Architektur Forum Ostschweiz

Monatsarchive: September 2021

ArchitekTour

Zentralschweiz

Do 23. September – So 26. September 2021

So mancher kennt die Zentralschweiz lediglich von der Durchfahrt Richtung Süden ans Mittelmeer oder ins Feriendomizil. Dabei hat diese Region so viel zu bieten – nicht  nur aufgrund ihrer «Postkartenlandschaft» mit den verschiedenen Seen eingebettet in die Innerschweizer Alpen.
In den letzten Jahren wurden in dieser Region rund um den Vierwaldstättersee höchst innovative Projekte in Angriff genommen. Neben den verschiedenen neuen Bauten in  Luzern wurden auch interessante Planungen um das prosperierende, wirtschaftlich internationale Zug ausgeführt, wie das Suurstoffi-Areal in Rotkreuz ZG mit dem  Hochschulprojekt und neuen Wohnüberbauungen.
Aber auch in eher ländlichen Gebieten wurden herausragende Projekte verwirklicht. Unter anderem werden wir Bauten von Meili Peter in Ibach, eine Siedlung in Cham von Lölliger Strub und die Bauten für das Ruderzentrum in Rotsee von Fuhrimann Hächler besichtigen.
Auf dem Programm steht zudem die Besichtigung des Bürohauses von Holzbau Küng in Alpnach von Seiler Linhart Architekten. Die Innerschweizer Holzbaufirma setzt seit  Längerem auf den Vollholzbau. Das neue Bürogebäude demonstriert, wie man (fast) ohne Verbundwerkstoffe, Leim, Schrauben und Nägel bauen kann.
Auch Gebäude vergangener Epochen möchten wir besuchen, z.B. das Kloster Baldegg von Marcel Breuer. Zum Abschluss führt uns die Reise dann doch noch auf den  Gotthard. Die letzte Nacht verbringen wir im Hospiz St. Gotthard von Miller Maranta Architekten aus Basel.

Das Detailprogramm ist in Bearbeitung und wird den Teilnehmern bei der Abreise abgegeben. Teilnehmerzahl mind. 18, max. 24 Personen. Die Anmeldungen werden in der  Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt. Versicherung und ggf. Reiserücktrittsversicherung sind Sache der Teilnehmer. Änderungen bleiben vorbehalten.

Anmeldung
mit vollständigen Angaben an
architektour@nulla-f-o.ch

Kosten
Mitglieder 690.–*
Nichtmitgliederzuschlag 100.–
EZ-Zuschlag 270.–

* Für Mitglieder, inklusive Fahrt im Komfortreisebus, 3 Übernachtungen mit Frühstück im DZ, ÖV, Führungen und Eintritten. Abfahrt Do ca. 8 Uhr, Rückkehr So ca. 17 Uhr Die Durchführung des Anlasses steht aufgrund der Covid-Situation unter Vorbehalt. Wir informieren per E-Mail und über unserere Website www.a-f-o.ch.

Profitieren Sie vom Mitgliederpreis und melden Sie sich jetzt zur Mitgliedschaft im Architektur Forum Ostschweiz an.

Mitgliedschaft Architektur Forum Ostschweiz

Bildnachweis: Ruedi Walti

Anmeldekarte ArchitekTour Zentralschweiz

Neustartfestival

Städtische Ausstellung: Asi Föcker – Vermutung der Form

Sa 11. September 2021, 14–1 Uhr im Forum

Licht, Luft, Bewegung, Raum und Klang – Asi Föcker experimentiert mit Variablen. Die Künstlerin geht von alltäglichen Gegenständen und Materialien aus. Treffen Licht oder bewegte Luft auf die Objekte entstehen fragile Stimmungen. In ihren «Reflektogrammen» experimentiert Asi Föcker mit Reflexionen auf grossformatigem Fotopapier, ohne den Umweg über eine Kamera zu nehmen. Sie untersucht den Charakter von Licht: Wie flüchtig ist es? Wie zeichnet es sich vor und in unseren Augen ab? Welche Spuren, Formationen und Abdrücke hinterlässt es? Am Neustart-Festival findet eine akustische Performance der Cellistin Anthea Caddy statt.

18 Uhr und 22 Uhr
Konzert: Anthea Caddy – Durational work for cello and environment

Erwachsene: 20.– CHF
Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre: Eintritt frei

Tickets für das Neustart-Festival können am Freitag, 10. September, sowie am Festival-Tag, Samstag, 11. September, an diversen Vorverkaufsstellen gekauft werden (tba).

Aufgrund des geltenden Schutzkonzeptes müssen Besucher:innen beim Vorverkauf persönlich erscheinen und eine Identitätskarte und ein gültiges Covid-Zertifikat (3G: Getestet, Geimpft, Genesen) vorweisen. Der Festivalbändel wird an Ort und Stelle ans Handgelenk angebracht und dient als Nachweis, dass das Covid-Zertifikat kontrolliert wurde.

Ausstellung Fr 10. September 2021 bis So 3. Oktober 2021
Öffnungszeiten Di – So, 14-17 Uhr
Vernissage Do 9. September 2021, 18.30 Uhr
Einführung: Kristin Schmidt, Kulturförderung Stadt St.Gallen

Neustartfestival

Asi Föcker

 

Grüne Lunge im ehemaligen Industriegebiet

Die ehemalige Industriestadt Arbon macht es vor: Auf dem Saurerareal ist eine grüne Oase inmitten eines neuen Stadtquartiers entstanden.

11.09.2021 von Katharina Marchal

Lastwagen werden in Arbon längst keine mehr gebaut. Dort, wo früher Automobile auf Waggons verladen und in alle Welt  geliefert wurden, säumen heute Silberhaine die Fuss- und Fahrradwege des neu gestalteten Quartiers. Wohn- und Gewerbebauten beleben das über lange Zeit leer stehende Areal. Herzstück bildet der vielfältig nutzbare Park. Hier laden Klettergerüste und ein Naturspielplatz die Kinder zum Tummeln ein. Neben einer grossen Wiese bieten kreisrunde Wasserbecken und breite Holzbänke  unterschiedliche Orte zum Verweilen an. Ein Gleisbogen begleitet den Kiesweg durch den Park. Er erinnert an die industrielle  Vergangenheit des Areals. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts produzierte die Firma Saurer je nach Konjunktur Textilmaschinen oder Lastwagen. Dunkler Qualm drang aus Fabrikschloten, Gleisfelder zerschnitten das Quartier, trennten die Stadt vom nahe  gelegenen Ufer des Bodensees ab. Mit der weltweiten Ölkrise in den 1970er-Jahren schlitterte das Unternehmen in die Krise. In  den 1980er-Jahren endete die Geschichte des bedeutendsten Nutzfahrzeugherstellers der Schweiz.
Die HRS Real Estate AG erwarb 2012 die Industriebrache und entwickelte aus der «verbotenen» Stadt ein neues Quartier. Gut die  Hälfte der rund 200 000 Quadratmeter grossen Fläche ist heute umgenutzt. Michael Breitenmoser, Projektentwickler bei HRS, betont: «Der neue Stadtteil namens ‹Saurer WerkZwei Areal› erhält seine neue Identität nicht nur durch die Neubauten, sondern  auch durch die unter Denkmalschutz gestellten Gebäude und die gross angelegten Grün- und Freiräume.» Matthias Krebs von  Krebs und Herde Landschaftsarchitekten aus Winterthur, die das Landschaftskonzept ausgearbeitet und umgesetzt haben, erklärt: «Der Grünraum verknüpft als ‹grünen Puffer› die ‹Neustadt› mit den bestehenden Quartieren im Westen. » Krebs versteht  «Landschaftsarchitektur als Steigbügel für die Stadtentwicklung». Hier spricht er aus Erfahrung, denn sein Büro hat bereits ein paar Industriebrachen aufgewertet; so etwa den Stadtgarten Dornbirn und den Güterbahnhof in Hamburg-Altona. Beide bildeten die Basis, um den Park rund um die Stadt weiterzuentwickeln.
Das Areal besticht durch seine besondere Lage: Nur wenige Minuten vom Ufer des Bodensees entfernt bietet der Ort einen  wunderbaren Ausblick auf die Voralpen. «Dem äusserst attraktiven Seeufer mussten wir etwas gegenübersetzen», erklärt Krebs. «Deshalb haben wir aus dem Binnenpark eine Art Miniatur-Central Park gestaltet, in dem sich die Leute gerne aufhalten.» Er schafft eine intimere Adresse innerhalb des neuen Quartiers. Doch die industrielle Nutzung des Geländes hat ihre Spuren  hinterlassen. «Aufgrund vorhandener Altlasten konnte das Terrain nicht überall abgetragen werden», sagt Krebs. «Wir  entschieden, hier Sanddorn, Pappeln, Erle und Weiden zu wählen, denn diese sind ortsbezogene Pionierpflanzen, die auf kiesigem  Boden am Seeufer wachsen.» Die Kiesflächen wurden entweder weitgehend belassen oder überformt, etwa mit Rasenflächen oder Naturwiesenflächen. Um einen natürlichen Eindruck zu erwecken, sind die mehrstämmigen Bäume bewusst schräg zwischen den Gleissträngen arrangiert. Der hohe Anteil ökologisch wertvoller, einheimischer Wildpflanzen ist ein Beitrag zur Biodiversität.
«Wir entwickeln für jeden Ort ein massgeschneidertes Pflanzenkleid» hebt Krebs hervor. In Arbon sollen die Bäume in den  nächsten dreissig Jahren bis zu rund 25 Meter wachsen und damit über die Häuser ragen. «Bäume sind wie Klimaanlagen», sagt  Krebs und ergänzt: «Besonders an diesem Ort ist die Bepflanzung sehr klimaaktiv. Durch den hohen Grundwasserstand müssen  die Bäume keine tiefen Wurzeln schlagen, um ans Wasser zu gelangen.» Das Wasser verdunstet direkt an der Oberfläche. Damit  ist die einheimische Vegetation an diesem Ort sehr zukunftsfähig.

Neues Leben auf der Brache

Die industrielle Vergangenheit bleibt weiterhin ablesbar. Umgebaut und umgenutzt wurde das historische Backsteingebäude am Hamelplatz. Hier befinden sich heute Verkaufs-, Gewerbe und Wohnflächen. Im ehemaligen Presswerk haben sich ein Kultur- und Musikzentrum sowie der Saurer Oldtimer Club einquartiert. Erhalten und renoviert wurde auch der alte Fabrikzaun, der die  privaten Gärten der Arbeiterhäuser vom öffentlichen Park abtrennt. Krebs nennt dieses Fundstück «objet sentimental». «Wir  wollten kein abstraktes Kunstwerk gestalten», erklärt er, sondern «einen öffentlichen Raum, der aus dem Gebrauch der Menschen heraus entwickelt ist und die Nutzung offenlässt – ein ‹Demokratisches Grün›». Dies ist auch im Sinne der Projektentwickler. Nach der Fertigstellung des 20 000 Quadratmeter grossen Parkgeländes trat HRS die Grünanlage entschädigungsfrei an die Stadt  Arbon ab. Seitdem sind der Park und die dazugehörende Promenade öffentlich zugänglich.
Abgeschlossen ist die Entwicklung noch nicht. Am Bahnhof Arbon zeigen mehrere Bautafeln, dass hier weiterhin gebaut wird. Vor  kurzem wurde ein Wohnbau am Hamelplatz abgeschlossen. Aktuell wird das Wohn- und Geschäftshaus am Saurerplatz  ausgeführt. Noch in diesem Jahr soll mit dem Bau eines Hotels mit Appartements für Langzeitnutzer begonnen werden. Beim  Durchqueren des Parks endet der Weg etwas abrupt – dort, wo das Wohngebiet an die noch bestehenden Industrieflächen anstösst. In einem nächsten Schritt soll die Bebauung und damit auch der Grünraum bis zum Flusslauf der nahe gelegenen Aach  realisiert werden. «Es bräuchte nur wenige Mittel, um den öffentlichen Grünraum entlang des Flusslaufs fortzusetzen», sagt Krebs. Der Bogen würde dann vom Ufer des Bodensees über den Park hin zur Aach wieder zum See zurückgespannt werden. An  dieser Fortsetzung und der Renaturierung der Aach hat auch die Stadt ein grosses Interesse. Doch dafür müsste es eine neue  Überführung über die Gleise geben. Krebs schliesst: «Der Park ist somit weiter als die Quartierentwicklung.»

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Weibliche Werte

Nina Keel, Kunsthistorikerin und Kuratorin, St. Gallen / Inge Beckel, Frauenforscherin und Architekturpublizistin, Fürstenaubruck / Kathrin Simmen, Architektin, Zürich / Moderation Susanne Brauer, Ethikerin, Zürich

Mo 6. September 2021, 19.30 Uhr im Forum und im Livestream

Die St. Galler Architektur war jahrhundertelang und bis vor Kurzem in Männerhand. Zwar sind seit den 2000er  Jahren einige Bauten von Architektinnen errichtet worden, doch handelt es sich um Einzelfälle. Und noch immer  gibt es in St. Gallen – anders als etwa in Zürich – sehr wenige Architekturbüros, die von Frauen geführt werden. Der Vortrag beleuchtet den Zeitraum von den 1930er Jahren bis heute und stellt einige Ostschweizer Architektinnen und  ihre Bauten vor, darunter Dorothea David, Vreny Gross und Eva Lanter. Selbstredend werden die Projekte der Architektinnen unabhängig von ihrem biologischen Geschlecht beurteilt. Doch gilt es zu beleuchten, welche Rolle das Frausein bis heute spielt: Welche gesellschaftlichen und persönlichen Faktoren (Vorbilder, Mentor*innen,  Quoten, Möglichkeit der externen Kinderbetreuung etc.) müssen gegeben sein, damit sie ein eigenes Büro eröffnen, Einsitz in Fachgremien erhalten oder eine leitende Position in städtischen Ämtern erlangen?

Einführungsreferat von Nina Keel, anschliessend Podiumsdiskussion mit den weiteren Gästen, moderiert durch Susanne Brauer.

Eintritt 10.- / Mitglieder AFO frei

Anmeldung für die Teilnahme vor Ort erforderlich
bis Fr 3. September 2021 an info@nulla-f-o.ch
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt

Der Anlass wird aufgezeichnet und kann auf unserer Website über einen Livestream verfolgt werden. Eine eventuelle Abbildung des Publikums in der Aufzeichnung wird durch die Anmeldung akzeptiert.

ESPACE NINA KEEL

Einladungskarte September

Bildnachweis: Architektin Eva Lanter in ihrer Installation ‚Isolation Brute‘, Mai 2021