Architektur Forum Ostschweiz

Jahresarchive: 2018

Prix Lignum 2018 – Erfolge mit Holz

Ausstellung

Die Ausstellung zum Prix Lignum 2018 im Forum dauert von Mo 21. Januar 2019 bis Sa 26. Januar 2019 und ist täglich von 8 – 18 Uhr geöffnet.

In Zusammenarbeit mit der Lignum Holzkette St. Gallen und Lignum Ost

Prix Lignum

Bildnachweis: Corinne Cuendet, Clarens | LIGNUM

Das Architektur Forum Ostschweiz wünscht alles Gute für das neue Jahr 2019.

Am 4. Februar starten wir mit unserer neuen Veranstaltungsreihe zum Jahresthema „Auf Zeit“.

Wir freuen uns auf ein weiteres spannendes Jahr.

Dank Fernwärme gut gerüstet

St.Gallen baut die Fernwärme schrittweise aus. Das Büro von Thomas K. Keller gibt ihr über den Bau von Fernwärmezentralen eine prägnante architektonische Gestalt, die auf einem quadratischen Grundraster beruht.

22.12.2018 von Christoph Wieser

Manchmal schliesst sich der Kreis: Auf dem Gelände der ehemaligen Deponie Waldau im Westen von St.Gallen steht seit vergangenem Jahr eine Fernwärmezentrale, deren Hauptenergiequelle verbrannter Abfall ist. Das für die Fernwärmeversorgung benötigte heisse Wasser wird im Sittertobel in der Kehrichtverbrennungsanlage
aufbereitet, die sinnigerweise in «Kehricht-Heizkraftwerk» umgetauft worden war. Die Namensänderung verweist auf die Karriere des Kehrichts, der vom Abfall, der ursprünglich ausserhalb der Stadt entsorgt wurde, zum begehrten Wertstoff oder, wie hier, zum Energielieferanten mutierte.
Das hallenartige Bauwerk mit bewegter Dachsilhouette stellt ein positives, zukunftsgerichtetes Symbol einer im Bereich der Energieversorgung auf Nachhaltigkeit setzenden Stadt dar. Es ist ein Industriebau, aber einer, den man gerne zeigt. Der am Rand eines Wohnquartiers mitten in einem kleinen Park stehen kann, ohne dass davon die spielenden Kinder beeinträchtigt würden. Kein Russ steigt aus den Kaminen und der Geräuschpegel im Innern wird über die Betonhülle gedämmt.

Symbol des Energiekonzepts 2050

Die Fernwärmezentrale Waldau ist der erste Hochbau, der im Rahmen des Energiekonzepts 2050 erstellt wurde. Dabei steht die Förderung der Energieeffizienz und erneuerbarer Energien in den Bereichen Wärme, Elektrizität und Mobilität im Vordergrund. Zu den wichtigsten Massnahmen gehört der Ausbau der Fernwärme, denn heute entfallen über 40 Prozent des städtischen Energiebedarfs auf die Wärmeversorgung. Die Fernwärme, gespeist aus Abfall, stellt dabei eine ressourcenschonende, zukunftsweisende Möglichkeit dar. Der Zentrale Waldau kommt im Netz eine dreifache Rolle zu: Erstens befinden sich hier die Pumpen, mit denen das 80 bis 130 Grad heisse Wasser vom Sittertobel auf den Talboden befördert wird, von wo es zu den Verbrauchern weitergeleitet wird. Zweitens stehen zwei Heizkessel zur Abdeckung der Spitzenlast an sehr kalten Tagen und als Rückversicherung zur Verfügung, falls im Kehricht-Heizkraftwerk eine Störung auftreten sollte. Als Energiequelle dient Öl, was derzeit unvermeidbar, aber ein Schönheitsfehler ist. Drittens wurde ein riesiger Wärmespeicher eingebaut, der die  Schwankungen im Netz ausgleichen kann. Daneben ist noch Platz frei für zwei Blockheizkraftwerke und im nordöstlichen Teil befindet sich ein Tausalzlager des städtischen Tiefbauamts.

Vom System zur Gestalt

Es ist St.Gallen hoch anzurechnen, dass die Stadt über einen Studienauftrag nach einem Konzept suchte, das dem Ausbau der Fernwärme einen architektonisch hochstehenden Ausdruck aus einer Hand geben wird. Das siegreiche Büro von Thomas K. Keller ist derzeit bereits an der Planung einer zweiten Zentrale im Osten der Stadt (Lukasmühle). Die Grundlage bildet erneut das im Wettbewerb entwickelte baukastenartige System. Dieses lässt sich auf einfache Weise an den jeweiligen Standort und die Nutzung anpassen und ist dennoch wiedererkennbar:
Eine schlanke, vorfabrizierte Betonstruktur mit einem Raster von sechs mal sechs Metern bildet das räumliche Gerüst. Dessen Hülle besteht aus shedartigen Oberlichtern und Wänden aus Ortbeton. Die Ausfachungen des Tragwerks könnten auch aus einem anderen Material sein und die quadratischen Oberlichter, deren geschlossene Flächen mit Solarpaneelen belegt sind, lassen sich beliebig drehen.
Die einfache Grammatik ebenso wie die reduzierte Farbigkeit und die robuste Materialisierung der  Fernwärmezentrale erinnern an herkömmliche Industriebauten. Allein die Elemente sind mit hohem gestalterischem Anspruch entworfen und so miteinander verbunden, dass das Resultat mehr ist als die Summe seiner Teile. Die Stützen sind beidseitig abgeschrägt, unten schmal und oben breiter, wo sie auch stärker aus der Wandebene hervortreten. Die Stützenköpfe wirken ein bisschen wie archaische Kapitelle, sind ebenfalls konisch ausgebildet und leiten mittels einer weiteren Schräge zu den Randträgern über. Dadurch entsteht über die simple Reihung der Joche hinweg ein visueller Zusammenhalt. Auch deshalb, weil bei den Knoten die  einzelnen Tragelemente zu festen dreidimensionalen Rahmen verbunden sind und elegant von den Längs zu den Stirnseiten überleiten. Eine bewegte fünfte Fassade bilden die Oberlichter und die beiden Kamine, die der Zentrale einen dynamischen Abschluss geben.
Zwischen die Primärstruktur, die das Gebäude gliedert, sind je nach dahinterliegender Nutzung unterschiedliche Füllungen gesetzt: wandhohe Rolltore beim Salzlager, verglaste Öffnungen beim Treppenhaus und der Kesselhalle sowie in den vordersten zwei Jochen kolossale Drehtüren aus Beton, damit die Heizkessel bei Bedarf ersetzt werden können. Alle geschlossenen Flächen bestehen aus Mischabbruch-Recylingbeton. Unter Mischabbruch werden mineralische Materialien verstanden, die beim Rückbau eines Gebäudes anfallen. Hier wurden dem Beton vorwiegend zerkleinerte Backsteinstücke beigemischt, die den gestockten Oberflächen einen warmen, roten Farbton verleihen.
Während das Treppenhaus ebenfalls gestockt wurde, ist die Kesselhalle betont nüchtern gehalten: Die  unbehandelten Füllungen aus Ortbeton und die etwas dunkleren Betonelemente der Tragstruktur und Oberlichter sind mit der silbernen Technik und braun gestrichenen Stahlteilen kombiniert. Trotz dieser Zurückhaltung ist die Raumwirkung der zwölf Meter hohen Halle beeindruckend. Insbesondere, weil über den vertikalen Lichteinfall die architektonischen Elemente und die technischen Einbauten plastisch modelliert werden. Auch wenn die Anlage kein rauchender Koloss mehr ist wie frühere Kesselanlagen: Die Technik entfaltet dennoch eine elementare Kraft, die von der Architektur gerade so weit gebändigt wird, dass die Einbettung ins Wohnquartier glückt.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Wohnen – Innovation und Strategie

Florian Lünstedt und Gianni Chini, Architekten, Atelier 5, Bern / Elli Mosayebi, Architektin, Zürich / Martin Hofer, Immobilienexperte, Zürich / Moderation Barbara Bleisch,  Philosophin, Zürich

Mo 3. Dezember 2018, 19.30 Uhr im Forum

Bildnachweis: Siedlung Halen, Architektur Atelier 5, im Oktober 2007. (Yoshiko Kusano) / Atelier 5

Als die von Atelier 5 geplante Siedlung Halen bei Bern 1962 fertiggestellt und ihren Käufern übergeben wurde, war sie eine weithin anerkannte Innovation auf dem Sektor des Wohnungsbaus. Sie war eine am grünen Tisch entworfene Idee, ein Vorschlag für das Zusammenleben ihrer Bewohnenden, jedoch keine zwingend notwendige Antwort auf drängende gesellschaftliche Themen.

In der komfortablen Situation, den Menschen solche Angebote zu machen, ohne unmittelbaren gesellschaftlichen Nachdruck, sind wir heute und erst recht in Zukunft vermutlich immer weniger. Denn die Welt ist im Umbruch. Erneuerungen und Veränderungen schreiten immer schneller voran, sind miteinander verflochten und nicht selten einschneidend für die verschiedenen Akteure. Auch vor dem für uns alle bedeutsamen Lebensbereich des Wohnens macht diese Entwicklung keinen Halt.

In der Form eines Essays setzt sich der Vortrag mit den sechs Fragestellungen auseinander – wer baut wo, wie und für wen, wann und warum werden Wohnungen erstellt, bezogen nur auf unseren Kulturkreis.

Mit diesem Fokus wird ein Blick in die Glaskugel der Zukunft geworfen und mögliche Antworten, Strategien sowie Innovationen werden zur Diskussion gestellt. Dies jedoch nicht im Sinne einer streng wissenschaftlichen Auseinandersetzung, sondern gesehen durch die subjektive Brille eines Architekturbüros, das sich seit mehr als 60 Jahren unter anderem intensiv mit dem Wohnungsbau auseinandersetzt.

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Atelier 5

EInladungskarte Dezember

Was vom Wohnen übrig bleibt

Wohnen im Alter hat viele Facetten. Gemeinsam ist allen Formen, dass die Lebensqualität im Zentrum stehen sollte: In den eigenen vier Wänden ebenso wie im Alters- oder Pflegeheim.

01.12.2018 von Christoph Wieser

Wie möchte ich im Alter wohnen? Auf diese Frage gibt es so viele Antworten wie betagte Menschen. Kein Wunder, widmet sich eine stetig wachsende Anzahl an Firmen, Stiftungen, Vereinen, Genossenschaften und öffentlichen Einrichtungen diesem Thema. Unüberblickbar vielfältig sind die Angebote. Darin widerspiegelt sich die fortschreitende Individualisierung der Gesellschaft ebenso wie der Umstand, dass Alter längst nicht mehr mit Armut gleichgesetzt werden kann. Im Gegenteil: So wie der Tourismus zahlungskräftige Senioren umwirbt, profitieren Anbieter von Dienstleistungen für alte Menschen vom hiesigen Wohlstand. Nichtsdestotrotz sind viele auf eine preisgünstige Lösung angewiesen, muss doch oft über Jahre eine Betreuung oder Pflegeeinrichtung bezahlt werden.
Die Palette an Wohnformen reicht von der «normalen» Wohnung über eine spezifische Alterswohnung oder Wohngemeinschaft bis zum Alters- und Pflegeheim. In dieser Reihenfolge nehmen der Bedarf und das Angebot an Unterstützung zur Bewältigung des Alltags schrittweise zu. Dagegen verringert sich der Bewegungsradius der Bewohnerinnen und Bewohner. Ebenso verändern sich die Bedürfnisse an die eigene Wohnsituation: Die Wege ums Haus ersetzen die Spaziergänge durchs Quartier, der Balkon den Garten, der Speisesaal den eigenen Esstisch. Am Schluss zählt der Blick aus dem Fenster. Und besonders die Fürsorge durch Angehörige oder das Pflegepersonal.

Pflegeheim Heiligkreuz in St. Gallen

Deshalb ist die räumliche und atmosphärische Vielfalt zentral. Die Wohnung – oder gar das Zimmer – ersetzt die Welt. Wie also soll eine altersgerechte Wohnung oder ein Pflegeheim aussehen? Das Architekturbüro Allemann Bauer Eigenmann aus Zürich hat jüngst in St. Gallen das Pflegeheim Heiligkreuz fertiggestellt. Nun sind die Alterswohnungen im Bau, die etwas abgerückt stehen, damit der Blick auf die Kirche von Karl Moser frei bleibt. Auf die Frage nach der Wohnvorstellung verweist Patrick Allemann auf das Grandhotel: Wie dort, soll auch das Ambiente des Pflegeheims möglichst angenehm, vielfältig und anregend gestaltet sein. Deshalb liegen die Fensterbrüstungen tief, damit auch vom Bett oder dem Rollstuhl aus die Aussicht genossen werden kann. Die breiten Korridore auf den Etagen sind mit Sitznischen ergänzt. Grosszügig und wohnlich ausgestattet sind die Aufenthaltsbereiche mit Loggia. Im Erdgeschoss liegen die Gesellschaftsräume wie die öffentliche Cafeteria und der Speisesaal, im Untergeschoss der dank Hanglage natürlich belichtete Mehrzwecksaal. Als verbindendes Element wirkt die zentrale Halle, die bis hinunter zum Eingang des Saals reicht und gleichzeitig die Korridore der Pflegegeschosse mit Tageslicht versorgt.
Die räumliche Souveränität, die sich in der Abfolge, Proportion und funktionalen Zuordnung der einzelnen Bereiche zeigt, wird durch die sorgfältige Materialisierung unterstützt. Die Kombination von drei Materialtypen trägt zur angestrebten Vielfalt bei: hochwertige Materialien wie Kalksteinplatten oder «Holzteppiche» mit Fischgratmuster werden mit «armen» Materialien wie Sichtbeton und Zementfaserplatten und «abstrakten» Materialien wie Weissputz ergänzt. Zusammen mit den künstlerischen Interventionen – der Installation von Silvie Defraoui im Lichthof und dem kongenialen Farbkonzept von Adrian Schiess entsteht eine reiche Innenwelt, die dem
sorgfältig gestalteten Gebäude Würde verleiht.

Alterswohnungen Blumenfeld in Altstätten

Eigentlich sollte jede Wohnung auch für alte Menschen behaglich sein. Gute Grundrisse sind an keine Altersgruppe gebunden, sondern Ausdruck hochwertiger Architektur. Gleichwohl gibt es Richtlinien und Eigenschaften, die es bei Alterswohnungen besonders zu berücksichtigen gilt. Dazu gehören grosszügige Eingangsbereiche und Korridore, damit die Bewegungsfreiheit mit einem Rollator oder Rollstuhl gewährleistet ist. Wichtig ist auch der wohnungseigene Aussenraum sowie räumliche Vielfalt. Der österreichische Architekt Josef Frank sprach um 1930 davon, dass eine Wohnung wie eine Stadt Wege und Plätze aufweisen sollte, damit unterschiedliche Zonen entstehen. Betrachtet man unter diesem Blickwinkel die zahlreichen Alterswohnungen, die in der Ostschweiz und dem Bündnerland kürzlich gebaut wurden oder im Bau sind, zeigen sich grosse Unterschiede.
Positiv fallen die Alterswohnungen Blumenfeld in Altstätten auf, die von Gäumann Lüdi von der Ropp Architekten aus Zürich geplant und im Frühling bezogen wurden. «An den Grundrissen haben wir sehr lange gearbeitet, bis sie diese Selbstverständlichkeit erreicht haben», sagt Eva Lüdi. In der Tat tragen bereits die sorgfältig gestalteten Treppenhäuser, der stattliche Balkon, die gezielt gesetzten Ausblicke und die langlebige Materialisierung zum guten Gesamteindruck bei. Kernstück der Wohnungen ist das räumliche Zusammenspiel von Entrée, Küche und Wohn-Ess-Raum, die mit einem möbelartigen Element voneinander getrennt und dennoch offen verbunden sind.
Dank der windmühlenartigen Grundrissform der beiden Punkthäuser ist jede der Wohnungen dreiseitig orientiert. Zudem ermöglicht dieser Gebäudetyp, dass die Parzelle nicht zu stark überstellt werden musste und die geforderte Renaturierung des Bachs umgesetzt werden konnte. Als verbindendes Element trägt die Wandelhalle mit einer Sitzbank wesentlich zur Gemeinschaftsbildung bei.
Immer öfter werden Alters- und Pflegeheime mit Alterswohnungen kombiniert, da auf diese Weise alle Pflegestufen bedient werden können. Auch die Bewohnerinnen und Bewohner der Alterswohnungen Blumenfeld profitieren vom unmittelbaren Umfeld: Neben dem bestehenden kleinen Altersheim hat sich im Erdgeschoss die Pro Senectute eingemietet und auf der anderen Strassenseite liegt das Alters- und Pflegeheim Haus Viva. Bleibt die Frage: Sind solche Zentren die Zukunft? Oder eher Seniorenwohngemeinschaften und generationenübergreifendes Wohnen, wie vermehrt propagiert wird?

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Werkbeiträge

Vergabe Werkbeiträge 2018

Mi 28. November 2018, 18.30 Uhr im Forum

Die Stadt St.Gallen vergibt jährlich bis zu sechs Werkbeiträge in der Höhe von je CHF 10’000. Ziel ist es, die Entwicklung und Realisierung von neuen, anspruchsvollen und qualitativ hochstehenden Projekten zu ermöglichen.

Es erfolgt eine öffentliche Ausschreibung. Es werden nur Bewerberinnen und Bewerber berücksichtigt, welche in der Stadt St.Gallen wohnhaft sind. Ausgenommen davon sind einzig Kulturschaffende, welche sich im Zusammenhang mit einer Ausbildung vorübergehend auswärts aufhalten.

Die Kommission für Kulturförderung juriert die eingegangenen Bewerbungen und schlägt dem Stadtrat sechs Kandidatinnen und Kandidaten vor. Der Entscheid des Stadtrats erfolgt Anfang April.

Gewährte Werkbeiträge 2018:

Hopes & Venom, Musik
Claudia Keel, Bildende Kunst
Rachel Lumsden, Bildende Kunst
Panorama Dance Theater, Tanz
Kathrin Rieser, Theater
Salome Schmuki, Bildende Kunst

Energieagentur@AFO – Nachhaltiges Bauen am Beispiel Hunziker Areal

Claudia Thiesen, Baugenossenschaft mehr als wohnen, Zürich/ Dan Schürch, Duplex Architekten, Zürich

Mo 19. November 2018, 19.30 Uhr im Forum

Bildnachweis: 2016-2000-Watt-Areal-EnergieSchweiz

Der runde Tisch Energie und Bauen und das Architektur Forum Ostschweiz laden zur jährlichen Informationsveranstaltung ein.

Die Baugenossenschaft mehr als wohnen verbindet das Altbewährte der erfolgreichen Genossenschaftsgeschichte mit neuen Impulsen. Geplant und realisiert wurde ein Leuchtturmprojekt einer ganzheitlich verstandenen Nachhaltigkeit: das Hunziker Areal, ein urbaner Quartierteil mitten im Entwicklungsgebiet Zürich Nord. Hochwertige gemeinschaftsfördernde Architektur und Qualität in der Bauausführung ermöglichen sowohl ein lebendiges Quartier als auch einen nachhaltigen Unterhalt der Gebäude. Von sich reden machte insbesondere das Haus A von Duplex Architekten mit den Clusterwohnungen.

Begrüssung und Moderation
Silvia Gemperle | Energieagentur St.Gallen

Von der Brache zum Stadtquartier
Claudia Thiesen
Baugenossenschaft mehr als wohnen
Dipl. -Ing. Architektin SIA

Cluster – die andere Wohnform im Haus A
Dan Schürch
Duplex Architekten
Architekt FH SIA

Fragerunde und Diskussion
Apéro

Der Eintritt ist frei

www.energieagentur-sg.ch

Einladungskarte Nachhaltiges Bauen

Wohnen – Im Umbruch

Käferstein & Meister Architekten, Zürich / Marina Hämmerle, Baukultur, Dornbirn / Achim Hahn, Architekturtheoretiker und -kritiker, Dresden / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 5. November 2018, 19.30 Uhr im Forum

Bildnachweis: Käferstein & Meister, Zürich / Jürgen Beck, Zürich / Goswin Schwendinger, London

Formalismus als Ausgangsbasis ist ausgeschlossen! Wohnen ist in ständigem Umbruch und muss fortwährend neu untersucht und interpretiert werden. Dies gilt im Besonderen für das Bauen im Bestand. Robert Venturi hat in „Komplexität und Widerspruch“ das Zerlegen der Architektur in ihre Einzelteile als eine notwendige Vorgehensweise in der Tätigkeit des Architekten beschrieben. Zergliederung ist ein Prozess, um das Verständnis für das Bestehende erst erhalten zu können. Wir müssen die Dinge auseinandernehmen, in Einzelteile zerlegen, um sie in einer Übersetzung oder Neuinterpretation wieder zusammenzufügen. Aus der Logik in der Vermittlung zwischen den Teilen und dem Ganzem entsteht letztlich die neue Identität des Raumgefüges. Reyner Banhams Vorstellung einer «Erinnerbarkeit als Bild» ist uns ein Schlüssel zur Unberechenbarkeit und Schönheit des Wohnens.

Wegen Krankheit von Barbara Bleisch wird die Diskussionsrunde von Jean-Daniel Strub moderiert.

Käferstein&Meister

Veranstaltungssponsor:
Franke

Einladungskarte November

Öffentliche Schlussveranstaltung

Partnerstadt St. Gallen

Di 30. Oktober 2018, 18.30 Uhr im Forum

Partnerstadt St.Gallen – Ein Projekt der HSR Hochschule für Technik Rapperswil und der Stadtplanung St.Gallen.

Öffentliche Schlussveranstaltung und Ausstellung auserwähler Projekt- und Bachelorarbeiten aus dem Studienjahr 2017/18.

Die Stadt St.Gallen, vertreten durch die Stadtplanung und die HSR Hochschule für Technik Rapperswil, vertreten durch den Studiengang Stadt-, Verkehrs- und Raumplanung haben im Jahr 2017 eine Vereinbarung über eine Zusammenarbeit abgeschlossen. Die Zusammenarbeit sah vor, dass praktisch sämtliche Projekt-, Studien- und Bachelorarbeiten der Studierenden des Studiengangs Stadt-, Verkehrs- und Raumplanung für das Studienjahr 2017/18 mit Bezug zur Stadt St.Gallen erarbeitet wurden.

Diese Zusammenarbeit ermöglichte es den Studierenden, ihre Arbeiten und Projekte mit einem unmittelbaren Bezug zu konkreten und aktuellen raumplanerischen Fragestellungen und Herausforderungen auszuarbeiten. Sie setzen sich unter realistischen Bedingungen des Berufslebens mit aktuell anstehenden Planungsaufgaben in der Stadt St.Gallen auseinander und standen dabei in direktem Kontakt mit den Beteiligten eines Planungsprozesses.

Das Projekt Partnerstadt St.Gallen ist auch für die Stadt von Nutzen, so gibt es einige interessante Planungsansätze die in der Realität aufgegriffen werden könnten.

Die öffentliche Schlussveranstaltung und Präsentation ausgewählter Projekte wird am Dienstag, 30. Oktober 2018 um 18.30 Uhr im Architektur Forum Ostschweiz, Davidstrasse 40, St.Gallen stattfinden. Medienschaffende sind herzlich eingeladen.

Die Ausstellung ausgewählter Arbeiten kann anschliessend von Fr. 2. November – Fr. 9. November 2018 während der Büroöffnungszeiten im 3. OG im Amtshaus, Neugasse 1 und 3, besichtigt werden.

Einladung öffentliche Schlussveranstaltung

BSA @ AFO – Vernissage Plakatausstellung

Junge Denkmäler – Zeitzeugen berichten

Mo 22. Oktober 2018, 18.30 Uhr Studiobühne Theater St. Gallen

Bildnachweis: Bauen + Wohnen, Band 22 (1968)

Der BSA beteiligt sich am Europäischen Kulturerbejahr 2018 mit einer Ausstellung zu jungen Denkmälern. Diese wandert  durch alle Regionen des Landes und macht vom 22. Oktober bis zum 1. November 2018 vor dem Theater St. Gallen halt. An der Vernissage in der Studiobühne berichten unsere älteren BSA-Mitglieder aus der Zeit des St. Galler Theaterbaus. Von ihren Vorbildern, von ihren Idealen, von ihrer eigenen Weise des Entwerfens. Junge Denkmäler und ihre Zeit werden lebendig!

18.30 Einführung in die Ausstellung
Caspar Schärer, Architekt und Journalist, Generalsekretär BSA

Das Stadttheater St. Gallen von 1970 bis 2010: Vom Umgang mit dem Denkmal
Meinrad Hirt, Architekt, Mitglied BSA Ostschweiz

Die späten Sechzigerjahre: ein strukturalistischer Entwurf
Robert Bamert, Architekt, Mitglied BSA Ostschweiz

Statements: Zeitzeugen berichten
Moderation: Thomas Keller, Obmann BSA

Ab 19.45 Apéro riche
Offeriert vom Architektur Forum Ostschweiz

 

Ausstellung Junge Denkmäler

Einladung

Urbane Grandezza

Im Stickereiquartier in St.Gallen feiert die Baukultur eine Renaissance: Der Neubau der Schule St.Leonhard zeugt von einer  architektonischen Sorgfalt, wie man sie nicht alle Tage findet.

20.10.2018 von Marcel Bächtiger

Nirgends ist St.Gallen grossstädtischer als im Stickereiquartier. Ungewohnt sind die Dimensionen der Backsteinbauten, ungewohnt die langen Strassenzüge und das rationale Bebauungsmuster. Man fühlt sich hier, im Westen der Gallusstadt, plötzlich als Teil der grossen weiten Welt, muss allerdings gleich konstatieren, dass dieses Gefühl vor allem eine Ahnung vergangener Grösse ist. Die stolzen Handels-, Lager- und Bürohäuser erzählen von einer Blütezeit, die mittlerweile über 100 Jahre zurückliegt. Die Stickereifirmen sind verschwunden, die Bauten mehrfach umgenutzt.
Über Jahrzehnte befand sich das Quartier in einem Dornröschenschlaf, bis man in St.Gallen wie anderswo bemerkte, wie gut sich aufgegebene  Industriebauten für Kultur- und Gastronutzungen eignen. Neues Leben zog in alte Hallen, und wenn man heute der Davidstrasse entlanggeht, dann begegnet einem Frische und Heiterkeit, wo vor nicht allzu langer Zeit noch der schwere Staub der Vergangenheit das Bild bestimmte.

Städtisch im Ausdruck, schülergerecht im Detail

Mit dem Erweiterungsbau der Schule St.Leonhard ist nun mitten im Quartier ein neues Bauwerk entstanden, das sinnbildlich für dessen  Renaissance steht: dezidiert öffentlich und städtisch im Ausdruck, dabei schülergerecht im Detail, vor allem aber baukünstlerisch ambitioniert auf allen Ebenen. Den Architekten Marion Clauss und Marco Merz sind dabei gleich mehrere Kunststücke gelungen – keine Zaubereien wohlgemerkt, sondern Zeugnisse einer entwerferischen Sorgfalt, die man nicht aller Tage findet.
Es ist beispielsweise keine Selbstverständlichkeit, dass ein Neubau sowohl die grosse Geste beherrscht, als auch auf das feine Detail achtet. Der  Erweiterungs-bau, hinter dessen Fassaden sich eine Turnhalle, ein Mehrzweckraum, ein Aussenspielplatz sowie die Räume der Tagesbetreuung befinden, besitzt eine markante Volumetrie, die sich selbstbewusst im Stadtraum ins Szene setzt. Gleichzeitig verbindet sich der Bau subtil mit der unmittelbaren Umgebung. Wir sehen keine auf sich selbst bezogene Kiste, sondern einen Baukörper mit facettenreicher Physiognomie. So weist ein Versatz auf der Längsseite auf die innere Struktur hin, reagiert aber auch auf die Flucht der Nachbarsbauten. Der Betonsockel trägt die Backsteinfassaden, führt aber gleichzeitig ein Eigenleben; einmal wird er zu Arkade, einmal zum auskragenden Vordach, einmal zum aussen liegenden Raumgerüst. Aus ihm entwickeln sich die Brüstungsmauern und die Treppenaufgänge, die von der Strasse zum Hof hinaufführen. Alles trägt dazu bei, dass der Backsteinbau, der von weitem Präsenz markiert, beim Näherkommen mit den umliegenden Strassenräumen verwachsen scheint.

Alt und neu im Dialog

Es ist auch keine Selbstverständlichkeit, dass der Dialog mit den geschichts-trächtigen Nachbargebäuden nicht in schalen Historismus mündet. Marion Clauss und Marco Merz greifen in ihrem Entwurf zwar die Backsteinarchitektur auf, die für das alte St.-Leonhard-Schulhaus wie für viele Stickereigebäude charakteristisch ist, verwandeln sie aber in etwas Eigenständiges. Die grossen geschlossenen Fassadenflächen sind ihnen Anlass, verschiedene Klinkerverbände durchzudeklinieren. Das Spiel mit den unterschiedlichen Fügungsarten legt über die streng gegliederte Wand ein heiteres Gewand, das in Licht und Schatten changiert. Weit oben, wo sich der Aussenspielplatz befindet, dringen selbst Sonnenstrahlen durchs aufgelockerte Gemäuer: eine unerwartete Transparenz, die den massiven Körper auflöst wie die beidseitig verglaste Turnhalle, die dem Passanten einen überraschenden Durchblick auf das dahinterliegende historische Schulhaus bietet. Zwanglos  korrespondieren Alt und Neu über den gemeinsamen Pausenhof und sich gegenüberliegende Eingänge; die fulminante Eingangshalle des alten Schulhauses (1887 von Wilhelm Dürler und Julius Kunkler erbaut) findet ihre informelle Entsprechung im Erdgeschoss des Neubaus, wo sich  der Klinkerboden des Pausenhofs fortsetzt und zur architektonischen Landschaft wird. Ohnehin scheint die erstbeste Lösung den Architekten nie genug gewesen zu sein, im Gegenteil: Jedes Problem reizt sie zur Erfindung. Dass der oben liegende Aussensportplatz beispielsweise  sowohl intern wie extern erschlossen sein muss, führt sie zum Entwurf einer doppelt geführten Treppe mit gegenseitigen Durchblicken: einer  Art Betonskulptur, die den Sinn für Raumlogik herausfordert.

Am Anfang stand ein Wettbewerb

Auch was einem selbstverständlich vorkommt, ist nicht selbstverständlich. Dass der Neubau in Grösse und Massstab dem alten Schulhaus  gleichgestellt ist, und dass zwischen den beiden Bauten als drittes Element der Pausenhof liegt – wie sollte es anders sein? Ein kurzer Blick in den Jurybericht des Wettbewerbs genügt, um etliche Alternativen zu entdecken. Und wir sehen: Unter den 74 eingereichten Projekten war das Erstrangierte eines der wenigen, das auf die scheinbar naheliegende städtebauliche Lösung kam. Die Mehrzahl der Entwürfe hatte sich in Demut vor dem historischen Bestand geübt, die Turnhalle ganz oder teilweise im Untergrund versenkt und ein deutlich kleineres sichtbares Bauvolumen vorgeschlagen. Denkbar, sicherlich, aber auch teurer. Und vor allem würde man vermissen, was einen heute am Neubau freut:  eine gewisse urbane Grandezza.
Lob gebührt allerdings nicht nur den Architekten und ihren Mitstreitern für ihr Projekt, sondern auch dem Hochbauamt der Stadt St.Gallen für das durchgeführte Verfahren. Ihm dürften die Namen Marion Clauss und Mario Merz nämlich bisher nicht geläufig gewesen sein. Tatsächlich handelt es sich beim Projekt für das Schulhaus St.Leonhard um den ersten grossen öffentlichen Auftrag des jungen  Architekturbüros. Möglich war dies nur dank eines offenen anonymen Projektwettbewerbs – dem nach wie vor besten Instrument der Nachwuchs- und Baukulturförderung. Es bescherte der Stadt St.Gallen eines der überzeugendsten Architekturprojekte der letzten Jahre. Dabei ist die sorgsame Sanierung des Altbaus, die Clauss und Merz bereits vor einem Jahr abgeschlossen haben, noch gar nicht erwähnt.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Wohnen – Multikulturelle Inspiration

Gus Wüstemann, Architekt, Zürich / Nicola Hilti, wissenschaftliche Mitarbeiterin FHS St. Gallen, ehemalige Mitarbeiterin ETH Wohnforum – ETH CASE / Jørg Himmelreich, Architekt, Chefredaktor archithese, Zürich / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 1. Oktober 2018, 19.30 Uhr im Forum

Bildnachweis: gus wüstemann architects

Nachhaltigkeit und beschränkte Ressourcen sind wichtige Faktoren in der heutigen Planung: Mehr für alle und weniger  für einige – wie lösen wir diese Parameter im zeitgenössischen Wohnungsbau?
Es braucht ein Umdenken, d.h. kleinere Wohnfläche pro Person, weniger Assoziation der Wohnbauten und Räume mit Konnotation von sozialem Status, weniger Wertigkeit. Identität schaffen mit einer Rückbesinnung auf das Wesentliche: die Beziehung von Mensch und Raum, Leere und Masse, dies im privaten wie im öffentlichen Raum.
Multikulturelle Inspiration steht für uns hier für die Offenheit, kulturelle oder private Konnotationen nicht als das einzig  Richtige zu zementieren sondern Vorurteile abzubauen, um so neue Lösungen und Identitäten finden zu können.
Alle Menschen sind gleichwertig und verdienen die gleiche Würde und den gleichen Respekt. Wir sehen unsere  Architektur als TOTAL RECALL: als Referenz, zu spüren, was wirklich ist, eine plötzliche Klarheit, unabhängig vom Programm, ohne Hierarchie oder Status, nur ein Hauch von kulturellem Kontext, wie eine Ruine in der Landschaft.

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

gus wüstemann architects

Einladungskarte Oktober

Wenn die Natur zur Attraktion wird

Die Medien berichten flächendeckend, die Besucher kommen zu Tausenden: Der Baumwipfelpfad oberhalb Mogelsberg scheint den Nerv der Zeit zu treffen. Warum eigentlich?

22.09.2018 von Marcel Bächtinger

Über mangelnde mediale Aufmerksamkeit kann sich der Baumwipfelpfad oberhalb Mogelsberg nicht beklagen. Die Strahlkraft der neuen Attraktion im Toggenburg reicht dabei weit über die Grenzen desselben hinaus. Das Schweizer Fernsehen war schon zu Gast, die «Schweizer Illustrierte» ebenfalls. In den sommerlichen Ausflugsempfehlungen der «Sonntagszeitung» fand sich der frisch eingeweihte Baumwipfelpfad neben Klassikern wie dem Unesco-Weltnaturerbe Aletschgletscher wieder, während die Lonely Planet-Website die frohe Kunde von der Eröffnung unter den Rucksacktouristen des ganzen Erdballs verbreitete. Vor wenigen Wochen schliesslich ehrte die altgediente Fachzeitschrift des Schweizer Ingenieur- und Architektenverbandes die wagemutige Holzkonstruktion mit einem doppelseitigen Bericht.
Das gemeine Volk tut es den Medienschaffenden gleich, zumindest an sonnigen Wochenenden: Scharenweise erscheint es dann im beschaulichen Mogelsberg und sucht sich seinen Weg zwischen Einfamilienhäusern und Kuhwiesen hindurch zum etwas höher gelegenen Steinwäldli, wo es vom  Duft gegrillter Bratwürste empfangen wird. Der Baumwipfelpfad ist nämlich nicht bloss ein Baumwipfelpfad, sondern auch ein Wipfel-Bistro mit Brätel-Stellen, ein Shop, ein Spielplatz und ein Walderlebnispfad – doch dazu später. Nach hundert Betriebstagen jedenfalls vermeldete die Trägerschaft bereits stolze 50000 Besucher (und 6591 verkaufte Bratwürste). Woher rührt das aussergewöhnliche Interesse am Projekt? Und was sagt es über unser Verhältnis zur Landschaft aus?
Bei Licht besehen entbehrt die Neuheit «Baumwipfelpfad» nicht einer gewissen Paradoxie, bestaunen wir hier doch etwas, das schon immer und schon lange vor dem Baumwipfelpfad da war: die Landschaft des Neckertals mit ihrer dichten Abfolge von Wiesen und Wäldern, von sanften Hügeln und schroffen Abhängen, die stille Vielfalt von Tier und Pflanzenwelt, ihren Wandel in Wetter und Jahreszeiten.
Wozu also, so muss die kritische Folgefrage lauten, braucht es überhaupt einen Baumwipfelpfad? Die erste Antwort liegt nahe: Weil sich die Wahrnehmung des scheinbar Bekannten zu verändern beginnt, sobald man auf den Holzplanken des Pfads entlangschreitet. Das Projekt weiss dabei geschickt mit den topografischen Gegebenheiten zu spielen: Auf erstaunlich kurzer Strecke gewinnt man überraschend an Höhe, ohne dass man dabei eine einzige Stufe erklimmen müsste. Plötzlich öffnen sich unter einem weite Abgründe, und was man normalerweise aus der Froschperspektive sieht, den Kopf tief in den Nacken gelegt, ist plötzlich zum Greifen nah: die spriessenden Äste, die Baumkronen, die namensgebenden Wipfel. Der einen oder anderen Besucherin mag es in diesem Moment vorkommen, als sähe sie Fauna und Flora des Toggenburgs zum ersten Mal, und wenn aus diesem sinnlichen Erlebnis auch eine neue Wertschätzung der heimischen Natur erwächst, dann wäre eines der Ziele des Projekts bereits erreicht.

Nie endende Betriebsamkeit, aber keine Stille

Es ist gleichzeitig kein Geheimnis, dass sich neben die pädagogischen handfeste touristische Interessen reihen. Der elegante Stelzenbau, der sich wie eine grosse Schlange durch das Steinwäldli windet, soll nicht zuletzt als Impulsgeber für eine Region wirken, welche die schleichende Abwanderung von Mensch und Arbeit fürchtet. Mustergültig erfüllt der Baumwipfelpfad dabei die Ansprüche eines sanften Tourismus, hält das Regionale und das Ökologische hoch, verweist mit Recht und Stolz auf das heimische Holz und die lokalen Unternehmer und trifft damit zweifelsfrei den Nerv einer Zeit, die «Nachhaltigkeit» zum Wort der Stunde erhoben hat. In die gleiche Richtung deuten die Spiel- und Lernangebote, die zu Füssen des  Baumwipfelpfads versammelt sind. Im Detail sorgfältig gedacht und gestaltet, befördern sie ob der räumlichen Nähe von Wipfelpfad, Bistro und Shop allerdings auch den Eindruck einer nie endenden Betriebsamkeit: Was Natur auch sein könnte – nämlich die Erfahrung von Stille, Zeit und  Einsamkeit –, droht sich hier ins Gegenteil zu verkehren.

Tradition in zeitgenössischem Gewand

Das Kapital des Baumwipfelpfades jedenfalls ist die Landschaft selbst, und seine Leistung liegt darin, diese Landschaft aus der Vergessenheit geholt  und zu neuer Sichtbarkeit gebracht zu haben: Der Pfad macht die Natur zur Attraktion. Es geschieht dies mit einer Architektur, welche das Kühne, das sich aus der schieren Höhe der Stützen und dem verwegen darüber gelegten Pfad ergibt, mit nobler gestalterischer Zurückhaltung kombiniert. Alles konzentriert sich hier auf den sanften Schwung der Promenade, die der Flugbahn eines Vogels nachempfunden scheint und dem Besucher immer neue Ausblicke vors Auge zu zaubern weiss.
Doch je körperlicher die Erfahrung, je unabwendbarer das Schwindelgefühl, desto weniger will einen die Frage loslassen, ob es denn all dieses Zaubers bedarf, um uns die Schönheiten der Natur sehen zu machen. Man sollte sich in die Frage jedoch nicht verbeissen: Denn schon immer war es der  touristische Blick, der die Schönheit in einer Landschaft entdeckte, welche man bislang bloss bewirtschaftet oder gefürchtet oder gar nicht beachtet  hatte. Und schon immer wurde die Landschaft in der Folge her- und eingerichtet, um all jenen Genüge zu tun, die gekommen waren, die Wunder der Natur zu schauen. Auch im Toggenburg: Aus Viehpfaden wurden Wanderwege, aus Bauernhöfen Gasthäuser. Wo der Ausblick als besonders ergötzlich galt, stellte der örtliche Kurverein bald schon eine Sitzbank hin. Gondel- und Sesselbahnen, die den Gast in bisher unerreichbare Höhen beförderten, liessen nicht lange auf sich warten.
So gesehen ist der Baumwipfelpad im Neckertal nichts anderes als die Fortführung einer tourististischen Tradition in zeitgemässem Gewand – umso besser, wenn er gestalterisch überzeugt. Kürzlich ist das Wunderwerk aus Holz übrigens auf einem englischen Reiseblog aufgetaucht. Der Autor sprach dem Baumwipfelpfad ein grosses Lob aus: «It’s definitely instagram worthy!» Damit wären wir dann definitiv im 21. Jahrhundert angelangt.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Museumsnacht

Städtische Ausstellung, Peter Dew

Sa 8. September 2018, 18–1 Uhr im Forum

Fundstücke, Magazinseiten, kleine Beobachtungen – Peter Dews künstlerische Materialien sind alltäglich, einfach und unaufdringlich. Unter den Händen des Künstlers verwandeln sie sich in Bildserien und Plastiken voller Poesie, Humor und Doppeldeutigkeiten. Der gebürtige Brite ist ein stiller Künstler mit einem grossen Gespür für die Aussagekraft kleiner Dinge.

ab 18 Uhr Barbetrieb

19.30 und 21.30 Uhr
Sven Bösiger, sound performance

Ticket 20.– für Eintritt in alle beteiligten Museen sowie freie Fahrt mit dem Rundkurs, dem Shuttlebus (Stocken) und in der Ostwind Zone 210 inkl. Nachtzuschlag
www.museumsnachtsg.ch

Ausstellung: Fr 31. August bis So 23. September 2018
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr
Vernissage Do 30. August um 18.30 Uhr. Einführung Kristin Schmidt

Peter Dew

Sven Bösiger

Kleinod am See

Vom Sturm zerstört, musste das Badihaus in Mammern erneuert werden. Entstanden ist kein gesichtsloser Ersatz, sondern ein sorgfältig gestalteter Holzpavillon, der dem aussergewöhnlichen Ort gerecht wird.

04.09.2018 von Christoph Wieser

Gute Architektur beginnt im Kopf. Im Bewusstsein der Auftraggeber, dass reine Zweckerfüllung nicht ausreicht. Dass ein Gebäude, mag es noch  so klein sein, das Umfeld im Guten wie im Schlechten über Jahrzehnte hinaus prägt, im Dorfkern ebenso wie in der Stadt oder in der Agglomeration. Jedes neue Bauwerk ist somit eine Chance zur Schaffung von kulturellem und gesellschaftlichem Mehrwert, die genutzt werden  sollte. Denn dieser Mehrwert kommt allen zugute: Er steigert das Wohlbefinden der Bewohner, Benutzer und Gäste; er verstärkt die  Identifikation mit dem Ort, was den Auftraggebern und Investoren ebenso dient wie der Standortgemeinde. Dazu bedarf es nicht immer einer grossen Geste. Bestes Beispiel dafür ist der Ersatzneubau des Badihauses in Mammern.
Am 2. August 2017 wütete ein heftiges Unwetter am Untersee. Der Sturm entwurzelte die mächtige Pappel mit einem Stammdurchmesser von  1,6 Metern, das Wahrzeichen der Seebadi in Mammern prallte auf den Kiosk mit Umziehkabinen. Innert Sekunden war die Idylle zerstört. Wie weiter? Ein Wiederaufbau lohnte sich nicht, da die Infrastruktur zu klein geworden war und der Kanton Thurgau ein rollstuhlgängiges WC forderte, das bislang fehlte.

Mut zur Baukultur

Es sollte also ein Neubau sein. Aber nicht irgend einer, sondern ein guter: Dank der Initiative der Gemeinderätin und Schulpräsidentin Monika Ribi Bichsel, zu deren Ressort die Badi gehört, wurde von Anfang an etwas gesucht, das Freude macht und damit dem schönen Ort gerecht wird. Dies ist umso bemerkenswerter, weil die Behörden oft genug aus Respekt vor allfälliger Opposition der Bevölkerung oder womöglich etwas höheren Kosten, keine Alternativen prüfen, sondern einfach die erstbeste Lösung umsetzen. Zum Glück gingen die Mammerer einen anderen  Weg: Der Gemeinderat beauftragte das Architekturbüro Lauener Baer aus Frauenfeld mit dem ortsansässigen Partner Donatus Lauener mit der Planung. Ein Direktauftrag war in diesem Fall sinnvoll, weil die Kosten mit rund 425 000 Franken (inklusive Umgebung und Honorare)  bescheiden waren, das Vorhaben möglichst schnell umgesetzt werden sollte und die Arbeit des Büros in Mammern wegen des Neubaus des Schifflandestegs 2012 bereits bekannt war.
Gleichwohl bedurfte es von Seiten der Behörden etwas Mut, denn Lauener bringt sich immer wieder konstruktiv in das Baugeschehen der  Gemeinde ein, was natürlich nicht allen gleichermassen gefällt. Das Projekt für das Badihaus stiess von Anfang an auf breite Zustimmung, so dass der Baukredit im vergangenen November einstimmig angenommen wurde. Das liegt an den architektonischen und funktionalen Qualitäten des Entwurfs. Der Entscheid verdeutlicht aber auch den Stellenwert, den die Badi in Mammern einnimmt: Sie ist neben dem Landesteg der einzige öffentliche Zugang zum See. Wegen der einmaligen Lage, den malerischen Sonnenuntergängen, gerahmt vom Seerücken, dem  Rodenberg und dem Hohenklingen mit der Rheinmündung im Zentrum, zieht der Ort von weit her Gäste an.

Runder Holzpavillon – wie ein weiterer Obstbaum

Bauten in der freien Landschaft sind naturgemäss besonders exponiert. Entsprechend gibt es verschiedene Vorgehensweisen, wie das Verhältnis von Gebäude und Umgebung gestaltet werden kann. Manche Architekten entscheiden sich für einen Kontrapunkt, der das Gebäude grösstmöglich inszeniert, andere suchen die Verschmelzung mit der Topografie.
Lauener Baer entschieden sich für einen Mittelweg: Wie ein weiterer Obstbaum steht der 16-eckige, Holzpavillon auf dem leicht zum Ufer hin abfallenden Grundstück. Dank seiner runden Form wird er sozusagen von der Wiese umspült und stellt sich dem Ausblick nicht in den Weg, wie dies bei einem längs gerichteten Gebäude der Fall gewesen wäre. Der Zentralbau strahlt trotz seiner bescheidenen Grösse eine selbstbewusste Präsenz aus. Die beziehungsreiche Formensprache weckt alle Arten von Assoziationen, die von Eisdiele, Rundtempel oder Gartenpavillon bis zum chinesischen Teehaus im Park Sanssouci in Potsdam reichen. Dieser letzte Vergleich wird vom feinen, mit Kupfer gedeckten Dach mit erhöhter Mittelzone hervorgerufen, die ein Oberlicht für den Officebereich enthält. Dank seiner stimmungsvollen, unmittelbar ansprechenden Form wirkt der Neubau vertraut und doch eigenständig.
Die Seebadi liegt ausserhalb des Dorfes, am westlichen Rand der halbinselartigen Ausbuchtung, die Mammerns Lage auszeichnet. Nähert man  sich dem Gebäude, erscheint das Badihaus geschlossen. Rhythmisiert wird der Holzbau von der in gebrochenem Weiss gehaltenen Tragstruktur und den warmtonigen, senfgelben Füllungen, deren Deckleisten ebenfalls hell gestrichen sind und sich so mit dem Tragwerk optisch verbinden. Das Prinzip der Bretterverschalung mit Deckleisten erinnert an die Ökonomieteile alter Bauernhäuser, wirkt in dieser farblich kontrastierenden Weise aber auch als Schmuck. Ebenso charakteristisch sind die elliptischen Öffnungen, die mit Streckmetallgittern ausgestattet, im oberen  Bereich der Wände angeordnet sind. Sie dienen zur natürlichen Belüftung und Belichtung der Garderoben.
Auf Seite der Veranda, die dem See zugewandt ist, wurden die ausgeschnittenen Elemente als friesartiges Ornament eingesetzt, so dass kaum  Abfall entstand. Es sind solche Details wie auch die zweckmässig-raffinierte Mechanik der Ausgabestelle des Kiosks oder der Trinkbrunnen beim Zugang, die dem einfachen Bau etwas Spezielles verleihen.
Während der rückwärtige Teil den Garderoben und Toiletten vorbehalten ist, die trotz kleinster Fläche je über eine Privatsphäre schaffende  Vorzone verfügen, öffnet sich das Gebäude im vorderen Bereich mit einer überraschend weiten, gedeckten Veranda zum See. Sie rahmt die  Aussicht und spendet Schatten, bis die frisch gepflanzte Pappel gross genug ist. Die gedeckte Vorzone ist ein weiterer Pluspunkt des neuen Badihauses, das in weniger als einem Jahr geplant, gebaut und pünktlich zum Saisonauftakt in Betrieb genommen werden konnte. Ein Kleinod, das gelebte Baukultur anschaulich macht.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Wohnen – worldwide

Jürg Grunder, Architekt, Schweiz-Indien / Mathias Lindenau, Leiter Zentrum für Ethik und Nachhaltigkeit FHS, St. Gallen / Mulan Sun,  Architektin, Präsidentin SCAA, Zürich / Moderation Barbara Bleisch,  Philosophin, Zürich

Mo 3. September 2018, 19.30 Uhr im Forum

Indien zählt zu den am stärksten expandierenden Volkswirtschaften weltweit. Die wachsende Einwohnerzahl wurde 2018 auf 1,334 Milliarden geschätzt. 65% der Bevölkerung sind unter 35 Jahre alt. 226 Millionen die heute zwischen 10- und 19-jährig sind, beginnen nächstens eine Ausbildung. 84 Millionen wollen in den Bausektor. Doch dort gibt es kaum Berufsschulen.
Im Jahr 1991 hat sich Indien zum Weltmarkt geöffnet. Der Aufschwung im indischen Markt zeigt die Folgen in Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. In den grossen Städten kommen täglich je 2000 Menschen an und bleiben. Da müssen rasch Strategien zur Stadt- und Infrastrukturplanung entwickelt werden. Neue Gesetze bestimmen die Art des Mit- und Nebeneinanders, das klar anders ist als früher
im Dorf.
Auch im Wohnungsbau folgt der Markt der Nachfrage. Neue Typologien sind zu schaffen. Da können Beispiele aus Osten oder Westen beigezogen werden oder man stützt sich auf die Tradition ab und verändert diese, passt sie an. Beeindruckend, mit welcher Flexibilität und Intensität die zahlreichen Herausforderungen bewältigt werden. Und das in jedem Massstab. Die getroffenen Massnahmen und Aktivitäten betreffen jede einzelne Person und die gesamte demokratische Gemeinschaft.
Die beiden Mentalitäten, das Drängende / Flexible und das Überlegte / Planende ergänzen sich vorzüglich. Es wird zur dritten Kultur. Wir nennen das IN:CH.

 

Bildnachweis: Jürg Grunder

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

 

Einladungskarte September 2018

ArchitekTour

Mailand – italomodern

Do 30. August – So 2. September 2018

Mailand, die pulsierende und schicke Metropole Norditaliens, erlebt eine Stadterneuerungsphase, die das Gesicht der Stadt im Zuge der EXPO 2015 neugestaltet hat. In den letzten zehn Jahren wurden die grössten Industrieanlagen in neue Stadtquartiere umgewandelt. Statt ehemaligen Industriehallen entstanden neue Wohngebäude, Büroflächen, Universitäten und öffentliche Grünanlagen. Die wichtigsten italienischen und internationalen Architekten haben in den letzten Jahren innovative Projekte entworfen, die das gesamte Bild der Stadt verändert haben. So hat Mailand eine Transformation erlebt, die ihr weltweit die Rolle einer Hauptstadt im Bereich Mode, Design und Kultur verliehen haben.
Schwerpunkt der Reise wird aber das Augenmerk auf die zahlreichen bekannten und unbekannten Bauten sein, die vom Aufbruch der Nachkriegszeit zeugen:  «italomoderne Bauten» der Jahre 1940 bis 1970 von Luigi Caccia Dominioni, Giò Ponti, Pier Luigi Nervi etc., ergänzt durch aktuelle Bauten wie die Feltrinelli Foundation von Herzog & de Meuron und die Fondazione Prada von OMA.

Wir haben die Möglichkeit, einen Einblick in das international führende italienische Unternehmen B&B Italia zu erhalten, welches Designmöbel sowohl für den Wohnbereich als auch für öffentliche Bereiche herstellt.

Das Detailprogramm ist in Bearbeitung und wird den Teilnehmern bei der Abreise abgegeben. Teilnehmerzahl mind. 18, max. 24 Personen. Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt.
Versicherung und ggf. Reiserücktrittsversicherung sind Sache des Teilnehmers.
Änderungen bleiben vorbehalten.

Kosten Mitglieder 890.–* / Nichtmitglieder 990.–*
* Inklusive Fahrt im Komfortreisebus, 3 Übernachtungen mit Frühstück im DZ (EZ-Zuschlag: 200.–), ÖV, Führungen und Eintritte. Abfahrt Do ca. 6.30 Uhr, Rückkehr So ca. 19 Uhr

Mitgliedschaft Architektur Forum Ostschweiz

Profitieren Sie vom Mitgliederpreis und melden Sie sich jetzt zur Mitgliedschaft im Architektur Forum Ostschweiz an.

 

Bildnachweis: Werner Feiersinger

Anmeldekarte ArchitekTour Mailand – italomodern

Städtische Ausstellung im Forum

Peter Dew: round and round an round again

Ausstellung: Fr 31. August bis So 23. September 2018
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Donnerstag, 30. August 2018, 18.30 Uhr
Einführung: Kristin Schmidt

Fundstücke, Magazinseiten, kleine Beobachtungen – Peter Dews künstlerische Materialien sind alltäglich, einfach und unaufdringlich. Der gebürtige Brite ist ein stiller Künstler mit einem grossen Gespür für die Aussagekraft kleiner Dinge. Unter seinen Händen verwandeln sich Kartonröhren, Draht und Gips in hintergründige Plastiken und fotografische Aufnahmen zufälliger Fundstücke in poetische Bildserien. Seine Werke entwickelt er oft für einen gegebenen Ort und beweist damit immer wieder ein grosses Gespür für die Besonderheiten eines Raumes, für dessen Charakter und Atmosphäre. Auch im Architektur Forum Ostschweiz sind präzise platzierte Kleinstobjekte zu entdecken, die den aufmerksamen Blick mit ihrer Aussagekraft belohnen. Dabei beziehen sie sich einerseits auf den Raum selbst und andererseits auf andere ausgestellte Werke, wie beispielsweise die Fotografien der Serie „Grandfather“: Jahresringe schleichen sich in Zifferblätter ein, bedecken Uhrenreklame und rücken sowohl den Kontrast als auch die Parallelen von natürlichen und künstlichen Formen ins Bild. Auch die Fotografien von vorgefundenen Verdopplungen setzen dieses Spiel auf humorvolle Weise fort. Peter Dew findet Zwillinge, wo sie kaum jemand vermutet und entdeckt etwas Besonderes, wo die meisten schon gar nicht mehr hinschauen.

Peter Dew (*1967 in Grossbritannien) studierte dreidimensionale Kunst und Bildhauerei an der Winchester School of Art der University of Southampton. Seit 20 Jahren lebt und arbeitet er in St.Gallen. 2006 erhielt er einen Förderpreis und 2017 einen Werkbeitrag der Stadt St.Gallen.

Städtische Ausstellung im Forum

Martin Leuthold «Vlies» – Städtische Ausstellung verlängert

Ausstellung: Fr 23. November bis Sa 22. Dezember 2018
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Finissage: Sa, 22. Dezember 2018, 11 bis 13 Uhr

Der Textildesigner Martin Leuthold erhielt 2017 den Anerkennungspreis der Stadt St.Gallen. Seine Ausstellung «Vlies», die gemeinsam mit der St.Galler Künstlerin Katalin Deér entstand, wird eine Woche länger zu sehen sein als ursprünglich geplant und am 22. Dezember 2018 mit einer Finissage schliessen.

Martin Leuthold zeigt in der Ausstellung «Vlies» im Architektur Forum Ostschweiz seine Inspirationsquellen: Seine Postkartensammlung vereint Kunstwerke aus allen Jahrhunderten und ist inzwischen auf 4’500 Motive angewachsen. Im Architektur Forum Ostschweiz zeigt ein eigens gedruckter Vliesboden Martin Leuthold inmitten seiner Bildersammlung. Entstanden sind die Fotografien im Auftrag der schweizerischen Architekturzeitschrift «Hochparterre». Dafür hatte der Textildesigner seine  Postkartensammlung in der Kunst Halle Sankt Gallen ausgebreitet und die Künstlerin Katalin Deér fotografierte ihn dabei.

Die Ausstellung stösst auf grosses Interesse und wird deshalb bis zum 22. Dezember 2018 verlängert. Am Samstag, 22. Dezember 2018, 11 bis 13 Uhr, findet die Finissage unter dem Titel «Souvenir de Vlies» statt.
Ausserdem eröffnet kommende Woche am Dienstag, 18. Dezember 2018, die Stiftsbibliothek St.Gallen das Ausstellungsprojekt «XULLUX»: eine Installation von Martin Leuthold mit Siegrun Appelt im Barocksaal der Stiftsbibliothek.

Die Grossen im Zentrum behalten

Onlinehandel, Shoppingcenter in der Peripherie und das Angebot in der nächstgrösseren Stadt sind heute die Konkurrenz für Dorf- und  Kleinstadtzentren. Doch es gibt Strategien, diesen zu begegnen – das zeigt das Beispiel Weinfelden.

24.07.2018 von Andrea Wiegelmann

Das typische Bild der Zentren ausserhalb der grossen Städte ist uns allen bekannt: An der Peripherie der Ortschaften liegen – praktisch an den Ein- oder Ausfallstrassen positioniert – Einkaufszentren oder Gruppierungen von Detaillisten wie Coop, Migros, Aldi und Lidl mit grosszügigen Parkplätzen. Das Einkaufen geht hier rasch und unkompliziert, warum also noch in die Zentren fahren? Für diese können die Folgen verheerend sein: Detaillisten wandern ab, die Kunden werden weniger, das Angebot schrumpft. Mit dieser Entwicklung, die durch den wachsenden Onlinehandel noch befördert wird, haben  nahezu alle Gemeinden zu kämpfen. Schwierig wird es besonders dann, wenn die grossen Detaillisten das Zentrum verlassen. Doch welche Möglichkeiten gibt es, um nachhaltig gegenzusteuern?
Die Stadt Weinfelden hat für sich einen vielversprechenden Weg beschritten und ist heute dabei, Massnahmen umzusetzen, die das bestehende Angebot im Zentrum stärken. Denn, so David Keller, der für die Gemeinde Weinfelden die Standortentwicklung begleitet: «Wir haben eine gute Infrastruktur, es gibt ein breites Angebot – vom Supermarkt, über Spezialitätengeschäfte und Gastronomie bis hin zum Sportstudio, auch Parkplätze sind ausreichend vorhanden. Das Zentrum Weinfeldens ist wie ein grosses Shoppingcenter, es ist einfach nicht überdacht.» Die Kombination setzt Weinfelden in Vorteil  gegenüber dem Onlinehandel und den peripheren Zentren. Dies möchte Keller mit Detailhandel, Gewerbe und Gastronomie aktiv kommunizieren. Gemeinsam haben sie den «Wyfelder Fritig» initiiert: an jedem ersten Freitag im Monat kann das Publikum bis zum Abend durch das Zentrum flanieren und einkaufen.

Aktiv gestalten, um sich weiter zu entwickeln

Der «Wyfelder Fritig» ist Ergebnis eines Prozesses, den die Stadt 2014 mit einer Stadtanalyse, für die sie das Kompetenzzentrum Netzwerk Altstadt beauftragte, begonnen hat. Auslöser für diese  Standortbestimmung war, so Martin Belz, Chef des Bauamts Weinfelden, dass bei der letzten Untersuchung 2005 die heutigen Subzentren an der Peripherie Weinfeldens gerade entstanden sind. Ursache war unter anderem die relativ liberale und flächenintensive Bau- und Zonenordnung aus den 1980er-Jahren, die das Entstehen der Subzentren begünstigte. Man hat die Folgen gesehen und sich die Frage gestellt, ob dies weiterhin der richtige Weg ist. Zum gewählten Vorgehen, dem Beauftragen externer Fachleute, meint Belz, es sei wichtig, sich bei der Analyse nicht nur auf das eigene Urteil zu verlassen. Es gehe nicht nur um das Erkennen von Schwächen, sondern auch um die Einschätzung von Standortvorteilen. Dies habe die Analyse bestätigt.

Nach deren Vorlage hat der Gemeinderat entschieden, eine Nutzungsstrategie in Auftrag zu geben, um Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung Weinfeldens zu erhalten. Auch hierzu wurde das Netzwerk Altstadt beauftragt. Das Team hat es verstanden, die Ansprüche aller Betroffen abzuholen und ein Bewusstsein dafür zu wecken, dass im Miteinander Standortentwicklung möglich ist. Denn, so Belz, das Erlebnis Weinfelden sei das beste Argument egenüber dem Internethandel. In diesem Sinn wurden Massnahmen zur Positionierung und Entwicklung Weinfeldens definiert.
Parallel zu diesem partizipativen Ansatz ist die Gemeinde mit der Überarbeitung der Bauordnung und Zonenplanung dabei, auch auf regulatorischer
Ebene den Rahmen zu justieren. Ziel ist es, aktiv zu steuern, um die flächenintensiven Nutzungen an den Peripherien zu kanalisieren. Unter anderem sind Mindesthöhen festgelegt, die mehrgeschossige Bauten verlangen, um dem Flächenverbrauch zu reduzieren. Die neue Fassung wurde im Juni verabschiedet und geht nun an den Kanton zur Genehmigung. Gleichzeitig unterstützt die Gemeinde die Grossverteiler im Zentrum und finanziert beispielsweise die Betriebskosten des Rössli-Felsen-Parkings, dessen Grundeigentümerin sie ist, mit.

Die Identität des Standortes stärken

David Keller möchte über den «Wyfelder Fritig» hinaus, der Anfang Juli bereits zum dritten Mal stattgefunden hat, mit den Detaillisten einen Heimlieferdienstes für Kunden einrichten und eine Signalethik für das Zentrum entwickeln. «Wenn die Akteure verstehen, dass ein aktiv gelebtes ‹Wir sind Weinfelden› der Schlüssel ist, um als Standort attraktiv zu sein, dann haben wir sehr viel erreicht», erklärt der gelernte Architekt. Baulich soll der Bahnhofsplatz als Eingang Weinfeldens gestaltet werden. «Wir sind dabei, ein Betriebs- und Gestaltungskonzept zu erarbeiten», so Martin Belz. All diese Massnahmen dienen der Stärkung des Ortskerns und zielen darauf, mehr Publikumsverkehr ins Zentrum zu bringen, um den Standort auch für Grossverteiler attraktiv zu halten. Auch der Fussverkehr, das Flanieren, solle  verbessertwerden.
Belz erläutert: «Es braucht als Gemeinde einen gewissen ‹Schnauf›, und die richtigen Schlüsselfiguren.» Dass die Gemeinde zu einem Ergebnis kommen wolle, zeige auch die Schaffung von David Kellers Stelle. Er ergänzt: «Der Weg hat sich bis hierher gelohnt und ich hoffe, wir können ihn weitergehen.» Dabei wissen Belz und Keller nicht, wie viel Erfolg sie haben werden, denn niemand kann heute sagen, wo der Detailhandel in fünf Jahren stehen wird und wie sich der Onlinehandel entwickelt.
Abwarten, bis alle schlechten Prognosen eintreten, das wollte man in Weinfelden nicht und das scheint eine wesentliche Voraussetzung, um Ortszentren lebendig zu halten. Oder, um es mit den Worten von Martin Belz zu formulieren: «Es braucht den Willen und das Bewusstsein, es braucht Zeit, Geld und Ressourcen – nur dann kann man hoffen, dass Projekte wie diese erfolgreich werden.»

 

Bilder: Gemeinde Weinfelden

Sommer Camp Architektur

Altstätten

Zum ersten Mal wurde in den Sommerferien 2018 der Ferienkurs «Sommer Camp Architektur – Entdeckungsreise Architektur» für Kinder und Jugendliche durchgeführt. Während dieser Woche lernten die jungen Menschen unter Anleitung von professionellen Vermittlerinnen und Vermittler ihre Stadt und die Umgebung besser kennen. Fachleute (Architekten und Ingenieure, verschiedene Fachplaner, Raumplanerinnen etc.) besuchten die Kurse, berichteten von ihrer Arbeit und davon, wie unsere gebaute Umgebung entsteht.
Das Ziel der Kurse ist es, die lokale Baukultur kennen zu lernen und Wertschätzung für sie zu entwickeln. Weil jeder Ort seine spezifischen Eigenschaften aufweist und sich eine Vertiefung zu unterschiedlichen Themen anbietet, sind die Resultate der drei Kurse sehr unterschiedlich. Eine Ausstellung bildete den Abschluss und die Resultate wurden einer breiteren Bevölkerung vorgestellt.

Mehr Informationen auf Sommer Camp Architektur

Mit freundlicher Unterstützung 150 Jahre
Jubiläum St. Galler Kantonalbank

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Kanton St. Gallen

Sommer Camp Architektur

St. Gallen

Artikel St. Galler Tablatt vom 12.07.2018

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Sommer Camp Architektur

Wil

Zum ersten Mal wurde in den Sommerferien 2018 der Ferienkurs «Sommer Camp Architektur – Entdeckungsreise Architektur» für Kinder und Jugendliche durchgeführt. Während dieser Woche lernten die jungen Menschen unter Anleitung von professionellen Vermittlerinnen und Vermittler ihre Stadt und die Umgebung besser kennen. Fachleute (Architekten und Ingenieure, verschiedene Fachplaner, Raumplanerinnen etc.) besuchten die Kurse, berichteten von ihrer Arbeit und davon, wie unsere gebaute Umgebung entsteht.
Das Ziel der Kurse ist es, die lokale Baukultur kennen zu lernen und Wertschätzung für sie zu entwickeln. Weil jeder Ort seine spezifischen Eigenschaften aufweist und sich eine Vertiefung zu unterschiedlichen Themen anbietet, sind die Resultate der drei Kurse sehr unterschiedlich. Eine Ausstellung bildete den Abschluss und die Resultate wurden einer breiteren Bevölkerung vorgestellt.

Artikel St. Galler Tablatt vom 14.07.2018

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Sommer Camp Architektur

Einladung zur Vernissage

Wir möchten Sie herzlich zur den Vernissagen einladen, an denen die Ergebnisse des Sommer Camp Architektur an den verschiedenen Standorten präsentiert werden.

St. Gallen 13. Juli 2018, 16 Uhr, Architektur Forum Ostschweiz, Davidstrasse 40
Wil 13. Juli 2018, 16 Uhr, Lokremise Wil, Silostrasse
Altstätten 20. Juli 2018, 16 Uhr, Da Valentino, Marktgasse 26

Nicht durchgeführt werden dieses Jahr die Sommer Camp Architektur in Wattwil, Teufen und Rapperswil-Jona

Mehr Informationen zum Sommer Camp Architektur

 

Bildnachweis: Daniel Ammann/SGKB

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Sommer Camp Architektur

Durchführung St. Gallen und Wil

Nach langer Zeit der Vorbereitung und Organisation freuen wir uns, dass es endlich soweit ist: die Kinder sind da und das Programm ist gestartet.

Das Sommer Camp Architektur findet im Moment statt in St. Gallen und in Wil

Mehr Informationen zum Projekt unter Sommer Camp Architektur

 

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Sommer Camp Architektur

Es geht los!

Die zwei Sommer Camp Orte Wil und St.Gallen sind eingerichtet, das Material verteilt und die letzten Vorbereitungen laufen. Es kann losgehen!

Das Frondienststadion

Die Mitglieder des Fussballclubs US Schluein Ilanz aus dem Bündner Oberland haben den Bau ihres Fussballstadions
massgeblich mitgetragen. Das markante Gebäude überzeugt nicht nur funktional, sondern auch architektonisch.

07.07.2018 von Tina Mott

Die schmale Strasse schlängelt sich durch das dunkle Grün der Au entlang des Vorderrheins und führt zu den staubigen Mondlandschaften des Kieswerks von Schluein. Während im Süden das klare Wasser des Quellflusses durch die Erlen blitzt, erhebt sich auf der gegenüberliegenden Seite die kompakte Masse einer langgezogenen, rauverputzten Mauer. Kleine, unregelmässig angeordneten Fensterscharten in der schroffen grauen Wandfläche lassen das Bild einer wehrhaften Trutzburg entstehen, der Sockel aus glattem Beton erzählt vom Hochwasser, das zur Schneeschmelze immer wieder über die Ufer tritt.
Die seitlich angeordnete Eingangspforte ist niedrig und schmal, doch das feine Türblatt aus Bronze lässt bereits eine besondere Gestaltung der Räume dahinter erahnen. Steigt der Besucher ann über die Schwelle, öffnet sich sein Blick in eine hohe, lichte Holzkonstruktion, die eine schlanke,  weitauskragende Dachscheibe trägt. «Wir haben versucht, zwei unterschiedliche Atmosphären zu schaffen», erzählen die beiden Architekten Georg Krähenbühl und Jan Berni. «Die Rückwand des Stadions nimmt die Rauheit der Umgebung auf und schottet die Anlage gegen die Strasse und die Parkplätze ab. Wer aber durch diese massive Mauer tritt, findet sich in einem Bauwerk aus warmen, weichen Materialien, mit angenehmer Haptik und Akustik.» Das Fussballstadion Crap Gries beherbergt unter seinem grosszügig dimensionierten Pultdach Tribünenplätze für etwa 500 Zuschauer,  Garderoben- und Lagerräume sowie ein behagliches Vereinslokal mit Cheminée und Restaurationsbetrieb.

Spannweite durch die maximale Baumlänge begrenzt

Der Einsatz von regionalen Werkstoffen und die Vergabe der Arbeiten an heimische Handwerker war den beiden Planern besonders wichtig, um die  Wertschöpfung möglichst vor Ort zu halten. «Aus diesem Grund haben wir uns dafür entschieden, massives Holz für die Tragstruktur zu verwenden. Diese Wahl zog dann aber zahlreiche Konsequenzen nach sich. Zum Beispiel wurde die Spannweite unserer Konstruktion durch die maximale Baumlänge im Kanton begrenzt – und das sind 13 Meter», erklärt Krähenbühl. Gemeinsam mit dem Holzbauingenieur Walter Bieler wurde dann nach Lösungen gesucht, die dem Baustoff gerecht werden und auch ästhetisch ansprechend sind. Die Anerkennungspreise beim renommierten internationalen Wettbewerb für nachhaltiges Bauen «Constructive Alps» und bei «Gute Bauten Graubünden» sprechen vom Erfolg dieses Unterfangens.
Seit der Gründung ihres Vereins im Jahr 1942 sind es die Fussballer von Schluein gewohnt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Damals rodeten die Spieler den Platz mühsam aus dem Auwald und errichteten, erneuerten und unterhielten während der folgenden Jahrzehnte die Garderobengebäude mit sehr einfachen Mitteln. Doch schon bald nach der Fusion mit dem FC Ilanz zum grössten Sportverein der Surselva im Jahr 2002 wurde deutlich, dass die Anlagen den steigenden Anforderungen und Mitgliederzahlen der «Uniun Sportiva Schluein Ilanz» nicht mehr gerecht werden konnten. Also setzte sich der damalige Architekturstudent und Vereinskicker Jan Berni mit seinem Kollegen Georg Krähenbühl zusammen und die beiden entwickelten gemeinsam Ideen, um die räumliche und infrastrukturelle Situation des Clubs zu verbessern.
Nachdem sie ihre ersten Entwürfe bei einer Generalversammlung präsentieren konnten, gewann das Unternehmen an Dynamik. «Als der Funke der  Begeisterung auf die Mitglieder übergesprungen war, wurde das Projekt mit vereinten Kräften angepackt. Der Verein hat uns sein Vertrauen  entgegengebracht und auch sehr viel Spielraum gelassen», erzählen die Planer. Eine Baukommission wurde gegründet und die Beteiligten unterstützten den Planungsprozess mit eigenen Gedanken und Ideen. Nun ging es daran, die politischen und finanziellen Rahmenbedingungen abzuklären und nach den Unterstützungszusagen durch die umliegenden Gemeinden und Sponsoren aus der Region wurde das Projekt weiterentwickelt.

6000 Stunden Eigenleistungen zugesichert

Als der Neubau dann im Sommer 2015 eröffnet wurde, konnten die Beteiligten auf die Beschaffung von Mitteln in Höhe von 1,35 Millionen Franken sowie 6000 Stunden an Eigenleistungen  zurückblicken. Von Anfang an war klar, dass ohne die tatkräftige Mithilfe der Vereinsmitglieder ein Bauwerk in der gewünschten Qualität und Grössenordnung nicht umsetzbar gewesen wäre. Daher sollten auch möglichst viele Arbeiten durch die freiwilligen Helfer ausgeführt werden, wodurch sich der Arbeitsprozess aber auch als länger und komplexer erwies als auf einer herkömmlichen Baustelle. Einige der Unterstützer waren Handwerker, die ihre Arbeit sponserten oder auch Material. So fertigte zum Beispiel der Baumeister die tragende Rückwand und die Betonelemente, während die  Zwischenmauern von den Mitgliedern selbst gefügt wurden.
Vor allem an den zahlreichen sorgfältig geplanten und ausgeführten Details des Bauwerks zeigt sich das besondere Engagement der Mitwirkenden. Die aufwendig gestalteten Elemente wie die tonnenförmige Akustikdecke im Vereinslokal oder die dreidimensional geschalten Brunnenelemente in den Umkleidekabinen waren nur dadurch möglich, dass die Mitwirkenden ihre Zeit grosszügig zur Verfügung stellten und mit Begeisterung und Sorgfalt an die Arbeit gingen.
«Es gab von so vielen Seiten Unterstützung, sonst hätten wir es nicht geschafft», resümieren die Architekten. «Die verschiedenen Altersgruppen haben zusammengearbeitet, sich gegenseitig geholfen und voneinander gelernt. Das Schönste an diesem Projekt war das Gemeinschaftliche, denn jeder im Verein wollte und konnte seinen Teil zu unserem Stadion beitragen.»

«Jeder im Verein wollte und konnte seinen Teil beitragen.»  Architekten Georg Krähenbühl und Jan Berni

«Wir hatten den Wunsch, städtebaulich, funktional und gestalterisch das richtige Haus für diesen Ort zu  bauen», erklärt Monika Roell abschliessend. «Ein  Gebäude, das seinen eigenen Charakter hat und sich trotzdem anpasst, eine Ergänzung ist und vielleicht  sogar ein Wegweiser dafür, was in Zukunft an der  Hauptstrasse gebaut werden wird. Denn wir möchten hier Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen  Bereichen anlocken – und das ist nicht so einfach.»

 

Bilder: Ralph Feiner

Städtische Ausstellung im Forum

Aleksandra Signer

Ausstellung: Fr 1. Juni bis So 24. Juni 2018
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Donnerstag, 31. Mai 2018, 18.30 Uhr
Einführung: Kristin Schmidt

Flyer Ausstellung Aleksandra Signer

Vor Ort

Landwirtschaftliches Zentrum Salez

Mo 4. Juni 2018, 17 Uhr vor Ort

Besichtigung mit Referaten und Führung Werner Binotto, Kantonsbaumeister, St.Gallen / Andy Senn, Architekt, St.Gallen / Konrad Merz, Bauingenieur, Altenrhein / Richard Widmer, Haustechnikplaner, Wil

Das Projekt des Architekturbüros Andy Senn, Architekt BSA SIA, St. Gallen, ging 2011 als Sieger aus dem  Projektwettbewerb hervor. Es umfasst den Neubau des gesamten Schulbereichs, des Internatsbereichs und der Hauswartwohnung. Der zweiflügelige, abgewinkelte Ersatzneubau ist klar unterteilt in einen Flügel für den  Schulbereich und einen Flügel für den Internatsbereich.
Aufgrund des schlechten Baugrunds ist das Gebäude auf Pfählen fundiert. Das Untergechoss und die Bodenplatte des Erdgeschosses sind in Stahlbeton ausgeführt. Die Tragstruktur der Obergeschosse dagegen ist – mit Ausnahme der Holz-Beton-Verbund-Decken – eine reine Holzkonstruktion, die auch zukünftige Anpassungen an sich verändernde
Raumanforderungen ermöglicht. Die Holzbaustruktur ist auch im Innern des Gebäudes direkt wahrnehmbar.
Die Wärmeerzeugung für die Gesamtanlage erfolgt über eine Holzschnitzelanlage. Auf dem südlich ausgerichteten Flachdach ist zudem eine Photovoltaikanlage geplant. Zur Schaffung eines gesunden Raumklimas wird auf optimale Tageslichtverhältnisse, schadstoffarme Werkstoffe und Baumaterialien sowie auf einen ausreichenden Schallschutz grossen Wert gelegt. Gesamthaft erfüllt die Bauvorlage im energetischen Bereich die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft.

Bildnachweis: Andy Senn Architekt BSA SIA

Landwirtschaftliches Zentrum SG
Rheinhofstrasse 11, 9465 Salez

In Zusammenarbeit und Unterstützung  mit der Lignum Holzkette St.Gallen

Eintritt frei

Anmeldungen bis Fr 25. Mai 2018 an
vor-ort@nulla-f-o.ch oder info@nulllignumsg.ch
Teilnehmerzahl beschränkt.

Einladungskarte Juni

LandschaftsarchitekTour

Wohnen und Freiraum – Beispiel Zürich

Sa 26. Mai 2018

Zeitgemässe Wohnformen heisst auch attraktive Freiräume. Mit neuen Wohnungstypologien sowie unterschiedlichen städtebaulichen Antworten wie Grossformen oder der Maxime der Verdichtung steigt der Anspruch auf qualitativ hochwertige Freiräume im Wohnumfeld. Dazu braucht es nebst privaten Rückzugsorten auch Möglichkeiten zu sozialen Interaktionen unter den BewohnerInnen wie auch Möglichkeiten der Aneignungen des Freiraumes. Passend zum Jahresthema erkunden wir auf der diesjährigen Tour unterschiedliche Wohnumfelder anhand aktueller Wohnüberbauungen in der Stadt Zürich.

Programm

Rautistrasse: UNDEND – Architektur AG, Zürich/ Ganz Landschaftsarchitekten, Zürich
Freilager: Rolf Mühlethaler Architekt, Bern/ Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich
Triemli 1: Hauenstein LaRoche Schedler Architekten, Zürich/ Tobler Landschaftsarchitekten AG, Haldenstein
Triemli: von Ballmoos Krucker Architekten, Zürich/ vivo.architektur.landschaft gmbh, Zürich
Kalkbreite: Müller Sigrist Architekten, Zürich/ freiraumarchitektur gmbh, Luzern

Weitere Details folgen mit der Anmeldung

Beteiligte Personen
Landschaftsarchitekten/-innen, Architekten/-nnen, Bauherrschaften

Anmeldung

Mit vollständigen Angaben bis 18. Mai 2018 an
landschaftsarchitektour@nulla-f-o.ch

Mitglieder BSLA und Architektur Forum
Ostschweiz gratis, Nichtmitglieder Fr. 30.–
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt

Mitgliedschaft Architektur Forum Ostschweiz

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Treffpunkt

Sa 26. Mai 2018, 10.30 Zürich HB Ausgang Europaallee

Ausverkauf des Untergrunds

Die Verdichtung unserer Städte geschieht nicht nur oberirdisch, auch unter der Erde bauen wir immer mehr. Damit verschwinden auch die Pflanzen, die darin wurzeln, vor allem Bäume. Doch gerade sie werden für unser Stadtklima immer wichtiger.

19.05.2018 von Andrea Wiegelmann

Läuft man in diesen Tagen vom St. Galler Hauptbahnhof in Richtung Innenstadt, dann kann man den Bauarbeitern beim Verlegen der massiven  Natursteinplatten entlang der Kornhausstrasse zuschauen. Zwischen den Platten sind quadratische Felder ausgespart, die Platz für eine spätere Bepflanzung schaffen und dem Grün zumindest etwas Wurzelraum lassen. Anders dagegen auf dem Vadianplatz am Neumarkt. Die das ganze Areal ausfüllende unterirdische Tiefgarage ermöglicht kein wurzelndes Grün. Pflanzkübel schaffen zumindest optisch Abhilfe, doch sie sind kein Ersatz. Die Pflanzen darin wachsen kaum und bieten nur bedingt einen Mehrwert für das Stadtklima, im Gegensatz zu wurzelnden Bäumen.
Doch unsere Städte sind gebaut, freie Grundstücke gibt es kaum, neue Angebote an Wohn-, Büro- oder Gewerbeflächen erfordern in der Regel Ersatzneubauten, die sehr häufig mit Tiefgaragen unterbaut werden. Solche Lösungen, die mit der Revision des Raumplanungsgesetzes auch gefordert sind, stehen einer Bepflanzung – gerade mit Bäumen – entgegen.

Bäume sind Lebensräume für Kleintiere

Bäume brauchen Platz im Erdreich: Die natürliche Wurzelentwicklung eines frei wachsenden Baumes entspricht etwa der Grösse seines  Kronendurchmessers. Mit der zunehmenden Unterbauung der Grundstücke verschwinden somit Bäume und damit gehen nicht nur Freiraumqualitäten verloren. Bäume spenden Schatten, verbessern das Stadtklima und die Luftqualität, sie sind Lebensraum für Vögel und andere Kleintiere, sie prägen Strassenzüge und sind Teil gewachsener städtischer Strukturen. «Es dauert Jahrzehnte, bis ein Baum eine gewisse Grösse erreicht, um dies leisten zu können», erläutert die Zürcher Landschaftsarchitektin Rita Illien.

Erholungsraum dank Grünanlagen

Während in den Innenstädten Bäume als Schattenspender in heissen Sommern geschätzt sind und in Hitzeperioden ab einem gewissen Baumanteil die Temperaturen erheblich gesenkt werden können, spielen sie in unseren Wohngebieten zudem als Grün- und Erholungsraum eine wichtige Rolle. Doch dort stehen sie ebenfalls unter Druck. Siedlungen mit zwei- oder dreigeschossigen Zeilen werden heute oft nachverdichtet, wenn nicht gar durch Neubauten mit Tiefgaragen ersetzt. Die Gartenqualitäten, die die ursprünglichen Grünanlagen hatten, gehen dabei verloren und der Baumbestand schwindet auch hier.
«Wir dürfen die Bedeutung der hausnahen Grünräume nicht unterschätzen, die man innert weniger Minuten erreichen kann, sie sind wichtig, gerade  für Kinder und ältere Menschen», führt Rita Illien  weiter aus und fordert, bei grossen Arealüberbauungen sollten mindestens 30 bis 40 Prozent der Fläche nicht unterbaut und für Baumbepflanzungen freigehalten werden. Dass sich die Pflanzung von Bäumen und eine mögliche Unterbauung nicht  ausschliessen müssen, hat die Landschaftsarchitektin bereits unter Beweis gestellt. In Chur hat sie mit dem Architekten Conradin Clavout bei der   Überbauung des Areals Pulvermühle 2017 eine Möglichkeit gefunden, Baumpflanzungen trotz der geforderten Tiefgarage zu realisieren. Das ehemalige Wohn- und Gewerbegebiet ist heute durch den Neubau einer u-förmigen Wohnanlage besetzt, die am Zugang zum Areal mit einer  Kletterhalle und einem Café öffentliche Nutzungen aufweist. Die geforderte Tiefgarage ist unter den Wohnbau gelegt, sie entwickelt sich ebenfalls  u-förmig und ist nicht über das ganze Grundstück geführt. Der Hof der Bebauung, an den die privaten Gärten der Erdgeschosswohnungen  anschliessen, konnte somit bepflanzt werden. «Wir wollten einen Bereich schaffen, der frei von einer Unterbauung ist, damit in diesem Hof in 30 Jahren einmal schöne, stattliche Bäume stehen werden», erläutert Illien. «Auch beim Zugang zur Anlage konnten wir durch die gewählte Führung der Tiefgarage Bäume pflanzen. Dieser Platz ist die Adresse des Areals, hier stehen Platanen.» Dass eine Baumbepflanzung für den jeweiligen Ort optisch-räumliche Qualitäten besitzt, führt die Landschaftsarchitektin weiter aus und erläutert das Konzept der Hofbepflanzung: «Wir haben diese so gewählt, dass die Bäume über das Jahr den Wechsel der Jahreszeiten zeigen. Es sind Vogel-Kirschen, die im Frühjahr schneeweiss blühen und eine intensive rote Herbstfärbung besitzen, und dazu haben wir Spitzahorn gesetzt. Der Ahorn wächst zudem schnell, es war mir ein Anliegen, dass es rasch Schatten gibt im Hof.» Dass der Bewuchs einer gewissen Dynamik unterworfen ist und dass man in zehn Jahren die Baumgruppen vielleicht auch ausdünnen müsse, das gehöre zu einem Grünraum dazu. Das Bewusstsein für seine Anlage und seine Pflege müsse gefördert werden.

Bäume schaffen in heissen Sommern ein gutes Mikroklima

Tiefgaragenplätze versprechen angeblich Rendite und werten Wohnungen scheinbar auf, kommen also deren Verkäuflichkeit entgegen. Doch handeln wir uns nicht Probleme mit dieser grossflächigen Unterbauung unserer Stadtquartiere ein? Nicht nur der Baumbestand, auch Versickerungsflächen nehmen ab, die Ableitung von Regenwasser ist bei Arealüberbauungen oftmals ein Problem. Zudem gewinnt die Frage des Stadtklimas immer mehr an Bedeutung. Bäume schaffen in heissen Sommern ein gutes Mikroklima und können – je nach Art und Positionierung vor Fassaden – einen aufwendigen Sonnenschutz ersetzen. Solche Aspekte werden bei der Planung von Neubauten bisher kaum berücksichtigt.
Räumlich gut gestaltete Grünanlagen schaffen eine qualitätvolle Stadtnatur, die für uns Erholungsraum ist, Identifikation bietet und das Stadtklima  positiv beeinflussen kann. Schon 30 Prozent nicht unterbauter Fläche pro Areal können helfen. Ein Baum braucht zwanzig bis dreissig Jahre, um eine gewisse Grösse zu erreichen – ob wir bis dahin überhaupt noch Tiefgaragen in diesen Ausmassen benötigen, ist fraglich. Dass wir dann heissere Sommer haben werden, aber gewiss.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Wohnen – Wohnen und Freiraum

Stefan Rotzler, Landschaftsarchitekt, Zürich/ Ulf Jacob, Soziologe der Landschaft, Berlin / Paul Bauer, Leiter Planung und Beratung Grün Stadt Zürich / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 7. Mai 2018, 19.30 Uhr im Forum

„If the edge fails the space does not work“
Christopher Alexander

Im Wohnumfeld reiben sich private, gemeinschaftliche und öffentliche Interessen. Ihre unterschiedlichen Spielregeln und Anspruchsprofile führen häufig zu Konflikten. Damit die Koexistenz der Sphären möglich ist, sind klare Spielregeln und eine sorgfältige Gestaltung unumgänglich.

Aldo van Eyck hat von Schwellen und Übergängen mehr als von Grenzen zwischen privat gemeinschaftlich und öffentlich gesprochen und ein gestalterisches Vokabular für sie entwickelt: Stufen, Terrassen, Höhenversätze, Pflanzungen, Hecken, grüne Filter, Palisaden etc. Um als Schwellen zu funktionieren, müssen sie erkennbar und erlebbar sein. Aber auch durchlässig und osmotisch.

Im Zuge der Digitalisierung verändert sich unser Raumempfinden derzeit grundlegend: Realer Raum rückt weg, verkommt zur Oberfläche, verliert vielleicht an Bedeutung. Oder ist das Gegenteil der Fall? Auch das vehemente Vordringen von Privatem in den öffentlichen Bereich -wie es z.B. durch soziale Medien permanent erfolgt – verändert wahrscheinlich unser Raumempfinden: Privat kommt ja von lateinisch privare, was übersetzt rauben bedeutet…

Müssen die Karten im Verteilkampf um den enger werdenden Raum neu gemischt werden?

Bildnachweis: Stefan Rotzler, Gockhausen

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Hauptversammlung

2018

Fr 4. Mai 2018, 18.30 Uhr im Forum

Traktanden
1. Begrüssung
2. Protokoll der HV 2017
3. Jahresbericht
4. Jahresrechnung
5. Revisorenbericht
6. Budget und Mitgliederbeiträge 2018
7. Wahl Vorstand
8. Allgemeine Umfrage
9. Aussichten

Willkommen im AFO-Wohnzimmer!
Im Anschluss an die Hauptversammlung sind alle Mitglieder und ihre Begleitung herzlich zum gemeinsamen Essen und gemütlichen Beisammensein eingeladen.
Wir begrüssen ausserdem «Improgress», die unser Wohnzimmer zum Leben erwecken werden.

Veranstaltungssponsor Delinat

Einladungskarte Hauptversammlung

Architektur im Film

Eero Saarinen: The Architect Who Saw the Future

Mi 25. April 2018, 19 Uhr im Kinok

Die künstlerische Begabung wurde dem amerikanisch-finnischen Architekten Eero Saarinen (1910–1961) in die Wiege gelegt. Sein Vater Eliel Saarinen (1873–1950) war ein bekannter Architekt und baute u.a. den Hauptbahnhof in Helsinki, seine Mutter Loja Gesellius Saarinen war Textildesignerin. 1923 emigrierte die Familie Saarinen in die USA und lebte dort im wohlhabenden Bloomfield Hills (Michigan) auf dem Campus der Cranbrook Educational Community, den der Vater gebaut hatte. Eero Saarinen war einer der visionärsten Architekten und Formgeber des 20. Jahrhunderts. Zu seinen spektakulärsten Bauten gehören der Trans World Airlines Terminal am New Yorker John F. Kennedy International Airport und der Gateway Arch des Jefferson National Memorial in St. Louis (Missouri), ein kühner, 192 Meter hoher parabolischer Bogen. Für die Firma Knoll International entwarf er Möbelklassiker, die noch heute produziert werden, darunter den berühmten einbeinigen Tulip Chair (1956). Die Fertigstellung einiger seiner berühmtesten Bauwerke hat Eero Saarinen nicht mehr erlebt; er starb im September 1961 an den Folgen einer Gehirntumor-Operation. Im Programm des Filmmuseums München ist zu lesen: «Der Architekt Eero Saarinen, das ist finnische Lässigkeit, die mit amerikanischer Unternehmungslust zur Exaltation kommt. Seine Flughafenbauten sollen erlebbar machen – so Saarinen – was Fliegen, Schweben, Schwerelosigkeit ist, dass Fliegen mehr als ein Transport- und Verkehrsmittel ist: ein American Dream. Der Dokumentarfilm ‹Eero Saarinen – The Architect Who Saw the Future› erzählt vom Werden dieses Traums, dieses Werks. Es ist ein Architekturfilm, aber auch ein Liebesfilm – eine Liebe von Mann und Frau, Sohn und Vater, Architektur und Kino. Eric Saarinen, der Sohn des Architekten, hat die Bauten seines Vaters als Kameramann gefilmt, im Off hören wir Dialoge von Eero und Aline Saarinen. Es ist diese Liebe, die diesen Bauten ihre bescheidene Dynamik gibt, ihre Menschenfreundlichkeit.»

Regie: Peter Rosen, US 2016, englisch ohne Untertitel, 68′

Trailer

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus
Xella

Einladungskarte April

Das Sprachencafé im Ausländerquartier

Das Löwenquartier in Rorschach befindet sich im Aufbruch. Angeregt vom Förderprogramm des Bundes, «Projet Urbain», hat sich dort vieles durch die aktive Beteiligung der Bevölkerung verändert. Wo liegen die Chancen und Grenzen dieses Prozesses?

21.04.2018 von Tina Mott

«Venga!», «Komm!», «Hajde!» – ein bunter Ball fliegt im hohen Bogen durch die Wohnstrasse. Die Kinder laufen lachend und kreischend hinterher, ganz ins Spiel vertieft werfen sie sich Worte in verschiedenen Sprachen zu. Bäume und Sitz­bänke gestalten den belebten Tummelplatz, der sich zu einem Begegnungsort für die kleinen und grossen Bewohner des Quartiers entwickelt hat. Hier wird Nachbarschaft aktiv gelebt. Man kennt und respektiert sich, kommuniziert miteinander und unterstützt sich gegen­seitig, auch wenn die Menschen durch unterschiedliche kulturelle und soziale Hintergründe geprägt sind. Dass in den verkehrsberuhigten Zonen der Geren- und Bogenstrasse vor ein paar Jahren noch die Autos Vorrang hatten, kann man sich heute fast nicht mehr vorstellen. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass damals niemand mehr in das Viertel investieren mochte, da es als unattraktive und anonyme Wohngegend in eine Abwärtsspirale geraten war. Wer hier lebte, tat das vor allem wegen der günstigen Mietpreise.

Mittelstandsfamilien aus Quartier ausgewandert

Im Jahr 2007 beschloss der Bundesrat das Programm «Projet Urbain», um die gesellschaftliche Integration und nachhaltige Quartierentwicklung in den Wohnbezirken verschiedener Schweizer Städte zu unterstützen. Das Löwen­quartier im Zentrum von Rorschach wurde aufgrund seiner räumlichen, sozialen und ökonomischen Gegebenheiten als «Wohngebiet mit besonderen Herausforderungen» ausgewiesen und vom Bundesamt für Raumentwicklung als ­leitende Institution dazu eingeladen, an dem Projekt teilzunehmen.

Das städtebaulich heterogene Viertel setzt sich aus Wohn-, Gewerbe- und ­Industriezonen zusammen und hatte seit Jahrzehnten damit zu kämpfen, eine eigene Identität zu finden. Der wach­sende Anteil an sanierungsbedürftigen Gebäuden, verbunden mit wenig öffentlich nutzbarem Aussenraum begüns­tigte die Abwanderung der Mittelstands­familien. Diese Entwicklung führte dazu, dass das Quartier heute bei verschiedenen demografischen Merkmalen deutlich von der Gesamtsituation der Stadt abweicht. Der Anteil der ausländischen Bevölkerung und der Altersgruppe bis 20 Jahre ist erheblich höher, während das durchschnittliche Einkommen pro Haushalt und das Bildungsniveau geringer sind. Auch die Kompetenz der deutschen Sprache ist bei den Bewohnern nicht ­immer ausreichend vorhanden.

Zu Beginn der ersten Programm­periode des «Projet Urbain» von 2008 bis 2011 wurden die Organisationsstrukturen festgelegt und Arbeitsteams ge­bildet, die sich aus Mitarbeitern der Stadt und des Kantons zusammensetzten. Diesen Gruppen wurden Fachplaner aus den Bereichen Städtebau und Freiraum­planung zur Seite gestellt. Die Gremien definierten Ziele, welche sich auf die drei Schwerpunkte Zusammenleben und ­Soziales, Wohnqualität sowie Aussenraum und Verkehr konzentrierten. Die ersten Schritte der konkreten Umsetzung zielten darauf ab, einen Beteiligungsprozess mit der Bevölkerung des Löwenquartiers einzuleiten und zu verankern. Unterstützt von der Fachhochschule St. Gallen erarbeiteten die Bewohner mehrere Konzeptideen, wie sich ihr ­Lebensraum in den nächsten Jahren entwickeln sollte. Ergänzend zu diesem Prozess wurden verschiedene Expertenteams damit beauftragt, eingehende Analysen über das Potenzial des Quartiers hinsichtlich seiner Bausubstanz, städtebaulichen Gegebenheiten und Gestaltungsmöglichkeiten sowie der sozialen und demografischen Situation zu erheben und in einem Synthesebericht auszuwerten.

Bereits im August 2010 eröffnete die Stadt das Quartierbüro in der Löwenstrasse, welches bis heute als niederschwellige Anlaufstelle für die Fragen und Anliegen im Viertel funktioniert und seit Jahren vielfältige Einrichtungen und Veranstaltungen anregt, unterstützt und koordiniert. So konnten sich das Quartierfest, die Integrationsprojekte Sprachencafé und Kinderzeit, verschiedene Märkte oder das Strassenfussball-Turnier in­zwischen im Viertel etablieren. Auf der anderen Seite wurden auch die Besitzer der Liegenschaften durch Fragebögen und individuelle Gespräche mit Immobilienexperten aktiv in die Entwicklungsprozesse eingebunden. Im November 2011 erfolgte dann schliesslich die Eröffnung der umgestalteten Gerenstrasse, die als erste bauliche Verkehrsmassnahme im Rahmen des Projektes realisiert wurde.

«Wieder eine Gesprächsbasis im Quartier aufgebaut»

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Programmperiode beschloss die Stadt Rorschach, sich beim Bund um eine Verlängerung des Pilotprojektes zu bewerben und startete von 2012 bis 2015 in die zweite Phase. Als Ziel wurde festgelegt, die entstandenen Strukturen zu festigen und zu stärken und diesen Ansatz schrittweise auch in anderen Quartieren zu übernehmen. Ausserdem wurde im Rahmen eines weiteren partizipativen Prozesses ein städtebauliches Entwicklungskonzept für ein Teilgebiet des Perimeters erarbeitet. Dieses zeigt, wie sich das Quartier schrittweise erneuern und massvoll verdichten soll, damit ein identitätsstiftender städtischer Lebensraum entstehen kann. Ausserdem formuliert es konkrete Spielregeln und Leitlinien im Umgang mit den Strassen- und Frei­räumen sowie der Bebauung von Grundstücken. «Durch die umfangreiche Beteiligung der Bevölkerung konnte wieder eine Gesprächsbasis im Quartier aufgebaut werden und das gegenseitige Vertrauen und Verständnis wurden gefördert», resümiert der Projektverantwortliche Markus Fäh. «Vor allem bei den sozialen und kulturellen Projekten sowie der Umgestaltung der Aussenräume war die aktive Beteiligung der Nachbarschaft enorm wichtig. Die Resultate erweisen sich als konsensfähiger und tiefer in der Bevölkerung verankert, wenn die Anwohner durch transparente Kommunikation und die Möglichkeit, ihre Meinung zu äussern, in den Prozess miteinbezogen werden.» Inzwischen führe die Stadt die Projekte auch ohne Mitfinanzierung von Bund und Kanton im Sinne des ‹Projet Urbain› weiter, «denn es ist sehr wichtig, dass die Menschen in Rorschach wieder Vertrauen fassen und das Potenzial ihrer Stadt erkennen», sagt Fäh.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Architektur im Film – Eero Saarinen: The Architect Who Saw the Future

Einführung durch Kornel Ringli, Architekt und Autor, Zürich

Di 17. April 2018, 20 Uhr im Kinok

Die künstlerische Begabung wurde dem amerikanisch-finnischen Architekten Eero Saarinen (1910–1961) in die Wiege gelegt. Sein Vater Eliel Saarinen (1873–1950) war ein bekannter Architekt und baute u.a. den Hauptbahnhof in Helsinki, seine Mutter Loja Gesellius Saarinen war Textildesignerin. 1923 emigrierte die Familie Saarinen in die USA und lebte dort im wohlhabenden Bloomfield Hills (Michigan) auf dem Campus der Cranbrook Educational Community, den der Vater gebaut hatte. Eero Saarinen war einer der visionärsten Architekten und Formgeber des 20. Jahrhunderts. Zu seinen spektakulärsten Bauten gehören der Trans World Airlines Terminal am New Yorker John F. Kennedy International Airport und der Gateway Arch des Jefferson National Memorial in St. Louis (Missouri), ein kühner, 192 Meter hoher parabolischer Bogen. Für die Firma Knoll International entwarf er Möbelklassiker, die noch heute produziert werden, darunter den berühmten einbeinigen Tulip Chair (1956). Die Fertigstellung einiger seiner berühmtesten Bauwerke hat Eero Saarinen nicht mehr erlebt; er starb im September 1961 an den Folgen einer Gehirntumor-Operation. Im Programm des Filmmuseums München ist zu lesen: «Der Architekt Eero Saarinen, das ist finnische Lässigkeit, die mit amerikanischer Unternehmungslust zur Exaltation kommt. Seine Flughafenbauten sollen erlebbar machen – so Saarinen – was Fliegen, Schweben, Schwerelosigkeit ist, dass Fliegen mehr als ein Transport- und Verkehrsmittel ist: ein American Dream. Der Dokumentarfilm ‹Eero Saarinen – The Architect Who Saw the Future› erzählt vom Werden dieses Traums, dieses Werks. Es ist ein Architekturfilm, aber auch ein Liebesfilm – eine Liebe von Mann und Frau, Sohn und Vater, Architektur und Kino. Eric Saarinen, der Sohn des Architekten, hat die Bauten seines Vaters als Kameramann gefilmt, im Off hören wir Dialoge von Eero und Aline Saarinen. Es ist diese Liebe, die diesen Bauten ihre bescheidene Dynamik gibt, ihre Menschenfreundlichkeit.»

Regie: Peter Rosen, US 2016, englisch ohne Untertitel, 68′

Trailer

Weitere Vorführungen: Mi 25. April, 19 Uhr

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus
Xella

Einladungskarte April

Buchvernissage KSSG-OKS von Fawad Kazi

Daniel Germann, Direktor KSSG / Marko Sauer, Architekt und Fachjournalist /
Christoph Wieser, Architekturtheoretiker / Werner Binotto, Kantonsbaumeister /
Fawad Kazi, Architekt / Clementine Hegner-van Rooden, Bauingenieurin

Mo 16. April 2018, 19.30 Uhr im Pavillon KSSG

Einladung zur Buchvernissage

Daniel Germann: Begrüssung im Namen des KSSG
Marko Sauer: Begrüssung im Namen des AFO
Christoph Wieser: Buch und Buchreihe
Werner Binotto: Bedeutung des Projektes für die Stadt
Fawad Kazi: Die Prinzipien der Gesamtplanung
Clementine Hegner-van Rooden: Zum Pavillon

Fawad Kazi KSSG–OKS

Band I, Projekteinführung und Pavillon

Herausgegeben von Marko Sauer und Christoph Wieser
30 × 22.5 cm, 64 Seiten, Park Books AG
ISBN 978-3-03860-071-8
Mit Beiträgen von Georg Aerni, Werner Binotto, Clementine Hegner-van Rooden, Fawad Kazi, Marko Sauer,  Rolf Steinegger, Christoph Wieser

In Kooperation mit Kunstkommission KSSG

Einladungskarte Buchvernissage KSSG-OKS

Wohnen – Digitale Baukultur

Matthias Kohler, Professur für  Architektur und Digitale Fabrikation an der ETH Zürich / Harald Deinsberger –  Deinsweger, Architekturpsychologe,  Graz / Senem Wicki, Zukunftsforscherin, Zürich / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 9. April 2018, 19.30 Uhr im Forum

Die Architektur befindet sich im Wandel. Das Aufkommen digitaler Entwurfsmethoden, die Fortschritte in der Robotik und Sensorik, die Möglichkeit das Wissen zahlreicher Disziplinen in einem digitalen Prozess zu bündeln, bedeuten neue Möglichkeiten für die Architektur. Dabei ist der Industrieroboter eines der wichtigsten Werkzeuge in dieser Entwicklung, er überführt die rasanten Fortschritte in der Digitalisierung in die physische Welt, die uns umgibt.

Gramazio Kohler Research an der ETH Zürich ist eine Gruppe von Pionieren in der Erforschung von robotischen Prozessen in der Architektur. Dabei geht es Ihnen nicht allein um den technischen Fortschritt, sondern um die Frage, wie sich eine umfassende digitale Baukultur etablieren lässt. Um eine solche Baukultur zu skizzieren, präsentiert der Vortrag von Matthias Kohler eine Auswahl der wichtigsten Projekte wie die Programmierte Wand, erläutert Schlüsselkonzepte wie die Digitale Materialität und überrascht mit faszinierenden Ausstellungsprojekten wie Rock Print an der Architekturbiennale Chicago 2015. Gebaute Projekte wie das Dach für das Arch_Tec_Lab an der ETH Zürich oder das gegenwärtig sich in Bau befindliche DFABHOUSE verdeutlichen die Ankunft neuer digitaler Methoden im der Gegenwart und unserer gewohnten Umgebung.

Bildnachweis: Gramazio Kohler Research, ETH Zürich, Fotografin: Alessandra Bello

Veranstaltungssponsor:
Computerworks

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte April

Sommer Camp Architektur

Entdeckungsreise Architektur

Sommerferien 2018
St. Gallen 10. – 13. Juli 2018
Wil 10. – 13. Juli 2018
Altstätten 17. – 20. Juli 2018
jeweils 9–17 Uhr

Nicht durchgeführt werden dieses Jahr die Sommer Camp Architektur in Wattwil, Teufen und Rapperswil-Jona

Städte, Häuser und Strassen sind ein äusserst spannendes und wichtiges Thema für Kinder und Jugendliche. Als Erwachsene werden viele von ihnen Entscheidungen fällen, die das Bauen betreffen: Als Bauherren, als Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft oder als Wählerinnen und Wähler an der Urne. Und doch lernen sie in der Schule kaum etwas darüber.

Wie lernen also Kinder und Jugendliche das kennen, was sie täglich umgibt? Wie können sie wissen, wer an der Stadt baut, wie man Strassen und Plätze gestaltet und was ein Haus alles können muss? Wie kann man nachhaltig bauen und Energie einsparen?

Um auch Kinder und Jugendliche an diese Themen heranzuführen, haben wir eine Workshopreihe als Ferienkurs entwickelt: das Sommer Camp Architektur: Entdeckungsreise Architektur.

Was gibt es alles in einem unbekannten Quartier zu entdecken? Welche Geschichten erzählen uns Häuser? Wer baut eigentlich all die Gebäude, Strassen und Brücken?

Wir gehen zusammen auf Safari in der Stadt – wir treffen Architektinnen und Ingenieure und stellen ihnen Fragen – wir suchen Häuser, die zusammen passen und Details, die keiner sieht. Und wir bauen Modelle und untersuchen, wie Licht und Raum eine Stimmung erzeugen. Vier Tage lang gehen wir auf Entdeckungsreise und stellen am Ende unsere Entdeckungen aus.

Alter: Jahrgänge 2003–2008
Dauer: 4 Tage, Di–Fr, 9–17 Uhr
Kosten: Fr. 50.–, inkl. Verpflegung
Anmeldeschluss: Fr 15. Juni 2018
Die Platzzahl ist beschränkt

Anmeldung an sommercamp@nulla-f-o.ch Die Anmeldung ist verbindlich. Weitere  Detailinformationen zu Treffpunkt,  Kursleitung etc. erhalten Sie mit der  Anmeldebestätigung ca. 4 Wochen vor  Kursbeginn.

Die Versicherung ist Sache des Teilnehmers

Bildnachweis: Daniel Ammann/SGKB

Mit freundlicher Unterstützung 150 Jahre
Jubiläum St. Galler Kantonalbank

 

Weitere Unterstützungen:

Anmeldekarte Sommer Camp Architektur

Publikation Hochparterre

 

Architektur im Film

Having a Cigarette with Álvaro Siza

28. März 2018, 18.30 Uhr im Kinok

«Architects don’t invent anything, they just transform reality.» — Álvaro Siza

One of the 20th century’s most iconic architects, Álvaro Siza is a Prizker Prize winner, socialist and passionate smoker.

The director does what possibly all of us would like to do with a person whom we esteem and are  intrigued by. He listens and observes. With caution and respect. For an indefinite amount of time. One or more days with a great contemporary architect. Time dilates through the film following his  thoughts. His pauses. His lucid, poetic rigor. It’s the life running through his works. It’s the answers to the questions posed by a profession that has so much to do with the lives of people.  With history. With the evolution of the community. One speaks about social housing, of needs, of the differences between places, and of mutual influences. And it seems like there is nothing left to add.

Regie: Ian Dilthey, PO 2016, por, deut. UT 53′

Trailer

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus
Xella

Einladungskarte März

Wanderausstellung animata.ch – der Bau des  Stadtraumes

Vernissage und Diskussion über den Stadtraum von St. Gallen Ost / Philipp Funke, Fotograf, Zürich / Simon Kretz, Architekt und Städtebau-Forscher, Zürich / Thomas K. Keller, Architekt, St. Gallen / Florian Kessler, Stadtplaner Stadt St. Gallen / Moderation Giulio Bettini, animata.ch

Mo 26. März 2018, 19.30 Uhr im Forum

Ausstellung Mo 26. März 2018 bis Mo 9. April 2018
Öffnungszeiten: während der Veranstaltungen und werktags 9-17 Uhr

animata.ch – der architektonische Bau des Stadtraumes

Wanderausstellung und interaktive Homepage zum Bau des Stadtraumes in der Schweiz

2014 gewann der Tessiner Architekt Giulio Bettini das  vierte Forschungsstipendium des BSA. Nach der  Publikation des Buches Die città animata – Mailand und die Architektur von Asnago Vender folgt jetzt eine Wanderausstellung, die durch die ganze Schweiz zieht.

Die Stadt endet nicht mit dem Überbauungsplan. Die Architektur hört nicht an der Fassade auf. Beide Grenzen werden oft als Schlusspunkte zweier Disziplinen betrachtet. animata.ch forscht im Feld zwischen diesen zwei Grenzen – dort, wo sich Architektur und Stadt am dichtesten und am längsten ausdrücken.

St. Gallen Ost: Mehr als die Summe von Einzelnen

Ort für Transit, Produktion, Einkauf oder Wohnen:  St. Gallen Ost hat viele Seelen, je nach Nutzer. Die  einst mal getrennten Dörfer von St. Fiden, Heiligkreuz und Krontal sind immer näher gewachsen, die Grenzen wurden verwischt. Das neu entstandene Stadtgebiet hat noch keinen Namen und die Aufzählung seiner  Ortschaften reicht nicht mehr, um die aktuelle  Situation zu definieren. Liegt hier eine neue Stadtidentität vor oder ist eine im Entstehen? animata.ch geht zusammen mit ihren Gästen auf einer Stadtrallye mit dem Fotografen Philipp Funke, der tagelang das Gebiet bewandert hat.

Bildnachweis: Philipp Funke

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Architektur im Film – Having a Cigarette with Álvaro Siza

Einführung durch Iain Dilthey, Regisseur, Berlin

Di 20. März 2018, 20 Uhr im Kinok

«Architects don’t invent anything, they just transform reality.» — Álvaro Siza

One of the 20th century’s most iconic architects, Álvaro Siza is a Prizker Prize winner, socialist and passionate smoker.

The director does what possibly all of us would like to do with a person whom we esteem and are  intrigued by. He listens and observes. With caution and respect. For an indefinite amount of time. One or more days with a great contemporary architect. Time dilates through the film following his  thoughts. His pauses. His lucid, poetic rigor. It’s the life running through his works. It’s the answers to the questions posed by a profession that has so much to do with the lives of people.  With history. With the evolution of the community. One speaks about social housing, of needs, of the differences between places, and of mutual influences. And it seems like there is nothing left to add.

Regie: Ian Dilthey, PO 2016, por, deut. UT 53′

Trailer

Weitere Vorführung: 28. März 2018, 18.30 Uhr

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus
Xella

Einladungskarte März

«Eine Stadt ist wie eine Wohnung»

Die Beleuchtung der Innenstädte ist auf viele einzelne Objekte ausgerichtet, oftmals kommt dabei der städtische
Raum zu kurz. Ein Plädoyer von Lichtplaner Charles Keller für eine lebendige Beleuchtung, die den Schatten nicht scheut.

17.03.2018 von Andrea Wiegelmann

Grosszügig und hell sind die Büroräume in der oberen Etage einer ehemaligen Stickerei in St.Gallen. Der offene Charakter steht dabei sinnbildlich für Charles Keller, Gründer von Charles Keller Design, dessen Offenheit und Neugierde weit über seinen Beruf hinausführt und doch auch immer wieder zu ihm zurück. Und so gerät das Gespräch über die Beleuchtung des städtischen Raums zu einem Austausch über unser Verhältnis zu Raum und das  Verständnis von Stadt, um in präzisen Vorschlägen für die Beleuchtung unserer Innenstädte zu münden.
Charles Keller ist Generalist. Nach einer Au esbildung als Flugzeugspengler hatte er an der Zürcher Kunstgewerbeschule Produktgestaltung unter anderem bei Willy Guhl studiert. Das Zusammenspiel der Disziplinen begleitet Keller von Anfang an. Und so verwundert es nicht, wenn er fordert, dass Stadtbeleuchtung genauso geplant werden solle wie jede andere Planungsaufgabe auch. Bei seinem Entwurf für die Beleuchtung der Zürcher  Bahnhofsstrasse von 2010 etwa habe er den Architekten und langjährigen Weggefährten Daniele Marques und den Künstler Andreas Schiess hinzugezogen. Eine Weihnachtsbeleuchtung sei eine emotionale Angelegenheit – eine Festbeleuchtung, die als solche gestaltet werden müsse. Die Komposition der Elemente ist für Keller bei der  Beleuchtung im öffentlichen Raum entscheidend, ebenso der Umgang mit dem jeweiligen Ort. Dies scheint  selbstverständlich, ist es aber vielfach nicht. «Die innerstädtische Beleuchtung produziert zu viele Reize, darüber geht der Raum verloren.»

Den öffentlichen Raum mit Licht gestalten

Wer das Luftbild des nächtlichen St.Gallens von vergangener Woche vor Augen hat, der weiss, wie sehr die Innenstadt ausgeleuchtet ist (Ausgabe vom 7. März). Keller kritisiert daran, dass der öffentliche Raum unter der alleinigen Ausrichtung auf kommerzielle Aspekte leide, denen andere Interessen untergeordnet sind. Das sei auch bei der momentanen Diskussion um die Möblierung des St.Galler Marktplatzes zu spüren. Wenn man dort die Marktstände stationär ausführe, dann sei der Marktplatz Geschichte. Man müsse sich fragen, braucht es wirklich stationäre Stände. Kellers Position dazu ist klar: «Ein Markt hat Räder und Füsse.» Seine Stadt könne auch durch Poesie überzeugen und nicht nur Auch bei der Beleuchtung stehe heute das jeweilige Interesse  am einzelnen Objekt im Fokus und nicht nur der Stadtraum.
Am Abend sind beispielsweise einzelne Fassaden und Schaufenster derart ausgeleuchtet, dass die jeweiligen Orte gar nicht mehr wahrgenommen werden können. Hinzu komme, dass man in der Planung mit einem Übermass an Vorschriften konfrontiert sei. Diese berücksichtigen jedoch nicht die jeweilige Situation, sondern argumentieren oftmals einzig über technische Richtwerte oder Lichtfarben und schaffen Reglemente, die die Gestaltung des Raums nicht beachten. Der gebürtige St.Galler erklärt es so: «Es gibt immer mehr Lichtquellen, es gibt  spezielle Apparate, die das Licht gezielt dorthin werfen, wo man es braucht. Das sind für  mich, vergleichbar für einen Organisten, die Register. Man sollte dem Organisten nicht die  Register zukleben.» Und so fordert er: «Die Beleuchtung ist immer vom spezifischen Ort aus zu denken, ihn möchte man mit dem Licht zur Geltung bringen.»

Den Stadtraum als Wohnung denken

Bei der Lichtführung soll der Charakter des Ortes geachtet werden. Ähnlich hat es Urs Etter, Leiter Öffentliche Beleuchtung bei den St.Galler Stadtwerken, in dieser Zeitung formuliert. Doch was heisst das eigentlich? Charles Keller erklärt dazu, dass der städtische Raum aus Strassenräumen besteht, gebildet durch Häuser unterschiedlicher Epochen. Eine Strasse könne nachts einen ebenso vielfältigen Eindruck erzeugen wie am Tag. Dabei spiele die Verteilung des Lichtes eine wichtige Rolle, ebenso die unterschiedlichen Beleuchtungszyklen und -arten.
Die Lichtführung ist entscheidend, die Frage, was ist hell und was ist dunkel. «Es ist wie in unserer Wohnung», sagt Keller, «da ist auch nicht alles gleichmässig ausgeleuchtet, es gibt die Leselampe, und darum gibt es Schatten.» Bei der  Gestaltung des abendlichen und nächtlichen Stadtraums müsste man sich fragen,
wo kann es hell, wo dämmrig sein, welche Beleuchtungssituation ist für uns behaglich. Zum Licht gehört der Schatten, verschwindet er aus der abendlichen Stadt, verschwinden deren Konturen. Keller arbeitet mit diesen Konturen und erzählt: «Einmal machte ich etwas «Verbotenes » in St.Gallen. Ich bestrahlte die Stiftsbibliothek, ein sehr schönes, einfaches Barockgebäude, sachte aus dem Boden.
Dies ist heute kaum mehr möglich – da Leuchten aus Gründen der  Lichtverschmutzung nicht von unten in den Himmel strahlen dürfen.» Für die Fassade der Bibliothek sei es jedoch die richtige Beleuchtung. Für Keller ein weiterer Beleg, das generelle Verbote nicht der richtige Weg sind. Würde in den Innenstädten mit wenig und bewusst gesetzten Beleuchtungen operiert, dann wäre viel mehr erreicht als mit pauschalen Geboten und Verboten.
Überhaupt sei weniger oftmals mehr. Eine ganz wunderbare Beleuchtung ist für Keller – der im vergangenen Jahr die Innenbeleuchtung der St.Galler Stiftskirche neu gestaltet hat – das Licht, das durch Fenster in den Stadtraum fällt. Bei der Stiftskirche erzählen die hellen Fenster etwas über ihr Inneres. Die Beleuchtung dagegen, die vielerorts bei Nacht Kirchenfassaden überstrahlt, lässt die Fenster dunkel und schweigend.
Fenster seien aber extrem wichtig, sagt Keller. Sie zeigten den Tagesverlauf des Hauses im Aussenraum und erzählten die Geschichten der Bewohner. Werde der Raum überblendet, dann seien diese Geschichten nicht lesbar und der nächtliche Stadtraum verliere an Kontur. Dabei ist Lichtplaner Keller überzeugt: «Beleuchtung kann auch überraschen und bezaubern» und kommt auf seine Eingangsfeststellung zurück: «All diese Fragen haben mit Gestaltung zu tun und nicht mit  Beleuchtungsstärken.»

 

Bilder: Benjamin Manser

Wohnen – Brennpunkt Ostschweiz

Christian Wick, Architekt, St.Gallen / Hansueli Rechsteiner, Stadtbaumeister, St.Gallen / Kathrin Hilber, ehemalige  Regierungsrätin, St.Gallen / Moderation Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich

Mo 5. März 2018, 19.30 Uhr im Forum

Bildnachweis: Christian Wick

«Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen. Wer die Gegenwart nicht versteht, kann die Zukunft nicht gestalten.» Hans-Friedrich Bergmann (*1934)

Die Ostschweiz liegt nicht im Zentrum der boomenden Regionen. Die Leerwohnungsziffer ist weit über dem Schweizer Durchschnitt und hat damit den schlechtesten Wert vergleichbarer Schweizer Städte. Das war nicht immer so! Was ist heute anders? Was machen wir «falsch»? Was können wir als Architekten, als Politiker und als Behörden daraus lernen und zur Verbesserung beitragen?

Mit einem Überblick zur aktuellen Immobilienentwicklung in der Ostschweiz, wird der Frage nachgegangen, welches die Treiber einer Entwicklung der Region sind, und wie im globalen Umfeld eine prosperierende Zukunft möglich ist.

Mit dem Rückblick auf die Geschichte und raumplanerische Studien, werden wichtige Ansätze zur Entwicklung hergeleitet. Es werden Aspekte aufgezeigt, wie sich die Stadt und Region mit ihren bestehenden Qualitäten und Unterschiede weiter entwickeln kann.

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte März

Architektur im Film – Franz Füeg. Neugier und  Widerstand. Ein filmisches Zeitdokument zum 95. Geburtstag von Franz Füeg, Architekt

Gespräch mit Regisseur und Architekt Patrick Thurston, Bern / Jürg Graser, Regisseur und Architekt, Zürich / Franz Füeg, Architekt, Solothurn

Di 20. Februar 2018, 20 Uhr im Kinok

Jürg Graser und Patrick Thurston nähern sich dem Menschen Füeg in seiner vertrauten Umgebung. Sie lassen ihn ohne starres Konzept zu Wort kommen. Sie fragen nach, schaffen einen vertrauensvollen Raum, in dem Erinnerungen auftauchen, und folgen seinen Lebenslinien.  Die langen, unvorbereiteten Gespräche zeigen einen Menschen, der Architektur als ein weitläufiges kulturelles Ganzes versteht. Franz Füeg legt nicht fest. Er ist wach, neugierig, suchend und voller Widerstandswillen, noch heute im hohen Alter.
Die Auswahl aus dem Material der Gespräche wird ergänzt durch fotografische Spaziergänge  durch die Bauten von Franz Füeg. Als Beispiele werden das Musikerhaus an der  Blumensteinstrasse in Solothurn, die Universitätsinstitute in Fribourg und die Kirche Meggen besucht.

Patrick Thurston und Jürg Graser führen ein Gespräch über Architektur und den Film. Franz Füeg ist aus gesundheitlichen Gründen leider verhindert.

Regie: Patrick Thurston, Jürg Graser CH 2016, D, 45‘

Weitere Vorführung: Mi 28. Feb 18.45 Uhr

Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus
Xella

Einladungskarte Februar

Die Dorfbeiz wird zum Kleinod

Über viele Generationen bot das Gasthaus Rössle  den Bewohnern von Mauren einen Begegnungsort im Dorfkern. Nach umfassenden Sanierungs- und  Umbaumassnahmen wurde das Gebäude als  Kulturhaus wieder für die Bevölkerung geöffnet.

16.12.2017 von Tina Mott

Die Türklinke aus Gusseisen liegt schlank und kühl in  der Hand. Der Besucher senkt leicht den Kopf und tritt  über die Schwelle. Ein harziger Geruch von frisch  gewischtem Holz steigt in die Nase, unter den Schritten  knarrt leise das matt gebohnerte Parkett im  Fischgratverband. Zu behaupten, die Gaststube wirke, als sei die Zeit stehen geblieben, wäre ein Klischee, und  doch birgt sie den Zauber einer Welt von gestern. Die  Proportionen des Raumes und seiner Ausstattung sind etwas kleiner und zierlicher gedacht, als wir sie von den  Objekten der heutigen Zeit kennen. Hier wurde  vieles von Hand gefertigt. Die Spuren der traditionellen Arbeitsweisen treten als feine Pinselstriche im Lack oder winzige ovale Lufteinschlüsse im Fensterglas in Erscheinung.
«Das ‹Rössle› ist ein Haus voller Geschichten, es regt die Menschen zum Erzählen an.» Elisabeth Huppmann arbeitet als Kulturbeauftragte der Gemeinde Mauren in Liechtenstein und leitet seit der Eröffnung vor drei Jahren den Betrieb im revitalisierten Gebäude. «Das ist auch heute noch so. Nach unseren Veranstaltungen bleiben die Gäste aus dem Dorf gern in den Stuben sitzen und erzählen Geschichten über diesen Ort. Gerade die ältere Generation hat hier ja auch viel erlebt.»
Im Dorfkern etwas oberhalb der Kirche wurde die Wirtschaft «Zum weissen Rösslein» 1833 erbaut und bereits einige Jahre später durch einen Anbau ergänzt. Die Einheimischen kamen dort am Sonntag nach der Messe zusammen oder trafen sich zum Kartenspielen in den Stuben. Viele haben Hochzeiten und Taufen im Saal gefeiert, hier wurden Theater gespielt und Tanzabende veranstaltet. Das Gasthaus war über viele Jahrzehnte der Ort in Mauren, an dem das rege Gemeinschafts und Vereinsleben des Dorfes stattfand und wird nun in dieser Tradition als Kulturhaus für das heimische Publikum weitergeführt. Seit Januar 2015 bietet das «Rössle» ein abwechslungsreiches Programm für die Menschen der Region, von Konzerten, Vorträgen, Theatervorstellungen und Ausstellungen bis hin zum monatlich stattfindenden Maurer Literaturcafé oder einem Jassturnier für Senioren. Zudem kann einmal im Jahr jeder der mehr als 60 Ortsvereine eine Veranstaltungsstätte der Gemeinde gratis nutzen, und auch hier wird das vielfältig bespielbare Haus gern gebucht. Dabei stand das Gebäude im Jahr 2008 knapp davor, abgerissen zu werden. Eine offizielle Abbruchbewilligung durch das Hochbauamt war bereits unterzeichnet.
Die letzte Wirtin musste 1998 in Pension gehen, ohne  einen Nachfolger zu finden. Nachdem sie zehn Jahre in dem leeren, baufälligen Haus gelebt hatte, entschloss sich die Familie schweren Herzens für einen Neubau. In diesem Rahmen fanden Begehungen der Altsubstanz statt, wodurch das Interesse der Öffentlichkeit geweckt wurde. Nun schlossen sich Vertreter des Ressorts Kultur, der Denkmalpflege und der Gemeinde kurzfristig zu einer Arbeitsgruppe zusammen, um die Erhaltungswürdigkeit des Gebäudes zu prüfen und gegebenenfalls auch eine Nachnutzung anzudenken. Auf Grund der Baustruktur des Gastbetriebes mit Saal und Bühne lag die Idee eines Kulturhauses bereits nahe. Das grosse Problem war aber der schlechte bauliche Zustand des Treppenhauses und der Sanitäranlagen.
Nachdem das Vaduzer Architekturbüro Kaundbe eine umfassende Sanierungsstudie ausgearbeitet hatte, signalisierte die Denkmalpflege im Jahr 2009 ihre Absicht, das Haus unter Schutz zu stellen, und die Gemeinde erwarb die Liegenschaft. Als sich das Land nach dem Regierungswechsel zwei Jahre später aber aus der Finanzierung zurückzog, wäre das Projekt beinahe noch gekippt. Doch an diesem Punkt zeigte sich, wie sehr die Bewohner von Mauren hinter ihrem «Rössle» standen. Ein privater Verein, dessen Zweck darin bestand, die Sanierung und Erhaltung des Hauses zu unterstützen, konnte rund eine Million Franken an Spendengeldern sammeln. «Es galt, den Menschen das Konzept näherzubringen und sie für unsere Ideen zu begeistern. Jeder gab, so viel er konnte. Wir waren für alle Beiträge dankbar, von kleineren Zuwendungen einzelner Dorfbewohner bis hin zu grossen Summen wohlhabender Mäzene», erklärt Walburga Matt, die sich damals als Präsidentin von «Pro Rössle» engagierte und die Kulturkommission der Gemeinde leitete.
Im März 2013 erfolgte dann der Spatenstich und das Konzept der Architekten konnte umgesetzt werden. Zwischen der Scheune und dem ehemaligen Gasthaus wurde ein neuer Erschliessungs- und Infrastrukturkern realisiert, der den denkmalgeschützten Altbau weitgehend frei von technischen Einbauten halten sollte. Als der Rohbau gegen Ende des Jahres fertiggestellt war, konnte mit den eigentlichen Sanierungsarbeiten am Dach, an der Fassade und im Inneren begonnen werden. «Diese Baustelle war bestimmt nicht einfach. Immer wieder wurden Fragen aufgeworfen, die neue Ansätze und Denkweisen herausforderten. Die Handwerker und Restauratoren mussten sehr behutsam vorgehen und wussten eigentlich nie, worauf sie stossen würden, wenn sie in dem alten Gemäuer arbeiteten», erinnert sich Huppmann.

Baugeschichtliche Schätze wären verloren gegangen

Die Bewohner von Mauren schauten immer wieder auf der Baustelle vorbei und zeigten grosses Interesse an den Arbeitsfortschritten im «Rössle». Viele Bürger waren überrascht, zu was für einem Kleinod sich ihre ehemalige Dorfbeiz mauserte, und so manchem wurde erst im Nachhinein bewusst, welche baugeschichtlichen Schätze durch den Abbruch verloren gegangen wären. Doch mit der überlieferten Bausubstanz wäre nicht nur materielles Kulturerbe zerstört worden, denn auch ideelle Werte einer Gemeinschaft zerfallen mit den alten Mauern. Elisabeth Huppmann bringt diese prekäre Entwicklung auf den Punkt: «Wenn ein historisches Gebäude im Dorfkern abgerissen wird, verschwindet ja nicht nur ein Haus. Es verschwindet ein Teil des Dorfbildes und mit ihm viele Erinnerungen und Geschichten. Eigentlich geht immer ein Stück Identität verloren.»

Bilder: Michael Zanghellini

Wohnen – Eine Herleitung

Ákos Moravánszky, Architekturtheoretiker, Zürich / Anna Jessen, Architektin, Basel / Christoph Baumberger, Architekturphilosoph, Zürich / Moderation Barbara Bleisch, Philosophin, Zürich

Mo 5. Februar 2018, 19.30 Uhr im Forum

Wir betrachten unsere Wohnung als Zufluchtsort, in den wir uns aus der Welt aussen zurückziehen können – zugleich aber als einen eigenen Mikrokosmos, als Bild einer Weltanschauung. Der individuelle, intime Charakter des Wohnens ist mit der Vorstellung einer bemerkenswerten Stabilität gegenüber sozialen Veränderungen in der Gesellschaft verbunden. Die Inszenierung des Intimen wird mit ständig neuen Waren bedient, um den privaten Raum als Ort des Eintauchens in eine persönliche Traumwelt einzurichten.
Andererseits ist Wohnen seit den Anfängen der Moderne zu einem Experimentierfeld geworden, wo neue architektonische Konzepte getestet werden können. Die  verschiedenen Modelle des Wohnens werden  demonstrativ zur Schau gestellt, durch die Medien vermittelt und die in ihnen verkörperten Wertsysteme kontrovers diskutiert. Änderungen dieser Wertsysteme führen zu radikal neuen architektonischen Vorschlägen.
Die Vorlesung zeichnet die Transformation des privaten Hauses unter dem Einfluss sich ändernder Auffassungen von der Familie nach. Die demografischen Veränderungen, die Rolle der neuen technischen Möglichkeiten und des neuen Verhältnisses von Arbeit und Freizeit spielen dabei eine wichtige Rolle: Der «bergende Raum» der Wohnung ist heute durch Medienströme durchlöchert, und die Idealisierung der Privatheit wird zunehmend infrage gestellt.

Bildnachweis: Superstudio, Vita (Supersuperficie), 1971. Quelle: Gabriele Mastrigli (Hg.), Superstudio. Opere 1966–1978. Macerata: Quodlibet, 2016. S. 391

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte Februar

Wenn der Dorfbach das Korsett sprengt

In vielen Gemeinden belebt ein Bach das Stadtbild. Heute erfordern extremer werdende Niederschlagsereignisse, wie sie Altstätten 2014 erlebt hat, Massnahmen. Hochwasserschutz und Stadtbild – ein Widerspruch?

03.02.2018 von Andrea Wiegelmann

In seine Erzählung «Der Mensch erscheint im Holozän» schreibt Max Frisch: «Katastrophen kennt  allein der Mensch, sofern er sie überlebt. Die Natur kennt keine Katastrophen.» Frisch erinnert uns daran, dass sich die Natur stetig verändert. Auch  Überschwemmungen sind ein natürliches Ereignis
solcher Veränderungen; dass sie zu Katastrophen werden, ist oft vom Menschen selbst verschuldet. Die Schäden etwa, die durch die grossen überregionalen Hochwasser von 1987 entstanden sind, sind auch Ergebnis einer intensiven Siedlungsentwicklung. Verschärft durch einen von der Industrialisierung geprägten Umgang mit der Landschaft: Flüsse wurden kanalisiert und begradigt, Bäche eingefasst oder überdeckt, Bauzonen in Überschwemmungsgebiete ausgedehnt. Doch was bedeutet Hochwasserschutz im Dorf oder der Stadt? In Altstätten hat die Gemeinde nach den verheerenden Überschwemmungen 2014 Sofortmassnahmen beim Brendenbach und Stadtbach zur Erhöhung des Hochwasserschutzes im Stadtgebiet umgesetzt und ein Frühwarnsystem eingerichtet. Entlang des Stadtbachs wurden zur Erhöhung seiner Abflusskapazitäten etwa Fussgängerbrücken entfernt, das Ufer mittels Bretterwänden erhöht und die Brücken mit Schwenktoren überströmbar gemacht. Bei diesen provisorischen Massnahmen steht der Schutz im Vordergrund. Derzeit sind Schutzprojekte für die unterschiedlichen Bachläufe in Arbeit, mit ersten Ergebnissen ist in diesem Frühjahr zu rechnen.
Die Herausforderung wird sein, die Bachläufe weiterhin im Stadtbild erlebbar zu belassen. Denn Massnahmen zum  Hochwasserschutz verändern die Gestalt des Stadtbildes und durch Schutzmauern, Ufererhöhungen oder  Querschnittserweiterungen des Bachbettes können Bäche auch unzugänglich werden. Der Hochwasserschutz läuft immer auch Gefahr, die technischen Aspekte in den Vordergrund zu stellen: Jeder von uns kennt das Bild spielender Kinder in gemächlich rinnenden Bachläufen. Geht es um Hochwasserschutz, ist das Bild vom Bach ein völlig anderes. Dabei gilt es beide Bilder zusammenzudenken.

Dass Schutzeinrichtungen nicht zu Barrieren werden, ist keine einfache Aufgabe. Zwar gibt es inzwischen für die Schweiz Gefahrenkarten und die Gewässerschutzgesetzgebung von 2011 definiert den Gewässerraum und die natürlichen Gewässerfunktionen. Doch wie können diese Vorgaben in dicht besiedelten Gebieten umgesetzt werden?

Klare Leitplanken für den Hochwasserschutz

«Heute gibt es für den Hochwasserschutz und die ökologischen Anforderungen klare Leitplanken,  jedoch berücksichtigen diese die gestalterische und siedlungsgerechte Umsetzung oft zu wenig», bestätigt denn auch der Landschaftsarchitekt André Seippel aus Wettingen (AG). Die Frage, wie ökologische Aspekte und technische Anforderungen gelöst werden können, so dass auch für die Bevölkerung ein Mehrwert entstehe, müsse immer wieder neu beantwortet werden. Für grössere Siedlungen sei die Entwicklung eines übergeordneten Leitbilds für das Gewässernetz sinnvoll. «Man sollte für die jeweiligen Abschnitte eigene Gewässerbilder definieren, die im Kontext zu ihrem Umfeld stehen, die aber auch die Charakteristik des gesamten Gewässerlaufes nicht ausser Acht lassen», empfiehlt der Fachmann und erläutert am Beispiel des Dorfbachs im alten Dorfkern von Spreitenbach, wie dies aussehen kann.
Der Bach verlief seit Jahrzehnten kanalisiert in einem Betonkorsett, bis er bei einem Hochwasser  Anfang der 1990er-Jahre mit verheerenden Folgen für das Dorf und seine Bewohner über das Bachbett trat. Nach diesem Jahrhundertereignis suchte der Kanton nach Wegen für ein Schutzkonzept, das es ermöglichte, Extremhochwasser sicher abzuleiten. Dazu wurde ein Team aus Landschaftsarchitekten und Ingenieuren gebildet; Ziel war es, den Bach im Dorfkern erlebbar zu belassen und ihn gleichzeitig als Lebensraum für Menschen, Pflanzen und Tiere zu fördern.
Das alte Spreitenbach ist ein Strassendorf, seine Häuserzeilen und der Bachlauf prägen den Ortskern. Dieser Charakter sollte gewahrt werden. Eine Vergrösserung des Bachbetts, ein sogenannter Vollausbau, kam daher nicht in Frage. Man entschied sich für eine sogenannte Doppelstocklösung, bei der eine Entlastungsleitung unter das bestehende Bachbett gelegt wird. Ein Trennbauwerk am Ortseingang reguliert, dass bei Hochwasser nicht die volle Wassermenge durch das oberirdische  Bachbett fliesst.
Da die parallel laufende Strasse saniert werden musste, konnte die gesamte Strassen- und  Bachbettplanung über die ganze Strassenbreite, also von «Fassade zu Fassade», neu aufgesetzt werden. «Das ist jedoch nicht der Normalfall », merkt Seippel an, «in der Regel plant man sehr unterschiedliche Abschnitte oder gar nur einzelne Parzellen mit eigenen Anforderungen und Eigentumsverhältnissen; da hilft dann ein übergeordnetes Gewässerentwicklungskonzept.»

Wie mit Gewässern im Siedlungsraum umgehen?

In Spreitenbach konnte das Ortsbild gewahrt und der Bachlauf als Lebensraum erhalten werden. Um  solche Lösungen zu entwickeln, braucht es ein gemeinsames Engagement aller Beteiligten. Nachhaltiger Gewässer- und Hochwasserschutz ist dann erreicht, wenn wir lebendige und zugängliche Fluss- und Bachläufe in unseren Siedlungsgebieten bewahren.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Probelauf

Entdeckungsreise Architektur

Sa 20. Januar 2018, Zeughaus Teufen

Das «Sommer Camp Architektur» will in diesem Jahr das erste Mal Kinder- und Jugendworkshops zur Baukultur durchführen. Damit auch alles klappt, haben wir im Januar einen Probelauf im Zeughaus in Teufen durchgeführt. «Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die Sommerferien können kommen», freut sich Marko Sauer, Vorstandsmitglied im Architektur Forum Ostschweiz. Die ganze Arbeit habe sich gelohnt, pflichtet ihm seine Kollegin Johanna Deinet, Co-Präsidentin, zu. Auch die jungen Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer sind sich einig. «Wir kommen sicher wieder.»

Bildnachweis: Daniel Ammann/SGKB

Mit freundlicher Unterstützung 150 Jahre
Jubiläum St. Galler Kantonalbank

Beitrag TVO 150jahre.ch

Wanderausstellung animata.ch – der Bau des  Stadtraumes

Ausstellung Mo 26. März 2018 bis Mo 9. April 2018
Öffnungszeiten: während der Veranstaltungen und werktags 9-17 Uhr

animata.ch – der architektonische Bau des Stadtraumes

Wanderausstellung und interaktive Homepage zum Bau des Stadtraumes in der Schweiz

2014 gewann der Tessiner Architekt Giulio Bettini das  vierte Forschungsstipendium des BSA. Nach der  Publikation des Buches Die città animata – Mailand und die Architektur von Asnago Vender folgt jetzt eine Wanderausstellung, die durch die ganze Schweiz zieht.

Die Stadt endet nicht mit dem Überbauungsplan. Die Architektur hört nicht an der Fassade auf. Beide Grenzen werden oft als Schlusspunkte zweier Disziplinen betrachtet. animata.ch forscht im Feld zwischen diesen zwei Grenzen – dort, wo sich Architektur und Stadt am dichtesten und am längsten ausdrücken.

St. Gallen Ost: Mehr als die Summe von Einzelnen

Ort für Transit, Produktion, Einkauf oder Wohnen:  St. Gallen Ost hat viele Seelen, je nach Nutzer. Die  einst mal getrennten Dörfer von St. Fiden, Heiligkreuz und Krontal sind immer näher gewachsen, die Grenzen wurden verwischt. Das neu entstandene Stadtgebiet hat noch keinen Namen und die Aufzählung seiner  Ortschaften reicht nicht mehr, um die aktuelle  Situation zu definieren. Liegt hier eine neue Stadtidentität vor oder ist eine im Entstehen? animata.ch geht zusammen mit ihren Gästen auf einer Stadtrallye mit dem Fotografen Philipp Funke, der tagelang das Gebiet bewandert hat.

Bildnachweis: Philipp Funke

Jahresthema 2018

Wohnen

Das Wohnen berührt den innersten Kern des Bauens: Es beginnt mit dem ersten Fell, das sich  unsere Vorfahren um die Schultern geworfen hatten und führt bis zu den drängenden Fragen der heutigen Zeit. Das Wohnen ist Ausdruck einer Identität – nicht nur im Sinne einer Zugehörigkeit zu einer Region, sondern auch der Ausdruck einer gesellschaftlichen Vision. Und diese Visionen sind vielfältig: Wie leben Patchworkfamilien? Wie lässt sich ein Generationen-Wohnprojekt  verwirklichen? Welche Wohnformen brauchen Menschen in der dritten Lebensphase? Die Business-Nomaden, die als Berater ihren Aufträgen um die ganze Welt folgen? Eine Vielfalt von Lebensentwürfen, die sich aber kaum in der Wohnung ausdrückt: Auf dem Markt dominieren  Familienwohnungen mit konventionell geschnittenen Grundrissen.
Auf Ebene der Raumplanung ist das Wohnen ebenfalls ein heiss diskutiertes Thema. Mit  zunehmender Verdichtung – und dem wachsenden Dichtestress – fällt dem Aussenraum eine zentrale Rolle zu. In ihm treffen Fragen der Verdichtung, der funktionalen Trennung und des Landschaftsraums aufeinander. Die Entwicklung der Siedlungen und ihrer Ränder bringt zentrale Aspekte im Verhältnis zwischen bebautem und unbebautem Raum auf den Punkt und auch für den  Städtebau birgt das Wohnen zentrale Anhaltspunkte.
Im Wohnen äussert sich vieles, das sowohl uns Baufachleute als auch die Gesellschaft betrifft: Im  eigenen Heim zeigen sich Geschmack und Individualität, es bietet Geborgenheit und Identität. Diesen grundsätzlichen Fragen geht das Architektur Forum 2018 nach.

Der mittlerweile etablierte Montagabend wird in einem neuen Format erscheinen. Das Thema  «Wohnen» wird in seine Teile zerlegt und aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Im  Anschluss zu einem themengebundenen Fachreferat wird jeweils eine Diskussion mit Gästen aus  den Bereichen Soziologie, Philosophie, Kunst, Politik oder Wirtschaft geführt. Für die  Moderation konnten wir Frau Dr. Barbara Bleisch und Herrn Dr. Jean-Daniel Strub gewinnen.
Die einzelnen Slots werden über das Jahr hinweg durch einen Autor dokumentiert, mit Essays  der Moderatoren ergänzt und in der Edition «AFO 2018» als Broschüre gebunden.

Moderationen

Barbara Bleisch, Philosophin, Zürich
Barbara Bleisch hat in Zürich, Basel und Tübingen Philosophie, Germanistik und  Religionswissenschaften studiert und zu Fragen der globalen Gerechtigkeit am Ethik-Zentrum der Universität Zürich promoviert. Sie moderiert die «Sternstunde Philosophie» bei Schweizer  Radio und Fernsehen SRF und ist Kolumnistin beim «Philosophie Magazin» in Berlin. Bleisch ist ausserdem Dozentin für Ethik in den «Advanced Studies of Applied Ethics» am Ethik-Zentrum der Universität Zürich sowie im Studiengang «Philosophie und Management» an der  Universität Luzern. Zu ihren jüngsten Publikationen gehören «Familiäre Pflichten» (Frankfurt a. M. 2015) und «Ethische Entscheidungsfindung» (Zürich 2014).

Jean-Daniel Strub, Ethiker, Zürich
Jean-Daniel Strub ist Projektleiter im Bereich Wissenschaftspolitik beim Rat der  Eidgenössischen Technischen Hochschulen und führt als Gesellschafter sein eigenes Büro Brauer & Strub | Medizin Ethik Politik. In dieser Funktion ist er regelmässig als Moderator im  Einsatz. Ausserdem moderiert er regelmässig Podien im Rahmen von politischen Anlässen im Grossraum Zürich, wozu wiederholt auch Veranstaltungen zu städtebaulichen und  raumplanerischen Fragen gehören.