Architektur Forum Ostschweiz

Jahresarchive: 2019

Das Architektur Forum Ostschweiz wünscht schöne Weihnachten und alles Gute für das kommende Jahr.

Am 3. Februar 2020 starten wir mit unserer neuen Veranstaltungsreihe zum Thema «Schönheit».

Wir freuen uns auf ein weiteres spannendes Jahr. Bis im Februar!

Auf Zeit – Temporär

Victoria Easton, Architektin, Christ & Gantenbein, Basel / Boris Gusic, Architekt, Zürich / Martin Wiedenmann, Architekt, Schmidhuber, München / Sandra Oehy, Kunsthistorikerin und Kuratorin, Zürich / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 2. Dezember 2019, 19.30 Uhr im Forum

Grundsätzlich ist alles vergänglich und somit nur für einen spezifischen Zeitraum relevant. Die Architektur wird häufig mit  Langlebigkeit und grosser Dauer in Verbindung gebracht. Oft waren es aber die kurzlebigeren Interventionen, welche den Zeitgeist der Architektur infrage stellten. Durch ihre kurze Lebensdauer und Leichtigkeit können temporäre Bauten weiter gehen und entfliehen damit dem Ernst der Ewigkeit. Pavillons, Modelle, Zeichnungen und Skizzen haben oft mehr Gemüter bewegt als die gebaute Umwelt.
Alle sprechen von Nachhaltigkeit, doch werden Gebäude immer weniger dauerhaft gebaut. Es geht nicht nur um Beständigkeit  in materieller, sondern auch in immaterieller Hinsicht: Wie kann ein Gebäude möglichst langfristig einen Lebens-, Arbeits-  oder Kulturraum schaffen? Wie kann eine Struktur für verschiedene Nutzungen offen sein, die sich im Laufe der Zeit verändern können? Nur sehr wenige Baumaterialen sind heutzutage nachhaltig im Sinne von ökologisch, man könnte also  sagen, dass nur die Erhöhung der Lebensdauer ein Gebäude wirklich nachhaltig macht.
Diesen Credos stehen immer mehr temporäre Ereignisse der Kunst- und Architekturwelt gegenüber. Fast keinem Land fehlt es  an einer Kunst- oder Architekturbiennale. Diese temporären Ereignisse und Begegnungen sind sehr grosszügig in Bezug auf  die «kreative Energie», aber verbrauchen eine enorme Menge an grauer Energie. Dennoch trägt dieses Medium seit dem 19. Jahrhundert massgeblich zum architektonischen Diskurs bei.

Victoria Easton, Associate bei Christ & Gantenbein, wird über temporäre architektonische Interventionen des Büros für  verschiedene Biennalen sowie über die Swiss Art Awards sprechen.
Boris Gusic wird über selbstinitiierte temporäre Projekte, die Lehre an der ETH und seinen Turm im Verzascatal sprechen.

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Bildnachweis: Christ & Gantenbein; Schweizer Pavillon zur 500-Jahr-Feier der Reformation in Wittenberg, 2017 ©Stefano Graziani

ArchitekTour Israel

Tel Aviv-Jaffa / Rechovot / Jerusalem

Mi 27. November – So 1. Dezember 2019

Die moderne Metropole Tel Aviv, gegründet als erste «Hebräische Stadt», zeigt uns ihre vielen Fassetten. Von der ersten jüdischen Siedlung Neve Zedek bis zum Rothschild Boulevard, dem Zentrum des modernen Tel Aviv. In Tel Aviv wurden ab den 30er-Jahren rund 4000 Bauwerke im Bauhaus- und Internationalen Stil errichtet, die das Stadtbild bis heute prägen. Durch sie ist Tel Aviv als «Weisse Stadt» bekannt und seit 2003 Unesco-Weltkulturerbe. Wir werden sehen, wie die Stadt mit diesem  Weltkulturerbe umgeht, was für Lösungen für die verschiedenen denkmalgeschützten Gebäude gefunden werden und wie der Bauboom und die politische Lage im Land die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Stadt beeinflussen.
Besichtigung im Max Liebling Haus (Dov Karmi 1936) sowie im Weizmann Haus (Erich Mendelson 1937) in Rechovot. Die zweite Generation der sogenannten Bauhaus- Architektensöhne haben die Stadt in den 50er-, 60er- und 70er- Jahren mit zahlreichen Bauten im Brutalismus-Stil beeinflusst. Eine Führung durch die Stadt bis zur Universität zeigt uns diese Epoche Tel Avivs. Auch Jaffa mit ihren 4000 Jahren Geschichte erlebt zurzeit eine gewaltige Umnutzung der historischen Gebäude, z. B. beim Hotel The Jaffa (John Pawson / Ramy Gill 2018). Wie tickt diese Stadt, was macht sie so beliebt, aber was steckt auch in den Hinterhöfen? Das werden wir gemeinsam erleben.
In Jerusalem gibt es eine Führung durch die Altstadt. Hier werden wir versuchen, die Geschichte und die Konflikte, über die ständig in den Medien berichtet wird, durch ihre Bauten noch vor der Zeitenwende bis heute zu verstehen. Besuch des Israelmuseums (Al Mansfeld / Dora Gad 1965, James Carpenter / Efrat Kowalsky 2010).

Die Reise wird von Ada Rinderer organisiert. Sie ist in Tel Aviv geboren und studierte am Technion in Haifa. Sie lebt und arbeitet seit 25 Jahren als Architektin in Dornbirn.

Bildnachweis: Rinderer Architekten, Dornbirn

Anmeldekarte ArchitekTour Israel

Detailprogramm Stand MRZ_2019

Ausstellung   «All About Tel Aviv – die Erfindung einer Stadt»
7. April 2019 – 6. Oktober 2019, Jüdisches Museum Hohenems

Gesetzte machen keine Baukultur

Die Interessengruppe Ortsplanung Rheintal will die Öffentlichkeit zur Auseinandersetzung mit ihrer gebauten Umwelt motivieren.

30.11.2019 Interview: Deborah Fehlmann

Zersiedelung stoppen, Bauzonen verkleinern, Siedlungen verdichten und Kulturland schützen – das waren die Kernanliegen des revidierten Raumplanungsgesetzes, dem 63 Prozent des Schweizer Stimmvolks 2013 zustimmten. Am 1.Mai 2014 trat das neue Bundesrecht in Kraft und den Kantonen blieben fünf Jahre, um ihre Gesetzgebungen anzupassen.
Nun sind die kommunalen Richtund Nutzungspläne an der Reihe. Raumplaner definieren im Auftrag der Gemeinden parzellengenau, wo  was und wie viel gebaut werden darf. Sie legen fest, was bewahrt wird und wo Entwicklung stattfindet. Das wirkt sich auf unseren  Lebensraum unmittelbar aus: Baugesetze prägen die Ortschaften, in denen wir wohnen, arbeiten und unsere Freizeit verbringen. Rund 30  Architekten und Landschaftsarchitektinnen aus dem St.Galler Rheintal wollen Verantwortung übernehmen und den Prozess in der Region  mitgestalten. Offene Türen rennt ihre Interessengruppe Ortsplanung Rheintal (Igor) damit nicht ein. Ein Gespräch über Baugesetz und Baukultur mit den Vorstandsmitgliedern Joshua Loher, Dominik Hutter und Mike Föllmi.

Wieso sollen Architekten an der Ausarbeitung von Baugesetzen mitwirken?
Joshua Loher: Wir arbeiten letztlich damit und machen daraus Baukultur. Wir wissen, was funktioniert und wo Verbesserungsbedarf herrscht. Die Revision ist eine in unserem Berufsleben wohl einmalige Chance, dieses Wissen einzubringen.
Dominik Hutter: Bauen ist keine Privatsache. Man trägt etwas zum gemeinsamen Lebensraum bei. Als Teil dieses Räderwerks sind wir für die Entwicklung unserer Ortschaften mitverantwortlich. Gerade die Verdichtung stellt uns vor grosse Herausforderungen. Damit sie gelingt, müssen wir die Entwicklung steuern. Dazu brauchen wir erst einmal Zielbilder.

Fehlen diese heute im Rheintal?
Loher: Voraussetzung für die Definition eines Ziels ist ein Bewusstsein für die Besonderheiten des Ortes. Gemeinden mit einem historischen Kern wie Berneck oder Altstätten fällt das leichter. Es gibt aber Gemeinden, wo auf den ersten Blick nichts Erhaltenswertes vorhanden ist. Diese meinen oft, keine Baukultur zu haben.
Hutter: Viele Gemeinden erlebten in den letzten Jahren einen starken Einwohnerzuwachs. Das Dorf, wie man es von früher kennt, geht  verloren. In den Köpfen der Menschen ist das noch nicht angekommen.
Mike Föllmi: Auch die Behörden agieren grösstenteils noch innerhalb ihrer Grenzen, obwohl einige Gemeinden baulich längst  zusammengewachsen sind. Gerade in der Raumplanung würde übergreifendes Denken vieles vereinfachen. Im Frühjahr 2018 lud die Igor  alle Gemeinden von St.Margrethen bis Rüthi zu einem Gedankenaustausch ein. Anwesend waren auch die für sie tätigen Raumplaner. Mit ihnen hatte vorab ein positiver Austausch stattgefunden. Der Start war viel versprechend: Sämtliche Gemeindepräsidenten und  Bauamtsvorsteher erschienen zu dem Anlass. Auf den Vorschlag der Igor, als gleichberechtigte Partner neben Raumplanern und Gemeinderäten in den Kommissionen Einsitz zu nehmen, ging dennoch keine Gemeinde ein.

Der Wunsch nach Mitwirkung hat sich für Sie nicht erfüllt. Trotzdem haben Sie Ende 2018 einen Verein gegründet…
Hutter: Damit haben wir unseren Zweck ausgeweitet: Wir wollen für das Thema Baukultur sensibilisieren und es in der Gesellschaft verankern. An unseren Veranstaltungen fokussieren wir nicht auf einzelne Objekte, sondern auf den gemeinsamen Lebensraum. Zudem haben wir Arbeitsgruppen gegründet. Eine davon hat einen Kommentar zum Musterbaureglement der Vereinigung St.Galler  Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten verfasst.

Was kritisieren Sie am jetzigen Gesetz?
Föllmi: Es macht fast die Architektur! Das betrifft nicht nur Grenzabstände und Gebäudehöhen, sondern zum Beispiel auch die Ausbildung der Attikageschosse. Viele Investorenbauten bilden das Gesetz praktisch eins zu eins ab.
Hutter: Wobei ein Baureglement immer ein zweischneidiges Schwert ist. Die neuen Gesetze werden mehr Freiheit bieten, indem etwa die Ausnützungsziffer und der grosse Grenzabstand fallen. Das birgt auch Gefahren. Ein restriktives Gesetz kann negative Auswüchse  verhindern. Das führt gesamtheitlich zu mehr Qualität.

Ein restriktives Gesetz kann aber auch gute Lösungen verhindern.
Loher: Die Frage ist weniger, was man reglementiert, sondern wie. Nehmen wir die erwähnten Attikageschosse: Gemäss unserem  kommunalen Baureglement müssen diese, von der maximalen Gebäudehöhe her gemessen, an den Längsfassaden unter einem Winkel von 60 Grad zurückspringen. Das führt zu Auswüchsen mit zwei Attikageschossen! Im Thurgau dagegen heisst es, das Attikageschoss müsse  entlang mindestens einer Fassade um ein definiertes Mass zurückspringen. So bleibt Spielraum, um das Volumen sinnvoll anzuordnen. Hutter: Einverstanden, doch jede Regelung bringt neue Auswüchse. Gefragt sind weitere Werkzeuge der Qualitätssicherung, wie die  Professionalisierung der Bewilligungsbehörden. Die meisten Gemeinden prüfen Baugesuche nur formell. Was dem Gesetz entspricht, wird bewilligt. Eine Beurteilung bezüglich Raumplanung oder architektonischer Qualität findet nicht statt. Eine Lösung wären Gestaltungsbeiräte,  die Fragen objektbezogen beantworten können.

Baukultur ist mehr als die Summe von Vorschriften. Sie erfordert ein öffentliches Bewusstsein für ortsspezifische Qualitäten und eine gemeinsame Zielvorstellung. Die Hafenstadt Romanshorn beispielsweise erarbeitete unter Einbezug der Bevölkerung eine räumliche Entwicklungsstrategie. Sie bildet die Grundlage des kommunalen Richtplans und setzt die Leitplanken für die Planung und Beurteilung  künftiger Entwicklungen. Nur wenn wir die Gestaltung unseres Lebensraums als gemeinschaftliche Aufgabe verstehen, kann sie qualitätsvoll gelingen.

Die Interviewpartner
Dominik Hutter und Joshua Loher haben Igor initiiert und teilen sich das Präsidium. Mike Föllmi ist Vorstandsmitglied und Aktuar. Hutter und Föllmi sind selbstständige Architekten in Heerbrugg und Berneck, Loher ist Architekt und Architekturfotograf in Balgach.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

SIA@AFO

Beat Consoni, Architekt, St. Gallen / Lukas Imhof, Architekt, Zürich / Moderation Deborah Fehlmann, Architektin und Autorin, Zürich

Mo 18. November 2019, 19.30 Uhr im Forum

Der sia Thurgau ist zu Gast im AFO. Die beiden Thurgauer Architekten Beat Consoni und Lukas Imhof referieren und diskutieren. Beide sind langjährige Mitglieder und setzten sich auf vielschichtige und konsequente Weise für die Baukultur im Kanton bzw. in der Ostschweiz ein. Sie sprechen nicht primär von ihren Bauten, sondern vielmehr von selbstbewusstem Einfügen in vorhandene Bebauung und vom Ordnen städtebaulicher Strukturen. Consoni wie auch Imhof engagieren sich in den  Berufsverbänden, pflegen die Kommunikation und suchen die Auseinandersetzung. So gelingt es ihnen Baukultur zu kultivieren und so gekonnt und gezielt Einfluss zu nehmen. Ihre Beiträge als Berater und Experte fördern nicht nur die Kultur, sondern zeigen auch, dass Baukultur mehr ist als nur Architektur zu gestalten. So z.B. initiierte Consoni vor fünfzehn Jahren den sia Gestaltungsbeirat, welcher die Gemeinden bei ortsbaulichen und architektonischen Fragestellungen berät, dem heute auch Imhof angehört.

Einführung Ueli Wepfer, Architekt und Präsident SIA Sektion Thurgau

Eintritt frei

sia Sektion Thurgau

Einladungskarte NOV 2019

Bildnachweis: Edition Panorama Mannheim, Architekt Beat Consoni

Auf Zeit – Recycling

Dirk E. Hebel, Architekt, Karlsruher Institut für Technologie (KIT) / Barbara Holzer, Holzer Kobler Architekturen, Zürich-Berlin / Markus Freitag, Co-Gründer FREITAG, Zürich / Moderation Barbara Bleisch, Philosophin, Zürich

Mo 4. November 2019, 19.30 Uhr im Forum

Der weitaus grösste Teil unserer Ressourcen wird zur Zeit aus der Erdkruste abgebaut, benutzt und dann entsorgt. Sie werden im wahrsten Sinne des Wortes konsumiert und nicht aus natürlichen oder technischen Kreisläufen ausgeliehen um anschliessend darin wieder aufzugehen. Dieser lineare Ansatz hat tiefgreifende Konsequenzen für unseren Planeten. Ökosysteme werden zerstört, das Klima gefährdet und viele Ressourcen wie Sand, Kupfer, Zink oder Helium werden bald nicht mehr technisch, ökologisch und ökonomisch sinnvoll vertretbar zur Verfügung stehen. Wir gefährden das Wohl künftiger Generationen. Wenn wir wollen, dass unsere gebaute Umwelt wirklich nachhaltig ist, können wir sie nicht länger als Dienstleister und Müllkippe verstehen.
Die gebaute Umwelt sollte dem entgegengesetzt begriffen werden als temporäre Lagerstätte von Rohstoffen in einem endlosen Kreislaufsystem – ein radikaler Paradigmenwechsel wäre nötig. Wir brauchen dringend neue Prinzipien für den Bau, die Demontage und die ständige Umgestaltung unserer gebauten Umwelt. Gleichzeitig müssen wir die Frage beantworten, wie neue Materialien hergestellt werden können, ohne noch mehr Ökosysteme zu zerstören. Wir müssen eine Verlagerung hin zum regenerativen Anbau, Zucht und Kultivierung von Ressourcen und Baumaterialien bewältigen, anstatt uns weiterhin auf endliche Vorkommen zu verlassen.

Barbara Holzer muss sich aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig entschuldigen.

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Karlsruher Institut für Technologie

Holzer Kobler Architekturen

FREITAG

Einladungskarte NOV 2019

Bildnachweise: Zooey Braun

Kleinode im Zwischenraum

Restflächen in Städten zwischen Architektur, Verkehr und Landschaftsplanung gelten als unspektakulär. Sie können zu Juwelen werden.

02.11.2019 von Franziska Quandt

In unserem Alltag bewegen wir uns durch die Stadt, ohne uns Gedanken über die vielteilige Planung des uns umgebenden Raums zu machen. Die vielen Disziplinen, die unsere Umgebung prägen wie Städtebau, Architektur, Verkehrsplanung und Landschaftsarchitektur nehmen wir als selbstverständlich hin. Oft bleiben zwischen diesen Stadtplanungselementen Teilflächen übrig, die nur wenige  Quadratmeter messen. Solche Restflächen liegen neben unserem Hauseingang, in Hinterhöfen oder an verkehrsreichen Strassen. Diese Flächen, und vor allem der Umgang mit ihnen, sind entscheidend dafür, ob eine Stadt als optisch ansprechend wahrgenommen wird.
Um den richtigen Umgang mit Restflächen bemüht sich die Stadt Rapperswil-Jona. Sie hat die qualitätvolle Entwicklung von kleinen Freiflächen in die städtebauliche Gesamtstrategie aufgenommen. Mit Blick auf die wachsende Bevölkerung der Stadt und die Frage, ob im Stadtgebiet ein genügend abwechslungsreiches Angebot an Freiräumen zur Verfügung steht, hat Rapperswil-Jona das  Landschaftsarchitekturbüro Hager Partner aus Zürich mit einer Studie beauftragt. Im «Grün- und Freiraumkonzept Rapperswil-Jona» wird der Bestand analysiert und werden Defizite und Potenziale definiert. Mit der Studie als Leitfaden konnte die Stadt Rapperswil-Jona eine konkrete Strategie entwickeln, um Aufenthaltsräume zu schaffen und diese gestalterisch und funktional aufzuwerten. Die Klein- und Restflächen der Stadt sind auch Teil dieses Konzepts.

Teppichmuster fasst grauen Falkenplatz optisch

Viele Orte sind in der Auseinandersetzung von Hager Partner mit den Freiräumen der Stadt Rapperswil-Jona konkret herausgearbeitet worden. Andere wiederum haben sich zum Beispiel durch die Implementierung des Grün- und Freiraumkonzepts in den Masterplan Siedlung und Landschaft der Stadt ergeben. So zum Beispiel der Platz am Einkaufszentrum AlbuVille, der durch einen Impuls der Eigentümerschaft im Zuge der Überarbeitung der Strassengestaltung der St.Galler-Strasse/Neue Jonastrasse entstanden ist. Die  Entwicklung der Neuen Jonastrasse zu einer attraktiven Zentrumsachse zwischen Jona und Rapperswil war eines der Ziele des Masterplans.
Der Platz, der offiziell Falkenplatz heisst, wird auf beiden Seiten von je einem Gebäude flankiert, gemeinsam bilden sie das  Einkaufszentrum. Das hintere Ende des Platzes wird von einer Passage abgeschlossen, die die beiden Bauten miteinander verbindet. Mit der Gestaltung des Falkenplatzes wurden die Landschaftsarchitekten von Atelier tp aus Rapperswil-Jona beauftragt. Sie fassten den Platz optisch, indem sie auf dem Boden einen «Teppich» ausbreiteten. Das gleichmässige Muster aus weissen, blauen und gelben Sternen definiert den Raum horizontal. Um den Platz in der Vertikalen einzugrenzen, haben die Landschaftsarchitekten jeweils an den Säulen der angrenzenden Gebäude Pflanztröge mit Rankpflanzen platziert. Mit diesen wenigen Eingriffen konnte Atelier tp den Platz  von einer undefinierten grauen Fläche zu einem gefassten Raum innerhalb der Stadtstruktur umformen.
Auch private Räume stellen innerhalb des Freiraumkonzepts mögliche Interventionsflächen dar. So ist der neue Pocketpark am Berufs-  und Weiterbildungszentrum (BWZ) Rapperswil-Jona ein gutes Beispiel, um Stadtzonen mit verschiedenen Atmosphären miteinander zu verbinden. Er bildet den Übergang zwischen einer Hauptverkehrsachse, der Zürcherstrasse und der Seepromenade. Auch für den Pocketpark BWZ zeichnete das Atelier tp verantwortlich. Er setzt sich aus mehreren Bereichen zusammen: ein befestigter Pausenplatz mit Parkplätzen, ein eigentlicher Parkteil und eine Velostellfläche, die der Turnhalle zugeordnet ist. Der Pausenplatz ist eine asphaltierte fast quadratische Fläche, die einen temporären Schulbau umgibt, der an den Altbau des BWZ anschliesst. Diese Zone wird nach Westen mit von Stahlbändern eingefassten Stauden- und Gräserbeeten abgeschlossen.

«Himmelssöhne» bieten Sichtschutz

Die Grünzone ist wiederum in zwei Bereiche unterteilt: Zum einen die südliche Zone entlang der Haldenstrasse, die mit Kies gedeckt ist, und auf der drei grosse Sitzsteine zum Verweilen einladen. Zudem die nördlich liegende Rasenfläche, die von einer grossen Kiefer dominiert wird. Weitere Bäume «Heptacodium miconioides» oder «Sieben-Söhne-des-Himmels» stehen auf beiden Flächen verteilt.  Diese halbhohen, eher buschartigen Gehölze verleihen dem Platz eine gewisse Intimität durch den Sichtschutz, den sie gewähren.
Die behutsame Erweiterung der Freizeitangebote am Seeufer ist ein weiterer Aspekt in der Entwicklung der Stadt Rapperswil-Jona und auch Teil des Konzepts von Hager Partner. Die Stadt hat dafür zum Beispiel eine Fläche im Ortsteil Kempraten ausgewiesen. Bereits seit 1998 gab es hier erste Bestrebungen, am mehrheitlich privaten Seeufer einen Zugang für die Bevölkerung zu schaffen.
Der neu geschaffene Seezugang Gubel ist ein verstecktes Kleinod, das von Fischer Landschaftsarchitekten gestaltet wurde. Entlang der  für Fussgänger und Radfahrer eher unattraktiven Zürcherstrasse liegt es hinter einem schweren schwarzen Metalltor. Durchschreitet man dieses, führt ein schmaler gezackter Weg hinab zu einem Kiesplatz mit Sitzgelegenheiten und zum Wasser, das hier mit einem  dichten Schilfgürtel zugewachsen ist. Rechter Hand des Wegs und des Sitzplatzes fliesst ein schmaler Bach in einem renaturierten Flussbett in den Zürichsee. Inmitten der Villen kann man sich hier auf den See und die in der Ferne liegenden Berge besinnen.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Hauptversammlung

2019

Fr 25. Oktober 2019, 18.30 Uhr im Forum

1. Begrüssung
2. Protokoll der HV 2018
3. Jahresbericht
4. Jahresrechnung
5. Revisorenbericht
6. Budget und Mitgliederbeiträge 2019
7. Wahl Revisoren
8. Allgemeine Umfrage
9. Aussichten

Das Forum wird bekanntlich seit 2014 nicht mehr durch einen Präsidenten sondern durch einen «Leitenden Ausschuss» geführt. Der leitende Ausschuss ist bereits ein erprobtes Team, welches sehr gut Hand in Hand arbeitet mit dem Vorteil, dass die Lasten so auf mehreren Schultern verteilt werden können. Nun sollen die Statuten gemäss diesem System angepasst werden.
Die neuen Statuten inkl. der Änderungen sind hier ersichtlich.
An der HV wird über die Änderung der Statuten abgestimmt.

Willkommen in der AFO-Küche
Im Anschluss an die Hauptversammlung sind alle Mitglieder und ihre Begleitung herzlich zum gemeinsamen Essen und gemütlichen Beisammensein eingeladen.

Anmeldung
Wir bitten um eine kurze E-Mail bis Di 22.Oktober 2019 an info@nulla-f-o.ch, damit wir wissen, wie viele Gäste wir im Anschluss an den offiziellen Teil zum Essen begrüssen dürfen.

Wir begrüssen Forster Stahlküchen – Forster Swiss Home AG als neuen Hauptsponsor. Wir freuen uns auf eine spannende Zusammenarbeit!

Einladungskarte HV 2019

BSA@AFO – Téchne: Backstein

Jonathan Sergison, Sergison Bates Architects, London-Zürich / Marco Merz, Clauss Merz Architekten, Basel

Mo 21. Oktober 2019, 18 Uhr Aula Schulhaus St. Leonhard, St. Gallen

Der Architekt als Oberbaumeister (architekton) war einer der ersten am Bau, der das Werk durch andere hat erstellen lassen. Dadurch hat er sich zwar viel Freiraum erschaffen, aber bisweilen auch den Bezug zum bauenden Tun verloren. Die Sehnsucht nach dem Bezug zum Handwerk ist in der Architektur deshalb ein immer wiederkehrender Topos. Die diesjährige Spurensuche des BSA Ostschweiz gilt dem „Stand der Technik“. Der BSA Ostschweiz möchte wissen, wo die Téchne unserer Zeit am prägnantesten lesbar ist. Wo sie uns inspiriert, bedroht, weiterbringt!

Jonathan Sergison, Architekt, London-Zürich: «Brickwork»
Marco Merz, Architekt, Basel: «Rhetorik oder Tektonik»

BSA Bund Schweizer Architekten

Einladungskarte SEPT OKT 2019

Bildnachweis: Sergison Bates Architects, Clauss Merz Architekten

Die anderen Denkmäler

Nachkriegsarchitektur hat einen schlechten Ruf – herausragende Bauten verdanken ihre Rettung oft Privaten: zwei Erfolgsgeschichten.

09.10.2019 von Deborah Fehlmann

Ein in jeder Hinsicht neuzeitliches Haus, mit modernsten Materialien und Techniken gebaut – das verlangte Hans Stoffel vom Architekten Otto Glaus, als er ihn vor bald 70 Jahren mit dem Bau einer Villa in Heerbrugg betraute. Die Faszination für technische Neuheiten lag nahe. Er arbeitete für den Ziegel und Zementhersteller Max Schmidheiny. Der knapp vierzigjährige Glaus, den man von skulpturalen Betonbauten wie dem Konvikt der Churer Kantonsschule kennt, nahm sich der Aufgabe enthusiastisch an. Er entwarf einen eingeschossigen Bau aus Backstein und Eternit unter zwei  Pultdächern. Zur Quartierstrasse im Norden hin liegen Kinder- und Gästezimmer. Die fliessenden Wohnräume und das Elternzimmer gegen Süden sind grosszügig verglast. Sie überblicken den üppig bewachsenen Garten.
Die Weitläufigkeit des 1,3 Hektaren grossen Grundstücks kann man nur noch erahnen. Auf dem grössten Teil entstand jüngst eine  Mehrfamilienhaussiedlung. Auch die Villa sollte einem Neubau weichen. Wie mancher Bau aus der Nachkriegszeit war sie nicht im Inventar  schützenswerter Bauten eingetragen. Ihre Rettung verdankt sie Einsprachen von Anwohnern und der Denkmalpflege. Sie erwirkten 2009 einen Kompromiss: Einen Grossteil des Parks durfte der Eigentümer überbauen, die Villa wurde im Gegenzug zum kantonalen Schutzobjekt erklärt. Nur standen Eigentümer und Denkmalpflege nun vor einem weiteren Problem. Niemand wollte das seit 2005 unbewohnte Haus kaufen.
«Als wir das Haus besichtigten, war es komplett eingewachsen und sanierungsbedürftig. Dennoch waren wir hingerissen», erinnert sich Vera  Purtscher. Die Architektin und ihr Mann fanden die Villa 2015 auf der Roten Liste des Schweizer Heimatschutzes – einer Plattform, die auf bedrohte Denkmäler aufmerksam macht. Nach dem Kauf restaurierten sie das Haus denkmalpflegerisch. Purtscher versteht, dass Laien vor solchen Objekten zurückschrecken: «Das Haus ist eine Energieschleuder. Die feingliedrige Gebäudehülle zu isolieren, hätte den architektonischen Ausdruck aber  zerstört.» Die originalen Fensterrahmen hat sie erhalten und nur neu verglasen lassen. Auch der Innenausbau unterlag strengen Vorgaben. Nicht nur die Böden aus massgefertigten Terrakottaplatten und die hölzernen Wandbeläge blieben bestehen, sondern auch das Farbkonzept. Es basiert auf der Farbskala von Glaus’ ehemaligem Arbeitgeber Le Corbusier. Auf dessen Proportionenlehre Modulor baut die Geometrie der ganzen Villa auf.
Dass sie das Haus nicht frei umgestalten darf, stört Purtscher nicht – im Gegenteil. Begeistert rauscht sie durch die Räume, zieht Faltwände aus  Nischen, betätigt Sonnenstoren und öffnet Wandschränke, um auf clevere Schreinerdetails hinzuweisen. Sie verraten Glaus’ Vergangenheit als  Handwerker und Innenarchitekt. «Alles ist durchdacht und von unglaublicher Qualität. Das findet man heute kaum noch», sagt sie zu Recht. Wie  Glaus die Villa bis ins kleinste Detail durchkomponierte, ist virtuos. Bemerkenswert ist auch, dass sie seit ihrer Fertigstellung 1955 kaum verändert  worden war. So erstrahlt sie als Zeuge der Wirtschaftswunderzeit heute wieder in ihrem früheren Glanz.

Ein freundlicher Bunker

In Wildhaus, eine halbe Fahrstunde entfernt, liegt ein Haus wie ein Findling im Steilhang. Die schweren Mauern aus grob geschaltem Sichtbeton besitzen nur einzelne Fensteröffnungen. Das Werk von Glaus’ Zeitgenossen Rudolf Olgiati könnte sich optisch kaum stärker von dessen luftiger Villa unterscheiden. Was die beiden Häuser aber verbindet, ist ihre Geschichte. Olgiati baute das Ferienhaus 1969 für den Zürcher Anwalt Richard  Allemann. Der Architekt hatte, vorrangig in seiner Bündner Heimat, bereits Dutzende Projekte realisiert, und Allemann liess ihm freie Hand. Seine unverkennbare Formensprache – ihn beeinflusste traditionelle Bündner Architektur genauso wie Le Corbusier und die griechische Antike – prägt auch seinen einzigen Bau im Kanton St. Gallen.
Bei der Wehrhaftigkeit des Äusseren überrascht die gemütliche Innenwelt: Ein Dacheinschnitt unterteilt das Eingangsgeschoss in Koch- und  Essplatz, Wohnbereich und Arbeitsecke. Eine geschwungene Treppe führt in die Schlafzimmer darunter. Ihre Brüstung verbindet sich mit dem  offenen Kamin und der Sitzbank daneben zu einer organischen Skulptur. Wände, Decken und Einbauten sind weiss, die Fensterrahmen und eine Bücherwand aus Sichtholz. Der Boden ist mit dunkelgrauem Teppich bespannt.
Seinen einstigen Charakter hat der Bau erst in den letzten Jahren zurückerhalten. Die jetzigen Besitzer entdeckten ihn 2007 zufällig auf Homegate.  Olgiatis Entwürfe kannte das Architektenpaar aus dem Studium. «Das Haus hatte von Beginn an konstruktive Mängel. Der Beton sog sich an vielen Stellen mit Wasser voll. Als wir es kauften, war die Fassade deshalb teilweise mit Eternit verkleidet. Im Dachbereich waren Bleche und zusätzliche Abwasserrohre montiert», erklärt Andri Gerber. Das Paar beschloss, das Haus zu sanieren und unter Schutz zu stellen. Dabei unterstützten sie die Denkmalpflege und der architekturbegeisterte Gemeindepräsident. Wie Vera Purtscher empfinden sie den Denkmalschutz nicht als Einschränkung: «Wir wollten dem Haus ohnehin seine ursprüngliche Gestalt zurückgeben.» Für die Sanierung kantonaler Schutzobjekte richtet die Denkmalpflege Subventionen aus. So konnten die Gerbers bis 2017 die Fassaden und das Dach instand stellen. Heute verbringen sie fast jedes Wochenende in Wildhaus und laden gerne Gäste ein. «Viele finden, das Haus sehe aus wie ein Bunker», erzählt Gerber, «doch sobald sie hereinkommen, sind alle begeistert.»
Ob Bunker oder Energieschleuder: Die Architektur der Fünfziger- und Sechzigerjahre hat bis heute einen schweren Stand. In vielen  Gemeindeinventaren fehlen solche Bauten gänzlich; unter Denkmalschutz steht kaum ein Bau. Sie pauschal zum Abbruch freizugeben, ist jedoch ein Fehler. Wer hinschaut, findet unter ihnen architektonische und kulturelle Schätze – wie die Villa Stoffel oder das Haus Allemann.

 

Bilder: Hanspeter Schiess, Faruk Pinjo

Auf Zeit – Konserviert

Daniel Niggli, EM2N Architekten, Zürich / Julia Lütolf, Konservatorin, Werkstoffarchiv, St. Gallen / Cornel Dora, Stiftsbibliothekar, St. Gallen / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 30. September 2019, 19.30 Uhr im Forum

André Corboz führt mit dem aus der Welt der Schrift entstammenden Wort des Palimpsests einen konzeptionellen Begriff ein, der das Territorium (und die Stadt oder das Haus) mit einem im Laufe der Zeit mehrfach überschriebenen Manuskript vergleicht. Die Stadt wird dabei zu einem Ort des kollektiven Gedächtnisses, wo sich Ereignisse und Artefakte in Schichten übereinanderlagern. Es existiert ein  permanenter Zustand der Gleichzeitigkeit von Vergangenheit und Gegenwart. Wahrscheinlich scheiterten Teile der Moderne nicht zuletzt an ihrer Unfähigkeit, diese Synchronizität zuzulassen. Das moderne Konzept der Tabula rasa führt lediglich zu einem Nacheinander, einem «Entweder-oder». Dem Wesen des Palimpsests und der Stadt dagegen liegt eine inkrementelle Logik zugrunde: ein Neben- und  Übereinander oder «Sowohl-als-auch». Die Überformung und Umnutzung bestehender Bausubstanz ist so alt wie das Bauen selber. Mit jedem neuen Bauwerk wird quasi bereits der Grundstein seiner potenziellen späteren Transformation gelegt. Neben der kulturellen Bedeutung von Häusern als Zeugen und Identitätsträger ihrer Zeit stellt ihre Bausubstanz jedoch auch einen ökologischen und  ökonomischen Wert an sich dar. Die Auseinandersetzung mit bestehender Bausubstanz geht also weit über denkmalpflegerische Fragen hinaus und berührt vielfältige Fragen des nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen.
Einige der bemerkenswertesten Bauten in der Geschichte der Architektur sind Umbauprojekte. Der Reiz dieser Entwürfe besteht in der gleichzeitigen Präsenz unterschiedlicher Zeitschichten, seien diese nun komplett verschliffen oder dialektisch ausdifferenziert. In jedem Fall stellt sich das Bestehende dem Neuen als Widerstand entgegen, der zu einer produktiven Auseinandersetzung zwingt. Oft ermöglicht erst dieser Widerstand unorthodoxe, unkonventionelle und radikale räumliche Konzepte. Im besten Fall können wir erfolgreiche Umbauten sogar als neue Typologien, also Prototypologien begreifen, die uns als
Denkmodelle für Neubauten dienen können.

EM2N

Werkstoffarchiv

Stiftsbibliothek St. Gallen

Einladungskarte SEPT OKT 2019

Bildnachweise: Atelier Kanal / Roger Frei

Hochparterre Städtebaustammtisch – Die Chancen des Stillstands

Anna Jessen, Architektin und Architekturprofessorin, St. Gallen / Florian Kessler, Stadtplaner, St. Gallen / Klauspeter Nüesch, Entwickler, St. Gallen / Stadtsoziologin Joëlle Zimmerli, Zürich

Mo 16. September 2019, 19.30 Uhr im Forum

Die Einwohnerzahl St. Gallens stagniert. Die Stadt wächst nicht. Ist das ein Problem? Für die einen ja, für die anderen nein. Dank Stillstand sind mehrere Areale an bester Lage bisher frei gebliebenen – auch entlang der im Talboden verlaufenden Bahngleise. Im Gegensatz zu anderen Städten hat sich die SBB hier als Grundeigentümerin verabschiedet und ihre Flächen der Stadt und dem Kanton St.Gallen verkauft.
Von Ost nach West handelt es sich um die Rangiergleise des Vorortsbahnhofs St.Gallen-St.Fiden, um das Areal «Bahnhof Nord» zwischen Fachhochschule und Lokremise und um den zwischengenutzten Güterbahnhof auf dem ein zusätzlicher Autobahnanschluss gebaut werden soll.  Am raschesten baureif ist die nahe am Gleis liegende Ruckhalde und schliesslich gibt es Brachen an der Oberstrasse – alles Gebiete im oder neben dem St.Galler «Bahngraben» und damit bestes erschliessbar. Für zwei Areale, für St.Fiden und Bahnhof Nord, existieren bereits Testplanungen. Sie zeigen hohes Nutzungspotenzial und ähneln darin den heute gängigen Grossüberbauungen. Für St.Fiden fordern Wirtschaftsvertreter sogar eine Überdeckung der Gleise.
Doch finden solche «Grand Projets» in einer stagnierenden Stadt überhaupt Investoren? Braucht St.Gallen diesen heute gängigen Städtebau? Wären die bisher frei gebliebenen Areale nicht eine Chance, die Stadt von öffentlichen Nutzungen her anders zu planen und zu entwickeln? Statt Stadtplätze als Restflächen zu gestalten, könnte hier von den Freiräumen her gedacht werden. Fänden nicht Quartierpärke oder Bauten mit öffentlichen Nutzungen leichter ihr Publikum als gängige Wohn- und Gewerbeneubaten? Deshalb die Frage: Welche Chancen bietet der Stillstand?

Eintritt
5.- Mitglied AFO
15.- (5.- mit Legi) für Abonnenten von Hochparterre oder hochparterre.wettbewerbe
25.- (15.- mit Legi) für Nicht-Abonnenten

Anmeldung bis 9. September 2019 hier

In Zusammenarbeit mit Hochparterre

Mit freundlicher Unterstützung von Emch Aufzüge

 

Museumsnacht

Städtische Ausstellung, Herbert Weber

Sa 7. September 2018, 18–0 Uhr im Forum

Herbert Weber seziert die Fotografie: Was kann Fotografie? Was macht sie mit dem Bild? Was passiert mit der Wirklichkeit? Der Künstler setzt die Bildfläche einer Bühne gleich und konstruiert darin Konstellationen von Dingen. Oft tritt er selbst in seinen Bildräumen auf. Auch in seinen aktuellsten Arbeiten ist er anwesend: Sie alle sind auf Herbert Webers Augenhöhe über dem Meeresspiegel bezogen. Der Künstler erforscht den Übergang von Land zu Meer und das Verschwinden der Grenzen. In der Ausstellung projiziert er Aussichten auf verschiedene Meere rund um Europa. Die Wände des Ausstellungsraumes werden zu Fenstern und gewähren den «freien Blick aufs Mittelmeer», der in den 1980er Jahren in Zürich ein geflügeltes Wort wurde und 1998 sogar Thema einer Ausstellung im Kunstmuseum Zürich war. Aber die Sehnsucht nach der See hat ihre düsteren Seiten. Herbert Webers Projektionen simulieren auch das Drama der grossen Überschwemmung. Hier hilft die Poesie nicht weiter. Die Horizontlinien verändern sich, die Realität übersteigt den Meeresspiegel, das Überleben ist wichtiger als die Schönheit. Doch das Architektur Forum Ostschweiz wird zur Arche in der Flut. Hier behalten Sie trockene Füsse.

ab 18 Uhr Barbetrieb

19 Uhr und 20 Uhr
Rumänische Lieder und Improvisationen
mit Irina Ungureanu (Gesang/Geige)

Ticket 20.– für Eintritt in alle beteiligten Museen sowie freie Fahrt mit dem Rundkurs, dem Shuttlebus (Stocken) und in der Ostwind Zone 210 inkl. Nachtzuschlag
www.museumsnachtsg.ch

Ausstellung: Fr 30. August bis So 22. September 2019
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr
Vernissage Do 29. August um 18.30 Uhr. Einführung Kristin Schmidt

Herbert Weber

Irina Ungureanu

Auf Zeit – Krisenzeiten

Daniel Kerber, Architekt, MORE THAN SHELTERS, Hamburg / Philipp Blom, Schriftsteller und Journalist, Wien / Nik Weidler, Architekt, ad-hab+, Urbach / Moderation Susanne Brauer, Philosophin, Zürich

Mo 2. September 2019, 19.30 Uhr im Forum

MORE THAN SHELTERS (MTS) ist ein Sozialunternehmen mit Standorten in Berlin, Hamburg und Amman (Jordanien). Seit 2012 bringt es Methoden, Werkzeuge und Haltungen aus Architektur, Stadtplanung und Design in  Flüchtlingslagern, auf Transitrouten und  Ankommensorten von Geflüchteten zum Einsatz. Dabei steht die menschenwürdige Unterbringung von Geflüchteten im Fokus.

Das Team von MTS hat sich vor allem auf partizipative und ermächtigende Ko-Kreation in Krisengebieten spezialisiert, wie z. B.:
• Für ein Flüchtlingslager in Jordanien wurde die weltweit erste permanente Innovationsagentur mit dem UNHCR Camp Management
von 2013 bis 2016 betrieben, um aus dem Flüchtlingslager eine lebendige «Ankommensstadt» zu bauen.
• Für die Senatskanzlei von Berlin wurde 2016 eine integrierte Rahmenplanung für ein Ankunftszentrum im ehemaligen Flughafen Tempelhof entwickelt.
• Zusammen mit dem Bezirksamt Charlottenburg und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen erarbeitet MTS einen Ansatz für die bessere sozialräumliche Integration von Geflüchteten in einem Bezirk von Berlin.
Daniel Kerber, der Gründer und Geschäftsführer von MTS, stellt Fallbeispiele seiner Arbeit vor und berichtet von seinen Erfahrungen, wie kreative Disziplinen für die humanitäre Arbeit wirksam werden können.

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

MORE THAN SHELTERS

Jean-Daniel Strub ist leider verhindert, die Moderation der Diskussion übernimmt Susanne Brauer

Philipp Blom

Creative Rise – ad hab+ by Nik Weidler

Einladungskarte SEPT 2019

Bildnachweis: Daniel Kerber

Lob der Raumplanung

Die Materie ist trocken und kompliziert. Doch der Einsatz für eine hochwertige Planung von Dörfern, Quartieren und Städten lohnt sich.

31.08.2019 von Marcel Bächtiger

Niemand weiss mit Sicherheit, welche demografischen, wirtschaftlichen oder ökologischen Veränderungen uns bevorstehen. Niemand weiss, wie die Ostschweiz in dreissig oder fünfzig Jahren aussehen  wird. Trotzdem existiert vernünftigerweise die «Raumplanung», die gleichzeitig ein Fachgebiet und ein stetiges Politikum ist. Ihr Zweck ist die Planung des Raums – doch was sich einfach anhört, entpuppt sich in der Realität des helvetischen Politikbetriebs als komplizierte Angelegenheit. Zwischen dem Raumplanungsgesetz auf Bundesebene, den kantonalen Richtplänen und den kommunalen Nutzungs-, Zonen- und Gestaltungsplänen verliert der Laie schnell die Orientierung, zumal sie im Hin und Her zwischen den verschiedenen Akteuren immerfort angepasst werden müssen und sich deshalb in einer Art ewigen Revision befinden. Techno- und Bürokratie mögen hier ihre Hände mit im Spiel haben, doch weist die nie enden wollende Überarbeitung auch auf einen fundamentalen Wesenszug hin: Es geht bei der Raumplanung eben nicht nur um Raum, sondern auch um Zeit. Anders als bei ihrer Schwesterdisziplin, der Architektur, steht nicht das vollendete Werk im Zentrum des Interesses, sondern Prozesse, Entwicklungen, Szenarien – flexibel genug, um auf den Wandel der Zeitläufe zu reagieren, ohne dabei das grosse Ziel aus den Augen zu verlieren.
Dieses Phänomen bringt mit sich, dass Raumplanung – sei es im grossen Massstab einer ganzen Region oder im kleineren Massstab eines Ortes oder eines Quartiers – erst Jahre oder Jahrzehnte später überhaupt räumlich wirksam wird. Dass sie dies tut, lässt sich indes täglich und überall erfahren, im Guten wie im Schlechten: Weder das intakte Dorf noch die zersiedelte Agglomeration, weder die gewachsene Stadt noch das anonyme Villenquartier sind blosse historische Zufälle oder ökonomische Zwangsläufigkeiten. Hinter allem Gebauten und Nichtgebauten stehen Planungs- und Baugesetze, und  hinter allen Gesetzen ein politischer Wille.

Elm – Beispiel für ein schönes Dorf

Wenn zum Beispiel Elm im Glarnerland noch heute «natürlich schön» ist, wie dies das Tourismusbüro zurecht betont, dann ist dieses Schöne nicht einfach naturgegeben, sondern verdankt sich auch dem bekannten Architekten Jakob Zweifel, der sich ab Mitte der 1950er- Jahre mit grossem Engagement für die Orts- und Regionalplanung in seinem Heimatkanton eingesetzt hatte. Der Wakkerpreis des Jahres 1981 «als Anerkennung für planerische, bauliche und rechtliche Massnahmen zum Schutze und zur rücksichtsvollen Entwicklung des Dorfes» ging zurück auf die Ortsplanung, die Zweifel im Auftrag der Gemeinde gut 25 Jahre vorher in Angriff genommen hatte. Zweifel ging es dabei aber nicht nur um den Erhalt des historischen Bauerbes, sondern auch um die Eingliederung moderner Bauten in das bestehende Ortsbild. Die planerischen Entscheide in Elm waren pointiert: Man scheute sich nicht, eine Wiese mitten im Dorf unter ein dauerndes Bauverbot zu stellen, ermöglichte aber gleichzeitig die Errichtung eines modernen Gemeindehauses. Zweifels Vorgänger und Mentor, der Glarner Architekt Hans Leuzinger, hatte hierfür das Credo vorgegeben: «Das gute Alte pflegen, das gute Neue fördern.»
Im Versuch, Heimatschutz und Modernisierung unter einen Hut zu bringen, gibt sich die Elmer Ortsplanung als ein Kind der Hochkonjunktur in den Nachkriegsjahren zu erkennen. Indem sie die Gegensätze von Alt und Neu als Teile eines räumlichen Ganzen interpretiert, taugt sie als Vorbild für die Raumplanung von heute, die der anhaltende Bauboom vor vergleichbare Probleme stellt.

Für Nichtfachleute kaum mehr zu durchschauen

Allerdings ist der Mechanismus der Raumplanung in der Zwischenzeit so komplex geworden, dass er für Nichtfachleute kaum mehr zu durchschauen ist. Die öffentliche Diskussion beschränkt sich deshalb häufig auf ideologische Grabenkämpfe. Einfrierung der Bauzonen, Landschaftsschutz oder Verdichtung sind zwar sinnvolle Anliegen, bilden aber nur den quantitativen Teil des Problems ab. Für einen  sinnstiftenden, vielfältig erlebbaren und atmosphärisch reichhaltigen Lebensraum ist das Wie des Wachstums entscheidend – nicht nur in den zu verdichtenden urbanen Zentren, sondern gerade auch dort, wo Bauzonen existieren und wo über kurz oder lang auch gebaut werden wird: an den Rändern der Dörfer und kleinen Städte. Die kollektive, flächensparende, architektonisch ambitionierte Siedlung bleibt hier häufig planerisches Wunschbild, der Traum vom Eigenheim hingegen feiert fröhliche Urständ.
Doch auch das Einfamilienhausquartier muss nicht zwangsläufig mit einem Desinteresse an der Gestaltung des öffentlichen Raums einhergehen. Es braucht bloss den politischen Willen zu einer räumlich und sozial gedachten Planung. Zu beobachten ist dies beispielsweise im Quartier Breitfeld am südöstlichen Rand von Frauenfeld, wo sich die Stadt vor über zwanzig Jahren die Mühe gemacht hat, einen  Wettbewerb für den Gestaltungsplan der neuen Siedlungsfläche auszuschreiben. Den gesellschaftlichen Realitäten wurde dabei durchaus Rechnung getragen: Gebaut werden sollte, was der Markt begehrte  und der Stadtkasse gute Steuerzahler brachte. Dennoch lässt sich heute, wo die planerische Idee im Alltag angekommen ist, feststellen, was den feinen Unterschied ausmacht. Anders als beim  konventionellen Einfamilienquartier, wo quadratische Häuser in der Mitte quadratischer Parzellen sitzen, gruppiert der Quartierplan fürs Breitfeld die Häuser entlang der Strassen, erlaubt dort kleinere  Grenzabstände und spielt dafür grosszügige zusammenhängende Grünräume hinter den Bauten frei. Zusammen mit der raumbildenden Festlegung von Strassen und Gartenniveaus, dem Einsatz verschiedener Bodenbeläge und nicht zuletzt der grosszügigen Bepflanzung mit Bäumen gelingt dem prämierten Quartierplan von Staufer & Hasler Architekten (umgesetzt mit dem lokalen Ingenieur- und Planungsbüro bhateam) ein Wohnviertel mit eigenständigem Charakter und stabilen räumlichen Qualitäten. Es ist die Planung, die neben der Individualität des Einfamilienhauses das Ideal baulichen Gemeinsinns erlebbar macht: den Wert des geteilten Raums von Strassen, Gassen und Plätzen.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Sommer Camp Architektur

Vernissage Rapperswil-Jona

Wir möchten Sie herzlich am Freitag, 9. August 2019 ab 15.30 Uhr zur Vernissage einladen, an denen die Ergebnisse des Sommer Camp Architektur präsentiert werden.

Infocenter Tourismus, Obergeschoss, Fischmarktplatz 1, Rapperswil-Jona

15.30 – 16 Uhr Präsentation in Gruppen
16 Uhr Schlusswort Thomas Furrer, Stadtrat Rapperswil-Jona
im Anschluss Apéro und Vernissage

 

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Anmeldekarte Sommer Camp Architektur 2019

Sommer Camp Architektur

Rapperswil-Jona

Das Sommer Camp Architektur findet im Moment in Rapperswil-Jona statt.

Wir experimentieren mit Formen, Materialien und Farben, wir bauen Modelle und untersuchen, wie Licht und Raum eine Stimmung erzeugen. Wir gehen auf Safari in der Stadt und treffen Architektinnen und Fachplaner.

 

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Anmeldekarte Sommer Camp Architektur 2019

Städtische Ausstellung im Forum

Rachel Lumsden

Ausstellung: Fr 22. November bis So 15. Dezember 2019
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Donnerstag, 21. November 2019, 18.30 Uhr
Einführung: Kristin Schmidt

Rachel Lumsden

Städtische Ausstellung im Forum

Herbert Weber: Ende der Poesie

Ausstellung: Fr 30. August bis So 22. September 2019
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Donnerstag, 29. August 2019, 18.30 Uhr
Einführung: Kristin Schmidt

Öffnung im doppelten Sinn

Die Erweiterung und Erneuerung des Ekkharthofs ist ein bestes Beispiel für eine Architektur, die Neues aus Bekanntem schöpft.

27.07.2019 von Christoph Wieser

Der Ekkharthof, auf dem Seerücken südöstlich von Kreuzlingen gelegen, ist eine Institution in der Ostschweiz. Hier leben und arbeiten seit 1974  Menschen mit Betreuungsbedarf nach  anthroposophischen Grundsätzen. Neben dem Sonderschulheim für Kinder und Jugendliche gibt es ein  Wohnheim für Erwachsene sowie Werkstätten und Betriebe, wo verschiedene Produkte hergestellt werden. Trotz Märkten, dem traditionellen Herbstfest und  weiteren Anlässen, machte der Hof bislang eher einen introvertierten Eindruck. Die Absonderung war gewollt. Sie entsprach der damaligen Überzeugung, äussert sich im entlegenen Standort und im üppigen Baumbestand, hinter dem die Gebäude beinahe verschwinden.
Heute ist die Sicht eine andere. Wichtiges Anliegen für die Erweiterung und Erneuerung war eine sichtbare  Öffnung des Betriebes nach aussen. Das Büro Lukas Imhof Architektur gewann 2014 den Wettbewerb unter  anderem deshalb, weil sie Ordnung im Grossen schaffen und dabei die bestehende Struktur stärken.

Ein Platz zum Ankommen

Zentrales Element ist ein neu geschaffener Platz, mit dem der Ankunftsbereich entscheidend aufgewertet wird: Hier kommt man künftig mit dem Bus oder Auto an, finden grössere Anlässe statt, gelangt man zum neuen Eingang mit Café und Shop im Haupthaus, zum Anfang Jahr eröffneten Gemeinschaftshaus und Gastrogebäude sowie ins Innere des Areals, dessen Bauten wagenburgartig um eine Wiese gruppiert sind. Geschickt nutzen die Architekten das abfallende Gelände zur Inszenierung des Platzes als räumlich gefasste Terrasse. Hangseits steht der Neubau, die seitliche Rahmung bilden die beiden markantesten Bestandesbauten: das rote «Hügelhaus» und das expressive Heizungshaus in Sichtbeton.
Rex Raab realisierte den Ekkharthof in drei Etappen. Architektonisch orientierte er sich an dem, was seit dem zweiten Goetheanum in Dornach (1928), an dessen späterem Ausbau er beteiligt war, als anthroposophischer Stil bekannt war. Wie baut man ein solches Ensemble weiter, das auffällige Dachformen, teils abgeschrägte Fenster, amorphe Geometrien und unterschiedliche Farbtöne aufweist?
Lukas Imhof wählte zwei unterschiedliche Ansätze: Beim Umbau des Haupthauses und dem Anbau sowie der Aufstockung der Schule wird die Formen- und Materialsprache weitergeführt, so dass nach Vollendung im Spätherbst eine organische Einheit entstehen wird. Der Neubau hingegen setzt sich bewusst vom Bestand ab. Gleichwohl entsteht eine spürbare Nähe.

Orientierung an der Mitte

Grund dafür ist der Entwurfsansatz. Mit Zurückhaltung, Bescheidenheit und Einfühlungsvermögen, unter Berücksichtigung eines hohen Qualitätsanspruches, werden architektonische Themen des Ortes und der Tradition weiterentwickelt. Lukas Imhof verwendet dafür den Begriff «Midcomfort». Das Buch zum Wohnkomfort und der Architektur der Mitte erarbeitete er an der Professur von Miroslav Šik, dem Begründer der Analogen Architektur, an der ETH Zürich. Dieses Gedankengut prägt seine Auffassung vom Planen und Bauen im Dienst der Gemeinschaft. «Architektur muss nicht nur die funktionalen Anforderungen des täglichen Lebens, sondern auch die emotionalen Bedürfnisse möglichst vieler Menschen erfüllen», schreibt Imhof. Diese Haltung passt bestens zum gesamtheitlichen Lebens- und Therapieansatz, der am Ekkharthof gepflegt wird. Die Berücksichtigung aller Sinne zeichnet generell hochstehende Architektur aus, ist aber ein anspruchsvolles Unterfangen.
Mit ausgreifenden Stützmauern wird der Neubau des Gemeinschaftshauses und Gastrogebäudes im Terrain verankert. Ähnlich geformte Mauern finden sich beim Hügelhaus und neu beim Eingang zur Schule. Wie beim gesamten Sockelgeschoss ist der Recyclingbeton gestockt, so dass die Zusammensetzung mit Ziegelschrot schön zur Geltung kommt. Auf dieser Ebene befindet sich die Küche. Sie ist grösser als üblich, damit Platz für die Betreuung der Mitarbeitenden bleibt.
An der Stirnseite führt eine Aussentreppe zur gedeckten Terrasse hoch. Sie umfasst die gesamte Länge des Gebäudes und orientiert sich primär zur Wiese. Damit, und mit der Stellung des Volumens, wird der Hof gestärkt. Die räumliche Absicht ist auch der Grund für den asymmetrischen Gebäudeschnitt, der im Widerspruch zur regelmässigen Grundrissstruktur steht: Wie bei einer Scheune ist der Innenraum symmetrisch aufgebaut, und das Vordach seitlich so weit heruntergezogen, wie es notwendig ist. Auf dem steinernen Sockel steht eine Konstruktion in Eschenholz, ausgefacht mit Glas. Sie wirkt robust und schwer. In ihrer kraftvollen Präsenz erinnert sie gar an die Betonstruktur des Ausstellungssaals im Musée national des Travaux publics von August Perret in Paris (1939). Die starke Wirkung hat mit den Proportionen zu tun, aber auch mit ihrer  Ausbildung als selbstaussteifendes Rahmentragwerk: Zur optimalen Kraftübertragung sind die Knoten leicht konisch ausgebildet. Die gestalterische Umsetzung des statischen Prinzips stellt auf elegante Art eine Nähe zur anthroposophischen Formenwelt her, weisen die Fenster doch zwangsläufig abgeschrägte Ecken auf.
Dank der wuchtigen Dimensionen ist die Holzstruktur raumbildend. Zudem wirkt der Innenraum wegen der Symmetrie erstaunlich gefasst, obwohl das Gebäude komplett verglast ist. Auch die Möblierung in Eschenholz trägt zur Harmonie bei. Der Entwurf für Tisch und Stuhl stammt ebenfalls aus dem Büro des Architekten. Die Fertigung erfolgte in der hauseigenen Schreinerei – ein weiterer Aspekt gesamtheitlicher Denkweise.
Die grossformatigen Fenster des Saalgeschosses lenken den Blick auf die Felder und den See. Dank der Vordächer, die als Sonnenschutz fungieren, konnte besonders  durchsichtiges Glas verwendet werden. Mit der konstruktiven und ortsbaulichen Öffnung des Ekkharthofs geht eine Öffnung im übertragenen Sinn einher: Sie steht für ein integratives Menschenbild, das Zukunft hat.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Sommer Camp Architektur

Vernissage St. Gallen und Frauenfeld

Die zweite Durchführung des Sommer Camp Architektur hat begonnen, diese Woche findet die Durchführung in St. Gallen und Frauenfeld statt. Aktuell wird viel gearbeitet, recherchiert und diskutiert.

Wir möchten Sie herzlich Freitag 12. Juli 2019 zu den Vernissagen einladen, an denen die Ergebnisse des Sommer Camp Architektur an den verschiedenen Standorten präsentiert werden.

St. Gallen 16 Uhr
Architektur Forum Ostschweiz, Davidstrasse 40, 2. Stock, St. Gallen
Stellvertretende Stadtbaumeisterin Katrin Eberhard wird die Ausstellung eröffnen

Frauenfeld 15 Uhr
Verwaltungsgebäude, Parterre, Promenadenstrasse 8, Frauenfeld
Regierungsrätin Carmen Haag wird die Ausstellung um 15.15 eröffnen

 

Mehr Informationen zum Projekt unter Sommer Camp Architektur

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Sommer Camp Architektur

Durchführung St. Gallen und Frauenfeld

Nach langer Zeit der Vorbereitung und Organisation freuen wir uns, dass es endlich soweit ist: die Kinder sind da und das Programm ist gestartet.

Das Sommer Camp Architektur findet im Moment statt in St. Gallen und in Frauenfeld

Mehr Informationen zum Projekt unter Sommer Camp Architektur

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Sommer Camp Architektur

Es geht los!

Die zwei Sommer Camp Orte Frauenfeld und St.Gallen sind eingerichtet, das Material verteilt und die letzten Vorbereitungen laufen. Es kann losgehen!

Vom langsamen Werden eines Ortes

Die neue Mensa und Mediothek am Münzweg setzt den Schlussstein der Gesamterneuerung der Bündner Kantonsschule in Chur. Zur Aufwertung des Campus tragen aber nicht nur die Bauten, sondern wesentlich auch die Gestaltung des Aussenraums bei.

22.06.2019 von Marcel Bächtiger

Als die Sanierung des ehemaligen Lehrerseminars in Chur 2012 vollendet war, gab es  Anerkennung von allen Seiten. Grosse Wertschätzung erfuhr nicht nur die sensible  Herangehensweise des Architekten Pablo Horváth, dem es gelungen war, das 50-jährige Sichtbeton-Bauwerk wärmetechnisch zu sanieren, ohne dabei Ausdruck und Charakter zu opfern. Auch dem spröden Bauwerk selbst, 1965 nach Plänen von Andres Liesch im Stil des helvetischen Brutalismus errichtet, schlug plötzlich viel Liebe entgegen: Von einem «einzigartigen Beispiel Bündner Nachkriegsmoderne» und einem «meisterhaft komponierten Baukörper» war die Rede.
Wachen Blickes registrierte der Architekturinteressierte nun filigrane Betonstützen, rhythmisierte Fensterbänder und sorgfältig gestaltete Sichtbetonflächen – Qualitäten, die dank Horváths «interpretierender Originalsanierung » durchgängig erhalten blieben. Nötig gemacht hatten die Sanierung dabei nicht nur das schiere Alter des Bauwerks, sondern auch fällige Anpassungen in der inneren Organisation: Statt des Lehrerseminars beherbergte der kleine Betoncampus seit 2005 einen Teil der Bündner  Kantonsschule. Die aus allen Nähten platzende Bildungsinstitution hatte hier die musischen und gestalterischen Fächer untergebracht.
Die neu erwachte Zuneigung zum Zeitzeugen aus den Sechzigerjahren konnte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass dessen räumliche Umgebung wenig Grund zur Freude bot.  Anders als die alte Kantonsschule, die Mitte des 19. Jahrhunderts nach Plänen von Felix Wilhelm Kubly oben am Hang, in stolzer Nachbarschaft von Kathedrale und Schloss, erbaut und 1972 durch einen Neubau am selben Ort ersetzt wurde, sitzt das ehemalige Lehrerseminar gut dreissig Meter weiter unten am Fusse von Felswänden und Rebbergen.

Spektakulärer Blick auf einen Parkplatz

Süden und dem steilen Hang im Norden befanden sich hier ursprünglich eine kleine Fabrik, einzelne Wohnhäuser und Schuppen sowie das historische Freibad Sand. Ein Potpourri unterschiedlichster Bauten, Räume und Funktionen, zu deren Zusammenhalt das auf sich selbst bezogene Schulgebäude von Andres Liesch – so viel Kritik darf sein – nur wenig beitrug. Die Aufwertung des «Standorts Plessur» zu einem gleichwertigen Teil der Bündner Kantonsschule konnte sich deshalb nicht auf Bauvolumen und deren Inhalte beschränken, sie musste notwendigerweise auch den Aussenraum mit einbeziehen: Plätze und Freiflächen, Strassen und Wege, Sicht- und Raumbeziehungen. Dabei zeigt die langsame Transformation des Areals im Verlauf der letzten Jahre beispielhaft, wie aus einer städtebaulichen Restfläche langsam, aber sicher ein Ort von eigenem Charakter entstehen kann.
Den Anfang machte 1999 der neue Naturwissenschaftstrakt der Architekten Bearth & Deplazes, der präzis zwischen Lehrerseminar und ansteigenden Felshang gesetzt ist. Das schlanke Bauwerk trug bereits zu einer ersten Gliederung des Aussenraums bei, schuf enge und weite Situation, definierte ein Vorne und ein Hinten und fasste als dritte  Fassade den Garten des ehemaligen Lehrerseminars. Es folgte 2009 die viel beachtete neue Fussgängerverbindung zwischen Plessur und Halde, entworfen von den Architekten Esch Sintzel: eine mit schweren Stahlplatten eingehauste skulpturale Treppe inklusive Lift für Gehbehinderte, welche den oberen und den unteren Teil  der Kantonsschule miteinander verbindet – und ganz nebenher spektakuläre Ausblicke auf Stadt und Landschaft bietet. Aufnahmen vom frisch erstellten Bauwerk zeigen aber auch, wie sich die Situation unten in der Ebene noch vor zehn Jahren präsentierte: Der Raum zwischen Schulgebäude und Schwimmbad war nichts anderes als ein recht trostloser Autoparkplatz.

Ein Weg wandelt sich zum Treffpunkt

Als «gesamthaft unbefriedigend» hatte auch das Hochbauamt Graubünden damals die städtebauliche Situation im Wettbewerbsprogramm beschrieben, und tatsächlich bedurfte es neben der neuen Treppe noch weiterer baulicher und landschaftsarchitektonischer Interventionen, um auf der Plessur-Aue einen Raum entstehen zu lassen, der einer Schule würdig ist.
Dass der Freiraum, der sich zwischen ehemaligem Lehrerseminar und Schwimmbad aufspannt, heute nicht mehr als Rückseite des Schulgebäudes wahrgenommen wird, sondern zumindest in Ansätzen die Stimmung eines zentralen Platzraumes atmet, ist zu grossen Teilen das Verdienst der Landschaftsarchitekten von Hager Partner.
Die landschaftsarchitektonische Gestaltung des Areals ging dabei Hand in Hand mit dem Neubau für Mensa und Mediathek, der letztes Jahr vollendet wurde. Östlich neben den Zugang zur Treppe gesetzt und von dort mit einem geometrischen Knick dem Lauf der Hangkante folgend, stellt das vom St.Galler Andy Senn entworfene Bauwerk einen wichtigen Pol im Kräftefeld des Aussenraums dar. Es macht den Weg zwischen Plessurquai und Treppenaufgang von der blossen Wegerschliessung zum Treffund Kreuzungspunkt von Schülerinnen und Schülern. Die Landschaftsarchitektur unterstützt diese Lesart nach Kräften, insbesondere setzt die lang gezogene Sitzlandschaft im Zentrum ein klares Zeichen: Statt parkieren darf man nun verweilen. Vom Trinkbrunnen über den Velounterstand bis zum neuen Mühlrad, das an die historische Nutzung des Areals als Münzmühle erinnert, schaffen weitere Elemente charakteristische Orte innerhalb eines offen und informell gehaltenen Freiraumkonzepts.
Schon bei der Sanierung des ehemaligen Lehrerseminars vor sieben Jahren waren Hager Partner als Landschaftsarchitekten beigezogen worden. Damals entstanden die Themengärten, die sich zwischen Schultrakt und Sitzlandschaft erstrecken. Ein geometrisches Raster definiert hier gut vierzig rechteckige Beete, die thematisch  unterschiedlich bepflanzt werden. Zwischen Schmetterlingsgarten, Wildblumenwiese oder Moorbeet finden sich auch ein Biotop und zwei Aussenlernzimmer mit Tischen, Bänken und Sonnenschirmen. Und fast macht es den Anschein, als hätten die Themengärten die Strategie für das ganze Areal vorgedacht: wie aus dem Nebeneinander unterschiedlichster Teile über die Jahre ein reichhaltiges Ganzes wachsen kann.

 

Bilder: Benjamin Manser

Vor Ort

Neubau Marthaheim St. Gallen

Mo 3. Juni 2019, 17 Uhr vor Ort

Besichtigung mit Führung durch Peter Oestreich, Oestreich + Schmid Architekten, St. Gallen

Das Projekt des Architekturbüros Oestreich + Schmid GmbH, Architekten BSA/SIA, St. Gallen, ging 2014 als Sieger aus einem Projektwettbewerb der GHG Gemeinnützige- und Hilfs- Gesellschaft der Stadt St. Gallen hervor. Auf dem Areal des Josefshauses in der Kreuzackertrasse St. Gallen ensteht an neuer Stelle ein Neubau für das in die Jahre gekommene Marthaheim an der Davidhalde.
In insgesamt vier Bauetappen wird der Um- und Neubau vollzogen. In einer ersten Etappe wurde das bestehende Josefshaus aufgestockt, in einer zweiten Etappe wurde die historische Villa Jacob spektakulär um ca. 25m in Richtung Süden verschoben, in einer dritten Etappe entsteht das neue Marthaheim und in der abschliessenden vierten Etappe wird das Josefshaus saniert.
Die GHG setzt dabei auf die geronto-psychiatrische Pflege und Begleitung von alten Menschen und nutzt hier Synergien beider Betriebe. Im Neubau entstehen insgesamt 80 Zimmer, verteilt auf 2 Hausgemeinschaften.
Der Umzug des Marthaheims ist für 2020 geplant.
In den ersten drei Sockelgeschossen befinden sich Empfangsbereich, Esssaal und Cafeteria. In den vier darüber liegenden Geschossen sind die Wohnbereiche.

Adresse: Kreuzackerstrasse 6, 9000 St. Gallen
Treffpunkt: auf der Baustelle (bei Josefshaus Pflege- und Betagtenheim)

Es sind keine Parkplätze vorhanden. Es wird empfohlen mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen.

Anmeldung
mit vollständigen Angaben bis Mi 29. Mai 2019 an vor-ort@nulla-f-o.ch
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Bildnachweis: Oestreich + Schmid Architekten, St. Gallen

Lattich und Filetstück

Die Zwischennutzung auf dem St.Galler Güterbahnhof ist Experiment, gelebte Mitwirkung und Standortförderung. Der temporäre Lattich-Bau gibt den Aktivitäten ein Gesicht. Gleichwohl spielt Architektur eine Nebenrolle.

25.05.2019 von Christoph Wieser

Seit 2013 erscheinen in dieser Zeitung in loser Folge Beiträge zum Thema «Gutes Bauen Ostschweiz». Weshalb ist vom «Guten Bauen» und nicht von «Guter Architektur» die Rede, wenn doch mehrheitlich architektonisch hochstehende Beispiele gezeigt werden? Der Grund ist einfach: Bauen ist nicht gleich Architektur. Während mit «Bauen» das Errichten eines Gebäudes gemeint ist, bezeichnet Architektur Bauwerke, die über die reine Zweckerfüllung hinaus einen gestalterischen, konzeptionellen und  städtebaulichen Mehrwert aufweisen.
Der Nährboden für gute Architektur ist das Bewusstsein, dass die Baukultur einen wesentlichen Teil zum Selbstverständnis und damit zur Lebensqualität in einem Land beiträgt. Aus diesem Grund ist deren breite Förderung wichtig. Deshalb ist es begrüssenswert, dass Bundesrat Alain Berset 2018 die Baukultur zu einem Leitthema seines Präsidialjahres erklärt hatte. Seither arbeitet das Bundesamt für Kultur an einer verbindlichen Strategie zur Baukultur. Wie in dieser Artikelserie wird auch dort zu Recht der Begriff weit gefasst und reicht von der Vermittlung über die Bauproduktion bis zur Raumentwicklung.
Die Zwischennutzung «Lattich» auf dem Güterbahnhof-Areal in St.Gallen zeigt exemplarisch, wie Bauen auch die Pflege und den Aufbau von Gemeinschaft meint. Wie Menschen im Dialog miteinander, mit Behörden, Grundeigentümern und Investoren «von unten» eine Planung anschieben können, die Lebensfreude weckt und Kooperationen ermöglicht. Wie gelebte Baukultur aussehen kann, die nur zu einem Teil aus eigentlichem Bauen besteht.

Zwischennutzung als Standortförderung

In St.Gallen gibt es nur noch wenige grössere Entwicklungsgebiete. Das Filetstück dieser begehrten Flächen ist das Güterbahnhof-Areal. Seit 2016 ist es unter dem Namen Lattich bekannt. Die Bezeichnung ist Programm: Wie die Pionierpflanze Huflattich Brachen und Bahngleise erobert, so belebt das Lattich das Gebiet des stillgelegten  Güterbahnhofs auf sich stetig verändernde Weise. Seit April hat die zeitlich begrenzte Nutzung eine neue Dimension erreicht. Ein dreigeschossiger Holzmodulbau bietet den Mietenden Raum auf Zeit. Die Chance zur Etablierung einer vielfältigen Zwischennutzung ergab sich im Zusammenhang mit der übergeordneten Verkehrsplanung. Ein Tunnel soll von der A1 Richtung Appenzell führen. Im Bereich Güterbahnhof sind Ein- und Ausfahrten geplant. Deshalb ist in den nächsten Jahre keine definitive Nutzung möglich.
Rolf Geiger, Geschäftsleiter der Regio Appenzell AR-St.Gallen-Bodensee, erkannte das Potenzial. Zusammen mit Gabriela Falkner, Kulturmanagerin, sowie Marcus Gossolt und Philipp Lämmlin von der Alltag Agentur initiierte er das Projekt Lattich, das mit einer Sommernutzung eines Teils der Güterbahnhof- Halle begann. Als Startkapital diente dem Konsortium, das sich 2017 zu einem Verein formierte, das Preisgeld des Wettbewerbes zum 150-Jahr-Jubiläum der St.Galler Kantonalbank. Ein wildes Containerdorf sollte der Zwischennutzung ein Gesicht geben, was aus ökonomischen Gründen jedoch scheiterte. Stattdessen wurde ein temporäres Bauwerk für die Kreativwirtschaft anvisiert.
2018 fand Rolf Geiger mit der Blumer-Lehmann AG einen Investor, der mit anderen Partnern die private Trägerschaft des Lattich-Baus bildet. Parallel zur Planung wurden die Halle und der Freiraum weiter bespielt. Einzelne Container sowie die Hochbeete des Heks-Projektes Neue Gärten Ostschweiz sind sichtbarer Ausdruck der zahlreichen Aktivitäten, die auf dem Areal stattfinden.
Gabriela Falkner vom Verein Lattich verweist auf die Herausforderung, die das erfreuliche Wachstum der  Zwischennutzung mit sich bringt: Die Schnittstellen haben massiv zugenommen, der Koordinations- und Finanzaufwand ist deutlich gestiegen. So wurden etwa bauliche Massnahmen im Bereich Brandschutz und Sanitär nötig, damit die Halle weiterhin benutzt werden konnte.

Konzeptuell denken, einfach umsetzen

Diese notwendigen, aber kaum sichtbaren Investitionen, wozu auch die Kanalisation zählt, sind bei Zwischennutzungen und temporären Bauten ein wesentlicher Kostenfaktor, wie Pascal Angehrn des Baubüros insitu erklärt. Angehrn war Projektleiter des Lattich-Baus. Das Architekturbüro hat sich mit unkonventionellen Projekten, auch für  Zwischennutzungen, einen Namen gemacht. Soll möglichst günstig gebaut werden, braucht es Mut zu radikalen  Lösungen, zum Verzicht auf gewohnten Standard und die Setzung klarer Prioritäten. Die Architektur bleibt im Hintergrund, ermöglicht aber Vieles.
So ist beim Lattich-Bau die Erschliessung geräumiger als notwendig ausgeführt: Der Laubengang weist zur Förderung der Kommunikation Ausweitungen auf. Er ist aber wie die Treppe kostengünstig aus Elementen des Gerüstbaus zusammengesetzt; die Brüstungen sind mit Maschendraht bespannt.
Qualitativ hochwertig sind die Holzmodule. Ihre Lebensdauer ist deutlich länger als die zehn Jahre, für die das Baurecht gilt. Mit der Blumer-Lehmann AG konnte ein Spezialist des vorfabrizierten Modulbaus als Hauptpartner der Bauträgerschaft gewonnen werden, der die Teile später anderweitig verwenden wird. Zur Kostensenkung wurden die Module den Mietern im Rohbau überlassen. Es gehört zum Konzept, dass die Räume individuell angeeignet werden. Vielfalt ist das Ziel.
Die einheitliche Bekleidung des Gebäudes mit gelben Schalttafeln, die auf den temporären Charakter verweisen, bindet das Ganze gestalterisch zusammen. Zudem wurde auf dem Dach ein rätselhafter, leicht über die Fassade kippender Holzcontainer platziert, der dem einfachen Bau einen zeichenhaften Charakter geben soll. Nun beginnt eine neue Phase der Zwischennutzung. Erstmals spielt dabei Architektur eine Rolle: als Ausdruck eines Experimentes, einer Stadtentwicklung der anderen Art.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

LandschaftsarchitekTour

Uster – Am Aabach

Fr 24. Mai 2019, 13.30 Uhr – ca. 18 Uhr

Achtung: Die LandschaftsarchitekTour wurde aus organisatorischen Gründen von Samstag auf Freitag verschoben!

Mit der Vernetzung von öffentlichen und privaten Entwicklungsarealen entlang des ehemals industriell genutzten Ensembles am Aabach wurde Uster 2014 mit dem Schulthess Gartenpreis ausgezeichnet. Mit einem Spaziergang entlang des Aabaches treffen wir auf Landschaftsarchitektur, Wasserbau, Ökologie, Erholungsansprüche, Architektur und Kunst, welche hier auf vorbildliche Weise verknüpft worden sind. Die Siedlungsentwicklung mit Stadtpark und Zellwegerareal, aber auch die Umnutzung einer Industriebaute, der Arche Nova, stehen im Fokus und zeigen verschiedene Aspekte des Jahresthemas auf Zeit.

Anmeldung
mit vollständigen Angaben bis Fr 18. Mai 2019 an landschaftsarchitektour@nulla-f-o.ch
Eine Veranstaltung des Bundes Schweizer Landschaftsarchitekten und Landschaftsarchitektinnen BSLA und des Architektur Forums Ostschweiz

Mitglieder BSLA und Architektur Forum Ostschweiz gratis, Nichtmitglieder Fr. 30.–
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt

Treffpunkt 13.30 Uhr Bahnhof Uster

Einladungskarte Mai 2019

Auf Zeit – Stadtklima

Jürgen Baumüller, Stadtklimatologe Universität Stuttgart / Martin Berchtold, Stadtplaner TU Kaiserslautern / Christine Bräm, Leiterin Grün Stadt Zürich / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 6. Mai 2019, 19.30 Uhr im Forum

Städte haben ein zum Umland verändertes Klima. Die Städte sind wärmer, trockener, windstiller und schmutziger. Mehr als 50 % aller Menschen leben inzwischen in Städten. In Europa sind es über 80%. Durch veränderte Klimabedingungen in der Zukunft sind die Städte besonders betroffen. Die Gefahren liegen zum einen bei Hochwasserereignissen wie z.B. im Früh­jahr 2013 in Deutschland und Nachbarländern, zum zweiten aber auch bei Hitzewellen wie im Sommer 2003, 2015 und 2018 in Europa. Da heute schon im Sommer durch den Wärmeinseleffekt in großen Städten Gesund­heitsprobleme auftreten und diese sich in Zukunft  verstärken werden, ist es notwendig, neben Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgase, auch Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu ergreifen.

Jede Bebauung beeinflusst die einzelnen Klimaelemente. Große Baugebiete setzen sich in klimatischer Hinsicht deutlich von der sie umgebenden Landschaft ab. Die wesentlichen Ursachen, die zur Ausbildung eines eigenen Stadtklimas führen, liegen in der weit reichenden Veränderung des Wärmehaushaltes und des örtlichen Windfeldes. Hin­zu kommt eine starke Anreicherung der Stadtluft mit Schadstoffen aus den Quellen von Hausbrand, Verkehr, Industrie und Kraftwerken. Die Ausprägung eines ty­pischen Stadtklimas ist in erster Linie abhängig von der Stadtgröße, aber auch von der Geländeform, den Be­bauungsstrukturen  und dem Freiflächenanteil.

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Einladungskarte Mai 2019

Bildnachweis: Jürgen Baumüller

Der Garten ist des Kindergartens Kern

Hutter Nüesch Architekten übersetzen das Ideal des Kindergartens ins Heute. Ihre Bauten in St. Margrethen und Heerbrugg lassen Innen und Aussen in engen Austausch treten.

23.03.2019 von Marcel Bächtiger

Der Kindergarten ist eine Erfindung der Moderne. Was uns heute als selbstverständlicher Entwicklungsschritt im Heranwachsen eines Kindes vorkommt – der Eintritt ins öffentliche Schulsystem und damit verbunden die Erweiterung der Erfahrungswelt jenseits des elterlichen Zuhauses –, hat seine Ursprünge in den gesellschaftlichen  Umwälzungen des 19. Jahrhunderts. Die Industrialisierung hatte nicht nur die ländlichen Grossfamilien auseinandergerissen und in den schnell wachsenden Metropolen eine Arbeiterschicht erstehen lassen, welcher kaum Zeit zur Kinderbetreuung blieb. Sie förderte unter der besorgten Oberschicht auch eine imposante Zahl von Sozialutopisten und Philanthropen zu Tage, denen auf unterschiedlichste Art an der Volksgenesung gelegen war. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf den Kindern, die es vor der drohenden Verwahrlosung zu retten galt. Der Kindergarten – eine Wortschöpfung des deutschen Pädagogen Friedrich Fröbel von 1840 – versprach hier Abhilfe in zweifacher Hinsicht:  zeitlich, indem er die Betreuung von Kindern sicherstellte, deren Eltern allmorgendlich in den Fabriken verschwanden; räumlich, indem er Mädchen und Jungen aus  überbelegten Mietwohnungen und Kosthäusern einen Ort zur Verfügung stellte, der sie den Tag in einem altersgerechten Umfeld verbringen liess. Für Fröbel hatte der  Kindergarten im wörtlichen wie übertragenen Sinn ein Garten zu sein: ein geschützter Raum, wo die «edelsten Gewächse der Menschheit in Übereinstimmung mit sich, mit Gott und der Natur erzogen werden» sollten.

Der Pavillon – die ideale Lösung

In der Zwischenzeit ist die ausserfamiliäre Betreuung zum Standard geworden und beginnt häufig schon im frühen Kleinkindalter. Befreit vom Stigma der Armut erfreuen sich Kindertagesstätten gerade bei der gut ausgebildeten Mittelschicht grosser Beliebtheit. Der Kindergarten wiederum gehört seit bald dreissig Jahren zur obligatorischen Schulpflicht, das ergänzende Hort- oder Mittagstischangebot geht mancherorts bereits im Konzept des Tageskindergartens auf. Auch die pädagogischen Leitbilder haben sich gewandelt. Unbestritten aber blieb über alle Zeitenwenden hinweg der Wert des Aussenraums als natürliche Erweiterung des Innenraums. «In landschaftlicher Hinsicht kann das Schulareal nicht reizvoll genug sein», heisst es im Standardwerk «Das Neue Schulhaus» des Schweizer Architekten und Publizisten Alfred Roth aus dem Jahr 1957. Für den überzeugten Modernisten sprachen sowohl Hygiene wie Pädagogik für möglichst viel Licht, Luft und Sonne und die enge Verbundenheit von Bau und Natur. Bei Kindergärten, befand Roth, stelle der eingeschossige Pavillon deshalb «die ideale Lösung» dar.
Als gälte es, die Gültigkeit dieser Behauptung zu beweisen, stehen in der weiten Ebene des Rheintals zwei Kindergärten, die Roths ideale Lösung gleichsam idealtypisch ins  Heute übersetzen. Beide Bauten reihen drei Kindergarteneinheiten in einem eingeschossigen Bau aneinander, beide Bauten öffnen sich über eine gedeckte Veranda ganzseitig zum Garten, bei beiden stehen Innenund Aussenraum auf selbstverständliche Art miteinander in Bezug. Beide Bauten stammen schliesslich aus derselben Feder: Sowohl für den Kindergarten Fahr in St. Margrethen (2014) als auch für den Kindergarten Blattacker in Heerbrugg (2016) zeichnet das Bernecker Architekturbüro Hutter Nüesch  Architekten verantwortlich. Dominik Hutter und Thomas Nüesch haben sich die Aufträge mit zwei Wettbewerbssiegen gesichert. Der Aussenraum sei dabei von Anfang an ein zentrales Thema gewesen, sagt Nüesch: «Überspitzt formuliert, ist der Garten wichtiger als das Haus.» Zu Recht messen die Architekten dem Aufenthalt im Freien einen  grossen pädagogischen und auch gesellschaftlichen Wert bei, und zu Recht schliessen sie daraus, dass gerade eine öffentliche Institution wie der Kindergarten gerade auch in heutigen Zeiten das unkomplizierte Spielen in der Natur ermöglichen und fördern sollte.

Kindergerechte Architektur

Der Garten also ist auch hier des Kindergartens Kern, doch würde man den beiden Projekten von Hutter Nüesch Architekten nicht gerecht, liesse man das eigentlich Gebaute ausser Acht. Architektonisch mustergültig nämlich führen die beiden Pavillonbauten vor, wie aus der Klarheit der Konzeption, der Einfachheit der Mittel und dem überlegten Detail bauliche Eleganz entsteht. In St. Margrethen ist es ein filigraner Holzbau, in Heerbrugg eine kräftige Konstruktion aus Sichtbackstein und Sichtbeton, die in Form und Material den bestehenden Schulcampus fortschreibt. Verwandt sind die beiden Bauten nicht nur typologisch, sondern auch in der architektonischen Haltung, was nicht zuletzt die Frage betrifft, wie eine kindergerechte Umgebung auszusehen hat. Sollte ein Kindergarten einer Kinderzeichnung gleichen, mit bunten Farben und Formen? Die Bauten von Hutter Nüesch Architekten beantworten die Frage klar mit Nein – und demonstrieren stattdessen, was wirklich zählt: Zum Beispiel, dass die Kinder ihren Tag in einer  authentischen Umgebung verbringen, umgeben von natürlichen, robusten Materialien. Dass sie Raum erhalten, um sich entfalten zu können, dass dieser Raum offen und gleichzeitig klug unterteilt ist. Dass sich der Kindergarten mit grossen Fenstern zur Landschaft öffnet, der Innenraum aber dank niedriger Brüstungen seine Geborgenheit behält. Oder eben: Dass der Zugang nicht von der Strasse her erfolgt, sondern über den gemeinschaftlich genutzten Garten führt.
Fraglos profitieren Hutter und Nüeschs ideale Lösungen auch von idealen Situationen, namentlich von relativ kleinen Bauvolumen auf relativ grossen Parzellen. Die Realität vieler anstehender Projekte für Kindergärten und Tagesstätten sieht anders aus: Gerade in städtischen Situationen muss viel Raumprogramm auf wenig Fläche Platz finden. Die eingeschossige Bauweise frisst dann den Garten auf, um den es doch eigentlich gehen würde. Es braucht hier kluge architektonische Konzepte, die auch ein oberes Geschoss einfach und lustvoll mit dem Aussenraum verbinden. Die Abwägung nämlich ist klar: im Zweifel für den Garten.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Architektur im Film – Didi Contractor – Leben im Lehmhaus

Einführung durch Roger Boltshauser, Architekt, Zürich

Di 16. April 2019, 20 Uhr im Kinok

Architektin Didi Contractor arbeitet seit vielen Jahrzehnten an einem neuen Denkmodell der Architektur, welches Landschaft und Haus miteinander vereint. Mit dokumentarischen Mitteln und poetischer Sprache nähert sich der Film einer Künstlerin und Architektin. Die von ihr gestalteten Häuser und deren Bewohner, die natürlichen Materialien – Lehm, Bambus, Schiefer und Flusstein, sowie die Landschaft Nordindiens sensibilisieren uns für Ihre Vision und die globalen Fragen über den Umgang mit Mutter Erde.

Zum Trailer

Regie: Steffi Giaracuni, CH/D 2017, O/d-f, 81’

Weitere Vorführung: So 28. April 2019, 13.15 Uhr

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus Leuchten und Möbel AG
Inhaus AG
ZZ Wancor AG

Bildnachweis:  First Hand Films

stadtprojektionen III – Podiumsdiskussion über städtische Lichtphänomene

Anna Vetsch und Nina Keel, Künstlerinnen, St. Gallen / Edgar Heilig, Kunsthistoriker, St. Gallen / Bernadette Fülscher,  Architekturhistorikerin, Biel

Mo 8. April 2019, 19.30 Uhr im Forum

Anna Vetsch und Nina Keel diskutieren mit dem Kunsthistoriker Edgar Heilig, der das städtische Lichtkonzept 2008 mitgestaltet hat, sowie mit der Architekturhistorikerin Bernadette Fülscher, die sich mit Lichtinstallationen in verschiedenen Städten befasst hat.

Shishabars, schrille Festkleider, Babaganoush, Rosenwasser und pasteis de nata -wer in St. Gallen danach sucht, muss in die Lachen. Das multikulturelle Quartier nordwestlich des Bahnhofs ist- zusammen mit dem angrenzenden St. Otmar – der Austragungsort von ,stadtprojektionen 111′. stadtprojektionen‘ ist ein Projekt von Anna Vetsch und Nina  Keel. Es befasst sich mit der Wahrnehmung des Stadtraums und regt zu neuen Blicken auf verschiedene Stadtteile von St. Gallen an: Foto- und stumme Filmarbeiten  regionaler, nationaler und internationaler Kunstschaffender werden nachts auf Wände im öffentlichen Raum projiziert und führen so zu temporären visuellen Veränderungen im Stadtraum.

Zu sehen sind Arbeiten von:
Felix Bächli, Beni Bischof, Jake Elwes, Conradin Frei, Cecile Hummel, Simone Kappeler, Daniela Keiser, Jirf Makovec, Uriel Orlow, Laurence Rasti, Maya Rochat, Shirana Shahbazi, Hannah Weinbergerund ,Frauen auf Bäumen‘ (Sammlung Jochen Raiss)

VERNISSAGE
Do 18. April 2019, 19 Uhr
Restaurant Gampi, Gerbestrasse 5

RUNDGANG 1
Fr 19. April 2019, 20 Uhr
Treffpunkt vor Restaurant Gampi

RUNDGANG 2
So 21. April 2019, 20 Uhr
Treffpunkt bei Projektion Nr. 9

VORSCHAU
8.-21. April 2019, jeweils ab 18 Uhr, Kunst Halle Sankt Gallen,  Davidstrasse 40, von aussen sichtbar: Beni Bischof zeigt seinen Blick aufs Quartier Lachen

stadtprojektionen III

Einladung stadtprojektionen III

Bildnachweis: stadtprojektionen

Auf Zeit – Vergänglichkeit

Rita Schiess, Architektin, Pfister Schiess Tropeano Zürich / Mireille Blatter, Leiterin Bauberatung Denkmalpflege Zürich / Moderation Barbara Bleisch, Philosophin, Zürich

Mo 1. April 2019, 19.30 Uhr im Forum

Fotoausstellung Martin Benz, Kunstschaffender, Teufen
Geöffnet 1. April und 8. April 2019 während der Veranstaltungen.

Es gibt für einen Bauherrn zwei wichtige Gefühlszustände, wenn er sein Haus einer umfassenden Renovation unterzieht, in deren Verlauf die gesamte Haustechnik erneuert wird und einschneidende Umbauten erfolgen.
Der erste stellt sich kurz nach Baubeginn ein. Das Zerstören von Vertrautem erfolgt rasant. Dass aber die Zerstörungen gezielt und nicht zufällig sind, kann der Laie schwerlich erkennen, er muss sich auf die Richtigkeit des Zerstörens verlassen. Der Architekt wird zum Chirurgen, Haus und Bauherr sind wie paralysiert. Zweifel entstehen am irreversiblen Entscheid über die Transformation und diese Zweifel gilt es eine Zeit lang auszuhalten.
Sind die technischen Anlagen eingebaut und schliessen sich die offenen Wände und Decken allmählich, kommt der Moment der Wende und der Bauherr erfährt Entspannung. Mit zunehmendem Aufbau und neuen Raumerfahrungen verschwinden die Zweifel und die konstruktive Verwandlung der Physis beginnt sich positiv auszuwirken. Nun  vermengt sich das Neue mit der zunehmend verblassenden Erinnerung, die Unterschiede werden verschwommener und lösen sich mit dem Baufortschritt langsam auf.
Der Zustand des Hauses vor Baubeginn gerät in Vergessenheit, man weiss zwar, dass es anders war, aber nicht mehr genau, wie es wirklich war. So hinterlässt der Umbauprozess das sonderbare Gefühl, dass er nicht stattgefunden hat.

Martin Benz

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Einladungskarte April 2019

Bildnachweis: Martin Benz

Sommer Camp Architektur 2019

Entdeckungsreise Architektur

Sommerferien 2019
St. Gallen 9.–12. Juli 2019
Frauenfeld 9.–12. Juli 2019  (ausgebucht)
Rapperswil-Jona 6.–9. August 2019
jeweils 9–17 Uhr

Städte, Häuser und Strassen sind ein äusserst spannendes und wichtiges Thema für Kinder und Jugendliche. Als Erwachsene werden viele von ihnen Entscheidungen fällen, die das Bauen betreffen: Als Bauherren, als Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft oder als Wählerinnen und Wähler an der Urne. Und doch lernen sie in der Schule kaum etwas darüber.

Wie lernen also Kinder und Jugendliche das kennen, was sie täglich umgibt? Wie können sie wissen, wer an der Stadt baut, wie man Strassen und Plätze gestaltet und was ein Haus alles können muss? Wie kann man nachhaltig bauen und Energie einsparen?

Um auch Kinder und Jugendliche an diese Themen heranzuführen, haben wir eine Workshopreihe als Ferienkurs entwickelt: das Sommer Camp Architektur: Entdeckungsreise Architektur.

Was gibt es alles in einem unbekannten Quartier zu entdecken? Welche Geschichten erzählen uns Häuser? Wer baut eigentlich all die Gebäude, Strassen und Brücken?

Wir gehen zusammen auf Safari in der Stadt – wir treffen Architektinnen und Ingenieure und stellen ihnen Fragen – wir suchen Häuser, die zusammen passen und Details, die keiner sieht. Und wir bauen Modelle und untersuchen, wie Licht und Raum eine Stimmung erzeugen. Vier Tage lang gehen wir auf Entdeckungsreise und stellen am Ende unsere Entdeckungen aus.

Alter: Jahrgänge 2004–2009
Dauer: 4 Tage, Di–Fr, 9–17 Uhr
Kosten: Fr. 50.–, inkl. Verpflegung
Die Platzzahl ist begrenzt

Anmeldung an sommercamp@nulla-f-o.ch Die Anmeldung ist verbindlich. Weitere  Detailinformationen zu Treffpunkt,  Kursleitung etc. erhalten Sie mit der  Anmeldebestätigung ca. 4 Wochen vor  Kursbeginn.

Die Versicherung ist Sache des Teilnehmers

Bildnachweis: Daniel Ammann/SGKB

In Zusammenarbeit mit

 

Weitere Unterstützungen

   

Anmeldekarte Sommer Camp Architektur 2019

Reise zu den Appenzeller Bahnhöfen

Von der Digitalisierung des Bahnbetriebs ist auch die Baukultur betroffen. Ein Augenschein zwischen Walzenhausen und Wasserauen zeigt: Die architektonische Identität der Appenzeller Bahnen ist so vielfältig wie das Appenzellerland.

23.03.2019 von Marcel Bächtiger

Eine Reise zu den Bahnhöfen der Appenzeller Bahnen fördert Erstaunliches zu Tage. Beispielsweise die Erkenntnis, dass man auf ihrem Schienennetz gut und gerne einen Tag verbringen kann. Es faltet und windet sich die Landschaft, einmal blickt man über die weite Fläche des Bodensees, ein andermal schaut man dunklen Wänden entlang nach oben, wo die Wolken schwer zwischen den Bergen hängen. Das touristische Marketing hat schon Recht: Das Appenzellerland ist das Appenzellerland, aber überraschend  vielfältig. An diesem Tag bleibt einzig das Wetter gleich, es regnet und stürmt in beiden Halbkantonen, und so ganz ohne Touristen kann es geschehen, dass man plötzlich allein in einem der neuen Züge sitzt, die «Tango» oder «Walzer» heissen und in guten Momenten fast schwerelos durch die Hügellandschaft gleiten. Nein, die Zeit bleibt nicht stehen bei den Appenzeller Bahnen, und das ist gut so: Das Fahrmaterial muss regelmässig ersetzt und den Anforderungen der Zeit angepasst werden.
Gilt das auch für die Bahnhöfe? Die Frage sorgt gerade für Aufregung in Trogen: Gemeinde und Appenzeller Bahnen möchten das alte Bahnhofsgebäude abbrechen und einen Neubau erstellen, der Verein «Alter Bahnhof Trogen» hält dagegen und fordert Bewahrung und Umnutzung. Eigenwillig hockt hier ein dunkler Holzbau in reich geschnitztem Chaletstil auf einem hell verputzten Sockel, man denkt an Zeiten, als man noch «Fremdenverkehr» und «Fremdenbüro » sagte. Neben der Tür, die heute in ein düsteres Warteräumchen führt, hängt ein Schild, das von früher erzählt.

Als es noch Schalter gab

Es gab einen Billettschalter, eine Gepäckaufgabe, eine Toilettenanlage, heisse und kalte Getränke. Oben wohnte und wirkte der Bahnhofsvorstand, eine längst vergessene Spezies. Einen Kiosk gibt es auch heute noch, nur befindet er sich seltsamerweise in einem Metallhäuschen, das man an die Stirn des alten Bahnhofs angebaut hat. Daneben stehen bereits die Bauvisiere für den Neubau, mit dem der renommierte Vorarlberger Architekt Bernardo Bader beauftragt wurde. Sein aus einem Wettbewerb hervorgegangenes Projekt schlägt in loser Anlehnung an den historischen Bahnhof einen dunklen Holzbau vor. Trotzdem fürchtet die eine oder andere Trogenerin den Verlust von Geschichte und Ortsbezug und verweist auf den Nachbarort Speicher, wo das Bahnhofshäuschen schon 1997 einem Geschäftshaus Platz machen musste. Der Verlust von Baukultur liegt hier auf der Hand, andererseits begreift man in Speicher auch gleich, was den Appenzeller Bahnen in Trogen fehlt: Hinter einer blauen Aussenputzfassade, die man so auch in Dietikon antreffen könnte, empfängt einen ein grosszügiges Verkaufslokal mit Bäckerei, Metzgerei und Café, in den oberen Stockwerken gibt es Platz für eine  Bank, eine Treuhandfirma und die Polizei. Beim alten Bahnhof Trogen hingegen, sagen die Appenzeller Bahnen, bestehe keine Nutzernachfrage. Mit Nutzer sind dabei wohlgemerkt nicht die Passagiere der Appenzeller Bahnen gemeint, sondern Mieter.
Die Auseinandersetzung um den Bahnhof Trogen ist deshalb vor allem Ausdruck eines umfassenderen Phänomens: Was früher konkrete Orte und Räumlichkeiten brauchte, was über hundert Jahre den architektonischen Typus Bahnhof bestimmte, ist heute unsichtbar geworden: Es geschieht anderswo, effizient verwaltet von Rechnern, deren Standort wir nicht zu kennen brauchen. Für Billette und Fahrplanauskünfte sind keine Schalter mehr vonnöten, nur das Telefon in der Tasche. Was bleibt, ist eine architektonische Hülle, auf der «Urnäsch», «Bühler» oder eben «Trogen» steht. Ohne Mieter wird ihre Instandhaltung schnell zur finanziellen Belastung.

Im Zeitalter der Digitalisierung

Die architektonische Identität der Appenzeller Bahnen ist derweil so vielfältig wie das Appenzellerland. Das Bahnhofsgebäude Walzenhausen beispielsweise, das sich heute im Besitz einer eigens gegründeten AG befindet und verschiedenes lokales Gewerbe beherbergt, ist ein charakteristischer Kleinbau aus den 50er-Jahren. Vor einigen Jahren sorgsam saniert, ist er auch ein Beispiel dafür, wie ein kleiner Bahnhof lebendig gehalten werden kann – Engagement und Nachfrage vorausgesetzt. Den Bahnhof Heiden wiederum beheimatet ein schmuckes  Fachwerkhäuschen, das nicht zuletzt deshalb nostalgisch stimmt, weil es hier wie in Appenzell noch eine bediente Verkaufsstelle gibt.
Man fährt natürlich auch an vielen Haltestellen vorbei, die nüchtern betrachtet nur einen Unterstand und einen Billettautomaten benötigen und deren architektonischer Auftritt ausgesprochen divers ausfällt. Und dann gibt es die stattlichen  Bahnhofsbauten von Teufen, Appenzell, Gais und Waldstatt, die alle im selben Stil erbaut sind und mit den barock geschweiften Mansardgiebeldächern ein stolzes Bild der Appenzeller Bahnen in die Welt tragen.
Thomas Baumgartner, der Direktor der Appenzeller Bahnen, ist sich deren baukulturellen Werts wohl bewusst. Natürlich bleiben diese Bauten erhalten, sagt er. Auch darum, weil ihre Grösse und Substanz neue Nutzungen zulassen, fügt er an. Denn Baumgartner kann nicht nur wollen, er muss auch rechnen. Die Vielfalt des baukulturellen Erbes erlaubt viele Mittelwege zwischen denkmalpflegerischer Bewahrung und radikaler Neukonzeption. Die Herausforderung wird sein, dem spezifischen Fall genauso wie dem Gesamtbild, der ökonomischen Vernunft genauso wie der baukulturellen Verantwortung Rechnung zu tragen. Ja, das Gespenst der Digitalisierung geht um, auch im Bahnbereich, auch im Appenzellerland: Vertrautes entschwindet in digitalen Wolken, Unbekanntes umfasst uns ungefragt. In den neuen Zügen berieselt ein Bildschirm die Passagiere mit kryptisch verkürzten Nachrichten.
Am Abend fährt das Bähnchen durchs verregnete Schwendetal. In Wasserauen, wo die Haltestelle ins Hotel integriert, aber das Hotel vorläufig geschlossen ist, steigt niemand ein und niemand aus. «Drei Raumfahrer machten sich auf den Weg zur ISS», vermeldet dafür das Newsportal. «Sie werden voraussichtlich sechs Monate im All bleiben.»

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Auf Zeit – Dazwischen

Matthias Bürgin, Raumplaner, Basel / Hansueli Rechsteiner, Stadtbaumeister St. Gallen / Jasmin Kaufmann-Häne, Regionalentwicklung, St. Gallen / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 4. März 2019, 19.30 Uhr im Forum

Mittlerweile sind es nicht mehr nur Industrie-, Gewerbe-, Bahn- und Militärareale, die brachliegen, sondern auch Büros, Kirchen,  Schulhäuser und andere Gebäudetypen. Allein in der Schweiz gibt es rund 2000 kleine und grosse solcher Areale und Objekte. Bei der Revitalisierung solcher Objekte spielt Zwischennutzung eine wichtige Rolle und substituiert erfolgreich die klassische Tabula-rasa-Strategie.
Die Erfahrungen der letzten 20 Jahre zeigen, dass Zwischennutzung längst nicht mehr das Etikett von Unordnung, Hinterhofstimmung und schwieriger Mieterschaft trägt, sondern dass sie vielseitige gesellschaftliche und ökonomische Werte generieren kann. Dazu  gehören Belebung, Standortaufwertung, Adress- und Imagebildung, Pflegefunktion, zusätzliche Wertschöpfung, Testanlage und Inspiration für die Planung, Schaffen von Öffentlichkeit, Aufwertung der Nachbarschaft, Identitätsbildung, Nährboden für lokale Ökonomie und Start-ups, Förderung des kulturellen Lebens u.v.a.m.
Matthias Bürgin ist Geograf ETH und Raumplaner, halb freiberuflich, halb an der Hochschule Luzern. Er kennt Zwischennutzung seit 25 Jahren aktiv als Journalist, Mieter, Verwalter, Projektinitiant, Forscher und Berater. Er ist Autor des ursprünglich vom Bund herausgegebenen Leitfadens Zwischennutzung  (www.zwischennutzung.ch) und bearbeitet das Thema aktuell auch für www.densipedia.ch, die Plattform für Innenentwicklung von EspaceSuisse.

Büro Metis

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Einladungskarte März 2019

Bildnachweis: Matthias Bürgin, metis, büro für praktische klugheit

Verdichtung am richtigen Ort

Frauenfeld macht es vor: Die Wohn- und Geschäftsüberbauung Hauptpost von Staufer Hasler Architekten zeigt, wie qualitativ hochstehende Verdichtung an innerstädtischer Lage funktioniert.

02.03.2019 von Christoph Wieser

Voraussetzung für eine erfolgreiche bauliche Verdichtung ist ein kluger Städtebau. Dieser gewichtet Gebäude und Freiräume gleichermassen. Denn je knapper die Abstände und je höher die Baukörper, desto bedeutsamer werden die Zwischenräume und die Art, wie die Gebäude zueinander in Beziehung stehen. Damit ist nicht nur ihre volumetrische Ausbildung gemeint, sondern auch, wo die Eingänge liegen, die Fenster platziert und wie öffentliche und private Bereiche aufeinander abgestimmt sind. Des Weiteren ist die Gestaltung des Aussenraums bis zu den Bodenbelägen von grosser Bedeutung.
Im Fall der Wohn- und Geschäftsüberbauung Hauptpost in Frauenfeld kommt eine weitere Komponente hinzu: der Umgang mit dem Terrain. Weil die Strasse auf der Zugangsseite abschüssig verläuft und der Höhenunterschied zum rückwärtigen Teil zwei Geschosse beträgt, stellte die Ausbildung des Sockels eine Herausforderung dar. Staufer Hasler Architekten gestalten den Übergang zwischen Gebäude und Stadt als räumlich ansprechende, funktional komplexe Schnittstelle. Bindeglied ist eine Arkade mit hellem Terrazzobelag, die Öffentlichkeit symbolisiert und der Poststelle, dem Geschäft sowie den  Wohnungszugängen und der Treppe zum Hof als gedeckte Vorzone dient. Gleichzeitig befindet sich hier eine Bushaltestelle.
Beim angrenzenden alten Postgebäudevon 1898 ist der Sockel in Form einer massiven, bossierten Mauer ebenfalls wichtiges Thema und geht vis-à-vis vom Schloss in eine halbrunde, platanenbestandene Terrasse über. Diese wird vom frisch eingemieteten Restaurant als Gastgarten benutzt und bildet eine räumliche Klammer zum neu erstellten Aussenplatz an der nordwestlichen Stirnseite des Neubaus, der die Fläche zum angrenzenden Gebäude einnimmt. Ebenfalls mit Terrazzo-Platten belegt, kann der Zwischenraum vom Café im Rhyhof bespielt werden.

Altstadtring nach Wiener Vorbild

Eine grosse Qualität der neuen Überbauung, die mit der Sanierung und Umwidmung der alten Hauptpost als Gesamteingriff geplant wurde, besteht in der sorgfältigen Stadtanalyse und den daraus abgeleiteten Massnahmen. Wie an vielen Orten, wurde auch in Frauenfeld im 19. Jahrhundert nach Wiener Vorbild die Altstadt mit einem Ring stattlicher Einzelbauten und breiteren Strassen umgeben. Zusammen mit dem Schloss und dem Rathaus entstand eine Abfolge, zu der auch das Postgebäude gehört. Mit seiner markanten Kuppel bildet es den Auftakt der Rheinstrasse. Diese alte Verbindung nach Kurzdorf wurde 1848 begradigt und dammartig aufgeschüttet. Auf der stadtabgewandten Seite, wo das Terrain zur Murg abfällt, kamen mit der Kantonalbank und dem Rhyhof weitere Kuben hinzu, die den Strassenraum fassen und damit die Geländekante räumlich festigen. Spätere Erweiterungen des Rhyhofs und der Post lagerten sich im rückwärtigen Bereich an.
2009 gewannen Staufer Hasler einen Wettbewerb, bei dem die Posterweiterung durch einen Büroneubau ersetzt werden sollte. Das Projekt wurde bis zum Gestaltungsplan weiterentwickelt, ruhte dann ein paar Jahre und bildet nun die Basis der heutigen Lösung. Indem die Architekten den Altbau wieder freistellten, den betroffenen Fassadenabschnitt rekonstruierten und den Neubau als Zförmiges Volumen an der Rheinstrasse verankerten, tragen sie der ortsbaulichen Geschichte Rechnung. Gleichzeitig entstand eine räumliche Verdichtung, weil der neue Gebäudekörper eine grössere Höhe aufweist. Leider wird im rückwärtigen Teil das kantige Volumen durch die Attika etwas aufgelöst, ist aber über die zweigeschossige Ausbildung und Betonung der Vertikalen in das Gliederungssystem der Fassade eingebunden.

Atelierartig grosse Wohnräume

Bei erneuter Planungsaufnahme hatte sich die Situation verändert: Die Auftraggeber wünschten sich nun mehrheitlich Wohnungen. Die vom Gestaltungsplan vorgegebene Volumetrie war jedoch auf Büros zugeschnitten, so dass unkonventionelle Lösungen gefragt waren, insbesondere im vorderen Bereich entlang der lärmigen Strasse. Das Resultat sind teils hallen- oder atelierartig grosse Wohnräume, die von den unüblichen Geschosshöhen profitieren und mit einem Unterzug gegliedert sind.
Kernelement jeder Wohnung ist eine Abfolge von Küche, Wintergarten und kleinem Balkon, die den Wohnbereich erweitert. Der Wintergarten, der zum Balkon vollständig geöffnet werden kann, erzeugt mit ihm zusammen einen geräumigen, aber intimen Aussenbereich an diesem dicht bebauten, innerstädtischen Ort. Umgekehrt sind die mehrheitlich korridorlosen Grundrisse so angelegt, dass die  Fensterflächen über Zwischentüren möglichst zusammenhängend und damit grosszügig erfahren werden. Denn – das ist das Positive der engen Nachbarschaft – die Ausblicke sind überraschend vielfältig, oft wie ein Schaufenster zur Stadt oder gehen im hinteren Gebäudeflügel ins gewerblich geprägte Bleicheareal.

Zweifarbiger, warmtoniger Betonboden

Zur Wohnlichkeit trägt die sorgfältige Materialisierung bei. Die lasierten Holzfenster sind mit einem zweifarbigen, warmtonigen Betonboden kombiniert, der in den halböffentlichen Zugangsbereichen geschliffen ist. Ebenso robust und hochwertig ist der Gebäudeteil zur Stadt in gestocktem Sichtbeton ausgeführt, dessen gelbliche Farbe vom Zuschlag aus Kalkstein herrührt und die Farbstimmung vor Ort aufnimmt. Rückwärtig kam eine glatt verputzte Aussendämmung zum Einsatz. Zur vertikalen Gliederung der Fassaden sind zwischen den Fenstern zweigeschossige Streifen in einem etwas dunkleren Ton und mit rauerem Korn angeordnet. Ebenso wurde strassenseitig um die Fenster ein schmaler Bereich glatt belassen, so dass auch hier eine feine, geschossübergreifende Massstäblichkeit entsteht.
Der neue Stadtbaustein gibt der Rheinstrasse mit seiner Farbgebung, den stehenden Fensterformaten, der Arkade und den Terrazzoböden einen südländischen Akzent und der innerstädtischen Verdichtung ein qualitätsvolles Gesicht.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Das Architektur Forum macht Sommerpause und wünscht allen eine gute Zeit!

Im September geht es weiter mit unserem Programm. Demnächst mehr…

Architektur im Film – City for Sale

Einführung durch Andreas Wilcke, Filmemacher, Berlin

Di 19. März 2019, 20 Uhr im Kinok

Berlin gilt als neuer «Hot Spot» der westlichen Welt. Sogar aus den Megametropolen London und New York zieht es die Menschen an die Spree. Das Problem ist, dass immer mehr Menschen hier leben wollen, zumal Wohnungen im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen in Berlin (noch) unschlagbar günstig sind. Die Konsequenz daraus: ehemals staatliche Immobilien und Wohnungen werden privatisiert; Mietwohnungen werden zu Eigentumswohnungen, die sich nur die Reichen leisten können. Doch bevor die Immobilien veräussert werden können, müssen erst einmal die Mieter raus. Ein in den letzten Jahren stetig zunehmender Kreislauf kommt in Gang. Der Kampf um den attraktivsten Wohnungsmarkt Europas geht weiter. Die Dokumentation «City for Sale («Die Stadt als Beute») ist ein Langzeitprojekt von Regisseur Andreas Wilcke. Rund vier Jahre lang begleitete er alle beteiligten Akteure bei ihrem Bewerben, Bieten und Buhlen um den begehrten Wohnraum: Makler, Kaufinteressenten, Investoren, Mieter und Eigentümer. Er begab sich in die verschiedenen Bezirke der Stadt, um den Wandel auf dem Berliner Immobilienmarkt mit der Kamera einzufangen und präsentiert die jüngsten Entwicklungen sachlich und objektiv, zumeist nur als stiller Beobachter. Einen grossen Reiz des Films machen die unverstellten, persönlichen Gespräche und Abläufe von Besichtigungen und Unterredungen aus. Es ist ein intimer Blick hinter die Kulissen des heiss umkämpften Marktes, in dem schnell klar wird: Geld spielt für die Interessenten keine Rolle – zum Leidwesen der langjährigen Mieter und sozial schwachen Bewohner, denen nicht mehr viel bleibt, als sich langfristig an die Ränder der Stadt drängen zu lassen. Dies wird in einer Szene deutlich, die einen Kaufinteressenten an einer Immobilienmesse zeigt. Dieser geht von Stand zu Stand, benennt klar seine Wünsche («Altbau oder Loft») und äussert im Vorbeigehen ganz beiläufig: «Geld spielt keine Rolle.» «City for Sale» feierte 2016 am Filmfestival Max Ophüls Preis seine Premiere und ist aktueller denn je.

Zum Trailer

Regie: Andreas Wilcke, DE 2017, deutsch, 83’

Weitere Vorführung: So 31. März 11 Uhr

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72 oder auf Kinok

Veranstaltungssponsor:
Domus Leuchten und Möbel AG
Inhaus AG
ZZ Wancor AG

Einladungskarte März 2019

Bildnachweis: wilckefilms

Architektur im Film – Architektur der Unendlichkeit

Einführung durch Christoph Schaub, Filmemacher, Zürich

Di 5. Februar 2019, 20 Uhr im Kinok

Es gibt Räume, die ein Gefühl von Transzendenz auslösen. Schaub will dieses Gefühl erforschen und führt durch die Jahrhunderte abendländischer sakraler Bauwerke, zu Architekturkünstlern am Schnittpunkt zwischen Natur und Licht, Proportion und Mass und immer auch zum Menschen und seinem Verhältnis zur Natur, zur Existenz, zur Transzendenz. Eine persönliche Reise durch die Zeit, hin zur eigenen (Un-)Endlichkeit.

Zum Trailer

Regie: Christoph Schaub
CH 2018, deutsch, 91’

Weitere Vorführungen im Februar 2019
siehe www.kinok.ch

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus Leuchten und Möbel AG
Inhaus AG
ZZ Wancor AG

Einladungsarte Februar 2019

Bildnachweis: Pressecenter cineworx

Auf Zeit – Gedanken

Marc Wittmann, Zeitpsychologe, Freiburg im Breisgau / Christoph Schläppi,  Architekturhistoriker, Bern / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 4. Februar 2019, 19.30 Uhr im Forum

Zeit im Raum: Wie Architektur auf das Zeitgefühl wirkt.
Das Phänomen der Veränderlichkeit der subjektiven Zeit ist eng an unsere  momentane Befindlichkeit und Aufmerksamkeit gekoppelt. Jüngste  Forschungsarbeiten aus Psychologie und Hirnforschung zeigen, wie eng Zeiterleben und Körpererleben zusammenhängen. Das Körpererleben, als Basis unseres  Selbstbefindens, erschafft das unmittelbare Zeiterleben im jeweiligen Moment. Aus dem Verständnis um Ich-gefühl und Körpererleben lässt sich ableiten, wie subjektive Zeit entsteht. Auch das unmittelbare Raumerleben wirkt über das  Icherleben auf das Zeitgefühl. Der gefühlte Raum, unser Befinden und die Zeit  wirken in wechselseitiger Verschränkung.

Eintritt 10.– / Mitglieder AFO gratis

Einladungsarte Februar 2019

Bildnachweis: Marc Wittmann

Sinnstiftende Irritationen

Wenn uns Bauten Rätsel aufgeben, ist meist die Kunst im Spiel. Warum das gut ist, zeigt eine kleine Rundschau aktueller Kunst-am-Bau-Projekte.

02.02.2019 von Marcel Bächtiger

Neulich kam die Kunst dem Bau in die Quere: Norbert Möslangs blau blinkende Installation  «Patterns» am Bahnhof St.Gallen, besser bekannt als binäre Uhr, besetzte mit der Stirnseite des  neuen Glaskubus just jenen Ort, der für eine grosse Anzeigetafel mit dem aktuellen Busfahrplan vorgesehen war. Man montierte die Anzeigetafel schräg unterhalb der letzten Zeile von Möslangs leuchtenden Symbolen, es schmerzte in den Augen. Man liess sich eines Besseren belehren,  demontierte die Tafel wieder und hängte sie an die seitliche Fassade des Glaskubus. Ein Sieg für die Kunst? Vordergründig ja, jedoch muss man gleich anfügen, dass mit einer besseren  Abstimmung zwischen Auftraggebern, Planern und Künstler der Konflikt von vornherein vermeidbar gewesen wäre. Auch gereichte die Geschichte dem Kunstwerk nicht zum Vorteil, fand sich die binäre Uhr doch plötzlich in einer unmöglichen Interessenabwägung wieder: Ist die Information über die nächsten Abfahrtszeiten für den Reisenden nicht sinnvoller und nützlicher als eine Uhr, die zu allem Unbill niemand lesen kann? Das mag durchaus sein, nur würde unter dem Banner der blossen Nützlichkeit unsere Welt schnell zu gespenstischer Einfachheit gerinnen.

Aufforderung zur Auseinandersetzung

Die «Uhr, die nur Ärger bringt» (so ein St.Galler Parlamentarier) ist ein typisches Beispiel für die Schwierigkeiten, mit denen sich zeitgenössische Kunst am Bau immer wieder konfrontiert sieht: Die Frage nach den Kosten steht schnell im Raum, die nach der Notwendigkeit ebenfalls. Dabei gehört die Nutzlosigkeit zum Wesen der Kunst, meint allerdings nur den Nutzen in seiner banalsten Form. Indem ein Kunstwerk Sinn und Geist der Betrachter stimuliert, indem es Gewissheiten in Frage stellt und neue Perspektiven eröffnet, erfüllt es fraglos einen zivilisatorischen Zweck. Im öffentlichen Raum kommt dies besonders zur Geltung: Die  Aufforderung zur Auseinandersetzung mit dem Ungewohnten richtet sich hier nicht an den  einzelnen Sammler oder die Kunstliebhaberin im Museum, sondern sie adressiert ungefragt die Allgemeinheit. Dass ein Kunstam-Bau-Projekt nicht nur Wohlgefallen, sondern auch Irritation hervorruft, ist deshalb nicht nur nachvollziehbar, sondern in gewissem Mass auch wünschenswert. Möslangs Uhr ist eben nur zur Nebensache eine Uhr, sie ist zunächst und vor allem ein Kunstwerk, das uns alle möglichen Rätsel aufgeben darf, darunter auch jenes nach der unablässig fortschreitenden Zeit.
Auf jeden Fall ist gute Kunst am Bau mehr als blosse Dekoration der Architektur. Tatsächlich überschreitet sie immer häufiger die Grenze zur Konzept- und Aktionskunst. Ebenfalls eine Uhr entsteht derzeit beispielsweise in Klosters, wo das Künstlerduo Remo Albert  Alig und Marionna Fontana den Studienauftrag für ein Kunst-am-Bau-Projekt des neuen Schulhauses gewonnen haben. Auch bei ihrem Werk stehen Zeit, Dauer und Wandel als Themen  im Zentrum, aber anders als bei Möslang weist die Technik nicht in die digitale Zukunft, sondern zurück auf die vielleicht ursprünglichste Erfahrung von Zeit und Raum. Im Boden des  Pausenplatzes wird eine Sonnenuhr eingelassen, welche die Zeit anzeigt, sobald eine Schülerin in der Mitte steht und ihren Schatten auf das Zifferblatt wirft. Der unmittelbaren sinnlichen Erfahrung von Licht und Schatten steht hier die Flüchtigkeit eines Kunstwerks gegenüber, welches unter Mitwirkung des Publikums entsteht und mit seiner Absenz in den Ruhezustand zurückkehrt.

Auswüchse der Fantasie

Das Werk steht in einer langen Tradition von Schulhauskunst: Schon früh schmückten  Wandbilder die Lehranstalten der Schweiz, die Moderne brachte abstrakte Farben und Formen, später folgten frei geformte Brunnen oder farbige Spielskulpturen auf dem Pausenplatz. Für den Einbezug zeitgenössischer Kunst als beispielhaft gelten darf die Bündner Kantonsschule in Chur, bei deren Sanierung und Erweiterung die Kunst schon früh mitgedacht wurde: Das Hochbauamt schrieb für die verschiedenen Häuser und Neubauten nicht nur Architektur-, sondern auch Kunstwettbewerbe aus, was sich in der weitläufigen Schulanlage spürbar niederschlägt. So winden sich nun in der kürzlich eröffneten neuen Mensa und Mediothek merkwürdige Treppen ums Eck, Leitern hängen von der Decke und Türen führen ins Nirgendwo. Auf den Beton gemalt hat sie mit eigenwilligem Strich die Künstlerin Zilla Leutenegger: perspektivische Illusionen, die den eleganten Bau des Architekten Andy Senn gleichzeitig konterkarieren und in seiner schlichten Ästhetik stimmig ergänzen, rätselhafte Ausstrahlungen der Fantasie auch, welche die Gedanken des einen oder anderen Gymnasiasten in unbekannte Gefilde führen.
Das Bemalen von Wänden, bei Zilla Leutenegger in fast schon naiver Manier vorgeführt, ist  gleichzeitig ein Ur-Moment von Kunst am Bau. Bedürfte es dafür eines  anschaulichen Beweises, so fände man ihn im Wirtshaus zur Krone in Hundwil, wo wir auf das Werk «Triade » von Vera Marke stossen. Das wandfüllende Fresko offenbart seinen Sinn nämlich erst im Zusammenspiel mit der historischen «Blauen Stube» im Obergeschoss, wo der Gast vollends von bemalten Wänden und Decken umfasst wird und neben vielem anderen auch die Marmorimitationen bestaunen kann, die wiederum vom zeitgenössischen Fresko im unteren Stock imitiert werden. Von praktischem Nutzen ist hier wenig, anregend vieles. Und lehrreich dazu: eine Recherche des Historikers Thomas Fuchs über die Bilder aus ferner Vergangenheit gehört mit zum Werk.
Die Arbeit von Vera Marke wurde mit dem letzten «Prix Visarte» ausgezeichnet, dem Preis des Künstlerverbands für herausragende Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum. Visarte-Präsident Josef Felix Müller, ein unermüdlicher Kämpfer für die Wertschätzung, die Vermittlung und das Verständnis von Kunst am Bau, verweist in diesem Zusammenhang gerne auf die Datenbank mit sämtlichen eingereichten Projekten, die auf der Website des «Prix Visarte» einsehbar ist. Auch das ist eine Aufforderung zur Auseinandersetzung: Es gäbe noch manches zu entdecken.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Städtische Ausstellung im Forum

Salome Schmucki

Ausstellung: Fr 7. Juni bis So 30. Juni 2019
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Donnerstag, 6. Juni 2019, 18.30 Uhr
Einführung: Kristin Schmidt

Prix Lignum 2018 – Erfolge mit Holz

Jürg Stieger, Forrer Stieger Architekten, St. Gallen / Patrik Jaeger, Jaeger Koechlin Architekten, Basel / Christoph Giger, Giger Nett Architekten, Zürich / Mélanie Eppenberger, Toggenburg Bergbahnen AG, Unterwasser

Mo 21. Januar 2019, 19 Uhr im Forum

Alle drei Jahre und bereits zum vierten Mal zeichnet der Prix Lignum den innovativen, hochwertigen und zukunftsweisenden Einsatz von Holz in Bauwerken, im Innenausbau, bei Möbeln und künstlerischen Arbeiten mit Holz aus.
Unter 15 Rängen aus fünf Grossregionen vergibt die Jury drei nationale Preise: Gold, Silber und Bronze. Die Ostschweiz belegt 2018 mit der Bergstation Chäserrugg national den ersten Platz. Der Spitzenplatz in der Region Ost geht an die Wohnhausaufstockung in St. Gallen.
Das Architektur Forum Ostschweiz lädt in Zusammenarbeit mit der Lignum Holzkette St. Gallen und der Lignum Ost zu zwei Anlässen über Erfolgsobjekte des Prix Lignum 2018 ein. Insgesamt werden sieben Objekte aus den Kantonen TG, SG, AR aus ganz verschiedenen Sparten von den verantwortlichen Architekten oder Bauherrschaften persönlich vorgestellt.
Während des anschliessenden Apéros können bilaterale Gespräche geführt werden.

«Struktureller Holzbau im urbanen Raum» / Aufstockung Wohnhaus Röschstrasse St. Gallen / Jürg Stieger, Forrer Stieger Architekten, St. Gallen

«Holz im öffentlichen Bau» / Wildenstein III, Schulhausanlage Rorschacherberg / Patrik Jaeger, Jaeger Koechlin Architekten, Basel

«Struktur als Sprache» / Haus am Hang, Urnäsch / Christoph Giger, Giger Nett Architekten, Zürich

«Holzbau als Publikumsmagnet» / Bergstation Chäserrugg / Mélanie Eppenberger, Toggenburg Bergbahnen AG, Unterwasser

Anmeldungen bis Fr 11. Januar 2019 an info@nulla-f-o.ch. Teilnehmerzahl beschränkt.

Eintritt frei

Die Ausstellung zum Prix Lignum 2018 im Forum dauert von Mo 21. Januar 2019 bis Sa 26. Januar 2019 und ist täglich von 8 – 18 Uhr geöffnet.

In Zusammenarbeit mit der Lignum Holzkette St. Gallen und Lignum Ost

Prix Lignum

Einladungskarte Januar

Bildnachweis: Corinne Cuendet, Clarens | LIGNUM

Prix Lignum 2018 – Erfolge mit Holz

Marcel Jaeger, Jaeger Maffeo Architekten GmbH, Winkel / Serdar Eyiz,
Adank & Partner AG, Amriswil / Stefan Keller, Forma Architekten AG, St. Gallen

Mi 16. Januar 2019, 12 – 13.30 Uhr «VIVA», Evang. Kirchgemeinde, Rheinstrasse 46, Frauenfeld

Alle drei Jahre und bereits zum vierten Mal zeichnet der Prix Lignum den innovativen, hochwertigen und zukunftsweisenden Einsatz von Holz in Bauwerken, im Innenausbau, bei Möbeln und künstlerischen Arbeiten mit Holz aus.
Unter 15 Rängen aus fünf Grossregionen vergibt die Jury drei nationale Preise: Gold, Silber und Bronze. Die Ostschweiz belegt 2018 mit der Bergstation Chäserrugg national den ersten Platz. Der Spitzenplatz in der Region Ost geht an die Wohnhausaufstockung in St. Gallen.
Das Architektur Forum Ostschweiz lädt in Zusammenarbeit mit der Lignum Holzkette St. Gallen und der Lignum Ost zu zwei Anlässen über Erfolgsobjekte des Prix Lignum 2018 ein. Insgesamt werden sieben Objekte aus den Kantonen TG, SG, AR aus ganz verschiedenen Sparten von den verantwortlichen Architekten oder Bauherrschaften persönlich vorgestellt.
Während des anschliessenden Imbisses können bilaterale Gespräche geführt werden.

«VIVA» / Neubau Kirchgemeindehaus Frauenfeld / Marcel Jaeger, Jaeger Maffeo Architekten GmbH, Winkel

«UNUS» Kreuzlingen / Wohnüberbauung mit 60 Studiowohnungen / Serdar Eyiz, Adank & Partner AG, Amriswil

Neubau Haustechnik Eugster AG Arbon / Stefan Keller, Forma Architekten AG, St. Gallen

Anmeldungen bis Fr 11. Januar 2019 an info@nulla-f-o.ch. Teilnehmerzahl beschränkt.

Eintritt frei

In Zusammenarbeit mit der Lignum Holzkette St. Gallen und Lignum Ost

Prix Lignum

Einladungskarte Januar

Bildnachweis: Naumann Fotografie, Schönaich

Architektur im Film

Didi Contractor – Leben im Lehmhaus

So 28. April 2019, 13.15 Uhr im Kinok

Architektin Didi Contractor arbeitet seit vielen Jahrzehnten an einem neuen Denkmodell der Architektur, welches Landschaft und Haus miteinander vereint. Mit dokumentarischen Mitteln und poetischer Sprache nähert sich der Film einer Künstlerin und Architektin. Die von ihr gestalteten Häuser und deren Bewohner, die natürlichen Materialien – Lehm, Bambus, Schiefer und Flusstein, sowie die Landschaft Nordindiens sensibilisieren uns für Ihre Vision und die globalen Fragen über den Umgang mit Mutter Erde.

Zum Trailer

Regie: Steffi Giaracuni, CH/D 2017, O/d-f, 81’

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus Leuchten und Möbel AG
Inhaus AG
ZZ Wancor AG

Bildnachweis:  First Hand Films

Architektur im Film

City for Sale

So 31. März 2019, 11 Uhr im Kinok

Berlin gilt als neuer «Hot Spot» der westlichen Welt. Sogar aus den Megametropolen London und New York zieht es die Menschen an die Spree. Das Problem ist, dass immer mehr Menschen hier leben wollen, zumal Wohnungen im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen in Berlin (noch) unschlagbar günstig sind. Die Konsequenz daraus: ehemals staatliche Immobilien und Wohnungen werden privatisiert; Mietwohnungen werden zu Eigentumswohnungen, die sich nur die Reichen leisten können. Doch bevor die Immobilien veräussert werden können, müssen erst einmal die Mieter raus. Ein in den letzten Jahren stetig zunehmender Kreislauf kommt in Gang. Der Kampf um den attraktivsten Wohnungsmarkt Europas geht weiter. Die Dokumentation «City for Sale («Die Stadt als Beute») ist ein Langzeitprojekt von Regisseur Andreas Wilcke. Rund vier Jahre lang begleitete er alle beteiligten Akteure bei ihrem Bewerben, Bieten und Buhlen um den begehrten Wohnraum: Makler, Kaufinteressenten, Investoren, Mieter und Eigentümer. Er begab sich in die verschiedenen Bezirke der Stadt, um den Wandel auf dem Berliner Immobilienmarkt mit der Kamera einzufangen und präsentiert die jüngsten Entwicklungen sachlich und objektiv, zumeist nur als stiller Beobachter. Einen grossen Reiz des Films machen die unverstellten, persönlichen Gespräche und Abläufe von Besichtigungen und Unterredungen aus. Es ist ein intimer Blick hinter die Kulissen des heiss umkämpften Marktes, in dem schnell klar wird: Geld spielt für die Interessenten keine Rolle – zum Leidwesen der langjährigen Mieter und sozial schwachen Bewohner, denen nicht mehr viel bleibt, als sich langfristig an die Ränder der Stadt drängen zu lassen. Dies wird in einer Szene deutlich, die einen Kaufinteressenten an einer Immobilienmesse zeigt. Dieser geht von Stand zu Stand, benennt klar seine Wünsche («Altbau oder Loft») und äussert im Vorbeigehen ganz beiläufig: «Geld spielt keine Rolle.» «City for Sale» feierte 2016 am Filmfestival Max Ophüls Preis seine Premiere und ist aktueller denn je.

Zum Trailer

Regie: Andreas Wilcke, DE 2017, deutsch, 83’

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72 oder auf Kinok

Veranstaltungssponsor:
Domus Leuchten und Möbel AG
Inhaus AG
ZZ Wancor AG

Einladungskarte März 2019

Bildnachweis: wilckefilms

Architektur im Film

Architektur der Unendlichkeit

So 24. März 2019, 11 Uhr im Kinok

Der Filmregisseur Christoph Schaub (*1958) war schon als Kind von Kirchenbauten fasziniert. So setzt er in seiner persönlichen Reise durch Raum und Zeit bei seiner Kindheit an. Gemeinsam mit den Architekten Peter Zumthor, Peter Märkli und Álvaro Siza Vieira, den Kunstschaffenden James Turrell und Cristina Iglesias sowie dem Schlagzeuger Jojo Mayer ergründet Schaub die Magie sakraler Räume, deren Definition hier weit über kirchliche Bauten hinausgeht. Vielmehr geht der Film auch Fragen nach, wem eigentlich Spiritualität gehört, und erkundet die Verbindung von sakraler Kunst und Natur. So führt «Architektur der Unendlichkeit» im wahrsten Sinne über Denkgrenzen hinaus. Die schwerelose Kamera des Ostschweizers Ramòn Giger lässt den Zuschauer eintauchen in traumwandlerische Bilder und unternimmt sinnliche Reisen in räumliche Weiten; sie lenkt den Blick in die Unendlichkeit des Sternenhimmels und die Tiefe des Meeres. Christoph Schaub sagt über seinen neuen Film: «Ich habe bei der Arbeit an ‹Architektur der Unendlichkeit› entdeckt, dass ich nicht nur einen Film über sakrale Architektur mache, sondern dass ich auch aus meinem Leben erzählen muss. Die eigentliche sakrale Architektur stand dadurch immer weniger im Mittelpunkt meines Interesses. So sprechen die Protagonisten kaum über ihre Architektur, sondern anhand der Architektur intensiv über philosophische Fragen, die für unsere Existenz essenziell sind. Im Laufe der Arbeit habe ich realisiert, dass ich den Begriff des Raumes ausweiten will. Ich kann genauso über den Raum im Innern des Menschen nachdenken. Der innere Raum kann als unendlich betrachtet werden; jedenfalls hat der innere Raum keine sichtbaren Grenzen, keinen Anfang und kein Ende und auch keinen Mittelpunkt. In der realen, materiellen Welt hingegen kann man sich keine ‹Architektur der Unendlichkeit› in einem konkreten Sinn vorstellen.»

Zum Trailer

Regie: Christoph Schaub
CH 2018, deutsch, 91’

Kinok, Cinema in der Lokremise
Grünbergstrasse 7, 9000 St. Gallen

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, Kinok

Veranstaltungssponsor:
Domus Leuchten und Möbel AG
Inhaus AG
ZZ Wancor AG

Einladungsarte Februar 2019

Bildnachweis: Pressecenter cineworx

Städtische Ausstellung im Forum

Claudia Keel: grün

Ausstellung: Fr 1. März bis So 24. März 2019
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Donnerstag, 28. Februar 2019, 18.30 Uhr
Einführung: Dr. Ingrid Riedel

Jahresthema 2019

Auf Zeit

Was hat die beständige Architektur mit der flüchtigen Zeit zu tun? Architekten wähnen sich oft als Künstler, die in der Zeitlosigkeit arbeiten. Die auftretenden Stilepochen werden als rhythmisch vorantreibende Wellen in diesem Kontinuum angesehen. Mit der Zeit lassen sich die historischen Dimensionen bemessen. Eine weitere unweigerliche Folge des Zeitenflusses stellt der kontinuierliche Zerfall der Materie dar, dieser wird im positiven Sinne und bis zu einen gewissen Grad als Patina bezeichnet. Aus dem Zerfall lassen sich aber auch Strategien des Wiederverwendens oder auf Neudeutsch des Recyclings ableiten.
Wie gehen wir mit dem Zerfall und der Zeitlichkeit um? Meistens wird restauriert und saniert. Aber was machen wir, wenn die Substanz noch intakt ist, sich jedoch die Bedürfnisse geändert haben? Zerstören wir dann etwas, das materiell noch gut ist, oder gelingt es, dieses so umzugestalten, dass es gewandelten Bedürfnissen
genügt?
Guter Architektur mit ihren der Zeit enthobenen Ansprüchen fällt es beim Aushandeln guter Lösungen oft schwer, dem marktwirtschaftlichen Druck standzuhalten.  Da bedarf es meistens der Unterstützung mit politischen Ideen und um diese zu erhalten und zu stärken, braucht es überzeugende architektonische Argumente. Und da sind die Fachleute gefragt, welche um Begründungen für ihre Haltungen ringen. Im AFO wird dies öffentlich und somit nachvollziehbar praktiziert.

Am mittlerweile etablierten Montagabend soll, wie bereits 2018, im Anschluss an ein themengebundenes Fachreferat eine Diskussion mit Gästen aus den Bereichen Soziologie, Philosophie, Kunst, Politik oder Wirtschaft geführt werden. In diesem Jahr widmen wir uns dem Umgang mit der Zeit, der Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit und Veränderungen, auf materieller Ebene und in Bezug zur Gestaltung von öffentlichen und privaten Räumen und Landschaften.
Wieder moderiert durch Dr. phil. Barbara Bleisch und Herr Dr. phil. Jean-Daniel Strub, erhalten die Abende Dichte und Gehalt.

Moderationen

Barbara Bleisch, Philosophin, Zürich
Barbara Bleisch hat in Zürich, Basel und Tübingen Philosophie, Germanistik und  Religionswissenschaften studiert und zu Fragen der globalen Gerechtigkeit am Ethik-Zentrum der Universität Zürich promoviert. Sie moderiert die «Sternstunde Philosophie» bei Schweizer  Radio und Fernsehen SRF und ist Kolumnistin beim «Philosophie Magazin» in Berlin. Bleisch ist ausserdem Dozentin für Ethik in den «Advanced Studies of Applied Ethics» am Ethik-Zentrum der Universität Zürich sowie im Studiengang «Philosophie und Management» an der  Universität Luzern. Zu ihren jüngsten Publikationen gehören «Familiäre Pflichten» (Frankfurt a. M. 2015) und «Ethische Entscheidungsfindung» (Zürich 2014).

Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich
Jean-Daniel Strub ist Projektleiter im Bereich Wissenschaftspolitik beim Rat der  Eidgenössischen Technischen Hochschulen und führt als Gesellschafter sein eigenes Büro Brauer & Strub | Medizin Ethik Politik. In dieser Funktion ist er regelmässig als Moderator im  Einsatz. Ausserdem moderiert er regelmässig Podien im Rahmen von politischen Anlässen im Grossraum Zürich, wozu wiederholt auch Veranstaltungen zu städtebaulichen und  raumplanerischen Fragen gehören.

Sommer Camp Architektur

Dokumentation

2018 konnten wir das Sommer Camp Architektur in Altstätten, St. Gallen und Wil durchführen.

Das dafür erarbeitete Konzept und die Modulbeschriebe wurden durch die 2018 Erfahrungen ergänzt und in einer Dokumentation zusammengefasst.

Der Kurs kann auch als Teil einer Sonderwoche während des Unterrichts durchgeführt werden. Die Lektionen stehen für Lehrkräfte zur freien Verfügung.

Die Informationen zur Vorbereitung, Durchführung und möglichen Modulen werden vom Architektur Forum Ostschweiz zur Verfügung gestellt. Wir erwünschen uns als Gegenleistung ein Feedback, wenn ein Sommer Camp Architektur oder einige Module durchgeführt werden.

Dokumentation Sommer Camp Architektur_Feb_2019