Architektur Forum Ostschweiz

Monatsarchive: November 2017

Energieagentur@AFO – Nachhaltiges Bauen für die Zukunft

Martin Hitz, Präsident NNBS / Roger Boltshauser, Architekt, Zürich / Martin Rauch, Lehm Ton Erde Baukunst, Schlins

Mo 27. November 2017, 19.30 Uhr im Forum

Der runde Tisch Energie und Bauen und das Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz laden zur Informationsveranstaltung ein.

Vor rund einem Jahr ist der Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) der Öffentlichkeit vorgestellt und die Zertifizierung für den Standard lanciert worden. Ziel des  SNBS ist es, die Bereiche Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt gleichwertig und deren Wechselwirkungen umfassend in Planung, Bau und Betrieb eines Objekts einzubeziehen.
Die Veranstaltung bietet neben aktuellen Informationen zum SNBS Einblicke in Arbeiten mit Stampflehm und Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch mit Akteuren im nachhaltigen Bauen.

Begrüssung und Moderation
Silvia Gemperle | Energieagentur St.Gallen

Bewährtes und Neues zum SNBS
Martin Hitz | Präsident NNBS

Pisé – Tradition und Potential
Roger Boltshauser | Boltshauser Architekten
Martin Rauch | Lehm Ton Erde Baukunst

Fragerunde und Diskussion
Apéro

Der Eintritt ist frei

www.energieagentur-sg.ch

www.nnbs.ch

Einladungskarte Nachhaltiges Bauen

Ein Bienenhaus ganz aus Beton

«Das Trösch» ist ein Treffpunkt für Menschen aller Generationen und Kulturen. Dank eines  Studienauftrags wurde ein Mehrwert für das  Begegnungszentrum im Zentrum von Kreuzlingen geschaffen.

25.11.2017 von Tina Mott

«Die Menschen merken einfach, dass sie hier  willkommen sind.» Monika und Christof Roell sitzen an  einem der Holztische in der sonnigen Cafeteria des  Begegnungszentrums «Das Trösch» und nicken einer  Gruppe tamilischer Mütter zu. Der helle und offene  Raum hat sich mit lebhaft plaudernden und lachenden Besuchern gefüllt, an diesem Ort scheint es wenig   Berührungsängste zu geben. «Wir sind sehr glücklich  darüber, wie gut das Haus in der Stadt angenommen wird. Im ersten halben Jahr fanden bereits 300  Veranstaltungen statt. Ich glaube, das liegt nicht zuletzt  daran, dass das Gebäude  so freundlich und einladend geworden ist», erzählt der Gastgeber.
Im Sommer 2013 kauften die Geschwister ein  Grundstück mit bestehender Liegenschaft an der  Hauptstrasse von Kreuzlingen. Hier wollten sie einen Ort schaffen, welcher der Begegnung und dem Austausch der Menschen aus der Region dient – ein  Treffpunkt für alle Generationen und Kulturen im Zentrum der Stadt. Das Gebäude sollte für verschiedene Nutzergruppen eingerichtet werden, nur eine  gewerbliche Verwendung wurde ausgeschlossen. «Wir konzipierten Räume für Vereine, Beratungsstellen und soziale Organisationen, für anlassbezogene  Veranstaltungen wie auch für die Öffentlichkeit.  Eigentlich war unsere Idee, «ein Bienenhaus zu bauen», schmunzelt Monika Roell.

Lösung über einen Studienauftrag entwickeln

Nach eingehender Beratung mit dem lokalen Architekten Andreas Imhof trafen sie die  Entscheidung,  das Projekt mittels eines  Studienauftrags zu entwickeln. Diese Beschaffungsform von Planerleistungen ist darauf ausgerichtet, die  qualitativ beste Lösung für eine architektonische Aufgabenstellung zu finden, und nicht die  vordergründig günstigste. Wenn in Betracht gezogen  wird, dass über die gesamte Nutzungsdauer eines Gebäudes die Planungskosten im Vergleich zu den Folgekosten gering sind, lohnt sich dieser  Mehraufwand an Zeit und finanziellen Mitteln in der  Ausschreibungsphase auch wirtschaftlich. Denn die sorgfältig abgewogenen Entscheidungen einer  unabhängigen Expertenjury berücksichtigen nicht nur  die Gestaltung, sondern auch die Erstellungs-, Unterhalts- und Rückbaukosten. Im Gegensatz zu  einem anonym durchgeführten Projektwettbewerb eignet sich das Verfahren für Prozesse, bei denen der  Dialog zwischen den Beteiligten notwendig ist oder erst noch die Rahmenbedingungen festgelegt werden müssen. In diesem Fall galt es, die zentrale Frage zu beurteilen, ob der Bestand ersetzt werden konnte.
Die Vertreter der Denkmalpflege zeigten sich skeptisch  gegenüber der Idee eines Neubaus, waren aber damit einverstanden, die Situation durch den Studienauftrag klären zu lassen.

Das Raumprogramm prozesshaft entwickeln

Andreas Imhof wurde mit der Vorbereitung und  Begleitung des Verfahrens betraut. Er prüfte die  Bebaubarkeit des Grundstücks und traf Abklärungen  mit den Besitzern der Nachbarparzellen sowie Vertretern der Stadt. Die Erkenntnisse fasste er in  einem Bericht an die Bauherrschaft zusammen, der als  Grundlage für das Wettbewerbsprogramm diente. Dieses wurde nach der Zusammenstellung der Jury  nochmals intensiv diskutiert und entsprechend  angepasst. Schliesslich folgte die Einladung von fünf renommierten Schweizer Architekturbüros, am  Studienauftrag teilzunehmen.
«Für uns war es sehr wichtig, einen Architekten zu  finden, der sich mit der Idee und dem Konzept  auseinandersetzte. Er musste auch mit der Situation umgehen, dass wir in dieser Phase die Nutzung noch nicht im Detail definieren konnten. Uns war bewusst,  dass die Entwicklung  dieses Gebäudes ein Prozess
werden würde, insbesondere die Festlegung des Raumprogramms,» reflektiert Christof Roell. Bereits bei der Zwischenbesprechung zeigte sich die erwartete Vielfalt an qualitätsvollen Projekten, die von der Jury dementsprechend kontrovers diskutiert wurden. Nach der Schlusspräsentation fällten die Experten jedoch eine einstimmige Entscheidung für den Entwurf des  Ostschweizer Architekten Beat Consoni, der mit einem sensibel gesetzten Baukörper aus hellem Sichtbeton überzeugen konnte. Das Projekt entfaltete sich aus verschiedenen Massstäben, sowohl aus dem  städtebaulichen und  historischen Kontext wie auch aus dem gemeinsam festgelegten Raumprogramm. Um die Durchlässigkeit im Stadtzentrum zu fördern, wurde ein Durchgang zwischen der Hauptstrasse und der  Sonnenstrasse auf dem privaten Grundstück  geschaffen. Von hier erschliesst sich das Gebäude und öffnet sich zu einem lichten Foyer, das die Cafeteria mit  dem grossen Saal verbindet. Eine gut ausgestattete  Küche kann beide Räume unabhängig voneinander bedienen und wird bei Veranstaltungen genutzt. Die  zweiläufige Treppe im Kern des Hauses führt nicht nur zu den Vereinsräumen, Büros und zwei kleinen Wohnungen in den Obergeschossen, sondern erschliesst auch eine grosszügige öffentlich zugängliche Dachterrasse, die der Architekt als stadträumliche  Erweiterung versteht. Im Schnitt prägt eine schlanke  vertikale Öffnung das Gebäude, die Licht in das Innere leitet und Sichtverbindungen schafft. Sie macht den Baukörper trotz seiner verschiedenartigen Räume als  Ganzes erlebbar. Das statische Konzept ist auf eine  flexible Nutzung ausgelegt.
Die statische Stabilität wird hauptsächlich durch die Aussenwände und den Treppenkern gewährleistet,  wodurch eine grosse Variabilität der Raumaufteilung gewährleistet werden kann. «Die grosse  Herausforderung bestand darin, ein programmatisch  neues Thema städtebaulich zu integrieren und zu einer architektonischen Gesamtform zu entwickeln. Unsere Zusammenarbeit war ein Experiment, ein Herantasten  von beiden Seiten», beschreibt Beat Consoni den gemeinsamen Weg mit den Bauherren.

Das richtige Haus für diesen Ort

«Wir hatten den Wunsch, städtebaulich, funktional und gestalterisch das richtige Haus für diesen Ort zu  bauen», erklärt Monika Roell abschliessend. «Ein  Gebäude, das seinen eigenen Charakter hat und sich trotzdem anpasst, eine Ergänzung ist und vielleicht  sogar ein Wegweiser dafür, was in Zukunft an der  Hauptstrasse gebaut werden wird. Denn wir möchten hier Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen  Bereichen anlocken – und das ist nicht so einfach.»

 

Bilder: Barbara Schwager/Lichtschein

Ausstellung «Die schönsten Schweizer Bücher 2016»

Das Bundesamt für Kultur (BAK) führt jährlich den Wettbewerb «Die Schönsten Schweizer Bücher» durch. Zum einen würdigt das BAK mit dieser Auszeichnung hervorragende Leistungen im Bereich der  Buchgestaltung und -produktion. Zum andern richtet der Wettbewerb den Blick auf besonders  beachtenswerte und zeitgemäss umgesetzte Bücher.

Im Januar prämierte eine fünfköpfige Jury insgesamt 24 Bücher des Buchjahrgangs 2016.

Ab Herbst 2017 werden «Die Schönsten Schweizer Bücher 2016» an verschiedenen Orten in der Schweiz ausgestellt. Wie jedes Jahr reisen die prämierten Bücher anlässlich lokaler Veranstaltungen und auf Einladung von Institutionen auch ins Ausland. Dieses Jahr sind Ausstellungen in Rhode Island, Providence, USA (RISD ─ Rhode Island School of Design), San José, Costa Rica (Despacio), London (Umlaut), Paris (Centre culturel suisse), Kopenhagen (Officin) und Oslo (Grafill), Wien (Typographische Gesellschaft Austria) und Brüssel (erg ─ école de recherche graphique et supérieure des arts) vorgesehen. Es ist ein Katalog zum diesjährigen Wettbewerb erschienen.

Mo 6. November 2017 ─ Sa 18. November 2017
Werktags 8  ─ 20 Uhr, Samstag 8 ─ 16 Uhr
Spezielle Öffnungszeit während der Tÿpo St.Gallen: Freitag, 10. November 2017 von 8 ─ 21 Uhr

Schule für Gestaltung St. Gallen
Im Rahmen der Tÿpo St. Gallen
Demutstrasse 115, 9012 St. Gallen
www.gbssg.ch
www.typo-stgallen.ch

Eintritt frei

Das Buch Raum. Zeit. Kultur, herausgegeben vom Architektur Forum Ostschweiz im Triest Verlag, gestaltet von den Grafikern Bänziger, Kasper und Florio, ist beim Schweizer Design Preis 2016 als eines von 24 schönsten Büchern ausgezeichnet worden.

Auszeichnung Design Preis Schweiz

Mehr zum Buch und über Gutes Bauen

Städtische Ausstellung im Forum

Marlies Pekarek – Glanzbilder

Ausstellung: Fr 16. Februar bis So 11. März 2018
Öffnungszeiten: Di–So, 14–17 Uhr

Vernissage: Donnerstag, 15. Februar 2018, 18.30 Uhr
Einführung: Kristin Schmidt
Di 6. März 2018 18.30 Uhr Gespräch mit der Künstlerin

Flyer Ausstellung Marlies Pekarek

Grenzen – Die Wand – Grenze der Architektur – Architektur der Grenze / «Recht auf  Illegalität»

Uwe Schröder, Architekt, Bonn / Santiago Cirugeda, Architekt, Sevilla

Mo 6. November 2017, 19.30 Uhr im Forum

Bildnachweis: Uwe Schröder / Santiago Cirugeda

Die Wand | Grenze der Architektur – Architektur der Grenze

Das Anordnen und Errichten von Räumen an Orten ist Aufgabe der Architektur. Mittels Wand und Wänden lässt Architektur die gebrauchten Räume erscheinen. Räume, architektonische Räume, sind stets Innenräume, die von Wänden begrenzt werden. An diesen Wänden hören die Räume aber nicht etwa auf, vielmehr fangen sie recht eigentlich dort erst an. Eine Grenze sei dasjenige, wie der Philosoph meint, von woher etwas sein Wesen beginne. Auch ein architektonischer Raum ist etwas, das von den begrenzenden Wänden her wesentlich bestimmt wird und an diese fest gebunden ist. Insoweit sich also der Raum phänomenal der Wand entlehnt, wird die Wand als Grenze zur Wesensbestimmerin des Raumes. Nicht allein wegen der ihr zugehörigen transdisziplinären Anlage ist die Architektur Grenzwissenschaft, vielmehr ist sie eine solche – wenn auch im übertragenen Sinn – weil sie gleichsam ihr ganzes Wissen mit Entwurf, Bau und Gestaltung von Wänden entfaltet. Die Wand als Grenze weist in der Gestaltung auf die sich ihr entlehnenden Räume hin, mit der Öffnung als Übergang sind sie räumlich aneinander gebunden. Metrik, Tektonik und Materialität der Wand sind komplementär an Räume und Räumlichkeit der Wand gebunden…

Uwe Schröder Architekt

 

Grenze – «Recht auf  Illegalität»

Santiago Cirugeda  develops subversive projects with distinct ambitions in urban realities, from the systematic occupation of public spaces in containers to the construction of prostheses in facades, patios, roofs and lots. Cirugeda negotiates legal and illegal zones as a reminder of the pervasive control to which we are all subject. He is now working together with local governments to implement new housing models for the socially disadvantaged. After 7 years of solo work to address issues like ephemeral architecture, recycling, reuse of materials, strategies of occupation and urban intervention, the incorporation of prosthesis constructed buildings or participation citizens in the decision-making process, he set up in 2003 the architecture office Recetas Urbanas (Urban Recipes). In 2007, Cirugeda presented the book Urban Situations, which shows legal strategies and social demands through architectural projects. In 2008 he presented the documentary Dr€am Spanish, along with Guillermo Cruz, which reveals the causes and effects of the housing bubble in Spain. In 2011, Collective Architectures book portrayed mobilize the initiative consisting of dozens of groups to recycle containers from a temporary settlement dismantled, turning them into a multitude of self-constructed and self-managed spaces distributed throughout the Spanish territory resulting the network www.arquitecturascolectivas.net

Santiago Cirugeda – Recetas Urbanas

 

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte November

sia Wanderausstellung Umsicht 2017

Der SIA vergab im März 2017 bereits zum vierten Mal seine Auszeichnung Umsicht – Regards – Sguardi. Prämiert wurden Werke, die in hervorragender, innovativer Weise zur zukunftsfähigen Gestaltung des Lebensraumes beitragen, denen ein ganzheitliches Denken und Handeln sowie ein ausgeprägtes gesellschaftliches und baukulturelles Verantwortungsbewusstsein inhärent sind. Mit Texten, Plänen und Projektbildern werden die prämierten Arbeiten in einer dreisprachigen Wanderausstellung präsentiert und in filmischen Porträts von Marc Schwarz und Aufnahmen des Fotografen Beat Schweizer illustriert. Der Fotograf und der Filmschaffende zeigen die Werke aus ihrer ganz eigenen, persönlichen Perspektive. Für die Darstellung gab es vom SIA keine Vorgaben. Sie eröffnen den Betrachterinnen und Betrachtern eine weitere Möglichkeit, sich mit den acht preisgekrönten Arbeiten auseinanderzusetzen. Die SIA-Sektion St. Gallen | Appenzell organisiert den Auftritt der Ausstellung in St. Gallen. Mit dem Kulturraum „Konsulat“ hat sie dazu die perfekten Räumlichkeiten gefunden. Das ehemalige italienische Konsulat mitten im Stadtzentrum wird in Zwischennutzung Kulturschaffenden und ihren Projekten zur Verfügung gestellt. Und prägt somit ein Stadtbild im Wandel massgeblich mit.

Ausstellung:
Mi 25. Oktober 12 – 14 Uhr
Do 26. Oktober 17 – 20 Uhr
Sa 28. Oktober 11 – 15 Uhr
Do 2. November ab 17 Uhr Barbetrieb
Sa 4. November 11 – 15 Uhr

Agenda sia

Umsicht_Flyer_St.Gallen

Umsicht – Regards – Sguardi 2017 wird ermöglicht dank der grosszügigen Unterstützung der Firmen Somfy Schweiz AG und Velux Schweiz AG.

Bildnachweis: Beat Schweizer