Archiv des Autors: Johanna Deinet

Sommer Camp Architektur

Altstätten

Zum ersten Mal wurde in den Sommerferien 2018 der Ferienkurs «Sommer Camp Architektur – Entdeckungsreise Architektur» für Kinder und Jugendliche durchgeführt. Während dieser Woche lernten die jungen Menschen unter Anleitung von professionellen Vermittlerinnen und Vermittler ihre Stadt und die Umgebung besser kennen. Fachleute (Architekten und Ingenieure, verschiedene Fachplaner, Raumplanerinnen etc.) besuchten die Kurse, berichteten von ihrer Arbeit und davon, wie unsere gebaute Umgebung entsteht.
Das Ziel der Kurse ist es, die lokale Baukultur kennen zu lernen und Wertschätzung für sie zu entwickeln. Weil jeder Ort seine spezifischen Eigenschaften aufweist und sich eine Vertiefung zu unterschiedlichen Themen anbietet, sind die Resultate der drei Kurse sehr unterschiedlich. Eine Ausstellung bildete den Abschluss und die Resultate wurden einer breiteren Bevölkerung vorgestellt.

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Mit freundlicher Unterstützung 150 Jahre
Jubiläum St. Galler Kantonalbank

Weitere Unterstützungen:

Kanton St. Gallen

Jahresthema 2018

Wohnen

Das Wohnen berührt den innersten Kern des Bauens: Es beginnt mit dem ersten Fell, das sich  unsere Vorfahren um die Schultern geworfen hatten und führt bis zu den drängenden Fragen der heutigen Zeit. Das Wohnen ist Ausdruck einer Identität – nicht nur im Sinne einer Zugehörigkeit zu einer Region, sondern auch der Ausdruck einer gesellschaftlichen Vision. Und diese Visionen sind vielfältig: Wie leben Patchworkfamilien? Wie lässt sich ein Generationen-Wohnprojekt  verwirklichen? Welche Wohnformen brauchen Menschen in der dritten Lebensphase? Die Business-Nomaden, die als Berater ihren Aufträgen um die ganze Welt folgen? Eine Vielfalt von Lebensentwürfen, die sich aber kaum in der Wohnung ausdrückt: Auf dem Markt dominieren  Familienwohnungen mit konventionell geschnittenen Grundrissen.
Auf Ebene der Raumplanung ist das Wohnen ebenfalls ein heiss diskutiertes Thema. Mit  zunehmender Verdichtung – und dem wachsenden Dichtestress – fällt dem Aussenraum eine zentrale Rolle zu. In ihm treffen Fragen der Verdichtung, der funktionalen Trennung und des Landschaftsraums aufeinander. Die Entwicklung der Siedlungen und ihrer Ränder bringt zentrale Aspekte im Verhältnis zwischen bebautem und unbebautem Raum auf den Punkt und auch für den  Städtebau birgt das Wohnen zentrale Anhaltspunkte.
Im Wohnen äussert sich vieles, das sowohl uns Baufachleute als auch die Gesellschaft betrifft: Im  eigenen Heim zeigen sich Geschmack und Individualität, es bietet Geborgenheit und Identität. Diesen grundsätzlichen Fragen geht das Architektur Forum 2018 nach.

Der mittlerweile etablierte Montagabend wird in einem neuen Format erscheinen. Das Thema  «Wohnen» wird in seine Teile zerlegt und aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Im  Anschluss zu einem themengebundenen Fachreferat wird jeweils eine Diskussion mit Gästen aus  den Bereichen Soziologie, Philosophie, Kunst, Politik oder Wirtschaft geführt. Für die  Moderation konnten wir Frau Dr. Barbara Bleisch und Herrn Dr. Jean-Daniel Strub gewinnen.
Die einzelnen Slots werden über das Jahr hinweg durch einen Autor dokumentiert, mit Essays  der Moderatoren ergänzt und in der Edition «AFO 2018» als Broschüre gebunden.

Moderationen

Barbara Bleisch, Philosophin, Zürich
Barbara Bleisch hat in Zürich, Basel und Tübingen Philosophie, Germanistik und  Religionswissenschaften studiert und zu Fragen der globalen Gerechtigkeit am Ethik-Zentrum der Universität Zürich promoviert. Sie moderiert die «Sternstunde Philosophie» bei Schweizer  Radio und Fernsehen SRF und ist Kolumnistin beim «Philosophie Magazin» in Berlin. Bleisch ist ausserdem Dozentin für Ethik in den «Advanced Studies of Applied Ethics» am Ethik-Zentrum der Universität Zürich sowie im Studiengang «Philosophie und Management» an der  Universität Luzern. Zu ihren jüngsten Publikationen gehören «Familiäre Pflichten» (Frankfurt a. M. 2015) und «Ethische Entscheidungsfindung» (Zürich 2014).

Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich
Jean-Daniel Strub ist Projektleiter im Bereich Wissenschaftspolitik beim Rat der  Eidgenössischen Technischen Hochschulen und führt als Gesellschafter sein eigenes Büro Brauer & Strub | Medizin Ethik Politik. In dieser Funktion ist er regelmässig als Moderator im  Einsatz. Ausserdem moderiert er regelmässig Podien im Rahmen von politischen Anlässen im Grossraum Zürich, wozu wiederholt auch Veranstaltungen zu städtebaulichen und  raumplanerischen Fragen gehören.

Grenzen – Ausstellung Parallel Sprawl: die vorstädtischen Landschaften in der Schweiz und im Kosovo

Vernissage – Einführungsfilm und Podiumsdiskussion

Mo 2. Oktober 2017, 19.30 Uhr im Forum

Filmbeitrag mit anschliessender Podiumsdiskussion mit dem Aussteller-Team und den Architekten Rosafa Basha, Pristina / Ibai Rigby, Austin / Guillaume de Morsier und Valentin Kunik, Lausanne, sowie den Gästen Charlotte Malterre-Barthes, Architektin + Stadtplanerin / Christian Schmid, Soziologe / Milica Topalovic Stadtplanerin

Trotz wirtschaftlicher und kultureller Differenzen werden sowohl die Schweiz, als auch der Kosovo stark durch Zersiedelung geprägt. Die daraus resultierenden Landschaften sind sich dabei überraschenderweise sehr ähnlich. Eine Gruppe aus Architekten beider Länder hat die vergangenen fünf Jahre gebaute Orte untersucht und diese mit Spezialisten der jeweiligen Disziplin diskutiert. Untersuchungsgegenstand bildeten dabei weder städtische, historische oder touristische Zentren, noch ländliche Gegenden. Viel mehr lag das Interesse im Verständnis der Zwischenräume als leistungsstarke Unbekannte – weder Stadt, noch Land. Durch die parallele Beobachtung und Dokumentation suburbaner Gebiete und deren Funktionsweisen, zeigen sich die jeweiligen Probleme. Es werden Organisationsprinzipien, Gemeinsamkeiten und Unterschiede offengelegt und gleichzeitig gegensätzliche Ideen zur Gestaltung neuer Interpretationen und Visionen einander gegenübergestellt. Die Ausstellung zeigt eine Momentaufnahme der fünfjährigen parallelen Forschungsarbeit, welche in den folgenden Jahren weitergeführt und weiterentwickelt wird.

 Ausstellung im Forum

Parallel Sprawl
Valentin Kunik, Guillaume de Morsier
Ibai Rigby
Charlotte Malterre-Barthes
Christian Schmid
Milica Topovic

Einladungskarte Ausstellung Parallel Sprawl

Ausstellungssponsoren
Stadt St. Gallen, Fachstelle Kultur
KHG Holzbau AG

Bildnachweis: Parallel-Sprawl.org

ArchitekTour

Westschweiz

Do 31. August – So 3. September 2017

Die Westschweiz liegt so nah – und doch bleibt sie uns oft unbekannt. Das Jahr hat im AFO mit dem Vortrag von Matthieu Jaccard begonnen. Der Lausanner Architekturvermittler hat an diesem fulminanten Abend ein äusserst lebendiges Bild der Romandie gezeichnet mit Bauwerken, Menschen und Mentalitäten – und unsere Neugierde genug geweckt.
Auf dem Hinweg ein kurzer Halt in Fribourg, danach führt uns die Reise im Bogen entlang des Lac Lémans: Montreux und Vevey, Lausanne und Genf.
Als kundiger Führer wird Matthieu Jaccard die Reise begleiten. Er führt uns an die historischen «Musts», die bekannten Highlights und auch an wenig bekannte Orte: eine Entdeckungsreise im eigenen Land.

Das Detailprogramm ist in Bearbeitung und wird den Teilnehmern bei der Abreise abgegeben. Teilnehmerzahl min. 18, max. 24 Personen. Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt. Versicherung und ggf. Reiser5cktrittsversicherung sind Sache des Teilnehmers. Änderungen bleiben vorbehalten.

Kosten Mitglieder 850.–* / Nichtmitglieder 950.–*
* Inklusive Fahrt im Komfortreisebus, 3 Übernachtungen mit Frühstück im DZ (EZ-Zuschlag: 200.–), ÖV, Führungen und Eintritte. Gemeinsames 4-Gang-Menu Samstag Abend im Preis inbegriffen.

Abfahrt Do ca. 8 Uhr, Rückkehr So ca. 20 Uhr

Mitgliedschaft Architektur Forum Ostschweiz

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Die Reise ist ausgebucht.

 

Bildrechte: Villa «le Lac» Le Corbusier

Anmeldekarte ArchitekTour Westschweiz

Am eigenen Werk weiterbauen

Vierzig Jahre nach ihrem Bau wird die Berufsschule Weinfelden erweitert. Den Wettbewerb für den Neubau gewinnt das gleiche Architekturbüro wie damals. Eine einmalige Chance.

22.07.2017 von Caspar Schärer

Mit der Schlüsselübergabe ist der Auftrag für den Architekten, die Architektin abgeschlossen. Manchmal fällt der Abschied von einem Bauprojekt schwer, das sie womöglich über Jahre begleitet hat. Schlaflose Nächte, lange Sitzungen, aber auch überraschende Entdeckungen und schöne Erlebnisse – alles vorbei und Erinnerung. So weit der Normalfall. Von einem glücklichen Ausnahmefall soll aber hier die Rede sein. Ein Architekturbüro erhält fast vierzig Jahre nach der Vollendung eines grossen Baus die Gelegenheit, die Erweiterung gleich selber in die Hand zu nehmen. Es verfällt nicht in Nostalgie und sucht auch nicht den maximalen Kontrast, sondern stellt dem älteren Gebäude einfach ein neueres zur Seite. Beide bleiben eigenständig, es ist nicht einmal eindeutig eine gemeinsame architektonische Handschrift zu erkennen. Und doch ergänzen sich beide subtil zu einem Ganzen, das zusammengehört.

Kurt Huber war 26 Jahre alt, als er zusammen mit dem zehn Jahre älteren René Antoniol 1969 in Frauenfeld ein Architekturbüro gründete. Schon bald gewann das junge Büro Wettbewerbe und durfte mit Bauten sein Können unter Beweis stellen. 1973 gelangten Antoniol und Huber wieder über einen Architekturwettbewerb an ihren bisher grössten Auftrag: den Neubau der Berufsschule für kaufmännische und gewerbliche Berufe in Weinfelden. Bis 1978 stellten sie den markanten Gebäudekomplex fertig, später folgte noch ein Sporttrakt mit Turnhallen und einem Hallenbad. Das Berufsbildungszentrum steht im Weinfelder Südquartier direkt am Bahnhof. Es ist eindeutig als Bau seiner Zeit zu erkennen. Die dunkelroten Stahlfassaden wurden damals einfach gerne verwendet, gerade bei öffentlichen Bauten. Einen Kontrast zu den beiden längs gelagerten Schultrakten bilden die «stehenden » Versorgungselemente in Sichtbeton. Dem viergeschossigen Hauptbau vorgelagert ist ein niedrigeres Werkstattgebäude, dem die Architekten mit einem zentralen Oberlichtband einen industriellen Charakter verliehen – ein Bezug zum benachbarten Gleisfeld, das in den 1970er-Jahren noch nach Industrie roch.

Der architektonische Geist der 1970er-Jahre

Im «Scharnier» zwischen den beiden Trakten befindet sich die Treppenanlage, die in einer luftigen, von oben mit Tageslicht versorgten Eingangshalle steht. Auch hier ist er noch zu spüren, der architektonische Geist der 1970er-Jahre: das Treppenhaus als sozialer Ort, als Treffpunkt für junge Kaufleute und Handwerker; die knapp zwanzig Meter hohe, von Sonnenlicht bestrichene Sichtbacksteinwand; ganz allgemein die roh belassenen Materialien. Dass diese Haltung keineswegs zu einer kargen Architektur führen muss, zeigen alle Bauten von Antoniol + Huber, die sie seit 1969 erstellt haben. Das Büro entwickelte sich kontinuierlich über die Zeit, wurde grösser, blieb aber immer mit der Region verbunden. Zahlreiche öffentliche Bauten sind in diesem Atelier entworfen worden, so etwa das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen (1983), der Umbau des Eisenwerks in Frauenfeld (1991) – heute ein wichtiger Kultur- und Veranstaltungsort mit überregionaler Bedeutung – und die Kehrichtverbrennungsanlage in Weinfelden (1997), eine Ikone der Technik- Architektur im Thurtal. Hinzu kommen etliche Primar-, Oberstufen-, Berufs- und Kantonsschulen in den Ostschweizer Kantonen.

Trotz dieses beachtlichen Oeuvres verloren die beiden Bürogründer nie den Boden unter den Füssen, sondern blieben die gleichen gewissenhaften und sorgfältigen Architekten, die sie von Anfang an waren. Sie regelten rechtzeitig ihre Nachfolge und überliessen die Geschäftsführung jüngeren Kräften. Kurt Huber schaut gelegentlich noch vorbei, René Antoniol ist im April 2017 im Alter von 83 Jahren verstorben. Heute leiten die Architekten Roland Wittmann und Sascha Mayer das Büro, das unter dem Namen Antoniol + Huber + Partner firmiert.

Architektur alleine ist nichts

Dass die Frauenfelder Architekten 2002 den offenen Projektwettbewerb für die Erweiterung des Berufsbildungszentrums in Weinfelden gewinnen konnten, ist vermutlich kein Zufall. Schliesslich kannten sie das Areal und die Bauherrschaft schon gut. Andererseits kann jedoch zu viel Vorwissen genauso gut einem frischen Entwurf im Wege stehen: Man hat schon alle Antworten auf Fragen, die noch gar nicht gestellt wurden. Offensichtlich gelang Antoniol + Huber + Partner der Spagat zwischen Erfahrung und Neuigkeit; 2007 konnte der Erweiterungsbau eröffnet werden.

Das Gebäude unterscheidet sich in vielem von seinem fast vierzig Jahre älteren Nachbar, aber einige Dinge sind eben auch gleich. So ist der Neubau ebenso viergeschossig und an den Haupttrakt gliedert sich wie schon beim Altbau ein niedrigerer Nebentrakt – hier ist es das so genannte Lebensmittelzentrum, die Ausbildungsstätte für Berufe wie Koch, Bäcker oder Confiseur. Als Gebäude ist auch die Erweiterung als Kind seiner Zeit erkennbar: weit gespannte Sichtbetonrahmen, in denen grosse Fensterflächen liegen; generell weniger Details und schärfer geschnittene Formen; weiterhin roh belassene Materialien, aber sie wirken heute edler. Alt- und Neubau können gut nebeneinander stehen und man könnte zum Schluss kommen, dass die jeweilige architektonische Sprache gar nicht so wichtig ist. Entscheidend ist, dass sich der Erweiterungsbau in das vom Altbau vorbestimmte Muster einfügt. Die beiden grossen Gebäude bilden einen Zwischenraum, dem die Architekten viel Aufmerksamkeit schenkten. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Der Zwischenraum ist komplexer, als es auf den ersten Blick den Anschein macht. Gleich beim Bahnhof weitet er sich zu einem kleinen baumbestandenen Platz; weiter südlich kommen sich die Gebäude näher – genau hier sind die beiden Haupteingänge platziert. Danach öffnet sich der Raum wieder zu einem nach Süden ausgerichteten Platz, während die Nord- Süd-Achse durch den Sporttrakt weiterläuft, angedeutet durch einen verglasten Spalt zwischen Hallenbad und Turnhallen. Den Architekten ist damit etwas gelungen, das zu oft unterschätzt wird: Sie schaffen ein echtes Ensemble. Architektur alleine ist nichts. Erst die Zwischenräume betten Gebäude in einer Stadt, in einem grösseren Ganzen ein. Und wenn diese Städte in Zukunft verdichtet werden sollen, braucht es dafür sorgfältig gestaltete, offene, unkomplizierte und veränderbare Zwischenräume.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Vermählung zweier Künste

Wein und Architektur sind eine enge Liaison eingegangen. Das Beispiel des Alten Torkels in Jenins zeigt, wie die Ehe funktionieren könnte

17.06.2017 von Ruedi Weidmann

Die Aussicht nimmt einen gleich in Beschlag. Wer draussen unter der Pergola auf der Terrasse vor dem Alten Torkel in Jenins sitzt, überblickt das breite Rheintal von Trimmis bis nach Sargans. Von hier aus, im Frühsommerlicht eines Juninachmittags, zeigt sich die Bündner Herrschaft von ihrer besten Seite. Draussen in der weiten Welt ist die Region berühmt für Johanna Spyris Heidi. Doch nicht nur Einheimische wissen längst, dass da noch einiges mehr ist als nur ein pausbäckiges Mädchen aus einem bald 140 Jahre alten Roman.

Der Wein, natürlich: Die sanften Hänge an der rechten Talflanke werden grosszügig von der Sonne verwöhnt und eignen sich deshalb gut für den Anbau von Trauben. In Fläsch, Maienfeld, Jenins und Malans sind rund 350 Hektaren mit Reben bestockt; die Bündner Herrschaft gehört zu den kleinen Weingebieten der Schweiz. Aber inzwischen ist ebenso bekannt, dass nicht die Menge der entscheidende Faktor ist, sondern die Qualität.

Und damit kommt die Architektur ins Spiel, denn auch in der Baukunst hat sich die Herrschaft in den letzten dreissig Jahren einen Namen gemacht – ebenfalls mit Qualität und nicht mit Quantität. Weltweit bekannt wurde das Weingut Gantenbein der Churer Architekten Bearth + Deplazes, dessen Backsteinfassade von einem Roboter gemauert wurde. Bilder und Pläne so genannter Wein-Architektur landen seit Mitte der 1990er Jahre auf den Tischen der Architekturzeitschriften. Einmal mehr war das berühmte Büro Herzog & de Meuron ein früher Trendsetter, als es vor zwanzig Jahren im kalifornischen Napa Valley die Dominus Winery baute. Herzog & de Meuron legten damit die Latte gleich zu Beginn sehr hoch, indem sie all die sinnlichen Aspekte rund um den Wein brillant in besondere, geradezu geheimnisvolle Räume übersetzten. Später katapultierten sich die Burgenländer im Südosten Österreichs mit einer ganzen Reihe von Neubauten auf die Landkarte – ihren Wein damit natürlich auch! Dann kam die Toscana und letztes Jahr eröffnete in Bordeaux ein pompöses Museum, die Cité du Vin.

Rangordnung bleibt gewahrt
Die Erweiterung des Alten Torkels in Jenins gehört zwar zu dieser Familie der Wein-Architektur, es fehlt ihr aber gänzlich das Auftrumpfende und Überwältigende vieler ihrer Cousins und Cousinen. Schon das Weingut Gantenbein in Fläsch ist eigentlich ein bescheidener Bau, der sich in das Dorf und die Landschaft einfügt. Beim Alten Torkel in Jenins spielen diese Faktoren eine noch grössere Rolle. Zunächst die Siedlung: Die Weinstube bildet unübersehbar den dem Nachbarort Maienfeld zugewandten Dorfeingang. Dann die Landschaft: Die Reben reichen hier bis an den Strassenrand und sogar darüber hinaus. Siedlung und Landschaft sind in Weingebieten keine «Gegner», aber die Abgrenzung ist jeweils recht scharf. Während viele der neuen Architektur-Weingüter als isolierte Objekte einen Akzent in der Landschaft setzen und gleichzeitig versuchen, mit ihr zu verschmelzen, ist der Alte Torkel ganz klar ein Teil des Dorfes.

Ausgangspunkt für die Erweiterung war wie so oft ein regulatorisches Problem. Die Küche der beliebten Weinstube genügte schon länger nicht mehr den einschlägigen Vorschriften; nun drohte sogar die Schliessung. Die Platzverhältnisse waren ohnehin prekär, und so schrieb der Interessenverband Graubünden Wein zusammen mit dem Bündner Heimatschutz einen Studienauftrag für Architekten aus, den der Churer Architekt Pablo Horváth für sich entscheiden konnte. Es galt, das Restaurant mit einer zeitgemässen Gastroküche und neuen sanitären Anlagen auszurüsten, ausserdem sollte das Platzangebot des Restaurants ausgeweitet werden. Des Weiteren wünschte sich Graubünden Wein einen Ausstellungsraum zur Geschichte des Weinbaus in der Bündner Herrschaft und der Kanton ein Sitzungszimmer für besondere Anlässe.

Der neue Anbau wächst aus dem Altbau heraus – klar ist ersichtlich, wie er sich unter den First des Alten schiebt. Die Rangordnung bleibt gewahrt. An der schmalen Seite bäumt sich der Giebel expressiv auf, so dass er schon von Weitem erkannt wird, ohne jedoch aus dem üblichen Formenkanon herauszufallen. Die Fassade unter dem Dach wirkt wie aus einem einzigen Stein gemeisselt. Das liegt an der Bearbeitung des Sichtbetons, der gestockt wurde, also von einem so genannten Stockhammer aufgeraut. Auf diese Weise entsteht eine stärkere Tiefenwirkung, die Oberfläche wird plastischer.

In der Ausstellung sitzen
Einmal mehr beweist Pablo Horváth hier, dass er nicht umsonst bekannt ist als ein Architekt, der sorgfältig mit dem Bestehenden und Gewachsenen umgehen kann. Bei der Sanierung der Bündner Kantonsschule Cleric in Chur zeigte er, dass er ein architekturhistorisch wichtiges Schulhaus aus den 1960er-Jahren umsichtig und mit viel Liebe zum Detail auf einen heutigen Stand bringen kann, so dass sogar der Minergie-Standard eingehalten wird. In Jenins ist es die sensible Platzierung des Anbaus, die einen kleinen Vorplatz freilässt, die markante und doch bescheidene Formgebung des Gebäudes – und die feine Gestaltung des Innenraums, der sich so ganz anders präsentiert als erwartet.

Im Inneren erwartet die Besucher ein intimer, ganz in Eichenholz ausgeschlagener Raum, dessen einziges Fenster sich talabwärts zu den Rebhängen öffnet. In die dicken Mauern eingelassene Nischen laden zum Beieinandersitzen in kleinen Gruppen ein. Nur Eingeweihte wissen, dass sich die vermeintlichen «Schranktüren» zwischen den Nischen öffnen und zu einer zusammenhängenden Ausstellung über den lokalen Weinbau aneinanderreihen lassen. Genauso schnell werden die Paneele weggeklappt und der Raum wieder wie vorher.

Ein Mauerdurchbruch führt auf die Galerie im Altbau, den Horváth sanierte und umbaute. Nach wie vor dominiert die grosse Baumpresse aus dem frühen 18. Jahrhundert den Hauptraum der Beiz. An der Rückwand entwarf der Architekt eine so genannte Weinorgel, ein Präsentationsregal für all die Winzer von Graubünden Wein. Auf dem unteren Geschoss angelangt, ist es nur noch ein kleiner Schritt hinaus auf die Terrasse. Knapp die Hälfte der Fläche wird von einer Pergola auf wuchtigen Stützen besetzt, die einen eigenen Raum aufspannt. Hier sitzt man mitten in den Reben, vor sich das offene Tal, hinter sich die von der Junisonne aufgewärmte Betonwand des neuen Anbaus. Es wird Zeit, ein Glas Wein zu bestellen.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Das Architektur Forum macht Sommerpause und wünscht allen eine gute Zeit!

Ende August geht es weiter mit unserem Programm. Demnächst mehr…

Vor Ort – Erweiterung Helvetia-Hauptsitz, St. Gallen

Besichtigung mit Führung durch Bauherrschaft und Bauleitung

Mo 26. Juni 2017, 17.30 Uhr vor Ort

Mit dem neuen Westflügel schafft Helvetia an ihrem Hauptsitz am Girtannersberg etwa 130 zusätzliche Arbeitsplätze. Zugleich wird der Gastrobereich erneuert und erweitert. Der Erweiterungsbau basiert auf dem Projekt von Herzog & de Meuron, das 1989 erfolgreich aus einem Projektwettbewerb hervorgegangen ist. 2002 und 2004 wurden die Süd-, die Nord- und die Ostseite des bestehenden Gebäudes mit markanten Neubauten fertiggestellt. Nun folgt mit der Westerweiterung der vierte und abschliessende Teil. Pierre de Meuron erklärt: «Der vierte und letzte Erweiterungsbau schafft einen markanten Eingang mit Café, Sitzungsräumen und Büros. In den letzten Jahren sind damit vier neue, in Form, Grösse und Querschnitt unterschiedliche Baukörper an den kreuzförmigen Altbau mit zentraler offener Treppenanlage angedockt worden. Dadurch entstanden vier hofartige Gärten, die die Natur in den Büroalltag integrieren. Die einheitliche Fassadengestaltung aller Erweiterungsbauten
gibt dem gesamten Gebäudekomplex seine Identität.»

Die Veranstaltung ist ausgebucht – keine Anmeldung mehr möglich

Teilnehmerzahl beschränkt
Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Mitgliedschaft Architektur Forum Ostschweiz

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Bildnachweis: Herzog & de Meuron

Einladungskarte Juni

Grenzen – Schnittstelle Erdgeschoss – Wechselwirkung zwischen Öffentlich und Privat

Doris Zoller, Architektin und Stadtplanerin, München und Ingemar Vollenweider, Architekt, Basel

Mo 12. Juni 2017, 19.30 Uhr im Forum

Dr. Doris Zoller, Architektin und Stadtplanerin aus München, zeigt über eine rein architektonische Betrachtungsweise hinaus die enorme soziokulturelle Bedeutung der  Erdgeschosszone im verdichteten europäischen Wohnungsbau auf. Diese herausragende Rolle begruündet sich zunächst aus ihrer Position: Sie wird auf Augenhöhe wahrgenommen. Sie ist Gebäudesockel und Interaktionsraum zugleich. Hier treffen Architektur und Stadtleben, Individuum und Gemeinschaft, Privatheit und Öffentlichkeit aufeinander und formen sich aus einem Gemenge von architektonischen, sozialen und ökonomischen Schwellen und Übergangsräumen zu Räumen des Dazwischen aus. Diese Transfer- und Übergangszonen stehen in enger Wechselwirkung zwischen der Typologie von Wohngebäuden und dem Charakter der angrenzenden öffentlichen Räume. Die Erdgeschosszone ist also weit mehr als eine Reihung funktional notwendiger Räume, sie birgt Bereiche der Nutzbarkeit und Aneignung für die Stadtbewohner und trägt somit wesentlich zur Identität eines Quartiers und damit letztlich der gesamten Stadt bei.

Bildnachweis: Doris Zoller

Einladungskarte Juni

 

Ein Garten ist vor allem Atmosphäre

Mit seinen Grünanlagen und Plätzen prägte Tobias Pauli jahrzehntelang die Landschaftsarchitektur in der Ostschweiz mit. Heute pflegt er wieder den Garten seiner Kindheit und ordnet seine Erkenntnisse.

20.05.2017 von Ruedi Weidmann

Tobias Pauli kam in einem Paradies zur Welt, einem Gehöft bei Cavigliano, das sein Vater, der Maler und Radierer Fritz Pauli, gekauft und mit Ateliers erweitert hatte. Im Rebberg am Ausgang des Onsernonetals verbanden sich subalpine Landschaft und subtropisches Mikroklima. Tobias’ Mutter, die Schneiderin und Vergolderin Elsi Meyerhofer, beschloss, den Weinberg in einen Park zu verwandeln. So wuchs Tobias in einer Gartenbaustelle auf. Die ausgeprägte Topografie, die üppige Vegetation, die Selbstverständlichkeit, mit der alte Tessiner Häuser im Gelände stehen, Vaters Malerblick darauf und Mutters aktiver Umgang damit schulten sein Sensorium für die Stimmung eines Ortes. In ihm wuchs die Idee, Gartenbauer zu werden.

In der Schweiz gab es keine Ausbildung für Landschaftsarchitektur. Pauli besuchte die Gartenbauschule in Genf. Sie lehrte die Biologie von Nutzpflanzen, Gemüse, Wein und Obstbäumen. Doch Pauli wollte gestalten! Nach der Ausbildung begann er seine Lehr- und Wanderjahre, die ihn weit herumführten. Die erste Stelle bot ihm 1962 sein Halbbruder Manuel an, der in Zürich Architekt war. 300 Meter neben dem Park seiner Mutter entwarf Pauli seinen ersten Garten. Danach holte ihn der damals führende Schweizer Gartenarchitekt Fred Eicher für drei Jahre in sein Büro. Die geraden Linien der modernen Architektur prägten Eichers Schaffen. Pauli arbeitete an einem seiner Hauptwerke mit, dem Friedhof Eichbühl in Zürich. Betonmauern und getrimmte Hecken definierten weite Terrassen mit rechtwinkligen Wasserbecken und breiten Promenaden. Bäume setzte Eicher als Monumente in die künstliche, atmosphärisch dichte Landschaft. An seiner nächsten Station, der Berner Stadtgärtnerei, entwarf Pauli Spielplätze, nützlich und robust. Dann ging er nach Amerika. In Kanada lernte er, Swimmingpools mit Trax und Spritzbetonkanone zu bauen, in Kalifornien Gärten mit einem Stecken direkt im Wüstensand zu entwerfen. Die Weite und die Unbekümmertheit waren wohltuend. Doch der Künstlersohn vermisste kulturhistorisches Bewusstsein, nahm ein Schiff nach Europa und schrieb sich an der Kunstgewerbeschule Basel ein. Er landete mitten in der Naturgartenbewegung, denn das Büro von Wolf Hunziker, wo Pauli Arbeit fand, leitete die Planung der «Grün 80».

Gärten für Menschen

Die Gartenbauausstellung war der Höhepunkt einer Volksbewegung gegen den Gartenbau-Mainstream, der in Einfallslosigkeit erstarrt war. Doch Pauli blieb skeptisch. Die Anti-Spiesser-Haltung schien oft wichtiger als eine ernsthafte Beschäftigung mit Ökosystemen. Und Teich, Schilf und Magerwiese waren für Pauli noch kein Garten. In Basel gestaltete er den Theaterplatz mit dem Tinguely-Brunnen. Pauli zog ins Toggenburg, gründete eine Familie und machte sich selbstständig. Nun war postmoderne Gestaltung angesagt. Pauli komponierte einige symbolisch aufgeladene Privatgärten aus neoklassizistischen Fragmenten. Er bezeichnet sie heute als seelenlos. Die Postmoderne zertrümmerte versteinerte Ansichten, bot aber kaum Inspiration für Neues. Diese fand Pauli im gesellschaftlichen Engagement. Mit seiner damaligen Frau machte er das Restaurant Bahnhalle in Lichtensteig zu einem Kulturort und zum Domizil für das Chössi-Theater, und an der Internationalen Bauausstellung 1987 in Berlin erarbeitete er mit hartgesottenen Kreuzberger Hausbesetzern eine Quartierentwicklung.

Pauli gewann nun Wettbewerbe und erhielt öffentliche Aufträge. Er gestaltete mit mehreren Generationen von Mitarbeitenden in der Stadt St.Gallen sechs Schulhausanlagen und die Aussenräume von Wohnsiedlungen, dazu öffentliche Räume in zahlreichen Gemeinden, Friedhöfe in Rapperswil-Jona, Gossau, Altstätten und Pfäfers, die Gärten der psychiatrischen Kliniken Pfäfers, Wil und Littenheid, dazu Kasernen und Gefängnisanlagen. Das gemeinsame Planen mit Auftraggebern, Architekturschaffenden und Gärtnern faszinierte ihn genauso wie räumlich, finanziell oder politisch kniffelige Situationen. Etwa der Waffenplatz Neuchlen-Anschwilen. Hier liess er stramme Eichen in Reih und Glied in die Kasernenhöfe pflanzen und Zitterpappeln in die Umgebung – ein Bild für zwei seelische Zustände der Rekruten. Aber vor allem wertete er das grosse Übungsgelände mit den Landwirten in einem jahrelangen Prozess ökologisch auf. 1996 zog Pauli in die Stadt St.Gallen.

Respekt für den Ort und seine Atmosphäre

Die Arbeit begann immer mit einer Analyse: Was ist vorhanden? Wie ist die Stimmung? «Das Chassis eines Gartens muss sitzen», sagt Pauli. «Es entsteht aus der Topografie, der Wegführung, Mauern, Bäumen, Hecken und Büschen. Dann gilt es, die Atmosphären der einzelnen Bereiche zu entwickeln.» Immer häufiger verstärkte er Stimmungen, die er vorfand, und integrierte vorgefundene Elemente in seinen Plan. Respekt ist wohl das Schlüsselwort zu Paulis Werk. Respekt für einen Ort, seine Stimmung, seine Funktion für die Menschen und seine Geschichte. Immer besser gelang es ihm, mit möglichst wenig Gestaltung möglichst viel Atmosphäre zu schaffen. Seine jüngsten Anlagen wirken, wie wenn sie schon immer so gewesen wären. Ohne Inszenierung, ohne Design, strahlen sie Ruhe und Beständigkeit aus. Die neue Kantonsschule Heerbrugg zum Beispiel steht mit ihren Betonsäulen direkt im Kies der Rheinebene – es ist fast der einzige Ort im Siedlungsbrei, wo die Ebene noch spürbar ist. Diese fast unsichtbare Handschrift mit starker Wirkung ist das Resultat von langer Arbeit und Erfahrung. Sie machte Pauli zum Spezialisten für Erneuerungen. Im Pausenhof der Kantonsschule am Burggraben in St.Gallen verstärkte er mit einigen Pinien und der Renovation des Brunnens eine überraschend mediterrane Stimmung. Im Park der psychiatrischen Klinik Littenheid liess er viele Bäume fällen und holte das Sonnenlicht auf den Boden zurück. In Pfäfers gestaltete er von 1999 bis 2011 die Gärten der psychiatrischen Klinik neu. Jedes Jahr entstand ein neuer Aussenraum: die historischen Torkelterrassen, eine Gartenwirtschaft mit Brunnenbecken, ein Wegnetz über die Hügel oder der Klosterhof, jeder mit viel Respekt für den Ort, eigener Atmosphäre und viel Potenzial für mögliche Nutzungen. – Einen Garten aber hat Tobias Pauli immer für sich behalten: den elterlichen Park in Cavigliano. Letztes Jahr hat der Über-Siebzigjährige sein Büro seiner Geschäftspartnerin übergeben. Jetzt hat er Zeit, zusammen mit seiner jetzigen Frau den Ort zu pflegen, wo alles begann.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Arkadien – ein Traumland neu entdecken

Raimund Rodewald, Geschäftsführer Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, Bern und  Köbi Gantenbein, Chefredaktor und Verleger Hochparterre, Zürich

Mo 29. Mai 2017, 19.30 Uhr im Forum

Die Vorstellung von Arkadien als utopische, poetische Landschaft der Hirten entstand im antiken Griechenland und wurde um 1500 in Italien als mythologisches wie reales Sehsuchtsland wiederentdeckt und kultiviert. Das Interesse daran ist in neuester Zeit wieder gross geworden, und wir nehmen das Erscheinen des Buches «Arkadien. Landschaften poetisch gestalten» (Rodewald, Gantenbein 2016) zum Anlass, um der Bedeutung des Begriffs in unserer Gegenwart auf die Spur zu kommen. Was hat Arkadien als Wunschlandschaft oder gar Seelenzustand mit unserer Landschaft zu tun? Lässt sich eine poetische Landschaft überhaupt herstellen?

Gespräch mit Raimund Rodewald Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, Bern, und Köbi Gantenbein, Chefredaktor und Verleger Hochparterre, Moderation Marina Hämmerle, Architektin, Lustenau

Mehr zum Buch

Bildrechte: Raimund Rodewald

Einladungskarte Mai

LandschaftsarchitekTour

Private Garden

Sa 20. Mai 2017

«Lazy Gardener», «Gärtnern nach Noten» oder «botanische Raritäten» sind nur einige Aspekte der diesjährigen LandschaftsarchitekTour, welche uns in private Gärten führt.
Gärten, welche sich über Jahre durch individuelle Pflege entwickelt haben. Das diesjährige Jahresthema «Grenzen» des Architektur Forums Ostschweiz, widerspiegelt sich in der grenzenlosen Leidenschaft der Gartenbesitzer und -besitzerinnen. Sie gewähren uns Einlass in ihre über lange Zeit gewachsenen Oasen.

Die jeweiligen Besitzer führen uns durch ihren Garten und ermöglichen einen ganz persönlichen Eindruck ihrer Arbeit und ihres Schaffens.

Programm

Abfahrt Forum mit Reisebus 9.30 Uhr Garten Steiner, St.Gallen / Garten Vetter (Vogel), Teufen / Garten Steiner, Bühler / Garten Jakob Rohner, Rebstein / Garten Stieger, Berneck Rückkehr Forum ca. 17 Uhr

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Mitglieder BSLA oder AFO gratis, Nichtmitglieder Reisekosten Fr. 30.–

Keine Anmeldung mehr möglich – ausgebucht

 

Eine Veranstaltung des Bundes Schweizer Landschaftsarchitekten und Landschaftsarchitektinnen BSLA und des Architektur Forums Ostschweiz

 

Bildnachweis: Urs Stieger, Berneck

LandschaftsarchitekTour

Vor Ort – Primarschule St. Leonhard, Sanierung Schulhaus und Neubau Turnhalle, St. Gallen

Baustellenbesichtigung durch Clauss Merz Architekten

Mo 15. Mai 2017, 17.30 Uhr

Anmeldungen bis 8. Mai 2017 unter vor-ort@nulla-f-o.ch

Name/ Büro Anzahl Mitglieder ggfs. Nichtmitglieder

Teilnehmerzahl beschränkt
Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Mitgliedschaft Architektur Forum Ostschweiz

Profitieren Sie vom Mitgliederpreis und melden Sie sich jetzt zur Mitgliedschaft im Architektur Forum Ostschweiz an
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Bildnachweis: Clauss Merz Gmbh für Architektur

Einladungskarte Mai

LandschaftsarchitekTour

Private Garden

Sa 20. Mai 2017

«Lazy Gardener», «Gärtnern nach Noten» oder «botanische Raritäten» sind nur einige Aspekte der diesjährigen LandschaftsarchitekTour, welche uns in private Gärten führt.
Gärten, welche sichü über Jahre durch individuelle Pflege entwickelt haben. Das diesjährige Jahresthema «Grenzen» des Architektur Forums Ostschweiz, widerspiegelt sich in der grenzenlosen Leidenschaft der Gartenbesitzer und -besitzerinnen. Sie gewähren uns Einlass in ihre über lange Zeit gewachsenen Oasen.

Die jeweiligen Besitzer führen uns durch ihren Garten und ermöglichen einen ganz persönlichen Eindruck ihrer Arbeit und ihres Schaffens.

Programm

Abfahrt Forum mit Reisebus 9.30 Uhr Garten Steiner, St.Gallen / Garten Vetter (Vogel), Teufen / Garten Steiner, Bühler / Garten Jakob Rohner, Rebstein / Garten Stieger, Berneck Rückkehr Forum ca. 17 Uhr

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Mitglieder BSLA oder AFO gratis, Nichtmitglieder Reisekosten Fr. 30.–

Anmeldung

Mit vollständigen Angaben bis 15. Mai 2017 an landschaftsarchitektour@nulla-f-o.ch oder per Fax an 071 245 87 83

Name / Vorname
Adresse
E-Mail
Telefon
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Eine Veranstaltung des Bundes Schweizer Landschaftsarchitekten und Landschaftsarchitektinnen BSLA und des Architektur Forums Ostschweiz

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Bildnachweis: Urs Stieger, Berneck

Anmeldekarte LandschaftsarchitekTour

Anwalt der stummen Mauern

Ein ehrwürdiges und geschütztes Ensemble wie das Klostermuseum St.Georgen in Stein am Rhein braucht ständige Pflege. Der St.Galler Architekt Thomas K.Keller hat sich acht Jahre lang in den Dienst der alten Mauern gestellt.

22.04.2017 von Caspar Schärer

Architektur ist ein weites Feld. Häuser bauen ist nur eine von vielen Aufgaben der Disziplin. Grundsätzlich erstreckt sich Architektur auf alles – von der Stadt bis zum Stuhl. Manche Architektinnen und Architekten nehmen das sehr ernst und beanspruchen die Gestaltungshoheit über die ganze Bandbreite der räumlichen Fragen. Das hat seine Vorteile, kann aber mit unter für die anderen Beteiligten etwas anstrengend werden. Wie so oft ist alles eine Frage der Dosis und der zwischenmenschlichen Beziehungen.

Einerseits kann man nicht früh genug anfangen mit der Architektur: Im Februar wurde an dieser Stelle vom Agglomerationsprogramm Wil West berichtet, einem hochkomplexen Planungsinstrument, bei dem die Parameter für ein künftiges Gewerbegebiet festgelegt werden. Man würde meinen, dass da die Architektur noch weit weg ist, aber inzwischen ist die Erkenntnis gewachsen, dass auch «technische» Dinge wie Autobahnanschlüsse räumliche Auswirkungen in einem grossen Umkreis haben. Und auch ein Arbeitsplatzgebiet verdient es, dass es sorgfältig und gut geplant wird.

Heute blicken wir an das andere Ende des Spektrums, denn auch im kleinsten Detail eines Gebäudes steckt Architektur und es kommt darauf an, wie man diese oder jene Ecke löst. Gerade bei alten und ehrwürdigen Gebäuden, die vielleicht sogar unter Schutz stehen, tut sich da bei näherer Betrachtung eine ganze Welt auf. Das Haus scheint fast zu leben. Thomas K.Keller, Architekt in St.Gallen, konnte sich in den letzten Jahren gründlich in ein besonderes Gebäude vertiefen. Seinem Büro wurde die Aufgabe «Bestandspflege eines Baudenkmals » für den über tausend Jahre alten Benediktinerkonvent St.Georgen in Stein am Rhein anvertraut. Alles begann im Frühling 2008 mit dem Einbau eines neuen Kassamöbels im Eingangsraum. Damit war auch schon der für Aussenstehende sichtbarste Teil der Arbeit abgeschlossen. Es folgte noch im Herbst des gleichen Jahres die Renovation der Fassaden der ehemaligen Äbte-Wohnhäuser direkt am Rhein. Nach und nach tauchten weitere Stellen auf, die Aufmerksamkeit und Pflege verdient hätten, und so wurde 2011 eine minutiöse Untersuchung des baulichen Zustands vorgenommen. Auf dieser Basis konnten ganz verschiedene Unterhaltsarbeiten in Angriff genommen werden. Jede einzelne hatte ihre Eigenheiten. Das hat vor allem mit der wechselhaften Vergangenheit des Klosters zu tun.

Historisch bedeutsame Anlage gehört dem Bund In der bisherigen Geschichte des Konventes St.Georgen lassen sich grob zwei Abschnitte unterscheiden: In den ersten fünfhundert Jahren bis zur Auflösung im Zuge der Reformation wurde nach und nach die ganze Anlage erstellt; in den folgenden Jahrhunderten wurde das Gebäudekonglomerat von Verwaltungsbeamten genutzt und nur noch beiläufig unterhalten. Im 19. Jahrhundert waren die Gemäuer wirklich baufällig und die Gemeinde wusste nicht mehr recht, was damit anfangen. Gewerbebetriebe nisteten sich ein, Seidenraupen wurden gezüchtet und in den Höfen übten Kadetten und Turner.

Dass das Ensemble überhaupt erhalten ist und sogar unter Schutz steht, ist dem Berner Professor Ferdinand Vetter zu verdanken. Sein Vater kaufte 1875 die bedauernswerten Gebäude; er selbst kümmerte sich rührend um die Restaurierung und stellte seinen Besitz 1891 unter den Schutz der Eidgenossenschaft. Heute zählt das Kloster St.Georgen zu den wenigen historisch bedeutsamen Anlagen, die dem Bund gehören. Seit 2012 betreibt das Bundesamt für Kultur das Klostermuseum, das nur sich selber ausstellt. Bekannt ist es vor allem fü̈r den gotischen Festsaal mit den prächtigen Fresken.

Ferdinand Vetter war ein begeisterter Anhänger der Spätgotik und Renaissance und kaufte in der halben Schweiz Interieurs zusammen, die er in seinem Kloster einbaute. So stammt etwa die mächtige Holzdecke mit imposanter Stütze im Sommerrefektorium nicht aus dem Mittelalter – zumindest nicht aus dem Mittelalter in Stein am Rhein. Das macht die Sache nicht einfacher, wenn es um die denkmalpflegerische Sanierung geht. Denn was ist hier «original» und was hinzugefügt? Und was bedeutet überhaupt «original»? Hinzu kommt, dass sich die Vorstellungen von Denkmalpflege in den letzten Jahrzehnten gewandelt haben.

Als sich in der Nachkriegszeit der Bund an die enorme Aufgabe der Konservierung und Restaurierung machte, standen didaktische Aspekte im Vordergrund: Gerne zeigte man damals klar und deutlich das Erforschte und Entdeckte, ergänzte nach Bedarf «im Stile von», damit Besucherinnen und Besucher unmissverständlich ablesen konnten, was neu hinzugefügt wurde. Heute ist die Denkmalpflege bei allen Massnahmen viel zurückhaltender; das Konzept nennt sich «konservierende Substanzerhaltung».

Architekt Thomas Keller zeigt im Kreuzgang, was das konkret heisst. Bei den Deckenmalereien in den Netzgewölben stand man vor der Frage, ob die abgeblätterten und verwitterten Stellen aufgefrischt und ergänzt werden sollen – und entschied sich dagegen. Die Verlockung war zwar gross, so Keller, aber das sei dann nicht mehr «Respekt vor dem Altern»,das Akzeptieren von Patina, Spuren und eben auch von Verlusten. «Reinigen,sichern,festigen»heisst heute die neue Devise. Aber braucht es dafür überhaupt einen Architekten?

«Es braucht ihn unbedingt», betont Keller, «denn jemand muss sich unverbrüchlich für die Gemäuer einsetzen. Sonst tut es niemand.» Der Architekt sei sozusagen der Anwalt der  stummen Mauern. Gefragt seien Neugier, eine breite Fachkenntnis – auch und besonders im Handwerklichen – sowie eine gehörige Portion Demut. Wer die grosse Geste sucht, ist hier fehl am Platz. Originelle Ideen braucht es dennoch, schliesslich knarzt es an allen Enden und trotzdem muss das Kloster als öffentliches Museum funktionieren. So hat Keller etwa das Dormitorium im ersten Obergeschoss mit diskreten Notbeleuchtungen nachgerüstet und ein Befestigungssystem für die Notausgangs-Schilder entwickelt, das die alten Mauern nur minimal tangiert. Auch bei den kleinsten Eingriffen arbeitete der Architekt eng mit einem Expertenteam zusammen, zu dem neben den Nutzern und der Denkmalpflege des Kantons Schaffhausen der Bauingenieur und Bundesexperte Jürg Conzett sowie die Restauratorin Doris Warger gehörten. Entscheide wurden erst nach gründlichen Untersuchungen und Abwägungen aller Optionen gefällt.

Ganz verborgen bleibt Kellers langjähriges Wirken als «Kloster-Architekt» in Stein am Rhein aber nicht. Im Äusseren Hof, an der vorspringenden Decke des Backhauses, durfte er noch etwas «Richtiges» bauen: Über einem kostbaren Relief wölbt sich jetzt ein neues Vordach aus Stahl, das es vor weiterer Verwitterung schützt. Die einfache Form ist ausgeklügelt entworfen worden und passt gut dorthin – so gut, dass man sie fast übersehen könnte.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Grenzen – Grenzen der Landschaft:
die Grau-Grün-Zone

Christophe Girot, Landschaftsarchitekt und Architekt, Zürich

Mo 8. Mai 2017, 19.30 Uhr im Forum

Wir leben heute in einer Welt, in der Grenzen – sichtbar oder nicht – unser Alltagsleben im tiefsten Sinn prägen. Es sind Grenzen der Natur, die einen Waldrand zum hohen Berg oder eine Klippe zur Meeresküste klar definieren. Aber es sind auch Grenzen der Natur, die von den Menschen überschritten worden sind. Grenzen, die uns mit Brücken und Tunnels hemmungslos vom einen Ufer zum anderen, vom einen Tal zum nächsten zu springen erlauben. Es gibt die künstlichen Grenzen der Menschen, die Tag und Nacht geschlossen bleiben und die Freiheit der menschlichen Bewegung verhindern.
Es gibt blutige Grenzen, die von den Menschen national und ideologisch bekämpft und mit Stolz verteidigt werden. Es sind Grenzen unserer Zeit, die wir seit der letzten Eiszeit geerbt haben, die schnell am Schmelzen sind und dadurch viele Städte und ihre Umgebung ans Limit der steigenden Meerespegel bringen und bedrohen. Unsere Landschaft ist genau der Ort, wo all diese Grenzen auftauchen und unsere beschleunigte Epoche bestimmen und stark verändern. Dies bedeutet ein völlig anderes Verständnis der Natur und dessen Ästhetik.

Christophe Girot

Bildnachweis: Christophe Girot

Einladungskarte Mai

Bautradition als Ideenreservoir

Künftig wird vor allem innerorts gebaut. Das erhöht den Anspruch an Neubauten. Sie müssen grösser, dichter, multifunktional und sorgfältig gestaltet sein. Rezepte dafür stecken in der Appenzeller Bautradition.

01.04.2017 von Ruedi Weidmann

Das Bauen steht in der Schweiz an einer Epochenschwelle: Zur Schonung der Landschaft ist Bauen künftig fast nur noch in bebautem Gebiet möglich. Am einen Dorfrand Einfamilienhäuser und am andern flache Hallen fürs Gewerbe bauen, können wir uns nicht mehr leisten. Aus Rücksicht auf Natur und Kulturland, aber auch, weil so die Ortsmitte abstirbt, wovon leere Altbauten und Ladenlokale zeugen. Damit die Ortskerne wiederbelebt werden, müssen Wohnen, Gewerbe, Einkaufen und so weiter wieder zusammenkommen. Verdichten mag bedrohlich tönen, aber wo mehr Menschen beisammen wohnen, können Läden, Gastro- betriebe und Service public wieder funktionieren.

Damit wachsen aber die Anforderungen an Neubauten. In einer dichten Ortschaft dürfen Bauten nicht nur von der Lage profitieren, sondern müssen selber etwas für den Ort tun, etwa mit einem öffentlich zugänglichen Parterre. Verschiedene Nutzungen unter ein Dach zu bringen, ist aber eine anspruchsvolle Aufgabe für Architekturbüros. Je grösser und dichter die Bebauung, umso wichtiger wird eine sorgfältige Gestaltung, die sich ins Ortsbild einfügt und es verbessert. Bau- behörden und Bevölkerung müssen sich für mehr architektonische Qualität einsetzen. Sonst macht das Verdichten unsere Orte einförmig. Sie müssen aber ihre Einzigartigkeit stärken, damit sich Menschen mit ihrer Gemeinde identifizieren können und Verantwortung übernehmen.

Potenzial des Bürgerhauses ist noch kaum erkannt

Glücklich sind da Regionen, die sich eine starke Eigenart im Bauen bewahrt haben, wie das Appenzellerland mit seinem Holzbau. In der Bautradition finden sich Baustoffe, Konstruktionen und Formen, die unter lokalen Bedingungen entstanden und darum nachhaltig sind. Nicht zufällig wächst heute weltweit das Interesse am traditionellen Bauen. Wird Althergebrachtes auf neue Bauaufgaben übertragen, kann eine Architektur entstehen, die heutige Aufgaben meistert, aber vertraut ist und darum geschätzt wird.

Der Appenzeller Holzbau wurde tausendfach fotografiert, gemalt, auf Biberli gedruckt – doch sein Potenzial als Inspiration für die bauliche Zukunft wurde noch kaum erkannt. Wohl, weil die Faszination bisher vornehmlich den Bauernhäusern galt. Für heutige Aufgaben interessanter ist aber die Innerorts-Variante, das Fabrikantenhaus. Ohne Stall und Scheune, aber mit der gleichen Strickbau-Konstruktion und der typischen Raumaufteilung, mit Schindelschirm, Täferfront auf der Sonnenseite und den gleichen schönen Details. Diese Bürgerhäuser sind gross, bis sechsstöckig, stehen oft dicht nebeneinander und bilden städtische Plätze. Sie waren stets multifunktional und öffentlich zugänglich. Im Parterre lagen Büros, Läden und Lager der Textilverleger, im Dachstock oft ein Saal. So war die Bebauung in den Appenzeller Hauptorten seit je dicht und vielfältig genutzt. Lassen sich diese Qualitäten für zeitgemässes Bauen nutzen? Zusammen mit den vielen schönen Holzbauten hat im Appenzellerland auch das  Zimmereihandwerk überlebt. Die Betriebe pflegen ein traditionelles Holzbau-Wissen, das die Gewerbeschulen nicht mehr lehren, und entwickeln gleichzeitig neue Techniken wie die Element-Bauweise aus Wandmodulen, die besser isolieren als die alten Strickwände. Gewitzt nutzen die Zimmereien den Traum vom Urchigen für ihr Geschäft, Nägeli in Gais etwa mit dem Label «Appenzeller Holz» oder Frehner gleichenorts mit dem an bestimmten Tagen des Mondzyklus geschlagenen Mondholz.

Wenn sie von Architekturbüros entworfene Bauten ausführen, sind die Zimmereien zu herausragenden Leistungen fähig. Das zeigen Neubauten wie das Seniorenheim Bad Säntisblick in Waldstatt, von Alex Buob entworfen und 2013 von der Zimmerei Nägeli konstruiert, oder der Neubau mit 21 Seniorenwohnungen in Teufen von Hörler Architekten, 2011 gemeinsam von Nägeli und Heierli aus Teufen konstruiert. Doch meist bauen und renovieren die Zimmereien auf eigene Faust Einfamilien- häuser und Kleinsiedlungen. Dort fliesst ihr Können in nostalgische statt innovative Bauten.

Aufbruch zeichnet sich ab

Die Bautradition für heute anstehende Aufgaben fruchtbar machen: Genau dies versuchte 2010 die Studie «Bauen im Dorf» der Ausserrhodischen Kulturstiftung, initiiert vom Ausserrhoder Denkmalpfleger Fredi Altherr. Sechs Architekturbüros vermassen alte Bürgerhäuser, studierten deren Konstruktion, Materialien, Raumanordnung und Proportionen. Mit den Erkenntnissen entwarfen sie fiktive Holzbauten. Ihre Pläne und Modelle wurden im Volkskundemuseum in Stein gezeigt. Sie deuteten an, wie sich die Appenzeller Holzbautradition aus ihrer Stagnation lösen und wieder lebendig und gegenwartsbezogen werden könnte.

Laut Altherr hat dies einen Aufbruch ausgelöst. Die Beispiele motivierten Architekturschaffende und kommunale Baubehörden. Diese mussten zuvor die vielen geschützten Ortsbilder hartnäckig gegen unpassende Eingriffe verteidigen; Resultat war oft eine pseudohistorische Kulissenarchitektur. Seit «Bauen im Dorf» wissen sie, wie zeitgemässe, ortsbildverträgliche Architektur aussehen kann. Dadurch können sie Bauherrschaften besser beraten und trauen sich eher, innovative Projekte zu bewilligen. Erste Beispiele sind das Reformierte Kirchgemeindehaus von bm Architekten und ein Wohnhaus von Gerold Schurter am Alten Steig in Herisau. Bei diesen Vollholzbauten sind nicht nur die Fassaden, sondern auch Konstruktion, Materialien und Grundrisse im Innern von traditionellen Häusern abgeleitet. Rund zwanzig weitere von «Bauen im Dorf» inspirierte Neubauten sind in Ausserrhoden in der Bewilligungsphase, darunter die Gemeindeverwaltung Grub mit Wohnungen und Gewerbe, ein Ersatzneubau für das Haus Vulkan in Herisau und eine Metzgerei mit Wohnungen in Schwellbrunn.

Was noch fehlt, sind Holzbauten vom Kaliber der Zellweger-Paläste in Trogen, der Kantonsschule Wil oder der «Giesserei » in Oberwinterthur. Sie könnten auf vertraute Art neue Lebensqualität in zentrale, aber unternutzte Quartiere wie am Bahnhof Herisau bringen. Dazu sieht das revidierte Ausserrhoder Baugesetz den Erneuerungsplan vor, mit dem Gemeinden besonders gute Gestaltung mit mehr Bauvolumen belohnen können. In Fabrikantenhäusern und auch in hölzernen Fabriken stecken alte Rezepte für diese neue Aufgabe. Sie könnten helfen, das Verdichten beliebt zu machen, und die Zimmerleute könnten zeigen, was in ihnen steckt.

Das wäre wahre Innovation aus der eigenen Geschichte heraus. Dass es funktionieren kann, zeigt der seit vierzig Jahren anhaltende Erfolg der «Tessiner Schule». Ihr Vertreter Luigi Snozzi sagte einmal: «Architektur muss man nicht erfinden, man muss sie nur wieder finden.»

 

Bilder: Michel Canonica

Stadtspaziergang: St. Gallen

SIA, Barbara Petri, Dipl. Ing. Architekten RWTH/SIA, ARCHiTOUR, Zürich

Di 06. Juni 2017, 17 – 19 Uhr

Auf fachkundig geführten Stadtspaziergängen möchte der SIA die Warhnehmung der Teilnehmenden für die architektonischen Highlights sensibilisieren. Was gibt es Neues in der Stadt, im Quartier? Nach dem Motto „Man sieht nur was man weiss“ wird über die Biografie ausgewählter Bauten informiert, bemerkenswerte Ausschnitte ihrer Veränderung aufgezeigt und theoretische sowie praktische Hintergründe erläutert. Stadtrundgang mit Erläuterungen zu den Bauten:

  • Neuer Altarbereich Stiftskirche, 2013 (Caruso St. John))
  • Verwaltungszentrum, 2014 (Jessenvollenweider)
  • Bibliothek alte Hauptpost St. Gallen, 2015 (Barao Hutter)
  • Fachhochschule, 2011 (Giuliani Hönger)
  • Lokremise, 2010 (Stürm und Wolf)

Details zur Veranstaltung und Anmeldungemöglichkeit

Hauptversammlung

2017

Fr 28. April 2017, 18.30 Uhr
Forumsfest im Anschluss

Traktanden
1. Begrüssung
2. Protokoll HV 2016
3. Jahresbericht
4. Jahresrechnung
5. Revisorenbericht
6. Budget
7. Wahl der Revisoren
8. Allgemeine Umfrage
9. Aussichten

Forumsfest
Im Anschluss an die Hauptversammlung findet um ca. 20 Uhr das Forumsfest statt.
Alle Mitglieder und ihre Begleitung sind herzlich zum gemeinsamen Essen eingeladen.

Grenzen
Ein Quiz rund um unser Jahresthema bestimmt in diesem Jahr den Gewinner oder die Gewinnerin.
Mit etwas Glück, Kalkül und Augenmass erwartet sie als wunderschöner Hauptpreis ein Stuhl von Ray + Charles Eames. Der Hauptpreis ist ein Sponsoring der Domus AG.

Veranstaltungssponsor Delinat

Einladungskarte Hauptversammlung

Architektur im Film – Alpi

Mit Einführung durch Köbi Gantenbein, Chefredaktor Hochparterre

Di 18. April 2017, 20 Uhr im Kinok

Alpi ist das Resultat eines siebenjährigen Forschungsprojekts zur aktuellen Wahrnehmung des Alpenraums. Orte und Situationen aus allen acht Anrainerstaaten werden einander gegenüberstellt; dabei werden vier Sprachräume umspannt. Die Alpen werden wie eine Insel betrachtet, die mit verschiedenen globalen Transformationsprozessen in Zusammenhang steht. Wir haben viele Reisen in die Alpenregion unternommen und sind dabei ironischerweise bis nach Dubai gekommen. Der Film zeigt die Alpen aufgrund ihrer Komplexität und ihrer Bedeutung für die Umwelt als Schlüsselort, wo die Vielschichtigkeit sozialer, ökonomischer und politischer Beziehungen sichtbar wird. Im Europa von heute sind die Alpen ein Saatbeet der Moderne und ihrer Illusionen.

Armin Linke / Schweiz, 2011, D, 60min

Zum Trailer

Weitere Vorführung: So 26. April 19 Uhr
Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus
YTONG
multipor

Bildnachweis: Armin Linke

Einladungskarte April

Grenzen – Ausstellung After Schengen, European Borders

Einführung von Ignacio Evangelista, Fotograf, Madrid, Kurzreferate von Mathias Lindenau, Leiter Zentrum für Ethik & Nachhaltigkeit ZEN-FHS St. Gallen, und Johannes Engewald, Vermessungsingenieur, Landquart

Mo 3. April 2017, 19.30 Uhr im Forum

Die Ausstellung dauert von Mo 3. April 2017 bis So 30. April 2017
Öffnungszeiten: während der Veranstaltungen und jeweils Sa + So 13–16 Uhr

Vor 20 Jahren herrschte an den Grenzen der europäischen Staaten noch reger Betrieb. Seit das Schengen-Abkommen den Weg hin zur Reisefreiheit innerhalb Europas geebnet hat, verfallen die einstigen Grenzübergänge. Die Ausstellung After Schengen von Ignacio Evangelista zeigt die alten, verlassenen Grenzposten der Europäischen Union. In den Fotos wird der Betrachter eindrücklich mit Rudimenten
aus einer anderen Zeit konfrontiert, in der nationalstaatliche Grenzen in Europa noch
stark, die heutige Einheit und Freiheit nur Ideen waren.
Der in Valencia geborene Ignacio Evangelista ist ein mehrfach ausgezeichneter Fotograf. Er lebt und arbeitet in Madrid und konzentriert sich in seinen Serien auf Natur, Architektur und Porträts. Er war an verschiedenen nationalen und internationale Gruppen- und Einzelschauen beteiligt. Seine Serie «After Schengen»
wurde u.a. bereits in New York und Washington gezeigt und mehrfach ausgezeichnet.

The „After Schengen“ series shows old border crossing points between different states in the European Union. After the Schengen agreement, most of these old checkpoints remain abandoned and out of service, allowing us to gaze into the past from the present. It causes many reflections, especially in a moment that EU project it is severely discussed.
These places that prior the Schengen treaty, delimited territories and in which the traveler had to stop and show his documents, currently appear as abandoned places, located in a space-time limbo, out of use and out of the time for which they were designed, as these states have opened their borders to the free movement of people.
Border crossings have a function of geographical boundaries, but also a coercive role, since they prevent the free passage of people between one and another state. So, they are places that, along with a cartographic dimension, are provided with historical, economic and political reminiscences.
These old border crossing points are slowly disappearing; some are renovated and reconverted to new uses, some are destroyed for vandals, and some other just fall down due to the passing of time. So, after some few years there will be no possibility to look at this strong signs and symbols of the recent European history.

Mehr zur Ausstellung

Bildnachweis: Ignacio Evangelista

Architektur im Film – Flotel Europa

Inputreferat durch Pascal Angehrn, Geschäftsleitung NRS in situ AG / Bauen für Asylsuchende in der Schweiz, Zürich

Di 21. März 2017, 20 Uhr im Kinok

Als der Regisseur dieses Films noch ein Kind war, stand er vor dem „Flotel Europa“ – und war begeistert, dass dieses riesige Schiff im Hafen von Kopenhagen fortan für ihn, seinen älteren Bruder und seine Mutter das neue Zuhause sein würde. Zusammen mit etwa eintausend anderen Flüchtlingen aus Ex-Jugoslawien begann für sie auf dem Schiff ein neuer Lebensabschnitt. Dem Vater schickte die Familie, wie es viele Anfang der 90er Jahre machten, „Videobriefe“ in die alte Heimat. Bilder aus der Gemeinschaftsküche, von der fensterlosen Kabine, dem Fernsehsaal, von den Ausflügen mit den coolen Kumpels und einer Tanzdarbietung der unnahbaren Melisa. Durch die Montage des Materials, vor allem aber durch seine Erinnerungen an jene Zeit gelingt es Vladimir Tomic, aus Privatdokumenten, die auch für die Bebilderung von Flüchtlingselend und eine gestohlene Kindheit herhalten könnten, etwas Neues, Eigenes, Anderes zu machen. Die Perspektivverschiebung von innen nach außen macht Flotel Europa zu einem autobiografischen Film über ein Schicksal, das einen sonderbar berührt, weil es den Flüchtling aus der Opferrolle befreit – und einen schüchternen Jungen in einen sympathischen Filmstar verwandelt.

Vladimir Tomic / Dänemark/Serbien, 2015, e, 70min

Zum Trailer

Weitere Vorführungen: So 26. März 11 Uhr
Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus
YTONG
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Bildnachweis: Vladimir Tomic

Grenzen – Über die Gleichzeitigkeit von Ansichten und Aussichten

Marco Merz, Architekt, Basel

Mo 6. März 2017, 19.30 Uhr im Forum

Der Umgang mit Grenzen ist wohl eines der elementarsten Themen der Architektur, damit wir als Architekten im eigentlichen Sinn überhaupt einer Handlung befähigt werden.
Eine Wand oder eine Mauer umschliessen als primäres Element einen Raum und machen ihn zu einem bewohnbaren Innen oder einem funktionierenden Aussen, etwas Exklusivem oder Gemeinschaftlichem, etwas Abgrenzendes oder Verbindendes, dem Selbst oder dem Anderen. Die moderne Architektur löste die Geschlossenheit der Architektur auf und ermöglichte eine kontinuierliche Wahrnehmung der beiden Gegensätze, in den 70ern propagierte Rem Koolhaas dann wieder für scharfe Grenzen, um möglichst unterschiedliche Funktionen und Programme nebeneinander realisieren zu können. Mit der Gleichzeitigkeit als Ausgangspunkt versuchen wir stetig die Perspektive zu wechseln, um den Begrenzungen im Gebauten, der Bedeutung von Elementen wie Wänden und Böden, Türen und Fenstern, Ansichten und Aussichten für Haus und Stadt auf die Spur zu kommen.

www.claussmerz.ch

Einladungskarte März

Bildnachweis: Clauss Merz Gmbh für Architektur

Vom Kellerkind zum Musterknaben

Agglomerationsprogramme sind hochkomplexe Planungsinstrumente mit einer grossen Schar an Beteiligten. Alleine geht so etwas nicht. Es braucht Kooperation, wie das Beispiel Wil West zeigt.

27.02.2017 von Caspar Schärer

Beim schnellen Lesen entstehen manchmal ungewollt eigenartige Wortschöpfungen. Da wird aus «Wil West» plötzlich «Wildwest» und sofort erscheinen vor dem inneren Auge Bilder aus Westernfilmen mit ruchlosen Typen, die sich mit Gewalt holen, was sie wollen. Gesetzlos und archaisch geht es aber nicht zu und her im Westen der Stadt Wil, ganz im Gegenteil. Eine 15 Hektaren grosse Wiese zwischen Autobahn und Schweizerbund soll dort dereinst überbaut werden –  und das geht heute nicht mehr so einfach wie früher, denn die Zeit der Landnahme ist vorbei. Mit dem neuen Raumplanungsgesetz, das im März 2013 vom Schweizer Volk angenommen wurde, gelten neue Regeln. Zersiedelung ist nicht mehr so günstig zu haben wie bis anhin.

Das neue Regime betrifft an vorderster Stelle die Agglomerationen, also die Gebiete im nahen und fernen Umfeld der grösseren Städte. Hier lebt ein Grossteil der Schweizer Bevölkerung, und genau hier spielt sich das Drama des Bauens in verschärfter Form ab. Der Grund ist einfach: In den Städten gibt es kaum noch unbebaute Grundstücke, und weiter draussen auf dem Land fehlt oft die Dynamik für Investitionen.

Bei der Wiese westlich von Wil – und damit kehren wir an unseren Schauplatz zurück – ist die Ausgangslage besonders kompliziert. Auf den Nenner gebracht: Es gibt hier zu viele Grenzen. Die hoch gelobte Autonomie von Kantonen und Gemeinden steht an dieser Stelle der Entwicklung im Weg. Das Land liegt in einem Spickel des Gemeindegebietes von Münchwilen, das wiederum zum Kanton Thurgau gehört. Die Stadt Wil ist eine Gemeinde im Kanton St. Gallen – die Kantonsgrenze verläuft 700 Meter westlich des Bahnhofs. Das betreffende Grundstück (auf Thurgauer Boden) gehört dem Kanton St. Gallen; es diente einst als Landreserve für die Psychiatrische Klinik Wil. Hier kommt einer allein nicht weiter. Kooperation ist gefragt. An dieser Stelle kommen die Agglomerationsprogramme ins Spiel. Hinter dem etwas umständlichen Begriff verbergen sich hochkomplexe Studien, Auswertungen, Prognosen und Projekte, die als dicke Papier- und Datenbündel in Bern beim Bund eingereicht werden können. Sie sind ein Förderinstrument des Bundes; sechs Milliarden Franken aus dem Infrastrukturfonds stehen seit 2005 über einen Zeitraum von zwanzig Jahren für Agglomerationsprojekte zur Verfügung. Vor zwei Wochen befürworteten die Schweizer Stimmbürgerinnen und -bürger mit grosser Mehrheit einen neuen Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds, der die Finanzierung der Agglomerationsprogramme über das Jahr 2027 hinaus sicherstellen soll. Die Gelder müssen nur noch abgeholt werden. Es gibt allerdings einen Haken: Der Bund spendet nicht einfach das Geld, sondern er beteiligt sich nur an den Kosten. Ausserdem knüpft er die Gabe an qualitative Bedingungen. Die eingereichten Projekte müssen gut sein, sogar sehr gut. «Gut» meint zunächst einmal die Verbindung von Infrastruktur- mit der Siedlungsplanung. Die Erkenntnis, dass es sich hierbei um «kommunizierende Röhren» handelt, ist relativ neu. Eine Umfahrungsstrasse zum Beispiel ist nicht nur ein Verkehrsbauwerk, sondern hat weiträumige Auswirkungen. Autoverkehr verlagert sich bekanntlich sehr schnell, und neue Kapazitäten schaffen an anderen Stellen neue Engpässe.

Ausgerechnet eine Umfahrungsstrasse  zur Entlastung des Zentrums von Wil stand am Ursprung des aktuellen Agglomerationsprogramms, das im Dezember 2016 in Bern eingereicht wurde. Treibende Kraft dahinter ist die Regio Wil, die 2011 aus der 1972 gegründeten Interkantonalen Regionalplanungsgruppe Wil hervorging. Sie umfasst 22 Gemeinden, 13 davon im Kanton Thurgau, 9 im Kanton St. Gallen. Rund 114 000 Menschen leben in diesem Einzugsgebiet. Bei ihrer Eingabe zum Agglomerationsprogramm der ersten Generation musste die damalige Regionalplanungsgruppe schmerzhaft erfahren, was der Bund unter «Qualität» versteht. Das Projekt für die Umfahrungsstrasse mit Autobahnanschluss Wil-West war zu einseitig auf den Autoverkehr ausgerichtet; es gab deshalb keine Unterstützung. Das im Dezember eingereichte Programm der dritten Generation ist nun ganz anders aufgegleist – es gilt sogar schweizweit als Pionierprojekt.

Wie wurde aus dem Kellerkind ein Musterknabe? Zunächst einmal stellten die beteiligten Kantone und Gemeinden das Verkehrsprojekt der Umfahrungsstrasse in einen wesentlich grösseren Zusammenhang. Es wurde verknüpft mit der Standortentwicklung des Kantons Thurgau, die neu auf konzentrierte Wirtschaftszonen an optimal erschlossenen Lagen setzt. Wil West gehört dazu – sofern die Gleise der Frauenfeld-Wil-Bahn verlegt und eine neue Haltestelle eingerichtet wird. Und wenn ein Autobahnanschluss kommt, der allerdings von zahlreichen flankierenden Massnahmen begleitet wird, die bis in die kleinsten Dörfer der Region Wil reichen. Der so genannte Entwicklungsschwerpunkt soll zu einem erheblichen Teil auf der Wiese im Westen Wils gebaut werden. Bis zu 2000 Arbeitsplätze könnten dort entstehen. Die beteiligten Gemeinden verpflichteten sich, kein eigenes Gewerbeland mehr einzuzonen, sollte Wil West realisiert werden. Eine derart starke Solidarität unter den Gemeinden und über die Kantonsgrenzen hinaus ist für die Schweiz in der Tat ungewöhnlich.

Inzwischen gibt es einen Masterplan, in dem ein Strassennetz vorgeschlagen ist; die einstige Umfahrungsstrasse, der Autobahnanschluss und die neue Haltestelle sind darin integriert und alles greift ineinander. Darüber hinaus wurde die ganze Region gründlich durchleuchtet und ein grosser Strauss an weiteren Massnahmen vorgeschlagen. Jetzt ist es tatsächlich ein umfassendes Gesamtpaket, das an vielen Orten in der Region Wirkung entfalten und den Standort stärken wird. Entscheidend ist wahrscheinlich, dass die neue Trägerschaft ein grosses Gewicht auf die Kommunikation legt, nach innen wie auch nach aussen. In unzähligen Besprechungen mit Interessierten wurden die Projekte wieder und wieder diskutiert und angepasst. Eine von allen Gemeinden und den beiden Kantonen unterzeichnete «Charta Gebietsentwicklung Wil West» unterstreicht den gemeinsamen Willen einer ganzen Region. Das eng gefasste Gärtchendenken wurde überwunden.

Etwas Kritik muss aber zum Schluss trotzdem sein. Sowohl der Infrastrukturfonds wie auch der neue Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds bleiben letztlich das, was sie beschreiben: Kassen für den Verkehr, sei es nun mit dem Auto oder mit Bahn oder Bus. Die Agglomerationsprogramme – gerade dasjenige für Wil West – sind Schritte in die richtige Richtung, aber sie genügen nicht. Nach wie vor bleibt die Infrastrukturplanung dominierend. Erst mit einem völlig neu gedachten Fonds, der sich  stärker an Städtebau und Nutzern orientiert, ist tatsächlich ein Umbau der Agglomeration zu einer «Schweiz von morgen» möglich.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Architektur im Film – Batushas Haus

Einführung durch Tino Glimmann und Jan Gollob, Regisseure und Produzenten, Zürich

Di 21. Februar 2017, 20 Uhr im Kinok

In Pristina kennt jeder das Haus von Kadri Batusha, ein Schloss aus Stahl und Beton, das ohne Bauplan, Architekt oder Baugenehmigung aus der Erde wuchs und in den Hügeln über der Hauptstadt des Kosovo 300 Menschen beherbergt. Der Mann, der hier zum Bauherrn wurde, kennt jeden Winkel. Im Rhythmus ständig neuer Ideen wird das Bauwerk seit fünfzehn Jahren täglich ein Stück grösser. Die kaum fassbare Architektur des Gebäudes spiegelt in gewisser Weise den Lebenslauf seines Erbauers wider, der Anfang der 1980er-Jahre aufgrund seiner Beteiligung an den Demonstrationen für die Unabhängigkeit des Landes von den Serben, die damals im Kosovo das Sagen hatten, als politischer Aktivist eingestuft wurde, später ins Gefängnis kam, als Asylbewerber zehn Jahre in der Schweiz verbrachte und den 1998 ausgebrochenen Krieg erlebte… Die Bewohner von Batusha’s House bringen noch weitere Facetten dieser Persönlichkeit ans Licht. Jan Gollob und Tino Glimmann führen uns zu einer Begegnung mit jenen, die das Leben in diesem verrückten Labyrinth gewählt haben, das dem Xanadu aus Citizen Kane abgeschaut sein könnte und hier zu einer Metapher einer jungen anarchistischen Nation wird.

Tino Glimmann und Jan Gollob / CH, 2016, d, 70min

Zum Trailer

Weitere Vorführungen: So 26. Feb 11 Uhr
Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus
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Einladungskarte Februar

Bildnachweis: Tino Glimmann / Jan Gollob

Grenzen – Jenseits des Röstigrabens

Matthieu Jaccard, Architekt und Kunsthistoriker, Lausanne

Mo 6. Februar 2017, 19.30 Uhr im Forum

Der Vortrag findet in französischer Sprache statt und wird simultan übersetzt.

Die Architekturszene der Schweiz ist reich und vielfältig: Basel und Zürich stechen als Hochburgen heraus; das Bündnerland erstaunt immer wieder mit neuen Interpretationen seiner Traditionen; das Tessin zehrt von einer Generation von Pionieren, die den Umgang mit der Landschaft radikal hinterfragt haben.
Doch was wissen wir über die Romandie? Etwa über Städte wie Lausanne – das mit dem Ouest lausannois 2011 den Wackerpreis für die Innovative Entwicklung der Suburbia erhalten hat – oder über Genf, das sich aufmacht, mit dem „projet Praille Acacias Vernets“ (PAV) ein neues Kapitel in seiner Stadtgeschichte aufzuschlagen.
Neben den Bauten und Planungen erneuert sich auch die Vermittlung der Baukultur in der Westschweiz: In Lausanne entsteht mit dem „Culture du bâti“ (CUB) ein Architekturhaus, das von 17 Organisationen getragen wird. In Genf erneuert sich gleichzeitig die „Maison d’architecture“.
Cedric van der Poel nimmt uns mit auf eine Tour d’horizon jenseits des Röstigrabens. Der stellvertretende Chefredaktor der Zeitschrift Tracés, dem Schwesterblatt von TEC21 aus Lausanne, kennt sich wie kaum ein zweiter in der aktuellen Szene der Romandie aus. Als Urbanist, Anthropologe, Historiker und politischer Ökonom präsentiert Cedric van der Poel auf einem Streifzug durch die Romandie nicht nur Bauten und Projekte, sondern ebenso die gesellschaftlichen Hintergründe, die die jüngsten Entwicklungen ermöglichen.

Cedric van der Poel ist leider verhindert. Wir freuen uns, Architekt und Kunsthistoriker Matthieu Jaccard an seiner Stelle begrüssen zu dürfen.

Einladungskarte Februar

Bildnachweis: www.plateforme10.ch, Arazebra

Haus für Gastfreundschaft und Vielfalt

Kirchen bleiben heute oft leer, aber neue Kirchgemeindehäuser reagieren mit vielfältigen Räumen und Anlässen auf veränderte Bedürfnisse. Sie bereichern das öffentliche Leben. Ein Augenschein in Grabs.

21.01.2017 von Ruedi Weidmann

«Für mich ist es ein kleines Wunder», sagt John Bachmann, seit zwölf Jahren Pfarrer in Grabs, über das neue Kirchgemeindehaus. Seit einem Jahr belebt es das Dorf und hat seine Arbeit verändert. In Grabs und auf den verstreuten Höfen am Grabserberg leben ländlich und pietistisch geprägte Menschen, die tief in der reformierten Landeskirche verwurzelt sind. Weil Glarus 1517 die Grafschaft Werdenberg kaufte und 1529 den reformierten Glauben verordnete, ist Grabs eine protestantische Enklave im St. Galler Rheintal. Damals verkündete der Pfarrer in der Kirche Gottes Wort, die Erlasse der Regierung und wer unter der Woche Sitten und Gesetz verletzt und so sein Anrecht auf das wöchentliche Armenbrot verscherzt hatte. Der zwinglianische Gottesdienst war auch ein Sittengericht. Auch wenn Pfarrerinnen und Pfarrer heute weniger von der Kanzel herab predigen – Kirchen sind für frontale Kommunikation gebaut. Und alles Autoritäre verscheucht heute die Leute. Auch in Grabs ändern sich die Bedürfnisse. Es wird viel gebaut, Neuzuzüger machen die Gesellschaft bunter.

Neuer Platz als Treffpunkt
Die evangelische Kirchgemeinde Grabs-Gams beobachtet die Entwicklung schon länger. Sie erarbeitete die Vision einer lebendigen Kirche, die «Treffpunkt all der Segmente der heutigen Gesellschaft» sein soll, wie es in einem Memorandum heisst. Das alte Kirchgemeindehaus, viel zu klein und kaum zu heizen, genügte dafür nicht mehr. Die Büros der Pfarrer und Diakone waren im Ort verstreut, Aktivitäten fanden in gemieteten Räumen statt. An einer Retraite 2009 nahm ein Neubau Gestalt an. Man liess auch die Kosten einer Kirchenrenovation schätzen, entschied dann aber, ein neues Kirchgemeindehaus sei wichtiger. Die Baukommission besuchte Beispiele in der Region, sammelte Raumwünsche der aktiven Mitglieder und führte mit fachmännischer Hilfe einen Architekturwettbewerb durch. Aus dreizehn Vorschlägen kürte die Jury das Projekt des Büros Erhart Partner aus Vaduz. Die Mitglieder hiessen das Projekt gut. Bald begann der Bau, im Januar 2016 war das «Wunder» vollbracht.

Der hell verputzte, zweistöckige Quader stösst mit seiner Schmalseite an die Hauptstrasse. Zwischen ihm und der Kirche, die zurückgesetzt und etwas schief zur Strasse steht, ist ein dreieckiger Platz entstanden, der erste Dorfplatz in Grabs. Wo sich früher Autos durch Hochzeitsgesellschaften und Trauergemeinden drängten, stehen jetzt Bänke im Schatten einer Birke, die Terrasse vor dem Kirchgemeindehaus lädt zum Kaffeetrinken ein. Passanten plaudern, ein Kind spielt mit Steinchen, Schulkinder grüssen – fehlt nur noch der Brunnen, doch die Leitung ist schon verlegt.

Grosser Saal und Foyer sind begehrt
Vielfältig sind auch die Räume im Innern. Das Erdgeschoss öffnet sich mit grossen Glasscheiben zum Platz. Zwei breite Stufen führen zum Eingang und in ein geräumiges Foyer. Die linke, sonnige Seite ist als Bistro eingerichtet, durch eine Glasscheibe vom Weltladen getrennt. Die andere Seite dient als Garderobe, hinter einer Tür liegt das Sekretariat. Geradeaus tritt man in den hohen Saal. Ausgestattet mit Bühne und allem, was es für Theater-, Film- und Diskussionsabende braucht, bietet er bei Konzertbestuhlung 270 Personen Platz. Die Küche kann dank Durchreichen Saal und Foyer direkt bedienen. Ein helles Treppenhaus führt ins Obergeschoss. Der Mehrzweckraum an der Südseite eignet sich für Vorträge, Kurse oder Feiern mit bis zu 120 Teilnehmenden. Er ist unterteilbar und verfügt über eine eigene Teeküche. Zwei Sitzungszimmer und die kleinen Büros der Pfarrer und Diakone sind auf den Kirchplatz gerichtet. Der Jugendkeller des Vorgängerbaus ist erhalten geblieben. Ein Band-Übungsraum und Lagerräume für den Cevi und den Messmer ergänzen ihn. Alle Räume sind freundlich und überaus brauchbar. Die Kirchgemeinde stellt sie auch anderen zur Verfügung – gratis der politischen und der Schulgemeinde, der katholischen Kirchgemeinde und kirchennahen Vereinen, günstig den Dorfvereinen und Mitgliedern beider Kirchgemeinden, etwas teurer Nichtkirchbürgern, auswärtigen Vereinen und Firmen. Vor allem der grosse Saal und das Foyer sind begehrt. Dank ihnen ist die Kirche Grabs für Trauungen attraktiver geworden. Der «Chillekaffi» nach dem Sonntagsgottesdienst ist beliebt. Auch die Kundschaft des Weltladens und freiwillige Helferinnen und Helfer setzen sich gern zu einem Kaffee ins Foyer.

Das Angebot an Kursen, Vorträgen, Ausstellungen und Konzerten konnte erweitert werden. Nicht alle Anlässe haben einen Bezug zur Religion. Sie ziehen auch neues Publikum an. Die Vision habe sich mehr als erfüllt, sagt Kirchgemeindepräsident Karl-Heinz Haedener. Man sei fast ein wenig überrumpelt von den vielen Anfragen; der Mesmer sei bald am Anschlag. Die gleiche Entwicklung erleben auch andere neue Kirchgemeindehäuser, etwa in Wil oder Herisau.

Pfarrer Bachmann betont den Effekt gegen innen: Seit alle unter einem Dach sind, sei die Arbeit der Pfarrer, Diakone und der hier traditionell zahlreichen Freiwilligen einfacher geworden. «Man trifft sich täglich, kann sich austauschen und stärker als Einheit auftreten.» Und mit dem neuen Haus könnten sie nun etwas Wichtiges anbieten: Gastfreundschaft. Längst sind noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Bachmann testet im Saal gerade einen neuen Abendgottesdienst in Form einer Kaffeestube. Doch der wichtigste Raum ist für ihn das Foyer, weil hier Gastfreundschaft spontan und jederzeit möglich ist.

Gemeinschaft braucht Orte
In unserer Zeit wachsender Verunsicherung suchen viele Orientierung. Dafür war einst die Kirche zuständig. «Orientierung» kommt vom Kirchenbau und bezeichnete die Ausrichtung des Chors nach Osten, dem Orient. Dadurch schien die aufgehende Sonne als Symbol für die Auferstehung Christi durch die Chorfenster auf die Betenden. Auch das Aufgehobensein in einer Gemeinschaft fehlt heute vielen. Es ist der Preis für mehr individuelle Freiheit und das Abschütteln rigider Konventionen.

Gesucht sind neue, zwanglose Formen von Gemeinschaft. Auch der Wunsch nach gemeinnützigem Engagement wächst. Andererseits wachsen Bevölkerungsteile, die auf Solidarität angewiesen sind: Alte, Zugewanderte, Entwurzelte. All dies lässt sich sinnvoll miteinander verbinden, ob mit oder ohne Religion. Aber dazu braucht es Orte – und jemand, der sie pflegt –, wo Begegnungen und Austausch möglich sind und Zusammenhalt wachsen kann.

Bilder: Hanspeter Schiess

Megatrend und Mikroverdichtung

Immer mehr Menschen werden in Zukunft im Alter auf Pflege angewiesen sein. Darauf kann man mit grossen Neubauten reagieren – oder wie die Gemeinde Balzers mit gezielten baulichen Massnahmen.

17.12.2016 von Caspar Schärer

Fast jede wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Entwicklung hat früher oder später Auswirkungen auf das Bauen und damit hoffentlich auf die Architektur. Mehr Autos haben bis anhin zu mehr Strassen geführt – nun gut, das ist noch nicht Architektur. Aber all die Logistik- und Shoppingcenter an den Autobahnausfahrten könnten ruhig mehr Architektur sein. Oder das Gesundheitswesen: Politische Entscheide im Zusammenhang mit Spitallisten und ähnlichem führen zu massiven Investitionen in Krankenhäuser. Alles hängt voneinander ab; das heisst noch lange nicht, dass man dem Geschehen alternativlos ausgeliefert ist. Es gibt Entscheidungsspielraum, wie das Beispiel der bescheidenen Erweiterung eines Pflegeheims in Balzers im Fürstentum Liechtenstein zeigt.

Der auslösende Trend dahinter könnte kaum grösser sein und nennt sich «demografische Entwicklung»: Die Lebenserwartung in der Schweiz steigt unvermindert. Mittlerweile liegt sie bei etwa 83 Jahren. Ein heute Neugeborenes hat gute Chancen, das Jahr 2099 zu erleben, vermutlich auch den Beginn des 22. Jahrhunderts. Bereits über 1,5 Millionen Menschen geniessen in der Schweiz ihren Ruhestand, das sind etwas mehr als 18 Prozent der Bevölkerung. Und es werden in den kommenden Jahren deutlich mehr: Die so genannte «Babyboomer»-Generation marschiert langsam in die Pension, also Menschen, die von Anfangs der 1950-er bis Mitte der 1960-er Jahre geboren sind. Diese einzigartig geburtenstarken Jahrgänge werden eine deutlich erhöhte Anzahl an Pfegebedürftigen hervorbringen. Denn ab Mitte 80 brauchen immer mehr Menschen immer intensivere Pflege. Jede dritte Person über 85 Jahre ist mittel bis schwer pflegebedürftig.

Babyboomer stellen Gesellschaft auf die Probe
Der kleine Ausflug in die Welt der Statistik soll den abstrakten Begriff der «demografischen Entwicklung» anschaulicher machen. Dass dieser offensichtliche Megatrend früher oder später das Bauen beeinflusst, verwundert niemanden. Schliesslich müssen Alters- und Pflegeheime im Budget eingeplant und gebaut werden, sei es nun von der öffentlichen Hand oder von Privaten. Die Babyboomer werden in den kommenden Jahrzehnten das Pflegesystem und die ganze Gesellschaft auf die Probe stellen. Zurzeit leben rund 400’000 über 80 Jährige in der Schweiz, 2040 werden 880’000 erwartet.

Landauf, landab zerbrechen sich bereits heute die Verantwortlichen den Kopf darüber, wie sie dem «Ansturm» gerecht werden sollen. Die einfachste Lösung, in der Schweiz gerne praktiziert: Infrastruktur erweitern, also möglichst alle Bedürfnisse durch Bauen zu befriedigen. Das kostet zwar einiges, aber noch scheint das Geld zur Verfügung zu stehen. Deutlich günstiger wird es – diesen Weg hat die Gemeinde Balzers beschritten –, wenn man in die «Software» investiert – etwa in ein intelligentes Konzept. Balzers steht vor der Herausforderung, dass sich bis 2030 die Anzahl der über 80- Jährigen von 170 auf 340 verdoppeln wird. Danach wird sie vermutlich wieder abnehmen, da anschliessend mit der «Pillenknick»-Generation deutlich geburtenschwächere Jahrgänge ins Alter kommen.

Die Gemeinde verschaffte sich eine Übersicht und gelangte zu einer Strategie, die alle Beteiligten besser miteinander vernetzt und damit das Vorhandene effizienter nutzt. Allzu oft arbeiten verschiedene Dienste wie Pflegestationen, Spitex und andere private Stiftungen nicht Hand in Hand, sondern gegeneinander. Hinzu kommen die vielen Menschen, die ihre Angehörigen zu  Hause pflegen, immer wieder mal überfordert sind und oft nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen.

Obwohl komplett auf neue Pflegebetten verzichtet wird, erfordert das Konzept mehr Platz im Pflegeheim Schlossgarten am Fuss der Burg Gutenberg – allerdings in erster Linie Büros und flexible Mehrzweckräume. Die Gemeinde schrieb einen Wettbewerb aus und wählte ein Projekt, das sich nicht vollständig an die vorgegebenen Regeln hielt. Zwei eingeschossige Einbauten in die beiden zur Strasse hin offenen Höfe schlug das Liechtensteiner Architekturbüro von Ivan Cavegn vor; die Neubauteile ragen etwa einen Meter aus der bestehenden Fassadenfront hervor, die eigentlich gar keine Front war, sondern sich aus drei schmalen Gebäudeteilen zusammensetzte, die wie kleine Türme aufragten. Den «Rücken» bildet nach wie vor ein lang gezogener Trakt zum Garten hin. Indem Cavegn die Fassadenflucht nicht einhält, verleiht er den Einbauten eine eigene Bedeutung. Sie rücken buchstäblich in den Vordergrund und verdrängen die Parkplätze, die eigentlich hier vorgesehen waren. Stattdessen spriessen jetzt dort Büsche und Bäume in Vorgärten wie sie in der Nachbarschaft üblich sind.

Rundlauf durch den ganzen Komplex
Die neuen Grünstreifen vor dem Gebäude machen das Gebäude «wohnlicher», es wirkt weniger wie ein Pflegeheim – es heisst auch nicht mehr so, sondern Lebenshilfe Balzers. Einen vergleichbaren Effekt erzielen die beiden Einbauten selbst: Sie brechen den Massstab der grossen Struktur, führen architektonisch ein gewisses Eigenleben, füllen als Bauvolumen nicht einfach den zur Verfügung stehenden Platz auf, sondern wahren einen Abstand zum Altbau. Mit ihren dicken, sorgfältig geschalten Sichtbetonwänden und der leichtfüssigen Holzdecke setzen sie sich auch in Bezug auf Material und Konstruktion deutlich vom Bestand ab. Einer der Neubauten nimmt die Verwaltung auf, in der stationäre und ambulante Dienste wie Spitex und Familienhilfe zusammengeführt werden, der andere bietet Raum für die neue Tagesstätte für Demenzkranke.

Beide sind an verschiedenen Stellen an den Altbau angeschlossen, und so entsteht ein abwechslungsreicher Weg, ein Rundlauf, der im Erdgeschoss durch den ganzen Komplex verläuft. Überhaupt offenbart Ivan Cavegns Entwurf im Inneren eine architektonische Vielalt, die auf vergleichsweise kleinem Raum viel bewirkt und die vor allem in einem starken Kontrast steht zur eher schematischen Anlage des Altbaus. Der Rundlauf erweist sich als komplexer Mäander, man kommt vorbei an kleinen Innenhöfen, die zum Verweilen einladen, entdeckt verborgene Stuben für die Patienten, überall öffnen sich überraschende Durchblicke.

Trotz zahlreicher Ecken und Nischen findet man sich gut zurecht, auch die Dementen verirren sich nicht. Sie können auf der ganzen Strecke frei zirkulieren und sind auf diese Weise genauso Teil des Betriebs wie die Pflegekräfte und die Büromenschen. Offenheit, Erreichbarkeit, Vernetzung: Der neue Geist im Balzerser Pflegebereich hat in der Mikroverdichtung eine gebaute Entsprechung gefunden. Man nennt es Architektur.

Bilder: Hanspeter Schiess

Vor Ort – Neubau Fernwärmezentrale Waldau, St. Gallen

Baustellenbesichtigung durch Thomas Kai Keller Architekten

Mo 20. Februar 2017, 17 Uhr

Anmeldungen bis 10. Februar 2017 unter Fernwaermezentrale@nulla-f-o.ch, Teilnehmerzahl beschränkt.

Die Veranstaltung wird unterstützt durch den Kanton St. Gallen.

 

Die Fernwämezentrale Waldau ist der erste Bau der Sankt Galler Stadtwerke für die Umsetzung des Energiekonzepts 2050. Das Bausystem mit einem allseitig erweiterbaren Grundraster von 6 mal 6 Metern ermöglicht den Stadtwerken in unterschiedlichen städtischen Situationen einen wiedererkennbaren Auftritt. Nachhaltige Energieproduktion und ressourcenschonender Umgang mit dem Baumaterial Beton erhalten ihren Ausdruck in der Stadt. Die Kesselhalle ist bereits in Betrieb.

Für die bauliche Umsetzung des St. Galler Energiekonzepts 2050 streben die St. Galler Stadtwerke nach einer neuen Generation ihrer Betriebsarchitektur. Die Fernwärmezentrale Waldau ist das Gebäude erste in Reihe von Infrastrukturbauten in der Stadt St. Gallen.
Basis für die Bauten ist ein Systemgedanke, der im siegreichen Studienauftrag formuliert wurde. Das System besteht aus einer vorfabrizierten Tragkonstruktion in Beton, welche auf einem Grundraster von 6.0 auf 6.0 Meter aufbaut und im Grundsatz in beide Richtungen beliebig erweiterbar ist. Längs- und Querbalken verbinden die Stützen und bilden das Auflager für eine raumhaltig entwickelte Dachform. Optimal nach Süden geneigte Dachflächen dienen als Montageflächen für Photovoltaikelemente, während im Nordgefälle Shedfenster montiert werden können. Die Ausfachung der Wandflächen erfolgt situations- und funktionsbezogen. Bei geschlossenen Wandflächen wird vor Ort eingegossener Recyclingbeton verwendet.
Es wird eine ökonomische Bautechnik aus dem Gewerbe- und Industriebau für den stadtnahen Gebrauch verfeinert. Eine Gebrauchsarchitektur entwickelt dank ihrer Qualität eine angemessene Repräsentanz in den Quartieren.

Die Tragstruktur ist aus hochfesten vorfabrizierten Betonelementen gefertigt, die Wände sind auch an der Aussenfassade mit Mischabbruch-Recyclingbeton ausbetoniert. Die Nachbehandlung durch Stocken macht den Recyclingbeton sichtbar.
Die vorfabrizierten vorgespannten Pfeiler liegen gelenkig auf der Kellerwand auf und bilden im Knotenpunkt an der Traufe in beide Tragrichtungen biegesteife Verbindungen aus, womit ein Rahmentragwerk resultiert. Vorgespannte Träger überspannen die 18 Meter tiefen Hallen und bilden mit den Rand- und Querträgern einen Trägerrost für das Auflager der Shedelemente.
Drei 15cm dicke Faltwerkselemente überspannen das Rastermass von 6 Metern und prägen damit die Shedarchitektur.
Basierend auf Festigkeitsversuchen wurden gewaschene und  fraktionierte Recyclingzuschläge mit einem gesamten RC- Anteil von über 90 Prozent vergossen. Die Körnung zwischen 8 und 16mm besteht zu fast 100% aus Backstein, womit der gewünschte optische Effekt beim Stocken erzielt wird.

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Bildnachweis: Katalin Déer

Kunst im Forum

Tine Edel – Inside the Grain

Ausstellung: Do 03. März bis So 26. März 2017
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Do 2. März um 18.30 Uhr, Vernissage, Einführung Kristin Schmidt
Samstag 18. März, 12 – 16 Uhr, «Im Inneren der Camera Obscura», Installation.
Sonntag, 26. März, die Künstlerin ist anwesend

Belichten, entwickeln und fixieren, Reaktionen auf das Licht untersuchen, chemische Prozesse variieren, Fehler zulassen – experimentiert im weiten Feld analoger fotografischer Verfahren und Inszenierungen.
Ihre Bildwelt reicht vom rätselhaften Nachtstillleben bis zur konzeptionellen Studioaufnahme.

Flyer Ausstellung Tine Edel Inside the Grain

Tine Edel

Sommer Camp Architektur – gewonnen!

Beitrag des Architektur Forums Ostschweiz am Projektwettbewerb „150 Jahre schaffen Zukunft“

Im Mai haben wir unsere Mitglieder informiert, dass das Architektur Forum Ostschweiz ab Sommer 2018 in den Sommerferien an verschiedenen Orten Workshops mit und für Jugendliche organisieren möchte, um ihnen Architektur und Baukultur näher zu bringen.

Wir haben das Projekt beim Jubiläumswettbewerb der St.Galler Kantonalbank eingereicht und wurden aus den 338 Einreichungen als eines von insgesamt 40 Projekte für einen Unterstützungsbeitrag ausgewählt.

Wir freuen uns sehr, dass wir zu den glücklichen Gewinnern zählen und unser Projekt durchführen können!

Wir sind nun daran, das Detailprogramm auszuarbeiten, die Kursinhalte zu definieren und die Austragungsorte zu suchen.
Im Frühjahr werden wir uns melden, um Sie wieder zu informieren.

Das Projekt

An 5 Orten im Kanton können in den Sommerferien 2018 Jugendliche Baukultur entdecken – als Pilotprojekt für weitere Kurse. Während dieser Woche lernen die jungen Menschen unter Anleitung von professionellen Vermittlerinnen und Vermittlern die gebaute und gestaltete Umwelt ihrer Stadt und der Umgebung besser kennen.

Wesentlicher Fokus aller Aktivitäten ist es, Kinder und Jugendliche darin zu unterstützen, ihre alltägliche Umwelt bewusster wahrzunehmen, Raumqualitäten zu erleben und die Gestaltbarkeit ihrer Umwelt zu erkennen. Mittels unterschiedlicher methodischer Ansätze wird der Blick auf den gebauten und gestalteten Lebensraum geschärft, um letztendlich jene Sensibilität zu entwickeln, die entscheidungsfähig macht.

Weil jeder Ort seine spezifischen Eigenschaften aufweist und sich so eine Vertiefung zu unterschiedlichen Themen anbietet, werden die Resultate der fünf Kurse sich sehr unterscheiden. Eine Wanderausstellung wird diese Resultate und gewonnenen Erkenntnisse einer breiteren Bevölkerung vorstellen.

Fachleute (Architekten und Ingenieurinnen, Handwerkerinnen und Unternehmer, Raumplanerinnen und Landschaftsarchitekten) besuchen die Kurse, berichten von ihrer Arbeit und davon, wie unsere gebaute Umgebung entsteht.

Nutzen für die Menschen in den Kantonen St. Gallen und Appenzell AR
Die jungen Menschen werden eines Tages selbst bauen oder einen Beruf in der Branche ausüben. Sie sind die Bauherren und Entscheidungsträger der Zukunft. Wenn sie bereits als junge Menschen in Kontakt mit unserer gebauten Umwelt kommen und diese kennen und schätzen lernen, werden sie dereinst als Erwachsene bei Fragen zur Baukultur mündig entscheiden können.

Einbezug freiwilliger Helferinnen und Helfer
Die Mitglieder und der Vorstand des Architektur Forums Ostschweiz bringen ehrenamtlich ihr Wissen und Engagement ein. Während der Konzeptphase werden sich vorwiegend Vorstandsmitglieder engagieren, in den Ferienkursen bringen die Mitglieder des Architektur Forums Ostschweiz und der Fachverbände ihr Wissen ein.

Nachhaltige Wirkung
Ein erstes Ziel des Projekts ist es, Ferienkurse in den Sommerferien 2017 an fünf Orten in der Region durchzuführen. Diese dienen als Pilotprojekt und sollen nach dem Testlauf im Sommer 2017 jährlich wiederholt werden. Das vorliegende Projekt dient dazu, das Konzept auszuarbeiten, die Pilotprojekte durchzuführen und sie so zu dokumentieren und aufzubereiten, dass sie wiederholt werden können. Die Ferienkurse sollen in den folgenden Jahren nach dem ersten Durchgang wiederholt werden: an den ursprünglichen Orten ebenso wie in neuen Städten. Der Kurs kann auch als Teil einer Sonderwoche während des Unterrichts durchgeführt werden. Die Dokumentationen der Projektwochen stehen Lehrkräften zur freien Verfügung, um das Thema Baukultur auch in den Schulen behandeln zu können.

Wettbewerb 150 Jahre schaffen Zukunft

«Raum Zeit Kultur – Anthologie zur Baukultur» im Wettbewerb «Die schönsten Schweizer Bücher 2016» ausgezeichnet

Das Buch Raum. Zeit. Kultur, herausgegeben vom Architektur Forum Ostschweiz im Triest Verlag, gestaltet von den Grafikern Bänziger, Kasper und Florio, ist beim Schweizer Design Preis 2016 als eines von 24 schönsten Büchern ausgezeichnet worden.

Auszeichnung Design Preis Schweiz

Mehr zum Buch und über Gutes Bauen

Grenzen – Ausstellung After Schengen, European Borders

Die Ausstellung Mo 3. April 2017 bis So 30. April 2017
Öffnungszeiten: während der Veranstaltungen und jeweils Sa + So 13–16 Uhr

Vor 20 Jahren herrschte an den Grenzen der europäischen Staaten noch reger Betrieb. Seit das Schengen-Abkommen den Weg hin zur Reisefreiheit innerhalb Europas geebnet hat, verfallen die einstigen Grenzübergänge. Die Ausstellung After Schengen von Ignacio Evangelista zeigt die alten, verlassenen Grenzposten der Europäischen Union. In den Fotos wird der Betrachter eindrücklich mit Rudimenten
aus einer anderen Zeit konfrontiert, in der nationalstaatliche Grenzen in Europa noch
stark, die heutige Einheit und Freiheit nur Ideen waren.
Der in Valencia geborene Ignacio Evangelista ist ein mehrfach ausgezeichneter Fotograf. Er lebt und arbeitet in Madrid und konzentriert sich in seinen Serien auf Natur, Architektur und Porträts. Er war an verschiedenen nationalen und internationale Gruppen- und Einzelschauen beteiligt. Seine Serie «After Schengen»
wurde u.a. bereits in New York und Washington gezeigt und mehrfach ausgezeichnet.

The „After Schengen“ series shows old border crossing points between different states in the European Union. After the Schengen agreement, most of these old checkpoints remain abandoned and out of service, allowing us to gaze into the past from the present. It causes many reflections, especially in a moment that EU project it is severely discussed.
These places that prior the Schengen treaty, delimited territories and in which the traveler had to stop and show his documents, currently appear as abandoned places, located in a space-time limbo, out of use and out of the time for which they were designed, as these states have opened their borders to the free movement of people.
Border crossings have a function of geographical boundaries, but also a coercive role, since they prevent the free passage of people between one and another state. So, they are places that, along with a cartographic dimension, are provided with historical, economic and political reminiscences.
These old border crossing points are slowly disappearing; some are renovated and reconverted to new uses, some are destroyed for vandals, and some other just fall down due to the passing of time. So, after some few years there will be no possibility to look at this strong signs and symbols of the recent European history.

Mehr zur Ausstellung

Bildnachweis: Ignacio Evangelista

Einladungskarte April

Aktueller Beitrag Gutes Bauen

Ein Garten ist vor allem Atmosphäre

Beitrag vom 20. Mai 2017 von Ruedi Weidmann

Mit seinen Grünanlagen und Plätzen prägte Tobias Pauli jahrzehntelang die Landschaftsarchitektur in der Ostschweiz mit. Heute pflegt er wieder den Garten seiner Kindheit und ordnet seine Erkenntnisse.

 

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Jahresthema 2017

Grenzen

Grenzen durchdringen unser Leben und gliedern es: geografisch, hoheitlich, persönlich. Und selbst wenn wir uns gerne im Zentrum befinden, dringen wir immer wieder an die Ränder vor. Manchmal suchen wir sie geradezu, um die Komfort-Zone zu verlassen. Denn der Reiz, die Grenzen auszuloten, ist dem Menschen ebenso gegeben wie der Drang, sie zu überschreiten.
Was geschieht an den Grenzen, wo Unterschiedliches zusammenprallt und fein säuberlich auseinandergehalten wird, wo ein Gebiet endet und ein neues beginnt? Wie sieht es jenseits der Grenzen aus? Und was bewirken die Grenzen in unserem Kopf?
Diesen Fragen geht das Architektur Forum nach und überschreitet die Grenzen der Disziplinen. Es untersucht, wie sich das Bollwerk der Festung Europa – und anderswo – auswirkt, und springt über den Röstigraben, die berühmteste Sprachgrenze der Schweiz. Der Blick richtet sich daneben auf ganz alltägliche Phänomene wie die Türschwelle oder die Wand.
Ein Jahr über den Zaun, der uns umgibt – und die zahllosen Möglichkeiten, ihn zu überwinden.

Bräteln unter dem Verkehrsdenkmal

Die Felseggbrücke über die Thur bei Henau strahlt wieder wie neu. Der renovierte Pionierbau von 1933 lohnt einen Besuch.Verkehrsbauten gehören zu unserem Kulturerbe. Neue Methoden erleichtern ihre Pflege.

19.11.2016 von Ruedi Weidmann

Hell leuchtet sie im Herbstlicht und überspannt in flachem Bogen die Thur: die Felseggbrücke bei Henau. Fast wäre das Werk des Beton-Pioniers Robert Maillart den Folgen einer früheren Renovation zum Opfer gefallen. Doch nach eineinhalb Jahren hinter Baugerüsten ist es nun frisch renoviert zu besichtigen. Beim Gillhof führt ein Weg bequem ins Kiesbett der Thur hinab. Von hier aus lässt sich die sanierte Konstruktion am besten bewundern.

Die Felseggbrücke entstand 1933 als Teil der neuen Schnellstrasse Wil–Gossau. Sie ist 130 Meter lang, der Bogen überspannt 72 Meter. Maillart verband virtuos zwei Konstruktionen, den Hohlkastenträger und den Dreigelenkbogen: Die beiden Schenkel des Bogens sind hohle Kasten, leicht und trotzdem steif. Die drei «Gelenke» sind schlanke, stark armierte Stellen an den Enden und am Scheitel des Bogens. Hier kann sich die Brücke bei jeder Belastungbewegen, unmerklich, aber es reicht, damit Verbiegungen nicht von einer in die andere Brückenhälfte übertragen werden. Das schont die steifen Teile. Maillart hat diese Konstruktion erfunden. Sie sparte Material, war günstig und rasch gebaut –die Felseggbrücke in neun Monaten.

Rettung in letzter Minute
Streusalz ist Gift für Betonbrücken. Das Salzwasser dringt in den Beton ein und lässt die Armierungseisen rosten. 1987 dichtete man darum die Felseggbrücke rundum mit Epoxidharz ab. Dabei unterschätzte man, wie viel Feuchtigkeit im Beton steckte. Wegen der Plastikhaut konnte er nicht mehr austrocknen. Das Salz in der Brückegriff weiter die Armierung an; aussen war davon nichts zu sehen. Eine Kontrolle vor zehn Jahren zeigte die Folgen: Der Schaden war so massiv, dass die gesamte Fahrbahnplatte samt Brüstung und Scheitelgelenk ersetzt werden musste. Die neue Fahrbahn wurde abgedichtet, kein Wasser kann mehr von oben in die Betonkonstruktion dringen. Zum Schalen verwendete man wie früher frisch gesägte Bretter, deren Maserung nun am Beton gut sichtbar ist. An den übrigen Teilen wurde das Epoxidharz mittels Hochdruckwasserstrahl entfernt. Dabei kam die Oberfläche mit. Sie wurde mit frischem Beton aufmodelliert und mit einer neuen transparenten Lasur gestrichen.Diese ist wasserdicht, aber dampfdurchlässig, so dass der Beton atmen und austrocknen kann.

Eugen Brühwiler, Spezialist für Bauwerkserhaltung an der ETH Lausanne, hat die Denkmalpflege und das Tiefbauamt des Kantons St.Gallen beraten. Für ihn ist die Renovation gelungen. Die Brücke erfülle nun alle Anforderungen an eine moderne Kantonsstrasse, ihre besondere Form und Konstruktion konnte erhalten werden. Zu den Kosten von rund sechs Millionen Franken sagt Brühwiler: «Weil die Folgeschäden der letzten Renovation so grosswaren, kostete die Erneuerung so viel wie ein Neubau. Die renovierte Brücke ist nun aber auch gleich leistungsfähig und dauerhaft wie eine neue. Zusätzlich konnte man einen Zeugen erhalten, der für die Geschichte des Brückenbaus enorm wertvoll ist.»

Der Bauingenieur Robert Maillart gilt weltweit als Pionier des Stahlbetonbaus. Er erfand die Betondecke mit pilzörmigen Stützen und entwickelte von 1902 bis zu seinem Tod 1940 die Konstruktion von Betonbrücken weiter. In der Ostschweiz sind fünf weitere seiner Bauten erhalten: Steinachbrücke 1903 und Wasserturm 1906 in St.Gallen, die Bahnüberführung in Aach bei Romanshorn 1907 , die Thurbrücke Wattwil 1909 und die Thurbrücke bei Billwil 1904 , die von Felsegg aus auf einer stündigen Uferwanderung erreichbar ist. Maillarts Bauten sind hervorragend gestaltet,nutzten die Eigenschaften von Stahlbeton konsequent und gelten längst als Denkmäler von nationaler oder weltweiter Bedeutung. Doch das schützt sie leider nicht vor Abbrüchen. Unmittelbar
bei der Felseggbrücke hatte Maillart über den Fabrikkanal der Weberei Felsegg eine schlichte Brücke auf acht Stützen gebaut, konstruiert wie die Vorlandbrücken der Felseggbrücke. Sie hatte stark unter Salzwasser gelitten und musste 2011 ersetzt werden. Schade, findet Eugen Brühwiler heute. Das Ensemble aus Felsegg- und Kanalbrücke zeigte, wie Maillart Innovation und Pragmatik verband.

Kathedralen unserer Zeit
Doch wozu Verkehrsbauten überhaupt erhalten? Sind sie nicht einfach Zweckbauten, die stets den aktuellen Anforderungen des Verkehrs genügen müssen? «Autobahnen sind die Kathedralen unserer Zeit», sagte David Byrne schon vor dreissig Jahren in seinem Film «True Stories». Frühere Kulturen bauten Kirchen, Klöster, Burgen und Schlösser. Unsere Kultur baut seit 200 Jahren beeindruckende Strassen, Bahnstrecken, Brücken und Viadukte. Doch leider werden sie noch kaum als Kulturgut wahrgenommen, oft übersehen und vernachlässigt.

Auf Strassen, Kreuzungen, in Tunnels und Unterführungen verbringen wir viel Zeit. Sollten wir da nicht hohe Ansprüche an ihre Pflege stellen? Brücken, Stützmauern, Überführungen, Leitplanken und Geländer werden bewusst gestaltet –nicht umsonst heissen sie Kunstbauten. Für wichtige Projekte gibt es Wettbewerbe. Doch beim Unterhalt geht die Gestaltung dann meist vergessen. Strassen und Wege verlieren ihren Charakter durch viele kleine Reparaturen, die sich um das Aussehen scheren. Das zeigt etwa das Potpourri von Stützmauern und Geländern entlang vieler Bergstrassen. Brühwiler nennt noch einen weiteren Grund, warum alte Verkehrsbauten wertvoll sind: Sie speichern Wissen. Etwa,wie man Brücken mit weniger Stahl bauen kann als heute.

Bis vor kurzem wurden Brücken ersetzt, wenn sie ein bestimmtes Alter erreichten, selbst wenn sie noch intakt waren. Nun wurden an der ETH Lausanne Methoden entwickelt, um die Tragfähigkeit bestehender Bauwerke zu messen. Dabei zeigt sich, dass Brücken oft stärker sind als erwartet. Heute lässt sich messen, wo Schwachstellen sind. Ermüdete Stahl- oder Betonteile können gezielt ersetzt oder verstärkt werden. Mit wenig Aufwand werden so Brücken und Gebäude wieder für Jahrzehnte tragähig. Das spart Geld, Material und Werkverkehr und hält Bauzeugen am Leben.

Auf Gemeindeebene werden jedoch noch viele Verkehrsbauten ersetzt, weil ihr historischer Wert und die Erneuerungsmethoden nicht bekannt sind. Auf dem riesigen Gemeinde-, Forst- und Flurstrassennetz wäre ein geschichts- und materialbewusster Unterhalt besonders wertvoll. Technisch interessierte Denkmalpfleger und historisch versierte Ingenieure finden gemeinsam Möglichkeiten, wie scheinbar veraltete Bauten gezielt und günstig für eine moderne Nutzung verstärkt werden können.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Patina und Atmosphäre

Ein altes Industrieareal kann auch heute noch gut gebraucht werden. Im St.Galler Quartier Winkeln nutzen rund 70 Gewerbebetriebe die grossartigen Räume der ehemaligen Konservenfabrik.

15.10.2016 von Caspar Schärer

Nein, Alex Hanimann hat es nie bereut, dass er ein Atelier auf dem Areal der ehemaligen Konservenfabrik bezogen hat. Der 60jährige St. Galler Künstler gehört zu den langjährigen und treuen Mietern: Vor 25 Jahren hat er den Schritt aus der Innenstadt «hinaus» nach Winkeln gemacht. Die St. Galler Kunstszene ist ihm nicht gefolgt, auch wenn er nicht der einzige Künstler auf dem Konservi-Areal ist, wie es hier liebevoll genannt wird. «Mir ist das inzwischen ganz recht», erklärt Hanimann, «denn ich arbeite gerne in Ruhe». In seinem Atelier findet er ideale Bedingungen: über vier Meter hohe Räume, reichlich Platz und eine grosse Fensterfront nach Norden, auf den Fabrikhof. Gegenüber steht das mächtigste Gebäude des Areals; wenn die Fassade von der Sonne beschienen wird, leuchtet sie hell auf und strahlt in Hanimanns Atelier.

Dass sich ein Künstler gerne auf einem alten Industrieareal einrichtet, erstaunt den Journalisten aus Zürich nicht weiter. So läuft das doch immer auf diesen Brachen. Findige Immobilienspezialisten lassen Künstler und überhaupt so genannt Kreative ein paar Jahre gewähren – sie beleben das Areal und sorgen für Bekanntheit, bevor alles verschwindet und Neubauten mit Wohnungen und Büros hochgezogen werden. In vielen Schweizer Städten ist auf diese Weise ein Areal nach dem anderen umgenutzt worden.

Der Umbau von Industriebrachen gehörte in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren zu den Paradedisziplinen der Immobilienentwickler, selbst wenn in der Regel grosse Hindernisse im Weg stehen und ein solcher Prozess viel Wissen, Erfahrung und Geduld braucht. Aber am anderen Ende des Tunnels locken einfach zu schöne Rendite-Erwartungen: Oft sind die Areale gut erschlossen und die Nachfrage nach einigermassen zentral gelegenen Büro- und vor allem Wohnräumen ist fast überall hoch. In den Gewerbegebieten hingegen regiert der blanke Pragmatismus; meist stehen stumme Blechkisten beziehungslos nebeneinander. Ein über einige Jahrzehnte gewachsenes Industrieareal hat schlicht mehr Patina und Atmosphäre. Manches ist krumm und vielleicht nicht optimal, aber damit kann man sich arrangieren. Viel kostbarer als totale Perfektion sind die Räume – im Innern der Gebäude wie auch die dazwischen.

Das bestätigt Roman Holenstein von der Immobilien St. Gallen AG, Verwalter auf dem Konservenfabrik-Areal: «Die damaligen Baumeister haben uns extrem robuste Bauten hinterlassen. In einigen Gebäuden sind Bodenbelastungen von bis zu drei Tonnen möglich – im dritten Obergeschoss!»

Hierzu sollte man wissen, dass ein solcher Bau entsprechend stabil gebaut werden sollte, was ihn automatisch verteuert. Es seien aber keineswegs luxuriöse Bauten, versichert Holenstein. Die früheren Bauherren hätten genauso aufs Geld achten müssen. Aber sie hätten investiert und vielleicht nicht von jedem eingesetzten Franken verlangt, dass er im nächsten Quartal mit sechs Prozent rentiere. «Das ist im besten Sinne nachhaltig», sagt Holenstein.

Erfolgreich in der Nische
Er übernahm das Areal vor fünfzehn Jahren, kurz nach der Jahrtausendwende. Zusammen mit dem Eigentümer, dem Gossauer Nahrungsmittel-Industriellen Ernst Sutter, entwickelte er ein Vermietungskonzept, das eigentlich völlig naheliegend ist, aber aus heutiger Sicht fast schon exotisch wirkt. Sutter und Holenstein setzen auf kleine und mittlere Unternehmen, also auf KMU, die 99 Prozent aller Schweizer Betriebe ausmachen. Kleine und mittlere Gewerbebetriebe haben es zusehends schwer, in den Städten Räume zu finden – zu wertvoll ist der Boden und zu verlockend die Aussichten für die Landbesitzer, daraus mehr Kapital zu schlagen. Gleichzeitig können sie sich einen Neubau in einem Gewerbegebiet nicht leisten – sie fallen also zwischen Stuhl und Bank. In dieser Nische operieren Sutter und Holenstein mit dem Konservi-Areal, keineswegs als «Wohltätigkeitsverein», wie es der Verwalter ausdrückt. Die Liegenschaft müsse rentieren, doch er ist überzeugt davon, dass man auf diese Weise langfristig mehr Geld verdiene als mit einer Tabula-Rasa-Strategie.

Dabei ist es gar nicht so einfach, die verschiedenen Interessen und Ansprüche der Mieter zusammenzubringen. «KMU ist ein sehr allgemeiner Begriff», sagt Holenstein. «Dahinter steht eine grosse Vielfalt an Unternehmen: die sind etwas lauter, andere arbeiten eher still, bei den einen kommt täglich ein Lastwagen vorbei, die anderen tauchen nur am Wochenende auf.» Auf die enorme Diversität gibt es eigentlich nur eine Antwort: ein breites Angebot an unterschiedlichen Räumen. Genau das findet sich auf dem alten Industrieareal, Räume, die vielleicht zufällig entstanden sind und jetzt genau passen, Räume, die belastbar sind und erweitert werden können.

Rund 70 Betriebe mit 500 Arbeitsplätzen sind auf dem Konservenfabrik-Areal eingemietet, einen Überblick über die Vielfalt verschafft eine Tafel am Eingang. Das Spektrum reicht vom Nahrungsmittelfabrikanten über den Holzbauer, die Autowerkstatt und den Darmhandel bis zur Kampfsportschule und eben den Künstlerateliers.

Keine Nostalgie
Ende der 1980er-Jahre kaufte Ernst Sutter das vier Hektar grosse Areal, als die Konservenfabrik schon einige Jahre nicht mehr in Betrieb war. Die ältesten Bauten reichen bis Anfangs des 20. Jahrhunderts zurück, seither ist immer wieder etwas angefügt und neu gebaut worden. Da rücken die Bauten nahe zusammen, ein gewaltiges Dach schützt den Aussenraum vor Regen; dort wirkt es, als ob das Gebäude wie ein Wesen gewachsen sei, so unkontrolliert wurde angebaut; woanders wiederum ist der Raum klar gegliedert und übersichtlich. Bei einem Streifzug durch das Areal kommt man durch Strassen und Gassen, überquert Plätze, sieht Nischen mit Vor- und Rücksprüngen, überall Tore, Vordächer und Anlieferungsrampen.

Langeweile kommt hier nicht auf – und auch keine Nostalgie, denn Roman Holenstein ist Realist genug, um zu wissen, dass einige der Bauten am Ende ihres Lebenszyklus angelangt sind: «Dann müssen wir halt mal eines ersetzen oder aufstocken.» Veränderung, das macht er deutlich, soll weiterhin möglich sein auf dem Konservenfabrik-Areal. So wie es schon die ganze Zeit über war.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Im Wandel – Entwicklung und Aufwertung Bahnhof Nord St. Gallen

Meinrad Morger, Architekt, Basel, und Florian Kessler, Stadtplaner, St. Gallen

Mo 5. Dezember 2016, 19.30 Uhr, Rathaus 1.OG

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Das grosse öffentliche Interesse und der hohe städtebauliche und politische Stellenwert rechtfertigen eine umfassende Planung des Gebiets Bahnhof Nord. Dabei geht es über das Füllen von vorhandenen Baulücken hinaus, um die fragmentarische Wirkung der heutigen Situation zu verbessern, mit der Absicht einen lebendigen, vielfältigen, sozialen und zukunftsfähigen Ort zu schaffen. Folgende Ziele werden dabei verfolgt:
– Ausloten der nutzungsmässigen und städtebaulichen Entwicklungsmöglichkeiten zur Stärkung der Zentrumsfunktion in der Innenstadt
– Präzisierung der städtebaulichen und verkehrlichen Rahmenbedingungen mit Nutzungshinweisen für die Entwicklung des stadteigenen Areals Lagerstrasse sowie der weiteren Areale
– Aufwertung des öffentlichen Raumes innerhalb des gesamten Betrachtungsperimeters
– Partizipatives Vorgehen unter Einbezug betroffener und interessierter Kreise
Unter Einbezug verschiedener Anspruchsgruppen und der Öffentlichkeit wurden die Rahmenbedingungen für die Testplanung erarbeitet. Die Lösungsvorschläge der eingeladenen vier Teams werden wiederum mit den Anspruchsgruppen und der Öffentlichkeit diskutiert und die Erkenntnisse fliessen ein in die Empfehlung an den Stadtrat.
Architekt Meinrad Morger, Fachexperte Beurteilungsgremium, und Stadtplaner Florian Kessler informieren über die Erkenntnisse.

Einladungskarte Dezember

Informationsanlass

Nachhaltiges Bauen nach SNBS

Mo 28. November 2016, 19.30 Uhr im Forum

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Begrüssung: Martin Hitz, Präsident NNBS

Der Leitfaden SNBS: Werner Binotto, Kantonsbaumeister, St. Gallen
SNBS in der Praxis: Barbara Beckmann, EK Energiekonzepte AG
Nachhaltiges Bauen – anders gedacht: Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre, Publizist
Diskussion und Fragen / Moderation: Silvia Gemperle, Energieagentur St. Gallen

Vor Kurzem wurde in Bern der Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) der Öffentlichkeit vorgestellt und die Zertifizierung für den Standard lanciert. Ziel des SNBS ist es, die Bereiche Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt und deren Wechselwirkungen umfassend in Planung, Bau und Betrieb eines Objekts mit einzubeziehen. Das Netzwerk Runder Tisch Energie und Bauen, St. Gallen, hat dazu einen Leitfaden ausgearbeitet, der Bauherrschaften und Planende darin unterstützt, ein Bewusstsein für die Thematik zu entwickeln.

Kein Eintritt

www.nnbs.ch

Im Wandel – Baukultur als Baukunst

Martin Tschanz, Architekt und Kritiker, Zürich / Lukas Imhof, Architekt, Zürich / Johannes Brunner, Architekt, Balzers

Mo 7. November 2016, 19.30 Uhr im Architektur Forum Ostschweiz

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Der Begriff «Baukultur» taucht vermehrt im architektonischen Diskurs der letzten Jahre auf. Er ist jedoch so umstritten wie ungenau definiert. Letztlich meint er die Gesamtheit jener Dinge, mit denen der Mensch seine Umwelt prägt – vom Einzelobjekt über den Städtebau bis zur Gestaltung der Kulturlandschaft. Die Veranstaltung versucht, innerhalb dieses weiten Feldes einen einzelnen Aspekt von Baukultur zu beleuchten: den Beitrag der Architektur. Architektur wird dabei auf die elementarste, kleinste Form heruntergebrochen: das einzelne Objekt als gebauten, also konkreten Beitrag zur Baukultur. Wir reden über die Kunst, gut zu bauen, und meinen damit das Zusammenspiel all jener Kräfte, die einen Bau prägen – von der Region über den Kontext bis zur Raumabfolge, von der Ökonomie bis zur Handwerkstechnik. Und wir thematisieren Strategien und Probleme beim Umgang mit diesen zuweilen gegensätzlich wirkenden Kräften.

Lukas Imhof, Architekt, und Martin Tschanz, Architekt und Kritiker, halten je ein Einführungsreferat. Im Anschluss diskutieren die Referierenden mit Johannes Brunner, Architekt, unter Einbezug des Publikums.

Landquarts langer Weg zur Kleinstadt

Der Fabrik- und Eisenbahnerort Landquart mausert sich zum Regionalzentrum. Gute Architektur und ein wachsendes Einkaufs- und Gastroangebot ziehen Bewohner an. Der öffentliche Raum belebt sich. Dahinter stehen eine beharrliche Ortsplanung.

14.09.2016 von Ruedi Weidmann

Bis 1858 gab es Landquart gar nicht. Dann bauten die Vereinigten Schweizer Bahnen die Bahnlinie Rheineck–Chur. Bei der Brücke über die Landquart stellten sie eine Station in die Wiese – die Loks mussten Wasser tanken. Jemand zog eine Linie durchs Gras zur Deutschen Strasse hinauf: die Bahnhofstrasse. Der erste, der sie für eine gute Adresse hielt, war ein Wirt. Der Optimist baute an der Bahnhofstrasse 1 ein Hotel und nannte es «Landquart». Für seine Gäste, die von hier aus eine Kutsche nach Davos nahmen, liess er einen grossen Park mit prächtigen Bäumen anlegen. Seither gab es immer wieder Anläufe, Landquart zu einer Kleinstadt zu machen. Heute steht es knapp vor dem Ziel.

Der Bahnhof als Motor
Mit dem Bahnanschluss entstanden am Mühlbach Fabriken, darunter die bekannte Papierfabrik. 1889 eröffnete die Landquart–Davos-Bahn. Sie wurde zur Rhätischen Bahn, ihre Werkstatt zur Hauptwerkstätte der RhB. An der Bahnhofstrasse entstanden Wirtschaften, Lebensmittelläden und enge Arbeiterwohnungen. Landquart war nun Verkehrsknoten und Eisenbahnerort. Es wuchs, aber ein schmuckes Städtchen wurde es nicht. Thomas Mann nannte es im Roman «Zauberberg» «eine windige und wenig reizvolle Gegend».

Bis zum Ersten Weltkrieg entstanden weitere Gasthöfe, die Landwirtschaftliche und die Gewerbeschule, eine Kirche, das Primarschulhaus. Auf Land der SBB und der RhB wohnten Bähnlerfamilien in kleinen Häusern mit grossen Gärten. Heimatstil war die Architektur der Stunde. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Wohnblöcke und vier Wohnhochhäuser hinzu. 1964 kam die Autobahn. Sie brachte keinen Boom, im Gegenteil: Man fuhr jetzt an Landquart vorbei direkt nach Davos. Das Industriegebiet wuchs, aber die Automatisierung frass die Arbeitsplätze weg. An der Bahnhofstrasse wurden die Hotels zu Beizen und die Fassaden grau, Läden standen leer, das Kino ging zu. Was blieb, war der Verkehrsknoten. Migros und Coop erkannten als erste Landquarts Potenzial als regionales Dienstleistungszentrum. Um 1990 entstand so an beiden Enden der Bahnhofstrasse ein Supermarkt. Sie waren so gross, dass es Sonderbauvorschriften brauchte. Das zwang die Gemeinde, sich mit Ortsplanung zu beschäftigen. Das war der Anfang des Aufschwungs.

Doch Ortsplanung braucht Ausdauer. Visionen stossen zuerst stets auf Skepsis, und bis Entwicklungen sichtbar werden, müssen sie jahrelang vorbereitet werden. Wie ist da Planen überhaupt möglich? Bei allen erfolgreichen Beispielen steht ein tatkräftiges Team dahinter, in dem Politik, Verwaltung und Fachleute über Jahre am gleichen Strick ziehen. In Landquart waren es der Gemeindepräsident, der Leiter des Bauamts und der beauftragte Ortsplaner. Seit den Neunzigerjahren sammelte das Trio Bedürfnisse, definierte Ziele, entwarf Pläne, beriet Bauherrschaften und vernetzte sich mit allen, die helfen konnten. In unzähligen Gesprächen überzeugte es Grundbesitzer, Investoren und Bewohner, dass alle profitieren, wenn jeder seinen Beitrag zu mehr Qualität leistet. Kommunikation ist das A und O jeder Ortsplanung.

Bis 2000 war die Zonenordnung überarbeitet. Sie erlaubte dichteres Bauen in der Kernzone. Gleichzeitig sorgte der neue generelle Gestaltungsplan dafür, dass Neubauten den Strassenraum einheitlich fassten. Und mit Bearth & Deplazes, den Architekten des spektakulären ÖKK-Hauptsitzes an der Bahnhofstrasse, entwickelte die Gemeinde ein wirkungsvolles Instrument, mit dem sie bei der Qualität von privaten Bauvorhaben mitreden kann: die Urbane Zone. Hier darf ein Investor noch einmal dichter und höher bauen, sofern er die Wünsche der Gemeinde nach gemischter Nutzung, sorgfältiger Einpassung und guter Gestaltung umsetzt. Das Resultat wird sichtbar: In Landquarts Bahnhofstrasse lässt sich heute flanieren, denn die neuen Bauten bieten allen etwas.

Vom Kiesweg zum Boulevard
Das Hotel Landquart ist verschwunden, aber einkehren kann man zum Beispiel im Boulevardcafé im gleissend weissen ÖKK-Hauptsitz oder im gestylten Café Central. Daneben Läden, Bankfilialen, die schöne Volksbibliothek. Die Neubauten sind abwechslungsreich, aus Glas, Backstein oder Beton, aber stets mit gemischter Nutzung: Über den Läden liegt eine Büroetage, darüber drei bis fünf Wohngeschosse. Dies führt dazu, dass jederzeit Menschen zu Fuss unterwegs sind. Die hohen Zeilen bilden einen geschlossenen Strassenraum. Doch öffnen sich Durchgänge in offene Höfe und zu den Wohnbauten in der zweiten Reihe. Zwischen den Neubauten zeugen das Hotel Schweizerhof in schönem Heimatstil und kleine Wohnhäuser mit farbigen Gärten von Landquarts Tourismus- und Industrie-Ära.

Letztes Jahr ist der Gemeindepräsident im Amt verstorben, und der Leiter des Bauamts wurde pensioniert. Für den Ortsplaner bedeutet das, die nächste Generation Politiker und Gemeindeangestellte in die Zusammenhänge und die Planungsinstrumente einzuführen. Weil es so lange dauert, bis Ortsplanung wirkt, sollte sie kontinuierlich fortgeführt werden. Lässt man nach, sinkt die Qualität der Entwicklung Jahre später und lässt sich dann nur sehr langsam wieder korrigieren.

Der Erfolg bringt auch neue Aufgaben. Je mehr sich Landquart erneuert, umso wichtiger werden seine Wurzeln. Ein Inventar der historischen Bauten fehlt noch. Die Primarschule Rüti, das Hotel Schweizerhof, ein Wohn- und Geschäftshaus am Kreuzplatz und weitere öffentliche und private Häuser bilden ein eindrückliches Heimatstil-Ensemble. Sorgfältig revitalisiert, könnten sie zum Merkmal Landquarts werden und dafür sorgen, dass im raschen Wandel das Heimatgefühl nicht verloren geht.

Drei kleine Plätze und ein grosser Platz
Landquarts Lebensader, die Bahnhofstrasse, soll noch belebter werden. Die Gemeinde will den Strassenraum neu gestalten, mit mehr Bäumen und drei Plätzchen. Richtig gross ist der Bahnhofplatz, wo alles anfing. Die eine Hälfte ist seit kurzem eine Begegnungsfläche mit Bäumen, Brunnen und Bänken. Über Mittag sitzen Angestellte, Schüler und ältere Leute auf den Bänken, vor dem Bahnhofbuffet und dem Restaurant Binari.

Seit letztem Jahr steht auf der Südseite das regionale Verwaltungszentrum des Kantons, von Jüngling und Hagmann gekonnt proportioniert. Es ist überraschend hoch, doch der grosse Platz erträgt das gut. Die Fassade wird flankiert von zwei mächtigen Blutbuchen. Gepflanzt hat sie vor 160 Jahren der optimistische Hotelier, der fest daran glaubte, dass Landquart eine Stadt werden würde.

Bild: Michel Canonica

BSA @ AFO – Wie kommt die Kunst zum Bau?

Di 25. Oktober 2016, 18.30 Uhr, Werkhof des Gartenbauamtes, Stephanshornstrasse 6, St. Gallen

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«Kunst am Bau» ist ein kultureller Anspruch, einen gewissen Anteil der Baukosten für Kunst zu verwenden. Im neuen Werkhof des Gartenbauamtes der Stadt St. Gallen geht diese Kunst eine geradezu symbiotische Verbindung mit dem Gebäude ein. Ursprünglich waren die Architekten allerdings der Ansicht, dass es keine Kunst braucht. Der Entwicklungsprozess mit dem Künstler hat sie geläutert und
zu eigentlichen Verfechtern gemacht. Das Beispiel zeigt gut, dass «Kunst am Bau» nicht immer einen leichten Stand hat. Der Abend mit dem BSA geht deshalb der Frage nach, wie man «Kunst am Bau» fördert, wie man gute Projekte evaluiert und welche Beiträge Architektinnen und Architekten, Künstlerinnen und Künstler sowie die Bauherrschaft leisten können und sollen.

Karin Frei Rappenecker, Kunsthistorikerin, Tanja Scartazzini, Fachstelle «Kunst am Bau» Kanton Zürich, und Patric Allemann, Architekt, halten je ein Einführungsreferat. Im Anschluss diskutieren die Referierenden mit den Kunstschaffenden Katja Schenker und  Josef Felix Müller, seit 2014 auch Präsident der visarte Schweiz. Das Podium wird geleitet von Erol Doguoglu, Kantonsbaumeister
Thurgau.

Eine Führung durch den Werkhof und ein Apéro riche bilden den Abschluss des Abends.
Anmeldungen bis Di 18. Oktober 2016 unter Gartenbauamt@nulla-f-o.ch
Teilnehmerzahl beschränkt, Parkplätze vor Ort

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Pressemitteilung AFO

Die Weiterentwicklung des öffentlichen Raums ermöglichen

Das Architektur Forum Ostschweiz begrüsst die Ablehnung des Baugesuchs Parkhaus am Schibenertor als Entscheid mit hohem Sachverstand und Weitblick.

Das Architektur Forum Ostschweiz hat mit Befriedigung vom Entscheid der städtischen Baubewilligungskommission Kenntnis genommen. Der Entscheid, der aus städtebaulichen und denkmalpflegerischen Gründen gefällt worden ist, entspricht genau den Kriterien, welche an solch prominenter Lage bei Bauaufgaben im öffentlichen Raum angewendet werden müssen.

Nach der vom Volk abgelehnten Marktplatzvorlage ist die Parkierungsfrage im Raum um den Marktplatz bereits vor einiger Zeit strategisch neu angegangen worden. Mit dem Ausbau des Parkhauses ‚Unterer Graben’ wurde dabei die Grundlage für eine unvoreingenommene städtebauliche Auslegeordnung beim Marktplatz geschaffen. Bei dieser Auslegeordnung hat die Beeinträchtigung des öffentlichen Raums durch das Parkhaus am Schibenertor nun keine Berechtigung mehr.

Der Stadtraum am Schibenertor ist ein wichtiges städtebauliches Gelenk, das zwischen dem Bahnhofsplatz, dem charaktervollen Quartier zwischen Poststrasse und Blumenbergplatz sowie dem Marktplatz-Bohl vermittelt. Der Obere Graben ist zwar stark vom Verkehr beansprucht, gleichsam aber ist die bestehende Verkehrsinsel mit dem Baumbestand eine wertvolle räumliche Reserve für zukünftige bessere oberirdische Verbindungen zwischen Bahnhof und Marktplatz. Der Bau einer Parkhauseinfahrt inmitten des Strassenraums verbaut alle Möglichkeiten für die Weiterentwicklung dieses innerstädtischen Raums.

Als isolierte Massnahme ohne übergeordnetes Gesamtkonzept für den öffentlichen Raum am Marktplatz und dem Oberen Graben macht das Parkhaus zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn. Das mit 80 privaten Stellplätzen fast zur Hälfte privat genutzte Parkhaus rechtfertigt den massiven Eingriff in das Stadtgefüge nicht. Dabei geht es nicht um das berechtigte private Interesse an einer Tiefgarage, sondern darum, dass der massive Eingriff für ein relativ exklusives privates Interesse nicht im angemessenen Verhältnis zur öffentlichen Bedeutung des Ortes steht.

St. Gallen ist daran, mit Neuinvestitionen in den Bahnhofsplatz und mit der Neuorganisation der Bahnhofsgelände ‚Bahnhof Nord’ und ‚Bahnhof St. Fiden’ städtebaulich eine Erneuerungsrunde aufzubauen. Bauvorhaben wie der Bau einer Parkhauseinfahrt an zentralster öffentlicher Lage sowie das Unterbauen eines grossen Strassenstücks blockieren übergeordnete und inspirierende Gedanken für die Stadtentwicklung. Dabei geht es um räumlich attraktive Lösungen für die Vernetzung im Langsamverkehr, die Anpassung der Strassenzuschnitte an die E-Mobilität, aber auch um den Ausbau und die Trasseeführung des öffentlichen Verkehrs.

Der öffentliche Raum in absoluter Citylage ist so vielschichtig mit öffentlichen Interessen belegt, dass städtebauliche und denkmalpflegerische Interessen ebenso berechtigt sind wie verkehrstechnische oder vordergründig wirtschaftliche Interessen. Aus vielen erfolgreichen Wirtschaftsgeschichten im Stadtzentrum kann gelernt werden, das heutzutage nur die „weichen Faktoren“ eine ernstzunehmende Chance für das Gewerbe in einem städtischen Zentrum sind. Technokratisch gedachte Verkehrsinfrastrukturen, welche die Aufenthaltsqualität im Zentrum verbauen, schaden der Stadtentwicklung. St. Gallen kann sich solche Rückschritte im Stadtzentrum nicht leisten. Hohe Bau- und Gestaltungskultur ist in der City nicht Liebhaberei, sondern das Handwerk für eine erfolgreiche Entwicklung der Zukunft.

 

St. Gallen, 7.10.2016

Im Wandel – Buchtaufe «Gutes Bauen Ostschweiz»

Andrea Wiegelmann, Verlegerin; Caspaer Schärer, Autor und Erol Doguoglu, Kantonsbaumeister Thurgau

Mo 3. Oktober 2016, 19.30 Uhr im Forum

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Buchtaufe im AFO! Die Auszeichnung Gutes Bauen Ostschweiz wurde abgelöst durch eine Serie von Artikel in der Tagespresse: 31 Artikel sind in der Periode 2011 – 2015 im St.Galler Tagblatt und im Liechtensteiner Vaterland erschienen. Die Berichte sind nun in Buchform zusammengestellt, ergänzt um zwei Fotostrecken und drei Essays zu den Themen Raum, Zeit, Kultur. Das Buch ist der erste Band zu einer Reihe, die alle fünf Jahre um einen weiteres Volumen anwächst. Die Bücher dokumentieren, welche planerische Themen in der Ostschweiz relevant waren und über diese Gesamtschau wird greifbar, was die Region bewegt.
Zusammen mit der Verlegerin Andrea Wiegelmann, dem Autor Caspar Schärer und dem Thurgauer Kantonsbaumeister Erol Doguoglu reflektieren wir den Prozess und diskutieren die Bedeutung der Berichterstattung über Architektur. Und wir feiern die Taufe des Buches!

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Gutes Bauen Ostschweiz

 

 

Im Wandel – Das S AM ist unterwegs

Andreas Ruby, Direktor schweizerisches Architekturmuseum, Basel

Mo 5. September 2016, 19.30 Uhr im Oberen Graben 42

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Seit dem 1. Mai 2016 leitet Andreas Ruby das Schweizerische Architekturmuseum S AM. Seit Beginn des Jahres ist er in der ganzen Schweiz unterwegs, um sich mit den verschiedensten Akteuren auszutauschen und wichtige Impulse für seine Aufgabe im S AM zu sammeln. Ein wichtiger Teil seiner Arbeit ist die schweizweite Vernetzung und die intensivere Nutzung von akademischen und professionellen Ressourcen für die Etablierung des S AM als Institution für die ganze Schweiz.
Mit seiner Vortragsreise möchte sich Andreas Ruby dem breiten architekturinteressierten Publikum schweizweit vorstellen und zeigen, was ihn antreibt, inspiriert und wie er arbeitet: «Architekturausstellungen werden oft vorwiegend für Eingeweihte gemacht. Das würde ich gerne überwinden durch leichter zugängliche Darstellungsformen, die ihren Gegenstand sinnlich und vielschichtig vermitteln. Ich bin an einer Kunst der Ausstellung interessiert, die keine Angst hat vor dem Populären, dem Spielerischen und dem Humor. Architektur darf auch unterhalten, wie man an Jacques Tati und Ken Adam sehen kann, und dasselbe gilt auch für Ausstellungen über Architektur.»

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte September

Schweizerisches Architekturmuseum

 

 

ArchitekTour

Bordeaux

Do 1. September – Mo 5. September 2016

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Lange Zeit stand Bordeaux im Schatten der Grand Crus, galt als schmutzig und unsicher, bis sich Alain Juppé als Bürgermeister der Stadt annahm: Das Tram kehrte zurück, Fassaden wurden dank Subventionen gereinigt, die Ufer der Garonne saniert, es entstand der «Miroir d’eau» und auch die Cité des Civilisations du Vin ist im Werden. Bordeaux hat eines der schönsten und einheitlichsten Stadtbilder des . Jahrhunderts und wurde deshalb in die Liste der UNESCO Weltkulturgüter aufgenommen.
Uns erwartet ein abwechslungsreiches Programm. Neben der ersten Siedlung von Le Corbusier, der «Cité Frugès», werden wir das bekannte Privathaus von Rem Kohlhaas besichtigen. Ebenso werden wir eine Reihe unlängst fertiggestellter Projekte besuchen, wie z.B. das Hotel Saint-James von Jean Nouvel, den Umbau von drei sozialen Wohnungsbauhochhäusern von Lacaton & Vassal, den eröffneten Konzertsaal Le Rocher de Palmer von Bernhard Tschumi und das  eröffnete neue Stadion von Bordeaux von Herzog & de Meuron.

Das Detailprogramm ist in Bearbeitung und wird den Teilnehmern bei der Abreise abgegeben. Teilnehmerzahl min. 18, max. 24 Personen.
Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt. Versicherung und ggf. Reiserücktrittsversicherung sind Sache des Teilnehmers. Änderungen bleiben vorbehalten.

Kosten Mitglieder 890.–* / Nichtmitglieder 990.–*
* Inklusive Flug mit easyjet ab Basel, Hinflug: Do 1. September, 19.10 – 20.40 Uhr, Rückflug: Mo 5. September, 12.30 – 13.55 Uhr, Handgepäck, 4 Übernachtungen mit Frühstück im DZ (EZ-Zuschlag: 200.–), ÖV, Bus, Führungen und Eintritte.
Mittagessen Fr–So im Preis inbegriffen. Mitgliederpreis ohne Halbtax: 950.–, mit GA: 830.–, Aufpreis Aufgabegepäck: 50.–

Mitgliedschaft Architektur Forum Ostschweiz
Profitieren Sie vom Mitgliederpreis und melden Sie sich jetzt zur Mitgliedschaft im Architektur Forum Ostschweiz an.

Ausgebucht – keine Anmeldung mehr möglich!

ArchitekTour Bordeaux

Museumsnacht – Ausstellung Bundesbauten

mit Felix Stickel und Konzert von Tim & Puna Mimi

Sa 10. September 2016, 18–01 Uhr im Forum, mit Barbetrieb

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Barbetrieb ab 18 Uhr

Konzerte 20 und 22 Uhr

Ticket 20.– für Eintritt in alle beteiligten Museen und Shuttlebusse
www.museumsnachtsg.ch

 

Ausstellung Bundesbauten – Die Architektur der offiziellen Schweiz

Die Immobilien im Eigentum des Bundes – ob Bürogebäude, Zollanlagen oder die Botschaften im Ausland – bilden die Architektur der offiziellen Schweiz. Die Wanderausstellung «Bundesbauten » gewährt auf ihrer Tour durch das ganze Land Einblicke in die vielfältige Bautätigkeit des Bundes von 1848 bis heute.
Wenn von Bauten des Bundes die Rede ist, denkt man ans Bundeshaus und an moderne Verwaltungszentren. Zum Portfolio des Bundes gehören aber nicht nur Büro-, Parlaments-, Regierungs- und Gerichtsgebäude, sondern auch verschiedene Sportanlagen, Kunst- und Kulturbauten, Bildungs- und Forschungsanlagen, Zollgebäude und natürlich sämtliche Botschaften der Schweiz im Ausland. Als gebaute Zeitzeugen sind sie alle Spiegel der politischen, wirtschaftlichen und historischen Prozesse in der Schweiz.
Das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) verwaltet und unterhält diesen Baubestand, passt ihn veränderten Bedürfnissen an und erweitert ihn wenn nötig. Die Werkschau erzählt die Geschichten der Bauwerke und lädt anhand ausgewählter Bauten ein, auf Spurensuche nach dem baulichen Erbe des Bundes zu gehen. Die Ausstellung wird in acht Schweizer Städten gastieren. Erste Station war Lausanne, den Abschluss bildet Bern.
Ausstellung und Rahmenprogramm

Insert Felix Stickel

Wie komme ich zum Bild? Was ver bindet es mit der Welt? Felix Stickel erforscht Bildzugänge angefangen von der eigenen Imagination bis hin zu dreidimensionalen Modellen. Der Künstler präsentiert Einblicke in seine Recherchearbeit und Ausblicke auf seine kommende Ausstellung im Architektur Forum.
felix-stickel.ch

Konzert

Tim & Puma Mimi bringen Gurken zum Klingen, elektrifizierten den eigenen Körper und singen auf Japanisch. Spielerisch verbinden sie Europa und Asien, Elektro und Folklore, Pop, Punk und Publikum.
timpuma.ch

Neuhausen bricht auf in die Zukunft

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Die Stadt am Rheinfall ist Teil des Grossraums Zürich geworden. Das zeigt sich an den vielen Projekten, die in den letzten zwei Jahren
publik geworden sind. Im Zentrum stehen die neue S-Bahn-Haltestelle und mehrere Industrieareale, die sich für verdichtetes Bauen eignen.

27.08.2016 von Caspar Schäfer

«Millionenzürich»: Vor einigen Jahren schaffte es dieser Begriff aus der Welt der Fachleute in die Tageszeitungen. Er macht deutlich, dass Zürich mehr ist als nur die Stadt selber und dass sie ihr Einzugsgebiet erheblich erweitert hat. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer «Metropolregion», oder eben vom «Millionenzürich». Das Besondere an der Metropole Zürich ist ihre Vielgestaltigkeit. Sie besteht bei weitem nicht nur ausder grossen Kernstadt am See, sondern setzt sich aus vielen kleineren und grösseren Städten zusammen. Zug gehört dazu, Baden ebenfalls, Frauenfeld mittlerweile auch – und im Norden Schaffhausen und Neuhausen am Rheinfall.

Projekte Schlag auf Schlag
Bis anhin war in Neuhausen die Metropole nicht gross zu spüren. Ein fernes Brummen war mal lauter, mal leiser vernehmbar. Grundsätzlich fühlte man sich weit genug entfernt von der Grossstadt, die wie überall in der Schweiz eher skeptisch beobachtet wird. Inzwischen ist jedoch die Metropole in Neuhausen angekommen, und wie: Innert kürzester Zeit wurden in der Gemeinde am weltberühmten Rheinfall Schlag auf Schlag so viele neue und grosse Bauprojekte bekannt, dass den Neuhauserinnen und Neuhausern fast Hören und Sehen vergeht. Was ist da los? Warum plötzlich diese Unrast? Schliesslich ist die Bevölkerung in Schaffhausen und Neuhausen zwischen 1995 und 2012 kaum gewachsen.

Drehscheibe am Industrieplatz
Die Vermutung liegt nahe, dass die im Dezember 2015 in Betrieb genommene S-Bahn-Haltestelle «Neuhausen Rheinfall» eine wichtige Rolle spielt. Früher förderte in erster Linie die Autobahn die Erreichbarkeit und damit die Zersiedelung. Dabei wird der Faktor «Erreichbarkeit» nicht in Kilometern, sondern in Zeiteinheiten gemessen: Wie viele Minuten Fahrt ist das Zentrum entfernt? Diese Frage ist für Pendler von zentraler Bedeutung.

Das Schweizer Stimmvolk hat 2013 dem neuen Raumplanungsgesetz zugestimmt, in dem zum ersten Mal der Grundsatz des «haushälterischen Umgangs mit dem Boden» tatsächlich Rechnung getragen wird. Vorher war es einfach ein Satz, den mehr oder weniger alle fröhlich ignorierten. Jetzt geht das nicht mehr. Der Kanton Schaffhausen hat zwar grosse Baulandreserven, muss diese nun aber reduzieren. Verdichtung nach innen heisst heute: Dort bauen, wo die Erschliessung mit öffentlichen Verkehrsmitteln bereits gut ist. Das ist nun mal in den beiden den Zentrumsgemeinden Schaffhausen und Neuhausen eher der Fall als anderswo im Kanton. Mit der neuen S-Bahn-Haltestelle wird das Zentrum von Neuhausen auf einen Schlag nicht nur gut, sondern gleich hervorragend erschlossen.

Somit ist Neuhausen am Rheinfall auf der Landkarte der Immobilienentwickler aufgetaucht – jenen Unternehmen also, die von jedem Grundstück in der Schweiz sämtliche Vor- und Nachteile kennen. Dass sich im Zentrum Neuhausens gerade die Lagegunst bedeutend verbessert hat, wissen sie seit 2011, als die Bevölkerung des Kantons Schaffhausen den Ausbau der S-Bahn an der Urne genehmigt hat. Praktischerweise befinden sich neben der neuen Haltestelle gleich mehrere immobilientechnisch interessante Areale. Da ist zunächst das riesige SIG-Areal, für das ein sorgfältiger Masterplan erarbeitet und im August der Bevölkerung vorgestellt wurde.

Gleich nebenan, rund um den Industrieplatz und direkt an der Haltestelle, wurden für drei weitere Gebiete Planungen bekannt, und auch im Zentrum selber sollen Neubauten entstehen. Am Industrieplatz stehen noch zwei bis dreigeschossige Häuser, etwas eigenwillig zusammengestellt und unverkennbar in die Jahre gekommen – das alte, vielleicht etwas schrumpleige Neuhausen. Nun ist aber die S-Bahnstation da, und der Kanton hat den Industrieplatz zu einem so genannten Entwicklungschwerpunkt der Agglomeration Schaffhausen erklärt. Für alle Projekte wurden unter Architekten Wettbewerbe ausgeschrieben, einen gewann sogar der britische Stararchitekt Tony Fretton, der bekannt ist für seine unaufgeregte Gelassenheit. Die Projekte wirken auf den bisher bekannten Bildern deutlicher städtischer als der Neuhauser Durchschnitt: Ihre Fassaden erscheinen weltläufiger, aber auch etwas weniger verwurzelt mit dem Ort. Eines lässt sich jedenfalls jetzt schon sagen: Rund um den Industrieplatz wird – wenn alles so kommt wie  zur Zeit vorgesehen – unübersehbar an der Metropolregion gebaut.

Anbinden an die Stadt
Ein Stück hangaufwärts, wieder an einer Bahnstation, dieses Mal jener der Deutschen Bahn, liegt mit dem Rhytech-Areal ein weiteres Gebiet, das sich von der Lage her ideal für eine Verdichtung eignet – jedenfalls beinahe. Innerstädtische Industriebrachen wie diese sind eine Kostbarkeit, sind sie doch in der Regel verhältnismässig gut erschlossen. Dafür fehlt die Anbindung an die umliegenden Quartiere, weil die Areale einst als geschlossene Bereiche konzipiert waren, die eben gerade nicht von jedermann durchquert werden konnten. Die neue Verknüpfung mit dem umgebenden städtischen Gewebe stellt eines der grössten Probleme jeder Umnutzung eines Industrieareals dar – auch und gerade beim Rhytech-Areal taucht diese Frage ganz vorne auf.

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Die Klettgauer- und Zollstrasse, die das Areal im Nordwesten und Nordosten begrenzen, gehören zu den am stärksten befahrenen Strassen des Kantons. Bis anhin war das zumindest für das Rhytech-Areal nicht weiter von Bedeutung. Nun aber, wenn dort gewohnt werden soll, werden der Lärm und der unablässige Strom von Autos und Lastwagen zum Problem. Es braucht einiges an architektonischem und städtebaulichem Geschick, um die «Insel» Rhytech-Areal wieder in die alltäglichen Fusswege der Neuhauser einzubinden. Auch hier wurde ein Wettbewerb unter Architekten ausgeschrieben, den der Zürcher Peter Märkli für sich entscheiden konnte. Märkli steht wie Fretton für hohe Qualität der Räume und der Ausführung, aber auch ein Star kann nicht die Welt komplett verändern. Die Anbindung an die umliegenden Quartiere müssen Gemeinde und Kanton lösen.

Zu reden in Neuhausen gab das Projekt auf dem Rhytech-Areal aber wegen ganz anderer Dinge. Vorgesehen sind zwei Wohnhochhäuser, und dies sorgt in der Schweiz immer für Gesprächsstoff. So richtig willkommen waren sie ausserhalb der Städte nie, obwohl sich die Stimmung in den letzten zehn, fünfzehn Jahren wieder etwas zu ihren Gunsten geneigt hat. Auf dem Rhytech-Areal bündeln die beiden Türme einen Grossteil der neuen Wohnnutzung und schaffen auf dem Boden Platz für eine weitläufige Plattform, auf der man sich frei bewegen kann.

Vor allem aber können Altbauten erhalten werden, so etwa eine der Industriehallen. Die Halle 22 ist ein wichtiger «Identitäts-Anker», der daran erinnert, dass Neuhausen nicht nur eine Wohnstadt, sondern dass hier auch gearbeitet wird. Die beiden Hochhäuser wiederum werden (wie so oft) zum sichtbaren Zeichen eines Aufbruchs. Neuhausen hat eine Zukunft, das ist immerhin schon mal etwas.

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Bilder Hanspeter Schiess, Visualisierung pd

Bundesbauten – Die Architektur der offiziellen Schweiz – Vernissage

Mit Beiträgen von Astrid Staufer, Architektin, Frauenfeld, Barbara Suter, Leiterin Bauten Inland III, Lorenz Bettler, Ausstellungsleitung

Vernissage zur Ausstellung Mo 22. August 2016, 19.30 Uhr im Forum

bundesverwaltungsgericht stauffer hasler

Die Immobilien im Eigentum des Bundes – ob Bürogebäude, Zollanlagen oder die Botschaften im Ausland – bilden die Architektur der offiziellen Schweiz. Die Wanderausstellung «Bundesbauten » gewährt auf ihrer Tour durch das ganze Land Einblicke in die vielfältige Bautätigkeit des Bundes von 1848 bis heute.
Wenn von Bauten des Bundes die Rede ist, denkt man ans Bundeshaus und an moderne Verwaltungszentren. Zum Portfolio des Bundes gehören aber nicht nur Büro-, Parlaments-, Regierungs- und Gerichtsgebäude, sondern auch verschiedene Sportanlagen, Kunst- und Kulturbauten, Bildungs- und Forschungsanlagen, Zollgebäude und natürlich sämtliche Botschaften der Schweiz im Ausland. Als gebaute Zeitzeugen sind sie alle Spiegel der politischen, wirtschaftlichen und historischen Prozesse in der Schweiz.
Das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) verwaltet und unterhält diesen Baubestand, passt ihn veränderten Bedürfnissen an und erweitert ihn wenn nötig. Die Werkschau erzählt die Geschichten der Bauwerke und lädt anhand ausgewählter Bauten ein, auf Spurensuche nach dem baulichen Erbe des Bundes zu gehen. Die Ausstellung wird in acht Schweizer Städten gastieren. Erste Station war Lausanne, den Abschluss bildet Bern.

Die Ausstellung dauert von Mo 22. August 2016 bis Sa 10. September 2016
Öffnungszeiten: während der Vernissage, Museumsnacht und jeweils Mo bis Fr 8–18.30 Uhr.
Eintritt frei.

 

Besichtigung des Bundesverwaltungsgericht mit Architekt Rico Lauper, Staufer & Hasler Architekten, Frauenfeld
Sa 10. Sept 2016, 14 Uhr und 15.30 Uhr, Haupteingang Bundesverwaltungsgericht, Kreuzackerstrasse 12, 9000 St.Gallen
Die Besichtigungen sind kostenlos und dauern ca. 1 h. Bitte mit vollständigem Namen und gewünschter Uhrzeit anmelden unter: anmeldung.bundesbauten@nullbbl.admin.ch

Angaben zu Anfahrt und Rahmenprogramm unter www.bundesbauten.ch

Bestellen Sie das Buch zur Ausstellung unter www.hochparterre.ch

Einladungskarte Ausstellungen August Bundesbauten_2016

Dorfpark gegen Wachstumsschmerzen

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Schon dass ein Dorf einen Park anlegen lässt, ist ungewöhnlich. Doch der neue Dorfpark im liechtensteinischen Triesen zeigt den Dorfbewohnern auch noch, wie sie einige Dinge ändern könnten, die ihnen das Leben schwer machen.

23.07.2016 von Ruedi Weidmann

 

Triesen liegt prächtig am Osthang des Rheintals. Etwa 5000 Menschen leben hier inmitten von Weiden, Baumgärten und Rebbergen mit Blick über die weite Ebene auf Alvier, Pizol und Alpstein. Die meisten wohnen in einem Einfamilienhaus mit Garten. Wozu braucht es da einen Park? Tatsächlich kann man den Dorfpark leicht übersehen, obwohl er direkt an der Landstrasse liegt, die als Lebensader durch Liechtensteins Dörfer führt. Auf den ersten Blick unterscheidet ihn nichts von anderen Wiesen im Dorf. Das ist so gewollt. Den Landschaftsarchitektinnen Catarina Proidl und Jacqueline Kissling lag viel daran, dass er sich möglichst selbstverständlich in die Umgebung einfügt.

Ländliche Szenerie
Zwei geschwungene Fusswege führen durch die hohe Blumenwiese an zwei grossen alten und einem Dutzend junger Obstbäume vorbei auf die Gemeindeverwaltung zu. Nach einigen Schritten wird klar, es ist kein gewöhnlicher Baumgarten – oder «Bongert»,wie man hier sagt. Unter einigen Bäumen ist das Gras kreisförmig gemäht. In diesen Rasenkreisen stehen Tische und Stühle aus leuchtend blauem Blech. Wo das Gelände gegen das Gemeindehaus abfällt, liegt ein Podest mit Kiesbelag und hölzernen Sitzstufen, darauf ein Brunnentrog aus Stahl. Das Plätschern übertönt den Lärm der Landstrasse. Eine verführerische ländliche Idylle! Zwei Treppen führen hinauf zu den Büros der Gemeindeangestellten, in einen schmalen Durchgang zum Gemeindesaal und auf die Terrasse der benachbarten Musikschule. Es ist nicht zu übersehen, dass das 1980 erstellte Gemeindehaus dem Park seine Rückseite zuwendet. Auch die 2004 gebaute Liechtensteinische Musikschule stösst mit einer fast fensterlosen Mauer an den Park, das ältere Wohn- und Geschäftshaus vis-à-vis wendet sich ebenfalls ab. Man merkt, dass der Park nach den Häusern entstanden ist.

Gemeindehaus im Abseits
Um 1980 hatte man wie überall die Hauptstrasse mit ihrem wachsenden Verkehr als Lebensraum aufgegeben. Das neue Gemeindehaus entstand etwa fünfzig Meter abseitsan einer Nebenstrasse. Unter und neben dem Neubau gab es jede Menge Parkplätze, aber ein Zugang von der Landstrasse her, wo der Bus hält, fehlte, und ebenso ein Garten. Zwischen Gemeindehaus und Landstrasse standen ein Bauernhof und die alte Post, sie wurden abgebrochen. Zurück blieb eine Brache mit einer verwilderten Hecke und Trampelpfaden zur Hintertür der Gemeindeverwaltung. Ein unangenehmer Ort, der bei Festen zum Pissoir verkam.

Die Bürgergenossenschaft Triesen, die das Kulturerbe der «Bongert» pflegt, pflanzte 2006 auf der Brache Apfel- und Birnbäume. Und als 2013 die Gemeindeverwaltung erweitert und renoviert wurde, konnte der Wunsch nach einem Aussenraum und einem Zugang von der Landstrasse erfüllt werden. Die Gemeinde erwarb den Baumgarten von der Bürgergenossenschaft, liess die Hintertreppe vergrössern und gab Catarina Proidl aus Schaan den Auftrag, einen Park zu gestalten. Diese zog Jacqueline Kissling aus Rorschach bei.

Aus Hinterhof wird Vorgarten
Wie verbindet man Hintertreppen, Rückansichten und Restflächen zu einem Garten? Die Landschaftsarchitektinnen gingen sanft an die Aufgabe heran. Sie suchten verborgene Qualitäten und verstärkten diese klug: Die Obstbäume liessen sie stehen. Die neuen Wege legten sie auf die Trampelpfade, wo sie ja offensichtlich einem Bedürfnis entsprachen. Sie verwendeten die roten Pflastersteine, die schon um das Gemeindehaus verlegt waren, und die weissen Hortensien, die da , schon wuchsen. Die blau-weisse Hibiskushecke vor der Musikschule verlängerten sie über die Strassenseite des Parks. Indem sie aufgriffen, was schon da war, konnten sie die zerstückelte Umgebung zusammennähen. Die verwilderte Hecke verschwand mit Ausnahme von zwei Linden. Nun ist das Gemeindehaus von der Landstrasse aus sichtbar. Die Besucher des Jugendtreffs belegen abends die Sitzstufen am Brunnen, die Angestellten nutzen die blauen Tische. Zwar ist die Rückseite nicht zum Haupteingang geworden, doch der Park hat das Gemeindehaus mit wenig Aufwand näher dahin gerückt, wo er hingehört: ins Zentrum, an die Hauptstrasse, zu den Bürgerinnen und Bürgern.

Wohlstand und Vereinzelung
Hinter dem Dorfpark steht aber noch ein anderes Bedürfnis. Es hängt mit der Umwälzung zusammen, die in Triesen im Gang ist: Das einstige Bauern- und Industriedorf wandelt sich zur Agglomerationsgemeinde in einer boomenden Dienstleistungsökonomie. Der wachsende Wohlstand geht mit einer enormen Bautätigkeit und Individualisierung einher. Liechtensteins Dörfer wachsen zusammen, die Landstrasse kann die Autos nicht mehr schlucken. Es gibt hier zwei pro Haushalt, man fährt zum Mittagessen nach Hause. Man lebt im Einfamilienhaus, im Büro, im Auto, im Stau. Man verliert sich aus den Augen. Die Gemeinden spüren die Folgen der Vereinzelung, etwa bei der Betreuung von pflegebedürftigen Menschen.

Städte haben Rezepte gegen diese Wachstumsfolgen erfunden. Ihre Dichte ermöglicht Nähe und Austausch. Einen «dörflichen» Lebensstil findet man heute am ehesten in dichten Innenstadtquartieren, wo die Mehrzahl ohne Auto lebt und man sich in Quartierläden und Cafés begegnet. Dafür leiden heute Agglomerationsgemeinden unter Verkehr und Anonymität. Sollen sie Stadt werden? Nicht alle können das. Viele wollen lieber Dorf bleiben – oder besser: das Dorf wiederbeleben. Dafür müssen sie städtische Rezepte an lokale Traditionen anpassen.

Neuer Lebensstil
Nun ist klar, wozu Triesen einen Park braucht: nicht zur Verschönerung – als Treffpunkt. Leise und charmant macht er ein Angebot für einen anderen Lebensstil mit weniger Hektik und Mobilität, dafür mit mehr Musse und Austausch. Mit Brunnen, Obstbaum, Kiesweg, Tisch und Stuhl haben die Gestalterinnen dörfliche Zutaten für das städtische Rezept Park gefunden. So fällt er nun kaum auf, hält das Können und die Sorgfalt, mit der er gestaltet ist, fast zu sehr unter dem Deckel. Aber es gelingt ihm das Beste, was ein Garten leisten kann: ein einladender Ort zu sein.

Noch wird er nicht überrannt, doch geschätzt. Es scheint eine Frage der Zeit, bis es auch hier üblich wird, den Mittag im Park zu verbringen. Der Dorfpark Triesen ist Teil eines globalen Trends, der Rückeroberung des öffentlichen Raums als Lebensort. Nicht jede Wiese darf Bauland werden. Ein Dorf braucht seinen «Bongert» und die Menschen

 

Bilder Hanspeter Schiess

Eine Brücke, die das Auge schärft

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Die Taminabrücke reiht sich ein in den Stammbaum des Schweizer Brückenbaus. Trotz ihrer spektakulären Konstruktionsweise inszeniert sie nicht sich selber, sondern die Landschaft. Die Spannbeton-Bogenbrücke über die Tamina wird nächstes Jahr eröffnet.

 

18.06.2016 von Rahel Hartmann Schweizer

Unser Land sei durchlöchert wie ein Schweizer Käse, besagt ein Bonmot, das den Respekt vor der ingenieurtechnischen Leistung verhehlt. Erst vor zwei Wochen wurde mit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels ein Jahrhundert-Durchstich gefeiert. Die Schweiz ist aber nicht minder ein Brückenland. Ebenso wie Erhebungen untergraben, werden Täler und Schluchten überbrückt. Das Schweizer Schienennetz ist mit 8200 Brücken bestückt und die Autobahnen mit deren 3000. Die Topographie der Schweiz – ansonsten Aushängeschild für die Tourismuswerbung – wird auf der Ebene des Verkehrs nivelliert. Das wird einem besonders bewusst, wenn man im Ausland unterwegs ist und Serpentine um Serpentine erklimmt, mittels derer Hügelzüge und Talsohlen umfahren werden.

Während Tunnels den Eingriff in die Landschaft naturgemäss kaschieren, treten Brücken markant in Erscheinung – manche von ihnen sind dem Landschaftsschützer ein Dorn im Auge. Die in den 1970er Jahren gebaute Sihlhochstrasse vor den Toren Zürichs ist ein Schandfleck par excellence. Und Rekorde sind nicht per se bemerkenswert. So ist die mit 3155 Metern längste Brücke der Schweiz, das Viaduc d’Yverdon, die vier Gewässer, mehrere Strassen und die Eisenbahnlinie Lausanne–Yverdon quert, alles andere als eine Augenweide.

Inszenieren oder sich einfügen
Beispiele wie dieses führen dazu, dass die Bevölkerung Brückenbauten ambivalent gegenübersteht. Meist werden sie als reine Zweckbauten empfunden. In vielen Fällen sind sie das jedoch keineswegs. Ingenieure wie Robert Maillart in der Vergangenheit und Conzett, Bronzini & Gartmann, Christian Menn, Fürst Laffranchi in der Gegenwart forschten und forschen an Lösungen, die konstruktive mit ästhetischer Qualität verbinden, Tragfähigkeit mit Formschönheit, so dass Brücken nicht als Riegel wirken, als Barrieren die Topographie negieren, sondern ihren spektakulären Aspekt inszenieren. Dabei gibt es verschiedene Interpretationen des Inszenierens. Es kann bedeuten, «eine Landmarke zu erstellen», also das Bauwerk in den Vordergrund zu spielen, oder aber konträr meinen, die spektakuläre Landschaft zu unterstreichen, indem das Bauwerk sich in sie einfügt.

Mehr als nur Talhälften verbinden
Die 24 Projekte, die bei dem vom Kanton St. Gallen 2007 ausgeschriebenen Wettbewerb für den Bau der Taminabrücke eingereicht wurden, waren ein Abbild dieser beiden Entwurfshaltungen. Wohl bewerkstelligten alle Projektverfasser die Verbindung der Dörfer Valens und Pfäfers, die durch eine 200 Meter tiefe Schlucht voneinander getrennt sind, ohne Zwischenabstützung, das heisst, ohne die Talsohle zu berühren. Doch die Ausbildungen als Sprengwerke, Hänge- oder Schrägseilbrücken, Rahmen- oder Fachwerkkonstruktionen waren in erster Linie Zeugnisse brillanter Ingenieurskunst. Demgegenüber gelang dem deutschen Ingenieurbüro Leonhardt, Andrä & Partner mit ihrem Stahlbetonbogen die Inszenierung mittels Einpassung. Mit ihrem Stahlbetonbogen gewann das Büro denn auch die Ausmarchung.

Die bisherige Gemeindestrasse von Bad Ragaz nach Valens führte durch ein Rutschgebiet, was sie gefährlich und oft sanierungsbedürftig machte. An den Bau der Brücke knüpft sich daher nicht nur die Absicht einer kürzeren Verbindung zwischen Pfäfers und Valens, sondern auch die Hoffnung auf eine sichere Erschliessung der Klinik Valens, deren wirtschaftliche Prosperität dem Kanton am Herzen liegt. Und schliesslich wünscht man sich auch die Entlastung des Ortskerns von Bad Ragaz.

Schonender Freivorbau
Am 28. März 2013 erfolgte der Spatenstich. Zunächst wurden die Fundamente, die sogenannten Kämpfer, erstellt. 2014 wurde der Bogen mit seinen 265 Metern Spannweite in Angriff genommen und im Freivorbau mittels Hilfspylonen und Rückhaltekabeln von beiden Talflanken her in Richtung Scheitelpunkt errichtet. Auf diese Weise bedurfte es keines Lehrgerüsts, so dass die Schlucht, die ein Schongebiet ist, kaum angetastet wurde.

Ausserdem wurden ökologische Ersatzmassnahmen ergriffen. Sie beinhalteten die Bachrevitalisierung im Gebiet Valur, die Schaffung von Querungsmöglichkeiten für Wildtiere und von Strukturen für Fledermäuse an der Brücke sowie des Naturwaldreservats Badtobel, die Planung von neuen Obstgärten und die Instandstellung beziehungsweise der Ersatz von Trockensteinmauern.

Auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Spatenstich wurde am 28. März 2015 der Bogen der Brücke geschlossen. Er zeichnet sich durch eine Eleganz aus, die einerseits von den radial angeschlossenen Bogenstützen ausgeht, die den Schwung des Bogens betonen. Andererseits dynamisiert die Asymmetrie – auf der einen Seite sind es zwei Bogenstützen, auf der anderen deren drei – die Spannung der Überbrückung. Sie vermittelt den Eindruck eines beweglichen Überspringens der Schlucht.

Maillard-Kapitel fortsetzen
Wenn die Spannbeton-Bogenbrücke über die Tamina nächstes Jahr eröffnet wird, schreibt sie ausserdem ein Kapitel fort, das Robert Maillart mit der 1930 errichteten Salginatobelbrücke zwischen Schiers und Schuders gewissermassen aufgeschlagen hat. Ebenso wie diese sensibilisiert sie nicht nur für den Wert von Infrastrukturbauten, sondern auch für die Landschaft, deren Schönheit manches Auge erst durch sie erkennt.

Bundesbauten – Die Architektur der offiziellen Schweiz – Ausstellung

Die Ausstellung dauert von Mo 22. August 2016 bis Sa 10. September 2016
Öffnungszeiten: während Vernissage, Museumsnacht und jeweils Mo bis Fr 8–18.30 Uhr.
Eintritt frei.

bundesverwaltungsgericht stauffer hasler

Die Immobilien im Eigentum des Bundes – ob Bürogebäude, Zollanlagen oder die Botschaften im Ausland – bilden die Architektur der offiziellen Schweiz. Die Wanderausstellung «Bundesbauten » gewährt auf ihrer Tour durch das ganze Land Einblicke in die vielfältige Bautätigkeit des Bundes von 1848 bis heute.
Wenn von Bauten des Bundes die Rede ist, denkt man ans Bundeshaus und an moderne Verwaltungszentren. Zum Portfolio des Bundes gehören aber nicht nur Büro-, Parlaments-, Regierungs- und Gerichtsgebäude, sondern auch verschiedene Sportanlagen, Kunst- und Kulturbauten, Bildungs- und Forschungsanlagen, Zollgebäude und natürlich sämtliche Botschaften der Schweiz im Ausland. Als gebaute Zeitzeugen sind sie alle Spiegel der politischen, wirtschaftlichen und historischen Prozesse in der Schweiz.
Das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) verwaltet und unterhält diesen Baubestand, passt ihn veränderten Bedürfnissen an und erweitert ihn wenn nötig. Die Werkschau erzählt die Geschichten der Bauwerke und lädt anhand ausgewählter Bauten ein, auf Spurensuche nach dem baulichen Erbe des Bundes zu gehen. Die Ausstellung wird in acht Schweizer Städten gastieren. Erste Station war Lausanne, den Abschluss bildet Bern.

 

Besichtigung des Bundesverwaltungsgericht mit Architekt Rico Lauper, Staufer & Hasler Architekten, Frauenfeld
Sa 10. Sept 2016, 14 Uhr und 15.30 Uhr, Haupteingang Bundesverwaltungsgericht, Kreuzackerstrasse 12, 9000 St.Gallen
Die Besichtigungen sind kostenlos und dauern ca. 1 h. Bitte mit vollständigem Namen und gewünschter Uhrzeit anmelden unter: anmeldung.bundesbauten@nullbbl.admin.ch

Angaben zu Anfahrt und Rahmenprogramm unter www.bundesbauten.ch

Bestellen Sie das Buch zur Ausstellung unter www.hochparterre.ch

Einladungskarte Ausstellungen August Bundesbauten_2016

Vor Ort – Krematorium St. Gallen

Besichtigung und Führung durch Büro Andy Senn, St. Gallen

Mo 20. Juni 2016, 12 – 13.30 Uhr Friedhof Feldli, St. Gallen

Krematorium St Gallen Andy Senn

Neubau Krematorium St. Gallen

Situation, Ausgangslage
Das Grundstück liegt nordwestlich der bestehenden Anlage. Die Topographie mit ihren teilweise steilen Böschungen prägt das Grundstück stark. Es wird auf drei Seiten von der Hätterenstrasse eingefasst und im Osten durch eine friedhofsinterne Strasse begrenzt. Das Baufeld liegt auf einem Plateau zwischen der bestehenden Urnenhalle im Norden und der Hätterenstrasse im Süden. Der Neubau fügt sich entlang dem Verlauf der nördlichen Böschungskante in das Gelände ein und wird dadurch leicht aus der Geometrie der bestehenden Urnenanlage gedreht. Als Rückgrat des Bauvolumens führt der offene Kolonnadengang zum Eingang und verbindet  die Zugangsstrasse mit dem Friedhof. Im Wechsel von Tageslicht und Schatten markiert er symbolisch den Übergang vom Aussen zum Innen. Im angrenzenden Volumen wird das Raumprogramm auf L-förmigem Grundriss organisiert. Zusammen mit der Kolonnade umschliesst es einen Innenhof.

Architektur, Konzept
Über diesen offenen Kolonnadengang wird der Trauernde geschützt zum Eingang geleitet. Zwischen den Säulen öffnet sich der Raum jeweils zur Landschaft und bieten die Möglichkeit den Blick schweifen zu lassen, sich zu sammeln und langsam und in Ruhe anzukommen. Die Wandscheibe aus Lochmauerwerk lenkt den Blick und die Bewegung Richtung Eingang. In der klaren Begrenzung des hellen Empfangsraumes wirkt die Natur des begrünten Innenhofs durch die dünne Trennlinie der raumhohen Fenster sehr präsent nach. Diese Thematik des Übergangs und der Trennung wird nun durch den Wechsel von Innen und Aussen, geschlossen und offen, Tageslicht und Schatten in den für die Besucher zugänglichen Räumen, ihrer jeweiligen Bedeutung entsprechend weitergeführt. Die Aufbahrungsräume bleiben rundum geschlossen und erhalten nur durch das Oberlicht ein Streiflicht auf die Wandfläche. Der Andachts- und der Kultraum sind an der Ostseite zum Friedhof hin orientiert. Durch die thermische Trennung der raumhohen Fensterfront, filtert das vorgelagerte Lochmauerwerk den Lichteinfall und die Ausblicke. So entsteht im Innern durch die Motive der Lichtzeichnungen die erforderliche sakrale Stimmung jenseits einer vorgefassten Ikonographie. Es ist ein Raum, der die verschiedenen Religionen vereint.

Materialkonzept
Die skulpturale Gebäudeform tritt im Grünraum der Friedhofsanlage mit einer Haut aus dunkelbraunen Klinkersteinen in Erscheinung. Die Wände sind im flämischen Verband gemauert und partiell als Lochmauerwerk ausgebildet. In der Kombination von Perforation, Ornament  und Textur entsteht eine Ziegeloberfläche mit interessanten Licht- und Schattenspielen. Im Innenraum wird dasselbe Sichtmauerwerk in den öffentlich zugänglichen Räumen verwendet. So bilden die umgrenzenden Mauern einen einheitlichen, monolithischen Raum mit einer fassbaren und ablesbaren Oberfläche. (Zusammen mit den Naturbelassenen Materialien des Terrazzobelages, der Lehmverputzten Decke und der Holzfenster wirkt der Raum als ein Ort der Ruhe und Geborgenheit.)

Anmeldungen bis Fr 10. Juni 2016 unter Krematorium@nulla-f-o.ch

Name/ Büro Anzahl Mitglieder ggfs. Nichtmitglieder

Teilnehmerzahl beschränkt
Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Mitgliedschaft Architektur Forum Ostschweiz

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Im Wandel – raumlaborberlin – some ideas for better cities

Jan Liesegang, Architekt, Berlin

Mo 6. Juni 2016, 19.30 Uhr im Forum

raumlabor berlin

Die große Masse an Architektur, die heute produziert wird, befindet sich aus unserer Sicht gestalterisch und funktional auf einem sehr niedrigen Niveau. Wir denken, es wird in der Zukunft um eine Steigerung dieser Standards, um Qualitätsverbesserung gehen, nicht nur im Bereich der Energieeffizienz, sondern im Sinne der Verbesserung unseres gesamten Lebensumfelds durch Umbau und Umprogrammierung. Architekten müssen sich mehr als Gestalter gesellschaftlicher Transformationsprozesse engagieren und gemeinsam mit Vertretern anderer Professionen politisch agieren, dafür kämpfen, dass die Raumproduktion nicht von rein ökonomischen Verwertungsstrategien dominiert wird.
Welche Techniken ermöglichen es uns, sozial, räumlich und tektonisch interessante und relevante Entwurfsideen zu entwickeln? Wie schaffen wir es, uns einerseits auf die Potentiale und Bedingungen eines Ortes, Programms und der damit verbundenen Akteure einzulassen und trotzdem frei und spielerisch zu architektonisch interessanten Ideen zu kommen? Wie können wir mit Anwohnern und Nutzern einen produktiven Diskurs über die Gestaltung Ihrer Nachbarschaften und Städte führen, ohne dabei in stereotype, vorhersehbare Abfragemuster zurück zu fallen. Dies sind Fragen, die uns im raumlaborberlin seit langem beschäftigen und die zu speziellen Arbeitsweise geführt haben. Dabei spielen Methoden wie prozesshaftes Entwerfen, intensives Aufnehmen und Kartieren von vorhandenen Potentialen vor Ort, 1:1 Experimente und besonders das gemeinsame Bauen eine zentrale Rolle.

www.raumlabor-berlin.de

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Eine bessere Landschaft modellieren

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Hunderttausende Tonnen Aushub und Bauschutt werden in der Deponie Tüfentobel jährlich gesammelt. Das Material aus einem Einzugsgebiet, das vom Bodensee bis ins Toggenburg und von Wil bis an den Alpstein reicht, wird hier zu einer neuen Landschaft geformt.

 

14.05.2016 von Caspar Schäfer

Ein Bauboom ist anhand mehrerer Merkmale zu erkennen. Zunächst fallen natürlich die vielen Neubauten auf, seien es nun Einfamilienhäuser, Wohnsiedlungen, Gewerbebauten oder Fussballstadien. Vielleicht bemerkt der eine oder andere die Profilstangen der Baugesuche, bereits bevor gebaut wird. Schliesslich ragen überall dort, wo gebaut wird, die Kräne in den Himmel und erzählen weithin erkennbar von der Dynamik der Veränderung.

Generationenprojekt
Weniger sichtbar und abseits des allgemeinen Interesses gibt es einen weiteren Indikator, der sehr  direkt mit der Bautätigkeit verknüpft ist und der sich bei näherer Betrachtung als gar nicht so unscheinbar herausstellt. In der Deponie Tüfentobel werden jährlich Tausende, ja Hunderttausende Tonnen von Aushubmaterial von zahlreichen Baustellen angeliefert. Jedes Einfamilienhaus mit Keller, jedes Bürogebäude mit Tiefgarage und erst recht ein Shoppingcenter liefert Aushub in die Deponie. Es ist dies nichts weniger als die gewaltige Verschiebung von Erde aus einem Einzugsgebiet, das vom Bodensee  bis ins Toggenburg und von Wil bis an den Alpstein reicht.

Aber was interessiert schon eine Deponie? Wir lassen dort bekanntlich Material verschwinden – in dem Fall Aushub – das wir nicht mehr gebrauchen und deshalb nicht mehr sehen wollen. In der sowieso schon kleinräumig organisierten Schweiz, die zusehends dichter besiedelt wird, lässt sich aber eine Deponie immer weniger verstecken. Das zeigt sich exemplarisch an der Deponie Tüfentobel. Sie ist keineswegs abgelegen, liegt knapp ausserhalb der Stadt St.Gallen in deren Westen – und das Material verschwindet auch nicht, im Gegenteil: Es wird zum Bau einer neuen Landschaft verwendet. Aus dem von unzähligen Einfamilienhauskellern verdrängten Erdreich entstehen weiche Hügelzüge, verschiedene Bachläufe und ein Wald mit Lichtungen und allem Drum und Dran. Wie das Hausbauen erfordert auch das Landschaftbauen die kluge Umsicht von Ingenieuren und die formende Hand eines Gestalters, hier das Büro PR Landschaftsarchitektur aus St.Gallen und Arbon.

Im Tüfentobel wird seit Mitte der 1960er-Jahre Material deponiert. Die Arbeit begann unten an der Sitter bei der Spisegg. Schon 1964 wurde fast das ganze Tobel bis hoch nach Engelburg als Gebiet für die Deponie reserviert. Ursprünglich wäre einfach das ganze Tal bis oben hin aufgefüllt und anschliessend wieder rekultiviert worden. Mitte der 1980er-Jahre setzte ein Umdenken ein, während das deponierte Material langsam den Hang hinauf wuchs: Wenn eine Landschaft schon derart stark beansprucht wird wie dasb Tüfenbachtobel, könnten die Verursacher der Natur ja wieder etwas zurückgeben. Man könnte sich sogar vornehmen, dass die Landschaft nachher «besser» ist als vorher, also vielfältiger, abwechslungsreicher und vor allem attraktiv für Flora und Fauna.

Das sind schöne Gedanken, die aber der Konkretisierung bedürfen. Erste Vorstudien wurden gemacht und erste Grobprojekte erarbeitet. Es eilte nicht, schliesslich handelt es sich um ein Generationenprojekt, das über Jahrzehnte hinaus wirksam ist. Die neue Landschaft, die da entworfen wird, bleibt dann bis auf weiteres bestehen – so lange, dass unsere Urenkel gar nicht glauben wollen, dass diese Hügel aus den 2040er-Jahren künstlich sein sollen. Gemeinsam mit Spezialisten des Erdbaus, der Geologie und Hydrologie und natürlich mit dem Betreiber der Deponie entwickelten die Landschaftsarchitekten ein neues Konzept für ein Gebiet mit einer Längenausdehnung von  1,2 Kilometern und 100 bis 200 Metern Breite.

Technik und Gestaltung
Wie bei jedem Bauprojekt gilt es funktionale und technische Bedingungen einzuhalten. So kann gewisses Material nicht ohne weiteres deponiert werden, weil darin biologische oder chemische Reaktionen stattfinden, die man gerne unter Kontrolle behalten möchte. Jedes Material hat seine Eigenschaften und lässt sich auf unterschiedliche Arten zu Hügeln aufschichten – um ein Abrutschen zu verhindern, darf  in bestimmter Böschungswinkel nicht überschritten werden. Zu diesen zwingend zu erfüllenden Anforderungen kommen nun gestalterische Leitlinien, die keineswegs «weicher» sind. Zwei der  wesentlichsten sind prägend für die künftige Landschaft im Tobel.

Die wohl wichtigste Massnahme ist die Freilegung des Tüfenbachs und seiner seitlichen Zuflüsse, die zurzeit noch unter der Deponie in betonierten Kanälen fliessen. Mit der Renaturierung verbunden ist das zweite zentrale Anliegen der Landschaftsarchitekten: Die durchgehende Hangkante im Osten des Deponie-Perimeters soll erhalten bleiben, um die Landschaft weiterhin «lesbar» zu machen. Ihr entlang wird der Tüfenbach fliessen, und so ein vertrautes Bild erzeugen. Ein etwas mehr als 300 Meter langes Teilstück des Tüfenbachs erblickt seit 2010 wieder das Tageslicht. Auf einem Spazierweg östlich des Eingangs zur Deponie kann die neue Landschaft wie eine Art Prototyp begutachtet werden. Der Bach fliesst, als wäre er schon immer da gewesen, rechts die bewaldete steile Flanke und links ein sanft  geneigter Hügelzug, der von Pionierpflanzen besiedelt wird.

Heisslaufende Bauwirtschaft
Hinter dem Hügel ist es aber vorbei mit der Idylle. Hier ist die Deponie noch in vollem Betrieb, und man fühlt sich fast schon in einer Mondlandschaft. Der Wald ist gerodet, der Boden aufgewühlt und über den Köpfen rattert ein Förderband, dasan spektakulär auskragenden Masten hängt. Darauf wird der Aushub tief ins Tobel hinein transportiert. Das spart Zehntausende von Lastwagenfahrten auf dem Areal und ist erst noch effizienter. Trotzdem war die Deponie in den letzten Jahren stark bis sehr stark ausgelastet – und damit kommt wieder der Bauboom ins Spiel. Das Jahr 2013 war ein Rekordjahr, in dem insgesamt rund 770000 Tonnen nichtbrennbare Abfälle angeliefert wurden; davon waren alleine 710000 Tonnen Aushub.

Die Statistiken sprechen eine klare Sprache: Mitte der 1970er Jahre kam es im Zug der Ölkrise zu einem Einbruch, der erst in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre aufgeholt wurde. Dann kam die schwere Immobilienkrise, welche die ganze Schweiz erschütterte, und seit 2006 steigt das Volumen sprunghaft an. So stark, dass die Prognosen revidiert werden mussten.

Wenn es so weitergeht, wird die Kapazität nicht wie erwartet bis 2040 ausreichen, sondern die Grenze schon deutlich vorher erreicht, vielleicht schon zwischen 2020 und 2025. Das würde wiederum bedeuten, dass wir sehr viel früher Teile einer neu modellierten Landschaft mit Hügelkuppen, Wäldern und Lichtungen geniessen können.

Bilder: Michel Canonica

LandschaftsarchitekTour

St. Galler Altstadt im Wandel

Sa 21. Mai 2016

980 St. Gallen Poststrasse 125 M_k

Der Wandel, das Jahresthema des Architektur Forums, begleitet uns auch auf unserem Rundgang durch die St.Galler Altstadt. Offene Plätze, versteckte Hinterhöfe und grüne Stadtgärten – die im Laufe der Jahrhunderte entstandenen Freiräume der St.Galler Altstadt sind vielfältig und nicht selten überraschend. Unter kundiger Führung begeben wir uns auf ihre Spur und entdecken Bekanntes und Unbekanntes.
Dieser Anlass findet in Zusammenarbeit mit dem Bund Schweizer Landschaftsarchitekten und Landschaftsarchitektinnen (BSLA) im Rahmen des schweizweiten Gartenjahres  statt.

Programm

Grabenpärklein/Müllertor/Gallusplatz/ Hinterhöfe Wallstrasse/Innerer Klosterhof und weitere

 

Beteiligte Planer

Andreas Albrecht, Landschaftsarchitekt, Hager AG, Zürich. Hans Thomann, Künstler, St.Gallen. Urs Koster, Architekt, Koller Koster AG, Appenzell. Niklaus Ledergerber, Denkmalpflege, St.Gallen. Martin Klauser, Landschaftsarchitekt, Rorschach

Führung gratis

Anmeldung

Mit vollständigen Angaben bis 13. Mai 2016 an
landschaftsarchitektour@nulla-f-o.ch oder per Fax an 071 245 87 83

Name / Vorname
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Anzahl Mitglied BSLA | AFO
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Bildrecht: Grabenpärklein © Hager Partner AG, Zürich

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Zwei Steine hier – eine Perlenschnur da

  • Gutes Bauen: Antipoden in Vaduz
  • Gutes Bauen: Bregenz (Kunsthaus und Voralbergmuseum)
  • Gutes Bauen: Bregenz (Kunsthaus und Voralbergmuseum)
  • Gutes Bauen: Bregenz (Kunsthaus und Voralbergmuseum)

Die Black Box des Kunstmuseums Lichtenstein und der White Cube der Hilti Art Foundation in Vaduz sind präzis gesetzte städtebauliche Steine. Demgegenüber gliedern sich die Museumsbauten in Bregenz in eine urbane Perlenschnur ein.

 

23.04.2016 von Rahel Hartmann Schweizer

Der Vergleich mit den «gegensätzlichen kosmischen Prinzipien des weissen, männlichen Yin und des schwarzen, weiblichen Yang», den Roman Hollenstein damals in der Neuen Zürcher Zeitung zog, ist bis in die Details treffend. Das Kunstmuseum, das moderne und zeitgenössische Kunst beherbergt, vollendeten Morger & Degelo zusammen mit Christian Kerez im Jahr 2000. Der dunkel glänzende Beton der Fassade des 60 Meter langen, 25 Meter breiten und 12 Metern hohen Baukörpers, besteht aus grünem und schwarzem Basalt sowie Untervazer Flusskies – eine Reverenz an den Ort, das heisst an das Rheintal.
Er wurde fugenlos gegossen, so dass die Fassadenflächen nur von den Fensterbändern durchbrochen werden. Die glatte Oberfläche, in der sich die Silhouetten der Umgebung spiegeln, verdankt sich veredelnden Arbeitsgängen: Das Material wurde geschliffen, poliert und imprägniert. Dies bewirkt auch, dass sich die körnige Textur des Betons zeigt, was ihm bei allem Hochglanz auch einen haptischen Aspekt verleiht. Im Innern jedoch verkehrt sich die «Black Box» in einen «White Cube» – die Art der Präsentation zeitgenössischer Kunst, die auf die 1920er- Jahren zurückgeht und bei der die Architektur sich in farbneutrales Weiss kleidet, um nicht in Konkurrenz zu den ausgestellten Kunstwerken zu treten.

Yin und Yang als Magnet
Der weisse Würfel, den Meinrad Morger und Fortunat Dettli für die auf die klassische Moderne spezialisierte Hilti Art Foundation 2008 in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kunstmuseum entwarfen und vor knapp einem Jahr fertigstellten, kontrastiert nicht nur in seiner Farbigkeit zum bestehenden Bau, sondern auch in der die Vertikale betonenden Höhenentwicklung. Der Beton des 20 Meter hohen Würfels ist ein Gemisch aus Laaser Marmor, dunklem Rheinkies und Weisszement.
Die minimalistischen Baukörper bilden ein Ensemble, das nicht mit der Umgebung fraternisiert, sondern als in sich ruhender Pol ein Magnet im Stadtgefüge ist. Und man gewinnt den Eindruck, als wären die beiden immer schon da gewesen. In der Rückschau wundert es einen, dass man den weissen Würfel nicht schon vermisst hat, als es erst den schwarzen Quader gab – eben Yin und Yang.
Es ist eine Vervollständigung, die auch einen Effekt auf das nahe Regierungsviertel hat, das heisst auf die Beziehung zwischen der Museumsinsel und dem Geviert, in dem die politischen Instanzen tagen. Der weisse Würfel ist das Quentchen, dessen es bedurfte, um das städtebauliche Gewicht der beiden Ensembles auszubalancieren.
Davon profitieren auch die Bauten auf dem Peter-Kaiser-Platz – das von 1903 bis 1905 nach Plänen des Wieners Gustav Ritter von Neumann errichtete Regierungsgebäude und der 2008 eröffnete Landtag, bestehend aus Hohes Haus, Verbindendes Haus und Langes Haus, das der deutsche Architekt Hansjörg Göritz projektierte.

Wie Morger & Dettli bezog sich auch Göritz auf den Bestand – wenn auch in ganz anderer Weise. Er zollte den historischen Bauten Respekt – dem Regierungsgebäude, dem Verweserhaus und dem Rheinbergerhaus –, indem er seine Häuser Anleihen an tradierten Formen, Typologien und Materialien nehmen liess.
Aber nicht nur das. Göritz erwies auch einem Architekten die Reverenz, der in der jüngeren Vergangenheit in Vaduz Spuren hinterlassen hatte – Luigi Snozzi und seiner 1987 bis 1991 entworfenen Bebauung von Regierungsviertel und Pfarrei. Er adaptierte dessen den Hangfuss nachzeichnende langgezogene Sockelbebauung.
Im Gegensatz zu Snozzi, der dieses verbindende Element mit einem Solitär als Landtag kontrastierte, dessen halbkreisförmiger Grundriss die innere Sitzordnung aussen abbilden sollte, rückte Göritz sein Hohes Haus eher in die Nähe der so genannten analogen Architektur und distanzierte sich von der formalen Geste des Tessiners. Oder doch nicht ganz? Ist es nur Zufall, dass beim Blick aus den Arkaden der Liechtensteinischen Landesbank auf das Hohe Haus diesem aus dieser Perspektive ein Bogen einbeschrieben wird?

Eine städtebaulich präzise Setzung ist auch das Vorarlberg Museum in Bregenz von Andreas Cukrowicz und Anton Nachbaur, das vor knapp drei Jahren eröffnet wurde. Sie aber mussten den historischen Bestand unmittelbar einbeziehen und zwar in Gestalt der ehemaligen, 1902 bis 1904 von Hugo von Schragl erbauten Bezirkshauptmannschaft, dem sie einerseits eine kubische Aufstockung aufstülpten, andererseits einen Neubau angliederten.
Der Clou der Reverenz an den Altbau ist die Neuinterpretation des plastischen Bauschmucks. Die Betonfassaden, die wie Vaduz‘ weisser Würfel keine Fugen aufweisen, sind überzogen von einem lebhaften Dekor aus 16 656 Betonblüten, die auf Abgüssen der Böden von PET-Flaschen basieren. Die Veredelung des thermoplastischen Kunststoffs zur kleidsamen Hülle ist ein Verweis auf Museumsinhalte – keramisches römisches Tafelgeschirr aus der Sammlung – und kaum ein Kommentar zu den geätzten Gläsern des Kunsthauses von Peter Zumthor.

Schnur mit reichem Schmuck
Im Gegensatz zum polarisierenden städtebaulichen Konzept in Vaduz ist das Bild in Bregenz nämlich das der Perlenschnur, an der reicher Schmuck hängt: Neben dem Vorarlberg Museum das Landestheater und Peter Zumthors Kunsthaus (KUB) sowie das von Friedrich Setz 1893 bis 1895 erstellte Hauptpostamt, das sich zum Ausstellungsort für Kunst- und Kulturschaffende aus der Region mausert.
Es sind je spezifisch auf den Ort zugeschnittene Formen von Urbanität: zwei starke Steinsetzungen auf kleinräumigem, an den Steilhang geducktem Terrain in Vaduz, eine spannungsvolle Kette in der seit den Dreharbeiten zu Marc Forsters James-Bond-Streifen «Quantum of Solace» (2008) noch weltläufigeren Hafenstadt Bregenz.

Bilder: Michel Canonica

Im Wandel – Stadterosion. Oder die Faltung der Landschaft

Carola Antón und Dominique Ghiggi, Landschaftsarchitektinnen, Zürich

Mo 2. Mai 2016, 19.30 Uhr im Forum

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Das Phänomen des Ab- und Auftragens von Bodenschichten im Kontext des städtischen Strukturwandels wird allgemein als Stadterosion bezeichnet. Das wohl bekannteste Beispiel hierfür findet sich in der Stadt Rom, deren Stadtschichten aus Fundamenten unterschiedlicher Epochen bestehen und somit von der vom Menschen verursachten Faltung der Geschichte berichten. Anhand realisierter und laufender Projekte, Wettbewerbe und eines eigenen Forschungsprojekts untersuchen Carola Antón und Dominique Ghiggi Prozesse der Stadterosion, welche die anthropogene Faltung in der Landschaft veranschaulichen. Die Aufforstung geschädigter Böden in Bogota in Kolumbien und im Umland von Dakar im Senegal, die Bodenumschichtung als Konzept eines städtischen Parks in Bayern, die Wiederverwendung abgebrochener Stadtfundamente im Pfingstweidpark Zürich, oder weiter die gestalterische Kraft des Wassers in einer Wohnsiedlung in Küsnacht bei Zürich. Hinter jedem Erosionsprozess verbirgt sich eine Gelegenheit, den Ort neu zu lesen und ihn entsprechend charakteristisch zu transformieren. Die Geschichte und die Natur des Ortes sind dabei unabdingbare Prämissen dieser Transformation.

www.antonghiggi.com

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Hauptversammlung 2016

feat. Frank und Patrik Riklin

Fr 29. April 2016, Forumsfest im Anschluss

20 Jahre Forum.
Wie «förlen» wir in Zukunft?

Traktanden
1. Begrüssung
2. Protokoll der letzten HV 2015
3. Jahresbericht
4. Jahresrechnung
5. Budget und Mitgliederbeiträge 2016
6. Revisorenbericht
7. Wahl Vorstand
8. Wahl Leitender Ausschuss
9. Allgemeine Umfrage
10. Aussichten

Forumsfest
In diesem Jahr feiert das Architektur Forum Ostschweiz sein 20-jähriges Bestehen. Im Anschluss an die Hauptversammlung um ca. 20 Uhr findet das Forumsfest statt. Alle Mitglieder mit Begleitung sind herzlich zum gemeinsamen Essen eingeladen.

Gast-Feature
Die Riklin-Brüder machen Konzeptkunst mit Rückkopplungseffekt. Für ihre Arbeiten suchen sie den Weg aus dem White Cube und setzen dabei auf soziale Partizipation. Ihre Kunst geht stets ein Verhältnis mit anderen Teilsystemen ein und begibt sich dadaurch in eine Grauzone, in der noch viel kreatives Potential liegt. Im Rahmen der diesjährigen Hauptversammlung versuchen die beiden, uns an den Horizont der Fantasie zu entführen, um die Form und das Setting eines «Forums» im Allgemeinen zu hinterfragen und vielleicht neu zu erfinden. Ganz im Sinne des Jahresthemas «Im Wandel».

Zwillinge _ Frank & Patrik Riklin _ St. Gallen 12.06.2014

Der Eintritt kostet Ihre Fantasie. Ausgefüllten Antworttalon mitbringen.

Einladungskarte Hauptversammlung

Veranstaltungssponsor Delinat

Architektur im Film – The Human Scale

Einführung durch Angelus Eisinger, Planungs- und Städtebauhistoriker, Zürich

Di 19. April 2016, 20 Uhr im Kinok

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Wie soll man Städte bauen? Der Filmemacher Andreas Dalsgaard nimmt uns mit auf eine faszinierende Städtereise quer durch die Welt, von Kopenhagen nach Melbourne, Chongqing und Christchurch – auf den Spuren des dänischen Architekten Jan Gehl. Unermüdlich setzt sich der visionäre Raumplaner dafür ein, die traditionelle Stadtplanung des 20. Jahrhunderts durch eine neue Urbanität zu ersetzen, die den Menschen und seine Lebensqualität in den Vordergrund stellt. Egal ob im Financial District von New York oder in den Slums von Dhaka, die zentralen Fragen sind letztlich immer dieselben: Kann eine Stadt uns glücklich machen? Und was ist also eine gute Stadt? Internationale Städteplaner, Architekten und andere Denker gehen im Film dieser Frage nach.

Andreas M. Daslgaard/ Dänemark 2012, E/d, 83 min

Zum Trailer

Weitere Vorführungen: So 24. April 11 Uhr, Mi 27. April 18.45 Uhr

Eintritt 15.– / Mitglieder AFO 10.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
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AFO vor Ort – Naturkundemuseum St. Gallen

Baustellenbesichtigung Führung durch Armon Semadeni

Mo 18. April 2016, 17 Uhr vor Ort

  • Naturkundemuseum_SG 4
  • Naturkundemuseum_SG 1
  • Naturkundemuseum_SG 3
  • Naturkundemuseum_SG 5
  • Naturkundemuseum_SG 6

Anmeldung bis Fr 8. April 2016 unter Naturmuseum@nulla-f-o.ch mit  Personenanzahl, Namen, AFO-Mitgliedschaft, Teilnehmerzahl beschränkt

Städtebau und Architektur

Das neue Gebäude des Naturmuseums St.Gallen entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft zu den öffentlichen Bauten und Anlagen der Kirche St. Maria Neudorf und des Botanischen Gartens am östlichen Rande der St.Galler Kernstadt. Im Dialog mit der imposanten städtebaulichen Präsenz der Kirche St. Maria und dem funktionalen Ausdruck der Treibhäuser des Botanischen Gartens, positioniert sich das Neue Naturmuseum als Gebäude mit repräsentativem Charakter und einem modernen, funktionalen Ausdruck zugleich:
Durch die markante Silhouette und die steinerne Materialisierung erhält die öffentliche Institution Naturmuseum gegenüber der städtebaulich wichtigen Rorschacherstrasse ein repräsentatives Gesicht. Gleichzeitig ordnet sich das Gebäude der Höhenentwicklung der Kirche St.Maria Neudorf unter und verweist mit seiner nach aussen sichtbaren Dachstruktur auf die funktionale, zurückhaltende Sprache der Gebäude des Botanischen Gartens.

Es entsteht so im Gebiet Neudorf ein neues städtebauliches Ensemble öffentlicher Bauten und Anlagen, welches sich über typologische Analogien, gemeinsame Bezüge in der Materialisierung und die zusammenhängenden Aussenräume verbindet und das heterogene städtebauliche Umfeld aus Infrastruktur- und Wohnbauten dabei selbstverständlich integriert.
Das dreigeschossige Museumsgebäude besetzt die zur Verfügung stehende Bauparzelle fast vollständig. Es entsteht dadurch zwischen der Kirche St.Maria Neudorf und dem Museum ein räumlich gefasster, sanft geneigter Ausstellungsraum unter freiem Himmel, der auch Teil der Wegführung vom Museum zum Botanischen Garten werden wird. Der neue Baukörper verzahnt sich mit dem angrenzenden Aussenraum und seiner Umgebung über vier präzis formulierte Einschnitte und Vorsprünge, die die lokal vorgefundenen Gegebenheiten stärken und die neu zugeordneten Funktionen – wie beispielsweise den Aussenraum des Museumscafés, einen repräsentativen Vorplatz zum Haupteingang und eine diskrete Anlieferung – aufnehmen.

Die öffentlich zugänglichen Museumsräumlichkeiten bestehen aus einer offenen Raumfolge, deren Auftakt die Verbindung der beiden Museumseingänge vom Entrée auf der Strassenseite mit dem Foyer auf der Gartenseite bildet. Der Ausstellungsbesucher folgt dem Museumsrundgang über zwei, um ein halbes Geschoss versetzte Ebenen in den Reliefraum und erhält über vereinzelt gesetzte Öffnungen wiederholt Bezüge zur Umgebung. Der Reliefraum erinnert durch seine eindrückliche Höhe und räumliche Präsenz in Verbindung mit der darüber liegenden Galerie an Ausstellungsräume klassischer Museumsgebäude des 19. Jahrhunderts. Er ist das Herz- und Verbindungsstück der beiden Ausstellungsgeschosse und bietet auch attraktive Möglichkeiten zur Installation und Präsentation grösserer Exponate. Das zweite Ausstellungsgeschoss bietet einen grossen, stützenfreien Oberlichtsaal für eine langfristig flexible und abwechslungsreiche Ausstellungsgestaltung. Intime Rückzugsorte und museums-pädagogische Räumlichkeiten wie beispielsweise die Media- und Bibliothek und das Jugendlabor schaffen eine angenehme, private Atmosphäre und bieten dadurch die Möglichkeit zur individuellen Informationsbeschaffung.

Im Wandel – Kirchengebäude sind Chancen

Jörg Beste, Theologe und Architekt, Köln, Thomas Zihlmann, Leiter Hochbau & Energie, Kanton AI, Stefan Meier, Kirchenverwaltungsrat, Rorschach

Mo 4. April 2016, 19.30 Uhr im Forum

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Ein quantitativ und qualitativ reicher Bestand an Kirchengebäuden ist durch gesellschaftliche Veränderungsprozesse mit Bevölkerungsrückgang und Säkularisierungstendenzen stark unter Druck geraten. Der Rückgang der Kirchennutzung zeigt sich zunächst in den urbanisierteren Gebieten, wirkt sich aber immer stärker auch in kleineren Städten und in ländlichen Gebieten aus.
In dieser Situation ist ein neuer Umgang mit den für die lokale Identität wichtigen Kirchengebäuden erforderlich. Aber Kirchen sind eine schwer umzunutzende Gebäudetypologie. Wie kann also im Hinblick auf die architektonischen und städtebaulichen Qualitäten der Kirchengebäude und ihre Einbindung in die sozialen Strukturen der Quartiere auf diese Entwicklung reagiert werden? Wie kann von öffentlicher Seite auf diese Situation reagiert werden? Welche Rolle übernimmt die Denkmalpflege?
Jörg Beste geht diesen Fragestellungen anhand von Analysen und Beispielen aus Nordrhein-Westfalen nach. Nutzungs- und Gestaltungsfragen sowie denkmalpflegerische Probleme werden anhand von umgesetzten Lösungen thematisiert. Eine regionale Beleuchtung der Thematik erfolgt im Anschluss zum Inputreferat. Stefan Meier wird uns die Umnutzungspläne der Kirche in Rorschach erläutern. Thomas Zihlmann berichtet über die Strategie des Kapuzinerklosters in Appenzell.

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte April

Mit der Strasse die Welt verbessern

  • Gutes Bauen: Ortsplanung im Rheintal Rathaus Altstaetten
  • Gutes Bauen: Ortsplanung im Rheintal Bahnhofstrasse Widnau
  • Gutes Bauen: Ortsplanung im Rheintal Bahnhofstrasse Widnau
  • Gutes Bauen: Ortsplanung im Rheintal Bahnhofstrasse Widnau

Strassen dienen nicht nur als Fahrspur oder Trottoir, sondern bilden auch Räume – besonders in besiedelten Gebieten. Langsam beginnt sich ein Bewusstsein für den Strassenraum zu regen. Was alles möglich ist, zeigen die Beispiele Widnau und Altstätten.

 

19.03.2016 von Caspar Schärer

Die Strasse ist ein ideologischer Kampfplatz: Geht es um freie Fahrt, kippen die Debatten ins Irrationale. Das Wissen um die Strasse als Raum – vor allem als sozialen Raum – ging fast verloren und muss mühsam wiedererlangt werden. Geschwindigkeit, Kurvenradien, Sicherheit und Funktionalität bestimmten für lange Zeit alles. Stand ein Haus im Weg, wurde es weggeräumt. Tausende Strassen- kilometer wurden so gebaut, ohne Rücksicht auf Verluste. Der Weg zurück ist steinig, denn jetzt sind Fakten geschaffen. Trotzdem lohnt sich der Aufwand, und ein Bewusstsein für den Strassenraum beginnt sich zu regen. Vorreiter in der Schweiz ist der Kanton Bern, der bereits in den frühen 1990er-Jahren mit ersten erfolgreichen Umgestaltungen von Strassen auf sich aufmerksam machte.

Keine Vorzeigeregion
Inzwischen hat das Umdenken das ganze Land erfasst – auch das Rheintal, das viele lediglich als zersiedeltes Agglo- und Autoland sehen. Tatsächlich ist das Rheintal nicht unbedingt die Vorzeigeregion für eine nachhaltige Siedlungs- entwicklung. Das bedeutet allerdings, dass es viel zu tun gibt: Zwei Beispiele aus Altstätten und Widnau zeigen, was alles möglich ist. Am Anfang steht ein Problem – hier wie dort. Altstätten beschäftigt sich seit einiger Zeit mit dem motorisierten Verkehr, der sich bei einem Flaschenhals vor der katholischen Kirche im Nordosten der Altstadt hindurch zwängte. Für die Stadt Altstätten war klar, dass die Beseitigung dieses Engpasses ein grosses Plus an städtebaulicher Qualität bringen muss. Wer sich mit dem Verkehr anlegt, muss grossräumig denken. Im Falle von Altstätten bedeutete es, dass die Stadt einige Grundstücke beim Freihof neben dem Rathaus ankaufen musste, um sich die nötige Beinfreiheit zu verschaffen.

Verkehrstechnisches Herzstück des Infrastrukturprojekts ist ein neuer Kreisel und die Umlegung einer Strasse. Leider ist der Kreisel ein Element der Strassenplaner zur Verflüssigung des Verkehrs und nicht ein stadträumlich gedachter Baustein. Auf dem offenen Feld funktioniert er bestens, ins besiedelte Gebiet dagegen passt er nicht. Die angrenzende Bebauung hat es immer schwer, mit den Ausrundungen ein gutes räumliches Verhältnis aufzubauen. Wenn dann noch die Bebauung selbst so ideenlos auf den Kreisel reagiert wie in Altstätten das grosse Gebäude auf dem Freihof-Areal, dann zeigen sich die Schwächen des Kreisels besonders deutlich.

Umso erfreulicher sind die stadträumlichen Gewinne auf der anderen Seite des Freihofs – dort, wo früher die Autos und Lastwagen entlang der Kirchenmauer durchbrausten. An der Stelle des alten Rathauses aus den 1950er-Jahren steht jetzt ein stolzer, siebengeschossiger Baukörper, der sich in die Höhe reckt, um den Platz vor sich freizuspielen. Das Zürcher Architekturbüro Allemann Bauer Eigenmann gewann 2007 einen Wettbewerb, der sich über insgesamt drei Teilgebiete erstreckte – darunter das Rathaus und der Freihof. Das Rathaus durften die Architekten ausführen, und das sieht man dem Bau an. Ein Gitter aus hellen Betonelementen hält den Bau zusammen, dunklere Füllungen und Fenster schaffen dazu einen Kontrast. Das Gebäude erfüllt seine repräsentative Funktion auf eine sehr freundliche und zuvorkommende Weise. Die Details sind durchdacht, die Materialien gut ausgewählt, die Gesamtwirkung stimmt. Zusammen mit der Kirche und dem Rand der Altstadt bildet das Rathaus mit dem neuen, grösseren Platz ein zusammenhängendes Ensemble.

Optische Bremsen
Während in Altstätten durch die Neuordnung der Strassenführung kostbarer öffentlicher Raum gewonnen werden konnte, ging es in Widnau um den Strassenraum selbst. Wegen Belagsschäden wollte das Tiefbauamt des Kantons die Strasse zwischen dem Bahnhof Heerbrugg in der Gemeinde Au und der «Metropol»-Kreuzung mitten in Widnau umfassend sanieren. Die Gemeinde Widnau, auf deren Gebiet der Löwenanteil des Strassenabschnitts liegt, sah die Chance gekommen, die eklatanten räumlichen Defizite ihrer stark befahrenen Ortsdurchfahrt beheben zu können. Die Verkehrsmenge liess sich nicht reduzieren, aber im Bereich der Gestaltung waren die Potenziale noch längst nicht ausgeschöpft.

Marco Koeppel, Architekt und Gemeinderat in Widnau, entwarf zusammen mit den Kollegen der Gemeinde Au und dem Kanton eine neue Strasse, auf der nicht mehr das Auto alleine bestimmend ist. Die Fahrbahnen wurden auf das absolute Minimum verengt und ein sogenannter «multifunktionaler Mittelstreifen » eingeführt. Fussgängerstreifen fehlen vollständig, man kann die Strasse überqueren, wo man will. Einige Zonen des Mittelstreifens sind mit roten, hüfthohen Stelen markiert: Hier eignet es sich besonders, die Strassenseite zu wechseln. Die Stelen wirken als optische «Bremsen» für die Autofahrer – genauso wie die massiven Leuchtenpfähle, welche die Strasse seitlich begleiten.

Urbaner und dennoch ruhiger
Die baulichen Massnahmen führten laut Koeppel dazu, dass die durchschnittliche Geschwindigkeit auf 35 bis 40 km/h gesunken sei, obwohl weiterhin 50 km/h erlaubt sind. Und das ist entscheidend: Bei niedrigerer Geschwindigkeit steigt die Bedeutung aller anderen Faktoren wie Raum- und Lebensqualität. An der Bahnhofstrasse in Widnau lässt sich das selbst an verregneten Vormittagen beobachten. Die Szenerie wirkt sowohl urbaner wie auch beruhigter, die Menschen bewegen sich freier und ungezwungener. Ein Wermutstropfen sind auch hier die Kreisel, die zur «Verflüssigung» des Verkehrs eingebaut wurden. Gerade die ehemalige «Metropol»-Kreuzung leidet darunter, denn alle daran angrenzenden Bauten wurden für eine Kreuzung konzipiert und nicht für einen Kreisel.

Vielleicht überlässt man solche Korrekturen einfach der nächsten Generation. Auch sie muss ja die Gelegenheit haben, zu lernen und die Situation zu verbessern. Erste Schritte in die richtige Richtung sind jedenfalls getan.

 

Bilder: Michel Canonica

Architektur im Film – The Competition

Gespräch mit den Kantonsbaumeistern Erol Doguoglu (TG) und Werner Binotto (SG), Moderation Hansueli Rechsteiner

Di 22. März 2016, 20 Uhr im Kinok

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Der Dokumentarfilm „The Competition“ begleitet fünf international renommierte ArchitektInnen – Frank Gehry, Jean Nouvel, Zaha Hadid, Dominique Perrault und Norman Foster –, die im Jahr 2008 am Wettbewerb für das Nationale Kunstmuseum im pyrenäischen Kleinstaat Andorra teilnahmen.
Die Meister, und vor allem ihre MitarbeiterInnen, plagen sich, entwerfen Strategien, kämpfen, wollen gewinnen. Die Präsentation vor der Jury schließlich, an einem hektischen Tag mitten im Wahlkampf, ist ein großes Medienereignis in dem kleinen Land. Der Film verfolgt den Wettbewerb sehr detailliert, fast schmerzhaft rau und bietet faszinierende Studien zu Persönlichkeit, Strategie und Rhetorik der StararchitektInnen sowie den Arbeitsverhältnissen in deren Büros. Der erste Dokumentarfilm des Architekten Angel Borrego Cubero – Office for Strategic Spaces (OSS) in Madrid – begleitet den angespannten Prozess, der charakteristisch für Architekturwettbewerbe ist und stellt damit auf eindringliche Weise deren Sinn in Frage.

Angel Borrego Cubero/ Spanien 2013, O/e, 99 min

Zum Trailer

Vorstellung der Internetplattform Konkurado – Web of Design Competitions durch Almut Fauser, Geschäftsführerin Stiftung Forschung Planungswettbewerbe

Weitere Vorführungen: Mi 30.März 18.30 Uhr

Eintritt 15.– / Mitglieder AFO 10.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

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Einladungskarte März

Sommer Camp Architektur

Beitrag des Architektur Forums Ostschweiz am Projektwettbewerb „150 Jahre schaffen Zukunft“

Sommer Camp Architektur_Kay Kröger

Zum Beitrag

 

An 5 Orten im Kanton können in den Sommerferien 2017 Jugendliche Baukultur entdecken – als Pilotprojekt für weitere Kurse. Während dieser Woche lernen die jungen Menschen unter Anleitung von professionellen Vermittlerinnen und Vermittlern die gebaute und gestaltete Umwelt ihrer Stadt und der Umgebung besser kennen.

 

Wesentlicher Fokus aller Aktivitäten ist es, Kinder und Jugendliche darin zu unterstützen, ihre alltägliche Umwelt bewusster wahrzunehmen, Raumqualitäten zu erleben und die Gestaltbarkeit ihrer Umwelt zu erkennen. Mittels unterschiedlicher methodischer Ansätze wird der Blick auf den gebauten und gestalteten Lebensraum geschärft, um letztendlich jene Sensibilität zu entwickeln, die entscheidungsfähig macht.

Weil jeder Ort seine spezifischen Eigenschaften aufweist und sich so eine Vertiefung zu unterschiedlichen Themen anbietet, werden die Resultate der fünf Kurse sich sehr unterscheiden. Eine Wanderausstellung wird diese Resultate und gewonnenen Erkenntnisse einer breiteren Bevölkerung vorstellen.

Fachleute (Architekten und Ingenieurinnen, Handwerkerinnen und Unternehmer, Raumplanerinnen und Landschaftsarchitekten) besuchen die Kurse, berichten von ihrer Arbeit und davon, wie unsere gebaute Umgebung entsteht.

Nutzen für die Menschen in den Kantonen St. Gallen und Appenzell AR

Die jungen Menschen werden eines Tages selbst bauen oder einen Beruf in der Branche ausüben. Sie sind die Bauherren und Entscheidungsträger der Zukunft. Wenn sie bereits als junge Menschen in Kontakt mit unserer gebauten Umwelt kommen und diese kennen und schätzen lernen, werden sie dereinst als Erwachsene bei Fragen zur Baukultur mündig entscheiden können.

Einbezug freiwilliger Helferinnen und Helfer

Die Mitglieder und der Vorstand des Architektur Forums Ostschweiz bringen ehrenamtlich ihr Wissen und Engagement ein. Während der Konzeptphase werden sich vorwiegend Vorstandsmitglieder engagieren, in den Ferienkursen bringen die Mitglieder des Architektur Forums Ostschweiz und der Fachverbände ihr Wissen ein.

Nachhaltige Wirkung

Ein erstes Ziel des Projekts ist es, Ferienkurse in den Sommerferien 2017 an fünf Orten in der Region durchzuführen. Diese dienen als Pilotprojekt und sollen nach dem Testlauf im Sommer 2017 jährlich wiederholt werden. Das vorliegende Projekt dient dazu, das Konzept auszuarbeiten, die Pilotprojekte durchzuführen und sie so zu dokumentieren und aufzubereiten, dass sie wiederholt werden können. Die Ferienkurse sollen in den folgenden Jahren nach dem ersten Durchgang wiederholt werden: an den ursprünglichen Orten ebenso wie in neuen Städten. Der Kurs kann auch als Teil einer Sonderwoche während des Unterrichts durchgeführt werden. Die Dokumentationen der Projektwochen stehen Lehrkräften zur freien Verfügung, um das Thema Baukultur auch in den Schulen behandeln zu können.

Einschätzung der Realisierbarkeit

Mit der finanziellen Unterstützung der Kantonalbank und dem ehrenamtlichen Engagement des Architektur Forums Ostschweiz steht das Projekt auf einem soliden Fundament. Der gesamte Vorstand des Architektur Forums Ostschweiz steht geschlossen hinter dem Projekt und ist motiviert, sich dafür zu engagieren. Die 450 Mitglieder des Architektur Forums Ostschweiz bringen sich auch bei anderen Projekten äusserst aktiv ein, die langjährigen Partner aus Industrie und Bauwirtschaft unterstützen das Forum seit seinen Anfangszeiten tatkräftig.

Im Wandel – 3 Kurzreferate von Zita Cotti, Dieter Jüngling und Andreas Sonderegger

Sachverständigenrat, Stadt St. Gallen

Mo 7. März 2016, 19.30 Uhr im Forum

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„Der stetige Wandel ist Teil des beharrlichen Bleibens hinter Mauern. Dieses scheinbare Paradox lässt Fragen aufkommen. Was für Kräfte müssen wirken, um die stetig gleichen Nutzungen in immer wieder veränderte Form verwandeln zu lassen. Kleine Eingriffe, die an einem Ort, der als dauernder Lebensraum einer Klostergemeinschaft Bedeutung hat, eine über 1200 Jahre alte Baugeschichte weiterführen.“
Dieter Jüngling

„Mit dem Legislaturschwerpunkt „10‘000 neue Wohnungen in 10 Jahren“ initiierte der Stadtrat von Zürich 1998 eine rege Wohnbautätigkeit. Ehemalige Industrieareale werden zu neuen Stadtteilen, Quartiere aus den Nachkriegsjahren, wie auch Blockrandquartiere erfahren durch Ersatzneubauten starke Veränderungen. Als Akteure in diesem Verdichtungsprozess stellen sich neben den städtbaulichen Fragen auch inhaltliche insbesondere hinsichtlich der ehemals standardisierten Grundrisstypologen.“
Zita Cotti

„Durch unsere architektonische Tätigkeit verändert sich unser Lebensumfeld aktuell weit mehr als nur parzellenweise. Im Zuge der Deindustrialisierung werden beispielsweise ganze Quartiere neu konzipiert. Mit unseren Projekten nehmen wir Architekten hier Teil an der Entwicklung eines komplett neuen Lebensraums. Wir arbeiten mit Ökonomen, Soziologen, Landschaftsarchitekten und Verkehrsplanern zusammen. Wir werden zu Urbanisten.“
Andreas Sonderegger

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte März

Einheimisches und internationales Flair

OS - Gutes Bauen Ostschweiz - Caminada (c) Lucia Degonda

Bei den Bemühungen, die Abwanderung aus den Berggebieten zu bremsen, ist die Hotellerie der Knackpunkt. In der Surselva weiss man sich zu helfen, wie jüngere Projekte zeigen. Ein Seitenblick lohnt sich aber auch in die Albula-Region.

 

20.02.2016 von Rahel Hartmann Schweizer

«Sanft fiel der Zug in die Bremsen und hielt in der von Menschen wimmelnden Halle der Tunnelstation Sedrun. Von hier konnte das mondäne Sportzentrum in sieben Minuten im bequemen Lift durch einen 830 Meter hohen Schacht erreicht werden. Dadurch waren die Skifelder am Vorderrhein in Stundennähe von Basel, Zürich und Mailand gerückt.»

Auf die Vision des Ingenieurs Eduard Gruner, die der SBB-Kopf 1947 formuliert hatte, beriefen sich die Promotoren der sogenannten Porta Alpina. Die unterirdische Bahnstation in der Mitte des Gotthardbasistunnels bei Sedrun hätte die Surselva ans europäische Hochgeschwindigkeitseisenbahnnetz angeschlossen, mit dem Ziel der von Abwanderung bedrohten Region Aufschwung zu bescheren.
Mitte September 2007 wurde die Idee auf Eis gelegt. Es blieb jedoch die in ihrem Windschatten segelnde, über die Region Surselva hinausgehende Förderungsinitiative «Prego» (Projekt Raum- und Regionalentwicklung Gotthard), zu der sich Regierungs- und Interessenvertreter der Kantone Uri, Graubünden, Tessin und Wallis 2006 zusammengefunden hatten, und die sich – nach der Absage an die Porta Alpina – im November 2007 unter dem Namen San Gottardo formierte.
Etliche Projekte wurden daraufhin abgeklärt, initiiert und mit Hilfe der Unterstützung durch die Neue Regionalpolitik (NRP) in Angriff genommen: Umbau der Tennishalle in Laax, ein Freizeitpark in Obersaxen Mundaun, Bau eines naturnahen Badesees in Trun, Kletterparadies Surselva an der Staumauer Pigniu, durchgehender Wanderweg Ruinaulta, Schlachthof in Rueun, Beherbergungsmöglichkeiten für Backpacker, um nur einige zu nennen. Die Hotellerie erwies sich indes als hartes Pflaster, da die Unterstützung durch die NRP an die Kriterien Einmaligkeit und Innovation gebunden ist.

  • OS - Gutes Bauen Ostschweiz - Caminada (c) Lucia Degonda
  • OS - Gutes Bauen Ostschweiz - Caminada (c) Lucia Degonda
  • OS - Gutes Bauen Ostschweiz - Caminada (c) Gian Marco Castelberg

Verankert im Kontext
Unabhängig davon hat der Architekt Gion A. Caminada im Auftrag des Zürcher Maler-Unternehmers Theo Schaub mit der Ustria Steila am Sonnenhang oberhalb von Ilanz ein Hotel gebaut, das exemplarisch steht für einen mit dem Ort verbundenen Tourismus. Es ist eine Unterkunft für Menschen, die sich auf den Ort einlassen, die spezifischen Gegebenheiten des Kontexts schätzen.
Dass dies zunächst bedeutete, das Haus architektonisch einzupassen, ist nur ein Teil der Wahrheit. Caminada übernahm zwar den traditionellen Sockel und den Holzbau, doch «verzog» er deren Proportionen entsprechend der Räume, die sie bergen: Im Sichtbeton-Untergeschoss werden die Vorräte gelagert sowie Speisen und Getränke degustiert. Restaurant, Saal und Küche befinden sich im weiss verputzten Erdgeschoss, und die Gästezimmer im darüberliegenden Strickbau.

Grenzen verwischt
Das Haus fällt auf und passt sich gerade dadurch ein: Durch die Überhöhung der lokalen Bauweise wird deren Integrität betont. Einheimisches steht sodann nicht nur auf dem Speiseplan. Auch kulturell ist das Haus am Ort verankert. So bietet etwa eine Bibliothek Einblicke in Werke zur Kunst und Architektur des Kantons Graubünden.
Im Original lässt sich diese auch in Valendas erleben, wo im ehemaligen Engihuus 2014 das «Gasthaus am Brunnen» eröffnet wurde. Die Gemeinde schenkte das 500 Jahre alte Haus 2007 der Stiftung Valendas Impuls, die es von Caminada zu einem Hotel mit Restaurant und Saal umbauen liess, auf dass es zu einem Begegnungsort für Einheimische und  Gäste werde.
Um das Raumprogramm zu erfüllen, bedurfte es auch hier eines Neubaus. Die Grenze zwischen diesem und dem bestehenden Engihuus verwischte Caminada, indem er beide Häuser in weissen Kalkputz kleidete. Statt des Kontrasts ist es wieder eine, diesmal noch subtilere, Irritation zwischen Alt und Neu.
Empfindet man hier die verschiedenen Zeitschichten als miteinander verwoben, fühlt man sich im Kurhaus in Bergün am Fuss des Albulapasses, das vor dem Untergang bewahrt wurde, um ein Jahrhundert zurückversetzt.

Luftkurort-Atmosphäre
Die Initiative ist umso bemerkenswerter als das nach Plänen des Zürcher Architekten Jost Franz Huwyler-Boller errichtete und 1906 in Betrieb genommene Jugendstil- Grandhotel von Beginn an um seine Existenz rang. Als Stammgäste 2002 die neue Kurhaus Bergün AG gründeten, erwies sich indes gerade dies als Segen, hatte die  wirtschaftliche Schieflage doch massive Eingriffe in die Originalsubstanz verhindert.

Das nach allen Regeln denkmalpflegerischer Kunst nach und nach renovierte Haus verströmt jene Atmosphäre eines Luftkurortes, als der sich das Haus einst etablieren sollte. Das Haus bekam seine Geschichte und mit ihr den weltläufigen Geist zurück, der ihm einst innewohnte – nicht zuletzt mit den rekonstruierten Rattanmöbeln, die einst in Vietnam gefertigt worden waren.

Bilder: Lucia Degonda (Ustria Steila)/pd (Kurhaus Bergün)

Stählernes Treibgut am Bildungsufer

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  • Stählernes_Treibgut4
  • Stählernes_Treibgut3
  • Stählernes_Treibgut1

Der jüngste Erweiterungsbau der Hochschule Rapperswil passt sich nahtlos in den Campus ein. Der St.Galler Architekt Andy Senn baute mit dem «strengen» Material Stahl. Entstanden ist ein nüchterner, uneitler Zweckbau mit vielen versteckten Qualitäten.

16.01.2016 von Caspar Schärer

Wer aus Neugierde gerne Bautafeln  liest, trifft oft auf die gleichen Begriffe: «Park» oder «Residenz », wenn es um Wohnen geht; bei Bürobauten wird gerne mal von einem «Campus» gesprochen. Immobilienvermarkter spielen mit dem «Campus» auf das Idealbild der amerikanischen Universitäten an, jene idyllisch ins Grüne eingebetteten Gebäudegruppen, eigene Welten innerhalb einer Stadt. In der Schweiz und in Europa ist das Konzept des Campus nicht sonderlich verbreitet. Erst in der Nachkriegszeit entstanden mit der Universität Zürich-Irchel, der ETH Hönggerberg und der EPF in Lausanne erste Hochschulstandorte auf der grünen Wiese.

Bezug zur Landschaft
Der Campus der Hochschule Rapperswil (HSR) ist eines dieser seltenen Exemplare in der Schweiz, wenn auch ein eher kleineres. Typisch ist der Bezug zur Landschaft, der bei  dem schönen Grundstück am See «von Natur aus» gegeben ist. Im Unterschied zu den meisten anderen Beispielen befindet sich die 1973 eröffnete und vom Architekten Paul W. Tittel geplante HSR näher an der «Mutterstadt» – Schloss und Altstadt sind in Sicht- und Gehdistanz, auch wenn das Gleisfeld die Beziehung empfindlich stört. Gleichzeitig liegt aber in der Nähe zu einem Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs heute ein unschätzbarer Standortvorteil. Allein die Tatsache, dass in den letzten Jahren direkt an den Bahnhöfen von St.Gallen, Olten und Brugg AG massiv in Hochschul-Infrastruktur investiert wurde, bestätigt dies.

Die Gebäudegruppe auf dem HSR-Campus ist räumlich dicht angeordnet und in der ersten Bauetappe einheitlich gestaltet. Alle Bauten sind an der Fassade aus wetterfestem Stahl zu erkennen. «Wetterfest» heisst hier, dass sich auf der Oberfläche der Stahlelemente eine oberste Rostschicht bildet, die das Material gegen weitere Witterungseinflüsse schützt. Trotz der hohen Dichte ist der «fliessende» Aussenraum des Campus gut spürbar; die Uferlandschaft auf der einen und die Stadt auf der anderen Seite sind immer präsent. Umso anspruchsvoller ist die Erweiterung einer solchen Anlage. Zunächst wurde das Wachstum mit Aufstockungen bewältigt, Ende der 1990er-Jahre folgte ein erster grösserer Ausbauschritt mit zwei Neubauten in Richtung Gleisfeld. Der St.Galler Architekt Andy Senn strickt nun auf ganz selbstverständliche Art das Bebauungsmuster zum See hin weiter.

Senn gewann 2009 einen Wettbewerb zur Erweiterung auf der Curtiwiese, einer strategischen Baulandreserve der Hochschule am Ufer. Vorgesehen waren ursprünglich drei neue Baukörper. Gebaut wurde nun vorerst ein Teil des Forschungszentrums; weitere Ausbauschritte folgen vielleicht in Zukunft. Im Wettbewerb wurde Senns Sorgfalt gelobt, mit der er das fein austarierte Netzwerk aus Bauten und Aussenräumen mit einem doch beachtlich grossen Neubau ergänzt. Zwischen dem Forschungszentrum und dem Hauptgebäude aus den 1970er- Jahren spannt sich ein angenehm proportionierter, von drei Seiten gefasster und zum See hin offener Raum auf. Die Bezeichnung «Platz» wäre für diese Fläche zu hoch gegriffen, sie ist vielmehr mit einem Strassenraum zu vergleichen, von dem aus man in alle Richtungen ausschwärmen kann.

Ein besonderes Material
Wie das benachbarte Hauptgebäude ist auch der Neubau auf eine Plattformaus Beton gestellt. Drei Stufen beträgt die Höhendifferenz, beim Hauptgebäude ist es sogar eine Stufe mehr. Diese Plattformen lassen die einzelnen Bauten wie riesiges Treibgut erscheinen, das am Ufer gestrandet ist. Tatsächlich haben sie unmittelbar mit dem See zu tun: Um die Gebäude vor einem allfälligen Hochwasser zu schützen, sind sie vom Boden abgehoben; ausserdem erfordert der weiche Baugrund flächige Fundamentplatten. Überhaupt bestimmt die Lage am See mehr, als man auf den ersten Blick meinen würde. So ist die Bauweise mit dem leichten Stahl eine direkte Folge der schwierigen Bodenverhältnisse. Gerade Stahl ist ein besonderes Material, das in der Schweiz nicht oft eingesetzt wird. Die Schweiz ist ein Holz- und Betonland – den natürlichen Ressourcen entsprechend. Ein Stahlbau besteht aus vorproduzierten Einzelteilen, die auf der Baustelle zusammengesetzt werden. Damit alles passt, ist im Vorfeld viel Präzision erforderlich. Stahl ist ein strenges Material, er verlangt nach einer durchdachten Systematik, und vielleicht ist er deshalb aus der Mode geraten.

Andy Senn ist es hoch anzurechnen, dass er die Tradition des Ortes weiterführt und wieder Stahl für das Forschungszentrum verwendet – und zwar nicht nur in der Fassade, sondern für die ganze Struktur. Senns Stahl ist nicht mehr roh wie noch vor vierzig Jahren, sondern pulverbeschichtet; er wird also überhaupt nicht rosten. Wer genauer hinschaut, sieht schnell weitere Unterschiede zum Hauptgebäude. Während sein Vorgänger Paul W. Tittel immer die Gebäudeecken mit einer Stahlstütze besetzt und damit markiert, spielt Senn die Ecken frei. Dies lässt den Bau leichter wirken. Die beiden Obergeschosse scheinen über dem zurückversetzten, rundum in Glas eingekleideten Erdgeschoss zu schweben.

Cleveres System
Viele Qualitäten zeigen sich erst im Inneren: der überdeckte, über alle Geschosse reichende Innenhof, der die wahre Höhe des Gebäudes erst offenbart, sowie die innere Erschliessung, die ganz auf diesen Hof ausgerichtet ist. Nochmals andere Leistungen bilden sich im Raum gar nicht ab wie etwa die koordinierte Planung von Architektur, Statik und Haustechnik, die zu einem cleveren System führte, in dem alle Komponenten jederzeit zugänglich und austauschbar sind. Auch das ist Nachhaltigkeit: Dass der Bau bereits für die Zukunft gerüstet ist, nicht unbedingt mit der teuersten Technik, sondern allein mit der Möglichkeit, später andere Technik einbauen zu können. Für die Architektur ist das keineswegs selbstverständlich. So gebührt Andy Senns nüchternem und sachlichem Zweckbau Respekt für ein unaufgeregtes, uneitles Gebäude, das sich nahtlos in ein bestehendes System einfügt und doch eine zeitgemässe Eigenständigkeit entwickelt. Vor allem will es nicht mehr sein als es ist: ein Gebäude im Dienst der Bildung.

Bilder: Michel Canonica

Zeitungsartikel

Architektur im Film – Andermatt – Global Village

Einführung durch Leonidas Bieri, Regisseur, Zürich

Di 16. Februar 2016, 20 Uhr im Kinok

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Ein ägyptischer Geschäftsmann kauft eine Talschaft im Herzen der Schweiz. Die Dorfbevölkerung hofft auf Investitionen und bessere Zeiten. Widerspenstige Bauern werden charmant ausgebootet, dann kommen die Bagger und stampfen ein Luxusressort für den internationalen Jetset aus dem Boden. Das ist die Geschichte von Andermatt, einem Bergdorf in der Krise, erweckt aus dem Dornröschenschlaf durch einen milliardenschweren Kuss, welcher Heimat und Hoffnung zur handelbaren Ware macht.

Leonidas Bieri / CH, 2015, O/d-e-f, 90min

Zum Trailer

Weitere Vorführungen: Mi 24. Feb 18.30 Uhr, So 28. Feb 10.30 Uhr
Eintritt 15.– / Mitglieder AFO 10.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus
fsb
konkurado

Einladungskarte Februar

AFO@Zeughaus Teufen – Ausstellung „Constructive Alps“

Köbi Gantenbein, Chefredaktor Hochparterre, Zürich und René Bechter, Architekt, Bregenz

Mo 15. Februar 2016, 19.30 Uhr im Zeughaus Teufen

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  • 2016-01-27 17.34.56
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Der Jurypräsident Köbi Gantenbein wird in das Projekt „Constructive Alps“ einführen, der Architekt René Bechter aus Bregenz stellt das Siegerprojekt vor. Die Ausstellung würdigt und prämiert 32 von 360 eingereichten Sanierungs- und Neubauprojekte im Alpenraum, welche ökologisch, baukulturell, gesellschaftlich und ökonomisch als vorbildlich betrachtet werden.

Ausstellung „Construtive Alps“

31. Januar bis Sonntag, 21. Februar 2016 im Zeughaus Teufen
Öffnungszeiten
14–17 Uhr Mittwoch, Freitag, Samstag
14–19 Uhr Donnerstag
12–17 Uhr Sonntag
oder nach Vereinbarung

www.constructivealps.net
www.zeughausteufen.ch

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Im Wandel – Die Gesellschaft im Umbruch

Karin Frick, Ökonomin und Zukunftsforscherin, Gottlieb Duttweiler Institut, Rüschlikon

Mo 1. Februar 2016, 19.30 Uhr im Forum

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Gesellschaftliche Veränderungen verlaufen nicht linear und nie nur in eine Richtung. Nicht alle Trends entwickeln sich im gleichen Tempo und erzeugen überall die gleiche Wirkung. Sie ziehen manche Menschen an, breiten sich aus, manchmal lawinenartig, stossen andere ab und provozieren Gegenreaktionen. Gesellschaftliche Entwicklungen entfalten sich aus der Wechselwirkung von gegensätzlichen Kräften, die zusammenprallen.
Der Vortrag gibt einen Einblick in die Dynamik von gesellschaftlichen Veränderungen im Spannungsfeld von Megatrends und Gegentrends. Zum Beispiel: Zum einen wird das Individuum mit seinen je persönlichen Vorlieben die wichtigste Instanz, auf die sich alle Entscheidungen und Angebote ausrichten müssen. Zum anderen suchen Menschen wieder vermehrt nach Gemeinschaften, die ihnen Halt und Orientierung bieten. Zum einen wird der mobile, flexible und kreative Mensch, der stets zur Arbeit bereit und immerzu erreichbar ist, zur Leitfigur der globalen Echtzeit-Gesellschaft. Zum anderen suchen Menschen vermehrt wieder nach dauerhaften Werten, nach „ehrlichen“, „ursprünglichen“ und „langsamen“ Produkten und Dienstleistungen. Zum einen können wir die Welt und das Leben immer besser vermessen, analysieren und optimieren. Entscheidungen werden von Algorithmen vorausgedacht und vorhergesagt. Zum anderen wächst die Sehnsucht nach Gefühl und ursprünglicher Natur. Die Macht der Intuition wird wiederentdeckt.

Mehr über Katrin Frick

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte Februar

Im Wandel – Ausstellung The R.C. Dutt Road

Jacqueline Kissling, Architektin und Landschaftsarchitektin, Rorschach
Tushar Desai, Architekt, London

Vernissage: Do 7. Januar 2016, 18.30 Uhr im Forum, Einführung durch Werner Binotto, Kantonsbaumeister, St.Gallen Finissage: Do 4. Februar 2016, 18.30 Uhr im Forum

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Vadodara, einst industrielle Metropole im indischen Bundesstaat Gujarat, erfährt einen den gesamten Subkontinent erfassenden, rasanten strukturellen Umbruch.
Eine der Hauptverkehrsachsen der Stadt ist die Race Court Dutt Road, die auch den Bahnhof erschliesst. Die Strassenführung überlagert zum Teil die ehemalige Pferderennbahn, deren elliptische Form in aktuellen Luftbildern noch gut zu erkennen ist.
Quartiere, die an diese Einfallstrasse angrenzen, waren durch markante Gebäude aus verschiedenen Epochen und Residential Societies geprägt. Ein Netzwerk aus grosszügigen Gärten, Parkanlagen und Hofsituationen artikulierte die urbanen Überbauungen und deren soziale Räume.
Viele dieser ehemaligen Wohnhäuser sind seit Langem ungenutzt. Unterhalten oder restauriert werden nur noch wenige Liegenschaften. Steigende Grundstückspreise beschleunigen zudem deren Abriss. Gekoppelt mit stark erhöhten Ausnutzungsziffern verändert sich das etablierte Stadtgefüge unaufhaltsam und angestammte soziale Gefüge werden zusehends verdrängt.
Seit Jahrhunderten prägen Parallelwelten, deren Unausweichlichkeit und das so entstehende übergangslose Nebeneinander den alltäglichen Umgang. Die R. C. Dutt Road steht stellvertretend für die sozio-kulturelle Situation vergleichbarer oszilierender indischer Stadträume: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft finden verdichtet und immer gleichzeitig statt.

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte Ausstellung R.C. Dutt Road

In altem Glanz und mit neuer Nutzung

  • Gutes Bauen in der Ostschweiz, Thema: Umbau Umnutzung der beiden alten Zeughäuser.
  • Gutes Bauen in der Ostschweiz, Thema: Umbau Umnutzung der beiden alten Zeughäuser.
  • Gutes Bauen in der Ostschweiz, Thema: Umbau Umnutzung der beiden alten Zeughäuser.
  • Gutes Bauen in der Ostschweiz, Thema: Umbau Umnutzung der beiden alten Zeughäuser.

In vielen Städten haben sich ehemalige Zeughäuser als Orte der Kultur etabliert, so auch in Teufen und in Herisau. Die Anpassung dieser zwei klassizistisch-monumentalen Zweckbauten erfolgte mit grosser Sorgfalt.

 

19.12.2015 von Martin Tschanz

 

«Die Hauptbedürfnisse eines Zeughauses bestehen darin, dass es den zur Vertheidigung des Vaterlandes & Aufrechterhaltung der gesezlichen Ordnung nöthigen Waffen Bedarfe sicher (…) aufbewahre.» So begann Felix Kubly 1834 seine «Bemerkungen über den vorzunehmenden neuen Zeughaus Bau in Herisau». Um die Waffen «auch in bewegten Zeiten nicht unruhigen Rotten Preis zu geben», müsse man nahe bei der Behörde bauen, also an einer zentralen Lage, überdies möglichst solide und feuerfest.

Zeughäuser waren also zunächst Lagerhäuser, allerdings solche der besonderen Art. Sie waren nicht bloss Aufbewahrungsorte für militärische Ausrüstungs- gegenstände, sondern auch weithin sichtbare Zeugen für die ungebrochene Stärke der Kantone. Nach der napoleonischen Zeit mit ihrem Streben nach Zentralisierung war dies von besonderer Bedeutung. Auch wenn die Zeughäuser den Charakter eines Zweckbaus nicht verleugnen sollten, war deshalb eine gewisse Monumentalität angebracht.

Der St.Galler Architekt Felix Kubly, der durch seine Studien an der Münchner Akademie, an der Pariser École des Beaux-Arts und schliesslich durch ausgedehnte Reisen nach Italien hervorragend ausgebildet war, vermochte diese Ansprüche bestens zu erfüllen. Er entwarf gut proportionierte, klare Baukörper mit einfachen und regelmässigen Fassaden, die von Rundbogenfenstern geprägt werden. Dabei überliess er nichts dem Zufall. Als in Herisau der Baumeister glaubte, die Pläne nicht ganz ernst nehmen zu müssen, wurde er unter anderem dazu angehalten, die Holzsäulen im ersten Stock wieder herauszureissen und nach den Regeln der Kunst neu zu erstellen. Nun ragen ihre Basen korrekt aus dem Boden heraus und stimmen proportional mit den Kapitellen überein.

Minimale Eingriffe
Die Kombination von repräsentativer Gestalt, guter Lage und grossen, einfachen Räumen machen die Zeughäuser attraktiv für kulturelle Nutzungen. Diese bedingen jedoch gewisse Anpassungen. In Herisau blieben die Eingriffe in die Substanz denkbar einfach und minimal. Eingebaut wurden ein eigens in das Treppenauge eingepasster Aufzug, ein Office im ersten Stock, das auch als Bar dient,  eine Heizung sowie Brandwände, welche die Treppe abtrennen und damit nicht nur der Feuerpolizei Genüge tun, sondern auch den Haupträumen zugutekommen, denen sie eine gewisse Ruhe verleihen. Die Installationen wurden sichtbar geführt und die Materialien ohne veredelnde Oberfläche verarbeitet. So entstanden rohe, robuste Räume, die das Angebot des benachbarten Casinos ideal ergänzen.

Wie sorgfältig der Architekt Paul Knill gestaltete, bemerkt man spätestens, wenn die geöffneten Brandtore bündig in den dafür vorgesehenen Nischen verschwinden. Das kunstvolle Relief, das in die Wand eingelassen ist, vermag neben den toskanischen Säulen durchaus zu bestehen. Die Fassaden wurden sorgfältig restauriert, wobei das kräftige, expressionistische Rot erneuert wurde, das der Bau vermutlich in den 1910er-Jahren erhalten hatte. Der Vertrag von 1835 verlangte zwar eine gräuliche Wasserfarbe, und diese dezente Farbgebung liess das Haus wohl deutlich ruhiger und eleganter in Erscheinung treten als die heutige. Das Rot passt jedoch besser zu der aktuellen Nutzung. Überdies hat es sich längst in die Erinnerung der Bürger eingeschrieben, so dass es zum Stadtbild von Herisau gehört.

Kulturelle Vielfalt statt Kanonen
Auch das wesentlich grössere Artillerie-Zeughaus in Teufen, das 1853 bis 1855 erbaut worden war, fand nach einigen Umwegen zu einer neuen, angemessenen Nutzung. Die riesige, stützenfreie Halle im Erdgeschoss, in der früher Geschütze und Munitionswagen standen, dient heute als Festsaal und Ausstellungshalle. In den eindrücklichen Dachstock, an den die darunter liegenden Decken aufgehängt sind, zog das Grubenmann-Museum ein, so dass die Leistungen dieser grossen Meister der Zimmermannskunst in angemessener Umgebung bewundert werden können. Das mittlere Geschoss schliesslich beherbergt wechselnde Ausstellungen aktueller Kunst und Gestaltung sowie Bilder des Appenzeller Malers Hans Zeller. Mit Ueli Vogt ist ein engagierter Kurator am Werk, dem es gelingt, das ganze Haus mit spannenden Ausstellungen und Veranstaltungen zu beleben. Längst strahlt das Zeughaus Teufen deshalb weit über die Region hinaus aus. Es ist beides: ein Ort der Vermittlung und ein Botschafter für die lebendige Kultur der Region.

Offenheit der Lagerräume
Diese vielfältige Nutzung bedingte grössere Eingriffe in das Baudenkmal als in Herisau. Die Toilettenanlagen, die auch grössere Veranstaltungen verkraften, verbannten die Architekten Ruedi Elser und Felix Wettstein in ein neues Untergeschoss, während sie die Haustechnik und die speziellen, abgetrennten Räume an den Stirnseiten des Gebäudes konzentrierten. Dadurch konnte die Offenheit der ehemaligen Lagerräume weitgehend erhalten bleiben.
Das Haus wurde aber, den Ansprüchen entsprechend, stärker domestiziert als das Zeughaus von Herisau. Sorgfältig aufeinander abgestimmte Farben betonen die neuen Einbauten, und die Heizkörper in den Obergeschossen wurden mit hölzernen Gittern abgedeckt. Die Ausstellungszimmer mit den Ölbildern von Zeller erinnern so geradezu an Wohnräume, passend zu den meist kleinformatigen Werken.

Prachtvolle Stirnseite
Der bedeutendste Eingriff ist allerdings heute nicht (mehr) sichtbar. Das ehemalige Verwalterhaus wurde bis auf den Keller abgebrochen, so dass nun eine Terrasse vor dem Eingang dazu einlädt, den Blick in die Landschaft schweifen zu lassen. Schon den Erbauern des Zeughauses war die umgekehrte Perspektive von der damals neuen Bühler-Strasse aus wichtig. Ursprünglich sollte das Haus deshalb seine Längsfassade nach Süden wenden und so in seiner ganzen monumentalen Grösse in Szene gesetzt werden. Gewichtige praktische und technische Gründe sprachen aber damals dagegen. Nun präsentiert sich immerhin die Stirnseite des Baus wieder in ihrer ganzen Pracht.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Innen, aussen und dazwischen

Hanspeter Schiess

Einfriedungen umfassen das Innere, grenzen das Äussere ab und schaffen Zwischenräume. Auf die Einzäunungen legt die zeitgenössische Architektur Wert, kaum aber auf das Dazwischen. Dabei besässe die Ostschweiz ein bemerkenswertes historisches Vorbild.

 

21.11.2015 von Rahel Hartmann Schweizer

«Es war einmal ein Lattenzaun, mit Zwischenraum, hindurchzuschaun. Ein Architekt, der dieses sah, stand eines Abends plötzlich da – und nahm den Zwischenraum heraus und baute draus ein grosses Haus. Der Zaun indessen stand ganz dumm, mit Latten ohne was herum. Ein Anblick grässlich und gemein. Drum zog ihn der Senat auch ein. Der Architekt jedoch entfloh nach Afri- od- Ameriko.»

Christian Morgensterns berühmtes Gedicht aus den Galgenliedern, erstmals im März 1905 erschienen, hat verschiedene Deutungen erfahren: Es wurde einerseits direkt auf das Bauen bezogen und verstanden als Kritik an der sich im frühen 20. Jahrhundert etablierenden Glasarchitektur. Andererseits wurden die «Latten» mit «Lettern » gleichgesetzt – es wurde vermutet, dass der Dichter auf die Bedeutung der Zwischenräume zwischen den Buchstaben verwies, ohne die die Aneinanderreihung sprachlicher Zeichen unverständlich wäre.

Lattenzäune sind charakteristisch für die Einhegung von Gärten, wie sie Meinrad Gschwend beschreibt, einer der Autoren des 2014 erschienenen Buchs «Bauerngärten zwischen Säntis und Bodensee», des dritten Bands der Reihe «Gartenwege der Schweiz».

St.Galler Klosterplan als Vorbild
«Einen Markstein in der Geschichte der Gartenkunst (auch der bäuerlichen) bildet der Sankt Galler Klosterplan von 816», schrieb der  Gartenhistoriker Hans-Rudolf Heyer im «Mitteilungsblatt für die Mitglieder der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte» 1976. Dabei dürften die Gärten nach der karolingischen Verordnung für die Bewirtschaftung der kaiserlichen Landgüter und Herrenhöfe aus dem Jahr 812, das Capitulare de villis vel curtis imperii, angelegt gewesen sein. Dieses umfasst eine Liste von 73 Blumen, Kräutern, Gemüse- und Obstpflanzen sowie 16 Bäumen. Die Grundstruktur aus Gemüsen, Gewürzpflanzen, Blumen und Obst überliefert sich im Bauerngarten – teilweise bis heute.

Ursprünglich wird der Garten nicht nur von einer Einfriedung gefasst. Diese ist auch gleichsam seine Raison d’etre. «Garten» leitet sich etymologisch nämlich von den Gerten (Weiden- oder Haselnussruten) ab, mit denen ein Gelände umzäunt wurde.

Appenzellische Gartenkultur
Im Appenzellischen bildete sich zwischen 1817 und 1850 – nicht zuletzt aufgrund der Textilfabrikation – eine eigene Gartenkultur heraus, die sich teilweise bis heute bewahrt hat. Ihr Merkmal sind – neben dem sogenannten «Strussgstell» (eine Art Schaukasten vor dem Stubenfenster mit Blumen und Kräutern) – der «Trüeter» (Spalier an der Frontseite) und der Wetterbaum, der zum Schutz des Hauses vor Unwettern dient. Das ist ein frei stehendes Geviert, in dem Gemüse und Nutzpflanzen gezogen wurden. Eine kolorierte, um 1840 entstandene und mit «An der Wolf-Halden» betitelte Aquatintaradierung von Bernhard Freuler vermittelt eine Vorstellung einer solchen Einhegung. Diese wurde immer in Distanz zum Haus plaziert, um zu verhindern, dass die Pflanzen die Kellerräume verschatteten, in denen gewebt wurde.

Terrassierung in Rebbergen
Im Hintergrund der Radierung öffnet sich der Bodensee, zu dem der Blick über den im Zentrum abgebildeten Buechberg schweift. Auch er zeichnete sich einst durch eine besondere Art der Einfriedung aus, und zwar durch die Terrassierung für den ebenfalls vom Kloster St.Gallen geförderten Rebbau. Dass man diese Trockenmauern heute wieder bestaunen kann, ist einem Zusammenschluss von Leuten zu verdanken. Sie ergriffen im Jahr 2003 die Initiative, sie instand zu stellen, um gleichermassen eine nachhaltige Rebberg-Bewirtschaftung zu verfolgen, wie Lebensraum für die bedrohte Flora und Fauna zu schaffen. Beteiligt an Sanierung und Wiederaufbau der 110 erfassten Mauern aus roh gespaltenen Steinen aus Rorschacher Sandstein sind unter anderem Vertreter der Gemeinde Thal, der Grundeigentümer, der Weinbauern und des lokalen Naturschutzvereins.
Die zeitgenössische Interpretation findet sich in den Stützmauern aus Drahtschotterkörben im Friedhof Wilen, den Paul Rutishauser  Landschaftsarchitektur 2003 zu einer modernen Adaption des klösterlichen Baumhains umgestaltete.

KVA Winterthur hinter Gitter
Den Draht mythologisch-religiös aufgeladen hat das Team um die Künstlerin Katja Schenker, Schweingruber Zulauf Landschaftsarchitekten und pool Architekten bei ihrer Umzäunung der KVA Winterthur. Deren 2014 realisierte, 210 Meter lange und
3,5 Meter hohe Einfassung besteht aus verformten Bewehrungsstahlgittern. «Kerberos» war der Titel des 2011 gekürten Wettbewerbsprojekts – in Anspielung an den Höllenhund, der in der griechischen Mythologie den Eingang zur Unterwelt bewacht, und die christliche Deutung der Hölle als Feuerschlund.

Qualität des Zwischenraums
Und der Zwischenraum, dessen Bedeutung Morgenstern so trefflich illustrierte? – Viel Aufmerksamkeit wird den Umfassungen geschenkt. Aber was ist mit dem Raum, der die Beziehung zwischen diesen zu Körpern angeordneten Einfriedungen – seien es Häuser oder Gärten – definiert? Auf der erwähnten Aquatintaradierung bilden das Haus rechts und der Garten mit Wetterbaum links den Rahmen für das Panorama. In der zeitgenössischen Architektur definiert sich der Zwischenraum zu oft nur als Grenzabstand.
Es würde sich lohnen, wieder einmal einen Blick auf den St.Galler Klosterplan zu werfen, der nicht nur von der Kunst der Gestaltung der Einfriedungen zeugt, sondern auch von der Sensibilität für die räumliche Qualität des Dazwischen. Die im Frühling 2014 edierte und mit einem Begleitheft versehene neue Faksimileausgabe des Plans illustriert das in Wort und Bild augenfällig.

 

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Architektur im Film – Andermatt – Global Village

Mi 24. Februar 2016, 18.30 Uhr im Kinok

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Ein ägyptischer Geschäftsmann kauft eine Talschaft im Herzen der Schweiz. Die Dorfbevölkerung hofft auf Investitionen und bessere Zeiten. Widerspenstige Bauern werden charmant ausgebootet, dann kommen die Bagger und stampfen ein Luxusressort für den internationalen Jetset aus dem Boden. Das ist die Geschichte von Andermatt, einem Bergdorf in der Krise, erweckt aus dem Dornröschenschlaf durch einen milliardenschweren Kuss, welcher Heimat und Hoffnung zur handelbaren Ware macht.

Leonidas Bieri / CH, 2015, O/d-e-f, 90min

Zum Trailer

Weitere Vorführung: So 28. Feb 10.30 Uhr
Eintritt 15.– / Mitglieder AFO 10.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
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Jahresthema 2016

Im Wandel

Wir alle sind Kinder unserer Zeit: Was heute brandheiss ist, kann morgen schon längst vorbei sein. Und sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, ist der erste Schritt, im unerbitterlichen Strom der Zeit ins Hintertreffen zu gelangen.
Und dennoch: Es gibt Dinge, die überdauern die Zeit. Doch was macht das Wahre, Gute und Schöne aus? Was bleibt über den Tag hinaus bestehen? Welchen Eintagsfliegen haben wir schon im Laufe der Jahre verwundert nachgeschaut? Welches alteingesessene Büro hat nicht seine postmodernen Leichen im Keller?
Das Architektur Forum Ostschweiz stellt sich im 20. Jahr seines Bestehens – auch in Bezug auf sich selbst – die Frage nach dem Wandel. Den Veränderungen, denen der Beruf unterworfen ist, den Strömungen der Moden und des Zeitgeistes und den ständig wechselnden Herausforderungen in Gesellschaft und Profession. Denn das Rad bleibt niemals stehen. Oder wie Karl Valentin schon festgestellt hat: «Früher war alles besser – auch die Zukunft».

Struktur und Raum – Auf dem Weg zur Expo 2027

Angelus Eisinger, Urbanist, Zürich

Mo 7. Dezember 2015, 19.30 Uhr im Forum

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Landesausstellungen sind Ausnahmezustände, sie sind Feste und Gelegenheiten, Dinge jenseits von Alltagsroutinen zu betrachten und anzugehen. Mit der Expo 2027 findet zum ersten Mal in der Geschichte eine bewusst regionale Landesausstellung statt, die mehrere Kantone gemeinsam ausrichten. So erhebt sich die vielfältige Landschaft zwischen Bodensee und Säntis zu einer Bühne der Selbstreflexion, der Bestandesaufnahme und der Perspektivendefinition der selbstbewussten und offenen Schweiz im zweiten Viertel des 21. Jahrhunderts.
Mit dem Abschluss des Konzeptwettbewerbs ist ein erstes und entscheidendes Fundament für die kommende Ausstellung gelegt worden. Der Vortrag nähert sich dieser Entscheidung aus zwei Perspektiven. Erstens ordnet er die geplante Landesausstellung in die Geschichte der schweizerischen Landesausstellungen ein und reflektiert die Grundlagen, die zu der Lancierung des Konzeptwettbewerbs als Basis dieses Ausnahmezustands dienten. Im zweiten Schwerpunkt diskutiert er die Ergebnisse des Wettbewerbs und liefert einen Überblick für die nächsten Schritte auf dem Weg zu einer Expo in der Ostschweiz.

Im Anschluss an den Vortrag sind alle Besucher herzlich eingeladen, bei einem feinen Kündig Käsefondue und einem Glas Weisswein das Forumsjahr ausklingen zu lassen.

Angelus Eisinger
www.expo2027.ch

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte Dezember

Tausend Marmorsteine – Ein neues Herz für die Kathedrale

Ein Dokumentarfilm von Rahel Lämmler und Claudia Lorenz

Mo 16. November 2015, 19.30 Uhr Uraufführung im Stiftsbezirk St. Gallen mit Florian Summa und Florian Zierer von Caruso St John Architects und Rahel Lämmler

  • Altarraum
  • Montage Sedilien
  • Ornamente

Die Stiftskirche St. Gallen ist eine der prachtvollsten Sakralbauten des Spätbarocks. Sie gehört seit 1983 zum Unesco-Welterbe. Nun wird das ehrwürdige Gotteshaus einer anspruchsvollen Operation unterzogen: Es erhält ein neues Herz.
Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums schenkt der Katholische Konfessionsteil des Kantons St. Gallen der Kathedrale einen neuen Altarraum. Der Bau des Altarpodests und der lithurgischen Objekte erfordert höchste Handwerkskunst. Der mit Ornamenten durchsetzte Terrazzobelag wird sorgfältig Schicht für Schicht erstellt. Nach vielen aufwendigen Arbeitsschritten kommt seine wahre Schönheit schliesslich ans Tageslicht. Erst jetzt wissen die Altarbauer, ob ihr Werk gelungen ist.

Die Teilnehmerzahl ist beschränkt. Anmeldung unter stiftsbezirk@nulla-f-o.ch mit Angabe Namen, AFO Mitgliedschaf ja/ nein.

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte November

AFO vor Ort – Rathaus und Rathausplatz Altstätten

Baustellenbesichtigung

Sa 14. November 2015, Alstätten, 9 Uhr, Treffpunkt: Eingang neues Rathaus

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Rathaus, Freihof und die vier Häuser der Siedlung Churer- / Städlenstrasse definieren im bestehenden Kontext neue Stadträume, welche als Ordnungselemente zusammen mit der neuen Strassenführung die vorgefundene Situation klären und neue Bezüge schaffen.
Das neue Rathaus öffnet als vertikales Volumen mit minimiertem Fussabdruck den bisher versteckten Rathausplatz zur Trogenerstrasse und etabliert einen Sicht- und Wegbezug zur Altstadt. Die tangentiale Strassenführung lässt auf dem Platz Raum für vielfältige städtische Aktivitäten.
Der Freihof-Neubau ist aus der dichten Bebauungsstruktur der Altstadt entwickelt und bildet deren nordöstlichen Abschluss. Zusammen mit dem Gebäude auf der nördlichen Seite der Trogenerstrasse entsteht eine Torsituation, welche von der Innenstadt zur parkartigen gründerzeitlichen Stadterweiterung überleitet. Der öffentliche Innenhof verbindet den Rathausplatz fussläufig mit der Vorstadt.
Die Häuser der Siedlung Churer- / Städlenstrasse orientieren sich in Körnigkeit und Dichte am Bebauungsmuster des Vorstadt-Quartiers. Durch ihren unmittelbaren Strassenbezug werden zum Freihof klare stadträumliche Fluchten geschaffen. Nach Osten entsteht dagegen eine ruhige, gefasste Hofsituation.
Mit ihrer Höhenstaffelung gliedern sich die neuen Häuser in die Silhoutte der gewachsenen Stadt ein und zeichnen den für Altstätten prägenden Verlauf der Topographie nach.

Mitwirkende vor Ort
Patric Allemann – Allemann Bauer Eigenmann Architekten, Zürich
Rita Mettler – Mettler Landschaftsarchitektur, Berlin/Gossau
Paul Knill, Architekt und Mitglied Ortsbildkomission Altstätten
Werner Binotto, Kantonsbaumeister
Andreas Jung, Stadtbaumeister Altstätten

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Anmeldung unter altstaetten@nulla-f-o.ch mit Namen, Personenzahl und Mitgliedschaft AFO ja/nein.

Einladungskarte November

Struktur und Raum – System – Konzept –
Komposition

Pascal Flammer, Architekt, Balsthal

Finissage zur Ausstellung «Pier Luigi Nervi – Art and Science of Building» Mo 2. November 2015, 19.30 Uhr im Forum

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„I like to look at an accumulation of pieces that express strategic positioning – spatially, functionally or symbolically.“ Ich schrieb diesen alleinstehenden Satz für einen Ausstellungsbeitrag an der letzten Biennale in Venedig, und ich möchte dem Begriff „strategic positioning“ hier kurz nachgehen. Was bedeutet oder wofür steht „strategic positioning“? Eine Setzung, die eine Absicht ausdrückt – und im besten Falle auch elegant ist? Die Absicht eines Autors drückt eine Wertvorstellung aus – und als Betrachter kann man daran teilnehmen. Diese Wertvorstellung und die Fähigkeit, diese räumlich zu manifestieren, das ist die Kostbarkeit der Architektur.
Ich habe Entwürfe entwickelt, an denen ich lange gearbeitet habe und die ich als logisch und präzise erachte, trotzdem mag ich sie nicht. Mir ist aufgefallen, dass diese meist systemischer Natur sind, dass diesen ein System zugrunde liegt, welches Form generiert ohne einer Wertvorstellung zu folgen. Als Folge bleibt das Resultat eigenartig leer, ein Kadaver, absent eines Vorschlages oder absent eines Verfassers. Seit diesem Gedanken sind mir Systeme suspekt. Ähnlich schätzte ich Konzepte ein, die subjektive Gewichtung auf wenige Argumente legen. Denn auch hier, ist das Konzept einmal entwickelt, entsteht Form über Automatismen. Ich habe das Gefühl, es bleibt nur die Komposition, wie wir es von der klassischen Malerei her kennen. Alles ist wichtig, alles steht in Relation zueinander, es gibt keinen Urgrund oder kein System, auf das Entscheidungen rückzuführen sind.

www.pascalflammer.com

Ausstellung Pier Luigi Nervi – Art and Science of Building

Ausstellungssponsoren:
Archimedia Schweiz AG
BETONSUISSE
gruner + wepf
Historika Werbetechnik
Istituto italiano di cultura Zurigo
Kanton St. Gallen Kulturföderung
Stadt St. Gallen
Stutz AG

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte November

BSA@AFO –Stadtplanungskultur heute

Symposium mit 4 Kurzvorträgen und Diskussion

Mo 19. Oktober 2015, 19.30 Uhr im Forum

Ein Blick in die städtebauliche Praxis – Referate und Diskussion zum Stand der Stadtplanung in der Schweiz.

 

Der BSA Ostschweiz ist zu Gast im AFO und gestaltet einen Abend mit Input-Referaten zu planerischen Handlungsweisen in unterschiedlichen schweizer Städten.

Die Schweiz mit ihrer Vielzahl an kleineren und mittelgrossen Städten kennt keine eigentliche Städtebautradition und wird als Disziplin vornehmlich in den Verwaltungen der Städte gepflegt. Die Ausbildungsstätten fokussieren auf die architektonische und raumplanerische Grundausbildung und pflegen den Städtebau als zuweilen diffuse Schnittmenge zwischen Architektur und Raumplanung. Es überrascht deshalb nicht, dass nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in der Architektenschaft methodische Unsicherheit und stark divergierende Vorstellungen über das Potenzial der Stadtplanung vorherrschen. Gleichsam eröffnet dieser Schwebezustand aber auch Chancen und Möglichkeiten für eine inspirierte Arbeit an der Stadt. Wir wollen uns umhören bei Persönlichkeiten, welche sich den planerischen Herausforderungen ihres Ortes stellen und aus der Aufgabe heraus das Handwerk für das Planen an der Stadt immer wieder neu erfinden.

Jürg Degen, Basel
Leiter Areal- und Nutzungsplanung Kanton Basel Stadt
Das Dreispitzareal ist ein Umnutzungsprojekt, in das zwei Kantone und zwei Städte involviert sind.  eingebettet in das übergeordnete Birsstadt-Projekt ist über den Lauf eines Jahrzehnt ein „innerer Stadterweiterungsprozess“ durchgeführt worden, welcher wichtigen Institutionen einen neuen Ort geschaffen hat.

Cla Buechi, Luzern
Architekt, Kooperation Industriestrasse
Die Stadt Luzern hat für die Abgabe des Areals ‚Industriestrasse Luzern’ eine Ausschreibung mit Quartierentwicklungszielen durchgeführt. Den Zuschlag erhalten hat eine Kooperation von fünf Genossenschaften. Cla Buechi hat die Offerte der ‚Kooperation Industriesstrasse’ inhaltlich betreut.

Dr. Johannes Eisenhut, St. Gallen
Geschäftsführer Senn Development AG
Die Rolle des Entwicklers in kooperativen und marktorientierten Prozessen ist Teil der heutigen Stadtplanungskultur, gestaltet sich je nach Kontext aber immer unterschiedlich. Wann und wo ist welche Urbanität gefragt und warum?

Andreas Sonderegger, Zürich
Partner Pool Architekten
Der Masterplan für die neue urbane Mitte ‚Luzern Nord’ in Emmen basiert auf einer erfolgreichen Testplanung, welche seit 2010 zu einem Masterplan weiterentwickelt wurde. Die inhaltliche, kommunikative und technische Bewirtschaftung des Masterplans als Herausforderung für einen frei schaffenden Architekten.

Beim Gesprächsabend mit Input-Beiträgen der eingeladenen Persönlichkeiten werden auch das Publikum und die Gäste in das Gespräch miteinbezogen. Den Erfahrungsaustausch moderiert Thomas K. Keller, BSA Ostschweiz.

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Struktur und Raum – Pier Luigi Nervi – (Lehr)meister in Struktur und Raum

Joseph Schwartz, Bauingenieur, Zug

Vernissage zur Ausstellung «Pier Luigi Nervi – Art and Science of Building» Mo 5. Oktober 2015, 19.30 Uhr im Forum

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Als Protagonist unter den grossen Konstrukteuren des 20.Jahrhunderts, nimmt Pier Luigi Nervi eine Sonderstellung ein hat er doch in der Vor- und Nachkriegszeit dank seiner Rolle als Architekt, Ingenieur und Unternehmer auf herausragende Weise zur Entwicklung der Stahlbetonbauweise beigetragen. Seiner geradezu vorbildlichen interdisziplinären Haltung ist zuzuschreiben, dass er unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Randbedingungen seiner Zeit Bauwerke entwerfen konnte, welche eine unverkennbare eigene Handschrift aufweisen, indem mittels subtiler und eleganter Visualisierung des Kräfteflusses Struktur und Raum virtuos artikuliert werden.
Obschon das Tragwerk unabdingbarer Bestandteil jedes Bauwerkes ist, ist die Frage nach dessen Präsenz in der Architektur auch heute nach wie vor aktuell. Die Konfrontation der mit dem Wirken des Bauingenieurs inhärent verbundenen physikalischen Notwendigkeit mit der durch die gestalterische Freiheit gekennzeichneten Arbeit des Architekten öffnet ein hochinteressantes Spannungsfeld, innerhalb dessen Fragen betreffend Struktur und Raum im Vordergrund stehen. Im Vortrag wird versucht, ausgehend vom Wirken von Pier Luigi Nervi unseren heutigen Umgang mit der Thematik Architektur und Tragwerk kritisch zu beleuchten.

www.drsc.ch

Ausstellung Pier Luigi Nervi – Art and Science of Building

Ausstellungssponsoren:
Archimedia Schweiz AG
BETONSUISSE
gruner + wepf
Historika Werbetechnik
Istituto italiano di cultura Zurigo
Kanton St. Gallen Kulturförderung
Stadt St. Gallen, Fachstelle Kultur
Stutz AG

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte Oktober

Struktur und Raum – Art and Science of Building

Ausstellung Pier Luigi Nervi

Mo 5. Oktober bis Mo 2. November 2015
Öffnungszeiten: während den Veranstaltungen und jeweils
Sa + So 13–16 Uhr im Architektur Forum Ostschweiz

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«Pier Luigi Nervi – Art and Science of Building» ist eine Hommage an das Leben und Werk einer herausragenden Persönlichkeit der Architektur des 20. Jahrhunderts – des Italieners Pier Luigi Nervi (1891–1979). Mit seinem Schaffen an der Schnittstelle zwischen der Kunst und der Wissenschaft des Bauens, wurde Nervi vom britischen Historiker Nikolaus Pevsner als der «brillanteste Stahlbeton-Künstler unserer Zeit» gefeiert. Mit seinen über den ganzen Globus verstreuten Meisterwerken, leistete Nervi einen Beitrag zur Entstehung eines glanzvollen Zeitalters für strukturelle Architektur und wurde selbst zu einem Symbol für den Erfolg italienischer Ingenieurskunst in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Ausstellung zeichnet ein komplexes historisches Bild, in dem Nervis revolutionäre Konstruktionstechniken eng verknüpft sind mit sozialen und politischen Entwicklungen – in Italien und international. Damit einher geht die Erkundung der Fülle kultureller und wissenschaftlicher Beziehungen, in denen sich Nervi bewegte.
Die Ausstellung, zusammengestellt unter der Leitung eines internationalen Komitees, präsentiert 14 von Nervis berühmtesten Meisterwerken und erschliesst den formalen Einfallsreichtum seiner Werke.
Diese eingehende Analyse von Nervis Werk ist zugleich eine kritische Einordnung und liefert einen wesentlichen Beitrag zur gegenwärtigen Debatte über das Zusammenwirken von Gestaltung und Struktur. Damit zeigt sie auch neue Ansatzpunkte zum Dialog zwischen Architektur und Ingenieurwesen auf.
Das Architektur Forum Ostschweiz ist stolz, die Ausstellung «Pier Luigi Nervi – Art and Science of Building» mittels einer eigenständig entworfenen und gebauten Ausstellungsarchitektur kuratieren zu dürfen.

Die Ausstellung dauert von Mo 5. Oktober bis Mo 2. November 2015
Öffnungszeiten: während den Veranstaltungen und jeweils Sa + So 13–16 Uhr im Architektur Forum Ostschweiz

Vernissage
Finissage

Ausstellungssponsoren:
Archimedia Schweiz AG
BETONSUISSE
gruner + wepf
Historika Werbetechnik
Istituto italiano di cultura Zurigo
Kanton St. Gallen Kulturförderung
Stadt St. Gallen, Fachstelle Kultur
Stutz AG

www.pierluiginervi.org
Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte Nervi-Ausstellung

Industriearchitektur als Kultur

Banalität und Geltungssucht prägen die Bauten in unseren Industrie- und Gewerbezonen, oft genug miteinander kombiniert. Dass es auch anders ginge, zeigen die Metrohm AG in Herisau und die Sky-Frame AG in Frauenfeld.

 

24.10.2015 von Martin Tschanz

 

Ein Blick in unsere Zonen für Industrie und Gewerbe ist selten etwas Erfreuliches. Wie Krebsgeschwüre breiten sich diese den Verkehrswegen entlang aus. Dabei weiss man nie so recht, ob die Banalität der mit Trapezblech umhüllten Hallen und der öden Abstell- und Verkehrsflächen das grössere Übel sei oder die Exaltiertheit jener, die um jeden Preis um die Aufmerksamkeit der Passanten buhlen.

Im Industriebau scheint oft nur das Billigste billig genug und noch die schnellste Bauweise zu langsam zu sein. Wenn sich Kosten- und Zeitdruck mit Gleichgültigkeit paaren, ist Banalität die Folge. Immerhin drängt sich diese in den meisten Fällen nicht auf. Anders die weit verbreiteten baulichen Extravaganzen. Grellbunte Farben und lustige Dekorationen sind diesbezüglich noch harmlos, verglichen mit den extremen Formen jener überkandidelten (Pseudo-)Star-Architektur, zu der sich geltungssüchtige Architekten und ebensolche Bauherren nur allzu leicht verleiten lassen, wo baugesetzliche Regeln schwach sind und ein verbindlicher Kontext fehlt. Gesucht wird Erkennbarkeit und Identität, in der Summe entsteht aber bloss ein farbiges Rauschen.

Historische Industrieareale sind oft ungleich qualitätvoller. Das liegt nicht nur daran, dass die Zeit viel Schlechtes hat verschwinden lassen und grosse Firmen wie Sulzer oder Saurer ganze Areale entwickeln konnten, auf denen sie die Bebauung koordinierten. Es liegt auch an einer anderen Kultur des Industriebaus. Früher setzten Kamine, Silos und Ähnliches Akzente, in Ergänzung zu einfachen, rational konstruierten Backstein-Hallen. Man kultivierte die Sachlichkeit, und dabei dienten die funktionalen Abläufe und die Bauweise der Architektur als Ausdrucksmittel.

Dies ist heute schwierig geworden. Für die schlanken und vor allem flexiblen Produktionsabläufe sind möglichst neutrale Hallen gefragt, deren Baustruktur im Allgemeinen hinter einer dämmenden Verpackung verschwindet. Das bietet wenig Stoff für die Gestaltung. Und doch sind gute Industriebauten nach wie vor möglich.

Wie eine Stadt im Kleinen
Die Metrohm AG in Herisau entwickelt hochsensible Messgeräte und stellt sie selber her. Drei Baukörper für Verwaltung, Entwicklung und Produktion stehen dicht beieinander und wirken wie eine Stadt im Kleinen. Eine Brücke verbindet die Teile und weitet sich zwischen ihnen zu einem Platz aus, der als Forum für informelle Treffen dient. Die nicht sehr grossen, aber sorgfältig gestalteten Aussenräume nutzen geschickt die Hanglage und verknüpfen das Ganze mit dem öffentlichen Raum. Zukünftige Erweiterungen werden überwiegend in der Vertikalen geschehen. Eine erste wird derzeit realisiert, und die Hochregallager, die aus dem Produktionstrakt herausragen, deuten an, was noch möglich wäre.

Auffällig sind die Fassaden, die mit ihrem prägnanten Muster mehr leisten, als der Anlage ein erkennbares Gesicht zu geben. Die wenigen, sich in vielen Varianten wiederholenden Elemente deuten die flexible Struktur der Bauten an. Sie erlauben es, auf ökonomische Weise präzise auf die Bedürfnisse der Innenräume zu reagieren, ohne den ruhigen Ausdruck des Ganzen zu stören. Dabei betont das Relief die Senkrechte und lässt die aus klimatischen Gründen relativ geschlossenen Fassaden durchlässig erscheinen. Dadurch wird die Wucht der grossen, kompakten Anlage gemindert (Architektur: Arge Keller.Hubacher.Seifert, Herisau; Landschaftsarchitektur: Mettler, Gossau).

Ein hängender Garten
Das Gebäude der Sky-Frame AG in Frauenfeld ist klar und einfach aufgebaut. Anlieferung, Fertigung und Verwaltung liegen in einem kompakten Baukörper übereinander. Dieser wird von zwei blechumhüllten Erschliessungstürmen flankiert. Der grössere, ein Hochregallager, dient dem Warenfluss, der kleinere, mit Aufzug und Treppe, den Besuchern und dem Personal. Der Vorplatz, eine Land-Reserve, dient als grosszügige Vorfahrt, während Anlieferung und Aussenlager hinter dem Bau den Blicken entzogen bleiben. Nach Süden schützt eine Art bewachsenes Regal die Glasfassade vor der Sonne, während im Norden, zur Autobahn hin, der Einblick in das Gebäude offen bleibt.

Die grüne Fassade auf der Ankunftsseite ist beeindruckend, auch von innen. Besonders im Bürogeschoss spielt der Vordergrund des hängenden Gartens schön mit dem Hintergrund der Hügellandschaft und mit dem Gartenhof zusammen. Fast könnte man den Eindruck bekommen, in einem leichten, eingeschossigen Pavillon mitten in einem Park zu arbeiten, und nicht hoch über einer Werkhalle, irgendwo zwischen Autobahn und Paket-Zentrum.

Mit seinen speziellen Aus- und Durchblicken greift der Bau das Thema der Firma auf, die extrem fein konstruierte Fenster herstellt. Als exklusive Kostbarkeit kommen diese aber nur beim Innenhof zur Anwendung. Hier erzeugen die vielfältigen Verknüpfungen von Innen und Aussen eine Atmosphäre von Eleganz und Leichtigkeit, die auf interessante Weise zur rohen Stahlstruktur des Industriebaus kontrastiert. Alle Elemente spielen wirkungsvoll zusammen. Das zeigt sich auch in den Werkhallen, die auf angemessene Weise einfach, aber nicht minder sorgfältig gestaltet sind – bis hin zur wohlgeordneten Führung der Leitungen (Architektur: Peter Kunz, Winterthur; Landschaftsarchitektur: Ganz, Zürich, mit Forster Baugrün, Kerzers).

Ausdruck der Firmenkultur
Sowohl die Metrohm wie auch die Sky-Frame stellen in ihren Bereichen Spitzenprodukte her, beide sind als Firmen selbständig und beide haben sich ganz bewusst für die Schweiz als zwar teuren, aber auch hochwertigen und stabilen Standort entschieden. Das ist kein Zufall. Mit der sorgfältig gestalteten Architektur der Firmen- und Produktionsgebäude bringen sie ihr Qualitätsbewusstsein zum Ausdruck.

Gute Architektur braucht gute Bauherren. Diese sind bereit, Verantwortung zu tragen und dabei ganzheitlich und langfristig zu denken. Industriebauten sind aus einer solchen Perspektive nicht bloss ein Kostenfaktor der Produktion, sondern auch ein Beitrag zum Marketing, vor allem aber eine Investition in die Qualität der Arbeitsplätze und in die Identitätsbildung der Firma. Architektur leistet einen entscheidenden Beitrag zur Firmenkultur, in jedem Fall und nachhaltig. Wer aber möchte ernsthaft eine Kultur, in der nur das Billigste zählt und noch der schalste Effekt genug ist?

 

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Bilder: Jürg Zürcher, Claudia Luperto

Die letzte Ruhe – vereint statt anonym

  • Serie Gutes Bauen in der Ostschweiz: Die Kunstweke auf den Gemeinschaftsgräbern suchen Symbolhaftigkeit, Gemeinchaftlichkeit und Gedenken zu verbinden. Ganz neu auf dem Friedhof Bruggen sind es die in Bronze gegossenen liegenden Baustämme mit eingravierten Namen wie in Holz geritzt, auf dem Friedhof St. Georgen in einander verkeilte Aeste aus Bronze. Beides Werke der Landschaftarchitektin Rita Mettler aus Gossau ujnd der Künstlerin Kaja Terpinska aus Berlin. Auf dem Friedhof in Speicher AR sind es die 'Sechsmetererinnerungen' als 180 Bücher aufgereiht. Die mit den Namer der Toten beschrifteten Büchrücken stehen für die individuellen Biografien. Dieses Werk stammt von dem Künstler Jan Kaeser aus dem Jahr 2005.
  • Serie Gutes Bauen in der Ostschweiz: Die Kunstweke auf den Gemeinschaftsgräbern suchen Symbolhaftigkeit, Gemeinchaftlichkeit und Gedenken zu verbinden. Ganz neu auf dem Friedhof Bruggen sind es die in Bronze gegossenen liegenden Baustämme mit eingravierten Namen wie in Holz geritzt, auf dem Friedhof St. Georgen in einander verkeilte Aeste aus Bronze. Beides Werke der Landschaftarchitektin Rita Mettler aus Gossau ujnd der Künstlerin Kaja Terpinska aus Berlin. Auf dem Friedhof in Speicher AR sind es die 'Sechsmetererinnerungen' als 180 Bücher aufgereiht. Die mit den Namer der Toten beschrifteten Büchrücken stehen für die individuellen Biografien. Dieses Werk stammt von dem Künstler Jan Kaeser aus dem Jahr 2005.
  • Serie Gutes Bauen in der Ostschweiz: Die Kunstweke auf den Gemeinschaftsgräbern suchen Symbolhaftigkeit, Gemeinchaftlichkeit und Gedenken zu verbinden. Ganz neu auf dem Friedhof Bruggen sind es die in Bronze gegossenen liegenden Baustämme mit eingravierten Namen wie in Holz geritzt, auf dem Friedhof St. Georgen in einander verkeilte Aeste aus Bronze. Beides Werke der Landschaftarchitektin Rita Mettler aus Gossau ujnd der Künstlerin Kaja Terpinska aus Berlin. Auf dem Friedhof in Speicher AR sind es die 'Sechsmetererinnerungen' als 180 Bücher aufgereiht. Die mit den Namer der Toten beschrifteten Büchrücken stehen für die individuellen Biografien. Dieses Werk stammt von dem Künstler Jan Kaeser aus dem Jahr 2005.
  • Serie Gutes Bauen in der Ostschweiz: Die Kunstweke auf den Gemeinschaftsgräbern suchen Symbolhaftigkeit, Gemeinchaftlichkeit und Gedenken zu verbinden. Ganz neu auf dem Friedhof Bruggen sind es die in Bronze gegossenen liegenden Baustämme mit eingravierten Namen wie in Holz geritzt, auf dem Friedhof St. Georgen in einander verkeilte Aeste aus Bronze. Beides Werke der Landschaftarchitektin Rita Mettler aus Gossau ujnd der Künstlerin Kaja Terpinska aus Berlin. Auf dem Friedhof in Speicher AR sind es die 'Sechsmetererinnerungen' als 180 Bücher aufgereiht. Die mit den Namer der Toten beschrifteten Büchrücken stehen für die individuellen Biografien. Dieses Werk stammt von dem Künstler Jan Kaeser aus dem Jahr 2005.

Innerhalb weniger Jahre wurden etliche Friedhöfe in der Ostschweiz mit Gemeinschaftsgräbern ausgestattet. Ihre künstlerische Ausgestaltung zeugt vom Versuch, Gemeinschaft und Individualität zu vereinen.

 

19.09.2015 von Rahel Hartmann Schweizer

 

Nachdem auf dem Friedhof Bruggen Ende August das von der Landschaftsarchitektin Rita Mettler, Gossau, und der Künstlerin Kaja Terpinska, Berlin, gestaltete Gemeinschaftsgrab eingeweiht wurde, bietet die Stadt auf drei Friedhöfen diese Art der Beisetzung an. Neben Bruggen sind das St.Georgen und Feldli.

St.Georgen wurde ebenfalls vom Duo Mettler/Terpinska entworfen, das 2010 bereits das Gemeinschaftsgrab in Teufen verantwortete. Derweil waren die Urheber der Anlage im Feldli das Büro des Landschaftsarchitekten Paul Rutishauser und der Künstler Hans Thomann. Dasselbe Team zeichnete wiederum für den Entwurf in Mörschwil verantwortlich, dessen Umsetzung im November 2014 eröffnet wurde. Ebenfalls 2014 entstand das Gemeinschaftsgrab im Oberkirch in Frauenfeld nach einem Projekt der Landschaftsarchitektin Regula Hodel.

Bereits seit zehn beziehungsweise zwölf Jahren bestehen die Gemeinschaftsgräber auf den Friedhöfen in Speicher und Rehetobel. Ersteres realisierte der Künstler Jan Kaeser im Jahr 2005, Letzteres stammt von den Landschaftsarchitekten Elisabeth Steinegger und Rudolf Lüthi und wurde 2003 fertig gestellt. Dabei haben sich zwei künstlerische Formen herauskristallisiert: In einer ersten Phase wurden Bildhauerwerke geschaffen, die den gemeinschaftlichen Charakter signalisieren und in deren Symbolik die anonym Bestatteten aufgehoben waren. Dann entstanden zunehmend Plastiken, Skulpturen und landschaftsgestalterische Elemente, die gleichzeitig als Träger der Namen der Verstorbenen fungieren – Medium also des Wunsches sind, die Anonymität der Bestattung wieder aufzuheben.

Individuelle Biographien
«Epitaph» in Rehetobel vereint Gemeinschaftlichkeit, Sinnbildhaftigkeit und Gedenken. Als gemeinschaftliches Tableau fungiert die von einer «Wasserspur» gesäumte Grabplatte aus Rorschacher Sandstein, in die die Namen der Verstorbenen eingemeisselt werden. Die brunnenartige Anlage lässt Wasser aus dem Boden quellen und wieder darin versickern, womit sie den Kreislauf des Lebens symbolisiert. «Sechsmetererinnerungen» in Speicher ist noch stärker auf das Individuum ausgerichtet. Wie auf einem Regal aufgereiht, stehen hier 180 bronzene Bücher unterschiedlicher Formate. Ein jedes steht für die individuelle Biographie eines bestatteten Menschen. Die Namen werden auf Messingplättchen graviert, welche die Buchrücken zieren.

Eine andere Art der Verbindung mit dem Leben stellt das Kunstobjekt der jüngst realisierten Anlage im Friedhof Bruggen her. Hier werden die Namen in zwei in Bronze gegossene Baumstämme gestochen. Eine schöne Analogie, die man sich denken kann: Manche der Menschen, deren Namen heute in die tote Bronze des Stamms graviert werden, haben ihre Initialen vielleicht einst als Liebende in die Rinde eines lebenden Holzes geritzt.Im Tode vereint sind sie nun wohl zufällig, aber eben in einer Gemeinschaft. Holz ist auch das Thema der gemeinschaftlichen Ruhestätte im Friedhof in St.Georgen. Wiederum aus Bronze gegossene, ineinander verkeilte Zweige sind zu einer langgestreckten Skulptur komponiert. Das «Holz» ist zwar ebenfalls tot, aber es wächst: Jedem Verstorbenen wird ein neuer, namentlich gekennzeichneter Zweig gewidmet.

Einsam – gemeinsam
«Früher nannte man das Gemeinschaftsgrab ‹Grab der Einsamen› », wurde der Leiter des St.Galler Gartenbauamtes Christoph Bücheler im November 2014 in dieser Zeitung in einem Bericht über das Gemeinschaftsgrab in Mörschwil zitiert. Dass dem heute nicht mehr so ist, zeigt die steigende Zahl von Menschen, die sich in gemeinschaftlichen Anlagen bestatten lassen möchten – auch wenn sie Angehörige haben. Sie entheben diese damit der Aufgabe der Grabpflege – aus finanziellen wie aus ästhetischen Gründen. Denn an entfernten Orten lebende Verwandte delegieren den Unterhalt der Grabstätte zunehmend an Gärtnereibetriebe, die sie allzu oft unter Stiefmütterchen-Erika-Begonien-Einerlei «begraben».
So verkehren sich Erdbestattungen ins Gegenteil dessen, was sich im 18. und 19. Jahrhundert allmählich etablierte. Damals trat das sich emanzipierende Bürgertum aus der Anonymität von Massenbestattungen heraus und errichtete – sich an der Aristokratie orientierend – individuelle Grabstätten.

Totenstadt und Verdichtung
Aus dieser Zeit stammt auch einer der berühmtesten Friedhöfe der Welt, Le Cimetiere du Pere-Lachaise in Paris. Die Anlage ist von geradezu urbanem Charakter – eine berückende Totenstadt, in der zu wandeln einen in kontemplative Stimmung versetzt.
Doch die Verdichtung, wie sie in den Städten der Lebenden zur Norm wird, hält mit den Gemeinschaftsgräbern auch in den Friedhöfen Einzug. Diese sind längst nicht mehr nur Ruhestätten und Gedenkorte, sondern haben oft auch eine weltliche Funktion als Grünräume und Naherholungszonen. Diesen Aspekt genoss der Kolumnist Beni Frenkel während der Sommermonate, wie er im Magazin des «Tages-Anzeigers» am 12. September bekannte.

Moment des Gedenkens
Dabei erregte ein Grabstein in seinem Blickfeld wegen der Inschrift «Ich bin die Auferstehung» sein Interesse. Gerne hätte er mehr über den Verstorbenen erfahren, dessen Leben (1917 bis 1956) zu kurz währte. Frenkel widmete ihm vermutlich zu einem Zeitpunkt, da dessen Nachkommen es ihm kaum mehr zuteil werden lassen können, einen Moment des Gedenkens, eine Minute der Auferstehung. Wenn die Friedhöfe nicht nur Orte für die Trauernden sind, wird die Erinnerung ebenso kollektiv wie die gemeinschaftliche Beisetzung.
Vielleicht kommen die Toten so wieder etwas mehr in unsere Mitte. Doch die Atmosphäre, in der in Mexico am Dia de los Muertos mit den Verstorbenen gleichsam ihre temporäre Rückkehr bei Speis und Trank gefeiert wird, können wir nicht heraufbeschwören.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

ArchitekTour

Kroatien

Mi 16. September – Mo 21. September 2015

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Die diesjährige ArchitekTour führt uns in ein vergessenes Wunderland der Moderne. Beflügelt vom Glauben an den Fortschritt wurde im sozialistischen Jugoslawien nach dem 2. Weltkrieg die moderne Architektur zu einer zentralen Repräsentationsform des jungen Bundesstaates. Spuren der gewaltigen Modernisierung der 50er bis 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts prägen bis heute die Städte und zeugen von einem goldenen Zeitalter für Architekten und Städteplaner. Daneben existieren in ihrer Art einmalige, monumentale Gedenkstätten an abgelegenen Orten, die nach dem Zerfall des Vielvölkerstaates ihre Bedeutung verloren haben und heute in Vergessenheit zu geraten drohen.
Unsere Reise beginnt in Zagreb, wo sich beispielhaft die Entwicklungen der Moderne und ihre städtebaulichen Konsequenzen erfahren lassen. Sie führt uns zum verfallenen Monument auf Petrova Gora. Es ist das grösste seiner Art und einzigartig in der Verschmelzung von Architektur und Skulptur. Wir sehen zwei der architektonisch bedeutendsten Hotelbauten der Zeit um 1970, welche in ihrer Unterschiedlichkeit von der vitalen Architekturdiskussion dieser Zeit zeugen.
Schliesslich besuchen wir die Küstenstadt Rijeka, die unter dem Einfluss von Österreich, Ungarn, Italien, Jugoslawien und Kroatien den Charme einer kleinen Weltstadt entfaltet. Begleitet werden wir auf der Reise von Architekten und Forschern aus der Region, die uns manchen Blick hinter die Kulissen ermöglichen.

Das Detailprogramm ist in Bearbeitung und wird den Teilnehmern bei der Abreise abgegeben. Teilnehmerzahl min. 18, max. 25 Personen. Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt. Versicherung und ggf. Reiserücktrittsversicherung sind Sache des Teilnehmers. Änderungen bleiben vorbehalten.

Kosten Mitglieder 950.–* / Nichtmitglieder 1‘050.–*
* Inklusive Fahrt mit dem Nachtzug ab St. Gallen mit Halbtax (4er/6er Liegeabteil je nach Verfügbarkeit), Abfahrt Mi 16. September
2015, 20.39 Uhr, Ankunft Mo 21. September 2015, 9.20 Uhr, 3 Übernachtungen mit Frühstück in Hotels*** im DZ (EZ-Zuschlag: 150.–), Führungen und Eintritte. Vor Ort Beförderung mit Komfortreisecar. Eine Hauptmahlzeit pro Tag im Preis inbegriffen. Mitgliederpreis ohne Halbtax: 980.–, mit GA: 920.–

Mitgliedschaft Architektur Forum Ostschweiz
Profitieren Sie vom Mitgliederpreis und melden Sie sich jetzt zur Mitgliedschaft im Architektur Forum Ostschweiz an.

Anmeldung mit vollständigen Angaben (s. Anmeldekarte unten) bis 17. Mai 2015 an info@nulla-f-o.ch oder per Fax an 071 223 49 74

Den Berg in Szene setzen

  • Guten Bauen Ostschweiz. Erweiterung und Neubau Bergstation und Restaurant Chäserrugg der renommierten Basler Architekten Herzog und de Meuron. Das Gipfelrestaurant ist ein Holzbau.
  • Guten Bauen Ostschweiz. Erweiterung und Neubau Bergstation und Restaurant Chäserrugg der renommierten Basler Architekten Herzog und de Meuron. Das Gipfelrestaurant ist ein Holzbau.
  • Guten Bauen Ostschweiz. Hans Peter Schiess
  • Guten Bauen Ostschweiz. Erweiterung und Neubau Bergstation und Restaurant Chäserrugg der renommierten Basler Architekten Herzog und de Meuron. Das Gipfelrestaurant ist ein Holzbau.

Das Gipfelgebäude auf dem Chäserrugg von Herzog & de Meuron ist ein kleines Meisterwerk. Das Holzhaus zeigt exemplarisch, was Architektur auf dem Berg zu leisten vermag – abseits von Attraktionen wie Rodelbahnen oder Murmeltierparks.

 

15. August 2015 von  Martin Tschanz

 

Für einen Architekten ist es reizvoll, eine Gipfellandschaft zu gestalten und dabei Kultur und Natur durch ein Gebäude miteinander in Beziehung zu setzen. Trotzdem sind gelungene Bergstationen, die von Architekten gestaltet worden sind, selten. Die technischen, betrieblichen und nicht zuletzt die ökonomischen Anforderungen sind bei dieser Bauaufgabe äusserst hart.

Berghäuser sind nicht nur Maschinen der Seilbahntechnik, sondern auch der effizienten Gästebewirtschaftung, zumal wenn im Winter Skifahrer bedient werden sollen. Sie müssen extremen klimatischen Bedingungen trotzen, Stürmen und Schneeverwehungen ebenso wie grosser Hitze. Und nicht zuletzt ist der Bauprozess aufgrund der teuren und komplizierten Materialtransporte und der naturgegebenen kurzen Zeitfenster, die zur Verfügung stehen, äusserst anspruchsvoll.

Eigenheiten des Bergs nutzen
Wenn Berghäuser überwiegend technisch-pragmatisch gebaut werden, liegt das aber auch an Bauherren, die sich nicht vorstellen können, dass Architektur mehr zu leisten vermag, als spektakulär und teuer zu sein. Das Berghaus auf dem Chäserrugg beweist nun aber genau das. Es nutzt geschickt die Eigenheiten des Bergs, so dass dieser selbst zu einem intensiveren Erlebnis wird. Architektur ist hier nicht bloss eine Attraktion auf dem Berg und damit in derselben Rolle wie jene unsäglichen Rodelbahnen oder Murmeltierparks, mit denen die Touristikexperten die Gipfel bestücken und oft genug auch verunstalten.

Das Haus geht vielmehr eine Symbiose ein mit dem Berg, den es für den Besucher ins Werk setzt. Dass es dabei auch als Baukunst attraktiv ist, kommt erst in zweiter Linie dazu. Herzog & de Meuron verlängerten die bestehende Seilbahnstation um Küche und Nebenräume. Die neue Gaststube  schlossen sie im rechten Winkel dazu an, so dass sie als langer, schmaler Raum längs auf jenem Rücken zu liegen kommt, der dem Berg seinen Namen gegeben hat.

Auf dem Berg verankert
Dadurch entstand eine T-förmige Anlage, in der die lange, bis ins Tal hinunter führende Linie der Seilbahn zu einem präzisen Abschluss findet. Ein mächtiges Satteldach legt sich wie eine schützende Hand über das Ganze. Als würde es sich am Grat festhalten, verankert es das Haus und damit die ganze Bahn auf dem Berg. Gleichzeitig begleitet es den Weg des Besuchers über die Kuppe hinweg und macht so die asymmetrische Form des Berges erlebbar.

Wenn man die Gondel und den stählernen Bereich der Bahnstation verlässt, findet man sich in einer hölzernen Welt wieder. Von einer hohen, geschützten Vorhalle aus kann man den Berg betreten und im Winter die Piste in Angriff nehmen. Oder man folgt der Richtung von Raum und Dach und betritt das Restaurant.

Der Raum führt das Auge
Die lange oder vielmehr unendlich breite Gaststube wirkt mit ihren verglasten Stirnseiten wie ein optisches Instrument, das die breit gelagerte Ausdehnung des Berges in Szene setzt. Zunächst wird der Blick allerdings quer durch den Raum geführt. Das tief nach unten gezogene Dach lenkt die Aufmerksamkeit auf die verglaste Breitseite und über die vorgelagerte Terrasse hinweg nach unten, in Richtung Walensee. Die hohe Rückwand auf der gegenüberliegenden Seite gibt dem Raum den notwendigen Rückhalt. In den tiefen Nischen, die in sie eingelassen sind, geht der Ausblick gelenkt und von einem Fenster gerahmt in Richtung Alpstein. Die Gaststube öffnet sich also nach allen vier Himmelsrichtungen, allerdings nicht als Rundum-Panorama, sondern indem sie jede Seite ihrem Wesen gemäss in Szene setzt.

Obwohl der grosse Raum nur wenig gegliedert ist, wirkt er nicht mächtig. Die kräftige Holzkonstruktion schafft einen vertrauten, kleinmassstäblichen Rhythmus und sorgt dafür, dass die Raumtiefe prägender bleibt als die Länge. Überdies bieten die intimen Separees, in denen je ein grosser Tisch Platz findet, eine willkommene Rückzugsmöglichkeit – und doch bleibt alles unter einem Dach. Das schafft eine einzigartige Atmosphäre von Grosszügigkeit und Gemütlichkeit zugleich. Obwohl nur wenig an traditionelle Hütten erinnert, entsteht jenes Gefühl von Zusammengehörigkeit, das für Berghäuser charakteristisch ist.

Dazu passt das solide und praktische, aber auch elegante Mobiliar. Herzog & de Meuron haben das Haus ohne Betriebsunterbruch der Seilbahn gebaut und die Materialien fast ausschliesslich mit dieser auf den Berg gebracht. Das war möglich, weil sie die bestehende Station in den neuen Holzbau integriert haben. Dieser spricht eine verständliche Sprache. Man sieht, wie die hölzernen Stützen auf Sockeln stehen und die Balken tragen, auf denen sekundäre Träger und das Dach aufliegen, und die betonierte Bodenplatte ragt gerade so weit heraus, als sie deutlich macht, dass auf 2262 Metern über Meer eine horizontale Fläche keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ein aufwendiges Konstrukt. Selbst wenn an den Spitzen des Daches die Sparren nur einseitig aufliegen und damit zeigen, dass das Tragwerk doch nicht völlig konventionell ist, glaubt man doch, die Konstruktion zu verstehen.

Sprechende Konstruktion
Ein Sockel, ein Dach, ein Haus. Die Dinge sind hier auf beruhigende Weise, was sie sind. Das heisst nun aber nicht, dass sie nicht auch über sich hinaus weisen würden. Das grosse, bergende Dach zum Beispiel erinnert mit seinen Aufbauten von oben betrachtet an die mächtigen Schindeldächer der Waadtländer Alpen. Von unten jedoch sieht man einen weit ausgebreiteten Flügel, leicht und offen, als wolle er den Gleitschirmen Konkurrenz machen. Oder jene Einschnitte in der Wand, durch welche die Kabinen in das Haus hinein fahren: Sie zeichnen klar und verständlich die technische Form der Gondel-Aufhängungen nach.

Und doch erinnert ihre prägnante, symmetrische Gestalt auch an die Klanglöcher eines Musikinstruments, so dass plötzlich ein gewaltiges Instrument zu sehen ist, mit den Kabeln als ungeheuer weit gespannte Saiten. Ein leiser Gruss an das nächste wichtige Projekt der Region, das Klanghaus Toggenburg am Schwendisee.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Struktur und Raum – The Missing Link – von der Reintegration des Städtebaus in die Praxis der Transformation der Stadt

Carl Fingerhuth, Architekt, Zürich

Mo 7. Septmeber 2015, 19.30 Uhr im Forum

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Städte sind wie Bücher. Sie erzählen Geschichten. Jeden Tag entstehen neue Bücher, die vom Jetzt berichten. Sie helfen uns das Jetzt zu verstehen und mit ihm zu leben. Damit wir die Bücher lesen können brauchen wir eine Sprache. Diese besteht aus Wörtern und Sätzen, der Orthographie und der Syntax. Wörter sind flüchtig, oft mehrdeutig und werden immer wieder neu geschaffen. Die Syntax muss stabil sein, damit wir uns verstehen. Ich liebe Dich. Liebe ich Dich? Dich liebe ich! – dreimal die gleichen Worte mit veränderter Syntax und es entstehen drei verschiedene Mitteilungen.
Auch Städte erzählen Geschichten. Die Geschichten der Stadt werden immer wieder neu interpretiert. Jeden Tag entstehen neue Geschichten, die vom Jetzt berichten. Sie helfen uns die Stadt zu verstehen und mit ihr zu leben. Die Wörter der Stadt sind die Häuser, die Strassen, die Plätze und die Gärten. Die Syntax der Stadt ist die Art und Weise wie diese zusammenwirken. Aus diesem Zusammenspiel entsteht die Identität, die Atmosphäre und die Funktionalität der Stadt. Die Häuser können fast immer ohne Schaden ausgetauscht werden. Bei der Syntax müssen wir sehr sorgfältig sein. Um das Spiel von Kontinuität und Veränderung zu konkretisieren braucht die Stadt Wörter und Syntax – Architektur und Städtebau.

www.fingerhuth.com

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte September

Bücherrad und fahrbare Leitern

  • Gutes Bauen Ostschweiz 2015, Bibliothek in der ehemaligen Hauptpost am Bahnhofplatz. Turmzimmer
  • Gutes Bauen Ostschweiz 2015, Bibliothek in der ehemaligen Hauptpost am Bahnhofplatz. Bücherrad.
  • Gutes Bauen Ostschweiz 2015, Bibliothek in der ehemaligen Hauptpost am Bahnhofplatz. Café St. Gall.
  • Gutes Bauen Ostschweiz 2015, Bibliothek in der ehemaligen Hauptpost am Bahnhofplatz. Eingangsbereich.

Dem temporären Charakter entsprechend waltet in der Bibliothek in der St.Galler Hauptpost das Flüchtige des gesprochenen Worts, das Mobile von fahrbaren Leitern und der schöne Schein eines Bühnenbilds.

 

25. Juli 2015 von  Rahel Hartmann Schweizer

 

Es war ein ehrgeiziges Projekt, die bestehende Kantonsbibliothek Vadiana, die städtische Freihandbibliothek und die Frauenbibliothek Wyborada im Postgebäude zusammenzuführen.
Und es war ein Bekenntnis zur Buch-Tradition der Gallus-Stadt, die mit der Stiftsbibliothek eine der ältesten Bibliotheken der Welt beheimatet, als der Kanton den Post-Bau für 29 Millionen Franken kaufte.

Doch Brief und Siegel gab am Ende nicht die Politik, die sich dem Spardruck beugte und das 70-Millionen-Franken-Projekt auf Eis legte, sondern das Volk, das mit einer Initiative so viel Gegendruck erzeugte, dass es schliesslich zur Ausarbeitung einer redimensionierten Lösung kam. In einer Ausmarchung zwischen fünf Teams erhielt das Architektenduo Barao Hutter mit seinem Projekt Spoken-Words den Zuschlag, das erste Geschoss der Post mit einem Budget von 4,2 Millionen Franken umzubauen, um die Bestände der Kantonsbibliothek Vadiana und die Bücher und Medien für Erwachsene der Stadtbibliothek aufzunehmen.

Peter Hutter und Ivo Mendes Barao hatten im Jahr 2010 den vom Verein Südkultur lancierten Wettbewerb «Baukultur entwickeln »mit dem Projekt «Arkadia» gewonnen. Mit dem senkrecht stehenden, am First einen Bogen beschreibenden Stahlblech als Warteunterstand oder Plakatwand haben sie bewiesen, dass sie Funktionalität mit Originalität zu verbinden verstehen.

Wäre es möglich, diese Charakterzüge auch in einem Eingriff an einem so Respekt einflössenden Bau zu verwirklichen, wie es die zwischen 1911 und 1913 errichtete Hauptpost am St.Galler Bahnhofplatz ist? Das ausführende Büro Pfleghard & Haefeli war nach der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert nicht nur eines der renommiertesten im Raum Zürich, sondern etablierte sich mit Geschäfts- und Kontorhäusern für die Stickereiindustrie auch in St.Gallen.

Schnörkellos und schmuck
Aussen zeichnet sich das Postgebäude durch gezielt gesetzten bildhauerischen Schmuck aus, während es im Innern von einer schnörkellosen Stahlbeton-Skelettkonstruktion getragen ist. Diese beiden Komponenten haben Barao Hutter in ihrem Umbau miteinander verbunden. Ebenso dekorativ wie funktional beginnt es bereits beim Eingang, über dem aufgefächerte Bücher signalisieren, wo es zur Bibliothek geht.

Dass sie nicht an der Fassade prangen, mag dazu führen, dass sie übersehen werden – überhören dagegen vielleicht nicht, wenn im Verlaufe des Tages sporadisch ab CD Texte eingespielt werden.

Sprechende Bücher
Die sprechenden Bücher lassen sich in der Flüchtigkeit des gesprochenen Wortes einerseits als Anspielung auf die mittelalterliche Verschriftlichung vordem mündlich vorgetragener Texte und Gesänge lesen beziehungsweise hören – nicht zuletzt auch des Gallus-Liedes. Andererseits verknüpfen sie sich mit der vor dreissig Jahren aufgekommenen Technologie der Hörbücher, die in ihrer Entstehungszeit ebenfalls als «sprechende Bücher» tituliert wurden, und schliesslich mit der zeitgenössischen Slam Poetry.

Das flüchtige Wort ebenso wie das Labile der aufgehängten Installation passt zu einem Ort, der als temporäre Einrichtung qualifiziert ist – einem Aspekt, dem die Architekten auch im Innern Rechnung tragen.

Nach dem Aufstieg im Treppenhaus ins erste Geschoss empfängt einen zunächst das «Cafe St-Gall» mit Zeitungen und Zeitschriften. Dessen Blickfang ist ein Paravent, der bei Veranstaltungen als Bühnenbild figuriert. Er lässt sich als indirekte Referenz an Pfleghard & Haefeli lesen – stammt er doch aus einem Stickereiunternehmen, demjenigen von Jakob Schläpfer.

Flussbarsch in der Halle
Dahinter erstreckt sich die Präsenzbibliothek. Für den Umgang mit der Halle haben die Architekten ein symbolisches Bild gewählt: die «Skelettstruktur des Knochenfisches Perca fluviatilis» (Flussbarsch). Sie steht stellvertretend für das Merkmal des ursprünglichen Baus von Pfleghard & Haefeli. Barao Hutter haben die Roheit der Stahlbetonkonstruktion belassen. Demgegenüber zeigt die Decke des ehemaligen Direktorenzimmers noch Spuren von Stuck, und das Turmzimmer, in dem die Kantonsbibliothek Vadiana erstmals die Sangallensien präsentieren kann, wartet mit einem roten Teppich auf.

Ideal und Wirklichkeit
Bei der Ausstattung, die auf Entwürfen der Architekten basiert, kommt das Flair des Duos für Kleinarchitekturen zum Vorschein, das es mit «Arkadia» bewiesen hatte. Der Leuchter im Turmzimmer ist ein in Leuchtröhren aufgelöster Lampenschirm, das Bücherrad will einem als eine Erinnerung an die einstige Nutzung als Sortierhalle erscheinen und die auf Schienen fahrbaren Leitern als Liebäugeln mit denjenigen in der Stiftsbibliothek.

«Möge niemand, wie Schiller sagt, das dürftige Ergebnis der Wirklichkeit allzu peinlich an dem Masstab der Vollkommenheit messen, denn, fügt Carlyle bei, die Ideale bleiben immer in einer gewissen Entfernung, und mit einer leidlichen Annäherung an sie wollen wir uns dankbar zufrieden geben», schrieb die «Schweizerische Bauzeitung» zur Vollendung der Hauptpost vor fast auf den Tag genau 100 Jahren.

Damals war das Ungelöste – namentlich die städtebauliche Setzung – buchstäblich in Stein gemeisselt. Das Provisorische nun zum Kern des Umbaus gemacht zu haben, der auf dem Zurückbuchstabieren des ursprünglichen 70-Millionen-Franken beruht, ist vor diesem Hintergrund erst recht adäquat. An das Fernziel des Bibliotheksverbunds werden die sprechenden Bücher gemahnen.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Keine Fläche zu klein, ein Blumenmeer zu sein

  • Gutes Bauen Ostschweiz, Wechselflorrabatten und Pärke: Ostfriedhof, Stadtpark, Brühl, Grabenpärkli, Leonhardspärkli.
  • Gutes Bauen Ostschweiz, Wechselflorrabatten und Pärke: Ostfriedhof, Stadtpark, Brühl, Grabenpärkli, Leonhardspärkli.
  • Gutes Bauen Ostschweiz, Wechselflorrabatten und Pärke: Ostfriedhof, Stadtpark, Brühl, Grabenpärkli, Leonhardspärkli.
  • Gutes Bauen Ostschweiz, Wechselflorrabatten und Pärke: Ostfriedhof, Stadtpark, Brühl, Grabenpärkli, Leonhardspärkli.

Im Friedhof Ost, im Stadtpark, im Unteren Brühl und im St. Leonhardpark in St.Gallen sind derzeit die Blüten des Sommerflors zu sehen. Er ist Teil eines ausgeklügelten Konzepts, nach dem das Gartenbauamt den städtischen Raum ästhetisch und ökologisch aufwertet.

11. Juli 2015 von  Rahel Hartmann Schweizer

 

Kaum waren die weissen, gelben und dunkelvioletten Tulpen des Frühlingsflors verblüht, machten sich die Gärtner daran, die Zwiebeln auszugraben und die leer geräumten Beete mit dem Sommerflor zu bestücken. Für jede Anlage liegen genaue Schemata vor, um eine austarierte Komposition von Farben, Formen und Texturen zu gewährleisten.

Das Wolfsmilchgewächs mit den ausufernden gabelförmigen Verzweigungen, dem lanzettförmigen Laub und den zarten weissen Scheinblüten erzeugt im Wechsel mit dem rosafarben blühenden Ziesthybrid ein Bett, in dem die apricotfarbenen Schafgarben ein Mal mit ihren gelben bis orangen Schwestern gepaart sind, das andere Mal von den bis ins dunkelviolett spielenden Wilden Karotten flankiert werden. Der himmelblaue Salbeihybrid «African Sky» kokettiert als Lippenblütler ebenso mit dem Ziest wie mit dem Silberstrauch. Die silberfarbenen Blütenhalme des Chinaschilfs schliesslich werden bis im Oktober explodieren und so in den Herbst überleiten.

Grundmuster mit Variationen
Die Bepflanzung mit saisonalem Wechselflor ist eines von vier Grundmustern, auf denen das Pflanzkonzept der Stadt basiert. Die andern drei gliedern sich grob in Flächen, auf denen einjährige Blumeneinsaaten zum Einsatz kommen; Standorte, die mit der so genannten «Silbersommer »-Mischung bestückt – ein von der Fachhochschule Wädenswil entwickeltes Pflanzensystem – und Anlagen, die mit ausdauernden Mischstauden bepflanzt werden. Leitgedanke in allen Fällen ist, die Biodiversität zu erhöhen und für die Schönheit der einheimischen Flora zu sensibilisieren.

Einjährige Ansaaten in der Wehr-, der Rosenberg- und der Kolumbanstrasse basieren zum einen auf  der Pflanzmischung «Wehretaler Sommertraum», der aus niedrigen Sonnenblumen, Sonnenhut, Ringelblumen, rotem Lein, Schmuck- körbchen und anderem besteht, zum anderen auf der Bienenwiese, die mit Borretsch, Natternkopf, Drachenkopf, Buschwinden, Goldmohn, rotem und blauem Lein, Schleierkraut, Klatschmohn, Ringelblumen, Schmuckkörbchen, Kapmargariten und Sonnenblumen eine reichhaltige Bienenweide abgibt.

Der «Silbersommer», der als Verkehrsbegleitgrün zum Beispiel den Verkehrsteiler Heiligkreuz, die Kesselhaldenstrasse, den Unteren Graben und die Teufener Strasse aufwertet, zeichnet sich dadurch aus, dass die Pflanzenmischung das ganze Jahr über eine attraktive Blütenpracht entwickelt – und das oft auf kleinstem Raum: Im Frühling etwa leuchten scharlachrote Wildtulpen und blaue Trauben-Hyazinthen, im Vorsommer blühen blauer Lein, grüngelbe Wolfsmilch und weisse Anemone.

Im Herbst kontrastieren etwa filigrane Gräser mit den rotbraunen Blütentellern der Fetthenne. Auch im Winter muss nicht auf optische Blickfänge, welche die teilweise markanten Samenstände bilden, verzichtet werden.

Mischstauden für Kontinuität
Mischstaudenpflanzungen haben die längste Lebensdauer und stehen für Kontinuität – nicht aber für Erstarrung. Die Pflanzen werden nach dem Kriterium der Standortgerechtigkeit ausgewählt – sonnig-trocken, halbschattig oder schattigfeucht, je nachdem, ob sie auf Freiflächen, im Gehölz oder einem Beet eingesetzt werden. Mischstaudenpflanzungen finden sich im Stadt- und im Kantonsschulpark, im Unteren Brühl, im Kirchhofergut und in den Friedhöfen Feldli, Ost und Bruggen. In Letzterem wurde die Pflanzung 2014 angelegt. Als Leitstauden fungieren das Grosse Salomonsiegel mit den charakteristischen weissen Glöckchen, die Herbstanemone mit ebenfalls weissen, aber sternförmigen Blüten und die zarten rispigen Blütenstände der Rasen-Schmiele.

Ihnen beigesellt sind unter anderem Weisse Waldaster, lilafarbene Acker-Glockenblume, Brauner Storchschnabel und Kleine Japan Silberkerze. Dazwischen eingestreut wurden die violette Gemeine Akelei und der Rostfarbige Fingerhut. Als Füllstauden schliesslich fungieren etwa die Gelapptblättrige Waldsteinie mit zarten gelben Blüten, das Frühlings-Nabelnüsschen mit ebenso zarten, aber blauen Blüten oder die Schneeweisse Hainsimse. Die komplexesten Kompositionen sind diejenigen, in denen Pflanzen, die über Jahre den Charakter einer Grünfläche prägen, mit wechselndem saisonalem oder einjährigem Flor variiert werden.

Neben der Schützengasse steht dafür das Grabenpärkli beispielhaft. Mit dessen Umgestaltung erregte das Städtische Gartenbauamt 2011 Aufsehen. Die Neukonzeption zeigt, wie auch auf einer vergleichsweise bescheidenen Fläche – sie umfasst gerade einmal 150 Quadratmeter, ein Bruchteil des knapp 34000 Quadratmeter grossen Stadtparks – eine abwechslungsreiche, betörende Bepflanzung möglich ist.

Das Zürcher Landschaftsarchitekturbüro von Guido Hager ersann zwei Pflanzenbilder, das eine in den Farben dunkelblauviolett, maigrün und dunkelrotbraun, das andere in violett-purpur und weiss-silbergrün. Es komponierte sie aus Leit- und Gruppenstauden, Zwiebelpflanzen (Geophyten) sowie Bodendeckern im Wechsel mit Frühlings- und Sommerflor.

Als Leitstauden qualifizierte es im einen Fall Blütensalbei sowie zartes und Riesen-Federgras, im anderen unter anderem Atlas-Schwingel, Wermut, Kandelaber- Ehrenpreis und Flammenblume. Als Gruppenstauden definierte es Schwertlilien, Storchenschnabel, Akelei, Sterndolde sowie Indianer- und Mexikonessel beziehungsweise Fettblatt und Herbstanemone. Dem Zierlauch als Zwiebelpflanze gesellte es für das erste Bild verschiedene Tulpensorten bei, dem zweiten Strahlenanemone und Trompetennarzisse.

Als Frühlingswechselflor fungierten im einen Fall Stiefmütterchen, die im anderen mit Weiss- Hornveilchen angereichert wurden. Der Sommerwechselfor schliesslich war mit Bronze-Fenchel und Buntschopfsalbei beziehungsweise mit Verbene bestückt.

Fremde werden zugelassen
Über die Jahre wird sich der Grabenpark verändern, wie alle andern Grünflächen auch. Wohl unterhält das Gartenbauamt die rund 700 Objekte nach detaillierten Pflegeplänen. Doch duldet es Artenverschiebungen ebenso, wie das «Einschleppen» fremder Arten und greift nur ein, wenn sich ein Überhandnehmen beziehungsweise ein Ungleichgewicht abzeichnet, das der Vielfalt abträglich wäre.

Auch «Fremdes» kann nämlich zum Blickfang werden, wie es im Frühling im St.Leonhardpark je eine orange- und eine purpurfarbene Tulpe waren.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Museumsnacht – DRAWINGHELL Position 3 „Songs For The Sirenes“ & Super-Aktion: Rette meine Besucherzahlen

Städtische Ausstellung, Lika Nüssli

Sa 5. September 2015, 18–01 Uhr im Forum, mit Barbetrieb

Lika_Nuessli

Lika Nüsslis Stimm- und Zeichnungs-Performance dauert den ganzen Abend. Prozess ist Programm und der Moment etwas länger. Die DRAWINGHELL wird im Architektur Forum neu inszeniert und vor Ort weiter bearbeitet.

Nüssli arbeitet auf grossen, wandfüllenden Flächen und sprengt dabei die Grenzen der Zeichnung in mehrfacher Hinsicht. Das riesige Format erlaubt einen grosszügigen Duktus, Leerstellen werden ebenso Teil des Werkes wie dicht gemalte Partien. Die abstrakte, malerische Geste leitet über zu linearen, comicartigen Sequenzen. Diese wiederum werden durch Schrift und Sprache ergänzt. Es entsteht eine Erzählung im Raum, die sämtliche heterogenen Elemente integriert.
Comic und Illustration werden in der heutigen Rezeption kategorisch von Malerei und Zeichnung getrennt – Lika Nüssli gelingt es, die Gattungen selbstverständlich zusammen zu führen. Die Künstlerin hat mit der DRAWINGHELL ein dichtes Werk geschaffen, das nicht nur die Wände sondern auch Boden und Decke einschliesst. Sie macht den Prozess des Zeichnens sichtbar und somit gleichzeitig den kreativen Impetus.

18.00 – 23.30 Uhr persönliche Stimmabgabe und Visual DJean und „Songs Of The Sirens“ von Lika Nüssli

23.30 Grosse Auslosung der 2 GewinnerInnen mit Liveübertragung die beiden Kunsträume NEXTEX und Architektur Forum Ostschweiz

Barbetrieb ab 18 Uhr

Ticket 20.– für Eintritt in alle beteiligten Museen und Shuttlebusse
www.museumsnachtsg.ch

Ausstellung: Do 27. August. bis So 20. September 2015
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr
Vernissage Do 28. August um 18.30 Uhr

Lika Nüessli

AFO vor Ort – Bregenzerwald

Besichtigung BUS:STOP und Pfarrhaus Krumbach und Werkraum Bregenzerwald, Führung durch das vai

Mo 15. Juni 2015

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Die Initiative BUS:STOP Krumbach, ins Leben gerufen von kulturinteressierten Bürgerinnen, beinhaltet sieben Buswartehäuschen, gestaltet nach Entwürfen Architekten aus aller Welt, in Zusammenarbeit mit regionalen Handwerkern und Architekturbüros.Das Pfarrhaus Krumbach entstand aus einer Arbeitsgemeinschaft von Bernardo Bader Architekten, Bechter Zaffignani Architekten und Architekten Hermann Kaufmann.
Der Entwurf für den Werkraum Bregenzerwald von Peter Zumthor beruht auf zwei Grundgedanken: Versammlungsort und grosse Vitrine – als Schaufenster der Handwerkskultur im Bregenzerwald.

15.30 Uhr Abfahrt mit dem Bus ab Davidstrasse 40, St.Gallen
15.50 Uhr Abfahrt ab Autobahnausfahrt Au
19.00 Uhr Apéro im Werkraum
danach gemeinsame Rückfahrt mit dem Bus

Anmeldung bis 10. Juni 2015 unter info@nulla-f-o.ch
Teilnehmerzahl beschränkt.
Eintritt: 30.- / Mitglieder gratis

www.kulturkrumbach.at

www.werkraum.at

Kunst im Forum

Lika Nüssli

Ausstellung: Do 27. August bis So 20. September 2015
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr
Vernissage Do 28. August um 18.30 Uhr

Lika Nüsslis Stimm- und Zeichnungs-Performance dauert den ganzen Abend. Prozess ist Programm und der Moment etwas länger. Die DRAWINGHELL wird im Architektur Forum neu inszeniert und vor Ort weiter bearbeitet.

Nüssli arbeitet auf grossen, wandfüllenden Flächen und sprengt dabei die Grenzen der Zeichnung in mehrfacher Hinsicht. Das riesige Format erlaubt einen grosszügigen Duktus, Leerstellen werden ebenso Teil des Werkes wie dicht gemalte Partien. Die abstrakte, malerische Geste leitet über zu linearen, comicartigen Sequenzen. Diese wiederum werden durch Schrift und Sprache ergänzt. Es entsteht eine Erzählung im Raum, die sämtliche heterogenen Elemente integriert.
Comic und Illustration werden in der heutigen Rezeption kategorisch von Malerei und Zeichnung getrennt – Lika Nüssli gelingt es, die Gattungen selbstverständlich zusammen zu führen. Die Künstlerin hat mit der DRAWINGHELL ein dichtes Werk geschaffen, das nicht nur die Wände sondern auch Boden und Decke einschliesst. Sie macht den Prozess des Zeichnens sichtbar und somit gleichzeitig den kreativen Impetus.

Lika_Nuessli

Lika Nüessli

Struktur und Raum – Architektur im Sprachraum

Otto Kapfinger, Architekturforscher und -kritiker, Wien mit Hazel Brugger, Slam-Poetin, Zürich

Mo 1. Juni 2015, 19.30 Uhr im Forum

Otto Kapfinger

Ein Abend des Wortes im AFO: Im Forum treffen sich zwei Generationen, zwei Kulturen, zwei Erzählweisen. Die Zürcher Poetin und Philosophiestudentin Hazel Brugger (1993) slamte für das Hochparterre über Städte, Häuser und das Leben in ihnen. Neu schreibt sie für das Magazin des Tages-Anzeigers. Der Wiener Architekt und Theoretiker Otto Kapfinger (1949) reflektiert seit Jahrzehnten die Baukultur im deutschsprachigen Raum mit Fokus auf Österreich. Unter dem Titel „Architektur im Sprachraum“ ist vor Kurzem ein Band mit seinen pointiertesten und bedeutendsten Texten erschienen.
Beide betrachten Architektur im Zusammenhang der Gesellschaft – und beide nehmen kein Blatt vor den Mund. Word up!

www.ottokapfinger.at

www.hazelbrugger.ch

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

LandschaftsarchitekTour

Zooh! Zürich

Do 28. Mai 2015

Zoo_Schrämmli Landschaftsarchitekur GmbH

Seit Jahren schon ist die Zoolandschaft in der Schweiz im Aufbruch. Das Verständnis für Tiere in unserer Gesellschaft hat sich gewandelt. Weg von der Zurschaustellung exotischer Tiere hin zu einer tiergerechten Haltung und einer Botschafterfunktion für die Tierwelt. Struktur und Raum, das Jahresthema des Architektur Forums, ist im Zoo Zürich sowohl in der Architektur wie auch in der gebauten Umgebung auf eindrückliche Weise zu erleben.

Programm

Führung 1 – Masoalahalle

Der Masoala Regenwald wurde 2003 gepflanzt. In der Zwischenzeit ist nun ein relativ dichter Baum- und Pflanzenbestand herangewachsen, der immer authentischer wird. Neu führt ein Baumkronenweg durch die Baumwipfel und lässt einen in eine exotische Tier- und Pflanzenwelt eintauchen.

Führung 2 – Elefantenpark Kaeng Krachan

2014 eröffnet, beeindruckt die Anlage nicht nur mit der spektakulären Architektur des Daches und seiner Grösse sondern auch mit unerwarteten Einblicken in die Welt der Elefanten.

Abschluss in der Thai Lodge
Apero und Schlussdiskussion mit beteiligten Planern.

Rückreise individuell ab Zoo Zürch ca. 18.00 h

Beteiligte Planer

Lorenz Eugster, Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur und Städtebau GmbH, Zürich.
Stefan Schrämmli, Schrämmli | Landschaftsarchitektur GmbH, Brugg.

Treffpunkt Führung 1 + 2

14.25 Uhr bei der Kasse Masoala (Beginn Führung: 14.30 h)

Treffpunkt nur Führung 2

15.25 Uhr vor dem Zoo Haupteingang bei der Infotafel ‚Treffpunkt Gruppenführung‘ (Beginn Führung 15.30 h)

Es müssen keine Eintrittsbillette gekauft werden.
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt!

Anmeldung

Mit vollständigen Angaben bis 15. Mai 2015 an
landschaftsarchitektour@nulla-f-o.ch oder per Fax an 071 245 87 83

Name / Vorname
Adresse
E-Mail
Telefon
Anzahl Mitglied BSLA | AFO
Anzahl Nichtmitglieder à Fr. 30.-Teilnahme Führung 1 + 2
Teilnahme nur Führung 2

Mitgliedschaft Architektur Forum Ostschweiz

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Einladung LandschaftsarchitekTour

Struktur und Raum – Structure – Non Structure

Lukas Schweingruber, Robin Winogrond, Landschaftsarchitekten, Zürich

Mo 4. Mai 2015, 19.30 Uhr im Forum

Studio Vulkan

In der überbestimmten Stadt-Landschaft wächst in uns die Sehnsucht nach Unkontrolliertem.
Auf den Spuren eines Gefühls von Wildnis irren wir in schrumpfenden Territorien am Stadtrand umher um etwas von der Sinnlichkeit der Natur zu erhaschen. Als Landschaftsarchitekten hingegen sind wir angetreten, um Struktur herzustellen. Gerade in der uferlosen Agglomeration ist der Aussenraum wahrscheinlich das einzige Mittel, um ein gewisses Mass an identitätsstiftender Klarheit und Orientierung herzustellen.
In diesem Spannungsfeld von Structure – Non Structure erforschen wir die Chancen einer ‚Strategy of the Wild‘. Die Überlagerung von Struktur und Wildnis schafft Reibungsflächen im Land wo alles unter Kontrolle ist. Auf einem hochtechnisierten Gebäudedach inszenieren wir den unkontrollierten Zerfall; im scheinbaren Chaos der Agglomeration schafft ein natürlicher Flussraum Ordnung; innerhalb des strengen Rahmens eines Lärmschutzwandes am Stadteingang überlagen wir verschwommene Reflektionen der umliegenden Stadt-Landschaft.
Im Aufbrechen von scheinbaren Gewissheiten über strukturierte versus unstrukturierter Stadt und unstrukturierter versus strukturierter Natur eröffnen sich neue Wahrnehmungsspielräume unserer Umgebung.

www.studiovulkan.ch
Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte Mai

Hauptversammlung

2015

Fr 24. April 2015, 18.30 Uhr im Forum

Traktanden

1. Begrüssung
2. Protokoll der letzten HV 2014
3. Jahresbericht
4. Jahresrechnung
5. Revisorenbericht
6. Budget
7. Wahl der Revisoren
8. Allgemeine Umfrage
9. Aussichten

Forumsfest

Im Anschluss an die Hauptversammlung findet um ca. 20 Uhr das Forumsfest statt. Alle Mitglieder und ihre Begleitung sind herzlich zum gemeinsamen Essen eingeladen.

Aufzugsfahrt mit Aussicht

Beweisen Sie Ihr Geschick. Es gewinnt, wer den Aufzug am gewandtesten bedient und dabei nicht zum Fenster hinausfällt … Als Hauptpreis winkt dieses Jahr der Ulmer Hocker – ein multifunktionales Möbel von Max Bill und Hans Gugelot, ein Sponsoring von Domus AG.

Einladung HV 2015

Architektur im Film: Erich Mendelsohn – Visionen für die Ewigkeit

Einführung: Ita Heinze-Greenberg, Kunsthistorikerin, Zürich

Di 21. April 2015, 20 Uhr im Kinok

Mendelsohn-EditionSalzgeber

Ein junger Architekt schickt seiner 16-jährigen Geliebten von der Front des Ersten Weltkriegs Briefe mit Zeichnungen organischer Gebilde und philosophischen Gedanken. Daraus entsteht eine lebenslange Verbindung, in der Erich Mendelsohn zu einem der wichtigsten Architekten des 20. Jahrhunderts reift.
Duki Dror erzählt sein Mendelsohn-Porträt als Liebesgeschichte, festgehalten in Briefen und Memoiren, in Spuren und Details berühmter Bauwerke, bei deren Entstehung Luise Mendelsohn das «zweite Auge» ihres Mannes war.

Regisseur: Duki Dror, IL 2011, D 70‘
Weitere Vorführungen:
Di 21. April 20 Uhr, So 26. April 11 Uhr, Do 30. April 17.30 Uhr

www.salzgeber.de

Eintritt 15.– / Mitglieder AFO 10.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Einladungskarte April

Veranstaltungssponsoren: domus, Jansen

Tisch hinter den Gleisen @ AFO

Frau Gerolds Garten

Mo 20. April 2015, 19.30 Uhr im Forum

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Am Fusse des Prime-Tower hat im Sommer 2012 Frau Gerold ihre Tore auf dem Gerold-Areal im Zürcher Kreis 5 eröffnet. Das Gelände hinter dem Freitag-Turm hat sich innert ein paar Monaten in einen modularen Stadtgarten verwandelt. Das Projekt ist so konzipiert, dass es nach Ablauf der Zwischennutzung mit Sack und Pack umziehen kann, so dass einer anderen Nutzung des Geländes nichts im Wege steht und Frau Gerold trotzdem weiter gärtnern, kochen, shoppen und bewirten kann.

www.tischhinterdengleisen.wordpress.com
www.fraugerold.ch
Kollekte

Einladungskarte April

Variationen zu einem Thema

  • Ehemaliges Fabrikareal der Viscose, Künstler und Architekt Spallo Kolb hat hier in einem Work in Progress ein architektonisches  Experimentierfeld erschlossen.
  • Ehemaliges Fabrikareal der Viscose, Künstler und Architekt Spallo Kolb hat hier in einem Work in Progress ein architektonisches  Experimentierfeld erschlossen.
  • Ehemaliges Fabrikareal der Viscose, Künstler und Architekt Spallo Kolb hat hier in einem Work in Progress ein architektonisches  Experimentierfeld erschlossen.
  • Ehemaliges Fabrikareal der Viscose, Künstler und Architekt Spallo Kolb hat hier in einem Work in Progress ein architektonisches  Experimentierfeld erschlossen.

Auf dem ehemaligen Fabrikareal der Viscose in Widnau hat sich der Künstler und Architekt Spallo Kolb ein Experimentierfeld erschlossen. Die Transformation ist ein «Work in progress» mit offenem Ausgang.

 

18. April 2015 von  Rahel Hartmann Schweizer

 

Der Umgang mit aufgegebenen Industriestandorten folgt standardisierten Drehbüchern: entweder sie werden – meist nach einer Zwischennutzungs- periode – abgebrochen, um Neubauten Platz zu machen, und/oder umgenutzt – als Museen, Schulen, Lofts. In der Ostschweiz kann man diese beiden Szenarien exemplarisch verfolgen: in Aadorf, wo vor zwei Monaten die Backsteingebäude der einstigen Feilenfabrik Baiter abgebrochen wurden, um auf dem 5600 Quadratmeter grossen Areal vier Mehrfamilienhäuser zu errichten, und in Arbon, wo die Firma HRS das 24 Hektar umfassende ehemalige Saurer-Gelände mittels Architekturwettbewerben zu einem neuen durchmischten Stadtteil umwandelt und bis 2016 das Hamel-Gebäude aus dem Jahr 1907 renoviert und mit Mall, Büros und Wohnungen alimentiert.
Ein drittes Szenario spielt sich meist eher im Verborgenen ab, weil die Eingriffe weniger spektakulär sind oder weniger Zündstoff bieten. Beobachten lässt es sich auf dem Viscose-Areal in Widnau.

Einen Steinwurf von der Lokomotivremise entfernt, flankiert von einem ausgedientem Schienenpaar und vor der Kulisse improvisierter Pflanzplätze fällt der Blick auf ein zu einer mächtigen Möbiusschleife aufgerolltem rostigen Bergbahnstahlseil. Das Holz der Haspel, auf der es einst aufgespult war, verfaulte bis es unter dem Gewicht des Stahls kollabierte und sich dieser durch den Drall der Wicklung zur Schleife verformte. «Schlaufe» nennt Spallo Kolb das «Objet trouvé», das vorgefundene Objekt. Weiter hinten liegt eine Plastik, die aussieht, wie ein vergrösserter Unspunnenstein. Es ist aber kein Findling, sondern mittels ausbetoniertem Stahlgerüst imitierte Natur. Das Stahlseil und der Betonbrocken stehen symbolhaft für Kolbs Interventionen auf dem Areal: Arbeiten mit dem Vorgefunden, Neues adaptierend erfinden.

Die Geschichte beginnt 1998, als der Niedergang des 1924 eröffneten Viscose Standorts am Rhein besiegelt wird. Spallo Kolb, der seit dem Studium an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien (1980–1982) als Künstler, Designer und Architekt arbeitet, ist auf der Suche nach einem Atelier, und die Viscose-Muttergesellschaft in Emmenbrücke will brach liegende Teile ihres Areals veräussern. Kolb quartiert sich in der ehemaligen Montageleitungsbaracke ein, haust vorerst ohne Wasser und Strom und initiiert das Experiment, die Industrieruine bewohnbar zu machen. Er tut dies als Work in Progress und nomadisiert von Bau zu Bau. Nachdem die Montageleitungsbaracke isoliert, mit Strom und Wasser versorgt sowie mit Küche und Bad ausgerüstet ist, vermietet er sie und zieht weiter in die nächste. Er baut sie zurück und erstellt zwei spiegelbildlich zueinander organisierte Grossraumwohnungen: Case 1 + 2. Vis à vis steht die einstige Gärtnerbaracke – hinter einem alten Güterwaggon auf einem ausgedienten Gleisabschnitt. Den Holzbau funktioniert er zum Schlaftrakt um und ergänzt ihn um je einen Betonkubus für Wohnraum und Büro. Das Ensemble nennt er Casita.

Lose und kompakt
Der Schienenstrang mündet in der Lokomotivremise am Galerieweg, die er mit seiner Familie bewohnt. Sein Büro hat er in einer der Boxen, die auf der andern Seite des Wegs in wilder Kreuzbeige übereinander gestapelt sind. Die Anordnung ist nicht «l’art pour l’art» statischer Spielerei, sondern resultiert aus der Rücksicht auf den alten Baumbestand. Erschlossen sind die «Case Study Houses» über einen imposanten Treppenturm, von dem aus Passerellen zu den Eingängen führen. Kolb benennt die «Holzkisten» nach dem experimentellen und legendären Wohnbau-Programm, das die amerikanische Zeitschrift Arts & Architecture zwischen 1945 und 1966 lancierte.
Im Gegensatz dazu zeichnet sich seine Intervention im ehemaligen Unterwerk durch Kompaktheit aus. Er «durchsticht» die drei Hallen, in denen einst Transformatoren standen und «schiebt» vollflächig verglaste, zweigeschossige Container so «hinein», dass sie das leergeräumte Volumen ausfüllen. Nicht so im oberen Geschoss, das sich über alle drei unteren Hallen erstreckt. Hier stellt er die Holzkiste «lose» hinein, sodass sie von der Fassade zurückversetzt ist und die Decke nicht berührt.

In der Schwebe
Frappierend ist, dass Kolb durchwegs mit Boxen operiert, diese aber so variiert, dass die bestehenden Bauten ihren Charakter behalten und sich die Neuen in das disparate Konglomerat einfügen. Diese konsequente Variation eines Themas, das sich auch im Innern wiederfindet, wo Kolb nach dem Raum-im-Raum-Prinzip da einen Badcontainer hineinstellt, dort eine Schlafkoje platziert, macht den Charakter der Interventionen aus.
Die Eingriffe werden «in der Schwebe» gehalten. Das gilt für die in scheinbar prekärem Gleichgewicht balancierenden «Case Study Houses» ebenso, wie für die Eigenkreationen der freistehenden Küchenblöcke und für als Galerien ausgebildete «Obergeschosse». Nicht zuletzt gilt das auch für die «Eigentums»verhältnisse: Das Terrain zwischen den Bauten ist Allgemeingut.

Die Eigenheit in Arbon liegt – abgesehen davon einen Zeugen der Industrie- geschichte zu bewahren und hohe architektonische Massstäbe an die Neubauten zu legen – in der radikalen Umwälzung des Quartiers im Zeitraffer. Demgegenüber ist der Reiz der „slow-motion“-Transformation in Widnau, ein unvollendetes Werk, ein Non-finito, ein «Work in progress» mit offenem Ausgang zu sein.

Bilder: Hanspeter Schiess

Struktur und Raum – Berührungspunkte zwischen Architekt und Ingenieur

Tivadar Puskas, Bauingenieur, Basel

Mo 13. April 2015, 19.30 Uhr im Forum

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In einem zeitgemässen Dialog zwischen Architekt und Bauingenieur entstehen Bauten, deren Raum- und Tragstruktur sich gegenseitig bedingen. Durch den intensiven Austausch können architektonische und tragwerkspezifische Absichten herausgeschält werden.
Führt der Wunsch nach einer grossen Nutzungsflexibilität zu klassischen Skelettbauten, die erst in Kombination mit den inneren, nicht tragenden Wänden und der äusseren Haut den Raum bilden, gibt es auch Lösungen, wo statische und räumliche Elemente zusammenfallen und so Scheiben-Platten-Systeme bilden. Die Stapelung dieser Systeme kann in der Folge zu komplexen räumlichen Systemen führen, welche die architektonischen Intentionen befeuern können. Diese Fälle erzeugen enge Berührungspunkte zwischen Architekt und Ingenieur und regen uns bei den Arbeiten immer wieder von Neuem an.

www.schnetzerpuskas.com
Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte April

Bossart schafft stimmige Räume

  • Gutes Bauen in der Ostschweiz, Kirchenumbauten von Architekt Bruno Bossard in Niederwil und Flawil.
  • Gutes Bauen in der Ostschweiz, Kirchenumbauten von Architekt Bruno Bossard in Niederwil und Flawil.
  • Gutes Bauen in der Ostschweiz, Kirchenumbauten von Architekt Bruno Bossard in Niederwil und Flawil.
  • Gutes Bauen in der Ostschweiz, Kirchenumbauten von Architekt Bruno Bossard in Niederwil und Flawil.

Der St.Galler Architekt Bruno Bossart hat in der Ostschweiz eine ganze Reihe von Kirchen an die neuen Bedürfnisse angepasst. Liturgisch ist der mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingeleitete Wandel vollzogen, baulich aber noch nicht überall in die Sprache der Architektur übersetzt.

 

14. März 2015 von  Martin Tschanz

 

Nicht vonungefähr sagt man, die Kirche bleibe im Dorf. Als Institution und als Architektur steht die katholische Kirche gleichermassen für Beständigkeit – und doch gibt es Veränderungen. In den frühen 1960er-Jahren wurde die Bedeutung der Laien durch das Zweite Vatikanische Konzil gestärkt. Unter dem Schlagwort der tätigen Teilnahme der Gemeinde hatte dies unter anderem zur Folge, dass sich der Priester nun dem Kirchenvolk zuwandte, um die Messe zu zelebrieren.
In vielen Kirchen mussten dafür neue Altäre aufgestellt werden, die nun frei im Raum standen. Meist behalf man sich dabei zunächst mit Provisorien, die erst allmählich durch definitive Lösungen ersetzt wurden. So ist diese noch relativ junge Entwicklung der katholischen Liturgie in den vergangenen Jahren in die dauerhafte Sprache der Architektur übersetzt und festgeschrieben worden.

Eingriff in der Kathedrale
Das bekannteste Beispiel dafür ist der neue Altar in der Kathedrale von St.Gallen, den die Architekten Caruso St John gestaltet haben. Die Diskussion, die dieser sensible Eingriff in das barocke Gesamtkunstwerk ausgelöst hatte, ist ein Zeichen für seine  weitreichende Bedeutung. Dabei war er insofern relativ unproblematisch, als der neue Altar vor dem Hintergrund des prunkvollen Chorgitters einen selbstverständlich wirkenden Ort fand, während der Raum dahinter und der bestehende Hochaltar unangetastet blieben.

Gefahr einer drohenden Leere
Im Normalfall der zahlreichen Gemeindekirchen gibt es jedoch keinen Mönchschor. Die Verschiebung des Altars, auf den sich der ganze Bau vorher ausgerichtet hatte, droht daher oft eine unangenehme Leere entstehen zu lassen. Bruno Bossart, der in der Ostschweiz eine ganze Reihe von Kirchen an die neuen Bedürfnisse der Liturgie angepasst hat, spricht in diesem Zusammenhang von einer Art räumlichem Vakuum, das gestalterisch bewältigt werden muss.

Ostermahl statt Altar in Flawil
In der St. Laurentiuskirche in Flawil, die er 1995 erneuert hatte, nimmt daher ein neugeschaffenes Ostermahl die alte Stelle des Altars ein. Es ist ein Symbol für das leere Grab, öffnet sich zum Morgenlicht hin und nimmt in seiner Mitte den bestehenden Tabernakel auf. Der neue, nach vorne gerückte Altar steht als Tisch auf einem Stufenpodest, das kreisförmig in das Kirchenschiff ausgreift. Er wird von den damit verknüpften Bereichen der Anbetung und der Taufe flankiert, die an die Stelle der alten, nicht mehr benötigten Seitenaltäre getreten sind.
Hinter dem Altar stehen vierzehn steinerne Stelen, die mit ihrem oberen Abschluss aus Bronze an Kerzen erinnern, vielleicht auch an menschliche Figuren oder an die Zinnen einer Stadtmauer. Wie auch immer man sie deuten mag, vermitteln sie räumlich zum noch weiter zurück liegenden Ostermahl und zur Geometrie des bestehenden Kirchenraums. Dieser wird dadurch bühnenartig auf  das Geschehen am Altar fokussiert, so dass die heilige Handlung räumlich und symbolisch einen angemessenen Rahmen erhält.
Bei der Ausarbeitung dieser neuen räumlich-ikonographischen Einheit innerhalb der schlichten, 1935 von Karl Zöllig erbauten Kirche spielte der damalige Pfarrer, der heutige St.Galler Bischof Markus Büchel, eine wesentliche Rolle. Ihn bezeichnet Bruno Bossart als seinen Lehrmeister in liturgischen Fragen.

Referenzen aus der Malerei
Der Architekt arbeitet beim Entwerfen oft mit Referenzen aus der Malerei, die ihm beim Entwickeln und Vermitteln seiner Vorstellungen helfen. Man braucht diese aber nicht zu kennen – in diesem Fall das berühmte Abendmahl von Leonardo da Vinci –, um einen Zugang zu seiner Architektur zu finden. Bossart baut keine Bilder, sondern übersetzt deren Themen in die Sprache seiner Kunst, die mit ihren eigenen Mitteln unmittelbar unsere Wahrnehmung anspricht. In diesem Fall inspirierte der Saal des Bild zu den Stelen des Kirchenraums. Beide geben dem Abendmahl seinen Raum. Die Tragfähigkeit der bei der Flawiler St. Laurentiuskirche erarbeiteten Prinzipien zeigt sich in einer ganzen Reihe von Nachfolgebauten, auch wenn jede Lösung auf dem vorgefundenen Bestand aufbaut und dementsprechend einzigartig ist.

Alt und Neu im Gleichgewicht
Beispiele dafür sind: St. Joseph in Muolen (1999), St.Michael in Lütisburg (2003), St.Ulrich in Oberbüren (2012) und St.Gallus in Libingen (2013). Das jüngste Beispiel ist die Kirche St.Eusebius in Niederwil, die Bossart in Zusammenarbeit mit dem Pallottinerpater Adrian Willi gestaltet hat. Auch hier erhielt der neue, der Gemeinde zugewandte Altar einen optisch und inhaltlich
sinnvollen Hintergrund durch ein neues Chorraum-Element, das in diesem Fall das offene Haus von Emmaus symbolisiert.
Erbaut wurde es aus dem Stein des alten Altars, während der neue die zwölf Stangen aus Schmiedeeisen mit den Namen der Apostel integriert, die früher die Chorraumschranke gebildet haben und nun den Tisch des Abendmahls umgeben. Die alte Christusfigur erhielt ein neues Kreuz, und die neue Farbigkeit verleiht der bestehenden Deckenmalerei und den Mosaiken von 1958 neue Kraft. Damit lebt das Alte im Neuen weiter: Die Kirche bleibt im Dorf und ist das Resultat einer reichen Geschichte mit zahlreichen Umbauten und Erneuerungen, wobei es mit der jüngsten Etappe gelang, die unterschiedlichen Teile wieder zu einem Ganzen zusammenzufügen.

Ungleiches zusammenführen
Bruno Bossart beweist bei solch schwierigen Aufgaben einen ausserordentlichen Sinn für Gleichgewichte, der es ihm erlaubt, Altes und Neues, Grosses und Kleines, Flächiges und Plastisches, kurz Ungleiches aller Art in eine stimmige architektonisch- räumliche  Komposition zusammenzuführen. Es ist kein Zufall, dass seine Arbeiten oft an die Werke des grossen italienischen Architekten und Gestalters Carlo Scarpa erinnern. Wie dieser ehrt er das Handwerk, pflegt die Kunst von Profilierung und Rahmung und weiss eine fast barock anmutende Sinnlichkeit mit moderner Eleganz zu kombinieren.
Auf diese Weise gelingt es Bossart immer wieder, wie bei St.Eusebius, die Flurschäden vergangener Eingriffe zu beheben. Solches ist heute zunehmend von Bedeutung, nicht nur im Sakralbau.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Ein städtebauliches Juwel

  • Regierungsviertel Frauenfeld für Gutes Bauen Ostschweiz.
  • Hanspeter Schiess für Gutes Bauen Ostschweiz
  • Hanspeter Schiess für Gutes Bauen Ostschweiz
  • Hanspeter Schiess für Gutes Bauen Ostschweiz
  • Hanspeter Schiess für Gutes Bauen Ostschweiz.
  • Hanspeter Schiess für Gutes Bauen Ostschweiz

Der Thurgau ist ein ländlich geprägter Kanton. Das macht etwas vergessen, dass sein Hauptort ein städtebauliches Schmuckstück birgt. Der Ring um die Altstadt von Frauenfeld mit Promenade und Regierungsviertel entspricht in seiner Anlage dem grossen Vorbild in Wien.

 

14. Februar 2015 von  Martin Tschanz

 

Natürlich ist das Schloss nicht die Hofburg und die Kantonalbank nicht die Staatsoper, aber gerade in der Anpassung des grossstädtischen Modells mit seinen Boulevards und Prachtbauten an die Verhältnisse der ländlichen Kleinstadt liegt ein besonderer Charme. In den vergangenen Jahren wurden die Bauten des Kantons umsichtig saniert und eine pflegende Erneuerung
des öffentlichen Raums steht an. Grund genug, dieses Ensemble zu würdigen.

Anlagern, ohne zu zerstören
1813 wurde auf Initiative von Bernhard Greuter, dem Inhaber einer Textilfärberei, der Stadtgraben von Frauenfeld aufgefüllt und die Promenade angelegt. Sie bildet das Herzstück einer ringförmigen Anlage, an der sich die Grossbauten der neuen Zeit gleichsam von aussen her an das Städtchen anlagern konnten, ohne dessen Charakter zu zerstören. In relativ kurzer Zeit entstanden hier die Gebäude der Kantonsschule, das städtische Promenadenschulhaus, das Regierungsgebäude sowie das Verlagshaus Huber, das der einzige Privatbau an dieser repräsentativen Adresse war, als Heim der Thurgauer Zeitung aber eine zentrale Rolle im öffentlichen Leben spielte. Alle diese Bauten wie auch die nahe gelegene Kaserne wurden von einem einzigen Architekten gestaltet: Johann Joachim Brenner, der auf diese Weise mit seiner etwas spröden, nüchternen Architektur das Gesicht des noch jungen Kantons prägte. Seine Bauten zeichnen sich durch eine ruhige, würdige Erscheinung aus. Dies erreichte er vor allem durch eine einfache, klare Gliederung der Baukörper und gute Proportionen, während Schmuckelemente nur sehr zurückhaltend zum Einsatz kommen.
Bis heute scheint dies sehr gut zum Charakter des Kantons zu passen. Es ist daher kein Zufall, dass auch das Verwaltungsgebäude, das 1968 das städtische Schulhaus ersetzte, diesen Prinzipien folgt. Deshalb fügt sich der so genannte Glaspalast trotz seiner modernen Formensprache erstaunlich gut in das Ensemble des 19. Jahrhunderts ein. Mit diesem Bau der Grenchner Architekten Müller und Haldemann wurde die Promenade als Ort der kantonalen Repräsentation nochmals gestärkt. Es bildete sich das Regierungsviertel heraus, das unter der Ägide des unlängst zurückgetretenen Kantonsbaumeisters Markus Friedli sorgfältig und konsequent weiterentwickelt wurde.

Sorgsam erneuert
Schrittweise wurden die alten Kantonsschulen als Obergericht und Kantonsbibliothek neu organisiert und das Verwaltungsgebäude, der botanische Garten und das Regierungsgebäude sorgsam erneuert. Leider scheiterte das Vorhaben, das Areal der Druckerei Huber für die kantonale Verwaltung umzuwidmen, so dass nun gewöhnliche Wohnungsbauten die Zone der öffentlichen Nutzungen stören. Die bauliche Konzentration der Verwaltung wird nun hinter dem Regierungsgebäude fortgesetzt werden müssen.
Eingeleitet wurde diese Entwicklung durch die Umnutzung etlicher Wohnbauten und durch das neue Staatsarchiv der Architekten jessenvollenweider, mit dem die Ausdehnung des Regierungsviertels nach Nordosten hin ihren Abschluss findet. Die Terrasse mit ihren mächtigen Platanen bildet hier an der Geländekante eine Art Echo auf die Allee an der Promenade.
Dort sieht man von den Erneuerungen der letzten Jahre nicht sehr viel, und das ist auch gut so. Die teils erheblichen Eingriffe in die Bauten des Kantons respektieren deren Bestand und entlocken ihm neue Qualitäten. Im Regierungsgebäude zum Beispiel war die Gewölbehalle im Erdgeschoss ursprünglich nicht viel mehr als ein feuerfestes Behältnis für das Archiv. Durch sorgsam gestaltete Böden und eine zurückhaltende, zum Teil eigens dafür entworfene Ausstattung gelang es den Architekten Staufer & Hasler jedoch, die verborgene Schönheit dieser Räume erstrahlen zu lassen und einen repräsentativen, vielfältig nutzbaren Empfangsbereich einzurichten.
Nach aussen hin treten diese Eingriffe jedoch kaum in Erscheinung. Die Fassaden wurden gereinigt und repariert, die Farben aufgefrischt und Lambrequins (Fensterdekorationen) aus Chromstahl eingesetzt, die das Thema des ursprünglichen Sonnenschutzes neu interpretieren – mehr nicht. Augenfällig ist einzig die Neugestaltung des Vorplatzes, wo zwei Kandelaber an Säulen oder auch an Leuchttürme erinnern und dabei die Funktion der beiden Mammutbäume übernehmen, die 1929 dem Frost zum Opfer gefallen sind. In der Folge wurde das Gebäude arg vom Verkehr bedrängt, doch nun erhielt es seinen angemessenen Vorbereich zurück. Die beiden flankierenden Bosketten unterstreichen mit ihrer abgezirkelten, fast schon architektonischen Gestalt die Symmetrie der Anlage. Gleichzeitig sind sie die Vorboten der zukünftigen Verlängerung der bestehenden Kastanienallee, dank der das Ensemble an der Promenade noch stärker zu einer Einheit zusammenfinden wird.

Vom Juwel zum Lehrstück?
Südlich der Altstadt sind überdies die Revitalisierung des alten Postgebäudes und ein Neubau der Hauptpost in Planung, die dem Postplatz und der Rheinstrasse neuen Glanz verleihen werden. Damit wird der Frauenfelder Ring wieder jene Stattlichkeit  zurückgewinnen, die ihm im 19. Jahrhundert zugedacht worden war. Vielleicht wird es dereinst ja sogar noch gelingen, die östliche Zürcherstrasse, wie im Richtplan vorgesehen, in eine städtische Allee zu verwandeln. Dann erhielten die Altstadt und der um sie  herum liegende Ring öffentlicher Anlagen eine würdige Verbindung zum modernen Stadttor an der Autobahn, und spätestens dann würde das Städtchen Frauenfeld vom Juwel zum eigentlichen Lehrstück in Sachen Städtebau.

Bilder: Hanspeter Schiess

Architektur im Film: Fort von allen Sonnen

Einführung Isa Willinger, Regisseurin, München

Di 17. März 2015, 20 Uhr im Kinok

AwayFromAllSuns

Was ist übrig geblieben vom avantgardistischen Konstruktivismus der 20er-Jahre in Moskau? Ein Kampf gegen den Verfall, die Abrissbirne und die Korruption. In den Nebenstrassen Moskaus stehen vergessene Schätze: utopische Bauwerke, entstanden in den 20er-Jahren im Geiste des Konstruktivismus. Ruinen einer anderen Zukunft, in denen sich Hoffnungen und Irrwege der Moderne spiegeln. Was für ein Leben spielt sich heute an diesen aufgeladenen Orten ab?
„Die Gebäude halten eine Botschaft für uns bereit. Wenn auch die letzten Bauwerke den Grundstücksspekulanten oder dem Verfall weichen, wird sie ausradiert.“ Manifeste von Architekten wie Rodchenko, Lissitzky und Vesnin sowie Aufnahmen des frühen sowjetischen Films, unter anderem von Dziga Vertov, rufen die Vision der Moderne wach.

Regisseurin: Isa Willinger
D 2013 D 79‘
Weitere Vorführungen: So 22. Mar 11 Uhr, Mi 25. Mar 18.30 Uhr

www.awayfromallsuns.com

Eintritt 15.– / Mitglieder AFO 10.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Einladungskarte März

Veranstaltungssponsoren: domus, Jansen

Struktur und Raum– Wenn Tragwerk und Raum übereinstimmen

Thomas Hasler, Architekt, Frauenfeld / Jürg Conzett, Bauingenieur, Chur

Mo 2. März 2015, 19.30 Uhr im Forum

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Häufig ist die Arbeit der Ingenieure dem Entwurf der Architekten nachgeordnet: Die Statik soll eine architektonische Idee störungsfrei umsetzen. Für das Architekturbüro Staufer&Hasler hingegen bildet das Tragwerk ein wesentliches Element seiner Gebäude. Das eine kann ohne das andere nicht entstehen. Die Frauenfelder Architekten entwerfen viele ihre Bauten zusammen mit Ingenieur Jürg Conzett vom Büro Conzett Bronzini Gartmann aus Chur. Thomas Hasler und Jürg Conzett analysieren in einem Vortrag Gebäude von Staufer&Hasler – jeder aus Sicht seiner Profession. In ihrer Betrachtung beleuchten sie die Wechselwirkung von Architektur und Tragwerksplanung auf dem Weg zum fertigen Werk.

www.staufer-hasler.ch
www.cbg-ing.ch
Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte März

Architektur im Film: Die Böhms – Architektur einer Familie

Einführung Maurizius Staerkle Drux, Regisseur, Zürich

Di 17. Februar 2015, 20 Uhr im Kinok

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Gottfried Böhm gilt als einer der wichtigsten Architekten Deutschlands. Auch drei seiner Söhne sind Architekten geworden. Inzwischen 94 Jahre alt, arbeitet Gottfried noch täglich an Bauprojekten. Als Elisabeth, Gottfrieds Ehefrau und wichtigste Inspiration, stirbt, wird die Familie ihres emotionalen Mittelpunkts beraubt. Gottfried Böhm begibt sich auf eine Reise zu den wesentlichen Stationen seines Lebens. Ein faszinierendes Familienporträt über die Untrennbarkeit von Liebe, Glaube, Tradition und (Bau-)Kunst.

Maurizius Staerkle Drux D, 2014, D 84‘
www.cineworx.ch/movie/die-bohms-architektur-einer-familie/

Weitere Vorführungen: Fr 20. Feb 17.30 Uhr, So 22. Feb 11 Uhr,
Di 24. Feb 18 Uhr, Sa 28. Feb 15.30 Uhr
Eintritt 15.– / Mitglieder AFO 10.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Einladungskarte Februar

Veranstaltungsponsoren DomusJansen

Raum und Struktur – Konstruktive Strategien der Schule von Solothurn

Jürg Graser, Architekt, Zürich

Mo 2. Februar 2015, 19.30 Uhr im Forum

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Über die Jahrzehnte war die «Die Schule von Solothurn» oder das, was vager als «Jura- Südfuss» apostrophiert wurde, eher ein Mythos als eine fest umrissene Vorstellung. Umso mehr ist nun die umfassende Darstellung zu begrüssen, die Jürg Graser aufgrund akribischer Forschung und mit präzisen architektonischen Analysen vorgelegt hat. Erst jetzt wird deutlich, dass sich hier eine konsequente, systematisch ausgerichtete moderne Architektur ihren eigenen, helvetischen Weg bahnte und dabei eine erstaunliche Vielfalt entwickelte.
Die Publikation «Gefüllte Leere» rückt dies ins richtige Licht und erlaubt aus zeitgenössischer Perspektive eine Neubewertung dieses wichtigen Beitrags zur Schweizer Nachkriegsarchitektur. Die wichtigsten Werke verbinden in einer beeindruckenden Synthese Struktur und Raum und haben bis heute nichts von ihrer Kraft und Eleganz eingebüsst. Nicht zuletzt bieten sich die Bauten der «Schule von Solothurn» in der auf die «steinerne Stadt» fokussierten Architekturdebatte als alternatives Denkmodell an, an das anzuknüpfen was lohnenswert ist.
Ausserdem werden ausgewählte Fotografien von Andrea Helbling, Arazebra, zur «Schule von Solothurn» gezeigt.

www.graser.ch
www.arazebra.ch
Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte Februar

Eine Brücke als Bühne

  • Gutes Bauen Ostschweiz: Letzte Rheinholzbrücke als Verbindung Sevelen - Vaduz.
  • Gutes Bauen Ostschweiz: Letzte Rheinholzbrücke als Verbindung Sevelen - Vaduz.
  • Gutes Bauen Ostschweiz: Letzte Rheinholzbrücke als Verbindung Sevelen - Vaduz.
  • Gutes Bauen Ostschweiz: Letzte Rheinholzbrücke als Verbindung Sevelen - Vaduz.
  • Gutes Bauen Ostschweiz: Letzte Rheinholzbrücke als Verbindung Sevelen - Vaduz.

Die zwischen in den Jahren 2009/10 instand gesetzte Brücke zwischen Vaduz und Sevelen ist nicht nur ein Zeuge innovativen Holzbrückenbaus im 19. Jahrhundert, sondern bietet bei der Überquerung mit einer subtil austarierten Lichtinstallation auch ein szenografisches Erlebnis.

 

24. Januar 2015 von  Rahel Hartmann Schweizer

 

Es ist ein bühnenreifes Schauspiel, das sich dem Spaziergänger bietet, der den Rhein nach dem Einnachten über die alte Holzbrücke zwischen Vaduz und Sevelen passiert: Wie auf einer Theaterbühne schält sich aus dem Dunkel am andern Ende der Passerelle eine schwarze Silhouette, ein Stirnlicht hebt und senkt sich. Im Lichtschein, der die Gestalt wie eine zweite Haut einhüllt, nähert sie sich bis ihr Widerschein mit demjenigen verschmilzt, der einen selber umgibt. Die Szenerie verdankt sich einer ausgeklügelten, interaktiven Lichtinstallation. Dieses trägt dem Sicherheitsbedürfnis Rechnung, ohne aufdringlich zu sein. Die Lichtinsel begleitet den Spaziergänger, die Velofahrerin, den Reiter und die Joggerin diskret, gleichsam wie ein «Schatten». Sobald jemand die Brücke betritt, wird der Innenraum der Brücke in das sanfte Licht einer Grundbeleuchtung getaucht; die erste Leuchte scheint heller auf. Bewegt sich die Person nun über die Brücke, wird der Sensor der zweiten Leuchte aktiviert und die Geschwindigkeit der Bewegung errechnet, sodass die Leuchten im Rhythmus der die Brücke passierenden Person nach und nach eingeschaltet werden. Begegnen sich Personen, verschmelzen die Lichtinseln miteinander. Zur innenräumlichen Lichtstimmung gesellt sich die ebenfalls mit LED-Leuchten erzielte Aussenwirkung. Diese sind in die Laibungen der Fenster auf der Südseite eingelassen und werfen ein Streiflicht auf die Lamellen, das die halb verschatteten Öffnungen von aussen, wie Lampions erscheinen lässt. Der Eingriff ist subtil und  sensibel ist nicht nur das Beleuchtungskonzept, das den Passanten ein Erlebnis ohne aufdringliche Effekthascherei bietet und vormacht, wie grandiose Lichtstimmung erzeugt werden kann, ohne die Lichtverschmutzung anzuheizen. Auch die Instandsetzung der Brückenkonstruktion zeugt von Behutsamkeit.

Jahrzehntelang einzige Verbindung
Insgesamt 17 gedeckte Holzbrücken führten einst zwischen Reichenau und dem Bodensee über den Rhein. Die 136 Meter lange Verbindung zwischen Vaduz und Sevelen reihte sich als letzte in diese Perlenschnur. 1981 stellte sie die Regierung des Fürstentums Liechtenstein unter Denkmalschutz. Bis dahin hatte sie bereits eine wechselvolle Geschichte durchlebt. Ihre Entstehung 1870/71 verdankt sie der Eindämmung des Rheins. Bevor dessen Lauf gebändigt wurde, konnte er nur durch Furten passiert werden, oder man liess sich mit der Fähre übersetzen. Das 1875 um 1.50 Meter angehobene Bauwerk war um 1900 in so desolatem Zustand, dass es bis auf die Jochständer zurückgebaut und, wiederum um 1.50 Meter erhöht, neu erstellt werden musste – unter Wahrung der originalen Bauweise. Repariert wurde die Brücke 1930 und 1956, instandgesetzt 1988/1989. Zu diesem Zeitpunkt, nach der Einweihung der flussaufwärts errichteten Betonbrücke 1975, war die in die Jahre gekommene Vorgängerin nicht mehr die einzige unmittelbare Verbindung zwischen Vaduz und Sevelen, als die sie während über 70 Jahren gedient hatte. Notabene war sie so dimensioniert, dass Fahrzeuge nur in jeweils einer Richtung passieren konnten, da die Fahrbahn ursprünglich nicht mehr als 2.40 Meter breit war (1956 wurde sie auf 2.90 Meter erweitert). Die Nutzlast betrug um 1900 rund 3.5, ab 1930 sechs Tonnen.

Patente Konstruktion
Bis heute unverändert ist der Kern der Brücke: die Konstruktion. Diese basiert auf dem Einsatz von Howe’schen Trägern. Der als doppeltes Howe’sches Fachwerk ausgebildete Kastenträger erstreckt sich über sechs Felder und besteht aus Unter- und Obergurt, vertikalen Zugstangen aus Stahl und diagonalen Verstrebungen. Der Clou der Konstruktion ist die Kombination von diagonalen Druckgliedern aus Holz mit senkrechten Zuggliedern aus Metall, womit der US-amerikanische Ingenieur William Howe insofern ein innovatives Prinzip erfunden hatte, als er mit der 1840 patentierten Lösung den Übergang von Holzfachwerken zu Stahlfachwerken einläutete. Gemeinhin wird von einer rund 30jährigen Geschichte des Trägers gesprochen, d. h. im Jahr 1870, in dem der Übergang Vaduz-Sevelen gebaut wurde, neigte sich diese bereits ihrem Ende zu. Allerdings wurden auch danach noch etliche Brücken dieser Bauart erstellt – auch in der Schweiz.

Die Konstruktionsart ist es denn auch, die der Brücke ihren Schutzcharakter verleiht – wohingegen das Dach, die seitlichen «Schutzschirme» und die Fahrbahn schon zur Erstellungszeit als Verschleissteile gehandhabt wurden. Entsprechend wurden bei der jüngsten Instandsetzung nur punktuell Eingriffe in das noch gut erhaltene Fachwerk vorgenommen. Das Dach aber, dessen Eindeckung 1930 durch Eternit ersetzt worden war, wurde wieder mit Schindeln eingedeckt. Originalgetreu in Lärchenholz wurde auch der Witterungsschutz auf der Nord- und der Südseite ausgebildet. Nicht wieder hergestellt wurde hingegen das ursprüngliche Lichtband zwischen Holzverschalung und Dachvorsprung, das 1930 zur Verbesserung des Schutzes des Tragwerks geschlossen worden war.

Fundamente in Beton statt Holz
Der massivste Eingriff war an den Fundamenten vonnöten und zwar vor allem aus zwei Gründen. Zum einen wurde ihre Konstruktion im Laufe der Zeit verunklärt. So waren die 1870 erstellten fünf Pfeiler aus Eichenholz mehrmals erhöht worden. Und, weil die Eichenpfähle mittels derer die Brücke im Flussgrund verankert war, durch die Absenkung der Sohle zum Vorschein kamen und Gefahr liefen zu verfaulen, waren sie 1970 durch eine provisorische Stahlkonstruktion ersetzt worden. Zum andern beengen die fünf Abstützungen den Durchfluss, was zum Schutz vor Hochwasser für eine schlankere Ausbildung der Fundamente sprach. Erneuert wurden daher sowohl die Pfeiler, als auch die Sockel, die nun aus Beton bestehen. Wie einst, als dem Rhein ein festes Bett geschaffen wurde, musste der Fluss für diese Arbeiten umgeleitet werden, wenn auch nur partiell und temporär. Trotz dieses aufwendigen Prozederes gelang es, die auf knapp 3.5 Millionen Franken veranschlagten Kosten um rund 10 % zu unterschreiten.

Bilder: Hanspeter Schiess

Von der Bronx St. Gallens zum begehrten Quartier

  • Serie 'Gutes Bauen Ostschweiz' zum' Lachen-Quartier'. Vonwil-Park (Backsteinhäuser), Alte Seifenfabrik an der Zürcher Strasse (Bauhaus-Moderne), Gerbestrasse (Beton-Blöcke), altes Schulhaus Lachen als Rock- und Pop-Zentrum, Militärkantine (Riegelbau).
  • Serie 'Gutes Bauen Ostschweiz' zum' Lachen-Quartier'. Vonwil-Park (Backsteinhäuser), Alte Seifenfabrik an der Zürcher Strasse (Bauhaus-Moderne), Gerbestrasse (Beton-Blöcke), altes Schulhaus Lachen als Rock- und Pop-Zentrum, Militärkantine (Riegelbau).
  • Serie 'Gutes Bauen Ostschweiz' zum' Lachen-Quartier'. Vonwil-Park (Backsteinhäuser), Alte Seifenfabrik an der Zürcher Strasse (Bauhaus-Moderne), Gerbestrasse (Beton-Blöcke), altes Schulhaus Lachen als Rock- und Pop-Zentrum, Militärkantine (Riegelbau).
  • Serie 'Gutes Bauen Ostschweiz' zum' Lachen-Quartier'. Vonwil-Park (Backsteinhäuser), Alte Seifenfabrik an der Zürcher Strasse (Bauhaus-Moderne), Gerbestrasse (Beton-Blöcke), altes Schulhaus Lachen als Rock- und Pop-Zentrum, Militärkantine (Riegelbau).
  • Serie 'Gutes Bauen Ostschweiz' zum' Lachen-Quartier'. Vonwil-Park (Backsteinhäuser), Alte Seifenfabrik an der Zürcher Strasse (Bauhaus-Moderne), Gerbestrasse (Beton-Blöcke), altes Schulhaus Lachen als Rock- und Pop-Zentrum, Militärkantine (Riegelbau).

Lachen war für St. Gallen jahrzehntelang eine Problemzone. Seit geraumer Zeit wird das architektonische und städtebauliche Potenzial des Gebiets wiederentdeckt.

 

13. Dezember 2014 von  Gerhard Mack

 

Ein Paar wäscht sein Auto. Kinder spielen zwischen Häuserreihen. Beim Kebab verlädt man gerade Ware. Frauen schleppen Einkaufstüten aus Denner und Migros. Das Helvetia hat Schweizer Fähnli dekoriert. Junge Männer in Trainern stehend rauchend beisammen. Ein ganz gewöhnlicher Samstagvormittag im St. Galler Lachen-Quartier. Die Menschen, die hier wohnen, sind bunt gemischt. Als „die Bronx von St. Gallen“ hat Stadtbaumeister Erol Doguoglu das Quartier schon liebevoll bezeichnet.

Auch wenn oft die sozialen Probleme im Vordergrund stehen, erfindet sich in das Quartier gerade neu. Das hat zum einen mit seinem architektonischen Potenzial, zum anderen aber auch mit geschickten Interventionen einer Stadtplanung zu tun, die Impulse lieber aufgreift, als sie von aussen aufzupfropfen.

Das Quartier dehnt sich heute vom Feldli-Friedhof und dem Rosenberghügel im Nordosten bis zum Burgweiher-Areal im Südwesten. Zum Zentrum wird es von der Kreuzbleiche gefasst. Dort wurde das Bundesverwaltungsgericht als Justizias Wachturm aufgerichtet. Am anderen Ende im Westen dagegen verbreitet die Oberstufen-Schulanlage Schönau fast klösterliche Atmosphäre. Die Widersprüche des Quartiers sind auch architektonisch greifbar.

Das war nicht immer so. Historisch war Lachen ein homogenes Quartier. Die ersten Häuser waren einzelne Bauten entlang der Landstrasse nach Zürich. Sie lagen vor der Stadtgrenze St. Gallens. Eine dichte Besiedlung setzte erst ein, als die Stadt ab 1890 die Blüte der Stickerei-Industrie erlebte. Grundstücksspekulation und Wohnbedürfnisse einer schnell wachsenden Arbeiterschaft führten zu einer raschen Ausdehnung von Lachen, das bis zur Eingemeindung 1918 noch zur Gemeinde Straubenzell gehörte.

Rechts und links der Zürcher Strasse entstanden parallel zur ihr einzeilige Hausreihen in kurzen Abständen. Durchmischt sind sie mit flachen Gewerbebauten. Grössere Anlagen wie Schulen oder der städtische Werkhof Waldau hat man an den Rand gelegt. Ein eigentliches Zentrum fehlt. In den fünfziger Jahren wurden Post, das erste Hochhaus St. Gallens und die Migros mit Arkadengang gebaut sowie die Zürcher Strasse erweitert. Hier deuten auch heute noch Geschäfte, Restaurants und Bushaltestellen so etwas wie einen Zentrumsersatz an. Gleichwohl trennt die viel befahrene Zürcher Strasse die beiden Quartierhälften eher, als dass sie sie verbindet.
In Lachen leben gemäss einer Volkszählung von 2000 rund fünf Prozent oder 3500 Einwohner von St. Gallen. Über 50 Prozent stammen aus dem Ausland, ein Viertel ist jünger als 20 Jahre. Mehr als doppelt so viele wie im städtischen Durchschnitt gehören muslimischen Gemeinschaften an. Das Bildungsniveau liegt deutlich unter St. Galler Querschnitt. Die ehemalige Lage vor der Stadt spiegelt sich in den Sozialdaten.

Doch seit ein paar Jahren wird das Quartier neu wahrgenommen. Von hier aus ist man in kurzer Zeit am Bahnhof und im Zentrum. Die Mieten sind tiefer, die alten Häuser haben noch andere Schnitte, und viele Grünflächen erlauben schnelle Erholung. Das ist attraktiv für junge Familien. Das Krügerpärkli an der Dürrenmatt-Strasse verströmt New-York-Atmosphäre. Dazu kommt, dass ein Generationenwechsel im Gang ist. Ältere ziehen oder sterben weg. An vielen Häusern weisen Schilder auf leere Wohnungen hin. Pensionskassen und Immobiliengesellschaften beginnen zu investieren.

Dieser Perspektivenwechsel aufs Quartier kam ohne grosses Zutun der öffentlichen Hand, eher zufällig zustande. Gleichwohl fördert die Stadt die Entwicklung mit sorgfältig gesetzten Impulsen. Dabei zeigt sich, dass vor allem die Auffrischung historischer Substanz erfolgreich ist, während Neubauten bisher eher Fragen aufwerfen.

Am eindrücklichsten gelungen ist die Renovierung der alten Seifenfabrik Suter, Moser & Co. an der Zürcher Strasse. Der Beton-Glasbau der St. Galler Architekten Baerlocher & Unger  wurde in den fünfziger Jahren erstellt und über die Jahre verändert. Wehrli Architekten haben jüngst den ursprünglichen Beton wieder freigelegt, saniert und mit einem neuen Anstrich gegen Umwelteinflüsse geschützt. Jetzt wirkt das Zeugnis einer lokalen Aneignung der Bauhaus-Moderne nicht mehr als Fremdkörper im Stadtteil, sondern strahlt mit seinen filigranen Metallfenstern und ebenmässig gesetzten Betonfeldern als Juwel in ein heterogenes Quartier. Am anderen Ende des Spektrums liegt die historisch sorgfältige Renovation der alten Militärkantine am Rand der Kreuzbleiche durch Rüesch & Rechsteiner. Ein junges Team hat hier einen kleinen Hub für ein weltoffenes St. Gallen geschaffen. An den Koffern der Hotelgäste kleben Flugnummern von Städten aus der halben Welt.

Nicht unweit davon wurde das alte Schulhaus Lachen zum Rock-& Pop-Zentrum umgenutzt, nachdem die Schulanlage Schönenwegen erweitert werden konnte. Die dezente Gestaltung der Fassade vermittelt zur umliegenden Bebauung aus dem frühen 20. Jahrhundert. Mit der Freilegung des Backsteinmauerwerks im Innern sorgte Architekt Daniel Cavelti für einen Grove, der zum rauen Sound passt. Dass die Stadt hier die jüngste Abteilung ihrer Musikschule untergebracht hat, passt nicht nur besonders gut zum Quartier ausserhalb des klassischen Kulturbezirks. Es grüsst über die Kreuzbleiche auch zum neuen Kultur-Hub LOK.

Weniger glücklich sind dagegen zwei neue Wohnüberbauungen gelungen. Die Mehrfamilienhäuser Vonwil-Park, die Baumschlager Eberle Architekten mit Backsteinfassaden versehen und in klassisch moderner Manier als Würfel in offene Zwischenräume verteilt haben, verweben den Bestand nicht. Während die historische Blockrandbebauung dem öffentlichen Raum klare Konturen gibt, ist zwischen Grasflächen und Lüftungsrohren keine Energie zu spüren. Da wurde eine Chance vertan.

Anders misslingen die Mehrfamilienhäuser an der Gerbestrasse. Vier Betonblocks nach Plänen von PARK-Architekten sind zwischen alte Wohn- und Gewerbebauten gestemmt. Die engen Zwischenräume verfügen zwar über ein hohes urbanes Potenzial, dieses bleibt mit grossen Teerflächen aber gänzlich ungenutzt. Ein Schlafort für Yuppies, die morgens schnell auf den Zug nach Zürich wollen. Vielleicht würde den Planern künftig ein Blick auf die Schulanlagen Schönau und Feldli helfen. Die kürzlich renovierten Ensembles einer Schweizer Moderne überzeugen in ihrer Mischung aus grossen Volumen und sorgfältiger Detaillierung auch heute noch. Die Vielfalt seiner Bauten ist es, womit das Lachen-Quartier neugierig macht. Sein Potenzial wird gerade entdeckt.

Bilder: Hanspeter Schiess

Kunst im Forum – Trying to be here…

Jiajia Zhang

Vernissage Do 4. Juni, 18.30 Uhr im Forum,
Ausstellung 5. Juni bis 28. Juni, Di–So 14–17 Uhr

‚Trying to be here‘ ist der Titel der Ausstellung von Jiajia Zhang, die ab dem 4. Juni im Architektur Forum Ostschweiz zu sehen ist. Dabei bereitet die vorsichtige Formulierung des Titels bereits auf die Flüchtigkeit der Ausstellung vor. Zhang stellt ihre Arbeiten dem Betrachter nicht definitiv installiert gegenüber. Als Betrachter stehen wir viel mehr mitten drin, unsere Position ist wichtig und das Verständnis der Arbeiten um uns herum verändert sich, während wir uns durch die Ausstellung bewegen. Die Charakteristik eines Ortes, unseres Umfelds und wie solche ‚Räume‘, ihre Geografie, Topografie, wie die Konzeption von Nationalität oder Lokalität unsere Wahrnehmung verändern, damit beschäftigt sich Zhang in ihrer Arbeit und macht dies in ihrer Ausstellung direkt erfahrbar.
Jiajia Zhang nutzt die Medien Video und Fotografie, sammelt vorhandene Bilder, stehende und laufende. Sie konstruiert, kombiniert leichte Installationen aus vorhandenen Materialien und manchmal IKEA-Möbeln. In einigen Arbeiten verwendet sie andere Massenprodukte, bekannte Internet-Phänomene etwa, weltweit verbreitete Intimitäten oder Nebensächlichkeiten wie Youtube-Videos der Katze Maru oder Instagram-Posts. In diesem Zwischenbereich von Privatheit und Öffentlichkeit, von Lokal und Global, beginnen solch definierten Begriffe zu schwanken und Zhang nutzt die Massenphänomene bewusst als Stellvertreter für solche Veränderungen.
Das Sichtbarmachen des Standorts, unser Position im sozialen oder allgemeinen Alltag, soll zudem durchaus politisch verstanden werden. Aus was setzt sich das Gefühl des ‚Hier‘-Seins überhaupt zusammen? Weshalb sind gewisse Bilder und Materialien global alltäglich und verständlich und weshalb sind wiederum lokale Sichtweisen doch Grund für Spannungen und Missverständnisse? In unserer Zeit, da nicht nur wir als Touristen, Gelegenheits- oder Geschäftsreisende, sondern (wieder) zunehmend ganze Gruppen, Völker immer weitere Distanzen zurücklegen, da Migration ein zentrales Thema ist, hat das Sichtbarmachen von Lokalität und Verständnis für Betrachtungsweisen eine immense Aktualität und Dringlichkeit. Eine Aktualität, auf die Jiajia Zhangs Ausstellung nicht nur in Zwischentönen hinweist.

Homepage Jiajia Zhang

Zhang

Architektur im Film: Erich Mendelsohn – Visionen für die Ewigkeit

Do 30. April, 17.30 Uhr im Kinok

Mendelsohn-EditionSalzgeber

Ein junger Architekt schickt seiner 16-jährigen Geliebten von der Front des Ersten Weltkriegs Briefe mit Zeichnungen organischer Gebilde und philosophischen Gedanken. Daraus entsteht eine lebenslange Verbindung, in der Erich Mendelsohn zu einem der wichtigsten Architekten des 20. Jahrhunderts reift.
Duki Dror erzählt sein Mendelsohn-Porträt als Liebesgeschichte, festgehalten in Briefen und Memoiren, in Spuren und Details berühmter Bauwerke, bei deren Entstehung Luise Mendelsohn das «zweite Auge» ihres Mannes war.

Regisseur: Duki Dror, IL 2011, D 70‘

www.salzgeber.de

Eintritt 15.– / Mitglieder AFO 10.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Einladungskarte April

Veranstaltungssponsoren: domus, Jansen

Architektur im Film: Fort von allen Sonnen

So 22. März 2015, 11 Uhr im Kinok

AwayFromAllSuns

Was ist übrig geblieben vom avantgardistischen Konstruktivismus der 20er-Jahre in Moskau? Ein Kampf gegen den Verfall, die Abrissbirne und die Korruption. In den Nebenstrassen Moskaus stehen vergessene Schätze: utopische Bauwerke, entstanden in den 20er-Jahren im Geiste des Konstruktivismus. Ruinen einer anderen Zukunft, in denen sich Hoffnungen und Irrwege der Moderne spiegeln. Was für ein Leben spielt sich heute an diesen aufgeladenen Orten ab?
„Die Gebäude halten eine Botschaft für uns bereit. Wenn auch die letzten Bauwerke den Grundstücksspekulanten oder dem Verfall weichen, wird sie ausradiert.“ Manifeste von Architekten wie Rodchenko, Lissitzky und Vesnin sowie Aufnahmen des frühen sowjetischen Films, unter anderem von Dziga Vertov, rufen die Vision der Moderne wach.

Regisseurin: Isa Willinger
D 2013 D 79‘
Weitere Vorführung: Mi 25. Mar 18.30 Uhr

www.awayfromallsuns.com

Eintritt 15.– / Mitglieder AFO 10.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch
Veranstaltungssponsoren: domus, Jansen

Kunst im Forum – Spektrale

Beatrice Dörig

Vernissage Do 26. Februar, 18.30 Uhr im Forum,                          Ausstellung 27. Februar bis 22. März, Di–So 14–17 Uhr

Zeitungsbilder von Bedrohungen und Katastrophen: malerisch übersetzt in leuchtende Farbspektakel – Beatrice Dörig eröffnet mit Spektrale neue Wahrnehmungsebenen. Die St.Galler Künstlerin ent- und rekontextualisiert in ihrem Schaffen Fotoarchive, um sich das Zeitgeschehen in einem mehrstufigen Prozess anzueignen. In ihren jüngsten Arbeiten befasst sie sich mit der Intensitätsverteilung von Bildelementen und Farben sowie deren kritischer Ästhetisierung.
Beatrice Dörig erhielt 2014, zum zweiten Mal nach 2011, den Werkbeitrag der Stadt St.Gallen. Die Künstlerin lebt und arbeitet in St.Gallen. Nach langem Engagement im Figurentheater widmet sie sich in den letzten Jahren vermehrt der bildenden Kunst. Sie ist auch als Vorstandsmitglied der visarte.ost und des Kunstraums Nextex tätig.

Homepage Beatrice Dörig

Beatrice_Doerig

Pressemitteilung AFO

Flickwerk am Marktplatz

Das Projekt für den neuen Marktplatz setzt ohne Inspiration und Zusammenhang einzelne Interessen um. Es fehlt dem Vorschlag eine ganzheitliche Betrachtung, die für einen zentralen öffentlichen Platz unabdingbar ist. Abhilfe kann nur ein neuer Wettbewerb schaffen.

Nachdem das erste Projekt für die Neugestaltung des Markplatzes 2011 an der Urne gescheitert war, haben Stadtrat und Parlament die Rahmenbedingungen für das Projekt fundamental geändert. Der Stadtrat liess mit einer Vox-Analyse die Gründe für die Ablehnung ermitteln. Die kritischen Punkte wurden daraufhin aus dem Pflichtenheft gestrichen – was unumstritten schien, verblieb im Projekt. Das Resultat ist ein Flickwerk von einzelnen, aus dem Zusammenhang gerissen Projektbausteinen: Der Marktplatz soll autofrei werden und die Bushaltestelle Richtung Bahnhof rücken, Rondelle und Calatrava-Wartehalle müssen erhalten bleiben. Ein paar Bäume sollen für Aufenthaltsqualität sorgen, während der Ersatz der Parkfelder von einer privaten Initiative abhängt.

Jedes Problem wird isoliert betrachtet. In der Summe entsteht daraus jedoch noch kein überzeugendes Projekt für die einmalige Platzfolge von Blumenmarkt, Marktplatz und Bohl. Anstatt die Bedürfnisse der Bevölkerung bereits vor dem Wettbewerb in einem partizipativen Prozess abzuholen, wird nun der kleinste gemeinsame Nenner gesucht und damit die Entwicklung auf Jahrzehnte hinaus verbaut. Wie lässt sich dieser Gordische Knoten lösen? Wohl nur mit einem neuen Wettbewerb, der auf den veränderten Rahmenbedingungen aufbaut und den komplexen Anforderungen an diesen zentralen städtischen Platz gerecht wird.

St. Gallen, 17.02.2015

Pressemitteilung AFO

Flickwerk am Marktplatz abgelehnt

Das nun erneut abgelehnte Projekt für den neuen Marktplatz sollte ohne Inspiration und Zusammenhang einzelne Interessen umsetzen. Es fehlte dem Vorschlag eine ganzheitliche Betrachtung, die für einen zentralen öffentlichen Platz unabdingbar ist.

Das Stimmvolk von St. Gallen hat sich erneut gegen die Sanierung des Marktplatzes ausgesprochen. Ist dies das Ende des Projektes? Ganz im Gegenteil: Das Architektur Forum sieht nun die Chance gekommen für einen neuen, offenen Wettbewerb. Doch das Verfahren beginnt wieder von vorne: Bevölkerung und Behörden erarbeiten zuerst gemeinsam und in einem öffentlichen Prozess die Grundlagen. Das Ziel ist eine tragfähige Basis, die in der Bevölkerung Rückhalt findet. Erst dann wird der Wettstreit der Ideen zu einem passgenauen Projekt für das pulsierende Herz der Stadt führen.

Ein neues Verfahren bietet dem Stadtrat die Chance, die Direktion Bau und Planung neu aufzustellen: Das Stadtplanungsamt wird seit kurzem von Florian Kessler geführt, im Sommer wird das Hochbauamt unter neuer Leitung stehen, das Tiefbauamt ist bestens vertraut mit den Problemen. Mit dem Marktplatz kann der Stadtrat beweisen, dass seine Ämter einer Herausforderung wie dem Marktplatz gewachsen sind: kommunikativ, politisch und planerisch.
Das Architektur Forum Ostschweiz hofft auf einen konstruktiven Neubeginn.

St. Gallen, 08.03.2015

Pressemitteilung AFO

Positive Signale aus dem Stadtrat

Es kommen gute Neuigkeiten aus der Direktion Bau und Planung: Mit Hans Ulrich Rechsteiner hat der Stadtrat einen engagierten Architekten als neuen Stadtbaumeister gewählt, der Kauf der Gebäude an der Lagerstrasse eröffnet neue Perspektiven im Gebiet hinter dem Bahnhof.

Nach dem Debakel am Marktplatz hat der Stadtrat nun wieder vielversprechende Zeichen gesetzt: Mit Hans Ulrich Rechsteiner wird ein engagierter und geschätzter Architekt aus der Stadt das Hochbauamt führen. Mit dieser personellen Besetzung festigt der Stadtrat sein Bekenntnis für die Baukultur. Das Architektur Forum begrüsst diese Entscheidung und gratuliert seinem ehemaligen Vorstandsmitglied zur Wahl.

Ein weiteres positives Signal ist der Erwerb der Liegenschaften an der Lagerstrasse. Der Stadtrat hat erkannt, dass das Geviert hinter dem Bahnhof ein wichtiges Passstück in der Stadtentwicklung darstellt und das Wachstum der Stadt zu lenken, gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Politik. Das Architektur Forum ist angenehm überrascht, dass die Direktion Bau und Planung diese Planung nach anfänglichem Zögern nun aktiv angeht. Das Hochbauamt wird bald unter neuer Führung stehen, im Stadtplanungsamt steht seit Oktober Florian Kessler an der Spitze.
Zusammen mit dem Tiefbauamt können sie am Entwicklungsgebiet Bahnhof Nord zeigen, wie sie die Zukunft der Stadt gestalten möchten – als Testlauf für einen neues Projekt am Marktplatz.

 

St. Gallen, 26.03.2015

Struktur und Raum

Wie der Körper mit seinem Skelett eine Einheit bildet, bedingen sich Raum und Struktur. Erst eine Architektur, die aus den Gesetzmässigkeiten ihrer Tragstruktur heraus entsteht, erscheint schlüssig und wird selbstverständlich. Im Zusammenspiel von Statik und Material spannt sich der Raum auf, in dem wir leben und uns bewegen. Aus den Strukturen unserer Gesellschaft spriessen lebendige und vielgestaltige Städte. Die Anmutung kann dabei unterschiedlich ausfallen: von den gotischen Kathedralen über Brücken und Tunnels bis zu Gebäuden, in denen Raum und Struktur eins werden, und den Quartieren, die dank der Wiedergeburt der Städte entstehen. Die Zusammenarbeit der Professionen steht im Vordergrund – Architektur, Ingenieurwesen, Raumplanung, Soziologie. Das Architektur Forum Ostschweiz richtet den Blick darauf, wie aus Strukturen Raum entsteht, und auf Werke, die gleichzeitig das Grosse und das Kleine umfassen: in Gedanken, Gebäuden und Gesellschaft.

 

Sommerpause

 Am Mo 7. September 2015 geht es weiter mit einem Beitrag zu unserem Jahresthema Struktur und Raum von Carl Fingerhut. Bis dahin wünschen wir sonnige Zeiten!

 

Architekturfilm und Diskussion

Wem gehört die Stadt –– Bürger in Bewegung

Mi 8. April 2015, 20 Uhr im Kinok

Nach der Vorstellung diskutieren Dr. Dipl.-Ing. Eva Lingg, Architektin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum Soziale Räume, FHS St.Gallen, und René Finger, Architekt und Vorstandsmitglied des Architektur Forum Ostschweiz. Moderation: Prof. Dr. Rudi Maier, FHS St.Gallen. Die Gruppe «Tisch hinter den Gleisen» stellt sich und ihre Aktivitäten vor.

Als ein Grossinvestor ankündigt, auf einem ehemaligen Industrieareal mitten in Köln-Ehrenfeld eine Shopping Mall zu bauen, werden Proteste laut. Der Bürgermeister des Stadtteils versucht zu vermitteln: Er möchte die Anwohner an der Gestaltung ihres Viertels beteiligen. Doch während in der Bürgerinitiative noch über visionäre Alternativen diskutiert wird, hat die Stadtverwaltung schon ganz andere Pläne auf dem Tisch. In ihrer Langzeitdokumentation gelingt es Anna Ditges, alle Gruppen vor die Kamera zu holen, die stadtverändernde Prozesse erleben: die Stadtverwaltung, den Investor und die Bürgerinnen und Bürger, die sich artikulieren und politisch aktiv werden. Dabei gelingen ihr tiefe Einblicke in die Pläne des Investors und der Stadtverwaltung und deren langfristiges Kalkül. Ihr besonderer Verdienst besteht aber auch darin, dass sie die Bürger nicht aus den Augen verliert, die sich nicht öffentlichkeitswirksam artikulieren können und die Gentrifizierung und die damit einhergehenden Veränderungen still erleiden. «Wem gehört die Stadt – Bürger in Bewegung» ist eine Dokumentation über Stadtentwicklungsprozesse, die heute in jeder Stadt anzutreffen sind. In St.Gallen ist u.a. das Gebiet um die Lokremise ein Beispiel dafür.

D 2014, 87 min, DCP, D
Regie: Anna Ditges
Mitw.: Paul Bauwens-Adenauer, Hans-Werner Möllmann, Almut Skriver, Peter Brings, Erol Günes, Özgül Günes, Anne Luise Müller, Andrea Rauber u.a.

 kinok.ch

 

Vortrag und Präsentation ausgewählter Exponate –
Otto Kolb: Grenzgänger zwischen Architektur, Kunst und Design

Rahel Hartmann Schweizer, Architekturhistorikerin, Köniz b. Bern

Mo 15. Dezember 2014, 19.30 Uhr im Forum

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«Chicago-Kolb» nennen ihn seine Freunde, als Otto Kolb (1921–1996) 1960 aus den USA in die Schweiz zurückkehrt. Im Gepäck hat er seine Erfahrungen als Dozent am Institute of Design in Chicago, an das er 1948 berufen wurde, einen Fundus an Bildern und Plänen von Bauten und Projekten sowie Entwürfe aus verschiedenen Bereichen des Designs, die ein bereits ansehnliches Œuvre dokumentieren. Kolb besitzt aber auch ein ganzes Kompendium von Skizzen, in dem sich der Keim seines gebauten Manifests findet: des zylinderförmigen Glashauses im Zürcher Oberland. Anfang der 1980er Jahre realisiert, avanciert die Villa in Wermatswil zu einem Mekka für Architekturinteressierte. 2012 wurde es von der Kantonalen Denkmalpflege Zürich als Schutzobjekt von regionaler Bedeutung eingestuft.
Kolb war ein Pionier und Grenzgänger – nicht nur geografisch, im Sinne des Aufbruchs in die Neue Welt. Ebenso, wie er sich zwischen den Disziplinen Architektur, Ingenieurwesen, Kunst und Design bewegte, tastete er sich auf Terrains vor, die seinerzeit argwöhnisch beäugt wurden: Ökologie und Schonung der Ressourcen waren für ihn zeitlebens Gebote – lange bevor 1972 Donella und Dennis L. Meadows mit ihrer Studie The Limits to Growth die Grenzen des Wachstums aufzeigten.
1944 diplomiert, liess sich Kolb im Umfeld von Alfred Roth, Max Bill, Richard Paul Lohse und Felix Schwarz ebensosehr von der traditionellen japanischen Architektur inspirieren. Davon zeugen sein erster Bau in der Schweiz, das Atelierhaus in Brüttisellen (1944–1945), genauso wie sein Début in den USA, das Haus Horner (1948–1950) in Indiana, das in den 1990er Jahren unter Denkmalschutz gestellt wurde. Er versöhnte organische Architektur und industrielles Bauen, liess sich von antiken Tempelarchitekturen inspirieren und experimentierte mit seilverspannten Konstruktionen. In Anlehnung an musikalische Proportionssysteme entstanden Baukörper, die in labilem Gleichgewicht balancieren. Neben der Musik spielte die Kunst eine tragende Rolle: vom «Fenster als Bild» im Atelierhaus in Brüttisellen bis zum «Haus als Kamera» in der Villa in Wermatswil (1980–1982).
Die im Entwurf zum Haus Solotorovsky in Princeton (1958–1959) skizzierte, von Max Bills «Kontinuität» (1947) inspirierte Skulptur transformiert Kolb Mitte der 1960er Jahre zu einer Wendeltreppe, für die er das Patent bekommt. In der Villa Wermatswil macht er sie zum Dreh- und Angelpunkt.

Im Anschluss an die Einführung sind alle Besucher herzlich eingeladen, bei einem feinen Kündig Käsefondue und einem Glas Weisswein das Forumsjahr ausklingen zu lassen.

Eintritt 10.–/ Mitglieder gratis

Ausloten – Nachhaltig dank LowTech

Im Gespräch: Werner Binotto, Stefan Hasler, Andy Senn, Christian Widmer, Richard Widmer

Mo 8. Dezember 2014, 19.30 Uhr im Forum

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Eine technische Revolution sollte in den letzten Jahrzehnten die Energiewende herbeiführen. Immer komplexere Maschinen und Technologien versprachen Einsparungen ohne Komforteinbussen. Doch der Fortschritt steckt in einer Sackgasse, die Kosten für den Unterhalt laufen aus dem Ruder, die Bewohner entfremden sich zunehmend von ihrer Umwelt. Zwei Architekten stellen mit ihren Gebäuden Alternativen zur Diskussion, die mit alten Tugenden der Architektur operieren: Stefan Hasler mit dem Bürogebäude 2226 in Lustenau, Andy Senn mit der landwirtschaftliche Schule in Salez. Beide Projekte möchten die drängenden energetischen Fragen auch ohne Haustechnik lösen. Dieser Weg nimmt den Menschen wieder in die Verantwortung: Als Bauherren, als Entwerfer und als Nutzer. In der folgenden Diskussionsrunde vertritt Kantonsbaumeister Werner Binotto die Sicht des Bauherren, der erfahrene Haustechnikplaner Richard Widmer prüft die Konzepte auf ihre Plausibilität.

Elmar Hasler ist geschäftsleitender Gesellschafter des Büros baumschlager eberle in St. Gallen und vertritt Dietmar Eberle, der den Termin leider kurzfristig absagen musste.

Eintritt 10.–/ Mitglieder gratis

Veranstaltungssponsor Würth

Erst kanalisiert, dann renaturiert

  • Gutes Bauen. Linthgebiet
  • Gutes Bauen. Linthgebiet
  • Gutes Bauen. Linthgebiet
  • Gutes Bauen. Linthgebiet

Die Flusskorrektionen und Meliorationen an Linth und Thur im 19. Jahrhundert haben mit schnurgeraden Kanälen der Landschaft ihr Gepräge aufgedrückt. Heute, da sie renaturiert wird, kann sich das Landschaftsbild wieder dynamisch transformieren.

 

22. November 2014 von  Rahel Hartmann Schweizer

 

Ende letzterWoche ist die öffentliche Planauflage in den Gemeindeverwaltungen von Weinfelden, Bürglen und Bussnang der sechsten von neun Etappen der Thurkorrektion zu Ende gegangen. Es kündigt sich ein harziger Prozess zwischen Umweltschützern und Bauern an, wie er auch die Arbeit an der Linth begleitet hat – eine Ausmarchung zwischen Landschaft und Landwirtschaft. Deren Hüter wollen das Kulturland nicht hergeben, das der Natur einst mit den Korrektionen abgetrotzt worden war.
Die Thurkorrektion ist neben der Linth- und der Inn-/Flaz-Renaturierung eine der drei prägenden Eingriffe in den Wasserbau, die in der Ostschweiz in den vergangenen Jahren in Angriff genommen und nun teilweise abgeschlossen sind, mit denen die Interventionen des 19. Jahrhunderts saniert werden.

Ingenieurbau als «Kunst»
Die damalige Kanalisierung der Flussläufe war Ausdruck einer Ingenieurbaukunst nach dem  Verständnis des 19. Jahrhunderts, die Natur zu bändigen: zum Schutz vor Hochwasser, zur Gewinnung von Kulturland und zur Schiffbarmachung günstiger Verkehrswege.
Nicht unbesonnen ist der Begriff «Kunst» gewählt. Eine Beschreibung von 1820 würdigte das Linthwerk: «Niemand mag über die Dammkrone wandern, ohne die Kunst zu bewundern, welche einen wilden und stürmisch aussehenden Alpenstrom in einen gleichförmig und majestätisch daherfliessenden verwandelt hat, dessen Geräusch dem Rieseln eines Baches gleicht.»
Den Ingenieurbau als «Kunst» zu werten, die Natur zu bändigen, zu kultivieren, nutzbar zu machen,  entsprach einer Ästhetik, die sich in Opposition zu Wildwuchs und jener zerstörerischen Naturgewalt definierte, welche die Annalen füllte: «Unwetter mit Dammbrüchen», «Hochwasser mit Überschwemmung», «Inn und Flaz durchbrachen die Wuhre», so liest sich die Unwetterchronik von Samedan der letzten 500 Jahre. Der jüngste Eintrag «Flaz-Hochwasser (…) führte zur Überflutung des unteren Teils des Flugplatzes Samedan» datiert von 2004, zu einem Zeitpunkt, als die Massnahmen zum Hochwasserschutz – über 150 Jahre, nachdem Inn und Flaz kanalisiert worden waren – im Rahmen der zweiten Korrektion kurz vor der Vollendung standen. Das Ereignis führte vor Augen, wie dringlich der Eingriff war.

Zäh an Thur und Linth
Die grösste Flussverlegung in der Schweiz seit mehr als achtzig Jahren ging aus einer Konzeptstudie hervor, in deren Rahmen zwei Lösungen evaluiert wurden: Die eine unter dem Titel «Flaz-Entlastung» sah höhere Dämme und einen Gerinneausbau mit Hochwasserentlastung in einen Überflutungskorridor Champagna vor. Die andere, radikalere und nachhaltigere, postulierte unter der Bezeichnung «Flaz-Verlegung» ein neues Gerinne von Punt Muragl bis Gravatscha. Die Bevölkerung Samedans entschied sich für diese.
Zäher verlief beziehungsweise verläuft der Prozess an der Linth beziehungsweise der Thur, obwohl sich die Situation in beiden Fällen ähnlich präsentierte: Kaum hatte die Linthkommission (Glarus, Schwyz, St.Gallen, Zürich) 1998 eine Studie zur Sanierung des Hochwasserschutzes in Auftrag gegeben, lieferte das Jahrhunderthochwasser ein Jahr später (1999) die traurige Bestätigung der Dringlichkeit, an Linth- und Escherkanal auf einer Länge von 17 beziehungsweise 6 Kilometern Dämme zu sanieren, Aufweitungen zu realisieren und Mittelgerinne umzugestalten.

Auslösendes Hochwasser 1978
Im Kanton Thurgau war es das Hochwasser von 1978, das die Arbeit am Thur-Richtprojekt 1979 (TRP79) auslöste. Diese mündete im November 2004 in das vom Regierungsrat abgesegnete Papier «2. Thurkorrektion – Konzept 2002», dessen Perimeter sich auf eine Länge von 36,6 Kilometern von der Murgmündung bis zur St. Galler Grenze erstreckt.
Obwohl die Projekte «Hochwasserschutz Linth 2000», «Konzept Thur 2002» sowie «Flaz-Verlegung und Renaturierung En» im Einzelnen unterschiedliche Gewichtungen erfahren, lassen sich ihre Zielsetzungen auf drei Kernthemen konzentrieren: oberste Maxime ist der Hochwasserschutz, flankiert von Nutzungsoptionen (Schutz von Kulturland und extensive Landwirtschaft im Flussraum) sowie ökologischen Grundsätzen, die Lebensräume im Flussraum aufzuwerten. Basis war das neue, 1991 ausgearbeitete und 1993 nach einer Volksabstimmung in Kraft getretene Eidgenössische Wasserbaugesetz. Es bildete die gesetzliche Grundlage für den Paradigmenwechsel von der «Unterwerfung » der Natur zu ihrer Aufwertung.

Aufwand kaum ablesbar
Heute vermitteln Linth, Thur und Inn/Flaz einen Eindruck davon, wie der trockene Buchstabe Gestalt annehmen kann. In mäandernden Wasserläufen können Äsche und Bachforelle wieder einen Lebensraum erobern. Kiesbänke sind potenzielle Standorte einheimischer Flora und Fauna. Teiche und Auenwälder werden Wasserpflanzen, Libellen und Amphibien beheimaten.
Es ist der Clou der Interventionen, dass die Leistungen der Ingenieure, die mit kaum weniger Verve gearbeitet haben als seinerzeit Escher & Co., kaum als solche in Erscheinung treten – es sei denn an den Infrastrukturbauwerken wie der neuen Molliserbrückeü über den Escherkanal, deren hydrodynamisch ausgebildeter Fahrbahnträger so genannte Verklausungen, das heisst das Aufstauen angeschwemmten Treibgutes, verhindert.
Demgegenüber lässt die Idylle, als die sich beispielsweise die Flussaufweitung Chli Gäsitschachen bereits heute präsentiert, den immensen Aufwand ihrer Entstehung – Verstärkung des linken Hochwasserschutzdamms, Gestaltung des rechtsufrigen Abschlusses der Aufweitung als Flachdamm, Sicherung der Sohle im Escherkanal, Rodung von sechs Hektaren Wald – kaum erahnen.
So könnte die Hymne auf die Ingenieurskunst 200 Jahre nach der oben zitierten Beschreibung dereinst lauten: «Niemand mag das 70 Kilometer lange Wegnetz in einer von Vogelstimmen und Unkenrufen erfüllten Atmosphäre erwandern, ohne die Kunst zu bewundern, die einen monotonen, eingezwängten Strom in ein dynamisch mäanderndes, das Gemälde der Landschaft mit immer wieder neuen Nuancen anreicherndes Gewässer transformiert hat.»

Bilder: Christof Rostert

Am Anfang stand ein Baum

  • Gutes Bauen Ostschweiz: Murgwiesen Frauenfeld mit Pavillon Murgwiese und Fluss Murg, Kanal, Betonstege (unfertig), Platz vor dem Regierungsgebäude und Meitli Brunnen mit Bank in der Altstadt.
  • Gutes Bauen Ostschweiz: Murgwiesen Frauenfeld mit Pavillon Murgwiese und Fluss Murg, Kanal, Betonstege (unfertig), Platz vor dem Regierungsgebäude und Meitli Brunnen mit Bank in der Altstadt.
  • Gutes Bauen Ostschweiz: Murgwiesen Frauenfeld mit Pavillon Murgwiese und Fluss Murg, Kanal, Betonstege (unfertig), Platz vor dem Regierungsgebäude und Meitli Brunnen mit Bank in der Altstadt.
  • Gutes Bauen Ostschweiz: Murgwiesen Frauenfeld mit Pavillon Murgwiese und Fluss Murg, Kanal, Betonstege (unfertig), Platz vor dem Regierungsgebäude und Meitli Brunnen mit Bank in der Altstadt.

Frauenfeld geht bei der Gestaltung seiner öffentlichen Räume neue Wege. Alleen spielen dabei eine wichtige Rolle. Wie vorbildhaft die Thurgauer Kantonshauptstadt handelt, zeigt das bisher grösste Projekt, der Stadtpark Murgwiese.

 

18. Oktober 2014 von Gerhard Mack

 

Frauenfeld ist eine grüne Stadt, und sie liegt im Grünen. Viele Strassen sind von Baumreihen gesäumt, in Vorgärten wuchern Büsche. Die Natur schiebt sich in Zungen in die Quartiere. Wieso braucht so eine Stadt ein eigenes Grünraumkonzept? Und wieso soll ausgerechnet dieses zur Grundlage der stadträumlichen Entwicklung von Frauenfelds Zentrum werden? Gerade deshalb, weil die Stadt so sehr mit der Natur, mit Bäumen und Wasser lebt, weil diese ihren Charakter prägen. Deshalb sollte sich diese nutzbar machen, wer Frauenfeld weiterentwickeln möchte. Zumal, wenn er der Überzeugung ist, dass das Weiterbauen von Stadt heute oft besser in kleinen Schritten vorankommt als in wuchtigen Setzungen. Dialog zwischen Bestand und Neubauten ist das zentrale Stichwort.

Den Meitli-Brunnen ergänzt
«Stadtentwicklung ist oft Stadtreparatur, das Zurechtrücken von etwas, das nicht ins Gefüge passt. Manchmal genügt da schon ein einzelner Baum», sagt Thomas Hasler. Er hat sich mit Astrid Staufer der Fortentwicklung derjenigen Stadt verschrieben, in der die beiden Partner und Hochschul- Professoren schon lange ihr angesehenes Architekturbüro betreiben. Ein Baum stand denn auch am Anfang einer Diskussion über eine Fortentwicklung des öffentlichen Raums im Zentrum. Astrid Staufer ergänzte den Meitli-Brunnen in der historischen Altstadt mit einer Platane und einer Bank. Seither haben die beiden Brunnen-Mädchen einen Ort, an dem man gerne sitzt und den Passanten zuschaut.
Bäume dienen auch dazu, den historischen Ring wieder als Prachtstrasse zu beleben, wie sie im 19. Jahrhundert rings um die Altstadt angelegt war. Von der Post über das Rathaus und die ehemalige Kantonsschule bis zum Regierungsgebäude liegen alle repräsentativen Bauten an ihr aufgereiht wie die Perlen einer Halskette. Viele Eingriffe haben diese Klarheit über die Jahre hinweg aber verwischt.
Staufer & Hasler Architekten konnten die Ämter, die involviert waren, dabei unterstützen, Strassenräume zu vergrössern und zu klären, damit Raumreihen gepflanzt, die Allee der Promenade auf ihre historische Länge erweitert und der Raum vor dem prächtig renovierten Regierungsgebäude zu einem Platz vergrössert werden kann, der ein Dach aus Platanen erhält. Überdies wurde der Botanische Garten erweitert. Während vieles davon noch in der Entwicklung steckt, konnte das bisher grösste Projekt des urbanistischen Grünraumkonzepts bereits weitgehend umgesetzt werden: die Neugestaltung der Murgauen zum Stadtpark Murgwiese. Der Fluss wurde nach dem Jahrhunderthochwasser von 1876 begradigt. Hinter einem Schutzdeich siedelte sich Industrie an. Später kam das Militär und nutzte das Gelände als Waldkampfbahn. Als es abzog, bat die Stadt Staufer & Hasler Architekten, über eine neue Nutzung  nachzudenken. Die kleinen Armeebaracken verfielen. Ein alter Industriekanal verlandete. Das Areal war sich selbst überlassen. Hier sollte ein Naherholungsgebiet für die Bevölkerung entstehen, das auch ökologisch sinnvoll war.

Von der Natur bestimmt
Die Architekten entwickelten ein Gestaltungskonzept, das von der vorhandenen Natur bestimmt wurde, nicht von einer übergeordneten Geometrie, wie sie sonst oft Parkplanungen bestimmt. Und sie übersetzten es in eine Vielzahl von kleinen Massnahmen, die alle vom jeweils zuständigen Dezernat in Eigenregie durchgeführt werden konnten. Als Grundlage diente ein Geländeplan vor der Begradigung der Murg. Er zeigte nicht nur den ursprünglichen Verlauf des Flusses an, sondern erlaubte auch Berechnungen der Überschwemmungen bei Hochwasser. Ein Teil des Dammes konnte abgetragen, die Murg durch eine Schlaufe erweitert und renaturiert werden. Das alte Flussbett hat man als Nebenlauf wiederbelebt, der mit dem Hauptfluss eine bewaldete Insel einschliesst.

Ein schnurgerader Kanal
Wer vom Bahnhof her der Murg entlang schlendert, sieht heute hinter einem Schuppen mit einer  kleinen Turbine das Wasser einen schnurgeraden Kanal entlangfliessen, wie es Kanäle in unserer  Phantasie überall tun. Fische überspringen die neu eingebauten Stufen. Der Weg, der den Wasserarm begleitet, wird zu den Häusern der nahen Siedlung hin von einer Reihe Kastanien gesäumt, die verdichtet wurden. Die ehemalige Allee wird wieder spürbar. Auf der gegenüberliegenden Seite  gewähren Cluster von Büschen und Hecken Durchblicke auf die angrenzende Wiese.
Wo diese auf die Murg trifft, ist ein pavillonartiger Bau errichtet, der an Forstarchitektur erinnert. Er steht an der Stelle der ehemaligen Militärbaracken und bietet preisgünstig neben Veranstaltungsraum auch Küche und Kiosk. Von der grosszügig überdachten Freifläche hat man einen grandiosen Blick auf die renaturierte Murg und die Kieslandschaft, die sich an Stelle des alten Dammes ausbreitet.
Der einfache Holzbau in dunklem Rot ist eine von mehreren Follies, die die Architekten entworfen haben. Vorbild dafür war unter anderem der Parc des Buttes-Chaumont, den Napoleon III. 1867 zur Weltausstellung in Paris eingeweiht hat. Der englische Landschaftsgarten war ein Auftrag des Kaisers an den Architekten Haussmann. Napoleon war im Thurgauer Schloss Arenenberg aufgewachsen und hatte dort mit seiner Mutter Hortense den Garten angelegt. Den Architekten gefiel dieser Bezug. Für die Murgauen sahen sie auch einen Aussichtsturm im Waldstück und am Ende des Kanals eine Orangerie als Point de vue vor. Während beides Sparmassnahmen zum Opfer fiel, konnten immerhin drei von fünf Stegen realisiert werden, die von Jürg Conzett, dem führenden Brückenbauer der Schweiz, entworfen wurden. Sie schlängeln sich durch den Wald, überwinden Senken und ermöglichen Spaziergängern und Schülern Durchquerungen. Da, wo eine Brücke über den altneuen Arm der Murg eingespart wurde, hat man mit Felssteinen eine Furt angelegt, die Kinder mit Freude dem breiten Steg in Sichtweite vorziehen werden.
Am Ende der kleinen Waldinsel, da, wo der neu installierte alte und der Hauptlauf der Murg ineinanderfliessen, wird besonders deutlich erfahrbar, wie die Grünzungen in die Stadt hineingreifen und sie mit der umliegenden Landschaft verbinden: Da setzt die dritte Brücke von Jürg Conzett den Wanderweg fort, der unter der Autobahnbrücke hindurch nach Ittingen zur Kartause führt.

Biber, Fische, Enten und Vögel
Bevor der Wanderer die Stadt verlässt, trifft er noch auf eine Stauung des Seitenarms: Hier hat ein Biber begonnen, eine Burg zu bauen. «Nicht, dass wir Ökofreaks wären», sagt Thomas Hasler. Dass die künstliche Szenerie der gestalteten Murgauen aber nicht nur für die Menschen da ist, sondern auch zu einem neuen Hort für Tiere wird, das freut ihn jedoch sehr. Fische, Enten und Vögel sind von alleine gekommen. Hier kann man Tiere erleben, ohne Volieren zu bauen.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

FHS@AFO – Architekturvermittlung

Podiumsdiskussion: Neue Architekturausbildung an der Fachhochschule St. Gallen mit Paul Knill, Hugo Dworzak, Sebastian Bietenhader und Christian Portmann; Moderation: Ronnie Ambauen
Inputreferat: Thomas Utz

Mo 17. November 2014, 19.30 Uhr im Forum

Bildrechte: Fachhochschule St. Gallen

An der FHS St. Gallen soll nach Willen des Kantonsrats das Architekturstudium wieder eingeführt werden. Aus diesem Anlass laden wir zu einer Podiumsdiskussion ein, welche sich ganz dem Thema der Ausbildung heutiger Architektinnen und Architekten widmet. Wie sieht ein zeitgemässes Architekturstudium aus? Welche Kompetenzen werden von einem Architekt/einer Architektin heute erwartet? Worin unterscheidet sich ein Bachelorstudium an einer Fachhochschule von einer Ausbildung an einer Universität? Und was könnte das Spezifische einer Ausbildung in St.Gallen für St. Gallen sein?

Thomas Utz von der FHS St. Gallen startet den Abend mit einem kurzen Einblick in die bisherige Diskussion um die Wiedereinführung des Architekturstudiums an der FHS St. Gallen. Im Anschluss bieten wir die Gelegenheit zu einer Diskussion über Architekturausbildung im Allgemeinen und speziell für St. Gallen.

Einladungskarte November

Laborieren – Do you want to see my mouse tattoo?

Verena Rauch, Ferdinand Fritz, Walter Prenner – AssistentInnen des ./studio3, Innsbruck

Mo 3. November 2014, 19.30 Uhr im Forum

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Das Institut für experimentelle Architektur ./studio3 entwickelt und lehrt an der Schnittstelle von zeitgenössischer Kunst, Kultur und experimenteller Architektur. Es werden simultan Theorieansätze, Forschung und konkrete Umsetzungen zu diesem Thema durchgeführt. Es geht um Architektur als die gelungene Balance von Ästhetik, Funktion und Konstruktion, visuellem Empfinden und wissenschaftlichen Denkens. Dabei ist Kunst nicht ästhetischer Ansatz oder Aufputz, sondern wirkt real am kreativen Schaffensprozess von Architektur mit. Im Vordergrund steht das Bemühen, ein Feingefühl für soziale Bedürfnisse und gesellschaftlichen Fortschritt zu entwickeln.

Eintritt 10.–/ Mitglieder gratis

www.studio3.me

Einladungskarte November

Heimatschutz – Wie öffentlich ist der Rote Platz

Rundgang durch die Stadtlounge, St.Gallen

Mo 20. Oktober 2014, 18 Uhr am Roten Platz

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Ein Rundgang durch die Stadtlounge in St.Gallen
Die Lebensqualität in unseren Städten ist aufs engste mit dem öffentlichen Raum verbunden. Plätze und Parks sind Treffpunkte und Orte der Erholung und des Austausches. Unter dem Schlagwort der Verdichtung geraten diese Frei- räume stärker unter Druck: Sie werden übernutzt, überbaut oder vernachlässigt.
Im Rahmen der öffentlichen Veranstaltungsserie des Heimatschutzes setzen wir uns nach mehrjähriger Erfahrung mit der Raumfolge der Stadtlounge aus- einander. Uns interessieren Fragen nach der heutigen Nutzung, die Aneignung der Räume zu unterschiedlichen Tageszeiten sowie das Nebeneinander der Innen- und Aussenräume.
Während eines geführten Rundgangs wird ein offener Dialog mit den Beteiligten geführt: Vertretende des Gestaltungsteams, der Stadtplanung, der Bauträgerschaft und Stadtwanderer beleuchten die verschiedenen Gesichtspunkte.

Eintritt 10.–/ Mitglieder gratis

AFO vor Ort – Steinerne Bergkulisse

Besichtigung Residenz Riga und Überbauung Rheinfels 3, Chur

Fr 17. Oktober 2014, 15 Uhr

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Treffpunkt

15 Uhr Haupteingang Seniorenzentrum Rigahaus, Gürtelstrasse 88, Chur

Programm

15 Uhr Führung Seniorenresidenz Rigahaus mit Claudia Thomet, Dalila Chebbi und Sascha Menzi, Chebbi / Thomet / Bucher Architektinnen sowie Herr Livio Andri, Heimleitung (Gürtelstrasse 88)
16.30 Uhr Führung Überbauung  “Rheinfels 3“ mit Maurus Frei, maurusfrei Architekten und Norbert Candinas, Nocasa (Rheinfelsstrasse 3)
18 Uhr Apéro riche in der Parkettwelt Chur durch Bauwerk Team (Kasernenstrasse 90)

Das Seniorenzentrum Rigahaus der Stiftung C.L. Allemann besitzt in Chur ein grösseres Areal an bester Lage, in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. Seit der Übernahme des ersten Baus 1924 wurde die Anlage um mehrere Bauten ergänzt. Die Wettbewerbsaufgabe bestand darin, das bestehende Areal mit dreissig neuen Altersresidenzwohnungen mit Saal und einer grossen Tiefgarage zu ergänzen.

An der Churer Rheinfelsstrasse wurde im Baurecht eine Wohnüberbauung erstellt. Aufgrund der idealen Erschliessung sind im Erdgeschoss zudem Gewerbe- und Ladenräume entstanden.

Anmeldung

bis 13. Oktober 2014 unter info@nulla-f-o.ch, Teilnehmerzahl beschränkt.
Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Chebbi / Thomet / Bucher Architektinnen
maurusfrei Architekten
bauwerk Parkett

Einladungskarte Oktober

Entwirren – Hebelwerke – Formen eines Prinzips

Vito Bertin, Architekturlehrer, Hongkong

Mo 6. Oktober 2014, 19.30 Uhr im Forum

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Hebelwerke sind Tragstrukturen, die auf drei Grundprinzipien basieren: Die Elemente wirken als Hebel aufeinander, tragen sich gegenseitig und sind selbstverbindend. Es gibt also weder eine Hierarchie im Tragen noch zusätzliche Verbindungselemente. Das Prinzip ist schon seit Jahrhunderten bekannt, doch es wird nur selten angewendet, selbst wenn das Interesse daran in letzter Zeit wieder gewachsen ist. Im Vortrag werden die Prinzipien des Hebelwerks dargestellt und seine Eigenschaften erläutert. Eigene Beispiele und Strukturen, die durch die Arbeit mit StudentInnen entstanden sind, illustrieren die Möglichkeiten. Die Arbeitsmethode dahinter besteht aus einem Prozess von Machen, Beobachten und Fragenstellen. So kann, ausgehend von einer einfachen Konfiguration, eine Vielfalt von Formen entwickelt werden. Formen, die nicht beliebig sind, sondern Ausdruck einer inneren Ordnung.

Vito Bertin unterrichtete von 1996 bis 2009 an der Architekturabteilung der Chinesischen Universität Hongkong. Weitere Hinweise auf seine Arbeit und Studien gibt es auf vitobertin.hk zu sehen und zu lesen.

Ausstellung

Vito Bertin: Hebelwerke – Formen eines Prinzips
21.9. bis 5.10. im Zeughaus Teufen
Vernissage 21. September 2014, 14 Uhr

zeughausteufen.ch
Eintritt 10.–/ Mitglieder gratis

Einladungskarte Oktober

AFO@Zeughaus Teufen – Meet the editors

werk, bauen + wohnen auf Tournee

Mo 15. September 2014, 19.30 Uhr im Zeughaus Teufen

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werk, bauen + wohnen ist nicht die bekannteste, aber vielleicht die bedeutendste Architekturzeitschrift der Schweiz. Sie hat den Anspruch, über das Schweizer Architekturgeschehen kritisch zu berichten.

An diesem Abend berichten Redaktoren aus erster Hand: Wie funktioniert Architekturkritik in der Schweiz? Wie wird eine Architekturzeitschrift eigentlich konkret gemacht? Wie wird ein Jahrgang konzipiert, wie ein einzelnes Heft? Wie informiert sich die Redaktion selber, und wie wählt sie die Themen und Bauten aus, über die sie berichtet? Kommt die «Provinz» vielleicht systematisch zu kurz? Wie lässt sich das ändern?

Über den Einblick in das Machen einer Zeitschrift hinaus bieten wir die Gelegenheit zu einer Diskussion über Architekturpublizistik und -kritik im Allgemeinen. Und über die Fragen, die Sie in Ihrer Region aktuell beschäftigen.

zeughausteufen.ch

wbw.ch

Museumsnacht – Not Zero and Zilch

Städtische Ausstellung, Installation von Andy Guhl

Sa 6. September 2013, 18–01 Uhr im Forum, mit Barbetrieb

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Andy Guhls Rohstoff ist die Alltagselektronik, er arbeitet mit Bauteilen aus Fernsehern, Lautsprechern, Kameras und ähnlichem. In diesen Dingen steckt viel Design, mithin ästhetisches Potential. Zudem sind diese Bauteile in Stromkreisläufe eingebunden und senden oft elektromagnetische Wellen aus – auch daraus entwickelt Andy Guhl seine Arbeiten. Er kennt das Innenleben seiner Geräte haargenau und setzt diese in unvorgesehene Zusammenhänge, in denen sie ihren Alltagszweck verlieren. Oft resultieren daraus poetische, klingende, leuchtende und bewegliche Installationen, die den vielbeschworenen Zusammenhang von Kunst und Leben an einem unvermuteten Ort herstellen.“ Peter Kraut

Performance von Yan Jun und Andy Guhl,

20 Uhr ca. 20 Min. „Sounds for the Exhibition“
21 Uhr ca. 20 Min. „Not Zero and Zilch“

Ticket 20.– für Eintritt in alle beteiligten Museen und Shuttlebusse
www.museumsnachtsg.ch

Ausstellung: Do 28. August. bis So 21. September 2014
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr
Vernissage Do 28. August um 18.30 Uhr

Andy Guhl,  visuals und geknackte Alltagselektronik, Musiker und Künstler, St. Gallen andy.guhl.net

Yan Jun, electronics, Musiker / Autor / Poet www.yanjun.org und www.subjam.org

ArchitekTour

Belgien

Do 4. September – So 7. September 2014

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Vom «hässlichsten Land der Welt» (so der belgische Architekt Renaat Braem) zum baukulturellen Wunderland: Flandern, der niederländischsprachige Teil Belgiens, hat heute eine ungewöhnlich vitale Architekturszene.

Die nach der administrativen Neuordnung in den Neunzigerjahren gebildete flämische Regierung hat eine Atmosphäre des gemeinsamen Aufbruchs geschaffen, die enormen kulturellen Elan freisetzt und architektonische Experimente fördert. Junge Architekten wie 41N4E, dvvt oder Office haben die Chance, eigenwillige, unkonventionelle Projekte zu realisieren.
«Klassiker» von Le Corbusier, Horta und van de Velde stehen ebenso auf unserem Programm wie gerade fertiggestellte Projekte, z.B. das Museum aan de Stroom von Neutelings &Riedijk, Wahrzeichen der Konversion des alten Hafens von Antwerpen in ein Wohn- und Kulturviertel.

Kosten für Mitglieder 1´080 Fr (Nichtmitglieder 1´180 Fr),
inklusive Flug mit Swiss, Hinflug: Do 4. September 2014, 9.05–10.25 Uhr,
Rückflug: So 7. September 2014, 18.45–20 Uhr
3 Übernachtungen mit Frühstück in Hotels in Brüssel, Gent, Antwerpen im DZ (EZ-Zuschlag: 200.–), ÖV, Führungen und Eintritte.

Das Detailprogramm ist in Bearbeitung und wird den Teilnehmern bei der Abreise abgegeben. Teilnehmerzahl min. 18, max. 23 Personen.
Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt. Versicherung und ggf. Reiserücktrittsversicherung sind Sache des Teilnehmers. Änderungen bleiben vorbehalten.
Anmeldung mit vollständigen Angaben (s. Anmeldekarte unten) bis 10. Mai 2014 an info@nulla-f-o.ch oder per Fax an 071 223 49 74

(V)ermitteln – Mens, Material, Medium, Mensch

Diskussion mit Gioni Signorell, Architekt, Chur, Felix Lehner, Kunstgiesser, St.Gallen, Florian Graf, Kunstschaffender/ Architekt, Moderation Rahel Hartmann Schweizer

Mo 1. September 2014, 19.30 Uhr im Forum

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In den Natur- und den Ingenieurwissenschaften hat sich das Experiment im 20. Jahrhundert als Mittel für die Erforschung und Beherrschung des Raums etabliert. In der Architektur hingegen traut man ihm nur bedingt über den Weg. Man neigt dazu, mit «experimenteller Architektur» utopische Vorstellungen zu assoziieren oder sie als zu künstlerisch motiviert und daher als unwissenschaftlich zu verunglimpfen.
Die Skepsis weicht indes zusehends: Es wächst das Interesse an Experimenten an der Schnittstelle zwischen Kunst und Architektur im selben Mass, wie die Methoden der Wissenschaft als „Golem der Forschung“ (Harry Collins, Trevor J. Pinch) hinterfragt werden.
Die Wechselwirkung zwischen Architektur und Kunst loten der Architekt Gioni Signorell, der Kunstgiesser Felix Lehner und der Künstler Florian Graf aus. Signorell, der sich am Transparenzbegriff von Colin Rowe und Robert Slutzky orientiert, setzt die Kunst als räumliche Schnittstelle seiner Architekturen ein. Graf, dem der Versuch im Sinne von Michel de Montaignes’ Essayistik Vorbild ist, übersetzt das Gedankenexperiment in eine Gestalt, die wiederum durch den Betrachtenden geformt wird. Und Felix Lehner operiert intermediär zwischen Beiden: Er materialisiert den Plan im Kopf bzw. auf dem Papier.

www.floriangraf.ch
www.kunstgiesserei.ch

Eintritt 10.–/ Mitglieder gratis

Einladungskarte September

Wie Heerbrugg eine Chance vertut

  • Kantonsschule Heerbrugg mit Kunst am Bau - der Skulptur  'Vanessa' im Foyer von Alex Hanimann.
  • Kantonsschule Heerbrugg mit Kunst am Bau - der Skulptur  'Vanessa' im Foyer von Alex Hanimann.

Die neue Kantonsschule im Rheintal wurde gerade erst eingeweiht. Eine Skulptur von Alex Hanimann könnte in ihr ein Glanzlicht setzen, zeigt aber die Probleme mit Kunst am Bau.

 

23. August 2014 von  Gerhard Mack

 

Kunst am Bau ist eine umstrittene Aufgabe. Rund ein Prozent der Bausumme sollte für sie aufgewendet werden. Bauherren haben aber immer wieder das Gefühl, das Geld könnte für anderes sinnvoller ausgegeben werden, und wollen es einsparen. Architekten sehen sich gelegentlich selbst als Künstler, deren Raumwirkungen durch visuelle Eingriffe gestört werden. Von Le Corbusier bis zu Richard Meier wollten manche von ihnen den Bauherren vorschreiben, wo sie ihre Bilder aufzuhängen hätten. Künstlerverbände dagegen kämpfen um Kunst am Bau, weil sie für ihre Mitglieder eine Einnahmequelle darstellt und Gestaltung zu ihren Kernkompetenzen zählt. Darin findet vor allem aber auch der Wettstreit seinen Ausdruck, in dem die Geschwister Kunst und Architektur schon in der Renaissance um ihre Positionen kämpften.
Welche Chancen und Schwierigkeiten das Zusammenspiel zwischen beiden in zeitgenössischen Bauten bereithält, zeigt exemplarisch die neue Kantonsschule in Heerbrugg, die diesen Mai ihre Eröffnung feierte.

Zentrale Eingangshalle
Die 1975 erbaute Anlage musste gebäudetechnisch saniert werden und entsprach mit ihrem Raumangebot nicht mehr den Anforderungen an einen zeitgemässen Unterricht.  Huggenbergerfries’ Architekten aus Zürich behielten vom bestehenden Z-förmigen Ensemble Westtrakt und Turnhalle bei und verbanden sie durch einen zentralen viergeschossigen Neubau. Wer sich der Schule vom Dorf her nähert, trifft auf ein Gebirge aus Beton. Eine Fassade aus tragenden Betonstützen, die der Fensterschicht vorgelagert sind, verbindet die verschiedenen Bauten. Ein weiter Vorplatz aus Rampen, Treppen, Flächen und Einschnitten führt wie ein Prozessionsweg hinauf zum Eingang, der als überraschend niedere Schleuse ausgeführt ist. Erst wer durch sie hindurch gegangen ist, gelangt in eine zweigeschossige Eingangshalle, die als zentrales Gelenkstück die verschiedenen Bereiche erschliesst. Treppen verbinden Splitlevels, ein Balkon zieht sich über zwei Etagen den Wänden entlang. Tiefe Betonrippen geben der Decke eine starke Räumlichkeit, wie sie bereits die kassetierten und farbig gefassten Sichtbetondecken des sanierten Westflügels besitzen.
Hier schafft Architektur nicht einfach Räume, sie setzt sich auch kraftvoll selbst in Szene. Hier geht man nicht nur zur Schule, man betritt einen modernen Tempel der höheren Bildung. Dass die Schülerinnen in modischen Hot Pants und die Schüler in lässigen T-Shirts die Räume wechseln, dass sie mit der Wucht des Raums locker umzugehen wissen, tut diesem Eindruck keinen Abbruch.
Da verwundert es nicht, dass Alex Hanimann im Rahmen der Kunst-am-Bau-Gestaltung vorschlug, eine gut fünf Meter hohe Skulptur in die riesige Eingangshalle zu stellen. Er hat gespürt, dass die komplexe architektonische Situation einen Fokus braucht. Und er wollte wohl auch deutlich machen, dass dieser zentrale Blickpunkt nicht die Architektur, nicht die Lehrer, sondern einzig und allein die Schülerinnen und Schüler sein können. Ihrer Ausbildung dient die Kanti. Deshalb sollte eine Figur aus ihrem Kreis die realen Lernenden empfangen. Sie würde dem Ort physisch Halt und geistig Identität geben. Alex Hanimanns Skulptur ging aus einem eingeladenen Wettbewerb hervor. Die erste Fotomontage nach einer Schülerin wurde bald abstrahiert. Bei einem Spaziergang sah der Künstler einen verchromten Gartenzwerg und erkannte dessen Potenzial für seine Skulptur. Felix Lehner von der Kunstgiesserei St.Gallen schlug vor, sie aus Chromstahl treiben zu lassen. In China wird das Handwerk noch kostengünstig praktiziert.
Das Modell wurde in einem Casting ermittelt. Der Künstler wollte ein Mädchen im Gymi-Alter. Die Schulleitung stimmte nach anfänglichen Vorbehalten zu. Unter den Schülerinnen der dritten Klasse, die sich auf die Anfrage des Künstlers meldeten, entsprach Vanessa am meisten den Anforderungen: «Ich suchte nach einer typischen Gymnasiastin, deren Ausstrahlung zurückhaltend, aber prägnant war», erinnert sich Hanimann.
Mit Hilfe von Fotos legte man sich auf Kapuzenpulli, Jeans undTurnschuhe als Kleidung fest und einigte sich auf Körperhaltung und Gestik. Ein Scan wurde angefertigt und aus Styropor gefräst, fehlende Details hinzugefügt und die fertige Vorlage im Massstab 1:1 nach China transportiert. Dort trieben Handwerker kleine Teilflächen, schweissten sie zusammen und polierten die fertige Figur auf Hochglanz. Ganz beiläufig spiegeln sich in ihr die Schülerinnen und Schüler, die vorbeigehen.
Vanessa ist dann trotz ihrer fünf Meter Länge eine von ihnen, sie sind für Augenblicke ein Stück weit wie sie. Ein Konzept, das einsichtiger und griffiger kaum sein kann. Und ein hervorragendes Beispiel dafür, was Kunst am Bau leisten kann.

Vanessa – ein Koloss
Was sieht man nun aber, wenn man die Kanti Heerbrugg besucht? Vanessa steht nicht im Zentrum der Eingangshalle, sie darf nicht den Mittelpunkt beanspruchen, sondern ist dicht vor den Eingang geschoben. Dort wird sie den Schülern fast auf die Nase geschubst. Der erste Blick trifft auf die Beine. Vanessa ist nicht mehr eine von ihnen,  sondern ein Koloss, dessen Körper fast fragmentiert wird, wie die Überreste einer antiken Statue.
Begründet wird die Positionierung mit praktischen Erwägungen. Ein örtlicher Musikverein will hier seine Aufführungen durchführen, die Schule will offen sein für die Gemeinde. Das klingt freundlich, kann aber so kaum stehen bleiben; zu sehr scheint sich darin eine Haltung zu spiegeln. Denn die Skulptur ist nicht nur aus dem Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Da, wo sie jetzt steht, wird sie auch eingebunden in die komplizierte architektonische Inszenierung, statt diese zu klären.
Wer zum Ausgang strebt, nähert sich der Figur von hinten. Da sieht sie aus, als wollte man sie aus der Schule hinausschieben. Dazu passt, dass die Schulleitung Pinboards auf Rollenständern in die Halle gestellt hat, die den offenen Raum versperren. Eine dieser Tafeln steht direkt neben Vanessa. Sie enthält die «Verlautbarungen des  Rektorats ». Das wirkt so, als wollte man sie reglementieren. Da könnten Kanton St.Gallen und Kanti Heerbrugg mit einer der spannendsten Skulpturen der letzten Jahre glänzen und ziehen es vor, auf diesen Aufbruch zu verzichten. Eine Verschiebung um ein paar Meter in die Mitte hätte Kunst und Architektur zu einem grossartigen Einklang gebracht. So hat sich die Schule lediglich pflichtschuldigst mit einer Skulptur ausgestattet. Kunst am Bau ist wieder einmal eine ungeliebte Pflicht.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Tage des Denkmals

Zu Tisch – im schützenswerten Restaurant

Mo 25. August 2014, 19.30 Uhr im Forum

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  • zu tisch - im schützenswerten restaurant_hörnli_marktplatz 5_fassade neugasse_1968

Die traditionellen Erststock-Beizli St.Gallens sind längst als geschichtsträchtige Orte bekannt, die Kundschaft schätzt das spezielle Ambiente in den pittoresken, denkmalgeschützten Altstadthäusern. Wie sieht es aber mit herausragenden, noch erhaltenen Restaurants des 20. Jahrhunderts aus? Wie können wir diese für zukünftige Generationen bewahren? Wie bringen wir die Ansprüche der Gäste, die Anforderungen der WirtInnen und die Auflagen der Denkmalpflege unter einen Hut? Ausgehend von einer nationalen Gesamtschau, einem Blick in die Architekturgeschichte und auf spezifische St. Galler Beispiele, erörtern wir diese und weitere Fragen am Eröffnungsabend der diesjährigen Tage des Denkmals.

Referierende
Roland Flückiger, Architekt und Architekturhistoriker, Autor von diversen Publikationen zur Hotelarchitektur, Bern:
Architektur für das Gastgewerbe. Von der Ablehnung der Historismusbauten und ihrer Interieurs bis zur Wiederentdeckung und Erhaltung in den letzten Jahrzehnten.

Leza Dosch, Kunsthistoriker, Autor und Gutachter zur Architektur vor allem des 20. Jahrhunderts, Chur:
Neuere Restaurant-Interieurs mit Blick auf die Stadt St. Gallen. Architekturkonzepte und Formensprachen des Neuen Bauens und der Nachkriegsmoderne.

Katrin Eberhard, Architektin und wissenschaftliche Mitarbeiterin, Denkmalpflege der Stadt St. Gallen Heinrich Grafs Walhalla (1963 – 66) – Bericht aus der Praxis. Bewahrt, ergänzt, ersetzt, dem Zeitgeist angepasst … wieviel Veränderung verträgt ein schützenswertes Restaurant?

Diskussion
Moderation Niklaus Ledergerber, Denkmalpfleger der Stadt St. Gallen

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Europäische Tage des Denkmals
13. / 14. September 2014
www.hereinspaziert.ch

Einladungskarte August

Der diskrete Charme der Einfachheit

  • Serie Gutes Bauen in der Ostschweiz. Freibad Rodenbrunnen am Rheinufer.
  • Serie Gutes Bauen in der Ostschweiz. Freibad Rodenbrunnen am Rheinufer.
  • Serie Gutes Bauen in der Ostschweiz. Freibad Rodenbrunnen am Rheinufer.

Flussbäder sind den Schweizern lieb, man kann mit oder gegen den Strom schwimmen. Besonders gut lässt sich dies beim renovierten
Rheinbad Rodenbrunnen bei Diessenhofen tun. Mit viel Gespür wurde ein unspektakuläres Kleinod der Nachkriegszeit auf Vordermann gebracht.

 

19. Juli 2014 von Marina Hämmerle

 

Der Gang zur Rhybadi führt östlich des mittelalterlich angelegten Stadtkerns über einen Kiesweg hinab zum Flussufer. Roman Giuliani, vom zuständigen Planungsbüro Moos Giuliani Hermann Architekten und Kopf des Bürostandortes Diessenhofen begleitet zum unlängst fertiggestellten Umbau der städtischen Badeanlage. Rodenbrunnen war ursprünglich um 1900 ein Holzkastenbad, welches 1940 abgebrochen wurde. Ein einfacher Holzbau mit Einzelumkleiden, nach Plänen des Diessenhofer Architekten Andreas Bachmann errichtet, startete 1949 seinen Sommerbetrieb.

Kleinstadt wird aufgewertet
Die kleine Infrastruktur für Sonnenhungrige und Schwimmfleissige findet Anklang und wertet den charakteristischen Erholungs- und Freiraum der Kleinstadt am Rhein mit wenigen Massnahmen auf. In den 1990er-Jahren wurde hangseitig eine Küche angebaut und nach vorne um eine überdachte Terrasse erweitert.
Sowohl Küche wie sanitäre Einrichtungen waren in die Jahre gekommen und mussten erneuert werden. Moos Giuliani Hermann Architekten erhielten 2009 den Auftrag zur Sanierung und Erweiterung, etappenweise wurde der Kleinkind-Schwimmbereich und die Adaptierung des Garderobenhauses  ausgeführt.
Die Nachkriegsidylle deutschsprachiger Filmproduktionen hängt in der Luft, ihre Musik schwingt atmosphärisch nach wie vor im gepflegten Raum, zwischen gemächlich fliessendem Rhein und steil ansteigendem Terrain hinauf zur Steinerstrasse. Die Nachbars-Badi am gegenüberliegenden alemannischen Ufer lockt mit mehr Brimborium und aktuell Vertrautem. Doch gerade das Konservieren dieser Einfachheit der angehenden 1950er-Jahre machen den Reiz von Rodenbrunnen aus. Bei der Einweihung noch mit Holzverschalung in Natur und dunkelroten Abdeckleisten, wurde die Badi im Zuge früherer Sanierungsarbeiten mit einem hellbeigen Farbanstrich versehen, die Holzleisten blieben wie gehabt.
Verunstaltet wurde die Ausgangssituation durch spätere Anbauten. Für die anstehende Sanierung wurde das im Raum Zürich und Umgebung erfolgreich agierende, lokale Architekturbüro beigezogen. Das Büro legte eine Gesamtplanung der Anlage vor, Krebs Rotzler und Partner waren mit von der Partie. Die baulichen Massnahmen wurden grösstenteils umgesetzt, die landschaftsplanerischen fielen dem Rotstift zum Opfer und wurden nicht ausgeführt. Roman Giuliani und sein Team, federführend bei der Umsetzung Jacqueline Sauter, bereinigten bei ihrer Planung den Baukörper, führten ihn zurück auf den Ausgangsbestand und verlängerten ihn um annähernd das doppelte Mass. Konstruktion, Farbe und Anschlussdetails wurden beibehalten und ergänzt.
Eine Neueindeckung des Pultdaches mit bekiester Dachpappe fand bei der Stadtverwaltung aus ökonomischen Gründen keinen Anklang. So blieb es bei der dunkelbraunen Welleternit-Eindeckung und deren Weiterführung.

Details unterwandern Eindruck
Da zur Badeanlage vom Stadtraum hinuntergegangen wird, liefert die Draufsicht kein unerhebliches Detail; eine dünnere Eindeckung wäre der ursprünglichen Anmutung mit zarter Firstkante weit mehr entgegen gekommen. Ein Umstand, der auch die Architekten schmerzt, zumal bei der Ausführung die Dachneigung bei einer früheren Sanierung künstlich angehoben wurde und die Firstansicht so zusätzlich aufgedoppelt wurde. Die betonierte Hangseite ist mit Holz verschalt, dem Ankommenden wird der Blick auf getrimmten Rasen und lockendem Rheinwasser gerahmt. Die Einladung wirkt, die kleine Geste ist wohldurchdacht.
Das Bistro wurde mit zwei grossen Öffnungen versehen, die Küche ist nun professionalisiert und funktional, der angrenzende Kühlraum tut das seine
dazu. Aber auch hier unterwandern Details den guten Gesamteindruck.

Der Anlage gerecht werden
Möblierung und Bespielung sind das Um und Auf in der Gastronomie und runden die Architektur ab – oder eben auch nicht. Da braucht es einen Auftraggeber und Betreiber mit Gespür, damit die mit feiner Feder gezogene Handschrift der behutsam sanierten, historischen Anlage entsprechend vollendet wird.
Ähnliches findet sich im Aussenbereich. Das beginnt bei den nicht akkordierten Treppenanlagen beim gesicherten Schwimmbereich bis zur willkürlichen Plazierung von Spielgeräten und Tischtennistischen. Dennoch, die Flusskante und der schwungvoll gefasste Schwimmbereich I–V mit den von Bachmann angelegten Becken unterschiedlicher Wassertiefen helfen den Badenden, sich dem Strömungsbecken gefahrlos anzunähern und sind gut gestaltete Stege und Bordkanten. Sie runden die Gesamtanlage ab, zeigen, wie Bauen am Wasser geht und wie wenig es braucht, um den Moden der Zeit zu trotzen und nach Jahrzehnten noch einladend zu wirken, weil gut geplant und mit der Landschaft versöhnt.
Dieses Verständnis bringen Denkmalamt und Architekten mit, und es ist ihnen gelungen, das Vorhandene sinnvoll und wertschätzend zu erweitern.

Form und Detail verknüpfen
Bei denen, die es in Obhut haben, wünschte man sich mehr an Vertrauen in gestalterische Massnahmen und einen ausgeprägteren Sinn für das Wesentliche. Denn Einfachheit kommt dann gut, wenn Funktion und Material, Form und Detail aufs Beste verknüpft werden. Dann findet sich daran Charme, Klasse und manchmal Bescheidenheit. Das hat seinen Preis, dafür rechnet es sich à la longue, denn eine solche bauliche Liaison hat Bestand und überdauert Generationen.

Serie Gutes Bauen in der Ostschweiz. Freibad Rodenbrunnen am Rheinufer.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Individuell und sehr beweglich

  • Gutes Bauen, Raiffeisen
  • Gutes Bauen, Raiffeisen
  • Gutes Bauen, Raiffeisen
  • Gutes Bauen, Raiffeisen

Wie vergeben grosse Bauträger ihre Aufträge? Die Raiffeisenbanken haben ein attraktives Modell mit Wettbewerb und Beratung entwickelt –
keine Rezepte vom Band, sondern individuelle Konzepte für jeden Standort. Das scheint sich für die Bank auch zu rechnen.

 

14. Juni 2014 von Gerhard Mack

 

«Wir hatten eine gute Passantenlage, aber eine ungünstige Bank», sagt Daniel Brüschweiler. Also packte die Raiffeisenbank Schaffhausen einen Umbau an, obwohl sie erst vor 15 Jahren in das Gebäude direkt gegenüber dem Bahnhof eingezogen war. Die Parzelle ist schmal und lang, wie es in mittelalterlichen Innenstädten üblich war. Da bedurfte es eines kühnen Einfalls, um der kleinen Bank Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Ein völlig neuer Auftritt
Die Architekten griffen auf die Wandbemalung eines Hauses in der Altstadt zurück und schufen daraus ein Retro-Design im Stil der 70er-Jahre: Sie verkleideten eine Längswand mit rautenförmigen Gläsern, deren Farben von cremigem Weiss über Gelb, Orange und tiefem Rot verlaufen. Dass sie von künstlichem Licht hinterleuchtet werden, lässt sie auch am Tag richtig knallen. Kaum ein Passant geht vorüber, ohne kurz durch das Schaufenster zu schauen. Im Eingangsbereich steht ein zackig geschnittener Empfangstresen, dessen Form die Lichtschienen an der Decke aufnehmen. Der Raum bleibt  eng, der Besucher empfindet ihn aber als offen und angenehm. Für rund zwei Millionen Franken hat die kleine Bank für Kunden und Mitarbeiter einen völlig neuen Auftritt gewonnen.
Die Raiffeisenbank Schaffhausen ist eine von 316 in der ganzen Schweiz. Diese betreiben mit 1032 Filialen das dichteste Bankennetz der Schweiz. Jede Bank ist eine eigenständige Genossenschaft, die für sich selbst entscheidet und ihre Ausgaben selbst bestreitet. Gebaut wird viel, doch nicht überall gibt es Experten. Als Unterstützung bietet die Zentrale in St. Gallen eine Bauherren- beratung an. Sieben Architekten betreuen jeweils eine Region und können für Bauaufgaben kontaktiert werden.
«Am Anfang vor fünfzehn Jahren war das für viele fremd und brauchte Über- zeugungsarbeit, inzwischen werden wir fast immer zu Bauaufgaben hinzugezogen », sagt Andreas Hüttenmoser, der für die Ostschweiz zuständig ist. Inzwischen besteht ein gutes Vertrauensverhältnis, die Banker wissen, dass eine gute Architektur auch effizientere Abläufe ermöglicht. Zentral ist die Vorbereitung und Durchführung von Wettbewerben. Sie werden öffentlich mittels Anzeigen, vor allem in der Fachzeitschrift «Tech21», ausgeschrieben, aus den Einsendungen werden meist fünf ausgewählt und dem Verwaltungsrat der jeweiligen Bank vorgestellt, der dann eine Entscheidung trifft. Getrickst wird nicht; es geht um Qualität, nicht um die Ausschaltung von Gremien und Architekten, wenn die Baubewilligung erst einmal erteilt ist. Bevorzugt werden Bewerber aus der Region.

Den Standorten verpflichtet
Die Raiffeisenbanken sind als Hilfsvereine für verarmte Bauern als regionale Initiativen entstanden, sie fühlen sich bis heute ihren Standorten verpflichtet. Das wirkt sich auch bei der Vergabe von Aufträgen aus. So wurde der Umbau der Raiffeisenbank Appenzell ganz aus der engeren Umgebung bestritten: Die Architekten Jeannette Geissmann, Regula Geisser und Marcel Züllig sitzen in St.Gallen. Die Handwerker kamen aus den beiden Appenzeller Kantonen, einzig der Gipser war aus St.Gallen.
Das historische Stadthaus ist unter Einhaltung strenger Auflagen der Denkmalpflege zu einer modernen Bank geworden. Der Eingang wurde an seine ursprüngliche Stelle an der Hauptgasse zurückversetzt. Geschützte Elemente wie eine Wandmalerei oder eine historische Stube mit geschnitzter Wandtäferung wurden geschickt eingebunden. Neu gestaltete Elemente nutzen die lokale Tradition der Holzverarbeitung. Holz von einer selten knorrigen Ulme spielt von Türfassungen über Böden bis zum Banktresen das Leitmotiv. Die Bank empfängt ihre Besucher wie ein Hotel – nicht wie ein Hochsicherheitstrakt. Architekten und Bauherrschaft ist ein Bijou gelungen.
Gehören viele Raiffeisenbanken landauf landab nicht zu den langweiligeren Bauten? «Etwa 25 Prozent unserer Bauprojekte erreichen eine sehr gute Qualität, weitere 50 sind in Ordnung, ein Viertel ist nicht ganz so, wie wir uns das heute wünschen», bestätigt Andreas Hüttenmoser. Das Qualitätsspektrum hat vielleicht auch mit der regionalen Begrenzung zu tun. Ein Bau kann nur so gut werden, wie Architekten und Bauherrschaft es zulassen. Deshalb wird die Region ausgeweitet, wenn sich vor Ort niemand findet, der die gewünschte Qualität garantieren kann.

Auf Namensschild reduziert
Der positive Aspekt des Regiokonzeptes aus architektonischer Sicht ist die Chance zur Vielfalt. Während eine UBS es zu ihrem erklärten Ziel macht, dass ihre globalen Kunden überall auf der Welt sofort wissen, dass sie sich in ihrer Bank befinden, sobald sie eine Filiale betreten, reduziert Raiffeisen die Corporate Identity auf das rote Namensschild. Die Bauten dürfen so verschieden sein, wie Bauherren und Architekten es wollen.

Für den Ort gebaut
Darin ist das Konzept der individuellen Trägerschaft und der Beratung durch Bauherren durchaus vorbildlich für grosse Bauträger. Hier gibt es keine Rezepte vom Band, hier werden keine Schablonen aus der Schublade gezogen und jede verwandte Aufgabe variiert. Jeder noch so kleine Umbau wird für
den Ort gebaut. Nicht einmal für die Inneneinrichtung gibt es Standards. Jeder möbliert nach den Vorstellungen, die er hat. Und gerade das scheint sich
auch zu rechnen. Die Affinität der Kunden zu ihrer Filiale gilt als hoch, der Umsatz ist zuletzt, wohl auch durch das Finanzgebaren der Grossen, um 40 Prozent gewachsen.
Und noch etwas scheint man bei Raiffeisen vorbildlich begriffen zu haben: Die Bauträger wollen Öffentlichkeit. Sie wollen, dass ihre Kunden zu ihnen kommen und gerne bei ihnen verweilen. Die neuen Schalterbereiche ähneln fast allesamt einer Lounge. Im Neubau der Raiffeisen Flawil von Gähler Architekten aus St.Gallen ist das noch weiter getrieben: Da trennt nur eine Glastür, die sich bei Annäherung öffnet, ein neues Café und die Kundenzone der Bank.

Bilder: Roger Frei, Jean-Claude Jossen, Johannes Eisenhut

Bauen ausserhalb der Zeit

  • Gutes Bauen in der Ostschweiz
  • Gutes Bauen in der Ostschweiz
  • Gutes Bauen in der Ostschweiz

Der Bauern werden weniger, vielerorts werden Höfe aufgegeben und bemühen sich Nachnutzer um die Übernahme. Welche Spannungsfelder sich bei Ersatzbauten auftun können, zeigt ein Beispiel im Gemeindegebiet von Wolfhalden.

 

31. Mai 2014 von Marina Hämmerle

 

Im Appenzeller Vorderland wurde die Hügellandschaft über Jahrhunderte durch die Graswirtschaft kultiviert. Die landwirtschaftlichen Betriebe waren kleiner als heute und weit mehr an der Zahl. Die meisten dieser Landwirtschaftsbetriebe bilden Einzelgehöfte oder kleine Weiler ausserhalb der Bauzone, jenseits der dörflichen Siedlungsränder inmitten ihrer zu bestellenden Felder und Wälder. Vielfach dienten sie mit ihren feuchten Erdböden im Untergeschoss auch der Heimweberei für die Textilhändler der Region und dem nahen Textilzentrum St.Gallen.

Grundlage der Landschaftspflege
Die Häuser prägten nicht nur das Bild des Appenzells, sondern gewährleisteten durch ihre Funktion auch die Grundlage der Landschaftspflege. In Zeiten der EU-Milchwirtschaft veränderten sich auch in der Schweiz diese Strukturen – viele Betriebe wurden aufgelöst. Dies weckt das Interesse urbaner Erholungs- suchenden, zumal die Häuser oft idyllisch in den Landschaftsraum gebettet sind und mit besonderen Ausblicken auftrumpfen können. Mittlerweile ist ein nicht unbeträchtlicher Anteil der Streusiedlungen in andere Nutzungen überführt.
Diese Umwandlung stand auch beim kleinen, typischen Kreuzfirsthaus im Gemeindegebiet von Wolfhalden an. Das Haus zierte eine Waldlichtung mit spektakulärer Seesicht. Jahrelanger Dornröschenschlaf hat an der Substanz genagt bis sich ein Rheintaler Handwerker und Unternehmer um den Kauf des
Objektes bemühte. Ein namhafter Architekt und Kenner der Region, Hubert Bischoff, wurde beigezogen. Neben ästhetisch-praktischen Fragen galt es für den Architekten auch wirtschaftliche Aspekte zu untersuchen. In Summe entschied man sich zu Abbruch und Neuplanung eines Ersatzbaus gemäss einer erweiterten Bestandesgarantie. Ein heikles Unterfangen. Denn die Bilder zu zeitgenössischem Bauen im Alpenvorland von Architekt und Baubehörde klafften auseinander – beide Seiten mussten sich in einem anstrengenden Prozess finden. Baugesetz und Raumplanungsgesetz pochen zu Recht auf die Einbettung in den Landschaftsraum, auf die Wahrung der Identität und das Errichten mit Qualität. Ein zentrales Anliegen der gesamten Alpenregion.
Ausserhalb der Bauzonen haben sich Neubauten und Renovationen an traditionellen Gebäuden der herkömmlichen Bauart anzupassen, die Umgebung ist möglichst unverändert zu belassen, verlangt das Gesetz. Ähnliches findet sich auch in den Ortsbildschutz-Bestimmungen in Vorarlberg. Nur sind diese dort weniger restriktiv und werden mit grösserem Spielraum ausgelegt und angewandt. Sorgfältiges Einordnen durch Standortwahl, Volumen, Materialien, Farbgebung und Bepflanzung sind die Zutaten für verträgliches Bauen im Landschaftsraum. Das würden die meisten Architekten wohl ebenfalls unterzeichnen.
Fördert der derzeitige Gesetzesentwurf die Entwicklung der Baukultur im Appenzellerland oder zielt er auf die Bewahrung tradierter Bilder ab? Die Liste gelungener, zeitgenössischer alpiner Architektur wäre derzeit noch nicht lange.

Veränderte Bedürfnisse
Das Haus in Wolfhalden spiegelt diese Zwänge eins zu eins wider. Was wir aussen sehen, ist nicht das, was innen ist. Baubehörde und Architekt einigten sich nach einigem Ringen auf den Wiederaufbau des appenzellischen Kreuzfirsthauses. Der anfangs eingebrachte Vorentwurf, ein einfaches traufständiges Heidenhaus mit Satteldach, wäre dem Raumprogramm weit näher gekommen, wurde aber in oberster Instanz nicht gutgeheissen. Das typische Kreuzfirsthaus gliedert sich in Wohnhaus und traufständigen Stadel. Mensch und Tier wohnten und wirtschafteten in einem gekoppelten Baukörper mit zwei ineinander verschmolzenen Dachformen. Was aber, wenn anstelle des Viehs und des Heus nun Autos dort Platz finden müssen, anstelle der kleinen Kammern Grosszügigkeit und räumliche Verschränkung gewünscht wird?
Verschärft wird die Thematik durch die Auflage der erweiterten Bestandesgarantie. Laut dieser darf der Bauherr die Wohnnutzfläche um maximal 60 Prozent der ursprünglichen Fläche ausweiten. Keine leichte Vorgabe für die Anpassung neuer Nutzungen. Das Haus auf der Lichtung orientiert sich detailgetreu am Bestand und bedient das Bild des Appenzeller Hauses mit wesentlichen Elementen – Setzung im Terrain, Umgebungsgestaltung, Kreuzgiebel, Dimension und Volumetrie, strukturiertes Fensterband auf der Hauptfassade. Dennoch irritiert das Haus bei näherem Hinsehen. Die ursprüngliche Unterteilung in Wohn- und Wirtschaftstrakt ist zwar vom Volumen her ablesbar, wurde aber in der Hülle aufgelöst.

Innen wie in einer Schatulle
Üblicherweise ziert das Wohnhaus eine Fassade aus Täfer oder Schindeln, die in deutlichem Gegensatz zur vertikalen Schalung des Wirtschaftstrakts steht – dadurch wird eine unmissverständliche Hierarchie der Funktionen ablesbar. Beim Ersatzbau umhüllt den gesamten Holzbau eine Schalung aus feinen, stehenden Lärchenleisten als Referenz der inneren Gewichtung. Der räumliche Schwerpunkt liegt nun auf dem Stadelteil. Das eigentliche Wohnzimmer besetzt hier den ehemaligen Wirtschaftstrakt, darüber eingeschoben der Schlafraum – beide Räume mit gerahmtem Blick über die Lichtung zum  Bodensee. Ein Raumkontinuum schafft hohe Wohnqualität. Die Bewohner wähnen sich in der feinst detaillierten und verarbeiteten astlosen Weisstanne an Boden, Wand und Decke in einer Schatulle.
In der darunterliegenden Garage parkieren bei Bedarf zwei Autos und raucht es sich wahrscheinlich gut im Fumoir vor dem hauseigenen Weinkeller. Im ehemaligen Wohntrakt breiten sich auf drei Geschossen Gästezimmer, Küche und zuoberst ein Badezimmer auffallend grosszügig aus. Dennoch bleibt Skepsis über die mit grosser Hingabe geformte Architektur mit ihrer potemkinschen Hülle, ist sie doch aus Zwängen heraus zur Replik von Vergangenem geworden. Das Haus passt sich zwar bestens in den Landschaftsraum ein, verhält sich angemessen in Material und Proportion. Und dennoch, der Baukultur gebührt ein grösserer Übersetzungsspielraum von Tradiertem, damit sich modernes Wohnen im Alpenraum entwickeln kann. Dafür müssen die Rahmenbedingungen überdacht werden, denn kulturelle Errungenschaften basieren oft auf Import von Neuem. Vielleicht ist es an der Zeit, dieses hereinzulassen.

 Gutes Bauen in der Ostschweiz

Bilder: Hanspeter Schiess

AFO @ istituto internazionale die architettura (i2a)

An architecture forum for Ticino?

Di 25. November 2014, 20.30 Uhr Sala Porta Municipio, Manno

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presenting different international approaches #2

public debates
second evening: tuesday 25.11.14 20.30 h Manno @ Sala Porta, Municipio
substained by Agno, Bioggio e Manno city councils

i2a istituto internazionale di architettura continues its itinerant series “i2a va in città: an architecture forum for ticino?”, hosted in Manno for this second appointment. The first debate created food for thoughts for the brand new forum i2a (forum.i2a.ch): now is time for Architekturzentrum Wien (AZW) and Architektur Forum Ostschweiz (AFO, Kay Kröger) to show to the public which is their role in the urban development of their city.
Mehr Informationen

 

Kunst im Forum – Es dämmert

Michèle Mettler

Vernissage Do 13. November, 18.30 Uhr im Forum
Ausstellung 14. November bis 7. Dezember, Di–So 14–17 Uhr; am 30. November und 8. Dezember ist die Künstlerin anwesend

Fotografiert wird, um etwas festzuhalten. Michèle Mettler arbeitet am Gegenteil: Die St.Galler Künstlerin ergründet, wie der fotografische Vorgang als solches zum Bild führt und was bleibt, wenn es sich wieder auflöst. Sie inszeniert, verwendet Doppel- und Überbelichtungen, perforiert und verbrennt – sie lässt erscheinen und verschwinden.

Im Architekturforum zeigt sie aktuelle Arbeiten und künstlerische Recherchen der vergangenen 20 Jahre.

Einladung

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AFO @ Designers‘ Saturday

Flieg, Formpark, flieg!

Sa 1. November 2014, Langenthal

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Die Firma Bauwerk Parkett lädt die Mitglieder des Architektur Forums Ostschweiz ein, den Designers’ Saturday in Langenthal zu erleben. Der Designers’ Saturday ist seit 15 Jahren die wichtigste Schweizer Bühne für Designexperimente und hochprofessionelle Inszenierungen bekannter Marken. In stimmungsvollen Produktionshallen präsentieren ausgesuchte Firmen ihre neuesten Designkreationen. Bauwerk Parkett stellt die Installation
„Flieg, Formpark, flieg“ vor.

Abfahrt: 07.00 Uhr auf dem Parkplatz der Bauwerk Parkett in St. Margrethen (genügend Parkplätze) oder um 07.30 Uhr beim Architektur Forum Ostschweiz, Davidstrasse 40 in St. Gallen. Bitte geben Sie bei der Anmeldung unbedingt an, wo Sie zusteigen. Der Bus fährt pünktlich! Rückfahrt 18.00 Uhr ab Langenthal.

Teilnehmerzahl begrenzt – Anmeldung erforderlich

Anmeldung mit vollständiger Adresse, Personenzahl, Telefonnummer, Zusteigeort und E-Mail-Adresse bis zum 20. Oktober 2014 unter Anmeldung

Anmeldungen werden nach der Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt. Der Besuch des Designers’ Saturday ist für Mitglieder kostenlos. Nichtmitglieder bezahlen Fr. 100.–, Fahrt und Ticket.

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bauwerk Parkett

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Die Auszeichnung des SIA für die zukunftsfähige Gestaltung des Lebensraums

Ausstellung: Do 26. Juni 2014, 17 – 20 Uhr, Sa 28. Juni 2014, 10 – 15 Uhr
Finissage  Do 3. Juli 2014, 19.30 Uhr im Forum

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Finissage

Vortrag von Jürg Conzett, Ingenieur, Chur
Der Trutg dil Flem erhielt im Rahmen von «Umsicht 2013» eine Auszeichnung

Der Trutg dil Flem ist ein Wanderweg, der entlang des Flembachs von der Talstation der Bergbahnen Flims bis zur Segneshütte führt. Für alpine «Flaneure» gedacht, folgt die abwechslungsreiche Linienführung den Eigen- heiten der lokalen Bergsturz -Topografie. Die Szenerie wechselt von sozusagen intimen Partien in bizarren Felsformen nahe dem Wasser zu Hangkanten – Situationen mit grandioser Fernsicht. Den unterschiedlichen Landschaftsformen entsprechen individuell gestaltete Brücken, die in der Art einer «folie» den Bach queren. Der Weg wurde in fünfjähriger Zusammenarbeit mit den Gemeinde- behörden von Flims und privaten Initianten erarbeitet. Er ergänzt das touristische Angebot von Flims auf komplementäre Art.

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Zum dritten Mal zeichnet der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein SIA Projekte aus, die sich exemplarisch für die zukunftsfähige Gestaltung des Lebensraums einsetzen. Die Ausstellung zeigt die prämierten Werke, die allesamt von umsichtigen Schaffensprozessen zeugen und somit in ihrem Ergebins beispielhafte und zukunftsfähige Lösungen im Umgang mit den aktuellen Herausforderungen des Lebensraums Schweiz darstellen.
 www.sia.ch/umsicht

Beitrag Gutes Bauen zur Trutg dil Flem

Einladung Umsicht

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AFO vor Ort

Experimente im Rheintal

Mo 16. Juni 2014

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Besichtigung des Millenium Park 20 Lustenau, Führung durch Baumschlager Eberle, und des Viscose Areals in Widnau, Führung durch Spallo Kolb

16.45 Uhr Treffpunkt Millenium Park 20, Lustenau,
17.45 Uhr Weiterfahrt zum Viscose Areal, Galerieweg 4, Widnau

Seit rund 20 Jahren experimentiert der Bildhauer, Designer und Architekt Spallo Kolb nicht nur mit skulpturalen Körpern, sondern auch mit neuartigen Bauformen. Sein Projekt «Viscose» zur Revitalisierung der dortigen Textilverarbeitungsstätten repräsentiert nicht nur seine Erfahrungen im Umgang mit industriellen Materialien und Architekturen, sondern kann auch als soziale Skulptur betrachtet werden, in der sich Kolbs Vorstellung von Kunst, Architektur und Leben ebenso unprätentiös wie präzise niederschlagen. Das in verschiedenen Gebäudetypen erprobte System der «Einraum-Wohnung» bewährt sich auch in einer Reihe von Umbauten, Ein- und Mehrfamilienhäusern, die Kolb realisiert hat.

Anmeldung
(Bitte mit Angabe der Personenanzahl, Namen/ Büro und AFO Mitgliedschaft)

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www.baumschlager-eberle.com
www.spallo-kolb.com

Einladung Juni

Austauschen – Mehr als Bauen – Duisburg, Belgrad, Bern

Axel Humpert, BHSF Architekten, Zürich

Mo 2. Juni 2014, 19.30 Uhr im Forum

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Benedikt Boucsein (*1979), Axel Humpert (*1978) und Tim Seidel (*1979) lernten sich während ihres Architekturstudiums an der ETH Zürich kennen und brachten 2004 erstmals in gemeinsamer Arbeit das Magazin «Camenzind» heraus. Die Bürogründung von BHSF folgte 2007 in Zürich. Camenzind als experimentelle Forschungs- und Publikationsplattform begleitet die praktische Arbeit des Büros im Bereich der Architektur und des Städtebaus.
2012 gewannen BHSF zusammen mit Christian Salewski den städtebaulichen Ideenwettbewerb zum Warmbächli-Areal in Bern.
Parallel zum städtebaulichen Rahmenwerk sind sie auf dem Areal mit der Planung eines Projekts zur Umnutzung eines Industriebaus in ein mischgenutztes Genossenschaftsgebäude mit experimentellen Wohnformen und Arbeitsnutzungen beschäftigt.
www.bhsf.ch

Einladung Juni

LandschaftsarchitekTour

Rapperswil

Sa 17. Mai 2014, Treffpunkt 9 Uhr Bahnhof Rapperswil, Ausgang Stadtseite

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Konträr zum Jahresthema steht bei der diesjährigen Tour nicht das Experimentieren, sondern das Erhalten und Bewahren im Vordergrund. – Oder ist nicht auch dies eine Form von Experiment? Dieses Jahr beschränken wir uns auf wenige Programmpunkte, erhalten dafür einen umso tieferen Einblick.

Programm

Meienbergpark

Der Meienberg mit seiner weitläufigen Parkanlage und dem Schloss ist eines der wenigen noch nahezu im Ursprung erhalten Landgüter aus dem 18 Jahrhundert. Oberhalb von Rapperswil-Jona gelegen, ist die Anlage ein herausragender einzigartiger Zeitzeuge. Der 1828 durch den Schneidermeister Johann Jakob Staub erbaute Landsitz beherbergte in seiner langen Geschichte Politiker und Künstler wie den Komponisten Franz Liszt oder den Dichter Bayard Taylor.

Die imposante, grosszügige Parkanlage im Stile eines Landschaftsgartens breitet sich über den Meienberg aus. Der Garten präsentiert sich heute im besten Zustand und ist von seltener Schönheit mit prächtigen Ausblicken auf Rapperswil-Jona und die Seenlandschaft. Die Anlage befindet sich im Privatbesitz und ist öffentlich nicht zugänglich.

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ASLA (Archiv Schweizer Landschaftsarchitektur)

Archive für Gartenarchitektur sind rar und nicht selbstverständlich. Die Bedeutung und Einmaligkeit des Archivs für Schweizer Landschaftsarchitektur im internationalen Rahmen wurde an der Feier zum 20 jährigen Bestehen des Archivs am 23. März 2002 durch den Kunsthistoriker Erik A. de Jong herausgestellt. Bislang ist das Archiv in seiner bestehenden Form die einzige Institution in der Schweiz und über die Landesgrenzen hinaus, die sich derart umfassend um die Erhaltung des Kulturgutes Garten bemüht. Daher kommt dem Archiv eine nationale Bedeutung zu. Mit dem Ziel, Quellen und Dokumente zur Garten- und Landschaftsarchitektur in der deutschen Schweiz zu sammeln, zu konservieren und zu erforschen, ist das Archiv für die Schweizer Gartenarchitektur und Lanschaftsplanung 1982 in Rapperswil gegründet worden. Als Dokumentations-, Informations- und Forschungsstelle möchte es das allgemeine und spezifische Wissen zum Thema Garten- und Landschaftsarchitektur erweitern und verfügbar machen. Seit 1996 werden in der Aussenstelle in den Archives de la construction moderne, EPF Lausanne, die Nachlässe von Landschaftsarchitekten aus der Romandie gesammelt. Das Archiv wurde vom Bund Schweizerischer Garten- und Landschaftsarchitekten BSG gegründet, unterstützt von Vertretern des Schweizer Heimatschutzes, des Schweizerischen Bundes für Naturschutz, der Gesellschaft für Schweizer Kunstgeschichte sowie des Verbandes Schweizerischer Gärtnermeister und des damaligen Interkantonalen Technikums Rapperswil ITR. Für den Betrieb des Archivs wurde am 23. April 1982 eine Stiftung ins Leben gerufen. Diese «Schweizerische Stiftung für Landschaftsarchitektur» SLA ist eine private, gemeinnützige Institution, die sich nicht nach monetären Gewinnzielen richtet.

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Stadtmuseum Rapperswil-Jona

Ein Museum, drei Gebäude: Zwei mittelalterliche Bauten beherbergen die Sammlung des Stadtmuseums Rapperswil-Jona. Ein auffälliger Neubau verbindet sie.

Umfassende Modernisierung
Das Stadtmuseum Rapperswil-Jona ist in den Jahren 2010 und 2011 umfassend erneuert worden. Herzstück der Modernisierung ist der Neubau «Janus». Das Stadtmuseum Rapperswil-Jona zeigt 800 Jahre Stadt- und Kulturgeschichte in einem einzigartigen Bauensemble.

Museumsbauten
Der markante Neubau „Janus“ mit seiner gelochten Fassade aus Baubronze ist das Markenzeichen des Museums. Er dient als Eingangsfoyer und verbindet die beiden historischen Bauten. Im Innern beeindruckt er durch klare Linien und eine raffinierte Lichtführung.
Das Breny-Haus, ein 1492 errichtetes Stadtpalais, entführt Sie in vergangene Zeiten. Das im Originalzustand erhaltene Gebäude beherbergt stimmungsvolle Räume, von denen der grosse Festsaal mit seinen verspielten Wandmalereien besonders beeindruckt. Das gesamte Ensemble wird dominiert durch den mächtigen Turm aus dem 14. Jahrhundert

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Rückreise individuell ab Rapperswil (ca. 16 Uhr)

Beteiligte Planer

Ingo Golz, SKK Landschaftsarchitekten, Wettingen / Susanne Karn, Leiterin Institut GTLA Geschichte und Theorie der Landschaftsarchitektur, Rapperswil / Peter Röllin, Kultur- und Kunstwissenschaftler, Rapperswil

Kosten

Mitglieder BSLA und AFO à 20.– / Nichtmitglieder à 30.–

Anmeldung

mit vollständigen Angaben bis 9. Mai 2014 senden an landschaftsarchitektour@nulla-f-o.ch oder per Fax an 071 245 87 83

Eine neue Ära im Spitalbau

  • Kantonsspital St. Gallen Institut für Pathologie für Gutes Bauen Ostschweiz
  • Kantonsspital St. Gallen Institut für Pathologie für Gutes Bauen Ostschweiz
  • Kantonsspital St. Gallen Institut für Pathologie für Gutes Bauen Ostschweiz
  • Kantonsspital St. Gallen Institut für Pathologie für Gutes Bauen Ostschweiz

Viele Spitäler sind veraltet. Für die Erneuerung werden Milliarden ausgegeben. Das ist eine Chance, alte Dogmen zu überdenken und die Bauaufgabe neu anzugehen. Wie soll ein Spital aussehen, das die Heilungschancen für die Patienten fördert?

 

19. April 2014 von Gerhard Mack

 

Die Zahl kann sich jeder merken: Knapp eine Milliarde Franken soll der Kanton St.Gallen für seine Spitalbauten bereitstellen. Damit steht er nicht allein. Der Kanton Thurgau wird zusammen mit seiner Spital Thurgau AG für die beiden Kantonsspitäler in Münsterlingen und Frauenfeld in den nächsten Jahren 350 Millionen Franken aufwenden müssen. Im Kanton Schaffhausen rechnet die Regierung mit Kosten von 240 Millionen Franken für den Neubau des Kantonsspitals. Und das Universitätsspital Zürich hat Um- und Neubauten im Volumen von 2,8 Milliarden Franken vor sich. Im Spitalbau steht ein Generationswechsel an. Die meisten Gebäude sind vierzig Jahre alt oder älter. Sie genügen in vielen Bereichen heutigen Standards nicht mehr. Und sie sprechen häufig von der Ideologie der Sechziger- und Siebzigerjahre, als Bettentürme und uniforme Stationen als Nonplusultra einer effizienten Organisation galten.

Heilungschancen fördern
Wenn nun um- und neu gebaut wird, geht es nicht nur um die neuen Anforderungen an Erdbebensicherheit oder um die Platzbedürfnisse neuer Geräte. In den nächsten Jahren besteht auch die Chance, alte Dogmen zu überdenken. Wie soll ein Spital aussehen, das die Heilungschancen für die Patienten durch seine räumliche Gestaltung fördert? Verschlägt es einem schon den Atem, wenn man das düstere Gebäude betritt oder wird Patienten der Eintritt durch eine freundliche Umgebung leichter gemacht? Signalisieren die Räume, dass man sich besser gleich aufgibt oder wird das Selbstvertrauen gestärkt?
«Wir schauen die betriebswirtschaftliche Seite immer genau an», sagt Urs Steppacher, stellvertretender Kantonsbaumeister und Leiter Gesundheitsbauten im Kanton Thurgau. Ein Spital ist aber keine Gesundheitsfabrik. Neben den Kosten sind auch die Erfordernisse der medizinischen Versorgung zu berücksichtigen. Und nicht zuletzt sind Spitäler Arbeitsplätze für Mitarbeiter und Pflegeorte für Kranke. Peter Altherr, der für Spitalbauten des Kantons St.Gallen zuständig ist, sagt: «Es geht um einfache Dinge, um Zwei-Bett-Zimmer statt der alten Mehr-Bett-Varianten, um Nasszellen in den Zimmern. Spitäler müssen schauen, dass sie näher an der Erwartungshaltung der Patienten liegen.» Diese Erwartungen verstärken den Wettbewerb. Das nationale Spitalgesetz von 2012 erlaubt den Patienten freie Wahl, ab 2017 müssen die Kantone 55 Prozent der Spitalkosten bezahlen, egal, wo sie anfallen. Da investiert man lieber in eigene Häuser, als die der anderen zu finanzieren.

Transparent trotz dicker Mauern
Wie gute Architektur aussehen könnte, zeigt in St.Gallen der kürzlich erstellte Trakt für Pathologie und Rechtsmedizin. Das Gebäude vermittelt zwischen dem Areal des Kantonsspitals und dem historischen Zentrum von St.Fiden. Mit der Verortung an der städtischen Schnittstelle verbinden die Architekten eine Ausrichtung an der Funktion. Hier werden Tote seziert und Gewebeproben entnommen. Labors und Büros nehmen einen grossen Teil der Fläche ein. Eine grosszügige Lounge bildet den Mittelpunkt des Gebäudes. Die Arbeitsplätze liegen an der Aussenfassade. Die Labors in der Gebäudemitte sind durch ein Fensterband zu den Fluren geöffnet. Das Gebäude wirkt trotz dicker Mauern und Türen transparent.
Hier erfährt man: Die Zukunft des Spitalbaus liegt nicht in der Standardisierung. Von dieser profitieren lediglich Planungsbüros, die Fertiglösungen aus der Schublade ziehen und gerne möglichst oft verwerten. Ein Gebäude, in dem Kranke gesunden wollen, sollte noch mehr als jedes andere auf den Ort und seine spezifische Funktion abgestimmt werden. Wie hilfreich das sein kann, zeigt das Rehabilitationszentrum für Rückenmark- und Hirnverletzungen, das Herzog & de Meuron 2002 in Basel realisiert haben. Hier halten sich Menschen bis zu 18 Monate lang auf, deren Bewegungsfreiheit extrem eingeschränkt ist, um sich auf ihre neue Situation einzustellen. Sie können nicht mehr frei in die Welt gehen. Also, sagten sich die Architekten, muss man die Welt zu ihnen bringen. Sie entwarfen das Zentrum als kleine Stadt, die Plätze, Wege und Höfe anbietet. Die Architekten bieten Abwechslung statt Routine. Sie schaffen eine Lebenswelt für die Patienten. Die Anlage ist nur zweigeschossig, unten sind die öffentlichen Bereiche und Behandlungsräume, oben liegen die privaten Zimmer. Sie haben halbrunde Glaskugeln im Dach, damit die ans Bett gebundenen Menschen auch im Liegen ein Stück Himmel sehen.

Private Träger im Vorteil
Dass viele Kantone, auch in der Ostschweiz, ihre Gebäude in private Trägerschaften überführen, muss kein Nachteil sein. Im Gegenteil, hat Christine Binswanger erfahren. Die Architektin betreut Spitalbauten bei Herzog & de Meuron: «Wir haben das Zentrum für einen privaten Träger gebaut und konnten dabei auch mit Ärzten, Therapeuten und Pflegepersonal sprechen, die das Haus nutzen. Das ist für alle von Vorteil. Und den Kostendruck hat man bei allen Auftraggebern. » Die Befürchtung, dass durch den Eigentümerwechsel die architektonische Qualität sinkt, kann sich auch Peter Altherr nicht vorstellen: «Die Bauvorhaben werden weiterhin ausgeschrieben, es wird Wettbewerbe und unabhängige Jurys geben. » Er sieht eher einen Vorteil in der Privatisierung: «Solche Projekte waren bisher sehr zeitaufwendig und schwerfällig.» Private Träger könnten schneller entscheiden. Und sie seien finanziell flexibler: «Die Spitäler können dann selbst bestimmen, wann und wo sie  ausbauen. Von Sparübungen des Kantons sind sie weniger direkt betroffen.» Dann sollte zumindest von Seiten der Baubehörde einer hochwertigen Spitalarchitektur nichts mehr im Wege stehen.

 

Bilder: Hanspeter Schiess (Institut für Pathologie und Rechtsmedizin des Kantonsspitals St.Gallen)

Zähes Ringen um gute Architektur

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 Der Kanton Glarus und das Fürstentum Liechtenstein lassen heikle Baufragen durch Gestaltungskommissionen beurteilen. Viel Macht haben die Gremien nicht – aber auf lange Sicht stützen sie die Baukultur. Kritische Fragen zur Qualität und Angemessenheit sind an der Tagesordnung.

 

22. März 2014 von Marina Hämmerle

 

Gestaltungkommissionen oder -beiräte sind im deutschsprachigen Raum ein verbreitetes Instrument zur Qualitätssicherung in Architektur und Städtebau. Die Rolle dieser Gremien kann sehr unterschiedlich interpretiert werden und hängt von den rechtlichen Grundlagen, der wirtschaftlichen Ausgangslage und den Bedürfnissen der jeweiligen Region ab. Schon seit 1920 kennt Bern mit der «Kommission zur Begutachtung ästhetischer Fragen» das Instrument zur Qualitätssicherung. Zürich und Baden setzen ebenfalls seit den 1970er-Jahren auf externe Beurteilung, andere Städte folgten.

Verschiedene Modelle
Im Kanton Glarus und in Liechtenstein unterscheiden sich Ausgangslage, Verwaltungsstruktur und Entscheidungsprozesse bei Bauprozessen deutlich.
Selbst innerhalb der drei neu geformten Glarner Gemeinden sind Differenzen bei den Bewilligungsverfahren auszumachen. Die ehemals 24 Bauverwaltungen mit ihren verschiedenen Bebauungsplänen werden derzeit durch drei separate kommunale Richtpläne auf den neuesten Stand gebracht, die Revision des kantonalen Raumentwicklungs- und Baugesetzes führte 2011 neue Standards ein. Bevölkerungsentwicklung und Lage stellen die drei Gemeinden vor unterschiedliche Herausforderungen: im Norden Siedlungsdruck, in der Mitte Verdichtung und im Süden Rückbau. Jede Gemeinde hat deshalb ein eigenes Gremium. In Glarus Nord ist der Druck auf künftiges Bauland hoch, die Nähe zu Zürich lässt viele auf günstigeren Boden ausweichen. Zehn Überbauungsvorhaben warten derzeit auf eine Bewilligung, rund 850 Wohnungen sind davon betroffen. Unternehmer wollen in den logistisch günstigen Standort investieren und trachten nach grossflächigen Gewerbeobjekten. Die Gestaltungskommission Glarus Nord startete 2011 als erste. Das Gremium ist interdisziplinär besetzt: Vertreten sind Fachjournalisten, Denkmalpfleger, Raumplaner und Architekten. Bei Bedarf werden weitere Experten beigezogen. Das Gremium begutachtet und begleitet fast ausschliesslich Überbauungsplanungen, immer anhand eines Modells im Massstab 1:500 – Transparenz ist die Devise. Die Kriterien der Kommission lassen sich deshalb auch als Merkblatt herunterladen. Die Kommission sieht sich aber mit diversen Hindernissen konfrontiert. Neben wirtschaftlichen und politischen Interessen ist der politische Prozess ebenfalls oft ein Hemmschuh. Nach der Begutachtung durch die Kommission gehen die Pläne zuerst an Parlament und Gemeinderat, danach kommen sie in die Gemeindeversammlung. Der Gemeindepräsident vertritt die Empfehlung der Kommission, wobei er die Bürgerinnen und Bürger nicht immer vom Projekt überzeugen kann. So stösst beispielsweise die Änderung eines grossen Investorenprojekts auf wenig Gegenliebe in der Bevölkerung. Aus den vier ursprünglich hohen, punktförmigen Wohnhäusern «Im Feld» in Näfels wurde nach der Überzeugungsarbeit der Kommission eine Blockrandbebauung – zu urban, zu geschlossen, zu fremdartig für die Bevölkerung (siehe Bilder oben). Die Gemeindeversammlung könnte nun den Vorschlag der Kommission mit ihrem Veto unterwandern.

Kernzone verdichtet
In Glarus Mitte ist Innenverdichtung und Ordnung im Bestand das  bestimmende Thema für die Gestaltungskommission. Beigezogen wird sie nach Ermessen der Baukommission. Es geht um das Einfügen ins Ortsbild der Kernzonen, ums Schaffen von qualitativen Freiräumen und Lancieren von Konkurrenzverfahren. Interdisziplinär besetzt ist auch hier das Gremium. Für Aussenstehenden befremdlich ist fallweise die Personalunion von Beirat und Auftragnehmer. Das Planungsbüro des Vorsitzenden erarbeitet derzeit den kantonalen Richtplan. So kommt auch die Kommission nicht an üblichen Verflechtungen in der Baubranche vorbei.

Wider die Brache
Glarus Süd hingegen sieht sich mit Umbau und Rückbau konfrontiert. Die Industriebrachen harren neuer Aufgaben, die Dörfer kämpfen gegen die Abwanderung. Die Gestaltungskommission, erst seit knapp einem Jahr im Amt, begleitet den Strukturwandel. Konfliktstoff bietet manchmal die Projektbegutachtung durch die Denkmalpflege. Teils widersprüchliche Aussagen verunsichern die Architekten und hinterlassen da und dort Unmut.
Insgesamt setzen die drei Gremien dennoch vieles in Gang. Neben dem Architekturforum Glarus regen sie die Diskussion anhand konkreter Bauvorhaben an und bereiten den Boden für Entscheidungen. Die Professionalisierung der Qualitätssicherung wird langfristig Früchte tragen und das baukulturelle Niveau des Kantons wieder an vergangene Zeiten heranführen.

Verhandlungsinstrument
In Liechtenstein besteht die Gestaltungskommission schon seit 1993. Wie überall ist sie nicht rechtsverbindlich, hat jedoch durch die direkte Anbindung an das Amt für Bau und Infrastruktur einen unmittelbaren Einfluss. Einen Wendepunkt stellte 2013 die Verwaltungsreform dar. Seither genehmigt der Fachbereich Ortsplanung im Amt für Bau und Infrastruktur unter der Leitung von Denise Ospelt nach Prüfung durch die jeweilige Gemeinde sämtliche Gestaltungs- und Überbauungspläne. Ospelt liess Ende 2012 ihre Bürotätigkeit hinter sich und wechselte auf die administrative Seite des Landesamtes. Als langjähriges Mitglied der Gestaltungskommission übernahm sie bei Stellenantritt dessen Vorsitz. Neben Projekten in historischen Kerngebieten sind es hier vor allem grosse Eingriffe ausserhalb der Regelbauweise, die es zu beurteilen gilt. Auch was Freiraumgestaltung, Erschliessung und Durchwegung angeht, wird der übergeordneten Wirkung Rechnung getragen. In vielen Bauzonen ist ein Überbauungsplan Pflicht – und das hilft beiden Seiten: Mit einer guten Planung lässt sich die Ausnutzungsziffer nach oben schrauben, im Gegenzug wird ein Mehrwert an städtebaulicher und architektonischer Qualität geboten.

Angemessene Antwort
Ein Vorzeigebeispiel ist die Wohnüberbauung «Papillon» in Mauren. Das Ensemble aus drei geschickt in den Hang plazierten Baukörpern ist das Ergebnis eines Studienauftrags an sechs Büros. Die Familienstiftung lobte den Wettbewerb aus, Gohm Hiessberger Architekten konnten mit ihrer räumlich vielschichtigen und städtebaulich angemessenen Antwort überzeugen. Gute Ausnutzungsziffer gegen gute Architektur – in diesem Sinne hatte die Kommission Freude mit dem Überbauungsplan. Das sei nicht immer der Fall, sagt Denise Ospelt: «Eine Gestaltungskommission kann ein Projekt bis zu einem gewissen Grad optimieren, aber nicht bis ins Detail. Der letzte Schliff kommt vom Architekten.» Und wie in jeder Berufssparte gibt es auch hier solche und andere.

 

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Kunst im Forum – NOWS

Monika Sennhauser

Vernissage Do 8. Mai, 18.30 Uhr im Forum
Matinee So 25. Mai 2014, 11 Uhr im Forum
Ausstellung 9. Mai bis 1. Juni, Di–So 14–17 Uhr

Die Künstlerin als Forscherin: Monika Sennhauser untersucht optische, astronomische und visuelle Phänomene mit eigens entwickelten Erkundungs- und Darstellungsmethoden. Passend zum Jahresthema des Architektur Forum «Experimente» zeigt die Künstlerin neue Versuchsanordnungen und hebt damit den Unterschied zwischen Ausstellungs- und Ateliersituation auf.

Matinee

Clemens Umbricht liest Gedichte und Prosa. Buchpräsentation Monika Sennhauser «Gleichungen in Intervallen», mit Georg Rutishauser, edition fink, Verlag für zeitgenössische Kunst, Zürich.

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Einladung

Verwandeln – Erfundene Orte

Rainer Sachse, Landschaftsarchitekt, Düsseldorf

Mo 5. Mai 2014, 19.30 Uhr im Forum

Unipark Essen Hans Blossey

scape Landschaftsarchitekten haben es sich zur Aufgabe gemacht, die unwirtlichen Orte der Stadt mit neuem Leben zu füllen. Wir verwandeln ehemalige Parkplätze, Industriebrachen und Abstandsflächen in Plätze, Parks und urbane Gärten. Dafür versuchen wir die tradierten Bilder zu ignorieren und über die experimentelle Annäherung an den Ort neue, überraschende Bilder zu generieren.
scape ist auf der Suche nach einer anderen Sinnlichkeit, einem neuen Zugang zur Natur in der Stadt. Unsere Entwürfe wirken nicht statisch, sondern sind von Veränderung und Verwandlung bestimmt. Durch eine radikale Formensprache und innovativen Materialeinsatz wollen wir die atmosphärische Wirkung bis ins Detail transportieren. Für uns sind Freiräume keine Dekoration, sondern Lebensräume; urbane Landschaften werden zum Motor der Stadtentwicklung.

www.scape-net.de

Einladungskarte Mai

Hauptversammlung

2014

Fr 25. April 2014, 18.30 Uhr im Forum

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Traktanden

1. Begrüssung
2. Protokoll HV 2013
3. Jahresbericht
4. Jahresrechnung
5. Budget und Mitgliederbeiträge 2014
6. Revisorenbericht
7. Wahl Vorstand
8. Wahl Leitender Ausschuss
9. Allgemeine Umfrage
10. Aussichten

Forums-Fest

Im Anschluss an die Hauptversammlung um ca. 20 Uhr findet das Forums-Fest statt. Alle Mitglieder mit Begleitung sind herzlich eingeladen.

Essen

Wir lassen uns von der osmanischen Küche verführen.

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Einladungskarte Hauptversammlung

Architektur im Film: Tadao Ando: Von der Leere zur Unendlichkeit

Einführung Rahel Hartmann Schweizer, Architekturhistorikerin, Oberscherli

Di 22. April 2014, 20 Uhr im Kinok

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In seiner Jugend war er Profiboxer. Heute gilt er als einer der weltweit bedeutendsten Architekten: Tadao Ando, der japanische «Meister des Minimalismus». Seine Architektur aus Sichtbeton schafft die spektakuläre Verbindung zwischen japanischer Tradition und zeitgenössischer Moderne. Der Dokumentarfilmer Mathias Frick begleitet Tadao Ando in Japan und Europa. Ando lässt das Publikum persönlich daran teilhaben, was ihn inspiriert und motiviert. Es erlebt ihn in Verhandlungen mit Bauherren in Italien und mit seinen Mitarbeitenden im Büro in Osaka. Der Film zeigt Andos weltberühmte Gebäude von der «Kirche des Lichts» in Osaka, über «das unsichtbare Haus» in Italien bis zur Stiftung Langen in Neuss. Der Schweizer Architekt Peter Zumthor bewundert Andos Integrität, sieht ihn als Künstler, der sich nicht vereinnahmen lässt, sondern beharrlich seine Visionen realisiert.

Mathias Frick D, 2013 D / J, e 52’
www.doku-arts.de

Weitere Vorführungen: So 27. April 11.30 Uhr, Mi 30. April 19.15 Uhr
Eintritt 15.– / Mitglieder AFO 10.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch
Veranstaltungssponsoren: domus, Knoll

Einladungskarte April

Interpretieren – Home Sweet Home oder die Liebe zum (eigenen) Raum.

Futurafrosch, Architekten, Zürich

Mo 7. April 2014, 19.30 Uhr im Forum

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Einführung Claudia Thiesen, Architektin, Zürich

Wohnraumentwicklung als wissenschaftliche und praktische Disziplin oszilliert zwischen Massenwohnungsbau und Einfamilienhaus, zwischen Existenzminimum und Luftschloss, zwischen Urhütte und Palast. Das Potenzial aus dem scheinbaren Widerspruch bildet die Basis für das fortlaufende Hinterfragen bestehender Muster und funktioniert als Generator für den stetigen Wandel der möglichen Lösungen.

Futurafrosch versteht sich als Plattform der Ideenproduktion, Planung und Umsetzung von Projekten im Spannungsfeld von Architektur, Kunst und Umwelt. Das Interesse für unterschiedliche Blickwinkel, für die Extreme und die Präzision, den Überblick und die verborgene Poesie in den Objekten bildet den Grundstein für die Forschungstätigkeit an der Materie und leitet die Neugier, welche sich wie ein roter Faden durch die verschiedenen Projekte zieht.

Ausgehend von den Arbeiten des Büros unternehmen wir einen Versuch, die innere Funktionsweise des Wohnens aufzuspüren, in seine Bestandteile zu zerlegen und damit kontextbezogene, individuell gültige, neue Formeln zu erfinden.

www.futurafrosch.org

Einladungskarte April

Architektur im Film: J. L. Sert / A Nomadic Dream

Einführung Hugo Dworzak, Hochschuldozent, Institutsleiter, Lustenau

Di 18. März 2014, 20 Uhr im Kinok

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This is the story of a talented architect, city planner and contemporary of Miró, Calder and Picasso and his indelible impact on the course of American architecture. Dean of the Harvard Graduate School of Design from 1953 to 1969, Josep Lluís Sert fled Spain during the Civil War, and immigrated to the United States where he lived for almost 40 years. The documentary explores his life and work beginning in 1926 (when he received his degree in Architecture at the Universitat de Barcelona) until his death in 1983. Josep Lluís Sert / A Nomadic Dream examines the life of a complex man who was able to rebuild his own career in the United States away from his own land.

Pablo Bujosa Rodríguez E, 2013, E / e 72’
www.jlsertfilm.com

Weitere Vorführungen: So 23. März 11 Uhr, Fr 28. März 17.30 Uhr
Eintritt 15.– / Mitglieder AFO 10.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch
Veranstaltungssponsoren: domus, Knoll

Einladungskarte März

Aufspüren – Es war einmal …
die Architekturvermittlung

Peter Staub, Professor, Vaduz

Mo 3. März 2014, 19.30 Uhr im Forum

Peter Staub

Das Studium der Architektur sowie auch Architekturwettbewerbe entsprechen zum grössten Teil einer Trockenübung. Repräsentationen von fiktiven Architekturen werden diskutiert und kritisiert, als ob sie tatsächlich schon gebaut wären. Dabei rückt die Darstellung und Erzählkraft der Projekte – die Narrative – ins Zentrum der Aufmerksamkeit, denn sie trägt viel sowohl zum Innovationspotential als auch zu einer erfolgreichen Kommunikation einer Idee einer Architektur bei. Eine Narrative ist in der Architekturdarstellung von doppelter Relevanz: einerseits müssen komplexe räumliche Zusammenhänge visuell kommuniziert werden und andererseits handelt es sich bei der Architektur um Raumabfolgen, welche erst durch Bewegung wahrgenommen werden können.
Um eine solche sowie eine räumliche Erfahrung über mehrere Sinne bereits im Entwurf zu ermöglichen benötigt es experimenteller, hybrider Gestaltungs- und Vermittlungsmethoden. Wie solche entstehen und welche Rolle sie im Entwurf einnehmen können, versucht der Vortrag von Peter Staub in Form einer Reise durch die Dimensionen aufzuzeigen.
Peter Staub ist Assoziierter Professor für Architektur und Visuelle Kultur an der Universität Liechtenstein. Er lehrt und forscht an den Schnittstellen zwischen Kunst, Architektur und Architekturvermittlung.

www.uni.li/peter.staub
Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte März

Architektur im Film: Haus Tugendhat

Einführung Thomas Hungerbühler, Architekt, Widnau, Gespräch mit Ruth Tugendhat, Zürich

Di 18. Februar 2014, 20 Uhr im Kinok

Rudolf Sandalo

Das Haus Tugendhat – von Mies van der Rohe 1928 – 30 im tschechischen Brno gebaut – ist ein spektakuläres Hauptwerk moderner Architektur und UNESCO-Weltkulturerbe. Ein Gesamtkunstwerk, das seit 1938 von Zweckentfremdung und Zerstörung bedroht war, allen Katastrophen widerstand und 2012, nach aufwendiger Restaurierung der Öffentlichkeit übergeben wurde und seine neue Bestimmung fand. Die Geschichte des Hauses erzählt vom Schicksal der Familie Tugendhat, die Jahrzehnte für dessen Erhalt kämpfte, und von Menschen mehrerer Generationen, die seine besondere Ausstrahlung tief bewegt hat.

Dieter Reifarth D, 2013, D 116‘
www.tugendhat.pandorafilm.de

Weitere Vorführungen: Di 18. Feb 20 Uhr, So 23. Feb 11 Uhr,
Mi 26. Feb 18 Uhr, Sa 1. März 13.15 Uhr, Sa 8. März 17 Uhr
Eintritt 15.– / Mitglieder AFO 10.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch
Veranstaltungssponsoren: domus, Knoll

Einladungskarte Februar

Eine Gemeinde hebt den Finger

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  • Werkhof Balzers
  • Werkhof Balzers
  • Werkhof Balzers
  • Werkhof Balzers

Der Neubau von Werkhöfen hat seit ein paar Jahren Konjunktur. Aber nur wenige dieser Zweckbauten sind architektonisch gelungen. Die Liechtensteiner Gemeinde Balzers gibt ein gutes Beispiel für Gestaltungswillen über den pragmatischen Nutzen hinaus.

 

15. Februar 2014 von Gerhard Mack

 

«Wir haben hier starke Föhnwinde, früher war sogar das Rauchen in der Öffentlichkeit verboten, wenn sie bliesen», sagt Harald Hasler, der Hochbauchef von Balzers. Im Dezember 1985 brannte der ganze Berghang oberhalb der liechtensteinischen Gemeinde, nachdem die Schweizer Armee bei ungünstigem Wetter eine Schiessübung abgehalten hatte.
Wer das weiss, wundert sich nicht, wenn er den Werkhof sieht, der nach zweijähriger Bauzeit im Juni 2011 in Betrieb genommen wurde. Am Rand des Industriegebiets an der Strasse nach Schaan liegt ein grosses Gebäude, das eher an den edlen Auftritt eines boomenden IT-Konzerns denken lässt als an den  Zweckbau eines 4600-Seelen-Dorfes: Eine dunkel eingefärbte Holzfassade fasst das Volumen aus der Entfernung zu einer kompakten Form zusammen, die sich auf angenehme Weise vom benachbarten Föhrenwäldchen abhebt.

Viele schlechte Beispiele
Werkhöfe stehen überall und werden selten gerne gesehen. Dabei zählen sie zu den Zweckbauten, die in den letzten Jahren von vielen Gemeinden neu in Angriff genommen wurden. Schaut man sich um, was gebaut wurde, wird schnell deutlich, dass es einer besonderen Anstrengung bedarf, wenn neben den praktischen Anforderungen auch städtebauliche und ästhetische Bedürfnisse zufrieden gestellt werden sollen.
Ein Ingenieurbau, der unter knappstem Budget erstellt worden ist, kann diesem Anspruch kaum genügen. Ein Auftraggeber, der damit zufrieden ist, dass die Fahrzeuge im Trockenen stehen, erschwert die Aufgabe ungemein. Wie das dann aussieht, zeigen drei aus zahllosen Beispielen: In Degersheim wurde ein Hangar zwischen alte Wohnbauten gestemmt, der nichts mit der Umgebung zu tun hat. In Brunnadern erinnert der gewählte Bautyp mit Satteldach an ein Wohnhaus. In Schönenwerd fehlen noch die Zapfsäulen, und man hätte eine
Tankstelle. Ein Gesicht, das der Funktion entspricht, hat keine der Bauten, den Dialog mit der Umgebung vermisst man bei allen.
Das haben die Gemeinde Balzers und der Schaaner Architekt Ivan Cavegn besser gemacht, als sie 2008 daran gingen, einen zentralen Werkhof zu planen. Bereits der Umgang mit dem Ort überzeugt. Möglich gemacht hat das Gebäude ein Blick über den Tellerrand hinaus. Da, wo der neue Komplex gebaut wurde, befand sich früher die lokale Kläranlage. Als man sich dem regionalen Klärwerk in Bendern anschloss, wurde das Gelände für eine neue Nutzung frei.

Schlauchturmals Signet
Der flache Gebäudekomplex schliesst mit dem daneben liegenden Umspannwerk der Liechtensteinischen Kraftwerke einerseits die Bebauungszone von Balzers zur landwirtschaftlichen Schutzzone ab. Er wendet sich dann aber auch ganz explizit zurück zum Dorf und zeigt ihm seine Rückversicherung gegenüber den Gewalten einer unberechenbaren Natur:
Die Schauseite des Werkhofs wird durch die über die ganze Breite verglaste Einstellhalle der Feuerwehr bestimmt.
Das ist sinnvoll, weil die Löschfahrzeuge so schneller in den Ort gelangen. Es bietet aber auch einen inhaltlichen und emotionalen Mehrwert: Wer zu den Handwerkern gegenüber fährt oder sein Auto in der Waschanlage reinigen lässt, oder auch diejenigen, die nur vorbeifahren, sehen die Einsatzfahrzeuge durch die Glastüren leuchten. Der Bau drückt den Stolz und das Selbstbewusstsein einer umsichtigen Gemeinde aus. Er hat eine kollektive Bedeutung.
Funktionalität und öffentliche Rolle finden in einer Vielzahl von Merkmalen des Gebäudes zusammen. Während heute viele Feuerwehren ihre Schläuche nach dem Einsatz in horizontalen Vorrichtungen trocknen, hat Ivan Cavegn die Idee des alten Schlauchturms aufgegriffen, wie sie ihm aus der Kindheit vertraut war, und zu einem Signet des Gebäudes gemacht. Der Turm gibt dem Werkhof in der relativ weiten Rheinebene eine vertikale Sichtbarkeit und verweist wie eine Nadelspitze auf die Föhren und den Balzner Hausberg dahinter.

Sägerohe Fichte
Das Volumen, das aus der Ferne mit einem geschlossenen skulpturalen Auftritt überzeugt, zeigt sich aus der Nähe als differenzierte Struktur aus drei Quadern,
die sich an einen etwas tieferen Mittelbereich anlagern. In ihnen erhalten die Feuerwehr, die Wertstoffsammelstelle und der eigentliche Werkhof der Gemeinde samt Samaritern eigene Bereiche. Sie ermöglichen mit ihren grosszügigen Vorplätzen ein sinnvolles Arbeiten, ohne sich gegenseitig in
die Quere zu kommen. Während die Feuerwehr mit der Zufahrt zur Tiefgarage die öffentliche Schaufront einnimmt, sind die anderen Funktionen zur Neben- und Rückseite aufs angrenzende Feld und den Wald orientiert. Die Aussenwände des erdbebensicheren Betonbaus sind mit einer Fassade aus sägerohen Fichtenbrettern verkleidet. Diese wurden mit den Schmalseiten vertikal auf Lücken montiert und geben dem Volumen aus der Nähe einen filigranen, fast zeichnerischen Charakter. Die Fensterelemente sind zu grosszügigen Flächen zusammengefasst, die bisweilen bündig in die Bretterfassade eingesetzt wurden, dann wieder hinter ihr bleiben und von ihr Sichtschutz erhalten. Selbst die Kipptore der Halle für Wertstoffe sind mit einer Haut aus Brettern bedeckt und fügen sich kaum unterscheidbar in die Fassade ein.

Selbstbewusstes Wahrzeichen
Das Zusammenspiel aus Geschlossenheit und Differenzierung, das den Werkhof nach aussen bestimmt, setzt sich im Innern in einer klaren Abgrenzung der einzelnen Funktionen fort. Jeder Bereich erhält seinen eigenen Charakter. Mittel dazu ist die Wahl des Materials: Die Wertstoffsammelstelle ist als luftoffener Raum ausgeführt, in dem das Aussenklima spürbar bleibt, der Werkhof als einfache Hartbetonzone aus einer doppelgeschossigen Werkhalle
und zwei Lageretagen. Hier prägt die Robustheit, die die Arbeiten kennzeichnet, bereits die räumliche Atmosphäre, ohne unfreundlich zu wirken.
Bandfenster unterhalb der Decke ermöglichen durch den niedrigeren Mittelteil der Anlage eine Belichtung von zwei Seiten.
Dagegen haben Büros, Ess- und Gemeinschaftsräume mit ihrer Auskleidung von Wänden und Decken aus unbehandelter Weisstanne – daraus werden sonst Paletten gefertigt – fast einen wohnlichen Charakter erhalten. Im Obergeschoss des West- und Ostriegels, das man über eine Treppe beim Haupteingang erreicht, öffnet sich der Schulungsraum der Feuerwehr mit einem grossen Fenster auf die Fahrzeughalle, und der allgemeine Mehrzweckraum der Gemeinde bietet einen Blick auf den Föhrenwald. Hier herrscht eine fast weitläufige Grosszügigkeit, die durch das Eichenparkett betont wird.
Mit dem 16,5 Millionen Franken teuren Werkhof ist es Auftraggeber und Architekt gelungen, verschiedene Funktionen sinnvoll an einem Ort zusammenzuführen. Balzers hat bei allem Sinn für pragmatische Erfordernisse darüber hinaus auch ein Wahrzeichen erhalten, das von einem zeitgemässen Selbstbewusstsein der Gemeinde spricht.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Explorieren – The Robotic Touch

Gramazio & Kohler, Architekten, Zürich

Mo 3. Februar 2014, 19.30 Uhr im Forum

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Mit dem Roboter beginnt die Architektur heute endlich, … eine für das Informationszeitalter adäquate Form des Bauens zu entwickeln. Im Unterschied zu den Anstrengungen zur Industrialisierung
des Bauens im 20. Jh. geht es nicht mehr um die Rationalisierung einer Branche, sondern um eine umfassendere Entwicklung: die wechselseitige Digitalisierung von Entwurf und Fabrikation. Die seit der
Renaissance bestehende Trennung zwischen Entwurf und Ausführung, zwischen geistiger Arbeit und Produktion, wird dadurch aufgehoben und es entsteht ein Wechselspiel zwischen digitalen und materiellen Prozessen beim Entwerfen und Bauen.
Damit steht paradoxerweise mit der fortschreitenden Digitalisierung nicht die in den 1990er-Jahren noch beschworene Entmaterialisierung der Architektur zur Debatte. Die «Materialisierung des Digitalen» wird umso wichtiger, je intensiver der Mensch-Roboter-Dialog verläuft und sich architektonisches Material mit digitalen Informationen anreichern lässt und somit diese konkret erfassbar werden. Insgesamt stellen wir hier ein «zweites digitales Zeitalter» der Architektur in Aussicht, das in digitalen Entwurfs- und Fabrikationsprozessen ihren Ursprung nimmt und mit der Einführung des Roboters ein zeitgemässes Entfaltungspotenzial findet. Der Roboter ist gleichermassen Sinnbild und Werkzeug für eine tief greifende Reformation der Disziplin.
www.gramaziokohler.com
Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte Februar

Die Kunst des Austarierens

Es ist nicht selbstverständlich, dass aus der Kombination mehrerer Bauherren und Planer auf einem gemeinsamen Grundstück das Fortschreiben eines Dorfteiles gelingt. Mit der Überbauung Chantun Sur in Pontresina ist es geglückt.

 

18. Januar 2014 von Marina Hämmerle

 

Im eng gewachsenen Dorfteil Laret, dem eigentlichen Dorfkern von Pontresina oberhalb der Via Maistra, steht die Chesa Melna, das Gelbe Haus. Es teilt seine Entstehungsgeschichte mit vielen anderen stattlichen Bürgerhäusern der Bergdörfer des Engadins und des Puschlavs. 1825 hatte Peter Jan Jenny das Haus aus seinen Einkünften als Zuckerbäcker im fernen Polen erbaut. Das Anwesen mit Stall und grossem bergseitig gelegenem Garten innerhalb der steilen, engen Gassen des Larets ist der Rückzugsort der Familie Saratz, die mit ihrem in fünfter Generation geführten gleichnamigen Hotel den Prospekt des Dorfes wesentlich mitprägt.
Das Gespräch mit dem bei Bau und Planungsprozess federführenden Bauherrn, Nuot Saratz, zeigt rasch, dass der Erfolg dieses Bauprojektes viel mit der eigenen Biographie und der Leidenschaft für Gemeindeentwicklung und Architektur zu tun hat. Neben seiner beruflichen Tätigkeit wirkte er jahrelang als Baufachchef von Pontresina bei der Gestaltung seines Heimatdorfes mit, auch anderswo auf dem Hochplateau des Engadins finden sich Spuren seines
Engagements.

Komponiertes Ensemble
Das Erbe unter vier Brüdern zu teilen, bedeutete zu verdichten und dort, wo ehemals der Garten war und ein baufälliges Engadiner Haus stand, weitere Häuser zu errichten. Befreundete Architekten wie Hans Jörg Ruch, der schon das Hotel mit dem Südflügel Ela Tuff gekonnt erweiterte, und die Lazzarinis waren für die kurzfristig angesetzte Aufgabe nicht verfügbar. Marchet Saratz, Vertreter der sechsten Generation und angehender Architekt, brachte seinen Professor Peter Märkli ins Spiel. Märkli wiederum holte ihm artverwandte junge Architekten ins Boot und beschränkte sich auf den Masterplan und den gemeinsam mit Marchet Saratz geplanten Umbau des Talvo, des Stalls, und den unterirdisch inszenierten Verbindungsraum für den Fuhrpark der geplanten 14 Wohnungen.
Märkli rückte den bestehenden Bebauungsplan im Rahmen des Möglichen zurecht und entwickelte die Vision eines aus verschiedenen Häusern komponierten Ensembles. «Wie gewachsen» sollten sie sich in das enge Siedlungsgefüge einpassen, und das lässt sich durch mehrere Handschriften eher bewerkstelligen.
Typologie, Lage und Ausrichtung der Einzelbauten definierte er als Grundlage für die weitere Bearbeitung. Mit den ausgewählten drei jungen Kolleginnen und
Kollegen verbindet ihn der universitäre Betrieb, das gemeinsame Arbeiten und die konzeptuelle Ausrichtung. Für die Bauherrschaft bedeutete dies eine grosse Portion an Vertrauen in die Projektleitung, da die Architekten nicht allzu viel an Bauerfahrung mitbrachten, dafür umso mehr an Finesse und Imagination.
Was Peter Märkli mit Marchet Saratz, Christof Ansorge, Ingrid Burgdorf und Alex Herter in ihren einzeln geplanten Bauten zusammenfügte, verlangte viel an Koordination von beteiligten Interessen und Austarieren von Bestehendem und Hinzugefügtem. Von den 14 Wohnungen sind knapp die Hälfte Erstwohnungen, sechs weitere Miteigentümer deponierten ihre Wünsche. Diese vielschichtige Melange an Eigentümern führte zwar zu einigen Verzögerungen, jedoch der Einbezug eines lokalen Bauleiters, einheitlicher Fachplaner für alle Häuser, und einer fachlich versierten Projektleitung durch die Bauherrschaft garantierte die konzeptuell und handwerklich hochwertige Umsetzung in sehr kurzem Zeitraum.

Zeitgemässes Wohnverständnis
Das Los entschied über die Bearbeitungsfelder. Alex Herter widmete sich der Adaptierung der Chesa Melna und deren Erweiterung durch einen Südflügel, der Chesin. Das Ockergelb, im Österreichischen das Schönbrunnergelb, verbindet Bestand und Neubau. Komplementär dazu das Taubenblau der Fensterläden, deren partielle Überhöhen auf die unters Dach verlegte Beletage verweisen. Das mit kleinem Versatz gelöste Vorspringen einer Raumschicht gegen den Innenhof entspringt dem Wunsch nach Hierarchisierung der Volumen und strukturiert. Die daran angebrachten weissen Putzfelder nehmen Beziehung auf zum Erker des Bestandes und den weissen Friesen der angrenzenden Chesa Immez.
Auf der Südseite kommen weitere Farben ins Spiel: das markante Oxidrot der ornamentalen Geländer – Ähnliches ersann Herter schon am Märkli-Bau für Novartis – bringt Eigenständigkeit ins Spiel. Die pragmatische, grossflächige Fensterlösung in gedecktem Grau, teils in die Pfeilerstruktur gesetzt, teils hinter vorgelagerter Loggia, tritt optisch zurück. Auch im Inneren überzeugt die
Verschränkung von Alt und Neu, die Grosszügigkeit des Raumflusses bringt zeitgemässes Wohnverständnis auch in den Bestand.
Der Talvo gibt sich nach aussen nahezu unverändert. Märkli und Saratz ermöglichen mit wenigen gestalterischen Eingriffen die Umnutzung zu Atelier und Wohnraum. Rohe Materialien entsprechen der Urtümlichkeit des Objekts, der Raum betört durch seine gedämpfte Lichtführung.

Positionsbezug zum Dorf
Ingrid Burgdorf gewann mit ihrer Neuinterpretation eines Engadiner Hauses die Zustimmung der Denkmalpflege, der Abriss des baufälligen Bestandes wurde gewährt. An der steilen Gasse türmen sich fünf Stockwerke im schlanken Bauwerk. Symmetrisch, nahezu venezianisch anmutend an der Eingangsseite, mit leichten Irritationen in der Anordnung arbeitend auf den anderen Seiten. Fenster, Loggien und Erker erzeugen durch ihre unterschiedlich artikulierten weissen Umrahmungen Korrespondenz zu bekannten Bildern ohne plattes Surrogat zu sein. Die Wohnungen basieren teils auf traditionellen Elementen wie dem Längsraum des Suler und erzeugen behagliche Atmosphäre innerhalb gut gewählter Proportionen.
Der neue Palazzo, die Chesa Sur, bildet den oberen Abschluss der Häusergruppe. Hier übernimmt Christof Ansorge das Motiv der Schauseite zum Dorf, ähnlich der Hotelpalazzi an der Via Maistra, und reagiert über den engeren Kontext hinaus, will Position beziehen zum Dorf. Die Fassade zelebriert Rhythmus und Ordnung durch Pfeiler aus geschichtetem Gneis, reckt sich hoch über die umliegenden Dächer und kaschiert das asymmetrische Satteldach. In den luxuriös geschnittenen Wohnungen verblüfft ein freigespielter Raumplan, basierend auf Durchblicken und räumlichen Verschränkungen.

Eingegliedert in Gewachsenes
Drei Komponenten führten zum Gelingen des Gesamtprojekts bis hin zum Fortschreiben der Dorfstruktur: Die ausgeprägte Bestellerkompetenz des Auftraggebers, der auf Angemessenheit anstatt auf Maximierung setzt, das feinsinnige Gespür für die diffizile Aufgabe und die strategisch kluge Vorgehensweise durch den Architekten, dessen Weitsicht, die Planung auf mehrere Kollegen zu verteilen, und nicht zuletzt die Fähigkeit der jungen Architekten, eine jeweils eigenständige und dennoch dem Ort verbundene
Anmutung der Häuser zu schaffen, ohne in Historismen zu verfallen. Das  Resultat ist ein Ensemble an Häusern, welches nicht nur von der Beziehung untereinander lebt, sondern vor allem auch durch deren geschickte Eingliederung in die gewachsene Struktur des Dorfkerns, atmosphärisch und selbstverständlich zugleich.

 

Bilder: Rasmus Norlander

Das Architektur Forum Ostschweiz wünscht schöne Weihnachten und alles Gute für das kommende Jahr.

Am 2. Februar starten wir mit unserer neuen Veranstaltungsreihe zum Thema „Struktur und Raum“.

Wir freuen uns auf ein weiteres spannendes Jahr. Bis im Februar!

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Die Auszeichnung des SIA für die zukunftsfähige Gestaltung des Lebensraums

Ausstellung: Do 26. Juni 2014, 17 – 20 Uhr, Sa 28. Juni 2014, 10 – 15 Uhr
Vernissage Mo 23. Juni 2014, 19.30 Uhr im Forum

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Vernissage

NOERD – Das Gewerbehaus der Kreativen
Vortrag von Beat Rothen, Architekt, Winterthur / Einführung durch Stefan Cadosch, Architekt, Präsident SIA
Das NOERD erhielt im Rahmen von «Umsicht 2013» eine Auszeichnung

Die Suche der Freitag lab. AG, einem international angesehenen Recylingtaschenhersteller aus Zürich, nach einem neuen Standort für ihr Headquarter und ihre Produktion war Auslöser für eine besondere Projekt- entwicklung in Neu-Oerlikon in Zürich.
Das NOERD setzt städtebauliche Impulse und schafft Identität, bieter aber auch mit seiner Dachlandschaft einen ungewöhnlichen Rückzugsort in der von Industrie und Gewerbe geprägten Umgebung.
Im NOERD wird maximal flexibler Raum zu minimalem Preis mit einer gewissen radikalen Ästhetik generiert, die zum Thema seiner Architektur wird. Es entfaltet seine Kraft aus der sichtbarkeit der Materialien. Die Rauheit des Rohbaus soll spürbar bleiben. Die Kontraste, die durch den Einsatz von Natur- und Industrie- produkten entstehen, schaffen ein taktiles Feld, das dem Gebäude eine unverwechselbare Identität gibt.

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Zum dritten Mal zeichnet der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein SIA Projekte aus, die sich exemplarisch für die zukunftsfähige Gestaltung des Lebensraums einsetzen. Die Ausstellung zeigt die prämierten Werke, die allesamt von umsichtigen Schaffensprozessen zeugen und somit in ihrem Ergebins beispielhafte und zukunftsfähige Lösungen im Umgang mit den aktuellen Herausforderungen des Lebensraums Schweiz darstellen.
www.sia.ch/umsicht

Einladung Umsicht

Kunst im Forum – Ausgeleuchtet

Alexandra Maurer

Vernissage Do 27. Februar 2014, 18.30 Uhr im Forum
Ausstellung 28. Februar bis 23. März, Di–So 14–17 Uhr

Die St.Galler Künstlerin Alexandra Maurer visualisiert mit kraftvollen Bildern intensive Körpererlebnisse. Immer wieder konzentriert sie sich auf physische Extremsituationen. In ihrer jüngsten Videoarbeit kombiniert sie Aufnahmen aus dem Erdbebensimulator mit übermalten Sequenzen und Archivaufnahmen konkreter Erdbeben. Zudem präsentiert Alexandra Maurer auch ihre Malinstallation „Erdbeben“, die im Rahmen des Landis und Gyr-Kulturstipendiums in Berlin entstanden ist.

Sound für Videoinstallation von Daniel Zea

ausgeleuchtet

Informationsveranstaltung

Direktion Bau und Planung Stadt St.Gallen

Mo 24. Februar 2014,  17 Uhr im Forum

Die Direktion Bau und Planung Stadt St. Gallen lädt die Mitglieder der Fachverbände Architektur und Planung zur 5. Infoveranstaltung mit Kurzreferaten ein. Wir freuen uns auf neueste Informationen aus erster Hand:

Begrüssung durch Stadträtin Patrizia Adam

400 Tage neue Baubewilligungskommission – ein Erfahrungsbericht
Ernst Michel, Leiter Amt für Baubewilligungen
Hansueli Rechsteiner, Mitglied Baubewilligungskommission

Innere Verdichtung – Umsetzung und mögliche Stolpersteine
Brigitte Traber, stellv. Leiterin Stadtplanung

Sparen als Entwurfsfaktor – Auswirkungen von Fit13+ und Verzichtsplanung
Erol Doguoglu, Stadtbaumeister

Diskussion, Fragen und Antworten; anschliessend Apéro offeriert von der Stadt St.Gallen. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und einen interessanten Austausch.

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Anmeldung
Informationsveranstaltung Direktion Bau und Planung Stadt St.Gallen
Ort: Architektur Forum Ostschweiz | Davidstrasse 40 | 9000 St.Gallen
Zeit: Montag, 24. Februar 2014 | 17:00 Uhr

Experiment

Experimente sind Versuchsanordnungen mit offenem Ausgang. Dass ihr Ausgang ungewiss ist, gehört zu ihrem Wesen. Und oft schlagen sie einen anderen Weg ein, als ursprünglich vermutet. Zum Beispiel vergass Alexander Fleming einst eine Bakterienkultur und entdeckte dabei das Penicillin. Der Weg an die Grenzen des Wissens ist voller Stolpersteine und Unwägbarkeiten. Am Anfang des Experimentes steht immer die Neugierde, denn ohne sie gäbe es keinen Fortschritt. An ihrem Ende locken die Erkenntnis und ihre schillernde Schwester, die Entdeckung.
Das Architektur Forum Ostschweiz zeigt ein Jahr lang Experimente in Architektur, Kunst und Theorie. Der Bogen ist weit gespannt: Auf der Suche nach neuen Wohnformen sind die Grenzen der Konventionen eng gesteckt, in Forschung und Lehre sind die Zügel bedeutend lockerer. Und manchmal führt der Weg in die Zukunft zurück zu alten Tugenden. Wir freuen uns auf ein Jahr voller Entdeckungen.

Das Architektur Forum Ostschweiz wünscht schöne Weihnachtstage und alles Gute für das neue Jahr.

Am 3. Februar starten wir mit unserer neuen Veranstaltungsreihe zum Thema „Experiment“.

Wir freuen uns auf ein Jahr voller Entdeckungen. Bis im Februar!

Ausstellung – Material und Handwerk

Jahresabschluss

Mo 16. Dezember 2013, 19.30 Uhr im Forum

  • Fischhaut-Philipp_Kuntze
  • Flüssigmetall-Philipp_Kuntze
  • Platane_geräuchert-Philipp_Kuntze

Zeit und Kosten sind die zentralen Faktoren unserer Umgebung. Auch im Innenausbau prägen diese zwei Schlagwörter die Optik, Haptik und Qualität. Schnell muss alles fertig sein und das Budget darf nicht überschritten werden. Diese Haltung fördert die Verwendung von Materialien, die schnell zu verarbeiten sind, keine Unregelmässigkeiten zulassen und Garantiearbeiten ausschliessen. Das Resultat ist, dass wir unseren Alltag in der Umgebung von kontrastlosem Kunstlicht, Tischen mit Kunstharzabdeckungen oder Oberflächen mit
Kunststoff verbringen. Die reiche Handwerkskultur und die einzigartigen Materialien und Oberflächen gehen verloren. Doch gibt es geschichtsträchtige Materialien, handwerkliche Geschicke und neue Technologien, die den Produkten eine Geschichte geben und den Wert sichtbar machen.

Einführung in die Ausstellung – Philipp Kuntze, Innenarchitekt

Im Anschluss an die EInführung sind alle Besucher herzlich eingeladen, bei einem feinen Kündig Käsefondue und einem Glas Weisswein das Forumsjahr ausklingen zu lassen.

Einladungskarte Dezember

Ein grüner Mocken erinnert an die Natur

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Hinter der St.Galler Empa hat der Bildhauer Jürg Altherr eine bewachsene Skulptur geschaffen. Sie ist auch ein vorbildliches Beispiel für die Gestaltung von Landschaft.

 

14. Dezember 2013 von Gerhard Mack

 

Wer beim Discounter Lidl in St.Gallen-Bruggen einkaufen geht, schaut auf ein merkwürdiges Gebilde: Neben der Empa liegt ein riesiges Metallgerüst im Grünen, das fast ganz von Hagebuchenhecken überwuchert ist. Im Frühling machen die Blätter es undurchdringlich, im Herbst wird das kahle Geäst mit seinen vielen spitzen Zweigen zum Ausdruck von Abwehr und Kargheit. Der
Bildhauer Jürg Altherr hat diese Struktur realisiert, als die Empa nach Entwürfen des Architekten Theo Hotz gebaut und Geld für Kunst am Bau bewilligt wurde. Wer sie sieht, empfindet sie als einen Fremdkörper. Gerade weil sie autistisch ist, gibt sie an diesem Ort ein gelungenes Beispiel für den Umgang mit Natur, wie es sie in der Landschaftsarchitektur nicht allzu oft gibt. Warum?

Kunst als Resteverwerterin
Zunächst einmal spürt man, dass da jemand am Werk war, der in grösseren landschaftlichen Bezügen denkt. Jürg Altherr ist auch ausgebildeter Landschaftsarchitekt. Er hat seinen Heckenkörper ganz präzise für das Stück Stadtrand entworfen, das ihn umgibt. Dieses besteht aus einer diffusen Ansammlung verschiedenster Elemente, wie man sie oft an Einfallstrassen mit ihren ungeplanten Wechseln aus Gewerben und Wohnbauten findet. Am Horizont besetzen Öltanks den Hang. In unmittelbarer Nähe schliessen
die Bauten des St.Galler Tagblatts das Gelände ab. Nach Westen liegen Gewerbehallen. Eine ehemalige Brache wird inzwischen vom Discounter besetzt. Gegenüber ist eine Wohnüberbauung. Keines dieser Objekte hat miteinander zu tun. Sie alle entstanden auf einer Wiese, von der noch ein schmaler Streifen Rietgras mit einem Bach übrig geblieben ist, der die Parzelle
begrenzt.
Die Skulptur sitzt auf einem Teil dieses grünen Restes, der vom Architekten nicht gebraucht wurde. Kunst ist da Resteverwerterin. Vielleicht  hat man gedacht: Lieber eine Skulptur als noch mehr Parkplätze. Aber der Heckenkörper zieht gerade aus dieser Verlegenheit einen Teil seiner Kraft: Er
dehnt sich bis an die Ränder dieser unbrauchbaren Fläche und macht sie zu einem Statement: Kunst ist das, was sich der allgemeinen Verwertung entzieht, das ideellen Raum schafft, um über das Selbstverständliche nachzudenken,
das unser Zusammenleben bestimmt. Altherr bringt das mit der Fremdheit seines Heckenkörpers zum Ausdruck. Dieser ist ganz nach innen gewandt,
implodierte Energie, die das Konturlose des Umlandes abstrahlt und spürbar macht. Natürlich tritt die Skulptur auch in Dialog mit der Umgebung: Die in den Himmel ragenden Türme der Empa erhalten eine horizontale Dimension. Der Heckenkörper beschreibt im Grundriss einen verlängerten Kreisbogen und misst in seiner längsten Ausdehnung siebzig Meter, an der breitesten Stelle ist  er fünfzehn Meter tief. Das ergibt eine stattliche Fläche. Die Struktur  aus Metallprofilen vermeidet rechte Winkel. Die Begrenzung, die von den oberen Trägern markiert wird, fällt von sieben auf anderthalb Meter ab. Die Schräge, die Bogenform treten der klaren Gestalt des Stadttors entgegen, die der  Architekt für seinen Entwurf gewählt hat. Vor allem setzt der Künstler der transparenten Stahl-Glas-Architektur wucherndes Dickicht zur Seite.

Nichts bleibt gleich
Architektur und Skulptur haben traditionell gemeinsam, dass sie nach ihrer Fertigstellung unverändert bleiben. Sie trotzen soweit möglich der Zeit. Die Natur kennt den Wechsel, sie gibt uns mit ihren Jahreszeiten unseren Lebensrhythmus vor und wuchert, wo ihr keine Begrenzung gesetzt wird. Jürg Altherr bringt dieses Zusammenspiel aus fester Struktur und Wildwuchs in seinem Heckenkörper zusammen. So klar das Gerippe aus Metallprofilen ist, so frei entfalten sich die Hagebuchen im Innern.
Die Einbeziehung der Natur gibt der Skulptur eine zeitliche Dimension. Die Hecken wachsen. Als das Werk 1998 aufgestellt wurde, waren sie kaum mehr als ein bodennahes Gebüsch in einem offenen Käfig. Heute haben sie an vielen Stellen die Ränder der Metallstruktur erreicht. Sie verändern den Körper und unseren Blick darauf. Das fast zeichnerische Metallskelett tritt zumindest in der belaubten Jahreszeit fast ganz zurück. Körperhohe Röhren, die der Künstler als eigene Räume hineingehängt hat, bleiben wie geheime Kammern gänzlich unsichtbar.
Umgekehrt erlaubt die Skulptur aber auch, die Natur besser wahrzunehmen. Diese entwickelt ihre Formen nach den genetischen Vorgaben der Pflanzen im
Zusammenspiel von Boden und Klima und folgt einer anderen Logik als die Ingenieurskunst. Vor allem aber beanspruchen Pflanzen andere Zeitrhythmen und eine andere Dauer. Nichts bleibt gleich. Wachstumsprozesse verlaufen
nicht linear.

Disziplinierte Vegetation
Das bedarf einer spezifischen Wachsamkeit und einer dauernden Pflege. Jeder Hobbygärtner weiss, dass er zu seinem Garten Sorge  tragen muss. Diese Notwendigkeit der Zuwendung macht der Heckenkörper Jürg Altherrs unmittelbar deutlich. Mag sein, dass die Hecken robust sind und mit Regenwasser auskommen. Sobald sie die Metallstruktur überwachsen, muss jedoch entschieden werden, ob sie gestutzt werden sollen, damit das Widerspiel aus fester Form und Veränderung sichtbar bleibt. Man kennt das aus französischen Parkanlagen und ihren zugeschnittenen Bäumen.
Sowohl Pflege wie Langfristigkeit stehen quer zu unserer Zeit des schnellen Konsums. Sie kennzeichnen darüber hinaus einen spezifischen Umgang mit der Natur. Die Vegetation wird im Heckenkörper diszipliniert, ihr Wachstum wird auf eine Form begrenzt, ihr aber nicht untergeordnet. Das braucht Geduld. Der
Künstler nimmt sich zurück und lässt der Natur über viele Jahre ihren Lauf.

Landschaft erfinden
Diese Autonomie entspricht nicht dem, was Landschaftsarchitektur landläufig bietet. Sie ist weit von der Gestaltung von Rabatten und der Pflanzung von Bäumen entfernt. Altherrs aufquellender Saucisson steht in Widerspruch zur Allerweltsverhübschung von Parks und Plätzen, zu der Landschaftsgestalter
oft Hand bieten müssen. Seine Intervention lässt das Ungezähmte der Natur anklingen, das wir in unseren postindustriellen Gesellschaften nur mehr aus den Katastrophenmeldungen kennen. Sie ist selbst ein Stück Landschaft  geworden und macht damit sichtbar, worüber wir sonst hinwegschauen: Auf der anderen Strassenseite liegt hinter dem Empa-Gebäude eine Wiese. So offen, so frei nimmt man Graslandschaften selten wahr wie im Widerspiel mit dem Mocken aus Grün. Landschaft so zu erfinden, dass wir sie sehen können, ist eine der vornehmsten Aufgaben ihrer Gestalter.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Stoffliches – Architektur ist Erinnerung

Quintus Miller, Architekt, Basel

Mo 2. Dezember 2013, 19.30 Uhr im Forum

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Unsere Wahrnehmung gelangt durch Assoziation mit unseren Erinnerungen in unser Bewusstsein und wird zur bedeutungsbehafteten Realität. Diesen kognitiven Prozess des Betrachters kann man beim Entwerfen antizipieren, um den gedachten neuen Ort in das kollektive Bewusstsein einzubinden. Es entsteht dabei der Versuch, ihn in der heimatlichen Vertrautheit anzusiedeln.

www.millermaranta.ch

Einladungskarte Dezember

Leichtfüssige Baukunst am Steilhang

  • Gutes Bauen Ostschweiz, Verbindung Plessur - Halde in Chur
  • Gutes Bauen Ostschweiz, Verbindung Plessur - Halde in Chur
  • Gutes Bauen Ostschweiz, Verbindung Plessur - Halde in Chur
  • Gutes Bauen Ostschweiz, Verbindung Plessur - Halde in Chur

Die Anlage der Kantonsschule Chur auf Halde und Plessur erhält durch ihr Verbindungsstück von Esch.Sintzel mit Treppe und Schrägaufzug ein Passstück der besonderen Art. Und einen Mehrwert, der sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen kann.

 

22. November 2013 von Marina Hämmerle

 

Ursprünglich verfolgte das kantonale Hochbauamt die Zusammenlegung der Schulen an einem Standort. Das von Andres Liesch entworfene Haus Cleric auf der Plessur, zuerst als Lehrerseminar angelegt, in Folge den Unterstufen der Kantonsschule dienlich, warin die Jahre gekommen. Ebenso nagte der Zahn der Zeit am Schulgebäude auf der Halde, von Max Kasper geplant und 1972 eröffnet. Dort häuften sich die Bauschäden, Handlungsbedarf war gegeben.

Widerstand gegen Abbruch
Zwei Wettbewerbe wurden unter dem damaligen Kantonsbaumeister um die Jahrhundertwende lanciert: ein Neubau für die Kantonsschule auf der Plessur und nebenan einer für eine Dreifach-Sporthalle mit Sportanlage. Aus beiden Unterfangen sollte nichts werden. Die zeitgemässen, wettkampftauglichen Sportstätten fanden keinen Widerhall in der Budgetplanung, andere Prioritäten
mussten gesetzt werden. Der Neubau Kantonsschule, dem zwangsläufig auch der Abriss der 1960/70er-Ikonen vorausgegangen wäre, rief Bürgertum, Architekten und Heimatschutz auf den Plan. Das gekürte Projekt von Daniele Marques verschwand nach der mehr als eindeutig negativen Volksabstimmung in der Schublade. Heute würde einer so gewichtigen Entscheidung wahrscheinlich eine Bürgerbeteiligung vorangestellt und die Interessenvertretungen wären im Vorfeld eingebunden – eine Errungenschaft des letzten Jahrzehnts.

Die damals schon erwogene Alternative der Sanierung beider Bauten wurde postwendend in Angriff genommen, wenngleich bei ungefähr identischen Baukosten diese weit höhere Betriebskosten nach sich ziehen würden. Baukulturelles Erbe sichern fordert auch hier seinen Tribut, damit verbundene Werte sind aber nicht in Franken aufzuwiegen. Jüngling und Hagmann schälten aus dem Kasper Bau das Beste heraus, auch Pablo Horvath behandelte
das Haus Cleric auf kluge, zurückhaltende Art. In Markus Dünner, seit 2002  Kantonsbaumeister, und seinem Team fanden sie die entsprechenden Bauherrenvertreter. Den passenden Entwurf zum notwendig gewordenen Verbindungsbauwerk ermittelte ein geladener Wettbewerb mit Präqualifikation.
Die Aufteilung der schulischen Disziplinen auf mehrere Häuser unterschiedlicher Höhenlagen macht den Schulbetrieb zu einem logistischen Sudoku und bringt in Spitzenzeiten der extra lang angesetzten Pausen ein paar hundert Schülerinnen und Lehrer in Bewegung. Steil und schmal ist das geplante Baufenster über die Strasse nach Arosa hinauf zur Kirche St.Luzi. Was die Architekten Philipp Esch und Stephan Sintzel, die als Sieger dieses  Wettbewerbs hervorgingen, in dieses Hangstück hineinimaginieren, gleicht
der gekonnten Schrittfolge eines eng umschlungenen Tangopaares.
Inspiration holten sie sich bei historischen Referenzen, insbesondere beim Wallfahrtsweg zum Santuario della Madonna di San Luca, ausserhalb Bolognas auf einem Hügel gelegen, einem Landmark von atemberaubender Schönheit. Besagter Wallfahrtsweg verkörpert eine hybride Typologie zwischen Haus und Weg und kommt dem nahe, was ihnen an diesem Ort und für diese Funktion
vorschwebte.

Prekär anmutendes Faltwerk
Den Schülern der Kanti wird einiges an Weg abverlangt, um vom Mathematikunterricht zur Klavierstunde oder zum Physikseminar zu gelangen – zwischen Halde und Plessur liegen rund 500 Meter Weglänge und einige Dutzend Höhenmeter. Umso mehr trachteten die Planer danach, diesen Weg
möglichst geschuützt und abwechslungsreich zu gestalten.
Auch der Bau von Kasper und vor allem das etwas höher gelegene Konvikt von Otto Glaus dienten als Analogien. Diese Bauten sind exemplarisch für Bauen
im geneigten Gelände, sie scheinen geradezu an den Hang gegossen und verbünden sich mit ihm. Eine ähnliche Liaison strebten Esch.Sintzel mit dem Bauwerk für den Verbindungsweg an. Im Berg, am Berg und auf dem Berg wähnt sich der aufmerksame Spaziergänger, die flotte Passantin. Das Ein- und Auftauchen ist gekonnte Inszenierung und vor allem auch bewusste  Zusammenführung der beiden Nutzungsarten: per Treppe oder wem dies  verwehrt ist per Schrägaufzug. Nahezu senkrechte Bruchsteinmauern bilden die
äussere Schicht des teils felsigen Geländes, horizontal durchschnitten von der Strasse nach Arosa, Friedhof und bistümlicher Rebgarten wechseln in der Vertikalen.
Dazwischen drückt sich nun das Betonbauwerk in den Steilhang, taucht ein in ein riesiges Portal, unterwandert sicher die kaschierte Brücke unter der  Landstrasse, dreht sich im erhabenen Raum-Zuschnitt halb um die eigene
Achse, um nach nochmaligem Schwenk in die mit Zwischenpodest versehene Zielgerade einzubiegen.
175 Stufen leichtfüssigen Gehens, das Auge schweift gerahmt über die Stadt, der Wind bläst den Kopf frei, der Körper erhöht den Puls und energetisiert den Geist. Das, was aus dem Fels herausragt, der Betonskulptur aufsitzt und Raum formt, ist ein papierenes, ja prekär anmutendes Faltwerk aus wetterfestem Stahl. Die rostige Metalloberfläche fügt sich bestens in den Hang und spielt die
Dimension des Bauwerkes in der Wahrnehmung herunter. Dies tun auch die eingestanzten Öffnungen, welche an überdimensionale Wabenträger erinnern und Ein- und Ausblicke zulassen. Die Aussteifungen und Knicke in den 12 mm starken Stahlblechen resultieren aus statischer Notwendigkeit und  wasserableitender Funktion. Doppelbödig ist der Deckel und mit Spanten zu einem Kastenträger ausgebildet – so verbirgt sich geschickt die statische Höhe. Wie überhaupt das Überlappen der dünnwandigen Schachtel, deren Anschlussdetails an das Betonwerk, das Herausschälen aus dem Felsen und das Befestigen des Betonraumes von der geglückten Kooperation mit den  beteiligten Ingenieuren, Lüchinger + Meyer, und Zoanni, Büro für  Baumanagement, zeugen.
Innen leuchtet der filigrane, rostige Stahlkörper in hellem, schimmerndem  Weiss, reflektiert das einfallende Licht und die Farben und birgt einen wichtigen psychologischen Aspekt, den der Sicherheit. Das Gehäuse wirkt einladend und befügelt den Schritt. Dem tut es auch das Geländer gleich, das leicht und beinahe textil in der Anmutung aus den Passepartouts blitzt. Das industrielle Produkt, ein handeübliches, perforiertes Blech wird durch die statisch wirksame, wellenförmige Kantung und den zimtfarbenen Anstrich veredelt. Im hölzernen Handlauf ist auf der Unterseite ein LED-Lichtband integriert; die dezente Illuminierung soll auch nachts die suchtfreie Zone garantieren. Einziger Wermutstropfen in der durchdachten Tektonik und Semantik ist die als Säule anmutende Wasserableitung im Eingangsbereich.

Das Werk verdient einen Namen
Die Materialisierung ergibt in Summe einen stimmigen Kanon, wenngleich der Beton nicht, wie von den Architekten vorgesehen, gestockt ausgeführt wurde. Auf Nachfrage antwortet der Kantonsbaumeister: «Neben den technischen Bedenken schienen uns auch die Mehrkosten nicht vertretbar, obwohl die veranschlagten Kosten unterschritten wurden. Wir sind dem Steuerzahler
verpflichtet und wollten die Reserven nicht antasten.» Ob mit oder ohne gestockten Beton, die Verbindung Plessur-Halde von Esch.Sintzel verschränkt das wiederbelebte Ensemble, zu dem auch das stringente Naturwissenschaftshaus von Bearth Deplazes gehört, auf das Vortrefflichste, ist
ein Beispiel angewandter Baukunst trotz hoher Anforderungen und Zwänge und verdient einen Namen. Ich plädiere für den einer grossen Reformerin im Bildungswesen der Schweiz.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

AFO vor Ort

Neues aus Vorarlberg

Do 21. November 2013, ab 16 Uhr

 Vorarlberg Museum

Besichtigung des islamischen Friedhofs in Altach, Führung durch Bernardo Bader, und des vorarlberg museums in Bregenz, Führung durch Andreas Cukrowicz

16 Uhr Treffpunkt in Altach am islamischen Friedhof
17.30 Uhr Weiterfahrt nach Bregenz
18 Uhr Besichtigung des vorarlberg museums

Teilnehmerzahl beschränkt. Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Die Veranstaltung ist ausgebucht.

 

Einladungskarte November

Shigeru Ban

Architekt, Japan

Mi 20. November 2013, 13.30 Uhr im Casino Herisau

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Vortrag und Gespräch mit Hermann Blumer, Holzbauingenieur, Herisau
Moderation Katja Stauber
Apéro riche mit Zeit für Gespräche, auch mit Shigeru Ban und Hermann Blumer

Shigeru Bans Gebäude sind geprägt vom Gedanken der Einfachheit traditioneller japanischer Architektur.
Ban bringt östliche und westliche Bauformen und -methoden perfekt in Einklang: Er übernimmt Elemente aus der klassischen Architektur Japans und interpretiert sie mit westlichen Einflüssen neu. Die Zeitschrift «Time» bezeichnet ihn als einen der bedeutendsten Innovatoren für das 21. Jahrhundert im Bereich der Architektur und des Designs. All seine Konstruktionen stellen nicht glitzernde Fassaden, sondern den Charakter eines Hauses in den Vordergrund. Trägerstrukturen transparent zu machen ist zum Markenzeichen von Shigeru Ban geworden – dabei zählt Shigeru Ban gerne auf Hermann Blumer als Konstruktions-Entwickler für die weitgespannten Holzkonstruktionen.

Anmeldung

Ihre Anmeldung* mit Angabe von Anzahl der Teilnehmer | Vorname & Name der Teilnehmer | Firmenname | Kontakttelefonnumer per E-Mail an
info@nullcreation-holz.ch.
Die Platzzahl ist beschränkt, Anmeldungen werden nach Eingang berücksichtigt und gelten als definitiv, sobald der Unkostenbeitrag auf das angegebene Konto (Création Holz GmbH, 9101 Herisau, IBAN CH83 8101 1000 0088 5678 2) eingeht. Die Anmeldung wird per E-Mail bestätigt. Bitte weisen Sie die Bestätigungs-E-Mail am 20. November am CheckIn im Casino Herisau vor.

50.– pro Teilnehmer. Im Unkostenbeitrag enthalten sind nebst Referat und Podiumsdiskussion die Getränke während der Veranstaltung sowie der anschliessende Apéro.

* Die Anmeldung ist verbindlich. Sie ist jedoch auf eine andere Person übertragbar.

Information Vortrag Shigeru Ban

Putz – Alles ist Material

Andreas Hild, Architekt, München

Mo 4. November 2013, 19.30 Uhr im Forum

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Putz bietet außerordentlich viele Möglichkeiten der Anwendung. Dennoch ist das Material bei Architekten nicht gut beleumundet. Daher kann man beim Arbeiten mit Putz Dinge entdecken, die vielleicht noch niemand beachtet hat. Das macht das Material sehr spannend für uns. Beschäftigt man sich damit, kommt man ganz von selbst auf plastische Experimente. Putz ist nicht nur einfach die glatte Wand, Putz ist eben auch das Vor und Zurück, mit Faschen, Fenstern, Sockeln und all den anderen architektonischen Elementen. Daraus entsteht eine Gliederung. Man muss einfach nur beginnen, das Material ernst zu nehmen und es nicht ausschließlich als Stellvertreter für irgendetwas anderes zu sehen.

www.hildundk.de

Einladungskarte November

Hinter den Geleisen – Themenabend zur Urbanisierung von Bahnhofrückseiten

Podiumsgespräch initiiert vom Stadtplanungsamt, Begrüssung Patrizia Adam, Direktorin Bau und Planung

Mo 21. Oktober, 19 Uhr in der Lokremise

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Referate:
Helen Bisang, Stadtplanerin: Ein Areal nordwestlich des Hauptbahnhofes – der Wandel
Lorenzo Giuliani, Architekt: Potentiale einer Transformation
Walter Siebel, Professor für Soziologie: Was macht eine Stadt urban?
Anschliessend Podiumsgespräch mit den ReferentInnen und Werner Binotto, Kantonsbaumeister und Gerhard Mack, Autor und Journalist, Abtwil
Leitung: Katrin Meier, Leiterin Amt für Kultur Kanton St.Gallen

Stadtspaziergänge und Themenabend werden organisiert in Kooperation mit dem Architektur Forum Ostschweiz und dem Stadtplanungsamt St.Gallen

Stadtplanerisches Unglück mit Seeblick

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Die Wohnüberbauung Birnbäumen ist seit letztem Jahr fertiggestellt. Das Projekt hätte die Stadt exemplarisch verdichten können, ist aber gescheitert. Es ging hier offensichtlich nur um eine ökonomisch maximale Ausnutzung.

 

12. Oktober 2013 von Gerhard Mack

 

Als die St.Galler Bürgergemeinde ihr Stück Land am östlichen Stadtrand zur Bebauung freigab, durfte man eine exemplarische Siedlung erwarten: Zwischen Trogenerbahn und dem Quartier «In den Birnbäumen» aus der Nachkriegszeit sollten 150 stadtnahe Miet- und Eigentumswohnungen erstellt werden, welche die Appenzeller Bahnen mit einer neuen Haltestelle erschliessen würden. Seit letztem Jahr sind die meisten Einheiten bezogen. So gerne man die Überbauung loben würde, so exemplarisch ist ihr Scheitern. Dabei geht es weniger um die einzelnen Bauten als um den städtebaulichen Charakter der ganzen Anlage.

See und Stadt im Blick
Eine zentrale Massgabe für das Projekt ist die Sicht auf den Bodensee und die Stadt. Unterhalb der Bahnlinie sind die Volumen exakt so gestaffelt, dass von fast jeder Wohnung aus beides in den Blick kommt. Dafür hat man vieles in Kauf genommen. Die Blöcke sind mit viel Beton regelrecht in den steilen Hang gestemmt. Wer dort lebt, fährt entweder mit dem Lift in die Wohnung, oder er muss bei den steilen Treppen einen Fitnesstest ab asolvieren. Vor allem aber wurde auf eine übergreifende Planung verzichtet. Statt eines Quartiers gibt es drei Ansammlungen von Häusern. Die Stadt wird von der neuen Überbauung nicht arrondiert.
Doch zunächst ein paar Fakten: Das Gelände aus dem Portfolio der Bürgergemeinde ist in drei Baufelder unterteilt. Jedes hat eine eigene Bauherrschaft, für jedes wurde ein eigener Bautyp und Wettbewerb bestimmt. Die beiden Riegel für das westlichste Feld gab die Helvetia Versicherung St. Gallen in Auftrag, die fünfzehn Winkelhäuser in drei Reihen in der Mitte liess die Reseda Invest AG in Wil von Bollhalder & Eberle planen. In Zone drei trat der Architekt Felix Sigrist auch als Bauherr auf und entwarf eine Zeile aus fünf Mehrfamilienhäusern und zwei Reihen aus je fünf Doppel-Einfamilienhäusern. Dass Sigrist auch die beiden Riegel in Zone eins realisierte, ist das Ergebnis eines Zwists. Der ursprüngliche Wettbewerbssieger Christian Kerez ist nach Unstimmigkeiten mit der Bauherrschaft ausgeschieden. Es gibt keinen über- greifenden Gestaltungsplan, der die drei Baufelder verbindet. Abwechslung heisst hier die Losung, als wäre eine Stadt ein Vergnügungspark.

Extrem verdichtet
Alle drei Baubereiche sind extremverdichtet. Die beiden Riegel sind so gesetzt, dass sie zur Stadt hin sogar als ein überlanges Volumen auftreten. Begründet wurde diese Bauweise mit der Freifläche, die gewonnen wird: Von den 46000 Quadratmetern der Bauzone blieben 17500 unbebaut. Das ist ein stattliches Drittel. Das Freispielen von offenem Raum ist ein gängiges Argument für Verdichtungen. Und wer könnte etwas
gegen Grün in der Stadt einwenden! Doch kommt es auch hier darauf an, wie diese Fläche gestaltet ist, was man überhaupt mit ihr anfangen kann. Bei der neuen  Siedlung ist das nicht eben viel. Wer in diesen Herbsttagen dort herumspaziert, sieht vor allem die Erschliessungsstrasse, eine Sackgasse, die witzigerweise Meienberg- strasse heisst, mächtige Zufahrten zu den Tiefgaragen und leere Grasflächen. Sie sind nach oben durch die Stützmauer zum Bahntrassee begrenzt und wirken zur bestehenden Siedlung «In den Birnbäumen» weiter unten wie ein Überbleibsel der ehemaligen Weide.
Regelrecht unangenehm wird die Leere zwischen den Baufeldern: Das Abstandsgrün sieht so unfreundlich aus wie einst die Grenzstreifen zwischen Nachbarn, die sich nicht leiden können. Das ist nicht schön für Anwohner, die mehr wollen als aus der Tiefgarage mit dem Lift in die Wohnung fahren und den See anschauen.

Städtebaulich misslungen
Das Ganze ist aber vor allem städtebaulich misslungen. Die Stadt franst an dieser Stelle aus, siedlungshistorisch hatte sie hier ihre Grenze. Die alte Birnbäumen-Siedlung endet da, wo der Hang steil wird. Als sie Ende der 40er-Jahre gebaut wurde, hatte man noch Respekt vor der Topographie, teure Hangabstützungen lagen nicht drin. Wenn man sich heute entschliesst, diese prekären Ränder zu nutzen, sollte das die Stadt optimieren.
Das hätte bei der neuen Siedlung vorausgesetzt, dass man freie Stellen da schliesst, wo sie als Zahnlücken empfunden werden. Das gelingt nur, wenn das Stadtgewebe aufgegriffen wird, wie es an der spezifischen Stelle vorhanden ist. Mehrere Instrumente hätten sich dafür angeboten: An einzelnen Stellen hätte sich der vorhandene Bestand durch sorgfältig hinzugefügte Neubauten durchaus verdichten lassen. In der freien Hangzone darüber wäre es möglich gewesen, aus der alten Zeilen- struktur heraus eine neue Siedlung zu entwickeln. Das hätten keine Häuserreihen sein müssen, aber die Fortsetzung der vertikalen Struktur und die Beachtung des Massstabs wären sinnvoll gewesen.

Beispiel Teppichsiedlung
St. Gallen bietet dafür sogar ein Beispiel: Die Teppichsiedlung, die Danzeisen + Voser Ende der 50er-Jahre in St. Georgen am Freudenberg realisiert haben. Auch an diesem Westhang hat die Aussicht eine grosse Rolle gespielt. Das gelungene Beispiel modernen Bauens hat aber im Unterschied zur neuen Überbauung Birnbäumen den Vorteil, dass hier zum einen Privatheit und fliessende Übergänge zwischen aussen und innen zusammengehen. Winkelförmige Häuser sind teilweise miteinander verbunden und schliessen einen Garten ein. Vor allem aber wurde nicht gegen den Hang geplant. Die Siedlung wächst an ihm empor, die Planer räumten ihn nicht weg, um später im Abraumverfahren wieder Volumen anzuschütten.

Betonklötze am Hang
Wer durch die alte Birnbäumen-Siedlung spaziert, sieht am Hang die Betonklötze dräuen, den leeren Raum zu ihnen empfindet man nicht als Respektsdistanz, er wirkt so unangenehm wie eine Landschaft, die plötzlich in einer Senke verschwindet. Die Atmosphäre eines gewachsenen Alltags zwischen den alten Häuserzeilen mutet gegenüber den Neubauten an wie ein Idyll aus vergangenen Tagen. In der neuen Überbauung herrschen dagegen strukturelle Vereinzelung und Anonymität vor, wie sie die Bebauung von Hanglagen landauf, landab bestimmen.
Sicherlich: Die Bewohner der neuen Birnbäumen werden sich arrangieren. Der Ausbaustandard stimmt, die Geldanlage ist solide. Der Stadt St.Gallen haben die Investoren jedoch keinen Gefallen getan. Es ging offensichtlich um eine ökonomisch maximale Ausnutzung. Hier wäre die Stadt gefragt gewesen. Sie hätte es in der Hand gehabt, mit entsprechenden Richtlinien ein Quartier mit Gesicht zu planen und erst dann Investoren zu suchen. Drei Baufelder auszuweisen, in denen diese machen können, was ihnen beliebt, reicht nicht aus. Aber dazu müssten sich die Verantwortlichen auch gegen mächtige Interessen behaupten wollen.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Holz – Material, Holz und Mensch

Bernardo Bader, Architekt, Dornbirn

Mo 7. Oktober 2013, 19.30 Uhr im Forum

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Architektur mit Haltung
Bernardo Bader gelingt, was anderswo längst verloren ist. Die regionale Bindung von Architektur und deren Akzeptanz ohne vordergründige Heimattümelei. Seine Bauten sind virtuos gesetzt, bis in das tektonische Detail hinein durchgearbeitet und handwerklich perfekt ausgeführt. Eindrucksvoll und bei jedem der Bauten variierend, sind die jeweils charakteristischen Beziehungen zwischen den Innenräumen und den Qualitäten der unmittelbaren Umgebung. Sie verorten die Gebäude äußerst überzeugend in der jeweils regional gegebenen architektonischen Grammatik und sind sicher ein Grund dafür, warum sich seine Gebäude aus der Vielzahl gut gemachter Architektur der „Vorarlberger Schule“ heraus heben.
www.bernardobader.com

Einladungskarte Oktober

 

Weniger ist auch hier mehr

Längst nicht mehr in jedem typischen Appenzeller Bauernhaus leben auch Bauern. Das wirkt sich auf die Gestaltung und Nutzung des Aussenraums aus. Das Ausserrhoder Amt für Raumplanung zeigt in einer Broschüre gelungene und missratene Eingriffe.

16. September 2013 von Marina Hämmerle

Im neuen Leitfaden zur Umgebungsgestaltung des Appenzeller Hauses ausserhalb der dörflichen Bauzone finden sich hilfreiche Hinweise zur Pflege des baukulturellen Erbes und dessen Neuinterpretation. Was die sensible Behandlung der Aussenräume ausmacht und welchen Verführungen widerstanden werden sollte, wird dort allseits verständlich illustriert.
Das Heft ist das dritte einer Reihe von themenbezogenen Leitlinien zur Sicherung der Baukultur ausserhalb der Bauzone im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Nach den Erläuterungen zum Umbau/ Ersatzbau des Appenzeller Hauses und zur Errichtung von Landwirtschaftsbauten widmet sich das kantonale Raumplanungsamtinder
jüngst erschienenen Broschüre nun eingehend  dem nicht minder wichtigen Erscheinungsbild des Aussenraums. Die Behörde, allen voran Amtsleiter Gallus Hess, reagiert damit auf das Bedürfnis nach einer intensiveren Nutzung der Hausumgebung
durch die Bewohner.

Inszenierung statt Bepflanzung
War das typisch appenzellische Gehöft zur Zeit seiner Errichtung noch in bäuerlicher Hand und landwirtschaftlich genutzt, sind heute ruhesuchende Stadtflüchtige, Liebhaberinnen historischer Bausubstanz oder Hoferben, die oft nicht mehr der  Arbeit ihrer Vorfahren nachgehen, die Pfleger und Nutzerinnen solcher Anwesen. Sowenig Zeit den Bauern vor der agrarischen Industrialisierung neben ihrer  tagfüllenden Beschäftigung mit Feld und Vieh blieb, so wenig hielten sie sich zur Entspannung und Musse rund ums Haus auf. Das, was drum herum gepflanzt wurde, diente vorderhand zum Schutz und Nutzen. Die angelegten Zufahrten und Wege  genügten in Kies oder mit halbbefestigtem Untergrund und waren so klein wie nötig gehalten. Heute weichen die sparsam gesetzten Elemente, welche das Haus wie beiläufig flankieren und in seiner ganzen Erscheinung wirken lassen, oft einem dazu entgegengesetzt angelegten Bild der Fülle. Aus der mit Bedacht und Logik  entstandenen Bepflanzung wird zunehmend Garteninszenierung, und aus den nahezu unmerklichen Terrainanpassungen ums Haus werden da und dort wehrhafte Terrassenanlagen. Die Veränderungen in seinem Heimatkanton veranlassten den jungen Landschaftsarchitekten Roman Häne, eine Masterarbeit zum Thema zu verfassen. Diese diente als Grundlage für die Erarbeitung der neuen Broschüre, wie denn die passende Gestaltung um Haus und Hof gelänge.

Angemessen und einfach
Ein kräftiger Laubbaum, wie Linde, Esche oder Bergahorn, macht auf der Westseite den Wetterbaum. Der Trüeter, der Spalierbaum an der wärmenden Hauswand, erbringt Äpfel oder Birnen, der südseitige Holunderbusch liefert Material für Sirup und Marmelade, und das Strussgstell holt Blumenpracht ins Wohn- und Schlaf- zimmer. Abgesetzt vom Haus ein Geviert für Gemüse, Beeren und Blumen, umzäunt mit Holzlatten und oft flankiert von einem Brunnen. Die Buschhecken in der freien Landschaft aus Schwarzdorn, Schneeball oder Esche bilden kleine  landschafts-strukturierende Zeilen, halten den Wind ab und liefern Früchte. Soweit zum ursprünglichen Flora-Inventar.
Meist liegen die typischen Appenzeller Häuser ausserhalb der Bauzone in geneigtem Gelände, laufen die satten Wiesen bis an die Hauswand. Die Zufahrten sind klein und unscheinbar gehalten, die Wendeplätze nötig, die Geländeveränderungen gering – das Haus tut es der Kuh gleich und liegt satt in der Wiese. Entsprechend der selbstverständlich wirkenden Plazierung des Hauses im Gelände bleibt bei ursprünglichen Höfen auch die Gestaltung des Umfeldes angemessen und einfach.

Anbau statt Wetterbaum                                                                                                            Von Altstätten kommend erreicht die Reisende Ausserrhoden über den Stoss. Erstes Einbremsen. Unweit der Schlachtkapelle – zur Erinnerung an den legendären
Sieg der Appenzeller über die übermächtigen Truppen der Habsburger errichtet – liegt ein Gehöft wie aus dem Bilderbuch. Die beschriebenen Attribute alle da und nachvollziehbar, die Idylle wirkt. Eine junge Nichtbäuerin geniesst die Spätsommersonne vor dem Haus. Zweihundert Meter weiter ein Haus gleicher Typologie – doch welcher Unterschied! Der Wetterbaum ist einem niedrigen Anbau mit grossen Fensterflächen gewichen, die ebene Terrasse ermöglicht ein Mauerwerk aus grossen Bruchsteinen, eine mächtige Blautanne setzt südseitig einen Akzent abseits des lokalen Kolorits. Fehlt nur noch die Thujahecke, hinter der sich die Bewohner verschanzen können. Verfremdung? Entfremdung? Was mit der Fehlinter- pretation von historischer Bausubstanz beginnt, endet meist im Unverständnis für Gelände, Materialien und Bepflanzung.
Der Leitfaden des Raumplanungsamtes liefert hierzu nicht nur anschauliche grafische Illustrationen, sondern bebildert das Beschriebene auch mit Fotografien von  Beispielen. Einfach und verständlich erläutert das Diagramm die Skala von plus bis
minus. So einfach, dass man sich wünschte, dies wäre auch Gegenstand von  kultureller Bildung an heimischen Schulen und würde potenziellen Bauherren zuteil. Die Hoffnung ist gross, dass viele dieser Häuser neuen Nutzungen zugeführt werden und revitalisiert für weitere Generationen erhalten blieben. Denn was sich in den Siedlungsräumen an Neuem türmt, kann sich oft nicht mit der Einfachheit und inneren Logik messen, welche den typischen Appenzeller Häusern innewohnt.

Leicht und unaufdringlich
Offensichtlich werden Neubauten, Einfamilienhäuser wie Wohnüberbauungen, von anderen Bildern geprägt, spiegeln diese nicht mehr die verschränkte Beziehung von Mensch und Natur wider, wie sie beim Landwirt und seinemHof zu erkennen ist. Heute wird oft Hand angelegt am Terrain, am gemauerten Cheminée, der Umfrie- dungsmauer aus Granit und den Pflanztrögen mit Koniferen.
Hier verweist die Broschüre die allzu Gestaltungsfreudigen auf die Leichtigkeit und Unaufdringlichkeit von mobilem Garteninventar wie stapel- und klappbaren Sitzmöbeln aus Holz und einfachen Sonnenschirmen, die bei Bedarf aufgerichtet  werden. Wird eine befestigte Terrasse gewünscht, lässt sich diese auch in Holz ausführen oder tut der gekieste Rangierplatz vor dem Haus seinen Dienst. Selbstver- ständnis statt Selbstverwirklichung.
Die von Roman Häne für das Raumplanungsamt des Kantons Appenzell Ausserrhoden verfassten Anleitungen zur verträglichen Umgebungsgestaltung beschränken sich nicht nur auf diesen Haustypus. Genauso gut liessen sich diese in Innerrhoden und im Toggenburg anwenden. Ist zu hoffen, dass das Heft inmöglichst vielen Amtsstuben der Ostschweiz in die Hände von Bauwilligen gerät, um das gängige Baumarkt-Do-ityourself-Bild ein wenig zu korrigieren. Denn weniger ist auch hier viel mehr.

FSAI@AFO – Planen – Bauen – Politisieren

Einführung Herbert Oberholzer, Architekt, Rapperswil

Mo 16. September 2013, 19.30 Uhr im Forum

Podiumsdiskussion zum Thema Planen – Bauen – Politisieren mit:
Robert Albertin, Gemeinderat und Architekt, Haldenstein;
Markus Bollhalder, Kantonsrat und Architekt, St. Gallen;
Martin Klöti, Regierungsrat und Landschaftsarchitekt, St. Gallen

Mit kurzer Einführung zur Ausstellung von Andrea Vogel.
www.fsai.ch

 

Nenn mich nicht Stadt!

Filme zum Thema der laufenden Ausstellung

Oktober 2013 im Kinok

Manhatten

Sa 5. Oktober, 19.15 Uhr | Di 15. Oktober, 18.15 Uhr

Urbanized

Di 8. Oktober, 18.30 Uhr | So 27. Oktober, 20 Uhr

Metropolis (restaurierte Fassung)

Fr 11. Oktober, 19 Uhr | Di 29. Oktober, 19.30 Uhr

True Stories

So 13. Oktober, 20 Uhr | Di 22. Oktober, 20.30 Uhr

Helsinki, forever

Do 17. Oktober, 17 Uhr | Mi 30. Oktober, 20.30 Uhr

Auf- und Abbruch in St. Güllen

Mi 23. Oktober, 20.30 Uhr

Kurz in die Stadt – Kurzfilmprogramm

Fr 25. Oktober 19.30 Uhr

Kinok Oktober 2013

Kinok Oktober 2013

Stadtspaziergänge

organisiert in Kooperation mit dem Architektur Forum Ostschweiz und dem Stadtplanungsamt St. Gallen im Rahmen der Ausstellung:

Nenn mich nicht Stadt ! des Kunstmuseums St. Gallen

 

Treffpunkt in der Lokremise

Di 3. September, 19 Uhr
Helen Bisang, Raumplanerin, Leiterin des Stadtplanungsamts St.Gallen
Doris Königer, Architektin, Mitglied des Stadtparlaments St.Gallen

Di 10. September, 19 Uhr
Werner Binotto, Kantonsbaumeister St.Gallen
Edgar Heilig, Kunsthistoriker, St.Gallen

Di 17. September, 19 Uhr
René Hornung, Journalist St.Gallen
Ulrich Vogt, Architekt und Kurator Zeughaus Teufen

Di 24. September, 19 Uhr
Katrin Eberhardt, wissenschftliche Mitarbeiterin der städtischen Denkmalpflege
Peter Roelllin, Kunstwissenschaftler

Farbe – Licht- und Schattenfarben für die Architektur

Katrin Trautwein, Farbmanufaktur kt.COLOR, Uster

Mo 2. September 2013, 19.30 Uhr im Forum

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Farbe erleichtert die Objektwahrnehmung. Angesichts der grossen Anzahl von möglichen Farben muss man sich fragen, ob jede Farbe gleichermassen nützlich ist und, wenn nicht, welchen Farben man den Vorzug geben sollte?
Unsere Erforschung der Le Corbusier-Farben zeigte, dass die Wirkung einer Farbe in Licht und Raum vom eingesetzten Pigment abhängig ist. Elfenbeinschwarz rückt eine Fläche in den unergründlichen Hintergrund, Russschwarz nicht. Durch die Wahl der richtigen Farben und Farbpigmente wird eine Architektur in ihrer Formsprache brillieren. Farbpigmente von Weiss bis Schwarz führen das Licht durch den Bau. Denn Farbe ist Material.
www.ktcolor.ch

Veranstaltungssponsor: www.domusag.ch

Einladungskarte September

ArchitekTour

Kopenhagen

Mi 28. August bis So 1. September 2013

Schauspielhaus Kopenhagen

Die Kleine unter den Grossen: Kopenhagen ist eine Stadt voller Gelassenheit und Beschaulichkeit.
Die Hauptstadt des Königreiches Dänemark, des ältesten der Welt, ist die facettenreichste Grossstadt Skandinaviens und eine wichtige Kulturmetropole in der Region. Auch wenn sie keine Weltstadt ist, bietet Kopenhagen eine bunte Mischung aus Kunstmuseen, ausgefallenen Geschäften, Spitzenrestaurants und Szenekneipen. Da die Stadt im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde, findet man überall im Zentrum Prachtbauten aus der Ära König Christian IV. – die einmalige Warenbörse, den kuriosen runden Turm sowie zahlreiche Schlösser. Hier ist alles überschaubar, was man nicht bequem zu Fuss erreichen kann, erreicht man in kurzer Zeit per Velo, Bus oder Metro. Malerische Kanäle durchziehen die Altstadt, vor allem in Christianshavn. Aber nirgendwo ist Kopenhagen lebendiger als am Nyhavn, einem kleinen Stichkanal, der im 17. Jahrhundert als Hafenerweiterung angelegt wurde und den heute eine bunte Kneipen- und Restaurantzeile säumt.

Kosten für Mitglieder 1250 Fr (Nichtmitglieder 1350 Fr),
inklusive Flug mit Swiss, Hinflug: Mi 28.8.2013, 17.25–19.15 Uhr,
Rückflug: So 1.9.2013, 14.45–16.35 Uhr
4 Übernachtungen mit Frühstück im Hotel Wakeup Copenhagen (www.wakeupcopenhagen.com) im DZ (EZ-Zuschlag: 200.–),
Velomiete 2 Tage, ÖV, Führungen und Eintritte

Das Detailprogramm ist in Bearbeitung und wird den Teilnehmern bei der Abreise abgegeben. Teilnehmerzahl min. 18, max. 23 Personen.
Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt. Versicherung und ggf. Reiserücktrittsversicherung sind Sache des Teilnehmers. Änderungen bleiben vorbehalten.
Anmeldung mit vollständigen Angaben (s. Anmeldekarte unten) bis 10. Mai 2013 an kopenhagen@nulla-f-o.ch oder per Fax an 071 223 49 74

Veranstaltungssponsor: domus, Republic of Fritz Hansen

Anmeldekarte ArchitekTour Kopenhagen (ausgebucht)

KABE Architekturvorträge 2013 – Polychromie Le Corbusier

Maria Zurbuchen-Henz, Architektin, Lausanne

Mo 26. August 2013, 16.00 Uhr, Lokremise, St.Gallen

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Die Karl Bubenhofer AG lädt Architekten und Farbeninteressierte zum KABE Architekturvortrag 2013 in die Lokremise, St. Gallen, ein.
Maria Zurbuchen-Henz, dipl. Architektin ETH BSA SIA und ehemalige Assistentin von Arthur Rüegg, bringt anhand eines geschichtlichen Abrisses und konkreter Objektbeispiele die Einzigartigkeit und Faszination der Corbusier-Farbtöne näher.
www.kabe-farben.ch

Anmeldung mit Angabe des Namens, der Adresse und der Personenzahl bis 21. August 2013 unter: baubuero@nullkabe-farben.ch
Teilnehmerzahl beschränkt. Die Anmeldung wird von KABE-Farbenper E-Mail bestätigt

Einladungskarte August

Tage des Denkmals – Beleuchtung am historischen Bauwerk

Vortrag von Gallus Zwicker, Lichtgestalter, St.Gallen

Mo 26. August 2013, 19.30 Uhr im Forum

Villa Chruezacker, Zwicker Licht

Licht dient als wesentliches Element der Architektur. Dadurch muss die Beleuchtung beim Erhalt des kulturellen Wertes und der geschichtlichen Identität eines Denkmals berücksichtigt werden. Die Kunstlichtplanung im historischen Bauwerk zielt auf die Authentizität der Lichtführung und der Beleuchtungskörper ab. www.zwicker-licht.ch

In Zusammenarbeit mit der Kantonalen Denkmalpflege im Rahmen der Europäische Tage des Denkmals

7./8. September 2013
www.hereinspaziert.ch

Einladungskarte August

Neuer Geist im alten Kleid

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Durch eine sorgfältige Sanierung konnte die St. Galler Primarschule Feldli für heutige Anforderungen ausgerüstet werden und ihren ursprünglichen Charakter dennoch bewahren.

 

15. August 2013 von Gerhard Mack

 

Die Primarschule Feldli ist ein Juwel: Mitten im St.Galler Sömmerli- Quartier bietet sie eine Oase des kreativen Lernens. Vier längliche Riegel lagern sich schützend um einen Hof wie die Häuser eines Dorfes um den zentralen Platz. Der Haupttrakt nach Norden, etwas tiefer zwei Quader nachWesten und Osten. Und weiter unten als südliche Begrenzung des Hofes die Turnhalle und der Kindergarten. Jeder Trakt hat seinen eigenen Charakter, alle sind sie in denselben klaren Formen aus wenigen Materialien gebaut. Die Querwände sind aus Backstein, dazwischen ziehen sich Bänder aus Betonbrüstungen und Fenstern. Die schmalen weissen Holzrahmen verströmen mit dem Rot der Mauern unbeschwerte Heiterkeit. Die flachen Dächer und die verglasten Zugangstreppen lassen eher an sommerliche Pavillons als an Schulbauten denken. Hier hört man morgens Kinder lachen.

Jedem Schulzweig sein Gebäude
Dass die Kinder dieses Idyll heute erleben können, verdankt sich einer ungewöhnlichen Entscheidung und der Hartnäckigkeit eines Architekten. Denn die Schule war in die Jahre gekommen. Sie wurde 1957 eröffnet und entsprach längst nicht mehr dem, was heute von einer solchen Anlage erwartet wird: Lehrpläne erfordern Gruppenräume, die Schule muss behindertengerecht und technisch auf  dem neusten Stand sein. Beim Energieverbrauch erwartet die Stadt die Erfüllung des Minergie-Labels, und Erdbebensicherheit sollte ebenfalls nach heutigen Massgaben gewährleistet sein. Eine Sanierung in den Neunzigerjahren hatte manches eher verschlimmert als verbessert. Also vergab die Stadt St. Gallen Mitte der Nullerjahre Studienaufträge für eine grundsätzliche Erneuerung der Anlage.
Dabei war der Bauherrin die baugeschichtliche Bedeutung der Schule bekannt. Sie sollte ins Inventar der schützenswerten Bauten der Stadt St. Gallen aufgenommen werden. Nicht nur, weil der Architekt ein St. Galler war. Eduardo Del Fabro war in der ganzen Schweiz ein wichtiger Vertreter des Neuen Bauens, der sich bald auf den Schulhausbau mittels niedriger Pavillons spezialisierte, wie sie für die 1950er Jahre typisch waren: Im Feldli erhielt jeder Schulzweig sein eigenes Gebäude, die Kinder konnten ihre ersten 15 Lebensjahre als einen Umzug von einem Gebäude ins nächste erleben. Die Bauten waren wie Lebensstationen.

Bestehende Räume neu nutzen
Als einziges Büro des Wettbewerbs schlug der St. Galler Andy Senn 2006 vor, den erweiterten Raumbedarf in den bestehenden Räumen und die gestiegenen technischen Anforderungen unter Erhaltung der historischen Substanz der Anlage zu erfüllen. Dass die Jury sich für ihn entschied, kam einem Manifest gleich: In der Stadt mit dem Weltkulturerbe Stiftsbezirk wurde die Erhaltung eines baugeschichtlichen Zeugnisses der Moderne so ernst genommen, dass man versuchen wollte, die notwendige technische Aufdatierung in der ursprünglichen Struktur durchzuführen.
Möglich gemacht wurde das durch einen unvoreingenommenen Blick auf das Potenzial des Gebäudes und die Anforderungen der Bauherrin. Das begann beim Raumprogramm. Warum muss man einen erhöhten Raumbedarf mit Neubauten befriedigen? Könnte man nicht auch die bestehenden Räume neu nutzen? fragte Andy Senn und fand eine Fülle von Möglichkeiten: So wurde die ehemalige Schulküche in eine Aula umfunktioniert, aus dem Andachtsraum wurde eine helle Bibliothek. In der alten Hauswartwohnung hat die Schulleitung ihre Räume  gefunden.Wo einmal neben dem Eingang zum Nordtrakt der Hort war, haben heute die Lehrer ihr Zimmer. Und vor allem sind die Gruppenräume multifunktional benutzbar.

Isolierglas statt Doppelglas
Diese konzeptuelle Neuausrichtung bewährt sich nicht nur heute, wo auch die Feldli-Primarschule einen Schülerschwund zu beklagen hat. Sie erleichterte vor allem den Umgang mit der historischen Bausubstanz bei der technischen Aufrüstung der Anlage. Minergie-Standard war seitens der Stadt Voraussetzung, Andy Senn erreichte die Drosselung des Energieverbrauchs aber auf eigene Weise. Minergie ist ein privates Label der Bauwirtschaft, das den Verkauf von Dämmprodukten und heiz- technischen Anlagen fördert und dort die Stimmigkeit von Bauten zerstört, wo seine Verfahren ohne Bezug zum spezifischen Ort reflexhaft angewendet werden. Eine der Qualitäten der Sanierung der Feldli-Schule ist es, dass sie vorführt, wie man durch einen Dialog mit dem spezifischen Gebäude auf andere Weise genauso gut Energie sparen kann. Statt die Glasfronten durch dicke Kunststoff- oder Metallrahmen zu ruinieren, liess Senn die inneren Scheiben der Doppelverglasung durch Isolierglas ersetzen und von Schreinern fachgerecht einfügen. Die äussere Schicht blieb erhalten und bewahrt mit ihrem gezogenen Verlauf die Gebäude vor der blauen Spiegelung heutigen Glases. Zur Einsparung von 50 Prozent des Energieaufwandes trugen ebenso die Isolierung der Fensterbrüstungen und Flachdachdecken bei. Die Lüftung, die das Minergielabel zwingend vorschreibt, ohne dass ihr Sinn erwiesen ist, wurde in bestehende Einbau- möbel integriert.

Statischer Verbund
Die technische Aufrüstung der Schulräume gelang ohne Veränderung des Gesamt- eindrucks. Sogar Lifte liessen sich einbauen. Am spektakulärsten ist sicherlich der Eingriff zur Erhöhung der Erdbebensicherheit im Westtrakt, dessen Decken an vier Stellen auf unverbundenen Querwänden aufliegen. Statt nun Fensterbänder zuzubetonieren, wie dies ein Statiker vorgeschlagen hatte, entwickelte der Ingenieur Jürg Conzett ein System aus zwei vertikalen Betonplatten an der äusseren Stirnseite, Betonzügen im Keller und Verbindungen zwischen Wänden und Decken in den  betroffenen Schulzimmern. So entstand ein statischer Verbund, der die Kräfte auch bei maximaler Erschütterung ableitet. Diese Verbindungsstücke sind vom Künstler
Michel Pfister als schuhartige Objekte gestaltet. Eine beispielhafte Verbindung von Ingenieurstechnik und Kunst am Bau!

Aufgefrischt und ergänzt
Sensibilität für das Gebäude äussert sich auch im Materialbewusstsein: Wo Back- steine ausgewechselt werden mussten, wurden solche mit ähnlicher Lebendigkeit
verwendet. Vorhandenes Mobiliar hat man ebenso aufgefrischt und ergänzt wie die Türblätter mit ihrer einzigartigen Beschichtung, wie Garderoben und Brünneli, Terrazo-Böden und Pavatex-Deckenverkleidungen in den Treppenaufgängen. Die Beleuchtung ist mit neu entwickelten Punktlichtern an den ursprünglichen Zustand angenähert. Die Turnhalle erhielt ihre Südwand aus Glasbausteinen und klappbaren Holzfenstern zurück, die in den Neunzigerjahren durch zeitfremde Materialien ersetzt worden waren. Subtiler, überzeugender kann ein Manifest für sachgerechten Umgang mit historischen Bauten nicht werben.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Museumsnacht – Oben durch – Unten durch

Städtische Ausstellung, Installation von Andrea Vogel

Sa 7. September 2013, 18–01 Uhr im Forum, mit Barbetrieb

Andrea Voegel

Nastro segnaletico nennt man das rot-weisse Absperrband in Italien, das wichtiger Bestandteil von Andrea Vogels Installation im Ausstellungsraum des Architekturforums Ostschweiz ist. Auf dieses ungewöhnliche Material ist die 1974 geborene Künstlerin während ihres letztjährigen Atelieraufenthaltes in Rom gestossen. Das schmale Band lässt nichts Gutes erahnen. Blutrot und kreideweiss gestreift signalisiert es: Achtung Gefahr, kein Durchgang, Vorsicht Hindernis. Das rot-weisse Absperrband markiert auf der ganzen Welt Bereiche, die man besser nicht betreten sollte. Während ihres Atelieraufenthaltes in Rom im Winter 2012 fand die St. Galler Künstlerin Andrea Vogel gleich eine ganze Rolle davon und begann fasziniert, mit dem Material zu experimentieren. Sie bediente sich dabei der Technik des Webens, mit welcher sie sich schon während ihrer Ausbildung zur Textilentwerferin beschäftigt hatte. Die verwebten Plastikbänder verwendet Andrea Vogel nun, um in einer raumgreifenden Installation die ambivalente Bedeutung von Grenzziehungen erfahrbar zu machen. Grenzen können trennen und ausgrenzen – Grenzen zu setzen und die eigenen Grenzen zu spüren, ist jedoch auf der individuellen Ebene unerlässlich. Grenzen machen aber auch neugierig, weil man wissen möchte, was sich jenseits davon befindet und haben für jene, die sie überschreiten, den Reiz des Verbotenen.

23–01 Uhr

Konzert KLANGFORSCHER Live in Installation

Ticket 20.– für Eintritt in alle beteiligten Museen und Shuttlebusse
www.museumsnachtsg.ch

Ausstellung: 6. bis 29. September 2013
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Nenn mich nicht Stadt – Künstlerische Positionen zur Urbanität heute

Ausstellung des Kunstmuseums St. Gallen in der Lokremise

17. August – 10. November 2013, Mo – Sa 13 – 20 Uhr, So 11 – 18 Uhr in der Lokremise St.Gallen

Altötting, Hamburg, Berlin, New York, São Paulo… Nenn mich nicht Stadt! Der Titel der thematischen Ausstellung, einem grossformatigen Gemälde des in Berlin lebenden Künstlers Franz Ackermann (*1962) entliehen, mag Ausdruck sein für die Sehnsucht nach einer andern Welt jenseits der überbordenden Signaletik urbaner Metropolen, der ausufernden Megacities, des Unterwegs Seins zwischen politischen und ökonomischen Zentren, der Erfahrungen von Rast  und Ortlosigkeit in einer globalen Welt. Vielleicht ist Nenn mich nicht Stadt! auch Bekenntnis zur metropolitanen Wucherung, ein sachliches Registrieren des Existierenden, eine Phantasie zum Spektakel grenzenloser Urbanität? Oder ein Essay zum Fremdsein im grossstädtischen Umfeld?

Die Ausstellung findet bewusst in der Lokremise statt, einem Brennpunkt der Stadtentwicklung mitten in St.Gallen. Dennoch will die Ausstellung inhaltliche Fragestellungen nicht illustrieren, sondern künstlerisch Position beziehen zu aktuellen Diskursen. Im Zentrum stehen Werke, die im räumlichen Dialog miteinander um Themen wie Urbanismus und deren existentielle Dimensionen kreisen: Nenn mich nicht Stadt! – ein visueller Diskurs zur Stadt von heute.

Kurator Konrad Bitterli

Eintritt 5,–/ Kombiticket Lokremise und Kunstmuseum 14,–
Freier Eintritt für Mitglieder des Kunstvereins St.Gallen

www.kunstmuseumsg.ch

Öffentliche Führungen

So 18. August, 13 Uhr mit Konrad Bitterli, Kurator
Di 27. August, 18.30 Uhr
So 13. Oktober, 13 Uhr
So 10. November, 13 Uhr mit Bettina Wollinsky, Kunstvermittlerin

Kunst über Mittag

Fr 4. Oktober, 12.30 Uhr mit Bettina Wollinsky, Kunstvermittlerin

Stadtspaziergänge

Treffpunkt in der Lokremise

Di 3. September, 19 Uhr
Helen Bisang, Raumplanerin, Leiterin des Stadtplanungsamts St.Gallen
Doris Königer, Architektin, Mitglied des Stadtparlaments St.Gallen

Di 10. September, 19 Uhr
Werner Binotto, Kantonsbaumeister St.Gallen
Edgar Heilig, Kunsthistoriker, St.Gallen

Di 17. September, 19 Uhr
René Hornung, Journalist St.Gallen
Ulrich Vogt, Architekt und Kurator Zeughaus Teufen

Di 24. September, 19 Uhr
Katrin Eberhardt, wissenschftliche Mitarbeiterin der städtischen Denkmalpflege
Peter Roelllin, Kunstwissenschaftler

Vortragsabend

Mo 21. Oktober, 19 Uhr in der Lokremise
mehr Infos

Stadtspaziergänge und Vortragsabend werden organisiert in Kooperation mit dem Architektur Forum Ostschweiz und dem Stadtplanungsamt St. Gallen

 

Neue Geschäftsstelle beim Architektur Forum Ostschweiz

Generationenwechsel im Vorstand und neue Kontaktdaten

An der letzten Hauptversammlung hat das Architektur Forum Ostschweiz einen Wechsel im Vorstand beschlossen. Mit Hans Ruedi Stutz und Daniel Walser treten zwei Figuren zurück, die das Forum über 16 Jahre lang geprägt haben. Neu werden die Aktivitäten des Forums in drei Ressorts geführt: Johanna Deinet übernimmt das Ressort Auftritt, Sabine Hutter das Ressort Programm und Francesco Bartolomeoli das Ressort Ressourcen.

Die Geschäftsstelle wird von Marion Pohlke geleitet. Sie wickelt Zahlungen und Termine ab, koordiniert die Vermietung und Belegung des Raumes und ist erste Anlaufstelle für Kontakte mit dem Architektur Forum Ostschweiz. Sie ist wie folgt zu erreichen:

Architektur Forum Ostschweiz
Davidstrasse 40
Postfach
9004 St.Gallen

Telefon 076 345 16 93
Email info@nulla-f-o.ch

Kultiviert, klug und leise

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Der Trutg dil Flem verbindet das Dorf Flims mit dem Segnespass. Mit Können und Gespür hat Jürg Conzett in die Natur eingegriffen und im Verlauf des Wanderwegs sieben Brücken gesetzt. Ingenieurskunst und Landschaft ergänzen sich in faszinierender Weise.

 

7. Juli 2013 von Marina Hämmerle

Was hat Peter Maffay mit Baukultur zu schaffen? Er besingt etwas, das oberhalb von Flims Wirklichkeit wurde: sieben Brücken zu begehen.
Denn sieben neue Brücken verbinden den Weg von der Talstation der Bergbahnen bis hinauf zum oberen Segnesboden. Dass der Wanderweg nach über fünf Jahren Planung erfolgreich umgesetzt werden konnte, ist ein paar Schlüsselpersonen zu verdanken. Wäre nicht Guido Casty in seiner Funktion als Gemeinderat für den Tourismus zuständig gewesen, fehlte der Impulsgeber. Als Wirt in dritter Generation weiss er nur zu gut um die Bedeutung exklusiver touristischer Anziehungskräfte. Was also könnte das Profil einer Gemeinde schärfen, die ihr Sommergeschäft wieder in Gang bringen möchte? Wie lösen sich die Konflikte zwischen waghalsigen Mountainbikern und Musse suchenden Bergwanderern? Und wie lässt sich der in Flims nach wie vor gepflegte diskrete Charme in einem neuen touristischen Konzept erkennen?

Die Landschaft als Kapital
Die Zauberformel lag darin, die bestehenden Gebirgsrouten zu entflechten und den vielfältigen, teils spektakulären Landschaftsraum entlang der Flem zu erschliessen. Was vormals Jägern und Ortskundigen vorbehalten war, sollte nun auch wandernde Gäste und interessierte Ansässigen erbauen. Wertschätzung für die Natur prägt diese Vision von Guido Casty und einigen Mitstreitern, die er alsbald im Gemeinderat und in Flimser Bürgerinnen und Bürgern gefunden hatte, und die Erkenntnis, dass im Landschaftsraum das wahre Kapital von Flims liegt und zukunftsträchtiger Tourismus dies zum Inhalt hat. Postuliert der Architekt Luigi Snozzi seine Liebe zur Stadt mit dem Aphorismus «Jeder bauliche Eingriff bedingt eine Zerstörung: Zerstöre mit Verstand!», so gilt dies doppelt und dreifach für das Bauen in der Landschaft, das Bauen in den Alpen.
Beim Bau des Wasserwegs und seinen sieben Brücken über den Flem, walteten Achtsamkeit und Angemessenheit. Womit der zweite Protagonist ins Blickfeld rückt: Der Ingenieur Jürg Conzett. Anfänglich wollte der gestaltungssinnige Gemeinderat Casty den in Flims ansässigen Valerio Olgiati für die Brücken gewinnen; dieser verwies ihn jedoch auf Jürg Conzett, welcher bei der Architekturbiennale 2011 in Venedig als Aushängeschild schweizerischer Ingenieurskunst sein umfangreiches Oeuvre auf diesem Gebiet ausbreiten konnte. Überzeugungsarbeit für die Bauaufgabe musste beim Planer keine geleistet werden, galt es doch, gemeinsam einen Schatz zu heben.
Bleiben wir bei Snozzi, so kommt noch die Lesart des Ortes ins Spiel. Diese Fähigkeit haben Conzett und sein in Chur ansässiges Büro schon mehrfach unter Beweis gestellt, wie beim Traversina-Steg oder der Punt da Suransuns. «Die Hauptsache ist der Weg, die Brücken sind nur das Tüpfelchen auf dem i», sagt Jürg Conzett bescheiden. Schliesslich sind rund 75 Prozent des Weges neu gelegt und bedurften unzähliger gemeinsamer, aufwendiger Erkundungen und Begehungen.

Inszenierter Weg
Der spektakuläre Naturraum entlang der Flem ist einem gewaltigen Felssturz vor 12000 Jahren geschuldet. So wie der Rhein bahnte sich der Flem seinen Weg durch die Geröllhalden und schwemmte mit der unbändigen Kraft des Schmelzwassers Räume von berückender Schönheit aus dem Fels.
Tastend entlang der Kante, durch tiefe Einschnitte und während der Schneeschmelze von Gischt und Getöse gezeichnete Schluchten führt der Weg auch über sanfte, blumengespickte Wiesen, phonetisch zwischen Fortissimo und Piano oszillierend. Das Alltägliche wird weit hinter sich gelassen, entführt der Weg denn in märchenhafte Abschnitte, besonders wenn man ihn von der Talstation her geht. Die Inszenierung des Weges birgt dramaturgische Qualität, der unruhige zeitgenössische Geist kann sich etliche Höhenmeter und sechzig Minuten lang einstimmen auf die erste Brücke von Jürg Conzett.
Eine einfache Holzkonstruktion ruht auf zwei wohlfeil proportionierten, mit ein paar Stufen versehenen Betonblöcken. Die Wangen aus Föhre, der Steg aus Lärche, die Verbindungen logisch gestaltet, bar jeder Koketterie.
Hebt man den Blick in die Klamm, bleibt er hängen an der gischtumschäumten nächsten Brücke. Dazwischen ein paar in der Schlucht verkeilte Baumstämme, durch das Eigengewicht durchhängend und zerzaust beastet. Vice versa dazu überspannt der zweite Steg in leicht überhöhtem Bogen die achtzehn Meter, welche es hier zu überbrücken gilt.Obenliegende Zugbänder aus Stahl pressen den im Bogen geschlichteten und vermörtelten Valser Gneis zur Form, das filigrane Stahlgeländer tauscht sich aus mit den kahlen, feinen Ästen der umgestürzten Bäume. Rechts und links einer herzförmigen Felsformation ergiesst sich mit unbändiger Kraft der Flem, um lärmend und tosend  unter dem staunenden Wanderer sich hinab zu werfen. Die Synthese aus Architektur, Natur und Technik schwingt im Dreiklang und lässt den Betrachter staunen ob der Schöpfung und des Menschen Fähigkeiten.

An Eleganz kaum zu übertreffen
Es folgen noch drei Holzbrücken ähnlicher Denkart, abgestimmt auf den Ort und den statischen Anforderungen entsprechend verfeinert: Bekommt der Holzkorpus zum einen teleskopartige Streben zur Aussteifung, knickt er zum anderen seine Ausrichtung mitten im Flussbett, um auf den vorhandenen Pfeiler einer eingestürzten Brücke zu reagieren. So schlägt auch der Weg noch ein paar Kapriolen, wechselt die Seiten und die Naturräume und lässt die vielen Höhenmeter stetig und kurzweilig dahinschmelzen. Noch einmal ein Crescendo der Wahrnehmung, wenn der Baukünstler den Gang über eine Reihe von höhlenartigen Auswaschungen mit einer Brücke ermöglicht, die an Feinheit und Eleganz kaum zu übertreffen ist. Das Hinunter und Hinauf im Stegverlauf wird durch die gekröpften Flachstahlprofile und die schmale Planke in Beton zum zeichenhaften Symbol für einen bewussten Übergang. Abschliessend führt der Weg etwas unsicher über einen künstlichen Betonstein elliptischen Zuschnitts, wenig beschürzt durch den einläufigen Holm, und bringt noch eine unerwartete Facette ins Spiel. Auf die Frage nach seiner Lieblingsbrücke, lächelt Jürg Conzett milde, begleitet von einer fast unmerklichen,  verneinenden Kopfbewegung. Eine Lieblingsbrücke habe er keine, denn das Ganze sei schliesslich ein System.

Bilder: Wilfried Dechau ©wilfried-dechau.de

AFO vor Ort – Bauen am Wasser

Besichtigung der neuen Würth-Niederlassung in Rorschach

Do 27. Juni 2013, 17.30 Uhr im Foyer Würth Haus

WuerthNiederlassung

Unverkennbar präsentiert sich der Neubau am Ufer des Bodensees als grünlich gläserne Erscheinung, die zwischen Transparenz und Reflexion changiert und die Besonderheiten des Ortes vielfach wiedergibt. Trotz imposanter Formsprache steht der gläserne Korpus seiner Eleganz in nichts nach und fügt sich als Bindeglied zwischen Wasser und Land harmonisch in den räumlichen Kontext ein: von weitem transparent schimmernd, als spiegle sich das Sonnenlicht an der Wasseroberfläche.

Blicken Sie für einmal hinter die Fassade der neuen Würth-Niederlassung. Wir nehmen Sie mit auf einen exklusiven Rundgang.

17.30 Uhr Willkommenswasser
18 Uhr Begrüssung Urs Neuhauser, Gruppenleitung Jansen AG / Projektpräsentation Matthias Clivio, Gigon Guyer Architekten und Roman Aepli, Aepli Metallbau,
19 Uhr Besichtigung,
20 Uhr Apéro

Anmeldung bis 14. Juni 2013 unter www.jansen.com/bauenamwasser
Teilnehmerzahl beschränkt.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit Jansen AG, Oberriet

Ein neues Kulturquartier für St.Gallen

  • GBO 2013 HB Nord SG
  • GBO 2013 HB Nord SG
  • GBO 2013 HB Nord SG
  • GBO 2013 HB Nord SG

Mit Lokremise und neuer Fachhochschule sind im Stadtteil hinter dem St. Galler Hauptbahnhof zwei Schwerpunkte gesetzt. Die Neugestaltung des Bahnhofplatzes eröffnet die Chance, die Geleise als Spiegelachse statt als trennendes Element zu nutzen.

 

11. Juni 2013 von Gerhard Mack

 

ORT. Es war eine mutige Entscheidung: Als die historische Lokremise hinter dem Hauptbahnhof St.Gallen zur Nutzung frei wurde, entschied Regierungsrätin Kathrin Hilber als Vorsteherin des Departements des Innern, dass der Kanton sie für kulturelle Zwecke erwerben sollte. Zuvor hatte die Galerie Hauser & Wirth den Rundbau ab 1999 gemietet und bis 2004 für Ausstellungen internationaler Künstler genutzt.

In dieser Zeit konnten Besucher erleben, welche Raumqualitäten das zuvor der  Öffentlichkeit nicht zugängliche Gebäude im Innern entfaltet. Es war nicht nur der Groove eines alten, vor sich hin dämmernden Gemäuers, das bis 1911 als ein Pionierbau der Bahninfrastruktur errichtet wurde. Vielmehr bot die 6,5 Meter hohe Halle des grössten erhaltenen Ringdepots der Schweiz einen ungewöhnlichem Zuschnitt und besondere Lichtverhältnisse. Ein Badhaus und ein Wasserturm ergänzten die Lokremise zum Ensemble.

Mehrsparten-Zentrum

Das Projekt des Kantons zur Sanierung dieses Ensembles, das 2008 erfolgreich zur Abstimmung kam, sah vor, den 3000 Quadratmeter grossen Raum für mehrere Nutzungen zugänglich zu machen und nach den jeweiligen Bedürfnissen zu unterteilen. Dabei sollte die originale Atmosphäre der Lokremise soweit erhalten bleiben, wie es die Anforderungen erlaubten. Die architektonische Gestaltung übernahm das Zürcher Büro Isa Stürm & UrsWolff.

Im Zentrum sollte ein Restaurant die Besucher empfangen. Von hier aus konnten diese zum Spielbereich des Stadttheaters, zum Vorführraum des KinoK oder zur Ausstellungsfläche des Kunstmuseums gelangen. Drei zentrale Kulturformen sollten ein attraktives Mehrsparten-Zentrum schaffen, das in die ganze Ostschweiz ausstrahlt. Wie gut das gelungen ist, wissen die jährlich 165000 Besucher der Lokremise.

Stadttor West fehlt

Was das Projekt so zukunftweisend macht, ist aber nicht nur, dass es ein einmaliges Bauwerk für die Zukunft gerettet hat und in sich selbst stimmig ist. Wegweisend ist vielmehr der Impuls, den der Kanton damit für die Entwicklung des Areals auf der Nordseite des St.Galler Hauptbahnhofs gegeben hat. Das Gebiet hat historisch einen schweren Stand: Es ist die Rückseite des Bahnhofplatzes, der mit seinem Ensemble aus den beiden Bahnhöfen und der Post in der Schweiz ein baukünstlerisches Erbe ersten Ranges darstellt. Die Epoche der Stickerei-Zeit, die Schweizer Ausprägung des Jugendstils lassen sich an kaum einem Ort besser erleben als auf diesem Platz. Während hundert Jahre lang den Besuchern diese Visitenkarte der Stadt präsentiert wurde, hat man sich um das, was hinter den Geleisen passierte, nicht wirklich bemüht.

Dort lag ein Hinterhof im doppelten Sinne, wenn man an die Rosenberg- und die St. Leonhardstrasse denkt: Deren Bebauung zeigte zwar den Geist repräsentativer Bürgerlichkeit, sie wirkte aber wenig auf das Gelände zum Bahnhof zurück. Heute ist die Rosenbergstrasse eine Erschliessungsschneise für den Autoverkehr in Ost-West-Richtung. Die Leopard genannte Büroüberbauung zwischen St.Leonhardbrücke und Kreuzung Rosenbergstrasse erfüllt in keiner Weise die Aufgabe eines Stadttors am westlichen Eingang zur Innenstadt.

Konzept entwickeln

Der Ankauf der Lokremise durch den Kanton und ihre kulturelle Nutzung waren ein erster Fingerzeig für ein neues Bewusstsein, das aus diesem Niemandsland einen öffentlichen Ort für die Bürgerinnen und Bürger machen wollte. Hier, mitten in der Stadt, stellte bisher einzig der Hogar Espanol ein gesellschaftliches Angebot zur Verfügung. Dabei ist das Potenzial des Ortes ungleich grösser: Die unmittelbare Anbindung an den Fernverkehr erlaubt es, grosse Personenmengen unkompliziert heranzubringen. Die Nähe der Busse garantiert eine einfache Erschliessung von Stadt und Agglomeration. Genutzt hat diese vorteilhafte Lage erneut der Kanton, als er beschloss, die Bereiche der Fachhochschule hier zu konzentrieren. 3000 Studierende und viele Angestellte kommen täglich hierher und beleben eine bisherige  Schattenzone der Stadt.

Man mag nun einwenden, dass der gut 123 Millionen teure Bau von Giuliani-Hönger Architekten aus Zürich als solcher seine Qualitäten vor allem nach innen entfaltet, während er nach aussen mit dem breiten fünfgeschossigen Leib und einem leicht gedrehten Turm eher abweisend wirkt: Er drängt in die Breite und bietet in die Höhe keine attraktive Fassade, die mit dem Rathausturm auf der anderen Seite des Bahnhofs in einen lebendigen Dialog treten würde.

Gewiss hätte sich durch die Gestaltung des Erdgeschosses mit Shops und weiteren gastronomischen Angeboten die Rosenbergstrasse deutlicher als öffentlicher Raum animieren lassen. Man sollte solche Einwände aber nicht überbewerten.  Entscheidend ist, dass es hier gelungen ist, einen zentrumsnahen Raum für eine öffentliche Nutzung zu retten.

Das derzeit freie Gelände gehört ebenfalls dem Kanton. Er hat es auf zwanzig Jahre den SBB für einen Park & Ride Parkplatz vermietet. Das ist zum heutigen Zeitpunkt vielleicht sinnvoll, es bietet aber auch Raum für weitere Entwicklungen. Voraussetzung dafür ist, dass die öffentliche Hand, der Kanton und die Stadt, ein Konzept für das gesamte Areal entwickeln und die öffentlichen Räume definieren, bevor man die Unterstützung privater Investoren sucht.

Spiegeln statt trennen

Wird dies versäumt, muss man herbe Verluste hinnehmen, wie es bei der Villa Wiesental geschehen ist. Das historisch schuüzenswerte Gebäude an der Kreuzung Rosenbergstrasse und St. Leonhardstrasse wurde dem Zerfall überlassen, bis es nicht mehr zu retten war. Die Parzelle soll nun mit dem Investorenobjekt «Stadtkrone» der Londoner Architekten Caruso St. John überbaut werden.

Nichts gegen privates Engagement bei der baulichen Gestaltung der Stadt! Ohne dieses geht es nicht. Es findet aber erst dann seine sinnvolle Rolle, wenn die öffentliche Planung vorausgeht und Parameter fürs Gemeinwesen setzt.

Dazu wäre es bei der weiteren Überbauung des HB Nord erforderlich, das Areal in einem grösseren Zusammenhang mit dem Bahnhofplatz zu denken. Die Geleise, die üblicherweise als Trennung erfahren werden, könnten zur Spiegelachse werden. Das historische Bauensemble würde seinen Widerhall in einer hochwertigen Architektur auf der anderen Seite finden.

Der Bahnhofplatz erhält durch einen gestalteten öffentlichen Raum auf der anderen Seite ein Pendant, das sowohl Fachhochschüler wie auch Stadt-Besucher mit attraktiven Angeboten zum Verweilen einlädt. Er könnte eine andere City Lounge werden, die zwischen der Lokremise und der Fachhochschule vermittelt. Vielleicht mit weiteren Restaurants und Bars, aber auch mit Geschäften, die ein Publikum anlocken, das nicht mit der Fachhochschule verquickt ist.

HB als Kulturbahnhof

Auf der Bahnhofseite könnte die Unterbringung der Bibliotheken im historischen Postgebäude ein Echo auf die Fachhochschule herstellen. Zwei Wissensinstitutionen
fassen den Bahnhof wie edles Geschmeide eine kostbare Brosche und machen erst noch dem Anreisenden deutlich, wie sehr sich St.Gallen als Wissensstadt versteht. Ein Klein-Harvard zwischen dem Alpstein und dem Bodensee.

Der Bahnhof St.Gallen wäre nicht nur ein Scharnier zwischen Fern- und Ortsverkehr. Er würde vielmehr auch zu einer Art Kulturbahnhof, der die Altstadt und den Stadtpark mit seinen Museen und Spielstätten entlastet. Die Stadt St.Gallen erhielte eine kulturelle Doppelachse, welche dem Siedlungsband von Ost nachWest eine Balance geben könnte.

Bilder: Hanspeter Schiess

Artikelserie

Die Auszeichnung «Gutes Bauen Ostschweiz» geht neue Wege. Statt alle fünf Jahre die besten Bauten mit einem Preis zu küren, sollte die Diskussion um die regionale Baukultur mit einer Artikelserie in der Tagespresse angeregt werden. Dies hatte und hat weitreichende Folgen für die Auswahl der Inhalte. Statt einzelner Objekte werden übergreifende Themen aus den Bereichen Raumplanung, Städtebau, Architektur und Landschaftsplanung gewählt, die in den Artikeln vorgestellt und diskutiert werden. Dieser Wechsel hin zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung führte ebenfalls zu einer neuen Struktur: eine Redaktionskommission trifft sich seither zweimal im Jahr, um die Themen für das nächste Halbjahr auszuwählen und den Publikationsplan festzulegen. In der Kommission kommen Abgesandte der Fachverbände, eine Vertretung der öffentlichen Hand, zwei Fachautoren und die Verantwortlichen des AFO zusammen. Die Kommission vertritt die regionalen Ortsgruppen der Vereine, die sich im AFO zusammengeschlossen haben: Bund Schweizer Architekten (BSA), Bund Schweizer Landschaftsarchitekten (BSLA), Verband freierwerbender Schweizer Architekten (fsai), Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein (SIA), Swiss Engineering (STV) und den Schweizerischer Werkbund (SWB). Die beiden Fachautoren verfassen daraufhin im Wechsel monatlich einen Artikel, der im Ostschweizer Bund des St. Galler Tagblatts und im Liechtensteiner Vaterland erscheint. Die journalistische Freiheit der Autoren bleibt gewahrt: Sie können das Thema entsprechend ihren Recherchen anpassen und ausweiten. Jeweils nach einem Jahr wechseln die Autorinnen und Autoren sowie die Vertreterinnen und Vertreter der Fachverbände. Die beteiligten Akteure dieser Serie sind im Anhang des Buchs aufgeführt.

In der ersten Periode unter dem neuen Regime, 2011 – 2015, sind 31 Artikel erschienen. Diese Berichte liegen nun zusammengefasst im ersten Band der Reihe Anthologien zur Baukultur vor. In Zukunft wird alle fünf Jahre ein neuer Band mit den Artikeln der vergangenen Periode erscheinen. In ihm sind die Berichte zusammengefasst, für das Buch neu gestaltet und durch die Artikel kommentierende Essays gefasst. Die drei Essays in diesem Band beleuchten die letzten fünf Jahre unter den Stichworten «Zeit – Raum – Kultur». Sie bilden die inhaltliche Klammer und ordnen die in den Artikel diskutierten baulichen Fragen und Aspekte den drei Themenbereichen zu.

 

Aktuelle Kommission

Vertreter BSA: Markus Schmid, Dipl. Architekt FH /SIA /BSA, Oestreich + Schmid GmbH, St. Gallen
Vertreter BSLA: Tilo Preller, Dipl.Ing. Landschaftsarchitektur, atelier tp, Rapperswil
Vertreter SIA: Felix Rutishauser, Architekt FH SIA, Peter Kunz Architektur, Winterthur
Vertreter STV: Marion Spirig, Dipl. Architektin ETH SIA, Itten+Brechtbühl AG, St. Gallen
Vertreter öffentliche Hand: Dünner Markus, dipl. Arch. FH, NDS BWI, Kantonsbaumeister GR
Autor: Christoph Wieser
Autor: Marcel Bächtiger
Moderation seitens AFO: Rico Lauper und Marko Sauer

LandschaftsarchitekTour

Stadtwanderung Rorschach

Sa 8. Juni 2013, 9 Uhr am Bahnhof Rorschach

  • P1000575
  • 2012.01.168Seepark Rorschach 023

Nach den Bündner Herrschaften 2011 und den landschaftlichen Eingriffen vom letzten Jahr steht dieses Jahr die Stadt Rorschach im Fokus der LandschaftsarchitekTour. Auf dem Weg durch die Stadt werden wir uns am Vormittag mit aktuellen raumplanerischen Fragestellungen sowie den Entwicklungstendenzen von Rorschach auseinandersetzen. Am Nachmittag folgen wir den historischen Spuren durch den Warteggpark, von Caspar Blarer von Wartensee bis zur Gegenwart, und erfahren mehr über die zukünftigen Entwicklungen. Im Gegensatz zu anderen Jahren werden wir dieses Jahr mehrheitlich zu Fuss unterwegs sein.

Würth Areal– Umgebungsgestaltung und Kunst, Bauen am See
Seepark – In die Jahre gekommene historische Parkanlage
Project urbain – Gesellschaftliche Integration in Wohngebieten, nationales Pilotprojekt
Freiraumkonzept – Neues Leitbild für die Stadtentwicklung
Projekt Stadtwald –Bauen mit höheren Häusern
Mittagessen
Warteggpark – Historische Entwicklung, Parkentwicklungskonzept, zukünftige Nutzung
Garten Klauser – Hortus conclusus und Ausklang
Rückreise individuell ab Rorschach (ca. 17 Uhr)

Beteiligte Planer: Florian Kessler, Bau- und Stadtentwicklung Rorschach
Matthias Clivio, GigonGuyer Zürich
Martin Klauser, Landschaftsarchitekt Rorschach
Jacqueline Kissling, Architektin/Landschaftsarchitektin Rorschach
Hans Bereuter, Bereuter Architekturbüro AG Rorschach
Claudia Friedl, natume St.Gallen

Treffpunkt: Sa 8. Juni 2013, um 9 Uhr Bahnhof Rorschach am Personenlift Promenadenstrasse «Stadtbalkon»

Anmelden

Veranstaltungssponsor: Roth Pflanzen

Einladung LandschaftsarchitekTour

Stahl

Henning Ecker, Bauingenieur, Berlin

Preisträger Ingenieurpreis des Deutschen Stahlbaues 2013

Mo 3. Juni 2013, 19.30 Uhr im Forum

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  • Stahlbau 03

Tragwerksentwurf im Stahlbau

Stahlbauteile architektonisch anspruchsvoll wie auch ingenieurtechnisch sinnvoll und effizient einzusetzen – dies ist seit über 20 Jahren das Ziel des Ingenieurbüros ifb frohloff staffa kühl ecker aus Berlin. Beginnend bei kleinen Fussgängerbrücken und Dachtragwerken im Sporthallenbau, wurde dieses Thema konsequent bei grösseren Brücken weiterverfolgt.
Anlass dieses Vortrages ist die Verleihung des Ingenieurbaupreises des Deutschen Stahlbaus für die Erweiterung des Museums der Bayerischen Könige in Hohenschwangau, einer tonnenförmigen Gitterschale, welche die Jury als «die vollendete Synthese aus deutender Formsetzung und ingenieuser Formfindung» lobte.
www.ifb-berlin.de

Einladungskarte Juni

Landschaft
Oberfläche – Schnittfläche

Maren Brakebusch, Landschaftsarchitektin
Zürich/London/Berlin

Mo 6. Mai 2013, 19.30 Uhr im Forum

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Das Arbeitsmaterial des Landschaftsarchitekten ist die Pflanze. Als Entwerfer sorgen wir für die Standortvoraussetzungen, die sie zum Wachsen und Gedeihen benötigt, und machen sie selbst zum Gegenstand unserer Oberflächengestaltung – in ihrer natürlichen oder in artifizieller Form.

Ausgangspunkt für unsere Entwürfe ist der spezifische Ort. Aus seiner Bestimmung, seiner Geschichte und seiner Umgebung leiten sich die Idee der Gestaltung und die Wahl der Materialien ab. Wie Schichten liegen die Einflüsse übereinander und werden von uns freigelegt und sichtbar gemacht.

Unsere besondere Hingabe gilt der Vegetation. In den Pflanzen wird das Lebendige sichtbar, werden Prozesse erfahrbar. Umfassendes Kenntnis botanischer wie geologischer Zusammenhänge und langjährige Entwurfserfahrung erlauben uns, unsere Gedanken aus Analyse und Entwurf in gebaute Realität umzusetzen. In enger Zusammenarbeit mit externen Fachleuten können wir so auch ungewöhnliche Ideen verwirklichen.
www.vogt-la.com

Veranstaltungssponsor: Roth Pflanzen

Einladung Mai

Hauptversammlung

2013

Fr 26. April 2013, 19.30 Uhr im Forum

013

Traktanden

1. Begrüssung
2. Protokoll HV 2012
3. Jahresbericht
4. Jahresrechnung
5. Budget und Mitgliederbeiträge 2013
6. Revisorenbericht
7. Wahl des Vorstandes
8. Orientierung Präsidium
9. Wahl der Revisoren
10. Allgemeine Umfrage

Forums-Fest

Im Anschluss an die Hauptversammlung um ca. 20.30 Uhr findet das Forums-Fest statt. Alle Mitglieder mit Begleitung sind herzlich eingeladen.
Essen Bella Italia, Getränke Delinat

Gesucht

Das Architektur Forum Ostschweiz sucht einen Kassierer oder Kassiererin für die Vereinsbuchhaltung. Meldungen bitte an Hans Ruedi Stutz,
T 071 371 24 11 oder stutz@nulla-f-o.ch

Materialwahl

Anhand der typischen Produktions- und Handelsmaterialien unserer Hauptund Raumsponsoren werden Sie mit viel Geschick und Fingerspitzengefühl Ihre Materialwahl treffen. Verschiedenes unserer Sponsoren, Designermöbel und anderes mehr, werden verschenkt, z.B. Sessel B&B Italia, Co- Sponsoring von Domus AG und B&B Italia

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Einladung Hauptversammlung

Veranstaltunssponsor: Natursteine Bosshart

SWB@AFO – Der steinige Weg

Spaziergang zum Bärlocher Steinbruch
mit Urs Fritz, Bildhauer

Mo 22. April 2013, 17.20 Uhr am Bahnhof Rorschach SBB

steinbruch

Der Schweizer Werkbund lädt zu einem gemeinsamen Spaziergang ein. Im Mittelpunkt steht der Steinbruch oberhalb von Staad, den Hansjakob Bärlocher betreibt. Er führt durch
den Betrieb und zeigt, wo und wie der bekannte Sandstein abgebaut wird. Im Anschluss Apéro im Schauraum von Beat Consoni und gemeinsamer Abstieg nach Staad.

Treffpunkt: 17.20 Uhr am Bahnhof Rorschach SBB
Bekleidung und Schuhwerk entsprechend der Witterung

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Einladung April

Naturstein – Aus dem Berg heraus gebaut: Unterwerk Albanatscha am Julierpass

Hans Jörg Ruch, Architekt, St. Moritz

Mo 8. April 2013, 19.30 Uhr im Forum

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Die architektonische Idee gründet auf der Thematisierung des Flusses und der Kraft der Energie. Die Abspannkonstruktion zeigt, wo die Energie in den Boden fliesst und wie sie diesen anhebt. Durch die Ummantelung des oberirdischen Teils der Baumasse mit Bruchstein aus dem Aushub (z.T. Sprengfels) und durch das Weiterziehen der seitlichen Mauern bis zum Verschwinden im Terrain entzieht sich der Bau dem Vergleich mit einem gewöhnlichen Haus und wirkt eher als Geländeverstärkung. Die zentrale, direkt ab der Julierstrasse durch ein grosses monolithisches Tor aus rohem Messing erschlossene, riesige Montagehalle dient als betriebliche Drehscheibe der Anlage.
www.ruch-arch.ch

Einladungskarte_April

Veranstaltungssponsor:  Natursteine Bosshart

Innenentwicklung

Verdichtung als Herausforderung

Drei Themenabende initiiert vom Stadtplanungsamt St. Gallen
Mo 18./ 25. März und 29. April 2013 um 19.30 Uhr im Forum

Verdichtung St. Gallen

Grundlagen und Strategien der Innenentwicklung

Eine Einführung
Mo 18 .März 2013, 19.30 Uhr im Forum
Begrüssung: Patrizia Adam, Stadträtin, Direktorin Bau und Planung, Stadt St.Gallen

Was heisst städtische Dichte für die Schweiz
Thomas K. Keller, Architekt, St.Gallen

Potenziale für eine Siedlungsentwicklung nach Innen, Raum+
Bernd Scholl, Professor für Raumentwicklung, ETH Zürich, Innenentwicklung in der Stadt St.Gallen,

Analysen und Strategien
Helen Bisang, Leiterin Stadtplanungsamt St.Gallen

Dichte Heimat
Hans-Georg Bächtold, Geschäftsführer des SIA, Zürich

Städtebauliche Tools und Herangehensweisen

Podiumsdiskussion
Mo 25. März 2013, 19.30 Uhr  im Forum
Moderation: Ueli Strauss-Gallmann, Kantonsplaner St.Gallen

Dichtebox, Werkzeugkasten Innenentwicklung
Beat Suter, Geschäftsleiter Metron Raumentwicklung AG

Smart Density – verdichtetes Bauen mit Holz
Ulrike Sturm, Leiterin Fokus Living Context, CC Typologie & Planung in Architektur, Hochschule Luzern

Metrozone als urbaner Möglichkeitsraum
Michael Koch, Professor für Städtebau und Quartierplanung HCU Hamburg, yellow z Zürich

Grenzen der Innenentwicklung

Kulturelle, wirtschaftliche und soziale Aspekte
Fr 29. April 2103, 19.30 Uhr im Forum
Reflexionsreferat und Fragerunde:
Thomas Hasler, Architekt, Frauenfeld/ Lehrstuhl Hochbau TU Wien

Hochhäuser kontra Kirchtürme – die Sicht der Denkmalpflege zur Verdichtungsdebatte
Niklaus Ledergerber, Denkmalpfleger Stadt St.Gallen

Arbeitsort – Wohnort – Begegnungsort –Nachhaltige Arealentwicklung am Beispiel von Greencity Zürich
Jürgen Friedrichs, Leiter Immobilienentwicklung Zürich, Losinger Marazzi AG

Städtische Dichte und urbane Qualität
Christian Schmid, Soziologie, Department Architektur, ETH Zürich

www.stadt.sg.ch

Einladung Verdichtung

Architektur im Film – Xmas Meier

Einführung Sylvia Claus, Leiterin des MAS ETH gta / Kuratorin, Zürich

Di 12. März 2013 20.00 Uhr
Weitere Vorführungen: So 17. März 13.30 Uhr, Mi 27. März 17.30 Uhr

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Regie: Ila Bêka & Louise Lemoine, F 2011, 52 min, I/e.
Der Film Xmas Meier untersucht die Auswirkung zeitgenössischer Architektur auf den Alltag von Menschen und beschreibt, wie eine neue Kirche, 2003 von Richard Meier geplant, das Leben der Bewohner des römischen Tor Tre Teste Viertels verändert hat, indem es dieses aus seiner Anonymität in den internationalen Fokus rückte. Bewohner der Gegend, die während der Weihnachtszeit gefilmt wurden, sprechen darüber, wie das neue architektonische Wahrzeichen ihr Leben verändert hat. Ein vielschichtiges und gegensätzliches Portrait über die neue Identität des Stadtviertels.

www.living-architectures.com
Trailer ansehen
mehr zu Sylvia Claus

Eintritt 15.–/Mitglieder AFO 10.–
Reservation 071 245 80 72, www.kinok.ch
Veranstaltungssponsoren: Domus, Fluora, B&B Italia

Einladungskarte März

Kunst im Forum – Wash Away Dirt The Elucidation

Michael Bodenmann & Barbara Signer

Vernissage Do 7. März 2013, 18.30 Uhr im Forum
Ausstellung 8. bis 31. März, Di – So 14 bis 17 Uhr

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In ihrer ersten kollaborativen Einzelausstellung präsentieren Michael Bodenmann und Barbara Signer eine Sammlung persönlicher und imaginierter Souvenirs zwischen Alltag und Exotik. Fotografie, Grafik, Objet trouvé und Installation treten in Dialog und schaffen ein Spannungsverhältnis zwischen vergangener und potenzieller Erfahrung.

Einladungskarte März

Beton – Architekturen

Raphael Zuber, Architekt, Chur

Mo 4. März 2013, 19.30 Uhr im Forum

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Prinzipiell habe ich keine Vorliebe für ein bestimmtes Material. Was mir am Material Beton besonders gefällt ist die Tatsache, dass Beton gegossen wird. Ein Ding aus Beton ist immer ein Ding, ohne Verbindungen zwischen Einzelteilen. Ausserdem ist Beton in Kombination mit Stahl als Armierung sowohl auf Druck wie auch auf Zug in alle Richtungen beanspruchbar. Diese beiden Qualitäten machen Beton in der Architektur zu einem Material mit fast uneingeschränkten Möglichkeiten.

Raphael Zuber studierte bis 2001 Architektur an der ETH Zürich. 2003 eröffnet er sein eigenes Büro in Chur. Sein erstes Gebäude ist das Schulhaus Grono, welches im Sommer 2011 fertiggestellt wurde. Unter seinen wichtigsten Projekten sind das Ethnographische Museum Neuchâtel, das Bürogebäude in Monte Carasso und die Abdankungshalle in Steinhausen. Seine Artikel und Projekte sind in verschiedenen Zeitschriften publiziert, unter anderen in Abitare, archithese und The Architectural Review. Raphael Zuber lehrte an der Accademia di Architettura di Mendrisio, der Berner Fachhochschule, der Cornell University, Ithaca, New York und an der ETH Zürich.
www.raphaelzuber.com

Einladungskarte März

Kunst im Forum:Toys and Shapes

Rik Beemsterboer

Vernissage Do 23. Mai 2013, 18.30 Uhr im Forum
Ausstellung 24. Mai bis 16. Juni, Di – So 14 bis 17 Uhr

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Rik Beemsterboer befreit die Malerei von der Leinwand und gibt ihr eine eigenständige Silhouette. In seiner Einzelausstellung zeigt der St. Galler Künstler auf Holz übertragende Bilder von Luxus- und Alltagsgegenständen und hinterfragt damit Form, Wert und Funktion. Gleichzeitig lotet er die Grenze zwischen Objekt und Gemälde aus.
www.beemsterboer.ch

Das AFO im Zeughaus Teufen
Bärenwaldhaus in Bern

Patrick Thurston
Preisträger des Prix Lignum

Mo 18. Februar 2013, 19.30 Uhr im Zeughaus Teufen

  • Bärenhaus
  • Bärenhaus
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Nicht immer erblickt einen Bären, wer das neu erstellte Bärenwaldhaus im Tierpark Dählhölzli besucht. Der Gang durch die verwinkelten Räume hindurch lohnt sich dennoch in jedem Fall. Der Architekt Patrick Thurston hat ein Haus geschaffen, das weit mehr als ein Dach über dem Kopf bieten. Stein und Holz bilden Räume, die ihre Besucher auf die urtümliche Kraft der Bären hinter der Glasscheibe einstimmen.
Seinen archaischen Charakter bezieht das Haus aus einer überraschenden Konstruktion: Dicke Trockenmauern aus Naturstein und Wände aus massiven Holzblöcken tragen ein hohes Holzdach in Strickbau. Durchlaufende Holzbinder in beiden Richtungen stabilisieren die Wände und bilden ein schönes, konstruktiv begründetes Ornament auf der Oberfläche. Das Haus ist unbeheizt. Jenseits aller bauphysikalischer Normen bieten die Räume eine Behaglichkeit, die sich mit allen Sinnen erfahren lässt: Die dicken Wände schützen vor Wind und Kälte, das naturbelassene Holz verströmt einen angenehmen Geruch. Im rohen Holz in der Wand sitzend, fühlt man sich geborgen, die Oberflächen laden zu Berührung ein. Schritte und Stimmen verfangen sich im hohen Strickbau des Dachs. Holz und Stein schaffen im Bärenwaldhaus eine einmalige Stimmung.
Das Zusammenspiel der beiden Materialien ist aber auch technisch wegweisend: Es zeigt Wege der Holzverwendung jenseits der Konventionen auf: roh statt veredelt, massiv statt stabförmig, stehend statt liegend belastet. Ein archaischer Mischbau – man darf gespannt sein, was dieser Impuls anderswo auslöst.

Text aus der Würdigung der Jury Prix Lignum

www.thurston.ch
www.zeughausteufen.ch

Architektur im Film:
Pomerol, Herzog & de Meuron

Einführung durch Denis Duhme,
Weinakademiker, Winzer und Autor, Kassel/ Köln

Di 12. Februar 2013, 20.00 Uhr im Kinok

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Der Film Pomerol, Herzog & de Meuron zeigt uns die Feststimmung unter den Weinlesern während der Mahlzeiten im Speisesaal von Herzog & de Meurons Pomerol.  Das Gebäude wurde für das renommierte Jean-Pierre Moueix Weingut entwickelt. Um die Besonderheiten und Merkmale des Gebäudes bewundern zu können, zeigt der Dokumentarfilm die entscheidende Phase eines Jahreszyklus – die Erntezeit. Er bietet einen ungewöhnlichen Besuch des H&dM Projektes unter Betrachtung der täglichen Aktivitäten der Weinleser in Verbindung mit ihren Mahlzeiten und Feierlichkeiten nach langen Arbeitstagen und harter Arbeit.

www.living-architectures.com
Trailer ansehen
mehr zu Denis Duhme

Weitere Vorführungen: Sa 16. Feb 15.30 Uhr, Di 19. Feb 17.30 Uhr
Eintritt 15.–/Mitglieder AFO 10.–
Reservation 071 245 80 72 , www.kinok.ch
Veranstaltungssponsoren: Domus, Fluora, B&B Italia

Einladungskarte Februar

Liechtenstein Kongress 2013

Gipfel der nachhaltigen Raumentwicklung

Do 6. und Fr 7. Juni 2013 im Auditorium Universität Liechtenstein

Immobilien und Infrastruktur für morgen
Architektur und Raumentwicklung: die nächsten 50 Jahre – und weiter

Wir widmen uns der Zukunft von Architektur und Siedlung; der Zukunft unseres Landes und seiner Region. Nicht einer weit entfernten Zukunft gilt dieser Kongress, sondern heutigen Impulsen, die noch in fünfzig, hunderten von Jahren relevant sein werden. Klimastabile Architektur und Raumplanung, Städtebau und Regionalentwicklung, sowie bessere und erneuerbare Ressourcennutzung, Artenvielfalt und höhere, ökologisch hochwertige Produktivität sind der Fokus des ersten Tages. Resultate und Ausblicke des Zurich Klimapreises schaffen einen Höhepunkt von praktischen Beispielen.

Am zweiten Tag ist der Fokus auf Zukunftsinfrastruktur gerichtet: auf Forschungen in autarken Energiesystemen für die Region, auf Speichermethoden der Zukunft, sowie Diskussionen um Wertschöpfungschancen, die aus einem nachhaltigen Umgang mit Land, Gemeinden und Region entstehen könnten.

Der Nachhaltige Raumentwicklungsgipfel ist Teil der erfolgreichen Liechtenstein-Kongress Serie, die seit 2008 an der Universität Liechtenstein stattfindet. Dieses Ereignis mit hochkarätigen Experten aus der Region und weltweit ist der kurz- und langfristigen Zukunft der Architektur und Raumentwicklung sowie der Zukunft der Immobilien- und Infrastruktur gewidmet, aus lokaler, regionaler und internationaler Sicht, um 50 Jahre Bauausbildung im Land zu ehren. Am 06. Juni werden zudem die Gewinner des Zurich Klimapreises vorgestellt und die Ausschreibung für den Zurich Klimapreis 2013/2014 angekündigt.

Anmeldung ist erforderlich.
per email: kirsten.steinhofer@nulluni.li, Telefon +423 265 1132
Teilnahme ist kostenlos. Kleiner Verpflegungsbeitrag für Ganztagsteilnehmer am 6. Juni

www.uni.li/li-congress

Das Architektur Forum macht Sommerpause

Ende August geht es weiter mit unserem Programm.

Material

Architektur ist eine Reise der Gedanken. Diese kann an den unterschiedlichsten Punkten beginnen: analoge Architektur, Neoklassizismus und parametric design können ebenso einen Einfluss auf ein Gebäude haben wie Soziologie, Kunst und Marketing.

Egal aus welcher Richtung ein Konzept sich auch nähert – es landet auf der Baustelle. Und das Material erweist sich als Wetzstein für die Gedanken. Einige stumpfen dabei ab. Andere spitzen sich in der Auseinandersetzung mit Material und Konstruktion noch zu, werden scharf und schneidend wie ein Messer. Wo gehen Konzept und Material eine Einheit ein?

Wo befruchten sie sich gegenseitig und schwingen sich im gegenseitigen Ringen zu Höchstleistungen auf? Wir gehen Bauten nach, in denen sie harmonisch ein Ganzes bilden und anderen Beispielen, wo diese aufeinander stossen und sich ineinander verkrallen. An jedem Abend zu einem anderen Material.