Architektur Forum Ostschweiz

Monatsarchive: Februar 2015

Architektur im Film: Die Böhms – Architektur einer Familie

Einführung Maurizius Staerkle Drux, Regisseur, Zürich

Di 17. Februar 2015, 20 Uhr im Kinok

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Gottfried Böhm gilt als einer der wichtigsten Architekten Deutschlands. Auch drei seiner Söhne sind Architekten geworden. Inzwischen 94 Jahre alt, arbeitet Gottfried noch täglich an Bauprojekten. Als Elisabeth, Gottfrieds Ehefrau und wichtigste Inspiration, stirbt, wird die Familie ihres emotionalen Mittelpunkts beraubt. Gottfried Böhm begibt sich auf eine Reise zu den wesentlichen Stationen seines Lebens. Ein faszinierendes Familienporträt über die Untrennbarkeit von Liebe, Glaube, Tradition und (Bau-)Kunst.

Maurizius Staerkle Drux D, 2014, D 84‘
www.cineworx.ch/movie/die-bohms-architektur-einer-familie/

Weitere Vorführungen: Fr 20. Feb 17.30 Uhr, So 22. Feb 11 Uhr,
Di 24. Feb 18 Uhr, Sa 28. Feb 15.30 Uhr
Eintritt 15.– / Mitglieder AFO 10.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Einladungskarte Februar

Veranstaltungsponsoren DomusJansen

Raum und Struktur – Konstruktive Strategien der Schule von Solothurn

Jürg Graser, Architekt, Zürich

Mo 2. Februar 2015, 19.30 Uhr im Forum

Arazebra_Biel

Über die Jahrzehnte war die «Die Schule von Solothurn» oder das, was vager als «Jura- Südfuss» apostrophiert wurde, eher ein Mythos als eine fest umrissene Vorstellung. Umso mehr ist nun die umfassende Darstellung zu begrüssen, die Jürg Graser aufgrund akribischer Forschung und mit präzisen architektonischen Analysen vorgelegt hat. Erst jetzt wird deutlich, dass sich hier eine konsequente, systematisch ausgerichtete moderne Architektur ihren eigenen, helvetischen Weg bahnte und dabei eine erstaunliche Vielfalt entwickelte.
Die Publikation «Gefüllte Leere» rückt dies ins richtige Licht und erlaubt aus zeitgenössischer Perspektive eine Neubewertung dieses wichtigen Beitrags zur Schweizer Nachkriegsarchitektur. Die wichtigsten Werke verbinden in einer beeindruckenden Synthese Struktur und Raum und haben bis heute nichts von ihrer Kraft und Eleganz eingebüsst. Nicht zuletzt bieten sich die Bauten der «Schule von Solothurn» in der auf die «steinerne Stadt» fokussierten Architekturdebatte als alternatives Denkmodell an, an das anzuknüpfen was lohnenswert ist.
Ausserdem werden ausgewählte Fotografien von Andrea Helbling, Arazebra, zur «Schule von Solothurn» gezeigt.

www.graser.ch
www.arazebra.ch
Eintritt 10.– / Mitglieder gratis

Einladungskarte Februar

Eine Brücke als Bühne

  • Gutes Bauen Ostschweiz: Letzte Rheinholzbrücke als Verbindung Sevelen - Vaduz.
  • Gutes Bauen Ostschweiz: Letzte Rheinholzbrücke als Verbindung Sevelen - Vaduz.
  • Gutes Bauen Ostschweiz: Letzte Rheinholzbrücke als Verbindung Sevelen - Vaduz.
  • Gutes Bauen Ostschweiz: Letzte Rheinholzbrücke als Verbindung Sevelen - Vaduz.
  • Gutes Bauen Ostschweiz: Letzte Rheinholzbrücke als Verbindung Sevelen - Vaduz.

Die zwischen in den Jahren 2009/10 instand gesetzte Brücke zwischen Vaduz und Sevelen ist nicht nur ein Zeuge innovativen Holzbrückenbaus im 19. Jahrhundert, sondern bietet bei der Überquerung mit einer subtil austarierten Lichtinstallation auch ein szenografisches Erlebnis.

 

24. Januar 2015 von  Rahel Hartmann Schweizer

 

Es ist ein bühnenreifes Schauspiel, das sich dem Spaziergänger bietet, der den Rhein nach dem Einnachten über die alte Holzbrücke zwischen Vaduz und Sevelen passiert: Wie auf einer Theaterbühne schält sich aus dem Dunkel am andern Ende der Passerelle eine schwarze Silhouette, ein Stirnlicht hebt und senkt sich. Im Lichtschein, der die Gestalt wie eine zweite Haut einhüllt, nähert sie sich bis ihr Widerschein mit demjenigen verschmilzt, der einen selber umgibt. Die Szenerie verdankt sich einer ausgeklügelten, interaktiven Lichtinstallation. Dieses trägt dem Sicherheitsbedürfnis Rechnung, ohne aufdringlich zu sein. Die Lichtinsel begleitet den Spaziergänger, die Velofahrerin, den Reiter und die Joggerin diskret, gleichsam wie ein «Schatten». Sobald jemand die Brücke betritt, wird der Innenraum der Brücke in das sanfte Licht einer Grundbeleuchtung getaucht; die erste Leuchte scheint heller auf. Bewegt sich die Person nun über die Brücke, wird der Sensor der zweiten Leuchte aktiviert und die Geschwindigkeit der Bewegung errechnet, sodass die Leuchten im Rhythmus der die Brücke passierenden Person nach und nach eingeschaltet werden. Begegnen sich Personen, verschmelzen die Lichtinseln miteinander. Zur innenräumlichen Lichtstimmung gesellt sich die ebenfalls mit LED-Leuchten erzielte Aussenwirkung. Diese sind in die Laibungen der Fenster auf der Südseite eingelassen und werfen ein Streiflicht auf die Lamellen, das die halb verschatteten Öffnungen von aussen, wie Lampions erscheinen lässt. Der Eingriff ist subtil und  sensibel ist nicht nur das Beleuchtungskonzept, das den Passanten ein Erlebnis ohne aufdringliche Effekthascherei bietet und vormacht, wie grandiose Lichtstimmung erzeugt werden kann, ohne die Lichtverschmutzung anzuheizen. Auch die Instandsetzung der Brückenkonstruktion zeugt von Behutsamkeit.

Jahrzehntelang einzige Verbindung
Insgesamt 17 gedeckte Holzbrücken führten einst zwischen Reichenau und dem Bodensee über den Rhein. Die 136 Meter lange Verbindung zwischen Vaduz und Sevelen reihte sich als letzte in diese Perlenschnur. 1981 stellte sie die Regierung des Fürstentums Liechtenstein unter Denkmalschutz. Bis dahin hatte sie bereits eine wechselvolle Geschichte durchlebt. Ihre Entstehung 1870/71 verdankt sie der Eindämmung des Rheins. Bevor dessen Lauf gebändigt wurde, konnte er nur durch Furten passiert werden, oder man liess sich mit der Fähre übersetzen. Das 1875 um 1.50 Meter angehobene Bauwerk war um 1900 in so desolatem Zustand, dass es bis auf die Jochständer zurückgebaut und, wiederum um 1.50 Meter erhöht, neu erstellt werden musste – unter Wahrung der originalen Bauweise. Repariert wurde die Brücke 1930 und 1956, instandgesetzt 1988/1989. Zu diesem Zeitpunkt, nach der Einweihung der flussaufwärts errichteten Betonbrücke 1975, war die in die Jahre gekommene Vorgängerin nicht mehr die einzige unmittelbare Verbindung zwischen Vaduz und Sevelen, als die sie während über 70 Jahren gedient hatte. Notabene war sie so dimensioniert, dass Fahrzeuge nur in jeweils einer Richtung passieren konnten, da die Fahrbahn ursprünglich nicht mehr als 2.40 Meter breit war (1956 wurde sie auf 2.90 Meter erweitert). Die Nutzlast betrug um 1900 rund 3.5, ab 1930 sechs Tonnen.

Patente Konstruktion
Bis heute unverändert ist der Kern der Brücke: die Konstruktion. Diese basiert auf dem Einsatz von Howe’schen Trägern. Der als doppeltes Howe’sches Fachwerk ausgebildete Kastenträger erstreckt sich über sechs Felder und besteht aus Unter- und Obergurt, vertikalen Zugstangen aus Stahl und diagonalen Verstrebungen. Der Clou der Konstruktion ist die Kombination von diagonalen Druckgliedern aus Holz mit senkrechten Zuggliedern aus Metall, womit der US-amerikanische Ingenieur William Howe insofern ein innovatives Prinzip erfunden hatte, als er mit der 1840 patentierten Lösung den Übergang von Holzfachwerken zu Stahlfachwerken einläutete. Gemeinhin wird von einer rund 30jährigen Geschichte des Trägers gesprochen, d. h. im Jahr 1870, in dem der Übergang Vaduz-Sevelen gebaut wurde, neigte sich diese bereits ihrem Ende zu. Allerdings wurden auch danach noch etliche Brücken dieser Bauart erstellt – auch in der Schweiz.

Die Konstruktionsart ist es denn auch, die der Brücke ihren Schutzcharakter verleiht – wohingegen das Dach, die seitlichen «Schutzschirme» und die Fahrbahn schon zur Erstellungszeit als Verschleissteile gehandhabt wurden. Entsprechend wurden bei der jüngsten Instandsetzung nur punktuell Eingriffe in das noch gut erhaltene Fachwerk vorgenommen. Das Dach aber, dessen Eindeckung 1930 durch Eternit ersetzt worden war, wurde wieder mit Schindeln eingedeckt. Originalgetreu in Lärchenholz wurde auch der Witterungsschutz auf der Nord- und der Südseite ausgebildet. Nicht wieder hergestellt wurde hingegen das ursprüngliche Lichtband zwischen Holzverschalung und Dachvorsprung, das 1930 zur Verbesserung des Schutzes des Tragwerks geschlossen worden war.

Fundamente in Beton statt Holz
Der massivste Eingriff war an den Fundamenten vonnöten und zwar vor allem aus zwei Gründen. Zum einen wurde ihre Konstruktion im Laufe der Zeit verunklärt. So waren die 1870 erstellten fünf Pfeiler aus Eichenholz mehrmals erhöht worden. Und, weil die Eichenpfähle mittels derer die Brücke im Flussgrund verankert war, durch die Absenkung der Sohle zum Vorschein kamen und Gefahr liefen zu verfaulen, waren sie 1970 durch eine provisorische Stahlkonstruktion ersetzt worden. Zum andern beengen die fünf Abstützungen den Durchfluss, was zum Schutz vor Hochwasser für eine schlankere Ausbildung der Fundamente sprach. Erneuert wurden daher sowohl die Pfeiler, als auch die Sockel, die nun aus Beton bestehen. Wie einst, als dem Rhein ein festes Bett geschaffen wurde, musste der Fluss für diese Arbeiten umgeleitet werden, wenn auch nur partiell und temporär. Trotz dieses aufwendigen Prozederes gelang es, die auf knapp 3.5 Millionen Franken veranschlagten Kosten um rund 10 % zu unterschreiten.

Bilder: Hanspeter Schiess

Von der Bronx St. Gallens zum begehrten Quartier

  • Serie 'Gutes Bauen Ostschweiz' zum' Lachen-Quartier'. Vonwil-Park (Backsteinhäuser), Alte Seifenfabrik an der Zürcher Strasse (Bauhaus-Moderne), Gerbestrasse (Beton-Blöcke), altes Schulhaus Lachen als Rock- und Pop-Zentrum, Militärkantine (Riegelbau).
  • Serie 'Gutes Bauen Ostschweiz' zum' Lachen-Quartier'. Vonwil-Park (Backsteinhäuser), Alte Seifenfabrik an der Zürcher Strasse (Bauhaus-Moderne), Gerbestrasse (Beton-Blöcke), altes Schulhaus Lachen als Rock- und Pop-Zentrum, Militärkantine (Riegelbau).
  • Serie 'Gutes Bauen Ostschweiz' zum' Lachen-Quartier'. Vonwil-Park (Backsteinhäuser), Alte Seifenfabrik an der Zürcher Strasse (Bauhaus-Moderne), Gerbestrasse (Beton-Blöcke), altes Schulhaus Lachen als Rock- und Pop-Zentrum, Militärkantine (Riegelbau).
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  • Serie 'Gutes Bauen Ostschweiz' zum' Lachen-Quartier'. Vonwil-Park (Backsteinhäuser), Alte Seifenfabrik an der Zürcher Strasse (Bauhaus-Moderne), Gerbestrasse (Beton-Blöcke), altes Schulhaus Lachen als Rock- und Pop-Zentrum, Militärkantine (Riegelbau).

Lachen war für St. Gallen jahrzehntelang eine Problemzone. Seit geraumer Zeit wird das architektonische und städtebauliche Potenzial des Gebiets wiederentdeckt.

 

13. Dezember 2014 von  Gerhard Mack

 

Ein Paar wäscht sein Auto. Kinder spielen zwischen Häuserreihen. Beim Kebab verlädt man gerade Ware. Frauen schleppen Einkaufstüten aus Denner und Migros. Das Helvetia hat Schweizer Fähnli dekoriert. Junge Männer in Trainern stehend rauchend beisammen. Ein ganz gewöhnlicher Samstagvormittag im St. Galler Lachen-Quartier. Die Menschen, die hier wohnen, sind bunt gemischt. Als „die Bronx von St. Gallen“ hat Stadtbaumeister Erol Doguoglu das Quartier schon liebevoll bezeichnet.

Auch wenn oft die sozialen Probleme im Vordergrund stehen, erfindet sich in das Quartier gerade neu. Das hat zum einen mit seinem architektonischen Potenzial, zum anderen aber auch mit geschickten Interventionen einer Stadtplanung zu tun, die Impulse lieber aufgreift, als sie von aussen aufzupfropfen.

Das Quartier dehnt sich heute vom Feldli-Friedhof und dem Rosenberghügel im Nordosten bis zum Burgweiher-Areal im Südwesten. Zum Zentrum wird es von der Kreuzbleiche gefasst. Dort wurde das Bundesverwaltungsgericht als Justizias Wachturm aufgerichtet. Am anderen Ende im Westen dagegen verbreitet die Oberstufen-Schulanlage Schönau fast klösterliche Atmosphäre. Die Widersprüche des Quartiers sind auch architektonisch greifbar.

Das war nicht immer so. Historisch war Lachen ein homogenes Quartier. Die ersten Häuser waren einzelne Bauten entlang der Landstrasse nach Zürich. Sie lagen vor der Stadtgrenze St. Gallens. Eine dichte Besiedlung setzte erst ein, als die Stadt ab 1890 die Blüte der Stickerei-Industrie erlebte. Grundstücksspekulation und Wohnbedürfnisse einer schnell wachsenden Arbeiterschaft führten zu einer raschen Ausdehnung von Lachen, das bis zur Eingemeindung 1918 noch zur Gemeinde Straubenzell gehörte.

Rechts und links der Zürcher Strasse entstanden parallel zur ihr einzeilige Hausreihen in kurzen Abständen. Durchmischt sind sie mit flachen Gewerbebauten. Grössere Anlagen wie Schulen oder der städtische Werkhof Waldau hat man an den Rand gelegt. Ein eigentliches Zentrum fehlt. In den fünfziger Jahren wurden Post, das erste Hochhaus St. Gallens und die Migros mit Arkadengang gebaut sowie die Zürcher Strasse erweitert. Hier deuten auch heute noch Geschäfte, Restaurants und Bushaltestellen so etwas wie einen Zentrumsersatz an. Gleichwohl trennt die viel befahrene Zürcher Strasse die beiden Quartierhälften eher, als dass sie sie verbindet.
In Lachen leben gemäss einer Volkszählung von 2000 rund fünf Prozent oder 3500 Einwohner von St. Gallen. Über 50 Prozent stammen aus dem Ausland, ein Viertel ist jünger als 20 Jahre. Mehr als doppelt so viele wie im städtischen Durchschnitt gehören muslimischen Gemeinschaften an. Das Bildungsniveau liegt deutlich unter St. Galler Querschnitt. Die ehemalige Lage vor der Stadt spiegelt sich in den Sozialdaten.

Doch seit ein paar Jahren wird das Quartier neu wahrgenommen. Von hier aus ist man in kurzer Zeit am Bahnhof und im Zentrum. Die Mieten sind tiefer, die alten Häuser haben noch andere Schnitte, und viele Grünflächen erlauben schnelle Erholung. Das ist attraktiv für junge Familien. Das Krügerpärkli an der Dürrenmatt-Strasse verströmt New-York-Atmosphäre. Dazu kommt, dass ein Generationenwechsel im Gang ist. Ältere ziehen oder sterben weg. An vielen Häusern weisen Schilder auf leere Wohnungen hin. Pensionskassen und Immobiliengesellschaften beginnen zu investieren.

Dieser Perspektivenwechsel aufs Quartier kam ohne grosses Zutun der öffentlichen Hand, eher zufällig zustande. Gleichwohl fördert die Stadt die Entwicklung mit sorgfältig gesetzten Impulsen. Dabei zeigt sich, dass vor allem die Auffrischung historischer Substanz erfolgreich ist, während Neubauten bisher eher Fragen aufwerfen.

Am eindrücklichsten gelungen ist die Renovierung der alten Seifenfabrik Suter, Moser & Co. an der Zürcher Strasse. Der Beton-Glasbau der St. Galler Architekten Baerlocher & Unger  wurde in den fünfziger Jahren erstellt und über die Jahre verändert. Wehrli Architekten haben jüngst den ursprünglichen Beton wieder freigelegt, saniert und mit einem neuen Anstrich gegen Umwelteinflüsse geschützt. Jetzt wirkt das Zeugnis einer lokalen Aneignung der Bauhaus-Moderne nicht mehr als Fremdkörper im Stadtteil, sondern strahlt mit seinen filigranen Metallfenstern und ebenmässig gesetzten Betonfeldern als Juwel in ein heterogenes Quartier. Am anderen Ende des Spektrums liegt die historisch sorgfältige Renovation der alten Militärkantine am Rand der Kreuzbleiche durch Rüesch & Rechsteiner. Ein junges Team hat hier einen kleinen Hub für ein weltoffenes St. Gallen geschaffen. An den Koffern der Hotelgäste kleben Flugnummern von Städten aus der halben Welt.

Nicht unweit davon wurde das alte Schulhaus Lachen zum Rock-& Pop-Zentrum umgenutzt, nachdem die Schulanlage Schönenwegen erweitert werden konnte. Die dezente Gestaltung der Fassade vermittelt zur umliegenden Bebauung aus dem frühen 20. Jahrhundert. Mit der Freilegung des Backsteinmauerwerks im Innern sorgte Architekt Daniel Cavelti für einen Grove, der zum rauen Sound passt. Dass die Stadt hier die jüngste Abteilung ihrer Musikschule untergebracht hat, passt nicht nur besonders gut zum Quartier ausserhalb des klassischen Kulturbezirks. Es grüsst über die Kreuzbleiche auch zum neuen Kultur-Hub LOK.

Weniger glücklich sind dagegen zwei neue Wohnüberbauungen gelungen. Die Mehrfamilienhäuser Vonwil-Park, die Baumschlager Eberle Architekten mit Backsteinfassaden versehen und in klassisch moderner Manier als Würfel in offene Zwischenräume verteilt haben, verweben den Bestand nicht. Während die historische Blockrandbebauung dem öffentlichen Raum klare Konturen gibt, ist zwischen Grasflächen und Lüftungsrohren keine Energie zu spüren. Da wurde eine Chance vertan.

Anders misslingen die Mehrfamilienhäuser an der Gerbestrasse. Vier Betonblocks nach Plänen von PARK-Architekten sind zwischen alte Wohn- und Gewerbebauten gestemmt. Die engen Zwischenräume verfügen zwar über ein hohes urbanes Potenzial, dieses bleibt mit grossen Teerflächen aber gänzlich ungenutzt. Ein Schlafort für Yuppies, die morgens schnell auf den Zug nach Zürich wollen. Vielleicht würde den Planern künftig ein Blick auf die Schulanlagen Schönau und Feldli helfen. Die kürzlich renovierten Ensembles einer Schweizer Moderne überzeugen in ihrer Mischung aus grossen Volumen und sorgfältiger Detaillierung auch heute noch. Die Vielfalt seiner Bauten ist es, womit das Lachen-Quartier neugierig macht. Sein Potenzial wird gerade entdeckt.

Bilder: Hanspeter Schiess