Architektur Forum Ostschweiz

Jahresarchive: 2021

Neustartfestival

Städtische Ausstellung: Asi Föcker – Vermutung der Form

Sa 11. September 2021, 14–1 Uhr im Forum

Licht, Luft, Bewegung, Raum und Klang – Asi Föcker experimentiert mit Variablen. Die Künstlerin geht von alltäglichen Gegenständen und Materialien aus. Treffen Licht oder bewegte Luft auf die Objekte entstehen fragile Stimmungen. In ihren «Reflektogrammen» experimentiert Asi Föcker mit Reflexionen auf grossformatigem Fotopapier, ohne den Umweg über eine Kamera zu nehmen. Sie untersucht den Charakter von Licht: Wie flüchtig ist es? Wie zeichnet es sich vor und in unseren Augen ab? Welche Spuren, Formationen und Abdrücke hinterlässt es? Am Neustart-Festival findet eine akustische Performance der Cellistin Anthea Caddy statt.

18 Uhr und 22 Uhr
Konzert: Anthea Caddy – Durational work for cello and environment

Erwachsene: 20.– CHF
Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre: Eintritt frei

Tickets für das Neustart-Festival können am Freitag, 10. September, sowie am Festival-Tag, Samstag, 11. September, an diversen Vorverkaufsstellen gekauft werden (tba).

Aufgrund des geltenden Schutzkonzeptes müssen Besucher:innen beim Vorverkauf persönlich erscheinen und eine Identitätskarte und ein gültiges Covid-Zertifikat (3G: Getestet, Geimpft, Genesen) vorweisen. Der Festivalbändel wird an Ort und Stelle ans Handgelenk angebracht und dient als Nachweis, dass das Covid-Zertifikat kontrolliert wurde.

Ausstellung Fr 10. September 2021 bis So 3. Oktober 2021
Öffnungszeiten Di – So, 14-17 Uhr
Vernissage Do 9. September 2021, 18.30 Uhr
Einführung: Kristin Schmidt, Kulturförderung Stadt St.Gallen

Neustartfestival

Asi Föcker

 

Grüne Lunge im ehemaligen Industriegebiet

Die ehemalige Industriestadt Arbon macht es vor: Auf dem Saurerareal ist eine grüne Oase inmitten eines neuen Stadtquartiers entstanden.

11.09.2021 von Katharina Marchal

Lastwagen werden in Arbon längst keine mehr gebaut. Dort, wo früher Automobile auf Waggons verladen und in alle Welt  geliefert wurden, säumen heute Silberhaine die Fuss- und Fahrradwege des neu gestalteten Quartiers. Wohn- und Gewerbebauten beleben das über lange Zeit leer stehende Areal. Herzstück bildet der vielfältig nutzbare Park. Hier laden Klettergerüste und ein Naturspielplatz die Kinder zum Tummeln ein. Neben einer grossen Wiese bieten kreisrunde Wasserbecken und breite Holzbänke  unterschiedliche Orte zum Verweilen an. Ein Gleisbogen begleitet den Kiesweg durch den Park. Er erinnert an die industrielle  Vergangenheit des Areals. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts produzierte die Firma Saurer je nach Konjunktur Textilmaschinen oder Lastwagen. Dunkler Qualm drang aus Fabrikschloten, Gleisfelder zerschnitten das Quartier, trennten die Stadt vom nahe  gelegenen Ufer des Bodensees ab. Mit der weltweiten Ölkrise in den 1970er-Jahren schlitterte das Unternehmen in die Krise. In  den 1980er-Jahren endete die Geschichte des bedeutendsten Nutzfahrzeugherstellers der Schweiz.
Die HRS Real Estate AG erwarb 2012 die Industriebrache und entwickelte aus der «verbotenen» Stadt ein neues Quartier. Gut die  Hälfte der rund 200 000 Quadratmeter grossen Fläche ist heute umgenutzt. Michael Breitenmoser, Projektentwickler bei HRS, betont: «Der neue Stadtteil namens ‹Saurer WerkZwei Areal› erhält seine neue Identität nicht nur durch die Neubauten, sondern  auch durch die unter Denkmalschutz gestellten Gebäude und die gross angelegten Grün- und Freiräume.» Matthias Krebs von  Krebs und Herde Landschaftsarchitekten aus Winterthur, die das Landschaftskonzept ausgearbeitet und umgesetzt haben, erklärt: «Der Grünraum verknüpft als ‹grünen Puffer› die ‹Neustadt› mit den bestehenden Quartieren im Westen. » Krebs versteht  «Landschaftsarchitektur als Steigbügel für die Stadtentwicklung». Hier spricht er aus Erfahrung, denn sein Büro hat bereits ein paar Industriebrachen aufgewertet; so etwa den Stadtgarten Dornbirn und den Güterbahnhof in Hamburg-Altona. Beide bildeten die Basis, um den Park rund um die Stadt weiterzuentwickeln.
Das Areal besticht durch seine besondere Lage: Nur wenige Minuten vom Ufer des Bodensees entfernt bietet der Ort einen  wunderbaren Ausblick auf die Voralpen. «Dem äusserst attraktiven Seeufer mussten wir etwas gegenübersetzen», erklärt Krebs. «Deshalb haben wir aus dem Binnenpark eine Art Miniatur-Central Park gestaltet, in dem sich die Leute gerne aufhalten.» Er schafft eine intimere Adresse innerhalb des neuen Quartiers. Doch die industrielle Nutzung des Geländes hat ihre Spuren  hinterlassen. «Aufgrund vorhandener Altlasten konnte das Terrain nicht überall abgetragen werden», sagt Krebs. «Wir  entschieden, hier Sanddorn, Pappeln, Erle und Weiden zu wählen, denn diese sind ortsbezogene Pionierpflanzen, die auf kiesigem  Boden am Seeufer wachsen.» Die Kiesflächen wurden entweder weitgehend belassen oder überformt, etwa mit Rasenflächen oder Naturwiesenflächen. Um einen natürlichen Eindruck zu erwecken, sind die mehrstämmigen Bäume bewusst schräg zwischen den Gleissträngen arrangiert. Der hohe Anteil ökologisch wertvoller, einheimischer Wildpflanzen ist ein Beitrag zur Biodiversität.
«Wir entwickeln für jeden Ort ein massgeschneidertes Pflanzenkleid» hebt Krebs hervor. In Arbon sollen die Bäume in den  nächsten dreissig Jahren bis zu rund 25 Meter wachsen und damit über die Häuser ragen. «Bäume sind wie Klimaanlagen», sagt  Krebs und ergänzt: «Besonders an diesem Ort ist die Bepflanzung sehr klimaaktiv. Durch den hohen Grundwasserstand müssen  die Bäume keine tiefen Wurzeln schlagen, um ans Wasser zu gelangen.» Das Wasser verdunstet direkt an der Oberfläche. Damit  ist die einheimische Vegetation an diesem Ort sehr zukunftsfähig.

Neues Leben auf der Brache

Die industrielle Vergangenheit bleibt weiterhin ablesbar. Umgebaut und umgenutzt wurde das historische Backsteingebäude am Hamelplatz. Hier befinden sich heute Verkaufs-, Gewerbe und Wohnflächen. Im ehemaligen Presswerk haben sich ein Kultur- und Musikzentrum sowie der Saurer Oldtimer Club einquartiert. Erhalten und renoviert wurde auch der alte Fabrikzaun, der die  privaten Gärten der Arbeiterhäuser vom öffentlichen Park abtrennt. Krebs nennt dieses Fundstück «objet sentimental». «Wir  wollten kein abstraktes Kunstwerk gestalten», erklärt er, sondern «einen öffentlichen Raum, der aus dem Gebrauch der Menschen heraus entwickelt ist und die Nutzung offenlässt – ein ‹Demokratisches Grün›». Dies ist auch im Sinne der Projektentwickler. Nach der Fertigstellung des 20 000 Quadratmeter grossen Parkgeländes trat HRS die Grünanlage entschädigungsfrei an die Stadt  Arbon ab. Seitdem sind der Park und die dazugehörende Promenade öffentlich zugänglich.
Abgeschlossen ist die Entwicklung noch nicht. Am Bahnhof Arbon zeigen mehrere Bautafeln, dass hier weiterhin gebaut wird. Vor  kurzem wurde ein Wohnbau am Hamelplatz abgeschlossen. Aktuell wird das Wohn- und Geschäftshaus am Saurerplatz  ausgeführt. Noch in diesem Jahr soll mit dem Bau eines Hotels mit Appartements für Langzeitnutzer begonnen werden. Beim  Durchqueren des Parks endet der Weg etwas abrupt – dort, wo das Wohngebiet an die noch bestehenden Industrieflächen anstösst. In einem nächsten Schritt soll die Bebauung und damit auch der Grünraum bis zum Flusslauf der nahe gelegenen Aach  realisiert werden. «Es bräuchte nur wenige Mittel, um den öffentlichen Grünraum entlang des Flusslaufs fortzusetzen», sagt Krebs. Der Bogen würde dann vom Ufer des Bodensees über den Park hin zur Aach wieder zum See zurückgespannt werden. An  dieser Fortsetzung und der Renaturierung der Aach hat auch die Stadt ein grosses Interesse. Doch dafür müsste es eine neue  Überführung über die Gleise geben. Krebs schliesst: «Der Park ist somit weiter als die Quartierentwicklung.»

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Weibliche Werte

Nina Keel, Kunsthistorikerin und Kuratorin, St. Gallen / Inge Beckel, Frauenforscherin und Architekturpublizistin, Fürstenaubruck / Kathrin Simmen, Architektin, Zürich / Moderation Susanne Brauer, Ethikerin, Zürich

Mo 6. September 2021, 19.30 Uhr im Forum und im Livestream

Die St. Galler Architektur war jahrhundertelang und bis vor Kurzem in Männerhand. Zwar sind seit den 2000er  Jahren einige Bauten von Architektinnen errichtet worden, doch handelt es sich um Einzelfälle. Und noch immer  gibt es in St. Gallen – anders als etwa in Zürich – sehr wenige Architekturbüros, die von Frauen geführt werden. Der Vortrag beleuchtet den Zeitraum von den 1930er Jahren bis heute und stellt einige Ostschweizer Architektinnen und  ihre Bauten vor, darunter Dorothea David, Vreny Gross und Eva Lanter. Selbstredend werden die Projekte der Architektinnen unabhängig von ihrem biologischen Geschlecht beurteilt. Doch gilt es zu beleuchten, welche Rolle das Frausein bis heute spielt: Welche gesellschaftlichen und persönlichen Faktoren (Vorbilder, Mentor*innen,  Quoten, Möglichkeit der externen Kinderbetreuung etc.) müssen gegeben sein, damit sie ein eigenes Büro eröffnen, Einsitz in Fachgremien erhalten oder eine leitende Position in städtischen Ämtern erlangen?

Einführungsreferat von Nina Keel, anschliessend Podiumsdiskussion mit den weiteren Gästen, moderiert durch Susanne Brauer.

Eintritt 10.- / Mitglieder AFO frei

Anmeldung für die Teilnahme vor Ort erforderlich
bis Fr 3. September 2021 an info@nulla-f-o.ch
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt

Der Anlass wird aufgezeichnet und kann auf unserer Website über einen Livestream verfolgt werden. Eine eventuelle Abbildung des Publikums in der Aufzeichnung wird durch die Anmeldung akzeptiert.

ESPACE NINA KEEL

Einladungskarte September

Bildnachweis: Architektin Eva Lanter in ihrer Installation ‚Isolation Brute‘, Mai 2021

FRAUEN BAUEN!

Ausstellung

Sa 10. Juli – Sa 21. August 2021 im Forum

Im Jubiläumsjahr des Frauenstimmrechts  richtet das Büro für Baukultur seine Aufmerksamkeit auf das Schaffen von Ostschweizer  Architektinnen. Im Architektur Forum Ostschweiz sind fotografische und filmische Porträts von Ostschweizer Architektinnen zu sehen, in zwei Sommer Camps erkunden junge Menschen Bauten vor Ort. Einen erweiterten Blick auf architektonisches Schaffen eröffnen die  rauminterventionen im ESPACE NINA KEEL. Schliesslich wird Baukultur an diversen Begleitveranstaltungen von Fachleuten und Publikum erörtert.

Die Ausstellung im Architektur Forum Ostschweiz zeigt fotografische und filmische Porträts von Ostschweizer Architektinnen

Sa 10. Juli – Sa 21. August 2021
Vernissage am Samstag, 10. Juli, 16 – 18 Uhr
Finssage am Samstag, 21. August, 11 – 14

Öffnungszeiten:
Fr 16–19 Uhr, Sa 11–14 Uhr

Leporello

Mehr Informationen hier und hier

Lignum@AFO vor Ort

Überbauung Waldacker, St. Gallen

Mi 18. August 2021, 17 Uhr vor Ort

Führung durch die Baustelle
Yves Schihin, Oxid Architektur GmbH, Zürich / Verena Egli, Projektleiterin GU, Renggli AG, Sursee / David Renggli, Leiter Marktstrategie, Renggli International, Winterthur / Konrad Leuenberger, Leiter Geschäftsstelle Ostschweiz, Renggli AG, Winterthur / Bauherrschaft Previs Vorsorge

Nachhaltigkeitskriterien gewinnen zunehmend an Bedeutung, damit langfristige Investitionen auch auf längere Sicht die angestrebten Renditen sichern. Und  nachhaltige Bauten generieren einen höheren Nutzen. Davon profitieren die Mieterinnen und Mieter, die Investorin und das Quartier, in das die Überbauung eingebettet ist.
Das additive Holzbausystem reduziert die graue Energie drastisch gegenüber einem Massivbau. Dank dieser Bauweise ohne Feuchtigkeit glänzt das Projekt  durch seine kurze Bauzeit im Vergleich zu anderen Bauweisen. Der Bau ist SNBS-zertifiziert.
Die beiden geknickten Baukörper spannen zwischen sich einen durchgängigen Freiraumkorridor auf. Darauf ausgerichtet ist die Verandaschicht beider Körper.  Sie bietet die gemeinschaftlichen Zugänge zu den Wohnungen und ihren Aussensitzplätzen. So entsteht ein belebter Binnenraum für Begegnungen und soziale Kontakte. Der Holzsystembau hat ökologisch klare Vorzüge gegenüber anderen Baumaterialien.
In dieser repetitiven Überbauung mit seinen Möglichkeiten zur Vorfertigung kann Holz dem Massivbau auch wirtschaftlich ebenbürtig sein.

Im Anschluss an den Rundgang gibt es die Möglichkeit für Fragen und wir laden herzlich zum Apéro.

Eintritt frei

Anmeldung
bis Fr 13. August 2021, an vor-ort@nulla-f-o.ch
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Zur Einleitung für die Besichtigung empfehlen wir, diesen Film im Webinar anzuschauen: www.youtube.com/watch?v=ETUl7lBaYj0

Es besteht Helmpflicht. Bitte nach Möglichkeit einen Baustellenhelm mitbringen.

Adresse
Ahornstrasse 21, 9000 St. Gallen
Wir empfehlen die Anreise mit dem ÖV, Bushaltestelle «Waldacker», ab dort 3 Minuten Fussweg.
Bei der Anreise mit dem Auto stehen einige Parkplätze in der Tiefgarage zur Verfügung, ansonsten empfehlen wir, den öffentlichen Parkplatz «St. Otmar» an der Zürcherstrasse 121 zu benutzen (gebührenpflichtig).

Massnahmen gegen das Coronavirus
Die Veranstaltung findet unter Einhaltung der geltenden Massnahmen des Bundes statt. Aktuelle Informationen erhalten Sie nach der
Anmeldung.

In Zusammenarbeit mit Lignum Holzkette St. Gallen und Lignum Ost

Einladungskarte August

Bildnachweis: Drohnenaufnahme Renggli AG / Visualisierung B-VR Switzerland GmbH

Sommer Camp Architektur 2021

Frauenfeld

Mi 11.– Fr 13. August 2021, 10–16 Uhr
Verwaltungsgebäude des Kt. Thurgau (Glaspalast); Promenadenstrasse 8, Frauenfeld

Machen Sie sich auf und erkunden Sie Frauenfelder Baukultur! Ausgestattet mit Beobachtungsaufträgen und Arbeitsmaterial schauen sich Erwachsene und Kinder, Familien und Gruppen Architektur genauer an. Die gesammelten Erkenntnisse werden zu einer kleinen Ausstellung im Verwaltungsgebäude an der Promenadenstrasse  zusammengefügt.
Hier befindet sich auch ein Atelier, wo sich Themen wie «Raum», «Farbe», «Licht» oder «Konstruktion» experimentell erfahren lassen.

Realisiert durch Ueli Vogt, Felix Rutishauser und Rebekka Ray
Infos unter info@nullzeughausteufen.ch

Zwei Stadtspaziergänge an ausgewählte Orte laden zum Gespräch ein über Baukultur in Frauenfeld. Programm, Gäste und Anmeldung unter www.zeughausteufen.ch

Das Sommer Camp ist Teil des Projektes FRAUEN BAUEN!, unterstützt durch: Architektur Forum Ostschweiz, SIA Thurgau, Hochbauamt Kt. Thurgau, Stadt Frauenfeld

Anmeldekarte Sommer Camp Architektur Frauenfeld 2021

Ein gebautes Manifest

Ein Mesmerhaus wird zum Kraftwerk: Wie ein Nullenergiehaus in Ermatingen zur klimagerechten Gaststätte für die Dorfbewohner wird.

07.08.2021 von Jenny Keller

Mehrere Steinstufen führen in einen wilden Garten hinauf, in dem sich allerlei Insekten wohlfühlen, es riecht nach Pfefferminze. Dahinter ein markanter Kubus mit Holzlatten verkleidet. Kleine Fenster zeichnen die zwei Stockwerke ab,  und der moderne Anbau dockt an historische Substanz an: Ein herrschaftliches, frisch saniertes Haus, dessen Geschichte  spürbar geblieben ist. Gegen Westen in der abschüssigen Strassenkurve liegt ein zweiter Anbau mit Giebeldach, auch ein  vorgefertigter Holzbau, aber weit weniger auffällig als sein Gegenpart im Osten. Hier befindet sich das Treppenhaus in die oberen beiden Etagen, und hier treffen Alt und Neu im Innern aufeinander. Mehrere Plaketten (Solarpreis 2020, Minergie-A-Zertifikat) an der Putzfassade zur Strasse markieren, dass es sich bei diesem Haus um etwas Besonderes handelt.
Mit dem Mesmerhaus bringt Architekt Peter Dransfeld die Anforderungen des Denkmalschutzes und die ökologische Bilanz eines Nullenergiehauses unter ein Dach. Das erforderte grosses Engagement bei der Verhandlung mit den  Behörden, Nachbarn und der Denkmalpflege. Das Manifest mitten im Dorfkern von Ermatingen verkörpert die  Philosophie und das Wirken von Dransfeld anschaulich: In seiner Heimatgemeinde im Thurgau ist Dransfeld seit Jahren  engagiert. Vor seinem Amt als SIA-Präsident war er im Gemeinderat politisch aktiv, und als Architekt arbeitet er häufig im  Dorf oder der Region und generiert eine lokale Wertschöpfung. Sein eigenes Büro gründete der Architekt ETH in den  1990er-Jahren in Ermatingen und beschäftigte sich mit nachhaltiger Architektur, als es dafür noch gar keinen Begriff gab.

Eine visionäre Idee nimmt Gestalt an

Schnell redete man vom «Solararchitekten», doch Dransfeld sagt: «Mein Verständnis von Architektur ist ein  Ganzheitliches. In der Architektur spielen ästhetische, funktionale, wirtschaftliche und auch ökologische Fragen eine  Rolle.» Und er habe sich stets mit denkmalpflegerischen Aufgaben befasst. Schliesslich ist das Erhalten von Bausubstanz meist weit nachhaltiger als Abriss und Neubau.
Wie wird ein 400 Jahre alter Altbau zusammen mit zwei neuen Anbauten zum Nullenergiehaus? Einem Gebäude also, das  die benötigte Energie für Warmwasser, Heizung und Elektro selbst erzeugt? Eine grosse schwarze Fläche aus  Solarmodulen am kubischen Anbau des Mesmerhauses produziert nicht nur die Energie für den Strom, sondern auch den  Wärmebedarf des Dreiparteienhauses mit Bar und Café im Keller. Ihre Lage an der Südfassade sorgt für möglichst viel  Sonneneinstrahlung, ist aber auch abseits von der Dorfstrasse, die der Architekt täglich zu Fuss oder mit dem Velo  passierte, und dabei erfuhr, dass das stark heruntergekommene Haus zum Verkauf stand. Das war 2013. Langsam hat sich der Architekt der Bauaufgabe angenähert, Restauratoren begutachteten den Bestand, und Untersuchungen ergaben, dass  das Holz im ganzen Haus das Schlagdatum 1609 hat. Nach vielen Studien und Berechnungen war auch klar, dass das  ehrgeizige Ziel Nullenergiehaus erreicht werden kann: Mit der Solaranlage am Anbau wird das Mesmerhaus zum Kraftwerk. Dafür bleibt der historische Altbau von technischen An- und Einbauten verschont. Er wurde aber an der Südfassade mit zehn Zentimetern aussengedämmt und an den anderen drei Seiten, wo die Riegelbauweise sichtbar ist,  innengedämmt, und zwar mit Zellulose unter dem restaurierten Täfer.
Im Innern ist die Eingriffstiefe minimalinvasiv und ergab sich im Prozess. Die Wohnungen befinden sich jeweils auf einer  Etage und haben einen neuen und einen alten Teil, die sich nicht wiedersprechen, ihre Entstehungszeit aber preisgeben.
Der ehemalige Lagerraum im Erdgeschoss aus Stein macht das Mesmerhaus auch sozial nachhaltig: Die Gaststätte steht  für Gäste aus dem Dorf offen. Daneben, im Technikraum befinden sich Erdsonden- Wärmepumpe, Speichertank und Lüftungsgerät neben einer umfassenden Dokumentation des Hauses, auf das sein Erbauer sichtlich stolz ist. Zu Recht,  denn wenn man gerne sagt, dass es für gute Architektur eine gute Bauherrschaft benötigt, braucht es auch Architektinnen  und Architekten, die selbst zur Bauherrschaft werden, um visionären Ideen, Gestalt zu geben. Gerade beim  klimagerechten Bauen.

 

Der neue SIA-Präsident

Der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) vertritt die Interessen seiner rund 16 000 Mitglieder aus dem  Bauhauptgewerbe. Peter Dransfeld ist seit April Präsident des gesamten Vereins. Das Amt führt er in einem  Teilzeitpensum aus und setzt sich primär für die Anliegen seiner Mitglieder ein. «Dass ich SIA-Präsident wurde, ist nicht  ganz unabhängig von diesem Haus», sagt Dransfeld. Er erklärt, dass ein Nachholbedarf in Sachen Nachhaltigkeit gegeben  sei. (jk)

Bilder: Hanspeter Schiess

Gutes Bauen Ostschweiz

Grüne Lunge im ehemaligen Industriegebiet

Aktueller Beitrag von Katharina Marchal

Artikel lesen

Wertarbeit

Reto Kradolfer, Gipsermeister, Weinfelden / Regula Harder, Architektin, Zürich / Sheila  Casanova, Hafnerin, Tösstal / Moderation Susanne Brauer, Philosophin, Zürich

Mo 6. Dezember 2021, 19.30 Uhr im Forum und im Livestream

Einführungsreferat von Reto Kradolfer, anschliessend Podiumsdiskussion mit den weiteren Gästen, moderiert durch Susanne Brauer

Bildnachweis: Reto Kradolfer

Energieagentur@AFO

Waldacker – nachhaltiges Bauen mit Holz

Mo 22. November 2021, 19.30 Uhr im Forum

Der runde Tisch Energie und Bauen und das Architektur Forum Ostschweiz laden zur jährlichen Informationsveranstaltung  ein.

Im Westen der Stadt St.Gallen entsteht eine zukunftsorientierte Überbauung mit 110 Mietwohnungen. Die beiden gut 100 Meter langen und bis zu 5 Vollgeschosse hohen Baukörper werden über Terrain komplett im  Holzsystembau erstellt. Sie verlaufen parallel zueinander, folgen der Topografie und schaffen so einen gemeinschaftlichen, durchgrünten Binnenraum.
Darauf ausgerichtet stehen sich die beiden Veranda-Erschliessungen gegenüber. Zusammen mit den privaten  Aussenräumen und den durchgesteckten Wohnräumen bietet die Überbauung eine hohe Wohnqualität. Die Bauherrin strebt mit dem Projekt den Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz SNBS an.

Begrüssung und Moderation
Silvia Gemperle
Energieagentur St.Gallen

Architektonische Qualität und Nachhaltigkeit
Yves Schihin
Oxid Architektur GmbH, Zürich

Holzbau aktuell: Stärken und Perspektiven
Andreas Keller
Renggli AG, Sursee

Aktuelles
Silvia Gemperle
Energieagentur St.Gallen

Anschliessend Fachgespräche beim Apéro

Bildnachweis: Energieagentur St.Gallen

Architektur im Film

Tokyo Ride

Di 25. November 2021, 20 Uhr im Kinok

Einführung durch Momoyo Kaijima, Atelier Bow-Wow, Tokio und Architectural  Behaviorology ETH Zürich

After the multi awarded Moriyama San, Tokyo Ride is a new step of Bêka & Lemoine’s immersion within Tokyo’s busy daily life. Revisiting the genre of the road movie in a very diaristic and personal way, the film takes us on board of Ryue Nishizawa’s vintage Alfa Romeo for a day long wandering in the streets of Tokyo. More than a portrait, in the classical sense, of one of the most talented and celebrated Japanese architect of today, the film renders in its pure spontaneity the experience of this friendly urban drift. Ryue Nishizawa narrates along the way his strong relationship with his home town through some sites he personally affectionates, buildings that have influenced him, and some of his own architecture projects.
The film questions how rooted architecture practice is and how much the built and cultural environment feeds and shapes our imagination.

WINNER:

* Artistic Vision Award, Depth of Field Competition – Best Prize – Docaviv Film Festival, 2020
* Best Prize, Milano Design Film Festival, MDFF 2020-

Regie: Bêka & Lemoine, Frankreich 2020, englisch, 90′
Weitere Vorführung: Di 30. November 2021, 18.30 Uhr

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72 oder auf Kinok

Überdauernde Werte

Martina Voser, Landschaftsarchitektin, Zürich / Jan Stadelmann, Landschaftsarchitekt, Zürich / Sabina Ruff, soziale  Stadtentwicklung und Urbanistin, Frauenfeld / Moderation Susanne Brauer, Philosophin, Zürich

Mo 8. November 2021, 19.30 Uhr im Forum und im Livestream

Einführungsreferat von Martina Voser, anschliessend Podiumsdiskussion mit den weiteren Gästen, moderiert durch Susanne Brauer

Bildnachweis: Martina Voser

Architektur im Film

Rams

Di 19. Oktober 2021, 20 Uhr im Kinok

Einführung durch Sophie Lovell,  Schriftstellerin und Kuratorin, Berlin

Das Zuhause von Dieter Rams ist das perfekte Schaufenster für die Langlebigkeit seiner Entwürfe. In seinem selbst entworfenen Bungalow – ein modernes Gebäude mit japanisch angehauchtem Garten – sieht alles noch exakt so aus wie beim Hausbesuch eines amerikanischen Filmteams in den Siebzigerjahren. Alles gehorcht funktionalen Prinzipien, viel Weiß, kein Schnickschnack. Nur dass die aktuellen Bilder aus einem neuen Film stammen: «Rams» von Gary Hutswit.

Regie: Gary Hustwit, USA 2018, deutsch, 74′
Weitere Vorführung: Mi, 27. Oktober 2021, 18.45 Uhr

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72 oder auf Kinok

Werterhalt

Peter Hutter, Architekt, St. Gallen / Ludmilla Seifert, Kunsthistorikerin und Denkmalpflegerin, Chur / Doris Warger, Konservierung und Restaurierung, Frauenfeld / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker,  Zürich

Mo 4. Oktober 2021, 19.30 Uhr im Forum und im Livestream

Einführungsreferat von Peter Hutter, anschliessend Podiumsdiskussion mit den weiteren Gästen, moderiert durch Jean-Daniel Strub

Barão-Hutter verfolgen seit der Gründung 2012 die Absicht, Architektur in sehr verschiedenartigen, vielschichtigen Kontexten zu entwickeln und zu realisieren. Dabei  interessieren uns alle möglichen Formen menschlicher Tätigkeit, räumlicher Bedürfnisse und Empfindungen. Oft sind bei dieser Arbeit an ausgewählten Orten – vorwiegend in Portugal und der Schweiz – historische Stadtquartiere, wertvolle Gebäude, Gärten und Landschaftsräume, aber auch Rituale, Konventionen und etablierte Denkmuster mit im Spiel. Wobei wir bestrebt sind, darin unsere Konzepte, imaginierten Nutzungen, Atmosphären, neuartigen Konstruktionen und Materialitäten umzusetzen. Trotzdem – oder gerade deswegen – machen wir uns die charakteristischen Qualitäten des Bestandes und der gebauten Vergangenheit zunutze: In einem verwickelten, offenen Prozess zwischen Verstehen und Verwischen, Bewahren und Umdeuten, Schützen und Überformen können spezifische, radikal zeitgenössische Projekte entstehen.
Ob uns dies gelingt, möchten wir gerne im AFO zur Diskussion stellen: anhand des Einbaus einer öffentlichen Wintersauna in das Frauenbad auf Dreilinden (2020), des  Stadtplatzes mit Filmtheater in die historischen Arkaden in Davos (2021) sowie des Mehrspartenhauses für darstellende Künste und sinfonische Musik im Kasernenareal in Aarau (2021).

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

3G-Regel
Bei den Veranstaltungen gilt das Covid-Zertifikat. Das bedeutet, dass jede Person, die den Anlass besuchen möchte, das Covid-Zertifikat sowie eine Identitätskarte vorweisen muss.
Der Anlass im AFO wird aufgezeichnet und kann auf unserer Website über einen Livestream verfolgt werden. Mit der Teilnahme wird eine eventuelle Abbildung des Publikums in der Aufzeichnung akzeptiert.

Barão-Hutter Atelier

Einladungskarte Oktober

Bildnachweis: Barão Hutter, Marco Jörger, Basel

Im Geist des Bestandes erweitert

Die Sanierung der Schulanlage Auen in Frauenfeld knüpft an den Bestand an und spricht zugleich eine zeitgemässe Architektursprache.

17.07.2021 von Katharina Marchal

Nie wurde in der Schweiz mehr und schneller gebaut als in den Jahren des Baubooms zwischen  1960 und 1975. Seither sind die Anforderungen an die Gebäude gestiegen, und ein  Grossteil der Bauten muss auf den neusten Stand gebracht und saniert werden. Ziel sollte sein,  die Bausubstanz dieser aussergewöhnlichen Zeitzeugen nicht nur aus ökonomischer Sicht zu  erhalten, sondern die gestalterischen Qualitäten und bautechnischen Besonderheiten zu  verstehen.
Wichtige Schweizer Architekten der Nachkriegszeit waren Max Schlup, Franz Füeg, Fritz  Haller, Alfons Barth und Hans Zaugg, bekannt unter dem Namen «Solothurner Schule». Barth und Zaugg Architekten begeisterten sich bereits in frühen Jahren für die Stahl- und Glas- Konstruktionen des in die USA emigrierten Mies van der Rohe und Philip Johnson. Deren  Gebäude zeichnen sich durch eine klare und reduzierte Architektursprache aus. Sie war auch  Vorbild für die Schulanlage Auen, die Barth und Zaugg ab 1967 am nördlichen Stadtrand von  Frauenfeld umsetzten. Zuerst entstand das Schulgebäude «Auen 1» mit 16 Klassenräumen, dem Werkstattgebäude und der Doppelturnhalle. Ein Vierteljahrhundert später wurde die  Anlage um ein kleineres Schulgebäude – dem «Auen 2» – mit 9 Klassenzimmern erweitert; dessen konstruktiver Aufbau folgte dem älteren Beispiel. Gemeinsam bilden die vier kubischen  Baukörper ein Ensemble, das in seiner versetzten Anordnung einem Universitätscampus nach amerikanischem Vorbild gleicht. Doch die Bauten der Schulanlage Auen entsprachen nicht  mehr den heutigen betrieblichen, bauphysikalischen und bautechnischen Anforderungen. Eine Gesamtsanierung war deshalb notwendig. Den ausgeschriebenen öffentlichen Wettbewerb zur  Sanierung und Erweiterung der Schulanlage gewannen 2014 jessenvollenweider, gemeinsam mit ZPF Ingenieure aus Basel. Im letzten Jahr wurde das Projekt abgeschlossen. Es ergänzt  und verdichtet den Campus in einer selbstverständlichen Art. Dabei bleibt die ursprüngliche strukturelle Logik des Konzeptes von Barth und Zaugg nicht nur erhalten, sondern der Campus  wird im Geist des Bestandes erweitert. Sämtliche Sanierungsmassnahmen wurden in enger Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege umgesetzt.
Zuerst wurden die nachträglich erstellten Kunststoffdächer auf dem Pausenplatz entfernt.  Heute reihen sich hier drei elegante Pavillonbauten aneinander. Gemeinsam bilden sie eine «dritte Spur» innerhalb des bestehenden Rasters.

Die Neuinterpretation der Ecke

Zwei Pavillons sind als offene Unterstände gestaltet: Der eine überdacht die Velos, der andere bietet  geschützten Aufenthalt in der Pause. Die leichte und offene Konstruktion bringt den Pausenplatz wieder voll zur  Geltung und gibt den Blick auf die «Kleine Allmend» im Westen der Anlage frei. Als Auftakt der Anlage  befindet sich im Osten der dritte geschlossene Pavillon; dieser nimmt zum Platz hin das Bistro mit dem Kiosk auf. Zur Strasse hin liegt die Aula, die auch als Mehrzweckraum genutzt werden kann. Die einläufige Treppe ins Untergeschoss ermöglicht auch ausserhalb des Schulbetriebs den Zugang zur Sporthalle. Im Zug der  Erweiterung der Zwei- zur Dreifachturnhalle wurden die Garderoben neu organisiert, die bestehende unterirdische Verbindung zur Sporthalle ergänzt sowie der Aussenraum der Schulanlage erneuert. Grosse Steinblöcke fassen den Uferbereich des bestehenden Biotops am Eingang der Schulanlage neu ein. Der  Pausenplatz ist durch grossformatige Betonplatten aufgewertet.
Jessenvollenweider knüpften nicht nur in städtebaulicher Hinsicht an die Ideen von Barth und Zaugg an. Auch die Konstruktion des Bestands inspirierte sie zum Weiterdenken. Während das Tragwerk der Bestandsbauten  im Baukörper integriert ist, liegen die Stahlrahmen des geschlossenen Pavillons ausserhalb der Fassade.  Konsequenterweise sind die Stützen der Dächer aus den Ecken geschoben.
Zur grössten Herausforderung zählte die Sanierung der Vorhangfassaden der Bauten aus den 1968er Jahren. Während alle Fassadenprofile wieder verwendet werden konnten, mussten aufgrund der energetischen  Anforderungen die Gläser durch Dreifachverglasung ersetzt und mit neuen Sonnenstoren versehen werden.  Diese Massnahme senkt den Energieverbrauch wesentlich und ermöglicht den Minergie-Standard für die  sanierten Bauten. Doch die Profile mussten verstärkt werden, deshalb entstand die «offene» Ecke, die mit einer  abgerundeten Verglasung ausgefacht wird. Damit differenziert sich die Konstruktion bewusst von der  Mies’schen Ecklösung, der die Vorgänger folgen. Auch die Farbgebung entwickelten jessenollenweider weiter. Im Bestand sind die Primärstruktur durch die anthrazitfarbenen Stahlstützen und die Sekundärstruktur durch  die weissen Binder klar ablesbar, genauso wie die bestehenden Steigzonen und die neuen Schächte für die neue  Lüftung rot gestrichen sind. Daran angelehnt sind die Tragstruktur und die abgehängten Decken aus  Trapezblech der Neubauten in Weiss gehalten. In der vorwiegend weissen Aula setzen die roten Vorhänge vor  der kleinen Bühne einen feierlichen Akzent. Die Betonwände der innen liegenden Kerne sind bewusst roh  belassen. Der nachträglich eingebaute Lift im Foyer wurde entfernt, um das offene Treppenhaus im «Auen 1»  wieder voll zur Geltung zu bringen.

«Wir kämpften um jeden Zentimeter»

Aufgrund der Rasterstruktur der Bestandsbauten sind alle Innenräume flexibel aufteilbar. Zur Erfüllung der  heutigen Brandschutzauflagen und zur Reduzierung der Schallübertragung zwischen den Räumen mussten die Trennwände im «Auen 1» sowie im Werkgebäude verstärkt werden. «Für die Erhaltung des schlanken  Konstruktionsaufbaus der Wände kämpften wir um jeden Zentimeter», erklärt Bauleiter Roland Grandits.  Damit bleiben die räumliche Offenheit und Transparenz der Bauten von Barth und Zaugg erhalten.  Jessenvollenweider haben es geschafft, das historische Gesamtensemble durch drei Pavillons logisch zu  ergänzen und die ursprüngliche Idee des Konzepts wieder spürbar zu machen. Gleichzeitig differenzieren sich  die Neubauten klar vom Bestand.

Bilder: Hanspeter Schiess

Do 15. Juli 2021, 19 Uhr, Zeughaus Teufen

Anna Jessen, Leitung ArchitekturWerkstatt St. Gallen, OST Ostschweizer Fachhochschule
Hansruedi Beck, Leitung Denkmalpflege Appenzell Ausserrhoden
Paul Knill, Architekt, Herisau
Moderation Elias Baumgarten

Der ehemalige Bauherren- und Architekturpreis «Gutes Bauen Ostschweiz» wandelte sich in den letzten zehn Jahren zu einer «Plattform für Architekturvermittlung». Um den Diskurs über lokale Baukultur in der Schweiz zu fördern, hat das Architektur Forum Ostschweiz (AFO) eine Artikelserie angeregt, die seit 2011 monatlich in der regionalen Tagespresse erscheint und gesammelt in den Anthologien zur Baukultur «Raum Zeit Kultur» (2016) sowie «Stadt und Landschaft denken» (2021) im Triest Verlag herausgegeben wurde.

Die Debatte um die Baukultur soll jedoch nicht nur in den Medien stattfinden, sondern auch am Ort des Geschehens. Das Architektur Forum Ostschweiz, der Triest Verlag sowie der Herausgeber Elias Baumgarten von swiss-architects.com laden deshalb zu folgenden Veranstaltungen ein, die sich mit den übergreifenden Themen Raumplanung, Städtebau, Architektur und Landschaftsplanung beschäftigen. Im Detail interessiert uns, wie die baukulturelle Identität der Orte gefunden, herausgearbeitet und gestaltet werden kann.
Moderiert werden die Diskussionen von Elias Baumgarten.

Wir laden herzlich zum Apéro nach Veranstaltungsende

Eintritt frei, aber Anmeldung erforderlich
Durchführung der Anlässe aufgrund der Covid-Situation unter Vorbehalt, wir informieren per E-Mail und auf den Websites der Veranstalter.

Anmeldung
bis 12. Juli 2021 unter vor-ort@nulla-f-o.ch

Eine Veranstaltungsreihe von
Architektur Forum Ostschweiz
Swiss Architects
Triest Verlag

Mit Unterstützung von Pro Helvetia

Einladungskarte Gutes Bauen Ostschweiz unterwegs

Sommer Camp Architektur 2021

St. Gallen

Di 13. Juli – Fr 16. Juli 2021, jeweils 9–15 Uhr
Architektur Forum Ostschweiz, St. Gallen

Bunt oder grau? Streng oder verspielt? Massiv oder leicht?
Kinder und Jugendliche (11–15 Jahre) gehen der Vielfalt von Architektur auf den Grund, indem sie unterschiedliche Bauwerke vor Ort erkunden, aussergewöhnliche Ein- und Ausblicke erhalten, mit Fachpersonen ins Gespräch kommen und selber mit Farben, Formen und Konstruktionen experimentieren.

Realisiert durch Ueli Vogt, Rebekka Ray und Alex Schillig
Kosten: Fr. 50.-

Anmeldung
bis Fr 25. Juni 2021 unter info@nullzeughausteufen.ch

Das Sommer Camp ist Teil des Projektes FRAUEN BAUEN! – weitere Veranstaltungen und Ausstellungen unter: www.zeughausteufen.ch und ninakeel.com

Anmeldekarte Sommer Camp Architektur St. Gallen 2021

Hauptversammlung

2021

Die Hauptversammlung 2020 wurde in diesem Jahr schriftlich durchgeführt

Wir danken unseren Mitgliedern für die rege Teilnahme.

Alle Mitglieder, Fachverbände und Sponsoren erhielten ein Schreiben sowie ein Abstimmungsformular, mit der Bitte, dieses bis zum 11. Juli 2021 per Post oder Email zu retournieren.

Bestandteil der Beschlussfassung waren

Protokoll der HV 2020
Jahresrechnung 2020
Revisorenbericht
Budget 2021
Wahl Revisoren
Wahl Vorstand

Statuten

 

Das Protokoll der Hauptversammlung 2021 ist hier abrufbar:

Protokoll der HV 2021

Do 8. Juli 2021, 19.30 Uhr, Aula Berufsbildungszentrum Weinfelden

David Keller, Architekt, Mitglied Architekturforum Konstanz-Kreuzlingen, Projektleiter Stadt Weinfelden
Max Vögeli, Stadtpräsident Weinfelden
Peter Kimpel, Vorstandsmitglied Gewerbeverein Weinfelden und Umgebung, Vertreter der Fachgeschäfte (Inhaber Villa Optik)
Moderation Elias Baumgarten

Der ehemalige Bauherren- und Architekturpreis «Gutes Bauen Ostschweiz» wandelte sich in den letzten zehn Jahren zu einer «Plattform für Architekturvermittlung». Um den Diskurs über lokale Baukultur in der Schweiz zu fördern, hat das Architektur Forum Ostschweiz (AFO) eine Artikelserie angeregt, die seit 2011 monatlich in der regionalen Tagespresse erscheint und gesammelt in den Anthologien zur Baukultur «Raum Zeit Kultur» (2016) sowie «Stadt und Landschaft denken» (2021) im Triest Verlag herausgegeben wurde.

Die Debatte um die Baukultur soll jedoch nicht nur in den Medien stattfinden, sondern auch am Ort des Geschehens. Das Architektur Forum Ostschweiz, der Triest Verlag sowie der Herausgeber Elias Baumgarten von swiss-architects.com laden deshalb zu folgenden Veranstaltungen ein, die sich mit den übergreifenden Themen Raumplanung, Städtebau, Architektur und Landschaftsplanung beschäftigen. Im Detail interessiert uns, wie die baukulturelle Identität der Orte gefunden, herausgearbeitet und gestaltet werden kann.
Moderiert werden die Diskussionen von Elias Baumgarten.

Wir laden herzlich zum Apéro nach Veranstaltungsende

Eintritt frei, aber Anmeldung erforderlich
Durchführung der Anlässe aufgrund der Covid-Situation unter Vorbehalt, wir informieren per E-Mail und auf den Websites der Veranstalter.

Anmeldung
bis 5. Juli 2021 unter vor-ort@nulla-f-o.ch

Eine Veranstaltungsreihe von
Architektur Forum Ostschweiz
Swiss Architects
Triest Verlag

Mit Unterstützung von Pro Helvetia

Einladungskarte Gutes Bauen Ostschweiz unterwegs

Do 24. Juni 2021, 18.30 Uhr, Güterschuppen, Glarus

Einführungsreferat von Nina Cattaneo und Pascal Marx, Ruumfabrigg, anschliessend Podiumsdiskussion mit Verkehrsplaner Marc Schneiter und Raumplanerin Agnes Heller
Moderation Elias Baumgarten

Der ehemalige Bauherren- und Architekturpreis «Gutes Bauen Ostschweiz» wandelte sich in den letzten zehn Jahren zu einer «Plattform für Architekturvermittlung». Um den Diskurs über lokale Baukultur in der Schweiz zu fördern, hat das Architektur Forum Ostschweiz (AFO) eine Artikelserie angeregt, die seit 2011 monatlich in der regionalen Tagespresse erscheint und gesammelt in den Anthologien zur Baukultur «Raum Zeit Kultur» (2016) sowie «Stadt und Landschaft denken» (2021) im Triest Verlag herausgegeben wurde.

Die Debatte um die Baukultur soll jedoch nicht nur in den Medien stattfinden, sondern auch am Ort des Geschehens. Das Architektur Forum Ostschweiz, der Triest Verlag sowie der Herausgeber Elias Baumgarten von swiss-architects.com laden deshalb zu folgenden Veranstaltungen ein, die sich mit den übergreifenden Themen Raumplanung, Städtebau, Architektur und Landschaftsplanung beschäftigen. Im Detail interessiert uns, wie die baukulturelle Identität der Orte gefunden, herausgearbeitet und gestaltet werden kann.
Moderiert werden die Diskussionen von Elias Baumgarten.

Wir laden herzlich zum Apéro nach Veranstaltungsende

Eintritt frei, aber Anmeldung erforderlich
Durchführung der Anlässe aufgrund der Covid-Situation unter Vorbehalt, wir informieren per E-Mail und auf den Websites der Veranstalter.

Anmeldung
bis 21. Juni 2021 unter vor-ort@nulla-f-o.ch

Eine Veranstaltungsreihe von
Architektur Forum Ostschweiz
Swiss Architects
Triest Verlag

Mit Unterstützung von Pro Helvetia

Einladungskarte Gutes Bauen Ostschweiz unterwegs

Do 17. Juni 2021, 18 Uhr, Kultur- und Kongresshaus Verrucano

Im Anschluss an eine Führung durch das Kultur- und Kongresshaus Verrucano findet um 18.30 Uhr die Podiumsdiskussion statt.

Guido Fischer, Gemeindeammann
Beat Loosli, Architekt, Raumfindung Architekten
Christian Wagner, Architekt, FH Graubünden, Bereich Ortsbildentwicklung und Siedlungsplanung
Moderation Elias Baumgarten

Der ehemalige Bauherren- und Architekturpreis «Gutes Bauen Ostschweiz» wandelte sich in den letzten zehn Jahren zu einer «Plattform für Architekturvermittlung». Um den Diskurs über lokale Baukultur in der Schweiz zu fördern, hat das Architektur Forum Ostschweiz (AFO) eine Artikelserie angeregt, die seit 2011 monatlich in der regionalen Tagespresse erscheint und gesammelt in den Anthologien zur Baukultur «Raum Zeit Kultur» (2016) sowie «Stadt und Landschaft denken» (2021) im Triest Verlag herausgegeben wurde.

Die Debatte um die Baukultur soll jedoch nicht nur in den Medien stattfinden, sondern auch am Ort des Geschehens. Das Architektur Forum Ostschweiz, der Triest Verlag sowie der Herausgeber Elias Baumgarten von swiss-architects.com laden deshalb zu folgenden Veranstaltungen ein, die sich mit den übergreifenden Themen Raumplanung, Städtebau, Architektur und Landschaftsplanung beschäftigen. Im Detail interessiert uns, wie die baukulturelle Identität der Orte gefunden, herausgearbeitet und gestaltet werden kann.
Moderiert werden die Diskussionen von Elias Baumgarten.

Wir laden herzlich zum Apéro nach Veranstaltungsende

Eintritt frei, aber Anmeldung erforderlich
Durchführung der Anlässe aufgrund der Covid-Situation unter Vorbehalt, wir informieren per E-Mail und auf den Websites der Veranstalter.

Anmeldung
bis 14. Juni 2021 unter vor-ort@nulla-f-o.ch

Eine Veranstaltungsreihe von
Architektur Forum Ostschweiz
Swiss Architects
Triest Verlag

Mit Unterstützung von Pro Helvetia

Einladungskarte Gutes Bauen Ostschweiz unterwegs

Eine eigene Architektursprache

Die Anlage der Pädagogischen Hochschule Thurgau in Kreuzlingen spricht die Sprache ihres Erbauers: Beat Consoni.

12.06.2021 von Jenny Keller

Es sind unbeschriebene Blätter, die von den Nutzerinnen und Nutzern gefüllt werden. Gefässe, die sich unterordnen, aber dennoch klare Strukturen aufweisen: Die Pädagogische Hochschule Thurgau  (PHTG) besteht aus einem Gefüge von drei kubischen Betonbauten. Die Anlage wirkt wie aus einem Guss, obwohl sie in Etappen entstand; sie tragen Beat Consonis unverwechselbare Handschrift. Der  Architekt schuf hier ein Kontinuum, das den Aussenraum als wichtigen Teil der Anlage miteinbezieht: «Die Freiflächen sind mir wichtig und haben mich mit einem Nachdiplomstudium in Raumplanung schon immer interessiert.» Das Ensemble ist Teil des Bildungscampus in Kreuzlingen mit Primarschule, Kantonsschule und Sekundarschule.
Die erste Etappe markierte auch den Neubau für eine Schule im Aufbau.
Zwar bildet die pädagogische Maturitätsschule – früher das Lehrerseminar – von Esther und Rudolf Guyer (1969–1972) im Süd-Osten des Areals den historischen Auftakt. Doch Consoni hat beim ersten Wettbewerb 2003 entgegen dem Auftrag keine Verbindung zu den Guyer-Bauten entworfen, was für Klarheit und Stringenz der Anlage sorgt und den neuen Bauten der PHTG zu eigenem Ausdruck und  eigenständiger Haltung verhilft. Die offene Grundrissgestaltung aller Gebäude verleiht der Hochschule Offenheit mit Werkstattcharakter und macht sie flexibel nutzbar.
Zuerst standen die Gebäude M und P der Pädagogischen Hochschule, fertiggestellt wurde die erste Etappe 2008. Die neuste Ergänzung, das Gebäude Z, steht im rechten Winkel zu den anderen Bauten,  parallel zur Schulstrasse in Kreuzlingen. 2020 wurde der Bau pandemiebedingt still eröffnet und erst halbwegs in Betrieb genommen. Consoni gewann den Wettbewerb dafür 2015 und setzte sich in der  Präqualifikation mit 34 Teilnehmern und schliesslich gegen 14 Konkurrenten durch.

In der gleichen Sprache weiterbauen

Ein grosser Freiraum mit Spielwiese vor der Klosteranlage bildet nun den eigentlichen Mittelpunkt der gesamten Anlage, wobei das neue mit zwei Geschossen die gleiche Höhe wie das Gebäude  aufweist – mit rund 80 Metern dafür länger ist. Das Raumprogramm, Büros des Rektorats, Medien- und Informatikräume, Hauswirtschaft, und Räume für den Unterricht im bildnerischen Gestalten zusammen mit der  benachbarten pädagogischen Maturitätsschule finden im dreibündig organisierten Bau Platz. Im Erdgeschoss zur Strasse blitzt der Chromstahl der bisher unbenutzten Schulküche wie in einem Showroom eines Küchenherstellers. Leicht aus der Mitte geschoben liegt ein die Breite durchstossendes Foyer mit Oblicht und offener Treppenanlage. Galerieartig entwickelt sich daraus das obere Geschoss. Ein Geländeschnitt schält den Kubus aus dem Hang, sodass auch die hinteren Büros nicht im Dunkeln zu liegen kommen und über raumhohe Fenster verfügen.
Am nördlichen Ende des Dachs markieren acht Shed-Oblichter die kreative Tätigkeit im Innern der Zeichnungssäle, die so mit reinem Zenitallicht beleuchtet werden. Gleichzeitig beziehen sich die Aufbauten räumlich auf das vorgelagerte Gebäude M und definieren den Platz zwischen den zwei Bauten. Dass zwölf Jahre zwischen den drei Gebäuden liegen, fällt kaum auf. Sie reden die gleiche architektonische Sprache: Rechte Winkel, einfache Formen, klare Öffnungen, Sichtbeton im Innern und Äusseren und eine abgebildete Statik und Konstruktion. Das Skelett im neusten Gebäude in Kreuzlingen ist sichtbar,  ausfachende Wände ohne statische Aufgabe sind dagegen in Gips, weiss gestrichen oder aus Glas. «Die Statik ist immer ein wesentlicher Bestandteil für mich», sagt Consoni, dessen Architekturverständnis  auf der Moderne basiert. «Ich schaffe differenzierte Raumerlebnisse in einfacher Kubatur.» Dafür sorgen Schrägsichten und eine gezielte Lichtführung.
Die Innenräume sind zurückhaltend, ja fast karg gestaltet und können unterschiedliche Interventionen der Nutzerinnen und Nutzer aufnehmen, so zum Beispiel die bunten kreativen Arbeiten der  Studierenden und Schülerinnen und Schüler. Die Skelettbauten ermöglichen Flexibilität im Betrieb und im Bau. Die Topografie ist im Entwurf eingeschrieben und die Landschaft wird wie die Innenräume  belassen wie sie sind, Schlüsselblümchen und Gänseblumen auf einer grünen Wiese zeugen davon.

Transparenz, Austausch, Sich-Sehen: Das ist der Anspruch

Im neusten Gebäude fand der überdachte Pausenraum der angrenzenden Primarschule wieder Platz. Der Ort wirkt beinahe sakral, er erinnert an Le Corbusiers Kirche in Ronchamp. Ganz geerdet sind die  Ansprüche, die der Architekt an seine Räume stellt. Die Transparenz, der Austausch, die Wahrnehmung und das Sich-Sehen stehen im Zentrum seiner Bildungsbauten, die von den Studierenden  angenommen werden sollen, damit sie sich wohlfühlen und sich informell begegnen können.
Beat Consonis Bauten sind meist aus Sichtbeton. Die Betonfassaden geben der Volumenkomposition in Kreuzlingen Struktur und einen ästhetischen Hintergrund. Der Neubau ist mit schmalen, rohen  Holzbrettern geschalt und erhält dadurch eine lebhafte Textur, die beiden Vorgängerbauten sind mit Schaltafeln betoniert und weisen grössere Flächen auf, die die Fassade gliedern. Anders als die Guyer- Bauten mit ihrer durch Eisenoxyd rotbraunen Färbung und poröser Textur, sind die Fassaden bei Consonis Bauten glatt und hellgrau und ergänzen die Fassadenöffnungen in Glas und Aluminium in unterschiedlichen Einbautiefen. Dennoch verbindet sich die brutalistische Vergangenheit der Guyer-Schule mit der funktionalistisch aufgeräumten Gegenwart der neuen Consoni-Bauten. Beim neusten Bau  benutzte man Recyclingbeton, und eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach deckt den Strombedarf. Das Gebäude Z erreicht das Minergie-A-Label, eine gut gedämmte Gebäudehülle ist dafür Voraussetzung. So liegt die Fassade anhand weniger Verbindungen auf dem Skelettbau, womit kaum Wärmebrücken, also Orte in der Aussenhülle entstehen, die weniger gut gedämmt sind.
Bauen in Beton sei höchst anspruchsvoll, meint Consoni, der auf eine lange Karriere zurückblickt und verweist auf die gute Zusammenarbeit mit Ingenieur und Baumeister, schliesslich sei Architektur immer ein Gemeinschaftswerk.

Bilder: Hanspeter Schiess

LandschaftsarchitekTour

Arbon

Fr 11. Juni 2021, 13 – ca. 19 Uhr

Arbon hat in den letzten Jahren eine enorme Umstrukturierung und Wertetransformation erfahren. Das bauliche Erbe des Saurer Traditionsunternehmens hat weitreichende Impulse für die Weiterentwicklung der Stadt geliefert. Passend zum Jahresthema Werte des Architektur Forums Ostschweiz besichtigen wir unterschiedliche Bauten und Freiräume und bewegen uns im Spannungsfeld zwischen dem Wert der Baukultur und der Wertesteigerung durch Weiterentwicklung.

Auf unserer Exkursion besichtigen wir unter kundiger Führung die kürzlich erweiterte Schulanlage Stacherholz. Die Erweiterungsbauten sowie bewusst zurückhaltende Interventionen im Aussenraum konnten die zeittypische Idee der fliessenden Schullandschaft bewahren. In unmittelbarer Nähe befindet sich das Wohnhochhaus von Georges-Pierre Dubois. Die Ikone plante er im Sinne von Le Corbusiers Unité d`Habitation Ende der 1950er Jahre. Von der Dachterrasse geniessen wir einen fantastischen Blick über Arbon und den Bodensee. Anschliessend spazieren wir entlang der Aach Richtung Saurer WerkZwei, wo wir im transformierten Stadtquartier der ehemaligen Maschinenfabrik den Park von Krebs und Herde Landschaftsarchitekten erkunden. Zum Abschluss besichtigen wir die nahe gelegene Textildruckerei in den alten Saurer Hallen, die als letzte Schweizer Handsiebdruck-Firma hochwertige Textilien herstellt. Bei einem gemeinsamen Apéro lassen wir den Abend ausklingen.

Beteiligte Personen
Sabine Hutter, hutterzoller Architektur St.Gallen / Marcel Specker, PR Landschaftsarchitektur, Arbon
Bettina Hedinger, Denkmalpflege Thurgau
Eva Dorsch, Krebs und Herde Landschaftsarchitekten, Winterthur
Martin Schlegel, TDS Textildruckerei Arbon

Anreise
Individuelle Anreise zB. mit Postauto von St.Gallen, Ausstieg Arbon Wildpark
Treffpunkt 13 Uhr Schulanlage Stacherholz, Parkplatz Standstrasse

Anmeldung
mit vollständigen Angaben bis Fr 4. Juni 2021 an landschaftsarchitektour@nulla-f-o.ch.

Mitglieder BSLA und Architektur Forum Ostschweiz gratis, Nichtmitglieder Fr. 30.-
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Eine Veranstaltung des Bundes Schweizer Landschaftsarchitekt*innen BSLA und des Architektur Forums Ostschweiz

Einladungskarte LandschaftsarchitekTour Arbon

Bildnachweis: Eva Maria Bärlocher, TDS Textildruckerei, Arbon

Stadt und Landschaft denken – Buchtaufe Gutes Bauen Ostschweiz 2016–2020

Elias Baumgarten, Chefredaktor Magazin swiss-architects.com, Zürich / Susanna Koeberle, Journalistin, Zürich / Caspar Schärer, Architekt, Zürich

Mo 31. Mai 2021, 19.30 Uhr im Forum und im Livestream

Der ehemalige Bauherren- und Architekturpreis «Gutes Bauen Ostschweiz» wandelte sich in den letzten zehn Jahren zu einer «Plattform für Architekturvermittlung». Um den Diskurs über lokale Baukultur in der Schweiz zu fördern, hat das Architektur Forum Ostschweiz (AFO) eine Artikelserie angeregt, die seit 2011 monatlich in der regionalen Tagespresse erscheint und gesammelt in den «Anthologien zur Baukultur» «Raum Zeit Kultur» (2016) sowie «Stadt und Landschaft denken» (2021) im Triest Verlag herausgegeben wurde. Anlässlich des Erscheinens von Stadt und Landschaft denken findet am 31. Mai die Vernissage der Publikation im Architektur Forum Ostschweiz statt. Zudem begleitet eine Veranstaltungsreihe das Erscheinen des Buches, um die darin thematisierten baukulturellen Fragen vertieft zu diskutieren.

Das Architektur Forum Ostschweiz möchte mit der Artikelserie und diesem Buch die Tür für eine breite Diskussion um gute Architektur in der Ostschweiz und darüber hinaus öffnen; für Regionen, die wie die Ostschweiz einerseits mit Problemen der Abwanderung und des unbeholfenen Wildwuchses an Gewerbegebieten oder Wohnbauten zu kämpfen haben und die andererseits durch regionale Baukulturen und Identitäten sowie wirtschaftliche Besonderheiten prädestiniert sind, für diese Fragen Lösungen zu finden. Denn Baukultur «bröckelt», wie mir der Vorarlberger Architekt Stefan Marte einmal sagte, sobald man sich nicht ständig für sie einsetzt. Architekturvermittlung für alle ist dabei vielleicht der wichtigste Baustein.
Elias Baumgarten

Zusammen mit dem Herausgeber Elias Baumgarten, der Autorin Susanna Koeberle und dem Autor Caspar Schärer reflektieren wir den Prozess und diskutieren die Bedeutung der Berichterstattung über Architektur. Die Fotografin Katalin Deér, die zwei umfangreiche Bildessays zum Buch beigetragen hat, rahmt den Anlass mit einer kleinen Ausstellung. Und wir feiern die Taufe des Buches!

Anmeldung erforderlich
bis Fr 28. Mai 2021 unter info@nulla-f-o.ch
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte GBO Vernissage

Gutes Bauen Ostschweiz

Die Bücher Raum Zeit Kultur sowie Stadt und Landschaft denken sind im Buchhandel, auf der Website des  Verlags sowie vor Ort erhältlich.

Die Debatte um die Baukultur soll jedoch auch am Ort des Geschehens stattfinden. Das AFO, der Triest Verlag  sowie der Herausgeber Elias Baumgarten von swiss-architects. com laden deshalb im Juni und Juli 2021 zu vier Veranstaltungen  ein, die sich mit den übergreifenden Themen Raumplanung, Städtebau, Architektur und Landschaftsplanung beschäftigen:

Einladungskarte Gutes Bauen Ostschweiz unterwegs

Architektur im Film

Aalto

Diverse Spieldaten im Mai, im Kinok

Alvar Aalto (1898–1976) zählt zu den wichtigsten und einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Mit wegweisenden Bauten wie dem Sanatorium Paimio (1933) oder der Bibliothek in Viipuri (1935) gilt er in seiner Heimat Finnland als «Vater der Moderne». Seine überaus produktive Schaffensphase reicht von den 1920er-Jahren bis in die 1960er-Jahre und umfasst ein vielschichtiges Gesamtwerk von Architektur, Design und Städtebau. Mit der Verwendung regionaler und natürlicher Materialien gab er wesentliche Impulse für das nachhaltige Bauen, verschloss sich aber auch den neuen Technologien nicht. Das «irrational Organische» lässt sich bei ihm nie vom Funktionalen und Rationalen trennen: So verbessert die wellenförmige Decke in Viipuri die Akustik des Auditoriums. Zusammen mit seiner ersten Frau, der Architektin und Designerin Aino Aalto (1894–1949), entwarf er Möbel, Lampen und Glasobjekte, die zu Klassikern geworden sind, so der Paimio-Sessel oder die Savoy-Vase, deren Wellenform auf den Namen ihrer Schöpfer (Aalto bedeutet Welle) anspielt. Aino Aalto wurde 1935 künstlerische Direktorin der Möbelherstellerfirma Artek, die von den Aaltos mitbegründet wurde. Auch mit seiner zweiten Frau, der Architektin Elissa Mäkiniemi, arbeitete Aalto eng zusammen; nach seinem Tod führte sie die angefangenen Projekte zu Ende. Die finnische Regisseurin und Produzentin Virpi Suutari ist in Rovaniemi aufgewachsen, die dortige Bibliothek von Alvar Aalto war der «Zufluchtsort ihrer Kindheit». Der Dokumentarfilm begibt sich auf Aaltos Spuren in Finnland und zeigt sein grosses internationales Wirkungsfeld sowie Begegnungen und Freundschaften, darunter jene mit Carola und Sigfried Giedion-Welcker, Le Corbusier und László Moholy-Nagy. Aktuelle Aufnahmen werden mit Archivmaterial kombiniert, in Tondokumenten kommen Zeitzeuginnen und Experten zu Wort. Eine sehr persönliche Ebene erhält der Film durch die von einem Schauspieler und einer Schauspielerin eingesprochenen Liebesbriefe von Alvar und Aino Aalto, die die innige Verbundenheit dieses in jeder Hinsicht aussergewöhnlichen Paares dem Publikum nahebringt.

Aufgrund der geringen Anzahl an Publikum, die momentan erlaubt ist, verzichten wir auf eine Vorführung mit Einführung.

FI 2020, 103 min, DCP, O/d-f, ab 16 Jahren
Regie: Virpi Suutari
Mitw.: Alvar Aalto, Aino Aalto, Elissa Aalto u.a.

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72 oder auf Kinok

Die Vorführungen der weiteren Filme, die in der Reihe «Architektur im Film» gezeigt werden sollten, wurden auf Herbst verschoben. Die genauen Daten folgen.

Wertstoffe

Barbara Buser, Architektin, Basel /  Severin Lenel, Architekt, Umweltingenieur und Ökonom, St. Gallen / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 3. Mai 2021, 19.30 Uhr im Forum und im Livestream

Die Schweizerische Bauwirtschaft produziert zurzeit 17 Mio Tonnen Abfälle pro Jahr.

Die Deponien füllen sich rasant, und auch die zaghaften Versuche einzelner Abbruchunternehmer, Beton zu recyklieren, ändern nicht viel an der Menge der deponierten Inert Stoffe.

Auf der anderen Seite betreiben wir seit Jahrzehnten Raubbau an den natürlichen Materialvorkommen: So unwahrscheinlich es tönt, wird sogar Sand zur Mangelware.

Wenn wir aus diesen Einbahnstrassen rauskommen wollen, müssen wir die linearen Prozesse in Kreisläufe verwandeln. Und das wird nur gelingen, wenn alle an der Bauwirtschaft beteiligten, von den Bauherrschaften über die Banken, die Architekt:innen, die Unternehmer:innen gemeinsam versuchen, die Kreisläufe zu schliessen.

Und zwar jetzt!

Die schweizerische Bauwirtschaft produziert zurzeit 17 Mio Tonnen Abfälle pro Jahr. Die Deponien füllen sich rasant, und auch  die zaghaften Versuche einzelner Abbruchunternehmer, Beton zu recyklieren, ändern nicht viel an der Menge der deponierten  Inertstoffe.
Ausserdem betreiben wir seit Jahrzehnten Raubbau an den natürlichen Materialvorkommen: So unwahrscheinlich es tönt,  sogar Sand wird zur Mangelware.
Wenn wir aus diesen Einbahnstrassen rauskommen wollen, müssen wir die linearen Prozesse in Kreisläufe verwandeln. Und  das wird nur gelingen, wenn alle an der Bauwirtschaft Beteiligten, von den Bauherrschaften über die Banken, die  Architekt*innen, bis zu den Unternehmer*innen, gemeinsam versuchen, die Kreisläufe zu schliessen. Und zwar jetzt!
Es reicht nicht, heute in weiser Voraussicht so zu bauen, dass die Gebäude in 50 oder 100 Jahren wiederverwendet werden  können.
Es reicht nicht, von jetzt an nur noch sortenreine Materialien zu verwenden und diese so zusammenzufügen, dass man sie  wieder zerstörungsfrei voneinander trennen kann.
Es reicht nicht, die verwendeten Materialien in einem Materialkataster zu speichern, damit man in 50 Jahren noch weiss, was in den Gebäuden verbaut worden ist, damit die in 50 oder 100 Jahren abzureissenden Gebäude als «Urban Mine», als  Wertstofflager, genutzt werden können. Wir müssen jetzt umdenken. Wir müssen jetzt damit aufhören, bestehende Gebäude  durch Neubauten zu ersetzen. Wir müssen uns jetzt um die graue, in den Gebäuden enthaltene Energie kümmern.

Wir müssen jetzt damit aufhören, neue Gebäude vollständig aus neuen Baustoffen zu bauen. Wir müssen jetzt alle  Erfindungskraft, alle schöpferische Energie dafür verwenden, dass die gegenwärtige Verschwendung von Rohstoffen einerseits und das rasante Anwachsen der Deponievolumen andererseits aufhören!
Wir haben seit der Einführung des Energiegesetzes 1984 alle Kraft auf die Reduktion der Betriebsenergie neuer Gebäude  konzentriert.
Und wir sind dabei so erfolgreich, dass wir Passivhäuser bauen können, die keine zusätzliche Energie benötigen – im Betrieb.
Aber niemand hat bisher nach der Energie gefragt, die zur Erstellung der neuen Gebäude benötigt wird. Nun brauchen wir  dieselbe Revolution bei der Erstellung von neuen Bauten, und zwar in der Hälfte der Zeit!

Eintritt 10.- / Mitglieder AFO frei

Anmeldung erforderlich
bis Fr 30. April 2021 unter info@nulla-f-o.ch.

Es gelten die Abstands- und Hygieneregeln, und allfällige Schutzmassnahmen werden eingehalten. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine eventuelle Abbildung des Publikums in der  Aufzeichnung wird durch die Anmeldung akzeptiert. Der Anlass wird mit Publikum aufgezeichnet und kann auf unserer Website über einen Livestream verfolgt werden. Der  Stream ist bis So 16. Mai 2021 online verfügbar.

baubüro in situ

Einladungskarte Mai

Bildnachweis: baubüro in situ

Edition 2021

Wert der Baukultur

In den Jahren 2018 und 2019 hat das Architektur Forum Ostschweiz jeweils einen Autor*in eingeladen, der die acht Veranstaltungen des jeweiligen Programmjahres zusammengefasst hat. Diese sind als AFO-Editionen gedruckt und an unseren Mitglieder und Sponsoren abgeben worden. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten wir im letzten Jahr viele Veranstaltungen absagen und haben auch unsere Editions-Reihe nicht fortführen können.

In diesem Jahr werden die Anlässe nun aufgezeichnet und den Mitgliedern per Livestream zur Verfügung gestellt. Im Rahmen unseres Editions-Projektes ist die Idee entstanden, das Filmmaterial selber für eine Zusammenfassung zu verwenden. Anstatt eines Autors*in haben wird die zwei Filmemacher Fabienne Steiner und Michael Bolliger für unser Projekt gewinnen können. Auf der Basis der Streaming-Aufnahmen entstehen Zusammenfassungen der jeweiligen Anlässe in sehr kurzer Form (Clips von ca. 6 Minuten). Am Ende des Jahres werden diese zu einem Gesamtrückblick zusammengefügt, der die unterschiedlichen Aspekte in Bezug auf das Jahresthema «Werte» reflektiert.

 

Weiterbauen am Erbe der Schweiz

Mit der zweiten Hinterrheinbrücke in Reichenau setzt die Rhätische Bahn die hohe Kunst des Brückenbaus in der Schweiz fort.

01.05.2021 von Katharina Marchal

Langsam fährt der rote Zug in den Bahnhof Thusis ein. Wanderer, Skifahrer und Einheimische steigen ein und aus. Dann setzt sich die Rhätische Bahn (RhB) wieder in Bewegung. Seit 130 Jahren erklimmt sie die Berge im Kanton Graubünden. Dabei überwinden die Albula- und Berninalinie rund 1000 Höhenmeter. Die beeindruckenden Schluchten sowie zahlreichen Flüsse und Bäche werden von rund 600 Brücken und Viadukte aus Stahl und Stein überquert. Diese sind Zeitzeugen vom hohen Niveau, auf dem sich die Ingenieurskunst in der Schweiz bewegt. Und sie zeigen in eindrücklicher Weise, wie sich das konstruktive Wissen, die Materialien, die industrielle Produktion und die ästhetische Auffassung im Ingenieurwesen entwickelt haben.
Als Auszeichnung wurde die Linie zwischen Thusis und Tirano mitsamt ihrer Infrastruktur 2008 in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen. Doch Bahnbrücken sind bedroht – und zwar vom eigenen Erfolg der Bahnen: Viele der in die Jahre gekommenen Bauwerke müssen wegen des wachsenden Verkehrs verstärkt, ersetzt oder ausgebaut werden. Das stellt die RhB vor die anspruchsvolle Frage, wie sie an ihrem grossen Erbe weiterbauen soll. So auch bei der Hinterrheinbrücke bei Reichenau–Tamins.
Hier, wo Hinter- und Vorderrhein zusammenfliessen, erstellte 1895 die Basler Firma Albert Buss AG eine  feingliedrige Fachwerkkonstruktion mit vierfachem Strebenbezug. Da es sich um eine elegante Brücke mit einem  seltenen Konstruktionsprinzip handelt, steht sie unter Denkmalschutz.

«Es ist nichts schwieriger, als einfach und elegant zu bauen»

Doch auch dieses Ingenieur-Schmuckstück wurde renovationsbedürftig. Da ein längeres Aussetzen des Bahnbetriebs undenkbar ist, begann die RhB über den Bau einer zweiten Eisenbahnbrücke über den Hinterrhein nachzudenken. Dafür sprach auch die einspurige Trassierung, die entweder die Albula- oder die Surselvalinie blockierte. Mit einer zweiten Brücke kann der Zugverkehr flüssiger gestaltet und das Angebot der Bahn ausgebaut werden. Da es sich um  eine sehr komplexe Bauaufgabe handelt, schrieb die Rhätische Bahn einen Projektwettbewerb im Sinne der  Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein (SIA) aus, den ersten in ihrer Geschichte! Dieses Projekt und die Vorgehensweise hat somit Vorbildcharakter für weitere Brückenbauten und für öffentliche Bauherren. «Es ist nichts  schwieriger, als elegant und einfach zu bauen», fasst der Ingenieur Andreas Galmarini von Walt-Galmarini eine der  wichtigsten Aufgaben seiner Disziplin zusammen. 2015 gewann das Ingenieurbüro im Team mit Flint&Neill  Ingenieure (heute: Cowi UK), Dissling+Weitling Architekten und Hager Partner Landschaftsarchitekten den  Wettbewerb für die Hinterrheinbrücke. Ziel war ein schlichtes, zurückhaltendes Bauwerk, das die bestehende  Brücke ergänzt, sie aber nicht konkurrenziert. Dies ist umfassend gelungen. Die elegante, feingliedrige V-Stiel-Brücke orientiert sich zwar in der Materialwahl an der historischen Stahlfachwerkbrücke, nimmt sich allerdings  gegenüber dem Bestand und innerhalb der vielfältigen Landschaft zurück. Mit Blick auf die Fachwerkbrücke ist die dahinterliegende neue Stahlbrücke kaum sichtbar. Doch gleichzeitig ist die «Sora Giuvna» («kleine Schwester»), so  der Name des Wettbewerbsprojekts, eine zeitgemässe Antwort auf den Bestand und setzt das Erbe der Rhätischen  Bahn gebührend fort. Ein schlanker Stahltrog mit v-förmigen Streben ruht auf schlichten Betonpfeilern und  Widerlagern. Die Materialisierung und sorgfältige Ausgestaltung der konstruktiven Details gewährleisten geringe  Betriebskosten und Dauerhaftigkeit.
So schlicht das Bauwerk erscheint, umso komplexer waren die Anforderungen und Umstände. Der zweispurige Ausbau der Linie Chur–Tamins ist mit der Fertigstellung der zweiten und mit der Sanierung der bestehenden Brücke im Jahr 2019 abgeschlossen. Seither können die beiden Linien von Thusis und von Ilanz getrennt in den Bahnhof von Reichenau geführt werden. Und die RhB kann die Fahrplanstabilität in diesem Engpass massiv erhöhen. Dieses Projekt erforderte jedoch eine anspruchsvolle Regelung des Bauablaufs. Dazu gehörte auch, dass die Bahn- und Strasseninfrastruktur während des Baus in Betrieb blieb. Die neue Stahlbrücke mit einer Hauptspannweite von 63 Metern überspannt nicht nur den Hinterrhein, sondern auch die Nationalstrasse A13.
Um die Landschaft zu stärken und die Strasse nicht zu verengen, wurden die bergseitigen Widerlager hinter den bestehenden Stützmauern versteckt. An Stelle von weiteren Stützmauern wurde der Hang oberhalb der Gleise  abgetragen. Damit integriert sich das neue Bauwerk in die Landschaft, und der Eingriff in die Natur ist auf das  Nötigste reduziert. Dies entspricht den Vorstellungen eines Naturschutzgebiets und dem natürlichen Prozess. Das während des Baus entnommene Material wurde wieder eingesetzt; die Landschaft konnte damit kontinuierlich nachgrünen.

Alte und neue Brücke sind mit dem Uferweg verbunden

Ausserdem ermöglichte die Renovation der alten Fachwerkbrücke ein schönes Nebenprojekt. Seit der  Wiedereröffnung nutzen Wanderer oder Spaziergänger den ehemaligen «Dienststeg» auf der Brückenunterseite und  gelangen so direkt zum beliebten Ruinaultaweg nach Trin oder Bonaduz. Am Zugang gibt es eine weitere  Überraschung. Für den Unterhalt müssen die Widerlager zugänglich bleiben. Dafür ist ein eigener Aufgang im  Betonauflager der Stahlbrücke vorgesehen. Diese Treppenanlage wird nun nicht nur für die technischen Arbeiten  genutzt, sondern verbindet auch die Ebenen der alten und der neuen Brücke mit dem Uferweg.
Der Zugang in das Auflager ist beeindruckend. Über eine zulaufende Kaskadentreppe gelangen die Fussgänger zu dem pyramidengleichen Eingang. Innerhalb des historischen Fachwerks geht der Blick zurück auf die schlichte und  zugleich innovative «jüngere » Schwester. Diese knüpft an die bestehend hohe Baukultur in der Region Graubünden  an und fügt sich ganz selbstverständlich in die eindrückliche Landschaft ein.

Bilder: Hanspeter Schiess

Schwitzen fern vom Alltag

Die Weieresauna in St.Gallen ordnet sich dem historischen Bestand und der Landschaft unter und ist ein intimes Sauna-Gesellenstück.

17.04.2021 von Jenny Keller

An einem klirrend kalten Wintertag, an dem kleine Nebelschwaden mystisch aus dem im Volksmund  genannten Hexenweiher aufsteigen, stärkt und wärmt der Besuch der Sauna nicht nur den Körper, sondern  auch die Seele. Nach dem Eintritt durch das Hauptportal dieser hölzernen Burg, befindet man sich in einem  unbeheizten, holzverkleideten Vestibule, wo das Ritual mit dem Wechsel der vom Waldboden  verdreckten Strassenschuhe in bequeme Saunalatschen beginnt. Danach folgt der eigentliche Empfang in  der beheizten, verglasten Veranda mit Kassenhäuschen und kleinem Bistro. Dieser verglaste Einbau stellt  neben zwei neuen Saunaräumen, einem Ruheraum und den Umkleidekabinen mit Duschen auch schon den architektonischen Eingriff an diesem Ort dar.
Als extravagante Ausnahme unter den zurückhaltenden Interventionen steht das Kassenhäuschen, ein  gleichschenkliges Dreieck mit einer gezackten Kupferverkleidung in der Mitte der Veranda und trennt  Kaffeebar von Besuchersitzplätzen. Die Theke besteht aus Terrazzo, einem Kunststein, der mit der lokalen Nagelfluh verwandt ist. Sie bildet als Raumtrenner den Auftakt zu einer räumlichen und dem Saunagang verpflichteten Abfolge, die durch die Architektur choreografiert wird. Wer nicht kurzsichtig ist, kann in der  Oberfläche der Theke eine Abstraktion des winterlichen Waldbodens am anderen Ufer des Weihers  erkennen. Auf dem Freudenberg von St.Gallen liegen die «drei Weieren». Mehrere künstlich angelegte Teiche, die als Wasserspeicher für den Fall eines Brandes in der mittelalterlichen Stadt angelegt wurden  und später die Mühlräder antrieben. Heute ist es ein Naherholungsgebiet, das zur Erfrischung rege  aufgesucht wird im Sommer. Einst gab es geschlechtergetrennte Weiher und Badehäuser, und auch heute  noch ist ein Bereich des Familienbads am Kreuzweiher, erstellt Ende des 19.Jahrhunderts, ausschliesslich den Frauen vorbehalten.
In diesem Badehaus befindet sich neu eine coronabedingt noch kaum genutzte Sauna, für dessen Entwurf  Barão Hutter aus St.Gallen verantwortlich zeichnen. Die Architekten haben den Ablauf in einer Sauna zum  entwurfsgebenden Thema erhoben. Vielleicht gerade deswegen, weil weder Ivo Barão noch Peter Hutter  regelmässige Saunagänger sind. Sie nahmen für den Entwurf die Sicht eines neuen Gastes ein. Die  Signaletik ist wichtig, von Hand austauschbar: Auf Holzleisten mit Zarge sind die Umkleiden nach  Geschlecht oder die Saunatemperaturen angeschrieben. Ausserdem arbeiteten die Architekten mit Themen  wie Chorografie und Prozession: Aus der verglasten Veranda, dem Panoptikum gemäss Hutter, hat man  beste Sicht auf die gesamte Anlage, jetzt wäre noch Zeit, umzudrehen, falls man jemanden sieht, mit dem man lieber nicht nackt schwitzen möchte, die Chefin beispielsweise oder den ehemaligen Lehrer.

Qualität durch Architekturwettbewerb

Dass es überhaupt so weit kam, dass das Frauenbad auch im Winter offen ist, und Männern den Eintritt  gewährt, ist der privaten Initiative von zwei saunabegeisterten Quartierbewohnenden und zwei Mitgliedern  des Frauenschwimmvereins zu verdanken: Sie haben den Projektwettbewerb, den die St.Galler  Kantonalbank zu ihrem Jubiläum ausschrieb, zum Anlass genommen, ihre schon lange schwelende Idee zu  Papier zu bringen. Die Idee der Sauna fand Anklang und mit der finanziellen Unterstützung von 100’000  Schweizerfranken wurde eine Genossenschaft gegründet und ein Architekturwettbewerb auf Einladung  durchgeführt. Die Stadt St.Gallen unterstützte die Genossenschaft mit einem Darlehen und einem  Baubeitrag, viele kleine Beiträge der Genossenschafterinnen und Genossenschafter und ein Crowdfunding führte zur weiteren Finanzierung und zu einer breiten Abstützung und Rückhalt für das Projekt.

Einfühlen statt ausstrahlen

Die Tatsache, dass ein Architekturwettbewerb für ein privates Projekt sicherstellte, dass man aus fünf  Ideen, die für diesen Ort und diese Aufgabe passendste findet, ist bemerkenswert und beispielhaft. Mit dem  Entwurf von Barão Hutter gewann nicht das spektakuläre Gebilde auf dem Weiher, sondern  die sorgfältige Einfügung in den Bestand und die Landschaft. Das gesamte Badehaus wird in den Saunagang miteinbezogen, damit sich niemand zu nahekommt. Einer maximalen Offenheit zur Landschaft steht eine maximale Introvertiertheit gegenüber. Das siegreiche Architekturbüro war sich aber auch bewusst, dass der Nutzungsdruck hier im Naherholungsgebiet «Drei Weieren» hoch ist, ihre Intervention ist deshalb sehr  subtil und auf den ersten Blick kaum auszumachen. Trotz scheinbar feinem Eingriff war es aufwendig, die nun nicht sichtbare Technik, die für eine Sauna benötigt wird, an diesem Ort, einem zuvor kalten,  ungedämmten Haus, unterzubringen. Mit Erdsondenwärme werden die pragmatisch in den kalten Bestand  reingestellten Saunen erhitzt. Die Veranda und die beiden Umkleidekabinen wurden gegen innen  aufgedoppelt und gedämmt. So viel wie möglich wurde aus Holz gefertigt, im Gegensatz zur Fichte der Umkleiden – und der Duschen – besteht der Innenraum der Saunen aus Linde. Sie sind keine  Standardlösung, sondern eigens für diesen Ort entworfen. Die Dimension der Linde bedingt die Grösse, die  gesuchte Intimität führte nicht zur Lösung mit einem Panoramafenster, sondern einem verglasten Dach im Ruheraum und zwei Kaleidoskopen aus Kupfer, durch die man in das Dach des historischen Badehauses blickt.
Die Architekten interessieren sich für Dinge fern des Alltags, in die sie sich vertiefen und sie arbeiten gerne  mit ungewöhnlichen Nutzungen. Als Generalisten möchten sie sich nicht einer Bauaufgabe verschreiben. So kann es gut sein, dass die Weieresauna die erste und letzte war von Barão Hutter.

Bilder: Hanspeter Schiess

Farbwert

Axel Venn, Farb- und Trendforscher, Berlin / Katrin Trautwein, Chemikerin und Farbspezialistin, Uster / Moderation
Susanne Brauer, Philosophin, Zürich

Mo 29. März 2021, 19.30 Uhr im Livestream

«Ich möchte alle 10 Millionen Farbton-Nuancen, die Menschen in der Lage sind zu erkennen, mindestens einmal gemalt haben.»

«Die spielerischen, betörenden Illusionen, denen wir begegnen, heissen Farben. Jede Farbnuance besitzt eine autarke Wahrheit.»

Axel Venn ist em. Professor für Farbgestaltung, Wahrnehmungswissenschaften und Trendscouting. Seine farbwissenschaftlichen Arbeiten beziehen sich auf den mitteleuropäischen, den nordamerikanischen und den ostasiatischen Raum. Seine Forschungsergebnisse und Kommentare werden in zahlreichen Fachzeitschriften im In-und Ausland und in insgesamt 28 Fachbüchern publiziert. Er berät weltweit Unternehmen zu Fragen der Farbpolitik und Gestaltungsethik. Axel Venn ist Ehrenvorsitzender des Deutschen Farbenzentrums e.V., Wuppertal.

In einem jüngst erschienen Text äussert sich Venn: «Die spielerischen, betörenden Illusionen, denen wir begegnen, heissen Farben. Jede Farbnuance besitzt eine autarke Wahrheit. Farben und Formen haben ihre eigenständigen metasprachlichen, individuellen und kollektiven Inhalte. Darum nutze ich Farben aus phraseologischer Absicht, aber auch zur phonetischen Klangpartizipation.»
Viele der Bilder basieren auf farbforscherischen Erkenntnissen, die auf der Entschlüsselung vorder- und hintergründiger Appelle der Einzeltöne und Kolorits beruhen. «Farben sprechen nicht nur unsere Sprache. Ihre Zugangs-und ihre Versteckenskapazität sind universaler als wir denken.»

Die Kommunikationsfähigkeit der Koloraturen steht verbalen Botschaften ebenbürtig gegenüber. Formale Inhalte sind selten von poetischer Intensität wie reinfarbige Konzepte, die sich, losgelöst von umschliessender Begrenztheit, der Enge entziehen. Die Sehnsucht nach dem Amorphen ist grösser als nach zwei- und dreidimensionalen Flächen und Kuben oder blosser Dynamik. Ab und an jedoch ist das Bedürfnis nach konsequenter Definition und experimentellem Abschreiten ins messbar Begrenzte grösser als die Liebe zum Ahnungsvollen. Die Rückkehr zum Ungefähren, ins nebelhaft Getrübte oder unerkannt Verwobene bleibt notorische Option.

Axel Venn hat sich als Farbmentor national und international bekannt und auch als Künstler einen Namen gemacht. Seit Jahren schreibt und illustriert er seine Fachbücher, die nicht nur wegen ihrer  Forschungsinhalte, sondern auch aufgrund ihres kreativen Ausdrucks Fachleute jeder Profession begeistern. Genauso lebhaft oder besinnlich wie sein Gestus sind seine meist grossformatigen künstlerischen Arbeiten. Sie bestechen durch ihre Farbdichte, die mal feinziseliert, mal mit fühlbarer Intensität und kräftigem Duktus erfolgt. Er selbst möchte alle 10 Millionen Farbton-Nuancen, die Menschen in der Lage  sind zu erkennen, mindestens einmal gemalt haben. Für Venn ist die dialogische Befähigung seiner Arbeiten von ausschlaggebender Bedeutung. Darum widmet er dem Erwerber eines Bildes ein ihm  zugewiesenes Gedicht. Dieses löst die stereotype Frage nach seiner künstlerischen Absicht «Was wollte uns der Künstler damit sagen?» in fünfzehn beflügelnden Zeilen auf. Die Arbeiten von Venn sind u.a. in vielen Privat- und Konzeptsammlungen im In- und Ausland vertreten.

Farbexperte Axel Venn

kt.COLOR Katrin Trautwein

Einladungskarte MRZ2 2021

Bildnachweis: Axel Venn

Wert $ – Wohnraum monetär

Heinrich Degelo, Architekt, Basel / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 1. März 2021, 19.30 Uhr im Livestream

Der Anlass wird ohne Publikum aufgezeichnet und kann auf unserer Website über einen Livestream verfolgt werden.

Annina Frehner, Künstlerin, Teufen und Leipzig, muss sich wegen Krakheit leider entschuldigen.

Handlungen, Gedanken und Gefühle werden durch die ständige Erfahrung baulicher Strukturen reproduziert und wirken auf die Vorstellung von  Raum zurück. Wie wird diese Wechselwirkung von Architektur und Gesellschaft zur Form? Was lässt uns glauben, wer wir sind, wohin und wozu wir gehören?
Und andersherum: Birgt eine eigenmächtige Gestaltung des physischen Raums die Chance, soziale Strukturen zu verändern? Inwiefern beeinflussen Besitz und Eigentum unsere Mobilität und was tragen sie zu unserer sozialen Verortung bei? Wie viel Platz beanspruchen unsere Dinge im gebauten Raum? Untersucht werden diese Fragen anhand von drei künstlerischen Raumprojekten: dem Einbau des Innenraums in geschwundener Form  zurück in den Ausgangsraum, der Weggabe des gesamten Besitzes im Rahmen der Verschenkaktion Ausräumung sowie der Bauaufnahme in  Serbien, bei der ein Werkbeitrag in ein einfaches Wohnhaus für eine junge Familie investiert wurde.
Annina Frehner

Nachhaltig und energieeffizient ist heute alles. Architekturlabels gaukeln Innovation vor, sind jedoch bloss Formen normierter Baustandards. Dieses Schönreden des Üblichen langweilt mich. Innovation geht anders. Innovation ist das Gegenteil der Norm. Wir haben uns auf die Suche gemacht  nach einem Schritt in die Zukunft. Ein Wohnhaus, das keine Heizung benötigt und doch angenehme Bedingungen bietet. Kostengünstig ist ein  weiterer Begriff, der für alles verwendet wird. Wir wollen nicht nur darüber reden, sondern konkrete Ziele erreichen. 10 Franken je Quadratmeter Wohnfläche war das gesetzte Ziel. Ich bin der Meinung, dass wir Architekten uns der Tatsache stellen müssen, dass nicht alle viel Geld für Wohnen ausgeben können und wollen.
Als Drittes haben wir eine Form gesucht, die unsere individuellen Bedürfnisse stillt. Die Zeit der Wohnnormen ist vorbei. Wir haben eine Form gesucht, in der individuelle Lebensentwürfe verwirklicht werden können. Da Ideale sich schnell ändern, sollten darüber hinaus Umgestaltungen jederzeit möglich sein.
Heinrich Degelo

Einladungskarte März

Bildnachweise: Heinricht Degelo, Annina Frehner

Dialog zwischen Natur und Kultur

Im Val Lumnezia, dem «Tal des Lichtes», macht zeitgenössische Architektur aus Abgeschiedenheit eine Stärke.

20.02.2021 von Susanna Koeberle

In ländlichen Gebieten baute man früher häufig ohne Architekten, nichtsdestotrotz steckt enorm viel Wissen in diesen Bauten. Im Fokus stand primär  ihre Nutzung, was ihrer Schönheit aber keinen Abbruch tut – im Gegenteil. Ein Besuch im Bündner Tal Val Lumnezia zeigt die Komplexität und  Aktualität lokaler Bautraditionen. Die Region Surselva ist nicht nur für ihr mildes, sonniges Klima und die malerischen Landschaften bekannt, sie hat  auch architektonisch einiges zu bieten. In den Dorfkernen des Val Lumnezia sind einige prächtige Bauwerke zu finden: etwa barocke Kirchen oder  mittelalterliche Türme.
Und trotz gelegentlichem architektonischen Wildwuchs braucht sich diese Landschaft auch bezüglich zeitgenössischer Architektur nicht zu verstecken. Berühmtes Beispiel dafür ist das Bergdorf Vrin. Die Um- und Neubauten des Architekten und ETH-Professors Gion A. Caminada gelten weitherum als Vorzeigebeispiele eines rücksichtsvollen Umgangs mit den Besonderheiten und Ressourcen eines Ortes. Caminadas Eingriffe in seinem Heimatdorf Vrin wurden verschiedentlich gewürdigt, unter anderem 1998 mit dem Wackerpreis. Landschaft entsteht durch ein Zusammenspiel von Kultur und Natur. Das Einfrieren dieser Begriffe auf ein Gegensatzpaar greift zu kurz. Wie wichtig gute Architektur für den Dialog zwischen Natur und Kultur sein kann, zeigt sich auch in abgelegenen Gegenden wie dem Val Lumnezia.
Ein Entwurf des Architekturbüros Capaul & Blumenthal aus Ilanz bestärkt diese Sichtweise. Oberhalb des Dorfes Vattiz liegt der Badsee Davos Munts. Die ehemalige Moorlandschaft wurde vor rund zwanzig Jahren in einen künstlich angelegten Badsee umgestaltet, der seither sowohl von der lokalen  Bevölkerung wie auch von auswärtigen Touristen rege genutzt wird. Dieses Freizeit- und Erholungsangebot wurde Schritt für Schritt weiterentwickelt. Eine ehemalige Stallscheune wurde zunächst zum Kiosk umfunktioniert. Dieses Provisorium wollte die Gemeinde in eine feste Infrastruktur überführen und lancierte deshalb 2005 einen ersten Projektwettbewerb, der allerdings versandete. Mit einem zweiten Wettbewerb wurde 2012 ein neuer Anlauf  genommen, aus dem schliesslich ein Entwurf von Ramun Capaul und Gordian Blumenthal als Sieger hervorging. 2015 wurde der Neubau fertiggestellt  und in Betrieb genommen.
Was will der Ort und was braucht das Tal? Solche grundsätzlichen Fragen stellten sich die Architekten vor der Ausarbeitung ihres Vorschlags. Sie  entwarfen einen zweistöckigen, länglichen Holzbau, der sich diskret an die topografischen Gegebenheiten anpasst. Durch die Einbettung in das  ansteigende Gelände tritt der Bau als einstöckig in Erscheinung. Das Rottannenholz stammt aus dem Val Lumnezia, für das Dach verwendeten Capaul  Blumenthal Quarzit aus dem nahe gelegenen Valsertal. Nicht nur die Materialien kommen aus der Umgebung, lokales handwerkliches Know-how sowie  die ortstypische Bauweise des Strickbaus sind weitere charakteristische Merkmale dieses Projekts. Das Betriebsgebäude beherbergt im unteren,  seeseitigen Stockwerk eine Gaststube – oder «ustrietta» auf Sursilvan, dem lokalen Idiom – sowie Umkleidekabinen mit Sanitäreinrichtungen für Besucherinnen und Besucher des Badsees, die auch von der hangseitigen Rückseite aus zugänglich sind.
Obschon solche doppelten Eingänge früher auch bei am Hang gelegenen Ställen verbreitet waren, stellt diese für die landwirtschaftlich geprägte Gegend untypische Nutzung eine Novität dar. Durch seine Machart reagiert der Bau sensibel auf die lokale Baukultur. Er zitiert diese, hütet sich aber davor, sie  zu romantisieren.

Würdigung der lokalen Baukultur

Auf die Positionierung des Sees etwas ausserhalb des Dorfes Bezug nehmend, gingen Capaul Blumenthal von der Bauweise temporär genutzter  Siedlungen in höherer Lage aus. Das Innenleben des Gebäudes ist wie bei der traditionellen Stube eines Maiensässes üblich ganz in Holz ausgeführt. Die  roh belassenen, unverkleideten Wände machen die Strickbauweise sichtbar; diese Eigenheit prägt auch die äussere Erscheinung des Baus. An der  seeseitigen, überdachten Hauptfassade zeigen sich viele bauliche Details, die auf das besondere Gefüge des Holzes deuten. Auch von der Giebelseite aus  betrachtet, wird das Prinzip des Zusammenfügens deutlich. Die hier angewendete Idee ist einfach, aber nicht selbstverständlich: Die Architektur zeigt,  was sie tut. So schön und unprätentiös kann die Einheit von Form und Funktion sein. Wer unter dem weit auskragenden Dach auf der Aussenterrasse der Ustrietta sitzt, erkennt über den Holzsparren die Steinplatten des Dachs und kann dadurch die archaische Kraft der Bergwelt erahnen. In diese  Landschaft setzt der Bau einen Akzent und bildet zugleich den Abschluss der Anlage. Das stimmige Ensemble interagiert subtil mit dem natürlichen  Raum.
Wenn ökologische und ökonomische Faktoren den architektonischen Ausdruck mitbestimmen, muss das nicht heissen, dass es diesem Bauwerk an Eigenständigkeit fehlt. Vielmehr beweist das Projekt beim Badsee Davos Munts, dass gute Architektur immer aus einem Zwiegespräch entsteht. Und dass dieses nicht im Schreimodus stattfinden muss, um erfolgreich zu sein. Die zeitgemässe Interpretation und adäquate Würdigung der lokalen  Baukultur kann als mögliche Strategie verstanden werden, Landschaftspflege zu betreiben. Auf eine solche sind wir angewiesen, wenn wir der  zunehmenden und unkontrollierten Zersiedelung unserer Landschaft nicht untätig zusehen wollen.

Bilder: Hanspeter Schiess

Energieagentur@AFO

33 und mehr Ideen: Wie Architekten gegen die Klimakrise entwerfen können

Mi 17. Februar 2021, 17 – 19 Uhr im Livestream

Der runde Tisch Energie und Bauen und das Architektur Forum Ostschweiz laden zur jährlichen Informationsveranstaltung ein. Aufgrund der aktuellen Situation findet der Anlass nur per Livestream statt.

Über diesen Link können Sie die Veranstaltung live mitverfolgen:
https://vimeo.com/484465900

Bis zum Jahr 2050 muss die Baubranche ihre CO2-Abhängigkeit loswerden. Hochparterre hat dazu 33 Ideen veröffentlicht, wie Architekten gegen die Klimakrise entwerfen können.

Der Name Countdown 2030 versinnbildlicht die dringende Handlungsnotwendigkeit. Das Kollektiv sieht diese Herausforderung als Chance für die Architektur, sich neu zu erfinden. Dazu will es inspirieren.

Begrüssung und Moderation
Silvia Gemperle
Leiterin Energie und Bauen, Energieagentur St.Gallen

Netto-Null-Gebäude – geht das?
Severin Lenel, Geschäftsführer Intep, St.Gallen

12 Irrtümer rund um klimagerechtes Bauen
Andres Herzog, Heftleiter und Redaktor Architektur, Hochparterre

Die Neuerfindung der Moderne
Jakob Schneider, Architekt, Mitglied Geschäftsleitung Salathé Architekten, Basel
Mitglied Architektengruppe countdown2030.ch

Aktuelles aus dem Kanton St. Gallen
Silvia Gemperle, Energieagentur St.Gallen

Einladungskarte

Mit Ihrer Anmeldung erhalten Sie weiterhin aktuelle Informationen rund um den EnergieTreff SG.

Bildnachweis: bürobureau

Das Gehöft zum Freilichtbaummuseum

Architekt Paul Knill macht mit der Renovation des Wohnhauses mit angebauter Scheune am Rand von Roggwil die Geschichte sichtbar.

09.02.2021 von Susanna Koeberle

Ganz brav in Reih und Glied stehen sie da, an die vierhundert Hochstammbäume: Äpfel-, Birnen-, Zwetschgen-, Pflaumen, Kirsch- und Nussbäume. Obstbäume prägen die Thurgauer Landschaft seit jeher, doch dieses rund fünf Hektaren grosse  Gelände ist etwas Besonderes: Jeder Baum trägt nämlich eine andere Obstsorte. Das Areal am Rand von Roggwil ist quasi  ein grosses Freilichtbaummuseum, denn viele alte Obstsorten sind heute leider verschwunden. Der Verein  Obstsortensammlung hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Vielfalt auch für die nächsten Generationen zu erhalten. Die Früchte sind nicht nur geschmacklich eine Bereicherung; Biodiversität zu fördern, ist auch aus ökologischer Sicht wichtig.  Denn die Ökosysteme der Natur haben aufgrund menschlicher Einflüsse erheblichen Schaden erlitten. Diese Tatsache ist  nicht nur botanisch gesehen eine Tragödie, sie bedroht nicht zuletzt auch uns Menschen.
Der beispielhafte Umgang mit den vorhandenen Ressourcen zeigt sich auf diesem Stück Land auch in architektonischer Hinsicht. Allerdings geht es dabei dezidiert nicht darum, das Bestehende zu musealisieren, sondern vielmehr um eine  Sichtbarmachung der Geschichte des Ortes. Der Architekt Paul Knill war 2016 vom Hochbauamt des Kantons Thurgau mit  einer Machbarkeitsstudie beauftragt worden; er überzeugte mit seinem Projekt zur Renovation des Wohnhauses mit  angebauter Scheune sowie der separaten Remise, die zum Grundstück gehören. Besitzer von Land und Liegenschaft ist der Kanton Thurgau. Der Erwerb des Territoriums wurde in den 1980er-Jahren möglich, nachdem die Autobahn A1, die  ursprünglich richtungsgetrennt geplant war, auf eine Autostrasse mit Gegenverkehr zurückgestuft worden war. Als die  Besitzer der Liegenschaft 2015 auszogen, kaufte der Kanton diese mit der Idee, die Gebäude neu zu beleben und an die  Bedürfnisse des Vereins Obstsortensammlung anzupassen, der den Boden seit 2005 pachtet. Die ersten Bäume pflanzte der  Verein bereits 1994, seither gedeihen diese prächtig. Solche Landschaften erinnern uns an die wechselseitige  Beziehung zwischen Mensch und Natur. Und auch Bauten sind eben häufig Teil von Kulturlandschaften.

Renovieren ist eine Form des Weiterbauens

Bei der dendrologischen Analyse des Hauptgebäudes entdeckten die Spezialisten, dass der Kern des Gehöfts auf das 17.  Jahrhundert zurückgeht. Weitere Merkmale deuteten auf eine frühe Entstehung dieses regionaltypischen Baus hin. Damit  war auch das Thema Abbruch vom Tisch, nicht zuletzt auch, weil das Bauwerk im Inventar des Amtes für Denkmalpflege  als bemerkenswert eingestuft ist. Paul Knill versteht seine Eingriffe als Form des Weiterbauens, die keinen  romantisierenden Lack über die alten Schichten legt, sondern ihre Diversität vielmehr zulässt und betont. Diese Haltung  werte die zeitgenössischen Interventionen sogar auf, findet der Architekt.
Im Sommer 2018 wurde der Umbau in Angriff genommen. In einer ersten Phase ging es um eine Inventarisierung des  Bestands. Nicht der übermässige Respekt vor der alten Bausubstanz stand dabei im Vordergrund, sondern das Einbetten  der verschiedenartigen Elemente in eine zeitgemässe Formenund Materialsprache. Insofern führte der Architekt die  Strategie weiter, die sich aus der Geschichte der Nutzung heraus entwickelte – einfach mit einem professionellen  Gestaltungsanspruch. Das Faszinierende an alten Häusern ist ihre stetige Transformation und so sieht Knill das Renovieren  auch nicht als Einschränkung, sondern im Gegenteil als hoch motivierende Arbeit.

Wiederverwenden als gestalterische Strategie

Dass er dabei auch mit den bestehenden Bauteilen arbeitete, ist konsequent. Für die beiden Fassaden etwa verwendete der Architekt nach Möglichkeit alte Bretter wieder, sei es vom Haus selber als auch vom Bauteillager der Denkmal Stiftung  Thurgau. Dabei interessiert Knill das Wiederverwenden nicht primär aus ökologischen Gründen, die Ästhetik des  Gebrauchten ist für ihn ebenso wichtig. Das Haus sollte nach Fertigstellung der Sanierungsarbeiten nicht neu aussehen,  sondern schon eine gewisse Patina besitzen. Diese sollte selbstverständlich sein und nicht die Vintage-Schiene bedienen. Bei der Erneuerung der Fassade wurden auch die Fenster verschoben, sodass ein ausgewogener Gesamteindruck entsteht.
Im Innern scheute sich Paul Knill auch nicht die flickwerkartige Entstehung zu kaschieren. So wurden etwa der Kachelofen  aus den 1960er-Jahren oder die «Plättli» in der Küche belassen. Dennoch erscheint die Atmosphäre stimmig und  harmonisch. Ein neues Gleichgewicht zu schaffen, ist manchmal eine grössere Herausforderung als das Bauen auf der  grünen Wiese. Vielleicht müssen wir uns auch verabschieden von der Idee eines einheitlichen Ganzen. Unsere Lebenswelt  besteht, wie die gebaute Umgebung uns das täglich vor Augen führt, aus Fragmenten und ist insofern stets künstlich  geschaffen. Genau so verhält es sich mit der umliegenden Landschaft. Eine Kulturlandschaft ist nichts Natürliches, wir neigen indes dazu, Natur als fernes Konstrukt zu idealisieren. Genau aus diesem Grund verlieren wir den Bezug zu ihr. Im  gleichen Zug bedeutet ein baukulturelles Erbe zu bewahren nicht, dass man es auf einen Sockel stellen soll. Vielmehr gilt es,  dieses lebendig zu erhalten. Das tun Baukünstler, indem sie seine Vielschichtigkeit sichtbar machen. Paradoxerweise verhindert genau diese Arbeit den Nonsens des «Hüsligeists», der allerorten – auch im Thurgau – sein Unwesen treibt.

Bilder: Hanspeter Schiess

Wert der Baukultur

Michael Fischer, Kantonsbaumeister St. Gallen / Björn Teichmann, Stadtplaner, Leipzig / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 1. Februar 2021, 19.30 Uhr im Livestream

Zur Rettung der Baukultur wurden in den vergangenen Jahren verschiedenste Initiativen gestartet.  Mitunter die «Erklärung von Davos», welche 2018 im Vorfeld des WEFs von den europäischen Kulturministern unterzeichnet wurde. Sie zeigt auf, wie eine hohe Baukultur politisch und strategisch verankert werden kann und ruft in Erinnerung, dass Bauen Kultur ist und gleichzeitig auch Raum für Kultur schafft.

Auf der Suche nach einer genaueren Beschreibung der Baukultur, trifft man auf Wikipedia auf folgende Umschreibung: «Baukultur ist die Summe aller menschlichen Leistungen, die die Umwelt verändern. Städtebau, Ortsplanung und Infrastrukturbauten gehören dazu und die Baukultur stützt sich auf die Geschichte und Tradition des Ortes ab.»

Entsprechend liegt es auf der Hand, dass sowohl der Heimatschutz wie auch die Denkmalpflege für den Erhalt der Baukultur eine bedeutende Rolle spielen.

Doch setzen wir Architekten, Planer und Bauherren uns – gemäss dieser Definition – für die richtigen Themen ein, um den Wert der schweizerischen Baukultur zu erhalten?

Einladungskarte Februar

Bildnachweis: Michael Fischer

Stream powered by STÜRMER FOTO

Die Festhütte im Massanzug

Im Melser Dorfkern investiert die Gemeinde bewusst in Baukultur. Das zahlt sich aus, wie das Kultur- und Kongresshaus Verrucano zeigt.

09.01.2021 von Deborah Fehlmann

Bis 2017 spielte das Melser Dorfleben im «Löwen». Die Beiz war eine Institution, und im Löwensaal tropfte an Fasnachtsfeiern und Turnerunterhaltungen der Schweiss fast  von der Decke. Zweifellos ging es hoch her, denn die Melser sind gesellige Leute. Ob Trachtengruppe,  Jugendriege oder Blasmusik – Vereine haben einen hohen Stellenwert. Das Hexenkesselklima war aber auch der Örtlichkeit geschuldet, denn der Löwensaal war eine sanierungsbedürftige Blechhalle. Was aus Nutzersicht unbefriedigend war,  störte auch das Ortsbild. Der Melser Ortskern ist laut dem Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung. Doch unmittelbar bei dessen Herzstück, dem Dorfplatz mit Brunnen und spätklassizistischem Rathaus, hatte sich nebst dem Blechkoloss auch ein unschöner Wohnblock breitgemacht.
Drei Jahre und eine Grossbaustelle später spielt das Dorfleben wieder hier, nur ist der neue Löwensaal aussen in eine weinrote Holzfassade und innen in Sichtholz gekleidet.  Seine Ausstattung genügt selbst Symphonieorchestern und auf dem Boden des weitläufigen Foyers glänzt heller Terrazzo. Vor den Fenstern plätschert ein Wasserspiel. «Verrucano» steht in schwebenden Metallbuchstaben über dem Sichtbetonvordach. So heisst das neue Melser Kultur- und Kongresshaus. Es versprüht städtisches Flair, und  wirkt im historischen Ortskern doch selbstverständlich. Das Büro «Raumfindung Architekten» hat das Haus, mit dem sich Mels baulich und kulturell eine neue Mitte gibt,  entworfen.

Zwei Häuser schaffen neue Räume

Beat Loosli ist mit knapp vierzig schon ein erfahrener Architekt. «Raumfindung » gründete er 2007 in Rapperswil. Der Entwurf sei knifflig gewesen, erinnert er sich. Der  Wettbewerb von 2013 umfasste neben dem Saal mit Bühne und Foyer auch Vereinslokale für Musik, Gesang und Tanz. Weiter waren ein Ergänzungsbau für die  Gemeindeverwaltung und eine Erweiterung der Weinkellerei im alten Rathaus zu planen. Im Aussenraum wünschte sich die Gemeinde einen öffentlichen Platz für Begegnung und Veranstaltungen. «Raumfindung» siegten mit einer Kombination zweier verschiedenartiger Bauten: Die Rathauserweiterung platzierten sie als gemauerten Kubus neben  das Bestehende an die Wangserstrasse. Mit steinernem Erdgeschoss, Walmdach und strengem Fensterrhythmus knüpft der hell verputzte Viergeschosser an die lokale  Baukultur an. Die Festhütte, wie Loosli das weinrote Kulturhaus nennt, zitiert diese viel freier. Seine Fenster folgen dem Rhythmus der hölzernen Tragstruktur. Auf dem gezackten Dach liegt Kies statt Ziegeln und entlang der Giebel ragen kupferne Gauben daraus auf. Sie versorgen die Säle mit zenitalem Licht. Der Bau fügt sich dank  unregelmässigen Fussabdrucks umsichtig in den Kontext ein: Eine kurze Fassade schliesst die Bebauung an der Wangserstrasse, während gegen das angrenzende Quartier  Fusswege im dörflichen Massstab entstehen. Die Eingangsfassade bildet die Stirnseite und zugleich den Fluchtpunkt des neuen Rathausplatzes. Die beiden Rathäuser  flankieren sie auf einer Seite, zwei Altbauten auf der anderen. Die vierte Platzseite öffnet sich zum historischen Dorfplatz.
Loosli war die zusammenhängende Raumfolge vom Dorfplatz über den Rathausplatz ins Foyer bis in den Saal wichtig. Den  Übergängen schenkte er deshalb besondere Aufmerksamkeit. Es sind weiche Grenzen, die Räume definieren, ohne sie zu  trennen: Drei Stufen aus lokalem Verrucano-Stein führen vom Dorfplatz auf den gepflästerten Rathausplatz und fassen ihn räumlich. Die stolze Eibe an der Ecke hat eine Kanzel aus dem gleichen Stein erhalten. Das ausladende Vordach des Kulturhauses empfängt die Besucher und leitet vom öffentlichen Raum ins Innere über. Die Fenstertüren des entlang der  Fassade gestreckten Foyers gewähren Ein- und Ausblicke.
Diese feinen Gesten verankern das elegante Kulturhaus im dörflichen Boden. Das ist wichtig, denn Verrucano ist ein Haus für alle. Im Löwensaal werden Kinoabende, Bankette und Turnfeste genauso stattfinden, wie Symphoniekonzerte. Bühne, Akustik und Licht lassen sich für verschiedenste Ansprüche einstellen.
Die Vereine waren stark in die Planung eingebunden, was für alle Beteiligten anstrengend, aber für das Projekt eine  Bereicherung war. Den Konsens aus den langen Diskussionen nahmen die Architekten jeweils mit und machten aus Ideen  Architektur. Er würde das gleiche Bauwerk nie an einem anderen Ort realisieren, ist Loosli überzeugt. Das Kulturhaus sei  das spezifische Produkt einer gemeinsamen Vision für den Melser Dorfkern. Am Anfang dieser Vision stand nicht nur das  Bedürfnis der Vereine nach geeigneten Räumlichkeiten. Erklärtes Ziel des Gemeinderates war auch die Belebung des historischen Dorfkerns. Mit der Neugestaltung um den «Löwen» ergab sich die Chance, beide Anliegen unter einen Hut zu  bringen. Dafür nahm die Gemeinde einen langen und anspruchsvollen Weg auf sich. 2010 konnte sie mit dem Segen der  Stimmbevölkerung die privaten Parzellen erwerben, aus denen sich das spätere Baugrundstück zusammensetzte. Auf eine Machbarkeitsstudie von 2012 folgte der Projektwettbewerb im offenen Verfahren – ein bewusster Entscheid zu Gunsten der  architektonischen Qualität. «Raumfindung Architekten» mussten sich mit ihrem Lösungsvorschlag immerhin gegen 40 Konkurrenten durchsetzen.

Wertschöpfung vor Ort

Bei der Umsetzung setzten Bauherrschaft und Architekten auf Wertschöpfung vor Ort. Trotz internationaler  Vergabebestimmungen gingen 28 Prozent der Aufträge an Melser Unternehmen und ganze 95 Prozent blieben in der Ostschweiz. Der Holzelementbau besteht aus zertifiziertem Schweizer Holz und sogar im Terrazzo finden sich Melser Kieselsteine. Mit «Verrucano» geben «Raumfindung Architekten» und die Gemeinde Mels eine Antwort auf die Frage, wie zeitgemässes Weiterbauen im geschützten Ortskern funktionieren kann: Mit Gemeinschaftssinn und Qualitätsanspruch – vor allem aber mit einer Vision.

Bilder: Hanspeter Schiess

ArchitekTour

Zentralschweiz

Do 23. September – So 26. September 2021

So mancher kennt die Zentralschweiz lediglich von der Durchfahrt Richtung Süden ans Mittelmeer oder ins Feriendomizil. Dabei hat diese Region so viel zu bieten – nicht  nur aufgrund ihrer «Postkartenlandschaft» mit den verschiedenen Seen eingebettet in die Innerschweizer Alpen.
In den letzten Jahren wurden in dieser Region rund um den Vierwaldstättersee höchst innovative Projekte in Angriff genommen. Neben den verschiedenen neuen Bauten in  Luzern wurden auch interessante Planungen um das prosperierende, wirtschaftlich internationale Zug ausgeführt, wie das Suurstoffi-Areal in Rotkreuz ZG mit dem  Hochschulprojekt und neuen Wohnüberbauungen.
Aber auch in eher ländlichen Gebieten wurden herausragende Projekte verwirklicht. Unter anderem werden wir Bauten von Meili Peter in Ibach, eine Siedlung in Cham von Lölliger Strub und die Bauten für das Ruderzentrum in Rotsee von Fuhrimann Hächler besichtigen.
Auf dem Programm steht zudem die Besichtigung des Bürohauses von Holzbau Küng in Alpnach von Seiler Linhart Architekten. Die Innerschweizer Holzbaufirma setzt seit  Längerem auf den Vollholzbau. Das neue Bürogebäude demonstriert, wie man (fast) ohne Verbundwerkstoffe, Leim, Schrauben und Nägel bauen kann.
Auch Gebäude vergangener Epochen möchten wir besuchen, z.B. das Kloster Baldegg von Marcel Breuer. Zum Abschluss führt uns die Reise dann doch noch auf den  Gotthard. Die letzte Nacht verbringen wir im Hospiz St. Gotthard von Miller Maranta Architekten aus Basel.

Das Detailprogramm ist in Bearbeitung und wird den Teilnehmern bei der Abreise abgegeben. Teilnehmerzahl mind. 18, max. 24 Personen. Die Anmeldungen werden in der  Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt. Versicherung und ggf. Reiserücktrittsversicherung sind Sache der Teilnehmer. Änderungen bleiben vorbehalten.

Anmeldung
mit vollständigen Angaben an
architektour@nulla-f-o.ch

Kosten
Mitglieder 690.–*
Nichtmitgliederzuschlag 100.–
EZ-Zuschlag 270.–

* Für Mitglieder, inklusive Fahrt im Komfortreisebus, 3 Übernachtungen mit Frühstück im DZ, ÖV, Führungen und Eintritten. Abfahrt Do ca. 8 Uhr, Rückkehr So ca. 17 Uhr Die Durchführung des Anlasses steht aufgrund der Covid-Situation unter Vorbehalt. Wir informieren per E-Mail und über unserere Website www.a-f-o.ch.

Profitieren Sie vom Mitgliederpreis und melden Sie sich jetzt zur Mitgliedschaft im Architektur Forum Ostschweiz an.

Mitgliedschaft Architektur Forum Ostschweiz

Bildnachweis: Ruedi Walti

Anmeldekarte ArchitekTour Zentralschweiz

Architektur im Film

Neutra – Survival Through Design

Di 21. September 2021, 20 Uhr im Kinok

Einführung durch Johannes Stoffler, Landschaftsarchitekt, Zürich

Neutra – Survival Through Design is a comprehensive documentary encompassing the 125-year life, work and times of Architect Richard  Neutra – the legacy which continues today thru son Dion Neutra. From his upbringing in «Imperial» Vienna in 1892, his 1920’s Berlin/  Bauhaus days, to Los Angeles in 1925 via Chicago working with Frank Lloyd Wright, Rudolph Schindler, and his road to become the  preeminent Modernist Architect of our day, Survival Through Design is a personal, passionate, cross-cultural, colorful story.

Regie: PJ Letofsky, USA 2018, englisch, 102′
Weitere Vorführung: Mi 29. Sept. 18.15 Uhr

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72 oder auf Kinok

Einladungskarte September

Städtische Ausstellung im Forum

Asi Föcker: Vermutung der Form

Ausstellung Fr 10. September 2021 bis So 3. Oktober 2021
Öffnungszeiten Di – So, 14-17 Uhr

Vernissage Do 9. September 2021, 18.30 Uhr
Einführung: Kristin Schmidt, Kulturförderung Stadt St.Gallen

Asi Föcker

Einladungskarte

Sommer Camp Architektur 2021

St. Gallen

Fr 16. Juli 2021, 12 Uhr im Forum

Öffentlicher Abschluss und Präsentation

Wir möchten Sie herzlich zur Vernissage einladen, an der die Ergebnisse des Sommer Camp Architektur präsentiert werden.

 

Das Sommer Camp ist Teil des Projektes FRAUEN BAUEN! – weitere Veranstaltungen und Ausstellungen unter: www.zeughausteufen.ch und ninakeel.com

Anmeldekarte Sommer Camp Architektur St. Gallen 2021

Städtische Ausstellung im Forum

Machina Imaginis

Ausstellung Fr 11. Juni 2021 bis So 4. Juli 2021
Öffnungszeiten Di – So, 14-17 Uhr

Eröffnung mit Performance: Do 10. Juni 2021, 18.30 Uhr
Einführung: Kristin Schmidt, Kulturförderung Stadt St.Gallen

*Notiz: Eine Machina Imaginis ist eine Kunst-Maschine oder ein elektronisches Kunstwerk mit Bedienelementen, welche über Klänge, Lichter, Gefühl auf der  Haut, und manchmal auch Duft, Kontakt mit seinem Gegenüber herstellt. Sie ist auch Installation, Spielzeug und Instrument und zeigt ihr volles Spektrum gern  in Performances.

Machina Imaginis

Einladungskarte Machina Imaginis

Städtische Ausstellung im Forum

Stefan Rohner –  BREATHE THE GREEN Im Grünen Schwimmen

Ausstellung Fr 5. März bis So 28. März 2021
Öffnungszeiten Di – So, 14-17 Uhr

Es findet keine Vernissage statt. Der Künstler ist am Do 4. März 2021 vom 18.30-20 Uhr anwesend.

Saaltext: Kristin Schmidt, Kulturförderung Stadt St.Gallen

Veranstaltungen:

Farbakzente im Pflanzenreich, Vortrag von Heidi Moser, Co-Leiterin Botanischer Garten St.Gallen (Video in Arbeit)
Grüne Gedanken, Text-Collage mit Marcus Schäfer

Die Veranstaltungen finden nicht live statt. Sie werden per Videostream aufgeschaltet.

Parallel zur Ausstellung erscheint im Verlag edition-clandestin die Publikation «Breathe the Green – Im Grünen Schwimmen»

Die Publikation und die dazugehörige Ausstellung werden unterstützt durch die nachfolgenden Institutionen, dafür dankt Stefan Rohner herzlich:

Arnold Billwiller Stiftung
E. Fritz und Yvonne Hoffmann-Stiftung
Kanton Appenzell Ausserrhoden
Kanton St.Gallen
Kulturstiftung Appenzell Innerrhoden
Lienhard Stiftung
Stadt St.Gallen
Stiftung für Ostschweizer Kunstschaffen

Stefan Rohner

Einladungskarte Stefan Rohner

Farbwert

Axel Venn, Farb- und Trendforscher, Berlin / Katrin Trautwein, Chemikerin und Farbspezialistin, Uster / Moderation
Susanne Brauer, Philosophin, Zürich

Mo 29. März 2021, 19.30 Uhr im Livestream

Aufgrund der aktuellen Lage finden bis auf Weiteres keine Präsenzveranstaltungen statt. Die Veranstaltungen zum Jahresthema «Werte» können Sie hier über einen Livestream verfolgen.

«Ich möchte alle 10 Millionen Farbton-Nuancen, die Menschen in der Lage sind zu erkennen, mindestens einmal gemalt haben.»

«Die spielerischen, betörenden Illusionen, denen wir begegnen, heissen Farben. Jede Farbnuance besitzt eine autarke Wahrheit.»

Axel Venn ist em. Professor für Farbgestaltung, Wahrnehmungswissenschaften und Trendscouting. Seine farbwissenschaftlichen Arbeiten beziehen sich auf den mitteleuropäischen, den nordamerikanischen und den ostasiatischen Raum. Seine Forschungsergebnisse und Kommentare werden in zahlreichen Fachzeitschriften im In-und Ausland und in insgesamt 28 Fachbüchern publiziert. Er berät weltweit Unternehmen zu Fragen der Farbpolitik und Gestaltungsethik. Axel Venn ist Ehrenvorsitzender des Deutschen Farbenzentrums e.V., Wuppertal.

In einem jüngst erschienen Text äussert sich Venn: «Die spielerischen, betörenden Illusionen, denen wir begegnen, heissen Farben. Jede Farbnuance besitzt eine autarke Wahrheit. Farben und Formen haben ihre eigenständigen metasprachlichen, individuellen und kollektiven Inhalte. Darum nutze ich Farben aus phraseologischer Absicht, aber auch zur phonetischen Klangpartizipation.»
Viele der Bilder basieren auf farbforscherischen Erkenntnissen, die auf der Entschlüsselung vorder- und hintergründiger Appelle der Einzeltöne und Kolorits beruhen. «Farben sprechen nicht nur unsere Sprache. Ihre Zugangs-und ihre Versteckenskapazität sind universaler als wir denken.»

Die Kommunikationsfähigkeit der Koloraturen steht verbalen Botschaften ebenbürtig gegenüber. Formale Inhalte sind selten von poetischer Intensität wie reinfarbige Konzepte, die sich, losgelöst von umschliessender Begrenztheit, der Enge entziehen. Die Sehnsucht nach dem Amorphen ist grösser als nach zwei- und dreidimensionalen Flächen und Kuben oder blosser Dynamik. Ab und an jedoch ist das Bedürfnis nach konsequenter Definition und experimentellem Abschreiten ins messbar Begrenzte grösser als die Liebe zum Ahnungsvollen. Die Rückkehr zum Ungefähren, ins nebelhaft Getrübte oder unerkannt Verwobene bleibt notorische Option.

Axel Venn hat sich als Farbmentor national und international bekannt und auch als Künstler einen Namen gemacht. Seit Jahren schreibt und illustriert er seine Fachbücher, die nicht nur wegen ihrer Forschungsinhalte, sondern auch aufgrund ihres kreativen Ausdrucks Fachleute jeder Profession begeistern. Genauso lebhaft oder besinnlich wie sein Gestus sind seine meist grossformatigen künstlerischen Arbeiten. Sie bestechen durch ihre Farbdichte, die mal feinziseliert, mal mit fühlbarer Intensität und kräftigem Duktus erfolgt. Er selbst möchte alle 10 Millionen Farbton-Nuancen, die Menschen in der Lage sind zu erkennen, mindestens einmal gemalt haben. Für Venn ist die dialogische Befähigung seiner Arbeiten von ausschlaggebender Bedeutung. Darum widmet er dem Erwerber eines Bildes ein ihm zugewiesenes Gedicht. Dieses löst die stereotype Frage nach seiner künstlerischen Absicht «Was wollte uns der Künstler damit sagen?» in fünfzehn beflügelnden Zeilen auf. Die Arbeiten von Venn sind u.a. in vielen Privat- und Konzeptsammlungen im In- und Ausland vertreten.

Farbexperte Axel Venn

kt.COLOR Katrin Trautwein

Einladungskarte MRZ2 2021

Bildnachweis: Axel Venn

Stream powered by STÜRMER FOTO

Weibliche Werte

Livestream der Veranstaltung am 4. Oktober 2021, 19.30 Uhr

Der Anlass wird aufgezeichnet und ist hier bis 17. Oktober 2021 einsehbar.

Mehr Informationen zum Anlass finden Sie hier

Einladungskarte Oktober