Architektur Forum Ostschweiz

Monatsarchive: April 2016

Hauptversammlung 2016

feat. Frank und Patrik Riklin

Fr 29. April 2016, Forumsfest im Anschluss

20 Jahre Forum.
Wie «förlen» wir in Zukunft?

Traktanden
1. Begrüssung
2. Protokoll der letzten HV 2015
3. Jahresbericht
4. Jahresrechnung
5. Budget und Mitgliederbeiträge 2016
6. Revisorenbericht
7. Wahl Vorstand
8. Wahl Leitender Ausschuss
9. Allgemeine Umfrage
10. Aussichten

Forumsfest
In diesem Jahr feiert das Architektur Forum Ostschweiz sein 20-jähriges Bestehen. Im Anschluss an die Hauptversammlung um ca. 20 Uhr findet das Forumsfest statt. Alle Mitglieder mit Begleitung sind herzlich zum gemeinsamen Essen eingeladen.

Gast-Feature
Die Riklin-Brüder machen Konzeptkunst mit Rückkopplungseffekt. Für ihre Arbeiten suchen sie den Weg aus dem White Cube und setzen dabei auf soziale Partizipation. Ihre Kunst geht stets ein Verhältnis mit anderen Teilsystemen ein und begibt sich dadaurch in eine Grauzone, in der noch viel kreatives Potential liegt. Im Rahmen der diesjährigen Hauptversammlung versuchen die beiden, uns an den Horizont der Fantasie zu entführen, um die Form und das Setting eines «Forums» im Allgemeinen zu hinterfragen und vielleicht neu zu erfinden. Ganz im Sinne des Jahresthemas «Im Wandel».

Zwillinge _ Frank & Patrik Riklin _ St. Gallen 12.06.2014

Der Eintritt kostet Ihre Fantasie. Ausgefüllten Antworttalon mitbringen.

Einladungskarte Hauptversammlung

Veranstaltungssponsor Delinat

Architektur im Film – The Human Scale

Einführung durch Angelus Eisinger, Planungs- und Städtebauhistoriker, Zürich

Di 19. April 2016, 20 Uhr im Kinok

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Wie soll man Städte bauen? Der Filmemacher Andreas Dalsgaard nimmt uns mit auf eine faszinierende Städtereise quer durch die Welt, von Kopenhagen nach Melbourne, Chongqing und Christchurch – auf den Spuren des dänischen Architekten Jan Gehl. Unermüdlich setzt sich der visionäre Raumplaner dafür ein, die traditionelle Stadtplanung des 20. Jahrhunderts durch eine neue Urbanität zu ersetzen, die den Menschen und seine Lebensqualität in den Vordergrund stellt. Egal ob im Financial District von New York oder in den Slums von Dhaka, die zentralen Fragen sind letztlich immer dieselben: Kann eine Stadt uns glücklich machen? Und was ist also eine gute Stadt? Internationale Städteplaner, Architekten und andere Denker gehen im Film dieser Frage nach.

Andreas M. Daslgaard/ Dänemark 2012, E/d, 83 min

Zum Trailer

Weitere Vorführungen: So 24. April 11 Uhr, Mi 27. April 18.45 Uhr

Eintritt 15.– / Mitglieder AFO 10.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus
fsb
konkurado

AFO vor Ort – Naturkundemuseum St. Gallen

Baustellenbesichtigung Führung durch Armon Semadeni

Mo 18. April 2016, 17 Uhr vor Ort

  • Naturkundemuseum_SG 4
  • Naturkundemuseum_SG 1
  • Naturkundemuseum_SG 3
  • Naturkundemuseum_SG 5
  • Naturkundemuseum_SG 6

Anmeldung bis Fr 8. April 2016 unter Naturmuseum@nulla-f-o.ch mit  Personenanzahl, Namen, AFO-Mitgliedschaft, Teilnehmerzahl beschränkt

Städtebau und Architektur

Das neue Gebäude des Naturmuseums St.Gallen entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft zu den öffentlichen Bauten und Anlagen der Kirche St. Maria Neudorf und des Botanischen Gartens am östlichen Rande der St.Galler Kernstadt. Im Dialog mit der imposanten städtebaulichen Präsenz der Kirche St. Maria und dem funktionalen Ausdruck der Treibhäuser des Botanischen Gartens, positioniert sich das Neue Naturmuseum als Gebäude mit repräsentativem Charakter und einem modernen, funktionalen Ausdruck zugleich:
Durch die markante Silhouette und die steinerne Materialisierung erhält die öffentliche Institution Naturmuseum gegenüber der städtebaulich wichtigen Rorschacherstrasse ein repräsentatives Gesicht. Gleichzeitig ordnet sich das Gebäude der Höhenentwicklung der Kirche St.Maria Neudorf unter und verweist mit seiner nach aussen sichtbaren Dachstruktur auf die funktionale, zurückhaltende Sprache der Gebäude des Botanischen Gartens.

Es entsteht so im Gebiet Neudorf ein neues städtebauliches Ensemble öffentlicher Bauten und Anlagen, welches sich über typologische Analogien, gemeinsame Bezüge in der Materialisierung und die zusammenhängenden Aussenräume verbindet und das heterogene städtebauliche Umfeld aus Infrastruktur- und Wohnbauten dabei selbstverständlich integriert.
Das dreigeschossige Museumsgebäude besetzt die zur Verfügung stehende Bauparzelle fast vollständig. Es entsteht dadurch zwischen der Kirche St.Maria Neudorf und dem Museum ein räumlich gefasster, sanft geneigter Ausstellungsraum unter freiem Himmel, der auch Teil der Wegführung vom Museum zum Botanischen Garten werden wird. Der neue Baukörper verzahnt sich mit dem angrenzenden Aussenraum und seiner Umgebung über vier präzis formulierte Einschnitte und Vorsprünge, die die lokal vorgefundenen Gegebenheiten stärken und die neu zugeordneten Funktionen – wie beispielsweise den Aussenraum des Museumscafés, einen repräsentativen Vorplatz zum Haupteingang und eine diskrete Anlieferung – aufnehmen.

Die öffentlich zugänglichen Museumsräumlichkeiten bestehen aus einer offenen Raumfolge, deren Auftakt die Verbindung der beiden Museumseingänge vom Entrée auf der Strassenseite mit dem Foyer auf der Gartenseite bildet. Der Ausstellungsbesucher folgt dem Museumsrundgang über zwei, um ein halbes Geschoss versetzte Ebenen in den Reliefraum und erhält über vereinzelt gesetzte Öffnungen wiederholt Bezüge zur Umgebung. Der Reliefraum erinnert durch seine eindrückliche Höhe und räumliche Präsenz in Verbindung mit der darüber liegenden Galerie an Ausstellungsräume klassischer Museumsgebäude des 19. Jahrhunderts. Er ist das Herz- und Verbindungsstück der beiden Ausstellungsgeschosse und bietet auch attraktive Möglichkeiten zur Installation und Präsentation grösserer Exponate. Das zweite Ausstellungsgeschoss bietet einen grossen, stützenfreien Oberlichtsaal für eine langfristig flexible und abwechslungsreiche Ausstellungsgestaltung. Intime Rückzugsorte und museums-pädagogische Räumlichkeiten wie beispielsweise die Media- und Bibliothek und das Jugendlabor schaffen eine angenehme, private Atmosphäre und bieten dadurch die Möglichkeit zur individuellen Informationsbeschaffung.

Im Wandel – Kirchengebäude sind Chancen

Jörg Beste, Theologe und Architekt, Köln, Thomas Zihlmann, Leiter Hochbau & Energie, Kanton AI, Stefan Meier, Kirchenverwaltungsrat, Rorschach

Mo 4. April 2016, 19.30 Uhr im Forum

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Ein quantitativ und qualitativ reicher Bestand an Kirchengebäuden ist durch gesellschaftliche Veränderungsprozesse mit Bevölkerungsrückgang und Säkularisierungstendenzen stark unter Druck geraten. Der Rückgang der Kirchennutzung zeigt sich zunächst in den urbanisierteren Gebieten, wirkt sich aber immer stärker auch in kleineren Städten und in ländlichen Gebieten aus.
In dieser Situation ist ein neuer Umgang mit den für die lokale Identität wichtigen Kirchengebäuden erforderlich. Aber Kirchen sind eine schwer umzunutzende Gebäudetypologie. Wie kann also im Hinblick auf die architektonischen und städtebaulichen Qualitäten der Kirchengebäude und ihre Einbindung in die sozialen Strukturen der Quartiere auf diese Entwicklung reagiert werden? Wie kann von öffentlicher Seite auf diese Situation reagiert werden? Welche Rolle übernimmt die Denkmalpflege?
Jörg Beste geht diesen Fragestellungen anhand von Analysen und Beispielen aus Nordrhein-Westfalen nach. Nutzungs- und Gestaltungsfragen sowie denkmalpflegerische Probleme werden anhand von umgesetzten Lösungen thematisiert. Eine regionale Beleuchtung der Thematik erfolgt im Anschluss zum Inputreferat. Stefan Meier wird uns die Umnutzungspläne der Kirche in Rorschach erläutern. Thomas Zihlmann berichtet über die Strategie des Kapuzinerklosters in Appenzell.

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte April

Mit der Strasse die Welt verbessern

  • Gutes Bauen: Ortsplanung im Rheintal Rathaus Altstaetten
  • Gutes Bauen: Ortsplanung im Rheintal Bahnhofstrasse Widnau
  • Gutes Bauen: Ortsplanung im Rheintal Bahnhofstrasse Widnau
  • Gutes Bauen: Ortsplanung im Rheintal Bahnhofstrasse Widnau

Strassen dienen nicht nur als Fahrspur oder Trottoir, sondern bilden auch Räume – besonders in besiedelten Gebieten. Langsam beginnt sich ein Bewusstsein für den Strassenraum zu regen. Was alles möglich ist, zeigen die Beispiele Widnau und Altstätten.

 

19.03.2016 von Caspar Schärer

Die Strasse ist ein ideologischer Kampfplatz: Geht es um freie Fahrt, kippen die Debatten ins Irrationale. Das Wissen um die Strasse als Raum – vor allem als sozialen Raum – ging fast verloren und muss mühsam wiedererlangt werden. Geschwindigkeit, Kurvenradien, Sicherheit und Funktionalität bestimmten für lange Zeit alles. Stand ein Haus im Weg, wurde es weggeräumt. Tausende Strassen- kilometer wurden so gebaut, ohne Rücksicht auf Verluste. Der Weg zurück ist steinig, denn jetzt sind Fakten geschaffen. Trotzdem lohnt sich der Aufwand, und ein Bewusstsein für den Strassenraum beginnt sich zu regen. Vorreiter in der Schweiz ist der Kanton Bern, der bereits in den frühen 1990er-Jahren mit ersten erfolgreichen Umgestaltungen von Strassen auf sich aufmerksam machte.

Keine Vorzeigeregion
Inzwischen hat das Umdenken das ganze Land erfasst – auch das Rheintal, das viele lediglich als zersiedeltes Agglo- und Autoland sehen. Tatsächlich ist das Rheintal nicht unbedingt die Vorzeigeregion für eine nachhaltige Siedlungs- entwicklung. Das bedeutet allerdings, dass es viel zu tun gibt: Zwei Beispiele aus Altstätten und Widnau zeigen, was alles möglich ist. Am Anfang steht ein Problem – hier wie dort. Altstätten beschäftigt sich seit einiger Zeit mit dem motorisierten Verkehr, der sich bei einem Flaschenhals vor der katholischen Kirche im Nordosten der Altstadt hindurch zwängte. Für die Stadt Altstätten war klar, dass die Beseitigung dieses Engpasses ein grosses Plus an städtebaulicher Qualität bringen muss. Wer sich mit dem Verkehr anlegt, muss grossräumig denken. Im Falle von Altstätten bedeutete es, dass die Stadt einige Grundstücke beim Freihof neben dem Rathaus ankaufen musste, um sich die nötige Beinfreiheit zu verschaffen.

Verkehrstechnisches Herzstück des Infrastrukturprojekts ist ein neuer Kreisel und die Umlegung einer Strasse. Leider ist der Kreisel ein Element der Strassenplaner zur Verflüssigung des Verkehrs und nicht ein stadträumlich gedachter Baustein. Auf dem offenen Feld funktioniert er bestens, ins besiedelte Gebiet dagegen passt er nicht. Die angrenzende Bebauung hat es immer schwer, mit den Ausrundungen ein gutes räumliches Verhältnis aufzubauen. Wenn dann noch die Bebauung selbst so ideenlos auf den Kreisel reagiert wie in Altstätten das grosse Gebäude auf dem Freihof-Areal, dann zeigen sich die Schwächen des Kreisels besonders deutlich.

Umso erfreulicher sind die stadträumlichen Gewinne auf der anderen Seite des Freihofs – dort, wo früher die Autos und Lastwagen entlang der Kirchenmauer durchbrausten. An der Stelle des alten Rathauses aus den 1950er-Jahren steht jetzt ein stolzer, siebengeschossiger Baukörper, der sich in die Höhe reckt, um den Platz vor sich freizuspielen. Das Zürcher Architekturbüro Allemann Bauer Eigenmann gewann 2007 einen Wettbewerb, der sich über insgesamt drei Teilgebiete erstreckte – darunter das Rathaus und der Freihof. Das Rathaus durften die Architekten ausführen, und das sieht man dem Bau an. Ein Gitter aus hellen Betonelementen hält den Bau zusammen, dunklere Füllungen und Fenster schaffen dazu einen Kontrast. Das Gebäude erfüllt seine repräsentative Funktion auf eine sehr freundliche und zuvorkommende Weise. Die Details sind durchdacht, die Materialien gut ausgewählt, die Gesamtwirkung stimmt. Zusammen mit der Kirche und dem Rand der Altstadt bildet das Rathaus mit dem neuen, grösseren Platz ein zusammenhängendes Ensemble.

Optische Bremsen
Während in Altstätten durch die Neuordnung der Strassenführung kostbarer öffentlicher Raum gewonnen werden konnte, ging es in Widnau um den Strassenraum selbst. Wegen Belagsschäden wollte das Tiefbauamt des Kantons die Strasse zwischen dem Bahnhof Heerbrugg in der Gemeinde Au und der «Metropol»-Kreuzung mitten in Widnau umfassend sanieren. Die Gemeinde Widnau, auf deren Gebiet der Löwenanteil des Strassenabschnitts liegt, sah die Chance gekommen, die eklatanten räumlichen Defizite ihrer stark befahrenen Ortsdurchfahrt beheben zu können. Die Verkehrsmenge liess sich nicht reduzieren, aber im Bereich der Gestaltung waren die Potenziale noch längst nicht ausgeschöpft.

Marco Koeppel, Architekt und Gemeinderat in Widnau, entwarf zusammen mit den Kollegen der Gemeinde Au und dem Kanton eine neue Strasse, auf der nicht mehr das Auto alleine bestimmend ist. Die Fahrbahnen wurden auf das absolute Minimum verengt und ein sogenannter «multifunktionaler Mittelstreifen » eingeführt. Fussgängerstreifen fehlen vollständig, man kann die Strasse überqueren, wo man will. Einige Zonen des Mittelstreifens sind mit roten, hüfthohen Stelen markiert: Hier eignet es sich besonders, die Strassenseite zu wechseln. Die Stelen wirken als optische «Bremsen» für die Autofahrer – genauso wie die massiven Leuchtenpfähle, welche die Strasse seitlich begleiten.

Urbaner und dennoch ruhiger
Die baulichen Massnahmen führten laut Koeppel dazu, dass die durchschnittliche Geschwindigkeit auf 35 bis 40 km/h gesunken sei, obwohl weiterhin 50 km/h erlaubt sind. Und das ist entscheidend: Bei niedrigerer Geschwindigkeit steigt die Bedeutung aller anderen Faktoren wie Raum- und Lebensqualität. An der Bahnhofstrasse in Widnau lässt sich das selbst an verregneten Vormittagen beobachten. Die Szenerie wirkt sowohl urbaner wie auch beruhigter, die Menschen bewegen sich freier und ungezwungener. Ein Wermutstropfen sind auch hier die Kreisel, die zur «Verflüssigung» des Verkehrs eingebaut wurden. Gerade die ehemalige «Metropol»-Kreuzung leidet darunter, denn alle daran angrenzenden Bauten wurden für eine Kreuzung konzipiert und nicht für einen Kreisel.

Vielleicht überlässt man solche Korrekturen einfach der nächsten Generation. Auch sie muss ja die Gelegenheit haben, zu lernen und die Situation zu verbessern. Erste Schritte in die richtige Richtung sind jedenfalls getan.

 

Bilder: Michel Canonica