Architektur Forum Ostschweiz

Monatsarchive: Februar 2017

Architektur im Film – Batushas Haus

Einführung durch Tino Glimmann und Jan Gollob, Regisseure und Produzenten, Zürich

Di 21. Februar 2017, 20 Uhr im Kinok

In Pristina kennt jeder das Haus von Kadri Batusha, ein Schloss aus Stahl und Beton, das ohne Bauplan, Architekt oder Baugenehmigung aus der Erde wuchs und in den Hügeln über der Hauptstadt des Kosovo 300 Menschen beherbergt. Der Mann, der hier zum Bauherrn wurde, kennt jeden Winkel. Im Rhythmus ständig neuer Ideen wird das Bauwerk seit fünfzehn Jahren täglich ein Stück grösser. Die kaum fassbare Architektur des Gebäudes spiegelt in gewisser Weise den Lebenslauf seines Erbauers wider, der Anfang der 1980er-Jahre aufgrund seiner Beteiligung an den Demonstrationen für die Unabhängigkeit des Landes von den Serben, die damals im Kosovo das Sagen hatten, als politischer Aktivist eingestuft wurde, später ins Gefängnis kam, als Asylbewerber zehn Jahre in der Schweiz verbrachte und den 1998 ausgebrochenen Krieg erlebte… Die Bewohner von Batusha’s House bringen noch weitere Facetten dieser Persönlichkeit ans Licht. Jan Gollob und Tino Glimmann führen uns zu einer Begegnung mit jenen, die das Leben in diesem verrückten Labyrinth gewählt haben, das dem Xanadu aus Citizen Kane abgeschaut sein könnte und hier zu einer Metapher einer jungen anarchistischen Nation wird.

Tino Glimmann und Jan Gollob / CH, 2016, d, 70min

Zum Trailer

Weitere Vorführungen: So 26. Feb 11 Uhr
Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus
YTONG
multipor

Einladungskarte Februar

Bildnachweis: Tino Glimmann / Jan Gollob

Grenzen – Jenseits des Röstigrabens

Matthieu Jaccard, Architekt und Kunsthistoriker, Lausanne

Mo 6. Februar 2017, 19.30 Uhr im Forum

Der Vortrag findet in französischer Sprache statt und wird simultan übersetzt.

Die Architekturszene der Schweiz ist reich und vielfältig: Basel und Zürich stechen als Hochburgen heraus; das Bündnerland erstaunt immer wieder mit neuen Interpretationen seiner Traditionen; das Tessin zehrt von einer Generation von Pionieren, die den Umgang mit der Landschaft radikal hinterfragt haben.
Doch was wissen wir über die Romandie? Etwa über Städte wie Lausanne – das mit dem Ouest lausannois 2011 den Wackerpreis für die Innovative Entwicklung der Suburbia erhalten hat – oder über Genf, das sich aufmacht, mit dem „projet Praille Acacias Vernets“ (PAV) ein neues Kapitel in seiner Stadtgeschichte aufzuschlagen.
Neben den Bauten und Planungen erneuert sich auch die Vermittlung der Baukultur in der Westschweiz: In Lausanne entsteht mit dem „Culture du bâti“ (CUB) ein Architekturhaus, das von 17 Organisationen getragen wird. In Genf erneuert sich gleichzeitig die „Maison d’architecture“.
Cedric van der Poel nimmt uns mit auf eine Tour d’horizon jenseits des Röstigrabens. Der stellvertretende Chefredaktor der Zeitschrift Tracés, dem Schwesterblatt von TEC21 aus Lausanne, kennt sich wie kaum ein zweiter in der aktuellen Szene der Romandie aus. Als Urbanist, Anthropologe, Historiker und politischer Ökonom präsentiert Cedric van der Poel auf einem Streifzug durch die Romandie nicht nur Bauten und Projekte, sondern ebenso die gesellschaftlichen Hintergründe, die die jüngsten Entwicklungen ermöglichen.

Cedric van der Poel ist leider verhindert. Wir freuen uns, Architekt und Kunsthistoriker Matthieu Jaccard an seiner Stelle begrüssen zu dürfen.

Einladungskarte Februar

Bildnachweis: www.plateforme10.ch, Arazebra

Haus für Gastfreundschaft und Vielfalt

Kirchen bleiben heute oft leer, aber neue Kirchgemeindehäuser reagieren mit vielfältigen Räumen und Anlässen auf veränderte Bedürfnisse. Sie bereichern das öffentliche Leben. Ein Augenschein in Grabs.

21.01.2017 von Ruedi Weidmann

«Für mich ist es ein kleines Wunder», sagt John Bachmann, seit zwölf Jahren Pfarrer in Grabs, über das neue Kirchgemeindehaus. Seit einem Jahr belebt es das Dorf und hat seine Arbeit verändert. In Grabs und auf den verstreuten Höfen am Grabserberg leben ländlich und pietistisch geprägte Menschen, die tief in der reformierten Landeskirche verwurzelt sind. Weil Glarus 1517 die Grafschaft Werdenberg kaufte und 1529 den reformierten Glauben verordnete, ist Grabs eine protestantische Enklave im St. Galler Rheintal. Damals verkündete der Pfarrer in der Kirche Gottes Wort, die Erlasse der Regierung und wer unter der Woche Sitten und Gesetz verletzt und so sein Anrecht auf das wöchentliche Armenbrot verscherzt hatte. Der zwinglianische Gottesdienst war auch ein Sittengericht. Auch wenn Pfarrerinnen und Pfarrer heute weniger von der Kanzel herab predigen – Kirchen sind für frontale Kommunikation gebaut. Und alles Autoritäre verscheucht heute die Leute. Auch in Grabs ändern sich die Bedürfnisse. Es wird viel gebaut, Neuzuzüger machen die Gesellschaft bunter.

Neuer Platz als Treffpunkt
Die evangelische Kirchgemeinde Grabs-Gams beobachtet die Entwicklung schon länger. Sie erarbeitete die Vision einer lebendigen Kirche, die «Treffpunkt all der Segmente der heutigen Gesellschaft» sein soll, wie es in einem Memorandum heisst. Das alte Kirchgemeindehaus, viel zu klein und kaum zu heizen, genügte dafür nicht mehr. Die Büros der Pfarrer und Diakone waren im Ort verstreut, Aktivitäten fanden in gemieteten Räumen statt. An einer Retraite 2009 nahm ein Neubau Gestalt an. Man liess auch die Kosten einer Kirchenrenovation schätzen, entschied dann aber, ein neues Kirchgemeindehaus sei wichtiger. Die Baukommission besuchte Beispiele in der Region, sammelte Raumwünsche der aktiven Mitglieder und führte mit fachmännischer Hilfe einen Architekturwettbewerb durch. Aus dreizehn Vorschlägen kürte die Jury das Projekt des Büros Erhart Partner aus Vaduz. Die Mitglieder hiessen das Projekt gut. Bald begann der Bau, im Januar 2016 war das «Wunder» vollbracht.

Der hell verputzte, zweistöckige Quader stösst mit seiner Schmalseite an die Hauptstrasse. Zwischen ihm und der Kirche, die zurückgesetzt und etwas schief zur Strasse steht, ist ein dreieckiger Platz entstanden, der erste Dorfplatz in Grabs. Wo sich früher Autos durch Hochzeitsgesellschaften und Trauergemeinden drängten, stehen jetzt Bänke im Schatten einer Birke, die Terrasse vor dem Kirchgemeindehaus lädt zum Kaffeetrinken ein. Passanten plaudern, ein Kind spielt mit Steinchen, Schulkinder grüssen – fehlt nur noch der Brunnen, doch die Leitung ist schon verlegt.

Grosser Saal und Foyer sind begehrt
Vielfältig sind auch die Räume im Innern. Das Erdgeschoss öffnet sich mit grossen Glasscheiben zum Platz. Zwei breite Stufen führen zum Eingang und in ein geräumiges Foyer. Die linke, sonnige Seite ist als Bistro eingerichtet, durch eine Glasscheibe vom Weltladen getrennt. Die andere Seite dient als Garderobe, hinter einer Tür liegt das Sekretariat. Geradeaus tritt man in den hohen Saal. Ausgestattet mit Bühne und allem, was es für Theater-, Film- und Diskussionsabende braucht, bietet er bei Konzertbestuhlung 270 Personen Platz. Die Küche kann dank Durchreichen Saal und Foyer direkt bedienen. Ein helles Treppenhaus führt ins Obergeschoss. Der Mehrzweckraum an der Südseite eignet sich für Vorträge, Kurse oder Feiern mit bis zu 120 Teilnehmenden. Er ist unterteilbar und verfügt über eine eigene Teeküche. Zwei Sitzungszimmer und die kleinen Büros der Pfarrer und Diakone sind auf den Kirchplatz gerichtet. Der Jugendkeller des Vorgängerbaus ist erhalten geblieben. Ein Band-Übungsraum und Lagerräume für den Cevi und den Messmer ergänzen ihn. Alle Räume sind freundlich und überaus brauchbar. Die Kirchgemeinde stellt sie auch anderen zur Verfügung – gratis der politischen und der Schulgemeinde, der katholischen Kirchgemeinde und kirchennahen Vereinen, günstig den Dorfvereinen und Mitgliedern beider Kirchgemeinden, etwas teurer Nichtkirchbürgern, auswärtigen Vereinen und Firmen. Vor allem der grosse Saal und das Foyer sind begehrt. Dank ihnen ist die Kirche Grabs für Trauungen attraktiver geworden. Der «Chillekaffi» nach dem Sonntagsgottesdienst ist beliebt. Auch die Kundschaft des Weltladens und freiwillige Helferinnen und Helfer setzen sich gern zu einem Kaffee ins Foyer.

Das Angebot an Kursen, Vorträgen, Ausstellungen und Konzerten konnte erweitert werden. Nicht alle Anlässe haben einen Bezug zur Religion. Sie ziehen auch neues Publikum an. Die Vision habe sich mehr als erfüllt, sagt Kirchgemeindepräsident Karl-Heinz Haedener. Man sei fast ein wenig überrumpelt von den vielen Anfragen; der Mesmer sei bald am Anschlag. Die gleiche Entwicklung erleben auch andere neue Kirchgemeindehäuser, etwa in Wil oder Herisau.

Pfarrer Bachmann betont den Effekt gegen innen: Seit alle unter einem Dach sind, sei die Arbeit der Pfarrer, Diakone und der hier traditionell zahlreichen Freiwilligen einfacher geworden. «Man trifft sich täglich, kann sich austauschen und stärker als Einheit auftreten.» Und mit dem neuen Haus könnten sie nun etwas Wichtiges anbieten: Gastfreundschaft. Längst sind noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Bachmann testet im Saal gerade einen neuen Abendgottesdienst in Form einer Kaffeestube. Doch der wichtigste Raum ist für ihn das Foyer, weil hier Gastfreundschaft spontan und jederzeit möglich ist.

Gemeinschaft braucht Orte
In unserer Zeit wachsender Verunsicherung suchen viele Orientierung. Dafür war einst die Kirche zuständig. «Orientierung» kommt vom Kirchenbau und bezeichnete die Ausrichtung des Chors nach Osten, dem Orient. Dadurch schien die aufgehende Sonne als Symbol für die Auferstehung Christi durch die Chorfenster auf die Betenden. Auch das Aufgehobensein in einer Gemeinschaft fehlt heute vielen. Es ist der Preis für mehr individuelle Freiheit und das Abschütteln rigider Konventionen.

Gesucht sind neue, zwanglose Formen von Gemeinschaft. Auch der Wunsch nach gemeinnützigem Engagement wächst. Andererseits wachsen Bevölkerungsteile, die auf Solidarität angewiesen sind: Alte, Zugewanderte, Entwurzelte. All dies lässt sich sinnvoll miteinander verbinden, ob mit oder ohne Religion. Aber dazu braucht es Orte – und jemand, der sie pflegt –, wo Begegnungen und Austausch möglich sind und Zusammenhalt wachsen kann.

Bilder: Hanspeter Schiess

Megatrend und Mikroverdichtung

Immer mehr Menschen werden in Zukunft im Alter auf Pflege angewiesen sein. Darauf kann man mit grossen Neubauten reagieren – oder wie die Gemeinde Balzers mit gezielten baulichen Massnahmen.

17.12.2016 von Caspar Schärer

Fast jede wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Entwicklung hat früher oder später Auswirkungen auf das Bauen und damit hoffentlich auf die Architektur. Mehr Autos haben bis anhin zu mehr Strassen geführt – nun gut, das ist noch nicht Architektur. Aber all die Logistik- und Shoppingcenter an den Autobahnausfahrten könnten ruhig mehr Architektur sein. Oder das Gesundheitswesen: Politische Entscheide im Zusammenhang mit Spitallisten und ähnlichem führen zu massiven Investitionen in Krankenhäuser. Alles hängt voneinander ab; das heisst noch lange nicht, dass man dem Geschehen alternativlos ausgeliefert ist. Es gibt Entscheidungsspielraum, wie das Beispiel der bescheidenen Erweiterung eines Pflegeheims in Balzers im Fürstentum Liechtenstein zeigt.

Der auslösende Trend dahinter könnte kaum grösser sein und nennt sich «demografische Entwicklung»: Die Lebenserwartung in der Schweiz steigt unvermindert. Mittlerweile liegt sie bei etwa 83 Jahren. Ein heute Neugeborenes hat gute Chancen, das Jahr 2099 zu erleben, vermutlich auch den Beginn des 22. Jahrhunderts. Bereits über 1,5 Millionen Menschen geniessen in der Schweiz ihren Ruhestand, das sind etwas mehr als 18 Prozent der Bevölkerung. Und es werden in den kommenden Jahren deutlich mehr: Die so genannte «Babyboomer»-Generation marschiert langsam in die Pension, also Menschen, die von Anfangs der 1950-er bis Mitte der 1960-er Jahre geboren sind. Diese einzigartig geburtenstarken Jahrgänge werden eine deutlich erhöhte Anzahl an Pfegebedürftigen hervorbringen. Denn ab Mitte 80 brauchen immer mehr Menschen immer intensivere Pflege. Jede dritte Person über 85 Jahre ist mittel bis schwer pflegebedürftig.

Babyboomer stellen Gesellschaft auf die Probe
Der kleine Ausflug in die Welt der Statistik soll den abstrakten Begriff der «demografischen Entwicklung» anschaulicher machen. Dass dieser offensichtliche Megatrend früher oder später das Bauen beeinflusst, verwundert niemanden. Schliesslich müssen Alters- und Pflegeheime im Budget eingeplant und gebaut werden, sei es nun von der öffentlichen Hand oder von Privaten. Die Babyboomer werden in den kommenden Jahrzehnten das Pflegesystem und die ganze Gesellschaft auf die Probe stellen. Zurzeit leben rund 400’000 über 80 Jährige in der Schweiz, 2040 werden 880’000 erwartet.

Landauf, landab zerbrechen sich bereits heute die Verantwortlichen den Kopf darüber, wie sie dem «Ansturm» gerecht werden sollen. Die einfachste Lösung, in der Schweiz gerne praktiziert: Infrastruktur erweitern, also möglichst alle Bedürfnisse durch Bauen zu befriedigen. Das kostet zwar einiges, aber noch scheint das Geld zur Verfügung zu stehen. Deutlich günstiger wird es – diesen Weg hat die Gemeinde Balzers beschritten –, wenn man in die «Software» investiert – etwa in ein intelligentes Konzept. Balzers steht vor der Herausforderung, dass sich bis 2030 die Anzahl der über 80- Jährigen von 170 auf 340 verdoppeln wird. Danach wird sie vermutlich wieder abnehmen, da anschliessend mit der «Pillenknick»-Generation deutlich geburtenschwächere Jahrgänge ins Alter kommen.

Die Gemeinde verschaffte sich eine Übersicht und gelangte zu einer Strategie, die alle Beteiligten besser miteinander vernetzt und damit das Vorhandene effizienter nutzt. Allzu oft arbeiten verschiedene Dienste wie Pflegestationen, Spitex und andere private Stiftungen nicht Hand in Hand, sondern gegeneinander. Hinzu kommen die vielen Menschen, die ihre Angehörigen zu  Hause pflegen, immer wieder mal überfordert sind und oft nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen.

Obwohl komplett auf neue Pflegebetten verzichtet wird, erfordert das Konzept mehr Platz im Pflegeheim Schlossgarten am Fuss der Burg Gutenberg – allerdings in erster Linie Büros und flexible Mehrzweckräume. Die Gemeinde schrieb einen Wettbewerb aus und wählte ein Projekt, das sich nicht vollständig an die vorgegebenen Regeln hielt. Zwei eingeschossige Einbauten in die beiden zur Strasse hin offenen Höfe schlug das Liechtensteiner Architekturbüro von Ivan Cavegn vor; die Neubauteile ragen etwa einen Meter aus der bestehenden Fassadenfront hervor, die eigentlich gar keine Front war, sondern sich aus drei schmalen Gebäudeteilen zusammensetzte, die wie kleine Türme aufragten. Den «Rücken» bildet nach wie vor ein lang gezogener Trakt zum Garten hin. Indem Cavegn die Fassadenflucht nicht einhält, verleiht er den Einbauten eine eigene Bedeutung. Sie rücken buchstäblich in den Vordergrund und verdrängen die Parkplätze, die eigentlich hier vorgesehen waren. Stattdessen spriessen jetzt dort Büsche und Bäume in Vorgärten wie sie in der Nachbarschaft üblich sind.

Rundlauf durch den ganzen Komplex
Die neuen Grünstreifen vor dem Gebäude machen das Gebäude «wohnlicher», es wirkt weniger wie ein Pflegeheim – es heisst auch nicht mehr so, sondern Lebenshilfe Balzers. Einen vergleichbaren Effekt erzielen die beiden Einbauten selbst: Sie brechen den Massstab der grossen Struktur, führen architektonisch ein gewisses Eigenleben, füllen als Bauvolumen nicht einfach den zur Verfügung stehenden Platz auf, sondern wahren einen Abstand zum Altbau. Mit ihren dicken, sorgfältig geschalten Sichtbetonwänden und der leichtfüssigen Holzdecke setzen sie sich auch in Bezug auf Material und Konstruktion deutlich vom Bestand ab. Einer der Neubauten nimmt die Verwaltung auf, in der stationäre und ambulante Dienste wie Spitex und Familienhilfe zusammengeführt werden, der andere bietet Raum für die neue Tagesstätte für Demenzkranke.

Beide sind an verschiedenen Stellen an den Altbau angeschlossen, und so entsteht ein abwechslungsreicher Weg, ein Rundlauf, der im Erdgeschoss durch den ganzen Komplex verläuft. Überhaupt offenbart Ivan Cavegns Entwurf im Inneren eine architektonische Vielalt, die auf vergleichsweise kleinem Raum viel bewirkt und die vor allem in einem starken Kontrast steht zur eher schematischen Anlage des Altbaus. Der Rundlauf erweist sich als komplexer Mäander, man kommt vorbei an kleinen Innenhöfen, die zum Verweilen einladen, entdeckt verborgene Stuben für die Patienten, überall öffnen sich überraschende Durchblicke.

Trotz zahlreicher Ecken und Nischen findet man sich gut zurecht, auch die Dementen verirren sich nicht. Sie können auf der ganzen Strecke frei zirkulieren und sind auf diese Weise genauso Teil des Betriebs wie die Pflegekräfte und die Büromenschen. Offenheit, Erreichbarkeit, Vernetzung: Der neue Geist im Balzerser Pflegebereich hat in der Mikroverdichtung eine gebaute Entsprechung gefunden. Man nennt es Architektur.

Bilder: Hanspeter Schiess