Architektur Forum Ostschweiz

Jahresarchive: 2016

Bräteln unter dem Verkehrsdenkmal

Die Felseggbrücke über die Thur bei Henau strahlt wieder wie neu. Der renovierte Pionierbau von 1933 lohnt einen Besuch.Verkehrsbauten gehören zu unserem Kulturerbe. Neue Methoden erleichtern ihre Pflege.

19.11.2016 von Ruedi Weidmann

Hell leuchtet sie im Herbstlicht und überspannt in flachem Bogen die Thur: die Felseggbrücke bei Henau. Fast wäre das Werk des Beton-Pioniers Robert Maillart den Folgen einer früheren Renovation zum Opfer gefallen. Doch nach eineinhalb Jahren hinter Baugerüsten ist es nun frisch renoviert zu besichtigen. Beim Gillhof führt ein Weg bequem ins Kiesbett der Thur hinab. Von hier aus lässt sich die sanierte Konstruktion am besten bewundern.

Die Felseggbrücke entstand 1933 als Teil der neuen Schnellstrasse Wil–Gossau. Sie ist 130 Meter lang, der Bogen überspannt 72 Meter. Maillart verband virtuos zwei Konstruktionen, den Hohlkastenträger und den Dreigelenkbogen: Die beiden Schenkel des Bogens sind hohle Kasten, leicht und trotzdem steif. Die drei «Gelenke» sind schlanke, stark armierte Stellen an den Enden und am Scheitel des Bogens. Hier kann sich die Brücke bei jeder Belastungbewegen, unmerklich, aber es reicht, damit Verbiegungen nicht von einer in die andere Brückenhälfte übertragen werden. Das schont die steifen Teile. Maillart hat diese Konstruktion erfunden. Sie sparte Material, war günstig und rasch gebaut –die Felseggbrücke in neun Monaten.

Rettung in letzter Minute
Streusalz ist Gift für Betonbrücken. Das Salzwasser dringt in den Beton ein und lässt die Armierungseisen rosten. 1987 dichtete man darum die Felseggbrücke rundum mit Epoxidharz ab. Dabei unterschätzte man, wie viel Feuchtigkeit im Beton steckte. Wegen der Plastikhaut konnte er nicht mehr austrocknen. Das Salz in der Brückegriff weiter die Armierung an; aussen war davon nichts zu sehen. Eine Kontrolle vor zehn Jahren zeigte die Folgen: Der Schaden war so massiv, dass die gesamte Fahrbahnplatte samt Brüstung und Scheitelgelenk ersetzt werden musste. Die neue Fahrbahn wurde abgedichtet, kein Wasser kann mehr von oben in die Betonkonstruktion dringen. Zum Schalen verwendete man wie früher frisch gesägte Bretter, deren Maserung nun am Beton gut sichtbar ist. An den übrigen Teilen wurde das Epoxidharz mittels Hochdruckwasserstrahl entfernt. Dabei kam die Oberfläche mit. Sie wurde mit frischem Beton aufmodelliert und mit einer neuen transparenten Lasur gestrichen.Diese ist wasserdicht, aber dampfdurchlässig, so dass der Beton atmen und austrocknen kann.

Eugen Brühwiler, Spezialist für Bauwerkserhaltung an der ETH Lausanne, hat die Denkmalpflege und das Tiefbauamt des Kantons St.Gallen beraten. Für ihn ist die Renovation gelungen. Die Brücke erfülle nun alle Anforderungen an eine moderne Kantonsstrasse, ihre besondere Form und Konstruktion konnte erhalten werden. Zu den Kosten von rund sechs Millionen Franken sagt Brühwiler: «Weil die Folgeschäden der letzten Renovation so grosswaren, kostete die Erneuerung so viel wie ein Neubau. Die renovierte Brücke ist nun aber auch gleich leistungsfähig und dauerhaft wie eine neue. Zusätzlich konnte man einen Zeugen erhalten, der für die Geschichte des Brückenbaus enorm wertvoll ist.»

Der Bauingenieur Robert Maillart gilt weltweit als Pionier des Stahlbetonbaus. Er erfand die Betondecke mit pilzörmigen Stützen und entwickelte von 1902 bis zu seinem Tod 1940 die Konstruktion von Betonbrücken weiter. In der Ostschweiz sind fünf weitere seiner Bauten erhalten: Steinachbrücke 1903 und Wasserturm 1906 in St.Gallen, die Bahnüberführung in Aach bei Romanshorn 1907 , die Thurbrücke Wattwil 1909 und die Thurbrücke bei Billwil 1904 , die von Felsegg aus auf einer stündigen Uferwanderung erreichbar ist. Maillarts Bauten sind hervorragend gestaltet,nutzten die Eigenschaften von Stahlbeton konsequent und gelten längst als Denkmäler von nationaler oder weltweiter Bedeutung. Doch das schützt sie leider nicht vor Abbrüchen. Unmittelbar
bei der Felseggbrücke hatte Maillart über den Fabrikkanal der Weberei Felsegg eine schlichte Brücke auf acht Stützen gebaut, konstruiert wie die Vorlandbrücken der Felseggbrücke. Sie hatte stark unter Salzwasser gelitten und musste 2011 ersetzt werden. Schade, findet Eugen Brühwiler heute. Das Ensemble aus Felsegg- und Kanalbrücke zeigte, wie Maillart Innovation und Pragmatik verband.

Kathedralen unserer Zeit
Doch wozu Verkehrsbauten überhaupt erhalten? Sind sie nicht einfach Zweckbauten, die stets den aktuellen Anforderungen des Verkehrs genügen müssen? «Autobahnen sind die Kathedralen unserer Zeit», sagte David Byrne schon vor dreissig Jahren in seinem Film «True Stories». Frühere Kulturen bauten Kirchen, Klöster, Burgen und Schlösser. Unsere Kultur baut seit 200 Jahren beeindruckende Strassen, Bahnstrecken, Brücken und Viadukte. Doch leider werden sie noch kaum als Kulturgut wahrgenommen, oft übersehen und vernachlässigt.

Auf Strassen, Kreuzungen, in Tunnels und Unterführungen verbringen wir viel Zeit. Sollten wir da nicht hohe Ansprüche an ihre Pflege stellen? Brücken, Stützmauern, Überführungen, Leitplanken und Geländer werden bewusst gestaltet –nicht umsonst heissen sie Kunstbauten. Für wichtige Projekte gibt es Wettbewerbe. Doch beim Unterhalt geht die Gestaltung dann meist vergessen. Strassen und Wege verlieren ihren Charakter durch viele kleine Reparaturen, die sich um das Aussehen scheren. Das zeigt etwa das Potpourri von Stützmauern und Geländern entlang vieler Bergstrassen. Brühwiler nennt noch einen weiteren Grund, warum alte Verkehrsbauten wertvoll sind: Sie speichern Wissen. Etwa,wie man Brücken mit weniger Stahl bauen kann als heute.

Bis vor kurzem wurden Brücken ersetzt, wenn sie ein bestimmtes Alter erreichten, selbst wenn sie noch intakt waren. Nun wurden an der ETH Lausanne Methoden entwickelt, um die Tragfähigkeit bestehender Bauwerke zu messen. Dabei zeigt sich, dass Brücken oft stärker sind als erwartet. Heute lässt sich messen, wo Schwachstellen sind. Ermüdete Stahl- oder Betonteile können gezielt ersetzt oder verstärkt werden. Mit wenig Aufwand werden so Brücken und Gebäude wieder für Jahrzehnte tragähig. Das spart Geld, Material und Werkverkehr und hält Bauzeugen am Leben.

Auf Gemeindeebene werden jedoch noch viele Verkehrsbauten ersetzt, weil ihr historischer Wert und die Erneuerungsmethoden nicht bekannt sind. Auf dem riesigen Gemeinde-, Forst- und Flurstrassennetz wäre ein geschichts- und materialbewusster Unterhalt besonders wertvoll. Technisch interessierte Denkmalpfleger und historisch versierte Ingenieure finden gemeinsam Möglichkeiten, wie scheinbar veraltete Bauten gezielt und günstig für eine moderne Nutzung verstärkt werden können.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Patina und Atmosphäre

Ein altes Industrieareal kann auch heute noch gut gebraucht werden. Im St.Galler Quartier Winkeln nutzen rund 70 Gewerbebetriebe die grossartigen Räume der ehemaligen Konservenfabrik.

15.10.2016 von Caspar Schärer

Nein, Alex Hanimann hat es nie bereut, dass er ein Atelier auf dem Areal der ehemaligen Konservenfabrik bezogen hat. Der 60jährige St. Galler Künstler gehört zu den langjährigen und treuen Mietern: Vor 25 Jahren hat er den Schritt aus der Innenstadt «hinaus» nach Winkeln gemacht. Die St. Galler Kunstszene ist ihm nicht gefolgt, auch wenn er nicht der einzige Künstler auf dem Konservi-Areal ist, wie es hier liebevoll genannt wird. «Mir ist das inzwischen ganz recht», erklärt Hanimann, «denn ich arbeite gerne in Ruhe». In seinem Atelier findet er ideale Bedingungen: über vier Meter hohe Räume, reichlich Platz und eine grosse Fensterfront nach Norden, auf den Fabrikhof. Gegenüber steht das mächtigste Gebäude des Areals; wenn die Fassade von der Sonne beschienen wird, leuchtet sie hell auf und strahlt in Hanimanns Atelier.

Dass sich ein Künstler gerne auf einem alten Industrieareal einrichtet, erstaunt den Journalisten aus Zürich nicht weiter. So läuft das doch immer auf diesen Brachen. Findige Immobilienspezialisten lassen Künstler und überhaupt so genannt Kreative ein paar Jahre gewähren – sie beleben das Areal und sorgen für Bekanntheit, bevor alles verschwindet und Neubauten mit Wohnungen und Büros hochgezogen werden. In vielen Schweizer Städten ist auf diese Weise ein Areal nach dem anderen umgenutzt worden.

Der Umbau von Industriebrachen gehörte in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren zu den Paradedisziplinen der Immobilienentwickler, selbst wenn in der Regel grosse Hindernisse im Weg stehen und ein solcher Prozess viel Wissen, Erfahrung und Geduld braucht. Aber am anderen Ende des Tunnels locken einfach zu schöne Rendite-Erwartungen: Oft sind die Areale gut erschlossen und die Nachfrage nach einigermassen zentral gelegenen Büro- und vor allem Wohnräumen ist fast überall hoch. In den Gewerbegebieten hingegen regiert der blanke Pragmatismus; meist stehen stumme Blechkisten beziehungslos nebeneinander. Ein über einige Jahrzehnte gewachsenes Industrieareal hat schlicht mehr Patina und Atmosphäre. Manches ist krumm und vielleicht nicht optimal, aber damit kann man sich arrangieren. Viel kostbarer als totale Perfektion sind die Räume – im Innern der Gebäude wie auch die dazwischen.

Das bestätigt Roman Holenstein von der Immobilien St. Gallen AG, Verwalter auf dem Konservenfabrik-Areal: «Die damaligen Baumeister haben uns extrem robuste Bauten hinterlassen. In einigen Gebäuden sind Bodenbelastungen von bis zu drei Tonnen möglich – im dritten Obergeschoss!»

Hierzu sollte man wissen, dass ein solcher Bau entsprechend stabil gebaut werden sollte, was ihn automatisch verteuert. Es seien aber keineswegs luxuriöse Bauten, versichert Holenstein. Die früheren Bauherren hätten genauso aufs Geld achten müssen. Aber sie hätten investiert und vielleicht nicht von jedem eingesetzten Franken verlangt, dass er im nächsten Quartal mit sechs Prozent rentiere. «Das ist im besten Sinne nachhaltig», sagt Holenstein.

Erfolgreich in der Nische
Er übernahm das Areal vor fünfzehn Jahren, kurz nach der Jahrtausendwende. Zusammen mit dem Eigentümer, dem Gossauer Nahrungsmittel-Industriellen Ernst Sutter, entwickelte er ein Vermietungskonzept, das eigentlich völlig naheliegend ist, aber aus heutiger Sicht fast schon exotisch wirkt. Sutter und Holenstein setzen auf kleine und mittlere Unternehmen, also auf KMU, die 99 Prozent aller Schweizer Betriebe ausmachen. Kleine und mittlere Gewerbebetriebe haben es zusehends schwer, in den Städten Räume zu finden – zu wertvoll ist der Boden und zu verlockend die Aussichten für die Landbesitzer, daraus mehr Kapital zu schlagen. Gleichzeitig können sie sich einen Neubau in einem Gewerbegebiet nicht leisten – sie fallen also zwischen Stuhl und Bank. In dieser Nische operieren Sutter und Holenstein mit dem Konservi-Areal, keineswegs als «Wohltätigkeitsverein», wie es der Verwalter ausdrückt. Die Liegenschaft müsse rentieren, doch er ist überzeugt davon, dass man auf diese Weise langfristig mehr Geld verdiene als mit einer Tabula-Rasa-Strategie.

Dabei ist es gar nicht so einfach, die verschiedenen Interessen und Ansprüche der Mieter zusammenzubringen. «KMU ist ein sehr allgemeiner Begriff», sagt Holenstein. «Dahinter steht eine grosse Vielfalt an Unternehmen: die sind etwas lauter, andere arbeiten eher still, bei den einen kommt täglich ein Lastwagen vorbei, die anderen tauchen nur am Wochenende auf.» Auf die enorme Diversität gibt es eigentlich nur eine Antwort: ein breites Angebot an unterschiedlichen Räumen. Genau das findet sich auf dem alten Industrieareal, Räume, die vielleicht zufällig entstanden sind und jetzt genau passen, Räume, die belastbar sind und erweitert werden können.

Rund 70 Betriebe mit 500 Arbeitsplätzen sind auf dem Konservenfabrik-Areal eingemietet, einen Überblick über die Vielfalt verschafft eine Tafel am Eingang. Das Spektrum reicht vom Nahrungsmittelfabrikanten über den Holzbauer, die Autowerkstatt und den Darmhandel bis zur Kampfsportschule und eben den Künstlerateliers.

Keine Nostalgie
Ende der 1980er-Jahre kaufte Ernst Sutter das vier Hektar grosse Areal, als die Konservenfabrik schon einige Jahre nicht mehr in Betrieb war. Die ältesten Bauten reichen bis Anfangs des 20. Jahrhunderts zurück, seither ist immer wieder etwas angefügt und neu gebaut worden. Da rücken die Bauten nahe zusammen, ein gewaltiges Dach schützt den Aussenraum vor Regen; dort wirkt es, als ob das Gebäude wie ein Wesen gewachsen sei, so unkontrolliert wurde angebaut; woanders wiederum ist der Raum klar gegliedert und übersichtlich. Bei einem Streifzug durch das Areal kommt man durch Strassen und Gassen, überquert Plätze, sieht Nischen mit Vor- und Rücksprüngen, überall Tore, Vordächer und Anlieferungsrampen.

Langeweile kommt hier nicht auf – und auch keine Nostalgie, denn Roman Holenstein ist Realist genug, um zu wissen, dass einige der Bauten am Ende ihres Lebenszyklus angelangt sind: «Dann müssen wir halt mal eines ersetzen oder aufstocken.» Veränderung, das macht er deutlich, soll weiterhin möglich sein auf dem Konservenfabrik-Areal. So wie es schon die ganze Zeit über war.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Im Wandel – Entwicklung und Aufwertung Bahnhof Nord St. Gallen

Meinrad Morger, Architekt, Basel, und Florian Kessler, Stadtplaner, St. Gallen

Mo 5. Dezember 2016, 19.30 Uhr, Rathaus 1.OG

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Das grosse öffentliche Interesse und der hohe städtebauliche und politische Stellenwert rechtfertigen eine umfassende Planung des Gebiets Bahnhof Nord. Dabei geht es über das Füllen von vorhandenen Baulücken hinaus, um die fragmentarische Wirkung der heutigen Situation zu verbessern, mit der Absicht einen lebendigen, vielfältigen, sozialen und zukunftsfähigen Ort zu schaffen. Folgende Ziele werden dabei verfolgt:
– Ausloten der nutzungsmässigen und städtebaulichen Entwicklungsmöglichkeiten zur Stärkung der Zentrumsfunktion in der Innenstadt
– Präzisierung der städtebaulichen und verkehrlichen Rahmenbedingungen mit Nutzungshinweisen für die Entwicklung des stadteigenen Areals Lagerstrasse sowie der weiteren Areale
– Aufwertung des öffentlichen Raumes innerhalb des gesamten Betrachtungsperimeters
– Partizipatives Vorgehen unter Einbezug betroffener und interessierter Kreise
Unter Einbezug verschiedener Anspruchsgruppen und der Öffentlichkeit wurden die Rahmenbedingungen für die Testplanung erarbeitet. Die Lösungsvorschläge der eingeladenen vier Teams werden wiederum mit den Anspruchsgruppen und der Öffentlichkeit diskutiert und die Erkenntnisse fliessen ein in die Empfehlung an den Stadtrat.
Architekt Meinrad Morger, Fachexperte Beurteilungsgremium, und Stadtplaner Florian Kessler informieren über die Erkenntnisse.

Einladungskarte Dezember

Informationsanlass

Nachhaltiges Bauen nach SNBS

Mo 28. November 2016, 19.30 Uhr im Forum

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Begrüssung: Martin Hitz, Präsident NNBS

Der Leitfaden SNBS: Werner Binotto, Kantonsbaumeister, St. Gallen
SNBS in der Praxis: Barbara Beckmann, EK Energiekonzepte AG
Nachhaltiges Bauen – anders gedacht: Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre, Publizist
Diskussion und Fragen / Moderation: Silvia Gemperle, Energieagentur St. Gallen

Vor Kurzem wurde in Bern der Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) der Öffentlichkeit vorgestellt und die Zertifizierung für den Standard lanciert. Ziel des SNBS ist es, die Bereiche Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt und deren Wechselwirkungen umfassend in Planung, Bau und Betrieb eines Objekts mit einzubeziehen. Das Netzwerk Runder Tisch Energie und Bauen, St. Gallen, hat dazu einen Leitfaden ausgearbeitet, der Bauherrschaften und Planende darin unterstützt, ein Bewusstsein für die Thematik zu entwickeln.

Kein Eintritt

www.nnbs.ch

Im Wandel – Baukultur als Baukunst

Martin Tschanz, Architekt und Kritiker, Zürich / Lukas Imhof, Architekt, Zürich / Johannes Brunner, Architekt, Balzers

Mo 7. November 2016, 19.30 Uhr im Architektur Forum Ostschweiz

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Der Begriff «Baukultur» taucht vermehrt im architektonischen Diskurs der letzten Jahre auf. Er ist jedoch so umstritten wie ungenau definiert. Letztlich meint er die Gesamtheit jener Dinge, mit denen der Mensch seine Umwelt prägt – vom Einzelobjekt über den Städtebau bis zur Gestaltung der Kulturlandschaft. Die Veranstaltung versucht, innerhalb dieses weiten Feldes einen einzelnen Aspekt von Baukultur zu beleuchten: den Beitrag der Architektur. Architektur wird dabei auf die elementarste, kleinste Form heruntergebrochen: das einzelne Objekt als gebauten, also konkreten Beitrag zur Baukultur. Wir reden über die Kunst, gut zu bauen, und meinen damit das Zusammenspiel all jener Kräfte, die einen Bau prägen – von der Region über den Kontext bis zur Raumabfolge, von der Ökonomie bis zur Handwerkstechnik. Und wir thematisieren Strategien und Probleme beim Umgang mit diesen zuweilen gegensätzlich wirkenden Kräften.

Lukas Imhof, Architekt, und Martin Tschanz, Architekt und Kritiker, halten je ein Einführungsreferat. Im Anschluss diskutieren die Referierenden mit Johannes Brunner, Architekt, unter Einbezug des Publikums.

Landquarts langer Weg zur Kleinstadt

Der Fabrik- und Eisenbahnerort Landquart mausert sich zum Regionalzentrum. Gute Architektur und ein wachsendes Einkaufs- und Gastroangebot ziehen Bewohner an. Der öffentliche Raum belebt sich. Dahinter stehen eine beharrliche Ortsplanung.

14.09.2016 von Ruedi Weidmann

Bis 1858 gab es Landquart gar nicht. Dann bauten die Vereinigten Schweizer Bahnen die Bahnlinie Rheineck–Chur. Bei der Brücke über die Landquart stellten sie eine Station in die Wiese – die Loks mussten Wasser tanken. Jemand zog eine Linie durchs Gras zur Deutschen Strasse hinauf: die Bahnhofstrasse. Der erste, der sie für eine gute Adresse hielt, war ein Wirt. Der Optimist baute an der Bahnhofstrasse 1 ein Hotel und nannte es «Landquart». Für seine Gäste, die von hier aus eine Kutsche nach Davos nahmen, liess er einen grossen Park mit prächtigen Bäumen anlegen. Seither gab es immer wieder Anläufe, Landquart zu einer Kleinstadt zu machen. Heute steht es knapp vor dem Ziel.

Der Bahnhof als Motor
Mit dem Bahnanschluss entstanden am Mühlbach Fabriken, darunter die bekannte Papierfabrik. 1889 eröffnete die Landquart–Davos-Bahn. Sie wurde zur Rhätischen Bahn, ihre Werkstatt zur Hauptwerkstätte der RhB. An der Bahnhofstrasse entstanden Wirtschaften, Lebensmittelläden und enge Arbeiterwohnungen. Landquart war nun Verkehrsknoten und Eisenbahnerort. Es wuchs, aber ein schmuckes Städtchen wurde es nicht. Thomas Mann nannte es im Roman «Zauberberg» «eine windige und wenig reizvolle Gegend».

Bis zum Ersten Weltkrieg entstanden weitere Gasthöfe, die Landwirtschaftliche und die Gewerbeschule, eine Kirche, das Primarschulhaus. Auf Land der SBB und der RhB wohnten Bähnlerfamilien in kleinen Häusern mit grossen Gärten. Heimatstil war die Architektur der Stunde. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Wohnblöcke und vier Wohnhochhäuser hinzu. 1964 kam die Autobahn. Sie brachte keinen Boom, im Gegenteil: Man fuhr jetzt an Landquart vorbei direkt nach Davos. Das Industriegebiet wuchs, aber die Automatisierung frass die Arbeitsplätze weg. An der Bahnhofstrasse wurden die Hotels zu Beizen und die Fassaden grau, Läden standen leer, das Kino ging zu. Was blieb, war der Verkehrsknoten. Migros und Coop erkannten als erste Landquarts Potenzial als regionales Dienstleistungszentrum. Um 1990 entstand so an beiden Enden der Bahnhofstrasse ein Supermarkt. Sie waren so gross, dass es Sonderbauvorschriften brauchte. Das zwang die Gemeinde, sich mit Ortsplanung zu beschäftigen. Das war der Anfang des Aufschwungs.

Doch Ortsplanung braucht Ausdauer. Visionen stossen zuerst stets auf Skepsis, und bis Entwicklungen sichtbar werden, müssen sie jahrelang vorbereitet werden. Wie ist da Planen überhaupt möglich? Bei allen erfolgreichen Beispielen steht ein tatkräftiges Team dahinter, in dem Politik, Verwaltung und Fachleute über Jahre am gleichen Strick ziehen. In Landquart waren es der Gemeindepräsident, der Leiter des Bauamts und der beauftragte Ortsplaner. Seit den Neunzigerjahren sammelte das Trio Bedürfnisse, definierte Ziele, entwarf Pläne, beriet Bauherrschaften und vernetzte sich mit allen, die helfen konnten. In unzähligen Gesprächen überzeugte es Grundbesitzer, Investoren und Bewohner, dass alle profitieren, wenn jeder seinen Beitrag zu mehr Qualität leistet. Kommunikation ist das A und O jeder Ortsplanung.

Bis 2000 war die Zonenordnung überarbeitet. Sie erlaubte dichteres Bauen in der Kernzone. Gleichzeitig sorgte der neue generelle Gestaltungsplan dafür, dass Neubauten den Strassenraum einheitlich fassten. Und mit Bearth & Deplazes, den Architekten des spektakulären ÖKK-Hauptsitzes an der Bahnhofstrasse, entwickelte die Gemeinde ein wirkungsvolles Instrument, mit dem sie bei der Qualität von privaten Bauvorhaben mitreden kann: die Urbane Zone. Hier darf ein Investor noch einmal dichter und höher bauen, sofern er die Wünsche der Gemeinde nach gemischter Nutzung, sorgfältiger Einpassung und guter Gestaltung umsetzt. Das Resultat wird sichtbar: In Landquarts Bahnhofstrasse lässt sich heute flanieren, denn die neuen Bauten bieten allen etwas.

Vom Kiesweg zum Boulevard
Das Hotel Landquart ist verschwunden, aber einkehren kann man zum Beispiel im Boulevardcafé im gleissend weissen ÖKK-Hauptsitz oder im gestylten Café Central. Daneben Läden, Bankfilialen, die schöne Volksbibliothek. Die Neubauten sind abwechslungsreich, aus Glas, Backstein oder Beton, aber stets mit gemischter Nutzung: Über den Läden liegt eine Büroetage, darüber drei bis fünf Wohngeschosse. Dies führt dazu, dass jederzeit Menschen zu Fuss unterwegs sind. Die hohen Zeilen bilden einen geschlossenen Strassenraum. Doch öffnen sich Durchgänge in offene Höfe und zu den Wohnbauten in der zweiten Reihe. Zwischen den Neubauten zeugen das Hotel Schweizerhof in schönem Heimatstil und kleine Wohnhäuser mit farbigen Gärten von Landquarts Tourismus- und Industrie-Ära.

Letztes Jahr ist der Gemeindepräsident im Amt verstorben, und der Leiter des Bauamts wurde pensioniert. Für den Ortsplaner bedeutet das, die nächste Generation Politiker und Gemeindeangestellte in die Zusammenhänge und die Planungsinstrumente einzuführen. Weil es so lange dauert, bis Ortsplanung wirkt, sollte sie kontinuierlich fortgeführt werden. Lässt man nach, sinkt die Qualität der Entwicklung Jahre später und lässt sich dann nur sehr langsam wieder korrigieren.

Der Erfolg bringt auch neue Aufgaben. Je mehr sich Landquart erneuert, umso wichtiger werden seine Wurzeln. Ein Inventar der historischen Bauten fehlt noch. Die Primarschule Rüti, das Hotel Schweizerhof, ein Wohn- und Geschäftshaus am Kreuzplatz und weitere öffentliche und private Häuser bilden ein eindrückliches Heimatstil-Ensemble. Sorgfältig revitalisiert, könnten sie zum Merkmal Landquarts werden und dafür sorgen, dass im raschen Wandel das Heimatgefühl nicht verloren geht.

Drei kleine Plätze und ein grosser Platz
Landquarts Lebensader, die Bahnhofstrasse, soll noch belebter werden. Die Gemeinde will den Strassenraum neu gestalten, mit mehr Bäumen und drei Plätzchen. Richtig gross ist der Bahnhofplatz, wo alles anfing. Die eine Hälfte ist seit kurzem eine Begegnungsfläche mit Bäumen, Brunnen und Bänken. Über Mittag sitzen Angestellte, Schüler und ältere Leute auf den Bänken, vor dem Bahnhofbuffet und dem Restaurant Binari.

Seit letztem Jahr steht auf der Südseite das regionale Verwaltungszentrum des Kantons, von Jüngling und Hagmann gekonnt proportioniert. Es ist überraschend hoch, doch der grosse Platz erträgt das gut. Die Fassade wird flankiert von zwei mächtigen Blutbuchen. Gepflanzt hat sie vor 160 Jahren der optimistische Hotelier, der fest daran glaubte, dass Landquart eine Stadt werden würde.

Bild: Michel Canonica

BSA @ AFO – Wie kommt die Kunst zum Bau?

Di 25. Oktober 2016, 18.30 Uhr, Werkhof des Gartenbauamtes, Stephanshornstrasse 6, St. Gallen

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«Kunst am Bau» ist ein kultureller Anspruch, einen gewissen Anteil der Baukosten für Kunst zu verwenden. Im neuen Werkhof des Gartenbauamtes der Stadt St. Gallen geht diese Kunst eine geradezu symbiotische Verbindung mit dem Gebäude ein. Ursprünglich waren die Architekten allerdings der Ansicht, dass es keine Kunst braucht. Der Entwicklungsprozess mit dem Künstler hat sie geläutert und
zu eigentlichen Verfechtern gemacht. Das Beispiel zeigt gut, dass «Kunst am Bau» nicht immer einen leichten Stand hat. Der Abend mit dem BSA geht deshalb der Frage nach, wie man «Kunst am Bau» fördert, wie man gute Projekte evaluiert und welche Beiträge Architektinnen und Architekten, Künstlerinnen und Künstler sowie die Bauherrschaft leisten können und sollen.

Karin Frei Rappenecker, Kunsthistorikerin, Tanja Scartazzini, Fachstelle «Kunst am Bau» Kanton Zürich, und Patric Allemann, Architekt, halten je ein Einführungsreferat. Im Anschluss diskutieren die Referierenden mit den Kunstschaffenden Katja Schenker und  Josef Felix Müller, seit 2014 auch Präsident der visarte Schweiz. Das Podium wird geleitet von Erol Doguoglu, Kantonsbaumeister
Thurgau.

Eine Führung durch den Werkhof und ein Apéro riche bilden den Abschluss des Abends.
Anmeldungen bis Di 18. Oktober 2016 unter Gartenbauamt@nulla-f-o.ch
Teilnehmerzahl beschränkt, Parkplätze vor Ort

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Pressemitteilung AFO

Die Weiterentwicklung des öffentlichen Raums ermöglichen

Das Architektur Forum Ostschweiz begrüsst die Ablehnung des Baugesuchs Parkhaus am Schibenertor als Entscheid mit hohem Sachverstand und Weitblick.

Das Architektur Forum Ostschweiz hat mit Befriedigung vom Entscheid der städtischen Baubewilligungskommission Kenntnis genommen. Der Entscheid, der aus städtebaulichen und denkmalpflegerischen Gründen gefällt worden ist, entspricht genau den Kriterien, welche an solch prominenter Lage bei Bauaufgaben im öffentlichen Raum angewendet werden müssen.

Nach der vom Volk abgelehnten Marktplatzvorlage ist die Parkierungsfrage im Raum um den Marktplatz bereits vor einiger Zeit strategisch neu angegangen worden. Mit dem Ausbau des Parkhauses ‚Unterer Graben’ wurde dabei die Grundlage für eine unvoreingenommene städtebauliche Auslegeordnung beim Marktplatz geschaffen. Bei dieser Auslegeordnung hat die Beeinträchtigung des öffentlichen Raums durch das Parkhaus am Schibenertor nun keine Berechtigung mehr.

Der Stadtraum am Schibenertor ist ein wichtiges städtebauliches Gelenk, das zwischen dem Bahnhofsplatz, dem charaktervollen Quartier zwischen Poststrasse und Blumenbergplatz sowie dem Marktplatz-Bohl vermittelt. Der Obere Graben ist zwar stark vom Verkehr beansprucht, gleichsam aber ist die bestehende Verkehrsinsel mit dem Baumbestand eine wertvolle räumliche Reserve für zukünftige bessere oberirdische Verbindungen zwischen Bahnhof und Marktplatz. Der Bau einer Parkhauseinfahrt inmitten des Strassenraums verbaut alle Möglichkeiten für die Weiterentwicklung dieses innerstädtischen Raums.

Als isolierte Massnahme ohne übergeordnetes Gesamtkonzept für den öffentlichen Raum am Marktplatz und dem Oberen Graben macht das Parkhaus zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn. Das mit 80 privaten Stellplätzen fast zur Hälfte privat genutzte Parkhaus rechtfertigt den massiven Eingriff in das Stadtgefüge nicht. Dabei geht es nicht um das berechtigte private Interesse an einer Tiefgarage, sondern darum, dass der massive Eingriff für ein relativ exklusives privates Interesse nicht im angemessenen Verhältnis zur öffentlichen Bedeutung des Ortes steht.

St. Gallen ist daran, mit Neuinvestitionen in den Bahnhofsplatz und mit der Neuorganisation der Bahnhofsgelände ‚Bahnhof Nord’ und ‚Bahnhof St. Fiden’ städtebaulich eine Erneuerungsrunde aufzubauen. Bauvorhaben wie der Bau einer Parkhauseinfahrt an zentralster öffentlicher Lage sowie das Unterbauen eines grossen Strassenstücks blockieren übergeordnete und inspirierende Gedanken für die Stadtentwicklung. Dabei geht es um räumlich attraktive Lösungen für die Vernetzung im Langsamverkehr, die Anpassung der Strassenzuschnitte an die E-Mobilität, aber auch um den Ausbau und die Trasseeführung des öffentlichen Verkehrs.

Der öffentliche Raum in absoluter Citylage ist so vielschichtig mit öffentlichen Interessen belegt, dass städtebauliche und denkmalpflegerische Interessen ebenso berechtigt sind wie verkehrstechnische oder vordergründig wirtschaftliche Interessen. Aus vielen erfolgreichen Wirtschaftsgeschichten im Stadtzentrum kann gelernt werden, das heutzutage nur die „weichen Faktoren“ eine ernstzunehmende Chance für das Gewerbe in einem städtischen Zentrum sind. Technokratisch gedachte Verkehrsinfrastrukturen, welche die Aufenthaltsqualität im Zentrum verbauen, schaden der Stadtentwicklung. St. Gallen kann sich solche Rückschritte im Stadtzentrum nicht leisten. Hohe Bau- und Gestaltungskultur ist in der City nicht Liebhaberei, sondern das Handwerk für eine erfolgreiche Entwicklung der Zukunft.

 

St. Gallen, 7.10.2016

Im Wandel – Buchtaufe «Gutes Bauen Ostschweiz»

Andrea Wiegelmann, Verlegerin; Caspaer Schärer, Autor und Erol Doguoglu, Kantonsbaumeister Thurgau

Mo 3. Oktober 2016, 19.30 Uhr im Forum

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Buchtaufe im AFO! Die Auszeichnung Gutes Bauen Ostschweiz wurde abgelöst durch eine Serie von Artikel in der Tagespresse: 31 Artikel sind in der Periode 2011 – 2015 im St.Galler Tagblatt und im Liechtensteiner Vaterland erschienen. Die Berichte sind nun in Buchform zusammengestellt, ergänzt um zwei Fotostrecken und drei Essays zu den Themen Raum, Zeit, Kultur. Das Buch ist der erste Band zu einer Reihe, die alle fünf Jahre um einen weiteres Volumen anwächst. Die Bücher dokumentieren, welche planerische Themen in der Ostschweiz relevant waren und über diese Gesamtschau wird greifbar, was die Region bewegt.
Zusammen mit der Verlegerin Andrea Wiegelmann, dem Autor Caspar Schärer und dem Thurgauer Kantonsbaumeister Erol Doguoglu reflektieren wir den Prozess und diskutieren die Bedeutung der Berichterstattung über Architektur. Und wir feiern die Taufe des Buches!

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Gutes Bauen Ostschweiz

 

 

Im Wandel – Das S AM ist unterwegs

Andreas Ruby, Direktor schweizerisches Architekturmuseum, Basel

Mo 5. September 2016, 19.30 Uhr im Oberen Graben 42

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Seit dem 1. Mai 2016 leitet Andreas Ruby das Schweizerische Architekturmuseum S AM. Seit Beginn des Jahres ist er in der ganzen Schweiz unterwegs, um sich mit den verschiedensten Akteuren auszutauschen und wichtige Impulse für seine Aufgabe im S AM zu sammeln. Ein wichtiger Teil seiner Arbeit ist die schweizweite Vernetzung und die intensivere Nutzung von akademischen und professionellen Ressourcen für die Etablierung des S AM als Institution für die ganze Schweiz.
Mit seiner Vortragsreise möchte sich Andreas Ruby dem breiten architekturinteressierten Publikum schweizweit vorstellen und zeigen, was ihn antreibt, inspiriert und wie er arbeitet: «Architekturausstellungen werden oft vorwiegend für Eingeweihte gemacht. Das würde ich gerne überwinden durch leichter zugängliche Darstellungsformen, die ihren Gegenstand sinnlich und vielschichtig vermitteln. Ich bin an einer Kunst der Ausstellung interessiert, die keine Angst hat vor dem Populären, dem Spielerischen und dem Humor. Architektur darf auch unterhalten, wie man an Jacques Tati und Ken Adam sehen kann, und dasselbe gilt auch für Ausstellungen über Architektur.»

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte September

Schweizerisches Architekturmuseum

 

 

ArchitekTour

Bordeaux

Do 1. September – Mo 5. September 2016

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Lange Zeit stand Bordeaux im Schatten der Grand Crus, galt als schmutzig und unsicher, bis sich Alain Juppé als Bürgermeister der Stadt annahm: Das Tram kehrte zurück, Fassaden wurden dank Subventionen gereinigt, die Ufer der Garonne saniert, es entstand der «Miroir d’eau» und auch die Cité des Civilisations du Vin ist im Werden. Bordeaux hat eines der schönsten und einheitlichsten Stadtbilder des . Jahrhunderts und wurde deshalb in die Liste der UNESCO Weltkulturgüter aufgenommen.
Uns erwartet ein abwechslungsreiches Programm. Neben der ersten Siedlung von Le Corbusier, der «Cité Frugès», werden wir das bekannte Privathaus von Rem Kohlhaas besichtigen. Ebenso werden wir eine Reihe unlängst fertiggestellter Projekte besuchen, wie z.B. das Hotel Saint-James von Jean Nouvel, den Umbau von drei sozialen Wohnungsbauhochhäusern von Lacaton & Vassal, den eröffneten Konzertsaal Le Rocher de Palmer von Bernhard Tschumi und das  eröffnete neue Stadion von Bordeaux von Herzog & de Meuron.

Das Detailprogramm ist in Bearbeitung und wird den Teilnehmern bei der Abreise abgegeben. Teilnehmerzahl min. 18, max. 24 Personen.
Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt. Versicherung und ggf. Reiserücktrittsversicherung sind Sache des Teilnehmers. Änderungen bleiben vorbehalten.

Kosten Mitglieder 890.–* / Nichtmitglieder 990.–*
* Inklusive Flug mit easyjet ab Basel, Hinflug: Do 1. September, 19.10 – 20.40 Uhr, Rückflug: Mo 5. September, 12.30 – 13.55 Uhr, Handgepäck, 4 Übernachtungen mit Frühstück im DZ (EZ-Zuschlag: 200.–), ÖV, Bus, Führungen und Eintritte.
Mittagessen Fr–So im Preis inbegriffen. Mitgliederpreis ohne Halbtax: 950.–, mit GA: 830.–, Aufpreis Aufgabegepäck: 50.–

Mitgliedschaft Architektur Forum Ostschweiz
Profitieren Sie vom Mitgliederpreis und melden Sie sich jetzt zur Mitgliedschaft im Architektur Forum Ostschweiz an.

Ausgebucht – keine Anmeldung mehr möglich!

ArchitekTour Bordeaux

Museumsnacht – Ausstellung Bundesbauten

mit Felix Stickel und Konzert von Tim & Puna Mimi

Sa 10. September 2016, 18–01 Uhr im Forum, mit Barbetrieb

bundesverwaltungsgericht stauffer hasler

Barbetrieb ab 18 Uhr

Konzerte 20 und 22 Uhr

Ticket 20.– für Eintritt in alle beteiligten Museen und Shuttlebusse
www.museumsnachtsg.ch

 

Ausstellung Bundesbauten – Die Architektur der offiziellen Schweiz

Die Immobilien im Eigentum des Bundes – ob Bürogebäude, Zollanlagen oder die Botschaften im Ausland – bilden die Architektur der offiziellen Schweiz. Die Wanderausstellung «Bundesbauten » gewährt auf ihrer Tour durch das ganze Land Einblicke in die vielfältige Bautätigkeit des Bundes von 1848 bis heute.
Wenn von Bauten des Bundes die Rede ist, denkt man ans Bundeshaus und an moderne Verwaltungszentren. Zum Portfolio des Bundes gehören aber nicht nur Büro-, Parlaments-, Regierungs- und Gerichtsgebäude, sondern auch verschiedene Sportanlagen, Kunst- und Kulturbauten, Bildungs- und Forschungsanlagen, Zollgebäude und natürlich sämtliche Botschaften der Schweiz im Ausland. Als gebaute Zeitzeugen sind sie alle Spiegel der politischen, wirtschaftlichen und historischen Prozesse in der Schweiz.
Das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) verwaltet und unterhält diesen Baubestand, passt ihn veränderten Bedürfnissen an und erweitert ihn wenn nötig. Die Werkschau erzählt die Geschichten der Bauwerke und lädt anhand ausgewählter Bauten ein, auf Spurensuche nach dem baulichen Erbe des Bundes zu gehen. Die Ausstellung wird in acht Schweizer Städten gastieren. Erste Station war Lausanne, den Abschluss bildet Bern.
Ausstellung und Rahmenprogramm

Insert Felix Stickel

Wie komme ich zum Bild? Was ver bindet es mit der Welt? Felix Stickel erforscht Bildzugänge angefangen von der eigenen Imagination bis hin zu dreidimensionalen Modellen. Der Künstler präsentiert Einblicke in seine Recherchearbeit und Ausblicke auf seine kommende Ausstellung im Architektur Forum.
felix-stickel.ch

Konzert

Tim & Puma Mimi bringen Gurken zum Klingen, elektrifizierten den eigenen Körper und singen auf Japanisch. Spielerisch verbinden sie Europa und Asien, Elektro und Folklore, Pop, Punk und Publikum.
timpuma.ch

Neuhausen bricht auf in die Zukunft

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Die Stadt am Rheinfall ist Teil des Grossraums Zürich geworden. Das zeigt sich an den vielen Projekten, die in den letzten zwei Jahren
publik geworden sind. Im Zentrum stehen die neue S-Bahn-Haltestelle und mehrere Industrieareale, die sich für verdichtetes Bauen eignen.

27.08.2016 von Caspar Schäfer

«Millionenzürich»: Vor einigen Jahren schaffte es dieser Begriff aus der Welt der Fachleute in die Tageszeitungen. Er macht deutlich, dass Zürich mehr ist als nur die Stadt selber und dass sie ihr Einzugsgebiet erheblich erweitert hat. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer «Metropolregion», oder eben vom «Millionenzürich». Das Besondere an der Metropole Zürich ist ihre Vielgestaltigkeit. Sie besteht bei weitem nicht nur ausder grossen Kernstadt am See, sondern setzt sich aus vielen kleineren und grösseren Städten zusammen. Zug gehört dazu, Baden ebenfalls, Frauenfeld mittlerweile auch – und im Norden Schaffhausen und Neuhausen am Rheinfall.

Projekte Schlag auf Schlag
Bis anhin war in Neuhausen die Metropole nicht gross zu spüren. Ein fernes Brummen war mal lauter, mal leiser vernehmbar. Grundsätzlich fühlte man sich weit genug entfernt von der Grossstadt, die wie überall in der Schweiz eher skeptisch beobachtet wird. Inzwischen ist jedoch die Metropole in Neuhausen angekommen, und wie: Innert kürzester Zeit wurden in der Gemeinde am weltberühmten Rheinfall Schlag auf Schlag so viele neue und grosse Bauprojekte bekannt, dass den Neuhauserinnen und Neuhausern fast Hören und Sehen vergeht. Was ist da los? Warum plötzlich diese Unrast? Schliesslich ist die Bevölkerung in Schaffhausen und Neuhausen zwischen 1995 und 2012 kaum gewachsen.

Drehscheibe am Industrieplatz
Die Vermutung liegt nahe, dass die im Dezember 2015 in Betrieb genommene S-Bahn-Haltestelle «Neuhausen Rheinfall» eine wichtige Rolle spielt. Früher förderte in erster Linie die Autobahn die Erreichbarkeit und damit die Zersiedelung. Dabei wird der Faktor «Erreichbarkeit» nicht in Kilometern, sondern in Zeiteinheiten gemessen: Wie viele Minuten Fahrt ist das Zentrum entfernt? Diese Frage ist für Pendler von zentraler Bedeutung.

Das Schweizer Stimmvolk hat 2013 dem neuen Raumplanungsgesetz zugestimmt, in dem zum ersten Mal der Grundsatz des «haushälterischen Umgangs mit dem Boden» tatsächlich Rechnung getragen wird. Vorher war es einfach ein Satz, den mehr oder weniger alle fröhlich ignorierten. Jetzt geht das nicht mehr. Der Kanton Schaffhausen hat zwar grosse Baulandreserven, muss diese nun aber reduzieren. Verdichtung nach innen heisst heute: Dort bauen, wo die Erschliessung mit öffentlichen Verkehrsmitteln bereits gut ist. Das ist nun mal in den beiden den Zentrumsgemeinden Schaffhausen und Neuhausen eher der Fall als anderswo im Kanton. Mit der neuen S-Bahn-Haltestelle wird das Zentrum von Neuhausen auf einen Schlag nicht nur gut, sondern gleich hervorragend erschlossen.

Somit ist Neuhausen am Rheinfall auf der Landkarte der Immobilienentwickler aufgetaucht – jenen Unternehmen also, die von jedem Grundstück in der Schweiz sämtliche Vor- und Nachteile kennen. Dass sich im Zentrum Neuhausens gerade die Lagegunst bedeutend verbessert hat, wissen sie seit 2011, als die Bevölkerung des Kantons Schaffhausen den Ausbau der S-Bahn an der Urne genehmigt hat. Praktischerweise befinden sich neben der neuen Haltestelle gleich mehrere immobilientechnisch interessante Areale. Da ist zunächst das riesige SIG-Areal, für das ein sorgfältiger Masterplan erarbeitet und im August der Bevölkerung vorgestellt wurde.

Gleich nebenan, rund um den Industrieplatz und direkt an der Haltestelle, wurden für drei weitere Gebiete Planungen bekannt, und auch im Zentrum selber sollen Neubauten entstehen. Am Industrieplatz stehen noch zwei bis dreigeschossige Häuser, etwas eigenwillig zusammengestellt und unverkennbar in die Jahre gekommen – das alte, vielleicht etwas schrumpleige Neuhausen. Nun ist aber die S-Bahnstation da, und der Kanton hat den Industrieplatz zu einem so genannten Entwicklungschwerpunkt der Agglomeration Schaffhausen erklärt. Für alle Projekte wurden unter Architekten Wettbewerbe ausgeschrieben, einen gewann sogar der britische Stararchitekt Tony Fretton, der bekannt ist für seine unaufgeregte Gelassenheit. Die Projekte wirken auf den bisher bekannten Bildern deutlicher städtischer als der Neuhauser Durchschnitt: Ihre Fassaden erscheinen weltläufiger, aber auch etwas weniger verwurzelt mit dem Ort. Eines lässt sich jedenfalls jetzt schon sagen: Rund um den Industrieplatz wird – wenn alles so kommt wie  zur Zeit vorgesehen – unübersehbar an der Metropolregion gebaut.

Anbinden an die Stadt
Ein Stück hangaufwärts, wieder an einer Bahnstation, dieses Mal jener der Deutschen Bahn, liegt mit dem Rhytech-Areal ein weiteres Gebiet, das sich von der Lage her ideal für eine Verdichtung eignet – jedenfalls beinahe. Innerstädtische Industriebrachen wie diese sind eine Kostbarkeit, sind sie doch in der Regel verhältnismässig gut erschlossen. Dafür fehlt die Anbindung an die umliegenden Quartiere, weil die Areale einst als geschlossene Bereiche konzipiert waren, die eben gerade nicht von jedermann durchquert werden konnten. Die neue Verknüpfung mit dem umgebenden städtischen Gewebe stellt eines der grössten Probleme jeder Umnutzung eines Industrieareals dar – auch und gerade beim Rhytech-Areal taucht diese Frage ganz vorne auf.

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Die Klettgauer- und Zollstrasse, die das Areal im Nordwesten und Nordosten begrenzen, gehören zu den am stärksten befahrenen Strassen des Kantons. Bis anhin war das zumindest für das Rhytech-Areal nicht weiter von Bedeutung. Nun aber, wenn dort gewohnt werden soll, werden der Lärm und der unablässige Strom von Autos und Lastwagen zum Problem. Es braucht einiges an architektonischem und städtebaulichem Geschick, um die «Insel» Rhytech-Areal wieder in die alltäglichen Fusswege der Neuhauser einzubinden. Auch hier wurde ein Wettbewerb unter Architekten ausgeschrieben, den der Zürcher Peter Märkli für sich entscheiden konnte. Märkli steht wie Fretton für hohe Qualität der Räume und der Ausführung, aber auch ein Star kann nicht die Welt komplett verändern. Die Anbindung an die umliegenden Quartiere müssen Gemeinde und Kanton lösen.

Zu reden in Neuhausen gab das Projekt auf dem Rhytech-Areal aber wegen ganz anderer Dinge. Vorgesehen sind zwei Wohnhochhäuser, und dies sorgt in der Schweiz immer für Gesprächsstoff. So richtig willkommen waren sie ausserhalb der Städte nie, obwohl sich die Stimmung in den letzten zehn, fünfzehn Jahren wieder etwas zu ihren Gunsten geneigt hat. Auf dem Rhytech-Areal bündeln die beiden Türme einen Grossteil der neuen Wohnnutzung und schaffen auf dem Boden Platz für eine weitläufige Plattform, auf der man sich frei bewegen kann.

Vor allem aber können Altbauten erhalten werden, so etwa eine der Industriehallen. Die Halle 22 ist ein wichtiger «Identitäts-Anker», der daran erinnert, dass Neuhausen nicht nur eine Wohnstadt, sondern dass hier auch gearbeitet wird. Die beiden Hochhäuser wiederum werden (wie so oft) zum sichtbaren Zeichen eines Aufbruchs. Neuhausen hat eine Zukunft, das ist immerhin schon mal etwas.

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Bilder Hanspeter Schiess, Visualisierung pd

Bundesbauten – Die Architektur der offiziellen Schweiz – Vernissage

Mit Beiträgen von Astrid Staufer, Architektin, Frauenfeld, Barbara Suter, Leiterin Bauten Inland III, Lorenz Bettler, Ausstellungsleitung

Vernissage zur Ausstellung Mo 22. August 2016, 19.30 Uhr im Forum

bundesverwaltungsgericht stauffer hasler

Die Immobilien im Eigentum des Bundes – ob Bürogebäude, Zollanlagen oder die Botschaften im Ausland – bilden die Architektur der offiziellen Schweiz. Die Wanderausstellung «Bundesbauten » gewährt auf ihrer Tour durch das ganze Land Einblicke in die vielfältige Bautätigkeit des Bundes von 1848 bis heute.
Wenn von Bauten des Bundes die Rede ist, denkt man ans Bundeshaus und an moderne Verwaltungszentren. Zum Portfolio des Bundes gehören aber nicht nur Büro-, Parlaments-, Regierungs- und Gerichtsgebäude, sondern auch verschiedene Sportanlagen, Kunst- und Kulturbauten, Bildungs- und Forschungsanlagen, Zollgebäude und natürlich sämtliche Botschaften der Schweiz im Ausland. Als gebaute Zeitzeugen sind sie alle Spiegel der politischen, wirtschaftlichen und historischen Prozesse in der Schweiz.
Das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) verwaltet und unterhält diesen Baubestand, passt ihn veränderten Bedürfnissen an und erweitert ihn wenn nötig. Die Werkschau erzählt die Geschichten der Bauwerke und lädt anhand ausgewählter Bauten ein, auf Spurensuche nach dem baulichen Erbe des Bundes zu gehen. Die Ausstellung wird in acht Schweizer Städten gastieren. Erste Station war Lausanne, den Abschluss bildet Bern.

Die Ausstellung dauert von Mo 22. August 2016 bis Sa 10. September 2016
Öffnungszeiten: während der Vernissage, Museumsnacht und jeweils Mo bis Fr 8–18.30 Uhr.
Eintritt frei.

 

Besichtigung des Bundesverwaltungsgericht mit Architekt Rico Lauper, Staufer & Hasler Architekten, Frauenfeld
Sa 10. Sept 2016, 14 Uhr und 15.30 Uhr, Haupteingang Bundesverwaltungsgericht, Kreuzackerstrasse 12, 9000 St.Gallen
Die Besichtigungen sind kostenlos und dauern ca. 1 h. Bitte mit vollständigem Namen und gewünschter Uhrzeit anmelden unter: anmeldung.bundesbauten@nullbbl.admin.ch

Angaben zu Anfahrt und Rahmenprogramm unter www.bundesbauten.ch

Bestellen Sie das Buch zur Ausstellung unter www.hochparterre.ch

Einladungskarte Ausstellungen August Bundesbauten_2016

Dorfpark gegen Wachstumsschmerzen

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Schon dass ein Dorf einen Park anlegen lässt, ist ungewöhnlich. Doch der neue Dorfpark im liechtensteinischen Triesen zeigt den Dorfbewohnern auch noch, wie sie einige Dinge ändern könnten, die ihnen das Leben schwer machen.

23.07.2016 von Ruedi Weidmann

 

Triesen liegt prächtig am Osthang des Rheintals. Etwa 5000 Menschen leben hier inmitten von Weiden, Baumgärten und Rebbergen mit Blick über die weite Ebene auf Alvier, Pizol und Alpstein. Die meisten wohnen in einem Einfamilienhaus mit Garten. Wozu braucht es da einen Park? Tatsächlich kann man den Dorfpark leicht übersehen, obwohl er direkt an der Landstrasse liegt, die als Lebensader durch Liechtensteins Dörfer führt. Auf den ersten Blick unterscheidet ihn nichts von anderen Wiesen im Dorf. Das ist so gewollt. Den Landschaftsarchitektinnen Catarina Proidl und Jacqueline Kissling lag viel daran, dass er sich möglichst selbstverständlich in die Umgebung einfügt.

Ländliche Szenerie
Zwei geschwungene Fusswege führen durch die hohe Blumenwiese an zwei grossen alten und einem Dutzend junger Obstbäume vorbei auf die Gemeindeverwaltung zu. Nach einigen Schritten wird klar, es ist kein gewöhnlicher Baumgarten – oder «Bongert»,wie man hier sagt. Unter einigen Bäumen ist das Gras kreisförmig gemäht. In diesen Rasenkreisen stehen Tische und Stühle aus leuchtend blauem Blech. Wo das Gelände gegen das Gemeindehaus abfällt, liegt ein Podest mit Kiesbelag und hölzernen Sitzstufen, darauf ein Brunnentrog aus Stahl. Das Plätschern übertönt den Lärm der Landstrasse. Eine verführerische ländliche Idylle! Zwei Treppen führen hinauf zu den Büros der Gemeindeangestellten, in einen schmalen Durchgang zum Gemeindesaal und auf die Terrasse der benachbarten Musikschule. Es ist nicht zu übersehen, dass das 1980 erstellte Gemeindehaus dem Park seine Rückseite zuwendet. Auch die 2004 gebaute Liechtensteinische Musikschule stösst mit einer fast fensterlosen Mauer an den Park, das ältere Wohn- und Geschäftshaus vis-à-vis wendet sich ebenfalls ab. Man merkt, dass der Park nach den Häusern entstanden ist.

Gemeindehaus im Abseits
Um 1980 hatte man wie überall die Hauptstrasse mit ihrem wachsenden Verkehr als Lebensraum aufgegeben. Das neue Gemeindehaus entstand etwa fünfzig Meter abseitsan einer Nebenstrasse. Unter und neben dem Neubau gab es jede Menge Parkplätze, aber ein Zugang von der Landstrasse her, wo der Bus hält, fehlte, und ebenso ein Garten. Zwischen Gemeindehaus und Landstrasse standen ein Bauernhof und die alte Post, sie wurden abgebrochen. Zurück blieb eine Brache mit einer verwilderten Hecke und Trampelpfaden zur Hintertür der Gemeindeverwaltung. Ein unangenehmer Ort, der bei Festen zum Pissoir verkam.

Die Bürgergenossenschaft Triesen, die das Kulturerbe der «Bongert» pflegt, pflanzte 2006 auf der Brache Apfel- und Birnbäume. Und als 2013 die Gemeindeverwaltung erweitert und renoviert wurde, konnte der Wunsch nach einem Aussenraum und einem Zugang von der Landstrasse erfüllt werden. Die Gemeinde erwarb den Baumgarten von der Bürgergenossenschaft, liess die Hintertreppe vergrössern und gab Catarina Proidl aus Schaan den Auftrag, einen Park zu gestalten. Diese zog Jacqueline Kissling aus Rorschach bei.

Aus Hinterhof wird Vorgarten
Wie verbindet man Hintertreppen, Rückansichten und Restflächen zu einem Garten? Die Landschaftsarchitektinnen gingen sanft an die Aufgabe heran. Sie suchten verborgene Qualitäten und verstärkten diese klug: Die Obstbäume liessen sie stehen. Die neuen Wege legten sie auf die Trampelpfade, wo sie ja offensichtlich einem Bedürfnis entsprachen. Sie verwendeten die roten Pflastersteine, die schon um das Gemeindehaus verlegt waren, und die weissen Hortensien, die da , schon wuchsen. Die blau-weisse Hibiskushecke vor der Musikschule verlängerten sie über die Strassenseite des Parks. Indem sie aufgriffen, was schon da war, konnten sie die zerstückelte Umgebung zusammennähen. Die verwilderte Hecke verschwand mit Ausnahme von zwei Linden. Nun ist das Gemeindehaus von der Landstrasse aus sichtbar. Die Besucher des Jugendtreffs belegen abends die Sitzstufen am Brunnen, die Angestellten nutzen die blauen Tische. Zwar ist die Rückseite nicht zum Haupteingang geworden, doch der Park hat das Gemeindehaus mit wenig Aufwand näher dahin gerückt, wo er hingehört: ins Zentrum, an die Hauptstrasse, zu den Bürgerinnen und Bürgern.

Wohlstand und Vereinzelung
Hinter dem Dorfpark steht aber noch ein anderes Bedürfnis. Es hängt mit der Umwälzung zusammen, die in Triesen im Gang ist: Das einstige Bauern- und Industriedorf wandelt sich zur Agglomerationsgemeinde in einer boomenden Dienstleistungsökonomie. Der wachsende Wohlstand geht mit einer enormen Bautätigkeit und Individualisierung einher. Liechtensteins Dörfer wachsen zusammen, die Landstrasse kann die Autos nicht mehr schlucken. Es gibt hier zwei pro Haushalt, man fährt zum Mittagessen nach Hause. Man lebt im Einfamilienhaus, im Büro, im Auto, im Stau. Man verliert sich aus den Augen. Die Gemeinden spüren die Folgen der Vereinzelung, etwa bei der Betreuung von pflegebedürftigen Menschen.

Städte haben Rezepte gegen diese Wachstumsfolgen erfunden. Ihre Dichte ermöglicht Nähe und Austausch. Einen «dörflichen» Lebensstil findet man heute am ehesten in dichten Innenstadtquartieren, wo die Mehrzahl ohne Auto lebt und man sich in Quartierläden und Cafés begegnet. Dafür leiden heute Agglomerationsgemeinden unter Verkehr und Anonymität. Sollen sie Stadt werden? Nicht alle können das. Viele wollen lieber Dorf bleiben – oder besser: das Dorf wiederbeleben. Dafür müssen sie städtische Rezepte an lokale Traditionen anpassen.

Neuer Lebensstil
Nun ist klar, wozu Triesen einen Park braucht: nicht zur Verschönerung – als Treffpunkt. Leise und charmant macht er ein Angebot für einen anderen Lebensstil mit weniger Hektik und Mobilität, dafür mit mehr Musse und Austausch. Mit Brunnen, Obstbaum, Kiesweg, Tisch und Stuhl haben die Gestalterinnen dörfliche Zutaten für das städtische Rezept Park gefunden. So fällt er nun kaum auf, hält das Können und die Sorgfalt, mit der er gestaltet ist, fast zu sehr unter dem Deckel. Aber es gelingt ihm das Beste, was ein Garten leisten kann: ein einladender Ort zu sein.

Noch wird er nicht überrannt, doch geschätzt. Es scheint eine Frage der Zeit, bis es auch hier üblich wird, den Mittag im Park zu verbringen. Der Dorfpark Triesen ist Teil eines globalen Trends, der Rückeroberung des öffentlichen Raums als Lebensort. Nicht jede Wiese darf Bauland werden. Ein Dorf braucht seinen «Bongert» und die Menschen

 

Bilder Hanspeter Schiess

Eine Brücke, die das Auge schärft

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Die Taminabrücke reiht sich ein in den Stammbaum des Schweizer Brückenbaus. Trotz ihrer spektakulären Konstruktionsweise inszeniert sie nicht sich selber, sondern die Landschaft. Die Spannbeton-Bogenbrücke über die Tamina wird nächstes Jahr eröffnet.

 

18.06.2016 von Rahel Hartmann Schweizer

Unser Land sei durchlöchert wie ein Schweizer Käse, besagt ein Bonmot, das den Respekt vor der ingenieurtechnischen Leistung verhehlt. Erst vor zwei Wochen wurde mit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels ein Jahrhundert-Durchstich gefeiert. Die Schweiz ist aber nicht minder ein Brückenland. Ebenso wie Erhebungen untergraben, werden Täler und Schluchten überbrückt. Das Schweizer Schienennetz ist mit 8200 Brücken bestückt und die Autobahnen mit deren 3000. Die Topographie der Schweiz – ansonsten Aushängeschild für die Tourismuswerbung – wird auf der Ebene des Verkehrs nivelliert. Das wird einem besonders bewusst, wenn man im Ausland unterwegs ist und Serpentine um Serpentine erklimmt, mittels derer Hügelzüge und Talsohlen umfahren werden.

Während Tunnels den Eingriff in die Landschaft naturgemäss kaschieren, treten Brücken markant in Erscheinung – manche von ihnen sind dem Landschaftsschützer ein Dorn im Auge. Die in den 1970er Jahren gebaute Sihlhochstrasse vor den Toren Zürichs ist ein Schandfleck par excellence. Und Rekorde sind nicht per se bemerkenswert. So ist die mit 3155 Metern längste Brücke der Schweiz, das Viaduc d’Yverdon, die vier Gewässer, mehrere Strassen und die Eisenbahnlinie Lausanne–Yverdon quert, alles andere als eine Augenweide.

Inszenieren oder sich einfügen
Beispiele wie dieses führen dazu, dass die Bevölkerung Brückenbauten ambivalent gegenübersteht. Meist werden sie als reine Zweckbauten empfunden. In vielen Fällen sind sie das jedoch keineswegs. Ingenieure wie Robert Maillart in der Vergangenheit und Conzett, Bronzini & Gartmann, Christian Menn, Fürst Laffranchi in der Gegenwart forschten und forschen an Lösungen, die konstruktive mit ästhetischer Qualität verbinden, Tragfähigkeit mit Formschönheit, so dass Brücken nicht als Riegel wirken, als Barrieren die Topographie negieren, sondern ihren spektakulären Aspekt inszenieren. Dabei gibt es verschiedene Interpretationen des Inszenierens. Es kann bedeuten, «eine Landmarke zu erstellen», also das Bauwerk in den Vordergrund zu spielen, oder aber konträr meinen, die spektakuläre Landschaft zu unterstreichen, indem das Bauwerk sich in sie einfügt.

Mehr als nur Talhälften verbinden
Die 24 Projekte, die bei dem vom Kanton St. Gallen 2007 ausgeschriebenen Wettbewerb für den Bau der Taminabrücke eingereicht wurden, waren ein Abbild dieser beiden Entwurfshaltungen. Wohl bewerkstelligten alle Projektverfasser die Verbindung der Dörfer Valens und Pfäfers, die durch eine 200 Meter tiefe Schlucht voneinander getrennt sind, ohne Zwischenabstützung, das heisst, ohne die Talsohle zu berühren. Doch die Ausbildungen als Sprengwerke, Hänge- oder Schrägseilbrücken, Rahmen- oder Fachwerkkonstruktionen waren in erster Linie Zeugnisse brillanter Ingenieurskunst. Demgegenüber gelang dem deutschen Ingenieurbüro Leonhardt, Andrä & Partner mit ihrem Stahlbetonbogen die Inszenierung mittels Einpassung. Mit ihrem Stahlbetonbogen gewann das Büro denn auch die Ausmarchung.

Die bisherige Gemeindestrasse von Bad Ragaz nach Valens führte durch ein Rutschgebiet, was sie gefährlich und oft sanierungsbedürftig machte. An den Bau der Brücke knüpft sich daher nicht nur die Absicht einer kürzeren Verbindung zwischen Pfäfers und Valens, sondern auch die Hoffnung auf eine sichere Erschliessung der Klinik Valens, deren wirtschaftliche Prosperität dem Kanton am Herzen liegt. Und schliesslich wünscht man sich auch die Entlastung des Ortskerns von Bad Ragaz.

Schonender Freivorbau
Am 28. März 2013 erfolgte der Spatenstich. Zunächst wurden die Fundamente, die sogenannten Kämpfer, erstellt. 2014 wurde der Bogen mit seinen 265 Metern Spannweite in Angriff genommen und im Freivorbau mittels Hilfspylonen und Rückhaltekabeln von beiden Talflanken her in Richtung Scheitelpunkt errichtet. Auf diese Weise bedurfte es keines Lehrgerüsts, so dass die Schlucht, die ein Schongebiet ist, kaum angetastet wurde.

Ausserdem wurden ökologische Ersatzmassnahmen ergriffen. Sie beinhalteten die Bachrevitalisierung im Gebiet Valur, die Schaffung von Querungsmöglichkeiten für Wildtiere und von Strukturen für Fledermäuse an der Brücke sowie des Naturwaldreservats Badtobel, die Planung von neuen Obstgärten und die Instandstellung beziehungsweise der Ersatz von Trockensteinmauern.

Auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Spatenstich wurde am 28. März 2015 der Bogen der Brücke geschlossen. Er zeichnet sich durch eine Eleganz aus, die einerseits von den radial angeschlossenen Bogenstützen ausgeht, die den Schwung des Bogens betonen. Andererseits dynamisiert die Asymmetrie – auf der einen Seite sind es zwei Bogenstützen, auf der anderen deren drei – die Spannung der Überbrückung. Sie vermittelt den Eindruck eines beweglichen Überspringens der Schlucht.

Maillard-Kapitel fortsetzen
Wenn die Spannbeton-Bogenbrücke über die Tamina nächstes Jahr eröffnet wird, schreibt sie ausserdem ein Kapitel fort, das Robert Maillart mit der 1930 errichteten Salginatobelbrücke zwischen Schiers und Schuders gewissermassen aufgeschlagen hat. Ebenso wie diese sensibilisiert sie nicht nur für den Wert von Infrastrukturbauten, sondern auch für die Landschaft, deren Schönheit manches Auge erst durch sie erkennt.

Bundesbauten – Die Architektur der offiziellen Schweiz – Ausstellung

Die Ausstellung dauert von Mo 22. August 2016 bis Sa 10. September 2016
Öffnungszeiten: während Vernissage, Museumsnacht und jeweils Mo bis Fr 8–18.30 Uhr.
Eintritt frei.

bundesverwaltungsgericht stauffer hasler

Die Immobilien im Eigentum des Bundes – ob Bürogebäude, Zollanlagen oder die Botschaften im Ausland – bilden die Architektur der offiziellen Schweiz. Die Wanderausstellung «Bundesbauten » gewährt auf ihrer Tour durch das ganze Land Einblicke in die vielfältige Bautätigkeit des Bundes von 1848 bis heute.
Wenn von Bauten des Bundes die Rede ist, denkt man ans Bundeshaus und an moderne Verwaltungszentren. Zum Portfolio des Bundes gehören aber nicht nur Büro-, Parlaments-, Regierungs- und Gerichtsgebäude, sondern auch verschiedene Sportanlagen, Kunst- und Kulturbauten, Bildungs- und Forschungsanlagen, Zollgebäude und natürlich sämtliche Botschaften der Schweiz im Ausland. Als gebaute Zeitzeugen sind sie alle Spiegel der politischen, wirtschaftlichen und historischen Prozesse in der Schweiz.
Das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) verwaltet und unterhält diesen Baubestand, passt ihn veränderten Bedürfnissen an und erweitert ihn wenn nötig. Die Werkschau erzählt die Geschichten der Bauwerke und lädt anhand ausgewählter Bauten ein, auf Spurensuche nach dem baulichen Erbe des Bundes zu gehen. Die Ausstellung wird in acht Schweizer Städten gastieren. Erste Station war Lausanne, den Abschluss bildet Bern.

 

Besichtigung des Bundesverwaltungsgericht mit Architekt Rico Lauper, Staufer & Hasler Architekten, Frauenfeld
Sa 10. Sept 2016, 14 Uhr und 15.30 Uhr, Haupteingang Bundesverwaltungsgericht, Kreuzackerstrasse 12, 9000 St.Gallen
Die Besichtigungen sind kostenlos und dauern ca. 1 h. Bitte mit vollständigem Namen und gewünschter Uhrzeit anmelden unter: anmeldung.bundesbauten@nullbbl.admin.ch

Angaben zu Anfahrt und Rahmenprogramm unter www.bundesbauten.ch

Bestellen Sie das Buch zur Ausstellung unter www.hochparterre.ch

Einladungskarte Ausstellungen August Bundesbauten_2016

Vor Ort – Krematorium St. Gallen

Besichtigung und Führung durch Büro Andy Senn, St. Gallen

Mo 20. Juni 2016, 12 – 13.30 Uhr Friedhof Feldli, St. Gallen

Krematorium St Gallen Andy Senn

Neubau Krematorium St. Gallen

Situation, Ausgangslage
Das Grundstück liegt nordwestlich der bestehenden Anlage. Die Topographie mit ihren teilweise steilen Böschungen prägt das Grundstück stark. Es wird auf drei Seiten von der Hätterenstrasse eingefasst und im Osten durch eine friedhofsinterne Strasse begrenzt. Das Baufeld liegt auf einem Plateau zwischen der bestehenden Urnenhalle im Norden und der Hätterenstrasse im Süden. Der Neubau fügt sich entlang dem Verlauf der nördlichen Böschungskante in das Gelände ein und wird dadurch leicht aus der Geometrie der bestehenden Urnenanlage gedreht. Als Rückgrat des Bauvolumens führt der offene Kolonnadengang zum Eingang und verbindet  die Zugangsstrasse mit dem Friedhof. Im Wechsel von Tageslicht und Schatten markiert er symbolisch den Übergang vom Aussen zum Innen. Im angrenzenden Volumen wird das Raumprogramm auf L-förmigem Grundriss organisiert. Zusammen mit der Kolonnade umschliesst es einen Innenhof.

Architektur, Konzept
Über diesen offenen Kolonnadengang wird der Trauernde geschützt zum Eingang geleitet. Zwischen den Säulen öffnet sich der Raum jeweils zur Landschaft und bieten die Möglichkeit den Blick schweifen zu lassen, sich zu sammeln und langsam und in Ruhe anzukommen. Die Wandscheibe aus Lochmauerwerk lenkt den Blick und die Bewegung Richtung Eingang. In der klaren Begrenzung des hellen Empfangsraumes wirkt die Natur des begrünten Innenhofs durch die dünne Trennlinie der raumhohen Fenster sehr präsent nach. Diese Thematik des Übergangs und der Trennung wird nun durch den Wechsel von Innen und Aussen, geschlossen und offen, Tageslicht und Schatten in den für die Besucher zugänglichen Räumen, ihrer jeweiligen Bedeutung entsprechend weitergeführt. Die Aufbahrungsräume bleiben rundum geschlossen und erhalten nur durch das Oberlicht ein Streiflicht auf die Wandfläche. Der Andachts- und der Kultraum sind an der Ostseite zum Friedhof hin orientiert. Durch die thermische Trennung der raumhohen Fensterfront, filtert das vorgelagerte Lochmauerwerk den Lichteinfall und die Ausblicke. So entsteht im Innern durch die Motive der Lichtzeichnungen die erforderliche sakrale Stimmung jenseits einer vorgefassten Ikonographie. Es ist ein Raum, der die verschiedenen Religionen vereint.

Materialkonzept
Die skulpturale Gebäudeform tritt im Grünraum der Friedhofsanlage mit einer Haut aus dunkelbraunen Klinkersteinen in Erscheinung. Die Wände sind im flämischen Verband gemauert und partiell als Lochmauerwerk ausgebildet. In der Kombination von Perforation, Ornament  und Textur entsteht eine Ziegeloberfläche mit interessanten Licht- und Schattenspielen. Im Innenraum wird dasselbe Sichtmauerwerk in den öffentlich zugänglichen Räumen verwendet. So bilden die umgrenzenden Mauern einen einheitlichen, monolithischen Raum mit einer fassbaren und ablesbaren Oberfläche. (Zusammen mit den Naturbelassenen Materialien des Terrazzobelages, der Lehmverputzten Decke und der Holzfenster wirkt der Raum als ein Ort der Ruhe und Geborgenheit.)

Anmeldungen bis Fr 10. Juni 2016 unter Krematorium@nulla-f-o.ch

Name/ Büro Anzahl Mitglieder ggfs. Nichtmitglieder

Teilnehmerzahl beschränkt
Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Mitgliedschaft Architektur Forum Ostschweiz

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Im Wandel – raumlaborberlin – some ideas for better cities

Jan Liesegang, Architekt, Berlin

Mo 6. Juni 2016, 19.30 Uhr im Forum

raumlabor berlin

Die große Masse an Architektur, die heute produziert wird, befindet sich aus unserer Sicht gestalterisch und funktional auf einem sehr niedrigen Niveau. Wir denken, es wird in der Zukunft um eine Steigerung dieser Standards, um Qualitätsverbesserung gehen, nicht nur im Bereich der Energieeffizienz, sondern im Sinne der Verbesserung unseres gesamten Lebensumfelds durch Umbau und Umprogrammierung. Architekten müssen sich mehr als Gestalter gesellschaftlicher Transformationsprozesse engagieren und gemeinsam mit Vertretern anderer Professionen politisch agieren, dafür kämpfen, dass die Raumproduktion nicht von rein ökonomischen Verwertungsstrategien dominiert wird.
Welche Techniken ermöglichen es uns, sozial, räumlich und tektonisch interessante und relevante Entwurfsideen zu entwickeln? Wie schaffen wir es, uns einerseits auf die Potentiale und Bedingungen eines Ortes, Programms und der damit verbundenen Akteure einzulassen und trotzdem frei und spielerisch zu architektonisch interessanten Ideen zu kommen? Wie können wir mit Anwohnern und Nutzern einen produktiven Diskurs über die Gestaltung Ihrer Nachbarschaften und Städte führen, ohne dabei in stereotype, vorhersehbare Abfragemuster zurück zu fallen. Dies sind Fragen, die uns im raumlaborberlin seit langem beschäftigen und die zu speziellen Arbeitsweise geführt haben. Dabei spielen Methoden wie prozesshaftes Entwerfen, intensives Aufnehmen und Kartieren von vorhandenen Potentialen vor Ort, 1:1 Experimente und besonders das gemeinsame Bauen eine zentrale Rolle.

www.raumlabor-berlin.de

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Eine bessere Landschaft modellieren

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Hunderttausende Tonnen Aushub und Bauschutt werden in der Deponie Tüfentobel jährlich gesammelt. Das Material aus einem Einzugsgebiet, das vom Bodensee bis ins Toggenburg und von Wil bis an den Alpstein reicht, wird hier zu einer neuen Landschaft geformt.

 

14.05.2016 von Caspar Schäfer

Ein Bauboom ist anhand mehrerer Merkmale zu erkennen. Zunächst fallen natürlich die vielen Neubauten auf, seien es nun Einfamilienhäuser, Wohnsiedlungen, Gewerbebauten oder Fussballstadien. Vielleicht bemerkt der eine oder andere die Profilstangen der Baugesuche, bereits bevor gebaut wird. Schliesslich ragen überall dort, wo gebaut wird, die Kräne in den Himmel und erzählen weithin erkennbar von der Dynamik der Veränderung.

Generationenprojekt
Weniger sichtbar und abseits des allgemeinen Interesses gibt es einen weiteren Indikator, der sehr  direkt mit der Bautätigkeit verknüpft ist und der sich bei näherer Betrachtung als gar nicht so unscheinbar herausstellt. In der Deponie Tüfentobel werden jährlich Tausende, ja Hunderttausende Tonnen von Aushubmaterial von zahlreichen Baustellen angeliefert. Jedes Einfamilienhaus mit Keller, jedes Bürogebäude mit Tiefgarage und erst recht ein Shoppingcenter liefert Aushub in die Deponie. Es ist dies nichts weniger als die gewaltige Verschiebung von Erde aus einem Einzugsgebiet, das vom Bodensee  bis ins Toggenburg und von Wil bis an den Alpstein reicht.

Aber was interessiert schon eine Deponie? Wir lassen dort bekanntlich Material verschwinden – in dem Fall Aushub – das wir nicht mehr gebrauchen und deshalb nicht mehr sehen wollen. In der sowieso schon kleinräumig organisierten Schweiz, die zusehends dichter besiedelt wird, lässt sich aber eine Deponie immer weniger verstecken. Das zeigt sich exemplarisch an der Deponie Tüfentobel. Sie ist keineswegs abgelegen, liegt knapp ausserhalb der Stadt St.Gallen in deren Westen – und das Material verschwindet auch nicht, im Gegenteil: Es wird zum Bau einer neuen Landschaft verwendet. Aus dem von unzähligen Einfamilienhauskellern verdrängten Erdreich entstehen weiche Hügelzüge, verschiedene Bachläufe und ein Wald mit Lichtungen und allem Drum und Dran. Wie das Hausbauen erfordert auch das Landschaftbauen die kluge Umsicht von Ingenieuren und die formende Hand eines Gestalters, hier das Büro PR Landschaftsarchitektur aus St.Gallen und Arbon.

Im Tüfentobel wird seit Mitte der 1960er-Jahre Material deponiert. Die Arbeit begann unten an der Sitter bei der Spisegg. Schon 1964 wurde fast das ganze Tobel bis hoch nach Engelburg als Gebiet für die Deponie reserviert. Ursprünglich wäre einfach das ganze Tal bis oben hin aufgefüllt und anschliessend wieder rekultiviert worden. Mitte der 1980er-Jahre setzte ein Umdenken ein, während das deponierte Material langsam den Hang hinauf wuchs: Wenn eine Landschaft schon derart stark beansprucht wird wie dasb Tüfenbachtobel, könnten die Verursacher der Natur ja wieder etwas zurückgeben. Man könnte sich sogar vornehmen, dass die Landschaft nachher «besser» ist als vorher, also vielfältiger, abwechslungsreicher und vor allem attraktiv für Flora und Fauna.

Das sind schöne Gedanken, die aber der Konkretisierung bedürfen. Erste Vorstudien wurden gemacht und erste Grobprojekte erarbeitet. Es eilte nicht, schliesslich handelt es sich um ein Generationenprojekt, das über Jahrzehnte hinaus wirksam ist. Die neue Landschaft, die da entworfen wird, bleibt dann bis auf weiteres bestehen – so lange, dass unsere Urenkel gar nicht glauben wollen, dass diese Hügel aus den 2040er-Jahren künstlich sein sollen. Gemeinsam mit Spezialisten des Erdbaus, der Geologie und Hydrologie und natürlich mit dem Betreiber der Deponie entwickelten die Landschaftsarchitekten ein neues Konzept für ein Gebiet mit einer Längenausdehnung von  1,2 Kilometern und 100 bis 200 Metern Breite.

Technik und Gestaltung
Wie bei jedem Bauprojekt gilt es funktionale und technische Bedingungen einzuhalten. So kann gewisses Material nicht ohne weiteres deponiert werden, weil darin biologische oder chemische Reaktionen stattfinden, die man gerne unter Kontrolle behalten möchte. Jedes Material hat seine Eigenschaften und lässt sich auf unterschiedliche Arten zu Hügeln aufschichten – um ein Abrutschen zu verhindern, darf  in bestimmter Böschungswinkel nicht überschritten werden. Zu diesen zwingend zu erfüllenden Anforderungen kommen nun gestalterische Leitlinien, die keineswegs «weicher» sind. Zwei der  wesentlichsten sind prägend für die künftige Landschaft im Tobel.

Die wohl wichtigste Massnahme ist die Freilegung des Tüfenbachs und seiner seitlichen Zuflüsse, die zurzeit noch unter der Deponie in betonierten Kanälen fliessen. Mit der Renaturierung verbunden ist das zweite zentrale Anliegen der Landschaftsarchitekten: Die durchgehende Hangkante im Osten des Deponie-Perimeters soll erhalten bleiben, um die Landschaft weiterhin «lesbar» zu machen. Ihr entlang wird der Tüfenbach fliessen, und so ein vertrautes Bild erzeugen. Ein etwas mehr als 300 Meter langes Teilstück des Tüfenbachs erblickt seit 2010 wieder das Tageslicht. Auf einem Spazierweg östlich des Eingangs zur Deponie kann die neue Landschaft wie eine Art Prototyp begutachtet werden. Der Bach fliesst, als wäre er schon immer da gewesen, rechts die bewaldete steile Flanke und links ein sanft  geneigter Hügelzug, der von Pionierpflanzen besiedelt wird.

Heisslaufende Bauwirtschaft
Hinter dem Hügel ist es aber vorbei mit der Idylle. Hier ist die Deponie noch in vollem Betrieb, und man fühlt sich fast schon in einer Mondlandschaft. Der Wald ist gerodet, der Boden aufgewühlt und über den Köpfen rattert ein Förderband, dasan spektakulär auskragenden Masten hängt. Darauf wird der Aushub tief ins Tobel hinein transportiert. Das spart Zehntausende von Lastwagenfahrten auf dem Areal und ist erst noch effizienter. Trotzdem war die Deponie in den letzten Jahren stark bis sehr stark ausgelastet – und damit kommt wieder der Bauboom ins Spiel. Das Jahr 2013 war ein Rekordjahr, in dem insgesamt rund 770000 Tonnen nichtbrennbare Abfälle angeliefert wurden; davon waren alleine 710000 Tonnen Aushub.

Die Statistiken sprechen eine klare Sprache: Mitte der 1970er Jahre kam es im Zug der Ölkrise zu einem Einbruch, der erst in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre aufgeholt wurde. Dann kam die schwere Immobilienkrise, welche die ganze Schweiz erschütterte, und seit 2006 steigt das Volumen sprunghaft an. So stark, dass die Prognosen revidiert werden mussten.

Wenn es so weitergeht, wird die Kapazität nicht wie erwartet bis 2040 ausreichen, sondern die Grenze schon deutlich vorher erreicht, vielleicht schon zwischen 2020 und 2025. Das würde wiederum bedeuten, dass wir sehr viel früher Teile einer neu modellierten Landschaft mit Hügelkuppen, Wäldern und Lichtungen geniessen können.

Bilder: Michel Canonica

LandschaftsarchitekTour

St. Galler Altstadt im Wandel

Sa 21. Mai 2016

980 St. Gallen Poststrasse 125 M_k

Der Wandel, das Jahresthema des Architektur Forums, begleitet uns auch auf unserem Rundgang durch die St.Galler Altstadt. Offene Plätze, versteckte Hinterhöfe und grüne Stadtgärten – die im Laufe der Jahrhunderte entstandenen Freiräume der St.Galler Altstadt sind vielfältig und nicht selten überraschend. Unter kundiger Führung begeben wir uns auf ihre Spur und entdecken Bekanntes und Unbekanntes.
Dieser Anlass findet in Zusammenarbeit mit dem Bund Schweizer Landschaftsarchitekten und Landschaftsarchitektinnen (BSLA) im Rahmen des schweizweiten Gartenjahres  statt.

Programm

Grabenpärklein/Müllertor/Gallusplatz/ Hinterhöfe Wallstrasse/Innerer Klosterhof und weitere

 

Beteiligte Planer

Andreas Albrecht, Landschaftsarchitekt, Hager AG, Zürich. Hans Thomann, Künstler, St.Gallen. Urs Koster, Architekt, Koller Koster AG, Appenzell. Niklaus Ledergerber, Denkmalpflege, St.Gallen. Martin Klauser, Landschaftsarchitekt, Rorschach

Führung gratis

Anmeldung

Mit vollständigen Angaben bis 13. Mai 2016 an
landschaftsarchitektour@nulla-f-o.ch oder per Fax an 071 245 87 83

Name / Vorname
Adresse
E-Mail
Telefon
Anzahl Mitglied BSLA | AFO
Anzahl Nichtmitglieder

Mitgliedschaft Architektur Forum Ostschweiz

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Bildrecht: Grabenpärklein © Hager Partner AG, Zürich

Anmeldekarte LandschaftsarchTour

Zwei Steine hier – eine Perlenschnur da

  • Gutes Bauen: Antipoden in Vaduz
  • Gutes Bauen: Bregenz (Kunsthaus und Voralbergmuseum)
  • Gutes Bauen: Bregenz (Kunsthaus und Voralbergmuseum)
  • Gutes Bauen: Bregenz (Kunsthaus und Voralbergmuseum)

Die Black Box des Kunstmuseums Lichtenstein und der White Cube der Hilti Art Foundation in Vaduz sind präzis gesetzte städtebauliche Steine. Demgegenüber gliedern sich die Museumsbauten in Bregenz in eine urbane Perlenschnur ein.

 

23.04.2016 von Rahel Hartmann Schweizer

Der Vergleich mit den «gegensätzlichen kosmischen Prinzipien des weissen, männlichen Yin und des schwarzen, weiblichen Yang», den Roman Hollenstein damals in der Neuen Zürcher Zeitung zog, ist bis in die Details treffend. Das Kunstmuseum, das moderne und zeitgenössische Kunst beherbergt, vollendeten Morger & Degelo zusammen mit Christian Kerez im Jahr 2000. Der dunkel glänzende Beton der Fassade des 60 Meter langen, 25 Meter breiten und 12 Metern hohen Baukörpers, besteht aus grünem und schwarzem Basalt sowie Untervazer Flusskies – eine Reverenz an den Ort, das heisst an das Rheintal.
Er wurde fugenlos gegossen, so dass die Fassadenflächen nur von den Fensterbändern durchbrochen werden. Die glatte Oberfläche, in der sich die Silhouetten der Umgebung spiegeln, verdankt sich veredelnden Arbeitsgängen: Das Material wurde geschliffen, poliert und imprägniert. Dies bewirkt auch, dass sich die körnige Textur des Betons zeigt, was ihm bei allem Hochglanz auch einen haptischen Aspekt verleiht. Im Innern jedoch verkehrt sich die «Black Box» in einen «White Cube» – die Art der Präsentation zeitgenössischer Kunst, die auf die 1920er- Jahren zurückgeht und bei der die Architektur sich in farbneutrales Weiss kleidet, um nicht in Konkurrenz zu den ausgestellten Kunstwerken zu treten.

Yin und Yang als Magnet
Der weisse Würfel, den Meinrad Morger und Fortunat Dettli für die auf die klassische Moderne spezialisierte Hilti Art Foundation 2008 in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kunstmuseum entwarfen und vor knapp einem Jahr fertigstellten, kontrastiert nicht nur in seiner Farbigkeit zum bestehenden Bau, sondern auch in der die Vertikale betonenden Höhenentwicklung. Der Beton des 20 Meter hohen Würfels ist ein Gemisch aus Laaser Marmor, dunklem Rheinkies und Weisszement.
Die minimalistischen Baukörper bilden ein Ensemble, das nicht mit der Umgebung fraternisiert, sondern als in sich ruhender Pol ein Magnet im Stadtgefüge ist. Und man gewinnt den Eindruck, als wären die beiden immer schon da gewesen. In der Rückschau wundert es einen, dass man den weissen Würfel nicht schon vermisst hat, als es erst den schwarzen Quader gab – eben Yin und Yang.
Es ist eine Vervollständigung, die auch einen Effekt auf das nahe Regierungsviertel hat, das heisst auf die Beziehung zwischen der Museumsinsel und dem Geviert, in dem die politischen Instanzen tagen. Der weisse Würfel ist das Quentchen, dessen es bedurfte, um das städtebauliche Gewicht der beiden Ensembles auszubalancieren.
Davon profitieren auch die Bauten auf dem Peter-Kaiser-Platz – das von 1903 bis 1905 nach Plänen des Wieners Gustav Ritter von Neumann errichtete Regierungsgebäude und der 2008 eröffnete Landtag, bestehend aus Hohes Haus, Verbindendes Haus und Langes Haus, das der deutsche Architekt Hansjörg Göritz projektierte.

Wie Morger & Dettli bezog sich auch Göritz auf den Bestand – wenn auch in ganz anderer Weise. Er zollte den historischen Bauten Respekt – dem Regierungsgebäude, dem Verweserhaus und dem Rheinbergerhaus –, indem er seine Häuser Anleihen an tradierten Formen, Typologien und Materialien nehmen liess.
Aber nicht nur das. Göritz erwies auch einem Architekten die Reverenz, der in der jüngeren Vergangenheit in Vaduz Spuren hinterlassen hatte – Luigi Snozzi und seiner 1987 bis 1991 entworfenen Bebauung von Regierungsviertel und Pfarrei. Er adaptierte dessen den Hangfuss nachzeichnende langgezogene Sockelbebauung.
Im Gegensatz zu Snozzi, der dieses verbindende Element mit einem Solitär als Landtag kontrastierte, dessen halbkreisförmiger Grundriss die innere Sitzordnung aussen abbilden sollte, rückte Göritz sein Hohes Haus eher in die Nähe der so genannten analogen Architektur und distanzierte sich von der formalen Geste des Tessiners. Oder doch nicht ganz? Ist es nur Zufall, dass beim Blick aus den Arkaden der Liechtensteinischen Landesbank auf das Hohe Haus diesem aus dieser Perspektive ein Bogen einbeschrieben wird?

Eine städtebaulich präzise Setzung ist auch das Vorarlberg Museum in Bregenz von Andreas Cukrowicz und Anton Nachbaur, das vor knapp drei Jahren eröffnet wurde. Sie aber mussten den historischen Bestand unmittelbar einbeziehen und zwar in Gestalt der ehemaligen, 1902 bis 1904 von Hugo von Schragl erbauten Bezirkshauptmannschaft, dem sie einerseits eine kubische Aufstockung aufstülpten, andererseits einen Neubau angliederten.
Der Clou der Reverenz an den Altbau ist die Neuinterpretation des plastischen Bauschmucks. Die Betonfassaden, die wie Vaduz‘ weisser Würfel keine Fugen aufweisen, sind überzogen von einem lebhaften Dekor aus 16 656 Betonblüten, die auf Abgüssen der Böden von PET-Flaschen basieren. Die Veredelung des thermoplastischen Kunststoffs zur kleidsamen Hülle ist ein Verweis auf Museumsinhalte – keramisches römisches Tafelgeschirr aus der Sammlung – und kaum ein Kommentar zu den geätzten Gläsern des Kunsthauses von Peter Zumthor.

Schnur mit reichem Schmuck
Im Gegensatz zum polarisierenden städtebaulichen Konzept in Vaduz ist das Bild in Bregenz nämlich das der Perlenschnur, an der reicher Schmuck hängt: Neben dem Vorarlberg Museum das Landestheater und Peter Zumthors Kunsthaus (KUB) sowie das von Friedrich Setz 1893 bis 1895 erstellte Hauptpostamt, das sich zum Ausstellungsort für Kunst- und Kulturschaffende aus der Region mausert.
Es sind je spezifisch auf den Ort zugeschnittene Formen von Urbanität: zwei starke Steinsetzungen auf kleinräumigem, an den Steilhang geducktem Terrain in Vaduz, eine spannungsvolle Kette in der seit den Dreharbeiten zu Marc Forsters James-Bond-Streifen «Quantum of Solace» (2008) noch weltläufigeren Hafenstadt Bregenz.

Bilder: Michel Canonica

Im Wandel – Stadterosion. Oder die Faltung der Landschaft

Carola Antón und Dominique Ghiggi, Landschaftsarchitektinnen, Zürich

Mo 2. Mai 2016, 19.30 Uhr im Forum

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Das Phänomen des Ab- und Auftragens von Bodenschichten im Kontext des städtischen Strukturwandels wird allgemein als Stadterosion bezeichnet. Das wohl bekannteste Beispiel hierfür findet sich in der Stadt Rom, deren Stadtschichten aus Fundamenten unterschiedlicher Epochen bestehen und somit von der vom Menschen verursachten Faltung der Geschichte berichten. Anhand realisierter und laufender Projekte, Wettbewerbe und eines eigenen Forschungsprojekts untersuchen Carola Antón und Dominique Ghiggi Prozesse der Stadterosion, welche die anthropogene Faltung in der Landschaft veranschaulichen. Die Aufforstung geschädigter Böden in Bogota in Kolumbien und im Umland von Dakar im Senegal, die Bodenumschichtung als Konzept eines städtischen Parks in Bayern, die Wiederverwendung abgebrochener Stadtfundamente im Pfingstweidpark Zürich, oder weiter die gestalterische Kraft des Wassers in einer Wohnsiedlung in Küsnacht bei Zürich. Hinter jedem Erosionsprozess verbirgt sich eine Gelegenheit, den Ort neu zu lesen und ihn entsprechend charakteristisch zu transformieren. Die Geschichte und die Natur des Ortes sind dabei unabdingbare Prämissen dieser Transformation.

www.antonghiggi.com

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Hauptversammlung 2016

feat. Frank und Patrik Riklin

Fr 29. April 2016, Forumsfest im Anschluss

20 Jahre Forum.
Wie «förlen» wir in Zukunft?

Traktanden
1. Begrüssung
2. Protokoll der letzten HV 2015
3. Jahresbericht
4. Jahresrechnung
5. Budget und Mitgliederbeiträge 2016
6. Revisorenbericht
7. Wahl Vorstand
8. Wahl Leitender Ausschuss
9. Allgemeine Umfrage
10. Aussichten

Forumsfest
In diesem Jahr feiert das Architektur Forum Ostschweiz sein 20-jähriges Bestehen. Im Anschluss an die Hauptversammlung um ca. 20 Uhr findet das Forumsfest statt. Alle Mitglieder mit Begleitung sind herzlich zum gemeinsamen Essen eingeladen.

Gast-Feature
Die Riklin-Brüder machen Konzeptkunst mit Rückkopplungseffekt. Für ihre Arbeiten suchen sie den Weg aus dem White Cube und setzen dabei auf soziale Partizipation. Ihre Kunst geht stets ein Verhältnis mit anderen Teilsystemen ein und begibt sich dadaurch in eine Grauzone, in der noch viel kreatives Potential liegt. Im Rahmen der diesjährigen Hauptversammlung versuchen die beiden, uns an den Horizont der Fantasie zu entführen, um die Form und das Setting eines «Forums» im Allgemeinen zu hinterfragen und vielleicht neu zu erfinden. Ganz im Sinne des Jahresthemas «Im Wandel».

Zwillinge _ Frank & Patrik Riklin _ St. Gallen 12.06.2014

Der Eintritt kostet Ihre Fantasie. Ausgefüllten Antworttalon mitbringen.

Einladungskarte Hauptversammlung

Veranstaltungssponsor Delinat

Architektur im Film – The Human Scale

Einführung durch Angelus Eisinger, Planungs- und Städtebauhistoriker, Zürich

Di 19. April 2016, 20 Uhr im Kinok

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Wie soll man Städte bauen? Der Filmemacher Andreas Dalsgaard nimmt uns mit auf eine faszinierende Städtereise quer durch die Welt, von Kopenhagen nach Melbourne, Chongqing und Christchurch – auf den Spuren des dänischen Architekten Jan Gehl. Unermüdlich setzt sich der visionäre Raumplaner dafür ein, die traditionelle Stadtplanung des 20. Jahrhunderts durch eine neue Urbanität zu ersetzen, die den Menschen und seine Lebensqualität in den Vordergrund stellt. Egal ob im Financial District von New York oder in den Slums von Dhaka, die zentralen Fragen sind letztlich immer dieselben: Kann eine Stadt uns glücklich machen? Und was ist also eine gute Stadt? Internationale Städteplaner, Architekten und andere Denker gehen im Film dieser Frage nach.

Andreas M. Daslgaard/ Dänemark 2012, E/d, 83 min

Zum Trailer

Weitere Vorführungen: So 24. April 11 Uhr, Mi 27. April 18.45 Uhr

Eintritt 15.– / Mitglieder AFO 10.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus
fsb
konkurado

AFO vor Ort – Naturkundemuseum St. Gallen

Baustellenbesichtigung Führung durch Armon Semadeni

Mo 18. April 2016, 17 Uhr vor Ort

  • Naturkundemuseum_SG 4
  • Naturkundemuseum_SG 1
  • Naturkundemuseum_SG 3
  • Naturkundemuseum_SG 5
  • Naturkundemuseum_SG 6

Anmeldung bis Fr 8. April 2016 unter Naturmuseum@nulla-f-o.ch mit  Personenanzahl, Namen, AFO-Mitgliedschaft, Teilnehmerzahl beschränkt

Städtebau und Architektur

Das neue Gebäude des Naturmuseums St.Gallen entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft zu den öffentlichen Bauten und Anlagen der Kirche St. Maria Neudorf und des Botanischen Gartens am östlichen Rande der St.Galler Kernstadt. Im Dialog mit der imposanten städtebaulichen Präsenz der Kirche St. Maria und dem funktionalen Ausdruck der Treibhäuser des Botanischen Gartens, positioniert sich das Neue Naturmuseum als Gebäude mit repräsentativem Charakter und einem modernen, funktionalen Ausdruck zugleich:
Durch die markante Silhouette und die steinerne Materialisierung erhält die öffentliche Institution Naturmuseum gegenüber der städtebaulich wichtigen Rorschacherstrasse ein repräsentatives Gesicht. Gleichzeitig ordnet sich das Gebäude der Höhenentwicklung der Kirche St.Maria Neudorf unter und verweist mit seiner nach aussen sichtbaren Dachstruktur auf die funktionale, zurückhaltende Sprache der Gebäude des Botanischen Gartens.

Es entsteht so im Gebiet Neudorf ein neues städtebauliches Ensemble öffentlicher Bauten und Anlagen, welches sich über typologische Analogien, gemeinsame Bezüge in der Materialisierung und die zusammenhängenden Aussenräume verbindet und das heterogene städtebauliche Umfeld aus Infrastruktur- und Wohnbauten dabei selbstverständlich integriert.
Das dreigeschossige Museumsgebäude besetzt die zur Verfügung stehende Bauparzelle fast vollständig. Es entsteht dadurch zwischen der Kirche St.Maria Neudorf und dem Museum ein räumlich gefasster, sanft geneigter Ausstellungsraum unter freiem Himmel, der auch Teil der Wegführung vom Museum zum Botanischen Garten werden wird. Der neue Baukörper verzahnt sich mit dem angrenzenden Aussenraum und seiner Umgebung über vier präzis formulierte Einschnitte und Vorsprünge, die die lokal vorgefundenen Gegebenheiten stärken und die neu zugeordneten Funktionen – wie beispielsweise den Aussenraum des Museumscafés, einen repräsentativen Vorplatz zum Haupteingang und eine diskrete Anlieferung – aufnehmen.

Die öffentlich zugänglichen Museumsräumlichkeiten bestehen aus einer offenen Raumfolge, deren Auftakt die Verbindung der beiden Museumseingänge vom Entrée auf der Strassenseite mit dem Foyer auf der Gartenseite bildet. Der Ausstellungsbesucher folgt dem Museumsrundgang über zwei, um ein halbes Geschoss versetzte Ebenen in den Reliefraum und erhält über vereinzelt gesetzte Öffnungen wiederholt Bezüge zur Umgebung. Der Reliefraum erinnert durch seine eindrückliche Höhe und räumliche Präsenz in Verbindung mit der darüber liegenden Galerie an Ausstellungsräume klassischer Museumsgebäude des 19. Jahrhunderts. Er ist das Herz- und Verbindungsstück der beiden Ausstellungsgeschosse und bietet auch attraktive Möglichkeiten zur Installation und Präsentation grösserer Exponate. Das zweite Ausstellungsgeschoss bietet einen grossen, stützenfreien Oberlichtsaal für eine langfristig flexible und abwechslungsreiche Ausstellungsgestaltung. Intime Rückzugsorte und museums-pädagogische Räumlichkeiten wie beispielsweise die Media- und Bibliothek und das Jugendlabor schaffen eine angenehme, private Atmosphäre und bieten dadurch die Möglichkeit zur individuellen Informationsbeschaffung.

Im Wandel – Kirchengebäude sind Chancen

Jörg Beste, Theologe und Architekt, Köln, Thomas Zihlmann, Leiter Hochbau & Energie, Kanton AI, Stefan Meier, Kirchenverwaltungsrat, Rorschach

Mo 4. April 2016, 19.30 Uhr im Forum

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Ein quantitativ und qualitativ reicher Bestand an Kirchengebäuden ist durch gesellschaftliche Veränderungsprozesse mit Bevölkerungsrückgang und Säkularisierungstendenzen stark unter Druck geraten. Der Rückgang der Kirchennutzung zeigt sich zunächst in den urbanisierteren Gebieten, wirkt sich aber immer stärker auch in kleineren Städten und in ländlichen Gebieten aus.
In dieser Situation ist ein neuer Umgang mit den für die lokale Identität wichtigen Kirchengebäuden erforderlich. Aber Kirchen sind eine schwer umzunutzende Gebäudetypologie. Wie kann also im Hinblick auf die architektonischen und städtebaulichen Qualitäten der Kirchengebäude und ihre Einbindung in die sozialen Strukturen der Quartiere auf diese Entwicklung reagiert werden? Wie kann von öffentlicher Seite auf diese Situation reagiert werden? Welche Rolle übernimmt die Denkmalpflege?
Jörg Beste geht diesen Fragestellungen anhand von Analysen und Beispielen aus Nordrhein-Westfalen nach. Nutzungs- und Gestaltungsfragen sowie denkmalpflegerische Probleme werden anhand von umgesetzten Lösungen thematisiert. Eine regionale Beleuchtung der Thematik erfolgt im Anschluss zum Inputreferat. Stefan Meier wird uns die Umnutzungspläne der Kirche in Rorschach erläutern. Thomas Zihlmann berichtet über die Strategie des Kapuzinerklosters in Appenzell.

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte April

Mit der Strasse die Welt verbessern

  • Gutes Bauen: Ortsplanung im Rheintal Rathaus Altstaetten
  • Gutes Bauen: Ortsplanung im Rheintal Bahnhofstrasse Widnau
  • Gutes Bauen: Ortsplanung im Rheintal Bahnhofstrasse Widnau
  • Gutes Bauen: Ortsplanung im Rheintal Bahnhofstrasse Widnau

Strassen dienen nicht nur als Fahrspur oder Trottoir, sondern bilden auch Räume – besonders in besiedelten Gebieten. Langsam beginnt sich ein Bewusstsein für den Strassenraum zu regen. Was alles möglich ist, zeigen die Beispiele Widnau und Altstätten.

 

19.03.2016 von Caspar Schärer

Die Strasse ist ein ideologischer Kampfplatz: Geht es um freie Fahrt, kippen die Debatten ins Irrationale. Das Wissen um die Strasse als Raum – vor allem als sozialen Raum – ging fast verloren und muss mühsam wiedererlangt werden. Geschwindigkeit, Kurvenradien, Sicherheit und Funktionalität bestimmten für lange Zeit alles. Stand ein Haus im Weg, wurde es weggeräumt. Tausende Strassen- kilometer wurden so gebaut, ohne Rücksicht auf Verluste. Der Weg zurück ist steinig, denn jetzt sind Fakten geschaffen. Trotzdem lohnt sich der Aufwand, und ein Bewusstsein für den Strassenraum beginnt sich zu regen. Vorreiter in der Schweiz ist der Kanton Bern, der bereits in den frühen 1990er-Jahren mit ersten erfolgreichen Umgestaltungen von Strassen auf sich aufmerksam machte.

Keine Vorzeigeregion
Inzwischen hat das Umdenken das ganze Land erfasst – auch das Rheintal, das viele lediglich als zersiedeltes Agglo- und Autoland sehen. Tatsächlich ist das Rheintal nicht unbedingt die Vorzeigeregion für eine nachhaltige Siedlungs- entwicklung. Das bedeutet allerdings, dass es viel zu tun gibt: Zwei Beispiele aus Altstätten und Widnau zeigen, was alles möglich ist. Am Anfang steht ein Problem – hier wie dort. Altstätten beschäftigt sich seit einiger Zeit mit dem motorisierten Verkehr, der sich bei einem Flaschenhals vor der katholischen Kirche im Nordosten der Altstadt hindurch zwängte. Für die Stadt Altstätten war klar, dass die Beseitigung dieses Engpasses ein grosses Plus an städtebaulicher Qualität bringen muss. Wer sich mit dem Verkehr anlegt, muss grossräumig denken. Im Falle von Altstätten bedeutete es, dass die Stadt einige Grundstücke beim Freihof neben dem Rathaus ankaufen musste, um sich die nötige Beinfreiheit zu verschaffen.

Verkehrstechnisches Herzstück des Infrastrukturprojekts ist ein neuer Kreisel und die Umlegung einer Strasse. Leider ist der Kreisel ein Element der Strassenplaner zur Verflüssigung des Verkehrs und nicht ein stadträumlich gedachter Baustein. Auf dem offenen Feld funktioniert er bestens, ins besiedelte Gebiet dagegen passt er nicht. Die angrenzende Bebauung hat es immer schwer, mit den Ausrundungen ein gutes räumliches Verhältnis aufzubauen. Wenn dann noch die Bebauung selbst so ideenlos auf den Kreisel reagiert wie in Altstätten das grosse Gebäude auf dem Freihof-Areal, dann zeigen sich die Schwächen des Kreisels besonders deutlich.

Umso erfreulicher sind die stadträumlichen Gewinne auf der anderen Seite des Freihofs – dort, wo früher die Autos und Lastwagen entlang der Kirchenmauer durchbrausten. An der Stelle des alten Rathauses aus den 1950er-Jahren steht jetzt ein stolzer, siebengeschossiger Baukörper, der sich in die Höhe reckt, um den Platz vor sich freizuspielen. Das Zürcher Architekturbüro Allemann Bauer Eigenmann gewann 2007 einen Wettbewerb, der sich über insgesamt drei Teilgebiete erstreckte – darunter das Rathaus und der Freihof. Das Rathaus durften die Architekten ausführen, und das sieht man dem Bau an. Ein Gitter aus hellen Betonelementen hält den Bau zusammen, dunklere Füllungen und Fenster schaffen dazu einen Kontrast. Das Gebäude erfüllt seine repräsentative Funktion auf eine sehr freundliche und zuvorkommende Weise. Die Details sind durchdacht, die Materialien gut ausgewählt, die Gesamtwirkung stimmt. Zusammen mit der Kirche und dem Rand der Altstadt bildet das Rathaus mit dem neuen, grösseren Platz ein zusammenhängendes Ensemble.

Optische Bremsen
Während in Altstätten durch die Neuordnung der Strassenführung kostbarer öffentlicher Raum gewonnen werden konnte, ging es in Widnau um den Strassenraum selbst. Wegen Belagsschäden wollte das Tiefbauamt des Kantons die Strasse zwischen dem Bahnhof Heerbrugg in der Gemeinde Au und der «Metropol»-Kreuzung mitten in Widnau umfassend sanieren. Die Gemeinde Widnau, auf deren Gebiet der Löwenanteil des Strassenabschnitts liegt, sah die Chance gekommen, die eklatanten räumlichen Defizite ihrer stark befahrenen Ortsdurchfahrt beheben zu können. Die Verkehrsmenge liess sich nicht reduzieren, aber im Bereich der Gestaltung waren die Potenziale noch längst nicht ausgeschöpft.

Marco Koeppel, Architekt und Gemeinderat in Widnau, entwarf zusammen mit den Kollegen der Gemeinde Au und dem Kanton eine neue Strasse, auf der nicht mehr das Auto alleine bestimmend ist. Die Fahrbahnen wurden auf das absolute Minimum verengt und ein sogenannter «multifunktionaler Mittelstreifen » eingeführt. Fussgängerstreifen fehlen vollständig, man kann die Strasse überqueren, wo man will. Einige Zonen des Mittelstreifens sind mit roten, hüfthohen Stelen markiert: Hier eignet es sich besonders, die Strassenseite zu wechseln. Die Stelen wirken als optische «Bremsen» für die Autofahrer – genauso wie die massiven Leuchtenpfähle, welche die Strasse seitlich begleiten.

Urbaner und dennoch ruhiger
Die baulichen Massnahmen führten laut Koeppel dazu, dass die durchschnittliche Geschwindigkeit auf 35 bis 40 km/h gesunken sei, obwohl weiterhin 50 km/h erlaubt sind. Und das ist entscheidend: Bei niedrigerer Geschwindigkeit steigt die Bedeutung aller anderen Faktoren wie Raum- und Lebensqualität. An der Bahnhofstrasse in Widnau lässt sich das selbst an verregneten Vormittagen beobachten. Die Szenerie wirkt sowohl urbaner wie auch beruhigter, die Menschen bewegen sich freier und ungezwungener. Ein Wermutstropfen sind auch hier die Kreisel, die zur «Verflüssigung» des Verkehrs eingebaut wurden. Gerade die ehemalige «Metropol»-Kreuzung leidet darunter, denn alle daran angrenzenden Bauten wurden für eine Kreuzung konzipiert und nicht für einen Kreisel.

Vielleicht überlässt man solche Korrekturen einfach der nächsten Generation. Auch sie muss ja die Gelegenheit haben, zu lernen und die Situation zu verbessern. Erste Schritte in die richtige Richtung sind jedenfalls getan.

 

Bilder: Michel Canonica

Architektur im Film – The Competition

Gespräch mit den Kantonsbaumeistern Erol Doguoglu (TG) und Werner Binotto (SG), Moderation Hansueli Rechsteiner

Di 22. März 2016, 20 Uhr im Kinok

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Der Dokumentarfilm „The Competition“ begleitet fünf international renommierte ArchitektInnen – Frank Gehry, Jean Nouvel, Zaha Hadid, Dominique Perrault und Norman Foster –, die im Jahr 2008 am Wettbewerb für das Nationale Kunstmuseum im pyrenäischen Kleinstaat Andorra teilnahmen.
Die Meister, und vor allem ihre MitarbeiterInnen, plagen sich, entwerfen Strategien, kämpfen, wollen gewinnen. Die Präsentation vor der Jury schließlich, an einem hektischen Tag mitten im Wahlkampf, ist ein großes Medienereignis in dem kleinen Land. Der Film verfolgt den Wettbewerb sehr detailliert, fast schmerzhaft rau und bietet faszinierende Studien zu Persönlichkeit, Strategie und Rhetorik der StararchitektInnen sowie den Arbeitsverhältnissen in deren Büros. Der erste Dokumentarfilm des Architekten Angel Borrego Cubero – Office for Strategic Spaces (OSS) in Madrid – begleitet den angespannten Prozess, der charakteristisch für Architekturwettbewerbe ist und stellt damit auf eindringliche Weise deren Sinn in Frage.

Angel Borrego Cubero/ Spanien 2013, O/e, 99 min

Zum Trailer

Vorstellung der Internetplattform Konkurado – Web of Design Competitions durch Almut Fauser, Geschäftsführerin Stiftung Forschung Planungswettbewerbe

Weitere Vorführungen: Mi 30.März 18.30 Uhr

Eintritt 15.– / Mitglieder AFO 10.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
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konkurado

Einladungskarte März

Sommer Camp Architektur

Beitrag des Architektur Forums Ostschweiz am Projektwettbewerb „150 Jahre schaffen Zukunft“

Sommer Camp Architektur_Kay Kröger

Zum Beitrag

 

An 5 Orten im Kanton können in den Sommerferien 2017 Jugendliche Baukultur entdecken – als Pilotprojekt für weitere Kurse. Während dieser Woche lernen die jungen Menschen unter Anleitung von professionellen Vermittlerinnen und Vermittlern die gebaute und gestaltete Umwelt ihrer Stadt und der Umgebung besser kennen.

 

Wesentlicher Fokus aller Aktivitäten ist es, Kinder und Jugendliche darin zu unterstützen, ihre alltägliche Umwelt bewusster wahrzunehmen, Raumqualitäten zu erleben und die Gestaltbarkeit ihrer Umwelt zu erkennen. Mittels unterschiedlicher methodischer Ansätze wird der Blick auf den gebauten und gestalteten Lebensraum geschärft, um letztendlich jene Sensibilität zu entwickeln, die entscheidungsfähig macht.

Weil jeder Ort seine spezifischen Eigenschaften aufweist und sich so eine Vertiefung zu unterschiedlichen Themen anbietet, werden die Resultate der fünf Kurse sich sehr unterscheiden. Eine Wanderausstellung wird diese Resultate und gewonnenen Erkenntnisse einer breiteren Bevölkerung vorstellen.

Fachleute (Architekten und Ingenieurinnen, Handwerkerinnen und Unternehmer, Raumplanerinnen und Landschaftsarchitekten) besuchen die Kurse, berichten von ihrer Arbeit und davon, wie unsere gebaute Umgebung entsteht.

Nutzen für die Menschen in den Kantonen St. Gallen und Appenzell AR

Die jungen Menschen werden eines Tages selbst bauen oder einen Beruf in der Branche ausüben. Sie sind die Bauherren und Entscheidungsträger der Zukunft. Wenn sie bereits als junge Menschen in Kontakt mit unserer gebauten Umwelt kommen und diese kennen und schätzen lernen, werden sie dereinst als Erwachsene bei Fragen zur Baukultur mündig entscheiden können.

Einbezug freiwilliger Helferinnen und Helfer

Die Mitglieder und der Vorstand des Architektur Forums Ostschweiz bringen ehrenamtlich ihr Wissen und Engagement ein. Während der Konzeptphase werden sich vorwiegend Vorstandsmitglieder engagieren, in den Ferienkursen bringen die Mitglieder des Architektur Forums Ostschweiz und der Fachverbände ihr Wissen ein.

Nachhaltige Wirkung

Ein erstes Ziel des Projekts ist es, Ferienkurse in den Sommerferien 2017 an fünf Orten in der Region durchzuführen. Diese dienen als Pilotprojekt und sollen nach dem Testlauf im Sommer 2017 jährlich wiederholt werden. Das vorliegende Projekt dient dazu, das Konzept auszuarbeiten, die Pilotprojekte durchzuführen und sie so zu dokumentieren und aufzubereiten, dass sie wiederholt werden können. Die Ferienkurse sollen in den folgenden Jahren nach dem ersten Durchgang wiederholt werden: an den ursprünglichen Orten ebenso wie in neuen Städten. Der Kurs kann auch als Teil einer Sonderwoche während des Unterrichts durchgeführt werden. Die Dokumentationen der Projektwochen stehen Lehrkräften zur freien Verfügung, um das Thema Baukultur auch in den Schulen behandeln zu können.

Einschätzung der Realisierbarkeit

Mit der finanziellen Unterstützung der Kantonalbank und dem ehrenamtlichen Engagement des Architektur Forums Ostschweiz steht das Projekt auf einem soliden Fundament. Der gesamte Vorstand des Architektur Forums Ostschweiz steht geschlossen hinter dem Projekt und ist motiviert, sich dafür zu engagieren. Die 450 Mitglieder des Architektur Forums Ostschweiz bringen sich auch bei anderen Projekten äusserst aktiv ein, die langjährigen Partner aus Industrie und Bauwirtschaft unterstützen das Forum seit seinen Anfangszeiten tatkräftig.

Im Wandel – 3 Kurzreferate von Zita Cotti, Dieter Jüngling und Andreas Sonderegger

Sachverständigenrat, Stadt St. Gallen

Mo 7. März 2016, 19.30 Uhr im Forum

MSTAIR27

„Der stetige Wandel ist Teil des beharrlichen Bleibens hinter Mauern. Dieses scheinbare Paradox lässt Fragen aufkommen. Was für Kräfte müssen wirken, um die stetig gleichen Nutzungen in immer wieder veränderte Form verwandeln zu lassen. Kleine Eingriffe, die an einem Ort, der als dauernder Lebensraum einer Klostergemeinschaft Bedeutung hat, eine über 1200 Jahre alte Baugeschichte weiterführen.“
Dieter Jüngling

„Mit dem Legislaturschwerpunkt „10‘000 neue Wohnungen in 10 Jahren“ initiierte der Stadtrat von Zürich 1998 eine rege Wohnbautätigkeit. Ehemalige Industrieareale werden zu neuen Stadtteilen, Quartiere aus den Nachkriegsjahren, wie auch Blockrandquartiere erfahren durch Ersatzneubauten starke Veränderungen. Als Akteure in diesem Verdichtungsprozess stellen sich neben den städtbaulichen Fragen auch inhaltliche insbesondere hinsichtlich der ehemals standardisierten Grundrisstypologen.“
Zita Cotti

„Durch unsere architektonische Tätigkeit verändert sich unser Lebensumfeld aktuell weit mehr als nur parzellenweise. Im Zuge der Deindustrialisierung werden beispielsweise ganze Quartiere neu konzipiert. Mit unseren Projekten nehmen wir Architekten hier Teil an der Entwicklung eines komplett neuen Lebensraums. Wir arbeiten mit Ökonomen, Soziologen, Landschaftsarchitekten und Verkehrsplanern zusammen. Wir werden zu Urbanisten.“
Andreas Sonderegger

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte März

Einheimisches und internationales Flair

OS - Gutes Bauen Ostschweiz - Caminada (c) Lucia Degonda

Bei den Bemühungen, die Abwanderung aus den Berggebieten zu bremsen, ist die Hotellerie der Knackpunkt. In der Surselva weiss man sich zu helfen, wie jüngere Projekte zeigen. Ein Seitenblick lohnt sich aber auch in die Albula-Region.

 

20.02.2016 von Rahel Hartmann Schweizer

«Sanft fiel der Zug in die Bremsen und hielt in der von Menschen wimmelnden Halle der Tunnelstation Sedrun. Von hier konnte das mondäne Sportzentrum in sieben Minuten im bequemen Lift durch einen 830 Meter hohen Schacht erreicht werden. Dadurch waren die Skifelder am Vorderrhein in Stundennähe von Basel, Zürich und Mailand gerückt.»

Auf die Vision des Ingenieurs Eduard Gruner, die der SBB-Kopf 1947 formuliert hatte, beriefen sich die Promotoren der sogenannten Porta Alpina. Die unterirdische Bahnstation in der Mitte des Gotthardbasistunnels bei Sedrun hätte die Surselva ans europäische Hochgeschwindigkeitseisenbahnnetz angeschlossen, mit dem Ziel der von Abwanderung bedrohten Region Aufschwung zu bescheren.
Mitte September 2007 wurde die Idee auf Eis gelegt. Es blieb jedoch die in ihrem Windschatten segelnde, über die Region Surselva hinausgehende Förderungsinitiative «Prego» (Projekt Raum- und Regionalentwicklung Gotthard), zu der sich Regierungs- und Interessenvertreter der Kantone Uri, Graubünden, Tessin und Wallis 2006 zusammengefunden hatten, und die sich – nach der Absage an die Porta Alpina – im November 2007 unter dem Namen San Gottardo formierte.
Etliche Projekte wurden daraufhin abgeklärt, initiiert und mit Hilfe der Unterstützung durch die Neue Regionalpolitik (NRP) in Angriff genommen: Umbau der Tennishalle in Laax, ein Freizeitpark in Obersaxen Mundaun, Bau eines naturnahen Badesees in Trun, Kletterparadies Surselva an der Staumauer Pigniu, durchgehender Wanderweg Ruinaulta, Schlachthof in Rueun, Beherbergungsmöglichkeiten für Backpacker, um nur einige zu nennen. Die Hotellerie erwies sich indes als hartes Pflaster, da die Unterstützung durch die NRP an die Kriterien Einmaligkeit und Innovation gebunden ist.

  • OS - Gutes Bauen Ostschweiz - Caminada (c) Lucia Degonda
  • OS - Gutes Bauen Ostschweiz - Caminada (c) Lucia Degonda
  • OS - Gutes Bauen Ostschweiz - Caminada (c) Gian Marco Castelberg

Verankert im Kontext
Unabhängig davon hat der Architekt Gion A. Caminada im Auftrag des Zürcher Maler-Unternehmers Theo Schaub mit der Ustria Steila am Sonnenhang oberhalb von Ilanz ein Hotel gebaut, das exemplarisch steht für einen mit dem Ort verbundenen Tourismus. Es ist eine Unterkunft für Menschen, die sich auf den Ort einlassen, die spezifischen Gegebenheiten des Kontexts schätzen.
Dass dies zunächst bedeutete, das Haus architektonisch einzupassen, ist nur ein Teil der Wahrheit. Caminada übernahm zwar den traditionellen Sockel und den Holzbau, doch «verzog» er deren Proportionen entsprechend der Räume, die sie bergen: Im Sichtbeton-Untergeschoss werden die Vorräte gelagert sowie Speisen und Getränke degustiert. Restaurant, Saal und Küche befinden sich im weiss verputzten Erdgeschoss, und die Gästezimmer im darüberliegenden Strickbau.

Grenzen verwischt
Das Haus fällt auf und passt sich gerade dadurch ein: Durch die Überhöhung der lokalen Bauweise wird deren Integrität betont. Einheimisches steht sodann nicht nur auf dem Speiseplan. Auch kulturell ist das Haus am Ort verankert. So bietet etwa eine Bibliothek Einblicke in Werke zur Kunst und Architektur des Kantons Graubünden.
Im Original lässt sich diese auch in Valendas erleben, wo im ehemaligen Engihuus 2014 das «Gasthaus am Brunnen» eröffnet wurde. Die Gemeinde schenkte das 500 Jahre alte Haus 2007 der Stiftung Valendas Impuls, die es von Caminada zu einem Hotel mit Restaurant und Saal umbauen liess, auf dass es zu einem Begegnungsort für Einheimische und  Gäste werde.
Um das Raumprogramm zu erfüllen, bedurfte es auch hier eines Neubaus. Die Grenze zwischen diesem und dem bestehenden Engihuus verwischte Caminada, indem er beide Häuser in weissen Kalkputz kleidete. Statt des Kontrasts ist es wieder eine, diesmal noch subtilere, Irritation zwischen Alt und Neu.
Empfindet man hier die verschiedenen Zeitschichten als miteinander verwoben, fühlt man sich im Kurhaus in Bergün am Fuss des Albulapasses, das vor dem Untergang bewahrt wurde, um ein Jahrhundert zurückversetzt.

Luftkurort-Atmosphäre
Die Initiative ist umso bemerkenswerter als das nach Plänen des Zürcher Architekten Jost Franz Huwyler-Boller errichtete und 1906 in Betrieb genommene Jugendstil- Grandhotel von Beginn an um seine Existenz rang. Als Stammgäste 2002 die neue Kurhaus Bergün AG gründeten, erwies sich indes gerade dies als Segen, hatte die  wirtschaftliche Schieflage doch massive Eingriffe in die Originalsubstanz verhindert.

Das nach allen Regeln denkmalpflegerischer Kunst nach und nach renovierte Haus verströmt jene Atmosphäre eines Luftkurortes, als der sich das Haus einst etablieren sollte. Das Haus bekam seine Geschichte und mit ihr den weltläufigen Geist zurück, der ihm einst innewohnte – nicht zuletzt mit den rekonstruierten Rattanmöbeln, die einst in Vietnam gefertigt worden waren.

Bilder: Lucia Degonda (Ustria Steila)/pd (Kurhaus Bergün)

Stählernes Treibgut am Bildungsufer

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Der jüngste Erweiterungsbau der Hochschule Rapperswil passt sich nahtlos in den Campus ein. Der St.Galler Architekt Andy Senn baute mit dem «strengen» Material Stahl. Entstanden ist ein nüchterner, uneitler Zweckbau mit vielen versteckten Qualitäten.

16.01.2016 von Caspar Schärer

Wer aus Neugierde gerne Bautafeln  liest, trifft oft auf die gleichen Begriffe: «Park» oder «Residenz », wenn es um Wohnen geht; bei Bürobauten wird gerne mal von einem «Campus» gesprochen. Immobilienvermarkter spielen mit dem «Campus» auf das Idealbild der amerikanischen Universitäten an, jene idyllisch ins Grüne eingebetteten Gebäudegruppen, eigene Welten innerhalb einer Stadt. In der Schweiz und in Europa ist das Konzept des Campus nicht sonderlich verbreitet. Erst in der Nachkriegszeit entstanden mit der Universität Zürich-Irchel, der ETH Hönggerberg und der EPF in Lausanne erste Hochschulstandorte auf der grünen Wiese.

Bezug zur Landschaft
Der Campus der Hochschule Rapperswil (HSR) ist eines dieser seltenen Exemplare in der Schweiz, wenn auch ein eher kleineres. Typisch ist der Bezug zur Landschaft, der bei  dem schönen Grundstück am See «von Natur aus» gegeben ist. Im Unterschied zu den meisten anderen Beispielen befindet sich die 1973 eröffnete und vom Architekten Paul W. Tittel geplante HSR näher an der «Mutterstadt» – Schloss und Altstadt sind in Sicht- und Gehdistanz, auch wenn das Gleisfeld die Beziehung empfindlich stört. Gleichzeitig liegt aber in der Nähe zu einem Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs heute ein unschätzbarer Standortvorteil. Allein die Tatsache, dass in den letzten Jahren direkt an den Bahnhöfen von St.Gallen, Olten und Brugg AG massiv in Hochschul-Infrastruktur investiert wurde, bestätigt dies.

Die Gebäudegruppe auf dem HSR-Campus ist räumlich dicht angeordnet und in der ersten Bauetappe einheitlich gestaltet. Alle Bauten sind an der Fassade aus wetterfestem Stahl zu erkennen. «Wetterfest» heisst hier, dass sich auf der Oberfläche der Stahlelemente eine oberste Rostschicht bildet, die das Material gegen weitere Witterungseinflüsse schützt. Trotz der hohen Dichte ist der «fliessende» Aussenraum des Campus gut spürbar; die Uferlandschaft auf der einen und die Stadt auf der anderen Seite sind immer präsent. Umso anspruchsvoller ist die Erweiterung einer solchen Anlage. Zunächst wurde das Wachstum mit Aufstockungen bewältigt, Ende der 1990er-Jahre folgte ein erster grösserer Ausbauschritt mit zwei Neubauten in Richtung Gleisfeld. Der St.Galler Architekt Andy Senn strickt nun auf ganz selbstverständliche Art das Bebauungsmuster zum See hin weiter.

Senn gewann 2009 einen Wettbewerb zur Erweiterung auf der Curtiwiese, einer strategischen Baulandreserve der Hochschule am Ufer. Vorgesehen waren ursprünglich drei neue Baukörper. Gebaut wurde nun vorerst ein Teil des Forschungszentrums; weitere Ausbauschritte folgen vielleicht in Zukunft. Im Wettbewerb wurde Senns Sorgfalt gelobt, mit der er das fein austarierte Netzwerk aus Bauten und Aussenräumen mit einem doch beachtlich grossen Neubau ergänzt. Zwischen dem Forschungszentrum und dem Hauptgebäude aus den 1970er- Jahren spannt sich ein angenehm proportionierter, von drei Seiten gefasster und zum See hin offener Raum auf. Die Bezeichnung «Platz» wäre für diese Fläche zu hoch gegriffen, sie ist vielmehr mit einem Strassenraum zu vergleichen, von dem aus man in alle Richtungen ausschwärmen kann.

Ein besonderes Material
Wie das benachbarte Hauptgebäude ist auch der Neubau auf eine Plattformaus Beton gestellt. Drei Stufen beträgt die Höhendifferenz, beim Hauptgebäude ist es sogar eine Stufe mehr. Diese Plattformen lassen die einzelnen Bauten wie riesiges Treibgut erscheinen, das am Ufer gestrandet ist. Tatsächlich haben sie unmittelbar mit dem See zu tun: Um die Gebäude vor einem allfälligen Hochwasser zu schützen, sind sie vom Boden abgehoben; ausserdem erfordert der weiche Baugrund flächige Fundamentplatten. Überhaupt bestimmt die Lage am See mehr, als man auf den ersten Blick meinen würde. So ist die Bauweise mit dem leichten Stahl eine direkte Folge der schwierigen Bodenverhältnisse. Gerade Stahl ist ein besonderes Material, das in der Schweiz nicht oft eingesetzt wird. Die Schweiz ist ein Holz- und Betonland – den natürlichen Ressourcen entsprechend. Ein Stahlbau besteht aus vorproduzierten Einzelteilen, die auf der Baustelle zusammengesetzt werden. Damit alles passt, ist im Vorfeld viel Präzision erforderlich. Stahl ist ein strenges Material, er verlangt nach einer durchdachten Systematik, und vielleicht ist er deshalb aus der Mode geraten.

Andy Senn ist es hoch anzurechnen, dass er die Tradition des Ortes weiterführt und wieder Stahl für das Forschungszentrum verwendet – und zwar nicht nur in der Fassade, sondern für die ganze Struktur. Senns Stahl ist nicht mehr roh wie noch vor vierzig Jahren, sondern pulverbeschichtet; er wird also überhaupt nicht rosten. Wer genauer hinschaut, sieht schnell weitere Unterschiede zum Hauptgebäude. Während sein Vorgänger Paul W. Tittel immer die Gebäudeecken mit einer Stahlstütze besetzt und damit markiert, spielt Senn die Ecken frei. Dies lässt den Bau leichter wirken. Die beiden Obergeschosse scheinen über dem zurückversetzten, rundum in Glas eingekleideten Erdgeschoss zu schweben.

Cleveres System
Viele Qualitäten zeigen sich erst im Inneren: der überdeckte, über alle Geschosse reichende Innenhof, der die wahre Höhe des Gebäudes erst offenbart, sowie die innere Erschliessung, die ganz auf diesen Hof ausgerichtet ist. Nochmals andere Leistungen bilden sich im Raum gar nicht ab wie etwa die koordinierte Planung von Architektur, Statik und Haustechnik, die zu einem cleveren System führte, in dem alle Komponenten jederzeit zugänglich und austauschbar sind. Auch das ist Nachhaltigkeit: Dass der Bau bereits für die Zukunft gerüstet ist, nicht unbedingt mit der teuersten Technik, sondern allein mit der Möglichkeit, später andere Technik einbauen zu können. Für die Architektur ist das keineswegs selbstverständlich. So gebührt Andy Senns nüchternem und sachlichem Zweckbau Respekt für ein unaufgeregtes, uneitles Gebäude, das sich nahtlos in ein bestehendes System einfügt und doch eine zeitgemässe Eigenständigkeit entwickelt. Vor allem will es nicht mehr sein als es ist: ein Gebäude im Dienst der Bildung.

Bilder: Michel Canonica

Zeitungsartikel

Architektur im Film – Andermatt – Global Village

Einführung durch Leonidas Bieri, Regisseur, Zürich

Di 16. Februar 2016, 20 Uhr im Kinok

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Ein ägyptischer Geschäftsmann kauft eine Talschaft im Herzen der Schweiz. Die Dorfbevölkerung hofft auf Investitionen und bessere Zeiten. Widerspenstige Bauern werden charmant ausgebootet, dann kommen die Bagger und stampfen ein Luxusressort für den internationalen Jetset aus dem Boden. Das ist die Geschichte von Andermatt, einem Bergdorf in der Krise, erweckt aus dem Dornröschenschlaf durch einen milliardenschweren Kuss, welcher Heimat und Hoffnung zur handelbaren Ware macht.

Leonidas Bieri / CH, 2015, O/d-e-f, 90min

Zum Trailer

Weitere Vorführungen: Mi 24. Feb 18.30 Uhr, So 28. Feb 10.30 Uhr
Eintritt 15.– / Mitglieder AFO 10.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus
fsb
konkurado

Einladungskarte Februar

AFO@Zeughaus Teufen – Ausstellung „Constructive Alps“

Köbi Gantenbein, Chefredaktor Hochparterre, Zürich und René Bechter, Architekt, Bregenz

Mo 15. Februar 2016, 19.30 Uhr im Zeughaus Teufen

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  • 2016-01-27 17.34.56
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Der Jurypräsident Köbi Gantenbein wird in das Projekt „Constructive Alps“ einführen, der Architekt René Bechter aus Bregenz stellt das Siegerprojekt vor. Die Ausstellung würdigt und prämiert 32 von 360 eingereichten Sanierungs- und Neubauprojekte im Alpenraum, welche ökologisch, baukulturell, gesellschaftlich und ökonomisch als vorbildlich betrachtet werden.

Ausstellung „Construtive Alps“

31. Januar bis Sonntag, 21. Februar 2016 im Zeughaus Teufen
Öffnungszeiten
14–17 Uhr Mittwoch, Freitag, Samstag
14–19 Uhr Donnerstag
12–17 Uhr Sonntag
oder nach Vereinbarung

www.constructivealps.net
www.zeughausteufen.ch

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Im Wandel – Die Gesellschaft im Umbruch

Karin Frick, Ökonomin und Zukunftsforscherin, Gottlieb Duttweiler Institut, Rüschlikon

Mo 1. Februar 2016, 19.30 Uhr im Forum

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Gesellschaftliche Veränderungen verlaufen nicht linear und nie nur in eine Richtung. Nicht alle Trends entwickeln sich im gleichen Tempo und erzeugen überall die gleiche Wirkung. Sie ziehen manche Menschen an, breiten sich aus, manchmal lawinenartig, stossen andere ab und provozieren Gegenreaktionen. Gesellschaftliche Entwicklungen entfalten sich aus der Wechselwirkung von gegensätzlichen Kräften, die zusammenprallen.
Der Vortrag gibt einen Einblick in die Dynamik von gesellschaftlichen Veränderungen im Spannungsfeld von Megatrends und Gegentrends. Zum Beispiel: Zum einen wird das Individuum mit seinen je persönlichen Vorlieben die wichtigste Instanz, auf die sich alle Entscheidungen und Angebote ausrichten müssen. Zum anderen suchen Menschen wieder vermehrt nach Gemeinschaften, die ihnen Halt und Orientierung bieten. Zum einen wird der mobile, flexible und kreative Mensch, der stets zur Arbeit bereit und immerzu erreichbar ist, zur Leitfigur der globalen Echtzeit-Gesellschaft. Zum anderen suchen Menschen vermehrt wieder nach dauerhaften Werten, nach „ehrlichen“, „ursprünglichen“ und „langsamen“ Produkten und Dienstleistungen. Zum einen können wir die Welt und das Leben immer besser vermessen, analysieren und optimieren. Entscheidungen werden von Algorithmen vorausgedacht und vorhergesagt. Zum anderen wächst die Sehnsucht nach Gefühl und ursprünglicher Natur. Die Macht der Intuition wird wiederentdeckt.

Mehr über Katrin Frick

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte Februar

Im Wandel – Ausstellung The R.C. Dutt Road

Jacqueline Kissling, Architektin und Landschaftsarchitektin, Rorschach
Tushar Desai, Architekt, London

Vernissage: Do 7. Januar 2016, 18.30 Uhr im Forum, Einführung durch Werner Binotto, Kantonsbaumeister, St.Gallen Finissage: Do 4. Februar 2016, 18.30 Uhr im Forum

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Vadodara, einst industrielle Metropole im indischen Bundesstaat Gujarat, erfährt einen den gesamten Subkontinent erfassenden, rasanten strukturellen Umbruch.
Eine der Hauptverkehrsachsen der Stadt ist die Race Court Dutt Road, die auch den Bahnhof erschliesst. Die Strassenführung überlagert zum Teil die ehemalige Pferderennbahn, deren elliptische Form in aktuellen Luftbildern noch gut zu erkennen ist.
Quartiere, die an diese Einfallstrasse angrenzen, waren durch markante Gebäude aus verschiedenen Epochen und Residential Societies geprägt. Ein Netzwerk aus grosszügigen Gärten, Parkanlagen und Hofsituationen artikulierte die urbanen Überbauungen und deren soziale Räume.
Viele dieser ehemaligen Wohnhäuser sind seit Langem ungenutzt. Unterhalten oder restauriert werden nur noch wenige Liegenschaften. Steigende Grundstückspreise beschleunigen zudem deren Abriss. Gekoppelt mit stark erhöhten Ausnutzungsziffern verändert sich das etablierte Stadtgefüge unaufhaltsam und angestammte soziale Gefüge werden zusehends verdrängt.
Seit Jahrhunderten prägen Parallelwelten, deren Unausweichlichkeit und das so entstehende übergangslose Nebeneinander den alltäglichen Umgang. Die R. C. Dutt Road steht stellvertretend für die sozio-kulturelle Situation vergleichbarer oszilierender indischer Stadträume: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft finden verdichtet und immer gleichzeitig statt.

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte Ausstellung R.C. Dutt Road

In altem Glanz und mit neuer Nutzung

  • Gutes Bauen in der Ostschweiz, Thema: Umbau Umnutzung der beiden alten Zeughäuser.
  • Gutes Bauen in der Ostschweiz, Thema: Umbau Umnutzung der beiden alten Zeughäuser.
  • Gutes Bauen in der Ostschweiz, Thema: Umbau Umnutzung der beiden alten Zeughäuser.
  • Gutes Bauen in der Ostschweiz, Thema: Umbau Umnutzung der beiden alten Zeughäuser.

In vielen Städten haben sich ehemalige Zeughäuser als Orte der Kultur etabliert, so auch in Teufen und in Herisau. Die Anpassung dieser zwei klassizistisch-monumentalen Zweckbauten erfolgte mit grosser Sorgfalt.

 

19.12.2015 von Martin Tschanz

 

«Die Hauptbedürfnisse eines Zeughauses bestehen darin, dass es den zur Vertheidigung des Vaterlandes & Aufrechterhaltung der gesezlichen Ordnung nöthigen Waffen Bedarfe sicher (…) aufbewahre.» So begann Felix Kubly 1834 seine «Bemerkungen über den vorzunehmenden neuen Zeughaus Bau in Herisau». Um die Waffen «auch in bewegten Zeiten nicht unruhigen Rotten Preis zu geben», müsse man nahe bei der Behörde bauen, also an einer zentralen Lage, überdies möglichst solide und feuerfest.

Zeughäuser waren also zunächst Lagerhäuser, allerdings solche der besonderen Art. Sie waren nicht bloss Aufbewahrungsorte für militärische Ausrüstungs- gegenstände, sondern auch weithin sichtbare Zeugen für die ungebrochene Stärke der Kantone. Nach der napoleonischen Zeit mit ihrem Streben nach Zentralisierung war dies von besonderer Bedeutung. Auch wenn die Zeughäuser den Charakter eines Zweckbaus nicht verleugnen sollten, war deshalb eine gewisse Monumentalität angebracht.

Der St.Galler Architekt Felix Kubly, der durch seine Studien an der Münchner Akademie, an der Pariser École des Beaux-Arts und schliesslich durch ausgedehnte Reisen nach Italien hervorragend ausgebildet war, vermochte diese Ansprüche bestens zu erfüllen. Er entwarf gut proportionierte, klare Baukörper mit einfachen und regelmässigen Fassaden, die von Rundbogenfenstern geprägt werden. Dabei überliess er nichts dem Zufall. Als in Herisau der Baumeister glaubte, die Pläne nicht ganz ernst nehmen zu müssen, wurde er unter anderem dazu angehalten, die Holzsäulen im ersten Stock wieder herauszureissen und nach den Regeln der Kunst neu zu erstellen. Nun ragen ihre Basen korrekt aus dem Boden heraus und stimmen proportional mit den Kapitellen überein.

Minimale Eingriffe
Die Kombination von repräsentativer Gestalt, guter Lage und grossen, einfachen Räumen machen die Zeughäuser attraktiv für kulturelle Nutzungen. Diese bedingen jedoch gewisse Anpassungen. In Herisau blieben die Eingriffe in die Substanz denkbar einfach und minimal. Eingebaut wurden ein eigens in das Treppenauge eingepasster Aufzug, ein Office im ersten Stock, das auch als Bar dient,  eine Heizung sowie Brandwände, welche die Treppe abtrennen und damit nicht nur der Feuerpolizei Genüge tun, sondern auch den Haupträumen zugutekommen, denen sie eine gewisse Ruhe verleihen. Die Installationen wurden sichtbar geführt und die Materialien ohne veredelnde Oberfläche verarbeitet. So entstanden rohe, robuste Räume, die das Angebot des benachbarten Casinos ideal ergänzen.

Wie sorgfältig der Architekt Paul Knill gestaltete, bemerkt man spätestens, wenn die geöffneten Brandtore bündig in den dafür vorgesehenen Nischen verschwinden. Das kunstvolle Relief, das in die Wand eingelassen ist, vermag neben den toskanischen Säulen durchaus zu bestehen. Die Fassaden wurden sorgfältig restauriert, wobei das kräftige, expressionistische Rot erneuert wurde, das der Bau vermutlich in den 1910er-Jahren erhalten hatte. Der Vertrag von 1835 verlangte zwar eine gräuliche Wasserfarbe, und diese dezente Farbgebung liess das Haus wohl deutlich ruhiger und eleganter in Erscheinung treten als die heutige. Das Rot passt jedoch besser zu der aktuellen Nutzung. Überdies hat es sich längst in die Erinnerung der Bürger eingeschrieben, so dass es zum Stadtbild von Herisau gehört.

Kulturelle Vielfalt statt Kanonen
Auch das wesentlich grössere Artillerie-Zeughaus in Teufen, das 1853 bis 1855 erbaut worden war, fand nach einigen Umwegen zu einer neuen, angemessenen Nutzung. Die riesige, stützenfreie Halle im Erdgeschoss, in der früher Geschütze und Munitionswagen standen, dient heute als Festsaal und Ausstellungshalle. In den eindrücklichen Dachstock, an den die darunter liegenden Decken aufgehängt sind, zog das Grubenmann-Museum ein, so dass die Leistungen dieser grossen Meister der Zimmermannskunst in angemessener Umgebung bewundert werden können. Das mittlere Geschoss schliesslich beherbergt wechselnde Ausstellungen aktueller Kunst und Gestaltung sowie Bilder des Appenzeller Malers Hans Zeller. Mit Ueli Vogt ist ein engagierter Kurator am Werk, dem es gelingt, das ganze Haus mit spannenden Ausstellungen und Veranstaltungen zu beleben. Längst strahlt das Zeughaus Teufen deshalb weit über die Region hinaus aus. Es ist beides: ein Ort der Vermittlung und ein Botschafter für die lebendige Kultur der Region.

Offenheit der Lagerräume
Diese vielfältige Nutzung bedingte grössere Eingriffe in das Baudenkmal als in Herisau. Die Toilettenanlagen, die auch grössere Veranstaltungen verkraften, verbannten die Architekten Ruedi Elser und Felix Wettstein in ein neues Untergeschoss, während sie die Haustechnik und die speziellen, abgetrennten Räume an den Stirnseiten des Gebäudes konzentrierten. Dadurch konnte die Offenheit der ehemaligen Lagerräume weitgehend erhalten bleiben.
Das Haus wurde aber, den Ansprüchen entsprechend, stärker domestiziert als das Zeughaus von Herisau. Sorgfältig aufeinander abgestimmte Farben betonen die neuen Einbauten, und die Heizkörper in den Obergeschossen wurden mit hölzernen Gittern abgedeckt. Die Ausstellungszimmer mit den Ölbildern von Zeller erinnern so geradezu an Wohnräume, passend zu den meist kleinformatigen Werken.

Prachtvolle Stirnseite
Der bedeutendste Eingriff ist allerdings heute nicht (mehr) sichtbar. Das ehemalige Verwalterhaus wurde bis auf den Keller abgebrochen, so dass nun eine Terrasse vor dem Eingang dazu einlädt, den Blick in die Landschaft schweifen zu lassen. Schon den Erbauern des Zeughauses war die umgekehrte Perspektive von der damals neuen Bühler-Strasse aus wichtig. Ursprünglich sollte das Haus deshalb seine Längsfassade nach Süden wenden und so in seiner ganzen monumentalen Grösse in Szene gesetzt werden. Gewichtige praktische und technische Gründe sprachen aber damals dagegen. Nun präsentiert sich immerhin die Stirnseite des Baus wieder in ihrer ganzen Pracht.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Innen, aussen und dazwischen

Hanspeter Schiess

Einfriedungen umfassen das Innere, grenzen das Äussere ab und schaffen Zwischenräume. Auf die Einzäunungen legt die zeitgenössische Architektur Wert, kaum aber auf das Dazwischen. Dabei besässe die Ostschweiz ein bemerkenswertes historisches Vorbild.

 

21.11.2015 von Rahel Hartmann Schweizer

«Es war einmal ein Lattenzaun, mit Zwischenraum, hindurchzuschaun. Ein Architekt, der dieses sah, stand eines Abends plötzlich da – und nahm den Zwischenraum heraus und baute draus ein grosses Haus. Der Zaun indessen stand ganz dumm, mit Latten ohne was herum. Ein Anblick grässlich und gemein. Drum zog ihn der Senat auch ein. Der Architekt jedoch entfloh nach Afri- od- Ameriko.»

Christian Morgensterns berühmtes Gedicht aus den Galgenliedern, erstmals im März 1905 erschienen, hat verschiedene Deutungen erfahren: Es wurde einerseits direkt auf das Bauen bezogen und verstanden als Kritik an der sich im frühen 20. Jahrhundert etablierenden Glasarchitektur. Andererseits wurden die «Latten» mit «Lettern » gleichgesetzt – es wurde vermutet, dass der Dichter auf die Bedeutung der Zwischenräume zwischen den Buchstaben verwies, ohne die die Aneinanderreihung sprachlicher Zeichen unverständlich wäre.

Lattenzäune sind charakteristisch für die Einhegung von Gärten, wie sie Meinrad Gschwend beschreibt, einer der Autoren des 2014 erschienenen Buchs «Bauerngärten zwischen Säntis und Bodensee», des dritten Bands der Reihe «Gartenwege der Schweiz».

St.Galler Klosterplan als Vorbild
«Einen Markstein in der Geschichte der Gartenkunst (auch der bäuerlichen) bildet der Sankt Galler Klosterplan von 816», schrieb der  Gartenhistoriker Hans-Rudolf Heyer im «Mitteilungsblatt für die Mitglieder der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte» 1976. Dabei dürften die Gärten nach der karolingischen Verordnung für die Bewirtschaftung der kaiserlichen Landgüter und Herrenhöfe aus dem Jahr 812, das Capitulare de villis vel curtis imperii, angelegt gewesen sein. Dieses umfasst eine Liste von 73 Blumen, Kräutern, Gemüse- und Obstpflanzen sowie 16 Bäumen. Die Grundstruktur aus Gemüsen, Gewürzpflanzen, Blumen und Obst überliefert sich im Bauerngarten – teilweise bis heute.

Ursprünglich wird der Garten nicht nur von einer Einfriedung gefasst. Diese ist auch gleichsam seine Raison d’etre. «Garten» leitet sich etymologisch nämlich von den Gerten (Weiden- oder Haselnussruten) ab, mit denen ein Gelände umzäunt wurde.

Appenzellische Gartenkultur
Im Appenzellischen bildete sich zwischen 1817 und 1850 – nicht zuletzt aufgrund der Textilfabrikation – eine eigene Gartenkultur heraus, die sich teilweise bis heute bewahrt hat. Ihr Merkmal sind – neben dem sogenannten «Strussgstell» (eine Art Schaukasten vor dem Stubenfenster mit Blumen und Kräutern) – der «Trüeter» (Spalier an der Frontseite) und der Wetterbaum, der zum Schutz des Hauses vor Unwettern dient. Das ist ein frei stehendes Geviert, in dem Gemüse und Nutzpflanzen gezogen wurden. Eine kolorierte, um 1840 entstandene und mit «An der Wolf-Halden» betitelte Aquatintaradierung von Bernhard Freuler vermittelt eine Vorstellung einer solchen Einhegung. Diese wurde immer in Distanz zum Haus plaziert, um zu verhindern, dass die Pflanzen die Kellerräume verschatteten, in denen gewebt wurde.

Terrassierung in Rebbergen
Im Hintergrund der Radierung öffnet sich der Bodensee, zu dem der Blick über den im Zentrum abgebildeten Buechberg schweift. Auch er zeichnete sich einst durch eine besondere Art der Einfriedung aus, und zwar durch die Terrassierung für den ebenfalls vom Kloster St.Gallen geförderten Rebbau. Dass man diese Trockenmauern heute wieder bestaunen kann, ist einem Zusammenschluss von Leuten zu verdanken. Sie ergriffen im Jahr 2003 die Initiative, sie instand zu stellen, um gleichermassen eine nachhaltige Rebberg-Bewirtschaftung zu verfolgen, wie Lebensraum für die bedrohte Flora und Fauna zu schaffen. Beteiligt an Sanierung und Wiederaufbau der 110 erfassten Mauern aus roh gespaltenen Steinen aus Rorschacher Sandstein sind unter anderem Vertreter der Gemeinde Thal, der Grundeigentümer, der Weinbauern und des lokalen Naturschutzvereins.
Die zeitgenössische Interpretation findet sich in den Stützmauern aus Drahtschotterkörben im Friedhof Wilen, den Paul Rutishauser  Landschaftsarchitektur 2003 zu einer modernen Adaption des klösterlichen Baumhains umgestaltete.

KVA Winterthur hinter Gitter
Den Draht mythologisch-religiös aufgeladen hat das Team um die Künstlerin Katja Schenker, Schweingruber Zulauf Landschaftsarchitekten und pool Architekten bei ihrer Umzäunung der KVA Winterthur. Deren 2014 realisierte, 210 Meter lange und
3,5 Meter hohe Einfassung besteht aus verformten Bewehrungsstahlgittern. «Kerberos» war der Titel des 2011 gekürten Wettbewerbsprojekts – in Anspielung an den Höllenhund, der in der griechischen Mythologie den Eingang zur Unterwelt bewacht, und die christliche Deutung der Hölle als Feuerschlund.

Qualität des Zwischenraums
Und der Zwischenraum, dessen Bedeutung Morgenstern so trefflich illustrierte? – Viel Aufmerksamkeit wird den Umfassungen geschenkt. Aber was ist mit dem Raum, der die Beziehung zwischen diesen zu Körpern angeordneten Einfriedungen – seien es Häuser oder Gärten – definiert? Auf der erwähnten Aquatintaradierung bilden das Haus rechts und der Garten mit Wetterbaum links den Rahmen für das Panorama. In der zeitgenössischen Architektur definiert sich der Zwischenraum zu oft nur als Grenzabstand.
Es würde sich lohnen, wieder einmal einen Blick auf den St.Galler Klosterplan zu werfen, der nicht nur von der Kunst der Gestaltung der Einfriedungen zeugt, sondern auch von der Sensibilität für die räumliche Qualität des Dazwischen. Die im Frühling 2014 edierte und mit einem Begleitheft versehene neue Faksimileausgabe des Plans illustriert das in Wort und Bild augenfällig.

 

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Architektur im Film – Andermatt – Global Village

Mi 24. Februar 2016, 18.30 Uhr im Kinok

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Ein ägyptischer Geschäftsmann kauft eine Talschaft im Herzen der Schweiz. Die Dorfbevölkerung hofft auf Investitionen und bessere Zeiten. Widerspenstige Bauern werden charmant ausgebootet, dann kommen die Bagger und stampfen ein Luxusressort für den internationalen Jetset aus dem Boden. Das ist die Geschichte von Andermatt, einem Bergdorf in der Krise, erweckt aus dem Dornröschenschlaf durch einen milliardenschweren Kuss, welcher Heimat und Hoffnung zur handelbaren Ware macht.

Leonidas Bieri / CH, 2015, O/d-e-f, 90min

Zum Trailer

Weitere Vorführung: So 28. Feb 10.30 Uhr
Eintritt 15.– / Mitglieder AFO 10.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Veranstaltungssponsor:
Domus
fsb
konkurado

Jahresthema 2016

Im Wandel

Wir alle sind Kinder unserer Zeit: Was heute brandheiss ist, kann morgen schon längst vorbei sein. Und sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, ist der erste Schritt, im unerbitterlichen Strom der Zeit ins Hintertreffen zu gelangen.
Und dennoch: Es gibt Dinge, die überdauern die Zeit. Doch was macht das Wahre, Gute und Schöne aus? Was bleibt über den Tag hinaus bestehen? Welchen Eintagsfliegen haben wir schon im Laufe der Jahre verwundert nachgeschaut? Welches alteingesessene Büro hat nicht seine postmodernen Leichen im Keller?
Das Architektur Forum Ostschweiz stellt sich im 20. Jahr seines Bestehens – auch in Bezug auf sich selbst – die Frage nach dem Wandel. Den Veränderungen, denen der Beruf unterworfen ist, den Strömungen der Moden und des Zeitgeistes und den ständig wechselnden Herausforderungen in Gesellschaft und Profession. Denn das Rad bleibt niemals stehen. Oder wie Karl Valentin schon festgestellt hat: «Früher war alles besser – auch die Zukunft».