Architektur Forum Ostschweiz

Monatsarchive: Januar 2015

Kunst im Forum – Trying to be here…

Jiajia Zhang

Vernissage Do 4. Juni, 18.30 Uhr im Forum,
Ausstellung 5. Juni bis 28. Juni, Di–So 14–17 Uhr

‚Trying to be here‘ ist der Titel der Ausstellung von Jiajia Zhang, die ab dem 4. Juni im Architektur Forum Ostschweiz zu sehen ist. Dabei bereitet die vorsichtige Formulierung des Titels bereits auf die Flüchtigkeit der Ausstellung vor. Zhang stellt ihre Arbeiten dem Betrachter nicht definitiv installiert gegenüber. Als Betrachter stehen wir viel mehr mitten drin, unsere Position ist wichtig und das Verständnis der Arbeiten um uns herum verändert sich, während wir uns durch die Ausstellung bewegen. Die Charakteristik eines Ortes, unseres Umfelds und wie solche ‚Räume‘, ihre Geografie, Topografie, wie die Konzeption von Nationalität oder Lokalität unsere Wahrnehmung verändern, damit beschäftigt sich Zhang in ihrer Arbeit und macht dies in ihrer Ausstellung direkt erfahrbar.
Jiajia Zhang nutzt die Medien Video und Fotografie, sammelt vorhandene Bilder, stehende und laufende. Sie konstruiert, kombiniert leichte Installationen aus vorhandenen Materialien und manchmal IKEA-Möbeln. In einigen Arbeiten verwendet sie andere Massenprodukte, bekannte Internet-Phänomene etwa, weltweit verbreitete Intimitäten oder Nebensächlichkeiten wie Youtube-Videos der Katze Maru oder Instagram-Posts. In diesem Zwischenbereich von Privatheit und Öffentlichkeit, von Lokal und Global, beginnen solch definierten Begriffe zu schwanken und Zhang nutzt die Massenphänomene bewusst als Stellvertreter für solche Veränderungen.
Das Sichtbarmachen des Standorts, unser Position im sozialen oder allgemeinen Alltag, soll zudem durchaus politisch verstanden werden. Aus was setzt sich das Gefühl des ‚Hier‘-Seins überhaupt zusammen? Weshalb sind gewisse Bilder und Materialien global alltäglich und verständlich und weshalb sind wiederum lokale Sichtweisen doch Grund für Spannungen und Missverständnisse? In unserer Zeit, da nicht nur wir als Touristen, Gelegenheits- oder Geschäftsreisende, sondern (wieder) zunehmend ganze Gruppen, Völker immer weitere Distanzen zurücklegen, da Migration ein zentrales Thema ist, hat das Sichtbarmachen von Lokalität und Verständnis für Betrachtungsweisen eine immense Aktualität und Dringlichkeit. Eine Aktualität, auf die Jiajia Zhangs Ausstellung nicht nur in Zwischentönen hinweist.

Homepage Jiajia Zhang

Zhang

Architektur im Film: Erich Mendelsohn – Visionen für die Ewigkeit

Do 30. April, 17.30 Uhr im Kinok

Mendelsohn-EditionSalzgeber

Ein junger Architekt schickt seiner 16-jährigen Geliebten von der Front des Ersten Weltkriegs Briefe mit Zeichnungen organischer Gebilde und philosophischen Gedanken. Daraus entsteht eine lebenslange Verbindung, in der Erich Mendelsohn zu einem der wichtigsten Architekten des 20. Jahrhunderts reift.
Duki Dror erzählt sein Mendelsohn-Porträt als Liebesgeschichte, festgehalten in Briefen und Memoiren, in Spuren und Details berühmter Bauwerke, bei deren Entstehung Luise Mendelsohn das «zweite Auge» ihres Mannes war.

Regisseur: Duki Dror, IL 2011, D 70‘

www.salzgeber.de

Eintritt 15.– / Mitglieder AFO 10.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch

Einladungskarte April

Veranstaltungssponsoren: domus, Jansen

Architektur im Film: Fort von allen Sonnen

So 22. März 2015, 11 Uhr im Kinok

AwayFromAllSuns

Was ist übrig geblieben vom avantgardistischen Konstruktivismus der 20er-Jahre in Moskau? Ein Kampf gegen den Verfall, die Abrissbirne und die Korruption. In den Nebenstrassen Moskaus stehen vergessene Schätze: utopische Bauwerke, entstanden in den 20er-Jahren im Geiste des Konstruktivismus. Ruinen einer anderen Zukunft, in denen sich Hoffnungen und Irrwege der Moderne spiegeln. Was für ein Leben spielt sich heute an diesen aufgeladenen Orten ab?
„Die Gebäude halten eine Botschaft für uns bereit. Wenn auch die letzten Bauwerke den Grundstücksspekulanten oder dem Verfall weichen, wird sie ausradiert.“ Manifeste von Architekten wie Rodchenko, Lissitzky und Vesnin sowie Aufnahmen des frühen sowjetischen Films, unter anderem von Dziga Vertov, rufen die Vision der Moderne wach.

Regisseurin: Isa Willinger
D 2013 D 79‘
Weitere Vorführung: Mi 25. Mar 18.30 Uhr

www.awayfromallsuns.com

Eintritt 15.– / Mitglieder AFO 10.–
Reservation: T 071 245 80 72, www.kinok.ch
Veranstaltungssponsoren: domus, Jansen

Kunst im Forum – Spektrale

Beatrice Dörig

Vernissage Do 26. Februar, 18.30 Uhr im Forum,                          Ausstellung 27. Februar bis 22. März, Di–So 14–17 Uhr

Zeitungsbilder von Bedrohungen und Katastrophen: malerisch übersetzt in leuchtende Farbspektakel – Beatrice Dörig eröffnet mit Spektrale neue Wahrnehmungsebenen. Die St.Galler Künstlerin ent- und rekontextualisiert in ihrem Schaffen Fotoarchive, um sich das Zeitgeschehen in einem mehrstufigen Prozess anzueignen. In ihren jüngsten Arbeiten befasst sie sich mit der Intensitätsverteilung von Bildelementen und Farben sowie deren kritischer Ästhetisierung.
Beatrice Dörig erhielt 2014, zum zweiten Mal nach 2011, den Werkbeitrag der Stadt St.Gallen. Die Künstlerin lebt und arbeitet in St.Gallen. Nach langem Engagement im Figurentheater widmet sie sich in den letzten Jahren vermehrt der bildenden Kunst. Sie ist auch als Vorstandsmitglied der visarte.ost und des Kunstraums Nextex tätig.

Homepage Beatrice Dörig

Beatrice_Doerig

Pressemitteilung AFO

Flickwerk am Marktplatz

Das Projekt für den neuen Marktplatz setzt ohne Inspiration und Zusammenhang einzelne Interessen um. Es fehlt dem Vorschlag eine ganzheitliche Betrachtung, die für einen zentralen öffentlichen Platz unabdingbar ist. Abhilfe kann nur ein neuer Wettbewerb schaffen.

Nachdem das erste Projekt für die Neugestaltung des Markplatzes 2011 an der Urne gescheitert war, haben Stadtrat und Parlament die Rahmenbedingungen für das Projekt fundamental geändert. Der Stadtrat liess mit einer Vox-Analyse die Gründe für die Ablehnung ermitteln. Die kritischen Punkte wurden daraufhin aus dem Pflichtenheft gestrichen – was unumstritten schien, verblieb im Projekt. Das Resultat ist ein Flickwerk von einzelnen, aus dem Zusammenhang gerissen Projektbausteinen: Der Marktplatz soll autofrei werden und die Bushaltestelle Richtung Bahnhof rücken, Rondelle und Calatrava-Wartehalle müssen erhalten bleiben. Ein paar Bäume sollen für Aufenthaltsqualität sorgen, während der Ersatz der Parkfelder von einer privaten Initiative abhängt.

Jedes Problem wird isoliert betrachtet. In der Summe entsteht daraus jedoch noch kein überzeugendes Projekt für die einmalige Platzfolge von Blumenmarkt, Marktplatz und Bohl. Anstatt die Bedürfnisse der Bevölkerung bereits vor dem Wettbewerb in einem partizipativen Prozess abzuholen, wird nun der kleinste gemeinsame Nenner gesucht und damit die Entwicklung auf Jahrzehnte hinaus verbaut. Wie lässt sich dieser Gordische Knoten lösen? Wohl nur mit einem neuen Wettbewerb, der auf den veränderten Rahmenbedingungen aufbaut und den komplexen Anforderungen an diesen zentralen städtischen Platz gerecht wird.

St. Gallen, 17.02.2015

Pressemitteilung AFO

Flickwerk am Marktplatz abgelehnt

Das nun erneut abgelehnte Projekt für den neuen Marktplatz sollte ohne Inspiration und Zusammenhang einzelne Interessen umsetzen. Es fehlte dem Vorschlag eine ganzheitliche Betrachtung, die für einen zentralen öffentlichen Platz unabdingbar ist.

Das Stimmvolk von St. Gallen hat sich erneut gegen die Sanierung des Marktplatzes ausgesprochen. Ist dies das Ende des Projektes? Ganz im Gegenteil: Das Architektur Forum sieht nun die Chance gekommen für einen neuen, offenen Wettbewerb. Doch das Verfahren beginnt wieder von vorne: Bevölkerung und Behörden erarbeiten zuerst gemeinsam und in einem öffentlichen Prozess die Grundlagen. Das Ziel ist eine tragfähige Basis, die in der Bevölkerung Rückhalt findet. Erst dann wird der Wettstreit der Ideen zu einem passgenauen Projekt für das pulsierende Herz der Stadt führen.

Ein neues Verfahren bietet dem Stadtrat die Chance, die Direktion Bau und Planung neu aufzustellen: Das Stadtplanungsamt wird seit kurzem von Florian Kessler geführt, im Sommer wird das Hochbauamt unter neuer Leitung stehen, das Tiefbauamt ist bestens vertraut mit den Problemen. Mit dem Marktplatz kann der Stadtrat beweisen, dass seine Ämter einer Herausforderung wie dem Marktplatz gewachsen sind: kommunikativ, politisch und planerisch.
Das Architektur Forum Ostschweiz hofft auf einen konstruktiven Neubeginn.

St. Gallen, 08.03.2015

Pressemitteilung AFO

Positive Signale aus dem Stadtrat

Es kommen gute Neuigkeiten aus der Direktion Bau und Planung: Mit Hans Ulrich Rechsteiner hat der Stadtrat einen engagierten Architekten als neuen Stadtbaumeister gewählt, der Kauf der Gebäude an der Lagerstrasse eröffnet neue Perspektiven im Gebiet hinter dem Bahnhof.

Nach dem Debakel am Marktplatz hat der Stadtrat nun wieder vielversprechende Zeichen gesetzt: Mit Hans Ulrich Rechsteiner wird ein engagierter und geschätzter Architekt aus der Stadt das Hochbauamt führen. Mit dieser personellen Besetzung festigt der Stadtrat sein Bekenntnis für die Baukultur. Das Architektur Forum begrüsst diese Entscheidung und gratuliert seinem ehemaligen Vorstandsmitglied zur Wahl.

Ein weiteres positives Signal ist der Erwerb der Liegenschaften an der Lagerstrasse. Der Stadtrat hat erkannt, dass das Geviert hinter dem Bahnhof ein wichtiges Passstück in der Stadtentwicklung darstellt und das Wachstum der Stadt zu lenken, gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Politik. Das Architektur Forum ist angenehm überrascht, dass die Direktion Bau und Planung diese Planung nach anfänglichem Zögern nun aktiv angeht. Das Hochbauamt wird bald unter neuer Führung stehen, im Stadtplanungsamt steht seit Oktober Florian Kessler an der Spitze.
Zusammen mit dem Tiefbauamt können sie am Entwicklungsgebiet Bahnhof Nord zeigen, wie sie die Zukunft der Stadt gestalten möchten – als Testlauf für einen neues Projekt am Marktplatz.

 

St. Gallen, 26.03.2015

Struktur und Raum

Wie der Körper mit seinem Skelett eine Einheit bildet, bedingen sich Raum und Struktur. Erst eine Architektur, die aus den Gesetzmässigkeiten ihrer Tragstruktur heraus entsteht, erscheint schlüssig und wird selbstverständlich. Im Zusammenspiel von Statik und Material spannt sich der Raum auf, in dem wir leben und uns bewegen. Aus den Strukturen unserer Gesellschaft spriessen lebendige und vielgestaltige Städte. Die Anmutung kann dabei unterschiedlich ausfallen: von den gotischen Kathedralen über Brücken und Tunnels bis zu Gebäuden, in denen Raum und Struktur eins werden, und den Quartieren, die dank der Wiedergeburt der Städte entstehen. Die Zusammenarbeit der Professionen steht im Vordergrund – Architektur, Ingenieurwesen, Raumplanung, Soziologie. Das Architektur Forum Ostschweiz richtet den Blick darauf, wie aus Strukturen Raum entsteht, und auf Werke, die gleichzeitig das Grosse und das Kleine umfassen: in Gedanken, Gebäuden und Gesellschaft.

 

Sommerpause

 Am Mo 7. September 2015 geht es weiter mit einem Beitrag zu unserem Jahresthema Struktur und Raum von Carl Fingerhut. Bis dahin wünschen wir sonnige Zeiten!

 

Architekturfilm und Diskussion

Wem gehört die Stadt –– Bürger in Bewegung

Mi 8. April 2015, 20 Uhr im Kinok

Nach der Vorstellung diskutieren Dr. Dipl.-Ing. Eva Lingg, Architektin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum Soziale Räume, FHS St.Gallen, und René Finger, Architekt und Vorstandsmitglied des Architektur Forum Ostschweiz. Moderation: Prof. Dr. Rudi Maier, FHS St.Gallen. Die Gruppe «Tisch hinter den Gleisen» stellt sich und ihre Aktivitäten vor.

Als ein Grossinvestor ankündigt, auf einem ehemaligen Industrieareal mitten in Köln-Ehrenfeld eine Shopping Mall zu bauen, werden Proteste laut. Der Bürgermeister des Stadtteils versucht zu vermitteln: Er möchte die Anwohner an der Gestaltung ihres Viertels beteiligen. Doch während in der Bürgerinitiative noch über visionäre Alternativen diskutiert wird, hat die Stadtverwaltung schon ganz andere Pläne auf dem Tisch. In ihrer Langzeitdokumentation gelingt es Anna Ditges, alle Gruppen vor die Kamera zu holen, die stadtverändernde Prozesse erleben: die Stadtverwaltung, den Investor und die Bürgerinnen und Bürger, die sich artikulieren und politisch aktiv werden. Dabei gelingen ihr tiefe Einblicke in die Pläne des Investors und der Stadtverwaltung und deren langfristiges Kalkül. Ihr besonderer Verdienst besteht aber auch darin, dass sie die Bürger nicht aus den Augen verliert, die sich nicht öffentlichkeitswirksam artikulieren können und die Gentrifizierung und die damit einhergehenden Veränderungen still erleiden. «Wem gehört die Stadt – Bürger in Bewegung» ist eine Dokumentation über Stadtentwicklungsprozesse, die heute in jeder Stadt anzutreffen sind. In St.Gallen ist u.a. das Gebiet um die Lokremise ein Beispiel dafür.

D 2014, 87 min, DCP, D
Regie: Anna Ditges
Mitw.: Paul Bauwens-Adenauer, Hans-Werner Möllmann, Almut Skriver, Peter Brings, Erol Günes, Özgül Günes, Anne Luise Müller, Andrea Rauber u.a.

 kinok.ch