Architektur Forum Ostschweiz

Monatsarchive: August 2021

FRAUEN BAUEN!

Ausstellung

Sa 10. Juli – Sa 21. August 2021 im Forum

Im Jubiläumsjahr des Frauenstimmrechts  richtet das Büro für Baukultur seine Aufmerksamkeit auf das Schaffen von Ostschweizer  Architektinnen. Im Architektur Forum Ostschweiz sind fotografische und filmische Porträts von Ostschweizer Architektinnen zu sehen, in zwei Sommer Camps erkunden junge Menschen Bauten vor Ort. Einen erweiterten Blick auf architektonisches Schaffen eröffnen die  rauminterventionen im ESPACE NINA KEEL. Schliesslich wird Baukultur an diversen Begleitveranstaltungen von Fachleuten und Publikum erörtert.

Die Ausstellung im Architektur Forum Ostschweiz zeigt fotografische und filmische Porträts von Ostschweizer Architektinnen

Sa 10. Juli – Sa 21. August 2021
Vernissage am Samstag, 10. Juli, 16 – 18 Uhr
Finssage am Samstag, 21. August, 11 – 14

Öffnungszeiten:
Fr 16–19 Uhr, Sa 11–14 Uhr

Leporello

Mehr Informationen hier und hier

Lignum@AFO vor Ort

Überbauung Waldacker, St. Gallen

Mi 18. August 2021, 17 Uhr vor Ort

Führung durch die Baustelle
Yves Schihin, Oxid Architektur GmbH, Zürich / Verena Egli, Projektleiterin GU, Renggli AG, Sursee / David Renggli, Leiter Marktstrategie, Renggli International, Winterthur / Konrad Leuenberger, Leiter Geschäftsstelle Ostschweiz, Renggli AG, Winterthur / Bauherrschaft Previs Vorsorge

Nachhaltigkeitskriterien gewinnen zunehmend an Bedeutung, damit langfristige Investitionen auch auf längere Sicht die angestrebten Renditen sichern. Und  nachhaltige Bauten generieren einen höheren Nutzen. Davon profitieren die Mieterinnen und Mieter, die Investorin und das Quartier, in das die Überbauung eingebettet ist.
Das additive Holzbausystem reduziert die graue Energie drastisch gegenüber einem Massivbau. Dank dieser Bauweise ohne Feuchtigkeit glänzt das Projekt  durch seine kurze Bauzeit im Vergleich zu anderen Bauweisen. Der Bau ist SNBS-zertifiziert.
Die beiden geknickten Baukörper spannen zwischen sich einen durchgängigen Freiraumkorridor auf. Darauf ausgerichtet ist die Verandaschicht beider Körper.  Sie bietet die gemeinschaftlichen Zugänge zu den Wohnungen und ihren Aussensitzplätzen. So entsteht ein belebter Binnenraum für Begegnungen und soziale Kontakte. Der Holzsystembau hat ökologisch klare Vorzüge gegenüber anderen Baumaterialien.
In dieser repetitiven Überbauung mit seinen Möglichkeiten zur Vorfertigung kann Holz dem Massivbau auch wirtschaftlich ebenbürtig sein.

Im Anschluss an den Rundgang gibt es die Möglichkeit für Fragen und wir laden herzlich zum Apéro.

Eintritt frei

Anmeldung
bis Fr 13. August 2021, an vor-ort@nulla-f-o.ch
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Zur Einleitung für die Besichtigung empfehlen wir, diesen Film im Webinar anzuschauen: www.youtube.com/watch?v=ETUl7lBaYj0

Es besteht Helmpflicht. Bitte nach Möglichkeit einen Baustellenhelm mitbringen.

Adresse
Ahornstrasse 21, 9000 St. Gallen
Wir empfehlen die Anreise mit dem ÖV, Bushaltestelle «Waldacker», ab dort 3 Minuten Fussweg.
Bei der Anreise mit dem Auto stehen einige Parkplätze in der Tiefgarage zur Verfügung, ansonsten empfehlen wir, den öffentlichen Parkplatz «St. Otmar» an der Zürcherstrasse 121 zu benutzen (gebührenpflichtig).

Massnahmen gegen das Coronavirus
Die Veranstaltung findet unter Einhaltung der geltenden Massnahmen des Bundes statt. Aktuelle Informationen erhalten Sie nach der
Anmeldung.

In Zusammenarbeit mit Lignum Holzkette St. Gallen und Lignum Ost

Einladungskarte August

Bildnachweis: Drohnenaufnahme Renggli AG / Visualisierung B-VR Switzerland GmbH

Sommer Camp Architektur 2021

Frauenfeld

Mi 11.– Fr 13. August 2021, 10–16 Uhr
Verwaltungsgebäude des Kt. Thurgau (Glaspalast); Promenadenstrasse 8, Frauenfeld

Machen Sie sich auf und erkunden Sie Frauenfelder Baukultur! Ausgestattet mit Beobachtungsaufträgen und Arbeitsmaterial schauen sich Erwachsene und Kinder, Familien und Gruppen Architektur genauer an. Die gesammelten Erkenntnisse werden zu einer kleinen Ausstellung im Verwaltungsgebäude an der Promenadenstrasse  zusammengefügt.
Hier befindet sich auch ein Atelier, wo sich Themen wie «Raum», «Farbe», «Licht» oder «Konstruktion» experimentell erfahren lassen.

Realisiert durch Ueli Vogt, Felix Rutishauser und Rebekka Ray
Infos unter info@nullzeughausteufen.ch

Zwei Stadtspaziergänge an ausgewählte Orte laden zum Gespräch ein über Baukultur in Frauenfeld. Programm, Gäste und Anmeldung unter www.zeughausteufen.ch

Das Sommer Camp ist Teil des Projektes FRAUEN BAUEN!, unterstützt durch: Architektur Forum Ostschweiz, SIA Thurgau, Hochbauamt Kt. Thurgau, Stadt Frauenfeld

Anmeldekarte Sommer Camp Architektur Frauenfeld 2021

Ein gebautes Manifest

Ein Mesmerhaus wird zum Kraftwerk: Wie ein Nullenergiehaus in Ermatingen zur klimagerechten Gaststätte für die Dorfbewohner wird.

07.08.2021 von Jenny Keller

Mehrere Steinstufen führen in einen wilden Garten hinauf, in dem sich allerlei Insekten wohlfühlen, es riecht nach Pfefferminze. Dahinter ein markanter Kubus mit Holzlatten verkleidet. Kleine Fenster zeichnen die zwei Stockwerke ab,  und der moderne Anbau dockt an historische Substanz an: Ein herrschaftliches, frisch saniertes Haus, dessen Geschichte  spürbar geblieben ist. Gegen Westen in der abschüssigen Strassenkurve liegt ein zweiter Anbau mit Giebeldach, auch ein  vorgefertigter Holzbau, aber weit weniger auffällig als sein Gegenpart im Osten. Hier befindet sich das Treppenhaus in die oberen beiden Etagen, und hier treffen Alt und Neu im Innern aufeinander. Mehrere Plaketten (Solarpreis 2020, Minergie-A-Zertifikat) an der Putzfassade zur Strasse markieren, dass es sich bei diesem Haus um etwas Besonderes handelt.
Mit dem Mesmerhaus bringt Architekt Peter Dransfeld die Anforderungen des Denkmalschutzes und die ökologische Bilanz eines Nullenergiehauses unter ein Dach. Das erforderte grosses Engagement bei der Verhandlung mit den  Behörden, Nachbarn und der Denkmalpflege. Das Manifest mitten im Dorfkern von Ermatingen verkörpert die  Philosophie und das Wirken von Dransfeld anschaulich: In seiner Heimatgemeinde im Thurgau ist Dransfeld seit Jahren  engagiert. Vor seinem Amt als SIA-Präsident war er im Gemeinderat politisch aktiv, und als Architekt arbeitet er häufig im  Dorf oder der Region und generiert eine lokale Wertschöpfung. Sein eigenes Büro gründete der Architekt ETH in den  1990er-Jahren in Ermatingen und beschäftigte sich mit nachhaltiger Architektur, als es dafür noch gar keinen Begriff gab.

Eine visionäre Idee nimmt Gestalt an

Schnell redete man vom «Solararchitekten», doch Dransfeld sagt: «Mein Verständnis von Architektur ist ein  Ganzheitliches. In der Architektur spielen ästhetische, funktionale, wirtschaftliche und auch ökologische Fragen eine  Rolle.» Und er habe sich stets mit denkmalpflegerischen Aufgaben befasst. Schliesslich ist das Erhalten von Bausubstanz meist weit nachhaltiger als Abriss und Neubau.
Wie wird ein 400 Jahre alter Altbau zusammen mit zwei neuen Anbauten zum Nullenergiehaus? Einem Gebäude also, das  die benötigte Energie für Warmwasser, Heizung und Elektro selbst erzeugt? Eine grosse schwarze Fläche aus  Solarmodulen am kubischen Anbau des Mesmerhauses produziert nicht nur die Energie für den Strom, sondern auch den  Wärmebedarf des Dreiparteienhauses mit Bar und Café im Keller. Ihre Lage an der Südfassade sorgt für möglichst viel  Sonneneinstrahlung, ist aber auch abseits von der Dorfstrasse, die der Architekt täglich zu Fuss oder mit dem Velo  passierte, und dabei erfuhr, dass das stark heruntergekommene Haus zum Verkauf stand. Das war 2013. Langsam hat sich der Architekt der Bauaufgabe angenähert, Restauratoren begutachteten den Bestand, und Untersuchungen ergaben, dass  das Holz im ganzen Haus das Schlagdatum 1609 hat. Nach vielen Studien und Berechnungen war auch klar, dass das  ehrgeizige Ziel Nullenergiehaus erreicht werden kann: Mit der Solaranlage am Anbau wird das Mesmerhaus zum Kraftwerk. Dafür bleibt der historische Altbau von technischen An- und Einbauten verschont. Er wurde aber an der Südfassade mit zehn Zentimetern aussengedämmt und an den anderen drei Seiten, wo die Riegelbauweise sichtbar ist,  innengedämmt, und zwar mit Zellulose unter dem restaurierten Täfer.
Im Innern ist die Eingriffstiefe minimalinvasiv und ergab sich im Prozess. Die Wohnungen befinden sich jeweils auf einer  Etage und haben einen neuen und einen alten Teil, die sich nicht wiedersprechen, ihre Entstehungszeit aber preisgeben.
Der ehemalige Lagerraum im Erdgeschoss aus Stein macht das Mesmerhaus auch sozial nachhaltig: Die Gaststätte steht  für Gäste aus dem Dorf offen. Daneben, im Technikraum befinden sich Erdsonden- Wärmepumpe, Speichertank und Lüftungsgerät neben einer umfassenden Dokumentation des Hauses, auf das sein Erbauer sichtlich stolz ist. Zu Recht,  denn wenn man gerne sagt, dass es für gute Architektur eine gute Bauherrschaft benötigt, braucht es auch Architektinnen  und Architekten, die selbst zur Bauherrschaft werden, um visionären Ideen, Gestalt zu geben. Gerade beim  klimagerechten Bauen.

 

Der neue SIA-Präsident

Der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) vertritt die Interessen seiner rund 16 000 Mitglieder aus dem  Bauhauptgewerbe. Peter Dransfeld ist seit April Präsident des gesamten Vereins. Das Amt führt er in einem  Teilzeitpensum aus und setzt sich primär für die Anliegen seiner Mitglieder ein. «Dass ich SIA-Präsident wurde, ist nicht  ganz unabhängig von diesem Haus», sagt Dransfeld. Er erklärt, dass ein Nachholbedarf in Sachen Nachhaltigkeit gegeben  sei. (jk)

Bilder: Hanspeter Schiess

Wertarbeit

Livestream der Veranstaltung vom 6. Dezember 2021, 19.30 Uhr

Der Anlass wurde aufgezeichnet und ist hier bis 19. Dezember 2021 einsehbar.

Mehr Informationen zum Anlass finden Sie hier

Einladungskarte Dezember

Städtische Ausstellung im Forum

Dorothy Wong Ka Chung, Benjamin Ryser (o!sland)

Ausstellung Fr 12. November 2021 bis So 5. Dezember 2021
Öffnungszeiten Di – So, 14-17 Uhr

Vernissage Do 11. November 2021, 18.30 Uhr
Einführung: Kristin Schmidt, Kulturförderung Stadt St.Gallen

20. November 2021, 17 Uhr
Künstler*innengespräch und geführter Stadtspaziergang mit Audio-Foto-Buch
Anmeldung erforderlich: oislandoisland@nullgmail.com

O!sland

Architektur im Film

Tokyo Ride

Di 30. November 2021, 18.30 Uhr im Kinok

Mit ihrem Film «Koolhaas Houselife» wurden sie berühmt; mittlerweile haben sie mehr als ein Dutzend Architekturfilme vorgelegt: Ila Bêka und Louise Lemoine. Ihre grosse Liebe gilt der Architektur, der sie sich in eigenwilligen Inszenierungen nähern. In «Koolhaas Houselife» begleiten sie eine Putzfrau auf ihrem Rundgang durch ein architektonisches Meisterwerk, und die Zuschauer erleben hautnah mit, wie eine gefeierte Architekturikone mit den Realitäten des Alltags kollidiert. In «Pomerol, Herzog & de Meuron» wird das von Jacques Herzog und Pierre de Meuron entworfene Weingut von feiernden Erntehelfern auf seine Tauglichkeit geprüft, während in «Xmas Meier» Römerinnen und Römer die Auswirkungen von Richard Meiers Kirche auf ihr Viertel diskutieren.

Ihr neuester, in schönstem Schwarz-Weiss gedrehter Film «Tokyo Ride» ist kein Porträt im klassischen Sinne über einen der talentiertesten und gefeiertsten japanischen Architekten der Gegenwart, sondern taucht in Form eines Roadmovies unmittelbar in Tokios urbanen Stadtraum ein. Stadtführer ist Ryue Nishizawa, einer der bedeutendsten Architekten Japans, Mitbegründer des Architekturbüros SANAA, Pritzker-Preisträger – gemeinsam mit der Architektin Kazuyo Sejima – sowie u.a. verantwortlich für das aufsehenerregende Rolex Learning Center der EPFL, das 2010 in Lausanne eröffnet wurde. In seinem schnittigen alten Alfa Romeo Giulia brettert er durch Tokio und philosophiert über die Stadt sowie europäische und asiatische Architektur. Während der Fahrt erzählt Ryue Nishizawa von seiner starken Beziehung zu seiner Heimatstadt anhand einiger Orte, die ihm besonders am Herzen liegen, von Gebäuden, die ihn beeinflusst haben, und von eigenen Architekturprojekten. Der Film fragt nach den Wurzeln unserer Architekturpraxis und danach, wie die gebaute und kulturelle Umgebung unsere Vorstellungskraft nährt und formt. Auf Filmexplorer heisst es: «Ryue führt uns nicht nur durch Tokio, sondern hält uns auch einen Spiegel vor, in dem wir uns als Europäer wahrnehmen.»

WINNER:
* Artistic Vision Award, Depth of Field Competition – Best Prize – Docaviv Film Festival, 2020
* Best Prize, Milano Design Film Festival, MDFF 2020

Regie: Bêka & Lemoine, Frankreich 2020, englisch, 90′
Weitere Vorführung: Di 30. November 2021, 18.30 Uhr

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72 oder auf Kinok

Einladungskarte November