Architektur Forum Ostschweiz

Monatsarchive: Oktober 2017

BSA @ AFO – Wohnbaukultur ist Bauträgerkultur

Erfahrungsaustausch mit Diskussion

Mo 30. Oktober 2017, 19.30 Uhr im Forum

Die Wohnbaukultur einer Gesellschaft ist der Spiegel der wirtschaftlichen, politischen und technischen Bedingungen ihrer Zeit. Sie ist einem steten Wandel unterworfen, was bei einer historischen Rückschau klare Einblicke in die jeweiligen Lebensverhältnisse ergibt. Auch unsere aktuelle Wohnbauproduktion trägt die Zeichen unserer Zeit. Wie aber lesen wir sie, wie steuern wir sie?

Der Wohnungsbau in seinem Alltagsgeschäft basiert auf Konvention. Der Zeitgeist fordert ein Programm, das Bauträger und Planende zusammenführt und  handlungsfähig macht. Dabei schleicht sich – gerade in Zeiten der Hochkonjunktur – eine Routine ein, die schnell zur leeren Floskel werden kann. Wir zeichnen die Typologien unserer Zeit nach, verpassen dabei aber vielleicht die Chancen unserer Epoche? Wir bauen viel Wohnraum, und es entsteht Stadt. Welche Stadt aber soll entstehen?

Das Symposium «Wohnbaukultur ist Bauträgerkultur» lädt ein zu einem Erfahrungsaustausch mit Akteuren der Wohnbaukultur von heute und morgen. Es ist Zeit, den  Stand der Dinge im Ostschweizer Wohnungsbau zu reflektieren. Die Wohnbaukultur von heute ist die Chance der Städte von morgen.

Regio Appenzell-St.Gallen-Bodensee: Wo wir wohnen  werden
Rolf Geiger, Geschäftsleiter Regio Appenzell – St.Gallen – Bodensee

Wohnraumentwicklung in der Stadt St. Gallen: Grundzüge der Wohnbaustrategie 2017-2020
Brigitte Traber, Projektleiterin Stadtplanungsamt St. Gallen

Gemeinnütziger Wohnungsbau in der Ostschweiz: Aufbau neuer Wirkungsradien mit der GdG
Jacques-Michel Conrad: Geschäftsführer  Regionalverband Ostschweiz der  Wohnbaugenossenschaften Schweiz

Diskussion
Moderation: Thomas Keller, BSA Ostschweiz

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis.

BSA Ostschweiz

Einladungskarte Oktober

Bildnachweis: Danzeisen + Voser: Siedlung Lehnstrasse für den Verein für Wohnungshilfe (1952-54), «billige Wohnungen für kinderreiche Familien»

Bildnachweis: Danzeisen + Voser: Siedlung Moosweiher für die Freisinnige Wohnbaugenossenschaft (1968-70)

 

sia Wanderausstellung Umsicht 2017

Vernissage – Einführung durch Stefan Cadosch, Präsident SIA / Vortrag von Christian Penzel, Penzel Valier, Zürich

Di 24. Oktober 2017, 19.30 Uhr im «Konsulat», Frongartenstrasse 9, St. Gallen

Der SIA vergab im März 2017 bereits zum vierten Mal seine Auszeichnung Umsicht – Regards – Sguardi. Prämiert wurden Werke, die in hervorragender, innovativer Weise zur zukunftsfähigen Gestaltung des Lebensraumes beitragen, denen ein ganzheitliches Denken und Handeln sowie ein ausgeprägtes gesellschaftliches und baukulturelles Verantwortungsbewusstsein inhärent sind. Mit Texten, Plänen und Projektbildern werden die prämierten Arbeiten in einer dreisprachigen Wanderausstellung präsentiert und in filmischen Porträts von Marc Schwarz und Aufnahmen des Fotografen Beat Schweizer illustriert. Der Fotograf und der Filmschaffende zeigen die Werke aus ihrer ganz eigenen, persönlichen Perspektive. Für die Darstellung gab es vom SIA keine Vorgaben. Sie eröffnen den Betrachterinnen und Betrachtern eine weitere Möglichkeit, sich mit den acht preisgekrönten Arbeiten auseinanderzusetzen. Die SIA-Sektion St. Gallen | Appenzell organisiert den Auftritt der Ausstellung in St. Gallen. Mit dem Kulturraum „Konsulat“ hat sie dazu die perfekten Räumlichkeiten gefunden. Das ehemalige italienische Konsulat mitten im Stadtzentrum wird in Zwischennutzung Kulturschaffenden und ihren Projekten zur Verfügung gestellt. Und prägt somit ein Stadtbild im Wandel massgeblich mit.

Vernissage Wasserkraftwerk Hagneck – schöner Strom

Die Erneuerung des Kraftwerks Hagneck ist ein wegweisendes, auch energiepolitisch bedeutsames Beispiel für die in den nächsten Jahren in grosser Zahl zu erwartenden Erneuerungen von Kraftwerken. Als Infrastrukturbau mit hohem baukulturellem Wert überzeugt er durch seine gestalterische und innovative Verbindung von Industriegeschichte, modernster Kraftwerktechnik und einer landschaftlich hervorragenden Einbettung. Mit der umsichtigen Erneuerung bleibt das Kraftwerk Hagneck ein dauerhaft identitätsstiftender Kristallisationspunkt im Seeland.

Ausstellung:
Mi, 25. Oktober 12 – 14 Uhr
Do, 26. Oktober 17 – 20 Uhr
Sa, 28. Oktober 11 – 15 Uhr
Do, 2. November ab 17 Uhr Barbetrieb
Sa, 4. November 11 – 15 Uhr

Agenda sia

Umsicht_Flyer_St.Gallen

Umsicht – Regards – Sguardi 2017 wird ermöglicht dank der grosszügigen Unterstützung der Firmen Somfy Schweiz AG und Velux Schweiz AG.

Bildnachweis: Beat Schweizer

Grenzen –  «Toleranzgrenze des Wachstums» – Stadtgespräch in Frauenfeld

Christof Helbling, Stadtbaumeister Frauenfeld / Erol Doguoglu, Kantonsbaumeister Kanton Thurgau

Mo 23. Oktober 2017, 18 Uhr, Stadtgarten, Stadtgartenweg 1, Frauenfeld

Das Stadtgespräch ist ein Fixpunkt im Jahresprogramm der sia Sektion Thurgau. Im Frühjahr und im Herbst besucht der Verein Städte im Thurgau und lädt seine Mitglieder zu anschliessenden Gesprächsrunden ein. Nach Kreuzlingen ist nun Frauenfeld an der Reihe.

Christof Helbling beleuchtet die Artenvielfalt an Toleranzgrenzen im Stadtgefüge von Frauenfeld. Im Zentrum seines Referates steht der geordnete Städtebau, welcher stets auf die unterschiedlichen Vorstellungen von Grenzen einzugehen hat. Erol Doguoglu schildert seine Nah- und ehemals Fernsicht auf die Kantonshauptstadt, sei dies als ehemaliger Stadtbaumeister von St. Gallen oder aktuell als Kantonsbaumeister des Kantons Thurgau.

Als Anreicherung zum anschliessenden Austausch und Apéro kann das Alters- und Pflegeheim Stadtgarten, geführt durch die Architekten des Büros Allemann Bauer Eigenmann, besichtigt werden.

Eintritt frei

sia Thurgau

Alters- & Pflegeheim Stadtgarten

Einladungskarte Oktober

 

Badestelle wird zum Familienplatz

Landschaftsarchitektur | Kleine gezielte Eingriffe verwandeln einen Badeplatz am Gübsensee in einen attraktiven Aufenthaltsort.
Damit er funktioniert, war die Einbindung aller Beteiligten in den Gestaltungsprozess Voraussetzung.

21.10.2017 von Andrea Wiegelmann

In unseren Städten und stadtnahen Regionen sind  die Naherholungsgebiete einem immer stärkeren  Nutzungsdruck unterworfen. Ob Spaziergänger,  Jogger, Velofahrer, spielende Kinder, Familien auf Ausflug – wir alle verbringen einen Teil unserer  Freizeit in den Grünräumen in und rund um unsere Städte. Vitaparcours, Bike Parks, Wanderwege,  Schlittelstrecken, Rastplätze und Restaurants zeugen von der intensiven Nutzung von Parkanlagen und stadtnahen Grünräumen. Dabei stellt sich  oftmals die Frage nach der Balance zwischen den Angeboten für die unterschiedlichen  Interessengruppen und den Bedürfnissen der Anwohner.
Bei der Planung solcher Einrichtungen gilt es daher, zwischen unterschiedlichen Ansprüchen zu  verhandeln und auch Verständnis für die Position des Gegenübers zu schaffen. Im Hinblick auf die Frage, wie viel Angebot nötig ist, ist der 2015  realisierte Familienplatz Gübsensee beachtenswert, weil sowohl seine Gestaltung als auch das Verfahren beispielhaft für vergleichbare Vorhaben stehen können.

Der neu geschaffene Familienplatz
Nur zwei S-Bahnstationen vom St.Galler Hauptbahnhof entfernt liegt der Gübsensee im Westen der Stadt. Der Stausee, der Ende des 19.  Jahrhunderts entstand, dient seither dem Kraftwerk Kubel zur Energiegewinnung. Kurze Zeit später  wurde die umgebende Landschaft zum  Naturschutzgebiet. Von dieser Situation profitieren die Besucher des Sees bis heute. Für die  angrenzenden St.Galler Quartiere ist er beliebtes  Naherholungsgebiet.
Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund war der  Gübsensee auch eines der vier Testgebiete des Projekts «Landschaft für eine Stunde» der Region St.Gallen-Appenzell AR-Bodensee, das das Potenzial  von Übergangsräumen zwischen  Siedlungen und offener Landschaft anhand von Fallbeispielen untersuchte. Die Gestaltung des  Familienplatzes  war in das Projekt eingebunden. Der Platz liegt an der Nordseite des Sees vom Weg  abgegrenzt durch eine niedrige Hecke und öffnet  sich zwischen den Bäumen zum Wasser. Markantes  Element ist eine im Kreisrund angelegte hölzerne  Sitzbank, die am Zugang zum Platz den Besucher  empfängt und mit ihrer Kreisform sinnbildlich als kommunikatives Zentrum des Platzes steht. Zentral  liegen auch die beiden Grillstellen, Holz fürs  Grillieren liegt in Boxen parat. Ein  überdimensionales hölzernes Vogelnest zum Spielen  für Kleinkinder, ein Badesteg und  Bewegungselemente ergänzen das Angebot, zudem steht hinter einem Sichtschutz versteckt eine  Toilette.
Die Platzgestaltung und ihre Möblierung, die heute so selbstverständlich  steht und Raum bietet für  unterschiedliche Besuchergruppen, stammt vom Ostschweizer Landschaftsarchitekturbüro Kollektiv  Nordost. «Es war ein grosser Wunsch, den Platz  auch für Familien attraktiv zu gestalten, daher  haben wir bewusst etwas für kleine Kinder entworfen», so Roman Häne, der neben Silvio Spieler für die Planung und Umsetzung beim  Kollektiv Nordost verantwortlich zeichnet. Man  setzt sich gerne hin und schaut aufs Wasser – der  Platz ist offen und das Angebot für jeden geeignet. Gleichzeitig bleibt der Ort am See auf eine gewisse Weise unspektakulär, ohne grosse Infrastruktur. Einzig das für die Grillstellen bereitgestellte Holz  und die Toilette sind Serviceangebote an die Nutzer. Mit der Gestaltung des Familienplatzes gelingt die  Balance zwischen den Ansprüchen an ein  Freizeitangebot und den an einen möglichst wenig  gestalteten Aufenthalts- und Badebereich am See.

Gestaltung als Prozess
Das Kollektiv Nordost war zunächst von der Ortsbürgergemeinde beauftragt, die bestehende  Badestelle attraktiver zu gestalten. Anlass war, so  Silvio Spieler, der Wunsch nach Neubelebung des bis anhin vernachlässigten Ortes. Der lag hinter  einer hohen Hecke vom Weg abgegrenzt und war,  als «Partyplatz » gebraucht und zugemüllt, für Nutzer, Anwohner und Eigentümer zuletzt eine  Belastung. Im Rahmen von «Landschaft für eine  Stunde» wurde als Ziel formuliert, mit der  Neugestaltung den Platz auch für Familien attraktiv zu machen, für sie gab es bis anhin wenig Angebote.  Zudem, auch das war entscheidend, sollte eine  einfache Pflege möglich sein. «Die sorgfältige  Gestaltung eines Ortes kann dazu beitragen, dass die Bevölkerung Sorge trägt, gerade dann, wenn sie  eingebunden ist», erklärt Silvio Spieler. «Wir  wollten mit der Gestaltung zwischen den  Interessengruppen vermitteln, ein Angebot schaffen, das auch die Kommunikation  untereinander fördern kann», ergänzt sein Partner  Roman Häne. Dennoch reagierten gerade die  Anwohner zunächst auch mit Sorge auf die neue  Gestaltung. Eine grössere Attraktivität führe auch zu mehr Belästigungen, so ihre Bedenken. Daher  wurden mit der Fertigstellung des Familienplatzes  Gefässe geschaffen, über die es möglich war,  Wünsche und Fragen zu äussern. «Es ist wichtig, die Bevölkerung und die Nutzer einzubinden, um  Akzeptanz zu schaffen und auch Verständnis für die Positionen des Gegenübers», sagt Sabina Ruff vom  kantonalen Amt für Gesundheitsvorsorge, die den Mitwirkungsprozess initiierte. Mit der Eröffnung  des Platzes im Sommer 2015 wurde beispielsweise  eine «Krizzelbox» installiert mit dem Ziel, Kommentare und Anregungen aufzunehmen. «Die Möglichkeit wurde rege genutzt – sie zeigt, wie gross  das Interesse an einem Austausch ist», so Ruff weiter. So könne man sicherstellen, dass der Familienplatz auch langfristig von allen akzeptiert  und gut genutzt werde.
Das Konzept zum Familienplatz Gübsensee scheint aufgegangen zu sein.  Freilich gibt es noch unzählige weitere Wünsche an ein mögliches Nutzungsangebot, das hat die «Krizzelbox» gezeigt. Doch gerade in der Beschränkung auf
eine einfache Möblierung liegt die Qualität, die den Platzcharakter bewahrt, der Lage am See gerecht  wird und gleichzeitig unterschiedlichste Nutzungen erlaubt. Diese Balance gilt es zu finden, immer wieder neu.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Handwerklich gedacht, digital gefertigt

Nach der Sanierung und Erweiterung von Schloss Werdenberg ergänzt ein Pavillon die Anlage. Die denkmalpflegerisch anspruchsvolle Arbeit wurde nach traditioneller Zimmermannskunst geplant und durch zeitgenössische Technologien umgesetzt.

07.10.2017 von Tina Mott

Im klaren See spiegeln sich die fein gearbeiteten Holzfassaden des mittelalterlichen Städtchens, über  dem weich schattierten Grün der Weinberge erhebt sich die Burg mit dem mächtigen Bergfried. Was auf den  ersten Blick nach einer Postkartenidylle anmutet, ist  eines der bedeutendsten historischen Ensembles der Region und wird als Kulturgut von nationaler Bedeutung eingestuft.
«Wegen des besonderen Status der Burganlage als hochkarätiges Schutzobjekt bildete sich ein grosses  Planungsteam aus diversen Gremien», erklärt der Architekt Johannes Brunner die Ausgangssituation. «Unser Büro wurde zuerst damit beauftragt,  verschiedene Studien zu spezifischen Themen zu erarbeiten. Darauf aufbauend versuchten wir dann gemeinsam auszuloten, welche baulichen Massnahmen  erforderlich und sinnvoll wären.»
Das Architekturbüro BBK aus Balzers begleitete die Arbeiten rund um das Schloss bereits seit einigen  Jahren und wuchs so in die anspruchsvolle Aufgabe hinein. Im Lauf der Zeit kristallisierten sich schliesslich die einzelnen Projektbereiche heraus. Im Schloss  wurden die Instandsetzung der Tragelemente, die Erneuerung der elektrischen Anlagen und des gesamten Brandschutzsystems sowie der Rückbau verschiedener  Einbauten aus jüngerer Zeit durchgeführt. Eine besondere Herausforderung für das Architektenteam  stellte jedoch der Entwurf eines ergänzenden Pavillons dar, der durch das erweiterte Raumprogramm notwendig geworden war.
«Beim Neubau haben wir lange nachgedacht, um den  richtigen Ansatz zu finden. Da sagt doch jeder, das ist eine tolle Aufgabe. Aber es war wirklich nicht einfach»,  sagt Johannes Brunner. Im Lauf des Planungsprozesses  zeigte sich, dass die infrastrukturellen Nutzungen in einem bestehenden Nebengebäude untergebracht  werden konnten. Doch für die Bedürfnisse der  Museumsbesucher wollte eine neue Struktur geschaffen werden. Der vorgesehene Bauplatz lag in einer  Mauernische des Schlosshofes, daher waren die  räumlichen Ressourcen knapp. Zudem musste das  Gebäude verschiedene Funktionen als Empfangsraum, Ticketshop, Bistro und Veranstaltungssaal erfüllen. Also  entschieden sich die Architekten nach sorgfältigen  Überlegungen für das Konzept des Einraumes.

Giebel hätte vom Tal zu viel Präsenz ausgestrahlt

Innerhalb des historisch bedeutsamen Ensembles sollte das neue Gebäude eine markante, gleichzeitig aber auch  diskrete Rolle einnehmen. Auf alten Stichen war zu   erkennen, dass am gegebenen Ort bis ins 19.  Jahrhundert ein murales Haus mit einem Satteldach  gestanden ist. Doch kein Mitglied des Planungsteams empfand es als befriedigende Lösung, dieses Bauwerk  nach Augenmass nachzubauen. Auch die Vertreter der  Denkmalpflege sprachen sich für eine Neukonzeption des Baukörpers aus und vertraten zudem den Wunsch  nach einem reversiblen Gebäude. Aus diesem Grund wurde das Material Holz angedacht, um die Struktur klar vom Bestand zu trennen. Da ein Giebel in der Ansicht vom Tal zu viel Präsenz im Ensemble  ausgestrahlt hätte, einigte man sich auf die Form eines Walmdaches, obwohl dieses im historischen Kontext eher repräsentativen Architekturen zugeordnet wird.
«Wir wollten, dass der Raum vom Dach atmosphärisch  geprägt wird. Der Dachstuhl sollte für das Gebäude  strukturgebend sein. Also haben wir die Architektur von oben nach unten gedacht, wie man sie ja eigentlich  denken sollte, da das dem Lastverlauf entspricht»,  erklärt der Architekt. Der bestehenden Geometrie der Schlossmauern folgend, musste der Pavillon fünfeckig  geplant werden, die Dachkonstruktion sollte aber ohne Stützen tragen, um den Innenraum freizuspielen. Die  Entwurfsarbeiten gestalteten sich als sehr komplex,  doch der Holzbauingenieur Rolf Bachofner stand dem  Planungsteam verlässlich zur Seite. Laut Johannes  Brunner trug er einen wesentlichen Anteil an den  Entwicklungen: «Nur Probleme zu lösen, interessierte uns nicht, denn es hätte technisch sehr viel einfachere  Strategien gegeben. Wir wollten eine in sich schlüssige Struktur schaffen. Der wunderbare barocke Dachstuhl des Schlosses diente uns als Inspirationsquelle.»

Kaum parallele Balken in der Struktur

So machte sich  das Team an die Planung eines Dachstuhles, der in  seiner Materialisierung, Konstruktionsweise und Verbindungstechnik traditioneller Zimmermannskunst entspricht, dessen komplexe Geometrie jedoch mit Hilfe  moderner Technologien berechnet und gefertigt wurde. Der fünfeckige Grundriss konnte in eine  viereckige Tischkonstruktion übersetzt werden, die ein  Auflager für die Sparren bildet. Um auf das alte Gemäuer keine Kräfte ableiten zu müssen, wurde ein ringsum laufender Gurt geplant, der den Schub des  Sprengwerks auffängt und auch die grossen Öffnungen des darunter gefügten Strickbaus ermöglicht. Da der  Pavillon an ein Nachbargrundstück anschliesst, konnte  das Dach nur an einer Stelle entwässert werden und  wurde nochmals verkippt, um Gefälle für die Traufen zu erhalten. Die Struktur weist daher kaum parallele  Balken auf und auch die Querschnitte sind nicht  rechteckig, sondern der geometrischen Struktur  entsprechend verzogen.

Jeder Knoten muss exakt sitzen

Durch parametrische  Planungswerkzeuge wurden dreidimensionale Modelle entwickelt, welche den Verlauf der Kräfte in der  Struktur repräsentierten. Diese Daten konnten auf  elektronisch gesteuerte CNC-Maschinen übertragen  werden, die mit hoher Präzision die gewünschten Bauteile aus Vollholzrohlingen frästen und bohrten. Alle  Balken der Dach- und Strickkonstruktion wurden mit ihren Verzapfungen und Bohrungen für die  Haustechnik im Werk hergestellt, verpackt, geliefert und vor Ort nach seitenlangen Positionslisten  zusammengefügt. Bei diesem Bauwerk gab es kaum Toleranzen, jede Verbindung musste passen, jeder  Knoten exakt sitzen.
«Die Strukturen und Verbindungen dieses Holzbaus  sind handwerklich gedacht, aber mit digitalen  Technologien gefertigt», resümiert der Architekt. «Wir wollten keine Ästhetik daraus machen, sondern die zeitgenössische Technik einfach dafür verwenden, Dinge herzustellen, von denen man uns jahrzehntelang erzählt hat, dass es nicht mehr geht. In der heutigen Zeit muss  man eben nicht mehr seriell produzieren, sondern kann wieder massgeschneidert bauen.»

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Sommer Camp Architektur

Entdeckungsreise Architektur

Sommerferien 2018
St. Gallen / Wil / Altstätten / Wattwil / Rapperswil-Jona

Kinder und Jugendliche werden nicht an Themen der Architektur und Baukultur herangeführt. Als Erwachsene werden sie  als Bauherren und Stimmbürger Entscheidungen dazu  treffen, die Bedeutung von partizipativer  Beteiligung nimmt zu. Für diese Aufgaben müssen die  Kinder vorbereitet werden. Die Begegnung mit der  Baukultur und den beteiligten Personen weckt ihr  Interesse für Fragen rund um Architektur,  Ingenieurswesen, Energie, Landschaft und  Raumplanung.

Das Architektur Forum Ostschweiz bietet deshalb während je einer Woche ein Ferienangebot an fünf  Orten im Kanton St. Gallen an. Dieses Angebot wendet  sich an Kinder der Mittelstufe und findet im Rahmen eines Ferienpass-Angebots der  teilnehmenden Städte statt. An fünf Tagen entdeckten  die Kinder die verschiedene Aspekte der Architektur  und Baukultur. Das Grundprogramm umfasst  verschiedene Module, die je nach Ort der  Durchführung angepasst werden.

Die Kurse werden erstmals im Sommer 2018 durchgeführt. Die Projektleitung liegt beim  Architektur Forum Ostschweiz. Das AFO bietet das inhaltliche Grundgerüst für die Entdeckungswoche an und stellt das dafür benötigte Material zur Verfügung.  Die Entdeckungsreise wird von ausgewiesenen  Vermittlerinnen und Vermittlern sowie Fachpersonen  aus dem Baubereich geleitet. Als Fachleute sollen auch  Mitglieder des AFO rekrutiert werden, die für  einen Besuch während der Woche bereitstehen und die einen Kurs teilweise begleiten.

Folgende Ziele werden angestrebt:
− Die Kinder lernen die Breite der Baukultur kennen: Sie ist weit mehr als nur die Gesamtheit der Gebäude.
− Die Kinder erforschen und dokumentieren Aspekte  der Architektur mit eigenen Entdeckungsreisen an ihrem Wohnort.
− Durch eigene Anwendungen mit Material und Konstruktion lernen die Kinder Prinzipien des Bauens kennen.
− In einer selbst inszenierten Ausstellung zeigen die  Kinder, was sie über die Baukultur in Erfahrung  gebracht haben.
− Der Ferienkurs soll Spass machen. Die Entdeckung  der Baukultur erfolgt erlebnisorientiert und ist mit einem Ausflug verbunden.

Die Durchführung im Sommer 2018 dient als  Pilotprojekt, in dem Erfahrungen gesammelt werden.  Mit der Dokumentation besteht die Möglichkeit, in  den folgenden Jahren weitere Kurse im Rahmen der  Sommerferien oder von Projektwochen  durchzuführen.

Die Kurse richten sich an Kinder und Jugendliche von 10 – 15 Jahren

Mit freundlicher Unterstützung 150 Jahre
Jubiläum St. Galler Kantonalbank

Anmeldekarte Sommer Camp Architektur 2019

Grenzen – Ausstellung Parallel Sprawl: die vorstädtischen Landschaften in der Schweiz und im Kosovo

Vernissage – Einführungsfilm und Podiumsdiskussion

Mo 2. Oktober 2017, 19.30 Uhr im Forum

Filmbeitrag mit anschliessender Podiumsdiskussion mit dem Aussteller-Team und den Architekten Rosafa Basha, Pristina / Ibai Rigby, Austin / Guillaume de Morsier und Valentin Kunik, Lausanne, sowie den Gästen Charlotte Malterre-Barthes, Architektin + Stadtplanerin / Christian Schmid, Soziologe / Milica Topalovic Stadtplanerin

Trotz wirtschaftlicher und kultureller Differenzen werden sowohl die Schweiz, als auch der Kosovo stark durch Zersiedelung geprägt. Die daraus resultierenden Landschaften sind sich dabei überraschenderweise sehr ähnlich. Eine Gruppe aus Architekten beider Länder hat die vergangenen fünf Jahre gebaute Orte untersucht und diese mit Spezialisten der jeweiligen Disziplin diskutiert. Untersuchungsgegenstand bildeten dabei weder städtische, historische oder touristische Zentren, noch ländliche Gegenden. Viel mehr lag das Interesse im Verständnis der Zwischenräume als leistungsstarke Unbekannte – weder Stadt, noch Land. Durch die parallele Beobachtung und Dokumentation suburbaner Gebiete und deren Funktionsweisen, zeigen sich die jeweiligen Probleme. Es werden Organisationsprinzipien, Gemeinsamkeiten und Unterschiede offengelegt und gleichzeitig gegensätzliche Ideen zur Gestaltung neuer Interpretationen und Visionen einander gegenübergestellt. Die Ausstellung zeigt eine Momentaufnahme der fünfjährigen parallelen Forschungsarbeit, welche in den folgenden Jahren weitergeführt und weiterentwickelt wird.

 Ausstellung im Forum

Parallel Sprawl
Valentin Kunik, Guillaume de Morsier
Ibai Rigby
Charlotte Malterre-Barthes
Christian Schmid
Milica Topovic

Einladungskarte Ausstellung Parallel Sprawl

Ausstellungssponsoren
Stadt St. Gallen, Fachstelle Kultur
KHG Holzbau AG

Bildnachweis: Parallel-Sprawl.org

Grenzen – Ausstellung Parallel Sprawl: die vorstädtischen Landschaften in der Schweiz und im Kosovo

Mo 2. Oktober 2017 bis Mo 6. November 2017
Öffnungszeiten: während der Veranstaltungen und jeweils Sa + So 14–17 Uhr im Forum, Filmvorführung jeweils um 15 Uhr

Trotz wirtschaftlicher und kultureller Differenzen werden sowohl die Schweiz, als auch der Kosovo stark durch Zersiedelung geprägt. Die daraus resultierenden Landschaften sind sich dabei überraschenderweise sehr ähnlich. Eine Gruppe aus Architekten beider Länder hat die vergangenen fünf Jahre gebaute Orte untersucht und diese mit Spezialisten der jeweiligen Disziplin diskutiert. Untersuchungsgegenstand bildeten dabei weder städtische, historische oder touristische Zentren, noch ländliche Gegenden. Viel mehr lag das Interesse im Verständnis der Zwischenräume als leistungsstarke Unbekannte – weder Stadt, noch Land. Durch die parallele Beobachtung und Dokumentation suburbaner Gebiete und deren Funktionsweisen, zeigen sich die jeweiligen Probleme. Es werden Organisationsprinzipien, Gemeinsamkeiten und Unterschiede offengelegt und gleichzeitig gegensätzliche Ideen zur Gestaltung neuer Interpretationen und Visionen einander gegenübergestellt. Die Ausstellung zeigt eine Momentaufnahme der fünfjährigen parallelen Forschungsarbeit, welche in den folgenden Jahren weitergeführt und weiterentwickelt wird.

Vernissage
Parallel Sprawl

Einladungskarte Parallel Sprawl

Ausstellungssponsoren
Stadt St. Gallen, Fachstelle Kultur
KHG Holzbau AG

Bildnachweis: parallel-sprawl.org