weite Situation, definierte ein Vorne und ein Hinten und fasste als dritte  Fassade den Garten des ehemaligen Lehrerseminars. Es folgte 2009 die viel beachtete neue Fussgängerverbindung zwischen Plessur und Halde, entworfen von den Architekten Esch Sintzel: eine mit schweren Stahlplatten eingehauste skulpturale Treppe inklusive Lift für Gehbehinderte, welche den oberen und den unteren Teil  der Kantonsschule miteinander verbindet – und ganz nebenher spektakuläre Ausblicke auf Stadt und Landschaft bietet. Aufnahmen vom frisch erstellten Bauwerk zeigen aber auch, wie sich die Situation unten in der Ebene noch vor zehn Jahren präsentierte: Der Raum zwischen Schulgebäude und Schwimmbad war nichts anderes als ein recht trostloser Autoparkplatz.

Ein Weg wandelt sich zum Treffpunkt

Als «gesamthaft unbefriedigend» hatte auch das Hochbauamt Graubünden damals die städtebauliche Situation im Wettbewerbsprogramm beschrieben, und tatsächlich bedurfte es neben der neuen Treppe noch weiterer baulicher und landschaftsarchitektonischer Interventionen, um auf der Plessur-Aue einen Raum entstehen zu lassen, der einer Schule würdig ist.
Dass der Freiraum, der sich zwischen ehemaligem Lehrerseminar und Schwimmbad aufspannt, heute nicht mehr als Rückseite des Schulgebäudes wahrgenommen wird, sondern zumindest in Ansätzen die Stimmung eines zentralen Platzraumes atmet, ist zu grossen Teilen das Verdienst der Landschaftsarchitekten von Hager Partner.
Die landschaftsarchitektonische Gestaltung des Areals ging dabei Hand in Hand mit dem Neubau für Mensa und Mediathek, der letztes Jahr vollendet wurde. Östlich neben den Zugang zur Treppe gesetzt und von dort mit einem geometrischen Knick dem Lauf der Hangkante folgend, stellt das vom St.Galler Andy Senn entworfene Bauwerk einen wichtigen Pol im Kräftefeld des Aussenraums dar. Es macht den Weg zwischen Plessurquai und Treppenaufgang von der blossen Wegerschliessung zum Treffund Kreuzungspunkt von Schülerinnen und Schülern. Die Landschaftsarchitektur unterstützt diese Lesart nach Kräften, insbesondere setzt die lang gezogene Sitzlandschaft im Zentrum ein klares Zeichen: Statt parkieren darf man nun verweilen. Vom Trinkbrunnen über den Velounterstand bis zum neuen Mühlrad, das an die historische Nutzung des Areals als Münzmühle erinnert, schaffen weitere Elemente charakteristische Orte innerhalb eines offen und informell gehaltenen Freiraumkonzepts.
Schon bei der Sanierung des ehemaligen Lehrerseminars vor sieben Jahren waren Hager Partner als Landschaftsarchitekten beigezogen worden. Damals entstanden die Themengärten, die sich zwischen Schultrakt und Sitzlandschaft erstrecken. Ein geometrisches Raster definiert hier gut vierzig rechteckige Beete, die thematisch  unterschiedlich bepflanzt werden. Zwischen Schmetterlingsgarten, Wildblumenwiese oder Moorbeet finden sich auch ein Biotop und zwei Aussenlernzimmer mit Tischen, Bänken und Sonnenschirmen. Und fast macht es den Anschein, als hätten die Themengärten die Strategie für das ganze Areal vorgedacht: wie aus dem Nebeneinander unterschiedlichster Teile über die Jahre ein reichhaltiges Ganzes wachsen kann.

 

Bilder: Benjamin Manser

Vor Ort

Neubau Marthaheim St. Gallen

Mo 3. Juni 2019, 17 Uhr vor Ort

Besichtigung mit Führung durch Peter Oestreich, Oestreich + Schmid Architekten, St. Gallen

Das Projekt des Architekturbüros Oestreich + Schmid GmbH, Architekten BSA/SIA, St. Gallen, ging 2014 als Sieger aus einem Projektwettbewerb der GHG Gemeinnützige- und Hilfs- Gesellschaft der Stadt St. Gallen hervor. Auf dem Areal des Josefshauses in der Kreuzackertrasse St. Gallen ensteht an neuer Stelle ein Neubau für das in die Jahre gekommene Marthaheim an der Davidhalde.
In insgesamt vier Bauetappen wird der Um- und Neubau vollzogen. In einer ersten Etappe wurde das bestehende Josefshaus aufgestockt, in einer zweiten Etappe wurde die historische Villa Jacob spektakulär um ca. 25m in Richtung Süden verschoben, in einer dritten Etappe entsteht das neue Marthaheim und in der abschliessenden vierten Etappe wird das Josefshaus saniert.
Die GHG setzt dabei auf die geronto-psychiatrische Pflege und Begleitung von alten Menschen und nutzt hier Synergien beider Betriebe. Im Neubau entstehen insgesamt 80 Zimmer, verteilt auf 2 Hausgemeinschaften.
Der Umzug des Marthaheims ist für 2020 geplant.
In den ersten drei Sockelgeschossen befinden sich Empfangsbereich, Esssaal und Cafeteria. In den vier darüber liegenden Geschossen sind die Wohnbereiche.

Adresse: Kreuzackerstrasse 6, 9000 St. Gallen
Treffpunkt: auf der Baustelle (bei Josefshaus Pflege- und Betagtenheim)

Es sind keine Parkplätze vorhanden. Es wird empfohlen mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen.

Anmeldung
mit vollständigen Angaben bis Mi 29. Mai 2019 an vor-ort@nulla-f-o.ch
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Bildnachweis: Oestreich + Schmid Architekten, St. Gallen

Lattich und Filetstück

Die Zwischennutzung auf dem St.Galler Güterbahnhof ist Experiment, gelebte Mitwirkung und Standortförderung. Der temporäre Lattich-Bau gibt den Aktivitäten ein Gesicht. Gleichwohl spielt Architektur eine Nebenrolle.

25.05.2019 von Christoph Wieser

Seit 2013 erscheinen in dieser Zeitung in loser Folge Beiträge zum Thema «Gutes Bauen Ostschweiz». Weshalb ist vom «Guten Bauen» und nicht von «Guter Architektur» die Rede, wenn doch mehrheitlich architektonisch hochstehende Beispiele gezeigt werden? Der Grund ist einfach: Bauen ist nicht gleich Architektur. Während mit «Bauen» das Errichten eines Gebäudes gemeint ist, bezeichnet Architektur Bauwerke, die über die reine Zweckerfüllung hinaus einen gestalterischen, konzeptionellen und  städtebaulichen Mehrwert aufweisen.
Der Nährboden für gute Architektur ist das Bewusstsein, dass die Baukultur einen wesentlichen Teil zum Selbstverständnis und damit zur Lebensqualität in einem Land beiträgt. Aus diesem Grund ist deren breite Förderung wichtig. Deshalb ist es begrüssenswert, dass Bundesrat Alain Berset 2018 die Baukultur zu einem Leitthema seines Präsidialjahres erklärt hatte. Seither arbeitet das Bundesamt für Kultur an einer verbindlichen Strategie zur Baukultur. Wie in dieser Artikelserie wird auch dort zu Recht der Begriff weit gefasst und reicht von der Vermittlung über die Bauproduktion bis zur Raumentwicklung.
Die Zwischennutzung «Lattich» auf dem Güterbahnhof-Areal in St.Gallen zeigt exemplarisch, wie Bauen auch die Pflege und den Aufbau von Gemeinschaft meint. Wie Menschen im Dialog miteinander, mit Behörden, Grundeigentümern und Investoren «von unten» eine Planung anschieben können, die Lebensfreude weckt und Kooperationen ermöglicht. Wie gelebte Baukultur aussehen kann, die nur zu einem Teil aus eigentlichem Bauen besteht.

Zwischennutzung als Standortförderung

In St.Gallen gibt es nur noch wenige grössere Entwicklungsgebiete. Das Filetstück dieser begehrten Flächen ist das Güterbahnhof-Areal. Seit 2016 ist es unter dem Namen Lattich bekannt. Die Bezeichnung ist Programm: Wie die Pionierpflanze Huflattich Brachen und Bahngleise erobert, so belebt das Lattich das Gebiet des stillgelegten  Güterbahnhofs auf sich stetig verändernde Weise. Seit April hat die zeitlich begrenzte Nutzung eine neue Dimension erreicht. Ein dreigeschossiger Holzmodulbau bietet den Mietenden Raum auf Zeit. Die Chance zur Etablierung einer vielfältigen Zwischennutzung ergab sich im Zusammenhang mit der übergeordneten Verkehrsplanung. Ein Tunnel soll von der A1 Richtung Appenzell führen. Im Bereich Güterbahnhof sind Ein- und Ausfahrten geplant. Deshalb ist in den nächsten Jahre keine definitive Nutzung möglich.
Rolf Geiger, Geschäftsleiter der Regio Appenzell AR-St.Gallen-Bodensee, erkannte das Potenzial. Zusammen mit Gabriela Falkner, Kulturmanagerin, sowie Marcus Gossolt und Philipp Lämmlin von der Alltag Agentur initiierte er das Projekt Lattich, das mit einer Sommernutzung eines Teils der Güterbahnhof- Halle begann. Als Startkapital diente dem Konsortium, das sich 2017 zu einem Verein formierte, das Preisgeld des Wettbewerbes zum 150-Jahr-Jubiläum der St.Galler Kantonalbank. Ein wildes Containerdorf sollte der Zwischennutzung ein Gesicht geben, was aus ökonomischen Gründen jedoch scheiterte. Stattdessen wurde ein temporäres Bauwerk für die Kreativwirtschaft anvisiert.
2018 fand Rolf Geiger mit der Blumer-Lehmann AG einen Investor, der mit anderen Partnern die private Trägerschaft des Lattich-Baus bildet. Parallel zur Planung wurden die Halle und der Freiraum weiter bespielt. Einzelne Container sowie die Hochbeete des Heks-Projektes Neue Gärten Ostschweiz sind sichtbarer Ausdruck der zahlreichen Aktivitäten, die auf dem Areal stattfinden.
Gabriela Falkner vom Verein Lattich verweist auf die Herausforderung, die das erfreuliche Wachstum der  Zwischennutzung mit sich bringt: Die Schnittstellen haben massiv zugenommen, der Koordinations- und Finanzaufwand ist deutlich gestiegen. So wurden etwa bauliche Massnahmen im Bereich Brandschutz und Sanitär nötig, damit die Halle weiterhin benutzt werden konnte.

Konzeptuell denken, einfach umsetzen

Diese notwendigen, aber kaum sichtbaren Investitionen, wozu auch die Kanalisation zählt, sind bei Zwischennutzungen und temporären Bauten ein wesentlicher Kostenfaktor, wie Pascal Angehrn des Baubüros insitu erklärt. Angehrn war Projektleiter des Lattich-Baus. Das Architekturbüro hat sich mit unkonventionellen Projekten, auch für  Zwischennutzungen, einen Namen gemacht. Soll möglichst günstig gebaut werden, braucht es Mut zu radikalen  Lösungen, zum Verzicht auf gewohnten Standard und die Setzung klarer Prioritäten. Die Architektur bleibt im Hintergrund, ermöglicht aber Vieles.
So ist beim Lattich-Bau die Erschliessung geräumiger als notwendig ausgeführt: Der Laubengang weist zur Förderung der Kommunikation Ausweitungen auf. Er ist aber wie die Treppe kostengünstig aus Elementen des Gerüstbaus zusammengesetzt; die Brüstungen sind mit Maschendraht bespannt.
Qualitativ hochwertig sind die Holzmodule. Ihre Lebensdauer ist deutlich länger als die zehn Jahre, für die das Baurecht gilt. Mit der Blumer-Lehmann AG konnte ein Spezialist des vorfabrizierten Modulbaus als Hauptpartner der Bauträgerschaft gewonnen werden, der die Teile später anderweitig verwenden wird. Zur Kostensenkung wurden die Module den Mietern im Rohbau überlassen. Es gehört zum Konzept, dass die Räume individuell angeeignet werden. Vielfalt ist das Ziel.
Die einheitliche Bekleidung des Gebäudes mit gelben Schalttafeln, die auf den temporären Charakter verweisen, bindet das Ganze gestalterisch zusammen. Zudem wurde auf dem Dach ein rätselhafter, leicht über die Fassade kippender Holzcontainer platziert, der dem einfachen Bau einen zeichenhaften Charakter geben soll. Nun beginnt eine neue Phase der Zwischennutzung. Erstmals spielt dabei Architektur eine Rolle: als Ausdruck eines Experimentes, einer Stadtentwicklung der anderen Art.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

LandschaftsarchitekTour

Uster – Am Aabach

Fr 24. Mai 2019, 13.30 Uhr – ca. 18 Uhr

Achtung: Die LandschaftsarchitekTour wurde aus organisatorischen Gründen von Samstag auf Freitag verschoben!

Mit der Vernetzung von öffentlichen und privaten Entwicklungsarealen entlang des ehemals industriell genutzten Ensembles am Aabach wurde Uster 2014 mit dem Schulthess Gartenpreis ausgezeichnet. Mit einem Spaziergang entlang des Aabaches treffen wir auf Landschaftsarchitektur, Wasserbau, Ökologie, Erholungsansprüche, Architektur und Kunst, welche hier auf vorbildliche Weise verknüpft worden sind. Die Siedlungsentwicklung mit Stadtpark und Zellwegerareal, aber auch die Umnutzung einer Industriebaute, der Arche Nova, stehen im Fokus und zeigen verschiedene Aspekte des Jahresthemas auf Zeit.

Anmeldung
mit vollständigen Angaben bis Fr 18. Mai 2019 an landschaftsarchitektour@nulla-f-o.ch
Eine Veranstaltung des Bundes Schweizer Landschaftsarchitekten und Landschaftsarchitektinnen BSLA und des Architektur Forums Ostschweiz

Mitglieder BSLA und Architektur Forum Ostschweiz gratis, Nichtmitglieder Fr. 30.–
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt

Treffpunkt 13.30 Uhr Bahnhof Uster

Einladungskarte Mai 2019

Auf Zeit – Stadtklima

Jürgen Baumüller, Stadtklimatologe Universität Stuttgart / Martin Berchtold, Stadtplaner TU Kaiserslautern / Christine Bräm, Leiterin Grün Stadt Zürich / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 6. Mai 2019, 19.30 Uhr im Forum

Städte haben ein zum Umland verändertes Klima. Die Städte sind wärmer, trockener, windstiller und schmutziger. Mehr als 50 % aller Menschen leben inzwischen in Städten. In Europa sind es über 80%. Durch veränderte Klimabedingungen in der Zukunft sind die Städte besonders betroffen. Die Gefahren liegen zum einen bei Hochwasserereignissen wie z.B. im Früh­jahr 2013 in Deutschland und Nachbarländern, zum zweiten aber auch bei Hitzewellen wie im Sommer 2003, 2015 und 2018 in Europa. Da heute schon im Sommer durch den Wärmeinseleffekt in großen Städten Gesund­heitsprobleme auftreten und diese sich in Zukunft  verstärken werden, ist es notwendig, neben Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgase, auch Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu ergreifen.

Jede Bebauung beeinflusst die einzelnen Klimaelemente. Große Baugebiete setzen sich in klimatischer Hinsicht deutlich von der sie umgebenden Landschaft ab. Die wesentlichen Ursachen, die zur Ausbildung eines eigenen Stadtklimas führen, liegen in der weit reichenden Veränderung des Wärmehaushaltes und des örtlichen Windfeldes. Hin­zu kommt eine starke Anreicherung der Stadtluft mit Schadstoffen aus den Quellen von Hausbrand, Verkehr, Industrie und Kraftwerken. Die Ausprägung eines ty­pischen Stadtklimas ist in erster Linie abhängig von der Stadtgröße, aber auch von der Geländeform, den Be­bauungsstrukturen  und dem Freiflächenanteil.

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Einladungskarte Mai 2019

Bildnachweis: Jürgen Baumüller

Der Garten ist des Kindergartens Kern

Hutter Nüesch Architekten übersetzen das Ideal des Kindergartens ins Heute. Ihre Bauten in St. Margrethen und Heerbrugg lassen Innen und Aussen in engen Austausch treten.

23.03.2019 von Marcel Bächtiger

Der Kindergarten ist eine Erfindung der Moderne. Was uns heute als selbstverständlicher Entwicklungsschritt im Heranwachsen eines Kindes vorkommt – der Eintritt ins öffentliche Schulsystem und damit verbunden die Erweiterung der Erfahrungswelt jenseits des elterlichen Zuhauses –, hat seine Ursprünge in den gesellschaftlichen  Umwälzungen des 19. Jahrhunderts. Die Industrialisierung hatte nicht nur die ländlichen Grossfamilien auseinandergerissen und in den schnell wachsenden Metropolen eine Arbeiterschicht erstehen lassen, welcher kaum Zeit zur Kinderbetreuung blieb. Sie förderte unter der besorgten Oberschicht auch eine imposante Zahl von Sozialutopisten und Philanthropen zu Tage, denen auf unterschiedlichste Art an der Volksgenesung gelegen war. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf den Kindern, die es vor der drohenden Verwahrlosung zu retten galt. Der Kindergarten – eine Wortschöpfung des deutschen Pädagogen Friedrich Fröbel von 1840 – versprach hier Abhilfe in zweifacher Hinsicht:  zeitlich, indem er die Betreuung von Kindern sicherstellte, deren Eltern allmorgendlich in den Fabriken verschwanden; räumlich, indem er Mädchen und Jungen aus  überbelegten Mietwohnungen und Kosthäusern einen Ort zur Verfügung stellte, der sie den Tag in einem altersgerechten Umfeld verbringen liess. Für Fröbel hatte der  Kindergarten im wörtlichen wie übertragenen Sinn ein Garten zu sein: ein geschützter Raum, wo die «edelsten Gewächse der Menschheit in Übereinstimmung mit sich, mit Gott und der Natur erzogen werden» sollten.

Der Pavillon – die ideale Lösung

In der Zwischenzeit ist die ausserfamiliäre Betreuung zum Standard geworden und beginnt häufig schon im frühen Kleinkindalter. Befreit vom Stigma der Armut erfreuen sich Kindertagesstätten gerade bei der gut ausgebildeten Mittelschicht grosser Beliebtheit. Der Kindergarten wiederum gehört seit bald dreissig Jahren zur obligatorischen Schulpflicht, das ergänzende Hort- oder Mittagstischangebot geht mancherorts bereits im Konzept des Tageskindergartens auf. Auch die pädagogischen Leitbilder haben sich gewandelt. Unbestritten aber blieb über alle Zeitenwenden hinweg der Wert des Aussenraums als natürliche Erweiterung des Innenraums. «In landschaftlicher Hinsicht kann das Schulareal nicht reizvoll genug sein», heisst es im Standardwerk «Das Neue Schulhaus» des Schweizer Architekten und Publizisten Alfred Roth aus dem Jahr 1957. Für den überzeugten Modernisten sprachen sowohl Hygiene wie Pädagogik für möglichst viel Licht, Luft und Sonne und die enge Verbundenheit von Bau und Natur. Bei Kindergärten, befand Roth, stelle der eingeschossige Pavillon deshalb «die ideale Lösung» dar.
Als gälte es, die Gültigkeit dieser Behauptung zu beweisen, stehen in der weiten Ebene des Rheintals zwei Kindergärten, die Roths ideale Lösung gleichsam idealtypisch ins  Heute übersetzen. Beide Bauten reihen drei Kindergarteneinheiten in einem eingeschossigen Bau aneinander, beide Bauten öffnen sich über eine gedeckte Veranda ganzseitig zum Garten, bei beiden stehen Innenund Aussenraum auf selbstverständliche Art miteinander in Bezug. Beide Bauten stammen schliesslich aus derselben Feder: Sowohl für den Kindergarten Fahr in St. Margrethen (2014) als auch für den Kindergarten Blattacker in Heerbrugg (2016) zeichnet das Bernecker Architekturbüro Hutter Nüesch  Architekten verantwortlich. Dominik Hutter und Thomas Nüesch haben sich die Aufträge mit zwei Wettbewerbssiegen gesichert. Der Aussenraum sei dabei von Anfang an ein zentrales Thema gewesen, sagt Nüesch: «Überspitzt formuliert, ist der Garten wichtiger als das Haus.» Zu Recht messen die Architekten dem Aufenthalt im Freien einen  grossen pädagogischen und auch gesellschaftlichen Wert bei, und zu Recht schliessen sie daraus, dass gerade eine öffentliche Institution wie der Kindergarten gerade auch in heutigen Zeiten das unkomplizierte Spielen in der Natur ermöglichen und fördern sollte.

Kindergerechte Architektur

Der Garten also ist auch hier des Kindergartens Kern, doch würde man den beiden Projekten von Hutter Nüesch Architekten nicht gerecht, liesse man das eigentlich Gebaute ausser Acht. Architektonisch mustergültig nämlich führen die beiden Pavillonbauten vor, wie aus der Klarheit der Konzeption, der Einfachheit der Mittel und dem überlegten Detail bauliche Eleganz entsteht. In St. Margrethen ist es ein filigraner Holzbau, in Heerbrugg eine kräftige Konstruktion aus Sichtbackstein und Sichtbeton, die in Form und Material den bestehenden Schulcampus fortschreibt. Verwandt sind die beiden Bauten nicht nur typologisch, sondern auch in der architektonischen Haltung, was nicht zuletzt die Frage betrifft, wie eine kindergerechte Umgebung auszusehen hat. Sollte ein Kindergarten einer Kinderzeichnung gleichen, mit bunten Farben und Formen? Die Bauten von Hutter Nüesch Architekten beantworten die Frage klar mit Nein – und demonstrieren stattdessen, was wirklich zählt: Zum Beispiel, dass die Kinder ihren Tag in einer  authentischen Umgebung verbringen, umgeben von natürlichen, robusten Materialien. Dass sie Raum erhalten, um sich entfalten zu können, dass dieser Raum offen und gleichzeitig klug unterteilt ist. Dass sich der Kindergarten mit grossen Fenstern zur Landschaft öffnet, der Innenraum aber dank niedriger Brüstungen seine Geborgenheit behält. Oder eben: Dass der Zugang nicht von der Strasse her erfolgt, sondern über den gemeinschaftlich genutzten Garten führt.
Fraglos profitieren Hutter und Nüeschs ideale Lösungen auch von idealen Situationen, namentlich von relativ kleinen Bauvolumen auf relativ grossen Parzellen. Die Realität vieler anstehender Projekte für Kindergärten und Tagesstätten sieht anders aus: Gerade in städtischen Situationen muss viel Raumprogramm auf wenig Fläche Platz finden. Die eingeschossige Bauweise frisst dann den Garten auf, um den es doch eigentlich gehen würde. Es braucht hier kluge architektonische Konzepte, die auch ein oberes Geschoss einfach und lustvoll mit dem Aussenraum verbinden. Die Abwägung nämlich ist klar: im Zweifel für den Garten.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Architektur im Film – Didi Contractor – Leben im Lehmhaus

Einführung durch Roger Boltshauser, Architekt, Zürich

Di 16. April 2019, 20 Uhr im Kinok

Architektin Didi Contractor arbeitet seit vielen Jahrzehnten an einem neuen Denkmodell der Architektur, welches Landschaft und Haus miteinander vereint. Mit dokumentarischen Mitteln und poetischer Sprache nähert sich der Film einer Künstlerin und Architektin. Die von ihr gestalteten Häuser und deren Bewohner, die natürlichen Materialien – Lehm, Bambus, Schiefer und Flusstein, sowie die Landschaft Nordindiens sensibilisieren uns für Ihre Vision und die globalen Fragen über den Umgang mit Mutter Erde.

Zum Trailer

Regie: Steffi Giaracuni, CH/D 2017, O/d-f, 81’

Weitere Vorführung: So 28. April 2019, 13.15 Uhr

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus Leuchten und Möbel AG
Inhaus AG
ZZ Wancor AG

Bildnachweis:  First Hand Films

stadtprojektionen III – Podiumsdiskussion über städtische Lichtphänomene

Anna Vetsch und Nina Keel, Künstlerinnen, St. Gallen / Edgar Heilig, Kunsthistoriker, St. Gallen / Bernadette Fülscher,  Architekturhistorikerin, Biel

Mo 8. April 2019, 19.30 Uhr im Forum

Anna Vetsch und Nina Keel diskutieren mit dem Kunsthistoriker Edgar Heilig, der das städtische Lichtkonzept 2008 mitgestaltet hat, sowie mit der Architekturhistorikerin Bernadette Fülscher, die sich mit Lichtinstallationen in verschiedenen Städten befasst hat.

Shishabars, schrille Festkleider, Babaganoush, Rosenwasser und pasteis de nata -wer in St. Gallen danach sucht, muss in die Lachen. Das multikulturelle Quartier nordwestlich des Bahnhofs ist- zusammen mit dem angrenzenden St. Otmar – der Austragungsort von ,stadtprojektionen 111′. stadtprojektionen‘ ist ein Projekt von Anna Vetsch und Nina  Keel. Es befasst sich mit der Wahrnehmung des Stadtraums und regt zu neuen Blicken auf verschiedene Stadtteile von St. Gallen an: Foto- und stumme Filmarbeiten  regionaler, nationaler und internationaler Kunstschaffender werden nachts auf Wände im öffentlichen Raum projiziert und führen so zu temporären visuellen Veränderungen im Stadtraum.

Zu sehen sind Arbeiten von:
Felix Bächli, Beni Bischof, Jake Elwes, Conradin Frei, Cecile Hummel, Simone Kappeler, Daniela Keiser, Jirf Makovec, Uriel Orlow, Laurence Rasti, Maya Rochat, Shirana Shahbazi, Hannah Weinbergerund ,Frauen auf Bäumen‘ (Sammlung Jochen Raiss)

VERNISSAGE
Do 18. April 2019, 19 Uhr
Restaurant Gampi, Gerbestrasse 5

RUNDGANG 1
Fr 19. April 2019, 20 Uhr
Treffpunkt vor Restaurant Gampi

RUNDGANG 2
So 21. April 2019, 20 Uhr
Treffpunkt bei Projektion Nr. 9

VORSCHAU
8.-21. April 2019, jeweils ab 18 Uhr, Kunst Halle Sankt Gallen,  Davidstrasse 40, von aussen sichtbar: Beni Bischof zeigt seinen Blick aufs Quartier Lachen

stadtprojektionen III

Einladung stadtprojektionen III

Bildnachweis: stadtprojektionen

Auf Zeit – Vergänglichkeit

Rita Schiess, Architektin, Pfister Schiess Tropeano Zürich / Mireille Blatter, Leiterin Bauberatung Denkmalpflege Zürich / Moderation Barbara Bleisch, Philosophin, Zürich

Mo 1. April 2019, 19.30 Uhr im Forum

Fotoausstellung Martin Benz, Kunstschaffender, Teufen
Geöffnet 1. April und 8. April 2019 während der Veranstaltungen.

Es gibt für einen Bauherrn zwei wichtige Gefühlszustände, wenn er sein Haus einer umfassenden Renovation unterzieht, in deren Verlauf die gesamte Haustechnik erneuert wird und einschneidende Umbauten erfolgen.
Der erste stellt sich kurz nach Baubeginn ein. Das Zerstören von Vertrautem erfolgt rasant. Dass aber die Zerstörungen gezielt und nicht zufällig sind, kann der Laie schwerlich erkennen, er muss sich auf die Richtigkeit des Zerstörens verlassen. Der Architekt wird zum Chirurgen, Haus und Bauherr sind wie paralysiert. Zweifel entstehen am irreversiblen Entscheid über die Transformation und diese Zweifel gilt es eine Zeit lang auszuhalten.
Sind die technischen Anlagen eingebaut und schliessen sich die offenen Wände und Decken allmählich, kommt der Moment der Wende und der Bauherr erfährt Entspannung. Mit zunehmendem Aufbau und neuen Raumerfahrungen verschwinden die Zweifel und die konstruktive Verwandlung der Physis beginnt sich positiv auszuwirken. Nun  vermengt sich das Neue mit der zunehmend verblassenden Erinnerung, die Unterschiede werden verschwommener und lösen sich mit dem Baufortschritt langsam auf.
Der Zustand des Hauses vor Baubeginn gerät in Vergessenheit, man weiss zwar, dass es anders war, aber nicht mehr genau, wie es wirklich war. So hinterlässt der Umbauprozess das sonderbare Gefühl, dass er nicht stattgefunden hat.

Martin Benz

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Einladungskarte April 2019

Bildnachweis: Martin Benz

Sommer Camp Architektur 2019

Entdeckungsreise Architektur

Sommerferien 2019
St. Gallen 9.–12. Juli 2019
Frauenfeld 9.–12. Juli 2019  (ausgebucht)
Rapperswil-Jona 6.–9. August 2019
jeweils 9–17 Uhr

Städte, Häuser und Strassen sind ein äusserst spannendes und wichtiges Thema für Kinder und Jugendliche. Als Erwachsene werden viele von ihnen Entscheidungen fällen, die das Bauen betreffen: Als Bauherren, als Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft oder als Wählerinnen und Wähler an der Urne. Und doch lernen sie in der Schule kaum etwas darüber.

Wie lernen also Kinder und Jugendliche das kennen, was sie täglich umgibt? Wie können sie wissen, wer an der Stadt baut, wie man Strassen und Plätze gestaltet und was ein Haus alles können muss? Wie kann man nachhaltig bauen und Energie einsparen?

Um auch Kinder und Jugendliche an diese Themen heranzuführen, haben wir eine Workshopreihe als Ferienkurs entwickelt: das Sommer Camp Architektur: Entdeckungsreise Architektur.

Was gibt es alles in einem unbekannten Quartier zu entdecken? Welche Geschichten erzählen uns Häuser? Wer baut eigentlich all die Gebäude, Strassen und Brücken?

Wir gehen zusammen auf Safari in der Stadt – wir treffen Architektinnen und Ingenieure und stellen ihnen Fragen – wir suchen Häuser, die zusammen passen und Details, die keiner sieht. Und wir bauen Modelle und untersuchen, wie Licht und Raum eine Stimmung erzeugen. Vier Tage lang gehen wir auf Entdeckungsreise und stellen am Ende unsere Entdeckungen aus.

Alter: Jahrgänge 2004–2009
Dauer: 4 Tage, Di–Fr, 9–17 Uhr
Kosten: Fr. 50.–, inkl. Verpflegung
Die Platzzahl ist begrenzt

Anmeldung an sommercamp@nulla-f-o.ch Die Anmeldung ist verbindlich. Weitere  Detailinformationen zu Treffpunkt,  Kursleitung etc. erhalten Sie mit der  Anmeldebestätigung ca. 4 Wochen vor  Kursbeginn.

Die Versicherung ist Sache des Teilnehmers

Bildnachweis: Daniel Ammann/SGKB

In Zusammenarbeit mit

 

Weitere Unterstützungen

   

Anmeldekarte Sommer Camp Architektur 2019

Reise zu den Appenzeller Bahnhöfen

Von der Digitalisierung des Bahnbetriebs ist auch die Baukultur betroffen. Ein Augenschein zwischen Walzenhausen und Wasserauen zeigt: Die architektonische Identität der Appenzeller Bahnen ist so vielfältig wie das Appenzellerland.

23.03.2019 von Marcel Bächtiger

Eine Reise zu den Bahnhöfen der Appenzeller Bahnen fördert Erstaunliches zu Tage. Beispielsweise die Erkenntnis, dass man auf ihrem Schienennetz gut und gerne einen Tag verbringen kann. Es faltet und windet sich die Landschaft, einmal blickt man über die weite Fläche des Bodensees, ein andermal schaut man dunklen Wänden entlang nach oben, wo die Wolken schwer zwischen den Bergen hängen. Das touristische Marketing hat schon Recht: Das Appenzellerland ist das Appenzellerland, aber überraschend  vielfältig. An diesem Tag bleibt einzig das Wetter gleich, es regnet und stürmt in beiden Halbkantonen, und so ganz ohne Touristen kann es geschehen, dass man plötzlich allein in einem der neuen Züge sitzt, die «Tango» oder «Walzer» heissen und in guten Momenten fast schwerelos durch die Hügellandschaft gleiten. Nein, die Zeit bleibt nicht stehen bei den Appenzeller Bahnen, und das ist gut so: Das Fahrmaterial muss regelmässig ersetzt und den Anforderungen der Zeit angepasst werden.
Gilt das auch für die Bahnhöfe? Die Frage sorgt gerade für Aufregung in Trogen: Gemeinde und Appenzeller Bahnen möchten das alte Bahnhofsgebäude abbrechen und einen Neubau erstellen, der Verein «Alter Bahnhof Trogen» hält dagegen und fordert Bewahrung und Umnutzung. Eigenwillig hockt hier ein dunkler Holzbau in reich geschnitztem Chaletstil auf einem hell verputzten Sockel, man denkt an Zeiten, als man noch «Fremdenverkehr» und «Fremdenbüro » sagte. Neben der Tür, die heute in ein düsteres Warteräumchen führt, hängt ein Schild, das von früher erzählt.

Als es noch Schalter gab

Es gab einen Billettschalter, eine Gepäckaufgabe, eine Toilettenanlage, heisse und kalte Getränke. Oben wohnte und wirkte der Bahnhofsvorstand, eine längst vergessene Spezies. Einen Kiosk gibt es auch heute noch, nur befindet er sich seltsamerweise in einem Metallhäuschen, das man an die Stirn des alten Bahnhofs angebaut hat. Daneben stehen bereits die Bauvisiere für den Neubau, mit dem der renommierte Vorarlberger Architekt Bernardo Bader beauftragt wurde. Sein aus einem Wettbewerb hervorgegangenes Projekt schlägt in loser Anlehnung an den historischen Bahnhof einen dunklen Holzbau vor. Trotzdem fürchtet die eine oder andere Trogenerin den Verlust von Geschichte und Ortsbezug und verweist auf den Nachbarort Speicher, wo das Bahnhofshäuschen schon 1997 einem Geschäftshaus Platz machen musste. Der Verlust von Baukultur liegt hier auf der Hand, andererseits begreift man in Speicher auch gleich, was den Appenzeller Bahnen in Trogen fehlt: Hinter einer blauen Aussenputzfassade, die man so auch in Dietikon antreffen könnte, empfängt einen ein grosszügiges Verkaufslokal mit Bäckerei, Metzgerei und Café, in den oberen Stockwerken gibt es Platz für eine  Bank, eine Treuhandfirma und die Polizei. Beim alten Bahnhof Trogen hingegen, sagen die Appenzeller Bahnen, bestehe keine Nutzernachfrage. Mit Nutzer sind dabei wohlgemerkt nicht die Passagiere der Appenzeller Bahnen gemeint, sondern Mieter.
Die Auseinandersetzung um den Bahnhof Trogen ist deshalb vor allem Ausdruck eines umfassenderen Phänomens: Was früher konkrete Orte und Räumlichkeiten brauchte, was über hundert Jahre den architektonischen Typus Bahnhof bestimmte, ist heute unsichtbar geworden: Es geschieht anderswo, effizient verwaltet von Rechnern, deren Standort wir nicht zu kennen brauchen. Für Billette und Fahrplanauskünfte sind keine Schalter mehr vonnöten, nur das Telefon in der Tasche. Was bleibt, ist eine architektonische Hülle, auf der «Urnäsch», «Bühler» oder eben «Trogen» steht. Ohne Mieter wird ihre Instandhaltung schnell zur finanziellen Belastung.

Im Zeitalter der Digitalisierung

Die architektonische Identität der Appenzeller Bahnen ist derweil so vielfältig wie das Appenzellerland. Das Bahnhofsgebäude Walzenhausen beispielsweise, das sich heute im Besitz einer eigens gegründeten AG befindet und verschiedenes lokales Gewerbe beherbergt, ist ein charakteristischer Kleinbau aus den 50er-Jahren. Vor einigen Jahren sorgsam saniert, ist er auch ein Beispiel dafür, wie ein kleiner Bahnhof lebendig gehalten werden kann – Engagement und Nachfrage vorausgesetzt. Den Bahnhof Heiden wiederum beheimatet ein schmuckes  Fachwerkhäuschen, das nicht zuletzt deshalb nostalgisch stimmt, weil es hier wie in Appenzell noch eine bediente Verkaufsstelle gibt.
Man fährt natürlich auch an vielen Haltestellen vorbei, die nüchtern betrachtet nur einen Unterstand und einen Billettautomaten benötigen und deren architektonischer Auftritt ausgesprochen divers ausfällt. Und dann gibt es die stattlichen  Bahnhofsbauten von Teufen, Appenzell, Gais und Waldstatt, die alle im selben Stil erbaut sind und mit den barock geschweiften Mansardgiebeldächern ein stolzes Bild der Appenzeller Bahnen in die Welt tragen.
Thomas Baumgartner, der Direktor der Appenzeller Bahnen, ist sich deren baukulturellen Werts wohl bewusst. Natürlich bleiben diese Bauten erhalten, sagt er. Auch darum, weil ihre Grösse und Substanz neue Nutzungen zulassen, fügt er an. Denn Baumgartner kann nicht nur wollen, er muss auch rechnen. Die Vielfalt des baukulturellen Erbes erlaubt viele Mittelwege zwischen denkmalpflegerischer Bewahrung und radikaler Neukonzeption. Die Herausforderung wird sein, dem spezifischen Fall genauso wie dem Gesamtbild, der ökonomischen Vernunft genauso wie der baukulturellen Verantwortung Rechnung zu tragen. Ja, das Gespenst der Digitalisierung geht um, auch im Bahnbereich, auch im Appenzellerland: Vertrautes entschwindet in digitalen Wolken, Unbekanntes umfasst uns ungefragt. In den neuen Zügen berieselt ein Bildschirm die Passagiere mit kryptisch verkürzten Nachrichten.
Am Abend fährt das Bähnchen durchs verregnete Schwendetal. In Wasserauen, wo die Haltestelle ins Hotel integriert, aber das Hotel vorläufig geschlossen ist, steigt niemand ein und niemand aus. «Drei Raumfahrer machten sich auf den Weg zur ISS», vermeldet dafür das Newsportal. «Sie werden voraussichtlich sechs Monate im All bleiben.»

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Auf Zeit – Dazwischen

Matthias Bürgin, Raumplaner, Basel / Hansueli Rechsteiner, Stadtbaumeister St. Gallen / Jasmin Kaufmann-Häne, Regionalentwicklung, St. Gallen / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 4. März 2019, 19.30 Uhr im Forum

Mittlerweile sind es nicht mehr nur Industrie-, Gewerbe-, Bahn- und Militärareale, die brachliegen, sondern auch Büros, Kirchen,  Schulhäuser und andere Gebäudetypen. Allein in der Schweiz gibt es rund 2000 kleine und grosse solcher Areale und Objekte. Bei der Revitalisierung solcher Objekte spielt Zwischennutzung eine wichtige Rolle und substituiert erfolgreich die klassische Tabula-rasa-Strategie.
Die Erfahrungen der letzten 20 Jahre zeigen, dass Zwischennutzung längst nicht mehr das Etikett von Unordnung, Hinterhofstimmung und schwieriger Mieterschaft trägt, sondern dass sie vielseitige gesellschaftliche und ökonomische Werte generieren kann. Dazu  gehören Belebung, Standortaufwertung, Adress- und Imagebildung, Pflegefunktion, zusätzliche Wertschöpfung, Testanlage und Inspiration für die Planung, Schaffen von Öffentlichkeit, Aufwertung der Nachbarschaft, Identitätsbildung, Nährboden für lokale Ökonomie und Start-ups, Förderung des kulturellen Lebens u.v.a.m.
Matthias Bürgin ist Geograf ETH und Raumplaner, halb freiberuflich, halb an der Hochschule Luzern. Er kennt Zwischennutzung seit 25 Jahren aktiv als Journalist, Mieter, Verwalter, Projektinitiant, Forscher und Berater. Er ist Autor des ursprünglich vom Bund herausgegebenen Leitfadens Zwischennutzung  (www.zwischennutzung.ch) und bearbeitet das Thema aktuell auch für www.densipedia.ch, die Plattform für Innenentwicklung von EspaceSuisse.

Büro Metis

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Einladungskarte März 2019

Bildnachweis: Matthias Bürgin, metis, büro für praktische klugheit

Verdichtung am richtigen Ort

Frauenfeld macht es vor: Die Wohn- und Geschäftsüberbauung Hauptpost von Staufer Hasler Architekten zeigt, wie qualitativ hochstehende Verdichtung an innerstädtischer Lage funktioniert.

02.03.2019 von Christoph Wieser

Voraussetzung für eine erfolgreiche bauliche Verdichtung ist ein kluger Städtebau. Dieser gewichtet Gebäude und Freiräume gleichermassen. Denn je knapper die Abstände und je höher die Baukörper, desto bedeutsamer werden die Zwischenräume und die Art, wie die Gebäude zueinander in Beziehung stehen. Damit ist nicht nur ihre volumetrische Ausbildung gemeint, sondern auch, wo die Eingänge liegen, die Fenster platziert und wie öffentliche und private Bereiche aufeinander abgestimmt sind. Des Weiteren ist die Gestaltung des Aussenraums bis zu den Bodenbelägen von grosser Bedeutung.
Im Fall der Wohn- und Geschäftsüberbauung Hauptpost in Frauenfeld kommt eine weitere Komponente hinzu: der Umgang mit dem Terrain. Weil die Strasse auf der Zugangsseite abschüssig verläuft und der Höhenunterschied zum rückwärtigen Teil zwei Geschosse beträgt, stellte die Ausbildung des Sockels eine Herausforderung dar. Staufer Hasler Architekten gestalten den Übergang zwischen Gebäude und Stadt als räumlich ansprechende, funktional komplexe Schnittstelle. Bindeglied ist eine Arkade mit hellem Terrazzobelag, die Öffentlichkeit symbolisiert und der Poststelle, dem Geschäft sowie den  Wohnungszugängen und der Treppe zum Hof als gedeckte Vorzone dient. Gleichzeitig befindet sich hier eine Bushaltestelle.
Beim angrenzenden alten Postgebäudevon 1898 ist der Sockel in Form einer massiven, bossierten Mauer ebenfalls wichtiges Thema und geht vis-à-vis vom Schloss in eine halbrunde, platanenbestandene Terrasse über. Diese wird vom frisch eingemieteten Restaurant als Gastgarten benutzt und bildet eine räumliche Klammer zum neu erstellten Aussenplatz an der nordwestlichen Stirnseite des Neubaus, der die Fläche zum angrenzenden Gebäude einnimmt. Ebenfalls mit Terrazzo-Platten belegt, kann der Zwischenraum vom Café im Rhyhof bespielt werden.

Altstadtring nach Wiener Vorbild

Eine grosse Qualität der neuen Überbauung, die mit der Sanierung und Umwidmung der alten Hauptpost als Gesamteingriff geplant wurde, besteht in der sorgfältigen Stadtanalyse und den daraus abgeleiteten Massnahmen. Wie an vielen Orten, wurde auch in Frauenfeld im 19. Jahrhundert nach Wiener Vorbild die Altstadt mit einem Ring stattlicher Einzelbauten und breiteren Strassen umgeben. Zusammen mit dem Schloss und dem Rathaus entstand eine Abfolge, zu der auch das Postgebäude gehört. Mit seiner markanten Kuppel bildet es den Auftakt der Rheinstrasse. Diese alte Verbindung nach Kurzdorf wurde 1848 begradigt und dammartig aufgeschüttet. Auf der stadtabgewandten Seite, wo das Terrain zur Murg abfällt, kamen mit der Kantonalbank und dem Rhyhof weitere Kuben hinzu, die den Strassenraum fassen und damit die Geländekante räumlich festigen. Spätere Erweiterungen des Rhyhofs und der Post lagerten sich im rückwärtigen Bereich an.
2009 gewannen Staufer Hasler einen Wettbewerb, bei dem die Posterweiterung durch einen Büroneubau ersetzt werden sollte. Das Projekt wurde bis zum Gestaltungsplan weiterentwickelt, ruhte dann ein paar Jahre und bildet nun die Basis der heutigen Lösung. Indem die Architekten den Altbau wieder freistellten, den betroffenen Fassadenabschnitt rekonstruierten und den Neubau als Zförmiges Volumen an der Rheinstrasse verankerten, tragen sie der ortsbaulichen Geschichte Rechnung. Gleichzeitig entstand eine räumliche Verdichtung, weil der neue Gebäudekörper eine grössere Höhe aufweist. Leider wird im rückwärtigen Teil das kantige Volumen durch die Attika etwas aufgelöst, ist aber über die zweigeschossige Ausbildung und Betonung der Vertikalen in das Gliederungssystem der Fassade eingebunden.

Atelierartig grosse Wohnräume

Bei erneuter Planungsaufnahme hatte sich die Situation verändert: Die Auftraggeber wünschten sich nun mehrheitlich Wohnungen. Die vom Gestaltungsplan vorgegebene Volumetrie war jedoch auf Büros zugeschnitten, so dass unkonventionelle Lösungen gefragt waren, insbesondere im vorderen Bereich entlang der lärmigen Strasse. Das Resultat sind teils hallen- oder atelierartig grosse Wohnräume, die von den unüblichen Geschosshöhen profitieren und mit einem Unterzug gegliedert sind.
Kernelement jeder Wohnung ist eine Abfolge von Küche, Wintergarten und kleinem Balkon, die den Wohnbereich erweitert. Der Wintergarten, der zum Balkon vollständig geöffnet werden kann, erzeugt mit ihm zusammen einen geräumigen, aber intimen Aussenbereich an diesem dicht bebauten, innerstädtischen Ort. Umgekehrt sind die mehrheitlich korridorlosen Grundrisse so angelegt, dass die  Fensterflächen über Zwischentüren möglichst zusammenhängend und damit grosszügig erfahren werden. Denn – das ist das Positive der engen Nachbarschaft – die Ausblicke sind überraschend vielfältig, oft wie ein Schaufenster zur Stadt oder gehen im hinteren Gebäudeflügel ins gewerblich geprägte Bleicheareal.

Zweifarbiger, warmtoniger Betonboden

Zur Wohnlichkeit trägt die sorgfältige Materialisierung bei. Die lasierten Holzfenster sind mit einem zweifarbigen, warmtonigen Betonboden kombiniert, der in den halböffentlichen Zugangsbereichen geschliffen ist. Ebenso robust und hochwertig ist der Gebäudeteil zur Stadt in gestocktem Sichtbeton ausgeführt, dessen gelbliche Farbe vom Zuschlag aus Kalkstein herrührt und die Farbstimmung vor Ort aufnimmt. Rückwärtig kam eine glatt verputzte Aussendämmung zum Einsatz. Zur vertikalen Gliederung der Fassaden sind zwischen den Fenstern zweigeschossige Streifen in einem etwas dunkleren Ton und mit rauerem Korn angeordnet. Ebenso wurde strassenseitig um die Fenster ein schmaler Bereich glatt belassen, so dass auch hier eine feine, geschossübergreifende Massstäblichkeit entsteht.
Der neue Stadtbaustein gibt der Rheinstrasse mit seiner Farbgebung, den stehenden Fensterformaten, der Arkade und den Terrazzoböden einen südländischen Akzent und der innerstädtischen Verdichtung ein qualitätsvolles Gesicht.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Das Architektur Forum macht Sommerpause und wünscht allen eine gute Zeit!

Im September geht es weiter mit unserem Programm. Demnächst mehr…

Architektur im Film – City for Sale

Einführung durch Andreas Wilcke, Filmemacher, Berlin

Di 19. März 2019, 20 Uhr im Kinok

Berlin gilt als neuer «Hot Spot» der westlichen Welt. Sogar aus den Megametropolen London und New York zieht es die Menschen an die Spree. Das Problem ist, dass immer mehr Menschen hier leben wollen, zumal Wohnungen im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen in Berlin (noch) unschlagbar günstig sind. Die Konsequenz daraus: ehemals staatliche Immobilien und Wohnungen werden privatisiert; Mietwohnungen werden zu Eigentumswohnungen, die sich nur die Reichen leisten können. Doch bevor die Immobilien veräussert werden können, müssen erst einmal die Mieter raus. Ein in den letzten Jahren stetig zunehmender Kreislauf kommt in Gang. Der Kampf um den attraktivsten Wohnungsmarkt Europas geht weiter. Die Dokumentation «City for Sale («Die Stadt als Beute») ist ein Langzeitprojekt von Regisseur Andreas Wilcke. Rund vier Jahre lang begleitete er alle beteiligten Akteure bei ihrem Bewerben, Bieten und Buhlen um den begehrten Wohnraum: Makler, Kaufinteressenten, Investoren, Mieter und Eigentümer. Er begab sich in die verschiedenen Bezirke der Stadt, um den Wandel auf dem Berliner Immobilienmarkt mit der Kamera einzufangen und präsentiert die jüngsten Entwicklungen sachlich und objektiv, zumeist nur als stiller Beobachter. Einen grossen Reiz des Films machen die unverstellten, persönlichen Gespräche und Abläufe von Besichtigungen und Unterredungen aus. Es ist ein intimer Blick hinter die Kulissen des heiss umkämpften Marktes, in dem schnell klar wird: Geld spielt für die Interessenten keine Rolle – zum Leidwesen der langjährigen Mieter und sozial schwachen Bewohner, denen nicht mehr viel bleibt, als sich langfristig an die Ränder der Stadt drängen zu lassen. Dies wird in einer Szene deutlich, die einen Kaufinteressenten an einer Immobilienmesse zeigt. Dieser geht von Stand zu Stand, benennt klar seine Wünsche («Altbau oder Loft») und äussert im Vorbeigehen ganz beiläufig: «Geld spielt keine Rolle.» «City for Sale» feierte 2016 am Filmfestival Max Ophüls Preis seine Premiere und ist aktueller denn je.

Zum Trailer

Regie: Andreas Wilcke, DE 2017, deutsch, 83’

Weitere Vorführung: So 31. März 11 Uhr

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72 oder auf Kinok

Veranstaltungssponsor:
Domus Leuchten und Möbel AG
Inhaus AG
ZZ Wancor AG

Einladungskarte März 2019

Bildnachweis: wilckefilms

Architektur im Film – Architektur der Unendlichkeit

Einführung durch Christoph Schaub, Filmemacher, Zürich

Di 5. Februar 2019, 20 Uhr im Kinok

Es gibt Räume, die ein Gefühl von Transzendenz auslösen. Schaub will dieses Gefühl erforschen und führt durch die Jahrhunderte abendländischer sakraler Bauwerke, zu Architekturkünstlern am Schnittpunkt zwischen Natur und Licht, Proportion und Mass und immer auch zum Menschen und seinem Verhältnis zur Natur, zur Existenz, zur Transzendenz. Eine persönliche Reise durch die Zeit, hin zur eigenen (Un-)Endlichkeit.

Zum Trailer

Regie: Christoph Schaub
CH 2018, deutsch, 91’

Weitere Vorführungen im Februar 2019
siehe www.kinok.ch

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus Leuchten und Möbel AG
Inhaus AG
ZZ Wancor AG

Einladungsarte Februar 2019

Bildnachweis: Pressecenter cineworx

Auf Zeit – Gedanken

Marc Wittmann, Zeitpsychologe, Freiburg im Breisgau / Christoph Schläppi,  Architekturhistoriker, Bern / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 4. Februar 2019, 19.30 Uhr im Forum

Zeit im Raum: Wie Architektur auf das Zeitgefühl wirkt.
Das Phänomen der Veränderlichkeit der subjektiven Zeit ist eng an unsere  momentane Befindlichkeit und Aufmerksamkeit gekoppelt. Jüngste  Forschungsarbeiten aus Psychologie und Hirnforschung zeigen, wie eng Zeiterleben und Körpererleben zusammenhängen. Das Körpererleben, als Basis unseres  Selbstbefindens, erschafft das unmittelbare Zeiterleben im jeweiligen Moment. Aus dem Verständnis um Ich-gefühl und Körpererleben lässt sich ableiten, wie subjektive Zeit entsteht. Auch das unmittelbare Raumerleben wirkt über das  Icherleben auf das Zeitgefühl. Der gefühlte Raum, unser Befinden und die Zeit  wirken in wechselseitiger Verschränkung.

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Einladungsarte Februar 2019

Bildnachweis: Marc Wittmann

Sinnstiftende Irritationen

Wenn uns Bauten Rätsel aufgeben, ist meist die Kunst im Spiel. Warum das gut ist, zeigt eine kleine Rundschau aktueller Kunst-am-Bau-Projekte.

02.02.2019 von Marcel Bächtiger

Neulich kam die Kunst dem Bau in die Quere: Norbert Möslangs blau blinkende Installation  «Patterns» am Bahnhof St.Gallen, besser bekannt als binäre Uhr, besetzte mit der Stirnseite des  neuen Glaskubus just jenen Ort, der für eine grosse Anzeigetafel mit dem aktuellen Busfahrplan vorgesehen war. Man montierte die Anzeigetafel schräg unterhalb der letzten Zeile von Möslangs leuchtenden Symbolen, es schmerzte in den Augen. Man liess sich eines Besseren belehren,  demontierte die Tafel wieder und hängte sie an die seitliche Fassade des Glaskubus. Ein Sieg für die Kunst? Vordergründig ja, jedoch muss man gleich anfügen, dass mit einer besseren  Abstimmung zwischen Auftraggebern, Planern und Künstler der Konflikt von vornherein vermeidbar gewesen wäre. Auch gereichte die Geschichte dem Kunstwerk nicht zum Vorteil, fand sich die binäre Uhr doch plötzlich in einer unmöglichen Interessenabwägung wieder: Ist die Information über die nächsten Abfahrtszeiten für den Reisenden nicht sinnvoller und nützlicher als eine Uhr, die zu allem Unbill niemand lesen kann? Das mag durchaus sein, nur würde unter dem Banner der blossen Nützlichkeit unsere Welt schnell zu gespenstischer Einfachheit gerinnen.

Aufforderung zur Auseinandersetzung

Die «Uhr, die nur Ärger bringt» (so ein St.Galler Parlamentarier) ist ein typisches Beispiel für die Schwierigkeiten, mit denen sich zeitgenössische Kunst am Bau immer wieder konfrontiert sieht: Die Frage nach den Kosten steht schnell im Raum, die nach der Notwendigkeit ebenfalls. Dabei gehört die Nutzlosigkeit zum Wesen der Kunst, meint allerdings nur den Nutzen in seiner banalsten Form. Indem ein Kunstwerk Sinn und Geist der Betrachter stimuliert, indem es Gewissheiten in Frage stellt und neue Perspektiven eröffnet, erfüllt es fraglos einen zivilisatorischen Zweck. Im öffentlichen Raum kommt dies besonders zur Geltung: Die  Aufforderung zur Auseinandersetzung mit dem Ungewohnten richtet sich hier nicht an den  einzelnen Sammler oder die Kunstliebhaberin im Museum, sondern sie adressiert ungefragt die Allgemeinheit. Dass ein Kunstam-Bau-Projekt nicht nur Wohlgefallen, sondern auch Irritation hervorruft, ist deshalb nicht nur nachvollziehbar, sondern in gewissem Mass auch wünschenswert. Möslangs Uhr ist eben nur zur Nebensache eine Uhr, sie ist zunächst und vor allem ein Kunstwerk, das uns alle möglichen Rätsel aufgeben darf, darunter auch jenes nach der unablässig fortschreitenden Zeit.
Auf jeden Fall ist gute Kunst am Bau mehr als blosse Dekoration der Architektur. Tatsächlich überschreitet sie immer häufiger die Grenze zur Konzept- und Aktionskunst. Ebenfalls eine Uhr entsteht derzeit beispielsweise in Klosters, wo das Künstlerduo Remo Albert  Alig und Marionna Fontana den Studienauftrag für ein Kunst-am-Bau-Projekt des neuen Schulhauses gewonnen haben. Auch bei ihrem Werk stehen Zeit, Dauer und Wandel als Themen  im Zentrum, aber anders als bei Möslang weist die Technik nicht in die digitale Zukunft, sondern zurück auf die vielleicht ursprünglichste Erfahrung von Zeit und Raum. Im Boden des  Pausenplatzes wird eine Sonnenuhr eingelassen, welche die Zeit anzeigt, sobald eine Schülerin in der Mitte steht und ihren Schatten auf das Zifferblatt wirft. Der unmittelbaren sinnlichen Erfahrung von Licht und Schatten steht hier die Flüchtigkeit eines Kunstwerks gegenüber, welches unter Mitwirkung des Publikums entsteht und mit seiner Absenz in den Ruhezustand zurückkehrt.

Auswüchse der Fantasie

Das Werk steht in einer langen Tradition von Schulhauskunst: Schon früh schmückten  Wandbilder die Lehranstalten der Schweiz, die Moderne brachte abstrakte Farben und Formen, später folgten frei geformte Brunnen oder farbige Spielskulpturen auf dem Pausenplatz. Für den Einbezug zeitgenössischer Kunst als beispielhaft gelten darf die Bündner Kantonsschule in Chur, bei deren Sanierung und Erweiterung die Kunst schon früh mitgedacht wurde: Das Hochbauamt schrieb für die verschiedenen Häuser und Neubauten nicht nur Architektur-, sondern auch Kunstwettbewerbe aus, was sich in der weitläufigen Schulanlage spürbar niederschlägt. So winden sich nun in der kürzlich eröffneten neuen Mensa und Mediothek merkwürdige Treppen ums Eck, Leitern hängen von der Decke und Türen führen ins Nirgendwo. Auf den Beton gemalt hat sie mit eigenwilligem Strich die Künstlerin Zilla Leutenegger: perspektivische Illusionen, die den eleganten Bau des Architekten Andy Senn gleichzeitig konterkarieren und in seiner schlichten Ästhetik stimmig ergänzen, rätselhafte Ausstrahlungen der Fantasie auch, welche die Gedanken des einen oder anderen Gymnasiasten in unbekannte Gefilde führen.
Das Bemalen von Wänden, bei Zilla Leutenegger in fast schon naiver Manier vorgeführt, ist  gleichzeitig ein Ur-Moment von Kunst am Bau. Bedürfte es dafür eines  anschaulichen Beweises, so fände man ihn im Wirtshaus zur Krone in Hundwil, wo wir auf das Werk «Triade » von Vera Marke stossen. Das wandfüllende Fresko offenbart seinen Sinn nämlich erst im Zusammenspiel mit der historischen «Blauen Stube» im Obergeschoss, wo der Gast vollends von bemalten Wänden und Decken umfasst wird und neben vielem anderen auch die Marmorimitationen bestaunen kann, die wiederum vom zeitgenössischen Fresko im unteren Stock imitiert werden. Von praktischem Nutzen ist hier wenig, anregend vieles. Und lehrreich dazu: eine Recherche des Historikers Thomas Fuchs über die Bilder aus ferner Vergangenheit gehört mit zum Werk.
Die Arbeit von Vera Marke wurde mit dem letzten «Prix Visarte» ausgezeichnet, dem Preis des Künstlerverbands für herausragende Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum. Visarte-Präsident Josef Felix Müller, ein unermüdlicher Kämpfer für die Wertschätzung, die Vermittlung und das Verständnis von Kunst am Bau, verweist in diesem Zusammenhang gerne auf die Datenbank mit sämtlichen eingereichten Projekten, die auf der Website des «Prix Visarte» einsehbar ist. Auch das ist eine Aufforderung zur Auseinandersetzung: Es gäbe noch manches zu entdecken.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Städtische Ausstellung im Forum

Salome Schmucki

Ausstellung: Fr 7. Juni bis So 30. Juni 2019
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Donnerstag, 6. Juni 2019, 18.30 Uhr
Einführung: Kristin Schmidt

Prix Lignum 2018 – Erfolge mit Holz

Jürg Stieger, Forrer Stieger Architekten, St. Gallen / Patrik Jaeger, Jaeger Koechlin Architekten, Basel / Christoph Giger, Giger Nett Architekten, Zürich / Mélanie Eppenberger, Toggenburg Bergbahnen AG, Unterwasser

Mo 21. Januar 2019, 19 Uhr im Forum

Alle drei Jahre und bereits zum vierten Mal zeichnet der Prix Lignum den innovativen, hochwertigen und zukunftsweisenden Einsatz von Holz in Bauwerken, im Innenausbau, bei Möbeln und künstlerischen Arbeiten mit Holz aus.
Unter 15 Rängen aus fünf Grossregionen vergibt die Jury drei nationale Preise: Gold, Silber und Bronze. Die Ostschweiz belegt 2018 mit der Bergstation Chäserrugg national den ersten Platz. Der Spitzenplatz in der Region Ost geht an die Wohnhausaufstockung in St. Gallen.
Das Architektur Forum Ostschweiz lädt in Zusammenarbeit mit der Lignum Holzkette St. Gallen und der Lignum Ost zu zwei Anlässen über Erfolgsobjekte des Prix Lignum 2018 ein. Insgesamt werden sieben Objekte aus den Kantonen TG, SG, AR aus ganz verschiedenen Sparten von den verantwortlichen Architekten oder Bauherrschaften persönlich vorgestellt.
Während des anschliessenden Apéros können bilaterale Gespräche geführt werden.

«Struktureller Holzbau im urbanen Raum» / Aufstockung Wohnhaus Röschstrasse St. Gallen / Jürg Stieger, Forrer Stieger Architekten, St. Gallen

«Holz im öffentlichen Bau» / Wildenstein III, Schulhausanlage Rorschacherberg / Patrik Jaeger, Jaeger Koechlin Architekten, Basel

«Struktur als Sprache» / Haus am Hang, Urnäsch / Christoph Giger, Giger Nett Architekten, Zürich

«Holzbau als Publikumsmagnet» / Bergstation Chäserrugg / Mélanie Eppenberger, Toggenburg Bergbahnen AG, Unterwasser

Anmeldungen bis Fr 11. Januar 2019 an info@nulla-f-o.ch. Teilnehmerzahl beschränkt.

Eintritt frei

Die Ausstellung zum Prix Lignum 2018 im Forum dauert von Mo 21. Januar 2019 bis Sa 26. Januar 2019 und ist täglich von 8 – 18 Uhr geöffnet.

In Zusammenarbeit mit der Lignum Holzkette St. Gallen und Lignum Ost

Prix Lignum

Einladungskarte Januar

Bildnachweis: Corinne Cuendet, Clarens | LIGNUM

Prix Lignum 2018 – Erfolge mit Holz

Marcel Jaeger, Jaeger Maffeo Architekten GmbH, Winkel / Serdar Eyiz,
Adank & Partner AG, Amriswil / Stefan Keller, Forma Architekten AG, St. Gallen

Mi 16. Januar 2019, 12 – 13.30 Uhr «VIVA», Evang. Kirchgemeinde, Rheinstrasse 46, Frauenfeld

Alle drei Jahre und bereits zum vierten Mal zeichnet der Prix Lignum den innovativen, hochwertigen und zukunftsweisenden Einsatz von Holz in Bauwerken, im Innenausbau, bei Möbeln und künstlerischen Arbeiten mit Holz aus.
Unter 15 Rängen aus fünf Grossregionen vergibt die Jury drei nationale Preise: Gold, Silber und Bronze. Die Ostschweiz belegt 2018 mit der Bergstation Chäserrugg national den ersten Platz. Der Spitzenplatz in der Region Ost geht an die Wohnhausaufstockung in St. Gallen.
Das Architektur Forum Ostschweiz lädt in Zusammenarbeit mit der Lignum Holzkette St. Gallen und der Lignum Ost zu zwei Anlässen über Erfolgsobjekte des Prix Lignum 2018 ein. Insgesamt werden sieben Objekte aus den Kantonen TG, SG, AR aus ganz verschiedenen Sparten von den verantwortlichen Architekten oder Bauherrschaften persönlich vorgestellt.
Während des anschliessenden Imbisses können bilaterale Gespräche geführt werden.

«VIVA» / Neubau Kirchgemeindehaus Frauenfeld / Marcel Jaeger, Jaeger Maffeo Architekten GmbH, Winkel

«UNUS» Kreuzlingen / Wohnüberbauung mit 60 Studiowohnungen / Serdar Eyiz, Adank & Partner AG, Amriswil

Neubau Haustechnik Eugster AG Arbon / Stefan Keller, Forma Architekten AG, St. Gallen

Anmeldungen bis Fr 11. Januar 2019 an info@nulla-f-o.ch. Teilnehmerzahl beschränkt.

Eintritt frei

In Zusammenarbeit mit der Lignum Holzkette St. Gallen und Lignum Ost

Prix Lignum

Einladungskarte Januar

Bildnachweis: Naumann Fotografie, Schönaich

Architektur im Film

Didi Contractor – Leben im Lehmhaus

So 28. April 2019, 13.15 Uhr im Kinok

Architektin Didi Contractor arbeitet seit vielen Jahrzehnten an einem neuen Denkmodell der Architektur, welches Landschaft und Haus miteinander vereint. Mit dokumentarischen Mitteln und poetischer Sprache nähert sich der Film einer Künstlerin und Architektin. Die von ihr gestalteten Häuser und deren Bewohner, die natürlichen Materialien – Lehm, Bambus, Schiefer und Flusstein, sowie die Landschaft Nordindiens sensibilisieren uns für Ihre Vision und die globalen Fragen über den Umgang mit Mutter Erde.

Zum Trailer

Regie: Steffi Giaracuni, CH/D 2017, O/d-f, 81’

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus Leuchten und Möbel AG
Inhaus AG
ZZ Wancor AG

Bildnachweis:  First Hand Films

Architektur im Film

City for Sale

So 31. März 2019, 11 Uhr im Kinok

Berlin gilt als neuer «Hot Spot» der westlichen Welt. Sogar aus den Megametropolen London und New York zieht es die Menschen an die Spree. Das Problem ist, dass immer mehr Menschen hier leben wollen, zumal Wohnungen im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen in Berlin (noch) unschlagbar günstig sind. Die Konsequenz daraus: ehemals staatliche Immobilien und Wohnungen werden privatisiert; Mietwohnungen werden zu Eigentumswohnungen, die sich nur die Reichen leisten können. Doch bevor die Immobilien veräussert werden können, müssen erst einmal die Mieter raus. Ein in den letzten Jahren stetig zunehmender Kreislauf kommt in Gang. Der Kampf um den attraktivsten Wohnungsmarkt Europas geht weiter. Die Dokumentation «City for Sale («Die Stadt als Beute») ist ein Langzeitprojekt von Regisseur Andreas Wilcke. Rund vier Jahre lang begleitete er alle beteiligten Akteure bei ihrem Bewerben, Bieten und Buhlen um den begehrten Wohnraum: Makler, Kaufinteressenten, Investoren, Mieter und Eigentümer. Er begab sich in die verschiedenen Bezirke der Stadt, um den Wandel auf dem Berliner Immobilienmarkt mit der Kamera einzufangen und präsentiert die jüngsten Entwicklungen sachlich und objektiv, zumeist nur als stiller Beobachter. Einen grossen Reiz des Films machen die unverstellten, persönlichen Gespräche und Abläufe von Besichtigungen und Unterredungen aus. Es ist ein intimer Blick hinter die Kulissen des heiss umkämpften Marktes, in dem schnell klar wird: Geld spielt für die Interessenten keine Rolle – zum Leidwesen der langjährigen Mieter und sozial schwachen Bewohner, denen nicht mehr viel bleibt, als sich langfristig an die Ränder der Stadt drängen zu lassen. Dies wird in einer Szene deutlich, die einen Kaufinteressenten an einer Immobilienmesse zeigt. Dieser geht von Stand zu Stand, benennt klar seine Wünsche («Altbau oder Loft») und äussert im Vorbeigehen ganz beiläufig: «Geld spielt keine Rolle.» «City for Sale» feierte 2016 am Filmfestival Max Ophüls Preis seine Premiere und ist aktueller denn je.

Zum Trailer

Regie: Andreas Wilcke, DE 2017, deutsch, 83’

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72 oder auf Kinok

Veranstaltungssponsor:
Domus Leuchten und Möbel AG
Inhaus AG
ZZ Wancor AG

Einladungskarte März 2019

Bildnachweis: wilckefilms

Architektur im Film

Architektur der Unendlichkeit

So 24. März 2019, 11 Uhr im Kinok

Der Filmregisseur Christoph Schaub (*1958) war schon als Kind von Kirchenbauten fasziniert. So setzt er in seiner persönlichen Reise durch Raum und Zeit bei seiner Kindheit an. Gemeinsam mit den Architekten Peter Zumthor, Peter Märkli und Álvaro Siza Vieira, den Kunstschaffenden James Turrell und Cristina Iglesias sowie dem Schlagzeuger Jojo Mayer ergründet Schaub die Magie sakraler Räume, deren Definition hier weit über kirchliche Bauten hinausgeht. Vielmehr geht der Film auch Fragen nach, wem eigentlich Spiritualität gehört, und erkundet die Verbindung von sakraler Kunst und Natur. So führt «Architektur der Unendlichkeit» im wahrsten Sinne über Denkgrenzen hinaus. Die schwerelose Kamera des Ostschweizers Ramòn Giger lässt den Zuschauer eintauchen in traumwandlerische Bilder und unternimmt sinnliche Reisen in räumliche Weiten; sie lenkt den Blick in die Unendlichkeit des Sternenhimmels und die Tiefe des Meeres. Christoph Schaub sagt über seinen neuen Film: «Ich habe bei der Arbeit an ‹Architektur der Unendlichkeit› entdeckt, dass ich nicht nur einen Film über sakrale Architektur mache, sondern dass ich auch aus meinem Leben erzählen muss. Die eigentliche sakrale Architektur stand dadurch immer weniger im Mittelpunkt meines Interesses. So sprechen die Protagonisten kaum über ihre Architektur, sondern anhand der Architektur intensiv über philosophische Fragen, die für unsere Existenz essenziell sind. Im Laufe der Arbeit habe ich realisiert, dass ich den Begriff des Raumes ausweiten will. Ich kann genauso über den Raum im Innern des Menschen nachdenken. Der innere Raum kann als unendlich betrachtet werden; jedenfalls hat der innere Raum keine sichtbaren Grenzen, keinen Anfang und kein Ende und auch keinen Mittelpunkt. In der realen, materiellen Welt hingegen kann man sich keine ‹Architektur der Unendlichkeit› in einem konkreten Sinn vorstellen.»

Zum Trailer

Regie: Christoph Schaub
CH 2018, deutsch, 91’

Kinok, Cinema in der Lokremise
Grünbergstrasse 7, 9000 St. Gallen

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, Kinok

Veranstaltungssponsor:
Domus Leuchten und Möbel AG
Inhaus AG
ZZ Wancor AG

Einladungsarte Februar 2019

Bildnachweis: Pressecenter cineworx

Städtische Ausstellung im Forum

Claudia Keel: grün

Ausstellung: Fr 1. März bis So 24. März 2019
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Donnerstag, 28. Februar 2019, 18.30 Uhr
Einführung: Dr. Ingrid Riedel

Jahresthema 2019

Auf Zeit

Was hat die beständige Architektur mit der flüchtigen Zeit zu tun? Architekten wähnen sich oft als Künstler, die in der Zeitlosigkeit arbeiten. Die auftretenden Stilepochen werden als rhythmisch vorantreibende Wellen in diesem Kontinuum angesehen. Mit der Zeit lassen sich die historischen Dimensionen bemessen. Eine weitere unweigerliche Folge des Zeitenflusses stellt der kontinuierliche Zerfall der Materie dar, dieser wird im positiven Sinne und bis zu einen gewissen Grad als Patina bezeichnet. Aus dem Zerfall lassen sich aber auch Strategien des Wiederverwendens oder auf Neudeutsch des Recyclings ableiten.
Wie gehen wir mit dem Zerfall und der Zeitlichkeit um? Meistens wird restauriert und saniert. Aber was machen wir, wenn die Substanz noch intakt ist, sich jedoch die Bedürfnisse geändert haben? Zerstören wir dann etwas, das materiell noch gut ist, oder gelingt es, dieses so umzugestalten, dass es gewandelten Bedürfnissen
genügt?
Guter Architektur mit ihren der Zeit enthobenen Ansprüchen fällt es beim Aushandeln guter Lösungen oft schwer, dem marktwirtschaftlichen Druck standzuhalten.  Da bedarf es meistens der Unterstützung mit politischen Ideen und um diese zu erhalten und zu stärken, braucht es überzeugende architektonische Argumente. Und da sind die Fachleute gefragt, welche um Begründungen für ihre Haltungen ringen. Im AFO wird dies öffentlich und somit nachvollziehbar praktiziert.

Am mittlerweile etablierten Montagabend soll, wie bereits 2018, im Anschluss an ein themengebundenes Fachreferat eine Diskussion mit Gästen aus den Bereichen Soziologie, Philosophie, Kunst, Politik oder Wirtschaft geführt werden. In diesem Jahr widmen wir uns dem Umgang mit der Zeit, der Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit und Veränderungen, auf materieller Ebene und in Bezug zur Gestaltung von öffentlichen und privaten Räumen und Landschaften.
Wieder moderiert durch Dr. phil. Barbara Bleisch und Herr Dr. phil. Jean-Daniel Strub, erhalten die Abende Dichte und Gehalt.

Moderationen

Barbara Bleisch, Philosophin, Zürich
Barbara Bleisch hat in Zürich, Basel und Tübingen Philosophie, Germanistik und  Religionswissenschaften studiert und zu Fragen der globalen Gerechtigkeit am Ethik-Zentrum der Universität Zürich promoviert. Sie moderiert die «Sternstunde Philosophie» bei Schweizer  Radio und Fernsehen SRF und ist Kolumnistin beim «Philosophie Magazin» in Berlin. Bleisch ist ausserdem Dozentin für Ethik in den «Advanced Studies of Applied Ethics» am Ethik-Zentrum der Universität Zürich sowie im Studiengang «Philosophie und Management» an der  Universität Luzern. Zu ihren jüngsten Publikationen gehören «Familiäre Pflichten» (Frankfurt a. M. 2015) und «Ethische Entscheidungsfindung» (Zürich 2014).

Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich
Jean-Daniel Strub ist Projektleiter im Bereich Wissenschaftspolitik beim Rat der  Eidgenössischen Technischen Hochschulen und führt als Gesellschafter sein eigenes Büro Brauer & Strub | Medizin Ethik Politik. In dieser Funktion ist er regelmässig als Moderator im  Einsatz. Ausserdem moderiert er regelmässig Podien im Rahmen von politischen Anlässen im Grossraum Zürich, wozu wiederholt auch Veranstaltungen zu städtebaulichen und  raumplanerischen Fragen gehören.

Sommer Camp Architektur

Dokumentation

2018 konnten wir das Sommer Camp Architektur in Altstätten, St. Gallen und Wil durchführen.

Das dafür erarbeitete Konzept und die Modulbeschriebe wurden durch die 2018 Erfahrungen ergänzt und in einer Dokumentation zusammengefasst.

Der Kurs kann auch als Teil einer Sonderwoche während des Unterrichts durchgeführt werden. Die Lektionen stehen für Lehrkräfte zur freien Verfügung.

Die Informationen zur Vorbereitung, Durchführung und möglichen Modulen werden vom Architektur Forum Ostschweiz zur Verfügung gestellt. Wir erwünschen uns als Gegenleistung ein Feedback, wenn ein Sommer Camp Architektur oder einige Module durchgeführt werden.

Dokumentation Sommer Camp Architektur_Feb_2019

Prix Lignum 2018 – Erfolge mit Holz

Ausstellung

Die Ausstellung zum Prix Lignum 2018 im Forum dauert von Mo 21. Januar 2019 bis Sa 26. Januar 2019 und ist täglich von 8 – 18 Uhr geöffnet.

In Zusammenarbeit mit der Lignum Holzkette St. Gallen und Lignum Ost

Prix Lignum

Bildnachweis: Corinne Cuendet, Clarens | LIGNUM

Das Architektur Forum Ostschweiz wünscht alles Gute für das neue Jahr 2019.

Am 4. Februar starten wir mit unserer neuen Veranstaltungsreihe zum Jahresthema „Auf Zeit“.

Wir freuen uns auf ein weiteres spannendes Jahr.

Dank Fernwärme gut gerüstet

St.Gallen baut die Fernwärme schrittweise aus. Das Büro von Thomas K. Keller gibt ihr über den Bau von Fernwärmezentralen eine prägnante architektonische Gestalt, die auf einem quadratischen Grundraster beruht.

22.12.2018 von Christoph Wieser

Manchmal schliesst sich der Kreis: Auf dem Gelände der ehemaligen Deponie Waldau im Westen von St.Gallen steht seit vergangenem Jahr eine Fernwärmezentrale, deren Hauptenergiequelle verbrannter Abfall ist. Das für die Fernwärmeversorgung benötigte heisse Wasser wird im Sittertobel in der Kehrichtverbrennungsanlage
aufbereitet, die sinnigerweise in «Kehricht-Heizkraftwerk» umgetauft worden war. Die Namensänderung verweist auf die Karriere des Kehrichts, der vom Abfall, der ursprünglich ausserhalb der Stadt entsorgt wurde, zum begehrten Wertstoff oder, wie hier, zum Energielieferanten mutierte.
Das hallenartige Bauwerk mit bewegter Dachsilhouette stellt ein positives, zukunftsgerichtetes Symbol einer im Bereich der Energieversorgung auf Nachhaltigkeit setzenden Stadt dar. Es ist ein Industriebau, aber einer, den man gerne zeigt. Der am Rand eines Wohnquartiers mitten in einem kleinen Park stehen kann, ohne dass davon die spielenden Kinder beeinträchtigt würden. Kein Russ steigt aus den Kaminen und der Geräuschpegel im Innern wird über die Betonhülle gedämmt.

Symbol des Energiekonzepts 2050

Die Fernwärmezentrale Waldau ist der erste Hochbau, der im Rahmen des Energiekonzepts 2050 erstellt wurde. Dabei steht die Förderung der Energieeffizienz und erneuerbarer Energien in den Bereichen Wärme, Elektrizität und Mobilität im Vordergrund. Zu den wichtigsten Massnahmen gehört der Ausbau der Fernwärme, denn heute entfallen über 40 Prozent des städtischen Energiebedarfs auf die Wärmeversorgung. Die Fernwärme, gespeist aus Abfall, stellt dabei eine ressourcenschonende, zukunftsweisende Möglichkeit dar. Der Zentrale Waldau kommt im Netz eine dreifache Rolle zu: Erstens befinden sich hier die Pumpen, mit denen das 80 bis 130 Grad heisse Wasser vom Sittertobel auf den Talboden befördert wird, von wo es zu den Verbrauchern weitergeleitet wird. Zweitens stehen zwei Heizkessel zur Abdeckung der Spitzenlast an sehr kalten Tagen und als Rückversicherung zur Verfügung, falls im Kehricht-Heizkraftwerk eine Störung auftreten sollte. Als Energiequelle dient Öl, was derzeit unvermeidbar, aber ein Schönheitsfehler ist. Drittens wurde ein riesiger Wärmespeicher eingebaut, der die  Schwankungen im Netz ausgleichen kann. Daneben ist noch Platz frei für zwei Blockheizkraftwerke und im nordöstlichen Teil befindet sich ein Tausalzlager des städtischen Tiefbauamts.

Vom System zur Gestalt

Es ist St.Gallen hoch anzurechnen, dass die Stadt über einen Studienauftrag nach einem Konzept suchte, das dem Ausbau der Fernwärme einen architektonisch hochstehenden Ausdruck aus einer Hand geben wird. Das siegreiche Büro von Thomas K. Keller ist derzeit bereits an der Planung einer zweiten Zentrale im Osten der Stadt (Lukasmühle). Die Grundlage bildet erneut das im Wettbewerb entwickelte baukastenartige System. Dieses lässt sich auf einfache Weise an den jeweiligen Standort und die Nutzung anpassen und ist dennoch wiedererkennbar:
Eine schlanke, vorfabrizierte Betonstruktur mit einem Raster von sechs mal sechs Metern bildet das räumliche Gerüst. Dessen Hülle besteht aus shedartigen Oberlichtern und Wänden aus Ortbeton. Die Ausfachungen des Tragwerks könnten auch aus einem anderen Material sein und die quadratischen Oberlichter, deren geschlossene Flächen mit Solarpaneelen belegt sind, lassen sich beliebig drehen.
Die einfache Grammatik ebenso wie die reduzierte Farbigkeit und die robuste Materialisierung der  Fernwärmezentrale erinnern an herkömmliche Industriebauten. Allein die Elemente sind mit hohem gestalterischem Anspruch entworfen und so miteinander verbunden, dass das Resultat mehr ist als die Summe seiner Teile. Die Stützen sind beidseitig abgeschrägt, unten schmal und oben breiter, wo sie auch stärker aus der Wandebene hervortreten. Die Stützenköpfe wirken ein bisschen wie archaische Kapitelle, sind ebenfalls konisch ausgebildet und leiten mittels einer weiteren Schräge zu den Randträgern über. Dadurch entsteht über die simple Reihung der Joche hinweg ein visueller Zusammenhalt. Auch deshalb, weil bei den Knoten die  einzelnen Tragelemente zu festen dreidimensionalen Rahmen verbunden sind und elegant von den Längs zu den Stirnseiten überleiten. Eine bewegte fünfte Fassade bilden die Oberlichter und die beiden Kamine, die der Zentrale einen dynamischen Abschluss geben.
Zwischen die Primärstruktur, die das Gebäude gliedert, sind je nach dahinterliegender Nutzung unterschiedliche Füllungen gesetzt: wandhohe Rolltore beim Salzlager, verglaste Öffnungen beim Treppenhaus und der Kesselhalle sowie in den vordersten zwei Jochen kolossale Drehtüren aus Beton, damit die Heizkessel bei Bedarf ersetzt werden können. Alle geschlossenen Flächen bestehen aus Mischabbruch-Recylingbeton. Unter Mischabbruch werden mineralische Materialien verstanden, die beim Rückbau eines Gebäudes anfallen. Hier wurden dem Beton vorwiegend zerkleinerte Backsteinstücke beigemischt, die den gestockten Oberflächen einen warmen, roten Farbton verleihen.
Während das Treppenhaus ebenfalls gestockt wurde, ist die Kesselhalle betont nüchtern gehalten: Die  unbehandelten Füllungen aus Ortbeton und die etwas dunkleren Betonelemente der Tragstruktur und Oberlichter sind mit der silbernen Technik und braun gestrichenen Stahlteilen kombiniert. Trotz dieser Zurückhaltung ist die Raumwirkung der zwölf Meter hohen Halle beeindruckend. Insbesondere, weil über den vertikalen Lichteinfall die architektonischen Elemente und die technischen Einbauten plastisch modelliert werden. Auch wenn die Anlage kein rauchender Koloss mehr ist wie frühere Kesselanlagen: Die Technik entfaltet dennoch eine elementare Kraft, die von der Architektur gerade so weit gebändigt wird, dass die Einbettung ins Wohnquartier glückt.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Wohnen – Innovation und Strategie

Florian Lünstedt und Gianni Chini, Architekten, Atelier 5, Bern / Elli Mosayebi, Architektin, Zürich / Martin Hofer, Immobilienexperte, Zürich / Moderation Barbara Bleisch,  Philosophin, Zürich

Mo 3. Dezember 2018, 19.30 Uhr im Forum

Bildnachweis: Siedlung Halen, Architektur Atelier 5, im Oktober 2007. (Yoshiko Kusano) / Atelier 5

Als die von Atelier 5 geplante Siedlung Halen bei Bern 1962 fertiggestellt und ihren Käufern übergeben wurde, war sie eine weithin anerkannte Innovation auf dem Sektor des Wohnungsbaus. Sie war eine am grünen Tisch entworfene Idee, ein Vorschlag für das Zusammenleben ihrer Bewohnenden, jedoch keine zwingend notwendige Antwort auf drängende gesellschaftliche Themen.

In der komfortablen Situation, den Menschen solche Angebote zu machen, ohne unmittelbaren gesellschaftlichen Nachdruck, sind wir heute und erst recht in Zukunft vermutlich immer weniger. Denn die Welt ist im Umbruch. Erneuerungen und Veränderungen schreiten immer schneller voran, sind miteinander verflochten und nicht selten einschneidend für die verschiedenen Akteure. Auch vor dem für uns alle bedeutsamen Lebensbereich des Wohnens macht diese Entwicklung keinen Halt.

In der Form eines Essays setzt sich der Vortrag mit den sechs Fragestellungen auseinander – wer baut wo, wie und für wen, wann und warum werden Wohnungen erstellt, bezogen nur auf unseren Kulturkreis.

Mit diesem Fokus wird ein Blick in die Glaskugel der Zukunft geworfen und mögliche Antworten, Strategien sowie Innovationen werden zur Diskussion gestellt. Dies jedoch nicht im Sinne einer streng wissenschaftlichen Auseinandersetzung, sondern gesehen durch die subjektive Brille eines Architekturbüros, das sich seit mehr als 60 Jahren unter anderem intensiv mit dem Wohnungsbau auseinandersetzt.

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Atelier 5

EInladungskarte Dezember

Was vom Wohnen übrig bleibt

Wohnen im Alter hat viele Facetten. Gemeinsam ist allen Formen, dass die Lebensqualität im Zentrum stehen sollte: In den eigenen vier Wänden ebenso wie im Alters- oder Pflegeheim.

01.12.2018 von Christoph Wieser

Wie möchte ich im Alter wohnen? Auf diese Frage gibt es so viele Antworten wie betagte Menschen. Kein Wunder, widmet sich eine stetig wachsende Anzahl an Firmen, Stiftungen, Vereinen, Genossenschaften und öffentlichen Einrichtungen diesem Thema. Unüberblickbar vielfältig sind die Angebote. Darin widerspiegelt sich die fortschreitende Individualisierung der Gesellschaft ebenso wie der Umstand, dass Alter längst nicht mehr mit Armut gleichgesetzt werden kann. Im Gegenteil: So wie der Tourismus zahlungskräftige Senioren umwirbt, profitieren Anbieter von Dienstleistungen für alte Menschen vom hiesigen Wohlstand. Nichtsdestotrotz sind viele auf eine preisgünstige Lösung angewiesen, muss doch oft über Jahre eine Betreuung oder Pflegeeinrichtung bezahlt werden.
Die Palette an Wohnformen reicht von der «normalen» Wohnung über eine spezifische Alterswohnung oder Wohngemeinschaft bis zum Alters- und Pflegeheim. In dieser Reihenfolge nehmen der Bedarf und das Angebot an Unterstützung zur Bewältigung des Alltags schrittweise zu. Dagegen verringert sich der Bewegungsradius der Bewohnerinnen und Bewohner. Ebenso verändern sich die Bedürfnisse an die eigene Wohnsituation: Die Wege ums Haus ersetzen die Spaziergänge durchs Quartier, der Balkon den Garten, der Speisesaal den eigenen Esstisch. Am Schluss zählt der Blick aus dem Fenster. Und besonders die Fürsorge durch Angehörige oder das Pflegepersonal.

Pflegeheim Heiligkreuz in St. Gallen

Deshalb ist die räumliche und atmosphärische Vielfalt zentral. Die Wohnung – oder gar das Zimmer – ersetzt die Welt. Wie also soll eine altersgerechte Wohnung oder ein Pflegeheim aussehen? Das Architekturbüro Allemann Bauer Eigenmann aus Zürich hat jüngst in St. Gallen das Pflegeheim Heiligkreuz fertiggestellt. Nun sind die Alterswohnungen im Bau, die etwas abgerückt stehen, damit der Blick auf die Kirche von Karl Moser frei bleibt. Auf die Frage nach der Wohnvorstellung verweist Patrick Allemann auf das Grandhotel: Wie dort, soll auch das Ambiente des Pflegeheims möglichst angenehm, vielfältig und anregend gestaltet sein. Deshalb liegen die Fensterbrüstungen tief, damit auch vom Bett oder dem Rollstuhl aus die Aussicht genossen werden kann. Die breiten Korridore auf den Etagen sind mit Sitznischen ergänzt. Grosszügig und wohnlich ausgestattet sind die Aufenthaltsbereiche mit Loggia. Im Erdgeschoss liegen die Gesellschaftsräume wie die öffentliche Cafeteria und der Speisesaal, im Untergeschoss der dank Hanglage natürlich belichtete Mehrzwecksaal. Als verbindendes Element wirkt die zentrale Halle, die bis hinunter zum Eingang des Saals reicht und gleichzeitig die Korridore der Pflegegeschosse mit Tageslicht versorgt.
Die räumliche Souveränität, die sich in der Abfolge, Proportion und funktionalen Zuordnung der einzelnen Bereiche zeigt, wird durch die sorgfältige Materialisierung unterstützt. Die Kombination von drei Materialtypen trägt zur angestrebten Vielfalt bei: hochwertige Materialien wie Kalksteinplatten oder «Holzteppiche» mit Fischgratmuster werden mit «armen» Materialien wie Sichtbeton und Zementfaserplatten und «abstrakten» Materialien wie Weissputz ergänzt. Zusammen mit den künstlerischen Interventionen – der Installation von Silvie Defraoui im Lichthof und dem kongenialen Farbkonzept von Adrian Schiess entsteht eine reiche Innenwelt, die dem
sorgfältig gestalteten Gebäude Würde verleiht.

Alterswohnungen Blumenfeld in Altstätten

Eigentlich sollte jede Wohnung auch für alte Menschen behaglich sein. Gute Grundrisse sind an keine Altersgruppe gebunden, sondern Ausdruck hochwertiger Architektur. Gleichwohl gibt es Richtlinien und Eigenschaften, die es bei Alterswohnungen besonders zu berücksichtigen gilt. Dazu gehören grosszügige Eingangsbereiche und Korridore, damit die Bewegungsfreiheit mit einem Rollator oder Rollstuhl gewährleistet ist. Wichtig ist auch der wohnungseigene Aussenraum sowie räumliche Vielfalt. Der österreichische Architekt Josef Frank sprach um 1930 davon, dass eine Wohnung wie eine Stadt Wege und Plätze aufweisen sollte, damit unterschiedliche Zonen entstehen. Betrachtet man unter diesem Blickwinkel die zahlreichen Alterswohnungen, die in der Ostschweiz und dem Bündnerland kürzlich gebaut wurden oder im Bau sind, zeigen sich grosse Unterschiede.
Positiv fallen die Alterswohnungen Blumenfeld in Altstätten auf, die von Gäumann Lüdi von der Ropp Architekten aus Zürich geplant und im Frühling bezogen wurden. «An den Grundrissen haben wir sehr lange gearbeitet, bis sie diese Selbstverständlichkeit erreicht haben», sagt Eva Lüdi. In der Tat tragen bereits die sorgfältig gestalteten Treppenhäuser, der stattliche Balkon, die gezielt gesetzten Ausblicke und die langlebige Materialisierung zum guten Gesamteindruck bei. Kernstück der Wohnungen ist das räumliche Zusammenspiel von Entrée, Küche und Wohn-Ess-Raum, die mit einem möbelartigen Element voneinander getrennt und dennoch offen verbunden sind.
Dank der windmühlenartigen Grundrissform der beiden Punkthäuser ist jede der Wohnungen dreiseitig orientiert. Zudem ermöglicht dieser Gebäudetyp, dass die Parzelle nicht zu stark überstellt werden musste und die geforderte Renaturierung des Bachs umgesetzt werden konnte. Als verbindendes Element trägt die Wandelhalle mit einer Sitzbank wesentlich zur Gemeinschaftsbildung bei.
Immer öfter werden Alters- und Pflegeheime mit Alterswohnungen kombiniert, da auf diese Weise alle Pflegestufen bedient werden können. Auch die Bewohnerinnen und Bewohner der Alterswohnungen Blumenfeld profitieren vom unmittelbaren Umfeld: Neben dem bestehenden kleinen Altersheim hat sich im Erdgeschoss die Pro Senectute eingemietet und auf der anderen Strassenseite liegt das Alters- und Pflegeheim Haus Viva. Bleibt die Frage: Sind solche Zentren die Zukunft? Oder eher Seniorenwohngemeinschaften und generationenübergreifendes Wohnen, wie vermehrt propagiert wird?

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Werkbeiträge

Vergabe Werkbeiträge 2018

Mi 28. November 2018, 18.30 Uhr im Forum

Die Stadt St.Gallen vergibt jährlich bis zu sechs Werkbeiträge in der Höhe von je CHF 10’000. Ziel ist es, die Entwicklung und Realisierung von neuen, anspruchsvollen und qualitativ hochstehenden Projekten zu ermöglichen.

Es erfolgt eine öffentliche Ausschreibung. Es werden nur Bewerberinnen und Bewerber berücksichtigt, welche in der Stadt St.Gallen wohnhaft sind. Ausgenommen davon sind einzig Kulturschaffende, welche sich im Zusammenhang mit einer Ausbildung vorübergehend auswärts aufhalten.

Die Kommission für Kulturförderung juriert die eingegangenen Bewerbungen und schlägt dem Stadtrat sechs Kandidatinnen und Kandidaten vor. Der Entscheid des Stadtrats erfolgt Anfang April.

Gewährte Werkbeiträge 2018:

Hopes & Venom, Musik
Claudia Keel, Bildende Kunst
Rachel Lumsden, Bildende Kunst
Panorama Dance Theater, Tanz
Kathrin Rieser, Theater
Salome Schmuki, Bildende Kunst

Energieagentur@AFO – Nachhaltiges Bauen am Beispiel Hunziker Areal

Claudia Thiesen, Baugenossenschaft mehr als wohnen, Zürich/ Dan Schürch, Duplex Architekten, Zürich

Mo 19. November 2018, 19.30 Uhr im Forum

Bildnachweis: 2016-2000-Watt-Areal-EnergieSchweiz

Der runde Tisch Energie und Bauen und das Architektur Forum Ostschweiz laden zur jährlichen Informationsveranstaltung ein.

Die Baugenossenschaft mehr als wohnen verbindet das Altbewährte der erfolgreichen Genossenschaftsgeschichte mit neuen Impulsen. Geplant und realisiert wurde ein Leuchtturmprojekt einer ganzheitlich verstandenen Nachhaltigkeit: das Hunziker Areal, ein urbaner Quartierteil mitten im Entwicklungsgebiet Zürich Nord. Hochwertige gemeinschaftsfördernde Architektur und Qualität in der Bauausführung ermöglichen sowohl ein lebendiges Quartier als auch einen nachhaltigen Unterhalt der Gebäude. Von sich reden machte insbesondere das Haus A von Duplex Architekten mit den Clusterwohnungen.

Begrüssung und Moderation
Silvia Gemperle | Energieagentur St.Gallen

Von der Brache zum Stadtquartier
Claudia Thiesen
Baugenossenschaft mehr als wohnen
Dipl. -Ing. Architektin SIA

Cluster – die andere Wohnform im Haus A
Dan Schürch
Duplex Architekten
Architekt FH SIA

Fragerunde und Diskussion
Apéro

Der Eintritt ist frei

www.energieagentur-sg.ch

Einladungskarte Nachhaltiges Bauen

Wohnen – Im Umbruch

Käferstein & Meister Architekten, Zürich / Marina Hämmerle, Baukultur, Dornbirn / Achim Hahn, Architekturtheoretiker und -kritiker, Dresden / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 5. November 2018, 19.30 Uhr im Forum

Bildnachweis: Käferstein & Meister, Zürich / Jürgen Beck, Zürich / Goswin Schwendinger, London

Formalismus als Ausgangsbasis ist ausgeschlossen! Wohnen ist in ständigem Umbruch und muss fortwährend neu untersucht und interpretiert werden. Dies gilt im Besonderen für das Bauen im Bestand. Robert Venturi hat in „Komplexität und Widerspruch“ das Zerlegen der Architektur in ihre Einzelteile als eine notwendige Vorgehensweise in der Tätigkeit des Architekten beschrieben. Zergliederung ist ein Prozess, um das Verständnis für das Bestehende erst erhalten zu können. Wir müssen die Dinge auseinandernehmen, in Einzelteile zerlegen, um sie in einer Übersetzung oder Neuinterpretation wieder zusammenzufügen. Aus der Logik in der Vermittlung zwischen den Teilen und dem Ganzem entsteht letztlich die neue Identität des Raumgefüges. Reyner Banhams Vorstellung einer «Erinnerbarkeit als Bild» ist uns ein Schlüssel zur Unberechenbarkeit und Schönheit des Wohnens.

Wegen Krankheit von Barbara Bleisch wird die Diskussionsrunde von Jean-Daniel Strub moderiert.

Käferstein&Meister

Veranstaltungssponsor:
Franke

Einladungskarte November

Öffentliche Schlussveranstaltung

Partnerstadt St. Gallen

Di 30. Oktober 2018, 18.30 Uhr im Forum

Partnerstadt St.Gallen – Ein Projekt der HSR Hochschule für Technik Rapperswil und der Stadtplanung St.Gallen.

Öffentliche Schlussveranstaltung und Ausstellung auserwähler Projekt- und Bachelorarbeiten aus dem Studienjahr 2017/18.

Die Stadt St.Gallen, vertreten durch die Stadtplanung und die HSR Hochschule für Technik Rapperswil, vertreten durch den Studiengang Stadt-, Verkehrs- und Raumplanung haben im Jahr 2017 eine Vereinbarung über eine Zusammenarbeit abgeschlossen. Die Zusammenarbeit sah vor, dass praktisch sämtliche Projekt-, Studien- und Bachelorarbeiten der Studierenden des Studiengangs Stadt-, Verkehrs- und Raumplanung für das Studienjahr 2017/18 mit Bezug zur Stadt St.Gallen erarbeitet wurden.

Diese Zusammenarbeit ermöglichte es den Studierenden, ihre Arbeiten und Projekte mit einem unmittelbaren Bezug zu konkreten und aktuellen raumplanerischen Fragestellungen und Herausforderungen auszuarbeiten. Sie setzen sich unter realistischen Bedingungen des Berufslebens mit aktuell anstehenden Planungsaufgaben in der Stadt St.Gallen auseinander und standen dabei in direktem Kontakt mit den Beteiligten eines Planungsprozesses.

Das Projekt Partnerstadt St.Gallen ist auch für die Stadt von Nutzen, so gibt es einige interessante Planungsansätze die in der Realität aufgegriffen werden könnten.

Die öffentliche Schlussveranstaltung und Präsentation ausgewählter Projekte wird am Dienstag, 30. Oktober 2018 um 18.30 Uhr im Architektur Forum Ostschweiz, Davidstrasse 40, St.Gallen stattfinden. Medienschaffende sind herzlich eingeladen.

Die Ausstellung ausgewählter Arbeiten kann anschliessend von Fr. 2. November – Fr. 9. November 2018 während der Büroöffnungszeiten im 3. OG im Amtshaus, Neugasse 1 und 3, besichtigt werden.

Einladung öffentliche Schlussveranstaltung

BSA @ AFO – Vernissage Plakatausstellung

Junge Denkmäler – Zeitzeugen berichten

Mo 22. Oktober 2018, 18.30 Uhr Studiobühne Theater St. Gallen

Bildnachweis: Bauen + Wohnen, Band 22 (1968)

Der BSA beteiligt sich am Europäischen Kulturerbejahr 2018 mit einer Ausstellung zu jungen Denkmälern. Diese wandert  durch alle Regionen des Landes und macht vom 22. Oktober bis zum 1. November 2018 vor dem Theater St. Gallen halt. An der Vernissage in der Studiobühne berichten unsere älteren BSA-Mitglieder aus der Zeit des St. Galler Theaterbaus. Von ihren Vorbildern, von ihren Idealen, von ihrer eigenen Weise des Entwerfens. Junge Denkmäler und ihre Zeit werden lebendig!

18.30 Einführung in die Ausstellung
Caspar Schärer, Architekt und Journalist, Generalsekretär BSA

Das Stadttheater St. Gallen von 1970 bis 2010: Vom Umgang mit dem Denkmal
Meinrad Hirt, Architekt, Mitglied BSA Ostschweiz

Die späten Sechzigerjahre: ein strukturalistischer Entwurf
Robert Bamert, Architekt, Mitglied BSA Ostschweiz

Statements: Zeitzeugen berichten
Moderation: Thomas Keller, Obmann BSA

Ab 19.45 Apéro riche
Offeriert vom Architektur Forum Ostschweiz

 

Ausstellung Junge Denkmäler

Einladung

Urbane Grandezza

Im Stickereiquartier in St.Gallen feiert die Baukultur eine Renaissance: Der Neubau der Schule St.Leonhard zeugt von einer  architektonischen Sorgfalt, wie man sie nicht alle Tage findet.

20.10.2018 von Marcel Bächtiger

Nirgends ist St.Gallen grossstädtischer als im Stickereiquartier. Ungewohnt sind die Dimensionen der Backsteinbauten, ungewohnt die langen Strassenzüge und das rationale Bebauungsmuster. Man fühlt sich hier, im Westen der Gallusstadt, plötzlich als Teil der grossen weiten Welt, muss allerdings gleich konstatieren, dass dieses Gefühl vor allem eine Ahnung vergangener Grösse ist. Die stolzen Handels-, Lager- und Bürohäuser erzählen von einer Blütezeit, die mittlerweile über 100 Jahre zurückliegt. Die Stickereifirmen sind verschwunden, die Bauten mehrfach umgenutzt.
Über Jahrzehnte befand sich das Quartier in einem Dornröschenschlaf, bis man in St.Gallen wie anderswo bemerkte, wie gut sich aufgegebene  Industriebauten für Kultur- und Gastronutzungen eignen. Neues Leben zog in alte Hallen, und wenn man heute der Davidstrasse entlanggeht, dann begegnet einem Frische und Heiterkeit, wo vor nicht allzu langer Zeit noch der schwere Staub der Vergangenheit das Bild bestimmte.

Städtisch im Ausdruck, schülergerecht im Detail

Mit dem Erweiterungsbau der Schule St.Leonhard ist nun mitten im Quartier ein neues Bauwerk entstanden, das sinnbildlich für dessen  Renaissance steht: dezidiert öffentlich und städtisch im Ausdruck, dabei schülergerecht im Detail, vor allem aber baukünstlerisch ambitioniert auf allen Ebenen. Den Architekten Marion Clauss und Marco Merz sind dabei gleich mehrere Kunststücke gelungen – keine Zaubereien wohlgemerkt, sondern Zeugnisse einer entwerferischen Sorgfalt, die man nicht aller Tage findet.
Es ist beispielsweise keine Selbstverständlichkeit, dass ein Neubau sowohl die grosse Geste beherrscht, als auch auf das feine Detail achtet. Der  Erweiterungs-bau, hinter dessen Fassaden sich eine Turnhalle, ein Mehrzweckraum, ein Aussenspielplatz sowie die Räume der Tagesbetreuung befinden, besitzt eine markante Volumetrie, die sich selbstbewusst im Stadtraum ins Szene setzt. Gleichzeitig verbindet sich der Bau subtil mit der unmittelbaren Umgebung. Wir sehen keine auf sich selbst bezogene Kiste, sondern einen Baukörper mit facettenreicher Physiognomie. So weist ein Versatz auf der Längsseite auf die innere Struktur hin, reagiert aber auch auf die Flucht der Nachbarsbauten. Der Betonsockel trägt die Backsteinfassaden, führt aber gleichzeitig ein Eigenleben; einmal wird er zu Arkade, einmal zum auskragenden Vordach, einmal zum aussen liegenden Raumgerüst. Aus ihm entwickeln sich die Brüstungsmauern und die Treppenaufgänge, die von der Strasse zum Hof hinaufführen. Alles trägt dazu bei, dass der Backsteinbau, der von weitem Präsenz markiert, beim Näherkommen mit den umliegenden Strassenräumen verwachsen scheint.

Alt und neu im Dialog

Es ist auch keine Selbstverständlichkeit, dass der Dialog mit den geschichts-trächtigen Nachbargebäuden nicht in schalen Historismus mündet. Marion Clauss und Marco Merz greifen in ihrem Entwurf zwar die Backsteinarchitektur auf, die für das alte St.-Leonhard-Schulhaus wie für viele Stickereigebäude charakteristisch ist, verwandeln sie aber in etwas Eigenständiges. Die grossen geschlossenen Fassadenflächen sind ihnen Anlass, verschiedene Klinkerverbände durchzudeklinieren. Das Spiel mit den unterschiedlichen Fügungsarten legt über die streng gegliederte Wand ein heiteres Gewand, das in Licht und Schatten changiert. Weit oben, wo sich der Aussenspielplatz befindet, dringen selbst Sonnenstrahlen durchs aufgelockerte Gemäuer: eine unerwartete Transparenz, die den massiven Körper auflöst wie die beidseitig verglaste Turnhalle, die dem Passanten einen überraschenden Durchblick auf das dahinterliegende historische Schulhaus bietet. Zwanglos  korrespondieren Alt und Neu über den gemeinsamen Pausenhof und sich gegenüberliegende Eingänge; die fulminante Eingangshalle des alten Schulhauses (1887 von Wilhelm Dürler und Julius Kunkler erbaut) findet ihre informelle Entsprechung im Erdgeschoss des Neubaus, wo sich  der Klinkerboden des Pausenhofs fortsetzt und zur architektonischen Landschaft wird. Ohnehin scheint die erstbeste Lösung den Architekten nie genug gewesen zu sein, im Gegenteil: Jedes Problem reizt sie zur Erfindung. Dass der oben liegende Aussensportplatz beispielsweise  sowohl intern wie extern erschlossen sein muss, führt sie zum Entwurf einer doppelt geführten Treppe mit gegenseitigen Durchblicken: einer  Art Betonskulptur, die den Sinn für Raumlogik herausfordert.

Am Anfang stand ein Wettbewerb

Auch was einem selbstverständlich vorkommt, ist nicht selbstverständlich. Dass der Neubau in Grösse und Massstab dem alten Schulhaus  gleichgestellt ist, und dass zwischen den beiden Bauten als drittes Element der Pausenhof liegt – wie sollte es anders sein? Ein kurzer Blick in den Jurybericht des Wettbewerbs genügt, um etliche Alternativen zu entdecken. Und wir sehen: Unter den 74 eingereichten Projekten war das Erstrangierte eines der wenigen, das auf die scheinbar naheliegende städtebauliche Lösung kam. Die Mehrzahl der Entwürfe hatte sich in Demut vor dem historischen Bestand geübt, die Turnhalle ganz oder teilweise im Untergrund versenkt und ein deutlich kleineres sichtbares Bauvolumen vorgeschlagen. Denkbar, sicherlich, aber auch teurer. Und vor allem würde man vermissen, was einen heute am Neubau freut:  eine gewisse urbane Grandezza.
Lob gebührt allerdings nicht nur den Architekten und ihren Mitstreitern für ihr Projekt, sondern auch dem Hochbauamt der Stadt St.Gallen für das durchgeführte Verfahren. Ihm dürften die Namen Marion Clauss und Mario Merz nämlich bisher nicht geläufig gewesen sein. Tatsächlich handelt es sich beim Projekt für das Schulhaus St.Leonhard um den ersten grossen öffentlichen Auftrag des jungen  Architekturbüros. Möglich war dies nur dank eines offenen anonymen Projektwettbewerbs – dem nach wie vor besten Instrument der Nachwuchs- und Baukulturförderung. Es bescherte der Stadt St.Gallen eines der überzeugendsten Architekturprojekte der letzten Jahre. Dabei ist die sorgsame Sanierung des Altbaus, die Clauss und Merz bereits vor einem Jahr abgeschlossen haben, noch gar nicht erwähnt.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Wohnen – Multikulturelle Inspiration

Gus Wüstemann, Architekt, Zürich / Nicola Hilti, wissenschaftliche Mitarbeiterin FHS St. Gallen, ehemalige Mitarbeiterin ETH Wohnforum – ETH CASE / Jørg Himmelreich, Architekt, Chefredaktor archithese, Zürich / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 1. Oktober 2018, 19.30 Uhr im Forum

Bildnachweis: gus wüstemann architects

Nachhaltigkeit und beschränkte Ressourcen sind wichtige Faktoren in der heutigen Planung: Mehr für alle und weniger  für einige – wie lösen wir diese Parameter im zeitgenössischen Wohnungsbau?
Es braucht ein Umdenken, d.h. kleinere Wohnfläche pro Person, weniger Assoziation der Wohnbauten und Räume mit Konnotation von sozialem Status, weniger Wertigkeit. Identität schaffen mit einer Rückbesinnung auf das Wesentliche: die Beziehung von Mensch und Raum, Leere und Masse, dies im privaten wie im öffentlichen Raum.
Multikulturelle Inspiration steht für uns hier für die Offenheit, kulturelle oder private Konnotationen nicht als das einzig  Richtige zu zementieren sondern Vorurteile abzubauen, um so neue Lösungen und Identitäten finden zu können.
Alle Menschen sind gleichwertig und verdienen die gleiche Würde und den gleichen Respekt. Wir sehen unsere  Architektur als TOTAL RECALL: als Referenz, zu spüren, was wirklich ist, eine plötzliche Klarheit, unabhängig vom Programm, ohne Hierarchie oder Status, nur ein Hauch von kulturellem Kontext, wie eine Ruine in der Landschaft.

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

gus wüstemann architects

Einladungskarte Oktober

Wenn die Natur zur Attraktion wird

Die Medien berichten flächendeckend, die Besucher kommen zu Tausenden: Der Baumwipfelpfad oberhalb Mogelsberg scheint den Nerv der Zeit zu treffen. Warum eigentlich?

22.09.2018 von Marcel Bächtinger

Über mangelnde mediale Aufmerksamkeit kann sich der Baumwipfelpfad oberhalb Mogelsberg nicht beklagen. Die Strahlkraft der neuen Attraktion im Toggenburg reicht dabei weit über die Grenzen desselben hinaus. Das Schweizer Fernsehen war schon zu Gast, die «Schweizer Illustrierte» ebenfalls. In den sommerlichen Ausflugsempfehlungen der «Sonntagszeitung» fand sich der frisch eingeweihte Baumwipfelpfad neben Klassikern wie dem Unesco-Weltnaturerbe Aletschgletscher wieder, während die Lonely Planet-Website die frohe Kunde von der Eröffnung unter den Rucksacktouristen des ganzen Erdballs verbreitete. Vor wenigen Wochen schliesslich ehrte die altgediente Fachzeitschrift des Schweizer Ingenieur- und Architektenverbandes die wagemutige Holzkonstruktion mit einem doppelseitigen Bericht.
Das gemeine Volk tut es den Medienschaffenden gleich, zumindest an sonnigen Wochenenden: Scharenweise erscheint es dann im beschaulichen Mogelsberg und sucht sich seinen Weg zwischen Einfamilienhäusern und Kuhwiesen hindurch zum etwas höher gelegenen Steinwäldli, wo es vom  Duft gegrillter Bratwürste empfangen wird. Der Baumwipfelpfad ist nämlich nicht bloss ein Baumwipfelpfad, sondern auch ein Wipfel-Bistro mit Brätel-Stellen, ein Shop, ein Spielplatz und ein Walderlebnispfad – doch dazu später. Nach hundert Betriebstagen jedenfalls vermeldete die Trägerschaft bereits stolze 50000 Besucher (und 6591 verkaufte Bratwürste). Woher rührt das aussergewöhnliche Interesse am Projekt? Und was sagt es über unser Verhältnis zur Landschaft aus?
Bei Licht besehen entbehrt die Neuheit «Baumwipfelpfad» nicht einer gewissen Paradoxie, bestaunen wir hier doch etwas, das schon immer und schon lange vor dem Baumwipfelpfad da war: die Landschaft des Neckertals mit ihrer dichten Abfolge von Wiesen und Wäldern, von sanften Hügeln und schroffen Abhängen, die stille Vielfalt von Tier und Pflanzenwelt, ihren Wandel in Wetter und Jahreszeiten.
Wozu also, so muss die kritische Folgefrage lauten, braucht es überhaupt einen Baumwipfelpfad? Die erste Antwort liegt nahe: Weil sich die Wahrnehmung des scheinbar Bekannten zu verändern beginnt, sobald man auf den Holzplanken des Pfads entlangschreitet. Das Projekt weiss dabei geschickt mit den topografischen Gegebenheiten zu spielen: Auf erstaunlich kurzer Strecke gewinnt man überraschend an Höhe, ohne dass man dabei eine einzige Stufe erklimmen müsste. Plötzlich öffnen sich unter einem weite Abgründe, und was man normalerweise aus der Froschperspektive sieht, den Kopf tief in den Nacken gelegt, ist plötzlich zum Greifen nah: die spriessenden Äste, die Baumkronen, die namensgebenden Wipfel. Der einen oder anderen Besucherin mag es in diesem Moment vorkommen, als sähe sie Fauna und Flora des Toggenburgs zum ersten Mal, und wenn aus diesem sinnlichen Erlebnis auch eine neue Wertschätzung der heimischen Natur erwächst, dann wäre eines der Ziele des Projekts bereits erreicht.

Nie endende Betriebsamkeit, aber keine Stille

Es ist gleichzeitig kein Geheimnis, dass sich neben die pädagogischen handfeste touristische Interessen reihen. Der elegante Stelzenbau, der sich wie eine grosse Schlange durch das Steinwäldli windet, soll nicht zuletzt als Impulsgeber für eine Region wirken, welche die schleichende Abwanderung von Mensch und Arbeit fürchtet. Mustergültig erfüllt der Baumwipfelpfad dabei die Ansprüche eines sanften Tourismus, hält das Regionale und das Ökologische hoch, verweist mit Recht und Stolz auf das heimische Holz und die lokalen Unternehmer und trifft damit zweifelsfrei den Nerv einer Zeit, die «Nachhaltigkeit» zum Wort der Stunde erhoben hat. In die gleiche Richtung deuten die Spiel- und Lernangebote, die zu Füssen des  Baumwipfelpfads versammelt sind. Im Detail sorgfältig gedacht und gestaltet, befördern sie ob der räumlichen Nähe von Wipfelpfad, Bistro und Shop allerdings auch den Eindruck einer nie endenden Betriebsamkeit: Was Natur auch sein könnte – nämlich die Erfahrung von Stille, Zeit und  Einsamkeit –, droht sich hier ins Gegenteil zu verkehren.

Tradition in zeitgenössischem Gewand

Das Kapital des Baumwipfelpfades jedenfalls ist die Landschaft selbst, und seine Leistung liegt darin, diese Landschaft aus der Vergessenheit geholt  und zu neuer Sichtbarkeit gebracht zu haben: Der Pfad macht die Natur zur Attraktion. Es geschieht dies mit einer Architektur, welche das Kühne, das sich aus der schieren Höhe der Stützen und dem verwegen darüber gelegten Pfad ergibt, mit nobler gestalterischer Zurückhaltung kombiniert. Alles konzentriert sich hier auf den sanften Schwung der Promenade, die der Flugbahn eines Vogels nachempfunden scheint und dem Besucher immer neue Ausblicke vors Auge zu zaubern weiss.
Doch je körperlicher die Erfahrung, je unabwendbarer das Schwindelgefühl, desto weniger will einen die Frage loslassen, ob es denn all dieses Zaubers bedarf, um uns die Schönheiten der Natur sehen zu machen. Man sollte sich in die Frage jedoch nicht verbeissen: Denn schon immer war es der  touristische Blick, der die Schönheit in einer Landschaft entdeckte, welche man bislang bloss bewirtschaftet oder gefürchtet oder gar nicht beachtet  hatte. Und schon immer wurde die Landschaft in der Folge her- und eingerichtet, um all jenen Genüge zu tun, die gekommen waren, die Wunder der Natur zu schauen. Auch im Toggenburg: Aus Viehpfaden wurden Wanderwege, aus Bauernhöfen Gasthäuser. Wo der Ausblick als besonders ergötzlich galt, stellte der örtliche Kurverein bald schon eine Sitzbank hin. Gondel- und Sesselbahnen, die den Gast in bisher unerreichbare Höhen beförderten, liessen nicht lange auf sich warten.
So gesehen ist der Baumwipfelpad im Neckertal nichts anderes als die Fortführung einer tourististischen Tradition in zeitgemässem Gewand – umso besser, wenn er gestalterisch überzeugt. Kürzlich ist das Wunderwerk aus Holz übrigens auf einem englischen Reiseblog aufgetaucht. Der Autor sprach dem Baumwipfelpfad ein grosses Lob aus: «It’s definitely instagram worthy!» Damit wären wir dann definitiv im 21. Jahrhundert angelangt.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Museumsnacht

Städtische Ausstellung, Peter Dew

Sa 8. September 2018, 18–1 Uhr im Forum

Fundstücke, Magazinseiten, kleine Beobachtungen – Peter Dews künstlerische Materialien sind alltäglich, einfach und unaufdringlich. Unter den Händen des Künstlers verwandeln sie sich in Bildserien und Plastiken voller Poesie, Humor und Doppeldeutigkeiten. Der gebürtige Brite ist ein stiller Künstler mit einem grossen Gespür für die Aussagekraft kleiner Dinge.

ab 18 Uhr Barbetrieb

19.30 und 21.30 Uhr
Sven Bösiger, sound performance

Ticket 20.– für Eintritt in alle beteiligten Museen sowie freie Fahrt mit dem Rundkurs, dem Shuttlebus (Stocken) und in der Ostwind Zone 210 inkl. Nachtzuschlag
www.museumsnachtsg.ch

Ausstellung: Fr 31. August bis So 23. September 2018
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr
Vernissage Do 30. August um 18.30 Uhr. Einführung Kristin Schmidt

Peter Dew

Sven Bösiger

Kleinod am See

Vom Sturm zerstört, musste das Badihaus in Mammern erneuert werden. Entstanden ist kein gesichtsloser Ersatz, sondern ein sorgfältig gestalteter Holzpavillon, der dem aussergewöhnlichen Ort gerecht wird.

04.09.2018 von Christoph Wieser

Gute Architektur beginnt im Kopf. Im Bewusstsein der Auftraggeber, dass reine Zweckerfüllung nicht ausreicht. Dass ein Gebäude, mag es noch  so klein sein, das Umfeld im Guten wie im Schlechten über Jahrzehnte hinaus prägt, im Dorfkern ebenso wie in der Stadt oder in der Agglomeration. Jedes neue Bauwerk ist somit eine Chance zur Schaffung von kulturellem und gesellschaftlichem Mehrwert, die genutzt werden  sollte. Denn dieser Mehrwert kommt allen zugute: Er steigert das Wohlbefinden der Bewohner, Benutzer und Gäste; er verstärkt die  Identifikation mit dem Ort, was den Auftraggebern und Investoren ebenso dient wie der Standortgemeinde. Dazu bedarf es nicht immer einer grossen Geste. Bestes Beispiel dafür ist der Ersatzneubau des Badihauses in Mammern.
Am 2. August 2017 wütete ein heftiges Unwetter am Untersee. Der Sturm entwurzelte die mächtige Pappel mit einem Stammdurchmesser von  1,6 Metern, das Wahrzeichen der Seebadi in Mammern prallte auf den Kiosk mit Umziehkabinen. Innert Sekunden war die Idylle zerstört. Wie weiter? Ein Wiederaufbau lohnte sich nicht, da die Infrastruktur zu klein geworden war und der Kanton Thurgau ein rollstuhlgängiges WC forderte, das bislang fehlte.

Mut zur Baukultur

Es sollte also ein Neubau sein. Aber nicht irgend einer, sondern ein guter: Dank der Initiative der Gemeinderätin und Schulpräsidentin Monika Ribi Bichsel, zu deren Ressort die Badi gehört, wurde von Anfang an etwas gesucht, das Freude macht und damit dem schönen Ort gerecht wird. Dies ist umso bemerkenswerter, weil die Behörden oft genug aus Respekt vor allfälliger Opposition der Bevölkerung oder womöglich etwas höheren Kosten, keine Alternativen prüfen, sondern einfach die erstbeste Lösung umsetzen. Zum Glück gingen die Mammerer einen anderen  Weg: Der Gemeinderat beauftragte das Architekturbüro Lauener Baer aus Frauenfeld mit dem ortsansässigen Partner Donatus Lauener mit der Planung. Ein Direktauftrag war in diesem Fall sinnvoll, weil die Kosten mit rund 425 000 Franken (inklusive Umgebung und Honorare)  bescheiden waren, das Vorhaben möglichst schnell umgesetzt werden sollte und die Arbeit des Büros in Mammern wegen des Neubaus des Schifflandestegs 2012 bereits bekannt war.
Gleichwohl bedurfte es von Seiten der Behörden etwas Mut, denn Lauener bringt sich immer wieder konstruktiv in das Baugeschehen der  Gemeinde ein, was natürlich nicht allen gleichermassen gefällt. Das Projekt für das Badihaus stiess von Anfang an auf breite Zustimmung, so dass der Baukredit im vergangenen November einstimmig angenommen wurde. Das liegt an den architektonischen und funktionalen Qualitäten des Entwurfs. Der Entscheid verdeutlicht aber auch den Stellenwert, den die Badi in Mammern einnimmt: Sie ist neben dem Landesteg der einzige öffentliche Zugang zum See. Wegen der einmaligen Lage, den malerischen Sonnenuntergängen, gerahmt vom Seerücken, dem  Rodenberg und dem Hohenklingen mit der Rheinmündung im Zentrum, zieht der Ort von weit her Gäste an.

Runder Holzpavillon – wie ein weiterer Obstbaum

Bauten in der freien Landschaft sind naturgemäss besonders exponiert. Entsprechend gibt es verschiedene Vorgehensweisen, wie das Verhältnis von Gebäude und Umgebung gestaltet werden kann. Manche Architekten entscheiden sich für einen Kontrapunkt, der das Gebäude grösstmöglich inszeniert, andere suchen die Verschmelzung mit der Topografie.
Lauener Baer entschieden sich für einen Mittelweg: Wie ein weiterer Obstbaum steht der 16-eckige, Holzpavillon auf dem leicht zum Ufer hin abfallenden Grundstück. Dank seiner runden Form wird er sozusagen von der Wiese umspült und stellt sich dem Ausblick nicht in den Weg, wie dies bei einem längs gerichteten Gebäude der Fall gewesen wäre. Der Zentralbau strahlt trotz seiner bescheidenen Grösse eine selbstbewusste Präsenz aus. Die beziehungsreiche Formensprache weckt alle Arten von Assoziationen, die von Eisdiele, Rundtempel oder Gartenpavillon bis zum chinesischen Teehaus im Park Sanssouci in Potsdam reichen. Dieser letzte Vergleich wird vom feinen, mit Kupfer gedeckten Dach mit erhöhter Mittelzone hervorgerufen, die ein Oberlicht für den Officebereich enthält. Dank seiner stimmungsvollen, unmittelbar ansprechenden Form wirkt der Neubau vertraut und doch eigenständig.
Die Seebadi liegt ausserhalb des Dorfes, am westlichen Rand der halbinselartigen Ausbuchtung, die Mammerns Lage auszeichnet. Nähert man  sich dem Gebäude, erscheint das Badihaus geschlossen. Rhythmisiert wird der Holzbau von der in gebrochenem Weiss gehaltenen Tragstruktur und den warmtonigen, senfgelben Füllungen, deren Deckleisten ebenfalls hell gestrichen sind und sich so mit dem Tragwerk optisch verbinden. Das Prinzip der Bretterverschalung mit Deckleisten erinnert an die Ökonomieteile alter Bauernhäuser, wirkt in dieser farblich kontrastierenden Weise aber auch als Schmuck. Ebenso charakteristisch sind die elliptischen Öffnungen, die mit Streckmetallgittern ausgestattet, im oberen  Bereich der Wände angeordnet sind. Sie dienen zur natürlichen Belüftung und Belichtung der Garderoben.
Auf Seite der Veranda, die dem See zugewandt ist, wurden die ausgeschnittenen Elemente als friesartiges Ornament eingesetzt, so dass kaum  Abfall entstand. Es sind solche Details wie auch die zweckmässig-raffinierte Mechanik der Ausgabestelle des Kiosks oder der Trinkbrunnen beim Zugang, die dem einfachen Bau etwas Spezielles verleihen.
Während der rückwärtige Teil den Garderoben und Toiletten vorbehalten ist, die trotz kleinster Fläche je über eine Privatsphäre schaffende  Vorzone verfügen, öffnet sich das Gebäude im vorderen Bereich mit einer überraschend weiten, gedeckten Veranda zum See. Sie rahmt die  Aussicht und spendet Schatten, bis die frisch gepflanzte Pappel gross genug ist. Die gedeckte Vorzone ist ein weiterer Pluspunkt des neuen Badihauses, das in weniger als einem Jahr geplant, gebaut und pünktlich zum Saisonauftakt in Betrieb genommen werden konnte. Ein Kleinod, das gelebte Baukultur anschaulich macht.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Wohnen – worldwide

Jürg Grunder, Architekt, Schweiz-Indien / Mathias Lindenau, Leiter Zentrum für Ethik und Nachhaltigkeit FHS, St. Gallen / Mulan Sun,  Architektin, Präsidentin SCAA, Zürich / Moderation Barbara Bleisch,  Philosophin, Zürich

Mo 3. September 2018, 19.30 Uhr im Forum

Indien zählt zu den am stärksten expandierenden Volkswirtschaften weltweit. Die wachsende Einwohnerzahl wurde 2018 auf 1,334 Milliarden geschätzt. 65% der Bevölkerung sind unter 35 Jahre alt. 226 Millionen die heute zwischen 10- und 19-jährig sind, beginnen nächstens eine Ausbildung. 84 Millionen wollen in den Bausektor. Doch dort gibt es kaum Berufsschulen.
Im Jahr 1991 hat sich Indien zum Weltmarkt geöffnet. Der Aufschwung im indischen Markt zeigt die Folgen in Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. In den grossen Städten kommen täglich je 2000 Menschen an und bleiben. Da müssen rasch Strategien zur Stadt- und Infrastrukturplanung entwickelt werden. Neue Gesetze bestimmen die Art des Mit- und Nebeneinanders, das klar anders ist als früher
im Dorf.
Auch im Wohnungsbau folgt der Markt der Nachfrage. Neue Typologien sind zu schaffen. Da können Beispiele aus Osten oder Westen beigezogen werden oder man stützt sich auf die Tradition ab und verändert diese, passt sie an. Beeindruckend, mit welcher Flexibilität und Intensität die zahlreichen Herausforderungen bewältigt werden. Und das in jedem Massstab. Die getroffenen Massnahmen und Aktivitäten betreffen jede einzelne Person und die gesamte demokratische Gemeinschaft.
Die beiden Mentalitäten, das Drängende / Flexible und das Überlegte / Planende ergänzen sich vorzüglich. Es wird zur dritten Kultur. Wir nennen das IN:CH.

 

Bildnachweis: Jürg Grunder

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

 

Einladungskarte September 2018

ArchitekTour

Mailand – italomodern

Do 30. August – So 2. September 2018

Mailand, die pulsierende und schicke Metropole Norditaliens, erlebt eine Stadterneuerungsphase, die das Gesicht der Stadt im Zuge der EXPO 2015 neugestaltet hat. In den letzten zehn Jahren wurden die grössten Industrieanlagen in neue Stadtquartiere umgewandelt. Statt ehemaligen Industriehallen entstanden neue Wohngebäude, Büroflächen, Universitäten und öffentliche Grünanlagen. Die wichtigsten italienischen und internationalen Architekten haben in den letzten Jahren innovative Projekte entworfen, die das gesamte Bild der Stadt verändert haben. So hat Mailand eine Transformation erlebt, die ihr weltweit die Rolle einer Hauptstadt im Bereich Mode, Design und Kultur verliehen haben.
Schwerpunkt der Reise wird aber das Augenmerk auf die zahlreichen bekannten und unbekannten Bauten sein, die vom Aufbruch der Nachkriegszeit zeugen:  «italomoderne Bauten» der Jahre 1940 bis 1970 von Luigi Caccia Dominioni, Giò Ponti, Pier Luigi Nervi etc., ergänzt durch aktuelle Bauten wie die Feltrinelli Foundation von Herzog & de Meuron und die Fondazione Prada von OMA.

Wir haben die Möglichkeit, einen Einblick in das international führende italienische Unternehmen B&B Italia zu erhalten, welches Designmöbel sowohl für den Wohnbereich als auch für öffentliche Bereiche herstellt.

Das Detailprogramm ist in Bearbeitung und wird den Teilnehmern bei der Abreise abgegeben. Teilnehmerzahl mind. 18, max. 24 Personen. Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt.
Versicherung und ggf. Reiserücktrittsversicherung sind Sache des Teilnehmers.
Änderungen bleiben vorbehalten.

Kosten Mitglieder 890.–* / Nichtmitglieder 990.–*
* Inklusive Fahrt im Komfortreisebus, 3 Übernachtungen mit Frühstück im DZ (EZ-Zuschlag: 200.–), ÖV, Führungen und Eintritte. Abfahrt Do ca. 6.30 Uhr, Rückkehr So ca. 19 Uhr

Mitgliedschaft Architektur Forum Ostschweiz

Profitieren Sie vom Mitgliederpreis und melden Sie sich jetzt zur Mitgliedschaft im Architektur Forum Ostschweiz an.

 

Bildnachweis: Werner Feiersinger

Anmeldekarte ArchitekTour Mailand – italomodern

Städtische Ausstellung im Forum

Peter Dew: round and round an round again

Ausstellung: Fr 31. August bis So 23. September 2018
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Donnerstag, 30. August 2018, 18.30 Uhr
Einführung: Kristin Schmidt

Fundstücke, Magazinseiten, kleine Beobachtungen – Peter Dews künstlerische Materialien sind alltäglich, einfach und unaufdringlich. Der gebürtige Brite ist ein stiller Künstler mit einem grossen Gespür für die Aussagekraft kleiner Dinge. Unter seinen Händen verwandeln sich Kartonröhren, Draht und Gips in hintergründige Plastiken und fotografische Aufnahmen zufälliger Fundstücke in poetische Bildserien. Seine Werke entwickelt er oft für einen gegebenen Ort und beweist damit immer wieder ein grosses Gespür für die Besonderheiten eines Raumes, für dessen Charakter und Atmosphäre. Auch im Architektur Forum Ostschweiz sind präzise platzierte Kleinstobjekte zu entdecken, die den aufmerksamen Blick mit ihrer Aussagekraft belohnen. Dabei beziehen sie sich einerseits auf den Raum selbst und andererseits auf andere ausgestellte Werke, wie beispielsweise die Fotografien der Serie „Grandfather“: Jahresringe schleichen sich in Zifferblätter ein, bedecken Uhrenreklame und rücken sowohl den Kontrast als auch die Parallelen von natürlichen und künstlichen Formen ins Bild. Auch die Fotografien von vorgefundenen Verdopplungen setzen dieses Spiel auf humorvolle Weise fort. Peter Dew findet Zwillinge, wo sie kaum jemand vermutet und entdeckt etwas Besonderes, wo die meisten schon gar nicht mehr hinschauen.

Peter Dew (*1967 in Grossbritannien) studierte dreidimensionale Kunst und Bildhauerei an der Winchester School of Art der University of Southampton. Seit 20 Jahren lebt und arbeitet er in St.Gallen. 2006 erhielt er einen Förderpreis und 2017 einen Werkbeitrag der Stadt St.Gallen.

Städtische Ausstellung im Forum

Martin Leuthold «Vlies» – Städtische Ausstellung verlängert

Ausstellung: Fr 23. November bis Sa 22. Dezember 2018
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Finissage: Sa, 22. Dezember 2018, 11 bis 13 Uhr

Der Textildesigner Martin Leuthold erhielt 2017 den Anerkennungspreis der Stadt St.Gallen. Seine Ausstellung «Vlies», die gemeinsam mit der St.Galler Künstlerin Katalin Deér entstand, wird eine Woche länger zu sehen sein als ursprünglich geplant und am 22. Dezember 2018 mit einer Finissage schliessen.

Martin Leuthold zeigt in der Ausstellung «Vlies» im Architektur Forum Ostschweiz seine Inspirationsquellen: Seine Postkartensammlung vereint Kunstwerke aus allen Jahrhunderten und ist inzwischen auf 4’500 Motive angewachsen. Im Architektur Forum Ostschweiz zeigt ein eigens gedruckter Vliesboden Martin Leuthold inmitten seiner Bildersammlung. Entstanden sind die Fotografien im Auftrag der schweizerischen Architekturzeitschrift «Hochparterre». Dafür hatte der Textildesigner seine  Postkartensammlung in der Kunst Halle Sankt Gallen ausgebreitet und die Künstlerin Katalin Deér fotografierte ihn dabei.

Die Ausstellung stösst auf grosses Interesse und wird deshalb bis zum 22. Dezember 2018 verlängert. Am Samstag, 22. Dezember 2018, 11 bis 13 Uhr, findet die Finissage unter dem Titel «Souvenir de Vlies» statt.
Ausserdem eröffnet kommende Woche am Dienstag, 18. Dezember 2018, die Stiftsbibliothek St.Gallen das Ausstellungsprojekt «XULLUX»: eine Installation von Martin Leuthold mit Siegrun Appelt im Barocksaal der Stiftsbibliothek.

Die Grossen im Zentrum behalten

Onlinehandel, Shoppingcenter in der Peripherie und das Angebot in der nächstgrösseren Stadt sind heute die Konkurrenz für Dorf- und  Kleinstadtzentren. Doch es gibt Strategien, diesen zu begegnen – das zeigt das Beispiel Weinfelden.

24.07.2018 von Andrea Wiegelmann

Das typische Bild der Zentren ausserhalb der grossen Städte ist uns allen bekannt: An der Peripherie der Ortschaften liegen – praktisch an den Ein- oder Ausfallstrassen positioniert – Einkaufszentren oder Gruppierungen von Detaillisten wie Coop, Migros, Aldi und Lidl mit grosszügigen Parkplätzen. Das Einkaufen geht hier rasch und unkompliziert, warum also noch in die Zentren fahren? Für diese können die Folgen verheerend sein: Detaillisten wandern ab, die Kunden werden weniger, das Angebot schrumpft. Mit dieser Entwicklung, die durch den wachsenden Onlinehandel noch befördert wird, haben  nahezu alle Gemeinden zu kämpfen. Schwierig wird es besonders dann, wenn die grossen Detaillisten das Zentrum verlassen. Doch welche Möglichkeiten gibt es, um nachhaltig gegenzusteuern?
Die Stadt Weinfelden hat für sich einen vielversprechenden Weg beschritten und ist heute dabei, Massnahmen umzusetzen, die das bestehende Angebot im Zentrum stärken. Denn, so David Keller, der für die Gemeinde Weinfelden die Standortentwicklung begleitet: «Wir haben eine gute Infrastruktur, es gibt ein breites Angebot – vom Supermarkt, über Spezialitätengeschäfte und Gastronomie bis hin zum Sportstudio, auch Parkplätze sind ausreichend vorhanden. Das Zentrum Weinfeldens ist wie ein grosses Shoppingcenter, es ist einfach nicht überdacht.» Die Kombination setzt Weinfelden in Vorteil  gegenüber dem Onlinehandel und den peripheren Zentren. Dies möchte Keller mit Detailhandel, Gewerbe und Gastronomie aktiv kommunizieren. Gemeinsam haben sie den «Wyfelder Fritig» initiiert: an jedem ersten Freitag im Monat kann das Publikum bis zum Abend durch das Zentrum flanieren und einkaufen.

Aktiv gestalten, um sich weiter zu entwickeln

Der «Wyfelder Fritig» ist Ergebnis eines Prozesses, den die Stadt 2014 mit einer Stadtanalyse, für die sie das Kompetenzzentrum Netzwerk Altstadt beauftragte, begonnen hat. Auslöser für diese  Standortbestimmung war, so Martin Belz, Chef des Bauamts Weinfelden, dass bei der letzten Untersuchung 2005 die heutigen Subzentren an der Peripherie Weinfeldens gerade entstanden sind. Ursache war unter anderem die relativ liberale und flächenintensive Bau- und Zonenordnung aus den 1980er-Jahren, die das Entstehen der Subzentren begünstigte. Man hat die Folgen gesehen und sich die Frage gestellt, ob dies weiterhin der richtige Weg ist. Zum gewählten Vorgehen, dem Beauftragen externer Fachleute, meint Belz, es sei wichtig, sich bei der Analyse nicht nur auf das eigene Urteil zu verlassen. Es gehe nicht nur um das Erkennen von Schwächen, sondern auch um die Einschätzung von Standortvorteilen. Dies habe die Analyse bestätigt.

Nach deren Vorlage hat der Gemeinderat entschieden, eine Nutzungsstrategie in Auftrag zu geben, um Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung Weinfeldens zu erhalten. Auch hierzu wurde das Netzwerk Altstadt beauftragt. Das Team hat es verstanden, die Ansprüche aller Betroffen abzuholen und ein Bewusstsein dafür zu wecken, dass im Miteinander Standortentwicklung möglich ist. Denn, so Belz, das Erlebnis Weinfelden sei das beste Argument egenüber dem Internethandel. In diesem Sinn wurden Massnahmen zur Positionierung und Entwicklung Weinfeldens definiert.
Parallel zu diesem partizipativen Ansatz ist die Gemeinde mit der Überarbeitung der Bauordnung und Zonenplanung dabei, auch auf regulatorischer
Ebene den Rahmen zu justieren. Ziel ist es, aktiv zu steuern, um die flächenintensiven Nutzungen an den Peripherien zu kanalisieren. Unter anderem sind Mindesthöhen festgelegt, die mehrgeschossige Bauten verlangen, um dem Flächenverbrauch zu reduzieren. Die neue Fassung wurde im Juni verabschiedet und geht nun an den Kanton zur Genehmigung. Gleichzeitig unterstützt die Gemeinde die Grossverteiler im Zentrum und finanziert beispielsweise die Betriebskosten des Rössli-Felsen-Parkings, dessen Grundeigentümerin sie ist, mit.

Die Identität des Standortes stärken

David Keller möchte über den «Wyfelder Fritig» hinaus, der Anfang Juli bereits zum dritten Mal stattgefunden hat, mit den Detaillisten einen Heimlieferdienstes für Kunden einrichten und eine Signalethik für das Zentrum entwickeln. «Wenn die Akteure verstehen, dass ein aktiv gelebtes ‹Wir sind Weinfelden› der Schlüssel ist, um als Standort attraktiv zu sein, dann haben wir sehr viel erreicht», erklärt der gelernte Architekt. Baulich soll der Bahnhofsplatz als Eingang Weinfeldens gestaltet werden. «Wir sind dabei, ein Betriebs- und Gestaltungskonzept zu erarbeiten», so Martin Belz. All diese Massnahmen dienen der Stärkung des Ortskerns und zielen darauf, mehr Publikumsverkehr ins Zentrum zu bringen, um den Standort auch für Grossverteiler attraktiv zu halten. Auch der Fussverkehr, das Flanieren, solle  verbessertwerden.
Belz erläutert: «Es braucht als Gemeinde einen gewissen ‹Schnauf›, und die richtigen Schlüsselfiguren.» Dass die Gemeinde zu einem Ergebnis kommen wolle, zeige auch die Schaffung von David Kellers Stelle. Er ergänzt: «Der Weg hat sich bis hierher gelohnt und ich hoffe, wir können ihn weitergehen.» Dabei wissen Belz und Keller nicht, wie viel Erfolg sie haben werden, denn niemand kann heute sagen, wo der Detailhandel in fünf Jahren stehen wird und wie sich der Onlinehandel entwickelt.
Abwarten, bis alle schlechten Prognosen eintreten, das wollte man in Weinfelden nicht und das scheint eine wesentliche Voraussetzung, um Ortszentren lebendig zu halten. Oder, um es mit den Worten von Martin Belz zu formulieren: «Es braucht den Willen und das Bewusstsein, es braucht Zeit, Geld und Ressourcen – nur dann kann man hoffen, dass Projekte wie diese erfolgreich werden.»

 

Bilder: Gemeinde Weinfelden

Sommer Camp Architektur

St. Gallen

Artikel St. Galler Tablatt vom 12.07.2018

Mehr Informationen auf Sommer Camp Architektur

 

Mit freundlicher Unterstützung 150 Jahre
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Kanton St. Gallen

Sommer Camp Architektur

Wil

Zum ersten Mal wurde in den Sommerferien 2018 der Ferienkurs «Sommer Camp Architektur – Entdeckungsreise Architektur» für Kinder und Jugendliche durchgeführt. Während dieser Woche lernten die jungen Menschen unter Anleitung von professionellen Vermittlerinnen und Vermittler ihre Stadt und die Umgebung besser kennen. Fachleute (Architekten und Ingenieure, verschiedene Fachplaner, Raumplanerinnen etc.) besuchten die Kurse, berichteten von ihrer Arbeit und davon, wie unsere gebaute Umgebung entsteht.
Das Ziel der Kurse ist es, die lokale Baukultur kennen zu lernen und Wertschätzung für sie zu entwickeln. Weil jeder Ort seine spezifischen Eigenschaften aufweist und sich eine Vertiefung zu unterschiedlichen Themen anbietet, sind die Resultate der drei Kurse sehr unterschiedlich. Eine Ausstellung bildete den Abschluss und die Resultate wurden einer breiteren Bevölkerung vorgestellt.

Artikel St. Galler Tablatt vom 14.07.2018

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Kanton St. Gallen

Sommer Camp Architektur

Einladung zur Vernissage

Wir möchten Sie herzlich zur den Vernissagen einladen, an denen die Ergebnisse des Sommer Camp Architektur an den verschiedenen Standorten präsentiert werden.

St. Gallen 13. Juli 2018, 16 Uhr, Architektur Forum Ostschweiz, Davidstrasse 40
Wil 13. Juli 2018, 16 Uhr, Lokremise Wil, Silostrasse
Altstätten 20. Juli 2018, 16 Uhr, Da Valentino, Marktgasse 26

Nicht durchgeführt werden dieses Jahr die Sommer Camp Architektur in Wattwil, Teufen und Rapperswil-Jona

Mehr Informationen zum Sommer Camp Architektur

 

Bildnachweis: Daniel Ammann/SGKB

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Sommer Camp Architektur

Durchführung St. Gallen und Wil

Nach langer Zeit der Vorbereitung und Organisation freuen wir uns, dass es endlich soweit ist: die Kinder sind da und das Programm ist gestartet.

Das Sommer Camp Architektur findet im Moment statt in St. Gallen und in Wil

Mehr Informationen zum Projekt unter Sommer Camp Architektur

 

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Sommer Camp Architektur

Es geht los!

Die zwei Sommer Camp Orte Wil und St.Gallen sind eingerichtet, das Material verteilt und die letzten Vorbereitungen laufen. Es kann losgehen!

Das Frondienststadion

Die Mitglieder des Fussballclubs US Schluein Ilanz aus dem Bündner Oberland haben den Bau ihres Fussballstadions
massgeblich mitgetragen. Das markante Gebäude überzeugt nicht nur funktional, sondern auch architektonisch.

07.07.2018 von Tina Mott

Die schmale Strasse schlängelt sich durch das dunkle Grün der Au entlang des Vorderrheins und führt zu den staubigen Mondlandschaften des Kieswerks von Schluein. Während im Süden das klare Wasser des Quellflusses durch die Erlen blitzt, erhebt sich auf der gegenüberliegenden Seite die kompakte Masse einer langgezogenen, rauverputzten Mauer. Kleine, unregelmässig angeordneten Fensterscharten in der schroffen grauen Wandfläche lassen das Bild einer wehrhaften Trutzburg entstehen, der Sockel aus glattem Beton erzählt vom Hochwasser, das zur Schneeschmelze immer wieder über die Ufer tritt.
Die seitlich angeordnete Eingangspforte ist niedrig und schmal, doch das feine Türblatt aus Bronze lässt bereits eine besondere Gestaltung der Räume dahinter erahnen. Steigt der Besucher ann über die Schwelle, öffnet sich sein Blick in eine hohe, lichte Holzkonstruktion, die eine schlanke,  weitauskragende Dachscheibe trägt. «Wir haben versucht, zwei unterschiedliche Atmosphären zu schaffen», erzählen die beiden Architekten Georg Krähenbühl und Jan Berni. «Die Rückwand des Stadions nimmt die Rauheit der Umgebung auf und schottet die Anlage gegen die Strasse und die Parkplätze ab. Wer aber durch diese massive Mauer tritt, findet sich in einem Bauwerk aus warmen, weichen Materialien, mit angenehmer Haptik und Akustik.» Das Fussballstadion Crap Gries beherbergt unter seinem grosszügig dimensionierten Pultdach Tribünenplätze für etwa 500 Zuschauer,  Garderoben- und Lagerräume sowie ein behagliches Vereinslokal mit Cheminée und Restaurationsbetrieb.

Spannweite durch die maximale Baumlänge begrenzt

Der Einsatz von regionalen Werkstoffen und die Vergabe der Arbeiten an heimische Handwerker war den beiden Planern besonders wichtig, um die  Wertschöpfung möglichst vor Ort zu halten. «Aus diesem Grund haben wir uns dafür entschieden, massives Holz für die Tragstruktur zu verwenden. Diese Wahl zog dann aber zahlreiche Konsequenzen nach sich. Zum Beispiel wurde die Spannweite unserer Konstruktion durch die maximale Baumlänge im Kanton begrenzt – und das sind 13 Meter», erklärt Krähenbühl. Gemeinsam mit dem Holzbauingenieur Walter Bieler wurde dann nach Lösungen gesucht, die dem Baustoff gerecht werden und auch ästhetisch ansprechend sind. Die Anerkennungspreise beim renommierten internationalen Wettbewerb für nachhaltiges Bauen «Constructive Alps» und bei «Gute Bauten Graubünden» sprechen vom Erfolg dieses Unterfangens.
Seit der Gründung ihres Vereins im Jahr 1942 sind es die Fussballer von Schluein gewohnt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Damals rodeten die Spieler den Platz mühsam aus dem Auwald und errichteten, erneuerten und unterhielten während der folgenden Jahrzehnte die Garderobengebäude mit sehr einfachen Mitteln. Doch schon bald nach der Fusion mit dem FC Ilanz zum grössten Sportverein der Surselva im Jahr 2002 wurde deutlich, dass die Anlagen den steigenden Anforderungen und Mitgliederzahlen der «Uniun Sportiva Schluein Ilanz» nicht mehr gerecht werden konnten. Also setzte sich der damalige Architekturstudent und Vereinskicker Jan Berni mit seinem Kollegen Georg Krähenbühl zusammen und die beiden entwickelten gemeinsam Ideen, um die räumliche und infrastrukturelle Situation des Clubs zu verbessern.
Nachdem sie ihre ersten Entwürfe bei einer Generalversammlung präsentieren konnten, gewann das Unternehmen an Dynamik. «Als der Funke der  Begeisterung auf die Mitglieder übergesprungen war, wurde das Projekt mit vereinten Kräften angepackt. Der Verein hat uns sein Vertrauen  entgegengebracht und auch sehr viel Spielraum gelassen», erzählen die Planer. Eine Baukommission wurde gegründet und die Beteiligten unterstützten den Planungsprozess mit eigenen Gedanken und Ideen. Nun ging es daran, die politischen und finanziellen Rahmenbedingungen abzuklären und nach den Unterstützungszusagen durch die umliegenden Gemeinden und Sponsoren aus der Region wurde das Projekt weiterentwickelt.

6000 Stunden Eigenleistungen zugesichert

Als der Neubau dann im Sommer 2015 eröffnet wurde, konnten die Beteiligten auf die Beschaffung von Mitteln in Höhe von 1,35 Millionen Franken sowie 6000 Stunden an Eigenleistungen  zurückblicken. Von Anfang an war klar, dass ohne die tatkräftige Mithilfe der Vereinsmitglieder ein Bauwerk in der gewünschten Qualität und Grössenordnung nicht umsetzbar gewesen wäre. Daher sollten auch möglichst viele Arbeiten durch die freiwilligen Helfer ausgeführt werden, wodurch sich der Arbeitsprozess aber auch als länger und komplexer erwies als auf einer herkömmlichen Baustelle. Einige der Unterstützer waren Handwerker, die ihre Arbeit sponserten oder auch Material. So fertigte zum Beispiel der Baumeister die tragende Rückwand und die Betonelemente, während die  Zwischenmauern von den Mitgliedern selbst gefügt wurden.
Vor allem an den zahlreichen sorgfältig geplanten und ausgeführten Details des Bauwerks zeigt sich das besondere Engagement der Mitwirkenden. Die aufwendig gestalteten Elemente wie die tonnenförmige Akustikdecke im Vereinslokal oder die dreidimensional geschalten Brunnenelemente in den Umkleidekabinen waren nur dadurch möglich, dass die Mitwirkenden ihre Zeit grosszügig zur Verfügung stellten und mit Begeisterung und Sorgfalt an die Arbeit gingen.
«Es gab von so vielen Seiten Unterstützung, sonst hätten wir es nicht geschafft», resümieren die Architekten. «Die verschiedenen Altersgruppen haben zusammengearbeitet, sich gegenseitig geholfen und voneinander gelernt. Das Schönste an diesem Projekt war das Gemeinschaftliche, denn jeder im Verein wollte und konnte seinen Teil zu unserem Stadion beitragen.»

«Jeder im Verein wollte und konnte seinen Teil beitragen.»  Architekten Georg Krähenbühl und Jan Berni

«Wir hatten den Wunsch, städtebaulich, funktional und gestalterisch das richtige Haus für diesen Ort zu  bauen», erklärt Monika Roell abschliessend. «Ein  Gebäude, das seinen eigenen Charakter hat und sich trotzdem anpasst, eine Ergänzung ist und vielleicht  sogar ein Wegweiser dafür, was in Zukunft an der  Hauptstrasse gebaut werden wird. Denn wir möchten hier Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen  Bereichen anlocken – und das ist nicht so einfach.»

 

Bilder: Ralph Feiner

Städtische Ausstellung im Forum

Aleksandra Signer

Ausstellung: Fr 1. Juni bis So 24. Juni 2018
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Donnerstag, 31. Mai 2018, 18.30 Uhr
Einführung: Kristin Schmidt

Flyer Ausstellung Aleksandra Signer

Vor Ort

Landwirtschaftliches Zentrum Salez

Mo 4. Juni 2018, 17 Uhr vor Ort

Besichtigung mit Referaten und Führung Werner Binotto, Kantonsbaumeister, St.Gallen / Andy Senn, Architekt, St.Gallen / Konrad Merz, Bauingenieur, Altenrhein / Richard Widmer, Haustechnikplaner, Wil

Das Projekt des Architekturbüros Andy Senn, Architekt BSA SIA, St. Gallen, ging 2011 als Sieger aus dem  Projektwettbewerb hervor. Es umfasst den Neubau des gesamten Schulbereichs, des Internatsbereichs und der Hauswartwohnung. Der zweiflügelige, abgewinkelte Ersatzneubau ist klar unterteilt in einen Flügel für den  Schulbereich und einen Flügel für den Internatsbereich.
Aufgrund des schlechten Baugrunds ist das Gebäude auf Pfählen fundiert. Das Untergechoss und die Bodenplatte des Erdgeschosses sind in Stahlbeton ausgeführt. Die Tragstruktur der Obergeschosse dagegen ist – mit Ausnahme der Holz-Beton-Verbund-Decken – eine reine Holzkonstruktion, die auch zukünftige Anpassungen an sich verändernde
Raumanforderungen ermöglicht. Die Holzbaustruktur ist auch im Innern des Gebäudes direkt wahrnehmbar.
Die Wärmeerzeugung für die Gesamtanlage erfolgt über eine Holzschnitzelanlage. Auf dem südlich ausgerichteten Flachdach ist zudem eine Photovoltaikanlage geplant. Zur Schaffung eines gesunden Raumklimas wird auf optimale Tageslichtverhältnisse, schadstoffarme Werkstoffe und Baumaterialien sowie auf einen ausreichenden Schallschutz grossen Wert gelegt. Gesamthaft erfüllt die Bauvorlage im energetischen Bereich die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft.

Bildnachweis: Andy Senn Architekt BSA SIA

Landwirtschaftliches Zentrum SG
Rheinhofstrasse 11, 9465 Salez

In Zusammenarbeit und Unterstützung  mit der Lignum Holzkette St.Gallen

Eintritt frei

Anmeldungen bis Fr 25. Mai 2018 an
vor-ort@nulla-f-o.ch oder info@nulllignumsg.ch
Teilnehmerzahl beschränkt.

Einladungskarte Juni

LandschaftsarchitekTour

Wohnen und Freiraum – Beispiel Zürich

Sa 26. Mai 2018

Zeitgemässe Wohnformen heisst auch attraktive Freiräume. Mit neuen Wohnungstypologien sowie unterschiedlichen städtebaulichen Antworten wie Grossformen oder der Maxime der Verdichtung steigt der Anspruch auf qualitativ hochwertige Freiräume im Wohnumfeld. Dazu braucht es nebst privaten Rückzugsorten auch Möglichkeiten zu sozialen Interaktionen unter den BewohnerInnen wie auch Möglichkeiten der Aneignungen des Freiraumes. Passend zum Jahresthema erkunden wir auf der diesjährigen Tour unterschiedliche Wohnumfelder anhand aktueller Wohnüberbauungen in der Stadt Zürich.

Programm

Rautistrasse: UNDEND – Architektur AG, Zürich/ Ganz Landschaftsarchitekten, Zürich
Freilager: Rolf Mühlethaler Architekt, Bern/ Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich
Triemli 1: Hauenstein LaRoche Schedler Architekten, Zürich/ Tobler Landschaftsarchitekten AG, Haldenstein
Triemli: von Ballmoos Krucker Architekten, Zürich/ vivo.architektur.landschaft gmbh, Zürich
Kalkbreite: Müller Sigrist Architekten, Zürich/ freiraumarchitektur gmbh, Luzern

Weitere Details folgen mit der Anmeldung

Beteiligte Personen
Landschaftsarchitekten/-innen, Architekten/-nnen, Bauherrschaften

Anmeldung

Mit vollständigen Angaben bis 18. Mai 2018 an
landschaftsarchitektour@nulla-f-o.ch

Mitglieder BSLA und Architektur Forum
Ostschweiz gratis, Nichtmitglieder Fr. 30.–
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt

Mitgliedschaft Architektur Forum Ostschweiz

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Treffpunkt

Sa 26. Mai 2018, 10.30 Zürich HB Ausgang Europaallee

Ausverkauf des Untergrunds

Die Verdichtung unserer Städte geschieht nicht nur oberirdisch, auch unter der Erde bauen wir immer mehr. Damit verschwinden auch die Pflanzen, die darin wurzeln, vor allem Bäume. Doch gerade sie werden für unser Stadtklima immer wichtiger.

19.05.2018 von Andrea Wiegelmann

Läuft man in diesen Tagen vom St. Galler Hauptbahnhof in Richtung Innenstadt, dann kann man den Bauarbeitern beim Verlegen der massiven  Natursteinplatten entlang der Kornhausstrasse zuschauen. Zwischen den Platten sind quadratische Felder ausgespart, die Platz für eine spätere Bepflanzung schaffen und dem Grün zumindest etwas Wurzelraum lassen. Anders dagegen auf dem Vadianplatz am Neumarkt. Die das ganze Areal ausfüllende unterirdische Tiefgarage ermöglicht kein wurzelndes Grün. Pflanzkübel schaffen zumindest optisch Abhilfe, doch sie sind kein Ersatz. Die Pflanzen darin wachsen kaum und bieten nur bedingt einen Mehrwert für das Stadtklima, im Gegensatz zu wurzelnden Bäumen.
Doch unsere Städte sind gebaut, freie Grundstücke gibt es kaum, neue Angebote an Wohn-, Büro- oder Gewerbeflächen erfordern in der Regel Ersatzneubauten, die sehr häufig mit Tiefgaragen unterbaut werden. Solche Lösungen, die mit der Revision des Raumplanungsgesetzes auch gefordert sind, stehen einer Bepflanzung – gerade mit Bäumen – entgegen.

Bäume sind Lebensräume für Kleintiere

Bäume brauchen Platz im Erdreich: Die natürliche Wurzelentwicklung eines frei wachsenden Baumes entspricht etwa der Grösse seines  Kronendurchmessers. Mit der zunehmenden Unterbauung der Grundstücke verschwinden somit Bäume und damit gehen nicht nur Freiraumqualitäten verloren. Bäume spenden Schatten, verbessern das Stadtklima und die Luftqualität, sie sind Lebensraum für Vögel und andere Kleintiere, sie prägen Strassenzüge und sind Teil gewachsener städtischer Strukturen. «Es dauert Jahrzehnte, bis ein Baum eine gewisse Grösse erreicht, um dies leisten zu können», erläutert die Zürcher Landschaftsarchitektin Rita Illien.

Erholungsraum dank Grünanlagen

Während in den Innenstädten Bäume als Schattenspender in heissen Sommern geschätzt sind und in Hitzeperioden ab einem gewissen Baumanteil die Temperaturen erheblich gesenkt werden können, spielen sie in unseren Wohngebieten zudem als Grün- und Erholungsraum eine wichtige Rolle. Doch dort stehen sie ebenfalls unter Druck. Siedlungen mit zwei- oder dreigeschossigen Zeilen werden heute oft nachverdichtet, wenn nicht gar durch Neubauten mit Tiefgaragen ersetzt. Die Gartenqualitäten, die die ursprünglichen Grünanlagen hatten, gehen dabei verloren und der Baumbestand schwindet auch hier.
«Wir dürfen die Bedeutung der hausnahen Grünräume nicht unterschätzen, die man innert weniger Minuten erreichen kann, sie sind wichtig, gerade  für Kinder und ältere Menschen», führt Rita Illien  weiter aus und fordert, bei grossen Arealüberbauungen sollten mindestens 30 bis 40 Prozent der Fläche nicht unterbaut und für Baumbepflanzungen freigehalten werden. Dass sich die Pflanzung von Bäumen und eine mögliche Unterbauung nicht  ausschliessen müssen, hat die Landschaftsarchitektin bereits unter Beweis gestellt. In Chur hat sie mit dem Architekten Conradin Clavout bei der   Überbauung des Areals Pulvermühle 2017 eine Möglichkeit gefunden, Baumpflanzungen trotz der geforderten Tiefgarage zu realisieren. Das ehemalige Wohn- und Gewerbegebiet ist heute durch den Neubau einer u-förmigen Wohnanlage besetzt, die am Zugang zum Areal mit einer  Kletterhalle und einem Café öffentliche Nutzungen aufweist. Die geforderte Tiefgarage ist unter den Wohnbau gelegt, sie entwickelt sich ebenfalls  u-förmig und ist nicht über das ganze Grundstück geführt. Der Hof der Bebauung, an den die privaten Gärten der Erdgeschosswohnungen  anschliessen, konnte somit bepflanzt werden. «Wir wollten einen Bereich schaffen, der frei von einer Unterbauung ist, damit in diesem Hof in 30 Jahren einmal schöne, stattliche Bäume stehen werden», erläutert Illien. «Auch beim Zugang zur Anlage konnten wir durch die gewählte Führung der Tiefgarage Bäume pflanzen. Dieser Platz ist die Adresse des Areals, hier stehen Platanen.» Dass eine Baumbepflanzung für den jeweiligen Ort optisch-räumliche Qualitäten besitzt, führt die Landschaftsarchitektin weiter aus und erläutert das Konzept der Hofbepflanzung: «Wir haben diese so gewählt, dass die Bäume über das Jahr den Wechsel der Jahreszeiten zeigen. Es sind Vogel-Kirschen, die im Frühjahr schneeweiss blühen und eine intensive rote Herbstfärbung besitzen, und dazu haben wir Spitzahorn gesetzt. Der Ahorn wächst zudem schnell, es war mir ein Anliegen, dass es rasch Schatten gibt im Hof.» Dass der Bewuchs einer gewissen Dynamik unterworfen ist und dass man in zehn Jahren die Baumgruppen vielleicht auch ausdünnen müsse, das gehöre zu einem Grünraum dazu. Das Bewusstsein für seine Anlage und seine Pflege müsse gefördert werden.

Bäume schaffen in heissen Sommern ein gutes Mikroklima

Tiefgaragenplätze versprechen angeblich Rendite und werten Wohnungen scheinbar auf, kommen also deren Verkäuflichkeit entgegen. Doch handeln wir uns nicht Probleme mit dieser grossflächigen Unterbauung unserer Stadtquartiere ein? Nicht nur der Baumbestand, auch Versickerungsflächen nehmen ab, die Ableitung von Regenwasser ist bei Arealüberbauungen oftmals ein Problem. Zudem gewinnt die Frage des Stadtklimas immer mehr an Bedeutung. Bäume schaffen in heissen Sommern ein gutes Mikroklima und können – je nach Art und Positionierung vor Fassaden – einen aufwendigen Sonnenschutz ersetzen. Solche Aspekte werden bei der Planung von Neubauten bisher kaum berücksichtigt.
Räumlich gut gestaltete Grünanlagen schaffen eine qualitätvolle Stadtnatur, die für uns Erholungsraum ist, Identifikation bietet und das Stadtklima  positiv beeinflussen kann. Schon 30 Prozent nicht unterbauter Fläche pro Areal können helfen. Ein Baum braucht zwanzig bis dreissig Jahre, um eine gewisse Grösse zu erreichen – ob wir bis dahin überhaupt noch Tiefgaragen in diesen Ausmassen benötigen, ist fraglich. Dass wir dann heissere Sommer haben werden, aber gewiss.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Wohnen – Wohnen und Freiraum

Stefan Rotzler, Landschaftsarchitekt, Zürich/ Ulf Jacob, Soziologe der Landschaft, Berlin / Paul Bauer, Leiter Planung und Beratung Grün Stadt Zürich / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 7. Mai 2018, 19.30 Uhr im Forum

„If the edge fails the space does not work“
Christopher Alexander

Im Wohnumfeld reiben sich private, gemeinschaftliche und öffentliche Interessen. Ihre unterschiedlichen Spielregeln und Anspruchsprofile führen häufig zu Konflikten. Damit die Koexistenz der Sphären möglich ist, sind klare Spielregeln und eine sorgfältige Gestaltung unumgänglich.

Aldo van Eyck hat von Schwellen und Übergängen mehr als von Grenzen zwischen privat gemeinschaftlich und öffentlich gesprochen und ein gestalterisches Vokabular für sie entwickelt: Stufen, Terrassen, Höhenversätze, Pflanzungen, Hecken, grüne Filter, Palisaden etc. Um als Schwellen zu funktionieren, müssen sie erkennbar und erlebbar sein. Aber auch durchlässig und osmotisch.

Im Zuge der Digitalisierung verändert sich unser Raumempfinden derzeit grundlegend: Realer Raum rückt weg, verkommt zur Oberfläche, verliert vielleicht an Bedeutung. Oder ist das Gegenteil der Fall? Auch das vehemente Vordringen von Privatem in den öffentlichen Bereich -wie es z.B. durch soziale Medien permanent erfolgt – verändert wahrscheinlich unser Raumempfinden: Privat kommt ja von lateinisch privare, was übersetzt rauben bedeutet…

Müssen die Karten im Verteilkampf um den enger werdenden Raum neu gemischt werden?

Bildnachweis: Stefan Rotzler, Gockhausen

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Hauptversammlung

2018

Fr 4. Mai 2018, 18.30 Uhr im Forum

Traktanden
1. Begrüssung
2. Protokoll der HV 2017
3. Jahresbericht
4. Jahresrechnung
5. Revisorenbericht
6. Budget und Mitgliederbeiträge 2018
7. Wahl Vorstand
8. Allgemeine Umfrage
9. Aussichten

Willkommen im AFO-Wohnzimmer!
Im Anschluss an die Hauptversammlung sind alle Mitglieder und ihre Begleitung herzlich zum gemeinsamen Essen und gemütlichen Beisammensein eingeladen.
Wir begrüssen ausserdem «Improgress», die unser Wohnzimmer zum Leben erwecken werden.

Veranstaltungssponsor Delinat

Einladungskarte Hauptversammlung

Architektur im Film

Eero Saarinen: The Architect Who Saw the Future

Mi 25. April 2018, 19 Uhr im Kinok

Die künstlerische Begabung wurde dem amerikanisch-finnischen Architekten Eero Saarinen (1910–1961) in die Wiege gelegt. Sein Vater Eliel Saarinen (1873–1950) war ein bekannter Architekt und baute u.a. den Hauptbahnhof in Helsinki, seine Mutter Loja Gesellius Saarinen war Textildesignerin. 1923 emigrierte die Familie Saarinen in die USA und lebte dort im wohlhabenden Bloomfield Hills (Michigan) auf dem Campus der Cranbrook Educational Community, den der Vater gebaut hatte. Eero Saarinen war einer der visionärsten Architekten und Formgeber des 20. Jahrhunderts. Zu seinen spektakulärsten Bauten gehören der Trans World Airlines Terminal am New Yorker John F. Kennedy International Airport und der Gateway Arch des Jefferson National Memorial in St. Louis (Missouri), ein kühner, 192 Meter hoher parabolischer Bogen. Für die Firma Knoll International entwarf er Möbelklassiker, die noch heute produziert werden, darunter den berühmten einbeinigen Tulip Chair (1956). Die Fertigstellung einiger seiner berühmtesten Bauwerke hat Eero Saarinen nicht mehr erlebt; er starb im September 1961 an den Folgen einer Gehirntumor-Operation. Im Programm des Filmmuseums München ist zu lesen: «Der Architekt Eero Saarinen, das ist finnische Lässigkeit, die mit amerikanischer Unternehmungslust zur Exaltation kommt. Seine Flughafenbauten sollen erlebbar machen – so Saarinen – was Fliegen, Schweben, Schwerelosigkeit ist, dass Fliegen mehr als ein Transport- und Verkehrsmittel ist: ein American Dream. Der Dokumentarfilm ‹Eero Saarinen – The Architect Who Saw the Future› erzählt vom Werden dieses Traums, dieses Werks. Es ist ein Architekturfilm, aber auch ein Liebesfilm – eine Liebe von Mann und Frau, Sohn und Vater, Architektur und Kino. Eric Saarinen, der Sohn des Architekten, hat die Bauten seines Vaters als Kameramann gefilmt, im Off hören wir Dialoge von Eero und Aline Saarinen. Es ist diese Liebe, die diesen Bauten ihre bescheidene Dynamik gibt, ihre Menschenfreundlichkeit.»

Regie: Peter Rosen, US 2016, englisch ohne Untertitel, 68′

Trailer

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus
Xella

Einladungskarte April

Das Sprachencafé im Ausländerquartier

Das Löwenquartier in Rorschach befindet sich im Aufbruch. Angeregt vom Förderprogramm des Bundes, «Projet Urbain», hat sich dort vieles durch die aktive Beteiligung der Bevölkerung verändert. Wo liegen die Chancen und Grenzen dieses Prozesses?

21.04.2018 von Tina Mott

«Venga!», «Komm!», «Hajde!» – ein bunter Ball fliegt im hohen Bogen durch die Wohnstrasse. Die Kinder laufen lachend und kreischend hinterher, ganz ins Spiel vertieft werfen sie sich Worte in verschiedenen Sprachen zu. Bäume und Sitz­bänke gestalten den belebten Tummelplatz, der sich zu einem Begegnungsort für die kleinen und grossen Bewohner des Quartiers entwickelt hat. Hier wird Nachbarschaft aktiv gelebt. Man kennt und respektiert sich, kommuniziert miteinander und unterstützt sich gegen­seitig, auch wenn die Menschen durch unterschiedliche kulturelle und soziale Hintergründe geprägt sind. Dass in den verkehrsberuhigten Zonen der Geren- und Bogenstrasse vor ein paar Jahren noch die Autos Vorrang hatten, kann man sich heute fast nicht mehr vorstellen. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass damals niemand mehr in das Viertel investieren mochte, da es als unattraktive und anonyme Wohngegend in eine Abwärtsspirale geraten war. Wer hier lebte, tat das vor allem wegen der günstigen Mietpreise.

Mittelstandsfamilien aus Quartier ausgewandert

Im Jahr 2007 beschloss der Bundesrat das Programm «Projet Urbain», um die gesellschaftliche Integration und nachhaltige Quartierentwicklung in den Wohnbezirken verschiedener Schweizer Städte zu unterstützen. Das Löwen­quartier im Zentrum von Rorschach wurde aufgrund seiner räumlichen, sozialen und ökonomischen Gegebenheiten als «Wohngebiet mit besonderen Herausforderungen» ausgewiesen und vom Bundesamt für Raumentwicklung als ­leitende Institution dazu eingeladen, an dem Projekt teilzunehmen.

Das städtebaulich heterogene Viertel setzt sich aus Wohn-, Gewerbe- und ­Industriezonen zusammen und hatte seit Jahrzehnten damit zu kämpfen, eine eigene Identität zu finden. Der wach­sende Anteil an sanierungsbedürftigen Gebäuden, verbunden mit wenig öffentlich nutzbarem Aussenraum begüns­tigte die Abwanderung der Mittelstands­familien. Diese Entwicklung führte dazu, dass das Quartier heute bei verschiedenen demografischen Merkmalen deutlich von der Gesamtsituation der Stadt abweicht. Der Anteil der ausländischen Bevölkerung und der Altersgruppe bis 20 Jahre ist erheblich höher, während das durchschnittliche Einkommen pro Haushalt und das Bildungsniveau geringer sind. Auch die Kompetenz der deutschen Sprache ist bei den Bewohnern nicht ­immer ausreichend vorhanden.

Zu Beginn der ersten Programm­periode des «Projet Urbain» von 2008 bis 2011 wurden die Organisationsstrukturen festgelegt und Arbeitsteams ge­bildet, die sich aus Mitarbeitern der Stadt und des Kantons zusammensetzten. Diesen Gruppen wurden Fachplaner aus den Bereichen Städtebau und Freiraum­planung zur Seite gestellt. Die Gremien definierten Ziele, welche sich auf die drei Schwerpunkte Zusammenleben und ­Soziales, Wohnqualität sowie Aussenraum und Verkehr konzentrierten. Die ersten Schritte der konkreten Umsetzung zielten darauf ab, einen Beteiligungsprozess mit der Bevölkerung des Löwenquartiers einzuleiten und zu verankern. Unterstützt von der Fachhochschule St. Gallen erarbeiteten die Bewohner mehrere Konzeptideen, wie sich ihr ­Lebensraum in den nächsten Jahren entwickeln sollte. Ergänzend zu diesem Prozess wurden verschiedene Expertenteams damit beauftragt, eingehende Analysen über das Potenzial des Quartiers hinsichtlich seiner Bausubstanz, städtebaulichen Gegebenheiten und Gestaltungsmöglichkeiten sowie der sozialen und demografischen Situation zu erheben und in einem Synthesebericht auszuwerten.

Bereits im August 2010 eröffnete die Stadt das Quartierbüro in der Löwenstrasse, welches bis heute als niederschwellige Anlaufstelle für die Fragen und Anliegen im Viertel funktioniert und seit Jahren vielfältige Einrichtungen und Veranstaltungen anregt, unterstützt und koordiniert. So konnten sich das Quartierfest, die Integrationsprojekte Sprachencafé und Kinderzeit, verschiedene Märkte oder das Strassenfussball-Turnier in­zwischen im Viertel etablieren. Auf der anderen Seite wurden auch die Besitzer der Liegenschaften durch Fragebögen und individuelle Gespräche mit Immobilienexperten aktiv in die Entwicklungsprozesse eingebunden. Im November 2011 erfolgte dann schliesslich die Eröffnung der umgestalteten Gerenstrasse, die als erste bauliche Verkehrsmassnahme im Rahmen des Projektes realisiert wurde.

«Wieder eine Gesprächsbasis im Quartier aufgebaut»

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Programmperiode beschloss die Stadt Rorschach, sich beim Bund um eine Verlängerung des Pilotprojektes zu bewerben und startete von 2012 bis 2015 in die zweite Phase. Als Ziel wurde festgelegt, die entstandenen Strukturen zu festigen und zu stärken und diesen Ansatz schrittweise auch in anderen Quartieren zu übernehmen. Ausserdem wurde im Rahmen eines weiteren partizipativen Prozesses ein städtebauliches Entwicklungskonzept für ein Teilgebiet des Perimeters erarbeitet. Dieses zeigt, wie sich das Quartier schrittweise erneuern und massvoll verdichten soll, damit ein identitätsstiftender städtischer Lebensraum entstehen kann. Ausserdem formuliert es konkrete Spielregeln und Leitlinien im Umgang mit den Strassen- und Frei­räumen sowie der Bebauung von Grundstücken. «Durch die umfangreiche Beteiligung der Bevölkerung konnte wieder eine Gesprächsbasis im Quartier aufgebaut werden und das gegenseitige Vertrauen und Verständnis wurden gefördert», resümiert der Projektverantwortliche Markus Fäh. «Vor allem bei den sozialen und kulturellen Projekten sowie der Umgestaltung der Aussenräume war die aktive Beteiligung der Nachbarschaft enorm wichtig. Die Resultate erweisen sich als konsensfähiger und tiefer in der Bevölkerung verankert, wenn die Anwohner durch transparente Kommunikation und die Möglichkeit, ihre Meinung zu äussern, in den Prozess miteinbezogen werden.» Inzwischen führe die Stadt die Projekte auch ohne Mitfinanzierung von Bund und Kanton im Sinne des ‹Projet Urbain› weiter, «denn es ist sehr wichtig, dass die Menschen in Rorschach wieder Vertrauen fassen und das Potenzial ihrer Stadt erkennen», sagt Fäh.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Architektur im Film – Eero Saarinen: The Architect Who Saw the Future

Einführung durch Kornel Ringli, Architekt und Autor, Zürich

Di 17. April 2018, 20 Uhr im Kinok

Die künstlerische Begabung wurde dem amerikanisch-finnischen Architekten Eero Saarinen (1910–1961) in die Wiege gelegt. Sein Vater Eliel Saarinen (1873–1950) war ein bekannter Architekt und baute u.a. den Hauptbahnhof in Helsinki, seine Mutter Loja Gesellius Saarinen war Textildesignerin. 1923 emigrierte die Familie Saarinen in die USA und lebte dort im wohlhabenden Bloomfield Hills (Michigan) auf dem Campus der Cranbrook Educational Community, den der Vater gebaut hatte. Eero Saarinen war einer der visionärsten Architekten und Formgeber des 20. Jahrhunderts. Zu seinen spektakulärsten Bauten gehören der Trans World Airlines Terminal am New Yorker John F. Kennedy International Airport und der Gateway Arch des Jefferson National Memorial in St. Louis (Missouri), ein kühner, 192 Meter hoher parabolischer Bogen. Für die Firma Knoll International entwarf er Möbelklassiker, die noch heute produziert werden, darunter den berühmten einbeinigen Tulip Chair (1956). Die Fertigstellung einiger seiner berühmtesten Bauwerke hat Eero Saarinen nicht mehr erlebt; er starb im September 1961 an den Folgen einer Gehirntumor-Operation. Im Programm des Filmmuseums München ist zu lesen: «Der Architekt Eero Saarinen, das ist finnische Lässigkeit, die mit amerikanischer Unternehmungslust zur Exaltation kommt. Seine Flughafenbauten sollen erlebbar machen – so Saarinen – was Fliegen, Schweben, Schwerelosigkeit ist, dass Fliegen mehr als ein Transport- und Verkehrsmittel ist: ein American Dream. Der Dokumentarfilm ‹Eero Saarinen – The Architect Who Saw the Future› erzählt vom Werden dieses Traums, dieses Werks. Es ist ein Architekturfilm, aber auch ein Liebesfilm – eine Liebe von Mann und Frau, Sohn und Vater, Architektur und Kino. Eric Saarinen, der Sohn des Architekten, hat die Bauten seines Vaters als Kameramann gefilmt, im Off hören wir Dialoge von Eero und Aline Saarinen. Es ist diese Liebe, die diesen Bauten ihre bescheidene Dynamik gibt, ihre Menschenfreundlichkeit.»

Regie: Peter Rosen, US 2016, englisch ohne Untertitel, 68′

Trailer

Weitere Vorführungen: Mi 25. April, 19 Uhr

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus
Xella

Einladungskarte April

Buchvernissage KSSG-OKS von Fawad Kazi

Daniel Germann, Direktor KSSG / Marko Sauer, Architekt und Fachjournalist /
Christoph Wieser, Architekturtheoretiker / Werner Binotto, Kantonsbaumeister /
Fawad Kazi, Architekt / Clementine Hegner-van Rooden, Bauingenieurin

Mo 16. April 2018, 19.30 Uhr im Pavillon KSSG

Einladung zur Buchvernissage

Daniel Germann: Begrüssung im Namen des KSSG
Marko Sauer: Begrüssung im Namen des AFO
Christoph Wieser: Buch und Buchreihe
Werner Binotto: Bedeutung des Projektes für die Stadt
Fawad Kazi: Die Prinzipien der Gesamtplanung
Clementine Hegner-van Rooden: Zum Pavillon

Fawad Kazi KSSG–OKS

Band I, Projekteinführung und Pavillon

Herausgegeben von Marko Sauer und Christoph Wieser
30 × 22.5 cm, 64 Seiten, Park Books AG
ISBN 978-3-03860-071-8
Mit Beiträgen von Georg Aerni, Werner Binotto, Clementine Hegner-van Rooden, Fawad Kazi, Marko Sauer,  Rolf Steinegger, Christoph Wieser

In Kooperation mit Kunstkommission KSSG

Einladungskarte Buchvernissage KSSG-OKS

Wohnen – Digitale Baukultur

Matthias Kohler, Professur für  Architektur und Digitale Fabrikation an der ETH Zürich / Harald Deinsberger –  Deinsweger, Architekturpsychologe,  Graz / Senem Wicki, Zukunftsforscherin, Zürich / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 9. April 2018, 19.30 Uhr im Forum

Die Architektur befindet sich im Wandel. Das Aufkommen digitaler Entwurfsmethoden, die Fortschritte in der Robotik und Sensorik, die Möglichkeit das Wissen zahlreicher Disziplinen in einem digitalen Prozess zu bündeln, bedeuten neue Möglichkeiten für die Architektur. Dabei ist der Industrieroboter eines der wichtigsten Werkzeuge in dieser Entwicklung, er überführt die rasanten Fortschritte in der Digitalisierung in die physische Welt, die uns umgibt.

Gramazio Kohler Research an der ETH Zürich ist eine Gruppe von Pionieren in der Erforschung von robotischen Prozessen in der Architektur. Dabei geht es Ihnen nicht allein um den technischen Fortschritt, sondern um die Frage, wie sich eine umfassende digitale Baukultur etablieren lässt. Um eine solche Baukultur zu skizzieren, präsentiert der Vortrag von Matthias Kohler eine Auswahl der wichtigsten Projekte wie die Programmierte Wand, erläutert Schlüsselkonzepte wie die Digitale Materialität und überrascht mit faszinierenden Ausstellungsprojekten wie Rock Print an der Architekturbiennale Chicago 2015. Gebaute Projekte wie das Dach für das Arch_Tec_Lab an der ETH Zürich oder das gegenwärtig sich in Bau befindliche DFABHOUSE verdeutlichen die Ankunft neuer digitaler Methoden im der Gegenwart und unserer gewohnten Umgebung.

Bildnachweis: Gramazio Kohler Research, ETH Zürich, Fotografin: Alessandra Bello

Veranstaltungssponsor:
Computerworks

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte April

Sommer Camp Architektur

Entdeckungsreise Architektur

Sommerferien 2018
St. Gallen 10. – 13. Juli 2018
Wil 10. – 13. Juli 2018
Altstätten 17. – 20. Juli 2018
jeweils 9–17 Uhr

Nicht durchgeführt werden dieses Jahr die Sommer Camp Architektur in Wattwil, Teufen und Rapperswil-Jona

Städte, Häuser und Strassen sind ein äusserst spannendes und wichtiges Thema für Kinder und Jugendliche. Als Erwachsene werden viele von ihnen Entscheidungen fällen, die das Bauen betreffen: Als Bauherren, als Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft oder als Wählerinnen und Wähler an der Urne. Und doch lernen sie in der Schule kaum etwas darüber.

Wie lernen also Kinder und Jugendliche das kennen, was sie täglich umgibt? Wie können sie wissen, wer an der Stadt baut, wie man Strassen und Plätze gestaltet und was ein Haus alles können muss? Wie kann man nachhaltig bauen und Energie einsparen?

Um auch Kinder und Jugendliche an diese Themen heranzuführen, haben wir eine Workshopreihe als Ferienkurs entwickelt: das Sommer Camp Architektur: Entdeckungsreise Architektur.

Was gibt es alles in einem unbekannten Quartier zu entdecken? Welche Geschichten erzählen uns Häuser? Wer baut eigentlich all die Gebäude, Strassen und Brücken?

Wir gehen zusammen auf Safari in der Stadt – wir treffen Architektinnen und Ingenieure und stellen ihnen Fragen – wir suchen Häuser, die zusammen passen und Details, die keiner sieht. Und wir bauen Modelle und untersuchen, wie Licht und Raum eine Stimmung erzeugen. Vier Tage lang gehen wir auf Entdeckungsreise und stellen am Ende unsere Entdeckungen aus.

Alter: Jahrgänge 2003–2008
Dauer: 4 Tage, Di–Fr, 9–17 Uhr
Kosten: Fr. 50.–, inkl. Verpflegung
Anmeldeschluss: Fr 15. Juni 2018
Die Platzzahl ist beschränkt

Anmeldung an sommercamp@nulla-f-o.ch Die Anmeldung ist verbindlich. Weitere  Detailinformationen zu Treffpunkt,  Kursleitung etc. erhalten Sie mit der  Anmeldebestätigung ca. 4 Wochen vor  Kursbeginn.

Die Versicherung ist Sache des Teilnehmers

Bildnachweis: Daniel Ammann/SGKB

Mit freundlicher Unterstützung 150 Jahre
Jubiläum St. Galler Kantonalbank

 

Weitere Unterstützungen:

Anmeldekarte Sommer Camp Architektur

Publikation Hochparterre

 

Architektur im Film

Having a Cigarette with Álvaro Siza

28. März 2018, 18.30 Uhr im Kinok

«Architects don’t invent anything, they just transform reality.» — Álvaro Siza

One of the 20th century’s most iconic architects, Álvaro Siza is a Prizker Prize winner, socialist and passionate smoker.

The director does what possibly all of us would like to do with a person whom we esteem and are  intrigued by. He listens and observes. With caution and respect. For an indefinite amount of time. One or more days with a great contemporary architect. Time dilates through the film following his  thoughts. His pauses. His lucid, poetic rigor. It’s the life running through his works. It’s the answers to the questions posed by a profession that has so much to do with the lives of people.  With history. With the evolution of the community. One speaks about social housing, of needs, of the differences between places, and of mutual influences. And it seems like there is nothing left to add.

Regie: Ian Dilthey, PO 2016, por, deut. UT 53′

Trailer

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus
Xella

Einladungskarte März

Wanderausstellung animata.ch – der Bau des  Stadtraumes

Vernissage und Diskussion über den Stadtraum von St. Gallen Ost / Philipp Funke, Fotograf, Zürich / Simon Kretz, Architekt und Städtebau-Forscher, Zürich / Thomas K. Keller, Architekt, St. Gallen / Florian Kessler, Stadtplaner Stadt St. Gallen / Moderation Giulio Bettini, animata.ch

Mo 26. März 2018, 19.30 Uhr im Forum

Ausstellung Mo 26. März 2018 bis Mo 9. April 2018
Öffnungszeiten: während der Veranstaltungen und werktags 9-17 Uhr

animata.ch – der architektonische Bau des Stadtraumes

Wanderausstellung und interaktive Homepage zum Bau des Stadtraumes in der Schweiz

2014 gewann der Tessiner Architekt Giulio Bettini das  vierte Forschungsstipendium des BSA. Nach der  Publikation des Buches Die città animata – Mailand und die Architektur von Asnago Vender folgt jetzt eine Wanderausstellung, die durch die ganze Schweiz zieht.

Die Stadt endet nicht mit dem Überbauungsplan. Die Architektur hört nicht an der Fassade auf. Beide Grenzen werden oft als Schlusspunkte zweier Disziplinen betrachtet. animata.ch forscht im Feld zwischen diesen zwei Grenzen – dort, wo sich Architektur und Stadt am dichtesten und am längsten ausdrücken.

St. Gallen Ost: Mehr als die Summe von Einzelnen

Ort für Transit, Produktion, Einkauf oder Wohnen:  St. Gallen Ost hat viele Seelen, je nach Nutzer. Die  einst mal getrennten Dörfer von St. Fiden, Heiligkreuz und Krontal sind immer näher gewachsen, die Grenzen wurden verwischt. Das neu entstandene Stadtgebiet hat noch keinen Namen und die Aufzählung seiner  Ortschaften reicht nicht mehr, um die aktuelle  Situation zu definieren. Liegt hier eine neue Stadtidentität vor oder ist eine im Entstehen? animata.ch geht zusammen mit ihren Gästen auf einer Stadtrallye mit dem Fotografen Philipp Funke, der tagelang das Gebiet bewandert hat.

Bildnachweis: Philipp Funke

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Architektur im Film – Having a Cigarette with Álvaro Siza

Einführung durch Iain Dilthey, Regisseur, Berlin

Di 20. März 2018, 20 Uhr im Kinok

«Architects don’t invent anything, they just transform reality.» — Álvaro Siza

One of the 20th century’s most iconic architects, Álvaro Siza is a Prizker Prize winner, socialist and passionate smoker.

The director does what possibly all of us would like to do with a person whom we esteem and are  intrigued by. He listens and observes. With caution and respect. For an indefinite amount of time. One or more days with a great contemporary architect. Time dilates through the film following his  thoughts. His pauses. His lucid, poetic rigor. It’s the life running through his works. It’s the answers to the questions posed by a profession that has so much to do with the lives of people.  With history. With the evolution of the community. One speaks about social housing, of needs, of the differences between places, and of mutual influences. And it seems like there is nothing left to add.

Regie: Ian Dilthey, PO 2016, por, deut. UT 53′

Trailer

Weitere Vorführung: 28. März 2018, 18.30 Uhr

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus
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Einladungskarte März

«Eine Stadt ist wie eine Wohnung»

Die Beleuchtung der Innenstädte ist auf viele einzelne Objekte ausgerichtet, oftmals kommt dabei der städtische
Raum zu kurz. Ein Plädoyer von Lichtplaner Charles Keller für eine lebendige Beleuchtung, die den Schatten nicht scheut.

17.03.2018 von Andrea Wiegelmann

Grosszügig und hell sind die Büroräume in der oberen Etage einer ehemaligen Stickerei in St.Gallen. Der offene Charakter steht dabei sinnbildlich für Charles Keller, Gründer von Charles Keller Design, dessen Offenheit und Neugierde weit über seinen Beruf hinausführt und doch auch immer wieder zu ihm zurück. Und so gerät das Gespräch über die Beleuchtung des städtischen Raums zu einem Austausch über unser Verhältnis zu Raum und das  Verständnis von Stadt, um in präzisen Vorschlägen für die Beleuchtung unserer Innenstädte zu münden.
Charles Keller ist Generalist. Nach einer Au esbildung als Flugzeugspengler hatte er an der Zürcher Kunstgewerbeschule Produktgestaltung unter anderem bei Willy Guhl studiert. Das Zusammenspiel der Disziplinen begleitet Keller von Anfang an. Und so verwundert es nicht, wenn er fordert, dass Stadtbeleuchtung genauso geplant werden solle wie jede andere Planungsaufgabe auch. Bei seinem Entwurf für die Beleuchtung der Zürcher  Bahnhofsstrasse von 2010 etwa habe er den Architekten und langjährigen Weggefährten Daniele Marques und den Künstler Andreas Schiess hinzugezogen. Eine Weihnachtsbeleuchtung sei eine emotionale Angelegenheit – eine Festbeleuchtung, die als solche gestaltet werden müsse. Die Komposition der Elemente ist für Keller bei der  Beleuchtung im öffentlichen Raum entscheidend, ebenso der Umgang mit dem jeweiligen Ort. Dies scheint  selbstverständlich, ist es aber vielfach nicht. «Die innerstädtische Beleuchtung produziert zu viele Reize, darüber geht der Raum verloren.»

Den öffentlichen Raum mit Licht gestalten

Wer das Luftbild des nächtlichen St.Gallens von vergangener Woche vor Augen hat, der weiss, wie sehr die Innenstadt ausgeleuchtet ist (Ausgabe vom 7. März). Keller kritisiert daran, dass der öffentliche Raum unter der alleinigen Ausrichtung auf kommerzielle Aspekte leide, denen andere Interessen untergeordnet sind. Das sei auch bei der momentanen Diskussion um die Möblierung des St.Galler Marktplatzes zu spüren. Wenn man dort die Marktstände stationär ausführe, dann sei der Marktplatz Geschichte. Man müsse sich fragen, braucht es wirklich stationäre Stände. Kellers Position dazu ist klar: «Ein Markt hat Räder und Füsse.» Seine Stadt könne auch durch Poesie überzeugen und nicht nur Auch bei der Beleuchtung stehe heute das jeweilige Interesse  am einzelnen Objekt im Fokus und nicht nur der Stadtraum.
Am Abend sind beispielsweise einzelne Fassaden und Schaufenster derart ausgeleuchtet, dass die jeweiligen Orte gar nicht mehr wahrgenommen werden können. Hinzu komme, dass man in der Planung mit einem Übermass an Vorschriften konfrontiert sei. Diese berücksichtigen jedoch nicht die jeweilige Situation, sondern argumentieren oftmals einzig über technische Richtwerte oder Lichtfarben und schaffen Reglemente, die die Gestaltung des Raums nicht beachten. Der gebürtige St.Galler erklärt es so: «Es gibt immer mehr Lichtquellen, es gibt  spezielle Apparate, die das Licht gezielt dorthin werfen, wo man es braucht. Das sind für  mich, vergleichbar für einen Organisten, die Register. Man sollte dem Organisten nicht die  Register zukleben.» Und so fordert er: «Die Beleuchtung ist immer vom spezifischen Ort aus zu denken, ihn möchte man mit dem Licht zur Geltung bringen.»

Den Stadtraum als Wohnung denken

Bei der Lichtführung soll der Charakter des Ortes geachtet werden. Ähnlich hat es Urs Etter, Leiter Öffentliche Beleuchtung bei den St.Galler Stadtwerken, in dieser Zeitung formuliert. Doch was heisst das eigentlich? Charles Keller erklärt dazu, dass der städtische Raum aus Strassenräumen besteht, gebildet durch Häuser unterschiedlicher Epochen. Eine Strasse könne nachts einen ebenso vielfältigen Eindruck erzeugen wie am Tag. Dabei spiele die Verteilung des Lichtes eine wichtige Rolle, ebenso die unterschiedlichen Beleuchtungszyklen und -arten.
Die Lichtführung ist entscheidend, die Frage, was ist hell und was ist dunkel. «Es ist wie in unserer Wohnung», sagt Keller, «da ist auch nicht alles gleichmässig ausgeleuchtet, es gibt die Leselampe, und darum gibt es Schatten.» Bei der  Gestaltung des abendlichen und nächtlichen Stadtraums müsste man sich fragen,
wo kann es hell, wo dämmrig sein, welche Beleuchtungssituation ist für uns behaglich. Zum Licht gehört der Schatten, verschwindet er aus der abendlichen Stadt, verschwinden deren Konturen. Keller arbeitet mit diesen Konturen und erzählt: «Einmal machte ich etwas «Verbotenes » in St.Gallen. Ich bestrahlte die Stiftsbibliothek, ein sehr schönes, einfaches Barockgebäude, sachte aus dem Boden.
Dies ist heute kaum mehr möglich – da Leuchten aus Gründen der  Lichtverschmutzung nicht von unten in den Himmel strahlen dürfen.» Für die Fassade der Bibliothek sei es jedoch die richtige Beleuchtung. Für Keller ein weiterer Beleg, das generelle Verbote nicht der richtige Weg sind. Würde in den Innenstädten mit wenig und bewusst gesetzten Beleuchtungen operiert, dann wäre viel mehr erreicht als mit pauschalen Geboten und Verboten.
Überhaupt sei weniger oftmals mehr. Eine ganz wunderbare Beleuchtung ist für Keller – der im vergangenen Jahr die Innenbeleuchtung der St.Galler Stiftskirche neu gestaltet hat – das Licht, das durch Fenster in den Stadtraum fällt. Bei der Stiftskirche erzählen die hellen Fenster etwas über ihr Inneres. Die Beleuchtung dagegen, die vielerorts bei Nacht Kirchenfassaden überstrahlt, lässt die Fenster dunkel und schweigend.
Fenster seien aber extrem wichtig, sagt Keller. Sie zeigten den Tagesverlauf des Hauses im Aussenraum und erzählten die Geschichten der Bewohner. Werde der Raum überblendet, dann seien diese Geschichten nicht lesbar und der nächtliche Stadtraum verliere an Kontur. Dabei ist Lichtplaner Keller überzeugt: «Beleuchtung kann auch überraschen und bezaubern» und kommt auf seine Eingangsfeststellung zurück: «All diese Fragen haben mit Gestaltung zu tun und nicht mit  Beleuchtungsstärken.»

 

Bilder: Benjamin Manser

Wohnen – Brennpunkt Ostschweiz

Christian Wick, Architekt, St.Gallen / Hansueli Rechsteiner, Stadtbaumeister, St.Gallen / Kathrin Hilber, ehemalige  Regierungsrätin, St.Gallen / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 5. März 2018, 19.30 Uhr im Forum

Bildnachweis: Christian Wick

«Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen. Wer die Gegenwart nicht versteht, kann die Zukunft nicht gestalten.» Hans-Friedrich Bergmann (*1934)

Die Ostschweiz liegt nicht im Zentrum der boomenden Regionen. Die Leerwohnungsziffer ist weit über dem Schweizer Durchschnitt und hat damit den schlechtesten Wert vergleichbarer Schweizer Städte. Das war nicht immer so! Was ist heute anders? Was machen wir «falsch»? Was können wir als Architekten, als Politiker und als Behörden daraus lernen und zur Verbesserung beitragen?

Mit einem Überblick zur aktuellen Immobilienentwicklung in der Ostschweiz, wird der Frage nachgegangen, welches die Treiber einer Entwicklung der Region sind, und wie im globalen Umfeld eine prosperierende Zukunft möglich ist.

Mit dem Rückblick auf die Geschichte und raumplanerische Studien, werden wichtige Ansätze zur Entwicklung hergeleitet. Es werden Aspekte aufgezeigt, wie sich die Stadt und Region mit ihren bestehenden Qualitäten und Unterschiede weiter entwickeln kann.

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte März

Architektur im Film – Franz Füeg. Neugier und  Widerstand. Ein filmisches Zeitdokument zum 95. Geburtstag von Franz Füeg, Architekt

Gespräch mit Regisseur und Architekt Patrick Thurston, Bern / Jürg Graser, Regisseur und Architekt, Zürich / Franz Füeg, Architekt, Solothurn

Di 20. Februar 2018, 20 Uhr im Kinok

Jürg Graser und Patrick Thurston nähern sich dem Menschen Füeg in seiner vertrauten Umgebung. Sie lassen ihn ohne starres Konzept zu Wort kommen. Sie fragen nach, schaffen einen vertrauensvollen Raum, in dem Erinnerungen auftauchen, und folgen seinen Lebenslinien.  Die langen, unvorbereiteten Gespräche zeigen einen Menschen, der Architektur als ein weitläufiges kulturelles Ganzes versteht. Franz Füeg legt nicht fest. Er ist wach, neugierig, suchend und voller Widerstandswillen, noch heute im hohen Alter.
Die Auswahl aus dem Material der Gespräche wird ergänzt durch fotografische Spaziergänge  durch die Bauten von Franz Füeg. Als Beispiele werden das Musikerhaus an der  Blumensteinstrasse in Solothurn, die Universitätsinstitute in Fribourg und die Kirche Meggen besucht.

Patrick Thurston und Jürg Graser führen ein Gespräch über Architektur und den Film. Franz Füeg ist aus gesundheitlichen Gründen leider verhindert.

Regie: Patrick Thurston, Jürg Graser CH 2016, D, 45‘

Weitere Vorführung: Mi 28. Feb 18.45 Uhr

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus
Xella

Einladungskarte Februar

Die Dorfbeiz wird zum Kleinod

Über viele Generationen bot das Gasthaus Rössle  den Bewohnern von Mauren einen Begegnungsort im Dorfkern. Nach umfassenden Sanierungs- und  Umbaumassnahmen wurde das Gebäude als  Kulturhaus wieder für die Bevölkerung geöffnet.

16.12.2017 von Tina Mott

Die Türklinke aus Gusseisen liegt schlank und kühl in  der Hand. Der Besucher senkt leicht den Kopf und tritt  über die Schwelle. Ein harziger Geruch von frisch  gewischtem Holz steigt in die Nase, unter den Schritten  knarrt leise das matt gebohnerte Parkett im  Fischgratverband. Zu behaupten, die Gaststube wirke, als sei die Zeit stehen geblieben, wäre ein Klischee, und  doch birgt sie den Zauber einer Welt von gestern. Die  Proportionen des Raumes und seiner Ausstattung sind etwas kleiner und zierlicher gedacht, als wir sie von den  Objekten der heutigen Zeit kennen. Hier wurde  vieles von Hand gefertigt. Die Spuren der traditionellen Arbeitsweisen treten als feine Pinselstriche im Lack oder winzige ovale Lufteinschlüsse im Fensterglas in Erscheinung.
«Das ‹Rössle› ist ein Haus voller Geschichten, es regt die Menschen zum Erzählen an.» Elisabeth Huppmann arbeitet als Kulturbeauftragte der Gemeinde Mauren in Liechtenstein und leitet seit der Eröffnung vor drei Jahren den Betrieb im revitalisierten Gebäude. «Das ist auch heute noch so. Nach unseren Veranstaltungen bleiben die Gäste aus dem Dorf gern in den Stuben sitzen und erzählen Geschichten über diesen Ort. Gerade die ältere Generation hat hier ja auch viel erlebt.»
Im Dorfkern etwas oberhalb der Kirche wurde die Wirtschaft «Zum weissen Rösslein» 1833 erbaut und bereits einige Jahre später durch einen Anbau ergänzt. Die Einheimischen kamen dort am Sonntag nach der Messe zusammen oder trafen sich zum Kartenspielen in den Stuben. Viele haben Hochzeiten und Taufen im Saal gefeiert, hier wurden Theater gespielt und Tanzabende veranstaltet. Das Gasthaus war über viele Jahrzehnte der Ort in Mauren, an dem das rege Gemeinschafts und Vereinsleben des Dorfes stattfand und wird nun in dieser Tradition als Kulturhaus für das heimische Publikum weitergeführt. Seit Januar 2015 bietet das «Rössle» ein abwechslungsreiches Programm für die Menschen der Region, von Konzerten, Vorträgen, Theatervorstellungen und Ausstellungen bis hin zum monatlich stattfindenden Maurer Literaturcafé oder einem Jassturnier für Senioren. Zudem kann einmal im Jahr jeder der mehr als 60 Ortsvereine eine Veranstaltungsstätte der Gemeinde gratis nutzen, und auch hier wird das vielfältig bespielbare Haus gern gebucht. Dabei stand das Gebäude im Jahr 2008 knapp davor, abgerissen zu werden. Eine offizielle Abbruchbewilligung durch das Hochbauamt war bereits unterzeichnet.
Die letzte Wirtin musste 1998 in Pension gehen, ohne  einen Nachfolger zu finden. Nachdem sie zehn Jahre in dem leeren, baufälligen Haus gelebt hatte, entschloss sich die Familie schweren Herzens für einen Neubau. In diesem Rahmen fanden Begehungen der Altsubstanz statt, wodurch das Interesse der Öffentlichkeit geweckt wurde. Nun schlossen sich Vertreter des Ressorts Kultur, der Denkmalpflege und der Gemeinde kurzfristig zu einer Arbeitsgruppe zusammen, um die Erhaltungswürdigkeit des Gebäudes zu prüfen und gegebenenfalls auch eine Nachnutzung anzudenken. Auf Grund der Baustruktur des Gastbetriebes mit Saal und Bühne lag die Idee eines Kulturhauses bereits nahe. Das grosse Problem war aber der schlechte bauliche Zustand des Treppenhauses und der Sanitäranlagen.
Nachdem das Vaduzer Architekturbüro Kaundbe eine umfassende Sanierungsstudie ausgearbeitet hatte, signalisierte die Denkmalpflege im Jahr 2009 ihre Absicht, das Haus unter Schutz zu stellen, und die Gemeinde erwarb die Liegenschaft. Als sich das Land nach dem Regierungswechsel zwei Jahre später aber aus der Finanzierung zurückzog, wäre das Projekt beinahe noch gekippt. Doch an diesem Punkt zeigte sich, wie sehr die Bewohner von Mauren hinter ihrem «Rössle» standen. Ein privater Verein, dessen Zweck darin bestand, die Sanierung und Erhaltung des Hauses zu unterstützen, konnte rund eine Million Franken an Spendengeldern sammeln. «Es galt, den Menschen das Konzept näherzubringen und sie für unsere Ideen zu begeistern. Jeder gab, so viel er konnte. Wir waren für alle Beiträge dankbar, von kleineren Zuwendungen einzelner Dorfbewohner bis hin zu grossen Summen wohlhabender Mäzene», erklärt Walburga Matt, die sich damals als Präsidentin von «Pro Rössle» engagierte und die Kulturkommission der Gemeinde leitete.
Im März 2013 erfolgte dann der Spatenstich und das Konzept der Architekten konnte umgesetzt werden. Zwischen der Scheune und dem ehemaligen Gasthaus wurde ein neuer Erschliessungs- und Infrastrukturkern realisiert, der den denkmalgeschützten Altbau weitgehend frei von technischen Einbauten halten sollte. Als der Rohbau gegen Ende des Jahres fertiggestellt war, konnte mit den eigentlichen Sanierungsarbeiten am Dach, an der Fassade und im Inneren begonnen werden. «Diese Baustelle war bestimmt nicht einfach. Immer wieder wurden Fragen aufgeworfen, die neue Ansätze und Denkweisen herausforderten. Die Handwerker und Restauratoren mussten sehr behutsam vorgehen und wussten eigentlich nie, worauf sie stossen würden, wenn sie in dem alten Gemäuer arbeiteten», erinnert sich Huppmann.

Baugeschichtliche Schätze wären verloren gegangen

Die Bewohner von Mauren schauten immer wieder auf der Baustelle vorbei und zeigten grosses Interesse an den Arbeitsfortschritten im «Rössle». Viele Bürger waren überrascht, zu was für einem Kleinod sich ihre ehemalige Dorfbeiz mauserte, und so manchem wurde erst im Nachhinein bewusst, welche baugeschichtlichen Schätze durch den Abbruch verloren gegangen wären. Doch mit der überlieferten Bausubstanz wäre nicht nur materielles Kulturerbe zerstört worden, denn auch ideelle Werte einer Gemeinschaft zerfallen mit den alten Mauern. Elisabeth Huppmann bringt diese prekäre Entwicklung auf den Punkt: «Wenn ein historisches Gebäude im Dorfkern abgerissen wird, verschwindet ja nicht nur ein Haus. Es verschwindet ein Teil des Dorfbildes und mit ihm viele Erinnerungen und Geschichten. Eigentlich geht immer ein Stück Identität verloren.»

Bilder: Michael Zanghellini

Wohnen – Eine Herleitung

Ákos Moravánszky, Architekturtheoretiker, Zürich / Anna Jessen, Architektin, Basel / Christoph Baumberger, Architekturphilosoph, Zürich / Moderation Barbara Bleisch, Philosophin, Zürich

Mo 5. Februar 2018, 19.30 Uhr im Forum

Wir betrachten unsere Wohnung als Zufluchtsort, in den wir uns aus der Welt aussen zurückziehen können – zugleich aber als einen eigenen Mikrokosmos, als Bild einer Weltanschauung. Der individuelle, intime Charakter des Wohnens ist mit der Vorstellung einer bemerkenswerten Stabilität gegenüber sozialen Veränderungen in der Gesellschaft verbunden. Die Inszenierung des Intimen wird mit ständig neuen Waren bedient, um den privaten Raum als Ort des Eintauchens in eine persönliche Traumwelt einzurichten.
Andererseits ist Wohnen seit den Anfängen der Moderne zu einem Experimentierfeld geworden, wo neue architektonische Konzepte getestet werden können. Die  verschiedenen Modelle des Wohnens werden  demonstrativ zur Schau gestellt, durch die Medien vermittelt und die in ihnen verkörperten Wertsysteme kontrovers diskutiert. Änderungen dieser Wertsysteme führen zu radikal neuen architektonischen Vorschlägen.
Die Vorlesung zeichnet die Transformation des privaten Hauses unter dem Einfluss sich ändernder Auffassungen von der Familie nach. Die demografischen Veränderungen, die Rolle der neuen technischen Möglichkeiten und des neuen Verhältnisses von Arbeit und Freizeit spielen dabei eine wichtige Rolle: Der «bergende Raum» der Wohnung ist heute durch Medienströme durchlöchert, und die Idealisierung der Privatheit wird zunehmend infrage gestellt.

Bildnachweis: Superstudio, Vita (Supersuperficie), 1971. Quelle: Gabriele Mastrigli (Hg.), Superstudio. Opere 1966–1978. Macerata: Quodlibet, 2016. S. 391

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte Februar

Wenn der Dorfbach das Korsett sprengt

In vielen Gemeinden belebt ein Bach das Stadtbild. Heute erfordern extremer werdende Niederschlagsereignisse, wie sie Altstätten 2014 erlebt hat, Massnahmen. Hochwasserschutz und Stadtbild – ein Widerspruch?

03.02.2018 von Andrea Wiegelmann

In seine Erzählung «Der Mensch erscheint im Holozän» schreibt Max Frisch: «Katastrophen kennt  allein der Mensch, sofern er sie überlebt. Die Natur kennt keine Katastrophen.» Frisch erinnert uns daran, dass sich die Natur stetig verändert. Auch  Überschwemmungen sind ein natürliches Ereignis
solcher Veränderungen; dass sie zu Katastrophen werden, ist oft vom Menschen selbst verschuldet. Die Schäden etwa, die durch die grossen überregionalen Hochwasser von 1987 entstanden sind, sind auch Ergebnis einer intensiven Siedlungsentwicklung. Verschärft durch einen von der Industrialisierung geprägten Umgang mit der Landschaft: Flüsse wurden kanalisiert und begradigt, Bäche eingefasst oder überdeckt, Bauzonen in Überschwemmungsgebiete ausgedehnt. Doch was bedeutet Hochwasserschutz im Dorf oder der Stadt? In Altstätten hat die Gemeinde nach den verheerenden Überschwemmungen 2014 Sofortmassnahmen beim Brendenbach und Stadtbach zur Erhöhung des Hochwasserschutzes im Stadtgebiet umgesetzt und ein Frühwarnsystem eingerichtet. Entlang des Stadtbachs wurden zur Erhöhung seiner Abflusskapazitäten etwa Fussgängerbrücken entfernt, das Ufer mittels Bretterwänden erhöht und die Brücken mit Schwenktoren überströmbar gemacht. Bei diesen provisorischen Massnahmen steht der Schutz im Vordergrund. Derzeit sind Schutzprojekte für die unterschiedlichen Bachläufe in Arbeit, mit ersten Ergebnissen ist in diesem Frühjahr zu rechnen.
Die Herausforderung wird sein, die Bachläufe weiterhin im Stadtbild erlebbar zu belassen. Denn Massnahmen zum  Hochwasserschutz verändern die Gestalt des Stadtbildes und durch Schutzmauern, Ufererhöhungen oder  Querschnittserweiterungen des Bachbettes können Bäche auch unzugänglich werden. Der Hochwasserschutz läuft immer auch Gefahr, die technischen Aspekte in den Vordergrund zu stellen: Jeder von uns kennt das Bild spielender Kinder in gemächlich rinnenden Bachläufen. Geht es um Hochwasserschutz, ist das Bild vom Bach ein völlig anderes. Dabei gilt es beide Bilder zusammenzudenken.

Dass Schutzeinrichtungen nicht zu Barrieren werden, ist keine einfache Aufgabe. Zwar gibt es inzwischen für die Schweiz Gefahrenkarten und die Gewässerschutzgesetzgebung von 2011 definiert den Gewässerraum und die natürlichen Gewässerfunktionen. Doch wie können diese Vorgaben in dicht besiedelten Gebieten umgesetzt werden?

Klare Leitplanken für den Hochwasserschutz

«Heute gibt es für den Hochwasserschutz und die ökologischen Anforderungen klare Leitplanken,  jedoch berücksichtigen diese die gestalterische und siedlungsgerechte Umsetzung oft zu wenig», bestätigt denn auch der Landschaftsarchitekt André Seippel aus Wettingen (AG). Die Frage, wie ökologische Aspekte und technische Anforderungen gelöst werden können, so dass auch für die Bevölkerung ein Mehrwert entstehe, müsse immer wieder neu beantwortet werden. Für grössere Siedlungen sei die Entwicklung eines übergeordneten Leitbilds für das Gewässernetz sinnvoll. «Man sollte für die jeweiligen Abschnitte eigene Gewässerbilder definieren, die im Kontext zu ihrem Umfeld stehen, die aber auch die Charakteristik des gesamten Gewässerlaufes nicht ausser Acht lassen», empfiehlt der Fachmann und erläutert am Beispiel des Dorfbachs im alten Dorfkern von Spreitenbach, wie dies aussehen kann.
Der Bach verlief seit Jahrzehnten kanalisiert in einem Betonkorsett, bis er bei einem Hochwasser  Anfang der 1990er-Jahre mit verheerenden Folgen für das Dorf und seine Bewohner über das Bachbett trat. Nach diesem Jahrhundertereignis suchte der Kanton nach Wegen für ein Schutzkonzept, das es ermöglichte, Extremhochwasser sicher abzuleiten. Dazu wurde ein Team aus Landschaftsarchitekten und Ingenieuren gebildet; Ziel war es, den Bach im Dorfkern erlebbar zu belassen und ihn gleichzeitig als Lebensraum für Menschen, Pflanzen und Tiere zu fördern.
Das alte Spreitenbach ist ein Strassendorf, seine Häuserzeilen und der Bachlauf prägen den Ortskern. Dieser Charakter sollte gewahrt werden. Eine Vergrösserung des Bachbetts, ein sogenannter Vollausbau, kam daher nicht in Frage. Man entschied sich für eine sogenannte Doppelstocklösung, bei der eine Entlastungsleitung unter das bestehende Bachbett gelegt wird. Ein Trennbauwerk am Ortseingang reguliert, dass bei Hochwasser nicht die volle Wassermenge durch das oberirdische  Bachbett fliesst.
Da die parallel laufende Strasse saniert werden musste, konnte die gesamte Strassen- und  Bachbettplanung über die ganze Strassenbreite, also von «Fassade zu Fassade», neu aufgesetzt werden. «Das ist jedoch nicht der Normalfall », merkt Seippel an, «in der Regel plant man sehr unterschiedliche Abschnitte oder gar nur einzelne Parzellen mit eigenen Anforderungen und Eigentumsverhältnissen; da hilft dann ein übergeordnetes Gewässerentwicklungskonzept.»

Wie mit Gewässern im Siedlungsraum umgehen?

In Spreitenbach konnte das Ortsbild gewahrt und der Bachlauf als Lebensraum erhalten werden. Um  solche Lösungen zu entwickeln, braucht es ein gemeinsames Engagement aller Beteiligten. Nachhaltiger Gewässer- und Hochwasserschutz ist dann erreicht, wenn wir lebendige und zugängliche Fluss- und Bachläufe in unseren Siedlungsgebieten bewahren.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Probelauf

Entdeckungsreise Architektur

Sa 20. Januar 2018, Zeughaus Teufen

Das «Sommer Camp Architektur» will in diesem Jahr das erste Mal Kinder- und Jugendworkshops zur Baukultur durchführen. Damit auch alles klappt, haben wir im Januar einen Probelauf im Zeughaus in Teufen durchgeführt. «Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die Sommerferien können kommen», freut sich Marko Sauer, Vorstandsmitglied im Architektur Forum Ostschweiz. Die ganze Arbeit habe sich gelohnt, pflichtet ihm seine Kollegin Johanna Deinet, Co-Präsidentin, zu. Auch die jungen Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer sind sich einig. «Wir kommen sicher wieder.»

Bildnachweis: Daniel Ammann/SGKB

Mit freundlicher Unterstützung 150 Jahre
Jubiläum St. Galler Kantonalbank

Beitrag TVO 150jahre.ch

Wanderausstellung animata.ch – der Bau des  Stadtraumes

Ausstellung Mo 26. März 2018 bis Mo 9. April 2018
Öffnungszeiten: während der Veranstaltungen und werktags 9-17 Uhr

animata.ch – der architektonische Bau des Stadtraumes

Wanderausstellung und interaktive Homepage zum Bau des Stadtraumes in der Schweiz

2014 gewann der Tessiner Architekt Giulio Bettini das  vierte Forschungsstipendium des BSA. Nach der  Publikation des Buches Die città animata – Mailand und die Architektur von Asnago Vender folgt jetzt eine Wanderausstellung, die durch die ganze Schweiz zieht.

Die Stadt endet nicht mit dem Überbauungsplan. Die Architektur hört nicht an der Fassade auf. Beide Grenzen werden oft als Schlusspunkte zweier Disziplinen betrachtet. animata.ch forscht im Feld zwischen diesen zwei Grenzen – dort, wo sich Architektur und Stadt am dichtesten und am längsten ausdrücken.

St. Gallen Ost: Mehr als die Summe von Einzelnen

Ort für Transit, Produktion, Einkauf oder Wohnen:  St. Gallen Ost hat viele Seelen, je nach Nutzer. Die  einst mal getrennten Dörfer von St. Fiden, Heiligkreuz und Krontal sind immer näher gewachsen, die Grenzen wurden verwischt. Das neu entstandene Stadtgebiet hat noch keinen Namen und die Aufzählung seiner  Ortschaften reicht nicht mehr, um die aktuelle  Situation zu definieren. Liegt hier eine neue Stadtidentität vor oder ist eine im Entstehen? animata.ch geht zusammen mit ihren Gästen auf einer Stadtrallye mit dem Fotografen Philipp Funke, der tagelang das Gebiet bewandert hat.

Bildnachweis: Philipp Funke

Wohnen in Zeitzeugen

Eine der wesentlichen Bauaufgaben in der zweiten Hälfte des 20.  Jahrhunderts war die Schaffung von Wohnraum. Heute stellt sich den  Eigentümern die Frage nach der Sanierung. Dabei geht es auch um den Umgang mit unserer Kulturgeschichte.

16.12.2017 von Andrea Wiegelmann

In seinem Roman «Die unsichtbaren Städte» lässt Italo Calvino Marco Polo in einem Gespräch mit dem chinesischen Kaiser Kublai Khan erläutern: «Ich habe auch über ein Stadtmodell nachgedacht, von dem sich alle anderen ableiten lassen: Es ist eine Stadt, die nur aus Ausnahmen besteht, aus Besonderheiten und Widersprüchen.» Städte also, das impliziert Calvino, bestehen mehr aus Ausnahmen denn aus Regeln. Und wenn wir mit offenen Augen durch unsere Städte gehen, dann können wir diese Widersprüche auch sehen. Sie sind es, die unsere Städte lebendig halten. Für die Architektur ist das Ausbalancieren dieser Widersprüche gerade im Hinblick auf den Erhalt von Bauten oftmals schwierig, vor allem dann, wenn die betreffenden Bauten ein schlechtes Image haben. Dies gilt für die Bauten der Nachkriegszeit, insbesondere die Bauten der 1970er-Jahre.
Die Nachkriegsjahre waren geprägt von einem regelrechten Bauboom, gerade im Wohnbau. Dies hat auch das Bauen mit dem Material  befördert, das in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dank der  entwickelten Möglichkeiten der Vorfertigung und des rationalisierten Bauens massenhaft zum Einsatz kam – dem Beton. Entwickeln diese  Fassaden ihre Patina, gehen die Meinungen über deren Ästhetik weit  auseinander. Das Zeigen der rohen Materialität, der Stil der Zeit, wird in weiten Teilen unserer Bevölkerung als klobig und abweisend empfunden. Ganz anders bei Architekten, die Bauten des sogenannten  Brutalismus – so bezeichnet man den Stil dieser Zeit – werden heute in  Ausstellungen und Publikationen gewürdigt. Doch es geht hier um weit mehr als um die Frage, ob schön oder hässlich: Die Bauten der jüngeren Epochen sind Kulturdenkmäler, denn individuelle und kollektive  Erinnerungen stützen sich hauptsächlich auf Orte und Objekte und  damit auch auf zeitgenössische Bauten. Während dies bei einzelnen  Gebäuden, wie dem von Walter Förderer mit Rolf Georg Otto und Hans Zwimpfer realisierten Hauptgebäude der St.Galler Universität (1963), bewusst scheint, wird gerade der Wohnbau jener Zeit aus dem Fokus  verloren. Darunter gibt es jedoch einige Beispiele, deren städtebauliche  und bauliche Substanz herausragend ist und die als Zeitzeugen, als Teil der Geschichte einer Stadt, erhalten werden sollten: Die Siedlung an der Achslenstrasse in St.Gallen von Heinrich Graf ist eine davon.

Wachstum und Siedlungsplanung

In den 1970er-Jahren ist nicht nur die Schweizer Bevölkerung deutlich angewachsen, auch die Ansprüche an das Wohnen veränderten sich.  Angesichts des Bedarfs an Wohnraum wurden zugleich Möglichkeiten  des verdichteten Bauens attraktiv. Eine der bekanntesten Terrassensiedlungen an Hanglagen ist die Siedlung Halen (1961) bei Bern von Atelier 5. Eine weitere Form, diesem Anspruch gerecht zu werden, waren vertikal verdichtete Bauten, Wohnhochhäuser. Im Gegensatz zu den rigiden und klaren Siedlungsstrukturen anderer Epochen, wie etwa den Blockrandbebauungen der Gründerzeit, sind diese Wohnquartiere freie städtebauliche Kompositionen –  Stadtlandschaften. Häuser, Strassen, Wege und Grünräume formulieren ein Ensemble, das aus dem Miteinander dieser Bestandteile lebt.
Auch die Siedlung Achslenstrasse, errichtet ab Mitte der 1960er- und bis  in die 1970er-Jahre, folgt diesen Parametern. Heinrich Graf hat es verstanden, durch die Kombination von Zeilenbauten und Hochhäusern die Masse des Bauvolumens geschickt auf dem Areal zu verteilen. Die Anlage besteht aus vier Wohnhochhäusern und sechs Zeilen. Das Hochhaus zitiert mit seinem aufgefächerten Volumen das Wohnhochhaus Salute in Stuttgart (1963) von Hans Scharoun. Die drei zurückgesetzten und auf einem Sockel mit Garagen und Ladenflächen errichteten hinteren Wohnhochhäuser mit ihren Vorsprüngen in den oberen Geschossen erinnern an die Torre Velasca in Mailand (1958) von BBPR.
Die unterschiedlichen Wohnbauten bilden eine stimmige städtebauliche Anlage. Während die Zeilenbauten sehr schlicht gehalten und wenig spezifisch sind, fallen die Differenzierung der Fassaden und die Variation der Grundrisse bei den Hochhäusern umso mehr auf. Sie geht deutlich über die heute üblichen Standards im Wohnbau hinaus, die  oftmals den immer gleichen Gebäudetyp mit der immer gleichen  Fassadengliederung in einfallslosen Platzierungen auf Grundstücken und Arealen repetieren.

Erweiterter Denkmalbegriff

Die Siedlung an der Achslenstrasse ist inzwischen in die Jahre gekommen und es stellt sich die Frage nach einer massvollen Instandsetzung, die den Bewohnern und Eigentümern – die Wohnungen sind in Stockwerkeigentum vergeben – einerseits einen zeitgemässen Komfort gewährleistet und andererseits die Bauten in ihrem Ausdruck und ihrer Komposition erhalten können.
Die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege anerkennt in ihren Leitsätzen, dass die «Existenz des Denkmals in seiner möglichst vollständigen überlieferten Materie mit all ihren Zeitspuren» eine wesentliche Voraussetzung für das Erkennen seiner Qualitäten ist. Im Falle von Siedlungen wie der Achslenstrasse müsste der Denkmalbegriff auf das gesamte Ensemble ausgeweitet werden. Denn erst aus dem Zusammenspiel der Bauten mit ihrem Umfeld ergeben sich ihre Zeugnisqualitäten.
Ein solcher Denkmalbegriff wie auch eine mögliche damit verknüpfte Förderung von Instandsetzungsmassnahmen müsste eben diese «immateriellen» Aspekte solcher Stadtlandschaften berücksichtigen.
Nur so wird es möglich sein, die Wohnquartiere jener Zeit gesamthaft
zu erhalten. Die Stadt, die aus einem solchen Verständnis erwachsen kann, ist eine, die mit ihrer Geschichte wächst, mit ihren Ausnahmen, Besonderheiten und Widersprüchen.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Bauen im Rheintal – Buchpräsentation

Joshua Loher, Architekturfotograf, Balgach / Roderick Hönig, Leiter Edition Hochparterre, Zürich

Mo 11. Dezember 2017, 19.30 Uhr im Forum

Bildnachweis: Joshua Loher

In der schweizerischen  Architekturberichterstattung spielt das St. Galler Rheintal kaum eine Rolle, obwohl auch hier mit Bedacht und architektonischem Anspruch gebaut wird. Man findet Bauten, die teils von jungen, teils von arrivierten Architekten mit viel Können und Ambitionen geplant und gebaut worden sind. Sie in einem Führer zu vereinen und so einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen – das war die Hauptmotivation für diesen Architekturführer. Mit dieser Publikation wird der von Erfindungsgeist und Pragmatismus geprägten Architektur des St. Galler Rheintals erstmals ein Gesicht gegeben.  Der Architekturführer dokumentiert mit vierzig Bauten das Baugeschehen der letzten zwanzig Jahre mit speziell dafür angefertigten Architekturbildern.

Im Anschluss an die Buchpräsentation sind alle Besucher herzlich eingeladen, bei einem feinen Kündig-Käsefondue und einem Glas Weisswein das Forumsjahr ausklingen zu lassen. Musikalische Umrahmung durch die Formation «Jazzworkshop».

Bauen im Rheintal

Eintritt 10.- / Mitglieder gratis

Einladungskarte Dezember

Grenzen – IBA Basel – Gemeinsam über Grenzen wachsen

Monica Linder-Guarnaccia, Direktorin IBA Basel und Angelus Eisinger, Direktor Regionalplanung Zürich und Umgebung RZU

Mo 4. Dezember 2017, 19.30 Uhr im Forum

Bildnachweis: IBA Basel

Internationale Bauausstellungen zählen seit mehr als 100 Jahren zu den erfolgreichsten  Instrumenten der Raum- und Stadtentwicklung in Deutschland. Die IBA Basel 2020 ist die erste IBA, welche dieses Format über die Grenze trägt und  gleichzeitig in Deutschland, Frankreich und der  Schweiz stattfindet. Die IBA Basel 2020 ist ein auf zehn Jahre angelegter Prozess der Stadt- und Regionalentwicklung in der trinationalen  Metropolitanregion Basel, welcher dynamisch auf  die Projektentwicklung wirkt. Gemäss ihrem  Motto «Gemeinsam über Grenzen wachsen»  fördert die IBA Basel die Umsetzung von  hochwertigen Massnahmen, die einen  grenzüberschreitenden Nutzen für die Region  entwickeln und zu einer nachhaltigen Steigerung der Lebensqualität sowie der touristischen und wirtschaftlichen Attraktivität beitragen.

Referat von Monica Linder-Guarnaccia, Direktorin IBA Basel, im Anschluss Gespräch mit Prof. Dr.  Angelus Eisinger, Mitglied des wissenschaftlichen IBA-Kuratoriums, Direktor Regionalplanung Zürich und Umgebung RZU

IBA Basel

Eintritt 10.- / Mitglieder gratis

Einladungskarte Dezember

Energieagentur@AFO – Nachhaltiges Bauen für die Zukunft

Martin Hitz, Präsident NNBS / Roger Boltshauser, Architekt, Zürich / Martin Rauch, Lehm Ton Erde Baukunst, Schlins

Mo 27. November 2017, 19.30 Uhr im Forum

Der runde Tisch Energie und Bauen und das Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz laden zur Informationsveranstaltung ein.

Vor rund einem Jahr ist der Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) der Öffentlichkeit vorgestellt und die Zertifizierung für den Standard lanciert worden. Ziel des  SNBS ist es, die Bereiche Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt gleichwertig und deren Wechselwirkungen umfassend in Planung, Bau und Betrieb eines Objekts einzubeziehen.
Die Veranstaltung bietet neben aktuellen Informationen zum SNBS Einblicke in Arbeiten mit Stampflehm und Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch mit Akteuren im nachhaltigen Bauen.

Begrüssung und Moderation
Silvia Gemperle | Energieagentur St.Gallen

Bewährtes und Neues zum SNBS
Martin Hitz | Präsident NNBS

Pisé – Tradition und Potential
Roger Boltshauser | Boltshauser Architekten
Martin Rauch | Lehm Ton Erde Baukunst

Fragerunde und Diskussion
Apéro

Der Eintritt ist frei

www.energieagentur-sg.ch

www.nnbs.ch

Einladungskarte Nachhaltiges Bauen

Ein Bienenhaus ganz aus Beton

«Das Trösch» ist ein Treffpunkt für Menschen aller Generationen und Kulturen. Dank eines  Studienauftrags wurde ein Mehrwert für das  Begegnungszentrum im Zentrum von Kreuzlingen geschaffen.

25.11.2017 von Tina Mott

«Die Menschen merken einfach, dass sie hier  willkommen sind.» Monika und Christof Roell sitzen an  einem der Holztische in der sonnigen Cafeteria des  Begegnungszentrums «Das Trösch» und nicken einer  Gruppe tamilischer Mütter zu. Der helle und offene  Raum hat sich mit lebhaft plaudernden und lachenden Besuchern gefüllt, an diesem Ort scheint es wenig   Berührungsängste zu geben. «Wir sind sehr glücklich  darüber, wie gut das Haus in der Stadt angenommen wird. Im ersten halben Jahr fanden bereits 300  Veranstaltungen statt. Ich glaube, das liegt nicht zuletzt  daran, dass das Gebäude  so freundlich und einladend geworden ist», erzählt der Gastgeber.
Im Sommer 2013 kauften die Geschwister ein  Grundstück mit bestehender Liegenschaft an der  Hauptstrasse von Kreuzlingen. Hier wollten sie einen Ort schaffen, welcher der Begegnung und dem Austausch der Menschen aus der Region dient – ein  Treffpunkt für alle Generationen und Kulturen im Zentrum der Stadt. Das Gebäude sollte für verschiedene Nutzergruppen eingerichtet werden, nur eine  gewerbliche Verwendung wurde ausgeschlossen. «Wir konzipierten Räume für Vereine, Beratungsstellen und soziale Organisationen, für anlassbezogene  Veranstaltungen wie auch für die Öffentlichkeit.  Eigentlich war unsere Idee, «ein Bienenhaus zu bauen», schmunzelt Monika Roell.

Lösung über einen Studienauftrag entwickeln

Nach eingehender Beratung mit dem lokalen Architekten Andreas Imhof trafen sie die  Entscheidung,  das Projekt mittels eines  Studienauftrags zu entwickeln. Diese Beschaffungsform von Planerleistungen ist darauf ausgerichtet, die  qualitativ beste Lösung für eine architektonische Aufgabenstellung zu finden, und nicht die  vordergründig günstigste. Wenn in Betracht gezogen  wird, dass über die gesamte Nutzungsdauer eines Gebäudes die Planungskosten im Vergleich zu den Folgekosten gering sind, lohnt sich dieser  Mehraufwand an Zeit und finanziellen Mitteln in der  Ausschreibungsphase auch wirtschaftlich. Denn die sorgfältig abgewogenen Entscheidungen einer  unabhängigen Expertenjury berücksichtigen nicht nur  die Gestaltung, sondern auch die Erstellungs-, Unterhalts- und Rückbaukosten. Im Gegensatz zu  einem anonym durchgeführten Projektwettbewerb eignet sich das Verfahren für Prozesse, bei denen der  Dialog zwischen den Beteiligten notwendig ist oder erst noch die Rahmenbedingungen festgelegt werden müssen. In diesem Fall galt es, die zentrale Frage zu beurteilen, ob der Bestand ersetzt werden konnte.
Die Vertreter der Denkmalpflege zeigten sich skeptisch  gegenüber der Idee eines Neubaus, waren aber damit einverstanden, die Situation durch den Studienauftrag klären zu lassen.

Das Raumprogramm prozesshaft entwickeln

Andreas Imhof wurde mit der Vorbereitung und  Begleitung des Verfahrens betraut. Er prüfte die  Bebaubarkeit des Grundstücks und traf Abklärungen  mit den Besitzern der Nachbarparzellen sowie Vertretern der Stadt. Die Erkenntnisse fasste er in  einem Bericht an die Bauherrschaft zusammen, der als  Grundlage für das Wettbewerbsprogramm diente. Dieses wurde nach der Zusammenstellung der Jury  nochmals intensiv diskutiert und entsprechend  angepasst. Schliesslich folgte die Einladung von fünf renommierten Schweizer Architekturbüros, am  Studienauftrag teilzunehmen.
«Für uns war es sehr wichtig, einen Architekten zu  finden, der sich mit der Idee und dem Konzept  auseinandersetzte. Er musste auch mit der Situation umgehen, dass wir in dieser Phase die Nutzung noch nicht im Detail definieren konnten. Uns war bewusst,  dass die Entwicklung  dieses Gebäudes ein Prozess
werden würde, insbesondere die Festlegung des Raumprogramms,» reflektiert Christof Roell. Bereits bei der Zwischenbesprechung zeigte sich die erwartete Vielfalt an qualitätsvollen Projekten, die von der Jury dementsprechend kontrovers diskutiert wurden. Nach der Schlusspräsentation fällten die Experten jedoch eine einstimmige Entscheidung für den Entwurf des  Ostschweizer Architekten Beat Consoni, der mit einem sensibel gesetzten Baukörper aus hellem Sichtbeton überzeugen konnte. Das Projekt entfaltete sich aus verschiedenen Massstäben, sowohl aus dem  städtebaulichen und  historischen Kontext wie auch aus dem gemeinsam festgelegten Raumprogramm. Um die Durchlässigkeit im Stadtzentrum zu fördern, wurde ein Durchgang zwischen der Hauptstrasse und der  Sonnenstrasse auf dem privaten Grundstück  geschaffen. Von hier erschliesst sich das Gebäude und öffnet sich zu einem lichten Foyer, das die Cafeteria mit  dem grossen Saal verbindet. Eine gut ausgestattete  Küche kann beide Räume unabhängig voneinander bedienen und wird bei Veranstaltungen genutzt. Die  zweiläufige Treppe im Kern des Hauses führt nicht nur zu den Vereinsräumen, Büros und zwei kleinen Wohnungen in den Obergeschossen, sondern erschliesst auch eine grosszügige öffentlich zugängliche Dachterrasse, die der Architekt als stadträumliche  Erweiterung versteht. Im Schnitt prägt eine schlanke  vertikale Öffnung das Gebäude, die Licht in das Innere leitet und Sichtverbindungen schafft. Sie macht den Baukörper trotz seiner verschiedenartigen Räume als  Ganzes erlebbar. Das statische Konzept ist auf eine  flexible Nutzung ausgelegt.
Die statische Stabilität wird hauptsächlich durch die Aussenwände und den Treppenkern gewährleistet,  wodurch eine grosse Variabilität der Raumaufteilung gewährleistet werden kann. «Die grosse  Herausforderung bestand darin, ein programmatisch  neues Thema städtebaulich zu integrieren und zu einer architektonischen Gesamtform zu entwickeln. Unsere Zusammenarbeit war ein Experiment, ein Herantasten  von beiden Seiten», beschreibt Beat Consoni den gemeinsamen Weg mit den Bauherren.

Das richtige Haus für diesen Ort

«Wir hatten den Wunsch, städtebaulich, funktional und gestalterisch das richtige Haus für diesen Ort zu  bauen», erklärt Monika Roell abschliessend. «Ein  Gebäude, das seinen eigenen Charakter hat und sich trotzdem anpasst, eine Ergänzung ist und vielleicht  sogar ein Wegweiser dafür, was in Zukunft an der  Hauptstrasse gebaut werden wird. Denn wir möchten hier Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen  Bereichen anlocken – und das ist nicht so einfach.»

 

Bilder: Barbara Schwager/Lichtschein

Ausstellung «Die schönsten Schweizer Bücher 2016»

Das Bundesamt für Kultur (BAK) führt jährlich den Wettbewerb «Die Schönsten Schweizer Bücher» durch. Zum einen würdigt das BAK mit dieser Auszeichnung hervorragende Leistungen im Bereich der  Buchgestaltung und -produktion. Zum andern richtet der Wettbewerb den Blick auf besonders  beachtenswerte und zeitgemäss umgesetzte Bücher.

Im Januar prämierte eine fünfköpfige Jury insgesamt 24 Bücher des Buchjahrgangs 2016.

Ab Herbst 2017 werden «Die Schönsten Schweizer Bücher 2016» an verschiedenen Orten in der Schweiz ausgestellt. Wie jedes Jahr reisen die prämierten Bücher anlässlich lokaler Veranstaltungen und auf Einladung von Institutionen auch ins Ausland. Dieses Jahr sind Ausstellungen in Rhode Island, Providence, USA (RISD ─ Rhode Island School of Design), San José, Costa Rica (Despacio), London (Umlaut), Paris (Centre culturel suisse), Kopenhagen (Officin) und Oslo (Grafill), Wien (Typographische Gesellschaft Austria) und Brüssel (erg ─ école de recherche graphique et supérieure des arts) vorgesehen. Es ist ein Katalog zum diesjährigen Wettbewerb erschienen.

Mo 6. November 2017 ─ Sa 18. November 2017
Werktags 8  ─ 20 Uhr, Samstag 8 ─ 16 Uhr
Spezielle Öffnungszeit während der Tÿpo St.Gallen: Freitag, 10. November 2017 von 8 ─ 21 Uhr

Schule für Gestaltung St. Gallen
Im Rahmen der Tÿpo St. Gallen
Demutstrasse 115, 9012 St. Gallen
www.gbssg.ch
www.typo-stgallen.ch

Eintritt frei

Das Buch Raum. Zeit. Kultur, herausgegeben vom Architektur Forum Ostschweiz im Triest Verlag, gestaltet von den Grafikern Bänziger, Kasper und Florio, ist beim Schweizer Design Preis 2016 als eines von 24 schönsten Büchern ausgezeichnet worden.

Auszeichnung Design Preis Schweiz

Mehr zum Buch und über Gutes Bauen

Städtische Ausstellung im Forum

Marlies Pekarek – Glanzbilder

Ausstellung: Fr 16. Februar bis So 11. März 2018
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Donnerstag, 15. Februar 2018, 18.30 Uhr
Einführung: Kristin Schmidt
Di 6. März 2018 18.30 Uhr Gespräch mit der Künstlerin

Flyer Ausstellung Marlies Pekarek

Grenzen – Die Wand – Grenze der Architektur – Architektur der Grenze / «Recht auf  Illegalität»

Uwe Schröder, Architekt, Bonn / Santiago Cirugeda, Architekt, Sevilla

Mo 6. November 2017, 19.30 Uhr im Forum

Bildnachweis: Uwe Schröder / Santiago Cirugeda

Die Wand | Grenze der Architektur – Architektur der Grenze

Das Anordnen und Errichten von Räumen an Orten ist Aufgabe der Architektur. Mittels Wand und Wänden lässt Architektur die gebrauchten Räume erscheinen. Räume, architektonische Räume, sind stets Innenräume, die von Wänden begrenzt werden. An diesen Wänden hören die Räume aber nicht etwa auf, vielmehr fangen sie recht eigentlich dort erst an. Eine Grenze sei dasjenige, wie der Philosoph meint, von woher etwas sein Wesen beginne. Auch ein architektonischer Raum ist etwas, das von den begrenzenden Wänden her wesentlich bestimmt wird und an diese fest gebunden ist. Insoweit sich also der Raum phänomenal der Wand entlehnt, wird die Wand als Grenze zur Wesensbestimmerin des Raumes. Nicht allein wegen der ihr zugehörigen transdisziplinären Anlage ist die Architektur Grenzwissenschaft, vielmehr ist sie eine solche – wenn auch im übertragenen Sinn – weil sie gleichsam ihr ganzes Wissen mit Entwurf, Bau und Gestaltung von Wänden entfaltet. Die Wand als Grenze weist in der Gestaltung auf die sich ihr entlehnenden Räume hin, mit der Öffnung als Übergang sind sie räumlich aneinander gebunden. Metrik, Tektonik und Materialität der Wand sind komplementär an Räume und Räumlichkeit der Wand gebunden…

Uwe Schröder Architekt

 

Grenze – «Recht auf  Illegalität»

Santiago Cirugeda  develops subversive projects with distinct ambitions in urban realities, from the systematic occupation of public spaces in containers to the construction of prostheses in facades, patios, roofs and lots. Cirugeda negotiates legal and illegal zones as a reminder of the pervasive control to which we are all subject. He is now working together with local governments to implement new housing models for the socially disadvantaged. After 7 years of solo work to address issues like ephemeral architecture, recycling, reuse of materials, strategies of occupation and urban intervention, the incorporation of prosthesis constructed buildings or participation citizens in the decision-making process, he set up in 2003 the architecture office Recetas Urbanas (Urban Recipes). In 2007, Cirugeda presented the book Urban Situations, which shows legal strategies and social demands through architectural projects. In 2008 he presented the documentary Dr€am Spanish, along with Guillermo Cruz, which reveals the causes and effects of the housing bubble in Spain. In 2011, Collective Architectures book portrayed mobilize the initiative consisting of dozens of groups to recycle containers from a temporary settlement dismantled, turning them into a multitude of self-constructed and self-managed spaces distributed throughout the Spanish territory resulting the network www.arquitecturascolectivas.net

Santiago Cirugeda – Recetas Urbanas

 

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte November

sia Wanderausstellung Umsicht 2017

Der SIA vergab im März 2017 bereits zum vierten Mal seine Auszeichnung Umsicht – Regards – Sguardi. Prämiert wurden Werke, die in hervorragender, innovativer Weise zur zukunftsfähigen Gestaltung des Lebensraumes beitragen, denen ein ganzheitliches Denken und Handeln sowie ein ausgeprägtes gesellschaftliches und baukulturelles Verantwortungsbewusstsein inhärent sind. Mit Texten, Plänen und Projektbildern werden die prämierten Arbeiten in einer dreisprachigen Wanderausstellung präsentiert und in filmischen Porträts von Marc Schwarz und Aufnahmen des Fotografen Beat Schweizer illustriert. Der Fotograf und der Filmschaffende zeigen die Werke aus ihrer ganz eigenen, persönlichen Perspektive. Für die Darstellung gab es vom SIA keine Vorgaben. Sie eröffnen den Betrachterinnen und Betrachtern eine weitere Möglichkeit, sich mit den acht preisgekrönten Arbeiten auseinanderzusetzen. Die SIA-Sektion St. Gallen | Appenzell organisiert den Auftritt der Ausstellung in St. Gallen. Mit dem Kulturraum „Konsulat“ hat sie dazu die perfekten Räumlichkeiten gefunden. Das ehemalige italienische Konsulat mitten im Stadtzentrum wird in Zwischennutzung Kulturschaffenden und ihren Projekten zur Verfügung gestellt. Und prägt somit ein Stadtbild im Wandel massgeblich mit.

Ausstellung:
Mi 25. Oktober 12 – 14 Uhr
Do 26. Oktober 17 – 20 Uhr
Sa 28. Oktober 11 – 15 Uhr
Do 2. November ab 17 Uhr Barbetrieb
Sa 4. November 11 – 15 Uhr

Agenda sia

Umsicht_Flyer_St.Gallen

Umsicht – Regards – Sguardi 2017 wird ermöglicht dank der grosszügigen Unterstützung der Firmen Somfy Schweiz AG und Velux Schweiz AG.

Bildnachweis: Beat Schweizer

BSA @ AFO – Wohnbaukultur ist Bauträgerkultur

Erfahrungsaustausch mit Diskussion

Mo 30. Oktober 2017, 19.30 Uhr im Forum

Die Wohnbaukultur einer Gesellschaft ist der Spiegel der wirtschaftlichen, politischen und technischen Bedingungen ihrer Zeit. Sie ist einem steten Wandel unterworfen, was bei einer historischen Rückschau klare Einblicke in die jeweiligen Lebensverhältnisse ergibt. Auch unsere aktuelle Wohnbauproduktion trägt die Zeichen unserer Zeit. Wie aber lesen wir sie, wie steuern wir sie?

Der Wohnungsbau in seinem Alltagsgeschäft basiert auf Konvention. Der Zeitgeist fordert ein Programm, das Bauträger und Planende zusammenführt und  handlungsfähig macht. Dabei schleicht sich – gerade in Zeiten der Hochkonjunktur – eine Routine ein, die schnell zur leeren Floskel werden kann. Wir zeichnen die Typologien unserer Zeit nach, verpassen dabei aber vielleicht die Chancen unserer Epoche? Wir bauen viel Wohnraum, und es entsteht Stadt. Welche Stadt aber soll entstehen?

Das Symposium «Wohnbaukultur ist Bauträgerkultur» lädt ein zu einem Erfahrungsaustausch mit Akteuren der Wohnbaukultur von heute und morgen. Es ist Zeit, den  Stand der Dinge im Ostschweizer Wohnungsbau zu reflektieren. Die Wohnbaukultur von heute ist die Chance der Städte von morgen.

Regio Appenzell-St.Gallen-Bodensee: Wo wir wohnen  werden
Rolf Geiger, Geschäftsleiter Regio Appenzell – St.Gallen – Bodensee

Wohnraumentwicklung in der Stadt St. Gallen: Grundzüge der Wohnbaustrategie 2017-2020
Brigitte Traber, Projektleiterin Stadtplanungsamt St. Gallen

Gemeinnütziger Wohnungsbau in der Ostschweiz: Aufbau neuer Wirkungsradien mit der GdG
Jacques-Michel Conrad: Geschäftsführer  Regionalverband Ostschweiz der  Wohnbaugenossenschaften Schweiz

Diskussion
Moderation: Thomas Keller, BSA Ostschweiz

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis.

BSA Ostschweiz

Einladungskarte Oktober

Bildnachweis: Danzeisen + Voser: Siedlung Lehnstrasse für den Verein für Wohnungshilfe (1952-54), «billige Wohnungen für kinderreiche Familien»

Bildnachweis: Danzeisen + Voser: Siedlung Moosweiher für die Freisinnige Wohnbaugenossenschaft (1968-70)

 

sia Wanderausstellung Umsicht 2017

Vernissage – Einführung durch Stefan Cadosch, Präsident SIA / Vortrag von Christian Penzel, Penzel Valier, Zürich

Di 24. Oktober 2017, 19.30 Uhr im «Konsulat», Frongartenstrasse 9, St. Gallen

Der SIA vergab im März 2017 bereits zum vierten Mal seine Auszeichnung Umsicht – Regards – Sguardi. Prämiert wurden Werke, die in hervorragender, innovativer Weise zur zukunftsfähigen Gestaltung des Lebensraumes beitragen, denen ein ganzheitliches Denken und Handeln sowie ein ausgeprägtes gesellschaftliches und baukulturelles Verantwortungsbewusstsein inhärent sind. Mit Texten, Plänen und Projektbildern werden die prämierten Arbeiten in einer dreisprachigen Wanderausstellung präsentiert und in filmischen Porträts von Marc Schwarz und Aufnahmen des Fotografen Beat Schweizer illustriert. Der Fotograf und der Filmschaffende zeigen die Werke aus ihrer ganz eigenen, persönlichen Perspektive. Für die Darstellung gab es vom SIA keine Vorgaben. Sie eröffnen den Betrachterinnen und Betrachtern eine weitere Möglichkeit, sich mit den acht preisgekrönten Arbeiten auseinanderzusetzen. Die SIA-Sektion St. Gallen | Appenzell organisiert den Auftritt der Ausstellung in St. Gallen. Mit dem Kulturraum „Konsulat“ hat sie dazu die perfekten Räumlichkeiten gefunden. Das ehemalige italienische Konsulat mitten im Stadtzentrum wird in Zwischennutzung Kulturschaffenden und ihren Projekten zur Verfügung gestellt. Und prägt somit ein Stadtbild im Wandel massgeblich mit.

Vernissage Wasserkraftwerk Hagneck – schöner Strom

Die Erneuerung des Kraftwerks Hagneck ist ein wegweisendes, auch energiepolitisch bedeutsames Beispiel für die in den nächsten Jahren in grosser Zahl zu erwartenden Erneuerungen von Kraftwerken. Als Infrastrukturbau mit hohem baukulturellem Wert überzeugt er durch seine gestalterische und innovative Verbindung von Industriegeschichte, modernster Kraftwerktechnik und einer landschaftlich hervorragenden Einbettung. Mit der umsichtigen Erneuerung bleibt das Kraftwerk Hagneck ein dauerhaft identitätsstiftender Kristallisationspunkt im Seeland.

Ausstellung:
Mi, 25. Oktober 12 – 14 Uhr
Do, 26. Oktober 17 – 20 Uhr
Sa, 28. Oktober 11 – 15 Uhr
Do, 2. November ab 17 Uhr Barbetrieb
Sa, 4. November 11 – 15 Uhr

Agenda sia

Umsicht_Flyer_St.Gallen

Umsicht – Regards – Sguardi 2017 wird ermöglicht dank der grosszügigen Unterstützung der Firmen Somfy Schweiz AG und Velux Schweiz AG.

Bildnachweis: Beat Schweizer

Grenzen –  «Toleranzgrenze des Wachstums» – Stadtgespräch in Frauenfeld

Christof Helbling, Stadtbaumeister Frauenfeld / Erol Doguoglu, Kantonsbaumeister Kanton Thurgau

Mo 23. Oktober 2017, 18 Uhr, Stadtgarten, Stadtgartenweg 1, Frauenfeld

Das Stadtgespräch ist ein Fixpunkt im Jahresprogramm der sia Sektion Thurgau. Im Frühjahr und im Herbst besucht der Verein Städte im Thurgau und lädt seine Mitglieder zu anschliessenden Gesprächsrunden ein. Nach Kreuzlingen ist nun Frauenfeld an der Reihe.

Christof Helbling beleuchtet die Artenvielfalt an Toleranzgrenzen im Stadtgefüge von Frauenfeld. Im Zentrum seines Referates steht der geordnete Städtebau, welcher stets auf die unterschiedlichen Vorstellungen von Grenzen einzugehen hat. Erol Doguoglu schildert seine Nah- und ehemals Fernsicht auf die Kantonshauptstadt, sei dies als ehemaliger Stadtbaumeister von St. Gallen oder aktuell als Kantonsbaumeister des Kantons Thurgau.

Als Anreicherung zum anschliessenden Austausch und Apéro kann das Alters- und Pflegeheim Stadtgarten, geführt durch die Architekten des Büros Allemann Bauer Eigenmann, besichtigt werden.

Eintritt frei

sia Thurgau

Alters- & Pflegeheim Stadtgarten

Einladungskarte Oktober

 

Badestelle wird zum Familienplatz

Landschaftsarchitektur | Kleine gezielte Eingriffe verwandeln einen Badeplatz am Gübsensee in einen attraktiven Aufenthaltsort.
Damit er funktioniert, war die Einbindung aller Beteiligten in den Gestaltungsprozess Voraussetzung.

21.10.2017 von Andrea Wiegelmann

In unseren Städten und stadtnahen Regionen sind  die Naherholungsgebiete einem immer stärkeren  Nutzungsdruck unterworfen. Ob Spaziergänger,  Jogger, Velofahrer, spielende Kinder, Familien auf Ausflug – wir alle verbringen einen Teil unserer  Freizeit in den Grünräumen in und rund um unsere Städte. Vitaparcours, Bike Parks, Wanderwege,  Schlittelstrecken, Rastplätze und Restaurants zeugen von der intensiven Nutzung von Parkanlagen und stadtnahen Grünräumen. Dabei stellt sich  oftmals die Frage nach der Balance zwischen den Angeboten für die unterschiedlichen  Interessengruppen und den Bedürfnissen der Anwohner.
Bei der Planung solcher Einrichtungen gilt es daher, zwischen unterschiedlichen Ansprüchen zu  verhandeln und auch Verständnis für die Position des Gegenübers zu schaffen. Im Hinblick auf die Frage, wie viel Angebot nötig ist, ist der 2015  realisierte Familienplatz Gübsensee beachtenswert, weil sowohl seine Gestaltung als auch das Verfahren beispielhaft für vergleichbare Vorhaben stehen können.

Der neu geschaffene Familienplatz
Nur zwei S-Bahnstationen vom St.Galler Hauptbahnhof entfernt liegt der Gübsensee im Westen der Stadt. Der Stausee, der Ende des 19.  Jahrhunderts entstand, dient seither dem Kraftwerk Kubel zur Energiegewinnung. Kurze Zeit später  wurde die umgebende Landschaft zum  Naturschutzgebiet. Von dieser Situation profitieren die Besucher des Sees bis heute. Für die  angrenzenden St.Galler Quartiere ist er beliebtes  Naherholungsgebiet.
Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund war der  Gübsensee auch eines der vier Testgebiete des Projekts «Landschaft für eine Stunde» der Region St.Gallen-Appenzell AR-Bodensee, das das Potenzial  von Übergangsräumen zwischen  Siedlungen und offener Landschaft anhand von Fallbeispielen untersuchte. Die Gestaltung des  Familienplatzes  war in das Projekt eingebunden. Der Platz liegt an der Nordseite des Sees vom Weg  abgegrenzt durch eine niedrige Hecke und öffnet  sich zwischen den Bäumen zum Wasser. Markantes  Element ist eine im Kreisrund angelegte hölzerne  Sitzbank, die am Zugang zum Platz den Besucher  empfängt und mit ihrer Kreisform sinnbildlich als kommunikatives Zentrum des Platzes steht. Zentral  liegen auch die beiden Grillstellen, Holz fürs  Grillieren liegt in Boxen parat. Ein  überdimensionales hölzernes Vogelnest zum Spielen  für Kleinkinder, ein Badesteg und  Bewegungselemente ergänzen das Angebot, zudem steht hinter einem Sichtschutz versteckt eine  Toilette.
Die Platzgestaltung und ihre Möblierung, die heute so selbstverständlich  steht und Raum bietet für  unterschiedliche Besuchergruppen, stammt vom Ostschweizer Landschaftsarchitekturbüro Kollektiv  Nordost. «Es war ein grosser Wunsch, den Platz  auch für Familien attraktiv zu gestalten, daher  haben wir bewusst etwas für kleine Kinder entworfen», so Roman Häne, der neben Silvio Spieler für die Planung und Umsetzung beim  Kollektiv Nordost verantwortlich zeichnet. Man  setzt sich gerne hin und schaut aufs Wasser – der  Platz ist offen und das Angebot für jeden geeignet. Gleichzeitig bleibt der Ort am See auf eine gewisse Weise unspektakulär, ohne grosse Infrastruktur. Einzig das für die Grillstellen bereitgestellte Holz  und die Toilette sind Serviceangebote an die Nutzer. Mit der Gestaltung des Familienplatzes gelingt die  Balance zwischen den Ansprüchen an ein  Freizeitangebot und den an einen möglichst wenig  gestalteten Aufenthalts- und Badebereich am See.

Gestaltung als Prozess
Das Kollektiv Nordost war zunächst von der Ortsbürgergemeinde beauftragt, die bestehende  Badestelle attraktiver zu gestalten. Anlass war, so  Silvio Spieler, der Wunsch nach Neubelebung des bis anhin vernachlässigten Ortes. Der lag hinter  einer hohen Hecke vom Weg abgegrenzt und war,  als «Partyplatz » gebraucht und zugemüllt, für Nutzer, Anwohner und Eigentümer zuletzt eine  Belastung. Im Rahmen von «Landschaft für eine  Stunde» wurde als Ziel formuliert, mit der  Neugestaltung den Platz auch für Familien attraktiv zu machen, für sie gab es bis anhin wenig Angebote.  Zudem, auch das war entscheidend, sollte eine  einfache Pflege möglich sein. «Die sorgfältige  Gestaltung eines Ortes kann dazu beitragen, dass die Bevölkerung Sorge trägt, gerade dann, wenn sie  eingebunden ist», erklärt Silvio Spieler. «Wir  wollten mit der Gestaltung zwischen den  Interessengruppen vermitteln, ein Angebot schaffen, das auch die Kommunikation  untereinander fördern kann», ergänzt sein Partner  Roman Häne. Dennoch reagierten gerade die  Anwohner zunächst auch mit Sorge auf die neue  Gestaltung. Eine grössere Attraktivität führe auch zu mehr Belästigungen, so ihre Bedenken. Daher  wurden mit der Fertigstellung des Familienplatzes  Gefässe geschaffen, über die es möglich war,  Wünsche und Fragen zu äussern. «Es ist wichtig, die Bevölkerung und die Nutzer einzubinden, um  Akzeptanz zu schaffen und auch Verständnis für die Positionen des Gegenübers», sagt Sabina Ruff vom  kantonalen Amt für Gesundheitsvorsorge, die den Mitwirkungsprozess initiierte. Mit der Eröffnung  des Platzes im Sommer 2015 wurde beispielsweise  eine «Krizzelbox» installiert mit dem Ziel, Kommentare und Anregungen aufzunehmen. «Die Möglichkeit wurde rege genutzt – sie zeigt, wie gross  das Interesse an einem Austausch ist», so Ruff weiter. So könne man sicherstellen, dass der Familienplatz auch langfristig von allen akzeptiert  und gut genutzt werde.
Das Konzept zum Familienplatz Gübsensee scheint aufgegangen zu sein.  Freilich gibt es noch unzählige weitere Wünsche an ein mögliches Nutzungsangebot, das hat die «Krizzelbox» gezeigt. Doch gerade in der Beschränkung auf
eine einfache Möblierung liegt die Qualität, die den Platzcharakter bewahrt, der Lage am See gerecht  wird und gleichzeitig unterschiedlichste Nutzungen erlaubt. Diese Balance gilt es zu finden, immer wieder neu.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Handwerklich gedacht, digital gefertigt

Nach der Sanierung und Erweiterung von Schloss Werdenberg ergänzt ein Pavillon die Anlage. Die denkmalpflegerisch anspruchsvolle Arbeit wurde nach traditioneller Zimmermannskunst geplant und durch zeitgenössische Technologien umgesetzt.

07.10.2017 von Tina Mott

Im klaren See spiegeln sich die fein gearbeiteten Holzfassaden des mittelalterlichen Städtchens, über  dem weich schattierten Grün der Weinberge erhebt sich die Burg mit dem mächtigen Bergfried. Was auf den  ersten Blick nach einer Postkartenidylle anmutet, ist  eines der bedeutendsten historischen Ensembles der Region und wird als Kulturgut von nationaler Bedeutung eingestuft.
«Wegen des besonderen Status der Burganlage als hochkarätiges Schutzobjekt bildete sich ein grosses  Planungsteam aus diversen Gremien», erklärt der Architekt Johannes Brunner die Ausgangssituation. «Unser Büro wurde zuerst damit beauftragt,  verschiedene Studien zu spezifischen Themen zu erarbeiten. Darauf aufbauend versuchten wir dann gemeinsam auszuloten, welche baulichen Massnahmen  erforderlich und sinnvoll wären.»
Das Architekturbüro BBK aus Balzers begleitete die Arbeiten rund um das Schloss bereits seit einigen  Jahren und wuchs so in die anspruchsvolle Aufgabe hinein. Im Lauf der Zeit kristallisierten sich schliesslich die einzelnen Projektbereiche heraus. Im Schloss  wurden die Instandsetzung der Tragelemente, die Erneuerung der elektrischen Anlagen und des gesamten Brandschutzsystems sowie der Rückbau verschiedener  Einbauten aus jüngerer Zeit durchgeführt. Eine besondere Herausforderung für das Architektenteam  stellte jedoch der Entwurf eines ergänzenden Pavillons dar, der durch das erweiterte Raumprogramm notwendig geworden war.
«Beim Neubau haben wir lange nachgedacht, um den  richtigen Ansatz zu finden. Da sagt doch jeder, das ist eine tolle Aufgabe. Aber es war wirklich nicht einfach»,  sagt Johannes Brunner. Im Lauf des Planungsprozesses  zeigte sich, dass die infrastrukturellen Nutzungen in einem bestehenden Nebengebäude untergebracht  werden konnten. Doch für die Bedürfnisse der  Museumsbesucher wollte eine neue Struktur geschaffen werden. Der vorgesehene Bauplatz lag in einer  Mauernische des Schlosshofes, daher waren die  räumlichen Ressourcen knapp. Zudem musste das  Gebäude verschiedene Funktionen als Empfangsraum, Ticketshop, Bistro und Veranstaltungssaal erfüllen. Also  entschieden sich die Architekten nach sorgfältigen  Überlegungen für das Konzept des Einraumes.

Giebel hätte vom Tal zu viel Präsenz ausgestrahlt

Innerhalb des historisch bedeutsamen Ensembles sollte das neue Gebäude eine markante, gleichzeitig aber auch  diskrete Rolle einnehmen. Auf alten Stichen war zu   erkennen, dass am gegebenen Ort bis ins 19.  Jahrhundert ein murales Haus mit einem Satteldach  gestanden ist. Doch kein Mitglied des Planungsteams empfand es als befriedigende Lösung, dieses Bauwerk  nach Augenmass nachzubauen. Auch die Vertreter der  Denkmalpflege sprachen sich für eine Neukonzeption des Baukörpers aus und vertraten zudem den Wunsch  nach einem reversiblen Gebäude. Aus diesem Grund wurde das Material Holz angedacht, um die Struktur klar vom Bestand zu trennen. Da ein Giebel in der Ansicht vom Tal zu viel Präsenz im Ensemble  ausgestrahlt hätte, einigte man sich auf die Form eines Walmdaches, obwohl dieses im historischen Kontext eher repräsentativen Architekturen zugeordnet wird.
«Wir wollten, dass der Raum vom Dach atmosphärisch  geprägt wird. Der Dachstuhl sollte für das Gebäude  strukturgebend sein. Also haben wir die Architektur von oben nach unten gedacht, wie man sie ja eigentlich  denken sollte, da das dem Lastverlauf entspricht»,  erklärt der Architekt. Der bestehenden Geometrie der Schlossmauern folgend, musste der Pavillon fünfeckig  geplant werden, die Dachkonstruktion sollte aber ohne Stützen tragen, um den Innenraum freizuspielen. Die  Entwurfsarbeiten gestalteten sich als sehr komplex,  doch der Holzbauingenieur Rolf Bachofner stand dem  Planungsteam verlässlich zur Seite. Laut Johannes  Brunner trug er einen wesentlichen Anteil an den  Entwicklungen: «Nur Probleme zu lösen, interessierte uns nicht, denn es hätte technisch sehr viel einfachere  Strategien gegeben. Wir wollten eine in sich schlüssige Struktur schaffen. Der wunderbare barocke Dachstuhl des Schlosses diente uns als Inspirationsquelle.»

Kaum parallele Balken in der Struktur

So machte sich  das Team an die Planung eines Dachstuhles, der in  seiner Materialisierung, Konstruktionsweise und Verbindungstechnik traditioneller Zimmermannskunst entspricht, dessen komplexe Geometrie jedoch mit Hilfe  moderner Technologien berechnet und gefertigt wurde. Der fünfeckige Grundriss konnte in eine  viereckige Tischkonstruktion übersetzt werden, die ein  Auflager für die Sparren bildet. Um auf das alte Gemäuer keine Kräfte ableiten zu müssen, wurde ein ringsum laufender Gurt geplant, der den Schub des  Sprengwerks auffängt und auch die grossen Öffnungen des darunter gefügten Strickbaus ermöglicht. Da der  Pavillon an ein Nachbargrundstück anschliesst, konnte  das Dach nur an einer Stelle entwässert werden und  wurde nochmals verkippt, um Gefälle für die Traufen zu erhalten. Die Struktur weist daher kaum parallele  Balken auf und auch die Querschnitte sind nicht  rechteckig, sondern der geometrischen Struktur  entsprechend verzogen.

Jeder Knoten muss exakt sitzen

Durch parametrische  Planungswerkzeuge wurden dreidimensionale Modelle entwickelt, welche den Verlauf der Kräfte in der  Struktur repräsentierten. Diese Daten konnten auf  elektronisch gesteuerte CNC-Maschinen übertragen  werden, die mit hoher Präzision die gewünschten Bauteile aus Vollholzrohlingen frästen und bohrten. Alle  Balken der Dach- und Strickkonstruktion wurden mit ihren Verzapfungen und Bohrungen für die  Haustechnik im Werk hergestellt, verpackt, geliefert und vor Ort nach seitenlangen Positionslisten  zusammengefügt. Bei diesem Bauwerk gab es kaum Toleranzen, jede Verbindung musste passen, jeder  Knoten exakt sitzen.
«Die Strukturen und Verbindungen dieses Holzbaus  sind handwerklich gedacht, aber mit digitalen  Technologien gefertigt», resümiert der Architekt. «Wir wollten keine Ästhetik daraus machen, sondern die zeitgenössische Technik einfach dafür verwenden, Dinge herzustellen, von denen man uns jahrzehntelang erzählt hat, dass es nicht mehr geht. In der heutigen Zeit muss  man eben nicht mehr seriell produzieren, sondern kann wieder massgeschneidert bauen.»

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Sommer Camp Architektur

Entdeckungsreise Architektur

Sommerferien 2018
St. Gallen / Wil / Altstätten / Wattwil / Rapperswil-Jona

Kinder und Jugendliche werden nicht an Themen der Architektur und Baukultur herangeführt. Als Erwachsene werden sie  als Bauherren und Stimmbürger Entscheidungen dazu  treffen, die Bedeutung von partizipativer  Beteiligung nimmt zu. Für diese Aufgaben müssen die  Kinder vorbereitet werden. Die Begegnung mit der  Baukultur und den beteiligten Personen weckt ihr  Interesse für Fragen rund um Architektur,  Ingenieurswesen, Energie, Landschaft und  Raumplanung.

Das Architektur Forum Ostschweiz bietet deshalb während je einer Woche ein Ferienangebot an fünf  Orten im Kanton St. Gallen an. Dieses Angebot wendet  sich an Kinder der Mittelstufe und findet im Rahmen eines Ferienpass-Angebots der  teilnehmenden Städte statt. An fünf Tagen entdeckten  die Kinder die verschiedene Aspekte der Architektur  und Baukultur. Das Grundprogramm umfasst  verschiedene Module, die je nach Ort der  Durchführung angepasst werden.

Die Kurse werden erstmals im Sommer 2018 durchgeführt. Die Projektleitung liegt beim  Architektur Forum Ostschweiz. Das AFO bietet das inhaltliche Grundgerüst für die Entdeckungswoche an und stellt das dafür benötigte Material zur Verfügung.  Die Entdeckungsreise wird von ausgewiesenen  Vermittlerinnen und Vermittlern sowie Fachpersonen  aus dem Baubereich geleitet. Als Fachleute sollen auch  Mitglieder des AFO rekrutiert werden, die für  einen Besuch während der Woche bereitstehen und die einen Kurs teilweise begleiten.

Folgende Ziele werden angestrebt:
− Die Kinder lernen die Breite der Baukultur kennen: Sie ist weit mehr als nur die Gesamtheit der Gebäude.
− Die Kinder erforschen und dokumentieren Aspekte  der Architektur mit eigenen Entdeckungsreisen an ihrem Wohnort.
− Durch eigene Anwendungen mit Material und Konstruktion lernen die Kinder Prinzipien des Bauens kennen.
− In einer selbst inszenierten Ausstellung zeigen die  Kinder, was sie über die Baukultur in Erfahrung  gebracht haben.
− Der Ferienkurs soll Spass machen. Die Entdeckung  der Baukultur erfolgt erlebnisorientiert und ist mit einem Ausflug verbunden.

Die Durchführung im Sommer 2018 dient als  Pilotprojekt, in dem Erfahrungen gesammelt werden.  Mit der Dokumentation besteht die Möglichkeit, in  den folgenden Jahren weitere Kurse im Rahmen der  Sommerferien oder von Projektwochen  durchzuführen.

Die Kurse richten sich an Kinder und Jugendliche von 10 – 15 Jahren

Mit freundlicher Unterstützung 150 Jahre
Jubiläum St. Galler Kantonalbank

Anmeldekarte Sommer Camp Architektur 2019

Grenzen – Ausstellung Parallel Sprawl: die vorstädtischen Landschaften in der Schweiz und im Kosovo

Mo 2. Oktober 2017 bis Mo 6. November 2017
Öffnungszeiten: während der Veranstaltungen und jeweils Sa + So 14–17 Uhr im Forum, Filmvorführung jeweils um 15 Uhr

Trotz wirtschaftlicher und kultureller Differenzen werden sowohl die Schweiz, als auch der Kosovo stark durch Zersiedelung geprägt. Die daraus resultierenden Landschaften sind sich dabei überraschenderweise sehr ähnlich. Eine Gruppe aus Architekten beider Länder hat die vergangenen fünf Jahre gebaute Orte untersucht und diese mit Spezialisten der jeweiligen Disziplin diskutiert. Untersuchungsgegenstand bildeten dabei weder städtische, historische oder touristische Zentren, noch ländliche Gegenden. Viel mehr lag das Interesse im Verständnis der Zwischenräume als leistungsstarke Unbekannte – weder Stadt, noch Land. Durch die parallele Beobachtung und Dokumentation suburbaner Gebiete und deren Funktionsweisen, zeigen sich die jeweiligen Probleme. Es werden Organisationsprinzipien, Gemeinsamkeiten und Unterschiede offengelegt und gleichzeitig gegensätzliche Ideen zur Gestaltung neuer Interpretationen und Visionen einander gegenübergestellt. Die Ausstellung zeigt eine Momentaufnahme der fünfjährigen parallelen Forschungsarbeit, welche in den folgenden Jahren weitergeführt und weiterentwickelt wird.

Vernissage
Parallel Sprawl

Einladungskarte Parallel Sprawl

Ausstellungssponsoren
Stadt St. Gallen, Fachstelle Kultur
KHG Holzbau AG

Bildnachweis: parallel-sprawl.org

Grenzen – Brückenschlag

Verena Konrad, Direktorin vai Vorarlberger Architektur Institut, Dornbirn

Mo 4. September 2017, 19.30 Uhr im Forum

Auf beiden Seiten der Grenze sind Themen wie der Verbrauch von Landschaft, das Phänomen der Ziersiedlung oder die Zunahme von Verkehr  Herausforderungen für die Raumplanung und damit auch relevant für alle, die sich in ihrer jeweiligen Profession mit Baukultur beschäftigen. Der Vortrag schlägt eine Brücke anhand von aktuellen Reflexionsfeldern.

Bildnachweis: vai, Foto Darko Todorovic

Einladungskarte September

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Der Wandel ist etwas Vertrautes

Der Gemeinderat und die Bevölkerung von  Lichtensteig haben in moderierten  Beteiligungsprozessen Strategien erarbeitet, um den Strukturwandel erfolgreich zu bewältigen. Nun  blicken sie den Herausforderungen der nächsten Jahre entgegen.

19.08.2017 von Tina Mott

«Die Zukunft ist nicht unbestimmt, wir wissen, wo wir in zehn Jahren stehen werden.» Stadtpräsident Mathias Müller ist einer der Impulsgeber und Gestalter
des bemerkenswerten Entwicklungsprozesses, den die knapp 1900 Einwohner zählende Toggenburger Gemeinde seit einigen Jahren durchläuft. «Das ist auch gar nicht so schwierig. Wir müssen unsere Ziele klar definieren, die Augen offen halten für neue Entwicklungen und entstehende Projekte begleiten, nicht den Bewohnern sagen, was sie machen sollen.»
Wie zahlreiche europäische Kleinstädte wurde auch Lichtensteig ab den 1980er-Jahren von den Folgen eines rasch fortschreitenden wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Strukturwandels stark beeinträchtigt. Das ehemalige Markt-, Verwaltungs- und Gerichtszentrum des Toggenburgs verlor zusehends an Finanzkraft und Bedeutung. Die traditionsreichen ortsansässigen Fabrikationsbetriebe wurden verkauft oder geschlossen, da durch globale Produktionsverlagerungen auch die Ostschweiz von einer starken Deindustrialisierungswelle erfasst wurde. Einzelhandel, Kleingewerbe und Gastronomie mussten durch das veränderte Konsumverhalten und die steigende Mobilität ihrer Kunden ebenso empfindliche Einbussen in Kauf nehmen. Die alteingesessenen Läden und Gastbetriebe in den Erdgeschossen der historischen Stadthäuser schlossen zusehends, Verödung und Leerstand machten sich breit.
«Fast allen stand das Wasser bis zum Hals», erklärt Müller. «Viele Jahre lang wurden keine neuen Impulse mehr gesetzt und dadurch entstand eine gefährliche Abwärtsspirale. Durch den Wegfall der Erdgeschossmieten sank der Wert der gesamten Liegenschaften, die Belastungen blieben aber gleich. Da nicht mehr investiert wurde, verschlechterte sich der Zustand der Wohnungen in den darüber liegenden Geschossen und die Mietpreise brachen ein. Da war es enorm wichtig, dass wir bei den Hausbesitzern das Vertrauen erwecken konnten, es lohne sich wieder, in der Altstadt zu investieren.»

Über der Kalberhalle entsteht ein Künstlerhaus
Diese Strategie scheint nachhaltig gefruchtet zu haben. Beim gemeinsamen Spaziergang durch den historischen Stadtkern überzeugen zahlreiche Baustellen und offensichtlich frisch renovierte und umgebaute Geschäftslokale, Wohnhäuser und auch Aussenräume. In der geschichtsträchtigen Kalberhalle wird ohrenbetäubend gewerkt, hier entsteht bis zum Herbst ein zeitgemäss ausgestatteter Kultur- und Begegnungsraum für die Bevölkerung. Das gesamte Gebäude soll jungen Kreativen aus der Region als Künstlerhaus zur Verfügung gestellt werden, sobald die Stadtverwaltung aus den darüber liegenden Räumlichkeiten in eine Nachbarliegenschaft umgezogen ist. Ein paar Schritte weiter wird im ehemaligen Postgebäude die Genossenschaft Village Office Einzug halten. Um Landflucht und Pendlerstress zu vermeiden, aber auch, weil man Innovations-Motoren wie Freelancern und Start-ups Platz bieten möchte, werden die ungenutzten Räume zu Coworking Spaces umgestaltet. In die sanierten Wohnhäuser sind inzwischen rund hundert neue Bewohner eingezogen, die leeren Erdgeschosse werden als Galerien und Ausstellungsflächen genutzt.
Nachdem im Jahr 2008 der Tiefpunkt erreicht worden war, entschloss sich die Stadtregierung noch unter Müllers Vorgänger zur Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für Ortskernentwicklung Netzwerk Altstadt. Durch eine Stadtanalyse wurde eine fundierte Aussensicht der Situation geboten und es zeigte sich, dass Lichtensteig mit seinen Problemen nicht allein war. Liegenschaftsbesitzer konnten in der Folge zu günstigen Konditionen Gutachten zu Nutzungsstrategien und Entwicklungsmöglichkeiten ihres Hauses erstellen lassen und wurden bei strategischen Entscheidungen unterstützt.
Zudem schlossen sich Eigentümer und Anwohner zu moderierten Gassenclubs zusammen und erarbeiteten gemeinsame Strategien zu vereinbarten Themen. Aus diesen Interessengemeinschaften wurden dann Entwicklungsvorschläge an die Gemeinde herangetragen, die für die planungsrechtliche Sicherung, Finanzierung und Umsetzung verantwortlich zeichnete.

Prozess mit Bürgerbeteiligung angestossen
Nur wenige Monate nach seiner Wahlzum Stadtpräsidenten lud Mathias Müller die Bevölkerung von Lichtensteig zu einem umfassenden Beteiligungsprozess. 140 Einwohner nahmen im Jahr 2013 an dieser Zukunftskonferenz teil und bildeten im Anschluss daran zehn verschiedene Arbeitsgruppen. Vom Erwerb des Energiestadtlabels oder der Entwicklung des Seniorennetzwerkes 60+ bis hin zu baulichen Massnahmen, wie der Errichtung eines Holzschnitzel- Nahwärmeverbundes oder dem Neubau von zwei Spielplätzen, konnten inzwischen zahlreiche Projekte erfolgreich umgesetzt werden. Die neu gegründete Weinbaugenossenschaft pflanzte im letzten Jahr einen ökologisch bewirtschafteten Rebberg als Erholungsort am Fuss der Altstadt und die Energiekommission arbeitet an einer gemeinschaftlich betriebenen Fotovoltaik-Anlage.
«Allein durch die Zahl und den Umfang der Projekte, die wir geplant und umgesetzt haben, wäre der Prozess ohne Bürgerbeteiligung in diesem Ausmass niemals möglich gewesen. Wir können nicht alles selber machen. Aber wir wollen die Menschen unterstützen, die Ideen haben und etwas umsetzen möchten», reflektiert der Stadtpräsident.
Aus den vielschichtigen Erkenntnissen, die in den letzten Jahren gesammelt werden konnten, entwickelte die Gemeinde nun die Strategie Mini.Stadt 2025. Eine gesunde Altersdurchmischung der Bevölkerung, die strategische Nutzung der Baulandreserven oder eine starke Einbindung in regionale Strukturen wurden zu wichtigen Zielsetzungen erklärt, an denen die Bewohner und ihre Stadtverwaltung in den nächsten Jahren konsequent und kontinuierlich weiterarbeiten möchten.
Mathias Müller ist zuversichtlich, dass Lichtensteig auch die kommenden Herausforderungen erfolgreich bewältigen wird: «Der Wandel ist etwas Vertrautes, er ist ein wichtiger Faktor unserer Arbeit. So, wie es früher war, wird es nicht mehr. Daher müssen wir uns bewusst werden, welche Stärken und Schwächen unsere Stadt aufweist und uns auf Basis dieser Erkenntnisse weiterentwickeln. Dafür benötigen wir Zusammenhalt, Gestaltungswillen, Durchhaltevermögen und wohl auch ein bisschen Mut.»

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Grenzen – Der Wiener Kongress ist an allem schuld oder warum Konstanz und  Kreuzlingen im Verkehr versinken

Dominik Gügel, Museumsdirektor Napoleonmuseum Thurgau

Mo 21. August 2017, 19 Uhr, «Das Trösch», Hauptstrasse 42, Kreuzlingen

Seit Jahren stellen sich Thurgauer und Konstanzer Bürger diese Frage. Sie hoffen auf eine Antwort der Politik. Aber sie kommt nicht. Kein Wunder, denn Politiker sind die falschen Ansprechpartner – Historiker sind gefragt! Historiker? Ja, natürlich, denn schuld an allem ist der Wiener Kongress. 1814/1815  wurde festgelegt, dass Konstanz nicht zum Thurgau gehört und umgekehrt. Ähnlich wie der Verkehr bewegte sich der Kongress zwar, aber er  kam nicht vorwärts. Mit fatalen Folgen bis heute.

Das Referat von Dominik Gügel widmet sich dem Wiener Kongress am Beispiel von Konstanz und dem Thurgau. Dabei spielen natürlich auch die Vorgeschichte und die Auswirkungen des Wiener Kongresses eine Rolle. Mit der Grenzziehung, die bis heute Bestand hat, wurden die Bewohner auch einer vernünftigen Verkehrslösung beraubt. Zwar spielte der Verkehr bis zum Ersten Weltkrieg kaum eine  Rolle, da die vorhandene Infrastruktur damals ausreichte. Seither sind aber wieder 100 Jahre vergangen…

Anschliessend zum Referat informiert der Vorstand des Architektur Forum beim Apéro über die Geschichte und die Tätigkeit des Forums an der Grenze zwischen Kreuzlingen und Konstanz und öffnet die Türen zu einer Besichtigung des Hauses Trösch (Architekt Beat Consoni).

Bildnachweis: Die Landgrafschaft Thurgau, Privatbesitz Dominik Gügel

Einladungskarte August

 

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Der Durchbruch zum Klostergarten

Aktueller Beitrag von Deborah Fehlmann

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Museumsnacht

Städtische Ausstellung, Theo Cowley

Sa 9. September 2017, 18–01 Uhr im Forum

Der bildende Künstler Theo Cowley, 1976 in London geboren, lebt seit einigen Jahren in St.Gallen und Brüssel. Er beschäftigt sich mit Aspekten der Performance und präsentiert in seiner Ausstellung im Architektur Forum Ostschweiz eine neue Videoinstallation.

Im Jahre 2015 hat Theo Cowley den Werkbeitrag der Stadt St.Gallen erhalten. Für die Museumsnacht hat Theo Cowley die 1988 in New York geborene Schweizer Film- und Performancekünstlerin Axelle Stiefel eingeladen, eine Sound- und Vokalperformance zu präsentieren. Beide Kunstschaffende waren Residenzkünstler am Wiels Center of Contemporary Art in Brüssel.

ab 18 Uhr Barbetrieb

19 und 21 Uhr
Axelle Stiefel, «Codex Operator» Sound und  Vokalperformance

Ticket 20.– für Eintritt in alle beteiligten Museen und Shuttlebusse
www.museumsnachtsg.ch

Ausstellung: Fr 1. September bis So 24. September 2017
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr
Vernissage Do 31. August um 18.30 Uhr. Einführung Kristin Schmidt

Theo Cowley

Städtische Ausstellung im Forum

Theo Cowley

Ausstellung: Fr 1. September bis So 24. September 2017
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Der bildende Künstler Theo Cowley, 1976 in London geboren, lebt seit einigen Jahren in St.Gallen und Brüssel. Er beschäftigt sich mit Aspekten der Performance und präsentiert in seiner Ausstellung im Architektur Forum Ostschweiz eine neue Videoinstallation.

Im Jahre 2015 hat Theo Cowley den Werkbeitrag der Stadt St.Gallen erhalten. Für die Museumsnacht hat Theo Cowley die 1988 in New York geborene Schweizer Film- und Performancekünstlerin Axelle Stiefel eingeladen, eine Sound- und Vokalperformance zu präsentieren. Beide Kunstschaffende waren Residenzkünstler am Wiels Center of Contemporary Art in Brüssel.

Theo Cowley

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Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus

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Ab Juni können wir Veranstaltungen unter Einhaltung der gesetzlichen Richtlinien wieder durchführen.

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Vorstand AFO
28.05.2020