Architektur Forum Ostschweiz

Monatsarchive: September 2015

ArchitekTour

Kroatien

Mi 16. September – Mo 21. September 2015

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Die diesjährige ArchitekTour führt uns in ein vergessenes Wunderland der Moderne. Beflügelt vom Glauben an den Fortschritt wurde im sozialistischen Jugoslawien nach dem 2. Weltkrieg die moderne Architektur zu einer zentralen Repräsentationsform des jungen Bundesstaates. Spuren der gewaltigen Modernisierung der 50er bis 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts prägen bis heute die Städte und zeugen von einem goldenen Zeitalter für Architekten und Städteplaner. Daneben existieren in ihrer Art einmalige, monumentale Gedenkstätten an abgelegenen Orten, die nach dem Zerfall des Vielvölkerstaates ihre Bedeutung verloren haben und heute in Vergessenheit zu geraten drohen.
Unsere Reise beginnt in Zagreb, wo sich beispielhaft die Entwicklungen der Moderne und ihre städtebaulichen Konsequenzen erfahren lassen. Sie führt uns zum verfallenen Monument auf Petrova Gora. Es ist das grösste seiner Art und einzigartig in der Verschmelzung von Architektur und Skulptur. Wir sehen zwei der architektonisch bedeutendsten Hotelbauten der Zeit um 1970, welche in ihrer Unterschiedlichkeit von der vitalen Architekturdiskussion dieser Zeit zeugen.
Schliesslich besuchen wir die Küstenstadt Rijeka, die unter dem Einfluss von Österreich, Ungarn, Italien, Jugoslawien und Kroatien den Charme einer kleinen Weltstadt entfaltet. Begleitet werden wir auf der Reise von Architekten und Forschern aus der Region, die uns manchen Blick hinter die Kulissen ermöglichen.

Das Detailprogramm ist in Bearbeitung und wird den Teilnehmern bei der Abreise abgegeben. Teilnehmerzahl min. 18, max. 25 Personen. Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt. Versicherung und ggf. Reiserücktrittsversicherung sind Sache des Teilnehmers. Änderungen bleiben vorbehalten.

Kosten Mitglieder 950.–* / Nichtmitglieder 1‘050.–*
* Inklusive Fahrt mit dem Nachtzug ab St. Gallen mit Halbtax (4er/6er Liegeabteil je nach Verfügbarkeit), Abfahrt Mi 16. September
2015, 20.39 Uhr, Ankunft Mo 21. September 2015, 9.20 Uhr, 3 Übernachtungen mit Frühstück in Hotels*** im DZ (EZ-Zuschlag: 150.–), Führungen und Eintritte. Vor Ort Beförderung mit Komfortreisecar. Eine Hauptmahlzeit pro Tag im Preis inbegriffen. Mitgliederpreis ohne Halbtax: 980.–, mit GA: 920.–

Mitgliedschaft Architektur Forum Ostschweiz
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Anmeldung mit vollständigen Angaben (s. Anmeldekarte unten) bis 17. Mai 2015 an info@nulla-f-o.ch oder per Fax an 071 223 49 74

Den Berg in Szene setzen

  • Guten Bauen Ostschweiz. Erweiterung und Neubau Bergstation und Restaurant Chäserrugg der renommierten Basler Architekten Herzog und de Meuron. Das Gipfelrestaurant ist ein Holzbau.
  • Guten Bauen Ostschweiz. Erweiterung und Neubau Bergstation und Restaurant Chäserrugg der renommierten Basler Architekten Herzog und de Meuron. Das Gipfelrestaurant ist ein Holzbau.
  • Guten Bauen Ostschweiz. Hans Peter Schiess
  • Guten Bauen Ostschweiz. Erweiterung und Neubau Bergstation und Restaurant Chäserrugg der renommierten Basler Architekten Herzog und de Meuron. Das Gipfelrestaurant ist ein Holzbau.

Das Gipfelgebäude auf dem Chäserrugg von Herzog & de Meuron ist ein kleines Meisterwerk. Das Holzhaus zeigt exemplarisch, was Architektur auf dem Berg zu leisten vermag – abseits von Attraktionen wie Rodelbahnen oder Murmeltierparks.

 

15. August 2015 von  Martin Tschanz

 

Für einen Architekten ist es reizvoll, eine Gipfellandschaft zu gestalten und dabei Kultur und Natur durch ein Gebäude miteinander in Beziehung zu setzen. Trotzdem sind gelungene Bergstationen, die von Architekten gestaltet worden sind, selten. Die technischen, betrieblichen und nicht zuletzt die ökonomischen Anforderungen sind bei dieser Bauaufgabe äusserst hart.

Berghäuser sind nicht nur Maschinen der Seilbahntechnik, sondern auch der effizienten Gästebewirtschaftung, zumal wenn im Winter Skifahrer bedient werden sollen. Sie müssen extremen klimatischen Bedingungen trotzen, Stürmen und Schneeverwehungen ebenso wie grosser Hitze. Und nicht zuletzt ist der Bauprozess aufgrund der teuren und komplizierten Materialtransporte und der naturgegebenen kurzen Zeitfenster, die zur Verfügung stehen, äusserst anspruchsvoll.

Eigenheiten des Bergs nutzen
Wenn Berghäuser überwiegend technisch-pragmatisch gebaut werden, liegt das aber auch an Bauherren, die sich nicht vorstellen können, dass Architektur mehr zu leisten vermag, als spektakulär und teuer zu sein. Das Berghaus auf dem Chäserrugg beweist nun aber genau das. Es nutzt geschickt die Eigenheiten des Bergs, so dass dieser selbst zu einem intensiveren Erlebnis wird. Architektur ist hier nicht bloss eine Attraktion auf dem Berg und damit in derselben Rolle wie jene unsäglichen Rodelbahnen oder Murmeltierparks, mit denen die Touristikexperten die Gipfel bestücken und oft genug auch verunstalten.

Das Haus geht vielmehr eine Symbiose ein mit dem Berg, den es für den Besucher ins Werk setzt. Dass es dabei auch als Baukunst attraktiv ist, kommt erst in zweiter Linie dazu. Herzog & de Meuron verlängerten die bestehende Seilbahnstation um Küche und Nebenräume. Die neue Gaststube  schlossen sie im rechten Winkel dazu an, so dass sie als langer, schmaler Raum längs auf jenem Rücken zu liegen kommt, der dem Berg seinen Namen gegeben hat.

Auf dem Berg verankert
Dadurch entstand eine T-förmige Anlage, in der die lange, bis ins Tal hinunter führende Linie der Seilbahn zu einem präzisen Abschluss findet. Ein mächtiges Satteldach legt sich wie eine schützende Hand über das Ganze. Als würde es sich am Grat festhalten, verankert es das Haus und damit die ganze Bahn auf dem Berg. Gleichzeitig begleitet es den Weg des Besuchers über die Kuppe hinweg und macht so die asymmetrische Form des Berges erlebbar.

Wenn man die Gondel und den stählernen Bereich der Bahnstation verlässt, findet man sich in einer hölzernen Welt wieder. Von einer hohen, geschützten Vorhalle aus kann man den Berg betreten und im Winter die Piste in Angriff nehmen. Oder man folgt der Richtung von Raum und Dach und betritt das Restaurant.

Der Raum führt das Auge
Die lange oder vielmehr unendlich breite Gaststube wirkt mit ihren verglasten Stirnseiten wie ein optisches Instrument, das die breit gelagerte Ausdehnung des Berges in Szene setzt. Zunächst wird der Blick allerdings quer durch den Raum geführt. Das tief nach unten gezogene Dach lenkt die Aufmerksamkeit auf die verglaste Breitseite und über die vorgelagerte Terrasse hinweg nach unten, in Richtung Walensee. Die hohe Rückwand auf der gegenüberliegenden Seite gibt dem Raum den notwendigen Rückhalt. In den tiefen Nischen, die in sie eingelassen sind, geht der Ausblick gelenkt und von einem Fenster gerahmt in Richtung Alpstein. Die Gaststube öffnet sich also nach allen vier Himmelsrichtungen, allerdings nicht als Rundum-Panorama, sondern indem sie jede Seite ihrem Wesen gemäss in Szene setzt.

Obwohl der grosse Raum nur wenig gegliedert ist, wirkt er nicht mächtig. Die kräftige Holzkonstruktion schafft einen vertrauten, kleinmassstäblichen Rhythmus und sorgt dafür, dass die Raumtiefe prägender bleibt als die Länge. Überdies bieten die intimen Separees, in denen je ein grosser Tisch Platz findet, eine willkommene Rückzugsmöglichkeit – und doch bleibt alles unter einem Dach. Das schafft eine einzigartige Atmosphäre von Grosszügigkeit und Gemütlichkeit zugleich. Obwohl nur wenig an traditionelle Hütten erinnert, entsteht jenes Gefühl von Zusammengehörigkeit, das für Berghäuser charakteristisch ist.

Dazu passt das solide und praktische, aber auch elegante Mobiliar. Herzog & de Meuron haben das Haus ohne Betriebsunterbruch der Seilbahn gebaut und die Materialien fast ausschliesslich mit dieser auf den Berg gebracht. Das war möglich, weil sie die bestehende Station in den neuen Holzbau integriert haben. Dieser spricht eine verständliche Sprache. Man sieht, wie die hölzernen Stützen auf Sockeln stehen und die Balken tragen, auf denen sekundäre Träger und das Dach aufliegen, und die betonierte Bodenplatte ragt gerade so weit heraus, als sie deutlich macht, dass auf 2262 Metern über Meer eine horizontale Fläche keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ein aufwendiges Konstrukt. Selbst wenn an den Spitzen des Daches die Sparren nur einseitig aufliegen und damit zeigen, dass das Tragwerk doch nicht völlig konventionell ist, glaubt man doch, die Konstruktion zu verstehen.

Sprechende Konstruktion
Ein Sockel, ein Dach, ein Haus. Die Dinge sind hier auf beruhigende Weise, was sie sind. Das heisst nun aber nicht, dass sie nicht auch über sich hinaus weisen würden. Das grosse, bergende Dach zum Beispiel erinnert mit seinen Aufbauten von oben betrachtet an die mächtigen Schindeldächer der Waadtländer Alpen. Von unten jedoch sieht man einen weit ausgebreiteten Flügel, leicht und offen, als wolle er den Gleitschirmen Konkurrenz machen. Oder jene Einschnitte in der Wand, durch welche die Kabinen in das Haus hinein fahren: Sie zeichnen klar und verständlich die technische Form der Gondel-Aufhängungen nach.

Und doch erinnert ihre prägnante, symmetrische Gestalt auch an die Klanglöcher eines Musikinstruments, so dass plötzlich ein gewaltiges Instrument zu sehen ist, mit den Kabeln als ungeheuer weit gespannte Saiten. Ein leiser Gruss an das nächste wichtige Projekt der Region, das Klanghaus Toggenburg am Schwendisee.

 

Bilder: Hanspeter Schiess

Struktur und Raum – The Missing Link – von der Reintegration des Städtebaus in die Praxis der Transformation der Stadt

Carl Fingerhuth, Architekt, Zürich

Mo 7. Septmeber 2015, 19.30 Uhr im Forum

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Städte sind wie Bücher. Sie erzählen Geschichten. Jeden Tag entstehen neue Bücher, die vom Jetzt berichten. Sie helfen uns das Jetzt zu verstehen und mit ihm zu leben. Damit wir die Bücher lesen können brauchen wir eine Sprache. Diese besteht aus Wörtern und Sätzen, der Orthographie und der Syntax. Wörter sind flüchtig, oft mehrdeutig und werden immer wieder neu geschaffen. Die Syntax muss stabil sein, damit wir uns verstehen. Ich liebe Dich. Liebe ich Dich? Dich liebe ich! – dreimal die gleichen Worte mit veränderter Syntax und es entstehen drei verschiedene Mitteilungen.
Auch Städte erzählen Geschichten. Die Geschichten der Stadt werden immer wieder neu interpretiert. Jeden Tag entstehen neue Geschichten, die vom Jetzt berichten. Sie helfen uns die Stadt zu verstehen und mit ihr zu leben. Die Wörter der Stadt sind die Häuser, die Strassen, die Plätze und die Gärten. Die Syntax der Stadt ist die Art und Weise wie diese zusammenwirken. Aus diesem Zusammenspiel entsteht die Identität, die Atmosphäre und die Funktionalität der Stadt. Die Häuser können fast immer ohne Schaden ausgetauscht werden. Bei der Syntax müssen wir sehr sorgfältig sein. Um das Spiel von Kontinuität und Veränderung zu konkretisieren braucht die Stadt Wörter und Syntax – Architektur und Städtebau.

www.fingerhuth.com

Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte September