Architektur Forum Ostschweiz

Jahresarchive: 2020

Architektur im Film

Precise Poetry – Lina Bo Bardi’s Architecture

Di 20. Oktober 2020, 20 Uhr im Kinok

Aufgrund der aktuellen Situation mit Covid-19 hat Sabine von Fischer die persönliche Anwesenheit für die  Einführung abgesagt. Marina Schütz vom Kinok übernimmt ihre Einführung.

Die italienisch-brasilianische Architektin Lina Bo Bardi (1914 – 1992) schuf Poesie durch architektonische  Präzision. Enttäuscht über den Konservativismus in  ihrer Heimat Italien nach dem Ende des faschistischen Regimes, fand sie 1957 in Brasilien eine neue Heimat und etablierte sich dort als die wichtigste Architektin  ihrer Zeit. Bo Bardis Kollegen und Freunde erzählen von den soziopolitischen Bedingungen und den persönlichen Ereignissen, die die Zeitlosigkeit ihres Werks bestimmen.
Belinda Rukschios filmische Reise zu Lina Bo Bardis  Bauten in São Paulo und Salvador da Bahia versucht die Frage zu beantworten, was von einer Person bleibt in dem Werk, das sie hinterlässt.

Zum Trailer

Regie: Belinda Rukschcio DE/A 2013, port., engl. UT, 53’

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72
www.kinok.ch

Weitere Vorführung So 25. Oktober, 11 Uhr

Veranstaltungssponsor:
ZZ Wancor AG

Bildnachweis: Markus Lanz, SESC Pompeia 2011 © Markus Lanz

Subtiler Dialog zwischen alt und neu

Der 400-jährige Torkel Romenschwanden ist der letzte Zeitzeuge in St. Margrethen, der an den Weinbau im Mittelalter erinnert.

03.10.2020 von Susanna Koeberle

Dionysos, der Gott des Weines, wäre bestimmt hocherfreut über dieses Projekt. Schliesslich  gehören zum Genuss dieses Getränks unbedingt auch Feste. Alleine im Kämmerchen alkoholischen Genüssen zu frönen – das haben wir in diesem Jahr gesehen – ist einfach nicht dasselbe. Dass ein  Torkel in Romenschwanden bei St. Margrethen zu seinen Ursprüngen zurückfand, war nicht nur in architektonischer Hinsicht eine gute Entscheidung. Auch für das soziale Zusammenleben schaffen  Renovation und Umnutzung des Baus einen Mehrwert. Eigentümerin und Auftraggeberin war die Ortsgemeinde St. Margrethen, welche für die Restaurierung des 400-jährigen Torkels den  Architekten Lukas Brassel beauftragte. Lange als Abstellraum für Maschinen und Brennholz  genutzt, ermöglicht der Umbau des historischen Bauwerks nicht nur eine neue öffentliche Nutzung  als Veranstaltungssaal, er bewahrt zugleich einen wichtigen Zeitzeugen der Geschichte dieser  Gegend.
Der Torkel gehörte zu dem 1602 erbauten Gutshaus der Zollikofer von Altenklingen, einer lokalen  Adelsfamilie, die auch Wein anbaute. Im Mittelalter war die Region ein wichtiges Weinbaugebiet, von dort aus wurde der Rebensaft bis nach Deutschland exportiert. Die Reblausplage um die  Jahrhundertwende setzte dieser Tradition ein Ende, in Romenschwanden wurden erst wieder in den 1980er-Jahren Rebstöcke gepflanzt. Das zweigeschossige Ökonomiegebäude wurde vermutlich aus Steinen der Ruine Grimmenstein erbaut, darauf deuten einige rötliche Sandsteine hin. Diese Verfärbung tritt durch starke Erhitzung auf. Sie ist ein Indiz, das sich mit dem  Niederbrennen der Burg im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen im 12. Jahrhundert in  Verbindung bringen lässt.

Weiterbauen in historisch wertvollem Kontext

Die besondere Bauweise des Mauerwerks prägt das Aussehen des schlichten Bauwerks, daran  wollte der Architekt Lukas Brassel möglichst wenig ändern. Vielmehr ging es ihm um den Erhalt der historischen Bausubstanz, die zugleich durch die dezenten Eingriffe durchaus einen  zeitgenössischen Ausdruck bekommen hat. An der Südwestfassade stabilisiert etwa ein neu eingebauter Stahlbetonrahmen das labile Bruchsteinmauerwerk. Vier grosse Doppelfenster machen  die Raumhöhe des Saals auch von aussen lesbar und betonen die Nutzung als öffentlicher Raum. Der Veranstaltungsraum bietet Platz für Anlässe mit 40 bis 60 Personen. Im Innern erleichtert ein pflegeleichter Boden aus versiegeltem Monobeton eine unkomplizierte Handhabung der Räumlichkeiten; auch sonst arbeitete der Architekt mit einfachen Materialien, die etwas  Unaufgeregtes ausstrahlen. Die Menschen im Raum sowie die alten Bauteile sollen die Hauptrolle spielen.
Am unverputzten Mauerwerk erkennt man eine damals verwendete Bauweise, das sogenannte  «Zwickeln». Statt mit teurem Mörtel wurden die Räume zwischen den grösseren Steinen mit  kleineren Gesteinssplittern aufgefüllt. Die unterschiedlich grossen Steine bilden ein interessantes  Gefüge, das auch heute noch funktioniert. Der Architekt konnte die alte Balkenlage der Decke  erhalten; diese wurde mit neuen Deckendielen versehen. Brassel beliess zudem die historische  Mittelstütze, was den Raum quasi symbolisch in der Vergangenheit verankert.

Fruchtbare Zusammenarbeit

Das Beleuchtungskonzept entstand in Zusammenarbeit mit Gallus Zwicker aus St. Gallen, die zwölf  Tische sind ein Gemeinschaftsentwurf von Lukas Brassel und dem Produktdesigner und Schreiner Markus Hangartner. Gerade bei älteren Bauten ist das Fachwissen von Spezialisten  besonders gefragt. Die Kollaboration mit Jürg Conzett war in dieser Hinsicht hilfreich. So entschied Lukas Brassel aufgrund der Expertise des bekannten Bauingenieurs, die WC-Anlagen nach unten zu verlegen, sodass der obere Hauptraum frei bleiben konnte.
Angrenzend an den vorhandenen Gewölbekeller, dessen Rundbogentor ebenfalls behutsam  restauriert wurde, befinden sich nun die Toiletten und ein Technikraum. Nach unten führt eine Treppe, deren filigranes Metallgeländer sich klar absetzt von der alten Bausubstanz. Eine feine Fuge im Beton markiert den räumlichen Eingriff. Die Materialisierung der unteren Räumlichkeiten ist einfach und doch wertig. Die Wände aus braun-schwarz filmbeschichteten Sperrholzplatten muten fast etwas asiatisch an.
Die Balance zwischen Bewahren und Erneuern ist hier vorbildhaft gelungen. Die neue Identität des Torkels basiert auf diesem subtilen Dialog zwischen alt und neu. Prägend für den modernen Charakter ist die vordere Fensterfront. Wenn die hölzernen Klappläden geschlossen sind, erkennt man die bauliche Massnahme kaum. Sind diese offen, wird die feingliedrige  Kolonnade sichtbar.  Sie dient der Befestigung der hohen Fenster und Läden, zugleich verleiht diese architektonische Geste dem Bauwerk Grosszügigkeit und Selbstbewusstheit. Es waren denn auch diese Fenster,  welche bei den Bauarbeiten finanziell ins Gewicht fielen, sodass diesbezüglich etwas Überzeugungsarbeit des Architekten notwendig war. Dass Brassel selber in der Gemeinde aufgewachsen ist, hat die Kommunikation sicher erleichtert. Die  Vertrautheit mit dem Kontext ist auf verschiedenen Ebenen eine gute Voraussetzung für eine solche  Aufgabe. Auch das Catering für Veranstaltungen besteht aus lokalen Produkten, das schafft eine zusätzliche  Wertschöpfung für den Ort. Der Begriff «Torkel» stammt aus dem lateinischen Wort «torculum» für Presse.  Diese steht zwar physisch nicht mehr im Raum, aber die Steine sind stille Träger von Geschichte: Der Bau erzählt diese weiter. Den Rest übernimmt der Geist des Dionysos.

Bilder: Hanspeter Schiess

Schönheit und Kunst

Katja Schenker, Künstlerin, Zürich / Josef Felix Müller, Künstler und Verleger, St. Gallen / Gabrielle Schaad, Kunst- und Architekturhistorikerin, Zürich / Moderation Barbara Bleisch, Philosophin, Zürich

Mo 28. September 2020, 19.30 Uhr im Forum

Ein archäologisches Ereignis mit hoher ästhetischer Wirkung

«Im Lichthof des Neubaus der Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz realisierte ich mein bisher spektakulärstes Kunstprojekt: einen über 100 Tonnen schweren, 11 Meter hohen Monolithen aus Beton, prall gefüllt mit eingegossenen Naturgegenständen, die ich sorgfältig gesammelt und ausgewählt hatte.

Thematisch befasst sich die Arbeit mit der Herausforderung, innere Stabilität und existenzielle Sicherheit zu wahren oder wiederzugewinnen in einer Welt, die zusehends virtueller – d.h. gegenstands- und substanzloser – wird. Eine Herausforderung, der sich auch all jene stellen müssen, die an der FHNW in Architektur, Life Sciences, Pädagogik oder Sozialer Arbeit lehren und studieren.

Der gigantische Monolith enthält in der Natur vorgefundene Materialien, in denen der bewegte Lauf der Zeit bereits kondensiert und zur Ruhe gekommen ist: Holz, Gestein, Metalle.

Die Fundgegenstände wurden auf gut 4 Quadratmetern etappenweise zu einem Turm aufgeschichtet und in Beton eingegossen. Anschliessend war die Diamantseilsäge auf dem Platz, um das eingegossene Material im Längsschnitt wieder freizulegen. Dabei wurde nicht bloss ein Kunstobjekt vollendet, das buchstäblich von der Zeit erzählt. Es handelt sich um ein archäologisches Ereignis mit hoher ästhetischer Wirkung.»

Katja Schenker

Um die Schutzmassnahmen bezüglich Covid-19 einhalten zu können, bitten wir um eine Voranmeldung bis Fr 25.09.2020 unter info@nulla-f-o.ch. Es gelten die Abstandsregeln, Desinfektionsmittel und Schutzmasken stehen bereit.
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt

Katja Schenker

Josef Felix Müller

Gabrielle Schaad

Veranstaltungssponsor:
Helvetia Versicherungen – General­agentur St. Gallen-Appenzell

Einladungkarte Sept/Okt

Bildnachweis: Martin Stollenwerk

Die Moderne im Kleinen

Die Architektur der 1930er-Jahre im Film

Di 15. September 2020, 20.15 Uhr im «Palace», Zwinglistrasse 3, St. Gallen

Marcel Bächtiger, Architekturhistoriker und Redaktor «Hochparterre», Zürich / Nina Keel, Kunsthistorikerin, St. Gallen

Marcel Bächtiger stellt im Palace, das 1924 von Moritz Hauser als Cinema erbaut wurde, Architekturfilme aus den 1930er Jahren vor: Anlässlich der Basler «WOBA» entstand «Die neue Wohnung» (1930), ein vom experimentellen Filmkünstler und Dadaisten Hans Richter geschaffener Film.

Marcel Bächtiger ist Architekturhistoriker, Hochparterre-Redaktor und Filmemacher und kommentiert den Film aus heutiger Perspektive, ebenso «Bâtir» (1930), ein Kurzfilm von Pierre Chenal in Zusammenarbeit mit Le Corbusier.

Eine Kooperation mit der Ausstellung DIE MODERNE IM KLEINEN und dem Palace.

Türöffnung 19:45, Beginn 20:15

Kollekte

Bildnachweis: © F.L.C 2020, ProLitteris, Zürich

Schönheit und Berechnung

Alex Herter, Architekt, Erlenbach / Paul Knill, Architekt, Herisau / Martin Bühler, Architekt, Zürich / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 7. September 2020, 19.30 Uhr im Forum

Denkt man an Berechnung im Zusammenhang mit Architektur, kommt einem nicht unbedingt zuerst der Begriff Schönheit in den Sinn. Eher denkt man z.B. an Statik,  Bauphysik oder Kosten. Der Ingenieur bemisst z.B. die Stärke einer Stütze nach Traglast und Materialfestigkeit und kommt so auf einen notwendigen Querschnitt in Form von Masszahlen. Wenn ich als Architekt aber die Stütze entwerfe, möchte ich sie vielleicht schlanker oder aber auch breiter haben, weil ich sie so als schöner empfinde. Damit beginnt es.

Die Frage ist: Welches Mass wähle ich? Die Begriffe Schönheit und Berechnung sind für den Architekten also über die Masszahl auf das Engste miteinander verbunden. Setzt man mehrere Masse zueinander in Beziehung, spricht man von Proportionen. Es ist vermutlich die älteste Frage in der Geschichte der Architektur: was sind gute, schöne oder harmonische Proportionen?
Der Erste, der sich über diese Frage Gedanken gemacht hat, ist Pythagoras. In der antiken Legende von Pythagoras in der Schmiede entdeckt dieser den Zusammenhang von Tönen und Masszahlen und formuliert daraus die erste Musiktheorie der Wissenschaft. Er begründet die fortan bis in die Gegenwart präsente Theorie der harmonischen Konsonanzen, die sowohl für die Architektur der Antike, des Mittelalters und insbesondere auch der Renaissance von hoher Gültigkeit war.

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Die Veranstaltung findet unter Einhaltung des aktuellen Schutzkonzeptes für öffentliche Veranstaltungen statt. Deswegen werden die künftigen Anlässe mit Anmeldung  durchgeführt. Wir nehmen die Kontaktdaten aller Besuchenden auf und informieren Sie, dass es allenfalls zu einer Quarantäne kommen kann, wenn es während der  Veranstaltung enge Kontakte mit COVID-19-Erkrankten gab. Anpassung an Schutzkonzept gemäss Vorgaben BAG vorbehalten.

Anmeldung erforderlich
bis Fr 4. September 2020 unter info@nulla-f-o.ch
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt

Alex Herter | Architekt

Paul Knill Architekt BSA

Veranstaltungssponsor:
Helvetia Versicherungen – General­agentur St. Gallen-Appenzell

Einladungskarte September

Bildnachweis: Kayser, «Harmonikalisches Grunddiagramm, Tafel 2» aus Dr. Hans Kayser, «Akroasis – Die Lehre von der Harmonik der Welt», 4. Auflage, Basel, 1984

Der Durchbruch zum Klostergarten

Kluge Planer können auch mit kleinen Eingriffen viel bewirken. Das beweist die Umgestaltung des Klinikareals St. Pirminsberg in Pfäfers.

05.09.2020 von Deborah Fehlmann

Das Postauto arbeitet sich im Zickzack den steilen Hang von Bad Ragaz nach Pfäfers hoch. Kurz vor dem Dorfzentrum thront direkt über der  Hauptstrasse auf felsigem Grund die Klosterkirche, das Wahrzeichen des Ortes. Zusammen mit den drei Gebäudeflügeln dahinter umschliesst  sie einen nahezu quadratischen Hof. Die frühbarocke Anlage stammt aus dem 17. Jahrhundert, doch die ersten Benediktinermönche zogen bereits 731 von der Inselabtei Reichenau ins Taminatal und gründeten hier das Kloster Fabaria. Fünfhundert Jahre später entdeckten sie weiter oben in der Schlucht eine Quelle, deren Wasser sogar der berühmte Paracelsus eine heilende Wirkung attestierte. Fortan war Pfäfers nicht nur ein Reiseziel-Gläubiger, sondern auch Heilsuchender aus dem In- und Ausland.
1838 hob der Kanton St. Gallen die Abtei auf und zog deren Geld und Güter ein. Eine Heilstätte blieb der Ort aber: Fünf Jahre später eröffnete  in den alten Gemäuern die Heil- und Pflegeanstalt St. Pirminsberg. Heute beherbergt das frisch restaurierte Kloster Behandlungsstationen, Büros und Sitzungsräume. Das jetzige Hauptgebäude der Klinik, ein pragmatischer Spitalbau aus den Siebzigern, wird dem barocken Denkmal nicht gerecht. Am fernen Ende ergänzt seit 2010 das Zentrum für Alterspsychiatrie die Anlage. Die grosse Qualität des Ortes liegt zwischen den Bauten: Inmitten der Bergkulisse geniessen Mitarbeitende, Patienten und Gäste sorgsam gepflegte Gärten, naturnahe Wiesen und einen guten  Kilometer Spazierwege auf dem Klinikareal. Sie sind das einstweilige Resultat eines 20-jährigen Entwicklungsprozesses.

Veränderung als Gemeinschaftswerk

«Als ich Mitte der Neunzigerjahre hierherkam war das Areal zwar gepflegt, aber eher funktional und freudlos gestaltet. Es gab viel ungenutztes Potenzial», erinnert sich Christoph Eicher. Als CEO der St. Gallischen Psychiatrie-Dienste Süd trägt er die Gesamtverantwortung für die Klinik in Pfäfers und drei weitere Psychiatriezentren. Er schwärmt von der Kraft des geschichtsträchtigen Ortes und von der umliegenden Natur, die zur Gesundung der Menschen beiträgt. Denn: «Die Vorstellung einer psychiatrischen Klinik als Versorgungsbetrieb ist überholt – heute steht die Gesundung im Zentrum. Die Patienten sollen sich hier aufgehoben fühlen, aber auch so bald als möglich nach Hause zurückkehren.»
Eicher beschloss, die Klinik in einen einladenden und inspirierenden Ort zu verwandeln. Zufällig lernte er in jener Zeit den St. Galler  Landschaftsarchitekten Tobias Pauli kennen. Die beiden verstanden sich auf Anhieb und Eicher beauftragte Pauli mit der Erarbeitung einer Gesamtschau über die Qualitäten und Entwicklungspotenziale des Areals. Ein einziger grosser Wurf, das wusste er, würde es nicht werden.  Dazu fehlten die Eigenmittel, und das Projekt war kaum dringlich genug, um sich rasch finanzielle Unterstützung durch den Kanton zu  erhoffen. Von Paulis Gesamtkonzept ausgehend, entschied Eicher sich deshalb für einen Wandel in kleinen Schritten. Deren Umsetzung in den Folgejahren gelang auch dank Drittmittel und der Begleitung durch das kantonale Hochbauamt.
Pauli erinnert sich gerne an den jahrelangen Prozess: «Wir trafen uns alle paar Monate, zogen Bilanz und diskutierten, was wir als Nächstes in  Angriff nehmen. Ärzte, Pflegepersonen und auch ein Koch wirkten bei diesen Beratungen mit – ein partizipatives Vorgehen.» Den Auftakt  machte Ende der Neunzigerjahre der Aussenraum der Cafeteria und des Haupteingangs, die im Zuge der Neugestaltung unter anderem zwei Wasserbecken erhielten. Als Nächstes gestaltete Pauli die terrassierten Torkelgärten um, wo die Mönche einst Reben und andere Nutzpflanzen gezogen hatten. Nun finden Ruhesuchende zwischen dem Grün geschützte Aufenthaltsnischen mit Blick in die Landschaft. Über einen  Mauerdurchbruch verband er die vormals abgeschlossenen  Torkelterrassen mit dem Zentrum der Anlage. Von der Cafeteria her gesehen, gibt der türgrosse Ausschnitt zugleich den Blick in die Berge frei. Dann entwarf der Landschaftsarchitekt die Spazierwege am Hügel oberhalb der Anlage, leitete eine umfassende Renaturierung in die Wege und wertete den Klosterhof mit feinen Eingriffen auf.

Eine Klinik, die ein offenes Haus sein will

Letzteres Projekt übergab er, der bis 2007 allein gearbeitet hatte, seiner Mitarbeiterin Susanna Stricker. Pauli bereitete in jenen Jahren seinen  Ruhestand vor und die beiden sprachen bald über eine mögliche Übernahme. Doch Pauli wollte seine potenzielle Nachfolgerin erst auf die Probe stellen: «Wir zeichneten je ein Projekt für die Umgestaltung des Klostergartens und legten die Entwürfe Christoph Eicher vor. Er entschied sich für ihren Vorschlag.» Das habe ihm Vertrauen gegeben, um sich 2013 vom Geschäft zu lösen.
Unter Strickers Leitung erfolgte die Neugestaltung des Klostergartens und der Aufgänge zum südlichen Hauptportal bis 2019. Zeitgleich liess der Kanton die Bauten sanieren. Der Wildwuchs wich einer üppigen Staudenbepflanzung, durchsetzt mit geschwungenen Wegen. Die barocke   Hauptfassade mit Freitreppe und geschmücktem Eingangsportal erscheint durch die Erweiterung mit Balustraden aus Sichtbeton nunmehr  repräsentativer. Geblieben sind nur eine mächtige Blutbuche und die alten Umfassungsmauern gegen die Strasse. Auch hier entstand dank  eines nur schmalen Mauerdurchbruchs eine neue räumliche Situation: Während der Weg vom Garten zum Eingang der Klosterkirche früher  umständlich über die Strasse führte, verbinden heute wenige Treppentritte die beiden Orte. Es ist eine von vielen Gesten, durch die auch  Aussenstehende den Weg in das durchwegs zugängliche Klinikareal finden. Denn auch das, sagt CEO Eicher, will die Klinik sein: ein offenes  Haus, das dazu beiträgt, die in unserer Gesellschaft noch immer vorhandene Zurückhaltung gegenüber psychisch kranken Menschen  abzubauen.

Bilder: Hanspeter Schiess

Hauptversammlung

2020

Die Hauptversammlung 2020 wurde in diesem Jahr schriftlich durchgeführt

Alle Mitglieder, Fachverbände und Sponsoren erhielten ein Schreiben sowie ein Abstimmungsformular, mit der Bitte, dieses bis zum 21.08. 2020 per Post oder Email zu retournieren.

Hier sind folgende Unterlagen einsehrbar, welche Bestandteil der Beschlussfassung sind:

Protokoll der HV 2019
Jahresrechnung 2019
Revisorenbericht
Budget 2020
Wahl Vorstand

Statuten

 

Das Protokoll der Hauptversammlung 2020 ist hier abrufbar:

Protokoll der HV 2020

Schattenseiten und Chancen von Pop-ups

Der Lockdown führte zu leeren Ladenlokalen, begünstigte aber auch Flächen für Pop-ups. Zwei Beispiele in Diessenhofen und in Chur.

08.08.2020 von Susanna Koeberle

Das Wort Pop-up ist in aller Munde, «aufzupoppen» scheint heutzutage im städtischen Umfeld das  Gebot der Stunde zu sein. Das hat verschiedene Gründe. Einer davon ist ein allgemeiner Strukturwandel im Einzelhandel. Das Ladensterben, das auch auf die wachsende Verlagerung des  Handels in den Online-Bereich zurückzuführen ist, bewegt viele Hersteller und Händler dazu, neue Wege zu gehen. Wer verkaufen will, muss in erster Linie Aufmerksamkeit generieren und diese ist durch ein plötzliches Auftauchen garantiert. Ein Pop-up-Store ist ein geeignetes Tool zur  Imagepflege und wird meist als Ergänzung zu bestehenden Verkaufsplattformen eingesetzt, etwa um ein neues Produkt zu lancieren oder einen Standort zu testen. Ein weiterer Vorteil von Pop-up- Formaten ist, dass sie günstiger sind als eine fixe Ladenmiete. Zudem entsprechen sie durch ihr temporäres Bestehen der heutigen schnelllebigen Kultur, in der Flexibilität quasi zum  Pflichtprogramm gehört – was umgekehrt bedeutet, dass Verbindlichkeit in der Regel möglichst  gering gehalten wird.
Diese Situation hat auch ihre Schattenseiten, denn angesichts der aktuellen Situation zum Beispiel  sind viele Geschäfte in eine prekäre Lage geraten; der Lockdown bedeutet vor allem für kleinere  Läden das Aus, was wiederum zu noch mehr Leerstand von Ladenlokalen führen wird. Und zu  neuen Flächen für Pop-ups. Die Leerstandaktivierung durch temporäre Projekte ist für  Immobilienbesitzer eine attraktive Lösung. Als Scharnier zwischen Anbietern und Suchenden  funktionieren Online-Marktplätze. Das Forschungsprojekt «Pop Up City» etwa – eine  Kollaboration zwischen der FHS St. Gallen, der NTB Buchs, Popupshops.ch, der Stadt St. Gallen und der Stadt Zürich – lanciert im Juli 2020 eine digitale Plattform, die Anbieter von Räumen und  interessierte Firmen zusammenbringt; Ziel ist ein effizientes «Matching».

Pop-up auf dem Land

Auch aus ökologischer Sicht können mobile und flexible Architekturen sinnvoll sein. Sie können  sowohl bei bestehenden Bauten wie auch im öffentlichen Raum mit wenig Materialaufwand in kurzer Zeit aufgestellt und wieder abgebaut werden. Allerdings stellt sich dabei die Frage nach der Wertschöpfung für die Allgemeinheit, denn die Nutzung von öffentlichem Raum zu kommerziellen  Zwecken im urbanen Kontext kann langfristig den Prozess der Gentrifizierung fördern. Nicht zu  unterschätzen ist das Aussehen solcher Architekturen. Wenn der Fokus auf maximaler Rentabilität  liegt, geht die Ästhetik nämlich häufig vergessen. Die Pflege der Baukultur ist auch bei temporären  Bauten wichtig. Viele Marken bieten für ihre Boutiquen bekannte Baukünstlerinnen und  Baukünstler auf, doch es geht auch bescheiden – und dennoch optisch ansprechend.
Im Idealfall verbinden sich die positiven Faktoren von Pop-up-Projekten zu einem Erlebnis, das  sowohl Verbraucherinnen und Verbraucher für Themen sensibilisiert als auch für Umsetzende auf verschiedenen Ebenen profitabel ist. Interessanterweise finden Pop-up-Konzepte auch in  ländlichen Gegenden Anklang. So macht etwa Thurgau Tourismus mit mehreren temporären und  mobilen «Hotelprojekten» auf die Sehenswürdigkeiten des Kantons aufmerksam. Diese befinden  sich eben auch mitten in der Natur oder zumindest fern von grösseren Städten. Seit 2017 gastiert  das Bubble-Hotel, ein aufblasbares Gästezimmer, das freie Sicht auf den Sternenhimmel und die Umgebung bietet, an verschiedenen Standorten. Von Anfang an dabei war die Kartause Ittingen,  dieses Jahr gibt es bereits fünf Partner, die zwischen April und Oktober ein Paket anbieten, teilweise inklusive Abendessen. Ein solches Himmelbett steht etwa im Rosengarten des ehemaligen  Klosters St. Katharinental auf einem Holzpodest. Das Angebot wird gut genutzt, das Echo sei positiv und auch finanziell scheint die Rechnung aufzugehen, wie eine  Medienverantwortliche von Thurgau Tourismus berichtet.

Inspiration dafür war ein Konzept des Künstlerduos Frank und Patrik Riklin. Die beiden Konzeptkünstler haben ihr Langzeitprojekt «Null Stern Hotel» zusammen mit dem Hotelexperten Daniel Charbonnier 2016 radikalisiert und mit «Zero Real Estate» eine Landversion entwickelt – «immobilienbefreite Hotelzimmer» ohne Dach und Wände. 2018 lancierten sie das Konzept als kollektive Performance in der Tourismusdestination Ostschweiz. Das Projekt ist mehr als nur ein Pop-up-Gag, sondern eine ernst gemeinte Massnahme. Mehrere lokale Tourismusdestinationen in der Ostschweiz können so eine eigene Interpretation des Zimmers im Freien anbieten. Auch der Schweizer Laufschuhe-Hersteller «On» setzt auf Natur als Trägerin der Markenbotschaft. Die von Thilo Alex Brunner (Head of Design bei On) entworfene Hütte aus nachhaltigen Materialien stand letztes Jahr im Engadin zwischen dem Piz Lunghin und dem Lunghin-Pass.

Kultureller Mehrwert

Demgegenüber kann es im vielschichtigen urbanen Kontext interessant sein durch Zwischennutzungen, leer stehende Gebäude mit Inhalten zu beleben und damit zur städtischen Vielfalt beizutragen. Ob das allerdings immer ein Konsumangebot sein muss, sei dahingestellt. Gerade der Lockdown hat gezeigt, wie sich Menschen den öffentlichen Raum auf unkonventionelle und kreative Art aneigneten. Solche Sondersituationen könnten auch ein Denkanstoss sein. Etwa dazu sich die Frage zu stellen, welche Rolle Zwischennutzen für Stadtteil-Entwicklungen spielen. Welche zeitlich befristeten Nutzungsmöglichkeiten führen zu einer Aufwertung von Öffentlichkeit und zu einem Bewusstsein für den Wert von Stadt als gemeinschaftlichem Raum? Die Verbindung von Kulturangebot und Zwischennutzung kann eine Aufwertung des öffentlichen Lebens sein. Ein solches Projekt ist «Hallo Chur », das bereits früher kleine Veranstaltungen organisierte. Letztes Jahr stiessen die Initiatoren auf eine leer stehende Liegenschaft beim Bahnhof Chur, die abgerissen werden soll. Sie fragten die Besitzer an, ob sie das Haus befristet mieten können. So entstand ein Pop-up-Kulturhaus, das zwischen Frühling und Herbst ein reichhaltiges Programm anbot. Da ein Grossteil des Programms dieses Jahr wegen Corona gestrichen werden musste, kam spontan die Idee für eine Gartenbeiz auf, die nun vom «Hallo Chur»-Team je nach Zeit und Lust betrieben wird. Manchmal entstehen temporäre Nutzungen ganz unkompliziert und auf Initiative der Bevölkerung

Bilder: Hanspeter Schiess

Schönheit und Orte

Vittorio Lampugnani, Architekt, Zürich / Samuel Zuberbühler, Leiter Standortförderung St. Gallen / Rahel Lämmler, Architektin, Zürich / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 7. Dezember 2020, 19.30 Uhr im Forum

Bildnachweis: V. Lampugnani

Energieagentur@AFO

33 und mehr Ideen: Wie Architekten gegen die Klimakrise entwerfen können

Mo 16. November 2020, 19.30 Uhr im Forum

Der runde Tisch Energie und Bauen und das Architektur Forum Ostschweiz laden zur jährlichen Informationsveranstaltung ein.

Bis zum Jahr 2050 muss die Baubranche ihre CO2-Abhängigkeit loswerden. Hochparterre hat dazu 33 Ideen veröffentlicht, wie Architekten gegen die Klimakrise entwerfen können.

Der Name Countdown 2030 versinnbildlicht die dringende Handlungsnotwendigkeit. Das Kollektiv sieht diese Herausforderung als Chance für die Architektur, sich neu zu erfinden. Dazu will es inspirieren.

Begrüssung und Moderation
Silvia Gemperle
Leiterin Energie und Bauen, Energieagentur St.Gallen

12 Irrtümer rund um klimagerechtes Bauen
Andres Herzog, Heftleiter und Redaktor Architektur, Hochparterre

Die Neuerfindung der Moderne
Jakob Schneider, Architekt, Mitglied Geschäftsleitung Salathé Architekten, Basel
Mitglied Architektengruppe countdown2030.ch

Anschliessend Fachgespräche beim Apéro.

Eintritt frei. Wir freuen uns über Ihre Anmeldung auf www.energieagentur-sg.ch

Einladungskarte

Bildnachweis: bürobureau

 

Städtische Ausstellung im Forum

Fabienne Lussmann

Ausstellung: Fr 13. November bis So 6. Dezember 2020
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Do 12. November 2020 um 18.30 Uhr, Einführung: Kristin Schmid

Schönheit und Pflege

Claudia Moll, Landschaftsarchitektin, Co-Präsidentin BSLA, Zürich / Brigitte Frei-Heitz, Kunsthistorikerin, Denkmalpflege Basel-Landschaft / Vreni Härdi, Architektin, Kantonale Denkmalpflege Appenzell Ausserrhoden / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 2. November 2020, 19.30 Uhr im Forum

Schönheit ist ein subjektiver Begriff, der sich im Lauf der Zeit stetig wandelt. Dies ist auch im Freiraum so: Vom geometrisch strengen Barock zu den sanften Landschaften nachempfundenen Gärten der Aufklärung, von den heute steif anmutenden Promenaden des 19. Jahrhunderts zu den Spiel- und Bewegungsräumen der Volksparks anfangs des 20. Jahrhunderts, von den architektonischen Freiräumen der späten Moderne zu den wilden Anlagen der Naturgartenbewegung, von der geschichtsschwangeren Postmoderne zur biodiversen Verspieltheit – das, was schön ist, bestimmt der Betrachter. Mit dem Verständnis von Schönheit wandelt sich auch das der Pflege. Was in der einen Epoche Pflicht war, ist in der nächsten verpönt oder «contre les règles de l’art».

Heute befindet sich die Landschaftsarchitektur wieder an einem Wendepunkt. Der rasante Wandel unserer Umwelt, angetrieben durch Klimakrise und Biodiversitätsverlust fordert neue Freiräume und neue gestalterische Konzepte: Grün, vielfältig und durchlässig müssen sie sein, Frei-Raum schaffend im wahrsten Sinne des Wortes, Orte des Aufenthalts und der Erholung für den Menschen, und gleichzeitig Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Die Herausforderung besteht darin, die unterschiedlichsten Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen und dennoch eigenständige Orte entstehen zu lassen.

Anhand einer Reihe von Beispielen aus der Vergangenheit und dem aktuellen landschaftsarchitektonischen Schaffen, wird auf den Wandel von Schönheit und Pflege eingegangen und ein Blick in die Zukunft gewagt.

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Veranstaltungssponsor:
Helvetia Versicherungen – General­agentur St. Gallen-Appenzell

Um die Schutzmassnahmen bezüglich Covid-19 einhalten zu können, bitten wir um eine Voranmeldung bis Fr 30.Oktober2020 unter info@nulla-f-o.ch. Es gelten die Abstandsregeln, Desinfektionsmittel und Schutzmasken stehen bereit.
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt

Einladungskarte November

Bildnachweis: Stéphanie Gygax / Claudia Moll

AUTO ex Nextex@AFO

An der Quelle – Brunnen im öffentlichen Raum

Do 29. Oktober 2020, 19.30 Uhr im Forum

Podiumsdiskussion mit Hansruedi Beck, Kantonale Denkmalpflege Appenzell Ausserrhoden / Roman Häne, Landschaftsarchitekt St. Gallen / Elisabeth Nembrini, Fachleiterin Bildnerische Gestaltung PHSG / Andrea Vogel, Künstlerin, St. Gallen

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO und Visarte gratis

Veranstaltungssponsor:
Bärlocher Natursteine

 

Die Veranstaltung ist Teil der Ausstellung:

REMIXING: Öffentlichkeit, Brunnen, und andere Geschichten
Barbara Brülisauer, Andy Guhl, Marc Norbert Hörler, Frank Keller, Thi My Lien Nguyen, Marion Täschler

22. Oktober bis 15. November 2020
Öffnungszeiten Donnerstag 19 – 22 Uhr, Freitag 11 – 15 Uhr
AUTO ex Nextex, Wassergasse 47, St. Gallen
Auto ex Nextex

Das Interesse dieses Projektes liegt darin, die Aufmerksamkeit auf die zahlreichen Kunstwerke im öffentlichen Raum innerhalb des Einzugsgebietes der Visarte Ost (AI, AR, SG, TG) zu lenken. Ausgehend von dieser Idee nahmen wir die Brunnen der Ostschweiz in den Fokus und luden acht Kunstschaffende ein, sich einem Brunnen, als Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Arbeit, zu widmen. Ausgehend von der künstlerischen Praxis der Kunstschaffenden sind Werke entstanden, von Installation über Video bis zu Fotografie und Publikation.

Einladungskarte

Bildnachweis: Marion Täschler

 

Städtische Ausstellung im Forum

Gaffa Kollektiv

Ausstellung: Fr 4. September bis So 27. September 2020
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Do 3. September 2020 um 18.30 Uhr, Einführung: Kristin Schmid

Wir freuen uns sehr, alle Mitglieder und Interessierten nach dieser langen, Corona bedingten Pause, zu unseren Vorträgen zum Jahresthema «Schönheit» und den weiteren Veranstaltungen im Architektur Forum Ostschweiz einladen zu dürfen.

Ab sofort geht es unter Einhaltung der gesetzlichen Richtlinien weiter mit unseren Programm.

Zum Schutz aller Teilnehmenden ist das Tragen einer Maske und die Angabe der Kontaktdaten vorgeschrieben.

Personen, die Krankheitssymptome zeigen, müssen zuhause bleiben. Bei Ansteckungsverdachtsfällen kann es zu einer Quarantäne kommen.
Die Veranstaltungen erfolgen mit Anmeldung. Die erhobenen Daten dienen ausschliesslich der behördlichen Nachverfolgung von Covid-19-Ansteckungen.

 

Aus «Hasenställen» wird «Prosa»

Die Verdichtung von Wohnquartieren gelingt nicht nur mit Mehrfamilienbauten. Zwei spezielle Siedlungen im Rheintal.

21.07.2020 von Deborah Fehlmann

«Wir wollten nicht in einen Block ziehen», sagt Marcel Specker. Der Landschaftsarchitekt wohnt mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter seit  sieben Jahren in der Siedlung Schlatt in Heerbrugg. Auf drei Seiten umschliesst ein Wohnquartier die drei flachen Häuserzeilen, auf der vierten Seite geht der Blick ins weite Feld. Mit ihren Flachdächern und Eternitfassaden sind die insgesamt 25 schmalen Reihenhäuschen inmitten von  Einfamilienhäusern ein Unikum. Ihre Gleichförmigkeit trug ihnen schon kurz nach der Fertigstellung 1968 den Spitznamen «Hühnerställe» ein. Doch die Siedlung steht hier nicht zufällig: Sie war eine Antwort auf die damalige Nachfrage nach erschwinglichem Wohnraum für Familien. Die Büchel Fertigbauten AG aus Rebstein erstellte sie nach hauseigenem System und in der rekordverdächtigen Aufrichtzeit von einem Tag pro Haus. Eine Wohneinheit kostete damals 82 000 Franken inklusive Land, was heute rund 260 000 Franken entspricht. Die Lebenskostenstruktur im Rheintal  erlaube keine höheren Hauskosten, schrieb die Zeitschrift «Bauen + Wohnen», welche die Siedlung damals porträtierte.
Auch deshalb waren die Häuser in ihrer ursprünglichen Form alle identisch: Im Erdgeschoss ein Eingangsbereich, Küche und Waschküche, ein  Abstellraum und das Wohnzimmer. Darüber ein Eltern- und zwei Kinderzimmer, dazwischen ein Bad. Vor jedem Wohnzimmer liegt ein Garten mit Pergola, den eine Mauer von jenem des Nachbarn abtrennt. Ein Untergeschoss gibt es nicht. «Die Wohneinheiten sind zwar kompakt, aber geschickt  organisiert», sagt Specker. Die junge Familie schätzt es, hier ein Haus auf zwei Stockwerken bewohnen zu können: «Man kann sich einerseits innerhalb der Wohnung gut zurückziehen und kommt andererseits direkt nach draussen. Und wir haben einen eigenen Garten. Gerade mit kleinen Kindern sind das Qualitäten, die eine Geschosswohnung nicht bietet.»
Specker ist in der Gegend aufgewachsen. Für Kinder war die Siedlung Schlatt ein Anziehungspunkt: «Hier lebten viele Familien. Auf dem Spielplatz und in der Umgebung ging immer die Post ab», erinnert er sich. Das ist heute anders. Viele der früheren Hausbesitzer leben noch hier, doch die Kinder sind entweder ausgeflogen oder wohnen inzwischen in einem eigenen Reihenhaus in der Siedlung. So ist es in den gemeinschaftlichen Grünräumen still geworden. Lebendig geblieben sind aber die privaten Bereiche: An den Fassaden und in den Vorgärten treibt der individuelle Gestaltungswille bunte Blüten.

Ein vielfältiges Ökosystem

Einen Katzensprung entfernt sitzen Judith und Peter Roduner in ihrer geräumigen Essküche, während vor der grossen Fensterfront Bäume und Büsche blühen. Seit 25 Jahren bewohnen sie eine von 14 Doppelhaushälften der Siedlung Prosa in Au. Die starke  Gemeinschaft schätzen sie hier besonders – man kümmere sich um einander und sorge zusammen für die Siedlung. Wer Gemüse aus dem eigenen Garten verschenken oder ein Werkzeug borgen will, schreibt in den Siedlungschat, und für einen kurzen Schwatz lehnt  man sich über den Gartenzaun. «Wir haben bewusst nach einer Siedlung gesucht», erzählt Judith Roduner, «auch wegen der Kinder. Im autofreien Aussenraum konnten wir sie unbesorgt spielen lassen, und Kameraden hatten sie hier zuhauf.» Ein Einfamilienhaus wäre ihnen aber auch zu teuer und zu verschwenderisch gewesen. «Das Abstandsgrün rundherum brauchen wir nicht. Ein privater Grünstreifen genügt», sagt Peter Roduner.
Tatsächlich wollte dessen früherer Besitzer das Land, wo heute die Siedlung Prosa steht, in Einfamilienhausparzellen unterteilen. Zum  Bau einer Siedlung überzeugten ihn die Architekten Köppel + Martinez. Sie ordneten die sieben Doppelhäuser in Form eines U an und sahen in der Mitte einen zentralen Parkplatz vor. Dank der minimalen Erschliessungsfläche erzielten sie eine hohe Bebauungsdichte und zugleich grosszügige Aussenräume. Backsteinmauern trennen die Privatgärten vom Fusswegnetz und dienen zugleich als Gartenschuppen und Velounterstände. Die Häuser planten die Architekten als Holzelementbauten.
Um Kosten zu sparen, strebten sie einen hohen Standardisierungsgrad an. So basieren die Häuser auf einem strengen Raster und  kommen mit nur zwei Fensterformaten aus. Das alles mutete in einem Einfamilienhausquartier Mitte der Neunzigerjahre wohl zu  exotisch an und die neue Siedlung erhielt – wenig kreativ – den Spottnamen «Hasenställe».
Wer die Prosa heute besucht, denkt kaum an Massentierhaltung, sondern eher an ein vielfältiges Ökosystem: Das Äussere der  Doppelhäuser ist zwar bis auf die Markisen identisch, aber dafür hochwertig. Die 14 gleichgerichteten Pultdächer mit den  dazwischenliegenden Dachterrassen verleihen dem Ensemble Expressivität und ihre gleichmässige Verwitterung steht den  Holzfassaden gut an. Die privaten Gärten gestaltet jeder nach seinem Geschmack und die meisten sind über ein Vierteljahrhundert üppig eingewachsen. Im Inneren konnten die Käufer viel mitbestimmen, von der Lage und Gestaltung der Küche über die Badezimmer  bis zur Raumeinteilung. «Das war sehr wertvoll», sagt Judith Roduner.
Der Argwohn im Quartier ist längst verflogen. Viele Nachbarn sind inzwischen gute Freunde und fast schon zu einem Teil der  Gemeinschaft geworden. Das Bedürfnis nach mehr Distanz hatten die Roduners nie. «Zurückziehen kann man sich auch hier», sagt  Peter Roduner. «Aber man muss sich für das Leben in einer Siedlung entscheiden. Dazu gehört auch, auf die Anderen Rücksicht zu nehmen und selbst tolerant sein, wenn zum Beispiel draussen die Kinder lärmen.»
Wieso also anstelle eines Wohnblocks nicht wieder einmal eine Siedlung bauen? Von etwas mehr Gemeinschaftssinn in der Planung profitieren am Schluss alle – im besten Fall sogar das Quartier.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Sommer Camp Architektur

Frauenfeld 2020

15. Juli 2020 – 17. Juli 2020, jeweils von 10 – 16 Uhr
Verwaltungsgebäude, Parterre, Promenadenstrasse 8, Frauenfeld

WIE SIEHTS HIER AUS – Entdeckungsreise durch die Stadt

Ausgerüstet mit Beobachtungsaufträgen und Arbeitsmaterial entdecken Erwachsene und Kinder, Familien und Gruppen Architektur in der Frauenfelder Altstadt. Die Teilnehmenden sammeln Farben und Formen, untersuchen Materialien, finden Details und tragen ihre gezeichneten, fotografierten, nachgeformten und formulierten Beobachtungen und Überlegungen zu einer gemeinsamen Ausstellung zusammen. Am Freitag laden wir ab 15 Uhr zu einem Schlussbouquet ein.

Mitmachen können alle Architektur-Neugierigen – jede/jeder bestimmt selber, wann, wie lange und wie oft er/sie dabei sein will. Das Arbeitsmaterial kann zwischen 10 und 16 Uhr abgeholt werden.

Das Sommer Camp wird vom BÜRO für BAUKULTUR (Rebekka Ray, Ueli Vogt und Team) organisiert.

Anmeldung
erwünscht per E-Mail an info@nullzeughausteufen.ch
Falls noch Plätze frei sind, können Kurzentschlossene auch spontan dazukommen.

Start und Materialstation sind im Verwaltungsgebäude an der Promenadenstrasse 8 (Glaspalast). Am Freitag laden wir ab 15 Uhr zu einem Schlussbouquet ein.

Die Teilnahme ist kostenlos.

Mehr Informationen hier

Das BÜRO für BAUKULTUR (Rebekka Ray, Ueli Vogt und Team) ist gespannt auf deine Architektur-Entdeckungen und für weitere Informationen und allfällige Fragen unter info@nullzeughausteufen.ch oder 071 335 80 30 (zu Museumsöffnungszeiten) erreichbar.

Das Projekt wird unterstützt von: Architektur Forum Ostschweiz, sia Sektion Thurgau, Zeughaus Teufen

 

Informationen Sommer Camp Architektur 2020

Artikel Tagblatt vom 09.07.2020

Artikel Tagblatt vom 20.07.2020

Lignum@AFO vor Ort

Lukas Imhof, Architekt, Zürich / Christoph Angehrn, Holzbauingenieur Josef Kolb AG, Romanshorn / Walter Hugentobler, Präsident Verwaltungsrat Ekkharthof

Mo 8. Juni 2020, 17.30 Uhr, Ekkharthof, Rütelistrasse 2, Lengwil

Der Anlass kann am 8. Juni 2020 unter Einhaltung der gesetzlichen Richtlinien durchgeführt werden

Besichtigung mit Referaten und Führung

Am Ekkharthof, südöstlich von Kreuzlingen auf dem Seerücken gelegen, arbeiten seit 1974 Menschen mit Betreuungsbedarf nach  anthroposophischen Grundsätzen. Vor 50 Jahren noch als «Wagenburg» konzipiert, lautete der Auftrag an die Architekten, die sozialpädagogische Einrichtung für den Austausch zu öffnen.

Ein wichtiges Element des ganzen Bauprojektes war der Neubau des Gastronomiegebäudes, der sich bewusst von den bestehenden Gebäuden absetzt. Auf dem steinernen Sockel steht eine Konstruktion in Eschenholz, ausgefacht mit Glas. Sie wirkt robust und kräftig. Die starke Wirkung hat mit den Proportionen zu tun, aber auch mit ihrer Ausbildung als selbstaussteifendes Rahmentragwerk.

Zur optimalen Kraftübertragung sind die Knoten leicht konisch ausgebildet. Die gestalterische Umsetzung des statischen Prinzips stellt auf elegante Art eine Nähe zur anthroposophischen Formenwelt her, weisen die Fenster doch zwangsläufig abgeschrägte Ecken auf.

Auch die Möblierung in Eschenholz trägt zur Harmonie bei. Tisch und Stuhl haben die Architekten Lukas Imhof und Carlos Wilkening eigens für den Bau entworfen. Die Fertigung erfolgte in der hauseigenen Schreinerei. Mit der konstruktiven und ortsbaulichen Öffnung des Ekkharthofs geht  eine Öffnung in Richtung integratives Menschenbild einher.

Eintritt frei

Anmeldung
bis Mi 3. Juni 2020 an vor-ort@nulla-f-o.ch
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt

Bericht und Fotos des Anlasses

In Zusammenarbeit mit Lignum Holzkette St. Gallen und Lignum Ost

Lukas Imhof Architekten GmbH

Einladungskarte Juni

Bildnachweis: lucas peters photography

abgesagt: LandschaftsarchitekTour

Fr 29. Mai 2020

Aus dem Minimum schöpfen

Aus dem vorhandenen Flickwerk unterschiedlicher Baustile eine einheitliche Lösung erarbeiten, die dennoch einen eigenständigen Ausdruck und ein klares Konzept besitzt, ist nicht selbstverständlich.

13.06.2020 von Susanna Koeberle

Zum Leben gehört der Tod: An Allgemeingültigkeit dürfte diese Aussage nicht zu übertreffen sein. Dass wir sterben müssen, verbindet alle Menschen auf dieser Erde. Zugleich gibt es wohl kaum ein Thema, das Kulturen stärker voneinander trennt als der Umgang mit dem Tod. Dies betrifft sowohl die dazu gehörenden Bräuche wie auch die entsprechenden Anlagen, die für kultische Handlungen nach dem Ableben üblich sind. In unserer multikulturellen Gesellschaft ist es deswegen besonders anspruchsvoll, Orte zu gestalten, die der Vielschichtigkeit heutiger Realitäten gerecht werden. Allein innerhalb der christlichen Kultur ist Wandel im Umgang mit dem Tod eine Konstante. Dieser Umstand widerspiegelt sich auch in der Anlage des Friedhofs Feldli in St. Gallen.

Balance zwischen Erhaltung und Erneuerung

Das Architekturbüro Keller Hubacher aus Herisau gewann den dafür ausgeschriebenen Wettbewerb und wurde von der Stadt St. Gallen mit der Aufgabe betraut, diverse Friedhofsbauten den heutigen Anforderungen und Bedürfnissen anzupassen. Der Auftrag erwies sich in verschiedener Hinsicht als komplex. Zum einen ging es darum, einen adäquaten Umgang mit der Heterogenität des Bestands zu finden. Die Anlage glich einem Flickwerk unterschiedlicher Stile. Ziel war es, diese unterschiedlichen Sprachen in eine Einheit zu überführen, ohne die Mehrstimmigkeit zu übertönen. Eine weitere Schwierigkeit bestand in den unterschiedlichen Bauaufgaben und den daraus resultierenden technischen Problemen. Bei der Analyse des Bestands erwies sich eine Schadstoffsanierung als notwendig. Der Rückbau hatte eine Verzögerung des Baubeginns zur Folge, der Prozess dauerte insgesamt zwei Jahre. Im August 2019 konnte der Umbau fertig gestellt werden.

Mit einem limitierten Budget gelang es Keller Hubacher, den Spagat zwischen der weitgehenden Erhaltung der Substanz und einem eigenständigen gestalterischen Ausdruck zu meistern. Das alte Ofenhaus wurde zu einem konfessionell neutralen Abschiedsraum umgestaltet. Durch den Abbruch der jüngeren Ofenanlagen konnte zudem die Kapelle freigestellt werden. Dieser Eingriff schuf einen neuen Aussenraum zwischen den Bauten, auf dem sich Trauernde versammeln können. Die vorgelegten Säulenreihen mit dem Betonvordach bieten Schutz und kreieren eine Brücke zwischen klassizistischer und zeitgenössischer Architektur. Die Materialisierung in Beton, die sich als Sturz bis über die bestehende Fassade zieht, markiert einen dezenten Bruch, den die Architekten auch für eine subtile ornamentale Intervention nutzen. Die horizontale Schalung der neuen Wandabschnitte beim ehemaligen Ofenhaus ziert ein eingelegtes Keilmuster.

Diese archaische anmutende Form wird im Innern erweitert und an der betonierten Decke und beim Fries zu neuen unregelmässigen Ornamenten gefügt. Dabei stand die Frage im Zentrum, wie man eine sakrale Atmosphäre schafft, ohne Symbole zu verwenden. Der Raum wird von verschiedenen Glaubensgemeinschaften genutzt und sollte deswegen auch personalisierbar sein. Der Abschiedsraum weist eine beachtliche Höhe auf, mehrere mit sandgestrahltem Muster versehene Fenster betonen die sakrale Lichtstimmung und dienen der unkomplizierten Lüftung des Raums. Ein mittlerer Betonbalken war aus statischen Gründen notwendig. Parallel dazu verlaufen mehrere Tieftonabsorber in gleicher Dimension wie der Zugbalken.

Umnutzung mit einfachen Mitteln

Aufgelockert wird die rhythmisierende Struktur durch längliche Leuchter. Sie sind ein gutes Beispiel dafür, wie die Architekten mit wenigen Mitteln etwas Besonderes schufen. Der Entwurf besteht nämlich lediglich aus sechs miteinander verbundenen Standard-Balkenleuchtkörpern. Der Boden ist mit geschliffenen Zementplatten belegt, ergänzend ergeben Quadrate aus zwei verschiedenfarbigen Natursteinen ein strukturierendes Muster. Eine Orientierung schafft der vordere Wandschild aus dunkelgrünem Naturstein, er kann auch genutzt werden, um Blumen oder Gegenstände festzumachen. Die Verbindung zwischen Aussen- und Innenraum geschieht durch die Verwendung eines einheitlichen Kellenzugputzes in einem hellen Ockerton. Der funktionale Raum strahlt eine gewisse Feierlichkeit und Wertigkeit aus, ohne sich unnötig in den Vordergrund zu stellen.

Im gegenüberliegenden Bau wurden unter anderem die Aufbahrungsräume im Untergeschoss aufgehoben. Ebenerdig entstanden vier neue, gekühlte Aufbahrungsräume, die ein würdevolles Abschiednehmen von den Verstorbenen ermöglichen. Auch hier erzeugten die Architekten mit einfachen Eingriffen Räume, die funktional und freundlich zugleich sind. So sind die Wände bis auf halber Höhe mit einer Strukturtapete versehen. Neu ist auch ein schlichtes Büro für den Friedhofsgärtner beim vorderen Zugang der Kapelle. Die baulichen Massnahmen wirken selbstverständlich und vereinfachen zugleich die Abläufe.

Das Erhalten der äusseren Gestalt der Bauten macht deutlich, dass Keller Hubacher in erster Linie an einer Balance zwischen Vereinheitlichung und Ablesbarkeit des Bestands interessiert waren. Diese Haltung zeigt sich auch im Aussenraum, wo die Architekten in Zusammenarbeit mit dem Büro für Landschaftsarchitektur Kollektiv Nordost das Rasenfeld bei den Urnenhallen frei räumten. Ein Friedhof ist schliesslich ein öffentlicher Raum, den auch Nichttrauernde nutzen. So schliesst sich der Kreis von Leben und Tod auch auf gestalterischer Ebene.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

abgesagt: Schönheit und Pflege

Johannes Stoffler, Landschaftsarchitekt, Zürich / Judith
Rohrer, Gartendenkmalpflegerin , Grün Stadt Zürich / Vreni Härdi und Hansruedi Beck, Kantonale Denkmalpflege Appenzell Ausserrhoden / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 4. Mai 2020, 19.30 Uhr im Forum

SMS Landschaftsarchitektur
Stoffler Mennel Saur

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Bildnachweis: Johannes Stoffler

Herr Klausers Gespür für Gärten

Martin Klauser führt sein Landschaftsarchitekturbüro in dritter Generation – mit Traditionsbewusstsein und Zeitgeist.

29.04.2020 von Deborah Fehlmann

Der Rorschacher Seepark liegt still in der Kälte. Die Platanen entlang der Ufermauer ragen winterlich kahl in den verhangenen Himmel. Eine Frau  jagt ihr Hündchen über die Rasenfläche und gelegentlich passiert ein eingemummter Velofahrer. Niemand mag an diesem Morgen auf den bunten Holzbänken verweilen.
Mit den ersten Sonnenstrahlen kehrt das Leben zurück. Einen Steinwurf vom Zentrum entfernt, ist der Seepark so etwas wie Rorschachs öffentliches Wohnzimmer. Dazu legte man die lang gezogene Grünfläche zwischen Bahngleis und See zu Zeiten des Ersten Weltkriegs auch an: Das beschauliche Örtchen wuchs ab Mitte des 19. Jahrhunderts zur Industriestadt heran. In jener Zeit entstand auch die Bahnlinie, die Rorschach bis heute vom  Bodensee trennt. Die Bevölkerung sehnte sich nach frischer Luft, Licht und Erholung vom städtischen Trubel. So schüttete die Stadt einen  Landstreifen auf und erstellte bis 1920 den Seepark. Der ortsansässige Landschaftsarchitekt Fritz Klauser (1885 bis 1950) hat die geometrische Anlage nach den Prinzipien der damals beliebten Architekturgärten entworfen.

«Das war der Zeitgeist – man war mutig»

«Die hohen Pappelgruppen kontrastieren die starke Horizontalität von See, Mauer und Baumreihen», erklärt Martin Klauser. Er führt heute die von seinem Grossvater gegründete Firma und begleitet die Entwicklung des Parks. Auch sein Vater Fredy (1921 bis 2007) hat hier gewirkt. Gemeinsam mit dem Architekten Heinz Stambach fügte er 1951 einen Musikpavillon hinzu. Schon der ursprüngliche Plan hatte einen solchen vorgesehen, als Ovalbau im Zentrum der Anlage. Die jungen Planer lösten die Aufgabe  jedoch ihrer Zeit gemäss: Sie rückten den Pavillon in eine Ecke am Parkeingang und stellten ihn diagonal zur rechtwinkligen  Anlage. Für die weite Freifläche davor mussten die Mauer gegen den Hafen und ein Teil der bahnseitigen Platanenallee weichen. «Aus heutiger Sicht ist es verrückt, dass sie die Symmetrie derart aufbrachen», sagt Klauser. «Doch das war der Zeitgeist nach dem  Zweiten Weltkrieg. Es herrschte Aufbruchstimmung und man war mutig.» Diese verschiedenen Zeitschichten zu zeigen, findet er heute gerade spannend. Selber verzichtet er bei der Anlage auf grosse Gesten. Vom neuen Radweg entlang der Bahn abgesehen, beschränken sich seine Eingriffe auf das Pflegen und Instandstellen.
Ein Dauerthema ist der Ersatz des hundertjährigen Baumbestands. Da die Ulmen an der Ulmenkrankheit litten, wachsen an ihrer  Stelle nun Linden. Die neuen Pappelgruppen entsprechen jedoch genau dem Original: Fritz Klauser pflanzte je fünf Bäume in  einem engen Halbkreis und stellte eine Sitzbank ins Zentrum. Die dicken Stämme umschliessen einen geborgenen Raum, der sich wie ein Kamin zum Himmel öffnet. Die geringen Abstände zueinander bekommen den Baumriesen zwar nicht sonderlich, doch hier überwiegt für Martin Klauser der denkmalpflegerische Aspekt: Das spezielle Raumgefühl soll erlebbar bleiben.

Rebellischer Naturliebhaber setzt sich durch

Klauser ist in der Auseinandersetzung mit dem Werk seiner Vorfahren geübt. Diverse öffentliche und private Anlagen befinden sich seit drei Generationen in der Obhut des Familienunternehmens. Als Bürde empfand er das nie: «Ich sehe es als Chance, aus einer Tradition zu kommen. Es zieht sich ein Faden durch alles – eine Verbindung, die darüber hinausgeht, das Geschäft zu  übernehmen.»
Ein Gespür für Pflanzen hatte schon sein Urgrossvater. Er kultivierte allerlei exotisches Gewächs, das er von seinen Geschäftsreisen mitbrachte. Von der Idee seines Sohnes, seinen Lebensunterhalt mit der Planung von Gärten zu verdienen, hielt der Kaufmann  jedoch nichts. «Er schärfte meinem Grossvater ein, Geld verdienen könne man nur mit Warenhandel, nicht mit dem Erteilen von  Ratschlägen», erzählt Klauser. Doch Fritz war ein Rebell. Nach seiner Gärtnerlehre sammelte er Arbeitserfahrung in Deutschland,  der Westschweiz und England. In seinem Büro in Rorschach wirkte er ab 1914 rein konsultierend. Das war damals höchst  ungewöhnlich, denn Gartenarchitekten besassen in der Regel eigene Baumschulen und verkauften mit ihren Dienstleistungen auch gleich ihre Produkte. Er aber wollte sich bei der Wahl der Pflanzen nicht von Eigeninteressen leiten lassen. Als einer der ersten «Unabhängigen» gründete er 1925 den Bund Schweizer Gartengestalter mit.
1950 verstarb Fritz Klauser nach mehrjähriger Krankheit und der 29-jährige Fredy übernahm notgedrungen die Firma des Vaters. Nach seiner Gärtnerlehre hatte der Krieg ihm das erhoffte Studium im Ausland vereitelt. Da die Schweiz noch kein Studium der  Landschaftsarchitektur kannte, eignete er sich Wissen und gestalterische Fähigkeiten autodidaktisch an. Dabei kam ihm das  künstlerische Talent entgegen, das er wohl geerbt hatte. «Mein Grossvater war ein eher unbeholfener Zeichner», erinnert sich  Martin Klauser. «Aber mein Vater zeichnete jeweils die Grundlagen eines Plans sorgfältig auf und ging dann eine Weile gärtnern.  Danach setzte er sich hin und brachte den kompletten Entwurf innert kürzester Zeit zu Papier.» Das Kämpferische hatte aber auch Fredy im Blut. In den 1940er-Jahren schaffte er die Aufnahme in den Bund Schweizer Gartengestalter, trat später aber aus Protest wieder aus, da sich die Vereinigung weigerte, nur noch konsultierende Gartenarchitekten als Mitglieder zu akzeptieren.
Nach drei Jahren der Zusammenarbeit übernahm Martin Klauser 1988 schliesslich die Firma. Mit ihrem Engagement für die Anerkennung ihres Berufsstands zeichneten seine Vorfahren ihm aber auch in anderer Hinsicht einen Pfad vor: Anders als sein  Vater konnte er nach seiner Lehre Landschaftsarchitektur in Rapperswil studieren. Das habe ihn das eigenständige Entwerfen  gelehrt, sagt er rückblickend. Trotz neuer Einflüsse gibt ihm das Erbe bis heute auch Halt: «Man wird durch die Vorfahren auf  einen Pfad gebracht. Von diesem schaut man zwar links und rechts, muss aber nicht alles, was man dort findet, gleich umsetzen.»

 

Bilder: Hanspeter Schiess

abgesagt: Architektur im Film

Mario Botta – The Space Beyond

Di 21. April 2020, 20 Uhr im Kinok

Einführung durch Marcel Ferrier, Architekt, Zürich/Locarno

«Am liebsten würde ich mich nur mit Sakralbauten beschäftigen», so Mario Botta in seinem Dokumentarfilm «The Space Beyond». Der Film nimmt das Publikum mit auf eine künstlerische Reise in die Welt Bottas und stellt die Sakralbauten vor, die er in China, Südkorea, Israel, Italien und in der Schweiz ins Leben gerufen hat. Der Film präsentiert Botta dabei als leidenschaftlichen und rastlosen Architekten, der sein Handwerk mit viel Begeisterung und Hingabe ausführt.
Von der initialen Besichtigung des Baugeländes über die Zusammenarbeit mit diversen Künstlern, Designern und Bildhauern bis hin zur Philosophie, die hinter Bottas Werken und seiner Weltanschauung steckt, bietet der Dokumentarfilm spannende Einblicke in das Leben eines hingebungsvollen Architekten, der nie zur Ruhe kommt. Leidenschaftlich, unermüdlich, mit 75 Jahren ist Botta einer der wenigen Architekten, der für die drei wichtigsten monotheistischen Religionen Gebetsstätten gebaut hat.

Zum Trailer

Regie: Loretta Dalpozzo, Michèle Volontè CH 2018, engl., 77’

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72
www.kinok.ch

Weitere Vorführung Mi 29. April 2020, 18:50 Uhr

Veranstaltungssponsor:
ZZ Wancor AG

Einladungskarte April 2020

Bildnachweis: Mario Botta – The Space Beyond

abgesagt: Schönheit und Mode

Sou Fujimoto, Architekt, Tokio / Moderation Jean-Daniel
Strub, Ethiker, Zürich

Mo 6. April 2020, 19.30 Uhr im Forum

«Between Architecture and Nature lies a beautiful life», so the japanese architect Sou Fujimoto. In this lecture, Sou Fujimoto will discuss the relationship between nature and architecture and its richness of living as well as that between nature and man-made environment. He believes that our life is already a part of the
architecture and that the architecture is a part of our life.
In 2018, he won the Competitions for the HSG Learning Center in Saint Gallen. Albert Kriemler collaborated for the Akris spring/summer 2016 collection with Japanese architect Sou Fujimoto.They will also discuss his thoughts on the relationship between fashion and architecture.

Der Vortrag und die Diskussion finden auf Englisch statt

Anmeldung
bis Mo 30.03.2020 unter info@nulla-f-o.ch

Sou Fujimoto Architects

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Veranstaltungssponsor:
Helvetia Generalagentur St. Gallen-Appenzell

Einladungskarte April 2020

Bildnachweis: Sou Fujimoto Architects, Forest of Music Credit SFA RENDER

Schönheit und Konstruktion

Jürg Conzett, Bauingenieur, Chur /  Clementine Hegner-van Rooden, Fachjournalistin für Ingenieurbaukunst, Oberägeri / Moderation Barbara Bleisch, Philosophin, Zürich

Mo 2. März 2020, 19.30 Uhr im Forum

Angela Deuber, Architektin, Chur, musste sich krankheitshalber leider entschuldigen.

«Es gibt eine gewisse Schule sich wissenschaftlich gebärdender Konstrukteure, für die alles Rationale schön ist. Die hässliche Wirkung von Zugstangen in Dachkonstruktionen reicht aus, diese Annahme zu widerlegen – glücklicherweise – denn wenn sie begründet wäre, müsste man sich von Inspiration und Gefühl auf dem Gebiet der Architektur verabschieden und es bliebe nichts als die kalte wissenschaftliche Formel. In Wirklichkeit führt das Rationale nicht zwangsläufig zum Schönen, auch wenn das bisweilen der Fall sein kann; hingegen ist das Schöne immer auch rational, ähnlich wie Platon sagte: das Schöne ist der Glanz des Wahren. (…) Das Rationale, das nicht schön ist, kann nicht das umfassend Rationale sein – nur das Schöne ist das umfassend Rationale. (…) Die rationalistische Schule ist unfähig, Kunst hervorzubringen, solange sie streng an ihrem Credo festhält – denn unser Verstand ist dafür zu beschränkt – er kann das Schöne allein nicht erlangen, er braucht dazu die machtvolle Hilfe einer höheren Intuition, einen besonderen Sinn, eine unbewusste Wissenschaft, die in uns enthalten ist wie das entfernte Echo jener grossen göttlichen Wissenschaft.»

Arthur Vierendeel. La construction architecturale en fonte, fer et acier. Louvain, 1901, S. 790, S. 799, S. 866 (übersetzt von JC).

«Les mathematiciens attachent une grande importance à l’élegance de leurs méthodes et de leurs résultats; ce n’est pas là du pur dilettantisme. Qu’est-ce qui nous donne en effet dans une solution, dans une déemonstration, le sentiment de l’élégance? C’est l’harmonie des diverses parties, leur symétrie, leur heureux balancement; c’est en un mot tout ce qui y met de l’ordre, tout ce qui leur donne de l’unité, ce qui nous permet par conséquent d’y voir clair et d’en comprendre l’ensemble en même temps que les détails. Mais, précisément, c’est là aussi ce qui lui donne un grand rendement; en effet, plus nou verrons cet ensemble clairement et d’un seul coup d’oeil, mieux nous apercevrons ses analogies avec d’autres objets voisins, plus par conséquent nous aurons de chances de deviner les généralisations possibles.»

Henri Poincaré: Science et Méthode, Erstausgabe 1909, Neudruck éditions Kimé 1999, Seiten 29 ff.

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Conzett Bronzini Partner AG

Angela Deuber Architect

Clementine Hegner-van Rooden

Einladungskarte März 2020

Bildnachweis: William Hogarth: The analysis of beauty: written with a view to fix the fluctuating ideas of taste, printed by J. Reeves, London, 1753, plate 1 / Vierendeel’s draft and sketches for his chapter on perturbing effects of light, dated 11th of October 1890 (Tabularium Catholic University of Leuven, Vierendeel P141/2)

Architektur im Film

Five Seasons – The Gardens of Piet Oudolf

Mi 26. Februar 2020, 18.45 Uhr im Kinok

Can a garden be art? Can a gardener be an artist? Through poetic cinematography and intimate conversation, FALL WINTER SPRING SUMMER FALL illuminates how Piet Oudolf, designer of New York’s High Line and other celebrated public spaces, has radically changed ideas about garden and landscape design and elevated himself to the highest echelons of contemporary art. An experiential portrait of a difficult and complex creative mind, Piet leads filmmaker Thomas Piper on a wandering journey across five seasons, visiting his iconic works as well as far-flung sources of  inspiration, forever changing the way we see, and think about, beauty.

Zum Trailer

Regie: Thomas Piper, USA 2014, dt. UT, 75’

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72
www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
ZZ Wancor AG

Einladungskarte Februar 2020

Bildnachweis: www.fiveseasonsmovie.com

Architektur ist mehr als Rendite

Guter Wohnungsbau ist nicht nur Teil eines Portfolios: Er prägt und verändert unseren Lebensraum.

22.02.2020 von Susanna Koeberle

Das Wort Investor ist in der Architekturszene tendenziell negativ besetzt. Häuser heissen bei Investoren Immobilien oder Anlageobjekte. Gemäss dieser Logik hat nicht die architektonische Qualität Priorität, sondern die Rendite. Dass diese stimmen muss, ist nachvollziehbar, allerdings stellt sich zugleich auch die Frage nach dem Wert von Architektur jenseits von Rendite. Dieses Thema ist insofern gerade heute aktuell, als dass aufgrund der Negativzinsen das Investieren in Immobilien für viele institutionelle Anleger  besonders attraktiv geworden ist. Versicherungen legen heute bis zu einem Viertel ihres Vermögens in Immobilien an. Dazu gehören auch Neubauten.
Dass man diesen Bauwerken nicht zwingend das Renditedenken ansehen muss, ist nicht nur wünschenswert, sondern auch machbar. Architektur ist primär für den Menschen und sollte nicht bloss als Anlagekategorie abgehandelt werden. Ein Dach über dem Kopf zu haben, gehört zu den Grundbedürfnissen der menschlichen Spezies; gerade deswegen ist guter Wohnungsbau eine wichtige Aufgabe.
Baukultur ist keine leere Worthülse, sondern ein gesellschaftliches Bedürfnis, dem Investoren und Planer Rechnung tragen sollten,  wenn sie bauen. Allerdings verleiten gerade Immobilienfonds als Anlagestrategie dazu, Verantwortung abzugeben, statt zu übernehmen. Da sind Häuser plötzlich einfach nur Teil eines Portfolios und keine physischen Objekte mehr. Das Auslagern der  Thematik ist eine problematische Entwicklung. Es gilt aber auch die Architekten in die Verantwortung zu nehmen. Zwar beklagen Baukünstler gerne, dass Investorenarchitektur die Architektur verändert habe, dagegen anzutreten ist aber schwierig. Architektinnen und Architekten fehlt es an einer politischen Lobby.
Baukulturelle Prozesse zu steuern und zu begleiten, ist eine energieraubende Angelegenheit, davon können Verbände wie etwa der  Bund Schweizer Architekten (BSA), der Bund Schweizer Landschaftsarchitekten (BSLA) oder der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) ein Lied singen. Doch die Lage ist nicht hoffnungslos, es gibt durchaus Strategien, einer gesichtslosen Effizienzarchitektur entgegenzuwirken. Diese führen auf allen Ebenen zu einem Gewinn – bezüglich architektonischer Qualität wie auch anlagestrategisch.

Mit freiwilligen Wettbewerben Gegensteuer geben

Wie sehen mögliche Strategien aus und wie steht es um die konkrete Umsetzung solcher Absichten? Ein  probates Mittel, um gute Architektur zu fördern, sind professionell jurierte Wettbewerbe. Bei  öffentlichen Bauten zwingend, gibt es bereits einzelne institutionelle Investoren, die bei ihren  Bauvorhaben freiwillig Wettbewerbe ausschreiben. Diese Massnahme garantiert eine professionelle Begutachtung, bei der nicht bloss nackte Zahlen im Vordergrund stehen, sondern konkrete Bauten. Das ist für das Niveau des Resultats entscheidend und steigert in der Regel auch die Werthaltigkeit einer  Immobilie. Ästhetisch ansprechender Wohnraum lässt sich besser vermieten als öde Mietskasernen. Wobei es festzuhalten gilt, dass schön nicht gleichbedeutend mit teuer sein muss.
Während Wettbewerbe den Nachteil haben, dass sie etwas länger dauern, kann architektonische Qualität auch durch interne Fachleute gewährleistet werden. Immer mehr werden Architekten auch von Pensionskassen angeworben. Fachliche Kompetenz im eigenen Haus zu haben, ermöglicht das frühe Einbeziehen einer architektonischen Sicht auf das Anlageobjekt. Beim Bauen geht es um mehr als nur um Kapital oder zumindest darum, dieses in Materie zu übersetzen. Das ist keine einfache Aufgabe, denn auch für Architekten ist jedes Bauwerk eigentlich ein Prototyp.
Wie gehen Architekten mit dem Thema Kostendruck und Effizienz um? Ein Blick auf ein Projekt von Egli Rohr Parner Architekten am Stadtrand von Schaffhausen zeigt mögliche Handlungsfelder. Vom Versicherer AXA Leben AG direkt nach einer Expertise bezüglich eines schwierigen Baulands angefragt, kam schliesslich ein direkter Bauauftrag zu Stande. Die Aufwertung des Ortes an sich war von Anfang an ein Thema; aufgrund von heruntergekommenen Bauten aus den 1960er-Jahren hatte das Hauental keinen guten Ruf. Für die Architekten war damit ein wichtiges Argument zu einer qualitätvollen Umsetzung des Bauvorhabens gegeben.
In zwei Etappen realisierte das Büro zuerst 17 Einfamilienhäuser sowie anschliessend fünf Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 74 Wohnungen. Die Zusammenarbeit zwischen Architekten und Bauherrin war durch gegenseitiges Vertrauen und offene Kommunikation geprägt. Die AXA hat intern eine eigene Bauabteilung. Bei den Einfamilienhäusern strahlt die Fassade aus Naturschiefer Wertigkeit aus und ist zudem auch technisch gesehen eine optimale Lösung, da die Holzbauten eine nicht brennbare Oberfläche brauchten.

Mehrkosten mit origineller Idee wettgemacht

Die Mehrkosten bei den teureren Mietobjekten machten die Architekten mit einer originellen Idee bei den günstigeren Wohnungen wett. Dort setzten sie eine vorgefertigte, kostengünstige Lochblechfassade ein. Hinter dem schwarzen Metallkleid schimmert eine rote Folie durch, welche je nach Lichteinfall das Aussehen der organisch geformten Häuser verändert. Die Loggien mit den roten Vorhängen schaffen willkommene Aussenräume und treten mit der umgebenden Natur auch farblich in einen schönen Dialog. Die Brüstungen bei den Loggien haben eine doppelte Lochblechlage. Das äussere rot gefärbte Blech schafft von aussen eine optische Kontinuität, innen ist das Metall jeweils silbern hell.
Während der Innenausbau der Wohnungen eher den Standards entspricht, sind die unterschiedliche Gestaltung der beiden Siedlungsteile, die sorgfältige Materialisierung sowie die Einbettung in den Ort wichtige Elemente, die auch die von Familien bewohnte Anlage zu einem freundlichen und lebenswerten Wohnort machen. Auch bezüglich der Energieeffizienz konnten die Architekten mit dem Einbau einer Pelletheizung eine anfangs etwas teurere, doch langfristig gesehen nachhaltigere Lösung umsetzen. Nachhaltigkeit ist ein Begriff, den man auch auf die Bauqualität ausweiten sollte.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Architektur im Film

Five Seasons – The Gardens of Piet Oudolf

Di 18. Februar 2020, 20 Uhr im Kinok

Einführung durch Matthias Krebs, Landschaftsarchitekt, Krebs und Herde Landschaftsarchitekten, Winterthur

Can a garden be art? Can a gardener be an artist? Through poetic cinematography and intimate conversation, FALL WINTER SPRING SUMMER FALL illuminates how Piet Oudolf, designer of New York’s High Line and other celebrated public spaces, has radically changed ideas about garden and landscape design and elevated himself to the highest echelons of contemporary art. An experiential portrait of a difficult and complex creative mind, Piet leads filmmaker Thomas Piper on a wandering journey across five seasons, visiting his iconic works as well as far-flung sources of  inspiration, forever changing the way we see, and think about, beauty.

Zum Trailer

Regie: Thomas Piper, USA 2014, dt. UT, 75’

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72
www.kinok.ch

Weitere Vorführung Mi 26. Februar 18:45 Uhr

Veranstaltungssponsor:
ZZ Wancor AG

Einladungskarte Februar 2020

Bildnachweis: www.fiveseasonsmovie.com

Schönheit – Eine Idee

Christoph Baumberger, Architektur-Philosoph, Zürich / Annette Gigon, Architektin, Zürich / Ludovica Molo, Architektin, Lugano / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 3. Februar 2020, 19.30 Uhr im Forum

Während Laien Bauten ganz selbstverständlich als schön (oder hässlich) beurteilen, tun sich Architektinnen und Architekten oft schwer mit dem Begriff der Schönheit. Ein Grund dafür mag sein, dass Schönheit (wie Hässlichkeit) als subjektive Empfindung gilt, während der Anspruch architektonischer Qualität objektiv einlösbar sein soll. Zweitens ist Schönheit höchstens ein Aspekt architektonischer Qualität, der zudem oft als untergeordnet begriffen wird. Funktionalisten betrachteten Schönheit als Nebenprodukt der Zweckmässigkeit. In jüngerer Zeit sind moralische Forderungen wie die der Nachhaltigkeit ins Zentrum gerückt, was bereits im Motto der Architektur-Biennale aus dem
Jahr 2000 prägnant zum Ausdruck kam: «Less aesthetics, more ethics!»
Dem ersten Bedenken ist entgegenzuhalten, dass die Reaktionsabhängigkeit der Schönheit und anderer ästhetischer Eigenschaften keineswegs ausschliesst, dass ästhetische Urteile wahr oder falsch sein können. Ästhetische  Vortrefflichkeit ist zwar tatsächlich nur ein Aspekt architektonischer Qualität. Aber das zweite Bedenken geht falsch in der Annahme, dass Aspekte wie Funktionalität und Nachhaltigkeit vorrangig und unabhängig von Schönheit sind.  Schönheit kann vielmehr zur Funktionalität und zur Nachhaltigkeit beitragen. Zudem sollte Schönheit in der Architektur als Bedingung der Möglichkeit eines guten Lebens selbst als moralisches Ziel begriffen werden.

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Einladungskarte Februar 2020

Bildnachweis: Christoph Baumberger

Mit altem Wissen zum Vorzeigeprojekt

Nachhaltiges Bauen geht auch ohne viel Technik. Das zeigt die Erweiterung des Landwirtschaftlichen Zentrums in Salez.

01.02.2020 von Deborah Fehlmann

Ob sich die Diskussion um Nahrungsmittelproduktion, die Textilindustrie oder die nächste Flugreise dreht – das Bewusstsein für die Endlichkeit der Ressourcen, auf denen unser Wohlstand fusst, ist in weiten Teilen der Gesellschaft angekommen. So auch die Bereitschaft, sie für kommende Generationen zu schonen. Auch die Immobilienwirtschaft wandelt sich unter diesem Eindruck: Holz ist als nachwachsender Baustoff auf dem Vormarsch, wir heizen mit Wärmepumpen statt Öl und packen unsere Gebäude in immer dickere Isolationsschichten. Technische Geräte versorgen uns mit Frischluft, senken den Sonnenschutz ab oder drehen die Heizung hoch. Auch Labels wie Minergie tragen dazu bei, dass energieeffizientes Bauen sich in der Schweiz zunehmend etabliert. Ihre Zertifikate garantieren zumindest in der Planung die Einhaltung vordefinierter Standards. Gerade im Wohnungsbau dienen sie auch längst der Vermarktung.
Auch der Kanton St.Gallen verlangte wie üblich den Minergie-Standard, als er 2011 einen Architekturwettbewerb für die Erweiterung und Gesamterneuerung des Landwirtschaftlichen Zentrums Salez auslobte. Er wollte die Berufsschule mit den entsprechenden Beratungs- und Fachstellen am Standort im Rheintal konzentrieren. Dazu beabsichtigte er, die  Anlage um 900 Quadratmeter Nutzfläche zu erweitern und die bestehenden Gebäude zu sanieren. Ein Trakt aus den  Siebzigerjahren sollte weichen. Andy Senn Architekten aus St.Gallen gewannen den Wettbewerb mit einem L-förmigen Holzbau. Der lange Haupttrakt erstreckt sich von Osten nach Westen. Hier befinden sich auf zwei hohen Geschossen die Eingangshalle, Unterrichtsräume und eine Mensa. Der kurze Schenkel im Westen ist bei gleicher Höhe in drei  Stockwerke aufgeteilt. Er beherbergt Internatszimmer. Die rhythmisch gegliederte Fassade besitzt anstelle von einzelnen Balkonen durchlaufende Laubengänge. Sie überblicken nach Süden weite Felder vor einer imposanten Bergkulisse. Im Norden umschliesst der Neubau mit den bestehenden Gebäuden einen Hof, wo dereinst Kräuter und Gemüse wachsen  sollen. Dank geschickter Positionierung entfallen kostspielige Provisorien während der Bauzeit. So bleibt das Projekt trotz Raumhöhen von teils über vier Metern wirtschaftlich.

Sieger mit ungeahnten Chancen

Was die Architekten nicht wussten: Sie boten dem Kanton unversehens die Chance zu einem Experiment in  nachhaltigem Bauen. «Mit der klaren Gebäudestruktur, den hohen Räumen und den Laubengängen waren die  Grundelemente für das Konzept Lowtech im Entwurf bereits enthalten», sagt Kantonsbaumeister und Jurymitglied  Werner Binotto. Lowtech bedeutet, kurz gesagt, Verzicht auf Technik: Offene Fenster statt Lüftungsgeräte,  Nachtauskühlung tatt Klimaanlage, Lichter löschen per Knopfdruck. Das ist laut Binotto nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich nachhaltig: «Haustechnik muss laufend unterhalten werden und hat eine kürzere Lebensdauer als die Grundstruktur des Gebäudes. Das führt zu hohen Betriebskosten und aufwendigen Sanierungen.» Architekten und Nutzer liessen sich auf das Experiment ein und auch das Parlament konnte der Kantonsbaumeister überzeugen – trotz Verzicht auf Minergie. Die Bevölkerung stimmte dem Baukredit von 32 Millionen Franken im Herbst 2014 zu. Im Oktober 2018 nahm die Schule ihren Betrieb auf.

Lüften wie im Kuhstall

«Was heute oft die Technik übernimmt, muss bei Lowtech die Architektur leisten. Gestaltung, Statik und Raumklima sind direkt verknüpft. Wir mussten deshalb viel enger als gewohnt zusammenarbeiten», erinnert sich Andy Senn. Das Planungsteam untersuchte diverse Konstruktionsvarianten auf ihre thermischen, ökologischen und gestalterischen Eigenschaften, aber auch hinsichtlich Kosten und Unterhalt. Der Entscheid fiel auf eine Tragstruktur aus Holzpfosten und -riegeln mit Holz-Beton-Verbunddecken. Aus Holz bestehen auch sämtliche Raumtrennwände. Der Holzbau bietet die Vorteile von Vorfabrikation und schneller Montage. Der Beton dient als thermische Speichermasse. Er verzögert die Erhitzung des Gebäudes im Sommer und dessen Auskühlen im Winter.
Auch die Laubengänge tragen zur Temperaturregelung bei. Während sie die Fenster im Sommer verschatten, dringt die tief stehende Wintersonne bis in die Innenräume und wärmt sie auf. Mit hölzernen Schiebeläden können Lehrpersonen und Schüler die Räume zusätzlich beschatten. Die schweren Läden sind mehr als nur Gestaltung: Konventionelle Sonnenstoren nähmen bei den häufigen Föhnstürmen im Rheintal binnen kurzer Zeit Schaden. Ohne Heizung kommt die Schule übrigens nicht aus. Die Wärme liefert eine Holzschnitzelanlage, welche auch die nahegelegene Schule und die Strafanstalt Saxerriet versorgt.
Das Herzstück des Baus ist sein ausgeklügeltes Lüftungssystem. Es macht sich einerseits die hohen Räume zu Nutze und andererseits die Tatsache, dass warme – und damit verbrauchte – Raumluft aufsteigt. Hochliegende Kippfenster entlang des Mittelkorridors führen in einen glasbedeckten, klimatisch offenen Lüftungsraum auf dem Dach. Öffnet man sie per  Handkurbel, kann die verbrauchte Luft entweichen. Durch wettergeschützte Lüftungsklappen an der Fassade strömt  frische Luft nach. Die Klappen und Kippfenster stehen von Frühling bis Herbst meist offen und stellen im Sommer die Nachtauskühlung sicher. Im Winter sind sie zu, und wer lüften will, öffnet das Fenster. Die Schulzimmer profitieren von
den Kippfenstern doppelt, denn durch sie fällt zusätzliches Tageslicht ins Rauminnere. «Die natürliche Belüftung von Viehställen folgt dem gleichen Prinzip. Das mag mit ein Grund sein, wieso die angehenden Landwirte sich mit dem  System sofort anfreundeten», schmunzelt Senn. Das bestätigt Binotto: «Die Nutzer übernehmen gerne die Verantwortung, das Raumklima selbst zu regeln.» Entscheidend sei aber, sagen die beiden, wie sich aus den Ansprüchen und Rahmenbedingungen ein massgeschneidertes Ganzes gefügt habe. «Die Menschen mögen das Gebäude letztlich  auch, weil es schön ist», sagt Binotto. Auch das ist Nachhaltigkeit.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Energieagentur@AFO

Nachhaltiges Bauen am Beispiel Gesamterneuerung Raiffeisen St. Gallen

Mo 20. Januar 2020, 19.30 Uhr, Kundenzone Raiffeisen, Vadianstrasse 17, St. Gallen

Der runde Tisch Energie und Bauen und das Architektur Forum Ostschweiz laden zur jährlichen Informationsveranstaltung ein.

Nachhaltiges Bauen und Planen ist im Leitbild Architektur von Raiffeisen Schweiz festgeschrieben. Die Gesamterneuerung des Bankgebäudes zeigt, dass ein schlecht nutzbares Gebäude in ein modernes Bürohaus transformiert werden kann, das attraktive, moderne und gesunde Arbeitsplätze bietet. Äusserlich kaum verändert, fallen die gebäudehohen Lichthöfe in der Mittelzone auf, die jetzt Tageslicht bis ins Erdgeschoss bringen. Das Gebäude ist nach Minergie-ECO zertifiziert und der Prozess zur  Zertifizierung nach dem Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz SNBS läuft. Erfahren Sie an diesem Themenabend alles zum SNBS aus erster Hand und machen Sie sich vor Ort ein Bild.

Begrüssung und Moderation
Silvia Gemperle
Energieagentur St.Gallen

SNBS heute
Joe Luthiger
Geschäftsführer
Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz

SIA 112/1 Nachhaltiges Bauen – Hochbau und SNBS
Jörg Lamster
Geschäftsleiter
Durable Planung und Beratung GmbH

Gesamterneuerung Raiffeisen und SNBS
Andreas Hüttenmoser
Gesamtprojektleiter
Raiffeisen Schweiz

Geführter Rundgang durch das Gebäude
Anschliessend Fachgespräche beim Apéro

Eintritt frei. Wir freuen uns über Ihre Anmeldung auf www.energieagentur-sg.ch

Bildnachweis: lucas peters photography

 

Das Architektur Forum macht Sommerpause und wünscht allen eine gute Zeit!

Wir freuen uns sehr, alle Mitglieder und Interessierten nach dieser auferlegten, Corona bedingten langen Pause bald wieder zu einem Vortrag zum Jahresthema «Schönheit» im Architektur Forum Ostschweiz einladen zu dürfen.

Am 7. September geht es, unter Einhaltung der gesetzlichen Richtlinien, weiter mit unseren Programm.

Weitere Infos folgen in demnächst.

Die Denkfabrik im Stickereiquartier

In St.Gallen macht sich die Firma Namics zwar die industrielle Backstein-Architektur zu Nutze, lässt sie aber urban neu interpretieren.

28.12.2019 von Susanna Koeberle

Die Blütezeit der Ostschweizer Textilindustrie liegt weit zurück. Auch die Stadt St.Gallen war ein wichtiges Zentrum dieses für die Schweiz lange  bedeutenden Wirtschaftszweiges. Hier wurde die bekannte St.Galler Stickerei produziert. In der Stadt selber wurde vornehmlich damit gehandelt  und auch die Lagerhäuser befanden sich im urbanen Gebiet. Zur Zeit des grossen Bauschubs gegen Ende des 19. und Anfang des 20.Jahrhunderts war die Stickereiproduktion der grösste Exportzweig der Schweizer Wirtschaft. Diese Zeiten sind definitiv vorbei, auch wenn einzelne Haute Couture Firmen nach wie vor Erzeugnisse aus der Region beziehen. Doch die stattlichen, dicht gereihten Bauten im  denkmalgeschützten Stickereiquartier zeugen bis heute von dieser Epoche.
Das 2017 fertig gestellte Bürogebäude von Corinna Menn tanzt nicht nur diesbezüglich etwas aus der Reihe. Denn mitten in diesem sonst  homogenen Strassenzug befand sich früher tatsächlich eine Baulücke. Diese wird mit dem Neubau nicht gänzlich geschlossen, da ein Teil der Brache zur Parzelle des Nebenhauses gehört. Links schliesst der Bau nun an das Nachbargebäude an, rechts klafft nach wie vor ein Leerraum, der etwas  verwaist wirkt. Dies tut dem Ausdruck des Neulings allerdings keinen Abbruch. Die gelungene städtebauliche Einbindung ist eine der Stärken dieses  Bauwerks. Der Quasi-Lückenfüller fügt sich unauffällig in die bestehende Strassenrandbebauung ein und überzeugt zugleich durch einen  eigenständigen architektonischen Charakter. Das Geschäftshaus dient als Hauptsitz der Firma Namics, ursprünglich ein Start-up-Unternehmen der HSG St.Gallen.
Aufgrund einer strukturellen Veränderung der Firma suchte die Namics für den geplanten Neubau nach einem Investor und fand diesen in der  Pensionskasse Asga. Nach Vorgabe der Stadt St.Gallen wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, aus dem das Projekt von Corinna Menn als Gewinner hervorging. Menn zog den Architekten Mark Amman sowie den Ingenieur Andrea Pedrazzini bei. Bezug nehmend auf die Geschichte des Quartiers  lehnt sich der Entwurf an der Idee der Fabrik an. Dieses Konzept ist auch auf den Wunsch der Auftraggeberin zurückzuführen, eine offene und  flexible Nutzung der Räume zu ermöglichen. Der Name «Denkfabrik», mit dem sich die Firma Namics schmückt, ist dabei Programm. In der Umsetzung dieser Vorgaben gingen die Architekten und der Ingenieur ganz eigene Wege. Die unkonventionellen Lösungen stellen sich allerdings nicht marktschreierisch in den Vordergrund, vielmehr fügt sich der Bau dezent ins städtische Gewebe ein.
Dazu trägt in erster Linie die Materialisierung der Fassade in hellgelben Backsteinen bei. Dieser Baustoff besitzt zwar eine industrielle Anmutung, wirkt aber in diesem Fall durchaus als eine zeitgemässe Interpretation der industriellen Vergangenheit. Die Backsteinarchitektur der  Stickereigeschäftshäuser ist auch heute noch in der näheren Umgebung vorzufinden und wurde neuen Nutzungen zugeführt. Das verleiht dem bahnhofsnahen Viertel eine urbane und lebendige Atmosphäre.

Ein nützliches Origami

Die topografische Situation an der nterstrasse, die auf der anderen Seite an den Hang grenzt, hat zur Folge, dass ein schmaler Graben zwischen Haus und Strasse liegt. In Kombination mit den grosszügigen Fenstern  erlaubt dies den Lichteinfall bis ins unterste Geschoss, dessen  Räumlichkeiten von der talseitigen Fassade aus erschlossen werden. Das Helle und Freundliche, das dieses Bauwerk prägt, findet auch im Innern seine Fortsetzung. Man betritt den Bau über eine Brücke und berührt als erstes einen organisch geformten Türgriff aus Eichenholz – ein warmer Werkstoff, der im Innern wiederholt seinen Auftritt hat. Die architektonischen Qualitäten des unaufgeregten Bürogebäudes zeigen  sich auch an solchen kleinen Details. Innen angelangt fällt eine weitere Besonderheit auf.
Um das Raumgefühl nicht durch zu viele Stützen zu stören, entwickelten die Architekten für die Tragwerkstruktur eine innovative und ästhetisch  ansprechende Konstruktion. Die gefalteten Deckenplatten aus  Spannbeton haben etwas Skulpturales und verleihen den Räumlichkeiten eine besondere Aura. Der Entwurf gewährleistet zum einen die gewünschte Stabilität und räumliche Offenheit, zum anderen kann diese Deckenkonstruktion auch als Reverenz an die Stahlbeton-Skelettbauten des Beton-Pioniers Robert Maillard (1872–1940) gelesen werden, der auch in St.Gallen gebaut hat. Die Faltung zeigt offen, was sie tut, und liebäugelt zugleich mit der Ästhetik dieser Funktion. Die Falttechnik, die an japanische Origamis denken lässt, wird heute in den verschiedensten Disziplinen verwendet.

Urbane Leichtigkeit

Architektonisch bildet sich das Tragwerk des Baus auch aussen ab. Die  Ziegelstein-Pilaster entlang der Längsfassade rhythmisieren den Bau  und verleihen ihm durch ihre nach oben verjüngende Form eine gewisse Leichtigkeit. Auch horizontal nimmt die Distanz zwischen den Fenstern gegen oben ab. Das Attikageschoss schliesslich ist zurückgesetzt. In den Aufenthaltsräumen der Firma findet ein ästhetischer, konstruktiver und atmosphärischer Wechsel statt. Der offene Raum wird durch eine Stahlkonstruktion geprägt, welche die untere Faltwerkoptik quasi in ein luftiges Gebilde auflöst. Von der talseitigen Terrasse aus hat man einen wunderbaren Blick über die Stadt und ist zugleich Teil davon. Der Bau  von Corinna Menn reiht sich in eine Serie architektonischer Eingriffe,  welche dem Stickereiquartier einen neuen städtischen Charakter verleihen.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Städtische Ausstellung im Forum

Larry Peters: LOOKING AT ART

Ausstellung: Fr 12. Juni bis So 5. Juli 2020
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Do 11. Juni 2020, 18.30 Uhr, Einführung: Kristin Schmidt
Buchpräsentation «LOOKING AT ART», VGS Verlagsgenossenschaft St. Gallen.
Hanspeter Spörri im Gespräch mit Larry Peters

Der Künstler ist jeweils am Samstag und am Sonntag von 14 – 17 Uhr anwesend.

So 21. Juni 2020, 14 Uhr Lesung in der Ausstellung
«Reading and Talking» with Samuel Reller and Larry Peters (in English)

Flyer Ausstellung Larry Peters

geschlossen: Städtische Ausstellung im Forum

Priska Rita Oeler: schräg vis-à-vis

Ausstellung: Fr 13. März bis So 5. April 2020
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Donnerstag, 12. März 2020, 18.30 Uhr
Einführung: Kristin Schmidt

Ausstellungsrundgang mit der Künstlerin
So 22. März 2020, 14 Uhr

Flyer Ausstellung Priska Rita Oeler

Das Architektur Forum Ostschweiz wünscht alles Gute für das neue Jahr