Architektur Forum Ostschweiz

Monatsarchive: August 2016

Museumsnacht – Ausstellung Bundesbauten

mit Felix Stickel und Konzert von Tim & Puna Mimi

Sa 10. September 2016, 18–01 Uhr im Forum, mit Barbetrieb

bundesverwaltungsgericht stauffer hasler

Barbetrieb ab 18 Uhr

Konzerte 20 und 22 Uhr

Ticket 20.– für Eintritt in alle beteiligten Museen und Shuttlebusse
www.museumsnachtsg.ch

 

Ausstellung Bundesbauten – Die Architektur der offiziellen Schweiz

Die Immobilien im Eigentum des Bundes – ob Bürogebäude, Zollanlagen oder die Botschaften im Ausland – bilden die Architektur der offiziellen Schweiz. Die Wanderausstellung «Bundesbauten » gewährt auf ihrer Tour durch das ganze Land Einblicke in die vielfältige Bautätigkeit des Bundes von 1848 bis heute.
Wenn von Bauten des Bundes die Rede ist, denkt man ans Bundeshaus und an moderne Verwaltungszentren. Zum Portfolio des Bundes gehören aber nicht nur Büro-, Parlaments-, Regierungs- und Gerichtsgebäude, sondern auch verschiedene Sportanlagen, Kunst- und Kulturbauten, Bildungs- und Forschungsanlagen, Zollgebäude und natürlich sämtliche Botschaften der Schweiz im Ausland. Als gebaute Zeitzeugen sind sie alle Spiegel der politischen, wirtschaftlichen und historischen Prozesse in der Schweiz.
Das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) verwaltet und unterhält diesen Baubestand, passt ihn veränderten Bedürfnissen an und erweitert ihn wenn nötig. Die Werkschau erzählt die Geschichten der Bauwerke und lädt anhand ausgewählter Bauten ein, auf Spurensuche nach dem baulichen Erbe des Bundes zu gehen. Die Ausstellung wird in acht Schweizer Städten gastieren. Erste Station war Lausanne, den Abschluss bildet Bern.
Ausstellung und Rahmenprogramm

Insert Felix Stickel

Wie komme ich zum Bild? Was ver bindet es mit der Welt? Felix Stickel erforscht Bildzugänge angefangen von der eigenen Imagination bis hin zu dreidimensionalen Modellen. Der Künstler präsentiert Einblicke in seine Recherchearbeit und Ausblicke auf seine kommende Ausstellung im Architektur Forum.
felix-stickel.ch

Konzert

Tim & Puma Mimi bringen Gurken zum Klingen, elektrifizierten den eigenen Körper und singen auf Japanisch. Spielerisch verbinden sie Europa und Asien, Elektro und Folklore, Pop, Punk und Publikum.
timpuma.ch

Neuhausen bricht auf in die Zukunft

  • 6
  • 1

Die Stadt am Rheinfall ist Teil des Grossraums Zürich geworden. Das zeigt sich an den vielen Projekten, die in den letzten zwei Jahren
publik geworden sind. Im Zentrum stehen die neue S-Bahn-Haltestelle und mehrere Industrieareale, die sich für verdichtetes Bauen eignen.

27.08.2016 von Caspar Schärer

«Millionenzürich»: Vor einigen Jahren schaffte es dieser Begriff aus der Welt der Fachleute in die Tageszeitungen. Er macht deutlich, dass Zürich mehr ist als nur die Stadt selber und dass sie ihr Einzugsgebiet erheblich erweitert hat. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer «Metropolregion», oder eben vom «Millionenzürich». Das Besondere an der Metropole Zürich ist ihre Vielgestaltigkeit. Sie besteht bei weitem nicht nur ausder grossen Kernstadt am See, sondern setzt sich aus vielen kleineren und grösseren Städten zusammen. Zug gehört dazu, Baden ebenfalls, Frauenfeld mittlerweile auch – und im Norden Schaffhausen und Neuhausen am Rheinfall.

Projekte Schlag auf Schlag
Bis anhin war in Neuhausen die Metropole nicht gross zu spüren. Ein fernes Brummen war mal lauter, mal leiser vernehmbar. Grundsätzlich fühlte man sich weit genug entfernt von der Grossstadt, die wie überall in der Schweiz eher skeptisch beobachtet wird. Inzwischen ist jedoch die Metropole in Neuhausen angekommen, und wie: Innert kürzester Zeit wurden in der Gemeinde am weltberühmten Rheinfall Schlag auf Schlag so viele neue und grosse Bauprojekte bekannt, dass den Neuhauserinnen und Neuhausern fast Hören und Sehen vergeht. Was ist da los? Warum plötzlich diese Unrast? Schliesslich ist die Bevölkerung in Schaffhausen und Neuhausen zwischen 1995 und 2012 kaum gewachsen.

Drehscheibe am Industrieplatz
Die Vermutung liegt nahe, dass die im Dezember 2015 in Betrieb genommene S-Bahn-Haltestelle «Neuhausen Rheinfall» eine wichtige Rolle spielt. Früher förderte in erster Linie die Autobahn die Erreichbarkeit und damit die Zersiedelung. Dabei wird der Faktor «Erreichbarkeit» nicht in Kilometern, sondern in Zeiteinheiten gemessen: Wie viele Minuten Fahrt ist das Zentrum entfernt? Diese Frage ist für Pendler von zentraler Bedeutung.

Das Schweizer Stimmvolk hat 2013 dem neuen Raumplanungsgesetz zugestimmt, in dem zum ersten Mal der Grundsatz des «haushälterischen Umgangs mit dem Boden» tatsächlich Rechnung getragen wird. Vorher war es einfach ein Satz, den mehr oder weniger alle fröhlich ignorierten. Jetzt geht das nicht mehr. Der Kanton Schaffhausen hat zwar grosse Baulandreserven, muss diese nun aber reduzieren. Verdichtung nach innen heisst heute: Dort bauen, wo die Erschliessung mit öffentlichen Verkehrsmitteln bereits gut ist. Das ist nun mal in den beiden den Zentrumsgemeinden Schaffhausen und Neuhausen eher der Fall als anderswo im Kanton. Mit der neuen S-Bahn-Haltestelle wird das Zentrum von Neuhausen auf einen Schlag nicht nur gut, sondern gleich hervorragend erschlossen.

Somit ist Neuhausen am Rheinfall auf der Landkarte der Immobilienentwickler aufgetaucht – jenen Unternehmen also, die von jedem Grundstück in der Schweiz sämtliche Vor- und Nachteile kennen. Dass sich im Zentrum Neuhausens gerade die Lagegunst bedeutend verbessert hat, wissen sie seit 2011, als die Bevölkerung des Kantons Schaffhausen den Ausbau der S-Bahn an der Urne genehmigt hat. Praktischerweise befinden sich neben der neuen Haltestelle gleich mehrere immobilientechnisch interessante Areale. Da ist zunächst das riesige SIG-Areal, für das ein sorgfältiger Masterplan erarbeitet und im August der Bevölkerung vorgestellt wurde.

Gleich nebenan, rund um den Industrieplatz und direkt an der Haltestelle, wurden für drei weitere Gebiete Planungen bekannt, und auch im Zentrum selber sollen Neubauten entstehen. Am Industrieplatz stehen noch zwei bis dreigeschossige Häuser, etwas eigenwillig zusammengestellt und unverkennbar in die Jahre gekommen – das alte, vielleicht etwas schrumpleige Neuhausen. Nun ist aber die S-Bahnstation da, und der Kanton hat den Industrieplatz zu einem so genannten Entwicklungschwerpunkt der Agglomeration Schaffhausen erklärt. Für alle Projekte wurden unter Architekten Wettbewerbe ausgeschrieben, einen gewann sogar der britische Stararchitekt Tony Fretton, der bekannt ist für seine unaufgeregte Gelassenheit. Die Projekte wirken auf den bisher bekannten Bildern deutlicher städtischer als der Neuhauser Durchschnitt: Ihre Fassaden erscheinen weltläufiger, aber auch etwas weniger verwurzelt mit dem Ort. Eines lässt sich jedenfalls jetzt schon sagen: Rund um den Industrieplatz wird – wenn alles so kommt wie  zur Zeit vorgesehen – unübersehbar an der Metropolregion gebaut.

Anbinden an die Stadt
Ein Stück hangaufwärts, wieder an einer Bahnstation, dieses Mal jener der Deutschen Bahn, liegt mit dem Rhytech-Areal ein weiteres Gebiet, das sich von der Lage her ideal für eine Verdichtung eignet – jedenfalls beinahe. Innerstädtische Industriebrachen wie diese sind eine Kostbarkeit, sind sie doch in der Regel verhältnismässig gut erschlossen. Dafür fehlt die Anbindung an die umliegenden Quartiere, weil die Areale einst als geschlossene Bereiche konzipiert waren, die eben gerade nicht von jedermann durchquert werden konnten. Die neue Verknüpfung mit dem umgebenden städtischen Gewebe stellt eines der grössten Probleme jeder Umnutzung eines Industrieareals dar – auch und gerade beim Rhytech-Areal taucht diese Frage ganz vorne auf.

  • 2
  • 4
  • 3

Die Klettgauer- und Zollstrasse, die das Areal im Nordwesten und Nordosten begrenzen, gehören zu den am stärksten befahrenen Strassen des Kantons. Bis anhin war das zumindest für das Rhytech-Areal nicht weiter von Bedeutung. Nun aber, wenn dort gewohnt werden soll, werden der Lärm und der unablässige Strom von Autos und Lastwagen zum Problem. Es braucht einiges an architektonischem und städtebaulichem Geschick, um die «Insel» Rhytech-Areal wieder in die alltäglichen Fusswege der Neuhauser einzubinden. Auch hier wurde ein Wettbewerb unter Architekten ausgeschrieben, den der Zürcher Peter Märkli für sich entscheiden konnte. Märkli steht wie Fretton für hohe Qualität der Räume und der Ausführung, aber auch ein Star kann nicht die Welt komplett verändern. Die Anbindung an die umliegenden Quartiere müssen Gemeinde und Kanton lösen.

Zu reden in Neuhausen gab das Projekt auf dem Rhytech-Areal aber wegen ganz anderer Dinge. Vorgesehen sind zwei Wohnhochhäuser, und dies sorgt in der Schweiz immer für Gesprächsstoff. So richtig willkommen waren sie ausserhalb der Städte nie, obwohl sich die Stimmung in den letzten zehn, fünfzehn Jahren wieder etwas zu ihren Gunsten geneigt hat. Auf dem Rhytech-Areal bündeln die beiden Türme einen Grossteil der neuen Wohnnutzung und schaffen auf dem Boden Platz für eine weitläufige Plattform, auf der man sich frei bewegen kann.

Vor allem aber können Altbauten erhalten werden, so etwa eine der Industriehallen. Die Halle 22 ist ein wichtiger «Identitäts-Anker», der daran erinnert, dass Neuhausen nicht nur eine Wohnstadt, sondern dass hier auch gearbeitet wird. Die beiden Hochhäuser wiederum werden (wie so oft) zum sichtbaren Zeichen eines Aufbruchs. Neuhausen hat eine Zukunft, das ist immerhin schon mal etwas.

5

 

Bilder Hanspeter Schiess, Visualisierung pd

Bundesbauten – Die Architektur der offiziellen Schweiz – Vernissage

Mit Beiträgen von Astrid Staufer, Architektin, Frauenfeld, Barbara Suter, Leiterin Bauten Inland III, Lorenz Bettler, Ausstellungsleitung

Vernissage zur Ausstellung Mo 22. August 2016, 19.30 Uhr im Forum

bundesverwaltungsgericht stauffer hasler

Die Immobilien im Eigentum des Bundes – ob Bürogebäude, Zollanlagen oder die Botschaften im Ausland – bilden die Architektur der offiziellen Schweiz. Die Wanderausstellung «Bundesbauten » gewährt auf ihrer Tour durch das ganze Land Einblicke in die vielfältige Bautätigkeit des Bundes von 1848 bis heute.
Wenn von Bauten des Bundes die Rede ist, denkt man ans Bundeshaus und an moderne Verwaltungszentren. Zum Portfolio des Bundes gehören aber nicht nur Büro-, Parlaments-, Regierungs- und Gerichtsgebäude, sondern auch verschiedene Sportanlagen, Kunst- und Kulturbauten, Bildungs- und Forschungsanlagen, Zollgebäude und natürlich sämtliche Botschaften der Schweiz im Ausland. Als gebaute Zeitzeugen sind sie alle Spiegel der politischen, wirtschaftlichen und historischen Prozesse in der Schweiz.
Das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) verwaltet und unterhält diesen Baubestand, passt ihn veränderten Bedürfnissen an und erweitert ihn wenn nötig. Die Werkschau erzählt die Geschichten der Bauwerke und lädt anhand ausgewählter Bauten ein, auf Spurensuche nach dem baulichen Erbe des Bundes zu gehen. Die Ausstellung wird in acht Schweizer Städten gastieren. Erste Station war Lausanne, den Abschluss bildet Bern.

Die Ausstellung dauert von Mo 22. August 2016 bis Sa 10. September 2016
Öffnungszeiten: während der Vernissage, Museumsnacht und jeweils Mo bis Fr 8–18.30 Uhr.
Eintritt frei.

 

Besichtigung des Bundesverwaltungsgericht mit Architekt Rico Lauper, Staufer & Hasler Architekten, Frauenfeld
Sa 10. Sept 2016, 14 Uhr und 15.30 Uhr, Haupteingang Bundesverwaltungsgericht, Kreuzackerstrasse 12, 9000 St.Gallen
Die Besichtigungen sind kostenlos und dauern ca. 1 h. Bitte mit vollständigem Namen und gewünschter Uhrzeit anmelden unter: anmeldung.bundesbauten@nullbbl.admin.ch

Angaben zu Anfahrt und Rahmenprogramm unter www.bundesbauten.ch

Bestellen Sie das Buch zur Ausstellung unter www.hochparterre.ch

Einladungskarte Ausstellungen August Bundesbauten_2016

Dorfpark gegen Wachstumsschmerzen

  • 03
  • 01
  • 04
  • 02

Schon dass ein Dorf einen Park anlegen lässt, ist ungewöhnlich. Doch der neue Dorfpark im liechtensteinischen Triesen zeigt den Dorfbewohnern auch noch, wie sie einige Dinge ändern könnten, die ihnen das Leben schwer machen.

23.07.2016 von Ruedi Weidmann

 

Triesen liegt prächtig am Osthang des Rheintals. Etwa 5000 Menschen leben hier inmitten von Weiden, Baumgärten und Rebbergen mit Blick über die weite Ebene auf Alvier, Pizol und Alpstein. Die meisten wohnen in einem Einfamilienhaus mit Garten. Wozu braucht es da einen Park? Tatsächlich kann man den Dorfpark leicht übersehen, obwohl er direkt an der Landstrasse liegt, die als Lebensader durch Liechtensteins Dörfer führt. Auf den ersten Blick unterscheidet ihn nichts von anderen Wiesen im Dorf. Das ist so gewollt. Den Landschaftsarchitektinnen Catarina Proidl und Jacqueline Kissling lag viel daran, dass er sich möglichst selbstverständlich in die Umgebung einfügt.

Ländliche Szenerie
Zwei geschwungene Fusswege führen durch die hohe Blumenwiese an zwei grossen alten und einem Dutzend junger Obstbäume vorbei auf die Gemeindeverwaltung zu. Nach einigen Schritten wird klar, es ist kein gewöhnlicher Baumgarten – oder «Bongert»,wie man hier sagt. Unter einigen Bäumen ist das Gras kreisförmig gemäht. In diesen Rasenkreisen stehen Tische und Stühle aus leuchtend blauem Blech. Wo das Gelände gegen das Gemeindehaus abfällt, liegt ein Podest mit Kiesbelag und hölzernen Sitzstufen, darauf ein Brunnentrog aus Stahl. Das Plätschern übertönt den Lärm der Landstrasse. Eine verführerische ländliche Idylle! Zwei Treppen führen hinauf zu den Büros der Gemeindeangestellten, in einen schmalen Durchgang zum Gemeindesaal und auf die Terrasse der benachbarten Musikschule. Es ist nicht zu übersehen, dass das 1980 erstellte Gemeindehaus dem Park seine Rückseite zuwendet. Auch die 2004 gebaute Liechtensteinische Musikschule stösst mit einer fast fensterlosen Mauer an den Park, das ältere Wohn- und Geschäftshaus vis-à-vis wendet sich ebenfalls ab. Man merkt, dass der Park nach den Häusern entstanden ist.

Gemeindehaus im Abseits
Um 1980 hatte man wie überall die Hauptstrasse mit ihrem wachsenden Verkehr als Lebensraum aufgegeben. Das neue Gemeindehaus entstand etwa fünfzig Meter abseitsan einer Nebenstrasse. Unter und neben dem Neubau gab es jede Menge Parkplätze, aber ein Zugang von der Landstrasse her, wo der Bus hält, fehlte, und ebenso ein Garten. Zwischen Gemeindehaus und Landstrasse standen ein Bauernhof und die alte Post, sie wurden abgebrochen. Zurück blieb eine Brache mit einer verwilderten Hecke und Trampelpfaden zur Hintertür der Gemeindeverwaltung. Ein unangenehmer Ort, der bei Festen zum Pissoir verkam.

Die Bürgergenossenschaft Triesen, die das Kulturerbe der «Bongert» pflegt, pflanzte 2006 auf der Brache Apfel- und Birnbäume. Und als 2013 die Gemeindeverwaltung erweitert und renoviert wurde, konnte der Wunsch nach einem Aussenraum und einem Zugang von der Landstrasse erfüllt werden. Die Gemeinde erwarb den Baumgarten von der Bürgergenossenschaft, liess die Hintertreppe vergrössern und gab Catarina Proidl aus Schaan den Auftrag, einen Park zu gestalten. Diese zog Jacqueline Kissling aus Rorschach bei.

Aus Hinterhof wird Vorgarten
Wie verbindet man Hintertreppen, Rückansichten und Restflächen zu einem Garten? Die Landschaftsarchitektinnen gingen sanft an die Aufgabe heran. Sie suchten verborgene Qualitäten und verstärkten diese klug: Die Obstbäume liessen sie stehen. Die neuen Wege legten sie auf die Trampelpfade, wo sie ja offensichtlich einem Bedürfnis entsprachen. Sie verwendeten die roten Pflastersteine, die schon um das Gemeindehaus verlegt waren, und die weissen Hortensien, die da , schon wuchsen. Die blau-weisse Hibiskushecke vor der Musikschule verlängerten sie über die Strassenseite des Parks. Indem sie aufgriffen, was schon da war, konnten sie die zerstückelte Umgebung zusammennähen. Die verwilderte Hecke verschwand mit Ausnahme von zwei Linden. Nun ist das Gemeindehaus von der Landstrasse aus sichtbar. Die Besucher des Jugendtreffs belegen abends die Sitzstufen am Brunnen, die Angestellten nutzen die blauen Tische. Zwar ist die Rückseite nicht zum Haupteingang geworden, doch der Park hat das Gemeindehaus mit wenig Aufwand näher dahin gerückt, wo er hingehört: ins Zentrum, an die Hauptstrasse, zu den Bürgerinnen und Bürgern.

Wohlstand und Vereinzelung
Hinter dem Dorfpark steht aber noch ein anderes Bedürfnis. Es hängt mit der Umwälzung zusammen, die in Triesen im Gang ist: Das einstige Bauern- und Industriedorf wandelt sich zur Agglomerationsgemeinde in einer boomenden Dienstleistungsökonomie. Der wachsende Wohlstand geht mit einer enormen Bautätigkeit und Individualisierung einher. Liechtensteins Dörfer wachsen zusammen, die Landstrasse kann die Autos nicht mehr schlucken. Es gibt hier zwei pro Haushalt, man fährt zum Mittagessen nach Hause. Man lebt im Einfamilienhaus, im Büro, im Auto, im Stau. Man verliert sich aus den Augen. Die Gemeinden spüren die Folgen der Vereinzelung, etwa bei der Betreuung von pflegebedürftigen Menschen.

Städte haben Rezepte gegen diese Wachstumsfolgen erfunden. Ihre Dichte ermöglicht Nähe und Austausch. Einen «dörflichen» Lebensstil findet man heute am ehesten in dichten Innenstadtquartieren, wo die Mehrzahl ohne Auto lebt und man sich in Quartierläden und Cafés begegnet. Dafür leiden heute Agglomerationsgemeinden unter Verkehr und Anonymität. Sollen sie Stadt werden? Nicht alle können das. Viele wollen lieber Dorf bleiben – oder besser: das Dorf wiederbeleben. Dafür müssen sie städtische Rezepte an lokale Traditionen anpassen.

Neuer Lebensstil
Nun ist klar, wozu Triesen einen Park braucht: nicht zur Verschönerung – als Treffpunkt. Leise und charmant macht er ein Angebot für einen anderen Lebensstil mit weniger Hektik und Mobilität, dafür mit mehr Musse und Austausch. Mit Brunnen, Obstbaum, Kiesweg, Tisch und Stuhl haben die Gestalterinnen dörfliche Zutaten für das städtische Rezept Park gefunden. So fällt er nun kaum auf, hält das Können und die Sorgfalt, mit der er gestaltet ist, fast zu sehr unter dem Deckel. Aber es gelingt ihm das Beste, was ein Garten leisten kann: ein einladender Ort zu sein.

Noch wird er nicht überrannt, doch geschätzt. Es scheint eine Frage der Zeit, bis es auch hier üblich wird, den Mittag im Park zu verbringen. Der Dorfpark Triesen ist Teil eines globalen Trends, der Rückeroberung des öffentlichen Raums als Lebensort. Nicht jede Wiese darf Bauland werden. Ein Dorf braucht seinen «Bongert» und die Menschen

 

Bilder Hanspeter Schiess

Eine Brücke, die das Auge schärft

  • 01
  • 02
  • 03
  • 04

Die Taminabrücke reiht sich ein in den Stammbaum des Schweizer Brückenbaus. Trotz ihrer spektakulären Konstruktionsweise inszeniert sie nicht sich selber, sondern die Landschaft. Die Spannbeton-Bogenbrücke über die Tamina wird nächstes Jahr eröffnet.

 

18.06.2016 von Rahel Hartmann Schweizer

Unser Land sei durchlöchert wie ein Schweizer Käse, besagt ein Bonmot, das den Respekt vor der ingenieurtechnischen Leistung verhehlt. Erst vor zwei Wochen wurde mit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels ein Jahrhundert-Durchstich gefeiert. Die Schweiz ist aber nicht minder ein Brückenland. Ebenso wie Erhebungen untergraben, werden Täler und Schluchten überbrückt. Das Schweizer Schienennetz ist mit 8200 Brücken bestückt und die Autobahnen mit deren 3000. Die Topographie der Schweiz – ansonsten Aushängeschild für die Tourismuswerbung – wird auf der Ebene des Verkehrs nivelliert. Das wird einem besonders bewusst, wenn man im Ausland unterwegs ist und Serpentine um Serpentine erklimmt, mittels derer Hügelzüge und Talsohlen umfahren werden.

Während Tunnels den Eingriff in die Landschaft naturgemäss kaschieren, treten Brücken markant in Erscheinung – manche von ihnen sind dem Landschaftsschützer ein Dorn im Auge. Die in den 1970er Jahren gebaute Sihlhochstrasse vor den Toren Zürichs ist ein Schandfleck par excellence. Und Rekorde sind nicht per se bemerkenswert. So ist die mit 3155 Metern längste Brücke der Schweiz, das Viaduc d’Yverdon, die vier Gewässer, mehrere Strassen und die Eisenbahnlinie Lausanne–Yverdon quert, alles andere als eine Augenweide.

Inszenieren oder sich einfügen
Beispiele wie dieses führen dazu, dass die Bevölkerung Brückenbauten ambivalent gegenübersteht. Meist werden sie als reine Zweckbauten empfunden. In vielen Fällen sind sie das jedoch keineswegs. Ingenieure wie Robert Maillart in der Vergangenheit und Conzett, Bronzini & Gartmann, Christian Menn, Fürst Laffranchi in der Gegenwart forschten und forschen an Lösungen, die konstruktive mit ästhetischer Qualität verbinden, Tragfähigkeit mit Formschönheit, so dass Brücken nicht als Riegel wirken, als Barrieren die Topographie negieren, sondern ihren spektakulären Aspekt inszenieren. Dabei gibt es verschiedene Interpretationen des Inszenierens. Es kann bedeuten, «eine Landmarke zu erstellen», also das Bauwerk in den Vordergrund zu spielen, oder aber konträr meinen, die spektakuläre Landschaft zu unterstreichen, indem das Bauwerk sich in sie einfügt.

Mehr als nur Talhälften verbinden
Die 24 Projekte, die bei dem vom Kanton St. Gallen 2007 ausgeschriebenen Wettbewerb für den Bau der Taminabrücke eingereicht wurden, waren ein Abbild dieser beiden Entwurfshaltungen. Wohl bewerkstelligten alle Projektverfasser die Verbindung der Dörfer Valens und Pfäfers, die durch eine 200 Meter tiefe Schlucht voneinander getrennt sind, ohne Zwischenabstützung, das heisst, ohne die Talsohle zu berühren. Doch die Ausbildungen als Sprengwerke, Hänge- oder Schrägseilbrücken, Rahmen- oder Fachwerkkonstruktionen waren in erster Linie Zeugnisse brillanter Ingenieurskunst. Demgegenüber gelang dem deutschen Ingenieurbüro Leonhardt, Andrä & Partner mit ihrem Stahlbetonbogen die Inszenierung mittels Einpassung. Mit ihrem Stahlbetonbogen gewann das Büro denn auch die Ausmarchung.

Die bisherige Gemeindestrasse von Bad Ragaz nach Valens führte durch ein Rutschgebiet, was sie gefährlich und oft sanierungsbedürftig machte. An den Bau der Brücke knüpft sich daher nicht nur die Absicht einer kürzeren Verbindung zwischen Pfäfers und Valens, sondern auch die Hoffnung auf eine sichere Erschliessung der Klinik Valens, deren wirtschaftliche Prosperität dem Kanton am Herzen liegt. Und schliesslich wünscht man sich auch die Entlastung des Ortskerns von Bad Ragaz.

Schonender Freivorbau
Am 28. März 2013 erfolgte der Spatenstich. Zunächst wurden die Fundamente, die sogenannten Kämpfer, erstellt. 2014 wurde der Bogen mit seinen 265 Metern Spannweite in Angriff genommen und im Freivorbau mittels Hilfspylonen und Rückhaltekabeln von beiden Talflanken her in Richtung Scheitelpunkt errichtet. Auf diese Weise bedurfte es keines Lehrgerüsts, so dass die Schlucht, die ein Schongebiet ist, kaum angetastet wurde.

Ausserdem wurden ökologische Ersatzmassnahmen ergriffen. Sie beinhalteten die Bachrevitalisierung im Gebiet Valur, die Schaffung von Querungsmöglichkeiten für Wildtiere und von Strukturen für Fledermäuse an der Brücke sowie des Naturwaldreservats Badtobel, die Planung von neuen Obstgärten und die Instandstellung beziehungsweise der Ersatz von Trockensteinmauern.

Auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Spatenstich wurde am 28. März 2015 der Bogen der Brücke geschlossen. Er zeichnet sich durch eine Eleganz aus, die einerseits von den radial angeschlossenen Bogenstützen ausgeht, die den Schwung des Bogens betonen. Andererseits dynamisiert die Asymmetrie – auf der einen Seite sind es zwei Bogenstützen, auf der anderen deren drei – die Spannung der Überbrückung. Sie vermittelt den Eindruck eines beweglichen Überspringens der Schlucht.

Maillard-Kapitel fortsetzen
Wenn die Spannbeton-Bogenbrücke über die Tamina nächstes Jahr eröffnet wird, schreibt sie ausserdem ein Kapitel fort, das Robert Maillart mit der 1930 errichteten Salginatobelbrücke zwischen Schiers und Schuders gewissermassen aufgeschlagen hat. Ebenso wie diese sensibilisiert sie nicht nur für den Wert von Infrastrukturbauten, sondern auch für die Landschaft, deren Schönheit manches Auge erst durch sie erkennt.

Bundesbauten – Die Architektur der offiziellen Schweiz – Ausstellung

Die Ausstellung dauert von Mo 22. August 2016 bis Sa 10. September 2016
Öffnungszeiten: während Vernissage, Museumsnacht und jeweils Mo bis Fr 8–18.30 Uhr.
Eintritt frei.

bundesverwaltungsgericht stauffer hasler

Die Immobilien im Eigentum des Bundes – ob Bürogebäude, Zollanlagen oder die Botschaften im Ausland – bilden die Architektur der offiziellen Schweiz. Die Wanderausstellung «Bundesbauten » gewährt auf ihrer Tour durch das ganze Land Einblicke in die vielfältige Bautätigkeit des Bundes von 1848 bis heute.
Wenn von Bauten des Bundes die Rede ist, denkt man ans Bundeshaus und an moderne Verwaltungszentren. Zum Portfolio des Bundes gehören aber nicht nur Büro-, Parlaments-, Regierungs- und Gerichtsgebäude, sondern auch verschiedene Sportanlagen, Kunst- und Kulturbauten, Bildungs- und Forschungsanlagen, Zollgebäude und natürlich sämtliche Botschaften der Schweiz im Ausland. Als gebaute Zeitzeugen sind sie alle Spiegel der politischen, wirtschaftlichen und historischen Prozesse in der Schweiz.
Das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) verwaltet und unterhält diesen Baubestand, passt ihn veränderten Bedürfnissen an und erweitert ihn wenn nötig. Die Werkschau erzählt die Geschichten der Bauwerke und lädt anhand ausgewählter Bauten ein, auf Spurensuche nach dem baulichen Erbe des Bundes zu gehen. Die Ausstellung wird in acht Schweizer Städten gastieren. Erste Station war Lausanne, den Abschluss bildet Bern.

 

Besichtigung des Bundesverwaltungsgericht mit Architekt Rico Lauper, Staufer & Hasler Architekten, Frauenfeld
Sa 10. Sept 2016, 14 Uhr und 15.30 Uhr, Haupteingang Bundesverwaltungsgericht, Kreuzackerstrasse 12, 9000 St.Gallen
Die Besichtigungen sind kostenlos und dauern ca. 1 h. Bitte mit vollständigem Namen und gewünschter Uhrzeit anmelden unter: anmeldung.bundesbauten@nullbbl.admin.ch

Angaben zu Anfahrt und Rahmenprogramm unter www.bundesbauten.ch

Bestellen Sie das Buch zur Ausstellung unter www.hochparterre.ch

Einladungskarte Ausstellungen August Bundesbauten_2016